Zeit am Meer


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Warum verfallen Häuser in Heiligendamm? Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Warum sind alte Wege verschwunden? Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?


Schwerpunkt Heiligendamm.

Thema Nummer eins:
Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?


Egal, von wo aus der Besucher die weiße Stadt am Meer besucht- sein erster Weg führt an verfallenen Häusern vorbei. Der Forsthof in der Kühlungsborner Straße, drei Häuser in der Gartenstraße, zwei in der Seedeichstraße und gleich sechs direkt an der Promenade. Auch dahinter finden sich Moder und Verfall und im Angesicht dazu stehen sechs strahlend weiße Häuser, eine neue Klinik, sanierte Eigenheime und Zweckbauten, die hundert Mal schöner sind, als die erste Reihe der weißen Stadt am Meer. Lücken zeugen von Abrissen und etwas neues wird auch nicht gebaut.

Hat der Investor sich übernommen, ist die ECH Pleite oder will FUNDUS gar nicht Heiligendamm wieder aufbauen? Ist das Sanierungskonzept gescheitert, Heiligendamm zum Tode verurteilt oder warum lässt man diese schönen alten Häuser in bester Premium-Lage verfallen?

Es hat Monate gedauert, diesen Fragen nachzugehen, Gründe zu recherchieren und Fakten zusammen zu tragen. Die Sache ist verzwickt und mit einer kurzen Antwort eigentlich gar nicht zu klären. Nicht alles hat der Investor zu verantworten und nicht alles was verfällt gehört ihm. Hier kommen die wahren Gründe des Verfalls im ersten deutschen Seebad Heiligendamm. 



Inhalt (anklickbar):

- Die kurze Antwort
- Die lange Antwort
- Übersicht über die Gebäude Heiligendamms
- Was zum Verfall der Gebäude führte.
- Das Sanatorium als Zugpferd Heiligendamms.
- Das Ende der DDR als Schicksalsschlag eines ganzen Ortes.
- Niedergang im laufenden Betrieb.
- Wer will Heiligendamm?
- Gesamtkonzept oder Einzelinvestoren
- Stillstand und Verwahrlosung: Aller Anfang war schwer.
- Alle Versuche sind gescheitert. Wer kann Heiligendamm jetzt noch retten
- Jagdfeld will Heiligendamm retten - doch nicht bedingungslos.
- Zwischen Vision und Wirklichkeit: Heiligendamm verfällt im Wiederaufbau.
- Testphase: Funktioniert Heiligendamm auf der grünen Wiese?
- Stillstand durch Uneinigkeit.
- Stillstand durch Revisionismus.
- Stillstand durch Blockade.
- Folgen des Stillstandes.
- Ende des Stillstandes - Aussicht auf Wiederaufbau
 


Die kurze Antwort:

Vertraglich festgelegt war, dass der Investor zuerst die Hauptgebäude des Ensembles (Kurhaus, Orangerie, Burg, Häuser "Mecklenburg" und "Grand Hotel") saniert, dann oder zugleich das Severin-Palais errichten darf und erst nach Fertigstellung des Ensembles die Villen der Perlenkette und die westlichen Cottages zu sanieren hat. Bevor diese Villen nicht fertig gestellt sein würden, dürfte der Investor keine Neubauten errichten.

Diese Reihenfolge war für die FUNDUS-Tochter ECH von der Stadt Bad Doberan verbindlich vorgegeben worden.  Die ECH sanierte darum zuerst das Ensemble und errichtete das Severin-Palais. Dafür nutzte sie einen geschlossenen Fonds, in den über 2000 Anleger eingezahlt haben, sowie Fördermittel und Eigenkapital. Über 250 Millionen Euro wurden investiert. Im Jahre 2004 sollte dann die Sanierung der Perlenkette vorbereitet werden. Unter der rot-grünen Bundesregierung Gerhard Schröders wurden jedoch Gesetze geändert, infolge dessen die geschlossenen Fonds nicht mehr attraktiv genug waren und FUNDUS die Villen nicht mehr über Fonds finanzieren konnte. Da FUNDUS die etwa 70 Millionen Euro für die Sanierung nicht aus eigener Tasche zahlen konnte, kam nur eine klassische Immobilienfinanzierung in Frage.

Allerdings finanzierten die Banken bereits 2004 keine Hotelprojekte mehr, sodass sich keine Bank fand, mit der FUNDUS sieben Häuser mit Hotelsuiten realisieren konnte. Würde man jedoch Apartmentwohnungen in die Villen integrieren, wäre eine Finanzierung möglich. Also plante die ECH pro Villa sechs Wohnungen (Anker: 5) ein, die verkauft werden sollten. Bei der Vermarktung erwies sich als problematisch, dass für die Wohnungen kein Recht auf dauerhafte Nutzung gegeben werden konnte, weshalb die ECH die Stadt Bad Doberan bat, dauerhaftes Wohnen in den Villen der Perlenkette zu ermöglichen.

Die Stadtvertreter gaben der ECH Baurecht für die Villen, beließen sie jedoch im Sondergebiet "Hotel". Wenig später stellte sich bei der weiteren Vermarktung heraus, dass auch das Parkplatzproblem potenzielle Interessenten abschreckt. Die Parkplätze für die Villen befinden sich am Ortsrand. Die ECH beantragte den Bau eines unterirdischen Tunnelparkplatzes für die Perlenketten-Bewohner und zugleich einer öffentlichen Tiefgarage für 150 Stellplätze für das Thalasso-Zentrum. Dabei galt es, die Promenade anzuheben, eine Flutschutzmauer zu errichten und drei Bäume zu fällen. Nachdem 21 Ämter und Behörden den Änderungen im Bebauungsplan zugestimmt hatten, beschlossen die Stadtvertreter diese Änderungen nicht und gaben somit dem neuen Plan keine Rechtskraft. In der Folgezeit entbrannte ein Streit, für deren Dauer die Perlenkette weiter verfiel. Erst Ende 2009 stimmte die inzwischen neue Stadtvertreterversammlung den Änderungen zu und gab grünes Licht für den Wiederaufbau der Perlenkette, dem Bau der Tiefgarage bzw. des Tunnelparkplatzes, sowie den Genehmigungen für das Ensemble-Palais, der Ensemble-Villa und des Thalasso-Zentrums.

Als erstes wird im Sommer 2010 die Villa "Perle" wiederaufgebaut. Ihr folgen dann Tunnelparkplatz und nach Vermarktung die anderen sechs Villen, sowie die Kolonnaden. Die Villa der Familie von Witzleben, die Villen in der Seedeichstraße und das Forsthaus befinden sich ebenfalls im Besitz der ECH, mussten aber bisher noch warten, da die Perlenkette Priorität hatte. Wann eine Sanierung erfolgen wird, steht noch nicht fest aber die rechtliche Möglichkeit dazu besteht nun.

Das Gästehaus der Familie von Witzleben, sowie gegenüber das "Mecklenburgische Haus" (Krieg's Hotel) gehören der ECH nicht. Die ECH ist aber bemüht, alle ungenutzten Immobilien und Grundstücke in Heiligendamm zu erwerben, um Fremdeinwirkungen zu vermeiden und eine einheitliche Entwicklung Heiligendamms zu erreichen.
 



Die lange Antwort:

Hier müssen wir sehr weit ausholen, um die Entwicklung aufzuzeigen und zu verstehen.

Das historische Ensemble Heiligendamms besteht aus 19 Gebäuden, die zwischen 1796 und 1900 entstanden sind.
Dies sind von Ost nach West die Häuser "Prinzessin-von-Reuß-Palais, "Bischofstab", "Anker", "Hirsch", "Schwan", "Seestern", "Möwe", Greif", "Perle und Großfürstin Marie", die Kolonnaden, das Grand Hotel, das Kurhaus, das Haus "Mecklenburg", die Hohenzollernburg, die Orangerie, Haus "Brahn", das Kronencottage, das Mariencottage und das Alexandrinencottage. Mit dazu gehören ein Pavillon im Lindenrondell, Nebenbauten am Prinzessin-von-Reuß-Palais und bereits vor 1796 vorhandene Gebäude, wie eine Scheune, ein ehemaliger Stall und der Marstall.

All diese Gebäude hat die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm (ECH) - eine Tochter der FUNDUS-Gruppe - seit 1996 erworben. Bis dahin wurden diese Gebäude von der Oberfinanzdirektion Rostock verwaltet. Im Grand Hotel, dem Haus "Mecklenburg", dem Kurhaus und der Hohenzollernburg war von 1949-1990 das Sanatorium für Werktätige untergebracht, welches 1990 zunächst schloss und 1991 als "Ostseeklinik" weiter geführt wurde. Der Bund als Eigentümer der Gebäude wollte sich jedoch von den Gebäuden trennen, da die Ostseeklinik nicht wirtschaftlich lief. Jeden Monat waren 150.000 DM Betriebsmittelzuschüsse nötig, die das Land zu zahlen hatte. Das Land avisierte daher einen Verkauf und stellte 1992 Kataloge für die einzelnen Gebäude zusammen.


Übersicht über die Gebäude Heiligendamms

Kernstück Heiligendamms ist das Ensemble. Wenn man "Ensemble" sagt, meint man damit das Grand Hotel (ehem. Haus "Berlin"), das Kurhaus, Haus "Mecklenburg" und die Burg. Diese Häuser wurden durch das Sanatorium für Werktätige genutzt, bzw. stellten dieses dar. 1990 stellte das Sanatorium den Betrieb ein und wurde 1991 als "Ostseeklinik" neu gegründet. Zur weiteren Geschichte kommen wir gleich. Zunächst schauen wir uns die Häuser einmal an, wie sie zwischen 1990 und 2000 aussahen.

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Das Grand Hotel, welches 1886 als Logierhaus - also Hotel - erbaut wurde, fungierte bis 1932 als dieses, wurde dann zuerst Ferienheim und später Reservelazarett. Ab 1945 wurde das Gebäude zu Reparationsleistungen entleert und anschließend geplündert, sodass nur der fensterlose Baukörper ohne jegliches Inventar übrig blieb. Restitutionsansprüche Christian Ludwigs wurden von der DDR-Regierung abgeschmettert und es erfolgte der Aufbau eines Sanatoriums. Während der Grundriss weitgehend beibehalten wurde, verschwanden Teile des Lichthofes zu Gunsten einer Fahrstuhlkonstruktion, an der die Stockwerke aufgehängt wurden. Den restlichen Bauten widerfuhr ein ähnliches Schicksal. Das Grand Hotel wurde als "Haus Berlin" (auch "Haus I") als Hauptgebäude des Sanatoriums geführt.

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Neben dem Grand Hotel befindet sich das Kurhaus, welches 1816 als Speise- und Gesellschaftshaus erbaut wurde und diese Funktion weitgehend beibehielt. Während der DDR-Zeit waren hier mehrere Säle zum Speisen und Feiern aber auch Funktionsräume und Verwaltungsräume untergebracht.

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Am Kurhaus dran befindet sich das bereits 1793 erbaute aber in dieser Form erst 1839 vollendete ehemalige Badehaus, welches stets "Haus Mecklenburg" hieß und die Funktion als Badehaus bis in die DDR-Zeit beibehielt. Abgesehen von den Funktionsräumen gab es jede Menge Behandlungszimmer und auch hier wieder Zimmer für die Unterbringung im Sanatorium. An allen drei Gebäuden wurden bauliche Vereinfachungen vorgenommen und alle drei Gebäude erfuhren denselben Umgang bei der Pflege und Instandhaltung.

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Das letzte Gebäude des klassizistischen Ensembles ist die Burg, welche 1848 als Logierhaus für Angehörige und Gäste der großherzoglichen Familie erbaut wurde. Die Burg wurde wie die anderen drei Häuser genutzt, erlitt allerdings nach Kriegsende große Zerstörungen bei einem Dachstuhlbrand. Der Architekt Kegebein schlug vor, auf die ohnehin für das Sanatorium nicht nutzbaren Türme und Zinnen zu verzichten und stattdessen auf den vorhandenen Baukörper ein Walmdach aufzusetzen.

