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Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?
Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Warum sind alte Wege verschwunden?
Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?
Schwerpunkt Heiligendamm.
Thema Nummer eins:
Warum verfallen Häuser in
Heiligendamm?
Egal, von wo aus der Besucher die weiße Stadt am Meer besucht-
sein erster Weg führt an verfallenen Häusern vorbei. Der Forsthof in
der Kühlungsborner Straße, drei Häuser in der Gartenstraße, zwei in
der Seedeichstraße und gleich sechs direkt an der Promenade. Auch
dahinter finden sich Moder und Verfall und im Angesicht dazu stehen
sechs strahlend weiße Häuser, eine neue Klinik, sanierte Eigenheime
und Zweckbauten, die hundert Mal schöner sind, als die erste Reihe
der weißen Stadt am Meer. Lücken zeugen von Abrissen und etwas neues
wird auch nicht gebaut.
Hat der Investor sich übernommen, ist die ECH Pleite oder will
FUNDUS gar nicht Heiligendamm wieder aufbauen? Ist das
Sanierungskonzept gescheitert, Heiligendamm zum Tode verurteilt oder
warum lässt man diese schönen alten Häuser in bester Premium-Lage
verfallen?
Es hat Monate gedauert, diesen Fragen nachzugehen, Gründe zu
recherchieren und Fakten zusammen zu tragen. Die Sache ist verzwickt
und mit einer kurzen Antwort eigentlich gar nicht zu klären. Nicht
alles hat der Investor zu verantworten und nicht alles was verfällt
gehört ihm. Hier kommen die wahren Gründe des Verfalls im ersten
deutschen Seebad Heiligendamm.
Inhalt (anklickbar):
- Die kurze
Antwort
- Die lange
Antwort
- Übersicht über die Gebäude Heiligendamms
- Was zum Verfall der Gebäude führte.
- Das Sanatorium als Zugpferd Heiligendamms.
- Das Ende der DDR als Schicksalsschlag eines
ganzen Ortes.
-
Niedergang im laufenden Betrieb.
- Wer will
Heiligendamm?
- Gesamtkonzept oder Einzelinvestoren
- Stillstand und Verwahrlosung: Aller Anfang
war schwer.
- Alle Versuche sind gescheitert. Wer kann
Heiligendamm jetzt noch retten
- Jagdfeld will Heiligendamm retten - doch
nicht bedingungslos.
- Zwischen Vision und Wirklichkeit:
Heiligendamm verfällt im Wiederaufbau.
- Testphase: Funktioniert Heiligendamm auf der
grünen Wiese?
-
Stillstand durch Uneinigkeit.
-
Stillstand durch Revisionismus.
-
Stillstand durch Blockade.
- Folgen
des Stillstandes.
- Ende des Stillstandes - Aussicht auf
Wiederaufbau
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Die kurze Antwort:
Vertraglich festgelegt war, dass der Investor zuerst die
Hauptgebäude des Ensembles (Kurhaus, Orangerie, Burg, Häuser
"Mecklenburg" und "Grand Hotel") saniert, dann oder zugleich
das Severin-Palais errichten darf und erst nach Fertigstellung
des Ensembles die Villen der Perlenkette und die westlichen
Cottages zu sanieren hat. Bevor diese Villen nicht fertig
gestellt sein würden, dürfte der Investor keine Neubauten
errichten.
Diese Reihenfolge war für die FUNDUS-Tochter ECH von der Stadt
Bad Doberan verbindlich vorgegeben worden. Die ECH
sanierte darum zuerst das Ensemble und errichtete das
Severin-Palais. Dafür nutzte sie einen geschlossenen Fonds, in
den über 2000 Anleger eingezahlt haben, sowie Fördermittel und
Eigenkapital. Über 250 Millionen Euro wurden investiert. Im
Jahre 2004 sollte dann die Sanierung der Perlenkette
vorbereitet werden. Unter der rot-grünen Bundesregierung
Gerhard Schröders wurden jedoch Gesetze geändert, infolge
dessen die geschlossenen Fonds nicht mehr attraktiv genug
waren und FUNDUS die Villen nicht mehr über Fonds finanzieren
konnte. Da FUNDUS die etwa 70 Millionen Euro für die Sanierung
nicht aus eigener Tasche zahlen konnte, kam nur eine
klassische Immobilienfinanzierung in Frage.
Allerdings finanzierten die Banken bereits 2004 keine
Hotelprojekte mehr, sodass sich keine Bank fand, mit der
FUNDUS sieben Häuser mit Hotelsuiten realisieren konnte. Würde
man jedoch Apartmentwohnungen in die Villen integrieren, wäre
eine Finanzierung möglich. Also plante die ECH pro Villa sechs
Wohnungen (Anker: 5) ein, die verkauft werden sollten. Bei der
Vermarktung erwies sich als problematisch, dass für die
Wohnungen kein Recht auf dauerhafte Nutzung gegeben werden
konnte, weshalb die ECH die Stadt Bad Doberan bat, dauerhaftes
Wohnen in den Villen der Perlenkette zu ermöglichen.
Die Stadtvertreter gaben der ECH Baurecht für die Villen,
beließen sie jedoch im Sondergebiet "Hotel". Wenig später
stellte sich bei der weiteren Vermarktung heraus, dass auch
das Parkplatzproblem potenzielle Interessenten abschreckt. Die
Parkplätze für die Villen befinden sich am Ortsrand. Die ECH
beantragte den Bau eines unterirdischen Tunnelparkplatzes für
die Perlenketten-Bewohner und zugleich einer öffentlichen
Tiefgarage für 150 Stellplätze für das Thalasso-Zentrum. Dabei
galt es, die Promenade anzuheben, eine Flutschutzmauer zu
errichten und drei Bäume zu fällen. Nachdem 21 Ämter und
Behörden den Änderungen im Bebauungsplan zugestimmt hatten,
beschlossen die Stadtvertreter diese Änderungen nicht und
gaben somit dem neuen Plan keine Rechtskraft. In der Folgezeit
entbrannte ein Streit, für deren Dauer die Perlenkette weiter
verfiel. Erst Ende 2009 stimmte die inzwischen neue
Stadtvertreterversammlung den Änderungen zu und gab grünes
Licht für den Wiederaufbau der Perlenkette, dem Bau der
Tiefgarage bzw. des Tunnelparkplatzes, sowie den Genehmigungen
für das Ensemble-Palais, der Ensemble-Villa und des
Thalasso-Zentrums.
Als erstes wird im Sommer 2010 die Villa "Perle"
wiederaufgebaut. Ihr folgen dann Tunnelparkplatz und nach
Vermarktung die anderen sechs Villen, sowie die Kolonnaden.
Die Villa der Familie von Witzleben, die Villen in der
Seedeichstraße und das Forsthaus befinden sich ebenfalls im
Besitz der ECH, mussten aber bisher noch warten, da die
Perlenkette Priorität hatte. Wann eine Sanierung erfolgen
wird, steht noch nicht fest aber die rechtliche Möglichkeit
dazu besteht nun.
Das Gästehaus der Familie von Witzleben, sowie gegenüber das
"Mecklenburgische Haus" (Krieg's Hotel) gehören der ECH nicht.
Die ECH ist aber bemüht, alle ungenutzten Immobilien und
Grundstücke in Heiligendamm zu erwerben, um Fremdeinwirkungen
zu vermeiden und eine einheitliche Entwicklung Heiligendamms
zu erreichen.
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Die lange Antwort:
Hier müssen wir sehr weit ausholen, um die Entwicklung aufzuzeigen
und zu verstehen.
Das historische Ensemble Heiligendamms besteht aus 19 Gebäuden, die
zwischen 1796 und 1900 entstanden sind.
Dies sind von Ost nach West die Häuser "Prinzessin-von-Reuß-Palais,
"Bischofstab", "Anker", "Hirsch", "Schwan", "Seestern", "Möwe",
Greif", "Perle und Großfürstin Marie", die Kolonnaden, das Grand
Hotel, das Kurhaus, das Haus "Mecklenburg", die Hohenzollernburg,
die Orangerie, Haus "Brahn", das Kronencottage, das Mariencottage
und das Alexandrinencottage. Mit dazu gehören ein Pavillon im
Lindenrondell, Nebenbauten am Prinzessin-von-Reuß-Palais und bereits
vor 1796 vorhandene Gebäude, wie eine Scheune, ein ehemaliger Stall
und der Marstall.
All diese Gebäude hat die EntwicklungsCompagnie
Heiligendamm (ECH) - eine Tochter der FUNDUS-Gruppe - seit 1996 erworben.
Bis dahin wurden diese Gebäude von der Oberfinanzdirektion Rostock
verwaltet. Im Grand Hotel, dem Haus "Mecklenburg", dem Kurhaus und
der Hohenzollernburg war von 1949-1990 das Sanatorium für Werktätige
untergebracht, welches 1990 zunächst schloss und 1991 als
"Ostseeklinik" weiter geführt wurde. Der Bund als Eigentümer der
Gebäude wollte sich jedoch von den Gebäuden trennen, da die
Ostseeklinik nicht wirtschaftlich lief. Jeden Monat waren 150.000 DM
Betriebsmittelzuschüsse nötig, die das Land zu zahlen hatte. Das
Land avisierte daher einen Verkauf und stellte 1992 Kataloge für die
einzelnen Gebäude zusammen.
Übersicht über die Gebäude Heiligendamms
Kernstück Heiligendamms ist das Ensemble. Wenn man "Ensemble" sagt,
meint man damit das Grand Hotel (ehem. Haus "Berlin"), das Kurhaus,
Haus "Mecklenburg" und die Burg. Diese Häuser wurden durch das
Sanatorium für Werktätige genutzt, bzw. stellten dieses dar. 1990
stellte das Sanatorium den Betrieb ein und wurde 1991 als
"Ostseeklinik" neu gegründet. Zur weiteren Geschichte kommen wir
gleich. Zunächst schauen wir uns die Häuser einmal an, wie sie
zwischen 1990 und 2000 aussahen.
BILD FOLGT
Das Grand Hotel, welches 1886 als Logierhaus - also
Hotel - erbaut wurde, fungierte bis 1932 als dieses, wurde dann
zuerst Ferienheim und später Reservelazarett. Ab 1945 wurde das
Gebäude zu Reparationsleistungen entleert und
anschließend geplündert, sodass nur der fensterlose Baukörper ohne
jegliches Inventar übrig blieb. Restitutionsansprüche Christian
Ludwigs wurden von der DDR-Regierung abgeschmettert und es erfolgte
der Aufbau eines Sanatoriums. Während der Grundriss weitgehend
beibehalten wurde, verschwanden Teile des Lichthofes zu Gunsten
einer Fahrstuhlkonstruktion, an der die Stockwerke aufgehängt
wurden. Den restlichen Bauten widerfuhr ein ähnliches Schicksal. Das
Grand Hotel wurde als "Haus Berlin" (auch "Haus I") als Hauptgebäude
des Sanatoriums geführt.
BILD FOLGT
Neben dem Grand Hotel befindet sich das Kurhaus, welches 1816 als
Speise- und Gesellschaftshaus erbaut wurde und diese Funktion
weitgehend beibehielt. Während der DDR-Zeit waren hier mehrere Säle
zum Speisen und Feiern aber auch Funktionsräume und Verwaltungsräume
untergebracht.
BILD FOLGT
Am Kurhaus dran befindet sich das bereits 1793
erbaute aber in dieser Form erst 1839 vollendete ehemalige Badehaus,
welches stets "Haus Mecklenburg" hieß und die Funktion als Badehaus
bis in die DDR-Zeit beibehielt. Abgesehen von den Funktionsräumen
gab es jede Menge Behandlungszimmer und auch hier wieder Zimmer für
die Unterbringung im Sanatorium. An allen drei Gebäuden wurden
bauliche Vereinfachungen vorgenommen und alle drei Gebäude erfuhren
denselben Umgang bei der Pflege und Instandhaltung.
BILD FOLGT
Das letzte Gebäude des klassizistischen Ensembles ist die Burg,
welche 1848 als Logierhaus für Angehörige und Gäste der
großherzoglichen Familie erbaut wurde. Die Burg wurde wie die
anderen drei Häuser genutzt, erlitt allerdings nach Kriegsende große
Zerstörungen bei einem Dachstuhlbrand. Der Architekt Kegebein schlug
vor, auf die ohnehin für das Sanatorium nicht nutzbaren Türme und
Zinnen zu verzichten und stattdessen auf den vorhandenen Baukörper
ein Walmdach aufzusetzen.
