![]() |
|
Sommerfrische an der Ostsee. . |
|
Wo das Meer das Land berührt steht am Eingang des Alexandrinen-Cottages zu lesen. Einst das Logierhaus der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, beherbergte das wunderbare Cottage später zuerst einen Kommandanten der Reichsmarine und dann medizinische Einrichtungen des "Kurbad der Werktätigen" und der "Ostseeklinik". 1997 endete diese Epoche und mit ihr das Kurwesen im zweihundert Jahre alten Ensemble. Ein Mann entdeckte den verschlafenen Ort mit großartiger Tradition, dachte nicht lange nach und verkündete, ihn wieder aufzubauen. "Es gibt Orte auf dieser Welt, die sind nicht von dieser Welt." steht nun in den Prospekten der Kempinski-Gruppe zu lesen.
Genau diesen Ort wollen wir uns in dieser Dokumentation genauer ansehen. Seine Entstehung, seine wechselvolle und imposante Geschichte, seine grandiose Architektur und die Historie jedes einzelnen Gebäudes. Wir sehen uns an, wie das Ensemble zwei Kriege, Revolutionen und Diktaturen überstand, fast von Hitler verunstaltet worden wäre und haarscharf der Sprengung entkam. Zweihundert Jahre zurück und 100 Jahre vorwärts - wir sehen uns den Werdegang und die ehrgeizigen Pläne der FUNDUS-Gruppe an.
Diese Dokumentation stellt sich nicht hinter Investoren oder Bürgerinitiativen oder hinter Gegner oder Befürworter von Kapital und G-8. Es geht um eine einmalige Geschichte, nämlich um die Geschichte des ältesten deutschen Seebades, des ersten Seebades auf dem europäischen Kontinent, dem alsbald die erste Galopprennbahn auf dem europäischen Kontinent folgte. Es geht um den Ort, an dem das Thalasso entdeckt wurde, das Baden im Meereswasser - draußen, wie drinnen. Es geht um eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, um eine großartige Architektur und einen unvergesslichen Charme. Es geht um Schönheit und Eminenz, um Magie und Mythos.
Die Dokumentation ist lebendig. Sie ist nicht sachlich und nüchtern, sondern hinterfragt kritisch die Aussagen aller Beteiligten. Sie ist kritisch wenn es darum geht, Traditionen und einzigartige Kulturgüter zu bewahren und offen wenn es darum geht, Visionen zu realisieren und Heiligendamm in eine neue Ära zu bringen. In eine Ära, die der Einzigartigkeit Heiligendamms gerecht werden kann. Heiligendamm gehört untrennbar zu Bad Doberan und Heiligendamms Geschichte ist auch Doberans Geschichte. Man kann unmöglich die Geschichte Heiligendamms verstehen, wenn man die von Doberan nicht kennt. Darum setzt diese Dokumentation im Jahre 1793 auch in Doberan an und wechselt immer wieder - gut erkennbar gemacht - zwischen Heiligendamm und Bad Doberan. Es werden Fakten zu den Gebäuden und zur Geschichte zusammen getragen. Bis hin zur Gegenwart, denn morgen ist heute gestern. Zeit am Meer - das ist Zeit in Heiligendamm, wo sich zum Meer immer das Mehr gesellte: Mehr Macht. Mehr Geld. Mehr Bauwerke.
Rundgänge und eine Gebäudedatenbank bilden das Kernstück der Dokumentation. Aber um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Geschichte kennen. Darum behandelt die Dokumentation auch die Pläne des Investors und die neuesten Ereignisse vor Ort. Sie stellt die Aussagen, des Investors, der Bürger und der Verwaltungen gegenüber und analysiert und hinterfragt sie. Die Dokumentation hat keine eigene Meinung, auch wenn der Verfasser natürlich eine hat. Diese aber finden Sie im Selbstverständnis und nur dort.
