Zeit am Meer


Wenn Sie diese Seite nicht direkt aufgerufen, sondern einen Einzelartikel angeklickt haben, bewegt sich die Seite automatisch zum Beitrag, nachdem sie fertig geladen ist.


Warum verfallen Häuser in Heiligendamm? Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Warum sind alte Wege verschwunden? Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?


Schwerpunkt Heiligendamm.

Thema Nummer vier:
Warum gehört alles in Heiligendamm Anno August Jagdfeld?


Anno August Jagdfeld verkündete, das erste deutsche Seebad wiederaufzubauen. Fortan war er für alles verantwortlich, was in Heiligendamm geschah. Jagdfeld zäunt das Hotel ein, Jagdfeld holt den G8-Gipfel ins Land, Jagdfeld will den Findling versetzen, Jagdfeld reißt die Villa "Perle" ab, Jagdfeld beantragt Landesbürgschaft, Jagdfeld droht, mischt sich in die Politik ein... die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Gehört ganz Heiligendamm nur einer Person: Nur Anno August Jagdfeld? Eine Analyse.

Die Antwort:

Zunächst müssen wir unterscheiden, wer in Heiligendamm mitwirkt. Bewerber auf die Ausschreibung zum Verkauf Heiligendamms war die FUNDUS-Gruppe aus Köln. Ihr Inhaber ist Anno August Jagdfeld. Die Spitzenpositionen der Immobiliengruppe sind durch Familienmitglieder besetzt. Die Hauptanteile gehören auch der Familie Jagdfeld.

Nachdem die FUNDUS-Gruppe den Zuschlag für Heiligendamm bekam, gründete sie eine Tochterfirma, welche Heiligendamm entwickeln sollte. Diese Firma wurde "EntwicklungsCompagnie Heiligendamm" (ECH) getauft und ist eine GmbH & Co. KG, also eine Kommanditgesellschaft mit beschränkter Haftpflicht und Teilhaber. Aktuell wird dieses Unternehmen kaufmännisch von Heiner Zimmermann und projekttechnisch von Hans Schlag geleitet.

Die ECH entwickelt Heiligendamm am Markt und vertritt die FUNDUS-Gruppe vollumfänglich. Wenn also Grundstücke oder Immobilien erworben werden, erwirbt die ECH diese auf eigenem Namen. Das ist dasselbe, wie bei den Discountern oder Banken oder der Bahn, die allesamt auch eigene Tochterfirmen für die Immobilienverwaltung gegründet haben. Im Falle einer Insolvenz in der Immobiliensparte ist dadurch nicht gleich das ganze Unternehmen betroffen. Im Falle der Insolvenz einer Tochterfirma haftet FUNDUS dadurch nur bis zur Höhe der eigenen Einlagen.

Das Grand Hotel selbst gehört nicht der ECH. Die ECH hat das Grand Hotel entwickelt aber das Grundstück und die Immobilien gehören all denen, die in den FUNDUS Fonds 34 eingezahlt haben. Das sind etwa 2000 Menschen und jeder von ihnen hat mindestens 25.000 Euro eingezahlt - alle zusammen etwa 150 Millionen Euro.  125 Mio Euro hat FUNDUS selbst in den Fond eingezahlt und etwa 19 Mio Euro sind Fremdkapital. Insgesamt wurden etwa 250 Millionen Euro für das Grand Hotel beansprucht. Das liegt in erster Linie an der Hochwertigkeit, mit der das Ensemble saniert wurde. Was wie Granit aussieht, ist auch Granit und was wie Marmor aussieht, ist Marmor. Nur edelste Hölzer, Stoffe und Steine wurden verbaut - die blauen Hintergründe am Kurhaus sind nicht etwa mit blauer Farbe aufgepinselt, sondern bestehen aus blauem Jasper. Alle Fenster und viele Türen sind Sonderanfertigungen - an den Wänden hängen Bilder und Gemälde, für die viel Geld bezahlt wurde. Heiligendamm sollte kein Imitat, sondern dem Original weitmöglich nachempfunden sein. Darum war es teurer, als viele andere Hotelbauten.