Dieser Vorschlag wurde umgesetzt und so
präsentierte sich die einst stolze Burg am Ostseestrand so, wie auf
dem Bild. Darum wird sie auch keinem als Burg in Erinnerung sein.
Dieser Teil des Sanatoriums erhielt den Namen "Haus Glück auf" und
stand ausschließlich Bergarbeitern der DDR zur Kur zur Verfügung.
Das Gebäude gehörte zwar zum Sanatorium, war aber eine als extra zu
betrachtende Einheit, da die Erkrankungen der Kurgäste dieser Häuser
überwiegend sehr sichtbar waren und man den Blick darauf verhindern
wollte. Die Haut- und Lungenkranken bekamen auch einen eigenen
blickgeschützten Strandabschnitt in der Nähe.
BILD FOLGT
Nicht mehr zum klassizistischen Ensemble aber zum Sanatorium gehörte
das Haus "Magdeburg", erbaut 1840 als Villa "Krone" und ursprünglich
genutzt als privates Gästehaus der großherzoglichen Familie. Zu
Zeiten des Sanatoriums wurden hier Behandlungszimmer untergebracht.
Das nannte sich dann "Ärztehaus".
BILD FOLGT
Ebenfalls als Ärztehaus diente das daneben befindliche, auch 1840
errichtete Haus "Dresden", welches als Villa "Marie" der
großherzoglichen Familie als Wohnhaus diente. Die Ärztehäuser wurden
thematisch genutzt: Eines für Hautkrankheiten, eines für
Lungenkrankheiten und eines als TBC-Zentrum.
BILD FOLGT
Das letzte Haus im Westen wurde ebenfalls 1840 errichtet, diente als
Logierhaus der Großherzogin, wurde später vergrößert und erhielt zu
DDR-Zeiten verglaste Veranden, die es noch einmal vergrößern
sollten. Alte Bilder zeigen die Großherzogin Alexandrine auf der
Terrasse ihres Alexandrinen-Cottage. Zu DDR-Zeiten trug das Haus den
Namen "Haus Weimar" und war das letzte der drei Ärztehäuser.
BILD FOLGT
Zu
guter Letzt gibt es dann noch das Haus "Brahn", gegenüber dem Haus
"Magdeburg", welches (nach meinen Informationen - d.
Autor) die Verwaltung des
Sanatoriums beherbergte.
BILD FOLGT
Kommen wir nun zu dem, was nicht zum Sanatorium gehörte aber vom
Sanatorium gewissermaßen abhängig war.
Da haben wir im Osten des Ortskerns an der Seedeichstraße die Villen
"Eikboom" und "Seeadler", beide 1873 als Logierhäuser hochrangiger
Mitglieder der mecklenburgischen Regierung errichtet und genutzt.
Hier wohnten die leitenden Ärzte des Sanatoriums.
BILD FOLGT
Daneben befindet sich das Golfhaus, welches eigentlich nie eines
war, sondern 1850 von General von Hopfgarten als Wohnhaus errichtet
wurde. Den Namen erlangte das Hopfgartensche Haus durch die Nähe zum
Golfteich. Dieses Haus diente (meines Wissens - d. Autor) zu
DDR-Zeiten als Wohnhaus.
BILD FOLGT
Im Großen Wohld - jenem Wald, an dessen Rand die eben genannten
Gebäude sich befinden, entstanden außerdem ab 1960 diverse Bauten
des Schützenvereins und der Forst.
BILD FOLGT.
Von Osten nach Westen haben wir nun als erstes einen kleinen
Zweckbau, der neben der Wasserwacht einen Imbiss enthält und in den
60er Jahren gebaut wurde.
BILD FOLGT
Dann folgen die zwei Kopfbauten der
Perlenkette, die da zur linken "Prinzessin-von-Reuß-Palais heißen
und von derselben als Sommerhaus genutzt wurden und zur rechten das
Haus "Bischofsstab, ein Logierhaus, das 1860 für mehrere Einzelgäste
errichtet wurde. Das 1850 erbaute Prinzessin-von-Reuß-Palais nannte
sich ab 1949 "Max-Planck-Haus" und gehörte dem Freien Deutschen
Gewerkschaftsbund der DDR (FDGB), der es als Ferienheim betrieb. Das
Haus "Bischofsstab" war auch ein Ferienheim, gehörte aber dem
Reisebüro der DDR. Beide Häuser hatten mit dem Sanatorium weiter
nichts zu tun und verfügten über eigene Küchen und Speisesäle.
BILD FOLGT
Neben
dem Max-Planck-Haus entstand später ein Zweckbau.
BILD FOLGT
Auf der Seite des Max-Planck-Hauses befinden sich zudem die auch
1860 errichteten Kolonnaden, welche von je her als Kaufhalle diente
und zu DDR-Zeiten ein Milchgeschäft, ein Buchgeschäft und ein
Textilgeschäft im Erdgeschoss beherbergte. An der Ostseite wurde das
"Schwanencafé" eingerichtet und im Obergeschoss entstanden
Wohnungen, vornehmlich für Mitarbeiter des Sanatoriums. Daneben
entstanden ein kleines Postgebäude und ein Garagenkomplex.
BILD FOLGT
Auf der
gegenüber liegenden Seite gibt es von Ost nach West die Villen
"Anker", "Hirsch", "Schwan", "Seestern", "Möwe", "Greif" und die
Villa "Perle" mit dem Anbau "Großfürstin Marie". Alle Häuser wurden
zwischen 1854 und 1857 errichtet, der Anbau an die "Perle" erfolgte
1874. Die Häuser dienten als Gästehäuser, wurden später ebenfalls
Reserve-Lazarett und schließlich nach 1949 entstanden in ihnen
Wohnungen, vornehmlich für Mitarbeiter des Sanatoriums.
BILDER FOLGEN
Das ganze wird auch "Ensemble" oder einfach "Perlenkette" genannt.
Ein letztes Gebäude auf dieser Straßenseite befindet sich neben dem
Haus "Brahn" vor der Burg. Hierbei handelt es sich um die 1878
erbaute Orangerie, welche nach 1949 zur Verkaufsstelle "Konsum"
wurde.
BILD FOLGT
Daneben befindet sich seit 1996 die Median-Klinik.
BILD FOLGT
Gegenüber an der Kühlungsborner Straße befanden sich eine
stets als solche genutzte Scheune, ein Stall, der Wohnungen und eine
Drogerie beherbergte und der Marstall, welcher Wohnungen im
Obergeschoss, sowie eine Feuerwehr und die Gaststätte "Palette" im
Erdgeschoss beherbergte.
BILD FOLGT
Weiterhin haben wir an der Kühlungsborner Straße ein Wohnhaus,
welches einst Wärterhaus für die Molli war, ein Gebäude mit der
Inschrift "Seehospiz, welche 1846 als Armenkrankenhaus an diese
Stelle versetzt wurde, nachdem der Vorgängerbau dem Burgenbau zum
Opfer fiel. Das Haus wurde nach der Auflösung des Armenkrankenhauses
zum Wohnhaus.
BILD FOLGT
Daneben befinden sich weitere ursprüngliche und neue
Bauten und dahinter befindet sich das Wohngebiet an der Gartenstraße
mit Eigenheimen, die stets auch Zimmer an das Sanatorium
vermieteten.
BILDER FOLGEN
An der Kühlungsborner Straße gab es weiterhin vier um
1887 als Pensionen errichtete Gebäude: Auf der linken Seite
Richtung Ortsausgang die Häuser "Waldfriede", "Tabea", "Mellendorf"
und "Scherpeltz" und auf der rechten der Fürstenhof. Aus den
Pensionen wurden schon vor der DDR-Gründung Wohnhäuser. Die Pension
"Scherpeltz" wurde mit einem weiteren Gebäude verbunden und zur
"Fachhochschule für angewandte Kunst", die aus Wismar nach
Heiligendamm zog.
BILD FOLGT
Es entstanden zahlreiche Nebenbauten und die
Fachschule diente auch als Kinderferienlager, wodurch sie hin und
wieder als Kinderheim verzeichnet ist. Im Fürstenhof war seit je her
ein Altenheim untergebracht und links daneben entstanden in den
70ern zwei Wohnblöcke für die zahlreichen Arbeiter und Angestellten
in Heiligendamm.
BILD FOLGT
Vorgesehen war dass nach Heiligendamm zog, wer dort
auch arbeitete. Am südlichen Ortsrand finden sich weitere private
Wohnhäuser, sowie ein Forsthof, das Blockheizkraftwerk und die
evangelische Kirche.
Im Großen Wohld an der Seedeichstraße gibt es darüber hinaus den
katholischen Pendanten, der zuerst errichtet wurde.
BILDER FOLGEN
Zu guter Letzt befinden sich an der Gartenstraße die "Villa der
Familie von Witzleben", in der DDR als Kindergarten genutzt, sowie
dahinter das Gästehaus der Familie von Witzleben, welches als
Wohnhaus diente. Das als "Kriegs Hotel" errichtete
Genossenschaftsheim auf der gegenüberliegenden Seite diente im
Erdgeschoss dem Sanatorium als Therapiesporthalle und der Rest wurde
zu Wohnungen umgestaltet.
BILDER FOLGEN
Damit haben wir alle Gebäude Heiligendamms
erfasst.
Was zum Verfall der Gebäude führte.
Das Sanatorium als Zugpferd Heiligendamms.
Der größte Motor Heiligendamms war das Sanatorium. Bis zu 10.000
Kurgäste zählte Heiligendamm im Jahr und diese wurden untergebracht,
wo immer es ging. Eben auch in Privathäusern. Hunderte Angestellte
und Arbeiter, die direkt oder indirekt am Sanatorium verdienten,
bevölkerten Heiligendamm und es gab in den 70ern Ausbaupläne von der
Kaufhalle über ein Kurmittelhaus bis hin zur Schwimmhalle. Aus
Geldmangel entstanden nur das Wasserwerk, das Blockheizkraftwerk und
die beiden Wohnblöcke. Bevor die Planer die Neubauten quer durch das
Ensemble umsetzen konnten, wurde Heiligendamm fast komplett unter
Denkmalschutz gestellt.
Vor 1990 wurden die Gebäude durch eine
eigene Baubrigade ständig ausgebessert. Und ständig heißt auch
ständig: Es fiel immer irgendwo Putz, bröckelte Farbe, ging ein
altes Stilelement zu Bruch usw. Alle vier Jahre wurden die Häuser
neu geweißt! Man bedenke, welch enormer Aufwand und welch immense
Kosten dafür nötig waren. Da Heiligendamm aber zum ICOMOS-Erbe
gehörte, bezahlte man diesen Preis zu DDR-Zeiten gern, denn damit
war Heiligendamm das Aushängeschild der Ostseeküste der DDR.
Das Ende der DDR als Schicksalsschlag eines
ganzen Ortes.
1990
endete nun der Betrieb des Sanatoriums, das Kurbad wurde abgewickelt,
das Sozialministerium sprang ein
und ein Jahr später gründete sich im September die "Ostseeklinik" an gleicher
Stelle neu. Die BfA erkannte die Klinik in einem kleineren Umfang
(nur noch 215 Betten) an
aber die Klinik nutze dieselben Häuser, dieselben Geräte.Ein paar
Modernisierungen und eine Menge Entlassungen folgten.
Leute zogen aus den
Altbauten aus und zogen nach Bad Doberan in die Neubauten, später
folgten ihnen Hausbauer in die Bad Doberaner Wohngebiete und auch
das medizinische Personal suchte sich eine neue Bleibe. Viele
Wohnungen wurden leer gezogen - in der Kühlungsborner Straße
schneller, in der Professor-Vogel-Straße langsamer. Die Ferienheime
schlossen, der Konsum auch, die Drogerie ebenso, der Kindergarten
wurde aufgelöst, die Poststelle wurde gestrichen, Studenten zogen in
die leer gewordenen Häuser, wie das Alexandrinencottage und bildeten
Hausgemeinschaften mit dort z.B. 17 Mietpartien.
Niedergang im laufenden Betrieb.
Die Ostseeklinik jedoch hatte ein Problem: Sie musste sich erstmals
der Konkurrenz der freien Marktwirtschaft stellen. In einem auf
sechs Häuser verstreuten Komplex, dessen äußeres und inneres
dringend sanierungsbedürftig war, gab es keine Konkurrenzfähigkeit.
Nagelneue und hochmoderne Kureinrichtungen schossen wie Pilze aus
dem Boden und die Ostsee-Klinik hatte das Nachsehen.