Heiligendamm ist ein Ort im Aufbruch, wie auch im Abbruch. Deutschlands nobelstes Nobel-Hotel strebt auf zu kühnen Visionen aber der Ort selbst liegt im Sterben und verfällt. Der Kerninhalt dieser Seite sind darum Erinnerungen. Jahr für Jahr fotografiere ich die historischen Bauten Heiligendamms. Immer vom gleichen Standpunkt aus. Solange es noch geht. Ich konserviere den Ist-Zustand jedes einzelnen Kunstwerkes und halte ihn hier für die Öffentlichkeit fest. Es geht um Architektur, um Baukunst und um Traditionen. Es geht um den Erhalt und vor allem geht es um Heiligendamm.
Wenn Zäune einst meine Arbeit behindern und es mir nicht möglich sein sollte, die Dokumentation von den gewählten Standorten fortzusetzen, dann werden Sie hier auch Zäune sehen. Wenn ein Platz überbaut ist, dann werden Sie neue Bauwerke sehen. Und wenn ein Gebäude nicht mehr vorhanden ist, dann werden Sie eine leere Fläche sehen. Ich klage nicht an. Aber die Bilder tun es.
Bitte sein Sie so frei und kopieren Sie sich die Bilder oder drucken Sie sie aus und zeigen Sie sie herum. Einzige Bedingung: Das Wasserzeichen unten rechts muss bestehen bleiben. Wenn Sie sich das eine oder andere Bild einrahmen möchten, können Sie es günstig käuflich erwerben. Für gewerbliche oder journalistische Nutzung wenden Sie sich bitte vorher an mich. Die Bilder sind auf 584x364 Pixel bei 150 DPI reduziert und damit jeweils ca. 1 MB groß. Ich beanspruche für diese Internetseite, stets die beste
Bildqualität bei möglichst geringer Ladezeit zu bieten. Durch die
überdurchschnittlich gute Qualität wird jedoch ein schneller Internetanschluss mit
mindestens 0,5 MBit/s unumgänglich sein. oder als Abzüge (Preis je nach Format plus 2,00 € Porto bei Standardversand) bestellt werden. Mehr Infos dazu gibt es im Bilderverkauf.
Zum Schluss eine letzte Anmerkung: Eine Dokumentation ist nie fertig. Es gilt, noch zwei Bücher durchzuarbeiten und danach sind die Archive an der Reihe. Es ist nicht möglich, eine Dokumentation über Heiligendamm zuerst auszuarbeiten und dann ins Netz zu stellen. Wenn Sie die Bücher über Heiligendamm lesen werden Sie auch feststellen, dass diese irgendwo in den letzten Jahren abschließen und so vieles Neues ungesagt bleibt. Darum gibt es diese Dokumentation von Heiligendamm jetzt und hier und so, wie sie ist und Sie sind eingeladen, immer wieder hineinzuschauen und neue Informationen zu entdecken.
Und nun viel Spaß bei der Entdeckungsreise auf dem Flecken Erde, wo das Meer das Land berührt.
|
Buchempfehlungen:
heiligendamm bad doberan fundus g8 gipfel heiligendamm
g8 heiligendamm hotel heiligendamm |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Ludwig Bechstein schrieb im
Deutschen Sagenbuch
An der Ostsee in der Nähe von Doberan war ein Ort in großer Bedrängnis von der Flut, und die Einwohner sahen ihr gewisses Verderben vor Augen. Mit jedem Tage entführte die Flut ein Stück vom Lande, schon drohte den nächst am Ufer gelegenen Häusern der Untergang. Da wurden im ganzen Mecklenburger Lande Betstunden angeordnet, und das Flehen und Schreien eines ganzen Landes fand Gnade vor dem Herrn. Zum letzten Male hatten sich mit Furcht und Zagen die Bewohner zum Schlummer niedergelegt, und viele fanden ihn nicht, denn die See rauschte gewaltig und ging hohl, und der Boden erzitterte, und es zuckten Blitze über die Meereswogen. Dann wurde es stiller, und der Mond trat hinter Wolken hervor, und da schauten manche vom Strande ängstlich hinaus, da lag etwas Großes, Dunkles im Wasser, und manche meinten, es sei der Kraken, der seinen inselgleichen Rücken aus der Flut hebe, und als der Tag kam, siehe, so verlief sich das Wasser mehr und mehr vom Strande, und vor den Blicken der erstaunten Bewohner lag eine hohe Düne wie ein Wall und fester Damm. Der war auf das Gebet des Landes in einer Nacht entstanden durch die göttliche Hilfe, und alles Volk lobte Gott, und sie nannten den Damm den heiligen Damm und konnten ihn nicht ohne Dank und Verehrung erblicken.