Die Anleger nun profitieren - wenn es läuft - von den Renditen für das Hotel und da das Hotel ihnen gehört, bekommen sie auch Vergünstigungen, wenn sie in ihrem Hotel Urlaub machen. Aber die Anleger können natürlich nicht alle Einfluss nehmen. Vorgesehen war die Gründung einer Betreibergesellschaft, welche im Auftrag der Anleger - und damit auch der FUNDUS-Gruppe - das Hotel betreibt.

Da sich die Kempinski-Gruppe aber bereit erklärte, das Grand Hotel im eigenen Namen zu führen, wurde auf so eine Gruppe verzichtet und die Kempinski-Gruppe zahlte dafür Managementgebühren an die FUNDUS-Gruppe und diese nahm direkten Einfluss auf die Hotelführung. Die Hotelführung musste sich mit FUNDUS abstimmen. Als das Hotel wegen verschiedener Faktoren nicht wie erwartet lief, versuchte die Hotelführung, eine bessere Belegung über Sonderangebote zu erreichen. Sie vermarktete das Hotel über Tchibo und wohl auch TUI und beeinträchtigte somit die Exklusivität. Die Gäste fühlten sich durch die zwar immer noch viel Geld bezahlenden aber zur Mittelschicht gehörenden Pauschaltouristen gestört und so hatte diese Vermarktung keinen Erfolg.

Die FUNDUS-Gruppe wollte das nicht länger mit ansehen und mischte sich massiv in den Hotelbetrieb ein. Es kam zum Bruch und Kempinski kündigte im Frühjahr 2009 einseitig den Managementvertrag, schaltete das Internetangebot und die Buchungssoftware ab und verließ Heiligendamm. Nun wurde die von Anfang an vorgesehene Betreibergesellschaft gegründet und schnellstens der Betrieb wieder aufgenommen. Die Betreibergesellschaft ist auch eine GmbH & Co. KG und heißt "Grand Hotel Heiligendamm GmbH& Co. KG". Diese Gesellschaft war es auch, die die Kosten für die neue Buchungssoftware, den neuen Internetauftritt und die Entfernung des Kempinski-Schriftzuges aus allen nur erdenklichen Accessoires und Ersetzung gegen ein Logo ohne Hinweis auf Kempinski zu bezahlen hatte. Die Kosten dafür gingen in die Millionen und sprengten den Rahmen des der Gesellschaft gewährten Kreditrahmens. Die Bank forderte Sicherheiten und darum musste die Hotelgesellschaft im Sommer 2009 eine Bürgschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Anspruch nehmen. Geld aus Schwerin ist nicht geflossen aber für diese Sicherheit gewährte die Bank der Hotelgesellschaft einen höheren Betriebsmittelkredit. Das Land sicherte sich durch einen Grundbucheintrag für die Orangerie ab, mit der Option, diese weiterveräußern zu dürfen.

Nun haben wir also eine Entwicklungsgesellschaft, eine Betreibergesellschaft und einen Fonds mit Anlegern.
Hinzu kommen noch eine Reihe Firmen, die auch für FUNDUS arbeiten aber in der Hand von Familienmitgliedern der Jagdfelds sind. Die Firma "AMJ Design" zum Beispiel gehört Anna Maria Jagdfeld - der Ehefrau von Anno August Jagdfeld. Sie ist für das komplette Innenleben des Grand Hotels und auch zukünftiger Bauten zuständig. Auch die Steuerberatung erfolgt aus den Händen eines Herrn Jagdfeld. Damit können sich die Jagdfelds sicher sein, dass alles reibungslos verläuft. Kritiker unterstellen dem durchdachten Konstrukt, ein undurchsichtiges Geflecht zum Zwecke der Geldvermehrung zu sein. Sicher ist: Der Gewinner ist immer Anno August Jagdfeld selbst, denn Geld fließt in der Pyramide von unten nach oben und verdichtet sich in der Pyramidenspitze. Anno August Jagdfeld wird also finanziell nicht sehr belastet, wenn ein Fonds nicht läuft oder eine Gesellschaft Insolvenz anmelden muss. Aber die Pyramidenspitze trägt auch die Verantwortung für alles, was sich unter ihr befindet und nur ein gutes Fundament ist ein Garant für eine standfeste Pyramide. Während einige Unternehmen als so genannte "Heuschrecken" nur auf das schnelle Geld aus sind, arbeitet FUNDUS seit einem Jahrzehnt trotz unbefriedigender Zahlen und einiger eher unzufriedener Anleger und trotz wirtschaftlicher und politischer Gegenwinde weiter mit Elan an seinem Prestigeobjekt Heiligendamm.

