Sonntag, 17. Januar 2010 15:51
Wenn im Fernsehen Filme in einer Region gedreht werden ist es immer wieder interessant, die Meinungen der Einheimischen zu hören. Gerade wenn man selbst die Region nicht kennt ist es erstaunlich, wie im Fernsehen Dinge dargestellt werden, die es gar nicht gibt. Der Cutter erschafft eigene kleine Welten, die in sich so perfekt sind, dass man am Liebsten dort Urlaub machen würde. Dekelsen aus der Serie “Der Landarzt” ist zum Beispiel so ein Ort. Ein fiktiver freilich, denn gedreht wird in und um Kappeln.
Ich möchte heute aber – wie soll es anders sein – von Heiligendamm berichten.
Als ich im Spätsommer letzten Jahres gerade von einem Termin in Heiligendamm kam und ein paar Bilder brauchte, empfing mich die Professor-Vogel-Straße von vorn bis hinten fast beidseitig voller Autos, Transporter und Lkws. Tontechnik war aufgestellt, Kameras wurden verstaut und ich fragte den Portier, was denn hier los sei. Dabei erfuhr ich, dass gerade für den Film “Zum Hochzeitstag alles Böse” als Fritz Weppers Sendereihe “Mord in bester Gesellschaft – das eitle Gesicht des Todes” gedreht wurde. Prompt kamen mir dann auch zwei auffallend hübsche Mädels in leichter Bekleidung entgegen. Sogar den Sendetermin konnte mir der Portier schon sagen: Anfang 2010.
Am 14.01.2010 lief der Film nun um 20:30 Uhr im Ersten (ARD). Ich habe ihn mir natürlich angesehen – zusammen mit Frau und Eltern – und sehr genau hingeschaut. Die Handlung ist kurz erklärt: Polizeipsychologe Dr. Wendelin Winter (Fritz Wepper) und seine Tochter Alexandra (Sophie Wepper) sind für einen gemeinsamen Wellness-Urlaub an die Ostsee gefahren. Dort treffen sie auf eine ehemalige Patientin Winters, Rita Theisen (Daniela Ziegler). Die elegante Endfünfzigerin ist Millionenerbin der Theisen-Werke und lebt mit ihren zwei erwachsenen Kindern auf einem mondänen Gut. Als Rita ihnen ihren deutlich jüngeren zukünftigen Ehemann Ricky Römer (Gunther Gillian) vorstellt, sehen Johannes (Johannes Brandrup) und Sophia (Pia Baresch) ihr Erbe schwinden. Sie würden alles unternehmen, um die geplante Hochzeit zu verhindern. Sophia hofft dabei auf Unterstützung ihres verheirateten Geliebten, dem Leiter des “Gut Theisen”, Max Warnecke (Christian Kohlund). Trotz der Widerstände in ihrem Umfeld schwebt das ungleiche Paar im siebten Himmel. Doch das Glück hält nicht lang. Bei einem Ausflug findet Alexandra Winter Ricky tot in einer Kapelle. So werden Dr. Wendelin Winter und seine Tochter wieder einmal in die Ermittlungen eines Mordfalles verwickelt. Eigentlich hätte jeder auf “Gut Theisen” ein Motiv gehabt, den jungen Mann zu ermorden. Als dann auch noch Johannes seine eigene Mutter mit dem Motorrad attackiert und dabei tödlich verunglückt, stehen Wendelin Winter und seine Tochter vor einem Rätsel. Erst als sich herausstellt, dass die neue, junge Haushälterin Carmen (Julia Thurnau) Croupier in jenem Casino ist, in dem Rita Ricky kennen gelernt hat, kommt Bewegung in den festgefahrenen Kriminalfall …
Der Film aus der Sicht eines Einheimischen:
Der Film begann mit dem Eintreffen der Winters in Heiligendamm direkt vor dem Grand Hotel.