Eine andere Legende erzählt von einem Schäfer, der seine Schafe immer um den ganzen Conventer See treiben musste, weil der See damals zur Ostsee gehörte. Er war darüber verärgert und schimpfte vor sich hin, als ein fein gekleideter Herr daher kam und sich die Sorgen anhörte. Er versprach dem Schäfer, einen Damm aus Steinen zu bauen aber der Schäfer müsse dafür seine Seele hergeben. Dieser erkannte, mit wem er es zu tun hat und bat um eine Bedingung. Beim Bau sollten drei Hähne zugegen sein - ein weißer, ein roter und ein schwarzer. Sie würden bei Sonnenaufgang nacheinander krähen und wenn der letzte Schrei verhallt ist, müsse der Damm fertig sein, sonst bleibt die Seele verschont. Der Herr willigte ein und machte sich unter lautem Poltern und Getöse in der Nacht daran, Steine aufzutürmen und einen Damm zu bauen. Morgens krähte dann zuerst der erste Hahn. Der Bocksbeinige dachte "Dat is der Hahn witt, dat is so väl, as de Hund schitt." Er arbeitete weiter und schon krähte auch der zweite Hahn. Er sagte "Dat is Hahn rod, dat het keen Nod." Als er den letzten Stein einsetzen wollte, krähte der dritte Hahn. Mit einem grässlichen Fluch und entsetzlichen Gestank von Pech und Schwefel brüllte der Satan: "Dat is Hahn swart, da geiht mi dörch't Hart!" und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Der Schäfer hatte nun einen bequemen Weg zur Weide und da die Hähne den Gehörnten vertrieben hatten, nannte man den Damm fortan "Heiliger Damm".
Auffällig ist, dass Heiligendamm in einer Bucht liegt. Die Steilküste westlich von Heiligendamm und östlich von Börgerende lässt vermuten, dass - vielleicht durch einen westlichen Arm des Warnow-Delta - hier ein gewaltiges Stück Land abgebrochen ist und eine Flachküste geschaffen hat. Vielleicht ist das wirklich an einem Tag geschehen und gab so den Anlass zu dieser Sage. Sicher ist nur, dass sich unter dem Meeresgrund ein Streifen aus Flintsteinen befindet. Möglicherweise kam der einmal zum Vorschein. Zum Beispiel im 13. Jahrhundert, als eine Sturmflut wütete und das Wasser bis an den Standort der heutigen Pferderennbahn trieb. Heute ist es nicht einmal mehr vorstellbar, dass das Wasser bis zu den Molli-Schienen heran reichen könnte. Der Ort Heiligendamm war eigentlich nicht viel mehr als eine Lichtung im Wald, in der ein paar Menschen lebten. Jäger, Bauern Waldarbeiter und Handwerker. Vielleicht auch Fischer und ganz bestimmt auch Hausfrauen. Reich war Heiligendamm nur an Wasser, Sand und Bäumen. Die Niederung zwischen den Steilküsten wurde schon vor der Gründung des Seebades gern besucht. Die Herzöge, welche seit 1552 ihre Verstorbenen im Doberaner Münster beisetzen ließen, kannten diese Lichtung im Wald und besuchten sie oft. Auch Familien aus Rostock pilgerten dort hin und die Gelehrten der Universität führten ihren weit gereisten
Kollegen die Laune der Natur vor. Bereits 1766 schwärmte ein englischer Gast
von
Prof. Aepinus,
Thomas Nugent sich als Ruhestätte im Greisenalter wünschte.
