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Über das Selbstverständnis
dieser Seiten,
ihren Verfasser und seine Ansichten.
Warum diese Dokumentation, seit wann und von wem?
Fast ein Jahrzehnt begleitet diese Dokumentation das Geschehen
in Heiligendamm und Bad Doberan.
Sie hat sich einen Namen gemacht und der Autor auch aber in Verbindung bringt
man die beiden erst seit kurzem. Viele kennen die Dokumentation aber den Autor
nicht und andere kennen den Autor, wissen aber nichts von der Dokumentation. Ein
aufmerksamer Bad Doberaner Leser fragte gar, ob der Autor ein Phantom sei. Zeit
für Klarheit. Hier sind die Fakten und mit ihnen die Geschichte des Autors über
seinen Bezug zu Bad Doberan und Heiligendamm, die Entstehung dieser
Dokumentation und seine Entdeckungen, Erkenntnisse, Ansichten, Vorschläge,
Schlussfolgerungen und Wünsche:
Inhalt:
>
Zahlen und Daten: Die Dokumentation in
Zahlen und Fakten.
>
Mini-Biografie: Kurzbiografie des Autors
von zeit-am-meer.de.
> Ganz persönlich:
Die Geschichte der Dokumentation und Ansichten des Autors.
> Themen-Interview:
Ansichten und Analysen des Autors zum aktuellen Tagesgeschehen.
>
Bitte und danke: Wie sie
zeit-am-meer.de unterstützen können.
> Auf
ein Wort: Nachwort und rechtliche
Hinweise.
> Mehr zum lesen:
Buchempfehlungen als Ergänzung.
> Danke an alle:
Danksagung.
>
Weitersagen: Mit zeit-am-meer.de
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Zahlen und Daten: Die Dokumentation.
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Erstellt fortlaufend seit Juli 2003
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(Stand: 28.08.2010)
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Mini-Biografie: Der Autor.
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Name: Martin Dostal
(Ja, entfernt
verwandt mit dem Komponisten)
Geboren: Januar 1979 in Kühlungsborn (Fischkopp)
Wohnorte: 1979-2000 Hohenfelde
2000-2007 Hansestadt Rostock
seit 2007 Bad Doberan
Ausbildung: 1996-2000 Husum/Nordsee
Abschluss: Juni 2000 Bürokraft nach IHK
(Kammer-& Landesbester)
Berufsleben: 2000-2005 Kundenbetreuer IB-Marketing
seit 2005 Rentner (daher die Zeit hierfür)
Hobbys: Fotografieren, Lesen, Schreiben,
diese
Doku, Webdesign, Wandern,
Radfahren, Baden, Natur, Wii-Fit
Konfession: keine
Weltanschauung: Panentheismus
Politische Einstellung: Wahl nach Inhalt und Kandidat
Politische Ambitionen: Nicht wirklich - später vielleicht
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Ganz persönlich: Die Geschichte der Dokumentation und Ansichten des Autors.
Als ich im Jahre 2003
begann, in Heiligendamm ein paar Fotos zu machen, ahnte ich noch nichts von den
Ausmaßen, die dieser Entschluss annehmen würde.
Ich kenne Heiligendamm schon von Kindesbeinen an.
Diese (Kindesbeine) bewegten sich sehr gern am Kinderstrand im flachen sauberen
Wasser unterhalb der Steilküste, die mich schon als Kind faszinierte. Dort gab
es einen großen Stein im Wasser - einen Fels in der Brandung - der uns Kinder
magisch anzog. Wir erklommen das glitschige Eiszeitrelikt und freuten uns immer,
wenn wir oben auf sitzen konnten. Die Wellen züngelten und hin und wieder
klatschte ein Brecher gegen den Stein und spritzte uns kreischende Kinder nass.
Lediglich die brühend heißen Steine unter den nackten Füßen habe ich immer
gehasst.
Der Kinderstrand war schon seit Jahrzehnten Ziel für Familien mit Kindern.
Schon vor über einem Jahrhundert tobten Kinder auf diesem Felsstein und bauten
Väter ihren Sprösslingen einen Badeteich an der Mündung jenes kalten klaren
Baches, der durch den Kleinen Wohld hindurch in die Ostsee fließt. Lediglich die
Wurst vom Imbiss "Am Gespensterwald" kannten unsere Vorfahren noch nicht.
Heiligendamm selbst liegt etwas weiter östlich jener
Kindertagesvergnügungsstätte.
Wie eine alte Frau wirkte das im Vergleich zu Bad Doberan groß geratene
Gesamtkunstwerk auf mich.
Ich war in Hohenfelde aufgewachsen und unser zweistöckiges Vier-Familien-Haus
gehörte schon zu den größten des Dorfes. Von Bad Doberan kannte ich ja
mehrstöckige Häuser - um den Kamp herum gab es viele davon. Aber das hier war
trotzdem etwas besonderes. Hier ging man nicht hinein. Nie in meinen Kindertagen
taten wir einen Schritt in diese Gebäude. Wir gingen in den Konsum (heute
Orangerie) oder in die Drogerie (Fachwerkhaus, 2006 abgerissen) oder ins
Schwanen-Café (Kolonnaden) und natürlich an den Imbiss.
Und wir fuhren mit der Molli nach oder auch durch Heiligendamm. Zum
Schulschwimmen zum Beispiel.
Für einen kurzen Moment erhaschten wir dann immer den Blick zu einer
backsteinfarbigen Kirche mitten im Wald. Für meinem Freund und mich war das ein
magischer und geheimnisvoller Ort, um den wir Sagen ranken ließen.
Doch auch die weiße Schönheit und das strahlende Blau des Meeres faszinierten
uns immer wieder, wenn wir aus dem Fenster des Waggons schauten.
Heiligendamm war schöner als Kühlungsborn und Bad Doberan.
Wir hatten keine Ahnung, warum aber es war so. Und so fuhren wir dann nicht nur
mit der Molli oder dem Auto nach Heiligendamm, sondern auch mit dem Fahrrad an
den Strand oder zur Schleuse.
Ich hörte immer gespannt zu, wenn von einer Rennbahn die Rede war, oder gar
einem Schießplatz.
Oder auch von Herzögen - was auch immer das war.
Nach der Schule geriet Heiligendamm in Vergessenheit.
Die Uhr drehte sich schneller, die gemeinsame Zeit mit der Familie wurde knapper
und schließlich wurde das kleine Dorf zwischen Wald und Wiesen zu klein. Eine
Ausbildung musste her und diese ergab sich wieder in der Nähe des Wassers. Nur
am anderen Ende Norddeutschlands - in Husum an der Nordsee.
Ich lernte die raue Landschaft Nordfrieslands kennen
Die Faszination der Nordsee und seiner Inseln und Halligen. Ich lernte Sylt mit
seiner interessanten Geschichte und touristischen Entwicklung kennen und war
angetan von dieser Insel. Doch nicht so angetan, mit der dort lebenden Freundin
ein gemeinsames Leben anfangen zu können. Wir besuchten uns gegenseitig und auch
ihre Eltern machten Urlaub in Bad Doberan. Ich zeigte ihnen Rostock, Warnemünde,
Bad Doberan und Heiligendamm.
Mit meiner Freundin ging ich zum Haus "Weimar" (Alexandrinen-Cottage).
Ich wusste um die Faszination beim Blick von der Seeterrasse und um die Magie
eines Sonnenuntergangs auf den Treppen des wunderschönen Landhauses. Am runden
Imbiss an der Promenade vor der Seebrücke aßen wir noch eine Wurst. Die Eltern
waren etwas enttäuscht von der Steilküste - sie stellten sie sich steiler vor.
Sylt selbst hat ja auch Steilküsten aber die heißen dort "Kliff".
Meine Liebe galt stets meiner Heimat. Und die war und ist nun einmal
Mecklenburg.
Und zwar ganz speziell Mecklenburg zwischen Warnowtal und Ostseeküste. Ich zog
also nach der Ausbildung mit einer anderen Freundin nach Rostock. Sie war ihren
Eltern (bei Teterow lebend) nahe und ich meinen. Wenngleich mich das
Großstadtleben nie faszinierte und mein Aktionsradius begrenzt auf
Nordwest-Rostock blieb. Rostock ist eine wunderbare Stadt mit viel Potenzial und
seine Geschichte interessiert mich nicht weniger als die Heiligendamms und Bad
Doberans (wie Sie an meiner Wunschliste weiter unten sehen) aber ich liebe
Rostock als Stadt und nicht als Wohnort. Ein Büro oben im Speicher über den
Dächern Rostocks kann ich mir vorstellen aber wohnen nicht so.
Irgendwann würden wir (wieder) nach Bad Doberan ziehen.
In Hohenfelde war ich jedes Wochenende und das erste, was ich dort nach dem
Essen tat, war das aufmerksame Studieren aller verfügbaren Zeitungen aus der
elterlichen Papiermüll-Tüte. In Heiligendamm wurde also gebaut. Ein Hotel. Mein
Bruder war auch mit dabei und erzählte von seiner bisher größten Baustelle und
den Aufgaben und Schwierigkeiten, die ihn dort beschäftigten. Hunderte
Bauarbeiter aus verschiedensten Gewerken mussten an sieben Gebäuden gleichzeitig
koordiniert werden und jede Verzögerung brachte Probleme der nachfolgenden
Arbeiter mit sich.
Wir wollten uns das auch ansehen aber um die Baustelle war ein großer weißer
Lattenzaun gezogen.
Also tat ich wieder dasselbe, wie bei der ersten Freundin: Zum Haus "Weimar"
gehen und den Sonnenuntergang auf der Treppe genießen. Ich hatte nicht das
Bedürfnis, hier einmal wohnen zu wollen. Aber ich hatte das Bedürfnis, hier
immer mal wieder her gehen und die Magie dieses Ortes erleben zu können. Die
Baustelle wurde nach drei Jahren fertig und wir fuhren zusammen mit tausenden
anderen Schaulustigen zum Tag der Offenen Tür in das so genannte Grand Hotel.
Zum ersten Mal setzte ich einen Schritt in diese faszinierenden und nun
schöneren weißen Riesen.
Was wir während eines nur Minuten währenden und schubweisen Durchlauf sahen, war
wie eine Mischung aus Museum und Raumstation: Anmutend alt und unglaublich
modern. Wir hatten sieben Jahre zuvor gerade mal unser erstes Telefon bekommen
und hier war High Tech in alt aussehenden Dingen versteckt. Alles war edel und
alles war echt - das war mir 2003 noch gar nicht durchweg klar. Ich schoss ein
paar Fotos und nahm mir vor, bald wiederzukommen.
Schon im Sommer 2003 fand unser erster gemeinsamer Rundgang statt.
Ich wollte meiner inzwischen Verlobten Deutschlands erstes Seebad zeigen. Wir
gingen durch den Ort und ich schoss Fotos. Bei diesem ersten Rundgang gab es
einige Überraschungen, die heute noch bei Touristen funktionieren und über die
ich jedes Mal schmunzeln muss.
An der Kurve der Kühlungsborner Straße wollte ich meiner Begleiterin den
Ortskern zeigen.
Ich hatte zwar keine Ahnung, wie der aussieht aber hinter dem Ensemble ging es
weiter. Was man dort sieht, ist natürlich spärlich: Zwei uralte Fachwerkhäuser,
ein Dornröschenschloss (Palette - wegen des Urwuchses), die Orangerie und die
Median-Klinik.
Nee, der Ortskern muss ja hinter den Bahnschienen sein. Häuser, Häuser, Häuser,
Ortsausgangsschild. Kein Ortskern? Kein Ortskern. Da habe ich wohl
Heiligendamm mit Kühlungsborn verwechselt.
Doch dieser erste Foto-Rundgang fand seinen Einzug ins Internet.
Ich wollte den Menschen an den Rechnern Heiligendamm zeigen. Warum, weiß ich
heute selbst nicht mehr. Eigentlich wollte ich eine Internetseite für Rostock
erstellen aber weil das nicht klappte, fing ich mit einer für Hohenfelde an und
weil ich auch da nicht zurecht kam, bastelte ich eben eine ganz einfache Seite
zum Üben.
Das war der erste Foto-Rundgang in Heiligendamm. 72 Bilder mit dürftigen
Kommentaren - nur die spontanen Gedanken beim Betrachten der Fotos. Es blieb bei
diesem einen Rundgang und wäre wohl auch für immer dabei geblieben, wenn wir
nicht ein Jahr später Besuch aus dem "Westen" gehabt hätten. Mit der MS Baltica
fuhren wir von Kühlungsborn nach Warnemünde und retour und passierten dabei auch
Heiligendamm.
Die Verwandten waren fasziniert und steckten mich damit an.
So erfolgte 2005 der zweite Rundgang. Jetzt wollte ich aber mehr wissen. Was hat
es mit diesen Häusern auf sich. Wer nutzte sie und wie? Ich begann zu
recherchieren, lieh mir Bücher aus, suchte im Internet und ging ins Museum. Aus
unzähligen beidseitig vollgeschrieben DIN A4 - Seiten wurden dann nacheinander
eine Chronik und eine kleine Gebäudedatenbank.
Doch beim Rundgang 2005 stieß ich auch auf verschlossene Tore und gesperrte
Wege.
Ich ärgerte mich darüber, bestimmte und geliebte Ziele nicht mehr erreichen zu
können und wollte herausfinden, warum das so ist. Also recherchierte ich im
Archiv der Ostsee-Zeitung und im Internet. Ich stieß auf pikante Details und auf
die Internetseiten von Bürgerinitiativen und ihren Mitgliedern. Sie erklärten,
warum man nicht mehr zum Alexandrinen-Cottage kommt und was noch so alles
gesperrt werden sollte. Und sie gaben dem Schuldigen einen Namen: Anno August
Jagdfeld.
Fortan war Anno August Jagdfeld mir unsympathisch.
Er nahm mir ein Stück Heimat und Bad Doberan ein Stück Heiligendamm.