Alexandras Kommentar beim Ausstieg: “Ein Traum in weiß”. Der Sommertag war herrlich, die Kulisse malerisch und der Anblick traumhaft. Beste Werbung für das Grand Hotel. Alexandras Kommentar trägt sicher dazu bei.
Die beiden gingen in das Hotel, wurden vom Pagen empfangen und begaben sich zur Rezeption.
Alles echt – so wie der Eingangsbereich wirklich ist. Nur der Rezeptionist war natürlich nicht echt.
Winter trifft Rita Theisen und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Heiligendamm wird mehrmals ausgiebig gezeigt. Es ist relativ menschenleer, was auf Absperrungen zu den Dreharbeiten hinweist.
Die Perlenkette wird nicht eingeblendet – nur einmal das Haus “Bischofsstab”. Es gibt Szenen auf der Seebrücke, stets aber mit Blick nach Westen. Die Strandbar ist für den Film möbiliert mit den Holzmöbeln von der Kurhausterrasse, während beim Verlassen des Kurhauses durch Johannes dieselben dort völlig fehlen und auch keine Gäste vorhanden sind. Die Ankündigung der Hochzeit erfolgt an einem verloren wirkenden Tisch im großen Ballsaal, der auch eindrucksvoll gezeigt wird.
Die Autos kommen vor dem Grand Hotel von rechts und fahren nach links wieder ab – also gegen die Kurhauswand.
Aber im Film gibt es ohnehin nur Wunderautos.
Es ist zum Beispiel von einer Kapelle im Wald die Rede und wir sehen einen Park und eine mit Felssteinen umringte Kirche. Im ersten Bild ist dies die katholische Waldkapelle im Großen Wohld und gleich in der nächsten die evangelische Waldkirche im Kleinen Wohld. Bei beiden stehen Autos und Motorräder – obwohl es in der Realität bei beiden nicht möglich ist. Die Innenszenen spielen letztlich in der evangelischen Waldkirche, die dafür offen ist. Die Leute gehen dort ein und aus – in der Wirklichkeit gelangt man nur bis zum Eingang, der durch ein Gitter verriegelt ist. Alle Innenszenen sind also automatisch realitätsfern aber dazu ist es ja ein Film. Besonders amüsant ist, dass keine der beiden Kirchen mit dem Auto erreichbar ist. In den Schlussszenen jedoch finden wir eine Straßensperre an der fiktiven Zufahrt zur Kirche vor.
Wer die Kirchen Heiligendamms von der Straße aus sucht, wird sehr lange damit beschäftigt sein. Auch die Suche nach dem “Ostsee-Boten” wird keinen Erfolg haben, denn eine Zeitung namens “Ostsee-Bote” gibt es nicht.
Zwischenzeitlich ist auch das Gut Klein Nienhagen wichtiger Schauplatz des Filmes. Umbenannt in “Gut Theisen” spielt hier ein großer Teil der Handlung. Das Gut ist echt und es wurde sogar das Ehebett der Gutsbesitzer – die entgegen der Filmhandlung tatsächlich Eigentümer und nicht nur Verwalter sind – für Szenen genutzt. Ein Ledersessel und ein Kronleuchter gehörten nur zu den Requisiten – vielleicht zum Bedauern der Gutsbesitzer.
Abgebrannt ist zum Schluss nur eine Kulisse – das Gut nahm keinen Schaden.
Gedreht wurde übrigens an allen Drehorten im laufenden Gästebetrieb – eine Meisterleistung.
Während die Filmemacher über eigene Polizeiautos verfügen – daher das Hamburger Kennzeichen – war die Feuerwehr echt.
Die Kröpeliner Kameraden wurden für die Szene ausgeliehen. Klein Nienhagen gehört nämlich zu Kröpelin.
Witzig wurde es wieder, als die Szenerie zwischen Gut, Grand Hotel, Waldkirche und Strand wechselte.
Das Gut befindet sich gleich weit von allen Schauplätzen entfernt: 16 Kilometer bis Rerik, bis Heiligendamm und bis Kägsdorf.