Aus 10.000
Patienten im Jahr wurden 1.500 und das Land musste Jahr für Jahr
Betriebsmittelkredite in Höhe von 150.000 DM dazu steuern, damit die
Klinik sich überhaupt halten konnte. Mitarbeiter wurden entlassen,
die Ärztehäuser wurden aufgegeben und was nur ging, wurde in die
vier großen Häuser "Berlin", "Mecklenburg", "Glück auf" und das
Kurhaus verlagert. Platz war durch das Fehlen der Patienten genug.
So blieben auch die Fremdenzimmer bei den privaten leer und sie
boten ihre Zimmer Touristen an.
Die Baubrigade kam mit den Ausbesserungen
kaum noch hinterher, denn der Leerstand einiger Gebäude bescherte
ihnen viel mehr Arbeit, als es ein bewohntes Haus tut. Heiligendamm
verfiel. Die Häuser, welche Volkseigentum der DDR waren, gingen 1990
automatisch an die Treuhand Liegenschaften Gesellschaft (TLG), womit
sie von der Oberfinanzdirektion Rostock (OFin) verwaltet wurden.
Eine Sanierung jedoch konnte und wollte die TLG nicht vornehmen,
sondern den neuen Eigentümern überlassen.
Wer will
Heiligendamm?
Also schrieb das Land die Häuser einzeln zum Verkauf aus. Es
meldeten sich Interessenten für einzelne Häuser der Perlenkette und
für einzelne Cottages. Das Ensemble selbst wollte keiner haben. Die
Interessenten wussten auch, dass der schon skandalös günstige Preis
des Objekts weiter sinken wird, wenn sie nur lange genug warten.
Darum schlug keiner sofort zu. Das Land erkannte, dass der
Einzelverkauf nicht funktionierte bzw. nicht das gewünschte Resultat
brachte und reduzierte das Engagement.
Definitiv zum Einzelverkauf standen nun nur die nicht dem Land
gehörenden Häuser, wie das "Bischofsstab", das
"Prinzessin-von-Reuß-Palais", die Häuser in der Seedeichstraße, in
der Gartenstraße und in der Kühlungsborner Straße. Die Ostsee-Klinik
lief weiter - mehr schlecht als recht. Das Land butterte weiter dazu
aber die ungenutzten Häuser - monatlich zogen weitere Mieter aus -
verfielen nun einmal.
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Drucksache 1/836 vom 10.10.1991
Ab 1948 wurden die historischen Gebäude zu einem Sanatorium
umgebaut, das bis zu 10.000 Patienten pro Jahr aufnahm. Nach
einer kurzfristigen Einstellung des Betriebes konnte die
Ostsee-Klinik Heiligendamm ab April 1991 dank der Maßnahmen
des Sozialministeriums
wieder eröffnen. In etwas verkleinertem Umfang
wurde die Ostsee-Klinik durch die Bundesanstalt für
Angestellte anerkannt.
Gleichwohl entspricht der Betrieb nicht den modernsten
Anforderungen und ist durch die zwar erhaltenswerte, aber alte
und stark sanierungsbedürftige Bausubstanz in der Entwicklung
erheblich eingeschränkt. Der Betrieb der Ostsee-Klinik ist
deshalb nicht in der Lage, kostendeckend zu arbeiten, er
erfordert einen monatlichen Betriebsmittelzuschuß von
150.000,- DM ohne Berücksichtigung von Erhaltungsmaßnahmen,
geschweige denn Investitionen in die Bausubstanz.
Um den Haushalt von diesen ständigen Kosten zu
entlasten, hat das Sozialministerium sich entschlossen, den
Sanatoriumsbetrieb zu privatisieren. Im Auftrag der
Regionalverwaltungsbehörde Rostock und - ab 01.01.1991 - des
Sozialministeriums, hat der Leiter der Ostseeklinik die
Konzepte von 15 interessierten Unternehmensgruppen geprüft und
aus 4 in die engere Auswahl gelangten Interessenten nach
intensiver Beratung mit dem Ministerium die Dr.
Marx-Gruppe empfohlen.
Diese Gruppe plant für die
Rehabilitations-Klinik einen Neubau in Heiligendamm und ist
bereit, den bisherigen Klinikbetrieb bis zur Fertigstellung
der neuen Räume zu übernehmen. Das Sozialministerium ist aus
Kostengründen an einer möglichst zügigen Übertragung des
Betriebes interessiert. Andererseits ist die
Dr. Marx-Gruppe zur Übernahme nur bereit, wenn das Land den
Grund und Boden für den Neubau zur Verfügung stellt. Da die
Veräußerung dieses Grundstückes der Zustimmung des Landtages
bedarf, könnte dieser durch die jetzt
anstehende Betriebsübertragung präjudiziert
werden. Der Landtag wird daher schon im Zusammenhang mit der
Betriebsübertragung über den beabsichtigten Grundstücksverkauf
informiert und um eine generelle Zustimmung gebeten.
Die Betreibergesellschaft für die zu
errichtende Klinik wird die Park Klinik KG SANA MED
Verwaltungs-GmbH & Co sein, die auch den
Betrieb der Ostsee-Klinik Heiligendamm mit allen Geräten und
Vorräten übernimmt und weitgehend das ärztliche und
Pflegepersonal weiter
beschäftigt.
Für die Betriebsübernahme ist mit Rücksicht auf
den nicht kostendeckenden Betrieb ein Entgelt nicht
vorgesehen. Die Geräte sind darüberhinaus weitgehend
abgeschrieben und können in dem Klinik-Neubau nicht verwandt
werden. Außerdem entsteht durch die
Betriebsübernahme eine Entlastung des Haushalts
von monatlich 150.000,- DM.
Für den vorübergehenden Weiterbetrieb der
Ostsee-Klinik Heiligendamm wird das Finanzministerium für
Grundstücke und Gebäude einen befristeten Mietvertrag
abschließen. Auch hierbei soll wegen des defizitären Betriebes
keine Barmiete erhoben werden. Die Gefahr eines kurzfristigen
"Mietvertrages besteht darin, daß in die Erhaltung der Gebäude
nichts mehr investiert wird und die denkmalwürdige Substanz
weiter verfällt. Es ist deshalb vorgesehen, die Betreiber zu
verpflichten, allein für die Erhaltung der Bausubstanz 4
Arbeitskräfte einzustellen
und seitens des Landesbauamtes und des
Finanzministeriums die Erhaltungsmaßnahmen streng zu
überwachen.
Der Grundstückveräußerung für den Neubau muß
der Landtag zustimmen. Mit Rücksicht auf die im Interesse des
Landes liegende Betriebsübernahme ist eine Ausschreibung nicht
möglich, sie ist praktisch durch die Auswahl des
Betriebsübernehmers vorgezogen worden. Aus diesem Grund ist
der Landtag nicht erst bei der Grundstücksveräußerung, sondern
schon bei der Betriebsübernahme einzuschalten. Die Veräußerung
selbst soll auf der Basis einer Wertermittlung durch die OFD
Rostock erfolgen.
1.2. Verwertung des Ostseebades Heiligendamm
Nach Fertigstellung und Bezug des
Klinik-Neubaues sind die historischen Gebäude zu verwerten.
Obwohl dies erst 1993/94 aktuell sein wird, sind heute bereits
wichtige Weichenstellungen vorzunehmen, da für die dann
erforderlichen Investitionen erhebliche Vorlaufzeiten
bestehen. Andererseits feiert das Ostseebad Heiligendamm 1993
sein 200jähriges Bestehen, so daß bis dahin die
Zukunftsentscheidungen getroffen sein müssen.
Es ist zwischen folgenden Alternativen zu entscheiden:
- Heiligendamm wird als Staatsbad weiter
betrieben
- die einzelnen Objekte werden an jeweilige
Interessenten vergeben
- das gesamte Ostseebad wird komplett einem
Interessenten übertragen.
1.2.1. Staatsbad
Es gibt in den alten Bundesländern Vorbilder,
in denen der Staat entsprechende Staatsbäder betreibt, z. B.
der Landesbetrieb "Hessische Staatsbäder" mit den Bädern
- Bad Nauheim
- Bad Wildungen
- Schlangenbad u. a.
Der finanzielle Aufwand zur Erhaltung und
Wiederherstellung der Bausubstanz übersteigt
jedoch die Finanzkraft des Landes und sollte
nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden.
1.2.2. Einzelverwertung
Der Vorteil einer Verwertung der einzelnen
Liegenschaften besteht darin, daß bereits jetzt Objekte
vergeben und in sie investiert werden kann, die von der Dr.
Marx-Gruppe zur Aufrechterhaltung des Sanatorium-Betriebes
nicht benötigt werden. Für einzelne Gebäude gibt es auch schon
zahlreiche Nachfragen, die bisher jedoch nicht beschieden
wurden. Durch die Einzelvergabe können zwar eine größere Zahl
von Interessenten
berücksichtigt werden, es wird allerdings die
Chance für ein Konzept aus einem Guß vertan.
1.2.3. Gesamtvergabe
Wenn die Liegenschaften in einer Hand bleiben,
eröffnet sich die einmalige Chance für ein Gesamtkonzept. Die
Einmaligkeit der Situation ist dadurch gekennzeichnet, daß -
nahezu der gesamte Grundstücksbestand sich in Landeseigentum
befindet, - der überwiegende Teil der Gebäude zur gleichen
Zeit geräumt zur Verfügung steht. Diese einmalige Situation
fordert geradezu eine Gesamtnutzungskonzeption für das
Ostseebad. Dies könnte durch einen Planungsauftrag - auf
Kosten des Landes - geschehen. Besser wäre dagegen, wenn das
Land unter konkurrierenden Konzepten auswählen bzw. bei
ähnlichen Konzeptionen unter den Bewerbern eine Auswahl
treffen kann. Es spricht daher alles dafür, eine öffentliche
Ausschreibung vorzunehmen und dadurch potente Investoren zur
Konzeptentwicklung und -verwirklichung einzuladen.
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Inzwischen berichten auch die Zeitungen von der schlafenden
Schönheit. der Focus titelt "Wer küsst die Prinzessin wach?" und im
fernen Düren liest Anno August Jagdfeld nach eigenen Aussagen diesen
Beitrag, sieht die Bilder und denkt bei sich, dass da wohl jemand
vergessen hat, die Kulissen für einen Hollywood-Film wieder
abzubauen. Er fährt nach Heiligendamm. sieht das Bad, verliebt sich
darin, beschließt, es wieder aufzubauen und treibt seine Mannen an,
ein Konzept für ein Luxusresort zu entwickeln. Dieses reicht er
kurze Zeit später ein, wie dieselbe Drucksache weiter berichtet:
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Zwar liegt dem Land ein solches Gesamtkonzept von einer
Anbietergruppe bereits vor, die ohne Aufforderung daran
gearbeitet und dem Land vorgeschlagen hat. Als Einzelvorschlag
erscheint dieses Konzept durchaus plausibel und in hohem Maße
attraktiv, ganz abgesehen von
den Investitionen in Höhe von rund 400 Mio. DM.
Dennoch ist das Finanzministerium der Auffassung, daß sich
dieses Konzept der Konkurrenz weiterer Ideen und Anbieter
stellen sollte um eine optimale Lösung zu finden, die auch den
fiskalischen Landesinteressen gerecht wird. Die Bindung an
einen Anbieter drückt erfahrungsgemäß den Kaufpreis.
Außerdem haben eine Reihe anderer potenter
Investoren Interesse bekundet. Durch die ihnen nicht verborgen
gebliebene Vorarbeit der vorgenannten Gruppe haben sie den
Eindruck, die Vergabe der Grundstücke erfolgte unter "Ausschluß
der Öffentlichkeit". Es ist deshalb zu
befürchten, daß später in der Öffentlichkeit
und im Parlament das Auswahlverfahren bemängelt wird. Um die
Akzeptanz und Transparenz dieser Entscheidung zu erhöhen,
sollte die Auswahl ein Gremium treffen, an dem u. a.
Regierungsmitglieder, Vertreter des Parlamentes, des
Landkreises und der Gemeinde sowie der Bereiche
Denkmalschutz, Naturschutz, Touristik und Medizin beteiligt
sind.
Wegen der Bedeutung des zukünftigen
Grundstücksverkaufes und der weichenstellenden
Vorentscheidungen soll das Parlament hiermit frühzeitig
informiert und um zustimmende Kenntnisnahme gebeten werden.
|
Nun, da man zwei ernsthafte und mehrere kleinere potente Investoren
hatte, wurde man geschäftstüchtig.
Man wollte einen guten Verkaufspreis erzielen und ein Konzept haben,
mit dem man ordentlich Steuern einnehmen kann. Nichts anderes ist
unter "fiskalischen Landesinteressen" zu verstehen.