Wenn man nun also sagt, dass fast ganz Heiligendamm Jagdfeld gehört, ist das nicht ganz falsch aber eben auch nicht ganz richtig. Was Reiche reich macht ist das Kapital, das sie von heute auf morgen verflüssigen können, um sich davon etwas zu kaufen oder - das passt eher zu Reichen - es zu investieren. Jagdfeld kann nicht einfach ein Haus in Heiligendamm verkaufen. Ihm selbst gehört kein Haus und über das Vermögen der FUNDUS-Gruppe kann er nicht direkt verfügen, sondern muss wie jeder Firmeninhaber ein Gremium - meistens den Aufsichtsrat - fragen. Erst Recht kann Jagdfeld kein Vermögen verflüssigen, das der ECH gehört und schon gar nicht Geld oder Geldwert aus dem Fonds nehmen.

Die meisten Immobilien und Grundstücke in Heiligendamm gehören der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH). Wobei man sagen muss, dass ein Großteil Heiligendamms die Siedlungen an der Gartenstraße ausmacht.
Die Grundstücke dort gehören vielen Privatpersonen, die seit den 60er Jahren hier ihre Häuser errichteten.
Auch an der Kühlungsborner Straße stehen Privathäuser auf Privatgrundstücken und die beiden Wohnblöcke in der Kortüm-Straße gehören z.B. der Deutschen Kreditbank (DKB), die diese vermietet und teilweise verkauft.

Es ist leichter zu sagen, was der ECH nicht gehört aber versuchen wir es einmal damit zu zeigen, was ihr gehört.

Der ECH gehören folgende Gebäude in Heiligendamm:
 

Die ehemalige Fachschule für Angewandte Kunst (dort hat die ECH ihren Sitz)
Das Forsthaus gegenüber und die Baracken dahinter und daneben
Der Fürstenhof in der Kühlungsborner Straße
Die Villa der Familie von Witzleben in der Gartenstraße und das Gästehaus dahinter
Die Villen "Eikboom" und "Seeadler" in der Seedeichstraße
Das Prinzessin-von-Reuß-Palais samt Nebenbauten
Die Kolonnaden mit dem angebauten Foto-Atelier Beckmann
Die Villen "Greif", "Möwe", "Seestern", "Schwan", "Hirsch" und "Anker"
Ein Teil des Erdgeschosses im Haus "Bischofsstab"
Das Gebäude des Bistros am Strand und der Wasserwacht

Außerdem gehören der ECH folgende bereits abgerissene Gebäude:

Villa "Perle" mit Anbau "Großfürstin Marie"
Scheune in der Kühlungsborner Straße
ehemaliges Stallgebäude rechts daneben
ehemaliger Marstall ("Palette") rechts daneben
Villa "Tabea" in der Kühlungsborner Straße
linker Flügel der Fachschule
abgerissene Scheune auf dem Forsthof
ehemaliges Posthäuschen in der Prof.-Vogel-Straße und Garagen dahinter
diverse Schuppen, Garagen, ehemalige Kleingärten
Gestüt und Biohof Vorder-Bollhagen

Nicht direkt der ECH, sondern dem Grand Hotel gehören folgende Gebäude:

Alexandrinencottage
Mariencottage
Kronencottage
Haus "Brahn" (Kids Club)
Burg "Hohenzollern"
Orangerie
Kurhaus
Haus "Mecklenburg"
Grand Hotel (Hauptgebäude)
Severin-Palais
Wirtschaftsgebäude
Pavillon im Lindenrondell

Nicht im Besitz von Jagdfeld, FUNDUS, der ECH, der Hotelgesellschaft oder der Anleger sind:

Gästehaus der Familie von Witzleben
Mecklenburgisches Haus in der Gartenstraße
Villa "Luise" in der Kühlungsborner Straße
Alle Häuser der Gartenstraße außer Villa von Witzleben
Seehospiz und alle Häuser daneben bis Höhe Fürstenhof
Das abgerissene Haus "Waldfriede" gegenüber dem Fürstenhof
Das Bahnhofsgebäude und ehemalige Wärterhäuschen
Die MEDIAN-Kurklinik
Die beiden Wohnblöcke
Die beiden Kirchen
Pension "Hildebrandt"
Schützenhaus
Jagdhaus
Wasserwerk
Wärmekraftwerk
Bistro am Kinderstrand

alle Gebäude der Wasserwacht
Café am Golfteich (Golfhaus)
Diverse Eiskeller, Nebenbauten


Als das Land 1992 Heiligendamm erstmals zum Verkauf ausschrieb, wurden alle 26 Häuser einzeln ausgeschrieben. Es meldeten sich Interessenten für einzelne Villen, nicht jedoch für die großen Bauten des Ensembles. Das Land befürchtete, gerade die vier Gebäude nicht los zu werden, die das Ensemble ausmachen und die Stadt sah schon kommen, mit jedem einzelnen Eigentümer über Carports, Mülltonnenstellplätze, Parkplätze usw. verhandeln zu müssen. Beide waren nicht zufrieden mit den Aussichten und einigten sich dann auf eine Gesamtausschreibung. Wer immer Heiligendamm haben wollte, musste alle 26 Häuser nehmen und vier Personen abstellen, die sich ausschließlich um die denkmalschutzgerechte Pflege der Häuser kümmern. An eine Sanierung dachte damals niemand, da sie sich ohnehin kein Investor hätte leisten können. Die Hauptsache war, dass die Gebäude genutzt werden und nicht weiter verfallen und dass sie einmal ordentlich durchrenoviert werden. Wünschenswert für Stadt und Land war auch, dass in Heiligendamm irgend etwas mit Gesundheit oder Kur angesiedelt wird, um den Status als Seeheilbad zu bekommen und erhalten.

Es fanden sich dann einige Interessenten, die sich dies zutrauten. Einer war die Asklepios-Gruppe, welche ein Gesundheitshotel im Ensemble ansiedeln wollte. Es fanden sich aber nicht genug Mitstreiter. Ein weiterer Interessent kam aus Kanada und wollte die 26 Häuser nur kaufen, wenn er den Strand und die Promenade davor auch bekäme oder zumindest absperren dürfte. Das ist nach deutschem Recht nicht möglich und so wurde nichts aus der kanadischen Übernahme. Der aussichtsreichste Kandidat war letztlich die Dr.-Marx-Gruppe, welche das Ensemble nutzen wollte aber in der Nähe einen Klinikneubau errichten wollte. Der Widerstand von in Initiativen organisierten Bad Doberanern und Heiligendammern und die (z.T. daraus resultierende) Unfähigkeit der Stadt, einen Bauplatz für den Klinikneubau in Heiligendamm zu finden, ließen den Verkauf scheitern. Die Dr.-Marx-Gruppe zog sein Angebot zurück und baute eine Median-Klinik in Bad Sülze.