Dieser Vorschlag wurde umgesetzt und so präsentierte sich die einst stolze Burg am Ostseestrand so, wie auf dem Bild. Darum wird sie auch keinem als Burg in Erinnerung sein. Dieser Teil des Sanatoriums erhielt den Namen "Haus Glück auf" und stand ausschließlich Bergarbeitern der DDR zur Kur zur Verfügung. Das Gebäude gehörte zwar zum Sanatorium, war aber eine als extra zu betrachtende Einheit, da die Erkrankungen der Kurgäste dieser Häuser überwiegend sehr sichtbar waren und man den Blick darauf verhindern wollte. Die Haut- und Lungenkranken bekamen auch einen eigenen blickgeschützten Strandabschnitt in der Nähe.

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Nicht mehr zum klassizistischen Ensemble aber zum Sanatorium gehörte das Haus "Magdeburg", erbaut 1840 als Villa "Krone" und ursprünglich genutzt als privates Gästehaus der großherzoglichen Familie. Zu Zeiten des Sanatoriums wurden hier Behandlungszimmer untergebracht. Das nannte sich dann "Ärztehaus".

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Ebenfalls als Ärztehaus diente das daneben befindliche, auch 1840 errichtete Haus "Dresden", welches als Villa "Marie" der großherzoglichen Familie als Wohnhaus diente. Die Ärztehäuser wurden thematisch genutzt: Eines für Hautkrankheiten, eines für Lungenkrankheiten und eines als TBC-Zentrum.

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Das letzte Haus im Westen wurde ebenfalls 1840 errichtet, diente als Logierhaus der Großherzogin, wurde später vergrößert und erhielt zu DDR-Zeiten verglaste Veranden, die es noch einmal vergrößern sollten. Alte Bilder zeigen die Großherzogin Alexandrine auf der Terrasse ihres Alexandrinen-Cottage. Zu DDR-Zeiten trug das Haus den Namen "Haus Weimar" und war das letzte der drei Ärztehäuser.

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Zu guter Letzt gibt es dann noch das Haus "Brahn", gegenüber dem Haus "Magdeburg", welches (nach meinen Informationen - d. Autor) die Verwaltung des Sanatoriums beherbergte.

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Kommen wir nun zu dem, was nicht zum Sanatorium gehörte aber vom Sanatorium gewissermaßen abhängig war.
Da haben wir im Osten des Ortskerns an der Seedeichstraße die Villen "Eikboom" und "Seeadler", beide 1873 als Logierhäuser hochrangiger Mitglieder der mecklenburgischen Regierung errichtet und genutzt. Hier wohnten die leitenden Ärzte des Sanatoriums.

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Daneben befindet sich das Golfhaus, welches eigentlich nie eines war, sondern 1850 von General von Hopfgarten als Wohnhaus errichtet wurde. Den Namen erlangte das Hopfgartensche Haus durch die Nähe zum Golfteich. Dieses Haus diente (meines Wissens - d. Autor) zu DDR-Zeiten als Wohnhaus.

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Im Großen Wohld - jenem Wald, an dessen Rand die eben genannten Gebäude sich befinden, entstanden außerdem ab 1960 diverse Bauten des Schützenvereins und der Forst.

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Von Osten nach Westen haben wir nun als erstes einen kleinen Zweckbau, der neben der Wasserwacht einen Imbiss enthält und in den 60er Jahren gebaut wurde.

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Dann folgen die zwei Kopfbauten der Perlenkette, die da zur linken "Prinzessin-von-Reuß-Palais heißen und von derselben als Sommerhaus genutzt wurden und zur rechten das Haus "Bischofsstab, ein Logierhaus, das 1860 für mehrere Einzelgäste errichtet wurde. Das 1850 erbaute Prinzessin-von-Reuß-Palais nannte sich ab 1949 "Max-Planck-Haus" und gehörte dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund der DDR (FDGB), der es als Ferienheim betrieb. Das Haus "Bischofsstab" war auch ein Ferienheim, gehörte aber dem Reisebüro der DDR. Beide Häuser hatten mit dem Sanatorium weiter nichts zu tun und verfügten über eigene Küchen und Speisesäle.

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Neben dem Max-Planck-Haus entstand später ein Zweckbau.

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Auf der Seite des Max-Planck-Hauses befinden sich zudem die auch 1860 errichteten Kolonnaden, welche von je her als Kaufhalle diente und zu DDR-Zeiten ein Milchgeschäft, ein Buchgeschäft und ein Textilgeschäft im Erdgeschoss beherbergte. An der Ostseite wurde das "Schwanencafé" eingerichtet und im Obergeschoss entstanden Wohnungen, vornehmlich für Mitarbeiter des Sanatoriums. Daneben entstanden ein kleines Postgebäude und ein Garagenkomplex.

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Auf der gegenüber liegenden Seite gibt es von Ost nach West die Villen "Anker", "Hirsch", "Schwan", "Seestern", "Möwe", "Greif" und die Villa "Perle" mit dem Anbau "Großfürstin Marie". Alle Häuser wurden zwischen 1854 und 1857 errichtet, der Anbau an die "Perle" erfolgte 1874. Die Häuser dienten als Gästehäuser, wurden später ebenfalls Reserve-Lazarett und schließlich nach 1949 entstanden in ihnen Wohnungen, vornehmlich für Mitarbeiter des Sanatoriums.

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Das ganze wird auch "Ensemble" oder einfach "Perlenkette" genannt. Ein letztes Gebäude auf dieser Straßenseite befindet sich neben dem Haus "Brahn" vor der Burg. Hierbei handelt es sich um die 1878 erbaute Orangerie, welche nach 1949 zur Verkaufsstelle "Konsum" wurde.

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Daneben befindet sich seit 1996 die Median-Klinik.

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Gegenüber an der Kühlungsborner Straße befanden sich eine stets als solche genutzte Scheune, ein Stall, der Wohnungen und eine Drogerie beherbergte und der Marstall, welcher Wohnungen im Obergeschoss, sowie eine Feuerwehr und die Gaststätte "Palette" im Erdgeschoss beherbergte.

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Weiterhin haben wir an der Kühlungsborner Straße ein Wohnhaus, welches einst Wärterhaus für die Molli war, ein Gebäude mit der Inschrift "Seehospiz, welche 1846 als Armenkrankenhaus an diese Stelle versetzt wurde, nachdem der Vorgängerbau dem Burgenbau zum Opfer fiel. Das Haus wurde nach der Auflösung des Armenkrankenhauses zum Wohnhaus.

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Daneben befinden sich weitere ursprüngliche und neue Bauten und dahinter befindet sich das Wohngebiet an der Gartenstraße mit Eigenheimen, die stets auch Zimmer an das Sanatorium vermieteten.

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An der Kühlungsborner Straße gab es weiterhin vier um 1887 als Pensionen errichtete Gebäude: Auf der linken Seite Richtung Ortsausgang die Häuser "Waldfriede", "Tabea", "Mellendorf" und "Scherpeltz" und auf der rechten der Fürstenhof. Aus den Pensionen wurden schon vor der DDR-Gründung Wohnhäuser. Die Pension "Scherpeltz" wurde mit einem weiteren Gebäude verbunden und zur "Fachhochschule für angewandte Kunst", die aus Wismar nach Heiligendamm zog.

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Es entstanden zahlreiche Nebenbauten und die Fachschule diente auch als Kinderferienlager, wodurch sie hin und wieder als Kinderheim verzeichnet ist. Im Fürstenhof war seit je her ein Altenheim untergebracht und links daneben entstanden in den 70ern zwei Wohnblöcke für die zahlreichen Arbeiter und Angestellten in Heiligendamm.

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Vorgesehen war dass nach Heiligendamm zog, wer dort auch arbeitete. Am südlichen Ortsrand finden sich weitere private Wohnhäuser, sowie ein Forsthof, das Blockheizkraftwerk und die evangelische Kirche. Im Großen Wohld an der Seedeichstraße gibt es darüber hinaus den katholischen Pendanten, der zuerst errichtet wurde.

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Zu guter Letzt befinden sich an der Gartenstraße die "Villa der Familie von Witzleben", in der DDR als Kindergarten genutzt, sowie dahinter das Gästehaus der Familie von Witzleben, welches als Wohnhaus diente. Das als "Kriegs Hotel" errichtete Genossenschaftsheim auf der gegenüberliegenden Seite diente im Erdgeschoss dem Sanatorium als Therapiesporthalle und der Rest wurde zu Wohnungen umgestaltet.

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Damit haben wir alle Gebäude Heiligendamms erfasst.


Was zum Verfall der Gebäude führte.

Das Sanatorium als Zugpferd Heiligendamms.

Der größte Motor Heiligendamms war das Sanatorium. Bis zu 10.000 Kurgäste zählte Heiligendamm im Jahr und diese wurden untergebracht, wo immer es ging. Eben auch in Privathäusern. Hunderte Angestellte und Arbeiter, die direkt oder indirekt am Sanatorium verdienten, bevölkerten Heiligendamm und es gab in den 70ern Ausbaupläne von der Kaufhalle über ein Kurmittelhaus bis hin zur Schwimmhalle. Aus Geldmangel entstanden nur das Wasserwerk, das Blockheizkraftwerk und die beiden Wohnblöcke. Bevor die Planer die Neubauten quer durch das Ensemble umsetzen konnten, wurde Heiligendamm fast komplett unter Denkmalschutz gestellt.

Vor 1990 wurden die Gebäude durch eine eigene Baubrigade ständig ausgebessert. Und ständig heißt auch ständig: Es fiel immer irgendwo Putz, bröckelte Farbe, ging ein altes Stilelement zu Bruch usw. Alle vier Jahre wurden die Häuser neu geweißt! Man bedenke, welch enormer Aufwand und welch immense Kosten dafür nötig waren. Da Heiligendamm aber zum ICOMOS-Erbe gehörte, bezahlte man diesen Preis zu DDR-Zeiten gern, denn damit war Heiligendamm das Aushängeschild der Ostseeküste der DDR.

Das Ende der DDR als Schicksalsschlag eines ganzen Ortes.

1990 endete nun der Betrieb des Sanatoriums, das Kurbad wurde abgewickelt, das Sozialministerium sprang ein und ein Jahr später gründete sich im September die "Ostseeklinik" an gleicher Stelle neu. Die BfA erkannte die Klinik in einem kleineren Umfang (nur noch 215 Betten) an aber die Klinik nutze dieselben Häuser, dieselben Geräte.Ein paar Modernisierungen und eine Menge Entlassungen folgten.

Leute zogen aus den Altbauten aus und zogen nach Bad Doberan in die Neubauten, später folgten ihnen Hausbauer in die Bad Doberaner Wohngebiete und auch das medizinische Personal suchte sich eine neue Bleibe. Viele Wohnungen wurden leer gezogen - in der Kühlungsborner Straße schneller, in der Professor-Vogel-Straße langsamer. Die Ferienheime schlossen, der Konsum auch, die Drogerie ebenso, der Kindergarten wurde aufgelöst, die Poststelle wurde gestrichen, Studenten zogen in die leer gewordenen Häuser, wie das Alexandrinencottage und bildeten Hausgemeinschaften mit dort z.B. 17 Mietpartien.

Niedergang im laufenden Betrieb.

Die Ostseeklinik jedoch hatte ein Problem: Sie musste sich erstmals der Konkurrenz der freien Marktwirtschaft stellen. In einem auf sechs Häuser verstreuten Komplex, dessen äußeres und inneres dringend sanierungsbedürftig war, gab es keine Konkurrenzfähigkeit. Nagelneue und hochmoderne Kureinrichtungen schossen wie Pilze aus dem Boden und die Ostsee-Klinik hatte das Nachsehen.

Aus 10.000 Patienten im Jahr wurden 1.500 und das Land musste Jahr für Jahr Betriebsmittelkredite in Höhe von 150.000 DM dazu steuern, damit die Klinik sich überhaupt halten konnte. Mitarbeiter wurden entlassen, die Ärztehäuser wurden aufgegeben und was nur ging, wurde in die vier großen Häuser "Berlin", "Mecklenburg", "Glück auf" und das Kurhaus verlagert. Platz war durch das Fehlen der Patienten genug. So blieben auch die Fremdenzimmer bei den privaten leer und sie boten ihre Zimmer Touristen an.

