Zeit am Meer

Rundgang Juni 2007. Im Zeichen der G8.

 

Das Jahr 2007 soll etwas Besonderes werden für Heiligendamm.

8 Staatschefs, Tausende Journalisten, Polizisten und Ter... - nein - Demonstranten werden erwartet.

Manche Dinge sind so gefährlich, dass sie hinter Gitter müssen.

 

So ziert ein 13 Kilometer langer und 2,50 Meter hoher Eisenzaun mit NATO-Draht und Betonwall für ein halbes Jahr das mondäne Ostseebad.

Zu Zeiten des Großherzogs war so ein Zaun noch nicht nötig. Nun gut, entweder gab es keine Demonstrationen oder es gab danach keine Demonstranten mehr.

 

Inzwischen leben wir ja in einer Demokratie, in der alles gesagt und getan werden darf und wenn jemand unerwünscht ist, wird er eben eingesperrt. Hm - oder ausgesperrt. Oder ein- und ausgesperrt. In Heiligendamm beruht die Unerwünschtheit wohl auf Gegenseitigkeit.

 

Große Ereignisse bescherte schon der Januar.

Die Villa "Perle" musste einer Pressetribüne weichen und auch die Möwe und der Schwan stehen auf der Abschussliste.

Mit der sinnlosen Ermordung eines Schwanes begann die Geschichte Doberans und über 820 Jahre später holt diese Geschichte die mondäne Tochter der Münsterstadt ein. Der Abriss der Villa Perle - irrtümlich als einstiges Quartier des russischen Zaren tituliert aber fast Sommerresidenz Wladimir Putins geworden - erfolgte unter enormen öffentlichen Interesse.

 

Angeblich durch die Behörden abgesegnet fiel die Perle den Kränen zum Opfer und als sie weg war, meldeten sich zuständige Denkmalschützer zu Wort und zeigten an, übergangen worden zu sein. Der Abriss der Perle war die schlechteste Werbung, die Heiligendamm erfahren konnte. Zeitungen aus aller Welt beschäftigten sich kritisch mit dem Thema.

 

Zuletzt steht Jagdfeld als Zerstörer deutschen Kulturguts dar und hat sich selbst zum bösen Finanzhai aus dem Westen gemacht.

Dabei wollte er doch nur Heiligendamm retten. Relativ unbeachtet von der Vernichtung der Villa Perle fielen im Hinterland auch "Tabea" und der linke Flügel der Fachhochschule den Kränen zum Opfer. Heiligendamm versank zuerst im Meer aus Baufahrzeugen und ein paar Tage nach Jahresbeginn auch noch in einem Meer aus Polizeiautos.

 

In den drei ersten Monaten des Jahres 2007 gab es mehr zu fotografieren, als in den drei Jahren davor zusammen. Ausgerüstet mit einer neuen Kamera machten wir uns jeden Monat bis zu dreimal auf den Weg nach Heiligendamm.

 

Unser erster Rundgang beginnt in der Seedeichstraße und führt uns auf die Promenade und von dort aus in die Professor-Vogel-Straße und wieder zurück zur Seedeichstraße. Es ist eine kurze Route aber schon diese bringt mehr Bilder als die lange 2004-Route. Wir planen noch vier weitere Rundgänge in jeweils anderen Routen, die jeweils monatlich stattfinden sollen. Eine davon soll während des Gipfels vor das abgeriegelte Heiligendamm führen. Wir ahnen noch nicht, was uns erwartet... Aber beginnen Sie trotzdem im Januar!

 

 

Damit die Bilder für Sie erkennbar bleiben, ist diese Seite und sind die Rundgang-Seiten breiter, als die anderen.

Wenn Ihr Monitor weniger als 1024 Pixel in der Breite darstellt, finden Sie die Navigation, indem Sie den unteren
Scrollbalken nach rechts schieben. Bei Breitbild-Monitoren ab 1024 Pixel Breite passt alles auf den Bildschirm.

 

 

 

09.06.2007 - Und sie kommen in Schar'n dorthin, wo die Promis war'n...

 

 

Wir hatten  vor gehabt, am 07.06.  Bilder vom Zaun mit den Sicherheitskräften und

den Demonstranten zu machen aber nachdem ein Reporter des Stern (glaube ich)

von Wasserwerfern verletzt wurde, war mir das doch zu riskant. Wir wollten zuerst

über Börgerende an den Zaun aber die Bäderstraße und die B105 waren dicht und

so konnten wir nur über Stäbelow und Clausdorf nach Bad Doberan und auf halber

Strecke entschlossen wir uns, das Ganze abzublasen und statt dessen im vom

Lärm der Hubschrauber gebeutelten Hohenfelde ein Bild von der Radarstation zu

machen. Der gesamte Luftverkehr von Laage nach Heiligendamm und Kühlungsborn passierte in diesen Tagen das kleine Dorf Hohenfelde. Die Ärmsten.

