Zeit am Meer


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Warum verfallen Häuser in Heiligendamm? Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Warum sind alte Wege verschwunden? Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?


Schwerpunkt Heiligendamm.

Thema Nummer zwei:
Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?


Viele Leute verstehen nicht, warum in Heiligendamm ein Hotel eingezäunt ist, während ein paar Kilometer weiter rechts und links davon Hotels ohne Zäune auskommen. Die Yachthafenresidenz "Hohe Düne" in Warnemünde ist Ausflugsziel vieler Warnemünde-Besucher und auch im quasi benachbarten Kühlungsborn kommen die Hotels ohne Zäune aus. Warum zäunt sich das Grand Hotel in Heiligendamm ein und wen sperrt es damit aus? Fragen, die aus allen Teilen Deutschlands nach Heiligendamm dringen.
Fragen, die beantwortet werden können.


Die Antwort:

Zuerst sei gesagt, dass das Grand Hotel keineswegs als eingezäuntes Hotel seinen Betrieb aufnahm.
Die sechs Häuser des Luxus-Hotels standen bei der Eröffnung im Jahre 2003 auf einer grünen Wiese.
Während des laufenden Betriebs wurden ein paar Tore aufgestellt, um die Touristen auf bestimmten Wegen zu halten. Dennoch konnte das Hotel die Leute nicht daran hindern, auch die Wege zu nutzen, die quer über die Kurhaus-Vorterrasse und den Parkplatz oder vorbei an den Terrassen der Cafés und Bars verliefen.

Schon zum Tag der Offenen Tür wollten über 20.000 Menschen das Hotel von innen sehen.
Zeitungen berichteten von der mondänen Schönheit und prompt wurde das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm zum schönsten Hotel der Welt gekürt. Die Presse überschlug sich mit Lobpreisungen auf das Aufbauwunder Ost.

Findige Unternehmer fanden eine Marktlücke: Busladungen voller Touristen wurden angekarrt.
Ihr Ziel: Reiche gucken. Ihr Weg: Kreuz und quer über das Hotelgelände. Vorbei an Terrassen, Balkonen und Fenster. Bis zu fünftausend Leute pro Tag in Spitzenzeiten der Hauptsaison - außer Busse rollten auch Autos und die gute alte Molli heran und ergossen die Touristen in das dafür nicht ausgelegte Seebad. Regelmäßig brach der Ort unter der Last der Besucherströme zusammen - wurde die Parkplatzsuche zum Glücksspiel.

Die Gäste des Hotels waren genervt und viele von ihnen schworen sich, kein zweites Mal nach Heiligendamm zu kommen. Wenn sich das herum sprechen würde, bedeutete dies für das teuer erbaute Luxushotel das Ende gleich nach dem Anfang. Das Hotel musste handeln und pflanzte Hecken, die aber ignoriert und einfach überstiegen wurden. Höhere Hecken waren nicht erlaubt und hätten die Ästhetik schwer beeinflusst. Kleine Hecken aber waren wirkungslos. Also stellte das Hotel Personal ein, das die Besucher organisieren sollte. Diese Herren in schwarzen Anzügen und mit Funkgerät, Basecap und Sonnenbrille wurden von den Tagesgästen und Einheimischen als Wachmannschaft angesehen und ein bewachtes Hotel schreckt die Gäste ab, die darin urlauben wollen. Denn wo ein Sicherheitsdienst für Sicherheit sorgen muss, dort muss diese ja gefährdet sein. Das war also auch keine Lösung und darum bat die Hotelleitung darum, bestimmte Durchgänge durch das Hotelgelände sperren zu dürfen.

So wurden dann zuerst der Eingangsbereich und der Bereich zwischen Grand Hotel und Kurhaus für Tagesgäste gesperrt und schließlich auch der Bereich westlich des Hauses "Mecklenburg". Das war natürlich keineswegs besser, denn nun liefen die sich bisher auf mehrere Wege verteilenden Menschenmassen durch die Professor-Vogel-Straße. Sie passierten diese zwischen Grand Hotel und Severin-Palais. Wieder fühlten sich die Hotelgäste gestört, denn wenn sie zum SPA ins Severin-Palais gingen, mussten sie durch die Besucherströme hindurch. Kamen sie dann in Bademantel wieder heraus, mussten sie noch einmal durch die Besucherströme. Die Hotelgäste mit Unterkunft im Severin-Palais mussten zum Besuch der Restaurants, Bars und Cafés durch die Besucherströme und die Bewohner der Orangerie, Burg, des Hauses "Mecklenburg" und des Grand Hotels mussten zum Schwimmbad und SPA durch die Besucherströme hindurch. Die Elektromobile vom Wirtschaftsgebäude mussten ebenso die Professor-Vogel-Straße überqueren oder passieren und der Südabschnitt der Straße war zugleich Ein- und Ausgang für die Fahrzeuge der Hotelgäste und die Lieferanten. Das Ganze war ein gefährliches Chaos, das so nicht bleiben konnte. Darum stimmte die Stadt einer Entwidmung der Professor-Vogel-Straße zwischen dem Grand Hotel und dem Severin-Palais zu und ermöglichte dem Hotel damit, diesen Bereich einzuzäunen. Nun gab es keinen Durchgang mehr durch das Hotelgelände. Optisch aber sah es immer noch so aus, als könnte man hier hinein gehen und käme dort wieder heraus. Viele Leute versuchten dies und liefen in eine Sackgasse. Um dies zu verhindern, komplettierte das Hotel die Einfriedung und zäunte sich gleichmäßig mit einer einheitlichen Zaunkonstruktion ein.