Die Baubrigade kam mit den Ausbesserungen kaum noch hinterher, denn der Leerstand einiger Gebäude bescherte ihnen viel mehr Arbeit, als es ein bewohntes Haus tut. Heiligendamm verfiel. Die Häuser, welche Volkseigentum der DDR waren, gingen 1990 automatisch an die Treuhand Liegenschaften Gesellschaft (TLG), womit sie von der Oberfinanzdirektion Rostock (OFin) verwaltet wurden. Eine Sanierung jedoch konnte und wollte die TLG nicht vornehmen, sondern den neuen Eigentümern überlassen.

Wer will Heiligendamm?

Also schrieb das Land die Häuser einzeln zum Verkauf aus. Es meldeten sich Interessenten für einzelne Häuser der Perlenkette und für einzelne Cottages. Das Ensemble selbst wollte keiner haben. Die Interessenten wussten auch, dass der schon skandalös günstige Preis des Objekts weiter sinken wird, wenn sie nur lange genug warten. Darum schlug keiner sofort zu. Das Land erkannte, dass der Einzelverkauf nicht funktionierte bzw. nicht das gewünschte Resultat brachte und reduzierte das Engagement.

Definitiv zum Einzelverkauf standen nun nur die nicht dem Land gehörenden Häuser, wie das "Bischofsstab", das "Prinzessin-von-Reuß-Palais", die Häuser in der Seedeichstraße, in der Gartenstraße und in der Kühlungsborner Straße. Die Ostsee-Klinik lief weiter - mehr schlecht als recht. Das Land butterte weiter dazu aber die ungenutzten Häuser - monatlich zogen weitere Mieter aus - verfielen nun einmal.
 


Drucksache 1/836 vom 10.10.1991

Ab 1948 wurden die historischen Gebäude zu einem Sanatorium umgebaut, das bis zu 10.000 Patienten pro Jahr aufnahm. Nach einer kurzfristigen Einstellung des Betriebes konnte die Ostsee-Klinik Heiligendamm ab April 1991 dank der Maßnahmen des Sozialministeriums

wieder eröffnen. In etwas verkleinertem Umfang wurde die Ostsee-Klinik durch die Bundesanstalt für Angestellte anerkannt.

Gleichwohl entspricht der Betrieb nicht den modernsten Anforderungen und ist durch die zwar erhaltenswerte, aber alte und stark sanierungsbedürftige Bausubstanz in der Entwicklung erheblich eingeschränkt. Der Betrieb der Ostsee-Klinik ist deshalb nicht in der Lage, kostendeckend zu arbeiten, er erfordert einen monatlichen Betriebsmittelzuschuß von 150.000,- DM ohne Berücksichtigung von Erhaltungsmaßnahmen, geschweige denn Investitionen in die Bausubstanz.
 

Um den Haushalt von diesen ständigen Kosten zu entlasten, hat das Sozialministerium sich entschlossen, den Sanatoriumsbetrieb zu privatisieren. Im Auftrag der Regionalverwaltungsbehörde Rostock und - ab 01.01.1991 - des Sozialministeriums, hat der Leiter der Ostseeklinik die Konzepte von 15 interessierten Unternehmensgruppen geprüft und aus 4 in die engere Auswahl gelangten Interessenten nach

intensiver Beratung mit dem Ministerium die Dr. Marx-Gruppe empfohlen.
 

Diese Gruppe plant für die Rehabilitations-Klinik einen Neubau in Heiligendamm und ist bereit, den bisherigen Klinikbetrieb bis zur Fertigstellung der neuen Räume zu übernehmen. Das Sozialministerium ist aus Kostengründen an einer möglichst zügigen Übertragung des

Betriebes interessiert. Andererseits ist die Dr. Marx-Gruppe zur Übernahme nur bereit, wenn das Land den Grund und Boden für den Neubau zur Verfügung stellt. Da die Veräußerung dieses Grundstückes der Zustimmung des Landtages bedarf, könnte dieser durch die jetzt

anstehende Betriebsübertragung präjudiziert werden. Der Landtag wird daher schon im Zusammenhang mit der Betriebsübertragung über den beabsichtigten Grundstücksverkauf informiert und um eine generelle Zustimmung gebeten.
 

Die Betreibergesellschaft für die zu errichtende Klinik wird die Park Klinik KG SANA MED Verwaltungs-GmbH & Co sein, die auch den Betrieb der Ostsee-Klinik Heiligendamm mit allen Geräten und Vorräten übernimmt und weitgehend das ärztliche und Pflegepersonal weiter

beschäftigt.
 

Für die Betriebsübernahme ist mit Rücksicht auf den nicht kostendeckenden Betrieb ein Entgelt nicht vorgesehen. Die Geräte sind darüberhinaus weitgehend abgeschrieben und können in dem Klinik-Neubau nicht verwandt werden. Außerdem entsteht durch die

Betriebsübernahme eine Entlastung des Haushalts von monatlich 150.000,- DM.
 

Für den vorübergehenden Weiterbetrieb der Ostsee-Klinik Heiligendamm wird das Finanzministerium für Grundstücke und Gebäude einen befristeten Mietvertrag abschließen. Auch hierbei soll wegen des defizitären Betriebes keine Barmiete erhoben werden. Die Gefahr eines kurzfristigen "Mietvertrages besteht darin, daß in die Erhaltung der Gebäude nichts mehr investiert wird und die denkmalwürdige Substanz weiter verfällt. Es ist deshalb vorgesehen, die Betreiber zu verpflichten, allein für die Erhaltung der Bausubstanz 4 Arbeitskräfte einzustellen

und seitens des Landesbauamtes und des Finanzministeriums die Erhaltungsmaßnahmen streng zu überwachen.
 

Der Grundstückveräußerung für den Neubau muß der Landtag zustimmen. Mit Rücksicht auf die im Interesse des Landes liegende Betriebsübernahme ist eine Ausschreibung nicht möglich, sie ist praktisch durch die Auswahl des Betriebsübernehmers vorgezogen worden. Aus diesem Grund ist der Landtag nicht erst bei der Grundstücksveräußerung, sondern schon bei der Betriebsübernahme einzuschalten. Die Veräußerung selbst soll auf der Basis einer Wertermittlung durch die OFD Rostock erfolgen.
 

1.2. Verwertung des Ostseebades Heiligendamm

Nach Fertigstellung und Bezug des Klinik-Neubaues sind die historischen Gebäude zu verwerten. Obwohl dies erst 1993/94 aktuell sein wird, sind heute bereits wichtige Weichenstellungen vorzunehmen, da für die dann erforderlichen Investitionen erhebliche Vorlaufzeiten bestehen. Andererseits feiert das Ostseebad Heiligendamm 1993 sein 200jähriges Bestehen, so daß bis dahin die Zukunftsentscheidungen getroffen sein müssen.

Es ist zwischen folgenden Alternativen zu entscheiden:

- Heiligendamm wird als Staatsbad weiter betrieben

- die einzelnen Objekte werden an jeweilige Interessenten vergeben

- das gesamte Ostseebad wird komplett einem Interessenten übertragen.
 

1.2.1. Staatsbad

Es gibt in den alten Bundesländern Vorbilder, in denen der Staat entsprechende Staatsbäder betreibt, z. B. der Landesbetrieb "Hessische Staatsbäder" mit den Bädern

- Bad Nauheim

- Bad Wildungen

- Schlangenbad u. a.

Der finanzielle Aufwand zur Erhaltung und Wiederherstellung der Bausubstanz übersteigt

jedoch die Finanzkraft des Landes und sollte nicht ernsthaft in Erwägung gezogen werden.
 

1.2.2. Einzelverwertung

Der Vorteil einer Verwertung der einzelnen Liegenschaften besteht darin, daß bereits jetzt Objekte vergeben und in sie investiert werden kann, die von der Dr. Marx-Gruppe zur Aufrechterhaltung des Sanatorium-Betriebes nicht benötigt werden. Für einzelne Gebäude gibt es auch schon zahlreiche Nachfragen, die bisher jedoch nicht beschieden wurden. Durch die Einzelvergabe können zwar eine größere Zahl von Interessenten

berücksichtigt werden, es wird allerdings die Chance für ein Konzept aus einem Guß vertan.


1.2.3. Gesamtvergabe

Wenn die Liegenschaften in einer Hand bleiben, eröffnet sich die einmalige Chance für ein Gesamtkonzept. Die Einmaligkeit der Situation ist dadurch gekennzeichnet, daß - nahezu der gesamte Grundstücksbestand sich in Landeseigentum befindet, - der überwiegende Teil der Gebäude zur gleichen Zeit geräumt zur Verfügung steht. Diese einmalige Situation fordert geradezu eine Gesamtnutzungskonzeption für das Ostseebad. Dies könnte durch einen Planungsauftrag - auf Kosten des Landes - geschehen. Besser wäre dagegen, wenn das Land unter konkurrierenden Konzepten auswählen bzw. bei ähnlichen Konzeptionen unter den Bewerbern eine Auswahl treffen kann. Es spricht daher alles dafür, eine öffentliche Ausschreibung vorzunehmen und dadurch potente Investoren zur Konzeptentwicklung und -verwirklichung einzuladen.
 

 
Inzwischen berichten auch die Zeitungen von der schlafenden Schönheit. der Focus titelt "Wer küsst die Prinzessin wach?" und im fernen Düren liest Anno August Jagdfeld nach eigenen Aussagen diesen Beitrag, sieht die Bilder und denkt bei sich, dass da wohl jemand vergessen hat, die Kulissen für einen Hollywood-Film wieder abzubauen. Er fährt nach Heiligendamm. sieht das Bad, verliebt sich darin, beschließt, es wieder aufzubauen und treibt seine Mannen an, ein Konzept für ein Luxusresort zu entwickeln. Dieses reicht er kurze Zeit später ein, wie dieselbe Drucksache weiter berichtet:
 


Zwar liegt dem Land ein solches Gesamtkonzept von einer Anbietergruppe bereits vor, die ohne Aufforderung daran gearbeitet und dem Land vorgeschlagen hat. Als Einzelvorschlag erscheint dieses Konzept durchaus plausibel und in hohem Maße attraktiv, ganz abgesehen von

den Investitionen in Höhe von rund 400 Mio. DM. Dennoch ist das Finanzministerium der Auffassung, daß sich dieses Konzept der Konkurrenz weiterer Ideen und Anbieter stellen sollte um eine optimale Lösung zu finden, die auch den fiskalischen Landesinteressen gerecht wird. Die Bindung an einen Anbieter drückt erfahrungsgemäß den Kaufpreis.
 

Außerdem haben eine Reihe anderer potenter Investoren Interesse bekundet. Durch die ihnen nicht verborgen gebliebene Vorarbeit der vorgenannten Gruppe haben sie den Eindruck, die Vergabe der Grundstücke erfolgte unter "Ausschluß der Öffentlichkeit". Es ist deshalb zu

befürchten, daß später in der Öffentlichkeit und im Parlament das Auswahlverfahren bemängelt wird. Um die Akzeptanz und Transparenz dieser Entscheidung zu erhöhen, sollte die Auswahl ein Gremium treffen, an dem u. a. Regierungsmitglieder, Vertreter des Parlamentes, des

Landkreises und der Gemeinde sowie der Bereiche Denkmalschutz, Naturschutz, Touristik und Medizin beteiligt sind.
 

Wegen der Bedeutung des zukünftigen Grundstücksverkaufes und der weichenstellenden Vorentscheidungen soll das Parlament hiermit frühzeitig informiert und um zustimmende Kenntnisnahme gebeten werden.
 


Nun, da man zwei ernsthafte und mehrere kleinere potente Investoren hatte, wurde man geschäftstüchtig.
Man wollte einen guten Verkaufspreis erzielen und ein Konzept haben, mit dem man ordentlich Steuern einnehmen kann. Nichts anderes ist unter "fiskalischen Landesinteressen" zu verstehen.

Außerdem hatte man Angst vor Kritik aus der Bevölkerung und besonders vor Klagen der Mitbewerber für die Objekte, wenn man der FUNDUS-Gruppe den Zuschlag erteilen würde. Ein Gremium sollte nun die Entscheidung treffen - ganz nach dem Motto "Was wir gemeinsam beschließen, haben wir gemeinsam zu verantworten".