Als dann alle Verhandlungen gescheitert waren, kam man auf die FUNDUS-Gruppe zurück, die schon 1993 ihr Angebot eingereicht hatte, von den man aber bisher Abstand nahm, weil es nicht zum Gesundheitssektor passte. Die FUNDUS-Gruppe war nun in einer denkbar guten Verhandlungsposition und konnte fordern, 500 Hektar Ackerland in Bauland umwandeln zu dürfen. Heiligendamm sollte nicht nur ein Hotel werden, sondern eine Stadt für sich. So soll es nach den Vorstellungen von FUNDUS nach der Vision Robert A. M. Stern aussehen, wenn es einmal fertig ist: 


(C) Robert A. M. Stern


Das, was wir jetzt von Heiligendamm sehen, befindet sich innerhalb des zur Ostsee spitz zulaufenden Trapezes in der oberen Bildmitte. Das Dreieck beinhaltet das Ensemble, die Perlenkette und den Kurwald und das Rechteck stellt die Siedlung der Gartenstraße und Kühlungsborner Straße - inklusive dem geplanten Demmler-Palais - dar.
Deutlich sieht man die Dimensionen des zukünftigen Heiligendamms: Rechts unten im Bild befindet sich der Kreisel, durch den der Molli fährt und nach links verläuft die Touristische Erschließungsstraße Richtung Wittenbeck und Kühlungsborn. Innerhalb dieses Areals - das heute zu 90% Ackerland ist - befinden sich mehrere verschieden große und dichte Villenviertel mit unterschiedlicher Bebauung. Sie sind landschaftlich durch Parkanlagen, Seen und einen Golfplatz voneinander getrennt aber dennoch miteinander verbunden.

Das Ganze soll verkehrsberuhigt sein, wofür Randparkplätze und ein Shuttle-Service in Betracht gezogen werden. Damit würde die Zahl der Tagesgäste einerseits künstlich gesteuert werden und andererseits wäre Heiligendamm eine kleine Stadt, in der sich Touristen besser verteilen. Zäune wären also nicht mehr nötig. Das Heiligendamm der Zukunft ist dennoch nicht mit der ersten Reihe Kühlungsborns vergleichbar: Alles innerhalb dieses Resorts soll unter dem Hut der FUNDUS-Gruppe laufen, um ein funktionierendes gesamtwirtschaftliches Managementkonzept zu haben. Das ist die Idee des Heiligendamm-Resorts. Die Vorstellungen der FUNDUS-Gruppe sind umfangreich und das Projekt ist sehr groß und auf lange Zeit geplant. Viele Menschen glauben nicht, dass FUNDUS die Vision Robert A.M. Sterns umzusetzen vermag. Für ein Projekt ist es aber wichtig, was der Projektentwickler glaubt und dass das Geld stimmt.

Die FUNDUS-Gruppe konnte gar nicht anders, als 26 Gebäude auf einmal zu kaufen. Sie wusste auch nicht für jedes Gebäude, was sie damit anstellen wird. Sicher war nur, dass das Grand Hotel, das Kurhaus, die Burg, die Orangerie und Haus "Mecklenburg" zu einem Hotel werden sollen und dass ein Wirtschaftsgebäude gebaut werden muss und dass die geplanten 3.000 qm SPA in keines der bestehenden Gebäude passen und daher ein neues erfordern. Für Haus "Brahn" hatte man dann die Idee, einen Kinderclub dort einzurichten und mit dem Alexandrinencottage liebäugelte Anno August Jagdfeld als Ferienhaus, während FUNDUS aber auch die Idee hatte, dort eine Präsidentensuite unterzubringen. Die Perlenkette war noch als vom Grand Hotel unabhängiges Hotel eingeplant und sollte "Adlon am Meer" oder auch "Residenz am Meer" heißen.