Im Landesinneren hatte Deutschland bereits einige Badeorte vorzuweisen. Da gab es Pyrmont, Aachen und natürlich Baden Baden. An der See jedoch war kein einziges Bad vorhanden. Im alten Griechenland waren Seebäder bekannt und Hippokrates (460-370 v.Chr.) pries die Heilkraft des Seewassers und den Nutzen von Trink- und Badekuren an. Galenios tat es ihm 200 Jahre später gleich und das alte Rom konnte Badeorte wie eine Perlenkette entlang der Mittelmeerküste vorweisen. Mit dem Römischen Reich verschwand auch das Wissen um die Heilkraft des Wassers und erst die Zeit der Aufklärung zum Ende des 17. Jahrhunderts brachte es wieder.
Der englische Arzt John Locke (1632-1704) und der französische Philosoph Jean-Jacques Rosseau (1702-1778) definierten das Verhältnis zwischen Mensch und Natur neu und empfahlen das Baden und Schwimmen im Seewasser. Bald folgte in England die industrielle Revolution und mit ihr zogen die Automatisierung und damit auch die Arbeitslosigkeit und das Elend ein. Aus Krankheiten wurden schnell Epidemien und die herkömmliche Medizin gelangte langsam an ihre Grenzen.
Mitte des 18. Jahrhunderts dann baute Russell die erste Badeeinrichtung Europas im Fischerdorf Brighthelmstone, dem heutigen Brighton. Bald folgten Harwich, Margate, Deal, Southampton, Weymouth, Plymouth, Hastings, Ramsgate und Yarmouth. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war fast jeder Küstenort Englands zum Seebad umfunktioniert worden. Reiseberichte, Übersetzungen und Erfahrungen der Ärzte erreichten um 1770 auch Deutschland und der ostfriesische Pastor Gerhard Otto Christoph Janus forderte den König Friedrich II (1712-1786) auf, eine Seebadeanstalt zu bauen. Er schlug die Insel Juist vor. Weil er aber die den Badegast bei der Überfahrt ereilende Seekrankheit ansprach, lehnte der König letztlich ab. Inzwischen hatte auch der deutsche Philosoph Georg Christoph Lichtenberg sich in Margate und Deal von den Vorzügen des Badens im Meer überzeugt und schrieb einen Aufsatz, in dem er Cuxhaven als Seebadeort vorschlug. Dieser Aufsatz erregte die Diskussion und rief auch den Königsberger Arzt Daniel Metzger und den Berliner Arzt Christoph Willhelm Hufeland auf den Plan, die sich ebenfalls für einen Seebadeort in Deutschland aussprachen. Georg Christoph Lichtenberg brachte es in seinem Aufsatz anno 1793 auf den Punkt:
Warum hat Deutschland noch kein öffentliches großes Seebad?
Damit beginnt die Geschichte des ersten deutschen Seebades. 1973 - in Frankreich tobt die Revolution und am 21.01. werden Ludwig XVI und Marie Antoinette hingerichtet. Preußen und Russland teilen sich Polen und in den USA wird mit der Gründung von Washington D.C. der Grundstein für das Capitol gelegt. Fernab vom Weltgeschehen sorgt sich ein Rostocker Professor um das Wohl der Menschen und verfasst am 25. August einen Brief an seinen Herzog, in dem er die Errichtung eines Badeortes vorschlägt.