 

 

Also fiel die ganze Gipfel-Session aus und wir fuhren am 09.06. - 5 Stunden nach

der Öffnung des Zaunes nach Heiligendamm. Die Straßen waren bunt aber sauber

und auch neben den Straßen war alles weggeräumt. Die Zäune standen natürlich

noch und den Feldern sah man die Ereignisse der Vortage an. Aber zumindest

haben die Demonstranten für Ordnung gesorgt. Und zwar besenrein. Das muss

auch einmal gesagt werden. Und sie haben sich mit Transparenten an Zäunen

für die Gastfreundschaft der Einheimischen bedankt. Die in der Tat überwiegend

den Demonstranten wohlwollend gestimmt waren und gern auch Brötchen, Kaffee

und Wasser, sowie Unmengen an Decken an sie verteilten.

 

 

Wir sind inzwischen durch die Kontrollstelle an der Galopprennbahn gefahren und

haben uns auf dem Parkplatz niedergelassen, um die Kontrollstelle und das dazu

gehörende Camp der Sicherheitskräfte genauer zu betrachten. Es ist schon ein

tolles Gefühl, da zu stehen, wo gestern noch die Weltöffentlichkeit keinen Einblick

hatte. Wir stehen am Tor der Versorgungseinfahrt, die vom Kreisel hier her führt.

 

 

Ein Blick nach Osten über die auf dieser Seite unbeschädigten Gerstenfelder zeigt

den Zaun, der an der Galopprennbahn entlang nach Süden verläuft. Die Rennbahn

wurde noch einmal extra eingezäunt, da der Schaden in die hunderttausende gehen

würde, wenn sie von Demonstranten, Polizei und Fahrzeugen benutzt worden wäre.

Die beiden Gebäude rechts gehören zur Rennbahn. Das linke Bauwerk steht davor.

 

 

Der Zaun scheint endlos zu sein. Der Blick schweift weiter nach Südosten.

 

 

Und im Süden stehen noch Fahrzeuge, die vermutlich der Bundeswehr gehören.

 

 

Damit der Parkplatz nicht zerstört wird, ist er mit einer Pflasterung aus Stahl-

Puzzleteilen überbaut worden. Für das schwere Gerät und die Lkws.

 

 

Dennoch hat der Rasen gelitten, weil viele der Fahrzeuge schon vor dem Zaun

abgestellt wurden. Der Kontrollpunkt noch einmal von Westen her.

 

 

Wir mussten von hinten in den Ort hineinfahren, uns um Lkws schlängeln und auf

dem Parkplatz an der Seedeichstraße parken. Wir betreten die Promenade und

sehen schon bald die Pavillons auf der Freifläche der abgerissenen Villa "Perle".

 

 

Es war immer von einer Pressetribüne die Rede, von der aus die Fotografen

die Linse direkt auf die Kurhaus-Terrasse richten können sollten. Darum sollte

der Findling ja weg. Und nun steht da ein Pavillon mit einer Terrasse zur Seeseite.

 

 

Was für ein Gefühl - der legendäre G8-Strandkorb. Ohne das Brett mit den Flaggen

aber da ist er. Leider hinter dem Zaun. Und im Gegensatz zu einigen Touristen

waren wir vernünftig und sind nicht über den Rasen gelatscht, um uns gegenseitig

da drin sitzend zu fotografieren. Es sind eben nicht immer die Einheimischen...

 

 

Der Fläche wegen hätte man die Perle für dieses Zelt auch nicht abreißen müssen,

denn das hätte auch vor der Villa noch Platz gefunden. Aber das war ja auch nicht

der Grund für den Abriss. Zumindest nicht der von der ECH genannte, sondern nur

einer der vielen der ECH unterstellten. Aber das steht ja alles auf der Startseite.

 

 

Es gibt sie noch. Drei einsame Demonstranten haben den Weg hier her gefunden

und da gerade Kameras in der Nähe waren, haben sie das schnell ausgenutzt.

So kommen wir dann doch noch an unser Bild von Demonstranten.

 

 

An der Burg wird ein Zelt abgebaut. Ich fotografierte dies und bemerkte dabei nicht,

dass ich im Visier eines Kamerateams stand. Es folgte ein lustiges gegenseitiges

Ausweichen. Die Kameraleute sind übrigens dunkelhäutig, wie ich später feststellte.

 

 

Nun bin ich also irgendwo auf der Welt verewigt als Rotschopf, der mit der Kamera

über die Hecke schaut. Hier wieder der legendäre Ecken-Blick am "Mecklenburg".

 

 

Es ist voll heute. Nicht nur viele Schaulustige sind gekommen, sondern auch viele

Polizisten, die sehen wollen, was sie da eigentlich beschützt haben.

 

 

Viele von ihnen werden wiederkommen und hier Urlaub machen. Vielleicht liegen

schon nächstes Jahr die am Strand nebeneinander, die sich gestern am Zaun

gegenüber standen. Ein weiteres Kamerateam zieht gerade an uns vorbei.

 

 

Es gibt einen rollstuhltauglichen Strandzugang. Leider aber nur auf dem Abschnitt,

der zum Hotel gehört und da es sich um Holz handelt, wird das auch nicht bleiben.