Die Strandszenen wurden in Kägsdorf gedreht.
Heiligendamm hatte plötzlich einen Hafen, von dem Wendelin Winter seine unfreiwillig gebadete Tochter abholen musste.
Gezeigt wurden abwechselnd der Alte Strom in Warnemünde, der Yachthafen auf der Hohen Düne und dann wieder der Kühlungsborner Yachthafen. Absichtlich suggeriert wurde wohl, dass der Hafen des Filmes sich in Kühlungsborn befinden würde.
Kühlungsborn wurde von Heiligendamm aus gezeigt. Dort aber gibt es keine Kutter mit der Kennzeichnung “WAR” – denn das steht für “Warnemünde” und in Kühlungsborn legt nur die “MS Baltica” an.
Auch ein Spielcasino gibt es in den beiden westlichen Ostseebädern nicht.
Das wurde wieder Warnemünde entliehen – ansässig im Kurhaus.
Die Kurklinik am Ende des Filmes dürfte sich auf Usedom befinden, während die Außenszenen mit der Ostsee im Hintergrund auf der weißen – Doberan-typischen – Bank vor der Hohenzollern-Burg in Heiligendamm gedreht worden sein dürften. Carmens – für einen Croupier ungewöhnlich luxuriöse – Wohnung befand sich in der Strandresidenz in Kühlungsborn.
Das Feld und die Alleen sind schwer wiederzuerkennen aber es dürfte sich um die Gegend um den Bastorfer Leuchtturm bis Kägsdorf gehandelt haben. Hier war es nun besonders bemerkenswert, dass Ricky auf der Flucht vor Johannes vom Feld in Richtung Wald lief, wo die Kirche von Alt Garz (Rerik) heraus lugte. Er lief also etwa 16 Kilometer weit nach Westen, um kurz darauf im 32 Kilometer entfernten Heiligendamm in die – eigentlich stets verschlossene – Waldkirche zu flüchten. Alexandra pflückte gerade bei Bastorf Blumen und brachte sie dann zu Fuß in die – 16 Kilometer entfernte – Waldkirche Heiligendamms.
Der SPA-Bereich wurde korrekt gezeigt. Lediglich die Massageliege, auf der Wendelin Winter mehrmals massiert werden sollte und letztlich ja auch endlich wurde, befand sich nicht an ihrem angestammten Ort. Man hat dafür extra im Grand Hotel ein Zimmer im Nordwest-Erker frei geräumt, um die Massageliege wirkungsvoll vor einem Panormafenster mit Seeblick positionieren zu können.
Die rote Strandliege, auf der Alexandra Winter in der Schlussszene liegt, wurde extra vom Dach des Severin-Palais geholt.
In der Schlussszene auf der Seebrücke wurde mir dann auch klar, wer mir da beim Rundgang in Heiligendamm begegnet ist: Sophie Wepper und eine Freundin.
Alles in allem ein schöner und unterhaltsamer Film mit überraschendem Ausgang und herrlich verkehrter Welt.
Einige Touristen werden nun in Heiligendamm verblüfft feststellen, dass es keinen Yachthafen gibt, die Waldkirche nicht mit dem Auto erreichbar ist und dass das Gut “Thiessen” ganz schön weit weg ist. Trotzdem: Sehr gelungen und nett anzusehen.
Und wenn mich nicht alles täuscht, habe ich im Foyer im Sessel neben dem Heiligendamm-Modell Anno August Jagdfeld mit einer Zeitung in der Hand sitzen sehen.
Ihr Martin Dostal
www.zeit-am-meer.de
Die Schauplätze:
Grand Hotel Heiligendamm: http://www.grandhotel-heiligendamm.de/
Gut Klein Nienhagen: http://www.gutshofurlaub.de/wepper.html
Kägsdorf: http://www.ostseegemeinde-bastorf.de/index.php/ortsteile-bastorf/kagsdorf/