Außerdem hatte man Angst vor Kritik aus der Bevölkerung und
besonders vor Klagen der Mitbewerber für die Objekte, wenn man der
FUNDUS-Gruppe den Zuschlag erteilen würde. Ein Gremium sollte nun
die Entscheidung treffen - ganz nach dem Motto "Was wir gemeinsam
beschließen, haben wir gemeinsam zu verantworten".
Aber das Land hatte nicht viel Zeit und musste schnell etwas unternehmen, sonst wäre Heiligendamm ihm
zwischen den Fingern zerfallen. Ein monatliches Dazubuttern von
150.000 DM kam nicht mehr in Frage. Aber was auch immer man vor
hatte: Der Denkmalschutz sollte bleiben und die Denkmalpflege auch.
Wer immer das Ensemble kaufen würde musste sich dazu verpflichten,
vier Mitarbeiter dafür abzustellen.
Aber das Land stand noch vor
ganz anderen Problemen: Der größte Teil Heiligendamms sollte 1932 an
die Reichswehr verkauft werden aber durch den Kriegsbeginn wurde der
Verkauf formaljuristisch gar nicht mehr abgewickelt. Die SMAD
(sowjetische Militäradministration) deklarierte das Ensemble als
herrenloses Gut, Christian Ludwig stellte einen
Restitutionsanspruch, welcher zurück gewiesen wurde, die DDR als
Nachfolger der SMAD wurde Eigentümer und übergab einen Teil der
Bauten (das Sanatorium) 1957 der Sozialversicherung der DDR.
Die
Oberfinanzdirektion Rostock übernahm ab 1990 die Verwaltung der
Liegenschaften aber keiner wusste die Antwort auf die Frage: "Wem
gehört eigentlich Heiligendamm"? Erst 1992 war diese Frage geklärt
und der Bund sah sich als Eigentümer des größten Teils
Heiligendamms. Also beauftragte er das Land, die Häuser zu
verkaufen. Das Land übernahm den Auftrag und erstellte Kataloge für
jedes Haus. Man wollte jedes Haus einzeln verkaufen, liebäugelte
aber mit einem Gesamtverkauf und wünschte sich, dass eine
Klinikgruppe das Sanatorium übernehmen und als Staatsbad
weiterführen würde.
Gesamtkonzept oder Einzelinvestoren?
Zunächst schien sich dieser Wunsch zu erfüllen, denn mit der
Dr.-Marx-Gruppe fand sich ein Interessent, der das Sanatorium
weiterführen wollte. Allerdings nicht ausschließlich: Er wollte
dennoch einen Neubau daneben errichten und das Ensemble mehr als
Bettenhäuser nutzen und den Neubau als eigentliche Funktionsklinik.
Das wäre an sich kein Problem gewesen und auch die vier Mitarbeiter
für die Instandhaltung hätte die Dr.-Marx-Gruppe akzeptiert.
In der Drucksache 1/1542 vom 10.03.1992 erklärt das Ministerium auf
die Kleine Anfrage 1/1391, dass man sich um eine Zwischennutzung der
leer stehenden Häuser bis zur endgültigen Verwertung bemühe, dass
man Kataloge zusammen stellte und dass man noch auf die Entscheidung
der Stadt warte, den Standort für einen Klinikneubau planerisch
abzusichern.
Der Standort nämlich sollte neben der Orangerie, gegenüber der
"Palette" sein und für den Neubau sollten alte Buchen weichen.
Dagegen gründete sich eine Bürgerinitiative (Bürgerinitiative für
Erlebbarkeit in Heiligendamm) und die Stadt, welche
zwei Jahre nach der Wiedervereinigung noch nicht viele Erfahrungen
mit solchen demokratischen Prozessen hatte, reagierte zögerlich und
mochte sich nicht über die Bürger hinweg setzen.
Auch hatte die Stadt keinen Plan, was sonstige Neubauten betrifft.
Wenn man den Klinikneubau erlaubt, muss man auch andere Neubauten
erlauben. Der Platz in Heiligendamm ist begrenzt. Wo würden
Neubauten entstehen dürfen, wie sollen sie aussehen, wie hoch dürfen
sie sein und welchen Baustil dürfen sie haben und was darf sich
darin ansiedeln? Ein Flächennutzungsplan wurde zwar erarbeitet aber
nicht ausgelegt, also nicht beschlossen.
Auch offen war noch die Frage, ob es private vermögensrechtliche
Ansprüche gäbe - ob also z.B. Christian Ludwig (an Baron von
Rosenberg dachte man damals gar nicht) die Cottages oder das ganze
Bad wieder haben will oder ob man ihn entschädigen musste. Man
dachte sogar darüber nach, Heiligendamm dem Erdboden gleich zu
machen. Zitat aus der Drucksache 1/1542:
|
Eine erste Klärung der Eigentumsverhältnisse wird bis Ende
März 1992 erwartet. Bis dahin leitet die
Vermögenszuordnungsstelle der Oberfinanzdirektion Rostock das
bisherige Volkseigentum über in bürgerlichrechtliches Eigentum
und ordnet es einem Hoheitsträger (Bund,
Land oder Kommune) zu. Diese Zuordnung ist jedoch dann nicht
von Bestand, wenn private vermögensrechtliche Ansprüche
bestehen.
Die Entscheidungen darüber sind noch nicht abzusehen.
Eine Rückgabe in Natur
könnte allerdings dadurch unterbunden werden, daß eine
Veräußerung für investive Zwecke erfolgt, der
Anspruchsberechtigte somit auf einen Entschädigungsanspruch
verwiesen wird.
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Das waren Fragen, die die Stadt erst klären musste und das brauchte
seine Zeit. Zeit, die Heiligendamm nicht hatte. Die Nichtnutzung war
der sichere Tod. So gehörten die Gebäude zwar dem Land resp. Bund
aber sie verfielen in deren Händen zusehends. Die Stadt Bad Doberan
jedoch hatte ganz andere Probleme: Verfallene Häuser, Leerstand,
marode Straßen und Schienenwege, Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit,
soziale Brennpunkte...
Stillstand und Verwahrlosung: Aller Anfang war
schwer.
Das Land machte immer unverblümter klar, dass wenn es nach ihm
ginge, die Entscheidung schon gefällt wäre:
Ein Gesamtkonzept sollte her, das alle Gebäude privatwirtschaftlich
(also nicht von Land oder Bund finanziert) nutzt. Zu der Zeit hatten
die Dr.-Marx-Gruppe und die FUNDUS-Gruppe solche Angebote
unterbreitet.
Als erste Gebäude wechselten das Prinzessin-von-Reuß und das Haus
"Bischofsstab" ihren Besitzer.
Das Prinzessin-von-Reuß-Palais wurde von Klaus Metz gekauft,
aufwändig saniert und zum "Residenz-Hotel".
Damit war das Palais gerettet. Das Haus "Bischofsstab" fand gleich
mehrere Besitzer, die sich das Haus teilten und verschiedene
Angebote unterbrachten. Im Erdgeschoss wurden von zwei der vier
Eigentümer eine Gaststätte und ein Eiscafé eingerichtet und darüber
brachten die zwei anderen Eigentümer Gästewohnungen unter. Das Haus
wurde ebenfalls aufwändig saniert und war dadurch ebenfalls
gerettet. Die beiden Kopfbauten waren bis zur Jahrtausendwende das
einzige, was in Heiligendamm weiß strahlte. Alles andere sah so aus:
BILD FOLGT
Von weiteren Einzelverkäufen des Ensembles und der
Perlenkette sah man ab, da man nun Interessenten mit Gesamtkonzepten
hatte. Man fixierte sich auf eine medizinische Nutzung und
bevorzugte zunächst die Dr.-Marx-Gruppe. Der fehlende
Flächennutzungsplan, fehlende Konzepte, Uneinigkeit und der
Widerstand der Bürger führten zum Scheitern der Verhandlungen mit
der Dr.-Marx-Gruppe.
Voraussetzung für die Übernahme des Ensembles
war der Neubau eines Klinikgebäudes gegenüber der "Palette" und in
erster Linie die Bürgerinitiative wehrte sich dagegen. Die Stadt
setzte sich nicht durch und so zog sich die Dr.-Marx-Gruppe zurück
und errichtete 1993 eine große Median-Klinik in Bad Sülze. Die Stadt
Bad Doberan errichtete darauf hin mit Fördermitteln eine Seebrücke,
die 1996 zum Jubiläum Heiligendamms übergeben werden konnte. Die
Seebrücke sah nur das Anlegen von Seglern und Yachten, nicht jedoch
von Passagierschiffen vor. Heiligendamm sollte nicht von Touristen
überschwemmt werden.
Durch das Scheitern der Verhandlungen mit der Dr.-Marx-Gruppe wandte
man sich nun den anderen Angeboten zu. Bürgermeister Berno Grzech
kam das gelegen, wie ein Zitat aus der FAZ zeigt:
|
Der Einzelverkauf hätte mehr gebracht, sagen die Kritiker.
"Ja", antwortet der Bürgermeister, "mehr Ärger."
Berno Grzech hat immer eine Gesamtlösung für Heiligendamm
favorisiert - getrieben von der Angst, mit jedem einzelnen
Villenbesitzer über das Verbot von Gartenzäunen und das
Aufstellen von "Carports" streiten, den Abriß ungenehmigter
Anbauten befehlen oder über die Nutzung der Häuser diskutieren
zu müssen.
|
Ein viel versprechendes Angebot aus dem Gesundheitssektor hatte die
Asklepios-Gruppe vorgelegt. Sie wollte das Ensemble zu einer Art
Gesundheitshotel machen. Dazu musste sie Hotelbetreiber mit ins Boot
holen, was sich aber als schwierig erwies und 1995 als gescheitert
angesehen werden musste. Man erlaubte nun der Dr.-Marx-Gruppe doch
noch den Neubau einer Klinik in Heiligendamm, ließ aber von der
Forderung nach Übernahme des Ensembles ab. Die Dr.-Marx-Gruppe
wollte die alten Gebäude nicht mehr haben aber Bad Doberan wollte
die Median-Klinik haben, da eine Kureinrichtung wichtig für die
Stadt war. Die Median-Klinik wurde 1996 errichtet, die Ostsee-Klinik
wurde aufgelöst, die Gebäude geräumt und geschlossen. Nun war
Heiligendamm endgültig dem Verfall preisgegeben.
Auch ein kanadischer Investor hatte sich gemeldet. Er wollte die
Weiße Stadt am Meer kaufen, wenn er den Strand (zu dem er wohl auch
die Promenade gehörig ansah) sperren durfte. Da das in Deutschland
nicht erlaubt ist, kam es nicht zu weiteren Verhandlungen.
Alle Versuche sind gescheitert. Wer kann
Heiligendamm jetzt noch retten?
So hatte sich aus den 200 Angeboten die Spreu vom Weizen getrennt.
Geduldig wartete die FUNDUS-Gruppe die ganze Zeit darauf, dass man
auf sie zukommen würde. Genau das tat man 1996 und da nun
schnellstens eine Lösung her musste, ging man sehr auf den
potenziellen Investor ein. Nach sechs Jahren des Verfalls und vier
gescheiterten Verkaufsversuchen hatte man eine denkbar schlechte
Verhandlungsbasis und man kann es FUNDUS nicht verdenken, diese
Situation für sich genutzt zu haben. FUNDUS wollte 26 Gebäude
Heiligendamms nur kaufen, wenn die Stadt auch den Kauf von 500 ha
Land zur Bebauung mit 150 Villen genehmigt. Diese Villen würde
FUNDUS - wie wir am Ende dieser Seite sehen werden - für die
Rentabilität des geplanten Großprojekts brauchen.
Während die Verhandlungen anno 1996 in die heiße Phase gingen, gab
es immer mehr Leerstand.
Nur noch 35 Mietverträge waren in den Häusern der ersten Reihe
verblieben - 17 Mietverträge betrafen Studenten im Haus "Weimar",
sodass die restlichen 18 Familien (gemeint sind Mietverträge) sich
auf acht Gebäude verteilten. Statistisch gesehen gab es also in
jeder Villa mindestens eine leer stehende Wohnung. Die Presse sah
jedoch weniger die Verteilung der wenigen Familien auf viele Häuser,
sondern sie sah natürlich den Umstand, dass 35 Familien auf einmal
ihr zuhause verlieren sollten. Hier wieder die FAZ in demselben
Beitrag:
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Der Verkauf war Sache der Treuhand, dennoch hat sich der
Bürgermeister von Bad Doberan mit dem "Fundus"-Konzept
eingehend beschäftigt. Heiligendamm gehört zu Grzechs
Verwaltungsbereich, als Kind hat er dort am Strand gebadet,
später als Ingenieur für Küstenschutz gearbeitet. Fundus will
in der strukturschwachen Region 240 Arbeitsplätze schaffen,
sagt der Bürgermeister. Damit der Verkauf zustande kommt,
wurde der Bau von 150 neuen Villen am Ortseingang genehmigt.