Aber so etwas meinte ich die ganze Zeit - bloß noch 2 Meter weiter als das hier.

 

 

Es geht zurück zur Professor-Vogel-Straße. Hoffentlich waren die Zelte klimatisiert.

In ihnen habe ich jedenfalls eine Bar entdeckt und eben Tische und Stühle.

 

 

Eine Frau kommentierte diesen Anblick mit "Der ist es egal, wer da drin saß" und

ich ergänzte lachend: "Der ist nichts heilig". Aber sie hat es noch nicht getan.

 

 

Die Zeltkonstruktion verdeckt ein wenig die Professor-Vogel-Straße. Eigentlich

könnte man sie stehen lassen aber besser wäre der Wiederaufbau der "Perle".

 

 

Die Terrasse ist definitiv nicht auf die Kurhausterrasse ausgerichtet. Aber von der

gibt es auch nur wenige Bilder und dann auch noch solche, wo Bush Bier verschüttet.

 

 

Wieder ein Zaun mehr. Aber solche Zäune sind ja nicht schlecht.

 

 

Solche hingegen schon. Aber so kann der Rasen erst einmal ungestört wachsen.

 

 

Ein Blick zurück. Kabelüberführungen am "Schwan". Der ja noch immer weg soll.

 

 

Und unsere Endstation ist der heute gut gefüllte Parkplatz an der Seedeichstraße.

 

 

G8-Impressionen

 

Zum Schluss ein paar G8-Impressionen:

Bild 1: Demonstranten blockieren die Dammchaussee nach Heiligendamm (daylife.com)

Bild 2: Polizeiaufgebot in der Severin-Straße am Kamp in Bad Doberan (www.am-samstag.de)

Bild 3: Demonstrationszug in Rostock vom 02.06.2007 vor der Eskalation (www.indymedia.org)

Bild 4: Gepanzertes Fahrzeug am Ortsausgang von Börgerende (www.ostprinzessin.de)

Ich distanziere mich ausdrücklich von den Inhalten der gelinkten Internetseiten.

 

 

Alle Rundgänge:    

 

Die Rundgänge durch Heiligendamm dienen der Veranschaulichung zur Geschichte

 

Die Rundgänge durch Heiligendamm dienen der Veranschaulichung zur Geschichte, Architektur und zum Werdegang Heiligendamms ,

sowie zur öffentlichen Diskussion um Heiligendamm. Die Aussagen spiegeln nur die persönliche Meinung des Autors nach dem

Kenntnisstand vom Tag des jeweiligen Rundgangs wieder und sind ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.
Für weitere Informationen lesen Sie bitte das Selbstverständnis dieser Dokumentation.

Bitte beachten Sie auch das Special "Vier Touristen-Fragen", welches die Foto-Rundgänge mit wichtigen Fakten zum besseren Verständnis ergänzt.
Bitte informieren Sie sich auch hier: Die Zukunft Heiligendamms | Öffentliche Diskussion | Historie der Sommerfrische | Geschichte | Architektur | Gebäudedatenbank
 

 

2004 - Bestandsaufnahme. Teil 1.

Wenn Sie selbst kostenloses Bildmaterial von vor 2004 (auch von Bad Doberan) oder Informationen zur Verfügung stellen können, nehmen Sie bitte Kontakt zu mir auf.

2005 - Bestandsaufnahme. Teil 2. 

 

2006 - Das Jahr des Erwachens.

Überraschungen jenseits von Zäunen.

George W. Bush kommt!

Die MS Europa legt an.

 

2007 - Im Zeichen der G8.

30.01. Die Prinzessin ist aufgewacht!

04.02. Die Ruhe vor dem Sturm.

24.02. Die Abrissbagger sind da.

13.03. Irrwege, Umwege u. neue Wege.

24.03. Zäune, Wälle und Wunder.

16.05. Dann zeigen Sie uns doch bitte mal Ihre Ausweise...

09.06. Und sie kommen in Schar'n dorthin, wo die Promis war'n...

19.08. Kleine Stippvisite.

 

2008 - Das Baujahr.

18.03. Dem "Verbrechen" auf der Spur.

30.05. Ein Stück Berlin näher betrachtet.

07.06. Das herzogliche Anbaderitual.

11.08. Sommerfrische in Heiligendamm.

16.08. Test: Öffentlichkeit in Heiligendamm?

25.09. Das war das Baujahr? - Ein Fazit.

 

2009 - Neue Wege.

19.04. Was ist los in Heiligendamm?

22.06. Tuscheln oder Kuscheln?

26.08. Unerkannt durchs Märchenland - Die Hotelführung.

24.11. Der blanke Hans kommt!

 

 

 

2010 - Der zweite Frühling.

26.01. Die weiße Stadt am Meer.

11.03. Leiser Aufschwung.

17.04. Der Countdown läuft.

In Vorbereitung

12.06. Fest der Landleute in Bad Doberan.

03.07. Der erste Spatenstich für Villa Perle

 

2011 -

 

 

 

 

 

 

 

2012 -

 

 

 

 

 

 

 

Lesetipp

Neue Seite 1