Dennoch braucht man nur zu klingeln, wenn man in das Hotel möchte. Am Tor des Haupteinganges in der Kühlungsborner Straße befindet sich dafür seit dem Ausstieg der Kempinski-Gruppe eine Klingel. Die Hotelführung bekräftigt die Einladung an alle, die im Grand Hotel speisen oder ein Café, eine Bar oder Veranstaltung besuchen möchten. Man muss kein Zimmer buchen, um ins Fitnessstudio, in die Sauna oder das Schwimmbad zu gehen, sich massieren zu lassen oder eine der zahlreichen SPA-Anwendungen zu nutzen. Jeder kann in einem Restaurant seiner Wahl á la Carte speisen gehen, eine Zigarre in der Davidson-Bar oder einen Tee in der Nelson-Bar genießen, Sushi essen oder an kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen teil nehmen. Das Hotel lebt davon und ist nicht so dumm, auf Gäste zu verzichten, nur weil sie kein Zimmer brauchen. Lediglich bittet das Hotel bei einigen Arrangements um Voranmeldung, da nicht alles jederzeit bereit gehalten und einiges zu bestimmten Zeiten von geschlossenen Gesellschaften genutzt werden kann. So ist es in anderen Hotels ja zumindest in der Nebensaison auch. Außerdem müssen natürlich die an erster Stelle versorgt werden, die am Meisten dafür bezahlen.

Den Vergleich mit anderen Hotels anzutreten, fällt schwer.

Die Yachthafenresidenz in Warnemünde ist ein Familienhotel. Unter dem Dach der Hotelgesellschaft gibt es mehrere Restaurants, Bars, Cafés, Angebote in SPA und Fitness, sowie den Yachthafen selbst. Das Hotel lebt von seinen Gästen und da es sich nicht auf eine bestimmte Klientel spezialisiert hat, ist es für jedermann offen. Bestimmte Bereiche kann man nur mit Hotelkarte betreten, in andere kommt jeder hinein.

Das Grand Hotel ist jedoch auf eine Klientel spezialisiert. Wer hier zwischen 300 und 1.500 Euro für eine Nacht bezahlt, möchte auf höchsten Niveau verwöhnt werden und entspannen können. Für diesen Preis muss das Grand Hotel etwas besonderes bieten. Ein Frühstücksbuffet ist selbstverständlich und Spitzenköche sind in dieser Kategorie ein Muss. Nur beim SPA-Bereich kann man heute noch punkten - also besonders sein. Aber allein dafür gibt der Gast auch noch nicht so viel Geld aus, denn im Ausland kann er das billiger haben.

Der Reiz Heiligendamms ist es, hier ein zwei Jahrhunderte altes klassizistisches Meisterwerk inmitten der ursprünglichen mecklenburgischen Landschaft vorzufinden: Wald, Wiesen, Felder, Moore und die Ostsee - und dies alles vor der Tür. Die Abgeschiedenheit, die Ruhe, die Mystik, die endlosen Alleen inmitten farbenfroher Vielfalt und mitten drin die gute alte Molli - das ist es, was Heiligendamm so besonders macht. Aber das bekommt der Gast auch, wenn er in der Pension Hildebrandt ein Zimmer nimmt. Also ist es zwar besonders aber nicht exklusiv.

Exklusiv ist es, dort zu urlauben, wo einst der deutsche und russische Adel Urlaub machte. Und zwar genau so, wie die Aristokraten es damals taten: Hemdsärmelig auf der Kurhausterrasse, dösend am Strand und aktiv im Hinterland. Exklusiv ist es, dort entlang zu laufen, wo der "einfache Bürger" nicht entlang läuft. Dort zu schlafen, wo er nicht schläft. Dort zu speisen, wo er nicht speist. Nicht das Was und Wann ist in Heiligendamm das besondere, sondern das Wo und Wie.