Nach und nach kam es nun, dass in Heiligendamm Häuser sich leerten und zum Verkauf standen. Die ECH bot bei vielen Verkäufen mit aber wenn es sich nicht rentierte, ließ sie sich auch überbieten und kaufte das Objekt nicht. Sie kaufte den Forsthof und plante, dort eine Feierscheune und einen Biergarten einzurichten und sie kaufte auch mindestens eine Kleingartenanlage und ließ sie beseitigen, um ein nutzbares Grundstück zu haben. Die Villa der Familie von Witzleben gehört der ECH, während das Gästehaus noch nicht in ihrem Besitz ist. Auch das "Mecklenburgische Haus" in der Gartenstraße - ehemals "Krieg's Hotel - gehört der ECH nicht. In der Kühlungsborner Straße gehört der ECH zwar die Fachschule mit ihren beiden Flügeln, von denen einer in 2007 abgerissen wurde und das ebenfalls abgerissene Haus "Tabea" links daneben aber Haus "Waldfriede" gehört der ECH nicht. Auf dem Grundstück des erst in 2008 abgerissenen Hauses soll eine Residenz entstehen, die optisch gut zu Heiligendamm passt aber der JHI Immobilien aus Kühlungsborn gehört. Für die ECH kein Problem, denn was zu Heiligendamm passt, stellt kein Hindernis dar.

Ansonsten ist es aber so, dass die ECH Häuser und Grundstücke aus zwei Gründen kauft. Zum einen erlangt sie damit eine zusammen hängende Grundbesitzfläche ohne Löcher drin. Gerade wenn diese Löcher mitten drin liegen - also von ECH-Grundstücken umgeben sind, sind Probleme vorprogrammiert. Zum anderen kauf die ECH aus reiner Vorsicht Häuser und Grundstücke auf, wenn diese zum Verkauf stehen. Man stelle sich vor, jemand kauft das Mecklenburgische Haus und macht daraus ein Obdachlosenheim oder jemand kauft den das Gästehaus der Familie von Witzleben und macht daraus eine Disco oder eine Rotlichtbar. Niemand könnte etwas dagegen tun und bevor es so weit kommen kann, nimmt die ECH lieber die potenziellen "Gefahrenstellen" in Besitz und kann sicher sein, dass niemand dort etwas ansiedelt, was dem Gesamtprojekt schadet.

Wer aber das Gesamtprojekt vergessen hat oder nicht versteht, der sieht in den Zukäufen der ECH ein Ärgernis, zumal viele der zugekauften Gebäude ungenutzt und in einem schlechten Zustand sind. Die Zeitungen berichteten bei den Verkäufen von Nutzungsideen und stellten sie als Pläne dar: In der Villa der Familie von Witzleben solle demnach ein Luxusrestaurant entstehen und im Forsthof eine Feierscheune und ein Biergarten. Diese Ideen sind aber keine Konzepte. Anno 2009 ist es wahrscheinlicher, dass Villa von Witzleben ein Wohnhaus wird, als ein ohnehin nicht benötigtes Luxusrestaurant. Und die beiden kleinen Villen in der Seedeichstraße sollen zwar auf dem Gelände des Ayurveda-Komplexes stehen aber ob sie dafür genutzt werden oder auch als Wohnhäuser dienen, ist noch völlig offen.

Heiligendamm wird so entwickelt, wie der Markt es fordert. Sehr viele Menschen glauben, dass die ECH den Masterplan nicht umsetzt, weil sie es nicht will oder kann. Tatsache ist, dass es keinen Sinn macht, auf gut Glück einen Apartmentkomplex und fünfhundert Villen zu errichten und dann zu warten, bis jemand kommt. Außerdem kann die ECH so etwas auch nicht finanzieren. Läuft das Hotel, werden seine Angebote vergrößert. Als erstes wird es nötig werden, das Ensemble-Palais zu errichten, weil es einen Ballsaal enthält und das Wirtschaftsgebäude entlastet. In das Ensemble-Palais werden Räumlichkeiten für das Personal, wie Umkleidekabinen, Aufenthaltsräume und Toiletten untergebracht. Aktuell muss der größte Teil des Personals zum Wirtschaftsgebäude laufen, wenn es auf Toilette muss.