Aber das Land hatte nicht viel Zeit und musste schnell etwas unternehmen, sonst wäre Heiligendamm ihm zwischen den Fingern zerfallen. Ein monatliches Dazubuttern von 150.000 DM kam nicht mehr in Frage. Aber was auch immer man vor hatte: Der Denkmalschutz sollte bleiben und die Denkmalpflege auch. Wer immer das Ensemble kaufen würde musste sich dazu verpflichten, vier Mitarbeiter dafür abzustellen.

Aber das Land stand noch vor ganz anderen Problemen: Der größte Teil Heiligendamms sollte 1932 an die Reichswehr verkauft werden aber durch den Kriegsbeginn wurde der Verkauf formaljuristisch gar nicht mehr abgewickelt. Die SMAD (sowjetische Militäradministration) deklarierte das Ensemble als herrenloses Gut, Christian Ludwig stellte einen Restitutionsanspruch, welcher zurück gewiesen wurde, die DDR als Nachfolger der SMAD wurde Eigentümer und übergab einen Teil der Bauten (das Sanatorium) 1957 der Sozialversicherung der DDR.

Die Oberfinanzdirektion Rostock übernahm ab 1990 die Verwaltung der Liegenschaften aber keiner wusste die Antwort auf die Frage: "Wem gehört eigentlich Heiligendamm"? Erst 1992 war diese Frage geklärt und der Bund sah sich als Eigentümer des größten Teils Heiligendamms. Also beauftragte er das Land, die Häuser zu verkaufen. Das Land übernahm den Auftrag und erstellte Kataloge für jedes Haus. Man wollte jedes Haus einzeln verkaufen, liebäugelte aber mit einem Gesamtverkauf und wünschte sich, dass eine Klinikgruppe das Sanatorium übernehmen und als Staatsbad weiterführen würde.

Gesamtkonzept oder Einzelinvestoren?

Zunächst schien sich dieser Wunsch zu erfüllen, denn mit der Dr.-Marx-Gruppe fand sich ein Interessent, der das Sanatorium weiterführen wollte. Allerdings nicht ausschließlich: Er wollte dennoch einen Neubau daneben errichten und das Ensemble mehr als Bettenhäuser nutzen und den Neubau als eigentliche Funktionsklinik. Das wäre an sich kein Problem gewesen und auch die vier Mitarbeiter für die Instandhaltung hätte die Dr.-Marx-Gruppe akzeptiert.

In der Drucksache 1/1542 vom 10.03.1992 erklärt das Ministerium auf die Kleine Anfrage 1/1391, dass man sich um eine Zwischennutzung der leer stehenden Häuser bis zur endgültigen Verwertung bemühe, dass man Kataloge zusammen stellte und dass man noch auf die Entscheidung der Stadt warte, den Standort für einen Klinikneubau planerisch abzusichern.

Der Standort nämlich sollte neben der  Orangerie, gegenüber der "Palette" sein und für den Neubau sollten alte Buchen weichen. Dagegen gründete sich eine Bürgerinitiative (Bürgerinitiative für Erlebbarkeit in Heiligendamm) und die Stadt, welche zwei Jahre nach der Wiedervereinigung noch nicht viele Erfahrungen mit solchen demokratischen Prozessen hatte, reagierte zögerlich und mochte sich nicht über die Bürger hinweg setzen.

Auch hatte die Stadt keinen Plan, was sonstige Neubauten betrifft. Wenn man den Klinikneubau erlaubt, muss man auch andere Neubauten erlauben. Der Platz in Heiligendamm ist begrenzt. Wo würden Neubauten entstehen dürfen, wie sollen sie aussehen, wie hoch dürfen sie sein und welchen Baustil dürfen sie haben und was darf sich darin ansiedeln? Ein Flächennutzungsplan wurde zwar erarbeitet aber nicht ausgelegt, also nicht beschlossen.

Auch offen war noch die Frage, ob es private vermögensrechtliche Ansprüche gäbe - ob also z.B. Christian Ludwig (an Baron von Rosenberg dachte man damals gar nicht) die Cottages oder das ganze Bad wieder haben will oder ob man ihn entschädigen musste. Man dachte sogar darüber nach, Heiligendamm dem Erdboden gleich zu machen. Zitat aus der Drucksache 1/1542:
 


Eine erste Klärung der Eigentumsverhältnisse wird bis Ende März 1992 erwartet. Bis dahin leitet die Vermögenszuordnungsstelle der Oberfinanzdirektion Rostock das bisherige Volkseigentum über in bürgerlichrechtliches Eigentum und ordnet es einem Hoheitsträger (Bund,
Land oder Kommune) zu. Diese Zuordnung ist jedoch dann nicht von Bestand, wenn private vermögensrechtliche Ansprüche bestehen.
Die Entscheidungen darüber sind noch nicht abzusehen.

Eine Rückgabe in Natur könnte allerdings dadurch unterbunden werden, daß eine Veräußerung für investive Zwecke erfolgt, der Anspruchsberechtigte somit auf einen Entschädigungsanspruch verwiesen wird.
 


Das waren Fragen, die die Stadt erst klären musste und das brauchte seine Zeit. Zeit, die Heiligendamm nicht hatte. Die Nichtnutzung war der sichere Tod. So gehörten die Gebäude zwar dem Land resp. Bund aber sie verfielen in deren Händen zusehends. Die Stadt Bad Doberan jedoch hatte ganz andere Probleme: Verfallene Häuser, Leerstand, marode Straßen und Schienenwege, Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit, soziale Brennpunkte...

Stillstand und Verwahrlosung: Aller Anfang war schwer.

Das Land machte immer unverblümter klar, dass wenn es nach ihm ginge, die Entscheidung schon gefällt wäre:
Ein Gesamtkonzept sollte her, das alle Gebäude privatwirtschaftlich (also nicht von Land oder Bund finanziert) nutzt. Zu der Zeit hatten die Dr.-Marx-Gruppe und die FUNDUS-Gruppe solche Angebote unterbreitet.

Als erste Gebäude wechselten das Prinzessin-von-Reuß und das Haus "Bischofsstab" ihren Besitzer.
Das Prinzessin-von-Reuß-Palais wurde von Klaus Metz gekauft, aufwändig saniert und zum "Residenz-Hotel".
Damit war das Palais gerettet. Das Haus "Bischofsstab" fand gleich mehrere Besitzer, die sich das Haus teilten und verschiedene Angebote unterbrachten. Im Erdgeschoss wurden von zwei der vier Eigentümer eine Gaststätte und ein Eiscafé eingerichtet und darüber brachten die zwei anderen Eigentümer Gästewohnungen unter. Das Haus wurde ebenfalls aufwändig saniert und war dadurch ebenfalls gerettet. Die beiden Kopfbauten waren bis zur Jahrtausendwende das einzige, was in Heiligendamm weiß strahlte. Alles andere sah so aus:

BILD FOLGT
 

Von weiteren Einzelverkäufen des Ensembles und der Perlenkette sah man ab, da man nun Interessenten mit Gesamtkonzepten hatte. Man fixierte sich auf eine medizinische Nutzung und bevorzugte zunächst die Dr.-Marx-Gruppe. Der fehlende Flächennutzungsplan, fehlende Konzepte, Uneinigkeit und der Widerstand der Bürger führten zum Scheitern der Verhandlungen mit der Dr.-Marx-Gruppe.

Voraussetzung für die Übernahme des Ensembles war der Neubau eines Klinikgebäudes gegenüber der "Palette" und in erster Linie die Bürgerinitiative wehrte sich dagegen. Die Stadt setzte sich nicht durch und so zog sich die Dr.-Marx-Gruppe zurück und errichtete 1993 eine große Median-Klinik in Bad Sülze. Die Stadt Bad Doberan errichtete darauf hin mit Fördermitteln eine Seebrücke, die 1996 zum Jubiläum Heiligendamms übergeben werden konnte. Die Seebrücke sah nur das Anlegen von Seglern und Yachten, nicht jedoch von Passagierschiffen vor. Heiligendamm sollte nicht von Touristen überschwemmt werden.

Durch das Scheitern der Verhandlungen mit der Dr.-Marx-Gruppe wandte man sich nun den anderen Angeboten zu. Bürgermeister Berno Grzech kam das gelegen, wie ein Zitat aus der FAZ zeigt:
 


Der Einzelverkauf hätte mehr gebracht, sagen die Kritiker. "Ja", antwortet der Bürgermeister, "mehr Ärger."

Berno Grzech hat immer eine Gesamtlösung für Heiligendamm favorisiert - getrieben von der Angst, mit jedem einzelnen Villenbesitzer über das Verbot von Gartenzäunen und das Aufstellen von "Carports" streiten, den Abriß ungenehmigter Anbauten befehlen oder über die Nutzung der Häuser diskutieren zu müssen.
 


Ein viel versprechendes Angebot aus dem Gesundheitssektor hatte die Asklepios-Gruppe vorgelegt. Sie wollte das Ensemble zu einer Art Gesundheitshotel machen. Dazu musste sie Hotelbetreiber mit ins Boot holen, was sich aber als schwierig erwies und 1995 als gescheitert angesehen werden musste. Man erlaubte nun der Dr.-Marx-Gruppe doch noch den Neubau einer Klinik in Heiligendamm, ließ aber von der Forderung nach Übernahme des Ensembles ab. Die Dr.-Marx-Gruppe wollte die alten Gebäude nicht mehr haben aber Bad Doberan wollte die Median-Klinik haben, da eine Kureinrichtung wichtig für die Stadt war. Die Median-Klinik wurde 1996 errichtet, die Ostsee-Klinik wurde aufgelöst, die Gebäude geräumt und geschlossen. Nun war Heiligendamm endgültig dem Verfall preisgegeben.

Auch ein kanadischer Investor hatte sich gemeldet. Er wollte die Weiße Stadt am Meer kaufen, wenn er den Strand (zu dem er wohl auch die Promenade gehörig ansah) sperren durfte. Da das in Deutschland nicht erlaubt ist, kam es nicht zu weiteren Verhandlungen.

Alle Versuche sind gescheitert. Wer kann Heiligendamm jetzt noch retten?

So hatte sich aus den 200 Angeboten die Spreu vom Weizen getrennt. Geduldig wartete die FUNDUS-Gruppe die ganze Zeit darauf, dass man auf sie zukommen würde. Genau das tat man 1996 und da nun schnellstens eine Lösung her musste, ging man sehr auf den potenziellen Investor ein. Nach sechs Jahren des Verfalls und vier gescheiterten Verkaufsversuchen hatte man eine denkbar schlechte Verhandlungsbasis und man kann es FUNDUS nicht verdenken, diese Situation für sich genutzt zu haben. FUNDUS wollte 26 Gebäude Heiligendamms nur kaufen, wenn die Stadt auch den Kauf von 500 ha Land zur Bebauung mit 150 Villen genehmigt. Diese Villen würde FUNDUS - wie wir am Ende dieser Seite sehen werden - für die Rentabilität des geplanten Großprojekts brauchen.

Während die Verhandlungen anno 1996 in die heiße Phase gingen, gab es immer mehr Leerstand.
Nur noch 35 Mietverträge waren in den Häusern der ersten Reihe verblieben - 17 Mietverträge betrafen Studenten im Haus "Weimar", sodass die restlichen 18 Familien (gemeint sind Mietverträge) sich auf acht Gebäude verteilten. Statistisch gesehen gab es also in jeder Villa mindestens eine leer stehende Wohnung. Die Presse sah jedoch weniger die Verteilung der wenigen Familien auf viele Häuser, sondern sie sah natürlich den Umstand, dass 35 Familien auf einmal ihr zuhause verlieren sollten. Hier wieder die FAZ in demselben Beitrag: 
 


Der Verkauf war Sache der Treuhand, dennoch hat sich der Bürgermeister von Bad Doberan mit dem "Fundus"-Konzept eingehend beschäftigt. Heiligendamm gehört zu Grzechs Verwaltungsbereich, als Kind hat er dort am Strand gebadet, später als Ingenieur für Küstenschutz gearbeitet. Fundus will in der strukturschwachen Region 240 Arbeitsplätze schaffen, sagt der Bürgermeister. Damit der Verkauf zustande kommt, wurde der Bau von 150 neuen Villen am Ortseingang genehmigt. Grzech gefällt jedoch auch, daß das Unternehmen auf den Gründungsgedanken der Stadt setzt. Es soll wieder ein mondäner Ort sein, ein Platz, an dem sich der Berliner, Hamburger oder Hannoveraner Geldadel einfindet. Also haben Grzech und die Ratsmehrheit die Hand für das Konzept der Fundus-Gruppe gehoben - gegen den Willen der PDS-Stadtverordneten und den Widerstand des "Bürgerrats". Sie sehen einen Verstoß gegen den ursprünglichen Flächennutzungsplan und gegen das Tourismuskonzept des Landes. Und sie fragen, wo die 35 Familien hin sollen, die in den verkauften Häusern wohnen.
 