Ich hatte zwar nicht vor, daran etwas zu ändern aber wenn ich schon die Bilder
kommentierte, sollten die Menschen auch wissen, wer diese Zäune dort hin
gestellt hat.
Mit Sarkasmus und Ironie spann ich am selben Teppich, wie viele - glaubte ich
zumindest.
Jedoch war die Berichterstattung mir irgendwann zu abenteuerlich und vor allem
zu unterschiedlich.
Warum waren Berichte über Heiligendamm, FUNDUS und das Grand Hotel in großen
Blättern meistens positiv und in lokalen Medien, besonders meiner geschätzten
Ostsee-Zeitung fast nur noch negativ?
Warum redeten die großen Blätter mit Jagdfeld, Zimmermann, Beermann (damals
FUNDUS-Pressesprecher) und Schlag und die kleinen Lokalmedien nur über sie? Und
was hatte es mit den Leuten auf sich, die den Investor bestärkten, indem sie
ihre Meinungen äußerten - Meinungen, die das ganze Gegenteil von dem waren, was
die Bürgerinitiative und ihre neue Partei im Stadtparlament von sich gaben.
Immer gleiche Namen las ich - contra, wie pro. Nur hatte ich bei "Pro" das
Gefühl, dass differenziert wurde, während "Contra" gegen alles zu sein schien.
Doch es las sich gut: Freie Wege durch den Kleinen Wohld, Stichweg im Großen
Wohld und mehr Verpflichtungen für den Investor. Schließlich sollte es ja auch
weiter gehen mit der Sanierung der restlichen Gebäude und schließlich sollte am
Ende kein für uns Bürger geschlossenes und unerreichbares Areal existieren.
Heiligendamm sollte schon noch uns gehören.
Auch wenn einige seiner Gebäude als Hotel auf einem eingezäunten Gelände stehen.
Mit der Dokumentation wuchs auch die Zahl und das Interesse der Leser. In den
E-Mails standen dann Fragen wie "Warum geht es nicht weiter?" oder "Warum
verfällt hier alles?" und auch "Warum kommt man dort nicht hin?". sowie "Warum
gehört alles Jagdfeld?". Manche fragten nur aber manche hatten auch das
Bedürfnis, sich zu beschweren. Auf die Fragen hatte ich keine richtige
Antworten. Lässt Jagdfeld die Villen verfallen, um sie nachher abreißen und das
Bauland teuer verkaufen zu können? Geht das überhaupt? Meine Recherchen ergaben
eindeutig: Nein, das geht nicht. Dennoch behauptete eine Wahlwerbung des
Bürgerbundes genau dieses.
Warum behauptet man Dinge, die gar nicht gehen? Und was behauptete man noch
so?
Ich stellte alle Aussagen auf den Prüfstand - auch die der Medien. Doch schnell
wurde klar, dass die Recherche in den jeweils anderen Medien nicht wirklich
etwas bringt. Also befragte ich die ECH selbst. Das war 2007 und die Antworten
waren zwar informativ aber sehr bedacht und vorsichtig. Schließlich wusste die
ECH ja nicht, wer ich bin und was ich mit den Informationen vor habe. Die
meisten Fragen bezogen sich auf geschichtliche, technische und planerische
Sachen. Als ich auch Fragen zur aktuellen Diskussion stellte, kamen zwar
Erklärungen aber irgendwann ebbte das ab. Sollte die ECH mir die ganze Story der
letzten 10 Jahre noch einmal genau darlegen? Zumal ich ja Privatperson bin und
die Mitarbeiter der ECH andere Dinge zu tun haben.
Ich dokumentierte weiter, verstand die Zusammenhänge besser aber die
Hintergründe kannte ich nicht.
Klar war mir, dass zwischen Stadt und Investor Uneinigkeit herrscht und annehmen
musste ich, dass die Stadt für ihre Bürger das Beste wollte und die Pläne des
Investors einfach nicht das Beste für die Bürger sind.
Im Jahre 2006 kam George Bush zu Besuch und von nun an war Heiligendamm auch für
den Rest meiner Familie wieder ein Vorzeigeobjekt, zu dem man seine Verwandten
und Bekannten kutschierte um zu zeigen, wo der mächtigste Mann der Welt
residierte und wo im nächsten Jahr die Staatschefs und Delegationen aus der
halben Welt wohnen werden.
Wir waren irgendwie stolz auf unser Heiligendamm.
2007 war dann auch das G8-Gipfel-Jahr und kurz nach dem Gipfel starb meine Oma.
Vor ihren Tod erzählte sie mir von ihrer Kindheit und Flucht aus Pommern und
ihrem Leben in - wer hätte das gedacht? - Heiligendamm. Ich hatte 2005 aus
gesundheitlichen Gründen meinen Job als Kundenbetreuer im Callcenter verloren,
bekam Rente und nichts hielt mich mehr im anonymen Stahlbetonschließfach in
Rostocks Nordwesen. Wir wollten für den Opa da sein und zogen nach Bad Doberan.
Eine Wohnung zu finden war nicht leicht aber durch den Verzicht auf das dritte
Zimmer fanden wir auf dem letzten Drücker doch noch eine - dafür sehr große -
Wohnung in einer alten Villa direkt an der Straße nach Heiligendamm.
Mein Opa starb jedoch noch während der Einrichtung der neuen Wohnung aber
dennoch war für uns klar, das richtige getan zu haben. Nun also direkt vor Ort,
verfolgte ich noch aufmerksamer das Stadtgeschehen.
Die Diskussion um Heiligendamm war gerade erst neu entfacht: Hotelpark,
Kurwald, Perlenkette.
Ich verfolgte die Diskussion im Stadtanzeiger und fand dort sehr interessante
Dialoge. Besonders stachen die langen, geduldigen und sehr sachlichen
Ausführungen Horst Gühlers hervor. Schnell kam ich mit ihn in Kontakt - zumal
einer seiner Söhne mit mir zusammen in eine Klasse ging - und schnell wurde
klar, wer wo was und wie falsch berichtete. Alles was Horst Gühler schrieb, war
verifizierbar, logisch zusammen hängend und einfach beachtlich.
Nun hatte ich also die Ansichten eines Stadtvertreters und befragte weitere.
Es dauerte nicht lange, herauszufinden, wer den Bürgern oder seiner Fraktion
nach dem Mund redete und wer eine eigene Meinung hatte. Mir wurde auch zügig
klar, warum einige Stadtvertreter so und andere so entscheiden und was hinter
der wahren Flut von Anträgen wirklich steckte. Ich kam mit der Politik in
Berührung, wie ich sie in einer Demokratie nicht vermutet hätte:
Klientelpolitik, Interessenvertretung und ganz viel Selbstinszenierung.
Angebote, dabei mitzumachen, lehnte ich dankend ab. Nun wollte ich aber auch die
andere Seite hören:
Was hat die ECH zu der Diskussion zu sagen?
Diesmal - nach vielen Leserbriefen und Kommentaren war mein Name und Anliegen
bekannt geworden - wurde ich mit offenen Armen empfangen. Es folgten mehrere
ernsthafte und sehr informative aber doch vertraut-lockere stundenlange
Gespräche mit den Herren Schlag und Zimmermann, später auch Plöger und Frau
Brasche-Salinger. Was ich dort ergänzend zu Herrn Gühlers Ausführungen erfuhr,
war nicht nur sehr interessant, sondern auch skandalös.
Ich bekam ein genaues Bild von den Problemen, die der Investor mit der Stadt
und Initiativen hat.
Mir wurde klar, dass es bei einigen Politikern um Selbstinszenierung und
Stimmenfang und bei einigen Kritikern um Rache geht. Rache für abgelehnte
Bewerbungen, versagte Partnerschaften und verlorene Ausschreibungen.
Aber auch Rache für genommene Wege und Plätze und das Bedürfnis, dem Investor zu
schaden, wenn man schon nichts davon rückgängig machen kann.
Ich stellte fest, dass es nicht nur Bürgerinitiativen gegen den Investor gab.
Es existieren auch welche, die sein Vorhaben unterstützten und zu Verhandeln
bereit sind.
Und ich erfuhr, dass auch die MEDIAN-Klinik dasselbe durch gemacht hat, wie die
FUNDUS-Gruppe - mit denselben Akteuren und denselben Mitteln. Für die ECH ist
das sicherlich kein Trost aber es ist interessant, dass eine Bürgerinitiative
damals den Neubau der MEDIAN-Klinik mit Protesten und einer Plakat-Aktion gegen
Klinikchef Christian Schütt persönlich zu verhindern versuchte. Sie unterstellte
ihm, mit den Steinen eines in Heiligendamm für den Klinikneubau abgerissenen
Hauses sein Eigenheim errichtet zu haben.
Als man mir das erzählte dachte ich nur "Das passt zu denen".
Aber offiziell ging es um den Erhalt der Natur - der Bäume, die für den Neubau
zu fällen waren. Was Ex-Förster Mattke bis dahin schon für Unmengen an Bäumen
für die Schaffung des Schützenplatzes, des Lagerplatzes im Kleinen Wohld und
schließlich seines eigenen Hauses auf dem Gewissen hatte, verschwieg man.
Ex-Förster Mattke trat auch erst ein Jahr später auf die Bildfläche, wo er über
die glorreiche DDR-Vergangenheit sinnierte und medienwirksam feststellte, dass
Heiligendamm ein toter Ort ist. Die Ostsee-Zeitung interviewte von nun an
fleißig Ex-Förster, wie Herrn Mattke aber auch Ex-Förster, die vor Jahrzehnten
mal in Heiligendamm gelernt haben, zitierte Lokalpolitiker, die gegen den
Investor wetterten und klärte die Bürger mit offensichtlich falschen
Informationen auf. Sie berichtete ausführlich von der Arbeit der
Bürgerinitiative "ProHeiligendamm", seiner Partei "Bürgerbund" und dem neu
gegründeten Spross "IHG" (Interessengemeinschaft Heiligendammer Gastgeber) und
veröffentlichte auch die Kampagne der IHG gegen den Hotelwald.
Es gab nur schwarz und weiß in der Berichterstattung und der Diskussion.
Und wer nicht für oder gegen den Investor sein wollte, hielt sich ganz heraus.
So kam es, dass tausende Bad Doberaner lieber schwiegen, als etwas zu sagen und
dass dieses Schweigen als Zustimmung (gegen den Investor) gesehen wurde. Also
schrieb ich. Alles was ich in die Hände bekam, schrieb ich nieder. Fakten aus
den Medien, aus Korrespondenz, aus Archiven und Zitaten. Damit man es auch
versteht, kommentierte ich alles. Es entstand ein riesiges Werk an
Diskussions-Seiten und ich hatte fast täglich damit zu tun. Ich wünschte mir,
dass die Diskussion bald abebben würde aber zunächst verschärfte sie sich noch
auf Grund des Kempinski-Ausstiegs, der Landesbürgschaft und den
B-Plan-Änderungen.
Wir waren mit der Familie im Sommer 2008 im Kurhaus Kaffee trinken, Torte und
Eis essen.
Einmal im Jahr spendieren die Familienoberhäupter einen Besuch an einem
besonderen Ort und in jenem Sommer war es Heiligendamm. Hinein zu kommen, war
schon schwer. Man musste warten, bis jemand heraus wollte und dann durch das Tor
schlüpfen oder musste zur Rezeption winken. Hinaus ging es noch schwerer, denn
man musste sich an der Straße am Zaun entlang hangeln, da das Tor verschlossen
war.
Auch drinnen war von Exklusivität nichts zu spüren.
Wir mussten uns selbst einen Platz suchen und erst auf Bitten wurden Tische
zusammen gerückt und eingedeckt. Einen Sonnenschutz gab es trotz Hitze nicht und
die Bedienung ließ auf sich warten. Die Bestellung kam dann in drei Einzelteilen
und die letzten warteten eine halbe Stunde auf ihr Eis, weil die Kreation
mehrmals gefroren werden musste. Die Tortenstücken waren verschieden groß und
alles in allem war nur das Eis seinen Preis auch wert. Die Bedienung musste noch
einmal rückfragen, Teile der Bestellung wurden trotzdem vergessen.
Aus dem Fenster über uns tönte Kinderlärm und über den Rasen liefen Leute in
Jogginghosen, verschwitzten Shirts, kurzen Hosen, Badesachen oder Sandalen.
Eine Frau schob gerade ihr Fahrrad über den Rasen, als ich fotografierte.
Das war FDGB-Heim-Flair, seinen Preis nicht wert, auf keinen Fall exklusiv und
sehr enttäuschend.
Wenn sich hier nichts änderte, würde das Grand Hotel bald dicht machen können.
Ein paar Monate später stieg dann Kempinski aus und auf Schlag gab es erste
Änderungen. Ich trug die ganze Familie für eine Hotelführung ein und Oliver
Sembill führte uns über zwei Stunden lang durch fast alle Gebäude des Grand
Hotels. Die Führung war öffentlich und ein Angebot an die Leser der "Zukunft
Heiligendamm" genannten gemeinsamen Zeitung der ECH und des Grand Hotels. Außer
uns waren noch andere Interessenten dabei.
Eine Führung durch ein Hotel? Außergewöhnlich!
Was wir sahen, begeisterte uns alle. Luxus pur ist ja klar, Komfort natürlich
auch und Exklusivität gibt es tatsächlich. Nichts ist von der Stange, kein
Zimmer identisch dem anderen und nur hochwertige Stoffe und Materialien wurden
verarbeitet. Die Möbel sind zum Teil Sonderanfertigungen und selbst die Gemälde
an den Wänden sind keine Massenprodukte. Das Hotel ist traumhaft - innen also
hui. Außen haben wir es noch nicht weiter getestet. Für mich war diese Führung
ein sehr wichtiges Erlebnis, denn ich erhielt dadurch Einblicke erstens in die
Angebote des Hotels und zweitens in die Bedürfnisse seiner Gäste. Wenn man
drinnen ist, schaltet man um.