Durch die außer Zweifel gesetzte heilvolle Wirkung des Badens in Seewasser können sehr viele Schwachheiten und Kränklichkeiten des Körpers behoben werden. Jedoch wären hierfür besondere Einrichtungen wie die in England gebräuchlichen Badekarren und ein Badehaus erforderlich. (...) Dass das Baden in der See unfruchtbare Weiber fruchtbar mache, kann zwar dadurch nicht bewiesen werden, dass manches Frauenzimmer dieser Art von Seebadeorten geschwängert zurückkommt, wovon es in Engelland Beyspiele genug geben soll, indessen ist gar nicht zu bezweifeln, dass es Ursachen der weiblichen, so wie in der männlichen Impotenz gibt, welche durch das Baden in der See gehoben werden. (...)
Und er spricht sogleich eine Empfehlung aus: Doberan. Es empfehle sich nicht nur durch seine vortreffliche und anmutige Lage, sondern auch durch seine gute Gesellschaft und "mancherley Bequemlichkeit". Es habe "auch schon seit einigen Jahren im Sommer eine ansehnliche Gesellschaft aus Rostock, Schwerin und Güstrow und sogar aus Hamburg hier aufgehalten, um Brunnen zu trinken und in der See zu baden oder sonst der Gesundheit zu pflegen".
Der Herzog lässt seinen Leibarzt nicht lange warten und antwortet am 09. September seinerseits per Brief:
Mir sind bey meiner Anwesenheit ihre von ihnen schriftlich aufgesetzten Gedanken, über Anlegung eines Seebades, übergeben worden, ich wünsche daher daß der Herr Hofrath mir darüber mögen, einen Plan aufsetzen, welchen ich nicht verfehlen werde, aufs genaueste zu prüfen, um als dann so viel als möglich zur Ausführung desselben beytragen zu können. Besonders, da es mir nicht gleichviel sein kann, manchen kranken Menschen dadurch glücklich zu machen, nicht zu gedenken, daß Geld im Lande verzehrt wird, was auswärtige Bäder demselben entziehen. Ich erwarte daher mit Vergnügen Ihre Vorschläge, in Betreff dieser heilsamen Anstalt (...).
Er stimmt dem Standort Doberan zu. Mit seinen 85 strohgedeckten Häusern und 900 Einwohnern ist es vielleicht nicht gerade repräsentativ aber es gehört zum Domanium und ist damit herzoglicher Besitz und die mecklenburgischen Herzöge nutzten das kleine Dorf oft als Sommerresidenz und die Klosterkirche in Doberan (Münster) ist auch die Grablege der mecklenburgischen Herzöge. Immerhin hatte Karl von Stein anno 1791 für ein paar Monate auf dem Kammerhof Urlaub gewohnt, weil er in Mecklenburg Landwirtschaft studierte. Er sandte eine Packung Steine vom Strand am Heiligen Damm zu seiner Mutter nach Weimar geschickt. Das klingt wenig spektakulär aber vielleicht hilft es Ihnen auf die Sprünge zu wissen, dass die Mutter von Karl mit Johann Wolfgang von Goethe liiert war. Die Steine liegen heute noch in Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar und auf dem Kasten prangt der Schriftzug "Mecklenburg".
Doberan soll zum Badeort werden. Als problematisch erweist es sich jedoch, das Wasser von der niedrig gelegenen Ostsee über den höher gelegenen Hügelring um Doberan in den Ort zu befördern. Ein bestehendes Haus soll zum Badehaus umfunktioniert werden aber eine Rohrverlegung erweist sich als unmöglich. Prof. Vogel weiß Abhilfe und schlägt dem Herzog vor, das Badehaus direkt am Heiligen Damm zu errichten und dorthin mit Kutschen zu fahren und die frische Waldluft gleich zum Wellnessprogramm dazu gehören zu lassen. Als besonders praktisch erweist es sich, dass der beliebte Flecken im Wald nördlich von Doberan völlig unbebaut ist. Und der Heilige Damm gehört auch zum Domanium und damit zum herzoglichen Besitz. Der Herzog stimmt zu und schickt seinen Hofmedicus Vogel und seinen Bauconducteur Johann Christoph Heinrich von Seydewitz in die nobelsten deutschen Binnenlandbäder, um dort zu studieren.