Grzech gefällt jedoch auch, daß das Unternehmen auf den
Gründungsgedanken der Stadt setzt. Es soll wieder ein mondäner
Ort sein, ein Platz, an dem sich der Berliner, Hamburger oder
Hannoveraner Geldadel einfindet. Also haben Grzech und die
Ratsmehrheit die Hand für das Konzept der Fundus-Gruppe
gehoben - gegen den Willen der PDS-Stadtverordneten und den
Widerstand des "Bürgerrats". Sie sehen einen Verstoß gegen den
ursprünglichen Flächennutzungsplan und gegen das
Tourismuskonzept des Landes. Und sie fragen, wo die 35
Familien hin sollen, die in den verkauften Häusern wohnen.
Die 35 Familien, die in den verkauften Häusern wohnen, haben
befristete Mietverträge. Sie werden gehen müssen - nur wohin,
das hat ihnen noch keiner gesagt. "Böser Wessi kauft ganzen
Ort auf." Fundus-Geschäftsführer und Leiter des Projekts Claus
Warlich weiß, was die Leute reden. Fundus setzt die Leute
raus, das Unternehmen ist pleite, Heiligendamm wird für den
Normalbürger gesperrt.
Zuerst einmal stellt Warlich klar, daß laut Vertrag der
Verkäufer - die Treuhand - verpflichtet ist, für
Ersatzwohnungen zu sorgen. Fundus will nicht von Anbeginn als
Unternehmen dastehen, das arme Ostbürger vor die Tür zu setzt.
Im Ernstfall werde man den Bürgermeister aber nicht mit dem
Problem alleinlassen.
Außerdem hätte Fundus noch nie ein Projekt begonnen, bei dem
die Finanzierung nicht feststand. Die Sanierungs- und
Investitionskosten von rund 400 Millionen Mark sind
abgesichert, sagt Warlich. Da das Projekt 1997 begonnen wird,
greife noch die "Sonder-Afa-Ost" für Modernisierungsmaßnahmen
als Anreiz für Anleger. "Gerüchten über Schwierigkeiten, die
das Unternehmen beim Berliner ,Adlon` haben soll, liegen
Fehlinformationen zugrunde."
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Der "Bürgerrat", über den hier berichtet wird, ist kein Organ der
Stadt, sondern auch eine Art Bürgerinitiative.
Daneben existiert zu der Zeit die "Bürgerinitiative
für Erlebbarkeit in Heiligendamm", welche von der Doberaner
Architektin Carla Strebe vertreten wird. Sie besteht zu dieser Zeit
bereits auch aus Bürgern, welche direkt betroffen von der
"Umsiedlung" sind.
Jagdfeld will Heiligendamm retten - doch nicht
bedingungslos.
Schon im Januar 1997 war der Vertrag unter Dach und Fach. Die extra
gegründete FUNDUS-Tochter "EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH &
Co. KG (ECH) bekam 7 Millionen DM Fördermittel und erwarb dafür für
18 Millionen DM 26 Gebäude in Heiligendamm, das Gut Vorder-Bollhagen
und über 500 Hektar Land. Damit das noch einmal deutlich wird:
FUNDUS musste die 26 Gebäude nehmen, wie sie sind. Die Gruppe konnte
sich keine Häuser aussuchen oder auf einzelne Häuser verzichten. Das
Land sprach eine klare Sprache: Ganz oder gar nicht.
Die FUNDUS-Gruppe eröffnete einen Fonds, um das benötigte Geld (250
Mio. DM) für die Sanierung bei Anlegern einzusammeln. Im selben Jahr
änderten sich unter der rot-grünen Bundesregierung einige Gesetze,
von denen einige nun die Attraktivität des Fonds schwinden ließen,
weil viele einstige Steuervorteile verschwanden. Die für den Fonds
enorm wichtige "Sonderabschreibung-Ost" wurde halbiert. Die
FUNDUS-Gruppe musste daher den Fonds neu auflegen und begann nun
intensiv mit der Bewerbung dieses Fonds.
Die Kempinski-Gruppe stieg
mit ein und schloss einen Managementvertrag bis 2012 und den
Anlegern wurde vor Augengeführt, dass sie durch die Zahlung ihrer
Anteile (Mindestanteil war 50.000 DM plus 3% Agio) Miteigentümer des
5-Sterne-Hotels sind. Den Anlegern winkten Vorteile und Vorzüge,
Vergünstigungen und Arrangements und ca. 6% jährliche Rendite. So
kamen sie dann bald in Scharen und FUNDUS rechnete sich aus, so viel
wie möglich auf einen Schlag sanieren zu können. Darum bat FUNDUS
die Stadt, die Gebäude leer zu übergeben.
Es wurden Einzelgespräche mit den verbliebenen Mietern geführt und
ihnen wurden Wohnungen in Bad Doberan und finanzielle Hilfen für den
Umzug, sowie im Einzelfall Entschädigungszahlungen angeboten. Es gab
auch Mieter, die gar nicht mehr in Heiligendamm wohnten aber ihre
Wohnung trotzdem behielten, nur um Schadenersatz fordern zu können.
Ein Mitglied des heutigen Bürgerbundes forderte nach Aussagen
verschiedener Quellen sogar einen Schadenersatz in Höhe von 150.000
DM und ein Grundstück in Heiligendamm oder auf Wustrow, was ihm in
der Höhe vom Gericht aber nicht gewährt wurde.
Bevor die Mieter gehen mussten, wurde zwischen der Stadt und der ECH
ein Grundlagenvertrag beschlossen. Die Stadt verließ sich nicht
allein auf die Aussagen, Versprechen und Konzepte des Investors und
die Freude bei Bund und Land, sondern wollte den Weg zum Luxusresort
klar abgesteckt wissen. Grundlagenverträge dienen der Verständigung
zweier Vertragspartner, deren Verständigung nicht selbstverständlich
ist. Der letzte derartige Vertrag war der Grundlagenvertrag zwischen
der DDR und der BRD im Jahre 1972. Der Vertrag zwischen der Stadt
und der ECH zeigt deutlich das Verhältnis zwischen Stadt und
Investor.
Im Grundlagenvertrag war dann auch von "Erlebbarkeit" die Rede. Ein
Wort, das der Duden nicht kennt, das aber Gegenstand eines
rechtsgültigen Vertrages zwischen Stadt und ECH ist. Wenn es keine
klare und rechtsgültige Definition von "Erlebbarkeit" gibt, wie soll
man dann diese gestalten?
Zwischen Vision und Wirklichkeit: Heiligendamm
verfällt im Wiederaufbau.
Für die Gebäude Heiligendamms bedeutete diese ganze Planungsphase,
dass sie weiter verfielen. Nun wurde schon das siebte Jahr nichts
mehr an den Gebäuden gemacht, sogar die Rasenflächen wirkten
teilweise ungepflegt. Der Verfall in Heiligendamm war unzweifelhaft
deutlich sichtbar, wie wir auf den folgenden Bildern sehen:
Die Bürgerinitiative - hier sprach wieder Carla Strebe im Namen der
Bürgerinitiative und des Bürgerrates - wandte sich gegen einzelne
Pläne der ECH und forderte, dass bestehende Gebäude genutzt werden
sollten, statt neue zu errichten. Die ECH hatte jedoch nicht vor,
irgendwelche Gebäude nicht zu nutzen. Jedes Gebäude sollte genutzt
werden und wenn man darüber hinaus Apartments anbieten wollte, ging
das nur in Neubauten. Schon damals haben die Leute nicht verstanden,
dass der Masterplan kein Bauplan ist. Die Mehrheit der Bürger
glaubte, dass der Masterplan bis 2010 umgesetzt werden würde - also
Grand Hotel, Perlenkette, Konferenzzentrum, Gastronomie, Biergarten,
Apartments, Golfplätze, Gestüt und Villenviertel fertig gestellt
werden würden.
Die ECH erkannte diesen Irrtum nicht und klärte die
Bürger daher nicht darüber auf, dass ein Masterplan einen Rahmenplan
ohne Zeitfenster darstellt, dessen Komponenten nach und nach im
Laufe von Jahrzehnten und immer nach Bedarf und Nachfrage entwickelt
und etabliert werden. Die Flächen mussten jedoch schon von Anfang an
klar gemacht werden, denn daran wurden die Bebauungspläne
ausgerichtet. Die ECH musste nicht sofort Apartmenthäuser und Villen
bauen. Sie konnte die Flächen auch bis zum tatsächlichen Bedarf leer
lassen oder auf ihr Sportplätze oder Parkplätze bauen.
Was vertraglich festgelegt war, ist die Reihenfolge der Sanierung:
Erst musste das Ensemble aus den Häusern "Mecklenburg", "Grand
Hotel", "Kurhaus" und der Burg saniert werden. Vorher durfte die ECH
das Severin-Palais nicht errichten und auch sonst keine Neubauten.
Ausnahme: Das Wirtschaftsgebäude durfte zeitgleich errichtet werden.
Bevor also das Ensemble nicht saniert war, durfte auch die
Perlenkette nicht saniert werden und erst recht nicht die Häuser in
der Kühlungsborner Straße und Gartenstraße. Heiligendamm ist ein
begehrter Markt ist und es gibt viele Unternehmer, die entweder am
Hotel mitverdienen oder ihm Konkurrenz machen wollen oder solche,
die einfach Grundstücke oder Immobilien kaufen, die sich zwischen
zwei Grundstücken eines Eigentümers befinden, um dieses dann
gewinnbringend an diesen Eigentümer zu verkaufen.
Sanierungsabsichten haben solche Spekulanten nicht immer und die
Auflagen sind mitunter dürftig und schwer durchsetzbar, sodass die
Gefahr bestand, dass zwischen zwei strahlenden Gebäuden eines
verfiel.
Um dem vorzubeugen, schloss die ECH diese Lücken und kaufte
Grundstücke und Häuser auf: Den Forsthof in der Kühlungsborner
Straße, eine Gartenanlage in der Kortüm-Straße, die Villen in der
Seedeichstraße, die Villa der Familie von Witzleben in der
Gartenstraße. Nicht immer war die ECH der Höchstbietende und nicht
immer erhielt sie den Zuschlag: Das Gästehaus der Familie von
Witzleben konnte sie bislang nicht erwerben und auch das ehemalige
Ferienheim gegenüber blieb ihr bisher verwehrt. Ebenso gehört das
Haus "Waldfriede" nicht der ECH, das Golfhaus wurde anderwärtig
verkauft. Lediglich das Prinzessin-von-Reuß-Palais erwarb die ECH
2002
nach dem Rückzug des Eigentümers noch dazu und die Gasträume des
"Medini's" im Haus "Bischofsstab" gehören auch ihr.
Viele Bürger
bewerteten diese Zukäufe negativ. Sie verstanden zwar die Intention
der ECH, ein zusammen hängendes Grundstück haben zu wollen aber sie
interpretierten sie falsch. In ihren Augen war das Habgier und die
Angst vor Konkurrenz. Wobei sie beim zweiten nicht so verkehrt
lagen: Die ECH konnte auf diesem Wege Konkurrenz von vornherein
verhindern. Wichtiger war ihr aber, dass die Grundstücke nicht
Spekulanten zum Opfer fielen. Gerade dieser Versuch brachte FUNDUS
den Ruf ein, selbst zu spekulieren.
Im Sommer 2002 widmete sich die Ostsee-Zeitung dem Projekt und
befragte zahlreiche Beteiligte, recherchierte die Pläne, Konzepte
und Vorhaben und berichtete darüber. Das Hotel war zu dieser Zeit
noch in der Bauphase und die Großbaustelle zog viele Schaulustige
an. Die Planer waren oft und über längere Zeit vor Ort und bekamen
nun ein ganz anderes Bild von Heiligendamm, als sie bisher hatten:
Der Ort war überlaufen von Tagesgästen und versank in jeder Saison
im Chaos, weil die Parkplätze nicht reichten und nicht taugten. Der
Bauzaun um die Baustelle stellte in etwa die zukünftigen
Grundstückgrenzen des Nobelhotels dar und schon jetzt wurde klar,
dass wenn man den Bauzaun wegnimmt, die Touristenströme sich
unerbittlich durch das Hotelgelände ergießen würden.