Plötzlich stören einem Tagesgäste auf dem Hotelgelände und man nimmt Anstoß
an Gaffern.
Probieren Sie es mal aus! Das geht seit dem Ausstieg Kempinskis: Die ECH hat am
Haupteingang eine Klingel installiert, sodass jeder hinein kommt, der es möchte.
Wer nur gaffen will, wird es nicht tun aber wer ernsthaft interessiert ist und
evtl. auch etwas essen oder einen Kaffee trinken will, der wird auch klingeln.
In der Saison steht vor dem Findling sogar ein Mitarbeiter mit Schirm, Charme
und Stehtisch, der die Speisekarten bereit und das Tor bei Bedarf offen hält.
Das Grand Hotel hat sich geöffnet. In vielerlei Hinsicht und zu meiner
persönlichen Zufriedenheit.
Nur so kann es und nur so wird es funktionieren.
Trotzdem ist das Grand Hotel nun exklusiver, als es unter Kempinski war. Denn
die Interessierten betrachten das Hotel überwiegend von außen, während drinnen
die zahlenden Gäste residieren. Und die zahlen viel, denn das Angebot richtet
sich nicht mehr - wie von Kempinski praktiziert - an Pauschaltouristen, die über
Tchibo buchen.
Fünf Sterne lassen sich nicht über Tchibo vermarkten.
Erstens passt das nicht zum Anspruch, etwas Besonderes zu sein und zweitens
zieht es Leute an, die es sich eh nur einmal leisten können und dann nicht
wieder kommen. Das Grand Hotel aber braucht Leute, die es sich immer wieder
leisten können und auch immer wieder kommen. Doch
Heiligendamm hat ein Problem: Moder und Verfall an allen Ecken.
Schuld daran - das dürfte inzwischen klar sein - war die Unfähigkeit der
Stadtvertreter, geschlossen für die Änderungen des B-Planes zu stimmen. Wir
erinnern uns: Die ECH konnte die Wohnungen in der Perlenkette nicht vermarkten,
wenn es kein Recht auf dauerhaftes und zeitlich unbegrenztes Wohnen in den
Wohnungen und keine Parkplätze am Haus gab.
Die Änderungen waren alternativlos.
Es ließen sich nicht 40-80 Stellplätze in der Professor-Vogel-Straße einrichten,
im Wald dahinter ebenso wenig und für Ferienwohnungen waren die Preise der
Wohnungen einfach zu hoch. Niedrigere Preise aber waren auch nicht drin, denn
die originalgetreue Restaurierung der Villen kostet nun einmal sechsstellige
Summen. Jede Villa hat zukünftig 6 Wohnungen (Anker 5) und wenn man die
Baukosten durch sechs teilt, gibt es bei der Summe keinen Anreiz, eine Wohnung
zu kaufen, die nur 6 Monate im Jahr genutzt werden darf und die dazu auch noch
keinen Parkplatz am Haus hat. Fazit: Interessenten gab es aber kaufen wollten
sie unter diesen Bedingungen nicht.
Man hätte also nur die Gebäude billiger und weniger aufwändig und weniger
originalgetreu sanieren können, um den Preis zu reduzieren und damit die
Nachteile zu kompensieren. Das wäre gewiss nicht besser gewesen und darum
versprach die ECH die vollständige hochwertige und originalgetreue Sanierung,
wenn Dauerwohnrecht gewährt und eine Tiefgarage vor den Villen genehmigt wird.
Für viele war das Erpressung und genau so habe ich es damals auch gesehen.
Nur wenige Tage später bekam ich dann besagte Einladung zu Gesprächen mit den
ECH-Chefs und verstand die Logik und Richtigkeit der Forderungen. Viele Bürger
verstanden es aber nicht und viele Stadtvertreter handelten lieber so, wie es
die Wähler erwarteten. Erst Ende 2009 änderten sich durch die Wahlen die
Machtverhältnisse in der Stadtvertretung und fast schon unerwartet wurde den
Plänen zugestimmt.
Auf Schlag verstummten die Kritiker und die Ostsee-Zeitung vollzog eine
360°-Wende mit Triumph und Trompeten. Endlich wurden auch wieder die interviewt,
über die man bisher nur schrieb, statt mit ihnen zu reden. Endlich wurde
miteinander geredet und verhandelt - auch wenn die Ergebnisse schmerzhaft für
den Investor waren. Endlich konnte man sich wieder dem in den letzten Jahren
vernachlässigten Bad Doberan zuwenden.
Doch zuvor durfte ich noch einmal einen Blick hinter die Kulissen der
Perlenkette werfen.
Herr Schlag führte meine Lebensgefährtin und mich durch von mir ausgewählte
Häuser. Das erste Ziel war wegen architektonischer Interessen der Fürstenhof.
Was ich hier vorfand, überraschte mich. Es war ein kalter Tag und im Haus war es
wärmer als draußen. Überall liegen dicke Rohre und Kabel , die sich durch das
ganze Haus ziehen.
Ein Generator erzeugt Strom für einen eigenen Stromkreis und eine Heizung
erzeugt Wärme für eine konstante Raumtemperatur von 16°C. Herr Schlag erklärte
uns, dass auf diese Art die Gemäuer trocken gehalten, Schimmel, Moder und
Moosbildung verhindert wird und das Gebäude auf diese Art und Weise für viele
Jahre erhalten werden kann. Was das alles kostet sollte einem klar machen, dass
es nicht im Interesse der ECH sein kann, das die Gebäude auf ewig leer stehen
und nur ihres Erhalts wegen klimatisiert werden.
Wir schauten uns im Gegenzug die Kolonnaden an, die schon während der Nutzung
durch das Schwanen-Café durch den Zusammenbruch einer Decke beschädigt wurden.
Hier lohnte sich die Klimatisierung nicht und wir konnten uns nur kurz drin
aufhalten, da die Wände grün und weich waren. Nur die zuletzt noch genutzten
Räume waren zumutbar aber auch hier wurde mit Provisorien gearbeitet. Zeitgemäß
war das Schwanen-Café bei seiner Schließung längst nicht mehr und sein Betreiber
sagte selbst in einem Interview mit der Ostsee-Zeitung, dass die goldenen Zeiten
mit der Wiedervereinigung endeten.
Wir waren auch in der Villa "Schwan", weil ich sehen wollte, warum sie
abgerissen werden muss.
Hier waren die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet. Schon am Eingang
mussten wir über Schutt steigen und immer wieder gab es Stellen, an denen die
geflickte Decke Löcher in den Flicken aufwies, deren Substanzen auf dem Boden
lagen. Erschrocken hat uns der Zustand des rechten Flügels, wo man von den
Sanitärräumen bis zum Dach hoch schauen kann. Die oberste Decke hat sich voll
Wasser gesogen und die unter Decke beim Einsturz mitgerissen. Die Nässe
ausgelaufener Heizkörper und undichter Dachstellen zieht sich durch den ganzen
Flügel.
Noch schlimmer ist es in der "Möwe", die auch abgerissen werden soll.
Ich hatte zur bisher eifrig praktizierten Verteidigung dieses Kunstwerkes keine
Worte mehr, als ich sah, wie Bauschutt den Boden des Hauses in allen Etagen
vollständig überdeckte. Moos und Gras bilden einen weichen schmatzenden Teppich,
die Hinterlassenschaften vom Sofa über ein paar Ski und ein Fotolabor modern vor
sich hin und selbst die Luft ist feucht in der Möwe.
Die Gebäude wurden in den 80er Jahren dürftig saniert und danach halt bewohnt
und Schäden mit den zum Ende der DDR immer knapper werdenden Mitteln
ausgebessert. Nach der Wende tat sich 7 Jahre lang nicht mehr viel. Drinnen
sieht es noch aus, wie zu DDR-Zeiten - die Bewohner wohnten also zwar in den
Häusern aber sie renovierten kaum noch etwas. Zumal die Zukunft ja unklar war.
Als FUNDUS mit der Sanierung beginnen wollte, wurde den Bewohnern von der Stadt
(als Vermieter) gekündigt und die ECH installierte besagte Klimaanlagen, weil
die Sanierung des Ensembles drei Jahre dauern würde und erst im vierten Jahr mit
der Sanierung der Perlenkette angefangen werden dürfte.
Auch Schwan und Möwe wurden klimatisiert - an Abriss dachte man 1997 also
noch nicht.
Die Finanzierung dauerte etwas länger und so war man erst zwei Jahre später mit
dem Ensemble fertig und konnte erst 2004 mit der Planung der Perlenkette
beginnen. Von 2004 sind auch die kompletten mir vorliegenden Planungsunterlagen
der AMJ-Planer. Mit den folgenden Verzögerungen durch die Differenzen zwischen
Stadt und Investor standen die Vllen Jahr für Jahr leer. Sie alle waren den
gleichen Bedingungen ausgesetzt und alle waren gleich klimatisiert. Trotzdem
verschlechterte sich der Zustand des Schwans und der Möwe viel schneller, als
bei den anderen Villen. Der krasse Gegensatz dazu ist Villa "Greif", wo wir die
Behandlungsräume und die Wohnungen, u.a. Professor Serowys besichtigten. Hier
könnte man zwar auch nicht sofort seine Möbel hinein stellen aber mit etwas
Sanierung und Renovierung wäre es zumindest vorstellbar. Der Greif soll ja auch
saniert werden und muss dazu nicht abgerissen werden. Nach diesem enorm
wichtigen Rundgang verstanden wir, warum gerade Schwan und Möwe abgerissen
werden sollen.
Wir erkannten, dass die beiden Vögel schon längst tot sind und wir nur noch
Kadaver sehen.
Von außen freilich ist von dem Ganzen gar nichts zu sehen. Schäbig sehen sie aus
aber dass sie von innen so aussehen, lässt sich von außen nicht erahnen. Und
welche Maßnahmen zur Erhaltung die ECH vornimmt und was das kostet, sieht der
Fenstergucker auch nicht.
In den Villen haben auch die Denkmalschützer ganze Arbeit geleistet. Kreisrunde
Löcher in den Wänden zeugen von entnommenen Proben, Fußbodendielen sind an
einigen Stellen entfernt und die Fundamente frei gelegt worden. Markierungen aus
Zahlen, Buchstaben und Strichen in verschiedenen Farben zieren die Wände, Decken
und Böden. Sogar im Dachstuhl sind sie entlang gekrochen, um zu retten, was zu
retten ist.
Herr Schlag erklärte die Probleme der verschiedenen Interessen.
Die Denkmalschützer möchten einen Teil des Gebälks schützen aber man kann ja
schlecht das Dach stehen lassen und das Haus darunter abreißen. Wenn die
Denkmalschützer also das Gebälk schützen wollen, müssen sie es mitnehmen. Das
war nie ein Problem: Die ECH hat das Fachwerkhaus in der Kühlungsborner Straße
auch einer Naturschutzvereinigung geschenkt, die es sich abbauen und mitnehmen
durfte.
Sicher: Tröstlich ist es nicht, die Gebäude neu errichtet an anderer Stelle zu
wissen aber die neuen Eigentümer wissen das zu schätzen. Es ging also nichts
ohne den Denkmalschutz und der hat genau gearbeitet und um jedes Detail
gekämpft. Auch wenn einige in den unteren Ebenen sich von den oberen übergangen
fühlen, so wurde doch nicht der Denkmalschutz übergangen. Das ist so auch gar
nicht möglich.
Nach diesem zweiten so wichtigen Rundgang war mein Verständnis ein anderes,
als je zuvor.
Übrigens hat die ECH auch den Stadtvertretern angeboten, sich die Gebäude von
innen anzusehen.
Gerade die es abgelehnt hatten, waren in der Folgezeit die lautesten im Protest
gegen die Vorhaben des Investors.
Während ich darüber nur den Kopf schütteln kann, habe ich für viele andere
Kritiken Verständnis.
Wenn der Spiegel-Online schreibt, der Investor hätte den ganzen Ort aufgekauft
und lässt nun alles verfallen, ist das journalistisch zwar miserabel
recherchiert aber wenn im nächsten Augenblick eine Frau Ohde von der
Bürgerinitiative Pro Heiligendamm interviewt wird weiß ich auch, woher der
Spiegel seine Informationen hat und dass er im Prinzip nur das tut, was ich auch
einmal tat: Das Gesagte glauben und wiedergeben.
"Wer A sagt, muss nicht auch B sagen - er kann erkennen, dass A falsch war."
Das sagte Berthold Brecht einmal. Das trifft auf mich voll und ganz zu. Ich bin
kein Mensch, der seine Meinung verteidigt. Für mich zählen Tatsachen und wenn
diese nicht mit meinen Ansichten überein stimmen, muss ich die Ansichten eben
ändern. Wenn hinter mir ein hungriger Löwe steht, kann ich entweder die Warnung
des Beobachters annehmen und handeln oder weiter nach vorn schauen und so tun,
als ob nichts wäre.
Da nehme ich lieber das erste. Das Gute ist ja:
Ich habe die Wahl.
Ich muss nicht um Stimmen und Mandat fürchten, um Arbeitsplatz, Kundenweggang,
weniger Einkommen, Macht, Einfluss und Ansehen. Ich kann mir die Wahrheit
leisten. Darum ist es für mich viel fruchtbarer, mit dem Finger auf die Dinge zu
zeigen, als die Hand für oder gegen (schwarz-weiß) sie zu heben.
Nichts würde mich weniger befriedigen, als nur die Wahl zu haben, vorgefertigte
Anträge anzunehmen oder abzulehnen. "Mitgestalten" heißt meine Devise und so wie
Eckart Paap die Verkehrsberuhigung der Gartenstraße aktiv mitgestaltet hat, so
weiß ich, dass auch meine Fingerzeige wichtige Entscheidungen beeinflusst haben.
Wenngleich das nicht so offensichtlich ist, wie bei einem Blumenkübel und man
mir es erst sagen musste, bevor ich es glauben konnte.
Eckart Paap ist auch ein sehr wichtiger Mensch für diese Dokumentation.