Professor Vogel trifft in Göttingen auf eben jenen Lichtenberg und der ist begeistert von der Idee und erzählt dem Professor von seinen Erlebnissen in Margate und Deal. Zurück in Mecklenburg geht es gleich an die Planungen und der Herzog schart den Hofmedicus und seinem Amtssekretär Heuckendorf und den Amtshauptmann Wachenhusen um sich, um die Einzelheiten zu planen. Fest steht: Alle Gelder werden der herzoglichen Schatulle entnommen und es werden keine anderen Kassen molestiert. Der Herzog verdient gut aus den Arbeiten seiner Leibeigenen und sehr gut durch den Verkauf von eintausend mecklenburgischen Soldaten an den König von Oranien. Ein Jahr später trifft der Herzog mit seinem Gefolge in Heiligendamm ein und eröffnet die erste Badesaison. 300 Gäste finden sich ein und machen den Auftakt zu einem vollen Erfolg. Und zu einer enormen Herausforderung für das kleine Dorf an der Ostsee... |
|
Chronik des ersten deutschen Seebades.
1793 Prof. Vogel empfiehlt in seinem Brief vom 25.08. dem Herzog die Errichtung eines Bades. Der Arzt Willhelm Hufeland und der Physiker und Mathematiker Georg Christoph Lichtenberg schließen sich der Empfehlung an. Der Herzog stimmt am 09.09. der Errichtung eines Seebades in Doberan zu. Prof. Vogel und Bauconducteur Johann Christoph Heinrich von Seydewitz gehen auf Studienreise zu den vornehmsten deutschen Bädern. In Göttingen trifft Vogel auf Lichtenberg und tauscht sich mit ihm aus. Herzog Friedrich Franz I verkauft 1000 mecklenburgische Söldner an den König Willhelm V von Oranien (Niederlande) und bekommt dafür 37.000 Silberdukaten pro Jahr plus Sonderzahlungen für Tote, Verwundete und Vermisste. Der Herzog ordnet an, alle Ausgaben für Heiligendamm der herzoglichen Schatulle zu entnehmen und keine andere Kasse zu molestieren. Es fließen die ersten 4.250 Taler in das Projekt am Heiligen Damm. Doberan hat 900 Einwohner und 85 meist strohgedeckte Häuser. Professor Vogel schlägt vor, eines dieser Häuser zum Badehaus umzubauen und das Wasser über ein Rohrsystem von der Ostsee nach Doberan zu befördern. Der Herzog stimmt zu und Bauconducteur von Seydewitz nimmt seine Planungen auf. Das Projekt scheitert aber wegen der Höhenunterschiede zwischen Doberan und der Ostsee. Vogel schlägt daraufhin die Errichtung von Holzhütten in Heiligendamm vor und preist den gesundheitlichen Nutzen der Fahrten zum Heiligen Damm in der offenen Kutsche an. Die Fahrt führt direkt durch Wald und Flur hin zur Lichtung am Ostseestrand. Bauconducteur von Seydewitz errichtet das Amtshaus an Stelle eines Vorgängerhauses am südlichen Rand des Klosterhofes. 1794 Herzog Friedrich Franz I stiftet 12.700 Taler für den Aufbau des Seebades und gründet am 18.07. die Herzogliche Badedirection, bestehend aus dem Hofmedicus Prof. Vogel, Amtssekretär Heuckendorf, dem Amtshauptmann Wachenhusen und dem Kammerpräsidenten Von Dorne, der später Intendant des Seebades wird. Ein Zelt, eine Wagenremise für Wannenbäder und zwei Badeschaluppen treffen am Heiligen Damm ein. Das sind Badeschiffe, mit denen man zum Baden ein Stück auf das Meer fährt. Der Herzog eröffnet die Badesaison und seine