Zeit am Meer


Wenn Sie diese Seite nicht direkt aufgerufen, sondern einen Einzelartikel angeklickt haben, bewegt sich die Seite automatisch zum Beitrag, nachdem sie fertig geladen ist.


Warum verfallen Häuser in Heiligendamm? Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Warum sind alte Wege verschwunden? Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?


Schwerpunkt Heiligendamm.

Thema Nummer drei:
Warum sind in Heiligendamm Wege durch Zäune versperrt?


Touristen stehen vor dem Problem, das Meer schon sehen zu können aber einen Umweg laufen zu müssen. Halten sie sich nicht an die Wege, endet ihr Spaziergang an Zäunen. Nicht jeder Weg ist in einem sich verändernden Heiligendamm auf Anhieb zu finden und nicht jeder Wegweiser leuchtet gleich ein.

Warum muss ich nach rechts zur Seebrücke, wenn ich sie links doch schon sehe?
Warum kann ich nicht einfach dort zwischen den Häusern hindurch?
Warum ist der Weg hier zu Ende und wie komme ich durch dieses Tor?
Warum können die Leute dort hinein und ich nicht? Darf ich hier hindurch?
Wie komme ich zum Kurhaus? Wie sind die dort auf die Aussichtsplattform gelangt?
Ist das hier der kürzeste Weg? Wie komme ich mit dem Fahrrad nach Kühlungsborn?

Das sind Fragen, die mir bei meinen Rundgängen vor Ort gestellt wurden aber auch Fragen von Besuchern und Fragen, die mir per E-Mail oder Brief gestellt wurden. Das Thema ist komplex und wer es wirklich verstehen will, sollte die ganze Seite durchlesen. Wem eine kurze Erklärung reicht, der liest sich nur die kurze Antwort durch und am Besten noch die Zusammenfassung mit den Bildern der einzelnen "Problemzonen". Sie werden sehen, dass "böser Jagdfeld" oder "böse Stadtvertreter" keine Antworten sind. So viele verschiedene Zäune es in Heiligendamm gibt, so viele verschiedene Gründe gibt es dafür. 



Inhalt (anklickbar):

- Die kurze Antwort: Die Gründe für die Zäune in ein paar Worten.
- Die lange Antwort: Eine ausgiebige Analyse der Entwicklung in Bildern, Worten und Zitaten.
 - Heiligendamm unter den Großherzögen von Mecklenburg-Schwerin.
 - Heiligendamm zwischen zwei Weltkriegen.
 - Heiligendamm zu DDR-Zeiten.
 - Heiligendamm während der Wendezeit.
 - Das Wegenetz Heiligendamms bis zur Jahrtausendwende.
 - Das Wegenetz Heiligendamms im neuen Jahrtausend.
 - Die Vision von einem Luxus-Resort mitten in der mecklenburgischen Landschaft.
 - Heiligendamm versinkt im Meer aus Tagesgästen.
 - Ein paar Impressionen von März 2004: Heiligendamm Zaun-arm aber Besucher-reich.
 - Heiligendamms Infrastruktur auf dem Prüfstand - Das Expertenkolloquim.
 - Wahlversprechen vs. Wirtschaftsinteressen.
 - Kompromisse gegen die Hotel-Pleite.
 - Zäune gegen Ignoranten.
 - Die Gegenwart: Kompromisse nur der Ruhe wegen.
-Zusammenfassung: Weg für Weg und Zaun für Zaun in Bildern erklärt.
 


Die kurze Antwort:

Das Grand Hotel wurde wie vom Sanatorium übernommen größtenteils ohne Zäune eröffnet.
Nach der Eröffnung war der Ansturm an Tagesgästen wegen der weltweit beworbenen Schönheit über lange Zeit so groß, dass sich zuerst die zahlenden Gäste des Grand Hotels gestört und schließlich das Personal des über sechs Häuser verteilten Hotels behindert fühlte. Die veralterte Infrastruktur Heiligendamms war d
en neuen Gegebenheiten nicht mehr gewachsen und alles nördlich der Mollischienen musste darunter leiden. Investor, Stadt, Behörden, Institute, Land und Bürger handelten in einem Expertenkolloquim 2004 Kompromisse aus, die einen einzigen Stichweg durch das Hotelgelände vorsahen.

Nach der Median-Klinik schloss also auch das Grand Hotel Teile seines Grundstücks durch eine Einfriedung in Form von Hecken. Da diese Hecken und schließlich auch kleine Zäune ignoriert wurden und da der einzige Stichweg unglücklicherweise genau zwischen zwei Hauptgebäuden des Hotels hindurch verlief (Haupthaus und Severin-Palais) gingen die Gästezahlen des Hotels zurück. Die Gäste nahmen es nicht hin, in Bademantel einen öffentlichen Weg quer zur Laufrichtung überqueren und sich dabei durch Touristenbahnen drängen zu müssen. Prof. Behnkenstein von der Universität Rostock schlug bald darauf Alarm und verdeutlichte, dass nur ein Verzicht auf die öffentlichen Durchgänge den Niedergang des gerade eröffneten Hotels verhindern kann. In Folge dessen wurden niedrige Zäune und einfache Tore errichtet, die aber wegen Missachtung einerseits und technischen Ansprüchen (Automatik, Chipkarten für Gäste) andererseits erhöht oder befestigt werden mussten.

In der Folgezeit entbrannte ein regelrechter Kampf um Zäune bis hin zu durch Medien mit verursachten zivilem Widerstand. Jeder Widerstand hatte weitere Zäune zur Folge, da Eigentum vor Vandalen geschützt werden musste. Vorgesehen war, das Hotel ohne Zäune auf der grünen Wiese zu betreiben.

Die jetzigen Zäune sind nur das Resultat des Scheitern dieses Versuches von Luxus in der Öffentlichkeit. Langfristig werden die Zäune weichen und das Hotel wird als Ganzes mit nur einem Zaun eingefriedet, wie es allgemein üblich ist. Grundsätzlich möchte der Investor aber auf Zäune verzichten können. Das Hotel einfrieden zu wollen steht vor dem Hintergrund, dass nach dem G8-Gipfel auch weitere Personen im Grand Hotel einkehren werden, deren Sicherheit mitunter gefährdet sein kann. Statt also jedes Mal Zäune auf- und abbauen zu müssen, würde ein fester Zaun das Grand Hotel einfrieden und nur zu solchen Anlässen auch tatsächlich geschlossen werden.
 



Die lange Antwort:


Heiligendamm unter den Großherzögen von Mecklenburg-Schwerin.

Wir beginnen mit einer Rückschau in die Geschichte Heiligendamms.
Herzog Friedrich Franz I ließ auf Anraten seines Hofmedicus Professor Vogel nach der ersten Badesaison mit Wagenremisen ein Badehaus am Heiligen Damm errichten. Nach und nach entwickelte sich der Flecken an der Ostseeküste zu einem Badeort: Dem Badehaus folgte ein Gesellschafts- und Speisehaus (Kurhaus), schließlich wurde das Badehaus aufgestockt und mit Logierzimmern versehen, Bad Doberan wuchs in gleichen Maße mit und in Heiligendamm entstanden auch Cottages - Landhäuser im Bäderstil.

Das alles war für jeden zugänglich, der es sich leisten konnte.
Ein Dampfbad kostete ein vielfaches von dem, was ein einfacher Mecklenburger verdiente.
Heiligendamm war also nur etwas für wohlhabende bis reiche Menschen.


Lediglich ein Armenkrankenhaus, welches beim Bau der Burg nach Süden verlegt wurde, sicherte auch die Kurversorgung Mittelloser, wie es z.B. Lehrer zur damaligen Zeit waren. Die Zustände in diesem Armenkrankenhaus waren selbst in den Augen der damaligen Menschen katastrophal. Damit war zwar Dank Professor Vogel, der dieses Armenkrankenhaus gegen das Gutheißen des Herzogs baute, der Gedanke an ein Bad für alle da aber praktisch wurde er eher schlecht als recht umgesetzt.

Das Wichtigste aber ist: Heiligendamm hatte keine Zäune.
Es gab Hecken, die aber eher der Zierde und dem Schutz des Rasens dienten und keine Barrieren darstellen sollten. Als Ganzes aber war Heiligendamm offen und jeder konnte überall hin. Es gab die Promenade, auf der auch wirklich zwischen Golfteich und Alexandrinen-Cottage Prominente in teuren Kleidern entlang flanierten und das war Grund genug für den Pöbel, sich dort nicht "in Lumpen" blicken zu lassen.

Der Adel war unter sich und der Pöbel war es - abseits Heiligendamms - auch.
Anders in Bad Doberan: Da spielte der Herzog zusammen mit Handwerkern und Unternehmern und war auf Grund eines von ihm angeordneten Erlasses über die Aufhebung der Stände während der Saison per du. Das wäre in Heiligendamm auch zur Geltung gekommen aber wie gesagt: Dahin verirrte sich kaum jemand, der es sich nicht leisten konnte oder nicht wenigstens dort arbeitete - und sei es als Schuhputzer.

Das Heiligendamm des 18. Jahrhunderts präsentierte sich daher so:

 



BILD FOLGT

 

Heiligendamm zwischen zwei Weltkriegen.

Das änderte sich erst, als die späteren Großherzöge das Bad aus Geldmangel nicht mehr halten konnten.
Das Bad ging an eine Aktiengesellschaft, wechselte mehrmals die Besitzer und es entwickelten sich Einzelgrundstücke, die dann auch mal mehr und mal weniger eingefriedet waren.



Im Dritten Reich wurde der Badeort als Erholungsheim für KdF-Mitglieder (und das war die Mehrzahl der Deutschen). Hier tauchten dann die ersten richtigen Einfriedungen auf: Zäune, Mauern, Hecken. So wie hier um 1900:



BILD FOLGT



Heiligendamm zu DDR-Zeiten.
 

1932 ging der Ort an die Reichsmarine und 1945 an die Rote Armee und schließlich wurde der Ort ab 1948 als Sanatorium für Werktätige wieder aufgebaut und bis 1957 vom Kultusministerium der DDR und seit 1957 von der Sozialversicherung der DDR getragen.

Zu DDR-Zeiten wurden funktionelle Gebäude und Anlagen grundsätzlich eingezäunt
,
sodass es bis 1990 so aussah:

 

BILD FOLGT


Heiligendamm während der Wendezeit.

Im Jahre 1990 nun stellte das Sanatorium für Werktätige seinen Betrieb ein, ein großer Teil Heiligendamms ging an den Bund und schließlich an die Treuhand Liegenschaften Gesellschaft (TLG), verwaltet durch die Oberfinanzdirektion Rostock (Ofin Rostock), die es dann ausschrieb. Zunächst meldeten sich Interessenten für einzelne Gebäude aber die sechs wichtigsten Häuser blieben unbeachtet. Der Einzelverkauf hätte auch mit sich gebracht, dass jeder sein Grundstück einzäunt und die Stadt wegen jeder Kleinigkeit - Carports, Stellplätze, Um- und Anbauten - mit jedem einzelnen Investor hätte verhandeln müssen. Unter diesen Voraussetzungen würde die Sanierung zu lange dauern und so schrieb man Heiligendamm noch einmal neu als Gesamtobjekt aus. Aus den ca. 200 Interessenten gelangte die Asklepios-Gruppe in die engere Auswahl, bekam aber nicht genug Hoteliers zusammen und musste aufgeben.

Auch die Dr.-Marx-Gruppe kam in die engere Auswahl aber fehlende rechtliche Voraussetzungen, für welche die Stadt verantwortlich gewesen wäre und der Widerstand aus der Bevölkerung zwangen den Interessenten zum Rückzug. Ein kanadischer Investor wollte Heiligendamm nur unter der Bedingung kaufen, dass er den Strand (und wohl auch die Promenade) sperren dürfte, was das deutsche Recht nicht erlaubt. Übrig blieb also neben nach wie vor vorhandenen Einzelinteressenten für einzelne Gebäude die FUNDUS-Gruppe, welche das Objekt mit den 26 Gebäuden wie ausgeschrieben als Gesamtobjekt kaufen und entwickeln wollte. Die einzige nennenswerte Bedingung war die Erlaubnis, 500 ha Land dazu kaufen und in Bauland für 150 Villen verwandeln zu dürfen, um die Rentabilität des geplanten Hotels zu steigern. Heiligendamm präsentierte sich bei der Übereignung an die FUNDUS-Gruppe wie folgt:

 

BILD FOLGT



Das Wegenetz Heiligendamms bis zur Jahrtausendwende.

Von Osten hier bildete die Kühlungsborner Straße den Hauptweg durch Heiligendamm.
Jeglicher Verkehr nach Wittenbeck, Kühlungsborn und Rerik musste hier hindurch.
Die Straße verfügte über einen teilweise einseitigen und teilweise beidseitigen Fußweg.
Radfahrer fuhren auf der Fahrbahn.


Parallel zur Kühlungsborner Straße führte - in Höhe Seedeichstraße beginnend und in Höhe Fürstenhof endend die Gartenstraße als Fahrbahn ohne Fuß- und Radweg entlang. Wie die Kortüm-Straße an den beiden Wohnblöcken handelt es sich hier um eine Wohngebietstraße.

Die zweite Parallele zur Hauptstraße bildete die Professor-Vogel-Straße, welche am Alexandrinencottage begann und sich nach Norden und Süden gabelte, im Süden vorbei an den Häusern "Mariencottage" und "Kronencottage" und der Orangerie verlief und auf die Kühlungsborner Straße mündete.

Im Norden nahm sie in etwa den heutigen Promenadenverlauf bis zum Haus Mecklenburg, wo sie dann nach Süden abknickte, südlich um das Ensemble herum führte und dann zur Perlenkette abbog, die sie bis zur Seedeichstraße hin flankierte.


Sowohl das Alexandrinencottage im Westen, wie auch die Burg, die Häuser "Mecklenburg", "Berlin" und das Kurhaus, sowie alle Perlen und die Kolonnaden hatten also die Professor-Vogel-Straße als Anschrift.

Die Professor-Vogel-Straße stellte also alle Verbindungen zwischen Westen (Kleiner Wohld) und Osten (Großer Wohld) nördlich der Kühlungsborner Straße dar, sowie außerdem einige Nord-Süd-Verbindungen. Jedoch handelte es sich bei der Professor-Vogel-Straße um einen Betriebsweg, wie dieses Bild deutlich zeigt:

 

BILD FOLGT



Der öffentliche Straßenverkehr verlief zwischen Nord und Süd ausschließlich über die Seedeichstraße.
Hier befanden sich auch die Parkplätze, Parkstreifen und Strandversorgung. Fußgänger nutzten meistens die Professor-Vogel-Straße oder einen Weg durch den Wald, um zur Promenade zu gelangen und von der Gartenstraße oder Bad Doberan aus kommend nutzten sie die Seedeichstraße, um zum Strand und zur Promenade zu gelangen. Weiterhin existierte eine Straße nach Westen in den Kleinen Wohld, die am Kinderstrand auf einem Parkplatz endete. Die Promenade war von Ost nach West bis zum Waldanfang befestigt und ging dann in einen Sandweg über, der ab dem Alexandrinencottage immer schmaler und holpriger werdend an der Küstenkante entlang zum Kinderstrand und dann darüber hinaus wieder breiter und befestigter bis nach Wittenbeck und Fulgen (Kühlungsborn) führte. Dieser Waldweg war getrampelt und wurde nie befestigt. Einige Küstenabbrüche verlegten ihn immer weiter nach Süden.

Als sich nun 1997 die Eigentumsverhältnisse änderten, änderte sich auch die Nutzung und mit ihr änderten sich die Ansprüche. Das einstige Sanatorium wurde zum Luxushotel und dieses brauchte eine ansprechende Umgebung.


Das Wegenetz Heiligendamms im neuen Jahrtausend.

Heiligendamm wurde zwischen 2000 und 2003 zu einer Großbaustelle und die Rasenflächen wurden durch schweres Gerät zerfahren, wie wir hier eindrucksvoll sehen können.

Was an Wegen je da war, existierte nicht mehr.
Hiernach würde es nötig werden, alle Wege neu anzulegen.



Das tat die ECH und orientierte sich dabei nicht an den Wegen aus DDR-Zeiten, sondern an den Wegen aus der Zeit vor 1932. Nutzungsbedingt wurden einige Wege auch weggelassen oder neue eingefügt. Ein ansprechendes Äußeres musste her und der Rasen musste vor Seesand geschützt sein. Das realisierte man seit je her mit Hecken und genau das tat auch die ECH. Wobei sie die Hecken noch einmal mit einer grünen Matte schützte, damit niemand die Wurzeln beschädigte, wenn er sich zu nahe an der Hecke aufhielt und damit der feine Seesand das Wurzelwerk nicht schon in der Wachstumsphase mit Salz schädigte. Diese Konstruktionen sind nicht für die Ewigkeit gedacht und auch nicht dafür gebaut, sodass sie inzwischen dementsprechend aussehen.



Nach der Eröffnung des Hotels nun sah die Wegesituation so aus, dass man von Süden nach Norden zwischen dem Kurhaus und dem Haus "Grand Hotel hindurch laufen konnte, außerdem zwischen dem Grand Hotel und dem neu errichteten Severin-Palais, sowie zwischen Haus "Mecklenburg" und der Burg. Außerdem gelangte man weiterhin im umrandeten Teil des Großen Wohld (heute Kurwald) zwischen dem Prinzessin-von-Reuß-Palais und der Post und etwas weiter östlich über die Seedeichstraße von Nord nach Süd und umgekehrt.

Zäune gab es wenige. Das Forstamt hatte einen Holzzaun entlang des Waldrandes und entlang wichtiger Waldwege errichtet, um den Wald zu schonen.

Es war vorgesehen, den Kleinen Wohld im Westen als Kurwald für die Öffentlichkeit zu deklarieren und das umrandete Waldstück des Großen Wohldes zwischen Kühlungsborner Straße, Seedeichstraße und Professor-Vogel-Straße als Hotelpark einzuzäunen. Allerdings befürchtete man den Zorn der Bevölkerung auf sich zu ziehen, wenn man ihnen dieses Waldstück wegnehmen würde. Also tauschten Stadt und ECH und erklärten den Abschnitt im Kleinen Wohld zum Hotelpark und ließen dafür den umrandeten Wald öffentlich.

Allerdings waren beide Vertragspartner da etwas kurzsichtig, wie wir später sehen werden.
Weiterhin waren die beiden Parkplätze östlich des Ensembles mit solchen Holzzäunen versehen, sowie in kleinerer Ausführung der Hauptweg vom Bahnhof zur Perlenkette und das Grundstück an der Kühlungsborner Straße. Man wollte damit in erster Linie das Befahren verhindern - ein Übersteigen war bei 30 cm Höhe ja kein Problem. Darum sollte man das auch nicht als Zäune, sondern Leitplanken sehen. Eingezäunt war nur die Perlenkette. An der Seeseite hatte sie schon vor dem Jahr 2000 eine Hecke, die durch einen Zaun mit einem grünen Textilband vor Versandung geschützt wurde und an der Südseite gab es die bestehenden Hecken, die mit Zäunen verbunden wurden.

Die Vision von einem Luxus-Resort mitten in der mecklenburgischen Landschaft.

Heiligendamm hatte als Luxushotel schon vor 1938 auf einer grünen Wiese und weitgehend ohne Zäune bestanden und FUNDUS-Chef Anno August Jagdfeld hatte keinen Anlass zu glauben, dass das jetzt anders sein sollte. Er war sich sicher, dass das Hotel weitestgehend zaunlos existieren kann und so waren die wenigen vorhandenen Zäune in 2003 überwiegend von Stadt und Forstamt errichtet worden. Jagdfelds Vision von Heiligendamm sah hingegen so aus:



Jedoch sollte Heiligendamm mehr werden, als nur der Bereich zwischen Ostsee und Mollischienen. Vorgesehen war ein großes Resort auf insgesamt etwa 500 Hektar mit Gestüt, Biohof, Golfplätzen, Villen, Apartments, Ayurveda, Konferenzzentrum, Biergarten, Gastronomie und jeglichen Einrichtungen für Erholung, Sport und Wellness. Insgesamt stellte sich Star-Architekt Robert A. M. Stern
das Heiligendamm der Zukunft so vor:



Das Ganze ist so groß, dass sich die Touristen gut verteilen würden. Ausgelegt ist dieser Masterplan auf keine bestimmte Zeit. Im Dotcom-Rausch von 1995 konnte man noch hoffen, innerhalb kurzer Zeit Milliarden im Fondsgeschäft zu verdienen. Heiligendamm hätte sich unter Beibehaltung der damaligen Bedingungen innerhalb von 50 Jahren zu solch einer urbanisierten Siedlung mausern können. Freilich lässt sich darüber streiten, ob man das will. Nur ein halbes Jahrzehnt später holte die Wirklichkeit die Vision von Heiligendamm ein: Der Dotcom-Rausch war zu Ende, der Saat wollte an den verbliebenen Sparten mitverdienen und sehr bald wurden aus riesigen Geldflüssen schmale Rinnsale. Dennoch schaffte es FUNDUS, genug Geld zu sammeln, um das zu erfüllen, was Stadt, Land und Bund von ihr erwarteten. So viel zur Vorgeschichte.


Heiligendamm versinkt im Meer aus Tagesgästen.



Kaum hatte das Grand Hotel eröffnet, ging die Wiedergeburt des ersten deutschen Seebades wie ein Lauffeuer durch die Medien.
Nie wurden bisher so viele private Fotos von Heiligendamm geschossen, als im Jahre 2003. Findige Busunternehmer arrangierten Tagesfahrten nach Heiligendamm.

Das hat es bisher so nicht gegeben. Heiligendamm war das Ziel der Werktätigen, welche mit einer Überweisung hier her kamen und sich auskurieren wollten und der Ort war Ziel für Mitglieder des FDGB oder für Urlauber, die über das Reisebüro der DDR in das einzige Hotel des Reisebüros kamen. Auch in Pensionen und Genossenschaftsheimen machten die Leute Urlaub aber Tagestourismus gab es nur in gesunden Mengen in Form von Tagesausflügen von Kollektiven (Belegschaften) oder Organisationen, wie der Volkssolidarität und auch nur in unregelmäßigen Abständen. Heiligendamm war überhaupt nicht für Massentourismus ausgelegt und das war beabsichtigt.