Auf erfrischend-knuffige Art führte er mich und einen Parteifreund durch
Heiligendamm und zeigte uns die Resultate der Arbeit Helmut Mattkes. Ich habe
diese Informationen auch zusammen getragen. Nicht, um Helmut Mattke zu
diffamieren, sondern um zu zeigen, dass die von der Ostsee-Zeitung zur Ikone
gestylte Instanz auch nur ein Mensch ist, der Fehler machen kann. Ist die
Wiedererweckung des Schützenplatzes meine Verneigung vor Herrn Mattke sicher,
ist es seine Umwandlung eines Waldes in seinen Privatbesitz nicht - zumal er
gerade dies bezüglich der ECH anprangerte. Bei den forstwirtschaftlichen Fehlern
und Versäumnissen kann ich nicht mitreden und verlasse mich auf die Meinung
Herrn Paaps.
Durch Herrn Paap entdeckte ich einige wichtige Dinge wieder, von denen ich zu
wenig wusste.
Er zeigte mir, wo früher die erste Straße zum Strand entlang verlief und wo sich
die Tennisplätze befanden.
Er zeigte mir die Baugrube der Adolf-Hitler-Eliteschule und sogar den
Grundstein, der da immer noch im Kleinen Wohld liegt. Er erzählte von
Wiederaufbauversuchen zu DDR-Zeiten und dem Protest der Ärzte, die dann in den
Villen "Eikboom" und "Seeadler" ansässig direkt neben dem Sportplatz gewohnt
hätten. Ich erfuhr von längst vergessenen Dingen, wie einer Gärtnerei,
Eiskellern und einem abgerissenen Klärwerk. Herr Paap ist immer eine Empfehlung
und wurde auch mir empfohlen und so möge er verzeihen, dass ich eines Tages mit
einer Reporterin des Fernsehens vor seiner Tür stand.
Fernsehreporter - Auch das gehört zu den erfrischenden Momenten dieser
Dokumentation.
Produzenten und Reporter rufen an oder mailen und bitten um ein Treffen und eine
Führung durch Heiligendamm. Stets hörte ich als Begründung, dass die
Sachlichkeit und Neutralität der Dokumentation sie begeistert und dazu animiert
hat, lieber erst mich, als Stadtvertreter, Investor oder Bürgerinitiative zu
fragen. Das ist natürlich nicht nur eine Bestätigung für meine Bemühungen um
Wertneutralität aber auch ein Ansporn, auf diesem Pfad zu bleiben. Darum möge
man mir seitens der Lokalpolitiker verzeihen, Treffen zunächst in Aussicht
gestellt aber mich nicht weiter darum bemüht zu haben. Ich bevorzuge stets den
Schriftverkehr und seine Möglichkeiten, stets alles wieder nachlesen oder
wiedergeben zu können. Nur wo es nicht geht, treffe ich mich persönlich.
Das Geheimnis ist also, mir einfach drei Termine außer Mittwoch, Freitag und
Samstag vorzuschlagen und mich so zum Handeln zu zwingen. Ich dränge mich nicht
auf - wer sich treffen möchte, muss schon etwas dafür tun. Anders ist es, wenn
mir wichtige und für mich interessante Informationen in Aussicht stellen kann.
Es gibt schon noch einige Personen und Persönlichkeiten, mit denen ich mich
treffen will. Aber die haben dasselbe Geheimnis, wie ich. Zurück zu
Heiligendamm:
Feige anonyme Schreiber.
Auch die gibt es - unter anderem aus dem fernen Berlin, und sie
unterstellten mir in diversen Foren, für Jagdfeld zu arbeiten. Zu meiner
Belustigung will ein gar nicht so anonyme aber trotzdem feige Berliner ein Bild
von mir im Nadelstreifenanzug gesehen haben und sah mich schon als Nutznießer
der FUNDUS-Gruppe.
Nun, als aufmerksamer Leser haben Sie erfahren, dass ich nach der Ausbildung im
Callcenter (in unterster Ebene) arbeitete und danach in Rente ging. Daran hat
sich bis heute nichts geändert und wenn ich es gewollt hätte, wäre ich den
aussichtsreichsten der Beteiligten in den Allerwertesten gekrochen und hätte
damit sicherlich gutes Geld verdienen können. Lediglich hätte ich dann nicht
mehr erhobenen Hauptes durch meine geliebte Heimatstadt gehen können. Das kann
ich durch Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit heute tun und ich tu es mehrmals in der
Woche - mit einem Wagen an der Hand und ganz vielen Zeitungen und Prospekten
drin, die ich verteile und dabei die so vertraute Stadt jedes Mal neu und jedes
Mal anders erlebe.
Verlieren Sie nie den Blick für die Schönheiten Ihrer Umgebung, Ihrer
Mitmenschen und Ihres Lebens!
Mein Rat, mein Handeln. Auch wenn es gerade bei den Mitmenschen nicht immer
leicht fällt. Da sich jedoch Unsachlichkeiten schnell entkräften lassen, war der
Versuch der Diffamierung auch nur von kurzer Dauer.
Ein entfernter Verwandter sprach mich auf der Straße an und sagte in etwa "Ich
habe im Forum die Beiträge gelesen - dem hast du es gezeigt- finde ich toll."
Solche Solidaritätsbekundungen braucht man manchmal und darum spare auch ich
nicht damit.
Eines Tages rief meine Mutter mich an, dass jemand auf ihren Anrufbeantworter
gesprochen hat und ich mir es mal anhören sollte. Am Wochenende hörte ich es mir
an und da sprach eine Frau, die meine Telefonnummer suchte und nicht fand und
darum einfach den nächst besten Dostal (so viele gibt es hier ja nicht) anrief
und mich für meinen Leserbrief und mein Engagement lobte.
Ein anderes Mal bekam ich Post aus dem entfernten Berlin, aus Bayern,
Brandenburg und Sachsen, Anrufe und Mails und stets das gute Gefühl, dass
zeit-am-meer.de wahrgenommen wird. Im Mai 2010 baute ich einen Besucherzähler
ein und war vom Hocker, wie viele und vor allem wer hier mitliest: Ämter und
Behörden, Zeitungen, Fernsehsender, Universitäten, Unternehmen und - ich sehe
das am Hostnamen - auch Stadtvertreter, Stadtverwaltung und der Investor selbst.
So wurde aus einer kleinen Bildergalerie ein offenbar anerkanntes
Informationsmedium. Wünschenswert wäre, wenn hier auch Kommentare verfasst oder
diskutiert werden würde aber dazu sind die vier großen Zeitungen einfach
gefragter.
Was war die Krönung bisher?
Sind es die monatlich fast 1000 Besucher? Ist es das positive Feedback?
Oder die Einladung zum ersten Spatenstich für Villa Perle, der ich nur zu gern
mit meiner Lebensgefährtin gefolgt bin und bei der ich Anno August Jagdfeld das
erste Mal live erlebte - beim Zuschauen? Oder sind es die Rundgänge mit den
Journalisten und den Wikipedianern? Das alles sind Meilensteine für mich aber
die Krönung ist nichts davon. Darum mache ich weiter und dokumentiere,
fotografiere, recherchiere, publiziere und kommentiere, so gut es geht und so
viel ich kann.
Wenn Sie mich nach meinen Wünschen für Heiligendamm fragen, kann ich eher
etwas dazu sagen.
Ich wünsche mir ein Heiligendamm, das seiner Geschichte gerecht wird, ohne sie
noch einmal durchleben zu müssen. Ein exklusives Bad für die Reichen, die gern
und in Scharen hier her kommen, um sich zu erholen und ein wenig auch - an
heutigen Ansprüchen gemessen - vergnügen.
Ich wünsche mir, dass die Inschrift "Hier empfängt dich Freude, entsteigst du
gesundest dem Bade" wieder voll und ganz für Heiligendamm stehen kann. Und zwar
unabhängig vom Geldbeutel.
Ich gönne den Gästen des Grand Hotels die verschiedenen Bade- Wellness- und
SPA-Angebote, das köstliche Essen, die teuren Getränke, die hochwertige
Ausstattung und alles das, wofür sie viel Geld bezahlen.
Ich gönne den Neu-Heiligendammern ihre Wohnungen und Cottages in der ersten
Reihe der Weißen Stadt am Meer. Sie zahlen alle viel Geld dafür und bei diesen
Preisen wäre auch mir das Beste nur gut genug.
Wir alle können davon profitieren, dass diese Leute ihr Geld freiwillig und in
größeren Mengen hier lassen und dass sie sich vielleicht sogar dauerhaft hier
nieder lassen.
Aber die Freude nach dem Bade muss auch für all jene gelten, die nach dem Baden
nicht ins Kurhaus oder Medinis essen gehen, sondern sich nur die Bratwurst am
Imbiss und die Pension im Wald leisten können. Auch für sie muss Platz sein und
auch für sie muss es Angebote geben.
Das kann nicht allein auf den Schultern des Grand Hotels ruhen.
Die Stadt darf nicht allein auf den Investor setzen. FUNDUS hat sich als
Glücksgriff beim Wiederaufbau des klassizistischen Ensembles erwiesen und wird
mit nötiger Unterstützung auch in der Lage sein, den Rest Heiligendamms wieder
auferstehen zu lassen.
Vielleicht gelingt es den Visionären sogar, auf lange Sicht ihre ehrgeizigen
Pläne von einem Resort mit Villenviertel, Sport- Kultur- und Freizeitangeboten
umzusetzen und Heiligendamm zu einer Stadt für sich zu machen aber das kann sich
um Jahrzehnte handeln und es kann nicht Aufgabe der FUNDUS-Gruppe sein, in
Heiligendamm alles allein zu machen. Zumal ja gerade das keiner will. Auch ich
nicht.
Ich verneige mich.
Vor all jenen, die trotz aller Widrigkeiten noch heute ihr Café, ihre
Pension, ihr Bistro oder ihre Gaststätte betreiben. Ich bewundere den Mut derer,
die trotz aller Widrigkeiten ein Geschäft eröffnet, Zimmer zur Vermietung
ausgebaut oder gar neu gebaut haben.
Gerade in letzter Zeit gab es sehr viele wirklich positive Signale in
Heiligendamm.
Die Wiedereröffnung des Jagdhauses, die Eröffnung des "Laden Nr. 4" in der
Gartenstraße, die Eröffnung der Kite- und Surfschule und der Segelschule. Diese
mutigen Unternehmer haben den Anfang gemacht. Weitere müssen folgen.
Der Mut und das Engagement dieser Unternehmer ist der Grundstein, auf den
folgende Angebote aufbauen.
Angebote, die Heiligendamm braucht, die Heiligendamm komplettieren und wieder zu
dem machen, was es einmal war: Arkadien.
Für mich ist klar, dass die Zäune in Heiligendamm nur eine Übergangslösung
sind.
Kampen kommt ohne Zäune aus, Ahrenshoop ebenso und auch am Starnberger See
wohnen die Leute zwar abgeschieden aber nicht abgeschlossen. Ich habe die
Touristenmassen damals gesehen und habe verstanden, warum man zwischen Orangerie
und Severin-Palasis Zäune zog.
Solange der Weg vom Bahnhof zur Perlenkette bleibt, bestand für mich kein
Grund zur Beunruhigung.
Als dieser Weg wegfiel, stand ich bereits in Kontakt mit der ECH und erfuhr
einerseits von den logistischen Überlegungen und den baulichen Planungen
(Überbau der Lücke zwischen Kolonnaden und Prinzessin-von-Reuss-Palais mit den
Neubauten Ensemble-Palais und Ensemble-Villa) und andererseits auch von den
rechtlichen Aspekten: Das Grundstück gehört der ECH, die Professor-Vogel-Straße
wird an sie vererbpachtet und damit kann sie dieses geschlossene Gelände auch
einzäunen.
Das Grundstück, auf dem wir wohnen, war zu DDR-Zeiten von einem Trampelpfad
durchzogen.
Dieser diente als Abkürzung zwischen Dammchaussee und Kammerhof. Ich kenne ihn
selbst noch aus meiner Kindheit, denn auch ich habe mich da durch die Büsche
geschlagen, sofern das überhaupt nötig war. Eigentum wurde damals anders
gehandhabt. Das Haus gehörte der Stadt und die Mieter konnten alles nutzen aber
nichts gehörte ihnen. Also war es auch egal, wenn da Leute entlang liefen.
Jetzt wo wir dort wohnen, laufen immer noch einige Leute einfach hinten durch
die Carports.
Die Treppe herunter und dann entweder durch unser Blumenbeet oder
treppab-treppauf über unsere Terrasse - direkt am Fenster vorbei. Dass sie dabei
die Beleuchtung auslösen, ist die eine Sache. Die andere ist, dass man sich
nicht mehr sicher fühlt, nichts mehr auf der Terrasse stehen lassen mag, Sorge
um das Auto und die Fahrräder und die Blumen hat und auch die Wäsche nicht
draußen hängen möchte.
Das Durchqueren von Privatgrundstücken ist eine grobe Verletzung der
Privatsphäre einerseits und der Eigentumsrechte andererseits. Zusammen mit dem
Vermieter wurden Lösungen gesucht, die umso nötiger waren, nachdem wir nach
einer städtischen Veranstaltung am nächsten Morgen sämtliche Pollerleuchten
beschädigt und zwei von ihnen umgelegt vorfanden. Auch unser Auto wurde auf dem
Grundstück beschädigt.
Ich verstehe jeden, der sein Grundstück einzäunt.
Wenn man keine Zerschneidung Heiligendamms mit von hohen Zäunen flankierten
Stichwegen will, bleibt nur die Umleitung der Besucher um ein als gesamtes
eingezäuntes Areal. Genau das ist geschehen und so sehr einige auch dieser Umweg
ärgert, so sehr verstehe ich das. Man schaue sich einmal die Kolonnaden an -
besonders den Anbau des Ateliers Beckmann. Dort wurde randaliert und beschmiert.
Das ist schon Grund genug, das einzuzäunen.