Im alten Ensemble wurde alles dem Gast vorbehalten und darum wurde auch an Personaltoiletten gespart. Weiterhin soll das Ensemble-Palais einen eigenen Wirtschaftstrakt unter der Erde haben, von dem aus die Perlenkette und das zukünftige Thalassozentrum versorgt werden. Mit dem grünen Licht für den Wiederaufbau der Perlenkette rückt das Ensemble-Palais in die Nähe. Die Ensemble-Villa soll hauptsächlich Apartments beherbergen. Wer in der Perlenkette keine Wohnung mehr abbekommt, kann hier fündig werden.

Mit wachsender Gästezahl und mit neuen festen Bewohnern würde der SPA-Bereich zu klein werden und das Thalasso-Zentrum bekäme seine Berechtigung. Steigt die Nachfrage nach (hochwertigem) Wohnraum in Heiligendamm und können sich weitere Gewerbebetriebe ansiedeln, dann wird das Demmler-Palais mit Geschäften und Büros im Erdgeschoss und Apartmentwohnungen darüber errichtet. Reichen die Räumlichkeiten für die Konferenzen nicht mehr aus, wird der Fürstenhof zum Großkonferenzzentrum umfunktioniert. Mit der Nachfrage steht oder fällt der Biergarten auf dem Forsthof und mit der Nachfrage entwickeln sich auch weitere gewerbliche Angebote, wie z.B. weitere Restaurants, Cafés oder Bars. Erst wenn die Nachfrage dafür da ist, werden neue Villen gebaut und erst wenn genug Leute es nutzen, entstehen Tennis- Bolz- und Golfplätze. Das Ayurveda-Zentrum mit der plastischen Chirurgie wäre das I-Tüpfelchen.

Das alles wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Die ECH kann natürlich nur an Gebäuden oder Grundstücken verdienen, die ihr auch gehören. Wer sich eine Villa in Heiligensamm baut, muss das Grundstück von der ECH kaufen. Da die ECH die Baufläche als Ackerland gekauft hat und als Bauland weiter verkaufen darf, hat sie natürlich dann viel gewonnen. Dieses Geld braucht sie aber auch, denn irgendwo muss das Geld für die Sanierung und Erhaltung der alten Substanz ja her kommen. Darum stellte FUNDUS damals auch die Bedingung, 500 ha Ackerland hinzu kaufen und in Bauland umwandeln zu dürfen und darum gingen Stadt und Land auch darauf ein.

Läuft das Hotel gut und gehen die Wohnungen in den Perlen weg, wie warme Semmeln, werden rasch die ersten Neubauten aus dem Boden schießen. Laufen die Leute der ECH die Türen nach einer festen Bleibe ein, werden solange Wohnungen gebaut, bis der Bedarf gedeckt ist. Mit den Leuten kommt das Geld und mit dem Geld kommt das Wachstum. Kommt Wachstum, kommt Arbeit, kommen Jobs und steigen die Einnahmen der Stadt und der Region. Geht es der Stadt und der Region gut, geht es seinen Bürgern gut. Ein Kreislauf, den viele Einheimische nicht begreifen und darum nicht fördern oder sogar behindern.    

Weitere Zusammenhänge und genaue Informationen zum Masterplan gibt es hier: Die Zukunft Heiligendamms.

Der Umzäunung des Grand Hotels folgten bald weitere Zäune. Sie alle sind nicht im Sinne des Investors, obwohl er sie aufgestellt hat. Jeder Zaun kostet Geld und stellt eine Barriere nicht nur für die dar, die hinein wollen, sondern auch für die, die drin sind. Doch die Zäune waren nötig. Jeder einzelne ist im dritten Teil des Themenkomplexes "Schwerpunkt  Heiligendamm" erklärt. Hier geht es weiter:

 

Alle Themen des Schwerpunkt-Komplexes:

Thema Nummer eins: Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?
Thema Nummer zwei: Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Thema Nummer drei: Warum sind alte Wege verschwunden?
Thema Nummer vier: Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?

Zur ausführlichen öffentlichen Diskussion mit Zeitungsarchiv, Leserbriefen, Kommentaren, Bildern und Analysen.