Man errichtete z.B. die Seebrücke so, dass an ihr nur kleine Schiffe anlegen konnten.
Fahrgastschiffe sollten Heiligendamm auslassen, denn wenn sich jede Stunde 100 Passagiere in den Ort ergießen würden, würde die Versorgung nicht mehr gewährleistet sein. Genau dies passierte nun anno 2003 aber: Ab morgens um 10 Uhr kamen die Busse und entließen ihre Fahrgäste in die Weiße Stadt am Meer. Pro Bus 30-50 Menschen, jede Stunde, Tag für Tag. In den Medien war von bis zu 5.000 Besuchern pro Tag die Rede. Kritiker argumentieren, dass dazu pro Tag 100-170 Busse in Heiligendamm hätten ankommen müssen. Das ist korrekt, kann aber relativiert werden: Der Molli fasst jeweils bis zu 28 Personen in seinen bis zu 11 Waggons, also insgesamt etwa 308 Personen. In beiden Richtungen wird 12 Mal in Heiligendamm gehalten, macht 24 Einfahrten am Tag, mal 200 Personen (Die Wagen sind ja selten ganz voll), ergibt 4800 Leute. Hinzu kommt der ÖPNV-Bus mit ca. 5 Personen pro Stunde, also etwa 60 Personen und dann haben wir ja auch noch die im Sommer immer prall gefüllten Parkplätze mit damals etwa 200 Stellmöglichkeiten, die im 2-Stunden-Takt neu aufgefüllt werden, sodass 5000 Tagesgäste durchaus realistisch sind.

Diese 5000 Leute wollten nun von Heiligendamm etwas sehen und das beste, was es zu der Zeit zu sehen gab, war nun einmal das Grand Hotel. Das Gelände war öffentlich und so liefen die Massen über die Wege und Rasenflächen.

Natürlich wusste Jagdfeld schon 1997, dass "sein" Hotel auf einer grünen Wiese stehen wird. Er glaubte nach eigenen Aussagen, dass das funktionieren würde. Unter den Herzögen funktionierte es ja auch.Den Faktor "Mensch" konnte keiner der Verantwortlichen damals voraus berechnen.

Und so strömten diese Menschen nun von Süden nach Norden und wieder zurück.
Vorbei am Eingang des Grand Hotel, über den Parkplatz, vorbei an der Kurhausterrasse, am Findling, der Nelson-Bar, der Perle... vorbei an der Bar im Kurhaus, am SPA-Bereich, an der Burg, den Cottages, dem Kinderclub, durch das Gelände der Median-Klinik. Der Zustand war unhaltbar.


Die Median-Klinik stellte Schilder auf, die darauf hinwiesen, dass das Betreten des Median-Kurparks nur für Klinikgäste gestattet ist. Das Grand Hotel hätte solche Schilder auch aufstellen können (und tat es teilweise auch) aber es war nutzlos.

Während die Touristenströme für die Median-Klinik bestenfalls ein Ärgernis waren, stellten sie für das Grand Hotel ein echtes Problem dar: Die gesamte Logistik mit den Elektromobilen verläuft vom Wirtschaftsgebäude an der Straße zum Kinderstrand aus zu den einzelnen Gebäuden. Die Elektroautos mussten also durch diese Ströme hindurch, was zum einen sehr riskant war und zum anderen auch nicht sehr effizient - für den Zeitplan, wie für die Akkuladung.

Die Ostsee-Zeitung berichtete am 04.07.2003 erstmals über das Problem:
 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 4. Juli 2003  |  Titelseite Bad Doberan

Touristenströme nerven Hotelgäste im Kempinski
Hecken und Tore sorgen für mehr Ruhe im Luxusresort

 

Das Grand Hotel Kempinski hat einen tollen Start hingelegt. Doch manchem Gast ist es zu unruhig im Luxusresort Heiligendamm . Darum werden jetzt die Touristenströme umgelenkt.

Heiligendamm (OZ) Das Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm gehört nicht nur zu den elegantesten Hotelanlagen in Deutschland, ohne Frage ist es eine der schönsten. Viele haben lange gezweifelt, ob denn das Wunder von Heiligendamm, die Wiedergeburt der Weißen Stadt am Meer, gelingen würde.

„Wir haben zurzeit eine Auslastung von etwa 60 Prozent und die Nachfrage ist ungebrochen“, ist Direktor Thomas Klippstein mit dem Start zufrieden. Die Sorgen drücken an anderer Stelle, wie Heiner Zimmermann, Geschäftsführer der Entwicklungs Compagnie Heiligendamm und Anno August Jagdfeld, Geschäftsführer der Fundus-Gruppe, die Investor im gesamten Areal ist, gestern an Beispielen belegten. Die Flut von Tagesgästen, die nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern nach Heiligendamm kommen, um dort das Luxusareal zu bestaunen, stört die Ruhe der Hotelgäste und Restaurantbesucher. Busunternehmen werben deutschlandweit mit Tagesausflügen nach Heiligendamm. Die Schaulustigen bringen Unruhe.

„Ein Hotel ist eine Oase der Ruhe und kein Museum. So wie wir ursprünglich den Betrieb vorgesehen hatten, funktioniert er nicht“, fasst Heiner Zimmermann zusammen. Die Konsequenz:
Mit Hecken, Absperrungen und kleinen Toren sollen die Touristenströme um das Herz der Anlage herum geführt werden. Dies geschieht in Absprache mit der Doberaner Stadtverwaltung, denn Bürgermeister Hartmut Polzin betont, dass die Stadt prinzipiell daran interessiert sei, in der ganzen Ortslage, speziell aber auf der Promenade, den öffentlichen Wegen und im Strandbereich mehr Ordnung durchzusetzen.

„Es werden viele Regeln missachtet“, weiß Hartmut Polzin, nennt Radler und Kradfahrer auf der Promenade, Hunde am Strand, das Baden von der Seebrücke aus, illegale Feuerstellen. Da die Stadt keinen privaten Sicherheitsdienst beauftragen wird, stellt sie zwei zusätzliche Mitarbeiter im Ordnungsamt ein, die am Strand und auf der Promenade aktiv sein werden. Polzin bestätigt, dass es natürlich ein Radfahrverbot im Bereich der Hotelanlage und auf der Promenade gibt. Einschränkungen auf öffentlich gewidmeten Wegen, wie zurzeit noch per Schild eingangs der Prof.-Vogel-Straße angezeigt, aber nicht vorgesehen sind.

THOMAS STERNBERG

 

Zäune waren nur begrenzt möglich: Die Wege waren öffentlich in dem Sinne, dass sie zum großen Teil der Stadt gehörten.
Der Kleine Wohld wurde durch das Forstamt verwaltet und dieses sah anno 2003 den Wald in Gefahr und umzäunte ihn mit einem einfachen Holzzaun.

Die Ostsee-Zeitung gab die Situation anno 2003 völlig richtig wieder:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 14. August 2003  |  Titelseite Bad Doberan

Kleiner Wohld in Heiligendamm bleibt öffentlich

 

Verkauf ist noch nicht entschieden

Der eventuelle Verkauf von Randflächen in der Ortslage Heiligendamm des Kleinen Wohldes sorgt für Diskussionen über den öffentlichen Charakter dieses Waldbereiches.

Heiligendamm „Ja, es gibt Anfragen über den Verkauf von Waldflächen bei Heiligendamm“, bestätigte gestern Iris Uellendahl, Pressesprecherin im Landwirtschaftministerium. Noch gibt es keine Ergebnisse. „Die Gespräche laufen noch.“
 

 Nicht nur diese Flächen sondern den gesamten Landeswald „Kleiner Wohld“ in Heiligendamm verwaltet das Forstamt Bad Doberan. Dort ist man sich der komplizierten Aufgabe bewusst, den Wald zu pflegen, ihn für die Öffentlichkeit zugänglich zu lassen und gleichzeitig den veränderten Verhältnissen in und um Heiligendamm anzupassen. Dieser Wald grenzt eben an ein Privatgrundstück.


 „Vom Wald aus gibt es keinen Zugang mehr nach Heiligendamm“, stellt Forstamtsleiter Harald Runze klar. Um dort keine umherirrenden Leute zu haben, wird versucht, den Publikumsverkehr zu lenken, ihn erst gar nicht in eine Sackgasse laufen zu lassen. „Wir wollen verhindern, dass unnötig Wald zertreten wird“, sagt Harald Runze. Er betont, dass es in diesem Bereich auch nie offiziell gewidmete Wege gegeben hat. „Es sind alles getretene Wege, die auch von Radfahrern benutzt wurden, doch es gibt keinen offiziellen Rad- oder Wanderweg im Wald östlich der Strandoase“, so Runze. Der führt nämlich über die Straße vom Kinderstrand nach Heiligendamm.


Grundlage aller Veränderungen regelt der Städtebauliche Vertrag zwischen Investor und Stadt. Maßnahmen der Forst werden mit der Stadt abgestimmt. So wurden eingangs des früheren getretenen Weges in Richtung Heiligendamm Heckenrosen und Sanddorn gepflanzt, um die Besucher „rechtzeitig auf nutzbare Wege hinzuweisen“, sie so nicht in eine Sackgasse zu schicken. Harald Runze stellt klar, dass der Wald natürlich nach wie vor öffentlich ist: „Jeder, der will, kann dort seine Pilze sammeln. Das öffentliche Betretungsrecht bleibt.“


Das sei im Waldgesetz des Landes klar geregelt, unterstreicht auch Iris Uellendahl. Auch ein eventueller Verkauf würde daran nichts ändern.

Harald Runze ist klar, dass in Heiligendamm für die Waldnutzung, die Wegeführung neue Strategien gefragt sind. Dabei werde man aber stets das öffentliche Interesse berücksichtigen.

THOMAS STERNBERG
 


Da nun die Menschen nach Westen in eine Sackgasse liefen, stellte das Grand Hotel (bzw. die ECH) ein weißes Holztor auf den Weg zum Kleinen Wohld. Kritiker behaupteten, dass dieses Tor rechtswidrig sei aber weder klagte jemand dagegen, noch sah die Stadt eine Notwendigkeit, das Tor zu untersagen. Bis kurz hinter das Alexandrinencottage gehörte das Grundstück der ECH und die öffentliche Promenade endete am Waldanfang. Damit hatte die ECH auch das Recht, auf ihrem Grundstück ein Tor aufzustellen, welches am Zugang hinderte.

Lediglich hatte die ECH dafür einen Steg über das Packwerk unterhalb des Alexandrinencottages zu errichten, um einen Ausgleich für den einst öffentlich nutzbaren Weg durch den Kleinen Wohld zu schaffen. Außerdem wurden der Strandabgang "Liegnitzsteg" im Westen und die Straße zum Kinderstrand im Süden als Grenzen für die ECH gesteckt. Innerhalb dieses Bereiches würde man die ECH einen Hotelpark einrichten lassen, wenn die ECH dafür den umrandeten Wald als Kurwald auf eigene Kosten herrichten und der Stadt die Wegflächen übereignen würde. Mit dem Bau des Steges in 2003 erfüllte die ECH die erste Forderung des Grundlagenvertrages und mit der Übergabe des Kurwaldes in 2009 die zweite.


Bleiben wir aber im Jahre 2003. Außer Tagesgästen kamen auch Hotelgäste.
Das Grand Hotel legte einen guten Start hin, war bestens ausgebucht und die Gäste waren begeistert vom Hotel und von Heiligendamm. Der einzige Kritikpunkt, den immer mehr Gäste hervor brachten, waren die vielen guckenden (es wurde "gaffenden" gesagt) Touristen. In der Tat wurden aus Menschenschlangen Menschentrauben, die ihre Fotoapparate zückten und drauf hielten. Da man wusste, dass hier möglicherweise der eine oder andere Star Urlaub machen könnte, achteten einige Touristen auch ganz gezielt auf die Hotelgäste, die sich nun einmal mehr begafft fühlten.

Kritiker versuchen, diese Geschehnisse zu verschweigen, zu umschiffen oder notfalls zu verleugnen.
Man muss es selbst erlebt haben. Die Foto-Rundgänge geben das Ganze aus verschiedenen Gründen nicht wieder:
Erstens, weil es aus rechtlichen Gründen vermieden wird, Menschen mit auf dem Bild zu haben und zweitens, weil die Fotos erst 2004 gemacht worden sind und da die ersten Zäune bereits standen.

Im Jahre 2003 hatten wir die Situation, dass die Menschen nach Westen liefen, die Burg sahen, im Westen nicht weiter bis in den Wald kamen und also Richtung Burg liefen. Wer nicht wusste, dass im Wald noch ein Cottage steht, es übersehen hatte oder sich für den Wald nicht interessierte, lief wieder Richtung Kühlungsborner Straße und wer in den Kleinen Wohld wollte, lief am Wirtschaftsgebäude vorbei. Da sich in diesem auch hochwertige Waren und Güter befinden, wurde das Wirtschaftsgebäude bald hermetisch abgeriegelt, sodass viele Touristen nun den Versorgungsweg bis kurz vor das Wirtschaftsgebäude entlang liefen und dort schließlich auf den Median-Kurpark auswichen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis entweder die ECH oder die Median-Klinik diesem Treiben ein Ende setzen würde.



Ein paar Impressionen von März 2004: Heiligendamm Zaun-arm aber Besucher-reich.



(C) 2004 Familie Affinass



Zum Jahresbeginn 2004 konnte das Grand Hotel die erste Bilanz ziehen und die Meinungen der Gäste auswerten.
Das Fazit war eindeutig: Viele werden nicht wieder kommen, weil sie sich von den Touristenmassen gestört fühlten, keine Rückzugsmöglichkeiten fanden und sich überall beobachtet fühlten.

Diese Meinungen hat das Grand Hotel sich nicht ausgedacht - sie lassen sich verifizieren. Die Ostsee-Zeitung zitiert am 11.03.2004 den damals 29jährigen Heiligendammer Nils Jeske: "Der Gaffer-Tourismus ist uns auch peinlich".
Weiterhin zitiert sie am 24.07.2003:

 


„Die Flut von Tagesgästen stört die Ruhe der Hotelgäste und Restaurantbesucher.“ Fast wie im Zoo gehe es zu, schrieb Urlaubsgast Marcus Terbach aus Bochum in einem Leserbrief an die OSTSEE-ZEITUNG.

„Es stimmt, man fühlt sich beglotzt“, urteilt ein Chirurg aus Berlin, der sich mit seiner Frau für drei Tage in Heiligendamm erholen will. „Im Moment ist das hier wohl eine Attraktion“, meint Hotelgast Silke Hofmann (34), Steuerberaterin aus Erlangen, achselzuckend.

Viele Einheimische sind noch aus anderem Grund sauer. „Wanderer mit Hunden, Schulklassen, Radfahrer und viele andere“, vergällen Kurt Schwarz aus Heiligendamm das Badevergnügen an der Brücke. „Mit Ruhe und Erholung ist es vorbei.“
 


Auf holidaycheck.de fanden folgende zwei Aussagen in den Hotelbewertungen - wenn auch erst aus 2004:
 


"Direkt am Strand, aber leider keinen privaten Abschnitt. Sehr viele Leute, die nicht im Hotel wohnen, rennen ständig durch die Anlage als Tourist. Es gibt sogar Führungen durch das Hotel, dass man als Gast lange mit dem Aufzug nicht mitkommt. Bei einem Preis von mind. 240 Euro pro Nacht für das kleinste Zimmer nicht zumutbar. "

"Sehr schönes Hotel, tolle Optik. Gästestruktur schwierig - viele Glotzer. Sehen und gesehen werden."

 


Das sind nur zwei Meinungen. Man muss das natürlich hochrechnen:
Wie viele Gäste geben schließlich ausgerechnet ihre Bewertungen im Internet bei Holidaycheck ab?

Fakt ist, dass das Problem genannt wurde und das Hotel handeln musste, denn viele Gäste gaben an, nicht wieder zu kommen und in der Folgezeit stornierten nach Angaben Jagdfelds 10% der Gäste ihre Buchungen. Jagdfeld drückte es so aus, als ob sie es nur wegen des Wandertourismus täten. Sagen wir "Sie taten es auch deswegen". Viel schlimmer war für das Hotel, dass sich diese Erfahrungen herum sprachen. In den Zeitungen stand von einem furzenden Angler zu lesen, von Touristen in Badehose und Latschen, viel Nacktheit und eben jenen Gaffern. Wer das las, wollte nicht mehr nach Heiligendamm.

Für das Grand Hotel eine Katastrophe, für den Investor ein Hindernis und für die Anleger ein Ärgernis.
Der Ausbau Heiligendamms hing und hängt davon ab, wie gut das Hotel ausgelastet und wie hoch seine Einnahmen und vor allem Gewinne sind. Wollte man also die anderen Sanierungs- und Bauvorhaben umsetzen, musste man schnell reagieren. So forderten dann im Frühjahr 2004 nacheinander FUNDUS-Chef Jagdfeld und Hotelchef Klippstein die Einfriedung des Hotels. Den ersten Schritt machte das Hotel selbst, indem es weiße Holzzäune halb über die Wege stellte. Man durfte die Wege nicht versperren und so versuchte man es mit Hindernissen.


Natürlich brachte das nicht den gewünschten Erfolg und darum wurden dem Grand Hotel seitens der Stadt Zäune und Tore genehmigt. Dazu wurden Wege überschrieben und viele Verträge gemacht.
Nichts geschah gegen das Gesetz und nichts geschah ohne das Wissen der Stadtvertreter.


Das Jahr 2004 war aber auch das Wahljahr und vor der Tür standen neue Parteien, wie die Doberaner Mitte oder auch der von Mitgliedern der Bürgerinitiative "Öffentlichkeit in Heiligendamm" (Pro-Heiligendamm), der Bürgerinitiative "Für Erlebbarkeit in Heiligendamm" und dem Bürgerrat gegründete Bürgerbund, dem sich viele Architekten, Dienstleister und Heiligendamm-Liebhaber anschlossen.

Der Bürgerbund sprach sich gegen eine Abschottung Heiligendamms aus und damit den Bürgern 2004 aus dem Herzen. Er gewann drei Sitze in der Stadtvertreterversammlung und schickte die drei größten Widersacher (Stand 2009) des Projekts in das Rathaus.

In der Folgezeit wurde versucht, bereits gefasste Beschlüsse wieder rückgängig zu machen und neue Beschlüsse zu Gunsten der ECH zu blockieren, dem Projekt also zu schaden. Schnell erkannten viele Bürger die Absichten, die hinter dem Wahlversprechen des Bürgerbundes standen und bezogen öffentlich Stellung gegen die neue Partei und ihre Mitglieder. Das war der Beginn das Schwarz-Weiß-Denkens in Bad Doberan und Heiligendamm. Aus Kritikern wurden Gegner und aus Befürwortern Verfechter - egal, in welche Richtung man es dreht.

Dennoch konnte der Bürgerbund allein mit seinen drei Sitzen keine Mehrheitsentscheidungen erreichen.
Er versuchte daher fortan, andere Stadtvertreter von seinem Standpunkt zu überzeugen. Anno 2009 geht das sogar so weit, dass Bürgerbund-Stadtvertreter andere Stadtvertreter in öffentlichen Versammlungen unsachlich angreifen und als Stadtvertretervorsteher die geforderte Neutralität nicht oder nicht richtig anwenden. Aber das ist Politik der Zukunft, denn wir sind ja noch immer im Jahre 2004.

 

In diesem Jahr nun wurde ein Zaun mit Tor entlang der Kühlungsborner Straße zwischen Kurhaus und Orangerie errichtet, um den wichtigsten Versorgungsweg von Nicht-Hotelgästen freizuhalten. Außerdem wurde ein Tor neben dem Kurhaus errichtet. Vorgesehen war, dass die Besucherströme nur noch an einem Punkt durch das Hotelgelände gelangten: Über die Professor-Vogel-Straße. Alternativ gab es ja den Weg durch das Waldstück und die Seedeichstraße.

Das Tor am Kurhaus erwies sich allerdings als Eigentor, denn es behinderte die eigene Logistik. Zwar ging es offenbar über Fernbedienungen automatisch auf und zu aber das Ganze war gleich zweimal hintereinander nötig, denn die Elektromobile mussten an der Südfront des Kurhauses raus und an der Ostfront wieder hinein. Dabei passierten sie ein paar Meter Bürgersteig, der an dieser Stelle sehr schmal war und sich direkt in der scharfen Kurve der Kühlungsborner Straße befand. Wer ausweichen musste, tat dies mit einem Schritt auf die Straße. Ein Fahrfehler hätte zudem gereicht, ein Elektromobil seitwärts mitten in der Kurve auf die Straße zu legen.

Das war keine Lösung und da Stadt und Straßenverkehrsamt sowieso vor hatten, bei der nächsten Straßensanierung den Bürgersteig zwischen Severin-Palais und Orangerie rechtsseitig zu entfernen, wurde das Tor direkt am die Straße gesetzt, sodass die Logistik bequem dahinter verlaufen konnte - ohne Fußgänger und ohne Tore. Zugleich konnten auch die Hotelgäste zwischen Orangerie, Burg und Kinderclub auf der einen und Kurhaus, Grand Hotel und Severin-Palais auf der anderen Seite gelangen, ohne jedes Mal an Toren mit Chipkarte aus- und wieder einchecken oder die Arkaden zwischen Haus "Mecklenburg" und dem Kurhaus durchlaufen zu müssen. Immerhin liegt der SPA-Bereich im Severin-Palais und das hieß für die Hotelgäste bisher, sich am Strandabgang Nr. 2 (Waldrand Kleiner Wohld) auszuchecken und am Findling wieder einzuchecken.
Ein Hotel muss an seine Gäste denken.

Vom Eigentum her gehörte der Stadt die Promenade in der ganzen Länge und Breite.
Außerdem gehört ihr der Weg bis zum Tor am Findling - der Findling selbst befindet sich aber auf Hotelgrund.
Alles was zwischen Rasen-Nordkante Grand Hotel und Rasen-Nordkante Haus "Mecklenburg" liegt, gehörte beim Kauf der ECH.
Nicht weil sie es unbedingt haben wollte, sondern weil es ihr so verkauft werden musste, da es zum Grundstück dazu gehörte.

Die Stadt wollte aber den Seebrückenvorplatz gern erhalten und darum wurde im Grundlagenvertrag festgelegt, dass sie den Platz bekommt und die ECH dafür den westlichen Promenadenteil zwischen Seebrückenplatz-Westkante und Waldrand bekommt.

Schon deshalb hat die Stadt nie etwas gegen das geschlossene Tor am Kleinen Wohld getan:
Der Promenadenteil war eh für die ECH vorgesehen.


Zu klären war nur, was mit dem vom StAUN mit Fördermitteln gebauten Strandzugang Nr. 2 geschehen würde und darum blieb dieser Teil der Promenade zunächst für alle offen. Den Teil des Seebrückenvorplatzes jedoch überließ die ECH im Vertrauen auf die Vereinbarung dennoch der Stadt und setzte seinen Grenzstein am Zugang am Findling in Höhe der Ecke des Rasens vor dem Haus "Mecklenburg".

Zunächst standen alle Tore recht einsam auf freiem Felde, denn zwischen ihnen gab es Hecken aber keine Zäune. Genau diese forderte aber das Grand Hotel, da die Hecken vornehmlich ignoriert - also überstiegen wurden. Und da es genügend Lücken gab, wo man keine Hecken pflanzen konnte oder wollte.



Heiligendamms Infrastruktur auf dem Prüfstand - Das Expertenkolloquim.