Die Besonderheit Heiligendamms war immer, fernab von Stress und Großstadt allein unter Gleichgesinnten Ruhe zu genießen, lässig sein zu können, die Seele baumeln zu lassen und in eine ganz eigene Welt einzutauchen. Wer Heiligendamm betrat, legte alles ab, was ihn daran hinderte, einfach Mensch zu sein. Das ist die Idee Professor Vogels, seine Vision, seine Verwirklichung und der Geist, den er dem ersten deutschen Seebad gab. Anno August Jagdfeld möchte dort nicht nur anknüpfen - er möchte diese Tradition weiter führen. Professor Vogel verpflichtet und gemäß den Anforderungen der neuen Zeit. Alles was Heiligendamm kommerzialisiert, soll in die Mitte genommen werden - in der dritten Reihe noch hinter Perlenkette und Ensemble. Der Grundgedanke ist ein Resort - eine Welt für sich, in die man eincheckt und in der man alles vorfindet, was man sich nur wünschen kann. Der Grundgedanke ist, seine Last am Tor abzugeben, einzutreten und erst wieder auszutreten wenn man meint, die Last wieder aufnehmen zu wollen. Diese Vision haben viele Menschen noch nicht verstanden.

Nun ist es auch nicht so, dass das Grand Hotel schon das Resort darstellt, von dem die Rede ist.
Das Grand Hotel soll die Perle innerhalb einer neuen Form der Urbanisierung sein - der Resorthauptort.
Das Heiligendamm der Zukunft - irgendwann - soll so aussehen:


(C) Robert A. M. Stern


Das, was wir jetzt von Heiligendamm sehen, befindet sich innerhalb des zur Ostsee spitz zulaufenden Trapezes in der oberen Bildmitte. Das Dreieck beinhaltet das Ensemble, die Perlenkette und den Kurwald und das Rechteck stellt die Siedlung der Gartenstraße und Kühlungsborner Straße - inklusive dem geplanten Demmler-Palais - dar.
Deutlich sieht man die Dimensionen des zukünftigen Heiligendamms: Rechts unten im Bild befindet sich der Kreisel, durch den der Molli fährt und nach links verläuft die Touristische Erschließungsstraße Richtung Wittenbeck und Kühlungsborn. Innerhalb dieses Areals - das heute zu 90% Ackerland ist - befinden sich mehrere verschieden große und dichte Villenviertel mit unterschiedlicher Bebauung. Sie sind landschaftlich durch Parkanlagen, Seen und einen Golfplatz voneinander getrennt aber dennoch miteinander verbunden. Das Ganze soll verkehrsberuhigt sein, wofür Randparkplätze und ein Shuttle-Service in Betracht gezogen werden. Damit würde die Zahl der Tagesgäste einerseits künstlich gesteuert werden und andererseits wäre Heiligendamm eine kleine Stadt, in der sich Touristen besser verteilen. Zäune wären also nicht mehr nötig. Das Heiligendamm der Zukunft ist dennoch nicht mit der ersten Reihe Kühlungsborns vergleichbar: Alles innerhalb dieses Resorts soll unter dem Hut der FUNDUS-Gruppe laufen, um ein funktionierendes gesamtwirtschaftliches Managementkonzept zu haben. Das ist die Idee des Heiligendamm-Resorts. Die Vorstellungen der FUNDUS-Gruppe sind umfangreich und das Projekt ist sehr groß und auf lange Zeit geplant. Viele Menschen glauben nicht, dass FUNDUS die Vision Robert A.M. Sterns umzusetzen vermag. Für ein Projekt ist es aber wichtig, was der Projektentwickler glaubt und dass das Geld stimmt.

Weitere Zusammenhänge und genaue Informationen zum Masterplan gibt es hier: Die Zukunft Heiligendamms.

Der Umzäunung des Grand Hotels folgten bald weitere Zäune. Sie alle sind nicht im Sinne des Investors, obwohl er sie aufgestellt hat. Jeder Zaun kostet Geld und stellt eine Barriere nicht nur für die dar, die hinein wollen, sondern auch für die, die drin sind. Doch die Zäune waren nötig. Jeder einzelne ist im dritten Teil des Themenkomplexes "Schwerpunkt  Heiligendamm" erklärt. Hier geht es weiter:

Schwerpunkt Heiligendamm. Thema Nummer drei: Warum sind Wege durch Zäune gesperrt?

 

Alle Themen des Schwerpunkt-Komplexes:

Thema Nummer eins: Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?
Thema Nummer zwei: Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Thema Nummer drei: Warum sind alte Wege verschwunden?
Thema Nummer vier: Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?

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