Die 35 Familien, die in den verkauften Häusern wohnen, haben befristete Mietverträge. Sie werden gehen müssen - nur wohin, das hat ihnen noch keiner gesagt. "Böser Wessi kauft ganzen Ort auf." Fundus-Geschäftsführer und Leiter des Projekts Claus Warlich weiß, was die Leute reden. Fundus setzt die Leute raus, das Unternehmen ist pleite, Heiligendamm wird für den Normalbürger gesperrt.

Zuerst einmal stellt Warlich klar, daß laut Vertrag der Verkäufer - die Treuhand - verpflichtet ist, für Ersatzwohnungen zu sorgen. Fundus will nicht von Anbeginn als Unternehmen dastehen, das arme Ostbürger vor die Tür zu setzt. Im Ernstfall werde man den Bürgermeister aber nicht mit dem Problem alleinlassen.
 

Außerdem hätte Fundus noch nie ein Projekt begonnen, bei dem die Finanzierung nicht feststand. Die Sanierungs- und Investitionskosten von rund 400 Millionen Mark sind abgesichert, sagt Warlich. Da das Projekt 1997 begonnen wird, greife noch die "Sonder-Afa-Ost" für Modernisierungsmaßnahmen als Anreiz für Anleger. "Gerüchten über Schwierigkeiten, die das Unternehmen beim Berliner ,Adlon` haben soll, liegen Fehlinformationen zugrunde."
 


Der "Bürgerrat", über den hier berichtet wird, ist kein Organ der Stadt, sondern auch eine Art Bürgerinitiative.

Daneben existiert zu der Zeit die "Bürgerinitiative für Erlebbarkeit in Heiligendamm", welche von der Doberaner Architektin Carla Strebe vertreten wird. Sie besteht zu dieser Zeit bereits auch aus Bürgern, welche direkt betroffen von der "Umsiedlung" sind.

Jagdfeld will Heiligendamm retten - doch nicht bedingungslos.

Schon im Januar 1997 war der Vertrag unter Dach und Fach. Die extra gegründete FUNDUS-Tochter "EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG (ECH) bekam 7 Millionen DM Fördermittel und erwarb dafür für 18 Millionen DM 26 Gebäude in Heiligendamm, das Gut Vorder-Bollhagen und über 500 Hektar Land. Damit das noch einmal deutlich wird: FUNDUS musste die 26 Gebäude nehmen, wie sie sind. Die Gruppe konnte sich keine Häuser aussuchen oder auf einzelne Häuser verzichten. Das Land sprach eine klare Sprache: Ganz oder gar nicht.

Die FUNDUS-Gruppe eröffnete einen Fonds, um das benötigte Geld (250 Mio. DM) für die Sanierung bei Anlegern einzusammeln. Im selben Jahr änderten sich unter der rot-grünen Bundesregierung einige Gesetze, von denen einige nun die Attraktivität des Fonds schwinden ließen, weil viele einstige Steuervorteile verschwanden. Die für den Fonds enorm wichtige "Sonderabschreibung-Ost" wurde halbiert. Die FUNDUS-Gruppe musste daher den Fonds neu auflegen und begann nun intensiv mit der Bewerbung dieses Fonds.

Die Kempinski-Gruppe stieg mit ein und schloss einen Managementvertrag bis 2012 und den Anlegern wurde vor Augengeführt, dass sie durch die Zahlung ihrer Anteile (Mindestanteil war 50.000 DM plus 3% Agio) Miteigentümer des 5-Sterne-Hotels sind. Den Anlegern winkten Vorteile und Vorzüge, Vergünstigungen und Arrangements und ca. 6% jährliche Rendite. So kamen sie dann bald in Scharen und FUNDUS rechnete sich aus, so viel wie möglich auf einen Schlag sanieren zu können. Darum bat FUNDUS die Stadt, die Gebäude leer zu übergeben.

Es wurden Einzelgespräche mit den verbliebenen Mietern geführt und ihnen wurden Wohnungen in Bad Doberan und finanzielle Hilfen für den Umzug, sowie im Einzelfall Entschädigungszahlungen angeboten. Es gab auch Mieter, die gar nicht mehr in Heiligendamm wohnten aber ihre Wohnung trotzdem behielten, nur um Schadenersatz fordern zu können. Ein Mitglied des heutigen Bürgerbundes forderte nach Aussagen verschiedener Quellen sogar einen Schadenersatz in Höhe von 150.000 DM und ein Grundstück in Heiligendamm oder auf Wustrow, was ihm in der Höhe vom Gericht aber nicht gewährt wurde.

Bevor die Mieter gehen mussten, wurde zwischen der Stadt und der ECH ein Grundlagenvertrag beschlossen. Die Stadt verließ sich nicht allein auf die Aussagen, Versprechen und Konzepte des Investors und die Freude bei Bund und Land, sondern wollte den Weg zum Luxusresort klar abgesteckt wissen. Grundlagenverträge dienen der Verständigung zweier Vertragspartner, deren Verständigung nicht selbstverständlich ist. Der letzte derartige Vertrag war der Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der BRD im Jahre 1972. Der Vertrag zwischen der Stadt und der ECH zeigt deutlich das Verhältnis zwischen Stadt und Investor.

Im Grundlagenvertrag war dann auch von "Erlebbarkeit" die Rede. Ein Wort, das der Duden nicht kennt, das aber Gegenstand eines rechtsgültigen Vertrages zwischen Stadt und ECH ist. Wenn es keine klare und rechtsgültige Definition von "Erlebbarkeit" gibt, wie soll man dann diese gestalten?

Zwischen Vision und Wirklichkeit: Heiligendamm verfällt im Wiederaufbau.

Für die Gebäude Heiligendamms bedeutete diese ganze Planungsphase, dass sie weiter verfielen. Nun wurde schon das siebte Jahr nichts mehr an den Gebäuden gemacht, sogar die Rasenflächen wirkten teilweise ungepflegt. Der Verfall in Heiligendamm war unzweifelhaft deutlich sichtbar, wie wir auf den folgenden Bildern sehen:


Die Bürgerinitiative - hier sprach wieder Carla Strebe im Namen der Bürgerinitiative und des Bürgerrates - wandte sich gegen einzelne Pläne der ECH und forderte, dass bestehende Gebäude genutzt werden sollten, statt neue zu errichten. Die ECH hatte jedoch nicht vor, irgendwelche Gebäude nicht zu nutzen. Jedes Gebäude sollte genutzt werden und wenn man darüber hinaus Apartments anbieten wollte, ging das nur in Neubauten. Schon damals haben die Leute nicht verstanden, dass der Masterplan kein Bauplan ist. Die Mehrheit der Bürger glaubte, dass der Masterplan bis 2010 umgesetzt werden würde - also Grand Hotel, Perlenkette, Konferenzzentrum, Gastronomie, Biergarten, Apartments, Golfplätze, Gestüt und Villenviertel fertig gestellt werden würden.

Die ECH erkannte diesen Irrtum nicht und klärte die Bürger daher nicht darüber auf, dass ein Masterplan einen Rahmenplan ohne Zeitfenster darstellt, dessen Komponenten nach und nach im Laufe von Jahrzehnten und immer nach Bedarf und Nachfrage entwickelt und etabliert werden. Die Flächen mussten jedoch schon von Anfang an klar gemacht werden, denn daran wurden die Bebauungspläne ausgerichtet. Die ECH musste nicht sofort Apartmenthäuser und Villen bauen. Sie konnte die Flächen auch bis zum tatsächlichen Bedarf leer lassen oder auf ihr Sportplätze oder Parkplätze bauen.

Was vertraglich festgelegt war, ist die Reihenfolge der Sanierung: Erst musste das Ensemble aus den Häusern "Mecklenburg", "Grand Hotel", "Kurhaus" und der Burg saniert werden. Vorher durfte die ECH das Severin-Palais nicht errichten und auch sonst keine Neubauten. Ausnahme: Das Wirtschaftsgebäude durfte zeitgleich errichtet werden.

Bevor also das Ensemble nicht saniert war, durfte auch die Perlenkette nicht saniert werden und erst recht nicht die Häuser in der Kühlungsborner Straße und Gartenstraße. Heiligendamm ist ein begehrter Markt ist und es gibt viele Unternehmer, die entweder am Hotel mitverdienen oder ihm Konkurrenz machen wollen oder solche, die einfach Grundstücke oder Immobilien kaufen, die sich zwischen zwei Grundstücken eines Eigentümers befinden, um dieses dann gewinnbringend an diesen Eigentümer zu verkaufen. Sanierungsabsichten haben solche Spekulanten nicht immer und die Auflagen sind mitunter dürftig und schwer durchsetzbar, sodass die Gefahr bestand, dass zwischen zwei strahlenden Gebäuden eines verfiel.

Um dem vorzubeugen, schloss die ECH diese Lücken und kaufte Grundstücke und Häuser auf: Den Forsthof in der Kühlungsborner Straße, eine Gartenanlage in der Kortüm-Straße, die Villen in der Seedeichstraße, die Villa der Familie von Witzleben in der Gartenstraße. Nicht immer war die ECH der Höchstbietende und nicht immer erhielt sie den Zuschlag: Das Gästehaus der Familie von Witzleben konnte sie bislang nicht erwerben und auch das ehemalige Ferienheim gegenüber blieb ihr bisher verwehrt. Ebenso gehört das Haus "Waldfriede" nicht der ECH, das Golfhaus wurde anderwärtig verkauft. Lediglich das Prinzessin-von-Reuß-Palais erwarb die ECH 2002 nach dem Rückzug des Eigentümers noch dazu und die Gasträume des "Medini's" im Haus "Bischofsstab" gehören auch ihr.

Viele Bürger bewerteten diese Zukäufe negativ. Sie verstanden zwar die Intention der ECH, ein zusammen hängendes Grundstück haben zu wollen aber sie interpretierten sie falsch. In ihren Augen war das Habgier und die Angst vor Konkurrenz. Wobei sie beim zweiten nicht so verkehrt lagen: Die ECH konnte auf diesem Wege Konkurrenz von vornherein verhindern. Wichtiger war ihr aber, dass die Grundstücke nicht Spekulanten zum Opfer fielen. Gerade dieser Versuch brachte FUNDUS den Ruf ein, selbst zu spekulieren.


Im Sommer 2002 widmete sich die Ostsee-Zeitung dem Projekt und befragte zahlreiche Beteiligte, recherchierte die Pläne, Konzepte und Vorhaben und berichtete darüber. Das Hotel war zu dieser Zeit noch in der Bauphase und die Großbaustelle zog viele Schaulustige an. Die Planer waren oft und über längere Zeit vor Ort und bekamen nun ein ganz anderes Bild von Heiligendamm, als sie bisher hatten: Der Ort war überlaufen von Tagesgästen und versank in jeder Saison im Chaos, weil die Parkplätze nicht reichten und nicht taugten. Der Bauzaun um die Baustelle stellte in etwa die zukünftigen Grundstückgrenzen des Nobelhotels dar und schon jetzt wurde klar, dass wenn man den Bauzaun wegnimmt, die Touristenströme sich unerbittlich durch das Hotelgelände ergießen würden.