Heiligendamm stand in der Saison 2003 vor dem Kollaps und das sollte sich 2004 nicht wiederholen.
Darum mussten Investor und Stadt handeln - und zwar sofort. Die ECH - mit der Materie vertraut - beantragte einige bedeutsame Änderungen in den Bebauungsplänen. Die Stadt hätte damit viel aus der Hand geben müssen. 2004 war jedoch auch das Superwahljahr und die bestehende Stadtvertreterversammlung wollte nicht so aussehen, als wenn sie Zugeständnisse machen würde.

Hinzu kam selbstverständlich der fachliche Aspekt: Stadtvertreter sind Menschen aus verschiedensten Berufsgruppen, von denen niemand irgendwelche fachlichen Voraussetzungen erwartet. Das bedingt aber auch, dass sie manchmal über Dinge abstimmen müssen, von denen sie keine Ahnung haben. Darum gibt es ein so genanntes "Werkstattverfahren", in dem die Stadt Experten und Planer einberuft, die den Stadtvertretern zum Beispiel die Bebauungspläne und die beantragten Änderungen erklären. So ein Verfahren kostet mehrere tausend Euro und die Stadtvertreter beschlossen, wenigstens den B-Plan B25 in dieses Werkstattverfahren zu schicken.

Nachdem das Werkstattverfahren abgeschlossen war, wussten die Stadtvertreter Bescheid und mussten über die Änderungen abstimmen. Den meisten Stadtvertreten war klar, dass die beabsichtigten Einschränkungen für die Bürger nicht vermittelbar sind. Andere wollten diese schwere Last der Verantwortung schlichtweg nicht auf sich nehmen, ohne die Wähler hinter sich zu wissen. Viele Stadtvertreter und auch Bürger brachten eigene Anregungen ein und die Diskussion drohte sich lange hinzuziehen. Man brauchte aber Taten und Ergebnisse bis zur Saison.

Also wurde ein Experten-Kolloquim organisiert. Die Stadt beauftragte die Planungsbüros ACM Architekten Kontor Magdeburg und PPP Petersen- Pörksen Partner / TGP Trüper Gondesen Partner aus Lübeck und die ECH beauftragte die zwo4 Bürogemeinschaft von Architekten und ARGE amj design GmbH / ISH Beratende Ingeneure GbR aus Rostock. Damit hatte jede Partei gleich viele Planungsbüros. Zahlreiche gelandene Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft waren geladen, Bürgerinitiativen, Vertreter verschiedenster Organisationen und interessierte Bürger waren anwesend und es wurde mehrere Tage lang präsentiert, diskutiert, nachgebessert, wieder präsentiert, und wieder diskutiert

Die Kernpunkte der Diskussion gibt die Ostsee-Zeitung am 11.03.2004 sehr treffend wieder:

 


In Heiligendamm badet ein Investor, der Edel-Hotellerie will, das aus, wovon M-V so gern lebt: Massentourismus.   Nils Jeske (29) aus dem Ort sagt: „Der Gaffer-Tourismus ist uns auch peinlich.“ Für das Hotel hat das massive wirtschaftliche Folgen, sagt Jagdfeld. 30 Prozent Umsatzeinbußen. Gut betuchte Gäste bleiben weg, weil ihnen Neugierige ins Schlafzimmer gucken. Deshalb will Jagdfeld den Hotel-Komplex abschirmen. Anwohner protestieren. „Das Seebad lebt von einer Vielzahl von Spaziermöglichkeiten. Das ist dann nicht mehr gegeben“, sagt Angela Schulze (44) aus Bad Doberan.

Jagdfeld dazu: „Außerhalb von Bad Doberan versteht man nicht, warum hier so kleinmütig gedacht wird. Eine Blamage für die Region.“ Der Grandseigneur der Immobilienbranche kann nicht verstehen, dass „jeder Meter Strand, Wald, Weg“ öffentlich sein muss.

Fundus will neue Lösungen. Sonst seien die nächsten Bauschritte mit Gesundheitskomplex, Hotel „Adlon am Meer“ und Demmler-Palais im Ortskern gefährdet. 200 Millionen Investitionen und weitere 250 Arbeitsplätze ebenso.

Aber es gibt Hoffnung. Eine Expertenkommission hat einen Kompromiss vorgelegt: Vom Ortskern zum Strand soll nur noch ein Weg durch den Hotelbereich führen. Von außen soll das Ensemble durch Rundwege erlebbar, aber innen nicht mehr begehbar sein. Reisebusse sollen vor dem Ort gestoppt, ein Shuttle-Verkehr eingerichtet werden.

Die Anwohner, von denen viele Verständnis für den Investor aufbringen, müssen einige Kröten schlucken. Angela Schulze spricht aus, was viele denken: „Es wird enormer Schaden für Bad Doberan entstehen, wenn die Wegerechte an den Investor abgegeben werden.“ Die Menschen befürchten, dass sie Stück für Stück aus dem Ort gedrängt werden.

Diese Ängste – nicht jeder teilt sie. Heinz Kopp (53), Chef des Einzelhandelsverbandes M-V, hat dafür gar kein Verständnis: „Sie sollten sich schämen, Ihre Kinder in den Westen zum Arbeiten zu schicken, während sich eine derartige Chance ergibt. Zugleich fliegen Sie nach Ägypten und fordern dort, was Sie hier den Gästen nicht gönnen. Ruhe!“


Am Ende musste die 13-köpfige Empfehlungskommission aus Stadtvertretern, Planern, Moderatoren, Verwaltungsangestellten und dem Bürgermeister eine Empfehlung aussprechen. 
 


Empfehlungen der Empfehlungskommission des Expertenkolloquims zur städtebaulichen Entwicklung Heiligendamms


Strandversorgung / neues Zentrum Ost

• Verzieh! auf Parkplatz mit ca. 200 Parkplätzen am Sedimentteich; dafür Schaffung einer neuen Parkplatzanlage mit höherer Kapazität am 
  Schießplatz und Unterbringung von öffentlichen Parkplätzen im Thalasso-Zentrum

• Öffentlicher Parkplatz zwischen Seedeichstraße und Golfteich mit der Zweckbestimmung für Behindertenparkplätze und Fahrradabstellflächen

• Verlagerung der Baufläche für Strandversorgung nach Osten

• Ausbildung der Baufläche In Dreiecks^ form in Anlehnung an Uferkante Golfteich

• Falls eine Fußgänger- / Radfahrerbrücke über die Seedeichstraße zwischen Strandversorgung und Düne technisch und finanziell darstellbar
  sein sollte, könnten die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür im Rahmen einer späteren B-Plan Änderung geschaffen werden.


Parkplätze am Schießstand / Wegeverbindung zum Strand

• Aufstellung eines B-Planes für einen öffentlichen Parkplatz mit ausreichender Kapazität für PKW- und Busstellplätze am Standort des
  Schießstandes, einschließlich der erforderlichen Infrastruktur (z. B. WC-Anlagen)

• Planung und Bau einer direkten Fuß- / Radwegeverbindung zwischen Parkplatz und Strandversorgung

• Prüfung, ob die Wegeführung und technische Ausbildung im Bereich des Golfteiches auch am Ufer oder / und z. B. durch Stege im Bereich
  der Wasserflächen erfolgen könnte


Öffentliche Wegeführung Molli-Bahnhof Strand / Seebrücke / Gedenkstein

• Ausweisung eines öffentlich gewidmeten Fußweges zwischen Kempinski Grand Hotel / Severinpalais und den Kolonnaden (geplantes Hotel
  Adlon am Meer) mit direkter Anbindung an die vorhandenen Wege im Kurwald und Weiterführung an den Molli-Bahnhof

• Sicherstellung eines öffentlich gewidmeten Zugangs zwischen dem Kempinski Grand Hotel und Haus Perle bis zum Gedenkstein in
  Fortsetzung des vorgenannten Fußweges von Süden bis zur Seepromenade

- Hotelbereichsberuhigung (Kempinski Grand Hotel und Adlon) durch Einziehung der Widmung der Prof.-Dr. -Vogel-Straße und
  entsprechende Gestaltung des Kreuzungspunktes des neuen Weges zwischen den Hotelanlagen und dem Kfz-Verkehr auf der Trasse der
  Prof.-Dr.-Vogel-Straße


Neubauten Ressort-Hotel entlang
Prof-Dr.-Vogel-Str.

• keine Vornahme von Änderungen am B-Planvorentwurf Nr. 25
 

Standort und LageThaLasso-Zentrum

• Verschwenkung der Seedeichstraße auf das technisch größtmögliche Maß nach Osten einschließlich einer geänderten Kurvenausbildung der
  Straße

■ Damit verbunden Verlegung des Sedimentteiches nach Osten unter Verzicht der Parkfläche P3

- Verschiebung des Thalasso-Zentrums um das größtmögliche Maß nach Osten an die verlegte Seedeichstraße, um einen deutlicheren
  Abstand zwischen der denkmalgeschützten Bebauung und der Thaiasso-Bebauung herzustellen

■ Überprüfung einer Drehung des Thalasso-Zentrums von 18" auf 15" um zusätzlichen Absland zur historischen Bebauung zu gewinnen.

• Unterbringung von öffentlichen Parkplätzen in der Tiefgarage desThalasso-Zenlrums als Teilersatz für wegfallende Parkplätze am
  Sedimentteich wird empfohlen
 

Standorte Ayurveda-Zentrum und Klinik für plastische Chirurgie

• keine Vornahme von Änderungen am B-Planvorentwurf Nr. 26

 


Nachdem nun das Expertenkolloquim beendet war, flachte die Diskussion ab. Das Grand Hotel durfte sich einfrieden und begann prompt damit. Zusätzlich zur bereits eingezäunten Perlenkette kam nun ein Zaun  hinzu, der vom Tor am Findling zum Grenzstein und weiter zum Tor am Haus "Mecklenburg" verlief.

Ein weiterer Zaun wurde vom Tor am Findling bis zur Höhe des Grenzsteines und Richtung Osten bis zur Nordost-Ecke des Grand Hotel (Haupthaus) errichtet. Das Severin-Palais inklusive Liegewiese wurde ganz umzäunt und die Kolonnaden dabei ausgespart.

Im Westen wurde ein Zaun vom Haus "Mecklenburg" bis an das Tor am Waldrand errichtet.  Die Bungalowsiedlung im Großen Wohld wich wie geplant dem Großparkplatz und dieser wurde mit einem Weg nach Norden und drei Westen an die Seedeichstraße und mit zwei Wegen nach Süden an die Kühlungsborner Straße für Fußgänger und Radfahrer angebunden. Autos kommen und verlassen den Parkplatz über die Kühlungsborner Straße.

Im Kleinen Wohld wurde das Alexandrinencottage mit einem Reisigwall umgeben. Kritiker empfanden dies als weitere Aussperrung. Jedoch verhindert dieser Wall auch das Eindringen von Wild, welches nun einmal auch im Kleinen Wohld lebt, in das Hotelgelände. Der Wall hinderte wie auch die Holzzäune Neugierige nicht daran, zu klettern.


Nun gab es also nur noch die Professor-Dr.-Vogel-Straße als Nord-Süd-Verbindung durch das Ensemble, sowie den Weg durch den umrandeten Wald (heute Kurwald) und entlang der Seedeichstraße. Das war eine Lösung, die das Grand Hotel resp. der Investor hinnehmen musste, die aber alles andere als tauglich war.

Denn es wurden nicht weniger Gäste und nun strömten diese Massen eben auf der ganzen Breite über die Straße, die zugleich Einfahrt und Eingang für das Grand Hotel darstellte, Lieferstraße für das Severin-Palais war und das Severin-Palais mit dem Rest des Grand Hotels verband. Im Severin-Palais befinden sich in erster Linie Zimmer.

Das bedeutet, dass wer dort wohnt, zum Essen ins Kurhaus und in der Freizeit in die Bars des Ensembles geht. Dazu muss er die Prof.-Dr.-Vogel-Straße überqueren. Anders herum beherbergt das Severin-Palais auch den SPA-Bereich mit Schwimmbad, Saunen, Bädern, Anwendungsräumen, Ruhekabinetten, dem Fitnessbereich und der Dachterrasse. Damit ist das Severin-Palais natürlich Ziel von allen Gästen aller Häuser und das mitunter mehrmals am Tag durch dieselben Gäste.

Diese Gäste nun mussten durch die Touristenströme, die Hotellogistik und den An- und Abreiseverkehr hindurch zu ihrem Ziel, um dann - sehr oft im Bademantel - auf dem Rückweg dieselbe Tortur noch einmal durchzumachen. Immer begutachtet von teils erstaunt und teils neugierig blickenden Nicht-Hotelgästen.


Man kann es den Leuten nicht verdenken, dass sie erstaunt über wohlhabende Leute im Bademantel waren, dass sie einen Blick wagen, ob diese Leute denn nun eine schönere Haut und einen besser geformten Körper haben oder ob da Prominente bei sind. Während die Investoren die "gaffenden" Touristen monierten, wiesen Kritiker darauf hin, dass dies eine Beleidigung für die Tagesgäste sei. Auch heute noch (2009) glauben einige Leute, dass der "Gaffer-Tourismus" nur künstlich hoch gespielt wurde. Meistens sind das keine Einheimischen. Die Einheimnischen übrigens stellten für Jagdfeld kein Problem dar:

 


Jagdfeld:
Sicher macht man bei einer so einzigartigen Projektentwicklung auch Fehler. Aber die Unzufriedenheit der Gäste ist davon unabhängig. Ich hatte geglaubt, dass man die Hotelanlage mit einem völlig offenen Gastbereich erfolgreich führen könnte. Aber im Sommer haben täglich bis zu 5000 Besucher – davon übrigens höchstens zwei Prozent aus Doberan und Umgebung–im Ort Station gemacht. 5000 Ausflügler täglich hinterlassen Spuren, die nicht zu verkraften sind.

OZ: Sie wollen also doch ein geschlossenes Areal, wie es von Kritikern befürchtet wird?

Jagdfeld: Das Gesamtensemble Heiligendamm soll für jedermann künftig erlebbar bleiben–von der Promenade aus, von der Hauptstraße aus. Aber eben nicht jedes einzelne Haus der Hotel-Anlage. Nicht jedes Gästezimmer muss durch die Scheibe von Neugierigen besichtigt werden können. Da muss sich etwas ändern. Wir brauchen Einfriedungen.
 


Die Stadt stellte Wegweiser auf, welche die Seebrücke und den Strand nach Osten hin ausschilderten. Ortsunkundige Touristen liefen daher vom Molli-Bahnhof kommend durch den heutigen Kurwald zur Seedeichstraße und von dort über die Promenade zur Seebrücke. Ein Wegweiser stand an der Wegkreuzung im heutigen Kurwald und ein weiterer an der Südwand des Hauses "Schwan".

Da die Seebrücke von hier aus nicht zu sehen war, liefen viele Leute tatsächlich den Umweg nach Osten.
Die Stadt hatte aber noch eine andere Überlegung: Im Osten standen die beiden einzigen Kurtaxenautomaten, weil sich dort auch die beiden Strandzugänge befinden. Bei der Aufstellung schon wissend, dass sowieso bald alles von Osten her auf die Promenade und zum Strand muss, wurden westlich des Strandzugangs gar keine Automaten aufgestellt.

Die Umleitung war also kein Gefallen an die ECH, sondern eine wirtschaftliche Überlegung: Die Leute sollten am Kurtaxenautomat vorbei. Die Stadt hätte auch von sich aus die Professor-Vogel-Straße sperren können aber dazu bedurfte es einer Entwidmung und da die Straße sowieso an die ECH gehen sollte, musste man sie ja nicht zweimal umwidmen.

Nach der Wahl hatten sich die Machtverhältnisse in der Stadtvertreterversammlung geädert. Der Bürgerbund zog mit drei Kandidaten ein und als erste Handlung versuchten Bürgerbund und FDP-Fraktion (hier besonders Harry Klink), den Weg durch den Küstenwald wieder freizukämpfen. Dafür wollten sie zunächst bereits gemachte Beschlüsse zurück nehmen lassen, erkannten aber, dass ihnen dafür die Mehrheit fehlte. Das Thema tauchte jedoch immer wieder auf und wurde durch Äußerungen von Bürgerbund-Vertretern, Mitgliedern der Bürgerinitiative (Pro-Heiligendamm) und Harry Klink ständig am Leben erhalten.

Nach der Stadtvertreterversammlung wurde auch der Bürgermeister neu gewählt.
Hartmut Polzin gewann die Wahl ein zweites Mal und blieb im Amt.

Kurz darauf kam es zu Verkäufen städtischer Grundstücke an das Hotel. 875 Quadratmeter Grundstück, darunter auch der Rest der vorhin angesprochenen westlichen Promenade, gingen per Erbpacht über 99 Jahre mit 8% Erbbauzins an die Hotelgesellschaft. Weiterhin sollten 600 Quadratmeter Grundstück entlang der Südseite der Professor-Vogel-Straße an die ECH gehen. Das war alles schon seit 1997 so beschlossen worden, wurde aber erst Ende 2004 umgesetzt.

Kritiker brachten jedoch Polzins Wiederwahl damit in Verbindung, was natürlich jeglicher Grundlage entbehrte.

Für die Wegführungen waren diese beiden Veräußerungen von größter Bedeutung: Im Westen wird die Promenade an der Ecke des Hauses "Mecklenburg" enden und der Weg vom Bahnhof zur Perlenkette wird am Grundstück der ECH in eine Sackgasse führen. Darum wurde ein Stichweg in Erwägung gezogen, der aber stets nur diskutiert und nie beschlossen wurde. Dieser Stichweg würde das Hotelgelände zerschneiden, denn die beiden Neubauten "Ensemble Palais" und "Ensemble Villa" hinter der Perlenkette gehören zur damals als "Adlon am Meer" geplanten Residenz des Hotels. Die Perlenkette sollte anno 2004 noch als Hotel betrieben werden. Wenn das Hotel sich einfrieden darf, rechnete man sich eine bessere Auslastung und erste Gewinne aus.

Das Jahr 2004 endet mit der Meldung, dass der G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm stattfinden wird.


Wahlversprechen vs. Wirtschaftsinteressen.

Im Jahre 2005 wurde die Bungalowsiedlung im Großen Wohld abgerissen und ein Parkplatz errichtet.
Bürgerbund-Mitglied Heike Ohde forderte die Anlegung weiterer Wege Richtung Westen mit Anbindung an den heutigen Kurwald, was einerseits den Wald zerschnitten hätte und andererseits die Besucher wieder nach Westen gelotst hätte.

Die Stadt wollte jedoch, dass die Gäste nach Norden laufen und von dort aus auf die Promenade. Die Stadt verdient an Gästen, die an den Strand gehen, denn dafür müssen sie Kurtaxe bezahlen. Darum hatte die Stadt kein großes Interesse daran, die Touristen nach Westen oder gar Süden zu lenken, sondern bot ihnen konsequent Wege nach Norden an.


Im Mai 2005 versuchte dann FDP-Mann Harry Klink im Alleingang, was ihm ein Jahr zuvor auf Grund fehlender Mehrheiten verwehrt blieb. Er reichte Klage für eine Öffnung des Wanderweges durch den Kleinen Wohld ein. Die Stadtvertreter hatten am 10.06.2004 per Beschluss die Schließung des Zugangs von Westen aus legimitiert, da der einst öffentlich nutzbare Pfad über das Grundstück der ECH verläuft. Nach Klinks Auffassung war dieser Weg seit Menschengedenken öffentlich und wurde nie entwidmet.

Bürgermeister Polzin widersprach mit der Aussage, dass es sich um einen betriebsinternen Weg des Sanatoriums handelte, der lediglich der Öffentlichkeit zugänglich war. Forstamtsleiter Runze wies darauf hin, dass das, was hinter dem Alexandrinencottage als Weg genutzt wurde, kein offizieller Weg, sondern ein Trampelpfad ist. Dieser Pfad findet sich in keiner Karte und sei sie noch so alt.

Die ECH hatte Pläne, den Steg über das Packwerk auf 800 Meter zu verlängern und ihn behindertengerecht an den Strandabgang anzubinden. Der Streit innerhalb der Stadtvertretung um diesen Weg sorgte aber für Planungsunsicherheiten, sodass die ECH die Pläne nicht umsetzen konnte.

Im Juni 2005 wurde dann auch der 2004 beschlossene B-Plan 25 öffentlich, sodass die Sanierung der Perlenkette vorbereitet werden konnte. Zum B25 gehören auch Thalassozentrum, Ensemble-Palais, Ensemble-Villa und die öffentliche Strandversorgung. Nun war der Weg frei für eine Bündelung der Angebote für die Touristen Heiligendamms. Bestandteil des nun gültigen B-Planes ist auch eine Planstraße, welche von der Einfahrt zum Golfteich zwischen Café am Golfhaus und Villa "Eikboom bis zum Haus "Bischofsstab" reicht, wo sie eine Wendeschleife bildet. An dieser Straße ist ein öffentlicher Fußweg geplant, der auf die Promenade führt. Damit würde die Professor-Vogel-Straße für den öffentlichen Fußgängerverkehr möglicherweise wegfallen.

Nun hatten wir in 2005 also die Situation, dass es Zäune gab, von denen die meisten eher Provisorien waren, weil die Stadtväter sie billigten aber nicht genehmigt hatten. Das Hotel brauchte aber Planungssicherheit und erinnerte daher erneut an die Situation.

Ein Artikel der Ostsee-Zeitung gibt die Sache gut wieder:

 


OSTSEE-ZEITUNG.DE | Mittwoch, 16. November 2005 | Titelseite
 
 
Zäune in weißer Stadt sollen bleiben
 

 Eineinhalb Jahre ruhte der Streit um das Wegerecht in Heiligendamm. Jetzt will die Stadt die Durchgänge endgültig sperren.
 
 Bad Doberan Es ist eine brisante Beschlussvorlage, die Bad Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin und Amtsleiter Norbert Sass in der nächsten Stadtvertreter-Versammlung am 5. Dezember verabschieden lassen wollen. Der Inhalt weckt einen Streit, der nach außen hin eineinhalb Jahre ruhte – den um die Öffentlichkeit der Wege in Heiligendamm.
 
 Inhalt des Papiers: Es sollen Straßen, Wege, Plätze in der weißen Stadt eingezogen oder gewidmet werden. Damit blieben die bereits im Frühjahr 2004 mit Zäunen versehenen Wege rund um das Kempinski Grand Hotel endgültig gesperrt. Zudem wäre die Prof.-Dr.-Vogel-Straße künftig für die Allgemeinheit tabu. Die Bürgerinitiative »Für Öffentlichkeit in Heiligendamm« sieht darin eine Bestätigung dessen, was sie »von Anfang an« vermutete: »Heiligendamm soll dicht gemacht werden«, sagt Heike Ohde, die sowohl in der Bürgerinitiative mitwirkt als auch Fraktionsvorsitzende des Bürgerbunds in der Stadtvertretung ist. In der Beschlussvorlage sehen sie und ihr Mitstreiter Hannes Meyer ein Eingeständnis der Verwaltung. »Im Prinzip gibt der Bürgermeister zu, dass die Wege öffentlich sind«, sagt Ohde. Diese hätten damit niemals gesperrt werden dürfen und müssten sofort wieder geöffnet werden. »Der Bürgermeister beugt das Recht«, meint Hannes Meyer.
 