Der Investor
sah den Hotelbetrieb gefährdet. An die Hotelgäste mag er in diesem
Moment gar nicht gedacht haben: Das größere Problem war es, vom
Versorgungsgebäude zu den Gebäuden des Hotels bzw. von einem
Hoteltrakt zum anderen zu kommen, ohne dabei auf Touristenströme zu
treffen. Die Hotelversorgung sollte mit Elektromobilen laufen und
die Hotelgäste sollten ihren SPA-Bereich im neu erbauten
Severin-Palais vorfinden. Touristen auf den Verbindungswegen des
Hotels waren ein Risiko, das der Investor nicht eingehen konnte und
wollte. Er dachte daher laut über Besucher lenkende Maßnahmen, wie
Hecken, Wälle, "Mäuerchen" und Zäune nach.
Die Bürger sahen darin
eine Abschottung und machten ihren Unmut öffentlich Luft. Eine
Umfrage der Ostsee-Zeitung ergab, dass 71,8% der Befragten sich
gegen eine Abschottung zur Wehr setzen würden. Die ECH schüttete
daher nicht noch Öl ins Feuer und erwähnte das Thema nicht mehr.
Dennoch musste das alles in den Bebauungsplänen berücksichtigt
werden. Das
Ensemble wurde saniert, das Wirtschaftsgebäude gebaut, das
Severin-Palais errichtet und im Mai 2003 begann der offizielle
Hotelbetrieb.
Testphase: Funktioniert Heiligendamm auf der
grünen Wiese?
Wie ein Lauffeuer gingen die Berichte von der Weißen
Stadt am Meer durch die Medien und die seit dem Baubeginn anhaltende
Berichterstattung erreichte neue Höhepunkte. Das Resultat war
unübersehbar, weiß, strahlend, imposant und dementsprechend fiel
auch die Berichterstattung positiv aus. Doch die vielen Berichte
weckten Neugier. Die Leute wollten den Charme Heiligendamms live
erleben. Andere wollten "Reiche-gucken". Findige Busunternehmer
boten Reisen nach Heiligendamm an - das war nie wirklich ein
Ausflugsziel für Reiseunternehmen, sondern bestenfalls für Busreisen
mit Übernachtung, z.B. im Residenz-Hotel.
Spätestens um 10 Uhr morgens rollten die ersten Reisebusse an und
die Touristengruppen erkundeten Heiligendamm. Sie strömten auf die
Promenade und durchdrangen die ihnen offiziell zur Verfügung
stehenden Wege: Vorbei an den Bars in den Häusern "Mecklenburg" und
"Grand Hotel", über den Parkplatz, durch den Eingangsbereich, durch
die Professor-Vogel-Straße, direkt vorbei an der Kurhausterrasse mit
Blick auf die Teller der Hotelgäste.
Diese fühlten sich ständig
beobachtet und störten sich daran. Zuhause berichteten sie von
Gaffern und kamen nicht wieder. Und mit ihnen blieben auch jene
fern, die solche Berichte abschreckten. Die Medien stilisierten
einen furzenden Angler hoch zu dem, was sie als Situation in
Heiligendamm erkannten: Arm und Reich stoßen aufeinander,
Ruhebedürfnis und Schaulust, West und Ost...
Die Hotelgäste kamen, fuhren und kamen nicht wieder. Viele wären
gekommen, überlegten es sich aber. Die Zahl der Übernachtungen brach
schon ein Jahr später zusammen. Heiligendamm war voll mit Menschen.
Aber das waren nicht die Menschen, die das Grand Hotel brauchte, um
rentabel zu arbeiten. Kempinski sah sein Engagement in Gefahr,
FUNDUS sah seine Pläne in Gefahr, die Anleger sahen ihr Geld in
Gefahr und nun wurden die Forderungen nach Einfriedungen -
vorgetragen von Hotel-Chef Klippstein und FUNDUS-Chef Jagdfeld - wieder
laut. Die Diskussionen wurden lauter, eine neue
Bürgerinitiative um Heike Ohde und Mathias Goldberg gründete sich
und erhielt über Nacht enormen Zulauf. Zwei Bürgerinitiativen
arbeiteten nun für Öffentlichkeit und Erlebbarkeit und damit
automatisch - ob beabsichtigt oder nicht - gegen den Investor. Die
Situation war festgefahren und dem Grand Hotel drohte die Pleite.
Ohne die Einnahmen des Hotels aber standen alle anderen
Investitionsvorhaben auf der Kippe.
Im November 2003 schlossen Stadt und ECH mehrere Verträge, die für
die Fortentwicklung Heiligendamms wichtig waren und unter dem
Oberbegriff "Städtebaulicher Vertrag" geführt werden. Im Dezember
war ein Vorentwurf fertig gestellt. Dieser entfachte heftige
Diskussionen in der Stadtvertreterversammlung, da viele
Stadtvertreter den Plan zu sehr an der ECH ausgerichtet sagen. Es
sollte ja ein städtebaulicher Vertrag sein und der darf sich nicht
nach einem Vorhabenträger ausrichten. Die Stadtvertreter waren sich
nun unsicher, wie sie entscheiden sollten, denn jede Entscheidung
für das Hotel war eine Entscheidung gegen die Bürger und jede
Entscheidung für die Bürger war eine Entscheidung gegen das Hotel.
Man brauchte den Rat der Experten und eröffnete ein teures
Werkstattverfahren für den B-Plan 25. Architekten, Planer und
Experten loteten gemeinsam die Möglichkeiten aus. Solange aber der
B-Plan nicht stand, durfte die ECH auch nicht im B-Plangebiet bauen.
So verfielen die Villen der Perlenkette weiterhin.
Das Jahr 2004 begann zunächst mit weiteren Verträgen zwischen der
Stadt und der ECH und ging dann über in eine klare Forderung der ECH.
Für die einen war es ein Ultimatum, für die anderen war es
Erpressung. Die ECH beanspruchte offen die Entwicklung Heiligendamms
für sich und bat im Prinzip offen darum, die Entwicklung des Ortes
auf seine Interessen abzustimmen. Das klang sehr überheblich und
wurde auch so verstanden. Dabei war es logisch, dass man sich nach
dem zu richten hatte, der am meisten Grundbesitz in Heiligendamm
verwaltete und die größten zusammen hängenden Flächen besaß.
Stillstand durch Uneinigkeit.
Die Stadt stand vor riesigen Problemen: Das Klinikareal war bisher
durchlässig in alle Richtungen. Es gab so gut wie keinen Weg, der
nicht zumindest betreten werden durfte. Was nicht betreten werden
sollte, war eingezäunt und das war nicht viel. Wenn nun jemand - in
dem Fall FUNDUS - so ein großes Stück Heiligendamm kauft und in ein
Privatgrundstück verwandelt - was sein gutes Recht ist - dann
überlappten öffentliche und private Wege. Es gab zu wenig Parkplätze
und viele von ihnen befanden sich auf Flächen, die die ECH bebauen
will. Es musste ein Parkleitsystem her, die Tagesgäste und Kurgäste
mussten in Bahnen gelenkt werden, um nicht in Sackgassen zu laufen.
Der Verkehr innerhalb Heiligendamms und besonders an der
Median-Klinik musste beruhigt werden, Küstenschutzmaßnahmen waren
notwendig, Straßen waren neu zu machen, Fuß- und Radwege anzulegen
und das alles musste langfristig geplant werden, um späteren
Bauvorhaben nicht im Wege zu stehen.
Es gab so viel zu beachten, wo der Stadt keiner helfen konnte, weil
einfach keiner Erfahrungen mit so einer Übereignung in so großem
Stil hatte. Klar war nur, dass man sich richtig entschieden hatte,
alles an nur einen Investor zu verkaufen, denn sonst hätte man sich
jetzt mit über 30 Investoren an einen Tisch setzen und einen
Kompromiss aus über 3ß Begehren machen müssen. Da die Stadt nicht
über ausreichend Fachkräfte und Erfahrung in so einer doch
einmaligen Angelegenheit verfügte, rief sie ein Expertenkolloquim
aus. Die Stadt beauftragt zwei Planungsbüros und der Investor
beauftragt seinerseits zwei Planungsbüros. Unter Einbeziehung der
Öffentlichkeit tagten, diskutierten und entwickelten die Stadt, die
ECH und die Planungsbüros gemeinsam über mehrere Tage zum komplexen
Thema Heiligendamm.
Die Planungsbüros der Stadt vertraten in erster Linie die
Schwerpunktinteressen derselben: Heiligendamm als Seeheilbad, mit
allem, was ein Kurort haben muss und dem größtmöglichen Maß an
Öffentlichkeit. Die Planungsbüros, die für den Investor arbeiteten,
kannten seine Ziele, seine Vorstellungen und orientierten sich
daran. Die ECH hatte vor den Planungsbüros jedoch schon Experten aus
aller Welt konsultiert und all das war bereits in den Plan
eingeflossen, mit dem die ECH vor dem Expertenkolloquim arbeitete.
So verwundert es auch nicht, dass die Ideen der beiden Planungsbüros
sich gar nicht großartig von denen der ECH unterschieden: Der Plan
der ECH war bereits so gut wie perfekt. Aber eben nur für die ECH
selbst und nicht unbedingt für die Stadt und seine Bürger. Darum
sollte das Expertenkolloquim diese Probleme ja auch lösen.
Statt dessen taten sich neue Probleme auf: Die städtischen
Planungsbüros wollten die Seedeichstraße mit Häusern bebauen, eine
Parkpalette in den Wald hinter die Perlenkette setzen, statt des von
der ECH geplanten Apartmentkomplexes an der Kühlungsborner Straße
nur einen Park bauen und noch einige Dinge, die nicht nur die ECH
nicht wollte, sondern auch Denkmalschützer, StAUN und Forstamt auf
den Plan rief. Diese belegten Heiligendamm sogleich jeder mit seinem
Schutzgebiet: Im Norden erklärte das StAUN den Strand und die
Promenade als Küstenschutzgebiet und verbot jeden Eingriff. Das
Forstamt erklärte jegliche Waldfläche als schützenswert und verbot
ebenfalls ungenehmigte Eingriffe. Die ECH wollte Wald, Strand und
Promenade ohnehin nicht anrühren aber für die Stadt bedeutete das
nun, dass sie nur noch auf waldlosen Flächen außerhalb von Strand
und Promenade und vor allem außerhalb des ECH-Grundstücks
Heiligendamm entwickeln konnte.
Der Stadt blieben damit nur die
kleine Fläche zwischen Promenade und Golfteich und die Lichtung im
Wald.
Es musste aber eine Strandversorgung gewährleistet werden, es
mussten als Ausgleich für die nun auf ECH-Grund befindlichen und
wegfallenden Parkplätze Ersatz geschaffen werden und es musste ein
Kurpark errichtet werden, um den Status als Seeheilbad zu erhalten.
Das alles hatte auf dem, was der Stadt nach dem Verkauf verblieb
keinen Platz.
Die Situation in Heiligendamm war prekär: Es gab einen unbefestigten
Parkplatz am Golfteich, einen unbefestigten an der Seedeichstraße,
einen ebenfalls unbefestigten am Kinderstrand und dazu einen
abtrünnigen Seitenstreifen an der Seedeichstraße, die über keinen
Fuß- und Radweg verfügte, sodass die Fußgänger und Radfahrer sich
bei Gegenverkehr an die parkenden Autos oder ins Gras drängen
mussten. Der Median-Parkplatz war weit weg von der Klinik, in der
Professor-Vogel-Straße durfte nicht geparkt werden, in der
Kühlungsborner Straße auch nicht und in der Gartenstraße nur am
Seitenstreifen auf einem kleinen Abschnitt.
Der Verkehr nach
Kühlungsborn und Rerik floss durch Heiligendamm - Autos, Lkws,
Busse, Krad- und Radfahrer teilten sich die Fahrbahn. Auch nach
Börgerende hin gab es keinen Radweg und nur die Promenade als
Gehweg. ECH-Geschäftsführer Zimmermann bezeichnete die Situation in
Heiligendamm zu Recht als "chaotisch". In diesem Chaos konnte man
einfach kein Luxus-Hotel etablieren. Darum war der ECH eine Lösung
der Probleme recht und sie beteiligte sich trotz enormer
Zusatzkosten am Expertenkolloquim. Außerdem wollte sie sich freilich
nicht vorwerfen lassen, sich nicht um die öffentlichen Interessen zu
scheren. Anno August Jagdfeld betonte später, dass das
Expertenkolloquim nicht gewollt war, sondern die Investorengruppe
sich nur des Friedens zu Liebe daran beteiligt hat.