Der Investor sah den Hotelbetrieb gefährdet. An die Hotelgäste mag er in diesem Moment gar nicht gedacht haben: Das größere Problem war es, vom Versorgungsgebäude zu den Gebäuden des Hotels bzw. von einem Hoteltrakt zum anderen zu kommen, ohne dabei auf Touristenströme zu treffen. Die Hotelversorgung sollte mit Elektromobilen laufen und die Hotelgäste sollten ihren SPA-Bereich im neu erbauten Severin-Palais vorfinden. Touristen auf den Verbindungswegen des Hotels waren ein Risiko, das der Investor nicht eingehen konnte und wollte. Er dachte daher laut über Besucher lenkende Maßnahmen, wie Hecken, Wälle, "Mäuerchen" und Zäune nach.

Die Bürger sahen darin eine Abschottung und machten ihren Unmut öffentlich Luft. Eine Umfrage der Ostsee-Zeitung ergab, dass 71,8% der Befragten sich gegen eine Abschottung zur Wehr setzen würden. Die ECH schüttete daher nicht noch Öl ins Feuer und erwähnte das Thema nicht mehr. Dennoch musste das alles in den Bebauungsplänen berücksichtigt werden. Das Ensemble wurde saniert, das Wirtschaftsgebäude gebaut, das Severin-Palais errichtet und im Mai 2003 begann der offizielle Hotelbetrieb.

Testphase: Funktioniert Heiligendamm auf der grünen Wiese?

Wie ein Lauffeuer gingen die Berichte von der Weißen Stadt am Meer durch die Medien und die seit dem Baubeginn anhaltende Berichterstattung erreichte neue Höhepunkte. Das Resultat war unübersehbar, weiß, strahlend, imposant und dementsprechend fiel auch die Berichterstattung positiv aus. Doch die vielen Berichte weckten Neugier. Die Leute wollten den Charme Heiligendamms live erleben. Andere wollten "Reiche-gucken". Findige Busunternehmer boten Reisen nach Heiligendamm an - das war nie wirklich ein Ausflugsziel für Reiseunternehmen, sondern bestenfalls für Busreisen mit Übernachtung, z.B. im Residenz-Hotel.

Spätestens um 10 Uhr morgens rollten die ersten Reisebusse an und die Touristengruppen erkundeten Heiligendamm. Sie strömten auf die Promenade und durchdrangen die ihnen offiziell zur Verfügung stehenden Wege: Vorbei an den Bars in den Häusern "Mecklenburg" und "Grand Hotel", über den Parkplatz, durch den Eingangsbereich, durch die Professor-Vogel-Straße, direkt vorbei an der Kurhausterrasse mit Blick auf die Teller der Hotelgäste.

Diese fühlten sich ständig beobachtet und störten sich daran. Zuhause berichteten sie von Gaffern und kamen nicht wieder. Und mit ihnen blieben auch jene fern, die solche Berichte abschreckten. Die Medien stilisierten einen furzenden Angler hoch zu dem, was sie als Situation in Heiligendamm erkannten: Arm und Reich stoßen aufeinander, Ruhebedürfnis und Schaulust, West und Ost...

Die Hotelgäste kamen, fuhren und kamen nicht wieder. Viele wären gekommen, überlegten es sich aber. Die Zahl der Übernachtungen brach schon ein Jahr später zusammen. Heiligendamm war voll mit Menschen. Aber das waren nicht die Menschen, die das Grand Hotel brauchte, um rentabel zu arbeiten. Kempinski sah sein Engagement in Gefahr, FUNDUS sah seine Pläne in Gefahr, die Anleger sahen ihr Geld in Gefahr und nun wurden die Forderungen nach Einfriedungen - vorgetragen von Hotel-Chef Klippstein und FUNDUS-Chef Jagdfeld -  wieder laut. Die Diskussionen  wurden lauter, eine neue Bürgerinitiative um Heike Ohde und Mathias Goldberg gründete sich und erhielt über Nacht enormen Zulauf. Zwei Bürgerinitiativen arbeiteten nun für Öffentlichkeit und Erlebbarkeit und damit automatisch - ob beabsichtigt oder nicht - gegen den Investor. Die Situation war festgefahren und dem Grand Hotel drohte die Pleite. Ohne die Einnahmen des Hotels aber standen alle anderen Investitionsvorhaben auf der Kippe.

Im November 2003 schlossen Stadt und ECH mehrere Verträge, die für die Fortentwicklung Heiligendamms wichtig waren und unter dem Oberbegriff "Städtebaulicher Vertrag" geführt werden. Im Dezember war ein Vorentwurf fertig gestellt. Dieser entfachte heftige Diskussionen in der Stadtvertreterversammlung, da viele Stadtvertreter den Plan zu sehr an der ECH ausgerichtet sagen. Es sollte ja ein städtebaulicher Vertrag sein und der darf sich nicht nach einem Vorhabenträger ausrichten. Die Stadtvertreter waren sich nun unsicher, wie sie entscheiden sollten, denn jede Entscheidung für das Hotel war eine Entscheidung gegen die Bürger und jede Entscheidung für die Bürger war eine Entscheidung gegen das Hotel. Man brauchte den Rat der Experten und eröffnete ein teures Werkstattverfahren für den B-Plan 25. Architekten, Planer und Experten loteten gemeinsam die Möglichkeiten aus. Solange aber der B-Plan nicht stand, durfte die ECH auch nicht im B-Plangebiet bauen. So verfielen die Villen der Perlenkette weiterhin.

Das Jahr 2004 begann zunächst mit weiteren Verträgen zwischen der Stadt und der ECH und ging dann über in eine klare Forderung der ECH. Für die einen war es ein Ultimatum, für die anderen war es Erpressung. Die ECH beanspruchte offen die Entwicklung Heiligendamms für sich und bat im Prinzip offen darum, die Entwicklung des Ortes auf seine Interessen abzustimmen. Das klang sehr überheblich und wurde auch so verstanden. Dabei war es logisch, dass man sich nach dem zu richten hatte, der am meisten Grundbesitz in Heiligendamm verwaltete und die größten zusammen hängenden Flächen besaß.

Stillstand durch Uneinigkeit.

Die Stadt stand vor riesigen Problemen: Das Klinikareal war bisher durchlässig in alle Richtungen. Es gab so gut wie keinen Weg, der nicht zumindest betreten werden durfte. Was nicht betreten werden sollte, war eingezäunt und das war nicht viel. Wenn nun jemand - in dem Fall FUNDUS - so ein großes Stück Heiligendamm kauft und in ein Privatgrundstück verwandelt - was sein gutes Recht ist - dann überlappten öffentliche und private Wege. Es gab zu wenig Parkplätze und viele von ihnen befanden sich auf Flächen, die die ECH bebauen will. Es musste ein Parkleitsystem her, die Tagesgäste und Kurgäste mussten in Bahnen gelenkt werden, um nicht in Sackgassen zu laufen. Der Verkehr innerhalb Heiligendamms und besonders an der Median-Klinik musste beruhigt werden, Küstenschutzmaßnahmen waren notwendig, Straßen waren neu zu machen, Fuß- und Radwege anzulegen und das alles musste langfristig geplant werden, um späteren Bauvorhaben nicht im Wege zu stehen.

Es gab so viel zu beachten, wo der Stadt keiner helfen konnte, weil einfach keiner Erfahrungen mit so einer Übereignung in so großem Stil hatte. Klar war nur, dass man sich richtig entschieden hatte, alles an nur einen Investor zu verkaufen, denn sonst hätte man sich jetzt mit über 30 Investoren an einen Tisch setzen und einen Kompromiss aus über 3ß Begehren machen müssen. Da die Stadt nicht über ausreichend Fachkräfte und Erfahrung in so einer doch einmaligen Angelegenheit verfügte, rief sie ein Expertenkolloquim aus. Die Stadt beauftragt zwei Planungsbüros und der Investor beauftragt seinerseits zwei Planungsbüros. Unter Einbeziehung der Öffentlichkeit tagten, diskutierten und entwickelten die Stadt, die ECH und die Planungsbüros gemeinsam über mehrere Tage zum komplexen Thema Heiligendamm.

Die Planungsbüros der Stadt vertraten in erster Linie die Schwerpunktinteressen derselben: Heiligendamm als Seeheilbad, mit allem, was ein Kurort haben muss und dem größtmöglichen Maß an Öffentlichkeit. Die Planungsbüros, die für den Investor arbeiteten, kannten seine Ziele, seine Vorstellungen und orientierten sich daran. Die ECH hatte vor den Planungsbüros jedoch schon Experten aus aller Welt konsultiert und all das war bereits in den Plan eingeflossen, mit dem die ECH vor dem Expertenkolloquim arbeitete. So verwundert es auch nicht, dass die Ideen der beiden Planungsbüros sich gar nicht großartig von denen der ECH unterschieden: Der Plan der ECH war bereits so gut wie perfekt. Aber eben nur für die ECH selbst und nicht unbedingt für die Stadt und seine Bürger. Darum sollte das Expertenkolloquim diese Probleme ja auch lösen.

Statt dessen taten sich neue Probleme auf: Die städtischen Planungsbüros wollten die Seedeichstraße mit Häusern bebauen, eine Parkpalette in den Wald hinter die Perlenkette setzen, statt des von der ECH geplanten Apartmentkomplexes an der Kühlungsborner Straße nur einen Park bauen und noch einige Dinge, die nicht nur die ECH nicht wollte, sondern auch Denkmalschützer, StAUN und Forstamt auf den Plan rief. Diese belegten Heiligendamm sogleich jeder mit seinem Schutzgebiet: Im Norden erklärte das StAUN den Strand und die Promenade als Küstenschutzgebiet und verbot jeden Eingriff. Das Forstamt erklärte jegliche Waldfläche als schützenswert und verbot ebenfalls ungenehmigte Eingriffe. Die ECH wollte Wald, Strand und Promenade ohnehin nicht anrühren aber für die Stadt bedeutete das nun, dass sie nur noch auf waldlosen Flächen außerhalb von Strand und Promenade und vor allem außerhalb des ECH-Grundstücks Heiligendamm entwickeln konnte.

Der Stadt blieben damit nur die kleine Fläche zwischen Promenade und Golfteich und die Lichtung im Wald.
Es musste aber eine Strandversorgung gewährleistet werden, es mussten als Ausgleich für die nun auf ECH-Grund befindlichen und wegfallenden Parkplätze Ersatz geschaffen werden und es musste ein Kurpark errichtet werden, um den Status als Seeheilbad zu erhalten. Das alles hatte auf dem, was der Stadt nach dem Verkauf verblieb keinen Platz.

Die Situation in Heiligendamm war prekär: Es gab einen unbefestigten Parkplatz am Golfteich, einen unbefestigten an der Seedeichstraße, einen ebenfalls unbefestigten am Kinderstrand und dazu einen abtrünnigen Seitenstreifen an der Seedeichstraße, die über keinen Fuß- und Radweg verfügte, sodass die Fußgänger und Radfahrer sich bei Gegenverkehr an die parkenden Autos oder ins Gras drängen mussten. Der Median-Parkplatz war weit weg von der Klinik, in der Professor-Vogel-Straße durfte nicht geparkt werden, in der Kühlungsborner Straße auch nicht und in der Gartenstraße nur am Seitenstreifen auf einem kleinen Abschnitt.

Der Verkehr nach Kühlungsborn und Rerik floss durch Heiligendamm - Autos, Lkws, Busse, Krad- und Radfahrer teilten sich die Fahrbahn. Auch nach Börgerende hin gab es keinen Radweg und nur die Promenade als Gehweg. ECH-Geschäftsführer Zimmermann bezeichnete die Situation in Heiligendamm zu Recht als "chaotisch". In diesem Chaos konnte man einfach kein Luxus-Hotel etablieren. Darum war der ECH eine Lösung der Probleme recht und sie beteiligte sich trotz enormer Zusatzkosten am Expertenkolloquim. Außerdem wollte sie sich freilich nicht vorwerfen lassen, sich nicht um die öffentlichen Interessen zu scheren. Anno August Jagdfeld betonte später, dass das Expertenkolloquim nicht gewollt war, sondern die Investorengruppe sich nur des Friedens zu Liebe daran beteiligt hat.