 Verwaltungschef Hartmut Polzin sieht das anders. Die gesperrten Wege seien ursprünglich Wirtschaftswege für das ehemalige Sanatorium in Heiligendamm gewesen, die entweder nicht öffentlich oder betrieblich-öffentlich waren. Ob Bürgerinitiative oder Polzin Recht haben, prüft derzeit nach einer Klage von fünf Bad Doberanern das Verwaltungsgericht Schwerin.
 Mit einer Verabschiedung der jetzt vorliegenden Beschlussvorlage könnte sich der Fall jedoch von selbst lösen. Polzin sagt, ihm gehe es darum, »abschließende Klarheit zu schaffen« und die Rechtsunsicherheit zu beenden. Eine weitere Beschlussvorlage geht indes noch ein Stück weiter. Mit ihr sollen die so genannten Flächen der Bebauungspläne 25 und 26 zu einem Kurgebiet zusammengefasst werden. Wird dies von den Stadtvertretern beschlossen, wäre das gesamte klassizistische Ensemble nur noch für Kurgäste, Patienten der Median-Klinik sowie Hotel- und Restaurantgäste zugänglich.
 
 Laut einem Sprecher der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm, der an der Ausarbeitung der neuen Pläne beteiligt war, gehe es im Ganzen darum, Ruhe in die weiße Stadt zu bekommen. »So wie Heiligendamm heute ist, geht es unter«, meint  er. Ob die Sperrung der Wege dem Hotel genutzt hat, ließ er offen. Dass das Kempinski Heiligendamm derzeit rote Zahlen schreibe, bezeichnete er als offenes Geheimnis.
 
 THOMAS PULT
 


Im nächsten Schritt sollte also ein Kurgebiet errichtet werden, welches vom Baus "Bischofsstab" zum Strandabgang "Liegnitzsteg" und von der Kühlungsborner Straße bis an die Promenadensüdkanten reichen, die Median-Klinik einschließen und den geplanten Kurwald aussparen sollte. Das war kein Entgegenkommen für das Grand Hotel oder den Investor, sondern eine praktische Überlegung: Kurgebiet kann auch Kurtaxengebiet sein und man hätte mit nur einen Beschluss eine Gesamtlösung, die Tagesgäste von Hotelgästen und Kurpatienten trennt. Dem Hotel kam das auf keinen Fall entgegen: Es müsste dann Kurpatienten auf das Hotelgelände lassen, was bisher nur für Patienten mit außergewöhnlich schweren Einschränkungen galt.

Im November 2005 war dann ein Höhepunkt erreicht, an dem die Bürgerinitiative (Pro Heiligendamm) eine Protestaktion plante. Dass Bürger gegen Kraftwerke, Mastanlagen und Biogasanlagen protestieren, ist nicht ungewöhnlich. Hier aber protestierten sie gegen die Einfriedung eines Hotels und das war allemal ungewöhnlich.

Bürgermeister Polzin musste die Pläne zum Kurgebiet den Bürgern erklären.
Er verwies auf den Status als Seeheilbad, der bis 2009 läuft und den es unbedingt zu erhalten gilt.
Ein Wegfall dieses Status würde einen enormen Imageverlust aber auch geldwerte Verluste, denn von Seeheilbadstatus sind auch die Nachfragen der Kureinrichtungen abhängig - hier besonders die der Median-Klinik und des Moorbades. Die Ausschüsse stimmten für das geschlossene Kurgebiet aber die Stadtvertreter votierten für ein Kurgebiet mit offenen Wegen.

Klar war jedoch nicht, ob das Hotelgelände mit in das Kurgebiet einbezogen werden würde. Festgelegt wurde lediglich ein Stichweg durch das Hotelgelände zwischen Molli-Bahnhof und Seebrücke. Jedoch wurde dieser Stichweg in keinem Vertrag und in keinem Bebauungsplan festgeschrieben, sodass er nur ein Gedankenkonstrukt blieb, der vielleicht dazu dienen sollte, die Gemüter zu beruhigen. Der Bürgerbund regte einen Bürgerentscheid an aber da das Ergebnis vorhersehbar war und das Problem nicht löste, sondern die Investitionen gefährden würde, lehnten die Stadtvertreter dies ab.

Man kann solche Probleme nicht durch Meinungsmehrheiten lösen, sondern nur durch gut ausgearbeitete Konzepte. Dazu hätte es eigentlich wieder der Mithilfe von Profis bedurft. Das letzte Wort zum Kurgebiet hatten die Stadtvertreter und diese lehnten es ab. FUNDUS kündigte darauf hin an, die Lage analysieren zu wollen. Damit schloss das Jahr. Praktisch änderte sich 2005 nichts in Heiligendamm: Offene Wege blieben offen und geschlossene Wege blieben geschlossen.


Kompromisse gegen die Hotel-Pleite.

Das Jahr 2006 begann mit Beschlüssen, die eine Veränderung der Wegesituation mit sich bringen konnten.
Die ein Jahr zuvor zusammen gelegten Bebauungspläne 25 und 26 wurden aus praktischen und finanziellen Gründen wieder auseinander genommen, wobei es Schnittmengen bei Fragen geben könnte, die beide Pläne betreffen. Wege sind solche Dinge, die es ja in beiden Plänen gibt und wo Pläne wieder verworfen werden könnten. Noch im März erlangten die beiden Pläne nebeneinander Rechtskraft und der Handwerker- und Gewerbeverein (HGV) stellte sich mit Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit hinter die Pläne und den Verzicht auf einige Wege. Als Unternehmer wissen die Mitglieder dieses in der Stadtvertretung sitzenden Vereins um die wirtschaftlichen Aspekte und verstehen die Probleme des Grand Hotels. Damit war der Verein auch einer der ersten Befürworter der "Sperrungen" genannten Infrastruktur-Neuordnung.

Ebenfalls in 2006 wurden die Beschlüsse, die beiden B-Pläne getrennt voneinander zu behandeln, zurück in die Ausschüsse verwiesen. Dadurch konnte auch 2006 zunächst nichts an den Wegen und Zäunen geändert werden.

Dafür kamen für ein paar Tage ganz andere Zäune nach Heiligendamm. Vom 11. bis 14. Juli 2006 verweilte US-Präsident George W. Bush in Heiligendamm und sorgte für einen Vorgeschmack auf den G8-Gipfel im Folgejahr. Für Heiligendamm bedeutete dies eine wahre Flut an Zäunen und eine totale Sperrung. Das Kempinski Grand Hotel wurde hermetisch abgeriegelt. Entlang der Kühlungsborner Straße verlief ein Zaun, der den heutigen Kurwald, die Median-Klinik, die Cottages und die Promenade einzäunte und auch auf dem Strand bis zum Haus "Bischofsstab" reichte. Der Durchfahrtsverkehr wurde gesperrt und die Anlieger wurden kontrolliert. Die Zäune verschwanden aber alle noch im Juli wieder.

Im Frühjahr 2006 beschlossen die Stadtvertreter schließlich die Einziehung von öffentlichen Wegeflächen.
Heike Ohde vom Bürgerbund versuchte zu erreichen, dass die Prof.-Dr.-Vogel-Straße erst mit Beginn der Sanierung der Villen gesperrt wird und dass der westliche Teil Zugang zum Kleinen Wohld werden sollte. Da die Sperrung aber Sache des neuen Eigentümers und der Zugang zum Kleinen Wohld über ein Privatgrundstück nicht erzwingbar ist, lehnten die Stadtvertreter dies ab. Lediglich einen Stichweg vom Bahnhof durch den geplanten Kurwald zur Professor-Vogel-Straße wurde eingeplant. Die Befürchtungen des Bürgerbundes bewahrheiteten sich hier zunächst nicht: Der Stichweg sollte sogar einen Platz im Grundlagenvertrag finden.


Die ersten infrastrukturellen Veränderungen zeigten sich bis Sommer 2006. Mit der Hilfe von Bund und Land konnte die Stadt die Straßensanierung für den G8-Gipfel voran treiben. 1.500 qm Waldrand des Großen Wohld wichen dem Neubau der Seedeichstraße. Die Professor-Vogel-Straße erhielt eine Baustraße, die am Café im Golfhaus beginnt und neben dem Prinzessin-von-Reuß-Palais auf der bisherigen Vogel-Straße endet. Diese Baustraße zeichnet die neue Form der Professor-Vogel-Straße, ist aber bis zum Bau durch Schranken versperrt. Zugleich wurde auch mit der Sanierung der Kühlungsborner Straße, sowie vieler Straßen im ganzen Kreisgebiet begonnen. Der Autobahnzubringer und die Verbindungen nach Rostock und Warnemünde wurden neu asphaltiert und innerstädtische Straßen wurden neu gepflastert. Ein regelrechter Sanierungsboom setzte ein und sicherte Lohn und Brot für tausende Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.

Im Juni 2006 wurde dann ein Verfahren beschlossen, um einen Teil des östlichen Kleinen Wohld zu entwidmen und in eine private Grünfläche mit der Bestimmung "Hotelpark" umzuwandeln. Damit besiegelten die Stadtvertreter die Schließung dieses Bereiches für die Öffentlichkeit.

Info: Der Hotelpark ist zwar nicht öffentlich aber wenn Sie eine Tasse Kaffee im Grand Hotel trinken, sind Sie Gast des Hotels und dürfen auch durch den Hotelpark spazieren. Sie können zu jeder Zeit am Haupteingang in der Kühlungsborner Straße klingeln und wenn Sie hinaus wollen, reicht oft ein Wink zum Personal. In der Hauptsaison zu den Restaurant- und Café-Öffnungszeiten gewährt Ihnen ein Angestellter am Findling Einlass.

Mit dem Hotelpark verhält es sich also ähnlich, wie mit dem IGA-Park in Rostock: Dieser ist auch umzäunt und Sie können dort nur spazieren, wenn Sie Eintritt bezahlen. Mit dem Unterschied, dass das Grand Hotel keinen Eintritt verlangt und auch nicht prüfen kann, ob Sie wirklich einen Kaffee trinken oder nur über das Gelände laufen möchten. Als Abkürzung über das Hotelgelände zu laufen, ist jedoch nicht möglich. Sie kommen ohne Hotel-Chipkarte nicht wieder hinaus.

Dem Votum für den Hotelpark ging ein von der Verwaltung angestrebter Verzicht auf das zuvor beschlossene Kurgebiet voraus.
Die Verwaltung hatte die Schwierigkeiten eines solchen Gebietes rechtzeitig erkannt.

Im Juli 2006 durfte dann das Grand Hotel die Professor-Vogel-Straße zwischen dem Grand Hotel und dem Severin-Palais offiziell sperren. Um zu verhindern, dass die Leute von Süden her die Kühlungsborner Straße überqueren und dann in einer Sackgasse stehen, stellte die ECH einen mobilen Zaun entlang der Kurve der Kühlungsborner Straße auf. Den musste sie jedoch gleich wieder entfernen, da er sich auf öffentlichem Grund befand. Im Sommer 2006 wurde zudem die Promenade neu gemacht und mit Lampen versehen und die Strandabgänge modernisiert.

Am 19. Juli 2006 sprach Anno August Jagdfeld Überlegungen zu einem dauerhaften Zaun um das Grand Hotel aus. Die Zaunkonstruktion aus Bauzäunen, Natodrahtrollen, Textilfasermatten und Stacheldrahtzäunen zum Bush-Besuch war nicht schön, nicht praktisch und müsste für jeden Staatsgast neu errichtet werden. Jagdfeld favorisierte einem festen Zaun wie bei den englischen Palästen, der Tore und Durchlässe hat, die nur bei hohen Besuchen geschlossen werden.


Das brachte die Diskussion natürlich wieder zum Kochen und diesmal war es der Norddeutsche Einzelhandelsverband, der dem Hotel den Rücken stärkte und sich enttäuscht zeigt, dass nicht alles getan wird, um der Entwicklung Heiligendamms die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Das Problem war jedoch, dass kaum ein Entscheidungsträger glaubte, dass die Tagestouristen dem Hotel schaden.
Die ECH, FUNDUS und das Grand Hotel betonten und versicherten dies stets, belegten es aber nie mit handfesten Beweisen. Als sich die ECH dessen bewusst wurde, beauftragte sie den Bad Doberaner Professor und Direktor des Instituts für Marketing und Dienstleistungsforschung an der Universität Rostock, Prof. Dr. Martin Behnkenstein, mit der Anfertigung eines Gutachtens zu diesem Thema. Sein Fazit:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 04. November 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Gutachter fordert Aus für Publikumsverkehr
 

Um die Hotelanlagen in Heiligendamm erfolgreich entwickeln zu können, wird in einem Gutachten u. a. die Sperrung von Wegen gefordert.

Heiligendamm Das Gelände des Grand Hotels in Heiligendamm darf nicht länger öffentlich zugänglich sein. Das Hotel erhält einen eigenen Strandabschnitt westlich der Seebrücke.
Auch für den Besuch der Promenade wird künftig die Kurtaxe fällig. Genauer wird hingeguckt, ob auch bezahlt wurde.
Diese Voraussetzungen werden in einem Gutachten der Universität Rostock für eine erfolgreiche Fortführung des Hotels sowie der Umsetzung der zahlreichen weiteren Vorhaben wie Thalasso- und Ayurvedazentren genannt.

Professor Dr. Martin Benkenstein, Direktor des Instituts für Marketing und Dienstleistungsforschung schlussfolgert, dass bei Umsetzung dieser Maßnahmen ein Anstieg der Gästezahlen im Grand Hotel zu erwarten sei. Dies werde in der Folge dazu führen, dass weitere Investitionen erfolgten, so der Autor der von der Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) in Auftrag gegebenen Studie. Dies wiederum führe zu weiter steigenden Gästezahlen, sodass dann auch die Investitionen ins Gut Vorder Bollhagen, das Golfodrom sowie in die Gartenstadt tatsächlich realisiert werden könnten.

Beim Beibehalten der aktuellen Entwicklungen, so das zweite entworfene Szenario, sei mit sinkenden Gästezahlen zu rechnen, so der Gutachter. „Ohne wirtschaftlichen Erfolg des Grand Hotels wird die ECH keine Banken oder Investoren finden, die in Folgeprojekte investieren“, heißt es in dem Gutachten. Stagnierende oder rückläufige Gästezahlen würden die jetzt schon negative wirtschaftliche Situation des Hotels weiter verschlechtern. So sehr, dass die Betreibergesellschaft das Haus schließen werde – mit dramatischen Folgen für die gesamte Region: Arbeitsplatzverlust, geringere Steuereinnahmen und Imageverlust, ausbleibende Entwicklung des Doberaner Stadtzentrums, um nur einige zu nennen.

Besondere Bedeutung misst der Autor der Geschlossenheit der Anlage zu. Öffentliche Wege durch die Anlage müssen geschlossen oder gar nicht erst gebaut werden. „Weder darf der geplante Stichweg tatsächlich gebaut werden noch darf die Prof.-Dr.-Vogel-Straße für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die „klare und uneingeschränkte Schließung der Hotelanlagen betrifft sowohl den Tagestouristen als auch die Bewohner Bad Doberans und die Patienten der Median-Klinik“. Lediglich für bestimmte Patienten, etwa mit Gehbehinderung, solle eine Ausnahmeregelung für einen direkten Strandzugang getroffen werden.

In zahlreichen Gesprächsprotokollen im Anhang wird immer wieder auf mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der ECH verwiesen, die letztendlich die Stadt für Probleme beim Betrieb des Hotels verantwortlich machen würde.

TIMO RICHTER
 


Der letzte Satz muss kurz kommentiert werden: Die ECH bat förmlich und legitim um Genehmigungen und Verfahren zur Entwidmung von öffentlichen Wegen und zum Errichten von Zäunen. Wenn jemand einen Antrag stellt und ein anderer ihn bearbeitet, kann man nicht von "Kooperation" sprechen. Das Verhältnis zwischen Erwerbslosen und Arbeitsagenturen betrachtet man ja auch nicht als "Kooperation" oder gar "Partnerschaft". Die Stadt kann dem Antrag zustimmen oder ihn ablehnen aber sie kann nicht mit der ECH verhandeln. Wenn die Stadt also ablehnt, tut sie das wovon die ECH überzeugt ist, dass es dem Betrieb des Hotels schadet, was sie mit dem Gutachten beweisen möchte. Hier auch noch einmal das Interview der "Zukunft Heiligendamm" mit Prof. Dr. Behnkenstein:

 

Die ganze Region profitiert

VON THOMAS BOLTE


➔ INTERVIEW Prof. Dr. Martin Benkenstein über die wirtschaftliche Bedeutung des Grand Hotels – und was die weiteren ECH-Projekte der Region bringen.
 

Zukunft Heiligendamm:
Herr Professor Benkenstein, Sie haben die wirtschaftliche Bedeutung des Grand Hotels Heiligendamm (GHH) unter die Lupe genommen. Welche handfesten Vorteile ergeben sich durch das Resort für Heiligendamm, Bad Doberan und die ganze Region?
 

Benkenstein:
Der wirtschaftliche Nutzen ist groß. An erster Stelle bietet das GHH mehr als 300 Angestellten einen Arbeitsplatz.
Über 90 Prozent der Angestellten kommen aus dem näheren Umland, also dem Landkreis Bad Doberan und aus der Hansestadt Rostock.
Somit ist das GHH einer der größten touristischen Arbeitgeber in der Region. Neben diesen Arbeitsplatzeffekten sind aber auch Steuereffekte zu beachten. Die durch das Hotel erwirtschafteten Umsatz- und Lohnsteueraufkommen kommen zunächst dem Land Mecklenburg-Vorpommern zugute, fließen aber – zumindest teilweise – über Verteilungsschlüssel wieder zurück in die Gemeindekassen.
Von der zu zahlenden Grundsteuer und der erhobenen Kurabgabe profitiert die Stadt Bad Doberan hingegen direkt.


Zukunft Heiligendamm:
Seit einigen Jahren stockt der Ausbau in Heiligendamm. Welche Folgen hätte eine Schließung der Hotelanlage?


Benkenstein:
Ein Scheitern des Projekts hätte schwerwiegende Folgen für die Region und das gesamte Land Mecklenburg-Vorpommern.
Die von mir angesprochenen Arbeitsplätze würden wegfallen, nicht unerhebliche Steuereinnahmen würden fehlen.
Und schließlich würden natürlich auch Aufträge des Hotels an Unternehmen und Handwerkern in der Region wegbrechen.
Mindestens genauso schädlich wäre der Imageschaden. Denn die Hotelschließung wäre ein Signal, dass der Fünf-Sterne-Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern keine Zukunft hat. Mit fatalen Folgen: Weitere Investitionen von Wettbewerbern würden ausbleiben und zahlungskräftige Touristen woanders urlauben.
 

„In der Spitze sind bis zu 1000 Beschäftigungsverhältnisse in Heiligendamm möglich.“


Zukunft Heiligendamm:

Umgekehrt gefragt: Welche Vorteile ergeben sich für die Region, wenn die ECH ihre geplanten Projekte realisiert?

Benkenstein:
Vom Erfolg des gesamten Projekts würden die Region und Mecklenburg-Vorpommern als Tourismusland profitieren. Durch die Positionierung als Thalasso- und Ayurveda-Zentrum könnte Heiligendamm den Anspruch Mecklenburg-Vorpommerns als künftiges Gesundheitsland Nummer eins mit Leben füllen. Mit den weiteren Investitionsvorhaben wie etwa dem Demmler-Palais, dem Demmler-Park, der Klinik für plastische Chirurgie oder dem Konferenzzentrum entstünden – über Jahre – rund 300 Arbeitsplätze im Bau- und Bauausbaugewerbe. Nach Fertigstellung des Gesamtprojekts wären in der Spitze bis zu 1000 Beschäftigungsverhältnisse in Heiligendamm möglich.
 

Zukunft Heiligendamm:
Was bedeutet das konkret für die Stadt Bad Doberan?


Benkenstein:
Neben den direkt in den verschiedenen Einrichtungen geschaffenen Arbeits- und Ausbildungsplätzen
würden durch die wachsenden Gästezahlen auch bei den Zulieferern sowie im Gastronomie- und Gewerbebereich neue Arbeitsplätze entstehen. Durch all diese Entwicklungen würden sich positive Effekte bei allen Steuerarten, bei den Pachteinnahmen und den Kurabgabezahlungen für die Stadt Bad Doberan

ergeben. Langfristig würden auf diese Weise nicht nur die Touristen und die im Tourismus beschäftigten Arbeitskräfte,sondern ein Großteil der ortsansässigen Bevölkerung von den Entwicklungen in Heiligendamm profitieren.


Zukunft Heiligendamm:
Welche Wirkung hätte eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens auf das allgemeine Wirtschaftsklima in der Region?


Benkenstein:
Eine erfolgreiche Realisierung des Gesamtprojekts würde das Investitionsklima in der Region insgesamt positiv beeinflussen. Und dies betrifft nicht nur direkt mit dem Projekt verbundene Folgeinvestitionen. Darüber hinaus dürfte sicherlich auch an anderen neuen Vorhaben in der Region ein erhöhtes Interesse bestehen, so dass eine Vielzahl weiterer Arbeitsplätze entstehen würde. So könnten das Thalasso- und das Ayurveda-Zentrum beispielsweise als Leuchtturmprojekte dazu beitragen, die Entwicklung der Region zu einem beliebten Ziel für Gesundheitssuchende voranzutreiben.


Zukunft Heiligendamm:

Liegt die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns im Tourismus?
 

Benkenstein: Die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns liegt in mehreren Branchen. Aber unter diesen Branchen ist der Tourismus ein ganz wesentlicher Sektor, den wir in unserem Lande in sämtlichen Spielarten und Marktsegmenten entwickeln müssen. Und dazu zählt neben dem Campingplatz und der Ferienwohnung auch die Vier- und Fünf-Stern-Hotellerie.

 

Prof. Dr. Martin Benkenstein ist Direktor des Instituts für Marketing & Dienstleistungsforschung an der Universität Rostock.


Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion "Zukunft Heiligendamm" der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG (3. Ausgabe Juli 2009)
 

 
Als nächstes musste nun der B-Plan warten, weil die Stadt die Kosten nicht tragen konnte.

Kurz darauf entschied man sich, über einen Verzicht des Stichweges nachzudenken, was die Heiligendammer Vermieter (überwiegend jene, die in 2009 die IHG gründeten) auf den Plan rief. Sie forderten, alle Sperrungen wieder rückgängig zu machen. Dennoch entschieden die Stadtvertreter sich im Dezember 2006 knapp für den Verzicht auf den Stichweg und für die Einziehung der Professor-Vogel-Straße. Keiner wollte Schuld sein, wenn das Hotel pleite geht.
 


Im Oktober 2007 wurde dann der Hotelpark mittels Bebauungsplanänderung beschlossen,
sodass einer Umwandlung nichts mehr im Wege steht.