Ich habe selbst erlebt, wie Menschen über Zäune geklettert sind.
Und wie sie in Massen Absperrungen in Heiligendamm umgangen haben. Auch ich
hätte da was aufgestellt. Vielleicht keinen Zaun aber effektiv dasselbe. Dennoch
erfasste auch mich ein leichtes Gefühl der Wehmut, als ich Bilder von der
Baustelleneinrichtung der Villa "Perle - Großfürstin Marie" machte. Ich wusste,
dass es hier für lange Zeit nicht mehr hindurch gehen würde und einige Zäune
gaben mir zu Bedenken mit ihrer festen Verankerung und dem endgültigen Aussehen.
Trotzdem kann ich Heike Ohdes tausendmalige Wiederholung der
Nichtmehrerlebbarkeit Heiligendamms nicht teilen. Zuletzt hieß es
"Heiligendamm ist nicht mehr so erlebbar". Nicht mehr wie erlebbar?
Nicht mehr erlebbar wie zu Großherzogs Zeiten? Freilich: Damals war Heiligendamm
für den Pöbel schon aus Anstand tabu. Er kam gar nicht erst und wenn, dann zum
Arbeiten. Alte Bilder zeigen einfache Leute stets am Kinderstrand oder in Höhe
des Conventer Sees. Ich weiß nicht, wie es damals wirklich war. Frau Ohde jedoch
auch nicht. Also muss sie die DDR-Zeit meinen.
Sie erinnern sich: Wir waren nie IN den Gebäuden. Auch da war nur drin, wer
arbeitete oder bearbeitet wurde. Draußen konnte man überall herum laufen und
alles ansehen - nur Fahrrad fahren durfte man nicht.
Hat sich daran etwas geändert?
Nein. Man kann am Haupteingang und in der Saison auch am Findling das
Hotelgelände betreten - und sei es, dass man dazu klingeln muss - und dann kann
man nach Herzenslust da drin herum spazieren. Man kann essen, trinken, kann den
Spa-Bereich besuchen, sich massieren lassen, baden gehen, Sport machen, kann an
Lesungen und Konzerten teil nehmen, sich durch das Gelände führen lassen,
natürlich auch ein Zimmer buchen, sich auf der Dachterrasse in der Sonne aalen
usw.
Das alles konnte man zu DDR-Zeiten nicht.
Wenn man genesungsbedürftig war, bekam man eine Einweisung, wurde zusammen mit
anderen Kurpatienten in ein Zimmer gesteckt und nach Plan behandelt. Essen gab
es zentral in der Kantine und für alle dasselbe und von Luxus war Heiligendamm
weit entfernt. Das Meer und die Größe der Einrichtung waren die einzigen
Besonderheiten. Dafür kostete es nichts. Aber das war keine Besonderheit. Dem
Staat kostete jeder Patient zwischen 474 und 679 Mark, sodass "kostenlos" ein
sehr einseitiger Begriff ist.
Die neue Erlebbarkeit Heiligendamms seit 2003 bestand darin, den Reichen und
Schönen
direkt auf den Teller schauen und seine Nase an die Fenster drücken zu können.
Man stelle sich einmal vor: Da zieht man sich im Hotelzimmer gerade um, als ein
Schatten sich dem Fenster nähert. Der schemenhafte Umriss bildet oben ein
Dreieck. Es klatscht sacht an die Scheibe und zum Vorschein kommt ein
sonnenverbranntes Gesicht mit zusammen gekniffenen Augen und einem
interessiert-breiten Grinsen, gerunzelter feuchter Stirn und gelblichen Zähnen.
Aufmerksam schaut sich diese Gestalt im Zimmer um, dreht sich dann zur Seite und
winkt eine zweite Gestalt heran, die sich nun daneben gesellt und auch ihre
feuchte Stirn an die Scheibe drückt und mit den klebrigen Händen die letzten
Sonnenstrahlen davon abhält, das verschwommene Innen-Bildnis zu überstrahlen.
Nachdem die beiden braunen Kobolde abgezogen sind, bleibt nur eine Spur feuchter
Hände, kondensierten Atems und fettiger Haare und der Wunsch, nie wieder hier
Urlaub zu machen.
Das mag übertrieben sein. Vielleicht aber auch nicht.
Sind die Geschichten furzender und rülpsender Angler, nackter Touristen und
knipsender Touristenscharen wirklich so abwegig? Selbst einer der vehementesten
Gegner und Mitglied des Bürgerbundes macht sich auf seiner Internetseite über
einen "Zoo für Reiche" lustig. Er hat es also auch beobachtet. Um dann seine
Parteifreunde behaupten zu lassen, dass diese Darstellungen vom Investor
erfunden wären. Nun, es gibt noch mehr Zeugen und auch rechnerisch konnte ich
die 5.000 Tagesbesucher mit Hilfe der Molli, Pkws, Busse und Reisebusse
nachvollziehen.
Nach 2007 wurde es sichtbar voller in Heiligendamm.
Da standen die Zäune schon und das ist wohl auch besser so. Schade finde ich
nur, dass diese vielen tausend neuen Touristen erstens kaum Möglichkeiten
hatten, Geld hier auszugeben und zweitens kaum Anreize fanden, wieder zu kommen.
Doch ist das nun Schuld des Investors? Hat da nicht die Stadt es verpasst,
touristische Angebote zu schaffen, Gewerberäume, Sportangebote, Kultur? Die
Pläne waren so groß: Von einer zweiten Seebrücke reichten sie bis hin zu einer
Konzertmuschel, von Sport- und Spielplätzen am Strand bis hin zu einem
Shuttle-Service und von einem Anlandepunkt bis zu einem
Strandversorgungszentrum. Nichts davon ist bis heute umgesetzt und kaum scheint
es mit dem Strandversorgungszentrum zu klappen, meldet sich die
Naturschutzbehörde und stellt ihre Ablehnung in Aussicht.
Heiligendamm - ein Trauerspiel.
Lieblingszitat vieler Bad Doberaner und bittere Realität in der Lokalpolitik.
Zu Lasten des Investors, zu Lasten Heiligendamms, seiner Bürger und Gäste.
Nur: Wer kann es besser machen, wo schon seit mehreren Legislaturperioden fast
alle politischen Parteien Bad Doberans im Stadtparlament sitzen? Es regieren ja
alle mit - eine Wahlalternative gibt es also nicht.
Die Lösung ist wie immer schlicht und einfach: Die da sind, müssen zusammen
arbeiten.
Gerade das aber scheint so unsagbar schwer zu sein. Die CDU bedient eben eine
andere Klientel, als die SPD und diese wieder eine andere, als die Linke und die
wieder eine andere als die FDP und die wieder eine andere, als die Grünen und
die wieder eine andere als der Bürgerbund und die wieder eine andere, als die
CDG und die wieder eine andere, als das BfBD. Auch die Einzelkandidaten haben
natürlich irgendwo ihre Wähler aber immerhin sind sie flexibler, da nicht an
Fraktionen gebunden.
Aber können sie mit ihrer (Ihrer) Stimme etwas bewirken?
In der Politik geht es schließlich um Mehrheiten und so geht es auch in Bad
Doberan immer um Mehrheiten.
Aber eben nicht nur. Es geht auch um Selbstdarstellung, Karriere, Posten und
Image. Gerade da hier jeder jeden kennt versucht jeder, jedem zu gefallen.
Weiter bringt uns das nicht. Aber das ist der hohe Preis der Demokratie. Man
überlasse die Entscheidungen den Laien. Immerhin könnten Laien sich vorher
informieren. Bloß: Wenn selbst der Spiegel nach seiner Recherche Nonsens
schreibt... Horst Gühler hat seine Konsequenzen gezogen und nach den
Anfeindungen des Stadtvertretervorstehers Guido Lex (Bürgerbund) das Mandat
niedergelegt. Was er bis dahin geleistet hat - auch außerhalb des Rathauses -
ist unschätzbar wertvoll. Was hingegen Guido Lex angerichtet hat, ist
unschätzbar und nicht wertvoll. So gut auch seine Arbeit von seinen Fürsprechern
angesehen wird, so wenig hätte ich Lust, mir das Theater anzutun.
Gibt es einen Ausweg?
Ja. Man kann die Probleme nicht mit den Mitteln lösen, die sie verursacht haben.
Man kann den Ausweg nicht sehen, wenn man nur auf den bisherigen Weg schaut.
Genau das tun aber viele Lokalpolitiker und die besonders verbissenen versuchen
vehement, diesen Weg zurück zu gehen und hoffen, da irgendwo einen Ausweg zu
finden.
Im Prinzip stecken sie also ihre Hand in den Hintern, um die verdorbene Speise
durch den Mund wieder heraus zu schieben. Geht vielleicht auch aber die
Überlebenschancen des Patienten wären höher, wenn man ihm einfach den Magen
auspumpen würde. Dann kann er von vorn beginnen, ihn wieder zu füllen und
diesmal aufpassen, was er isst.
Gerade die zahlreichen Architekten unter den FUNDUS-Gegnern müssten wissen, dass
ein Konstruktionsfehler sich beheben lässt, indem man z.B. eine zusätzliche
Stütze einfügt, die Last verteilt oder ähnliches. Kein Architekt würde auf die
Idee kommen, das Haus bis zu dem Punkt wieder abzureißen, wo der Fehler
entstanden ist.
Genau das versuchen diese - vielleicht darum nicht bei der Sanierung zum Zuge
gekommenen - Architekten, wenn sie Umwidmungen wieder rückgängig machen,
Kaufverträge anfechten und Zäune wieder abreißen lassen wollen.
Bei so "viel" Planungssicherheit hätten andere längst aufgehört, überhaupt
noch zu investieren.
Sicher kann sich FUNDUS nur sein, dass keine Genehmigung vor Anträgen zur
nachträglichen Aufhebung sicher ist. Vielleicht darum investiert die ECH erst
einmal dort, wo ihnen keiner mehr die Investitionen kaputt machen kann. Eine
Überlegung ist es wert. Doch taktieren mag Herr Schlag nicht, wie er mir
versicherte. Das erklärt, warum er mit seiner Ehrlichkeit hin und wieder ins
Fettnäpfchen getreten ist. Damit so etwas nicht passiert, hat FUNDUS der ECH
einen Profi an die Seite gestellt: Pressesprecher Christian Plöger. Jede
Formulierung muss geprüft werden, denn draußen lauern die Geier schon auf die
Brieftaube. Wenn Christian Plöger etwas zu sagen hat, reicht es nur für die
Zeitung. Hat ihn aber ein Reporter einmal sprachlos gemacht, kommt er sogar ins
Fernsehen.
So geht das in Heiligendamm. Dabei hat unsere Stadt andere Probleme.
In 1A-Premiumlage verfallen Gebäude: Das Moorbad, der Bahnhof, die
Jugendherberge, die ehemalige Tourismuszentrale, das ehemalige Haus der
Freundschaft, die ehemalige Kinderkrippe, das ehemalige Rathaus und noch andere
hochwertige Immobilien.
Hier gibt es keine Lobby und die ewigen Heiligendamm-Kämpfer lassen sich mit
ihren Rössern nicht blicken.
Keiner der edlen Ritter zückt sein Schwert für das Moorbad, keiner kämpft hoch
zu Ross für den Bahnhof und keiner nimmt Anstoß daran, dass Schüler in
Containern unterrichtet werden, weil die Kapazitäten der sanierten Schulen nicht
ausreichen und die unsanierten Schulen schlechter sind, als jeder Container.
Lediglich um den Erhalt kranker Bäume kämpfen einige aber das tun auch andere,
die nichts mit Heiligendamm zu tun haben.
Es hat sich viel getan nach der Wende. Sehr viel.
Ich habe die alten Bilder des grau(sam)en Bad Doberans mit seinen schäbigen
Häusern Holperpisten und seiner trostlosen Tristesse. Es ist viel Geld
geflossen, auch aus dem Westen und dafür sollten wir Bad Doberaner dankbar sein.
Doch wir haben den guten Weg irgendwie verlassen oder vergessen, ihn weiter zu
gehen.
Noch immer gibt es trostlose Häuser und nicht immer sind es die Einzelschicksale
seiner Eigentümer, an denen die Sanierung scheitert. Oft sind es einfach nur
unsinnige Auflagen. "Sie können ein Haus kaufen aber wenn Sie nicht gerade einen
Spielplatz neben Ihrem Garten haben wollen, müssen Sie ihn mit kaufen und
schließen". Oder: "Sie können ein Haus kaufen aber diese und jene Nebenbauten
müssen Sie abreißen und das da stehen lassen". Noch öfter heißt es "Sie müssen
die Fassaden so und so gestalten, Fensterhöhe so und so, Gliederung so,
Fensteranzahl so, Geschosshöhe so, Geschosszahl so, Fassadenfarbe so, Dachfarbe
so und Dachmaterial so".
Ungelogen: Es gibt knallharte Auflagen.
Das macht gestalterisch auch Sinn aber man könnte sich auch erst die Pläne des
Investors ansehen und dann verhandeln, statt schon ins Exposé zu schreiben, was
nicht geht.
Was nicht geht ist aber leichter gesagt, als was geht.
Man weiß ja auch auf Anhieb, was in Heiligendamm nicht geht aber Alternativen?
"Vielleicht hätte man an Einzelinvestoren verkaufen sollen". Vielleicht.
Vielleicht hat man es ja versucht und dann fanden sich welche für dieses und
jene Haus aber die großen wollte keiner haben. Genau so war es nämlich und nur
darum wurde schließlich ein Paket gebündelt und der Käufer musste alle - ich
meine es sind 26 - Gebäude auf einmal nehmen. Und zwar "wie gesehen" - an einem
Tag per Rundgang.
Ob er die Gebäude nun brauchte, spielte keine Rolle. Hauptsache weg.
Und so strahlt nun, was er brauchte und verfällt, was er eigentlich nicht
brauchte.