Ob das Expertenkolloquim die erhofften Lösungen brachte, liegt im
Auge des Betrachters. Wichtigste Ergebnisse des Kolloquiums waren
ein Stichweg durch das der ECH gehörende Gelände, zahlreiche
Flächentausche und Umwidmungen und Übereignungen von Wegen. Welche
Wege genau das betreffen würde und in welcher Form, wurde zwar nicht
verheimlicht aber von den Bürgern auch nicht verstanden. Die
Überraschungen waren groß, als dann Wege mit Toren versperrt wurden.
Doch das ist ein anderes Thema.
Während dieser Phase gründete sich um den Heiligendammer Eckart Paap
erstmals eine Initiative, die Stadt und Investor unterstützen
wollte. Sie nannte sich "Pro Seebad Heiligendamm", was die
Verwirrung perfekt machte.
Ziel der Bürgerinitiative war es, die Sanierung und Entwicklung
Heiligendamms voran zu bringen. Das geschah mit einer gewissen
Zurückhaltung, wodurch diese Initiative weniger bekannt war, als die
laute "ProHeiligendamm".
Das alles war Politik, waren Initiativen, Planungen und kleine
Schritte. Die Häuser, die nicht zum Kempinski Grand Hotel gehörten
aber verfielen weiter. Ohne den B-Plan war kein Bauantrag möglich
und ohne Bauantrag darf kein Investor etwas bauen. Alles was die ECH
tun konnte war, den bröckelnden Putz immer wieder wegzufegen.
Die ECH wollte aber auf gar keinen Fall die Vereinbarungen brechen
und plante wie vereinbart im Jahr 2004 die Sanierung der
Perlenkette. Vorgesehen war, hier Hotelwohnungen unterzubringen und
diese wie Hotelzimmer zu vermieten. Dafür befand sich die
Perlenkette auch im Sondergebiet "SO Hotel". Da aber das Grand Hotel
selbst auf Grund der vorgenannten Umstände noch gar nicht
ausreichend Auslastung erfuhr, machte der Bau weiterer Hotelzimmer
absolut keinen Sinn. Warten und die Perlen verfallen lassen konnte
die ECH aber auch nicht und der Fonds 34 war nur für das Hotel
vorgesehen. Einen weiteren Fonds für den Aufbau der Perlenkette
konnte man nicht auflegen und an den bestehenden konnte und durfte
man sich nicht bedienen. Man musste in die Perlen etwas integrieren,
das dem Sondergebiet "Hotel" gerecht wird aber kein Hotel ist.
Die
Lösung war schnell gefunden und fand auch Zustimmung bei der Stadt:
Die ECH wollte in jede Perle sechs Wohnungen einrichten (außer
"Anker", dort passen nur fünf) und diese Wohnungen einzeln an
Interessenten verkaufen, statt vermieten. Vorgesehen war, dass sich
hier wohlhabende Gäste einen Sommersitz einrichten. Die Planungen
begannen und es fanden sich auch viele Interessenten für einzelne
Wohnungen, sodass die "Perle" mit dem Anbau "Großfürstin Marie"
schon bald vollständig von Interessenten belegt war. Die
potenziellen Käufer hatten aber ein Problem: Sie durften nicht
dauerhaft in ihren Wohnungen wohnen, denn das Sondergebiet Hotel
lässt kein Wohnen zu. Dazu bedarf es einem Gebiet, das für
Wohnzwecke ausgerichtet ist. Ein findiger Ferienwohnungs-Besitzer im
Haus "Bischofsstab" löste dieses Problem ganz legal so, dass er
seine Ferienwohnung in der Zeit seiner Abwesenheit ganz normal wie
eine Gästewohnung vermietet. Das würden aber nicht alle
Interessenten wollen, denn sie wollten ihre Wohnungen samt Inventar
- quasi also auch ihre Bett - nicht mit anderen teilen.
Stillstand durch Revisionismus.
ECH und Stadt arbeiteten gemeinsam an einer Lösung, für die aber
eine Änderung des Bebauungsplanes (B 25) notwendig war. Allerdings
wurde 2004 neu gewählt und erstmals zog auch der gerade gegründete
Bürgerbund in die Stadtvertreterversammlung ein. In ihm waren die
Gründungsmitglieder der zuletzt gegründeten Bürgerinitiative "Pro
Heiligendamm" vertreten aber auch Mitglieder der zuerst gegründeten
Bürgerinitiative "Erlebbarkeit für Heiligendamm" (die sich
zwischenzeitlich offenbar in "Bürgerinitiative für Öffentlichkeit in
Heiligendamm" umtaufte). Ebenso waren Mitglieder der Bürgerrates,
wie z.B. die Doberaner Architektin Carla Strebe, in ihr vertreten. Außerdem fanden sich auf
der Wahlliste ehemalige Bewohner der Perlenkette und zahlreiche
Architekten, und Dienstleistungsunternehmer, die direkt oder
indirekt vom Großprojekt profitieren würden, was den Anschein
erweckte, dass der Bürgerbund ein Zusammenschluss derer ist, die in
Heiligendamm außen vor geblieben sind und nicht vom Vorhaben
profitieren konnten. Aber auch bekannte Bad Doberaner
Persönlichkeiten, wie der Historiker und Buchautor Helge Rehwald -
also als Heiligendamm-Kenner und Heiligendamm-Liebhaber
qualifizierte Bürger - traten in die neue Partei ein.
Wort führend
jedoch waren fast immer dieselben: Die Bad Doberaner (nicht an der
Sanierung beteiligten) Architekten Heike Ohde und Axel Meyer,
sowie Rentnerin Inge
Meyer, der ebenso nicht zum Zuge gekommene Innenarchitekt Mathias Goldberg,
der Kolonnaden-Bewohner und mit einer Klage gegen die ECH
gescheiterte Klaus-Peter Behrends, die nicht an der Sanierung
beteiligte Architektin Carla Strebe, die Rentnerin Gerda
von Hof und der nicht in der Partei aber in der Bürgerinitiative
"Pro Heiligendamm" engagierte Rostocker Grafikdesigner Axel Thiessenhusen.
Die erste Handlung des Bürgerbundes war es, zusammen mit der FDP
(Harry Klink) den Kleinen Wohld wieder zugänglich für die
Öffentlichkeit machen zu wollen. Dazu sollten zwei Wege, auf denen
Zäune standen wieder geöffnet werden. Mangels Mehrheiten zogen die
Antragsteller die Beschlussvorlage zurück. Kurz darauf veräußerte
die Stadt das Stück Promenade zwischen Seebrücke und Kleinen Wohld
per Vererbpachtung.
Außerdem veräußerte die Stadt einen 600 qm großen Streifen
südlich der Professor-Vogel-Straße, sodass die Wege durch den
geplanten Kurwald in Sackgassen enden würden. Die Stadt versprach
aber die Neugestaltung des Kurwaldes unter Berücksichtigung des
vorhandenen Wegenetzes und der neuen Umstände.
Im November 2004 konnte die ECH die Planungen für die Sanierung der
Perlenkette abschließen und verkündete, dass die Sanierung bald
erfolgen könne. Doch die Bebauungspläne traten nicht in Kraft,
da der Stadt das nötige Geld fehlte. Bebauungspläne kosten Geld und
sie werden nur genehmigt, wenn die Stadt die Kosten, die sie laut
Plan auf sie zukommen auch tragen kann. Das war 2004 nicht der Fall.
Auch das ganze Jahr 2005 verstrich, ohne dass die ECH die
Perlenkette sanieren konnte. Lediglich drei Abrisse standen auf dem
Plan: Die verwaiste "Palette" und die beiden ebenfalls ungenutzten
Fachwerkbauten wurden abgetragen.
Erst im März 2006 wurden die B-Pläne rechtskräftig. Ab 2006 erfuhr
Heiligendamm einen enormen Entwicklungsschub: Die Kühlungsborner
Straße wurde saniert, an ihr entstanden ein städtischer und ein
privater Parkplatz, sowie Rad- und Gehwege, die Seedeichstraße wurde
ebenfalls saniert und erhielt einen Geh- und Radweg, ein Parkplatz
entstand im Großen Wohld, die beiden Sandparkplätze an der
Seedeichstraße wurden ausgebessert, eine Parkreihe entstand in
Richtung Börgerende, die Kortüm-Straße wurde asphaltiert, die
Gartenstraße ebenso - beides wurde zu Bewohnerstraßen umdeklariert
und auch im ganzen Bundesland wurden Straßen- und Schienenwege
aufwändig saniert. In Heiligendamm fielen die Häuser "Perle, "Tabea"
und der linke Flügel der FaK den Abrissbaggern zum Opfer,
später folgten die Scheune am Forsthaus und das "Waldfriede",
welches der JHI Immobilien aus Kühlungsborn gehört, die dort ein
Apartmenthaus (Residenz von Flotow) errichten wollte.
2007 stand dann ganz im Zeichen der Großen Acht und gleich nach dem
G8-Gipfel aktualisierten Stadt und ECH den Grundlagenvertrag. Durch
den G8-Gipfel wuchs das Interesse an Heiligendamm und da die ECH nun
einen gültigen Bebauungsplan hatte, konnte sie konkret mit den
Interessenten verhandeln.
Dabei stellten sich einige notwendige
Änderung im Bebauungsplan heraus, die im November 2007 beraten
wurden. Die B-Pläne 25 und 26 traten in geänderter Form in Kraft.
Jetzt war auch ein dauerhaftes Wohnen möglich und damit hatte die ECH endlich die ersehnten wirklichen Verkaufsargumente. Die ECH
kündigte an, mit der Sanierung zu beginnen. Die Käufer wurden
kontaktiert, die Verhandlungen aufgenommen, vor Ort Besichtigungen
durchgeführt und dabei stellte sich heraus, dass die Wohnungen in
der vorgesehenen und 2004 genehmigten Form nicht verkäuflich sind.
Da die Zahl der Stellplätze in Heiligendamm von der Stadt begrenzt
worden war, konnte die ECH nicht die nötigen 41 Stellplätze zur
Verfügung stellen. Der Gesetzgeber verlangt aber, dass zu jeder
Wohnung ein Stellplatz gebaut wird - ob die ECH ihn nun kostenlos
oder gegen Entgelt zur Verfügung stellt, ist dabei egal.
Natürlich
kannte die ECH die Gesetzeslage und kannte auch die Auflage der
Stadt. Es war vorgesehen, im Thalassozentrum und im Demmler-Palais
Tiefgaragen zu errichten aber damals ging man auch davon aus, diese
beiden Komplexe zusammen mit der Sanierung der Perlenkette
realisieren zu können. Die Bewohner hätten also ihr Auto dort
abstellen können. Nun aber lief das Hotel nicht so gut, wie erwartet
und daher gab es keinen Bedarf für das Thalassozentrum und den
Demmler-Park und der Bedarf würde auch in den nächsten Jahren nicht
eintreten.
Vorgesehen war, dass das Grand Hotel spätestens 2005
optimal läuft. Jetzt aber lief es schlechter, als bei seiner
Eröffnung im Jahre 2003. Jagdfeld sah das Management der
Kempinski-Gruppe als eine Ursache. Die andere Ursache aber waren
Initiativen, die immer offener gegen die Pläne des Investors
wetterten und Stadtvertreter, die eine ablehnende Haltung gegenüber
den Plänen zeigten. Die ECH hatte schon 2006 erkannt, dass die
Parkplätze nicht dort entstehen würden, wo sie vorgesehen waren und
errichtete daher pünktlich zum G8-Gipfel einen Parkplatz am
Fürstenhof. Dieser und der Parkplatz schräg gegenüber am Bahnhof
wurde von der ECH betrieben: Der am Bahnhof als Privatparkplatz und
der am Fürstenhof als öffentlicher Parkplatz. Die Bewohner der
Perlenkette konnten ihre Fahrzeuge dort abstellen. Dass dies nicht
die eleganteste Lösung ist, wusste die ECH auch aber näher an der
Perlenkette ging es nicht und eigentlich war es den Bewohnern schon
zu weit, wenn man eine Tiefgarage unter dem Demmler-Palais errichten
und das Demmler-Palais später darauf aufbauen würde. Bei Regen wird
man in jedem Fall nass. Dagegen hilft nur ein Stellplatz am Haus und
da das oben nicht mehr in ausreichendem Maße erlaubt war, blieb nur,
die Parkplätze unter die Erde zu verlagern.