Bevor die ECH aber den Wald umwandeln lassen durfte, musste sie Ausgleichflächen über 35,7 ha für den 4,3 ha kleinen Hotelpark zur Verfügung stellen und aufforsten. Außerdem musste sie auf Wunsch der Stadt mit Hinblick auf die Begehung der Kommission, welche über den Seeheilbadstatus entscheidet, schon 2008 mit der Umgestaltung des heutigen Kurwaldes beginnen, der erst durch die ECH zu dem wurde, was er seit 2009 ist.

Ebenfalls im Jahr 2007 wurde der erste Teil des Flächentausches Promenade-West gegen Seebrückenvorplatz in die Tat umgesetzt: Der Zaun vor dem Kurhaus wurde um einige Meter nach vorn versetzt und der zu der Zeit noch unbefestigte Seebrückenplatz dadurch etwas verkleinert.

Zugleich wurde der nun endgültige Platz mit Granitplatten gepflastert. Die Promenade ab Seebrückenplatz Richtung Westen blieb unbefestigt, was ein Hinweis darauf war, dass hier Änderungen bevor stehen. Die ECH wird diesen Bereich später umgestalten.

Auch östlich des Seebrückenplatzes blieb die Promenade unbefestigt. Die ECH will hier ja den Tunnelparkplatz bauen, wodurch die Promenade weggenommen und neu errichtet werden muss. Dadurch erhält sie dann auch die derzeit nicht gegebene horizontale Waage.

Ebenfalls in 2007 sperrte die ECH die Zufahrt des Grand Hotels straßenseitig mit einer Schranke und fußwegseitig mit einem Tor, welches sich nur mit Chipkarte öffnen ließ. Im Norden zwischen dem Grand Hotel und dem Grundstück des Severin-Palais schloss die ECH die nun ihr gehörende Straße mit einem Zaun mit Tor. Während der Fertigstellung der neuen Kühlungsborner Straße errichtete die ECH auf eigene Kosten aber mit Genehmigung der Stadt einen Zaun entlang der Südseite der Kühlungsborner Straße, der ein Überqueren der Straße in der Kurve verhindern sollte. Was sie dabei übersah, war der Umstand, dass nun zwar niemand mehr versuchen würde, vom Fußweg zum Grand Hotel zu gelangen aber dafür die am Grand Hotel in eine Sackgasse geratenen Menschen versuchen, über die Straße zum Fußweg zu gelangen. Da sich hier auch noch die Hotelein- und Ausfahrt befindet, war das zu gefährlich. Die ECH errichtete einen weiteren Zaun entlang des nördlichen Fußweges und stellte ein Hinweisschild "Zugang für Gäste des Grand Hotels" auf. Außerdem versetzte sie den Zaun am Kurhaus so, dass er am Straßenrand endete. Dadurch war gewährleistet, dass die Hotellogistik innerhalb des umzäunten Hotelgeländes bleiben konnte und das vorher angesprochene Problem des Aus- und Eincheckens erübrigte sich. 


Zäune gegen Ignoranten.

Im Winter 2008 begann die ECH mit den Gestaltungsarbeiten im Kurwald, womit sie die erste Bedingung für den Hotelpark schaffen musste.


Im Frühjahr 2008 setzte die ECH die Vereinbarung zwischen Stadt und ECH in die Tat um und trug ab der Ecke des Hauses "Mecklenburg" Richtung Westen 60 Längenmeter der Promenade ab, um dann eine neue Wegführung und neue Begrünung zu realisieren.

Eine etwa 1,50 Meter hohe dichte Ligusterhecke vor einem Metallzaun stellte nun die neue Grenze dar.
Damit liefen die Leute nicht mehr in die westliche Sackgasse und brauchten sich auch nicht mehr fragen,
warum man nicht hier und wo denn dann in den Wald kommt.


Die Gestaltung macht klar, dass es hier geradeaus nicht weiter geht und wer es nicht weiß muss denken, dass diese Hecke schon immer hier stand. Das Alternativangebot ist offensichtlich: Vor der Hecke befindet sich rechts und links der Seebrücke ein Strandabgang und die Wegweiser zeigen nach Westen zum Strand.

Die Alternative ist die von der ECH im Auftrag der Stadt und auf eigene Kosten geschaffene und von der Stadt so akzeptierte Brücke über das Packwerk. Nutzbar ist diese Brücke oft genug nicht aber die Stadt hätte dies vor der Abnahme erkennen müssen. Es gibt Pläne für einen Umbau der Brücke aber so lange Stadtvertreter und Bürgerinitiativen gegen die Umwandlung eines Teil des Kleinen Wohld und für die Öffnung eines Wanderweges streiten, können diese Pläne nicht umgesetzt werden.

Im Winter 2008 wurden die Arbeiten im Kurwald zu Ende geführt. Der einst geradeaus verlaufende Weg vom Bahnhof zur Perlenkette wurde wie von Stadt und ECH geplant nach Osten umgeleitet. Der Rest des alten Weges wurde umgepflügt und bepflanzt.

Schon am Tag der Übergabe stellte sich heraus, dass diese neue Wegeführung vereitelt wird. Radfahrer ignorierten die Bitte des anwesenden Bürgermeisters, die neuen Wege zu benutzen. Schon nach wenigen Tagen waren die Anpflanzungen verwüstet oder entfernt.

Die ECH sah nicht nur ihre Arbeit, sondern auch das der Stadt übergebene Eigentum in Gefahr und setzte daher einen Zaun an die Professor-Vogel-Straße, der nun zusammen mit der Hecke des Prinzessin-von-Reuß-Palais und dem Holzzaun zum Schutz des Rasens auf der Fläche des ehemaligen Postgebäudes eine Barriere bildete.


Die Stadt hatte der ECH einen 30 Meter tiefen Streifen ab der Professor-Vogel-Straße nach Süden verkauft, auf dem das Ensemble-Palais und die Ensemble-Villa entstehen sollen. Darüber hinaus vererbpachtete die Stadt der ECH die Professor-Vogel-Straße. Die ECH durfte also diesen Zaun aufstellen und hätte auch die Professor-Vogel-Straße komplett mitsamt den Perlen einzäunen dürfen.

Der Zaun an der Professor-Vogel-Straße hinderte Ortsunkundige daran, von Norden nach Süden durch die Schneise zu laufen. Von Süden nach Norden sah die Schneise jedoch wie ein Durchgang aus, sodass immer noch Touristenmassen in die Schneise liefen und die Anpflanzungen damit zerstörten. Sie wichen auf den frischen Rasen an den Kolonnaden aus und überkletterten den Zaun. Das war auch keine Lösung und darum errichtete die ECH einen kleineren Zaun hinter den Bänken am Sitzrondell, der nun auch optisch klar machte, dass es hier nicht weiter geht.

Nur Ortskundige - Einheimische und Dauergäste - umgingen den Zaun und trampelten weiterhin durch die Schneise.
Die Lage eskalierte, als ein Börgerender in der Ostsee-Zeitung zum zivilen Ungehorsam aufrief. Kurz darauf wurde eine Bank mitsamt ihrer zentnerschweren Betonverankerung aus dem Boden gerissen. Das war das werk mehrerer Straftäter zugleich.

Bevor eine Deeskalation möglich war ergriff der Bürgerbund die Gelegenheit und beantragte das Entfernen des kleinen Zaunes. Da er sich auf städtischem Grund befindet und die ECH dafür keine Genehmigung hatte, musste sie die Zaunfelder abbauen.


Sie versetzte die beiden kleineren Felder an die Professor-Vogel-Straße und entfernte dafür die höheren Zaunfelder, um eine einheitliche Höhe zu erhalten. Die Stadtvertreter gaben dem Bürgermeister den Auftrag, eine Lösung zu finden, damit die Menschen nicht in eine Sackgasse laufen. Gleich nach Entfernung der Zaunfelder jedoch war wieder ein festgetretener Weg vorhanden.

Massenhaft Menschen laufen nun schnurstracks in die Schneise und landen in einer Sackgasse. Ein großer Teil kommt schimpfend wieder heraus, der Rest jedoch überwindet illegal den Zaun und zertrampelt den Rasen. Pro 10 Minuten in der Hauptsaison laufen zwischen 5 und 15 Menschen - teilweise in Gruppen und mit Fahrrädern - in die Schneise. Nur etwa die Hälfte von ihnen kommt zurück - der Rest überwindet also den Zaun.

Der Bürgermeister sieht keine andere Möglichkeit, als die Fläche dichter aufzuforsten und auf die Einfriedung der Perlenkette durch die ECH zu warten. Bis heute ist jedoch nichts geschehen und so laufen die Menschen weiterhin in eine Sackgasse und schimpfen auf den Investor, der genau genommen gar nichts dafür kann.


Die Gegenwart: Kompromisse nur der Ruhe wegen.

Damit sind wir im Jahre 2009 angekommen.
Der nächste Zaun wird den Hotelpark im Kleinen Wohld umgeben und dann ist noch mit einem Zaun um die Perlenkette zu rechnen. Grundsätzlich errichtet die ECH diese Zäune aber erst, wenn alle anderen Maßnahmen - Schilder, Hecken, Reisigwälle - gescheitert sind. Das ist verifizierbar, das sehen Sie hier anhand der Bilder und das bedeutet, dass die Ursache für die Zäune bei denen zu suchen sind, die sich gegen die Zäune wehren.


Der ursprüngliche Plan war ein Hotel auf einer grünen Wiese und als das nicht gelang, wurden Hecken gepflanzt und erst als auch diese ihre Wirkung verfehlten, wurde zu Zäunen gegriffen. An einigen Stellen kann man halt keine Hecken pflanzen und hat darum Zäune gesetzt.

Nachtrag Dezember 2009: Da nun ohnehin alle Setzlinge zerstört, der Rasen zertreten und Büsche und Hecken beschädigt wurden, öffnete die ECH auf Drängen der Stadt den Zaun und lässt bis zum Baubeginn an der Perlenkette im Sommer 2010 die Fußgänger über ihr Grundstück laufen. Danach wird für die Baustelleneinrichtung ein Zaun gezogen, dem später eine Einfriedung und schließlich Überbauung folgen. Damit investiert die ECH nicht mehr in Zäune, an die sich sowieso keiner hält und die ohnehin dort nicht stehen bleiben sollen. Mit der Einfriedung irgendwann ist entgültig Schluss mit der Verletzung privaten Eigentums durch Ignoranten. Wer dann Zäune überklettert, begeht Hausfriedensbruch.


Zusammenfassung:

Man kann die Situation nicht in Worten zusammen fassen. Wohl aber in Bildern. Gehen wir "Zaun für Zaun" vor:

Zuerst betrachten wir die Gesamtsituation Heiligendamms.

Da hätten wir zuerst das Heiligendamm der ersten Jahre.
Die Straße endet vor dem Ensemble und wurde extra für diesen Gebäudekomplex angelegt.

Wer nach Heiligendamm wollte, der wollte in diese Gebäude und nirgendwo anders hin.
Es sei denn, er konnte es sich nicht leisten und begnügte sich mit einem Strand- und Waldspaziergang.

Das herzogliche Bad brachte vielen Leuten Arbeit und Auskommen.
Es war bis zur Umgestaltung des Kamp in Bad Doberan der eigentliche pulsierende Punkt der Gemeinde.
Kutschen kamen und fuhren in fast hektischer Regelmäßigkeit, Menschen stiegen aus und verteilten sich schnell.
Das Bad wuchs mit seinen Anforderungen und aus kleinen wurden große Häuser.

Zäune gab es keine - Heiligendamm lag nach allen Richtungen mindestens 5 Kilometer vom nächsten Ort entfernt und wer den Weg auf sich nahm, der wollte genau dasselbe, wie der Herzog und war dem damit ein willkommener Gast. Interessenkonflikte kannte Heiligendamm nicht.

Lediglich einen Konflikt gab es: Professor Vogel wollte ein Krankenhaus für Mittellose errichten, zu denen damals Leute gehörten, deren Einkommen kein Auskommen sicherte (Lehrer, Ärzte etc.). Der Herzog war dagegen, verhinderte jedoch nicht den Bau, sondern sorgte mit einem Zeitplan dafür, dass die Armen zu anderen Zeiten badeten, als die Herrschaften. Mit dem Bau der Burg wurde das Armenkrankenhaus abgerissen und entstand in Form der heutigen Seehospiz neu. Erst im Dritten Reich wurde das Haus durch eine Grundbuchänderung zu Wohnzwecken umgenutzt. Die Mittellosen kamen in der Telegrafenanstalt unter, bevor der Dienst dann eingestellt wurde.

Proteste gab es auch, als Alte und Gebrechliche in den insolventen Fürstenhof einquartiert werden sollten.
Die Gesellschafter des Ostseebades wollten diese Leute nicht in der Nähe der Hotelgäste haben.
Genützt hat der Protest jedoch nichts: Das Altenheim kam und blieb viele Jahrzehnte bestehen.

Bis 1919 war Heiligendamm das Bad des mecklenburgischen Hochadels und seiner Gäste.
Nach dem Ende der Monarchie konnte der Großherzog sein Bad nicht mehr halten und trat bis auf die drei Cottages im Kleinen Wohld alles an eine GmbH ab, die später zur Aktiengesellschaft wurde. Aus dem Gästehaus wurde ein Luxushotel, das auch damals schon "Grand Hotel" hieß und auch damals schon nach den Interessen der Aktionäre verwaltet wurde.
 

 

Während der Großherzog das Bad für sein persönliches Vergnügen nutzte und darauf bedacht war, dass es zumindest solide finanziert ist, wollten die Aktionäre mit dem Bad natürlich Geld verdienen. Dazu mussten einige Dinge geändert werden, denn das Bad lief zwar unter den Herzögen streckenweise selbstfinanzierend aber wirklich rentabel war es nicht. Wie man auf dem folgenden Bild sieht, trennten nun Zäune und Hecken den Privatbereich der Adligen vom Hotelbereich, in dem zwar auch nicht gerade arme Leute Urlaub machten aber immerhin keine Leute des hohen Standes - auch wenn es Stände eigentlich nicht mehr gab. Hier zeichnet sich die heutige Entwicklung erstmals ab. Auch die Perlenkette war vom Grand Hotel getrennt. Man kann heute natürlich nicht mehr genau sagen, warum damals Zäune errichtet wurden. Tatsache ist aber, dass es sie gab und dass sie etwas voneinander trennen sollten und die Situation dadurch heute dieselbe ist, wie damals.

Kritiker der Zäune führen immer wieder Friedrich Franz als Argument an. Wer mit Feudalisten argumentiert, muss auch feudale Verhältnisse hinnehmen. Friedrich Franz - egal welcher - konnte mit Heiligendamm machen, was immer er wollte, wie es ihm beliebte und vergnügt. Will man diese Verhältnisse wieder haben, muss man dem neuen Eigentümer diese Rechte auch zugestehen. Darum sollte man das "Friedrich-Franz-Argument" nicht hochspielen.



 

 

In den 1930er Jahren präsentiert sich das Ensemble dann wieder offen und zaunlos. Wie man sieht, auch offen für Autos.

Aus dem Adelsbad wurde im Dritten Reich schließlich ein Ferienbad für jedermann mit bis zu 10.000 Übernachtungen.
Hitler kam hier her, Mussolini kam zu Besuch, Gauleiter Hildebrandt und Rüstungspionier Heinkel richteten Sommerhäuser ein und deutsche Prominenz aus Wirtschaft, Sport, Film und Politik erholten sich am Heiligen Damm.
 

 

1939 ging das Bas dann an die Reichsmarine, wurde zum Lazarett und stellte den Badebetrieb ein. Bis 1945 nahm es Kadetten und ab 1942 auch Flüchtlinge aus Rostock und Pommern auf, bis es dann von der Roten Armee besetzt und demontiert wurde. Übrig blieben fenster- und türlose leer geräumte Ruinen, in denen nichts mehr funktionierte.

Christian Ludwig zu Mecklenburg stellte Restitutionsanspruch, bekam aber weder das Bad, noch die Cottages zurück und musste fliehen. Das Ministerium der Kultur (MdK) übernahm das Ensemble, sanierte es und eröffnete darin ein Sanatorium für Werktätige.

Dieses Sanatorium war eine Errungenschaft des Volkes und daher auch für das Volk öffentlich zugänglich. Jedoch nicht ausnahmslos: Die Gebäude des Sanatoriums konnten nicht einfach durchlaufen werden. Hier ging es nur hinein, wenn man eine Überweisung vom Arzt oder einen Arbeitsvertrag mit dem Sanatorium hatte. Die Cottages im Westen waren Behandlungshäuser für spezielle Erkrankungen und die Villen im Osten waren Wohnungen für Mitarbeiter und teilweise auch Unterbringungen für Kurpatienten.

Lediglich die beiden Kopfbauten - Fritz-Reuter-Haus (Bischofsstab) und Max-Planck-Haus (Prinzessin-von-Reuß-Palais) waren vom Sanatorium unabhängige Ferienheime. In der Seedeichstraße wohnten leitende Ärzte in den Villen und die beiden Villen waren von einem Zaun umgeben.

Ansonsten war das Gelände von Wegen überzogen und öffentlich zugänglich:




Wenn wir uns jedoch die speziellen Gegebenheiten anschauen werden wir erkennen, dass diese Offenheit nicht so hundertprozentig ist. Es gab durchaus Einfriedungen, nur waren diese zu DDR-Zeiten anders.
Man nutzte Hecken und Blumenrabatten, um das Verlassen der Wege zu unterbinden.

Oft wurden auch kleine 30 cm hohe Zäune um die Blumenbeete gezogen oder man nutzte Blumenkästen mit Steineinfassung, auf der oft sogar Bänke aufgeschraubt waren.

In Heiligendamm gab es einen bunten Mix aus all diesen Möglichkeiten.
Ziel war immer, die Leute auf den Wegen zu halten und sie vom Betreten der Grünflächen abzuhalten.


Neugierige Fenstergucker waren damals nicht so sehr ein Problem und damals waren ohnehin Gardinen beliebter als heute. Außerdem befanden sich im Erdgeschoss stets Funktionsräume und die waren oft mit Milchglasscheiben vor neugierigen Blicken geschützt. Nun war allerdings eine zwar architektonisch ungewöhnliche aber doch triste Kurklinik auch nicht gerade so interessant.

 

An anderen Stellen gab es durchaus Zäune.
Was nicht betreten werden sollte, war eingezäunt.
Wie hier die Wetterstation vor den Häusern "Möwe" und "Schwan", wenngleich dieses Bild erst nach 1990 entstand.





Schauen wir uns nun die speziellen Wege an.
Es ist schwer, sich an Hand meiner Schilderungen zu orientieren, wenn man sich in Heiligendamm nicht auskennt.
Darum müssen uns Satellitenbilder aus dem Hause MAP24 helfen, sich in der Infrastruktur Heiligendamms zurecht zu finden.
Hier habe ich nun eine Übersichtskarte angefertigt:



Da es hauptsächlich um Wege des Hotels geht, vergrößere ich noch einmal einen Ausschnitt:



Zuerst die Zeichenerklärung:
    Weiß sind alle Wege, die es bis 1990 gab und die es noch immer gibt.
    Hellrot sind alle Wege, die es bis 1990 gab und anno 2009 nicht mehr gibt.
    Dunkelrot sind alle Wege, die es bis 1990 gab und die jetzt oder in Zukunft nicht mehr öffentlich sein werden.
    Hellblau sind alle Wege, die es 1990 so noch nicht gab und die es in 2009 gibt und die öffentlich sind und bleiben.
    Dunkelblau sind alle Wege, die es 1990 so noch nicht gab und die es in 2009 gibt und die privat sind und bleiben.

Neu sind also der Weg über das Packwerk oben links, der Weg um den Golfteich oben rechts, der Weg vom Mollibahnhof zur Bushaltestelle und der geschwungene Weg von der Professor-Vogel-Straße zum Seebrückenplatz.
Neu - aber nicht öffentlich - sind auch die beiden Zufahrten zum Wirtschaftsgebäude, der Median-Park und zwei Wege innerhalb des Hotelgeländes.


Nicht irritieren lassen: Dort hat sich noch ein alter weißer Weg eingeschlichen, der nicht mehr existiert und m. W. auch so nie existiert hat. Zu berücksichtigen ist, dass es eine ganze Menge Trampelpfade und Waldwege gibt, die nicht eingezeichnet sind und dass es Trampelpfade gab, die heute Wege sind und damit als neu gelten.

Weggefallen sind zwei Wege im Kurwald, die rechts und links vom Sportplatz in die Professor-Vogel-Straße mündeten.
Dort steht jetzt das Severin-Palais drauf. Auch weggefallen ist ein sowieso nicht wirklich genutzter Weg hinter der "Palette" entlang vom Bahnhof zum Ensemble. Ebenfalls überbaut wurde ein Weg parallel zur Orangerie.  Auch weggefallen ist ein Weg parallel zum Haus "Mecklenburg" an dessen Westseite. Schon beim Bau des Hotels fielen die Wege vor und zwischen den Villen der Perlenkette weg und mit dem Bau des Kurwaldes fielen zwei Verbindungen vom Kurwald zur Professor-Vogel-Straße weg.


Für die Öffentlichkeit nicht zugänglich - da Hoteleigentum - sind alle Wege zwischen Haus "Mecklenburg" und dem Alexandrinencottage, sowie zwischen Wirtschaftsgebäude und Küstenkante. Durch einen Tausch für die Öffentlichkeit weggefallen ist der westliche Teil der Promenade bis zum Rand des Seebrückenvorplatzes, sowie der ganze Weg an der Ostseite des Hauses "Mecklenburg", der ganze Weg an der Nordseite des Kurhauses und der halbe Weg an der Westseite des Grand Hotels bis kurz hinter dem Findling. Ebenfalls dem Hotel zugeordnet ist der Eingangsbereich des Grand Hotels und damit der dort theoretisch vorhandene Durchgang, sowie die Professor-Vogel-Straße physisch (also unzugänglich) bis an die Nordseite des Grand Hotels. Der Rest wird auch der ECH zugeordnet, sodass er schon einmal dunkelrot ist.

Jetzt kennen wir die Veränderungen. Schauen wir uns nun die Gründe an:

Die Hauptverbindung verlief nicht - wie viele denken - zwischen Grand Hotel (Haus Berlin) und Kurhaus hindurch,
sondern über die Professor-Dr.-Vogel-Straße.
Wie man auf diesem Foto aus tiefsten DDR-Zeiten sieht, war der Eingangsbereich des Sanatoriums durch Hecken, Blumentöpfe, Lampen und Fahnenmasten von der Professor-Vogel-Straße getrennt.

Wer hier zur Promenade wollte, der ging ganz selbstverständlich rechts am Haus "Berlin" vorbei.
Das war damals kein Problem für die Logistik, denn erstens wurden Waren direkt an das Haus Berlin geliefert und wurden zu Fuß verteilt und zweitens befand sich rechts vom Haus "Berlin" nur ein Sportplatz, wo heute das Severin-Palais steht.