Dennoch verfällt auch einiges, das er später dazu kaufte. Nach Plänen wie einem
Asylantenheim in der Gartenstraße und einer Disko in den Eiskellern ist es aber
auch kein Wunder, dass der Investor alles kaufte, was er kriegen konnte.
Lieber eine zusammen hängende Fläche mit Gebäuden, die man nicht braucht als
eine Ansammlung Einrichtungen, die man nicht will. Und in Heiligendamm gab es
die schrillsten Ideen mit Projekten, der keiner dort wollen kann. Da ist eine
Künstlerkolonie doch die bessere Alternative zum Asylantenheim und ein
Fledermausquartier einfach sinniger, als eine unterirdische Groove-Disco. Auch
wenn Asylanten und Partygäste schon nach wenigen Monaten hätten einziehen können
und abgesehen von den Fledermäusen die Künstler erst in ein paar Jahren kommen
werden.
Das alles wissen die Gegner und Kritiker des Investors.
Sie wissen vom Grundlagenvertrag, zitieren ihn sogar auf den Internetseiten,
verschweigen aber die festgelegte Sanierungsreihenfolge, den Gesamtpaketkauf,
die schon im Vorfeld beschlossenen Um- und Entwidmungen, Täusche und Verkäufe.
Denn wenn sie zugeben würden, diese pikanten (und öffentlich zugänglichen)
Details zu kennen, würde das ihr ganzes Tun in Frage stellen. Sie wussten es von
Anfang an und dass sie daran bis heute nichts ändern konnten, zeigt einerseits
ihre Unfähigkeit und andererseits die Richtigkeit der getroffenen
Vereinbarungen, denn keine Klage und kein Protest ließ auch nur einen der
Vertragspunkte kippen.
Was ich ja immer nicht verstand, war der Masterplan.
Luxusrestaurant hier, Apartments da, Thalasso hier, Ayurveda da - wer soll das
bezahlen und vor allem: Wer soll das nutzen? Hier stellten sich die Fragestunden
bei der ECH als äußerst lehrreich heraus. Ein Masterplan ist ein Ideenplan.
Statt des Luxus-Restaurants kann es auch sein, dass die betroffene Villa einfach
ein Wohnhaus wird.
Die Apartments kommen erst, wenn die Perlenketten-Wohnungen komplett verkauft
sind und noch genug Nachfrage besteht. Vorher aber kommen noch Ensemble-Palais
und Ensemble-Villa. Eine Thalasso-Schwimmhalle wird es erst geben, wenn der
SPA-Bereich nicht mehr ausreicht und sich auch nichts mehr anbauen lässt und
Ayurveda ist erst interessant, wenn genug Leute lange genug in Heiligendamm
wohnen und das auch nutzen und SPA und Thalasso das nicht beherbergen können.
Die Plastische Chirurgie wäre dann das I-Tüpfelchen.
Vorher würden noch viele Geschäfte entstehen und weitere gastronomische
Angebote.
Auch der Biergarten macht erst Sinn, wenn sich mehr Leute dauerhaft in
Heiligendamm niedergelassen haben und da auch er zur gehobenen Gastronomie
gehören wird, ist nicht von Lückenbebauung der Gartenstraße die Rede, sondern
wirklich von Neu-Heiligendammern. So ist alles auf Jahrzehnte angelegt aber
trotzdem muss es heute geplant und muss heute schon die Fläche dafür im Besitz
des Investors sein.
Daher die Umwandlung von 500 ha Ackerfläche in Bauland.
Wenn FUNDUS das nicht selbst bebauen oder zumindest planerisch gestalten wollte,
hätten sie schon längst die 500 ha in Parzellen aufteilen und verkaufen können
(das hätten einige sicherlich mit Aussicht auf ein Grundstück genehmigt) und um
Heiligendamm hätte sich ein Wohnpark gelegt, der in seiner Infrastruktur genauso
dumm geplant ist, wie viele andere nach der Wende entstandenen Wohnparks um
Städte und Dörfer herum. Meistens sind das Sackgassen oder Hufeisen. Ein Garant
für wenig Verkehr aber auch oft schwer zu vermarkten.
Auf dem Kammerhof hat alles irgendwie nicht geklappt.
Schuld will keiner gewesen sein und für mich ist es schwerer, die genauen
Ursachen und Entwicklungen des Kammerhof-Debakels zu durchleuchten, als die
Diskussion um Heiligendamm zu dokumentieren. Darum - und durch die lange lange
Diskussion in Heiligendamm - sind die Bad Doberaner Seiten auch noch recht
mager. In die Diskussionsseiten ist Bad Doberan bereits mit eingeflossen, denn
Heiligendamms Geschichte ist auch Bad Doberans Geschichte und ohne den anderen
sind beide nicht komplett. Darum muss man immer den Zusammenhang beider Teile
sehen:
Heiligendamm war stets die Ergänzung Bad Doberans - die Komplettierung.
Heiligendamm wurde gebaut, um die Vorzüge der unmittelbaren Nähe zu rSee optimal
nutzen zu können. Das wurde über Jahrhunderte immer weiter optimiert und wäre
mit zwei Umbauentwürfen im 19. und 20. Jahrhundert fast auf die Spitze getrieben
worden. Damals investierte man, um möglichst viel Geld in Heiligendamm umsetzen
und einnehmen zu können.
Heute ist das nicht mehr so direkt möglich und die Chancen des indirekten
Verdienstes werden unterschätzt.
Statt in Heiligendamm Angebote für den Massentourismus neben dem Luxus-Resort zu
schaffen, wird der Tagesgast einfach nur gemolken und genau mit diesem Gefühl
verlässt er Heiligendamm. Vielleicht für immer.
Der Tagesgast muss zahlen aber geboten wird ihm nichts.
Das ist der Unterschied zu damals, als er hier Tennis spielen, Tontauben
schießen, golfen, baden, speisen, spielen, feiern, genesen, sich erholen und
entspannen konnte. Heiligendamm war eigentlich in der Saison das pralle Leben -
das Malle der Herzöge. Hier konnten sie sich so geben, wie sie wirklich waren:
Lässig, hemdsärmelig, frei und fröhlich. "Sorgenfrei komm her" stand auf dem
ersten Badehaus und dieser Aufforderung wurde gefolgt, denn "wer voll Sorge ist,
kann nicht gesenesen".
"Auf nach Heiligendamm" war ein Ausruf der Freude, der freudigen Erwartung.
Abschalten. Frei sein. Heiligendamm. Nur wer da war, war wirklich da.
Später versiegten die Geldquellen und schließlich das gesellschaftliche
Interesse an aristokratischen Beschäftigungen. Heiligendamm wurde zum
08/15-Ferienort der trotzdem besonderen Art und schließlich - nach einer
Beinahe-Sprengung - Kurbad der Werktätigen. Also wieder 08/15 aber trotzdem
besonders.
Mittendrin in dieser volkseigentümlichen Freiheit gab es Cafés, Restaurants
und Imbisse.
Nicht in Massen - nie mehr als zwei seiner Art und dann auch kilometerweit
auseinander. Massentourismus war gar nicht möglich. Logistisch nicht und auch
von der Infrastruktur her nicht. Massentourismus kam in Kühlungsborn unter und
später auch in Börgerende.
Heiligendamm sollte seiner Schönheit wegen besucht werden und dann bitte
weiter.
So war es dann auch. Aussteigen, gucken, wieder einsteigen weiter. Oder mit dem
Rad stehen bleiben, staunen und weiter fahren. Das war die Erlebbarkeit
Heiligendamms, die es laut Frau Ohde heute so nicht mehr geben soll.
Gut, die Radwege sind andere und auch die Fußwege etwas länger aber stehen
bleiben, gucken und staunen geht auch heute noch - auch zwischen den Gebäuden,
wenn man sich nicht doof anstellt. Massenbelustigung hingegen gibt es nur
geführt an bestimmten Wochentagen und nicht massenweise massenhaft. Geplant war
das auch nie.
Schon beim Verkauf stand fest, dass hier wieder eine Kureinrichtung hinein
sollte.
Mit der Dr.-Marx-Gruppe schien sich der Traum zu verwirklichen aber weil diese
trotzdem noch einen Funktionsbau neu errichten und dafür Bäume fällen wollte,
regte sich der Widerstand der Bürgerinitiative - damals hieß sie noch
"Bürgerrat". Heute sitzen ihre Leute in "Proheiligendamm" und Bürgerbund.
So viel Demokratie überforderte die junge Stadtvertretung.
Die musste gleich nach der Wende bei dem Wort "Initiative" zusammen zucken und
unwillkürlich an Montagsdemos und Gebäudebesetzung denken. Also gab man nach und
die Median-Klinik entstand außerhalb des schmalen heilklimatischen
Küstenstreifens, der genau dort endet, wo die Median-Nordmauer beginnt.
Heilklimatologisch ist die Klinik nutzlos - darum animiert man die Patienten,
ein paar Schritte gen Norden zu gehen. Wobei es sich dann doch als problematisch
erweist, dort alles an einen Investor verkauft zu haben.
Die Median-Klinik hat das überlebt und musste sogar aufstocken.
Weil sie das tat, was Jagdfeld vor 10 Jahren sagte und was mich damals zum
zornigen zum Lachen brachte:
Sie hat sich auf die Klientel des Grand Hotels eingestellt. Gehen Sie mal
hinein: Das ist kein Krankenhaus, sondern ein Erholungszentrum nach Art der
billigsten Zimmer des Grand Hotels. Und das ist ein Kompliment.
Dennoch: Massentourismus sollte Heiligendamm nicht haben.
Die Seebrücke wurde auf eine Sandbank gesetzt, sodass an ihr nur kleine Schiffe
anlegen können.
Die MS Baltica tuckert täglich dran vorbei und die wirklich großen Kreuzliner
kommen exklusiv für das Grand Hotel. Was gern als Versehen oder Dummheit
dargestellt wird, war pure Absicht: Wo nur kleine Schiffe anlegen können,
strömen auch nur kleine Gruppen an Land. Für alle anderen gibt es eine
Bushaltestelle, den Molli-Bahnhof und ein paar Parkplätze, über deren Zahl stets
intensiv verhandelt wurde und die nie reichen werden, weil sie künstlich
begrenzt werden.
Irgendwo müssen die vielen Leute ja hin.
Wenn man in Bad Doberan einen Ferienpark für 1.000 Gäste plant, muss man diese
Leute auch in Heiligendamm am Strand unterbringen, denn an Börgerende verdient
man keine Kurtaxe. Also: Wenig Tourismus in Heiligendamm (aber dafür mit dicker
Geldbörse - darauf kam man ja erst später) und dafür viele Touristen in Bad
Doberan, mit der Möglichkeit, von ihrem kleineren Budget möglichst viel Geld in
der Stadt los zu werden und sie zahlen zu lassen, wenn sie Heiligendamm unsicher
machen wollten. Die Überlegung war gut aber durch das Scheitern des Ferienparks
ging die Rechnung nicht auf.
Statt der tausend Ferienpark-Touristen kommen nun tausend Auto-Touristen
Und die verstopfen Heiligendamm bis hin zur Prügelei um den letzten freien
Parkplatz (- so geschehen im Juli 2010 mit Polizeieinsatz). Sie kommen, werfen
einmal Geld in den Automaten mit dem blauen "P", einmal in den mit den blauen
"K", geben hier noch Geld für ein Eis aus, schauen sich um, stellen fest, dass
es nicht mehr gibt und fahren wieder. Kommen sie wieder, um dieses Prozedere
nächstes Jahr zu wiederholen, so wie die Camper jedes Jahr wieder an ihren alten
Platz kommen oder die Ferienhaus-Urlauber schon im Voraus genau ihre Hütte
buchen?
Wenn alle den G8-Austragungsort einmal gesehen haben - wer kommt dann noch?
Und warum?
Entweder wollen alle "Reiche-gucken" (das wäre übel) oder sie finden doch noch
etwas, das Heiligendamm zu bieten hat und von dem Frau Ohde als Bad Doberanerin
nichts weiß.
Ich für mich persönlich glaube, das Geheimnis der magischen Anziehungskraft
Heiligendamms einigermaßen zu kennen. Grand Hotel - Chef Holger König hat es
einmal so formuliert:
"Die Leute wollen kein Rambazamba. Sie wollen Ruhe und Erholung."
Er schwärmte vom weißen Strand, dem blauen Meer, der herrlichen Landschaft und
den mystischen Alleen und sagte, dass es das ist, was die Leute wollen.
Schwenk nach Kampen auf Sylt: Drei, vier Straßen, 200-300 Häuser, wenige Läden,
dafür einige teure Locations, ein paar Neugierige aber sonst die Reichen und
Schönen unter sich. Was hat Kampen zu bieten, außer Strand und Meer, Dünen,
Kargheit und Wind?
Es ist die Natur, die Urwüchsigkeit, das Gefühl, der Erde und dem Himmel so nah
und diesem Planeten so verbunden zu sein. Es ist der uralte Reiz, der
Bergsteiger auf die Gipfel und Taucher in die Tiefen treibt: Das wahnsinnige
Gefühl, eins mit dem Universum zu sein.
Ganz ehrlich: In Heiligendamm ist mir das Einssein möglich.
Ohne jeglichen Luxus in der Strandmuschel am Strand oder auf dem Baumstuben im
Gespensterwald.
Warum sollte das nicht anderen auch so gehen? Und warum sollte das Ganze nicht
auch mit Luxus gehen, so wie der Bergsteiger sein Zelt mitnehmen oder da lassen
und der Taucher nackt oder im Neoprenanzug tauchen kann?
Warum sollte nicht jeder in Heiligendamm eins mit dem Universum -
oder zumindest mit der Weißen Stadt am Meer - werden können?
Warum muss man dazu jeden Quadratmeter durchlaufen können?
Das Leben bewegt sich schon so schnell genug.
In Heiligendamm kann man auch mal die Zeit vergessen.