Ob das Expertenkolloquim die erhofften Lösungen brachte, liegt im Auge des Betrachters. Wichtigste Ergebnisse des Kolloquiums waren ein Stichweg durch das der ECH gehörende Gelände, zahlreiche Flächentausche und Umwidmungen und Übereignungen von Wegen. Welche Wege genau das betreffen würde und in welcher Form, wurde zwar nicht verheimlicht aber von den Bürgern auch nicht verstanden. Die Überraschungen waren groß, als dann Wege mit Toren versperrt wurden. Doch das ist ein anderes Thema.

Während dieser Phase gründete sich um den Heiligendammer Eckart Paap erstmals eine Initiative, die Stadt und Investor unterstützen wollte. Sie nannte sich "Pro Seebad Heiligendamm", was die Verwirrung perfekt machte.
Ziel der Bürgerinitiative war es, die Sanierung und Entwicklung Heiligendamms voran zu bringen. Das geschah mit einer gewissen Zurückhaltung, wodurch diese Initiative weniger bekannt war, als die laute "ProHeiligendamm".

Das alles war Politik, waren Initiativen, Planungen und kleine Schritte. Die Häuser, die nicht zum Kempinski Grand Hotel gehörten aber verfielen weiter. Ohne den B-Plan war kein Bauantrag möglich und ohne Bauantrag darf kein Investor etwas bauen. Alles was die ECH tun konnte war, den bröckelnden Putz immer wieder wegzufegen.

Die ECH wollte aber auf gar keinen Fall die Vereinbarungen brechen und plante wie vereinbart im Jahr 2004 die Sanierung der Perlenkette. Vorgesehen war, hier Hotelwohnungen unterzubringen und diese wie Hotelzimmer zu vermieten. Dafür befand sich die Perlenkette auch im Sondergebiet "SO Hotel". Da aber das Grand Hotel selbst auf Grund der vorgenannten Umstände noch gar nicht ausreichend Auslastung erfuhr, machte der Bau weiterer Hotelzimmer absolut keinen Sinn. Warten und die Perlen verfallen lassen konnte die ECH aber auch nicht und der Fonds 34 war nur für das Hotel vorgesehen. Einen weiteren Fonds für den Aufbau der Perlenkette konnte man nicht auflegen und an den bestehenden konnte und durfte man sich nicht bedienen. Man musste in die Perlen etwas integrieren, das dem Sondergebiet "Hotel" gerecht wird aber kein Hotel ist.

Die Lösung war schnell gefunden und fand auch Zustimmung bei der Stadt: Die ECH wollte in jede Perle sechs Wohnungen einrichten (außer "Anker", dort passen nur fünf) und diese Wohnungen einzeln an Interessenten verkaufen, statt vermieten. Vorgesehen war, dass sich hier wohlhabende Gäste einen Sommersitz einrichten. Die Planungen begannen und es fanden sich auch viele Interessenten für einzelne Wohnungen, sodass die "Perle" mit dem Anbau "Großfürstin Marie" schon bald vollständig von Interessenten belegt war. Die potenziellen Käufer hatten aber ein Problem: Sie durften nicht dauerhaft in ihren Wohnungen wohnen, denn das Sondergebiet Hotel lässt kein Wohnen zu. Dazu bedarf es einem Gebiet, das für Wohnzwecke ausgerichtet ist. Ein findiger Ferienwohnungs-Besitzer im Haus "Bischofsstab" löste dieses Problem ganz legal so, dass er seine Ferienwohnung in der Zeit seiner Abwesenheit ganz normal wie eine Gästewohnung vermietet. Das würden aber nicht alle Interessenten wollen, denn sie wollten ihre Wohnungen samt Inventar - quasi also auch ihre Bett - nicht mit anderen teilen.

Stillstand durch Revisionismus.

ECH und Stadt arbeiteten gemeinsam an einer Lösung, für die aber eine Änderung des Bebauungsplanes (B 25) notwendig war. Allerdings wurde 2004 neu gewählt und erstmals zog auch der gerade gegründete Bürgerbund in die Stadtvertreterversammlung ein. In ihm waren die Gründungsmitglieder der zuletzt gegründeten Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm" vertreten aber auch Mitglieder der zuerst gegründeten Bürgerinitiative "Erlebbarkeit für Heiligendamm" (die sich zwischenzeitlich offenbar in "Bürgerinitiative für Öffentlichkeit in Heiligendamm" umtaufte). Ebenso waren Mitglieder der Bürgerrates, wie z.B. die Doberaner Architektin Carla Strebe, in ihr vertreten. Außerdem fanden sich auf der Wahlliste ehemalige Bewohner der Perlenkette und zahlreiche Architekten, und Dienstleistungsunternehmer, die direkt oder indirekt vom Großprojekt profitieren würden, was den Anschein erweckte, dass der Bürgerbund ein Zusammenschluss derer ist, die in Heiligendamm außen vor geblieben sind und nicht vom Vorhaben profitieren konnten. Aber auch bekannte Bad Doberaner Persönlichkeiten, wie der Historiker und Buchautor Helge Rehwald - also als Heiligendamm-Kenner und Heiligendamm-Liebhaber qualifizierte Bürger - traten in die neue Partei ein.

Wort führend jedoch waren fast immer dieselben: Die Bad Doberaner (nicht an der Sanierung beteiligten) Architekten  Heike Ohde und Axel Meyer, sowie Rentnerin Inge Meyer, der ebenso nicht zum Zuge gekommene Innenarchitekt Mathias Goldberg, der Kolonnaden-Bewohner und mit einer Klage gegen die ECH gescheiterte Klaus-Peter Behrends, die nicht an der Sanierung beteiligte Architektin Carla Strebe, die Rentnerin Gerda von Hof und der nicht in der Partei aber in der Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm" engagierte Rostocker Grafikdesigner Axel Thiessenhusen.

Die erste Handlung des Bürgerbundes war es, zusammen mit der FDP (Harry Klink) den Kleinen Wohld wieder zugänglich für die Öffentlichkeit machen zu wollen. Dazu sollten zwei Wege, auf denen Zäune standen wieder geöffnet werden. Mangels Mehrheiten zogen die Antragsteller die Beschlussvorlage zurück. Kurz darauf veräußerte die Stadt das Stück Promenade zwischen Seebrücke und Kleinen Wohld per Vererbpachtung. Außerdem veräußerte die Stadt einen 600 qm  großen Streifen südlich der Professor-Vogel-Straße, sodass die Wege durch den geplanten Kurwald in Sackgassen enden würden. Die Stadt versprach aber die Neugestaltung des Kurwaldes unter Berücksichtigung des vorhandenen Wegenetzes und der neuen Umstände.

Im November 2004 konnte die ECH die Planungen für die Sanierung der Perlenkette abschließen und verkündete, dass die Sanierung bald erfolgen könne.  Doch die Bebauungspläne traten nicht in Kraft, da der Stadt das nötige Geld fehlte. Bebauungspläne kosten Geld und sie werden nur genehmigt, wenn die Stadt die Kosten, die sie laut Plan auf sie zukommen auch tragen kann. Das war 2004 nicht der Fall. Auch das ganze Jahr 2005 verstrich, ohne dass die ECH die Perlenkette sanieren konnte. Lediglich drei Abrisse standen auf dem Plan: Die verwaiste "Palette" und die beiden ebenfalls ungenutzten Fachwerkbauten wurden abgetragen. 

Erst im März 2006 wurden die B-Pläne rechtskräftig. Ab 2006 erfuhr Heiligendamm einen enormen Entwicklungsschub: Die Kühlungsborner Straße wurde saniert, an ihr entstanden ein städtischer und ein privater Parkplatz, sowie Rad- und Gehwege, die Seedeichstraße wurde ebenfalls saniert und erhielt einen Geh- und Radweg, ein Parkplatz entstand im Großen Wohld, die beiden Sandparkplätze an der Seedeichstraße wurden ausgebessert, eine Parkreihe entstand in Richtung Börgerende, die Kortüm-Straße wurde asphaltiert, die Gartenstraße ebenso - beides wurde zu Bewohnerstraßen umdeklariert und auch im ganzen Bundesland wurden Straßen- und Schienenwege aufwändig saniert. In Heiligendamm fielen die Häuser "Perle, "Tabea" und der linke Flügel der FaK den Abrissbaggern zum Opfer,  später folgten die Scheune am Forsthaus und das "Waldfriede", welches der JHI Immobilien aus Kühlungsborn gehört, die dort ein Apartmenthaus (Residenz von Flotow) errichten wollte.

2007 stand dann ganz im Zeichen der Großen Acht und gleich nach dem G8-Gipfel aktualisierten Stadt und ECH den Grundlagenvertrag. Durch den G8-Gipfel wuchs das Interesse an Heiligendamm und da die ECH nun einen gültigen Bebauungsplan hatte, konnte sie konkret mit den Interessenten verhandeln.

Dabei stellten sich einige notwendige Änderung im Bebauungsplan heraus, die im November 2007 beraten wurden. Die B-Pläne 25 und 26 traten in geänderter Form in Kraft. Jetzt war auch ein dauerhaftes Wohnen möglich und damit hatte die ECH endlich die ersehnten wirklichen Verkaufsargumente. Die ECH kündigte an, mit der Sanierung zu beginnen. Die Käufer wurden kontaktiert, die Verhandlungen aufgenommen, vor Ort Besichtigungen durchgeführt und dabei stellte sich heraus, dass die Wohnungen in der vorgesehenen und 2004 genehmigten Form nicht verkäuflich sind. Da die Zahl der Stellplätze in Heiligendamm von der Stadt begrenzt worden war, konnte die ECH nicht die nötigen 41 Stellplätze zur Verfügung stellen. Der Gesetzgeber verlangt aber, dass zu jeder Wohnung ein Stellplatz gebaut wird - ob die ECH ihn nun kostenlos oder gegen Entgelt zur Verfügung stellt, ist dabei egal.

Natürlich kannte die ECH die Gesetzeslage und kannte auch die Auflage der Stadt. Es war vorgesehen, im Thalassozentrum und im Demmler-Palais Tiefgaragen zu errichten aber damals ging man auch davon aus, diese beiden Komplexe zusammen mit der Sanierung der Perlenkette realisieren zu können. Die Bewohner hätten also ihr Auto dort abstellen können. Nun aber lief das Hotel nicht so gut, wie erwartet und daher gab es keinen Bedarf für das Thalassozentrum und den Demmler-Park und der Bedarf würde auch in den nächsten Jahren nicht eintreten.

Vorgesehen war, dass das Grand Hotel spätestens 2005 optimal läuft. Jetzt aber lief es schlechter, als bei seiner Eröffnung im Jahre 2003. Jagdfeld sah das Management der Kempinski-Gruppe als eine Ursache. Die andere Ursache aber waren Initiativen, die immer offener gegen die Pläne des Investors wetterten und Stadtvertreter, die eine ablehnende Haltung gegenüber den Plänen zeigten. Die ECH hatte schon 2006 erkannt, dass die Parkplätze nicht dort entstehen würden, wo sie vorgesehen waren und errichtete daher pünktlich zum G8-Gipfel einen Parkplatz am Fürstenhof. Dieser und der Parkplatz schräg gegenüber am Bahnhof wurde von der ECH betrieben: Der am Bahnhof als Privatparkplatz und der am Fürstenhof als öffentlicher Parkplatz. Die Bewohner der Perlenkette konnten ihre Fahrzeuge dort abstellen. Dass dies nicht die eleganteste Lösung ist, wusste die ECH auch aber näher an der Perlenkette ging es nicht und eigentlich war es den Bewohnern schon zu weit, wenn man eine Tiefgarage unter dem Demmler-Palais errichten und das Demmler-Palais später darauf aufbauen würde. Bei Regen wird man in jedem Fall nass. Dagegen hilft nur ein Stellplatz am Haus und da das oben nicht mehr in ausreichendem Maße erlaubt war, blieb nur, die Parkplätze unter die Erde zu verlagern.