Natürlich war es nicht verboten, sich im Eingangsbereich aufzuhalten oder das Haus
links herum zu umlaufen aber die Gestaltung ließ nicht den Schluss zu, dort entlang zu müssen. 




Der Platz vor dem Kurhaus war öffentlich und bestand aus einer Rasenfläche, welche mit einer Hecke umrahmt und von einem Weg umgeben war. Hin und wieder wurde auch auf die Rasenfläche verzichtet - wir sehen da recht unterschiedliche Bilder. Gleich bleibend war jedoch diese Terrassenmauer mit Bepflanzung. Sie wurde erst zu DDR-Zeiten errichtet und sollte erstens die Speisen vor Seesand-Attacken und zweitens die Gäste vor allzu neugierigen Blicken schützen.

Sie finden auf alten Bildern Außenbereiche von Gaststätten in der DDR meistens mit Blumen, Hecken, Zäunen oder kleinen Mauern umrandet vor. Das passte durchaus zu einem Staat, indem man bedingt durch eine bauliche Abschottung unter sich sein musste. Zudem wollte man dies meistens auch, denn im Urlaub wollte der sonst sehr kollektive sozialistische Mensch auch mal für sich sein.

Was neue Kontakte nicht ausschloss. Diese Mauer dort jedenfalls verschandelte das ganze Kurhaus und ließ wichtige architektonische Elemente hinter sich verschwinden. Darum - um es vorweg zu nehmen - hat die ECH auf die Mauer verzichtet und das Seesand-Problem mit einer Glaswand gelöst. Zur Lösung des Neugierigen-Problems werden wir später etwas lesen.



Zunächst gehen wir noch ein paar Jahre weiter. Mit dem Ende der DDR schien auch das Ende des Sanatoriums eingeläutet.
Der Kurbetrieb wurde eingestellt, die Konten eingefroren und das Sanatorium der werktätigen musste schließen. Wenige Monate später eröffnete es allerdings neu. Nun eine GmbH mit dem Namen "Ostseeklinik" mit nur noch 250 Betten. Die passten auch in die großen Gebäude, sodass es zu einer Umstrukturierung kam, in Folge derer viele der Einzelgebäude sich teilweise bis ganz leerten.

Die Mitarbeiterzahl wurde drastisch reduziert und so leerten sich auch die Wohnhäuser in Heiligendamm.
An der Wegesituation änderte sich nichts. Lediglich war nun der Eingangsbereich etwas durchlässiger und wurde auch mit einem Wegweiser versehen. Weniger Patienten bedeutete auch weniger Betriebsamkeit und damit weniger Empfindlichkeit gegenüber Touristenströmen. Wobei diese nicht durch die Wende zunahmen. Im Gegenteil: Heiligendamm lag im Sterben. Die neue Währung, die neue Marktwirtschaft und bisher unbekannte Situationen, wie Arbeitslosigkeit, hohe Versicherungsbeiträge und Kosten verunsicherten viele Menschen. Das Wegbrechen der Kuraufenthalte, der Wegzug und die neue Situation fügten dem Gewerbe in Heiligendamm einen enormen Schaden zu.

 


Zwischen 1990 und 1996 versuchten die Treuhand Liegenschaften Gesellschaft (TLG) im Auftrag des Bundes und die Oberfinanzdirektion Rostock (Ofin) im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die historischen Gebäude Heiligendamms zu verkaufen. Die Ostsee-Klinik konnte nur mit Betriebsmittelzuschüssen von 150.000 DM pro Jahr kostendeckend wirtschaften und hatte dann noch nicht einmal Geld für die dringend nötige Sanierung der Gebäude.

Heiligendamm drohte im laufenden Betrieb zu verfallen. Es wurde eine Ausschreibung gestartet,
auf diese sich viele Interessenten für die einzelnen Cottages und Villen aber niemand für die großen Gebäude meldete.
Darum wurde später ein neuer Versuch gestartet, der den Erwerb des kompletten "Paketes" mit 26 Gebäuden vorschrieb. Bedingung war ein schlüssiges Konzept, sowie eine Garantie für die Sanierung und Erhaltung.

Nun meldeten sich Interessenten aus dem medizinischen Bereich aber der eine wollte nur kaufen, wenn er daneben neu bauen durfte, der andere wollte nur kaufen, wenn er den Strand davor absperren darf und der dritte fand nicht genug Mitstreiter für sein Projekt.

Damit war der Versuch, das Ensemble für medizinische Zwecke weiter zu nutzen, gescheitert. Die Option eines Staatsbades schied ebenfalls aus und bevor man die Option einer Renaturierung - das hätte den kompletten Abriss des Ensembles und aller Villen bedeutet - in Betracht zog, entschied man sich, das längst vorliegende aber wegen der Fokussierung auf eine medizinische Fortführung bisher beiseite geschobene Konzept der FUNDUS-Gruppe zu prüfen und schließlich anzunehmen.


Im Folgejahr wurde ein Grundlagenvertrag erarbeitet und unterzeichnet und damit FUNDUS sich nicht mit den verbliebenen Mietern herum schlagen und durch die Kündigungen als böser westdeutscher Investor da stehen musste, kündigte die Stadt die verbliebenen Mietverträge bis zum Jahresende 1997 und übergab FUNDUS ein leeres Objekt. Viele Mieter waren Studenten der Fachhochschule, welche 2000 schloss und nach Wismar zurück ging. Bereits 1993 wurde die Ostsee-Klinik aufgelöst und in die neu gebaute Median-Klinik integriert. Von 1997 bis 2000 änderte sich wenig an der Wegesituation.

Zunächst wurde zwischen 2000 und 2003 in Heiligendamm an allen Bauten des Grand Hotel gearbeitet, zugleich wurde auch die Promenade und der Hochwasserschutz erneuert, Buhnen gerammt und der Strand neu aufgespült. Alles musste mit Bauzäunen umgeben werden und Heiligendamm war dadurch praktisch dicht.

 

Im Jahre 2003 eröffnete das Grand Hotel und präsentierte sich im Bereich des Ensembles so:
Der Rundweg um den Rasen des Kurhaus-Vorplatzes wurde westseitig durch ein Tor verschlossen. Ostseitig blieb er offen und gewährte somit den Durchgang von der Kühlungsborner Straße zur Seebrücke. Da nun der Eingangsbereich des Hotels nicht mehr versteckt, sondern im Gegenteil hervor gehoben war, liefen die Gäste nicht mehr automatisch durch die Professor-Vogel-Straße, sondern am Kurhaus vorbei. Der Bereich musste aber offen sein, da dort genug Platz sein musste, um zwei Reihen Autos abzustellen und damit auch rangieren zu können. Der Parkplatz des Hotels befindet sich am Bahnhof und es ist üblich, dass ein Page das Auto von dort holt und dem Gast dann bereit stellt. Dazu musste aber die Möglichkeit bestehen, die heran geholten Autos kurz vor dem Hotel zu parken, da man ja nicht erst das Auto holen konnte, wenn sein Besitzer schon vor der Türe steht. 



Auf der Seite des Grand Hotels wurde ein 360°-Rundgang zur Verfügung gestellt. Die Bilder stammten aus dem Jahre 2003 und zeigen ein recht zaunloses Heiligendamm. Schauen wir uns diese Perspektiven einmal genau an:

Zuerst haben wir da die Perlenkette, welche von einem Drahtzaun umgeben ist.
Bisher führte ein Weg vor der Perlenkette entlang, wie wir auf diesem Bild aus den 1970er Jahren sehen:

 


Der Weg und die Verbindungswege wurden entfernt und es wurde Rasen angesät.
Der Drahtzaun dient dem Schutz dieses Rasens und zur Einhaltung der neuen Wegführung hinter der Perlenkette entlang.
Zu mehr wurde er nicht errichtet. 

Die Wege vor und zwischen den Perlen waren übrigens auch nicht immer dort. Mal gab es dort Wege, mal wieder nicht - wie die Villen gerade genutzt wurden. Diesmal sollten sie als Hotelwohnungen dienen und da waren die Wege nicht zuträglich, weil man direkt unter den Fenstern und vor den Terrassen und Veranden der Hotelgäste entlang laufen würde. Die Promenade sollte zum promenieren reichen.




Auf dem zweiten Bild sehen wir, dass das Grand Hotel ohne Zäune daher kam. Weder der Platz vor dem Kurhaus  ist eingezäunt, noch steht der Findling hinter einem Zaun. Der Weg ist durchgängig und nur die Perlenkette ist mit einem Zaun versehen.
Der Weg, der zur Professor-Vogel-Straße führt, ist auch neu angelegt und daher wird rechts und links der neue Rasen geschützt.



Der rechte Weg ist mit einem Tor versehen, das verhindern soll, dass die Touristen an den Fenstern und der Terrasse entlang laufen.
Der linke Weg hingegen ist öffentlich. Das rechte Bild zeigt den Blick von der Terrasse der Nelson-Bar auf den Seebrückenplatz.



Auf diesen Bildern sehen wir denselben Wegabschnitt noch einmal von der Kurhausterrasse aus. An diesem frühen Herbstmorgen sind noch nicht viele Touristen unterwegs. Allerdings ist der Fotograf auch darauf bedacht, möglichst keine erkennbaren Leute zu fotografieren. Wir sehen, dass sich vor der Terrasse ein Sandstreifen befindet. Der stellt eine Außenterrasse dar und bei guter Belegung wird auch der linke Weg als Terrasse mitbenutzt. Darum auch das Tor auf den vorherigen Bildern. Die erwähnte Glaswand ist versenkbar und wird nur bei Bedarf ausgefahren - nämlich immer wenn der Wind aus nördlicher und östlicher Richtung kommt.



Auf diesen Bildern sehen wir nun die Problematik, die dieser öffentliche Weg mit sich bringt. Die Besucher durchqueren den Eingangsbereich und müssen über den Parkplatz. Damals befand sich neben dem Kurhaus noch eine Ausfahrt des Parkplatzes.



Dieser Bereich war nun frequentiert durch ankommende und abfahrende Gäste, durch Transfer-Fahrzeuge und Pferdekutschen. Er wurde außerdem zum Bereitstellen von Autos benötigt und wurde zudem noch von den Elektromobilen des Hotels durchkreuzt.



Nicht genug dessen ist dies auch der Haupteingang und Hauptausgang für die Hotelgäste. Wer im Grand Hotel wohnt und das Haus verlässt, kann dies nur über den Haupteingang tun. Ob er nun spazieren, zum Molli oder Bus, zur Promenade, zum Strand, in den SPA-Bereich, in ein Restaurant, in ein Café, in eine Bar, zum Friseur, zur Boutique, auf die Dachterrasse oder zum Auto will - der Gast muss durch diesen Eingang heraus und muss durch die parkenden, ankommenden und abfahrenden Autos und die Elektromobile hindurch. Zudem war dieser Bereich auch noch öffentlich und wurde durch Tagesgäste und Einheimische durchlaufen.
So entschied man sich zunächst für eine Hecke und schließlich durfte man auch zwei Tore errichten.

Ein festes an Stelle des vorhandenen weißen Tores hier:



Und ein weiteres Tor hier:

 



Das Problem des Durchgangs durch den Eingangsbereich war damit jedoch nicht gelöst.
Die Lösung kam erst später. Die Stadt entwidmete einen Teil der Professor-Vogel-Straße
(den von der Kühlungsborner Straße bis zur Hausecke des Grand Hotels) und übereignete ihn der ECH.
Die ECH stellte darauf hin ein Tor an der Hausecke auf und ein weiteres, sowie eine Schranke an die Hoteleinfahrt.
Nur eine Seite einzuzäunen, macht schließlich keinen Sinn, da es eine Sackgasse verursachen würde.

 



Logischerweise musste nun aber auch der Durchgang vor dem Kurhaus am Findling geschlossen werden, da er in eine Sackgasse führte. Die ECH verfuhr anders herum und baute zuerst das Tor am Findling und dann die auf der Professor-Vogel-Straße.

Nur zum besseren Verständnis drehe ich das um. Nun war also der Weg am Haus "Mecklenburg" dicht, der am Findling und der am Grand Hotel. Wie auch schon gesagt: Das ist hier nicht chronologisch, sondern zweckmäßig wiedergegeben. Westlich des Hauses "Mecklenburg" waren zu diesem Zeitpunkt (2007) bereits alle anderen Wege über das Hotelgelände privatisiert worden.

Wir bleiben aber beim Eingansbereich. Hier entstanden nun durch die Sperrung der Professor-Vogel-Straße in 'Verbindung mit dem Neubau der Kühlungsborner Straße weitere Probleme. Bisher sah die Kühlungsborner Straße nach Süden hin so aus:



Der Bürgersteig war beidseitig vorhanden und die Straße war dadurch nicht besonders breit.
Dafür durften Radfahrer auf dem Bürgersteig fahren. Zumindest taten sie es und wurden dafür nicht bestraft.



Vor dem Grand Hotel war nun die Situation so, dass man die Ein- und Ausfahrt des Hotels überqueren musste.
Wer von Süden (Molli-Bahnhof, Parkplätze) kam, überquerte die Straße vor, hinter oder in der Kurve.
Bei einer fast-90°-Kurve sowieso egal - es war in jedem Fall gefährlich.



Also ließen Stadt und Straßenverkehrsamt den nördlichen Bürgersteig zwischen der Einfahrt des Grand Hotels und der Orangerie abtragen und dafür den nördlichen Bürgersteig verbreitern. Das Ergebnis sah während der Vorbereitungen für den Bush-Besuch so aus:



Hier wird einmal mehr deutlich, dass man keineswegs den Investor für alle Veränderungen in Heiligendamm verantwortlich machen kann. Die neue Wegführung war nämlich für das Grand Hotel alles andere, als gut. Die Leute kamen vom Bahnhof oder vom Kurwald und liefen in Richtung Grand Hotel, da sie dort ja schon das Wasser sehen konnten. Es ging also hier entlang:



Vor dem Hotel angekommen, standen die Tagesgäste vor einem verschlossenen Tor, das nur mit einer Chipkarte zu öffnen ging, bzw. vor einer Schranke, auf die Hotelangestellte ein Auge hatten, sodass ein Unterklettern nicht in Frage kam (und ja auch in eine Sackgasse geführt hätte). Der Weg jedoch war hier zu Ende, da der Gehweg ja abgetragen worden war:



Also wechselten die Leute einfach die Seite, denn sie vermuteten einen Durchgang am Kurhaus.

Damit war dann die Problematik überhaupt nicht gelöst: Die Leute liefen wieder in der Kurve über die Straße.

Das folgende Bild nimmt leider etwas vorweg. Denken Sie sich den Zaun weg und Sie haben die Situation von 2006/2007.
Was wird passieren? Sie erraten es: Die Leute überqueren nach ein paar Metern noch einmal in der Kurve die Straße, um dann drüben angekommen festzustellen, dass es dort auch nicht hindurch geht. Was werden sie also tun? Zurück gehen - noch einmal in der Kurve die Straße überqueren und dann irgendwann einen Weg finden, der durch den Kurwald zur Professor-Vogel-Straße führt. 



Und jetzt denken Sie sich an Stelle des Eisenzaunes einen Bauzaun.
Den stellte die ECH auf, um genau das eben beschriebene zu verhindern.
Nicht einmal zwei Wochen stand der Zaun, bis die Stadt die ECH aufforderte, ihn zu beseitigen.

Kurz darauf flossen Fördermittel wegen des anstehenden G8-Gipfels und Stadt und Straßenverkehrsamt berücksichtigten das Problem, auf das sie die ECH aufmerksam gemacht hatte und erlaubten der ECH offiziell die Errichtung eines Zaunes auf dem öffentlichen Grund, wenn die ECH die gesamten Kosten dafür selbst trägt.

In einer klammen Stadt eine gängige Praxis: "Wir erlauben dir das, wenn du es bezahlst".
In Heiligendamm ist das Grundlage vieler Sachen, die der Öffentlichkeit zu Gute kommen und die von der ECH bezahlt wurden.
Nun also sah es an der besagten Ecke so aus:



Der Zaun geht bis an die Orangerie heran, wo dann der Bürgersteig wieder beidseitig ansetzt.



Die Straße wurde zur 30-Zone und damit war nun ein sicheres Überqueren möglich.



Der nächste Übergang ist ab hier Richtung Norden erst in Höhe des Severin-Palais wieder möglich.
Nämlich hier: Wobei in 30 Metern eine Fußgängerampel hinter uns steht.



Sie ahnen vielleicht, was nun passierte:



Die Leute liefen auf der rechten Seite auf dem Bürgersteig entlang, gelangten an die Hoteleinfahrt und stellten fest, dass sie in einer Sackgasse gelandet sind. Sie vermuteten nach wie vor, dass sie am Kurhaus hindurch könnten, konnten aber die Straße nicht mehr überqueren und liefen trotz Verbot an der Straße entlang und natürlich auch wieder zurück, da am Kurhaus kein Durchgang für sie existiert. Die ECH war es wieder, die eine Lösung finden musste. Diese kam dann so daher:



Das war auch gleich praktisch gedacht: Nun mussten die Fahrer der Elektromobile nicht mehr auschecken und
wieder einchecken, sondern konnten bequem zwischen dem Wirtschaftsgebäude und den Hotelgebäuden verkehren.
Der Mitarbeiterausgang fiel damit zwar auch weg aber die Angestellten konnten auch am Wirtschaftsgebäude
das Hotelgelände verlassen.

Aber die Lösung des Problems war es trotzdem nicht: Wenn man sich in die Hoteleinfahrt verirrt hatte,
konnte man den Zaun nicht sehen. Also liefen immer noch Leute an der Straße entlang und scheiterten hier am Zaun.

Was ich noch gar nicht erwähnt habe: Wer den Weg nicht zurück laufen wollte, überquerte einfach die Straße
und überkletterte den Zaun. Das war 2007 so und das ist auch 2009 noch so - egal, wie alt, egal, welchen Geschlechts,
egal ob Gast oder Einheimischer, egal wo und egal, ob es jemand sieht oder nicht. Der Zaun, der ein Problem lösen sollte,
schuf also gleich ein neues. Wieder war die ECH gefragt, wieder stimmten Stadt und Straßenverkehrsamt zu und wieder
musste die ECH aus eigener Tasche die Lösung des Problems bezahlen. Die sah dann so aus:



Rechts wurde auch ein Zaun errichtet. Ortsunkundige - und das ist die breite Masse - liefen nun also
in diesen eingefriedeten Weg hinein und landete am verschlossenen Tor, das noch bis März 2009
nur mittels Hotelkarte oder energischen Zuwinken zum Personal geöffnet wurde.
Nun wollten die Tagesgäste ja überwiegend gar nicht in das Hotel, sondern einfach nur durch das Gelände hindurch.



Wenn sie nun also von Osten her kamen, gelangten sie an den Anfang des Zaunes.



Ein vom Straßenverkehrsamt aufgestelltes Schild fordert Fußgänger auf, die andere Straßenseite zu benutzen-
Finden Sie es? Würde jemand dieses Schild sehen, wenn er es nicht erwartet? Wohl eher nicht und da es
nun einmal in der StVO kein anderes Schild gibt, löst dieses kleine hier das Problem nicht.



Wieder war es die ECH, die mit einer eigenen Idee das Problem zu lösen versuchte.
Sie stellte ein Schild auf:



Nun ist dieses Schild aber offenbar nicht deutlich genug.
Es laufen - ja fahren sogar - noch immer genug Leute in diese Sackgasse.
Das Tor nach oben zu versetzen, ist eine Idee aber erstens nicht erlaubt,
da öffentlicher Grund (nur der Zaun wurde genehmigt) und zweitens ungünstig,
da das Tor dann nicht mehr im Blickfeld des Personals ist, falls es mal Probleme
gibt oder jemand seine Karte vergessen hat. Das Schild muss also reichen.

Man könnte es lediglich umformulieren, z.B. ein "nur" zwischen "Zugang" und "Gäste" einfügen
oder ergänzen "Kein Durchgang zur Promenade".

Gast ist jeder, der im Hotel einkehrt.
Ob er nun ein Zimmer bucht oder nur eine Anwendung oder ob er nur einen Kaffee trinken will.
Das ist dann auch schon wieder ein Problem gewesen: Hinein konnten nur die, die eine Hotelkarte hatten.
Und das waren eben nur jene, die ein Zimmer buchten oder sich im SPA erholten.

Problem Nummer eins: Wie soll jemand vor Ort eine SPA-Anwendung buchen, wenn er nicht zur Rezeption kommt?
Problem Nummer zwei: Wie soll jemand vor Ort ein Zimmer buchen, wenn er nicht zur Rezeption kommt?
Problem Nummer drei: Wie soll der Tagesgast zu den Cafés, Bars und Restaurants gelangen?

Man konnte warten, bis jemand von innen heraus kam oder ein Gast mit Karte von draußen hinein wollte und
dann mit hinein gehen. Dann aber stand man vor dem Problem, das auf dem Rückweg ebenfalls tun zu müssen.
Wenn keiner hinein oder heraus wollte und das Personal gerade kein Auge drauf hatte, blieb nur ein Unterklettern
der Schranke und der Gang auf der Straße entlang. Die OZ-Redakteurin Annett Jonuschat bemängelte dies öffentlich
und auch ich habe es zweimal selbst erlebt:



Kempinski war sich dessen offenbar gar nicht bewusst oder aber es war den Verantwortlichen egal,
denn erst nach dem Ausstieg der Kempinski-Gruppe wurde dieses Problem gelöst. Nämlich so:



Wenn man wieder hinaus will und gerade keiner ein Auge drauf hat, muss man halt über das Tor langen und klingeln.


Ende der Geschichte.
Kommen wir nun zu dem Teil, von dem ich schon schrieb, dass er schon vor diesem hier geschlossen war.


Wie wir hier sehen, existierte eine Promenade bis in den Kleinen Wohld hinein.



Diese gab es etwas versetzt auch 2003 noch. Man ging am Haus "Mecklenburg" vorbei und gelangte an eine Weggabelung.
Geradeaus ging es nicht weiter aber dazu später mehr. Es ging nach links Richtung Burg.
Zu DDR-Zeiten gab es diesen Weg nicht aber dafür führte ein Weg geradewegs parallel zum Haus "Mecklenburg" an dessen Westseite entlang zur Orangerie. Die ECH verlegte den Weg vom Haus weg, damit man nicht an den Fenstern entlang läuft.



So verlief der Weg dann geschwungen Richtung Kurhaus, wo er am Treppenhaus auf die umlaufende Terrasse mündete. Die Touristenströme liefen also direkt zwischen der Außenterrasse eines Cafés im Kurhaus und der Außenterrasse einer Bar in der Burg hindurch. Die Bilder sind im Frühjahr 2003 an einem Werktag morgens entstanden und die Leute dort sind keine Hotelgäste.



Die Anwesenheit der Touristen war nicht das eigentliche Problem. Das Problem war viel mehr, dass sie genau dort hin wollten, wo sie massiv störten. Sie witterten nämlich einen Ausgang genau dort, wo sich die Ladezone der Großküche befindet.