Um dann nach 6 Stunden festzustellen, dass man für einen (vorletzten)
Dezembertag schon ganz schön lange unterwegs ist. In Heiligendamm werden Minuten
zu Stunden und Momente zur Ewigkeit. Hier kann eine Badesaison ein ganzes Leben
wieder ins Lot bringen. Das ist das wahre Geheimnis der Weißen Stadt am Meer und
das ist der Grund, warum hier das erste Seebad auf dem europäischen Festland
entstand.
Lieber Leser, lesen Sie, schauen Sie sich die Bilder an, diskutieren und
recherchieren Sie, staunen Sie und schwelgen Sie in Sehnsucht und Erinnerungen.
Aber kommen Sie her und schauen Sie sich Heiligendamm an! Vielleicht entdecken
auch Sie die Magie des Flecken Erde, wo das Meer das Land berührt.
Themen-Interview
Hier werden im Monats- oder Wochentakt die Ansichten und Analysen des Autors
zum aktuellen Tagesgeschehen - meistens mit regionalem Bezug - veröffentlicht.
Juni 2009: Die Umgehung
der Umgangenen.
Wenn man etwas umgeht, nennt man das Umgehung. Bad Doberan soll auch so etwas
bekommen: Eine Straße, über die man Bad Doberan umgehen kann. Die Straße ist
noch gar nicht da aber die Bürger der Stadt, die da umgangen werden soll, fühlen
sich schon jetzt umgangen. Zu Recht vielleicht, denn gefragt wurden sie nicht,
ob sie eine Umgehungsstraße haben wollen. Die wurde irgendwann einmal in den
Bundesverkehrswegeplan gezeichnet und was da drinnen steht, muss umgesetzt
werden. Ob es nötig ist, spielt keine Rolle und was es kostet, ist auch egal.
Den Bad Doberanern und besonders den Menschen aus der Umgebung ist eine Trasse
durch Landschafts- und Naturschutzgebiet nicht egal und so sammelten sie
beachtliche 2.000 Unterschriften gegen die südliche Umgehung Bad Doberans. Das
interessierte die Planer aber herzlich wenig, denn sie waren eifrig damit
beschäftigt, noch eine Million und noch eine Million zusätzlich zum damals
veranschlagten D-Mark-Preis aufzuschlagen. Noch lange nicht fertig geplant,
sollte die Trasse schon über 20 Millionen Euro kosten. Was man mit dem Geld
alles sinnvolles anstellen könnte. Sinnvoll findet die Umgehung nur die
Dr.-Ebel-Klinik, der man damals die Umgehung versprochen hat, weshalb diese dann
ihr Moorbad direkt an den Autobahnzubringer baute. Nun da die Kurgäste sich vom
Lärm belästigt fühlen und die Stadt die Umgehung eigentlich doch gar nicht mehr
will, droht der Moorbad-Chef dem Bürgermeister. Der weicht aus und legt sich
nicht fest. Vor der Wahl steht dann fest: Die Umgehung ist vom Tisch. Nach der
Wahl liegt sie dennoch wieder oben auf und irgendwann später heißt es dann
wieder, sie sei definitiv vom Tisch. Vertrauen ist gut. Aufmerksamkeit hier wohl
besser.
Dennoch: Bad Doberan braucht Veränderungen im Verkehrsnetz. Während am
Alexandrinenplatz boulevardähnliche Fußgängerzonen (für Gehwege sind die dann
doch zu breit) die Straße-Schienen-Trasse flankieren, quetschen sich die Autos
aus einer Spur kommend in drei viel zu kurz geratene Einordnungsspuren. Die
linke Spur blockiert die Geradeausfahrer und auf der Bundesstraße bilden sich
Rückstaus, die die Seitenstraßen und Parkplatzausfahrten blockieren. Selbst zu
DDR-Zeiten, als der Platz ampellos und ohne jegliche Striche und Spuren war, kam
man schneller voran. Das würde heute natürlich nicht mehr funktionieren aber
diese Nadelöhr-Lösung ist auch keine Lösung. Zwei breite Spuren wurden zu einer
zusammen gelegt, Abbiegespuren zusammen gestrichen und auf die Kreuzung gezogen
und aus Fahrbahnen wurden Fußwege. So verschwendet man Verkehrsraum.
Eine Lösung soll nun ein Kreisel bringen. Aber nicht an Stelle der Kreuzung,
sondern weit davor zur Vorsortierung. Bevor die Autos also an der Ampel stehen
müssen, dürfen sie noch eine Runde um den Kreis(el) fahren. Sonst ändert sich
nichts. Eben gar nichts.
Juli 2009: Die NPD zieht ins Rathaus ein.
Das Grauen der Demokraten nimmt Gestalt an: Die NPD zieht mit zwei Kandidaten
ins Bad Doberaner Rathaus ein. Auch ich habe mehrmals Wahlwerbung der NPD in
meinem Briefkasten gehabt und sie - wie alle Wahlwerbungen - aufmerksam
studiert. Alkoholverbot auf dem Kamp, harte Strafen für Randalierer und
Vandalen, Trinker raus aus dem Stadtzentrum - das sind alles Losungen, mit denen
man sich als Bad Doberaner identifizieren kann und mit denen sich offenbar viele
Bad Doberaner tatsächlich identifiziert haben. Doch sehe ich nicht die Massen
brauner Wähler. Im Gegenteil: Die NPD hat gemessen an den Wahlberechtigten nur
wenige Stimmen bekommen. Schuld daran, dass es dann doch reichte sind die vielen
tausend Nichtwähler, die nicht hingegangen und nicht aktiv mitbestimmt haben.
Sie haben die NPD gewählt - ob sie das nun wollten oder nicht. Das legimitiert
die Ideologie der NPD nicht aber ich frage mich auch, wie eine Partei, die
angeblich so fundamentalistisch und rassistisch ist, denn überhaupt zur Wahl
antreten kann. Rein logisch muss die NPD entweder verboten werden oder wählbar
sein. Verboten wurde sie bis heute nicht...
April 2010: Parkgebühren für soziale Zwecke.
Not macht erfinderisch: Die Kindertagesstätten und Vereine haben kein Geld und
die Parkautomaten verlangen in der ersten Viertelstunde kein Geld. Ändert man
dies, gibt es Geld und das kann dann in den Sozialetat fließen. Vielleicht eine
gute Idee aber vielleicht auch nicht. Die Händler haben um die Brötchentaste
gekämpft und sie wurde gerade erst ein paar Monate zuvor eingeführt. Nun ist von
Mindereinnahmen die Rede. Zum Mitschreiben: Parkplatz A kostet kein Geld. Man
stellt einen Automaten auf, der die erste Viertelstunde kostenloses Parken
ermöglicht und danach 50 Cent pro Stunde kassiert. Ich parke 2 Stunden und zahle
also einen Euro. Würde ich nur 15 Minuten parken, würde ich gar nichts zahlen.
Im ungünstigsten Fall parken alle Nutzer nur eine Viertelstunde. Einnahmen: 0,00
Euro. Im Vergleich: Vorher war das Parken kostenlos - also auch 0,00 Euro.
Parken nun aber doch welche mehr als 15 Minuten, schluckt der Automat fleißig
50-Cent-Stücke. Vielleicht tausend, vielleicht auch zehntausend. Wer weiß?
Einnahmen: Vielleicht 500 Euro, vielleicht 5.000 Euro - wer weiß? Einige
Stadtvertreter nennen diese neue Geldquelle "Mindereinnahmen". Wenn man also
mehr als 0,00 Euro verdient, sind das Mindereinnahmen. Verstehe das, wer wolle.
Natürlich: Die Automaten kosten Geld, die Wartung, das Personal...
Aber: Vorher standen da keine. Kosten: 0,00 Euro. Einnahmen 0,00 Euro. Ein
Null-Geschäft.
Warum also hat man dann erst welche dort hin gestellt? Spielt keine Rolle. Auf
jeden Fall soll von der ersten Sekunde an bezahlt werden und wenn man schon
dabei ist, sollen nun noch mehr Automaten aufgestellt werden -in der ganzen
Innenstadt. Wer heute noch als Mieter einen kostenlosen Parkplatz findet, darf
morgen schon zahlen. Eine Busreise gefällig? Oder lieber eine Bahnfahrt in den
Süden? Geht in Bad Doberan nicht: Die Parkplätze am ZOB und Bahnhof - so
vorhanden - sind kostenpflichtig und zeitlich begrenzt. Abreise also ab Rostock.
Warum zieht man nicht gleich dort hin?
Mai 2010: Die Reform, die kein Bad Doberaner will.
Kreisgebietsreform. Ein Wortungetüm und auch ein Akten- und Verwaltungsmonster.
Hieß es zuerst noch, Bad Doberan reiße sich nicht um den Status als Kreisstadt,
hört sich das nach der Entscheidung aus dem fernen Schwerin für Güstrow ganz
anders an. Von den Wegen her sind Bad Doberan und Güstrow gleichauf. Bad Doberan
hat den besseren Autobahnanschluss aber Güstrow den besseren Bahnanschluss.
Kreisstädte waren sie beide schon. Bad Doberan hat ein großes neues
Kreistagsgebäude und Güstrow nur ein kleines. Aber das ist ja kein Problem:
Güstrow baut neu, größer und besser und Bad Doberans Kreisverwaltung ist dann
auch neu aber zu groß. Schließen geht schon einmal nicht - die Miete läuft ein
paar Jahre weiter. Überhaupt lassen sich nicht alle Ämter nach Güstrow verlegen.
Den Führerschein und das Nummernschild aus Güstrow holen, ist schon schwierig
aber die Gelben Säcke aus Güstrow holen, ist eine Zumutung. So wird immer auch
etwas parallel in Bad Doberan bleiben. Das spart keinen Cent aber sparen kann
man mit fünf Großkreisen eh nicht. Am Ende werden es vielleicht wieder drei
Großkreise sein: Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. Willkommen in der
Vergangenheit!
Kreis "Mittleres Mecklenburg" soll der neue Kreis unter Führung der Barlachstadt
Güstrow dann heißen. Was für die Güstrower auch zutrifft, passt zu Bad Doberan
überhaupt nicht. Wir liegen ganz oben - Nordmecklenburg. Wenngleich natürlich
mittig zwischen Westen und Osten. Identität stiftet der Name jedoch keinen
seiner Einwohner. Barlach kommt nicht drin vor, das Münster nicht und die Ostsee
ebenso wenig. Güstrow geht darin genauso unter, wie Bad Doberan. "MME" - wo
liegt das denn? In naher Zukunft. Leider.
Juni 2010: Behörde wehrt sich gegen Strandversorgung am Golfteich.
Lange hat es gedauert und endlich nimmt die so nötige Strandversorgung Gestalt
an. Doch kurz vor der Antragstellung muckt das Amt für Umwelt- und Naturschutz
auf und will den Bau an der geplanten Stelle verhindern. Der Golfteich wäre
jetzt schon überlastet und könne mehr nicht vertragen.
Mein erster Gedanke: "Welcher Golfteich". Reden wir von dem verwucherten und
kaum auffindbaren Morast-Gewässer an der Seedeichstraße? Was belastet diesen
biotopischten aller Biotope Heiligendamms? Öl und Kondenswasser? Dann sollte der
Sandparkplatz schnellstens eine Sperrschicht und Pflasterung bekommen. Oder
Staub? Auch das spricht für eine Pflasterung. Lärm und Abgase? Dann hätte man
schon vor 10 Jahren die Chance gehabt, die Parkplätze rings herum zu verhindern.
Hat man aber nicht und darum existiert dort seit ich denken kann ein Parkplatz.
Oder sind es die Menschen selbst, die ihre Geschäfte in den Büschen verrichten
und ihren Müll dort liegen lassen? Dann spricht alles für einen eingezäunten
Parkplatz, der nicht gen Golfteich verlassen werden kann.
Mein zweiter Gedanke: Wenn dort schon kein Parkplatz mit Strandversorgung
entstehen darf, was ist dann mit den Bauwerken des Masterplans - Ayurvedazentrum
und Plastische Chirurgie? Das Amt kennt die Pläne, hat aber bis heute kein
Problem mit der Bebauung.
Ich hätte ohnehin einen Anlandepunkt östlich des Golfteiches und eine
Straßenanbindung von dort zur Dammchaussee bevorzugt und die Seedeichstraße dann
lieber beruhigt und das Areal um den Golfteich zur Fußgängerzone gemacht. Doch
östlich des Golfteiches ist Heiligendamm zu Ende, ist Trinkwasser- und
Landschaftsschutzgebiet und darf gar nichts gebaut werden. Ich würde mir
wünschen, das Amt könnte Alternativen nennen oder eine Genehmigung mit Auflagen
anbieten, statt einfach "nein" zu sagen und damit die so nötige Strandversorgung
Heiligendamms für immer unmöglich machen.
Juli 2010: Kinderfest der NPD in Bad Doberan.
Die NPD hat es wieder einmal geschafft, ein Kinderfest in Bad Doberan genehmigt
zu kriegen. Beim Austragen der Zeitungen entdeckte ich vor einem Briefkasten
einen Zettel von unbekannten Verfassern, die sich "Ihre Nachbarn" nennen und vor
der NPD warnen und ihre Beweggründe (die Verbreitung ihrer Ideologie) nannten.
Auch ich halte nichts von der Ideologie der NPD aber ich frage mich, warum denn
nicht auch andere Parteien solche Kinderfeste veranstalten. Sicher: Dann wollen
sie auch ihre Ideologie an das Kind bringen. Schon der Luftballon mit dem
Partei-Logo schafft Assoziationen: "Kenne ich aus der Kindheit - war schön -
wähle ich." Doch wenn die NPD kein Kinderfest machen soll und die anderen es
nicht tun, dann gibt es gar kein Kindefest. Warum schließen sich nicht alle
Parteien zusammen und veranstalten gemeinsam ein Kinderfest? Niemand ist
gezwungen, SPD-Luftballons zu verteilen, CDU-Kugelschreiber ohne Grünen-Mützen
zur Verfügung zu stellen. Es geht auch ohne offensichtliche politische Symbole:
Zelt, Tische, Bänke, Imbiss, Feldküche, Ausschank, buntes Programm und nirgendwo
auch nur ein Logo einer politischen Partei. Oder man holt sich Sponsoren mit ins
Boot und dann darf jeder Werbung machen. Warum kriegt die NPD allein so ein Fest
organisiert und warum kriegen es alle Parteien zusammen (vielleicht mit Hilfe
von Sponsoren) nicht?