Präsenz zieht Gäste aus Dänemark, Schweden, England, Frankreich, Italien, Polen, Ungarn, Russland und den Niederlanden an. Heiligendamm zählt 308 Gäste, die im einzigen Gasthof Doberans, dem Lindenhof und in Privathaushalten untergebracht werden. Die Herzogliche Familie trifft in Heiligendamm ein und der Herzog eröffnet im Oktober die erste Saison und nimmt selbst ein Bad in der Ostsee. Vogel spricht schon im Dezember an, dass ein Logierhaus nötig sein wird. 1795 Die Herzogliche Badedirection wertet die erste Saison aus und stellt fest, dass die 308 Gäste alle Kapazitäten Doberans sprengten. Vogel schlägt ein Logierhaus in Doberan vor. Der Herzog fordert Risse (Zeichnungen) von Seydewitz an und stimmt den Planungen zu. Am Kamp entsteht ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem Seitenflügel für die Wagenremise und Stallungen im Parterre und Logierzimmern im Obergeschoss. Das Logierhaus selbst beherbergt ein Speisezimmer, einen Tanzsaal, eine Spielbank für die Spiele Pharao und Roulette und im Obergeschoss Logierzimmer. Heute beherbergt das Gebäude das Hotel "Friedrich Franz Palais". Im selben Jahr wird auch ein Plan für den Bau eines Badehauses am Heiligen Damm vorgelegt. 12.718 Taler fließen in das Projekt. Carl Theodor Severin wird als Nachfolger des Bauconducteurs von Seydewitz bestimmt und durch diesen eingearbeitet. Severin wurde 1763 in Meringhausen im hessischen Fürstentum Waldeck geboren und 1789 an den Hof nach Schwerin. Er arbeitet zunächst von Juni bis November als Kammer-Ingenieur ohne Gehalt, überzeugt den Herzog aber durch seine Leistungen und wird im November zum Bauconducteur mit einem Gehalt von 100 Reichstalern und 6 Faden Ellernholz (6x 4,4519 mm Brennholz). Severins Ideen fließen bereits in die Bauten des von Seydewitz mit ein. Dieser soll Ostern 1796 in Pension gehen. Am Münster entsteht ein Lustgarten. Der Kamp bekommt eine ihn umgebende Lindenpromenade und wird umgestaltet. Bisher diente er als innerörtliche Weidefläche. 1796 Im September erteilt der Herzog den Befehl zum Bau eines Badehauses am Heiligen Damm. Es wird schnell fertig gestellt. Es handelt sich um ein eingeschossiges Badehaus an der Stelle des "Haus Mecklenburg". Vogels Vorschlag, es im rechten Winkel zur Ostsee und damit sturmsicher zu bauen, wird berücksichtigt. Das Gebäude ist ein Backsteinbau mit 11 Fenster- und Türachsen, Dachzone, vier pilastergerahmten zweigeschossigen Mittelrisaliten und einer zweiläufigen geschwungenen Freitreppe, die in das unterkellerte Hochparterre führt. Das Haus beherbergt 7 Badezimmer für Warm- und Kaltbäder, 2 Ruhekabinette, 2 Konversations- zimmer, die Wohnung des Bademeisters und ein paar Logierzimmer für Leute, denen die Kutschfahrten zu beschwerlich sind. Zugleich wird auch das Logierhaus am Kamp fertig. Die ersten Bauten kosten schon 9.620 Reichstaler. Von Seydewitz überlegt es sich anders und geht nicht in Pension. Severin darf aber an seiner Seite weiter arbeiten. Im Lindenhof wird eine Spielbank wird eröffnet und bringt jährlich 30.000 Taler an Pacht ein. 1798 Der Bericht "Zur Nachricht und Belehrung der Badegäste" wird von