Eine Alternative bot sich an der Orangerie, wo die Tagesgäste aber genau vor den Terrassen der Schlafzimmer
der Maisonette-Suiten entlang liefen. Eine weitere Alternative war der Weg zwischen Kinderclub und Haus "Magdeburg"
hindurch zum Median-Park. Das wurde wohl auch intensiv genutzt, sodass die Median-Klinik ihren Kurpark einzäunte
und das Grand Hotel das Wirtschaftsgebäude umzäunte. Dort wo die ganze Hotellogistik entlang fuhr, mussten
schließlich nicht noch Fußgänger umher laufen. Sie konnten das Hotelgelände auch an der Orangerie verlassen
und um die Median-Klinik herum laufen. 



Allerdings kürzten viele ihren Weg über den Rasen ab, sodass schon bald eine Hecke gepflanzt werden musste:



Nun kam es, dass Stadt und ECH bestehende Verträge erweiterten und neue ausschrieben
und somit für die Tagesgäste einige Veränderungen bevor standen. Zuerst wurden die öffentlichen
Wege über das westliche Hotelgelände entwidmet und der ECH übereignet.
Damit durfte die ECH dann das Hotelgelände in diesem Bereich für die Öffentlichkeit sperren:

 



Wie man sieht, wurden hier unüblicherweise nur karge Büsche und Drahtzäune verwendet.
Der Grund war ganz einfach: Es wird einen zweiten Vertrag geben, welcher der ECH die bisherige Promenade vom
Westrand des Seebrückenvorplatzes bis an den Waldrand - wo wir das weiße Tor vorhin gesehen haben - übereignete.

Alles dahinter bis kurz hinter das Alexandrinencottage gehörte schon der ECH, sodass man damit lediglich
eine unsägliche Sackgasse zu schließen gedachte. Die Leute liefen nämlich am Haus "Mecklenburg" vorbei
und hatten dann vor sich ein Tor, zu ihrer linken einen Zaun und zur rechten eine Mauer mit Strandabgang.

Diese Sackgasse führte zur Verstimmung und Bürgerinitiativen liefen Sturm dagegen.
Sie wollten allerdings eine Öffnung des Waldweges, der sich aber auf ECH-Grundstück befindet.
Dazu später mehr. Als nächstes sollte dieser Teil also für die Öffentlichkeit weg fallen.

Zunächst aber hatte die ECH - bzw. das Grand Hotel - mit einem anderen Problem zu kämpfen:
Die Hecken wurden ignoriert. Viele Leute überstiegen einfach die kleinen Hecken und trampelten über den Rasen.
Damals fotografierte ich solche Situationen nicht, weil ich keine Persönlichkeitsrechte verletzen wollte.
Darum kann ich die Aussage leider nicht beweisen, versichere aber, es mit eigenen Augen gesehen zu haben
und auch mehr als einmal versucht gewesen zu sein, für eine bessere Perspektive eine Hecke zu übersteigen.
Ich tat es dennoch nie. Andere taten es und die Folgen sahen so aus:

Vorher:



Nachher:



Vorher:



Nachher:



Das sind nur zwei Beispiele. Auch vor dem Kurhaus wurden die Hecken mit Zäunen ergänzt.
Die Zäune sind also eine Folge davon, dass es Menschen gab, die die Hecken einfach ignorierten.
Das vergessen die Kritiker oft bei ihrer Argumentation gegen die Zäune.
Man kann sagen, dass nicht die Willkür des Investors Schuld an den Zäunen ist, sondern die Willkür der Tagesgäste.


Als nächstes schlossen die Stadt und die ECH dann Erbpachtverträge und Kaufverträge ab, die das komplettieren sollten, was 1997 im Grundlagenvertrag beschlossen wurde. Das waren also keine neuen Wünsche des Investors, sondern Bedingungen, die schon 1997 festgelegt wurden und erst Jahre später umgesetzt wurden. Sei es, weil sie noch zu prüfen waren oder sei es, dass die städtischen Mühlen nicht schnell genug mahlten oder sei es, dass die Stadtvertreter einfach nicht schneller waren.

Da ab dem Tor am Ende der Promenade und südlich von ihr sowieso ECH-Grundbesitz existierte und die Promenade damit in einer Sackgasse endete und dies immer wieder zum Streitthema wurde, setzte die Stadt gemeinsam mit der ECH dieser unsäglichen Diskussion ein Ende. Die Fläche wurde vererbpachtet und die ECH durfte sie zum Park umwandeln und natürlich auch vom Seebrückenplatz abgrenzen.

Das Grand Hotel hatte damit eine Menge Vorteile erlangt: Die Hotelgäste mussten nun nicht mehr aus- und wieder einchecken, wenn sie zwischen Kurhaus / Grand Hotel /Severin-Palais und Burg / Kinderclub / Orangerie verkehrten. Sie hätten zwar auch über die Arkaden und das Treppenhaus hinten herum ihr Ziel erreicht aber so mussten sie immer durch das Hotel hindurch - ob sie nun leger Strand kamen, verschwitzt vom Joggen, im Bademantel vom SPA oder in Sonntagskleidung vom Essen. Alles musste durch diesen Flur hindurch. Da das Café im Kurhaus und die Terrasse neben den Arkaden liegt, mussten auch die Kellner durch den Flur - praktisch war das nicht gerade.

Nun ging es also um das Haus "Mecklenburg" herum und es war sogar gerade so viel Platz, dass auch die Elektrofahrzeuge dort entlang kamen. Auch die mussten bisher durch den Kleinen Wohld fahren, dann auschecken, über die öffentliche Promenade fahren, wieder einchecken und dann auf dem Hotelgelände ihr Ziel ansteuern - das meistens im Kurhaus lag. Für die Angestellten war das ein Segen, für die Hotelgäste sehr praktisch und für die Tagesgäste bedeutete dies, nun an keiner Stelle mehr mit der Hotellogistik in Berührung zu kommen und möglicherweise umgefahren zu werden. Elektromobile sind fast lautlos.

Nachdem nun offiziell klar war, dass es keinen Weg mehr in den Kleinen Wohld geben wird,
ersetzte die ECH das Tor zum Kleinen Wohld durch ein ordentliches:




Dafür hatte sie ja gemäß den Vereinbarungen von 1997 auf eigene Kosten einen Ausgleich geschaffen, damit die Leute weiterhin zwischen Ost und West umher pendeln können.



Die Stadt nahm diese Alternative so von der ECH ab - die sich verändernden Küstenlinien hatten beide nicht beachtet.
So ist die Alternative leider manchmal nicht nutzbar:



Ganz automatisch gelangen wir nun also von einem Weg zum anderen:

Hinter dem obigen Tor befindet sich ein Park. Der war nicht immer dort.
Da war Wald und der wurde zum großen Teil gerodet, um drei Sommerhäuser für die herzogliche Familie zu errichten:
Nummer eins ist Villa "Krone", Nummer zwei Villa "Marie" und etwas abgelegen Nummer drei Villa "Alexandrine".



Der Wald, in dem sich dieser Park befindet heißt "Kleiner Wohld", also "Kleiner Wald".
Ein Wald war hier auch schon zu Zeiten des Großherzogs aber der begann erst ein wenig hinter den Cottages, so wie es ja auch bei der Perlenkette der Fall war. Die Cottages standen also - wie die Villen der Perlenkette - am Waldrand. Ein Weg führte auf der Küstenkante entlang bis hinter das Alexandrinencottage. Dort senkt die Küste sich ein Stück und bot Platz für einen Steg. Darum heißt der dortige Strandabgang heute auch nach Alexandrines Mutter Auguste von Liegnitz "Liegnitzsteg".

Ob der Weg dann noch weiter nach Westen ging, weiß man heute nicht mehr. Trampelpfade gab es auch damals schon und was weg und was Pfad war, interessierte in einer Zeit von Pferdekutschen kaum jemand. Zeitweise gab es wohl auch einen weg unterhalb der Küstenkante. Allerdings war neben dem Alexandrinencottage früher auch viel mehr Platz bis zum Wasser. Das Meer hat sehr viel Land verschlungen.



Zu Bäumen kam die Gegend zwischen Burg und Alexandrinencottage erst mit dem Bau dieser Cottages, also seit 1840.
Landschaftsarchitekt Lenné war es, der nach dem Vorbild des Schweriner Schlosses, des Potsdamer Sanssouci und anderer Meisterwerke hier einen Landschaftspark anlegte. Aus den kleinen Bäumchen wurden schnell große Bäume und so präsentiert sich das Ganze heute als Wald. Dennoch ist der Parkcharakter bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts erkennbar gewesen.



In der ferneren Vergangenheit war der Bereich um das Alexandrinencottage ein Anziehungspunkt.
Die lebensfrohe und leutselige Großherzogin war eine gern gesehene Frau und so tummelten sich
prominente Gäste Heiligendamms gern in ihrer Nähe auf der Küstenkante.



Später zogen sich Mitglieder der großherzoglichen Familie nach Heiligendamm zurück und es wurde ruhiger um sie.
Der Bereich der Großherzoglichen Familie wurde vom Hotelgelände durch einen Zaun getrennt und so fand man ihn dann auch im Dritten Reich noch vor. Kommandanten kamen, Kommandanten gingen und nach 1945 wurden dann in die drei Cottages Behandlungszentren für spezifische Krankheiten untergebracht.

Wie auch der Rest des Sanatoriums war dieser Bereich insofern öffentlich, dass jeder hindurch laufen konnte. Der Hauptweg für die Fußgänger und Radfahrer war jedoch der nördliche (rechts) der beiden Wege, während der südliche (links) als Zufahrt für Autos diente. Der rechte Weg führte auch auf die Aussichtsplattform und ging dann in Form eines unbefestigten Sandweges durch den Wald bis zum Kinderstrand und von dort aus weiter nach Kühlungsborn. Die Wege zwischen den beiden Hauptwegen waren Parkwege und ein Teil der Bäume wurde gefällt, um eine grüne Wiese vor dem Haus "Weimar" (Alexandrinencottage) zu bilden.



Diese Bilder stammen aus der DDR-Zeit, als das Alexandrinencottage im Kleinen Wohld noch "Haus Weimar" hieß und als Spezialbehandlungshaus diente. Zwei Wege führten zum Cottage. Der linke Weg führte als Straße von der Kühlungsborner Straße am Konsum vorbei, zwischen der Burg und dem Verwaltungsgebäude (Haus Brahn) hindurch, vorbei an den beiden anderen Cottages direkt auf den Hof des Alexandrinencottages. Der rechte Weg hingegen war ein Fußweg und führte vor das Alexandrinencottage auf die Aussichtsplattform, sowie nach links auf die Straße. Dazwischen gab es einige Querverbindungen. Das ganze gestaltete sich als Park und wurde schon zu Zeiten des Großherzogs als solcher angelegt. Kein geringerer als Lenné war dafür verantwortlich.

Nach Westen hin führte ein nicht von Lenné angelegter Weg die Küstenkante entlang bis zum Kinderstrand.

Auf dem folgenden historischen Foto zeigt sich, dass dieser Weg schon vor dem Umbau des Alexandrinencottages vorhanden war.



Zu DDR-Zeiten war der Kleine Wohld ein beliebtes Ausflugsziel.
Hier sind besonders die Aussichtsplattform vor dem Haus "Weimar" (Alexandrinencottage) und der Kinderstrand hervor zu heben. Die Promenade verjüngte sich in den Wald hinein. Zeitweise war die Promenade auch geteilt, sodass Radfahrer und Fußgänger sich zwischen Seedeichstraße und Waldanfang nicht in die Quere kamen.



Mit dem Verkauf des Gesamtpaketes "Heiligendamm" wechselte auch das Land, auf dem die Cottages stehen seinen Besitzer. In Rerik hat die Stadt vorsorglich einen Streifen auf der Küstenkante gekauft, sodass ein Spaziergang auf der Steilküste dort bis kurz vor der Seebrücke möglich ist. Bad Doberan kaufte keinen Streifen der Küstenkante, sodass dort auch kein öffentlicher Weg entlang gezogen werden kann. Der Investor konnte sich auch nicht aussuchen, was er kaufen möchte und was nicht. Er erwarb automatisch den ganzen Bereich bis zur Küstenkante mit. Dennoch hatte die Stadt 6 Jahre lang die Möglichkeit gehabt, den Küstenstreifen zu kaufen und nach dem Kauf durch den Investor hätte die Stadt den Bereich immer noch von ihm abkaufen können.

Die Stadt hatte aber aus ganz verschiedenen Gründen kein Interesse. Ein Grund ist zum Beispiel, dass der Weg sehr nahe am Alexandrinencottage vorbei geht und auch die Aussichtsplattform dicht am Haus ist. Man hätte jegliche Nutzung des Alexandrinencottages im Vorfeld erschwert. So schön es dort auch ist - mit Touristen im Vorgarten würde auch keiner was zu tun haben wollen. Hinzu kommt, dass die Küstenlinie keine feste Größe ist. Küstenabbrüche gehören zum Alltag der Steilküste. Möglicherweise wäre der Weg irgendwann ins Wasser gefallen. Wie viel Land ist vor dem Wasser sicher? Wie viel hätte die Stadt also kaufen müssen?

Ein ganz anderer Grund ist, dass zunächst vorgesehen war, im Kleinen Wohld einen Kurwald einzurichten und den heutigen Kurwald hinter der Perlenkette zum Hotelpark zu machen. Damit wäre ein Weg durch den Kleinen Wohld nicht so ein großes Problem gewesen. Man hatte aber Angst vor den Reaktionen der Bürger auf die Einfriedung des Waldstückes hinter der Perlenkette und tauschte daher sein Anliegen. Allerdings war es da möglicherweise schon zu spät, um einen Streifen Land zu kaufen.

Dennoch war die Stadt darauf bedacht, die Ost-West-Verbindung gewährleisten zu können. Darum verpflichtete sie die ECH zum Bau einer Verbindung über das Packwerk unterhalb des Alexandrinencottages auf eigene Kosten. Das Ergebnis haben Sie weiter oben schon gesehen. So war es dann auch legal, dass die ECH auf ihrem Grundstück ein Tor aufstellte, welches den bisherigen Weg in und durch den Wald versperrte.
 


Im nächsten Schritt wurde dann - wie weiter oben schon beschrieben -
die Promenade per Erbpacht auf diesem Abschnitt der ECH überschrieben.



Der Park wurde mit einer Ligusterhecke vom Seebrückenplatz getrennt, sodass unmissverständlich klar ist, dass es hier nicht weiter geht. Wer das nicht weiß - wer noch nie in Heiligendamm war und Heiligendamm nicht von Bildern kennt - wird glauben, dass hier schon immer die Promenade in einem großen Platz mündete und sich auf die Seebrücke und den Strand "ergießt".



Die Hotelgäste haben durch die Umgestaltung einen eigenen Strandabgang.
Obenauf befindet sich die Strandbar, die auch über den Zaun hinweg verkauft.



Aus der einst unnütz-unförmigen Ecke wurde ein Park der glauben lässt, schon immer dort gewesen zu sein.




Doch wie kommt man überhaupt zur Promenade?

Um diese Frage zu beantworten, gehen wir zum letzten verschlossenen Weg.

Google MAPS kennt noch die alte Wegführung, wie sie seit 1997 bereits nicht mehr praktiziert wird.
Abwechselnd gab es immer mal einen Weg vor der Perlenkette parallel zur Professor-Vogel-Straße und eine bis drei Verbindungswege zur Promenade. Mal fiel das eine weg und mal das andere - wie die Gebäude gerade genutzt wurden.



Von "unten" sah das dann so aus:




Der letzte Stand war 1997, dass mit dem Kauf der Perlenkette und des dazu gehörigen Grundstücks von der ECH alle Wege zwischen Promenade und Professor-Vogel-Straße, sowie zwischen Seebrückenplatz und Haus "Bischofsstab" entfernt wurden.
Der Grund ist einfach und simpel: Die Häuser haben ihre Eingangstüren zur Professor-Vogel-Straße hinaus und ihre Terrassen, Balkone, Loggien und Veranden zur Seeseite hin. Das war vorher freilich nicht anders aber die Ansprüche haben sich geändert.

War die Perlenkette zu DDR-Zeiten eine ganz normale Häuserreihe inmitten eines ganz normalen Stadtteils, sollte es nun eine Hotel-Häuserkette inmitten eines Hotelresorts sein. Sind bei städtischen Wohnhäusern vor den Fenstern und Terrassen vorbei ziehende Touristen durchaus üblich, ist dieser Umstand für Hotelgäste eines Resorts schwer vermittelbar.
Die Wege mussten also weg.


Um einen Trampelpfad zuvor zu kommen, legte die ECH lediglich einen Sandweg zwischen Villa "Perle" und dem Grandhotel als Durchgang an. Die Professor-Dr.-Vogel-Straße war zu der Zeit öffentlich und durchgängig begehbar. Die bestehenden Hecken hinter den einzelnen Perlen in Verbindung mit Drahtzäunen und Büschen bildeten fortan eine Sperre gegen Abkürzungen über den Rasen.

Dies ist unsere Ausgangssituation im Jahre 2003, aus dem die folgenden Bilder stammen.
Wir sehen den direkten Weg vom Molli-Bahnhof über die Bushaltestellen in der Kühlungsborner Straße hin zur Professor-Vogel-Straße, wo der Weg neben dem Post-Haus endet.

Im Jahre 2003 war dieser Weg noch recht eben und von grün umsäumt.
Wir sehen hier von der Perlenkette aus kommend den Weg Richtung Bahnhof.



Nachdem man die Kühlungsborner Straße überquerte, gelangte man in das nächste Wäldchen
Das "Licht am Ende des Tunnels" ist eigentlich der schneeweiße Molli-Bahnhof.



In den Jahren 2006 und 2007 wurde die Kühlungsborner Straße samt Nebengelass neu errichtet.
Im Zuge dessen entstanden zwei Bushaltestellen, eine Ampelanlage mit Verkehrsinsel, sowie Parkplätze.
Heiligendamm erhielt an den neuen öffentlichen Flächen eine helle Pflasterung.



Vom Bahnhof aus kommend präsentierte sich der direkte Weg zur Perlenkette im Abschnitt des jetzigen Kurwaldes - also in dem Teil, der sich zwischen Kühlungsborner Straße und Professor-Vogel-Straße befindet - zertrampelt und teilweise verwüstet:



Wie man sieht, weisen die Wegweiser zum Strand und zur Seebrücke nach Osten, statt geradeaus.
Einer der Wegweiser stand an der ersten Wegkreuzung des Waldes. Ortsunkundige liefen so nach Osten und gelangten über die Seedeichstraße direkt zur Promenade. Diese Schilder hatte die Stadt aufgestellt und sie mögen den Sinn gehabt haben, die Gäste direkt auf die Kurtaxenautomaten zu verweisen, von denen es nämlich im westlichen Promenadenbereich keinen gibt. Dafür spricht, dass diese Schilder erst kurz nach Einführung der Kurtaxe aufgestellt wurden.

Da sie aber 2003 schon standen, vermuteten Kritiker, dass sie von der ECH aufgestellt worden wären.
Diese aber darf gar keine Schilder auf städtischen Grundstücken aufstellen, ohne wenigstens eine Genehmigung zu haben.
Die Beschilderung spricht aber in der Art und Ausführung eindeutig dafür, von der Stadt selbst aufgestellt worden zu sein.
Diese Schilder finden sich auch an anderen Stellen Heiligendamms, die nicht im geringsten mit dem Grand Hotel oder ECH-Grundstücken zu tun haben - am Bahnhof, dem Liegnitz-Steg und Kinderstrand zum Beispiel.

Das folgende Bild zeigt das Ende des Weges. Genau hier mündete er in die Professor-Vogel-Straße. Als die Villa "Perle" noch stand (also vor 2007) konnte man die Seebrücke von hier aus nicht sehen und lief als Ortsunkundiger nach rechts in Richtung Kurtaxenautomaten. Mit dem Abriss der "Perle" wurde dann auch der westliche Bereich stärker frequentiert, was auch ein Grund für die zuvor erklärte Sperrung des südwestlichen Endstückes der Straße zwischen Grand Hotel und Severin-Palais ist.





Im Frühjahr 2009 lief der Seeheilbad-Status Heiligendamms aus. Voraussetzungen für eine Verlängerung dieses 2004 nur vorläufig erteilten Status bzw. für eine nicht mehr nur vorläufige Erteilung sind unter anderem das Vorhandensein einer Tourismusinformation und eines Kurparks. Während Heiligendamm die Tourismusinformation zum Besichtigungstermin vorweisen konnte, hatte der Ort keinen Kurpark anzubieten. Dieser war allerdings schon seit Beginn der Investitionen geplant gewesen und sollte in Großen Wohld zwischen Professor-Vogel-Straße, Kühlungsborner Straße, Seedeichstraße und Severin-Palais entstehen.

Das Problem dabei war, dass ein Kurpark sich nicht realisieren lassen würde. Zum einen handelt es sich um einen Wald und zum anderen gehört das Grundstück, auf dem sich dieser Wald befindet der ECH. Würde man dort einen Kurpark einrichten, wäre das ein Privatpark der ECH und damit müsste die ECH ihn pflegen. Da es absolut unüblich ist, dass ein Gewerbebetrieb für eine Stadt einen Park auf seinem Grundstück errichtet und auch noch pflegt, nur damit die Stadt ihren Seeheilbadstatus halten kann, musste eine Lösung gefunden werden.

 

Diese sah dann so aus, dass man keinen Kurpark einrichtete, sondern einen Kurwald.
Der Wald befindet sich auf dem Grundstück der ECH und die ECH richtet diesen Wald her, legt Wege an, renaturiert die Waldflächen, fällt gefährdete und gefährliche Bäume, stellt Bänke, Papierkörbe, Lampen, Tore, Zäune usw auf, legt Rabatte, Beete und Rasenflächen an, pflanzt Büsche, Bäume und Sträucher und übereignet die Wegflächen der Stadt. Damit sind die Wegflächen öffentlich und alles was sich daneben befindet, ist Privatgrundstück. Um nun ein Verlassen der Wege zu verbieten, musste eine Kurwaldordnung her, die extra für Heiligendamm geschaffen wurde und anno 2009 auf eine Genehmigung wartet. Diese Ordnung regelt, dass bis auf Ausnahmen (Wiese vor der Kapelle) die Wege nicht verlassen werden dürfen, dass nicht mit dem Fahrrad durch den Kurwald gefahren werden darf und wie genau sich im Kurwald zu verhalten ist. Ohne Kurwaldverordnung gäbe es keine rechtliche Handhabe, um Verstöße zu ahnden.

Was aber am Kurwald das wichtigste ist, ist sein Wegenetz.
Das Wegenetz ist öffentlich und gehört der Stadt und wird durch die Stadt gepflegt.
Für alles außerhalb der Wege ist mehr oder weniger die ECH verantwortlich, da es aber ein natürlicher Wald bleiben soll, wird da nicht andauernd im Wald herum gewirtschaftet werden. Es geht in erster Linie um Sauberkeit und Ordnung.