Also entwickelte die ECH einen Tunnelparkplatz unter der Erde vor der Perlenkette unter der Wiese und Promenade. Diese Option hatte die ECH schon vorher in Betracht gezogen, wollte aber warten, wie die Interessenten auf die Parkplatzsituation reagieren. Wenn sie mit den Bedingungen einverstanden gewesen wären, hätte die ECH nicht eine mehrere Millionen Euro teure Tiefgarage (Tunnelparkplatz) errichten lassen wollen. Es wurde im Vorfeld nicht öffentlich über eine Tiefgarage vor der Perlenkette diskutiert, da es ja nicht entschieden war aber für den Fall, dass sie notwendig werden würde, hatte man sich bereits Abrissgenehmigungen für die ohnehin zu stark verfallenen Villen "Perle", "Schwan" und "Möwe" geben lassen und das StAUN hat die Senke in der Promenade zwischen Haus "Bischofsstab" und dem Seebrückenplatz nur geschottert und nicht - wie den Rest der Promenade - gepflastert.

Ein Unterbau der Tiefgarage würde die Promenade um 70 cm anheben und damit die Senke begradigen und da man nicht die Pflaster wieder heraus nehmen wollte, entschied man sich beim StAUN umsichtig für dieses Provisorium. Die ECH konnte auch nicht im Vorfeld Verkaufsgespräche führen, da sie ja gar keine Sicherheit hatte, dass der Verkauf auch so zu Stande kommt. Sie hätte viele Fragen unbeantwortet lassen müssen und die Interessenten damit eher vergrault, als gewonnen.

Es gab schon vor dem G8-Gipfel Interessenten aber die konnte die ECH bestenfalls mit Prospekten versorgen. Nun drohte die Immobilienfinanzierung zu platzen, weil die Kaufinteressenten mit der Parkplatzsituation unzufrieden waren. Der Tunnelparkplatz musste her, die ECH war bereit, ihn zu realisieren und beantragte eine entsprechende Änderung im B-Plan 25. In der Zeitung las sich das dann so, dass Hans Schlag (ECH) den Wiederaufbau der Perle (denn die wäre das erste Haus, das wieder aufgebaut werden würde) "voreilig angekündigt" wurde und dass ihm "jetzt Dinge auf die Füße gefallen wären, die er vorher übersehen hätte".

Aus dieser ehrlichen und selbstkritischen Aussage bastelten einige Medien und Gegner ein "Eingeständnis, kein Geld zu haben" und andere regten sich darüber auf, dass die ECH "immer wieder eines nach dem anderen fordert". Freilich waren es viele einzelne Wünsche, die die ECH äußerte und denen sie Nachdruck verlieh, damit sie erfüllt werden aber nichts davon war wirklich überflüssig und alles war erklärbar. Es zu erklären, hatte die ECH allerdings manchmal versäumt, sodass die Bürger kein Verständnis - da keine oder falsche Informationen - hatten.

Stillstand durch Blockade.

Die Stadtvertreter stimmten dem neuen B-Plan 30 im Juli 2008 zu. B-Plan 25 blieb zunächst unberücksichtigt. Im Dezember beschlossen dann die Stadtvertreter, dass die B-Pläne 25 und 30 gesetzesmäßig durch die Ämter und Behörden gehen. Insgesamt 21 Behörden und Ämter, sowie Energie- und Wasserversorger mussten die Änderungspläne im B-Plan 25 prüfen, Stellung beziehen und wenn erforderlich Nachforderungen stellen.

Beim B-Plan 30 reichte die Zustimmung von fünf Fachämtern, von denen zwei Anregungen gaben, die auch berücksichtigt wurden. Von insgesamt 16 Anregungen durch 11 Ämter und Behörden wurden im B-Plan 25 zwanzig Änderungen komplett berücksichtigt, fünf teilweise und eine (von der unteren Abfallbehörde) nicht. Damit galten im Januar 2009 beide B-Pläne als von den Ämtern und Behörden genehmigt. Die B-Pläne gingen also wie vorgeschrieben zurück an die Stadtvertreterversammlung. Die Pläne gingen durch die Ausschüsse für Wirtschaft und Tourismus, fur Stadtentwicklung und Umwelt und durch den Hauptausschuss. Alle drei Ausschüsse stimmten zu und empfahlen der Stadtvertreterversammlung die Annahme der B-Pläne 25 und 30.

Am 30. März - kurz vor Ende der Legislaturperiode - stimmten die Stadtverteter über die Pläne ab: Der B-Plan 25 wurde bei 12 zu 12 Stimmen und der B-Plan 30 bei 11zu 12 Stimmen und einer Enthaltung nicht angenommen. Die Stadtvertreter Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos, jetzt BfBD) brachten die angelehnte Beschlussvorlage kurz darauf erneut auf die Tagesordnung aber mit 14 zu 11 Stimmen beschließen die Stadtvertreter am 25.05.2009, die Vorlage nicht zu beraten. Kurz darauf verabschiedete sich die Stadtvertreterversammlung in die Kommunalwahl. Für die Villen der Perlenkette bedeutete das weiteres Warten.

Folgen des Stillstandes.

Was passieren musste, war eine erneute Einbringung der Beschlussvorlage, über die B-Pläne abzustimmen und natürlich musste die Abstimmung positiv für die B-Pläne ausfallen. Aber zwischen Abstimmung und Baubeginn vergeht ein Jahr, sodass jeder Tag, den man wartete, die Rettung der Perlenkette einen Tag weiter in die Ferne des nächsten Jahres schob. Für einige Perlen hätte das schon zu spät sein können. Die ECH könnte die Villen auch an Einzelinvestoren verkaufen. Aber der B-Plan ist bindend und auch ein Einzelinvestor stünde vor dem Problem, keinen Parkplatz am Haus zu haben bzw. bei Weiterverkauf- oder vermietung diesen nicht anbieten zu können.

Die Probleme, die die ECH derzeit bei der Verwirklichung ihrer Pläne hat, schrecken zudem mögliche Einzelinvestoren ab. Für die Villa "Krone" - die sich außerhalb des B-Plan-25-Gebietes befindet - hat sich jemand gefunden, der die Villa gekauft hat und selbst saniert. Dieses Beispiel zeigt, dass es tatsächlich Interessenten gibt und das nicht - wie der ECH oft unterstellt wurde - Erfindungen sind. Die Sanierung der "Krone" erfolgt im Herbst 2009. Villa Krone ist gerettet! In diesem Areal befinden sich zudem auch das Marien-Cottage und das Alexandrinen-Cottage. Für das Marien-Cottage gibt es ebenfalls einen Interessenten und das Alexandrinen-Cottage möchte Anno August Jagdfeld für sich haben. Er hätte es längst sanieren können und es spricht auch nichts dagegen, dass es ihm genehmigt wird. Aber es hätte ein falsches Zeichen setzen, wenn Jagdfeld sein Sommerhaus aufbauen würde, während ein paar hundert Meter weiter die Perlenkette verfiele. Jagdfeld ist über 60 und würde gern die Alexandrine als Sommerhaus noch miterleben. Er verzichtete nur aus Rücksicht und aus Vorsicht vor den Reaktionen aus der Bevölkerung. Auch hätte die ECH das Ensemble-Palais hinter der Perlenkette beantragen und bei Genehmigung - mit der die Stadtvertreter dann nichts mehr zu tun haben - auch bauen können.

Der Bau der beiden geplanten Neubauten hinter der Perlenkette würde zugleich das seit 2009 bestehende Problem mit dem illegalen Durchlaufen der Schneise durch Urlauber und Einheimische lösen aber auf den Plänen der ECH stehen die Neubauten hinter der Perlenkette an. Auch die Häuser in der Kühlungsborner Straße, der Seedeichstraße und  er Gartenstraße stehen hinter der Perlenkette an. Es machte auch keinen Sinn, sie vorher zu sanieren: Ein weiteres Luxus-Restaurant wird erst benötigt, wenn das Hotel besser ausgelastet ist und sich auch in der Nebensaison Leute finden, die sich solche Restaurantbesuche leisten wollen und können.

Ein Konferenz-Zentrum macht erst Sinn, wenn das Hotel am Markt als Konferenzhotel etabliert ist und auch Platz für die schließlich mit 1000 Teilnehmern großen Kapazitäten hat. Ein Biergarten macht erst Sinn, wenn in Heiligendamm das gesellschaftliche Leben floriert und das Geld locker sitzt und Apartments und Villen machen erst Sinn, wenn dieselben in der ersten Reihe (Perlenkette) erfolgreich veräußert sind und noch mehr Leute sich in Heiligendamm niederlassen wollen. Ein weiterer Golfplatz und die geplanten Freizeitangebote, Ayurveda und Thalasso machen erst Sinn, wenn es in Heiligendamm genug Leute gibt, die das dauerhaft und saisonunabhängig in ausreichender Zahl nutzen können.

Darum ist es unabdingbar, dass neben dem Hotel auch Wohnungen, Apartments und Villen entstehen. Die Einwohnerzahl Heiligendamms wird sich dadurch mindestens vervierfachen aber genau diese Menge an Menschen ist das, was die ECH benötigt, um die Angebote saisonunabhängig rentabel anbieten zu können. Darum sollen die kostenintensiven Angebote, wie Thalasso, Sport, SPA und Ayurveda auch öffentlich und für jeden - auch Bad Doberaner, Heiligendammer und Tagesgäste - zugänglich sein. Nur wenn genug Menschen diese Angebote nutzen, können sie den Hotelgästen zu guten Konditionen angeboten werden. Würden nur die Hotelgäste diese Angebote nutzen dürfen, müssten sie dafür teuer bezahlen, damit es sich überhaupt rentiert.

Die ECH möchte noch weitere Wohnräume (wie z.B. in der Ensemble-Villa) und funktionelle Räume, wie einen Ballsaal im Ensemble-Palais oder die plastische Chirurgie am Golfteich einrichten und damit die Angebote und Kapazitäten des Hotels erhöhen. Dazu muss aber erst das Hotel dauerhaft wirklich gut ausgelastet sein. Vorher wird die ECH diese Neubauten nicht errichten. Damit ist also auch die Frage beantwortet, warum von den vielen geplanten Neubauten noch nichts zu sehen ist.

Ende des Stillstandes - Aussicht auf Wiederaufbau

am 14. Dezember 2009 hatte das jahrelange Trauerspiel ein Ende: 15 Stadtvertreter verschiedener Fraktionen und Einzelvertreter setzten sich gegen 8 Gegenstimmen aus Bürgerbund, Linke und Einzelfraktionen durch und mit 2 Enthaltungen wurden die Änderung des B-Planes genehmigt. Damit kann der Wiederaufbau der Villa "Perle" im Sommer 2010 beginnen. Ihm folgt der Bau der Tiefgarage und schließlich die Sanierung der weiteren Villen. Natürlich müssen diese erst vermarktet werden. Abgesprungene Interessenten müssen kontaktiert, neue gefunden und die Wohnungen verkauft werden. Ausschreibungen sind nötig und schließlich dauert jede Sanierung etwa 15 Monate, was der hohen Qualität der Bauausführung geschuldet ist. Wann immer es geht, werden mehrere Villen gleichzeitig saniert aber zaubern wird der Investor auch nicht können. Nach der Perlenkette kann es dann auch mit den anderen Gebäuden weiter gehen.

Zu guter Letzt: Nicht alles was in Heiligendamm grau ist, gehört der ECH. Nur eines von drei Häusern, die in der Gartenstraße verfallen, gehören der ECH und nur drei von vier unbebauten Abrissgrundstücken sind in ECH-Hand.
Die beiden Kirchen brauchen auch dringend eine Sanierung. Die ECH hat viel Geld für die Sanierung gespendet, kann jedoch nicht die ganzen Kosten allein tragen. Die Stiftung der Waldkirchen in Heiligendamm unter Eckart Paap haben im Jahre 2006 die Sanierung der Waldkirchen von der Sanierung der Perlenkette abhängig gemacht.

Info:

Die Villa "Perle" sollte erst mit Beginn der Sanierung abgerissen werden, um keine unschönen Bauflächen zu hinterlassen. Die Bundesregierung drängte jedoch darauf, die Villa vor dem G8-Gipfel abzureißen, weil an ihrer Stelle eine Pressetribüne entstehen sollte. Darum wurde die "Perle" abgerissen, während "Möwe" und "Schwan" stehen blieben.


Alle Themen des Schwerpunkt-Komplexes:

Thema Nummer eins: Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?
Thema Nummer zwei: Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Thema Nummer drei: Warum sind alte Wege verschwunden?
Thema Nummer vier: Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?

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