August 2010: Bad Doberan und die Container-Kinder.
Unsere Stadt ist schön und
abwechslungsreich gestaltet: Klassizismus, Jugendstil, Barock, Chinastil...
Containerburgen. Angefangen hat alles mit einem Sparkassen-Container am Markt.
Während des Umbaus der Filiale in der Mollistraße residierte die OSPA in jenem
Container. Danach verschwanden die Container aber die Fläche blieb leer. Dann
wurde die Kamp-Schule umgebaut und die Kinder wurden in den Container am Markt
an der Großen Lessingschule umgesiedelt. Nachdem sie zurück in ihre Schule
durften, zogen Lessing-Schüler in die Container ein. Die Große Lessingschule ist
nämlich zu klein. Wir erinnern uns: Die Kamp-Schule wurde abgestockt - also
verkleinert. Seit Jahren nun nutzt die Lessing-Schule die Container und das ist
Normalität für die Schüler. Freilich: Von innen sieht es nicht wie ein Container
aus. Aber die Wände sind dünn und dementsprechend laut ist es auch. Darum werden
die Container überwiegend als Hort und nur wenig als Klassenzimmer genutzt. Offenbar ist es billiger, Schüler in Containern zu
unterrichten, statt ihnen eine Schule zu geben, mit der sie sich identifizieren
können.
Aber so billig kann eine Containerburg auch nicht sein, denn die Eltern der "Drümpelspatzen"
sollen deftig zur Kasse gebeten werden, weil ihre Lütten in Containern betreut
werden, die richtig teuer sind und kein andere die Kosten stemmen kann. Hier ist
erst einmal von 30 Monaten die Rede, die die Kinder in den Containern wohnen
müssen. Aber wer weiß? Vielleicht findet ja wieder jemand Gefallen dran und die
Container bleiben stehen.
Container sind so praktisch: Sie sind variabel, man kann ohne große
Genehmigungen und Aufwand anbauen, sie versetzen, nach der Sonne drehen und wenn
sie kaputt sind, gibt es neue. Hätte man die Kreisverwaltung in Container
untergebracht, statt in einem Glaspalast, hätte man keine Probleme mit dem
Stellenabbau durch die Kreisgebietsreform. Auch die Sanierung der Schulen am
Kamp und auf dem Buchenberg und Kammerhof, sowie der Förderschule kosten viel
Zeit und Geld, die sich mit Containern hätten sparen lassen können. Container
gibt es in verschiedenen Farben und mit etwas Fensterdekoration sehen sie gleich
freundlicher aus. Gut versteckt hinter Hausrückseiten oder an Waldrändern fallen
sie nicht gleich ins Auge. Warum also nur zwei Containerburgen?
Wie kann ich zeit-am-meer.de
unterstützen?
In erster Linie mit Informationen.
Ich habe einen Fragenkatalog mit mir fehlenden Informationen zusammen gestellt
und wenn Sie davon irgend etwas beantworten können, helfen Sie mir schon ganz
gewaltig. Auch wenn Sie darüber hinaus noch Informationen, Anekdoten
oder vielleicht auch Korrekturen haben, nehme ich diese sehr gern
entgegen.
Was wissen Sie, was ich nicht weiß? Hier geht es zum
Fragenkatalog.
Außerdem hat sich eine kleine Sammelleidenschaft gebildet.
Schon allein für die Dokumentation brauche ich noch weitere alte Bilder,
Fotos und Zeichnungen bis 2003 aus Heiligendamm und Bad Doberan - egal
was (und wenn es Ihr eigenes Haus ist).
Aber auch Ansichtskarten, Speise- und Eintrittskarten, Fluchtwegpläne,
Broschüren,
Archiv- und Arbeitsmaterialien oder Werbungen sollen den Weg in die
Dokumentation finden.
Auch Links zu Informationen im Internet nehme ich gern an und wenn
Sie jemanden kennen, der viel über Bad Doberan und Heiligendamm weiß, würde ich
mich auch über eine Vermittlung zu ihm oder ihr freuen.
Ich kann scannen, abfotografieren und zur Not auch Positiv-Dias und
Negative selbst entwickeln lassen.
Es gibt alles unbeschadet und zügig zurück.
Als Rentner kann ich mir leider nicht alle Bücher leisten. Ich
habe daher eine Wunschliste bei Amazon, aus denen Sie mir ein Buch
schenken können. Auch Gutscheine, Geld- und Sachspenden -
egal, wofür - helfen mir, die Kosten dieser nichtkommerziellen Internetseite zu
decken. Wegen der ständig wachsenden Größe muss ich sie selbst hosten.
Zeit am-meer.de hat nur 18 Monate nach Einbau des Zählers schon 17.000
Seitenzugriffe registriert.
Viele Besucher suchen nicht nur Infos zu Heiligendamm und Bad Doberan, sondern
ganz gezielt touristische Angebote. Wenn Sie also den Touristen etwas bieten
können - Kost und Logis, Dienstleistungen, Infos - dann können Sie für
einen sehr geringen Festpreis auf zeit-am-meer.de mit Bannern, Bildern oder
Texten werben und damit Ihr Geschäft an den Mann bringen und etwas gutes
für diese Dokumentation tun.
Die Werbung für diese Internetseite erfolgt nicht nur online.
Mehr Informationen, Preise und Buchung hier.
Sie können mich über das
Impressum kontaktieren.
Gern rufe ich auch zurück. Hier geht es zu den Kontaktdaten.
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Mein Wunschzettel
Sie kennen sie vielleicht noch aus Ihren
Kindertagen:
Wunschzettel an den Weihnachtsmann.
Der Versandhändler AMAZON hat sie wieder eingeführt
und ich habe gleich zwei Wunschzettel:
Dieser Wunschzettel unterstützt
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Ich habe keine Vorlieben bezüglich
meiner Wünsche.
Es sind ja alles Wünsche, also kann ich nichts davon nicht gebrauchen.
Sie können also nichts falsch machen. Suchen Sie einfach einen Artikel
aus.
Sie bestellen dann und lassen das Buch automatisch an mich senden.
Amazon kennt meine Anschrift. Sie bezahlen dann nur noch und der Artikel
wird verschickt.
Einfacher können Sie mir kaum eine Freude machen.
Ansonsten schauen Sie einfach mal
hier weiter.
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Nachwort und rechtliche Hinweise:
Die Informationen
stammen aus dem Stadt- und Bädermuseum,
dem Buch "Heiligendamm - Erstes deutsches Seebad" von Wolf Karge,
dem Buch "Bäderarchitektur in Heiligendamm" von Judith Groschang,
"Heiligendamm" von Prof. Joachim Skerl und Thomas Grundner,
von Einheimischen, Ämtern und Behörden, dem Investor, aus Archiven und aus dem
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Sinne
und würden auch nichts bringen. Zumindest nichts geldwertes.
Mit ein paar Buchempfehlungen und bezahlten Links kann ich die Kosten der Seite
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dass diese Seite keinen kommerziellen Charakter hat und rein privat ist
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dann woanders einzufügen.
Ich habe nichts dagegen, möchte aber vorher gefragt werden und eine
Quellangabe sehen.
Das gilt auch für eifrige Journalisten. Es hat eine Heidenarbeit gemacht und
jahrelang gedauert,
eine so einmalig vollständige Chronik auszuarbeiten und wenn ich schon kein Geld
für die Übernahme
von Bildern und Texten verlange, möchte ich zumindest, dass die Menschen, die
die Inhalte von
den Leuten lesen, die für diese Inhalte Geld kriegen, auch wissen, wer sich da
so viel Mühe gemacht hat.
Zuviel
gesetzte Kommas können Sie behalten. Rechtschreibfehler dürfen Sie mir hingegen
mitteilen.
Bitte beachten Sie dabei aber, dass ich selbst in der neuen deutschen
Rechtschreibung schreibe, während die Zitate sich meistens auf Artikel beziehen,
die vor Inkrafttreten der Rechtschreibereform geschrieben wurde. Daher dürfen
diese Zitate auch die bisherigen Schreibweisen beinhalten.
Danksagung
Mein besonderer Dank gilt
all jenen,
die schon vor mir den Wert der Informationen erkannt haben
und - gerade noch - rechtzeitig anfingen, Fakten niederzuschreiben und
Bilder zu machen.
Für mich sind all diese Informationen unschätzbar wertvoll, gerade da sie so
schwer zu bekommen sind.
Danke auch all den Archivaren, Autoren und Museen,
die diese Informationen zusammen getragen und aufbereitet haben.
Danke an das Stadt- und Bädermuseum für die Informationen, die ich mir
dort abschreiben durfte
und an die Filale der OSPA in der Mollistraße, die mir das
Abfotografieren der Chronik erlaubte.
Ebenso gilt mein Dank den Mitarbeitern der Touristeninformation und des
Ordnungsamtes
der Stadt Bad Doberan und dem Land Mecklenburg Vorpommern für die
Übersendung von
Informationen und Dokumentenkopien.
Ein Dank bin ich auch der Ostsee-Zeitung und dem Stadtanzeiger
schuldig,
derer ich mich gern bedient habe - auch wenn ich an anderer Stelle kritisieren
musste.
Ein großes Dankeschön geht auch an die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm,
die mich mit Informationen, Materialien und Archivbildern unterstützt hat.
Hier insbesondere an Christian Plöger und Kirsten Brasche-Salinger
für die Möglichkeit,
mir Bilder auszusuchen und an die Damen, die das alles digitalisieren oder
kopieren mussten.
Ich danke Herrn Plöger auch für die vielen Informationen per E-Mail und in
persönlichen Gesprächen,
genauso wie Heiner Zimmermann und Hans Schlag für die
langen persönlichen Gespräche und die Einladung zum Spatenstich.
Herrn Schlag möchte ich auch noch einmal speziell für die Führungen und die
vielen Stunden seiner Zeit danken, in denen er meine Fragen geduldig und
sachlich beantwortete.
Der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli und der Median-Klinik
gilt mein Dank für diverse nützliche Informationen.
Ich danke weiterhin Horst Gühler für seine unermüdlichen Erklärungen über
Monate hinweg.
Dank gilt auch Caroline Brandt für ihre Informationen zur Wahl,
Frank Pieplow und
Anke Bitter, Jochen Arenz, Prof. Rolf Kuchenbuch, Hartmut
Polzin, Harry Klink
und einigen anderen Stadtvertretern für die Darlegung ihrer Standpunkte.
Danke auch an Prof. Dr. Gerhard Maeß und Bernhard Hildebrandt für
die Kopien ihrer Leserbriefe,
an Wolfgang Schümann für das Feedback, das Buch-Geschenk aus meiner
Wunschliste
und den schönen 30.12.2009.
Ebenso gilt ein großer Dank Eckart (Ecki) Paap für seine Informationen,
das Buch und den herrlichen Rundgang am 30.12.2009.
Bei allen hoffe ich auf weitere so gute Kontakte.
Auch Klaus-Peter-Behrens vom Bürgerbund sei gedankt für die Darlegung der
Ansichten
seiner Person und Partei, sowie einigen Mitgliedern der Bürgerinitiative
ProHeiligendamm
für ihre Meinungsäußerungen. Diese sind mir durchweg lieber, als das eisige
Schweigen der IHG.
Gedankt sei auch Frau Klemens für die Informationen zu Baumeister Von
Seydewitz,
Frau Köhler von der Thüringer Allgemeinen über die Korrekturen zu Walter
John,
Herrn Meyer-Schwickerath aus Berlin für seine Erklärungen zur
Strandversorgung
und dem Haus "Bischofsstab", dem Webmaster der Heiligendammer Schützengilde
für seine Informationen., Herrn Runze vom Forstamt für die
Stellungnahme zum Kleinen Wohld,
Herrn Thomas Hellwig aus Bad Doberan für die Informationen zu den Alleen
und Radwegen
und Herrn Scheuermann aus Leipzig für die Informationen zum Trafo-Turm.
Ein besonderer Dank geht auch in die Niederlande an Kees van der Sluijs
für die unermüdlichen Informationen zu den Verbindungen des mecklenburgischen
Hofes in die Niederlande,
nach Thüringen und Dänemark, die Infos zum mecklenburgischen Hof und die Video-Links und die Bilder aus der
Niederländischen Königlichen
Bibliothek.
Vielen Dank auch an Frau Altmann aus München für die Fotos, das Buch und
die netten Briefe,
meinem Onkel Dieter für die Dia-Positive, meinen Verwandten und
Bekannten für die Anekdoten, Kindheitserinnerungen, sowie den Erinnerungen
überhaupt.
Danke für das Feedback an Herrn Fischer aus Ascherleben,
Herrn Meiners
aus Berlin,
Herrn Henkel aus Waldleben, Frau Brock aus Rostock, Stefan Lützow
und allen, die
sich in Foren, Leserbriefen,
Telefonaten, Gesprächen und Kommentaren geäußert haben.
Ich grüße die Verwandten und Bekannten, Kontakte und Freunde in Rostock,
München,
Göttingen, Leipzig, Hamburg und Oberhausen, die immer mal wieder vorbei
schauen.
Danke an alle, die diese Internetseite verlinkt oder empfohlen haben.
Danke auch den zahlreichen Followern auf Twitter und den Fans auf
Facebook.
Danke auch meinen Eltern, die mich gezeugt haben, sowie den vielen
Ahnen, die dies erst ermöglichten
und wer immer den Urknall verursacht hat - Danke dafür!
Ich hoffe, keinen vergessen zu haben.
Ihr Martin Dostal
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