Der Plan zeigt aber bereits 2008 deutlich, wo der Kurwald entlang verläuft (die schwarzen Punkte sind seine Grenze) und wie die Wege verlaufen werden. Im nördlichen (oberen) Bereich erkennen wir deutlich, dass ein ganzes Stück Wald- und Freifläche nicht mehr zum Kurwald gehören, sondern von der ECH für Bebauungen vorgesehen (und auch durch Stadt and Ämter genehmigt) sind.
Der bisher durchgehende Weg gabelt sich nach Osten in zwei sich ebenfalls nach Osten gabelnde Wege.

 


Für den Bau des Kurwaldes war kein Zeitpunkt festgelegt. Wenn die ECH einen Teil des Kleinen Wohldes zum Hotelpark machen wollte, dann sollte sie auch den Kurwald fertig stellen. Da die Sanierung der Perlenkette für die ECH wichtiger war, als die Einrichtung eines Hotelparks, hätte auch der Kurwald zunächst noch warten müssen. Nach Abschluss der Bauarbeiten an der Perlenkette und Fertigstellung der Neubauten neben den Kolonnaden wäre es ein guter Zeitpunkt gewesen, den Kurwald in Angriff zu nehmen.

Die Stadt Bad Doberan aber brauchte den Kurwald schon eher: Im Frühjahr 2009 würde die Kommission kommen und über den Seeheilbadstatus entscheiden. Wenn dann kein Kurpark oder Kurwald vorhanden ist, gibt es auch keinen Seeheilbadstatus. Also bat die Stadt die ECH darum, bis Frühjahr 2009 den Kurwald fertig zu stellen. Die ECH erfüllte der Stadt diesen Wunsch und errichtete über zwei Herbste und Winter den Kurwald, um ihn dann im Frühjahr 2009 zu übergeben.

Nun ergab sich also folgende Situation:

Vom Bahnhof, dem Parkplatz oder den Bushaltestellen aus kommend ging es auf geraden und nebenstreckenlosen Wege auf ein Rondell, das in seiner natürlichen Form dazu bewog, nach rechts - also Osten - weiter zu laufen. Die Ausschilderung ist klar und missverständlich: Zum Strand geht es nach rechts. Die Seebrücke wurde vergessen auszuschildern aber das soll nachgeholt werden.

Am Wegesrand stehen zwei Bänke und ein Mülleimer, sowie eine Stablampe und der besagte Wegweiser. Dahinter befand sich eine Blumenrabatte. Diese wurde innerhalb weniger Tage zertrampelt und die Leute liefen einfach geradeaus weiter. Das war schon bei der Übergabe des Kurwaldes zu beobachten und selbst die Bitte des Bürgermeisters an einen Radfahrer, der durch die umgepflügte Schneise radeln wollte, nach Umkehr, wurde ignoriert. Frische Pflanzen nahmen Schaden und einige wurden ganz offensichtlich ausgegraben und gestohlen. Darum stellte die ECH einen keinen grünen Zaun hinter das Sitzrondell, um einen Durchgang zu verhindern. 


Hier sieht man deutlich, dass der Zaun auf einen Trampelpfad gebaut wurde:



Nun präsentierte sich der ehemalige Weg folgendermaßen:



Kein Mensch würde beim ersten Besuch auf die Idee kommen, hier einen Weg geradeaus zu suchen.
Einheimische jedoch wussten, dass man am Zaun vorbei zur Perlenkette gelangt und umgingen den Zaun einfach:




Der Zaun machte also nur noch Sinn, wenn man dasselbe auch am Ende der Schneise tat.
Also wurde auch dort ein Zaun errichtet. Diesmal ein schwarzer und höher.

Damit war die Schneise eingefriedet und hätte zu wachsen können, wenn es noch Pflanzen darin gegeben hätte.
So sah es von Süden nach Norden aus:



Im Norden hätte ein Unkundiger gar nicht vermutet, dass es dort jemals hindurch ging.
Ein Zaun mit einer Hecke dahinter erweckten den Eindruck, dass es dort schon länger keinen Durchgang mehr gibt:

 

 

Die Zäune wurden also letztendlich von Ortskundigen - von Einheimischen - verursacht.
Mit diesem letzten Zaun sollte eigentlich alles geregelt sein. Was jedoch dann geschah, ist beinahe unglaublich:

Die Ostsee-Zeitung veröffentlicht einen Leserbrief mit einem Aufruf zum "zivilen Ungehorsam" - also Straftaten.
 


OZ/LOKAL/DBR vom 18.05.2009 12:00

Zu „Heiligendamm: Letzter Weg . . . “, OZ v. 8. Mai, schreibt Matthias Burkhardt, Börgerende:

„Ein anderes Wort als ,Schikane‘ fällt mir zu der Beseitigung des ,Stichweges‘ nicht ein. Fußgänger müssen jetzt 500 Meter Umweg auf sich nehmen. Das ist für alte oder behinderte Menschen, die vom Molli-Bahnhof oder vom Parkplatz mal an die Seebrücke wollen, sehr viel. Es fällt mir auch beim besten Willen kein vernünftiger Grund zur Beseitigung des Weges ein, ist doch die reichlich abgeschottete Jagdfeld-Trutzburg weit entfernt. Ich werde den gesperrten Weg so oft wie möglich benutzen. Ziviler Ungehorsam ist ein bewährtes Mittel des Protestes. Dass die Doberaner Stadtvertreter diese Schikane, wenn auch mit knapper Mehrheit ,abgenickt‘ haben, erstaunt mich am meisten. Vielleicht sollte die Bevölkerung bei den bevorstehenden Kommunalwahlen darauf achten, dass einige permanente ,Abnicker‘ mal abgelöst werden.“
 


Kurz darauf wurden dann auch weitere immer schwerwiegendere Straftaten begangen. Die Krönung:
 

Zukunft Heiligendamm | Ausgabe Juli 2009

Vandalismus im Kurwald


Bereits wenige Tage nach seiner Wiedereröffnung muss die Stadt im Kurwald Sachbeschädigungen verzeichnen.
Und dies leider nicht zum ersten Mal. Die Kosten trägt der Steuerzahler.

 

Die Freude aller Beteiligten war groß, als die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) am 4. Juni den neu gestalteten Kurwald in einem feierlichen Festakt

der Öffentlichkeit übergeben hat. Ob Stadtvertreter der verschiedenen Parteien oder die Repräsentanten der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) an der Spitze: Das Lob für das neue Schmuckstück Heiligendamms war einhellig.

Es dauerte jedoch nur wenige Tage, bis Vandalen die neue Landschaftsarchitektur vorsätzlich beschädigten:
Im Schutz der Dunkelheit rissen sie eine Parkbank (s. Foto) samt ihrer beiden Sockel aus dem Boden und versetzten sie.
„Da müssen mehrere am Werk gewesen sein. Denn dafür braucht man viel Kraft“, zeigt sich ECH-Geschäftsführer Hans Schlag entsetzt.

Den Schaden schätzt er auf 500 Euro, zu tragen von der Stadt Bad Doberan.
Denn die ECH hat auf ihre Kosten den Kurwald neu errichtet; für Pflege und Unterhalt ist vereinbarungsgemäß die Münster-Stadt zuständig.

Auch von Seiten der Stadtverwaltung zeigt man sich enttäuscht über die Zerstörungswut.
Ihr Hintergrund ist vielen Doberanern aber bekannt: Einige Heiligendammer kündigten jüngst öffentlich Aktionen an, die den Kurwald beschädigen.
Denn sie wollen auf einem Trampelpfad auf dem kürzesten Weg zur Professor-Vogel-Straße gelangen – gleich was ihnen dort im Weg steht, wie hier etwa die Parkbank.

„Ziviler Ungehorsam“ nennen einige diese Sachbeschädigung, die übrigens auch ein Schlag ins Gesicht der Stadtvertreter ist.

Denn sie hatten sich für die jetzige Gestaltung der Grünfläche entschieden. Im Interesse des Erhalts des Kurwaldes für Doberaner und auswärtige Gäste hat die ECH daher an der entsprechenden Stelle einen kleinen  Zaun angebracht, um weiteren Vandalismus zu verhindern. Aber bereits im Frühjahr waren dunkle Gestalten im Kurwald unterwegs. Und gruben nach Einbruch der Dämmerung frisch gesetzte Pflanzen aus. Die Suche nach den Tätern verlief, wie auch im Falle der Parkbank, bislang leider ergebnislos. ECH-Geschäftsführer Schlag schüttelt den Kopf: „Es ist sehr schade, dass dieser Wald, den wir für die Allgemeinheit errichtet haben,

von einigen wenigen mutwillig beschädigt wird.“
 

 

 

Dieser Sockel sicherte die Bank.
Vandalen haben ihn nachts aus der Verankerung im Boden gerissen.


Von Christian Plöger

 


Darauf schockierte die Ostsee-Zeitung mit einer sensationsgierigen Bildanzeige, für die Fotograf Söllner selbst eine Straftat beging:

Bildbeitrag in der Ostsee-Zeitung vom 19.06.2009 (Bildschirmfoto):


Die ECH reagierte entrüstet:
 

/OZ/LOKAL/DBR vom 23.06.2009 12:00
 

ECH sieht keine Alternative zum Zaun
 

Zum Foto vom Zaun am gesperrten Weg zwischen dem Bahnhof Heiligendamm und der Seebrücke (OZ vom 19. 6.) schreibt Kirsten Brasche-Salinger, Pressesprecherin der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH):
 

„In der heutigen Ausgabe der Ostsee-Zeitung haben Sie einmal mehr einen einseitigen Bericht zum Thema Kurwald mit einem propagandistisch aufgemachten Foto abgedruckt, das wir so nicht stehen lassen möchten.

In Ihrer Zeitung haben Sie vor nur wenigen Wochen, nach Fertigstellung des Kurwaldes, durch den Abdruck eines Leserbriefes indirekt zum zivilen Ungehorsam durch Nichtbeachtung der neuen Wegeführung im Kurwald aufgerufen. Diesem wurde stark Folge geleistet. Täglich wurden Pflanzen zertreten und ausgerissen und sogar eine neu aufgestellte Bank aus dem Fundament gerissen, so dass ein beachtlicher Sachschaden entstanden ist. Darüber haben Sie indes leider nicht berichtet.

Die einzige Möglichkeit, diese Schäden in der Zukunft zu vermeiden, war die Errichtung des Zaunes, über den Sie berichten und dessen Aufstellung mit der Stadt sehr wohl abgestimmt ist. Wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass es sich hier nicht um eine willkürliche neue Wegeführung unsererseits handelt, sondern Wege so geschaffen wurden, wie sie durch die SVV von Bad Doberan festgelegt wurden. Überdies gibt es die Verordnung über den „Kur- und Erholungswald Heiligendamm“ des Landes MV, die in § 4 u. a. gesetzlich regelt, dass es verboten ist, die gekennzeichneten Wege zu verlassen.

Ihr Fotograf, Herr Söllner, hat für diese Aufnahme Landfriedensbruch begangen, wozu wir uns rechtliche Schritte vorbehalten. Um eine solche Perspektive zu erzielen, muss man sich schon sehr anstrengen, denn der Zaun ist nur wenige Meter breit und keine zwei Meter hoch. Ein Tourist, der durch die Prof-Vogel-Straße radelt, bemerkt den Zaun kaum, da muss ihm schon genaue Anweisung gegeben werden, wo er sich hinstellen soll. Dass jemand daran rüttelt oder wie im Gefängnis durchschaut, ist auf schlimme Art von Ihrer Seite konstruiert. Nach wie vor ist mir unverständlich, warum Sie mit allen Mitteln diese Anti-ECH-Stimmung im Doberaner Teil Ihrer Zeitung aufbauen. Warum berichten Sie nicht aus beiden Sichtweisen und kontaktieren uns/mich vor einer solchen Geschichte, damit auch unsere Sicht der Dinge in einem Beitrag zur Sprache kommt?“

 


Dem Bürgerbund fiel auf, dass die ECH den kleinen Zaun am Wegrondell auf öffentlichem Grund aufgestellt hatte.
Ungeachtet der Gründe für dieses Handeln beantragte der Bürgerbund eine Entfernung des Zaunes, den er
populistisch im Jargon der Stasi und DDR-Grenztruppen "Personensperranlage" nannte.

Die erste Amtshandlung der neuen Stadtvertretung im Juli 2009 war also die Verfügung an die ECH,
den Zaun wieder zu entfernen. Die ECH kam der Aufforderung prompt nach, erklärte aber auch den
Grund für den Zaun. Sie versetzte den kleineren Zaun vom Wegrondell an die Stelle des größeren
Zaunes an der Professor-Vogel-Straße.



Damit blieb Dank der Stadtväter die Schneise eine Sackgasse.
Von nun an liefen die Leute in Scharen in diese Sackgasse, um dann teilweise wieder umzukehren,
teilweise aber auch Zäune zu über- oder unterkriechen. Zuerst sah es zwischen Kolonnaden und "Schwan" so aus:




Das Bild entstand, als der Weg noch offen war.
Bald darauf entstand ein Trampelpfad über den frisch gesäten Rasen hin zum kleinen Zaun an den Kolonnaden:



Also errichtete die ECH dort auch einen großen Zaun:



Die Leute stört das wenig. Munter laufen Anarchisten und Ahnungslose zusammen in die Schneise
Schilder werden übersehen oder ignoriert, die kaputte Bank dient nicht mehr als Sperre und wurde entfernt.

 
Die Leute laufen teilweise mit böser Absicht, größtenteils aber auch völlig ahnungslos in die Sackgasse.


Aber sie lassen sich nicht beirren. Umdrehen? Niemals!



Statt dessen bilden sie sich ihren eigenen Weg über den frischen Rasen.



Anarchie kennt keine Grenzen. Ich habe hier junge Leute gesehen, Eltern mit Kindern, Einzelpersonen, Paare, Mann und Frau, jeden Alters, ja sogar zwei alte Leute mit Gehhilfen, die sich zwischen den Zaunteilen hindurch quälten.

Nur Radfahrer kommen schimpfend zurück. Sie schimpfen auf den Investor.
Wir erinnern uns: DER hatte hier den Weg dicht gemacht, damit niemand in eine Sackgasse läuft.
Einige erkennen aber auch das wahre Übel und schimpfen auf die Stadt. Und kommen nicht wieder her.





Ertappt: Zaunkletterer in Heiligendamm sind keine Einbildung. Hier sind sie:











Das sind nur einige Bilder und diese von nur 15 Minuten eines Montagvormittags im November 2009.
Wie man sieht, habe ich mich dafür nicht versteckt - die Leute sind vor meiner Kamera geklettert.

Die ECH hat das Problem erkannt und auf Drängen der Stadt den Zaun entfernt.
Die Schneise wird so lange frei bleiben, bis die Baumaschinen für die Villa "Perle" anrücken.
Das wird im Sommer 2010 der Fall sein und ab da bleibt dieser Durchgang dann für immer geschlossen.
Einfach, weil er über Privatgrund verläuft. Später wird der Bereich wie geplant durch zwei Neubauten überbaut.


Dabei ist es absolut nicht so, dass man nicht mehr zum Strand, zur Promenade oder zur Seebrücke gelangt.
Es gibt einen gut ausgebauten und beleuchteten Weg, auf dem jeder Weg des Kurwaldes und des Großen Wohldes mündet und den man ganz automatisch nimmt, wenn man keine Schilder ignoriert: Die Seedeichstraße.



Sie führt direkt auf die Parkplätze, den Imbiss, das Café, die künftige Strandversorgung und die Strandaufgänge zu.



Man kommt also nach wie vor von Süden nach Norden und von Norden nach Süden. Ein weiterer Weg zwischen Kühlungsborner Straße und Seedeichstraße existiert am Ortseingang im Wald und über die Straße zum Kinderstrand erreicht man ebenfalls über zwei Strandabgänge (Kinderstrand und Liegnitzsteg) den Strand. Um einen brauchbaren Rundweg zu gewährleisten, verlängert die Stadt sogar auf Kosten der ECH den vorhandenen Steg über das Packwerk und bindet ihn an die Strandabgänge 2 und 3 an.

Lediglich hat sich die Länge des Weges vom Molli-Bahnhof zur Seebrücke um etwa einen halben Kilometer erhöht. Dennoch hat Heiligendamm vom Bahnhof bis zum Strand kürzere Wege, als Kühlungsborn, Warnemünde, Graal-Müritz und Ribnitz-Damgarten. Das Gros der Touristen fährt davon abgesehen mit dem Auto oder Bus bis direkt an den Strand.

Es sind auch nicht so sehr die länger gewordenen Wege, die kritisiert werden, sondern die Wegnahme einst öffentlicher oder zumindest öffentlich nutzbarer Wege. Nur wenige eingefleischte Gegner nutzen die Länge der Wege als eines ihrer vielen flächendeckenden Argumente, wobei sie den Beweis stets schuldig geblieben sind. Die Touristen würden vom Wegfall der Wege gar nichts bemerken, wenn sie nicht wie im Falle der Schneise darauf stoßen würden. Die geschlossene Schneise war kein Problem für die Touristen. Ich habe nie einen Touristen gesehen, der den Zaun umging. Nach der Öffnung des Zaunes jedoch liefen mehr als zwei Drittel der Touristen in die Sackgasse und waren am Ende aufgebracht wegen dieses Zustandes. Dennoch erinnern wir uns: Heiligendamm kam zunächst ohne Zäune daher. Hinter jedem Zaun steht eine Notwendigkeit. Zäune gibt es nicht kostenlos mitzunehmen - jeder Zaun kostet dem Investor Geld. Bevor man dieses ausgibt, wird genau überlegt. Hinzu kommt, dass alle Zäune von der Stadt Bad Doberan genehmigt oder - wo es nichts zu genehmigen gibt - gebilligt wurden.


Fazit
 

Wir sehen also: Die Zäune in Heiligendamm sind nicht Ursache aller Probleme, sondern sie manifestieren die Probleme.
Die Zäune stehen für Veränderungen in der Struktur einer Landschaft, wie auch in den Köpfen der Menschen.
Aus einem relativ zaunarmen gemeinschaftlichen Besitz wurde ein Privatbesitz. Viele Leute akzeptierten diese neuen Zustände nicht, andere erkannten sie einfach nicht und wieder andere wollten sie abschaffen. Allen gemein ist, dass sie den Privatbesitz so lange durchliefen, bis der Besitzer ihn einzäunte.

Die Einzäunung war die logische Konsequenz aus der Missachtung des Privatbesitzes.
Jeder Grundstückseigentümer, der sein Grundstück, sein Haus, sich selbst oder seine Gäste gefährdet sieht, friedet sein Grundstück ganz selbstverständlich ein. Sei es durch hohe Hecken oder mittels wenigstens durchsichtiger und nicht so hoher Zäune. Eingezäunte Grundstücke finden wir in der Gartenstraße und an der Kühlungsborner Straße ebenso vor. Manche mehr und manche weniger blickdicht. Aber hier musste der Investor Auflagen erfüllen, denn die Häuser auf seinem Grundstück mussten sichtbar bleiben.

Jedoch gibt es ganz offensichtlich eine Differenzierung zwischen den selbstverständlichen Zäunen um die Privatgrundstücke der etwa 100 Heiligendammer Grundstückseigentümer und den Zäunen um das Grand Hotel.
Diese Differenzierung - dieses Messen mit zweierlei Maß - lässt sich möglicherweise nur soziologisch erklären.
Die Zäune sind nur Sinnbilder der Trennung. Sie trennen in erster Linie Arm und Reich, ein wenig auch Ost und West, sicherlich auch Macht und Ohnmacht. Sie trennen Gewinner und Verlierer, Einfluss und Bedeutungsarmut, Bewegung und Stillstand, Größe und Kleinheit, Selbstbewusstsein und Selbstzweifel, Mut und Unmut, Luxus und Schlichtheit, Historie und Gegenwart.
 

Die Zäune können erst weichen, wenn Arm und Reich ihre Gegensätze überwinden, wenn Ost und West kein Thema mehr ist, wenn die Macht des einen nicht zur Ohnmacht des anderen führt, wenn die Verlierer aufhören, sich selbst zu bemitleiden, wenn Einfluss nicht mehr Bedeutungsarmut verursacht und wenn Luxus das Aushängeschild des Ortes ist und die Bewohner stolz macht.

Die Mauer fiel und mit dem Mauerfall trat genau das wieder ein, was ihren Bau gewissermaßen notwendig machte: Massenflucht, Ausbluten, Zusammenbruch soziologischer und schließlich sozialer Strukturen, schleichender Zerfall. Genau wegen diesen Problemen wurde die Berliner Mauer errichtet - genau deshalb mauerte sich die DDR ein. Doch gerade diese Mauer schaffte neue Probleme. Und diese Probleme ließen die Menschen die Mauer wieder nieder reißen. Mit dem Fall der Mauer waren die Probleme wieder da. Was ist zu tun? Eine neue Mauer bauen? Oder einig Vaterland werden?

Die Frage stellt sich auch in Heiligendamm: Löst das Wegnehmen der Zäune die aktuellen Probleme
oder ruft es nur die alten Probleme - die der Bau der Zäune verhindern sollte - wieder hervor?

So wie Deutschland einig Vaterland werden muss, so müssen Heiligendamm und Bad Doberan das Grand Hotel integrieren und mit ihm eins werden. Erst wenn dieser Wirtschaftsbetrieb kein Fremdkörper mehr ist, ist eine Lösung in Sicht.

Heiligendamm ist der Spiegel unserer Gesellschaft. Habe ich das nicht schon 2004 geschrieben?


Übrigens: Aus immer denselben Mündern hört man immer wieder dasselbe Argument, welches sinngemäß lautet: "1989 fiel in Berlin die Mauer und 2003 wurde sie in Heiligendamm wieder aufgebaut."
Das ist nicht nur eine tiefe Beleidigung des Investors und der Stadt, sondern besonders ein derber und harter Schlag ins Gesicht der Menschen Berlins, die von ihren Familien und Freunden getrennt wurden, die ihr Leben für eine Flucht auf das Spiel setzten, die verhaftet, verurteilt und eingesperrt wurden, die an der Mauer erschossen wurden, im Stacheldraht verbluteten oder beim Fluchtversuch durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verstarben.
Nichts - aber auch absolut gar nichts - ist in unserem Lande mit der Berliner Mauer vergleichbar.

Darum sollte kein denkender und vernünftiger Mensch je einen Zaun, eine Mauer, einen Wall oder eine Hecke um ein Grundstück oder eine Sperrung auf Grund veränderter Eigentumsverhältnisse mit diesem Todesbauwerk vergleichen.

 

Alle Themen des Schwerpunkt-Komplexes:

Thema Nummer eins: Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?
Thema Nummer zwei: Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Thema Nummer drei: Warum sind alte Wege verschwunden?
Thema Nummer vier: Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?

Zur ausführlichen öffentlichen Diskussion mit Zeitungsarchiv, Leserbriefen, Kommentaren, Bildern und Analysen.