Also entwickelte die ECH
einen Tunnelparkplatz unter der Erde vor der Perlenkette unter der
Wiese und Promenade. Diese Option hatte die ECH schon vorher in
Betracht gezogen, wollte aber warten, wie die Interessenten auf die
Parkplatzsituation reagieren. Wenn sie mit den Bedingungen
einverstanden gewesen wären, hätte die ECH nicht eine mehrere
Millionen Euro teure Tiefgarage (Tunnelparkplatz) errichten lassen
wollen. Es wurde im Vorfeld nicht öffentlich über eine Tiefgarage
vor der Perlenkette diskutiert, da es ja nicht entschieden war aber
für den Fall, dass sie notwendig werden würde, hatte man sich
bereits Abrissgenehmigungen für die ohnehin zu stark verfallenen
Villen "Perle", "Schwan" und "Möwe" geben lassen und das StAUN hat
die Senke in der Promenade zwischen Haus "Bischofsstab" und dem
Seebrückenplatz nur geschottert und nicht - wie den Rest der
Promenade - gepflastert.
Ein Unterbau der Tiefgarage würde die
Promenade um 70 cm anheben und damit die Senke begradigen und da man
nicht die Pflaster wieder heraus nehmen wollte, entschied man sich
beim StAUN umsichtig für dieses Provisorium. Die ECH konnte auch
nicht im Vorfeld Verkaufsgespräche führen, da sie ja gar keine
Sicherheit hatte, dass der Verkauf auch so zu Stande kommt. Sie
hätte viele Fragen unbeantwortet lassen müssen und die Interessenten
damit eher vergrault, als gewonnen.
Es gab schon vor dem G8-Gipfel
Interessenten aber die konnte die ECH bestenfalls mit Prospekten
versorgen. Nun drohte die Immobilienfinanzierung zu platzen, weil
die Kaufinteressenten mit der Parkplatzsituation unzufrieden waren.
Der Tunnelparkplatz musste her, die ECH war bereit, ihn zu
realisieren und beantragte eine entsprechende Änderung im B-Plan 25.
In der Zeitung las sich das dann so, dass Hans Schlag (ECH) den
Wiederaufbau der Perle (denn die wäre das erste Haus, das wieder
aufgebaut werden würde) "voreilig angekündigt" wurde und dass ihm
"jetzt Dinge auf die Füße gefallen wären, die er vorher übersehen
hätte".
Aus dieser ehrlichen und selbstkritischen Aussage bastelten
einige Medien und Gegner ein "Eingeständnis, kein Geld zu haben" und
andere regten sich darüber auf, dass die ECH "immer wieder eines
nach dem anderen fordert". Freilich waren es viele einzelne Wünsche,
die die ECH äußerte und denen sie Nachdruck verlieh, damit sie
erfüllt werden aber nichts davon war wirklich überflüssig und alles
war erklärbar. Es zu erklären, hatte die ECH allerdings manchmal
versäumt, sodass die Bürger kein Verständnis - da keine oder falsche
Informationen - hatten.
Stillstand durch Blockade.
Die Stadtvertreter stimmten dem neuen B-Plan 30 im Juli 2008 zu.
B-Plan 25 blieb zunächst unberücksichtigt. Im Dezember beschlossen
dann die Stadtvertreter, dass die B-Pläne 25 und 30 gesetzesmäßig
durch die Ämter und Behörden gehen. Insgesamt 21 Behörden und Ämter,
sowie Energie- und Wasserversorger mussten die Änderungspläne im
B-Plan 25 prüfen, Stellung beziehen und wenn erforderlich
Nachforderungen stellen.
Beim B-Plan 30 reichte die Zustimmung von
fünf Fachämtern, von denen zwei Anregungen gaben, die auch
berücksichtigt wurden. Von insgesamt 16 Anregungen durch 11 Ämter
und Behörden wurden im B-Plan 25 zwanzig Änderungen komplett
berücksichtigt, fünf teilweise und eine (von der unteren
Abfallbehörde) nicht. Damit galten im Januar 2009 beide B-Pläne als
von den Ämtern und Behörden genehmigt. Die B-Pläne gingen also wie
vorgeschrieben zurück an die Stadtvertreterversammlung. Die Pläne
gingen durch die Ausschüsse für Wirtschaft und Tourismus, fur
Stadtentwicklung und Umwelt und durch den Hauptausschuss. Alle drei
Ausschüsse stimmten zu und empfahlen der Stadtvertreterversammlung
die Annahme der B-Pläne 25 und 30.
Am 30. März - kurz vor Ende der
Legislaturperiode - stimmten die Stadtverteter über die Pläne ab:
Der B-Plan 25 wurde bei 12 zu 12 Stimmen und der B-Plan 30 bei 11zu
12 Stimmen und einer Enthaltung nicht angenommen. Die Stadtvertreter
Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos, jetzt BfBD)
brachten die angelehnte Beschlussvorlage kurz darauf erneut auf die
Tagesordnung aber mit 14 zu 11 Stimmen beschließen die
Stadtvertreter am 25.05.2009, die Vorlage nicht zu beraten. Kurz
darauf verabschiedete sich die Stadtvertreterversammlung in die
Kommunalwahl. Für die Villen der Perlenkette bedeutete das weiteres
Warten.
Folgen
des Stillstandes.
Was passieren musste, war eine erneute Einbringung der
Beschlussvorlage, über die B-Pläne abzustimmen und natürlich musste
die Abstimmung positiv für die B-Pläne ausfallen. Aber zwischen
Abstimmung und Baubeginn vergeht ein Jahr, sodass jeder Tag, den man
wartete, die Rettung der Perlenkette einen Tag weiter in die Ferne
des nächsten Jahres schob. Für einige Perlen hätte das schon zu
spät sein können. Die ECH könnte die Villen auch an Einzelinvestoren
verkaufen. Aber der B-Plan ist bindend und auch ein Einzelinvestor
stünde vor dem Problem, keinen Parkplatz am Haus zu haben bzw. bei
Weiterverkauf- oder vermietung diesen nicht anbieten zu können.
Die
Probleme, die die ECH derzeit bei der Verwirklichung ihrer Pläne
hat, schrecken zudem mögliche Einzelinvestoren ab. Für die Villa
"Krone" - die sich außerhalb des B-Plan-25-Gebietes befindet - hat
sich jemand gefunden, der die Villa gekauft hat und selbst saniert.
Dieses Beispiel zeigt, dass es tatsächlich Interessenten gibt und
das nicht - wie der ECH oft unterstellt wurde - Erfindungen sind.
Die Sanierung der "Krone" erfolgt im Herbst 2009. Villa Krone ist
gerettet! In diesem Areal befinden sich zudem auch das
Marien-Cottage und das Alexandrinen-Cottage. Für das Marien-Cottage
gibt es ebenfalls einen Interessenten und das Alexandrinen-Cottage
möchte Anno August Jagdfeld für sich haben. Er hätte es längst
sanieren können und es spricht auch nichts dagegen, dass es ihm genehmigt
wird. Aber es hätte ein falsches Zeichen setzen, wenn Jagdfeld sein
Sommerhaus aufbauen würde, während ein paar hundert Meter weiter die
Perlenkette verfiele. Jagdfeld ist über 60 und würde gern die
Alexandrine als Sommerhaus noch miterleben. Er verzichtete nur aus
Rücksicht und aus Vorsicht vor den Reaktionen aus der Bevölkerung.
Auch hätte die ECH das Ensemble-Palais hinter der Perlenkette
beantragen und bei Genehmigung - mit der die Stadtvertreter dann
nichts mehr zu tun haben - auch bauen können.
Der Bau der beiden geplanten
Neubauten hinter der Perlenkette würde zugleich das seit 2009
bestehende Problem mit dem illegalen Durchlaufen der Schneise durch
Urlauber und Einheimische lösen aber auf den Plänen der ECH stehen
die Neubauten hinter der Perlenkette an. Auch die Häuser in der
Kühlungsborner Straße, der Seedeichstraße und er Gartenstraße
stehen hinter der Perlenkette an. Es machte auch keinen Sinn, sie
vorher zu sanieren: Ein weiteres Luxus-Restaurant wird erst
benötigt, wenn das Hotel besser ausgelastet ist und sich auch in der
Nebensaison Leute finden, die sich solche Restaurantbesuche leisten
wollen und können.
Ein Konferenz-Zentrum macht erst Sinn, wenn das
Hotel am Markt als Konferenzhotel etabliert ist und auch Platz für
die schließlich mit 1000 Teilnehmern großen Kapazitäten hat. Ein
Biergarten macht erst Sinn, wenn in Heiligendamm das
gesellschaftliche Leben floriert und das Geld locker sitzt und
Apartments und Villen machen erst Sinn, wenn dieselben in der ersten
Reihe (Perlenkette) erfolgreich veräußert sind und noch mehr Leute
sich in Heiligendamm niederlassen wollen. Ein weiterer Golfplatz und
die geplanten Freizeitangebote, Ayurveda und Thalasso machen erst
Sinn, wenn es in Heiligendamm genug Leute gibt, die das dauerhaft
und saisonunabhängig in ausreichender Zahl nutzen können.
Darum ist
es unabdingbar, dass neben dem Hotel auch Wohnungen, Apartments und
Villen entstehen. Die Einwohnerzahl Heiligendamms wird sich dadurch
mindestens vervierfachen aber genau diese Menge an Menschen ist das,
was die ECH benötigt, um die Angebote saisonunabhängig rentabel
anbieten zu können. Darum sollen die kostenintensiven Angebote, wie
Thalasso, Sport, SPA und Ayurveda auch öffentlich und für jeden -
auch Bad Doberaner, Heiligendammer und Tagesgäste - zugänglich sein.
Nur wenn genug Menschen diese Angebote nutzen, können sie den
Hotelgästen zu guten Konditionen angeboten werden. Würden nur die
Hotelgäste diese Angebote nutzen dürfen, müssten sie dafür teuer
bezahlen, damit es sich überhaupt rentiert.
Die ECH möchte noch
weitere Wohnräume (wie z.B. in der Ensemble-Villa) und
funktionelle Räume, wie einen Ballsaal im Ensemble-Palais oder die
plastische Chirurgie am Golfteich einrichten und damit die Angebote
und Kapazitäten des Hotels erhöhen. Dazu muss aber erst das Hotel
dauerhaft wirklich gut ausgelastet sein. Vorher wird die ECH diese
Neubauten nicht errichten. Damit ist also auch die Frage
beantwortet, warum von den vielen geplanten Neubauten noch nichts zu
sehen ist.
Ende des Stillstandes - Aussicht auf
Wiederaufbau
am 14. Dezember 2009 hatte das jahrelange Trauerspiel ein Ende: 15
Stadtvertreter verschiedener Fraktionen und Einzelvertreter setzten
sich gegen 8 Gegenstimmen aus Bürgerbund, Linke und Einzelfraktionen
durch und mit 2 Enthaltungen wurden die Änderung des B-Planes
genehmigt. Damit kann der Wiederaufbau der Villa "Perle" im Sommer
2010 beginnen. Ihm folgt der Bau der Tiefgarage und schließlich die
Sanierung der weiteren Villen. Natürlich müssen diese erst
vermarktet werden. Abgesprungene Interessenten müssen kontaktiert,
neue gefunden und die Wohnungen verkauft werden. Ausschreibungen
sind nötig und schließlich dauert jede Sanierung etwa 15 Monate, was
der hohen Qualität der Bauausführung geschuldet ist. Wann immer es
geht, werden mehrere Villen gleichzeitig saniert aber zaubern wird
der Investor auch nicht können. Nach der Perlenkette kann es dann
auch mit den anderen Gebäuden weiter gehen.
Zu guter Letzt: Nicht alles was in Heiligendamm grau ist, gehört der
ECH. Nur eines von drei Häusern, die in der Gartenstraße verfallen,
gehören der ECH und nur drei von vier unbebauten Abrissgrundstücken
sind in ECH-Hand.
Die beiden Kirchen brauchen auch dringend eine Sanierung. Die ECH
hat viel Geld für die Sanierung gespendet, kann jedoch nicht die
ganzen Kosten allein tragen. Die Stiftung der Waldkirchen in
Heiligendamm unter Eckart Paap haben im Jahre 2006 die Sanierung der
Waldkirchen von der Sanierung der Perlenkette abhängig gemacht.
Info:
Die Villa "Perle" sollte erst mit Beginn der Sanierung abgerissen
werden, um keine unschönen Bauflächen zu hinterlassen. Die
Bundesregierung drängte jedoch darauf, die Villa vor dem G8-Gipfel
abzureißen, weil an ihrer Stelle eine Pressetribüne entstehen
sollte. Darum wurde die "Perle" abgerissen, während "Möwe" und
"Schwan" stehen blieben.
Alle Themen des Schwerpunkt-Komplexes:
Thema Nummer eins: Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?
Thema Nummer zwei: Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Thema Nummer drei: Warum sind alte Wege verschwunden?
Thema Nummer vier: Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?
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