Prof. Vogel verfasst. (besser bekannt als "Vogels Baderegeln") Christoph Willhelm Hufeland verweilt am Heiligen Damm. 1799 In den Jahren 1798 und 1799 kann der Herzog einen Geldumlauf von 100.000 Talern verzeichnen. Das tut auch der Bevölkerung gut. Der Herzog verbietet den Bau von strohgedeckten Häusern in Doberan und vergibt Bauhilfsgelder für die Umrüstung auf Ziegeldächer. Professor Vogel beginnt mit der Niederschrift seiner "Annalen des Seebades Doberan vom Sommer 1799". 1800 Heiligendamm hat 714 Gäste, darunter auch Generalchirurgus Goercke. Vogel zählt in seinen Annalen die vielseitigen Vergnügungs- möglichkeiten in Doberan und am Heiligen Damm auf: Wasserpartien mit der Jagt (Yacht) des Herzogs, die 30 Minuten vor dem Heiligen Damm vor Anker liegt und für jedermann nutzbar ist. Reisen nach Warnemünde, Bademühle, Diedrichshagen, Mönkweden und Rostock, sowie zu Fuß in die Waldungen nach der Dober und Althof, zum Jungfernberg (verm. Tempelberg oder Fuchsberg) und zum Buchenberg. Weiterhin gibt es Feuerwerke, Illuminationen, Spiele, Comoedien, Assemblees, Thees im Badehaus, Ballonschlagen, Concerte, Tanztees, Bälle, und die legendäre Table d'hôte, das gemeinsame Mal der Gäste mit der herzoglichen Familie. Auf dem Kamp bewirtet der Leibkoch Caetano Medini aus Mailand in einem Zelt die Gäste und ein weiteres Zelt dient für Konzerte. Handwerker und Händler haben ihre Holzbuden auf dem Kamp errichtet, der abends beleuchtet wird und jeden Sonntag gibt es ein Feuerwerk. (Die Table d'hôte, die Kamp-Illumination und das Kamp-Fest gehören noch heute zu den Traditionen. Nach dem Leibkoch Medini wurde 2003 das Restaurant im Haus Bischoffstab in Heiligendamm benannt. Es bietet eine reichhaltige gehobene mediterrane Küche an.) Zu den Gästen Doberans anno 1800 gehört nicht nur der europäische und deutsche Adel, sondern auch die Oberschicht und Mittelschicht aus Gutsbesitzern, Kaufleuten, Offizieren, Beamten, Künstlern, Ärzten, Wissenschaftlern, Musikern und Schauspielern. Der Herzog hat für Doberan und den Heiligen Damm die Rangordnung aufgehoben und damit einen zwanglosen Umgang miteinander beschert. Er spielt auch gern mit Handwerksmeistern Pharao und Roulette. Das Preisniveau sorgt für das Fernbleiben der Unterschicht. Der Herzog als Primus inter pares ist zugleich Förderer und Ideengeber für das Theater, die Glücksspiele, Feuerwerke, Bälle und Feste. 1801 Severin und von Seydewitz planen gemeinsam das Salongebäude, nachdem von Seydewitz 1796 auf die Pensionierung verzichtete. Der Auftrag wird an von Seydewitz erteilt aber es ist unschwer zu erkennen, dass Severin großen gestalterischen Einfluss ausübte. Mussa Effende aus Konstantinopel verweilt am Heiligen Damm. Prof. Vogel beginnt die "Fortgesetzten Annalen des Seebades Doberan". 1802 In Doberan eröffnet die Goldbank als Spielbank. Die Spielbank im Lindenhof, betrieben seit 1794, wird zur Silberbank. 1803 Zu den Schaluppen gesellen sich Badekarren. Nun wird sich in den Karren umgekleidet und sie werden ein Stück ins Wasser gefahren. Severin errichtet als kleines Gebäude die Herrenbadeanstalt am Heiligen Damm. Heiligendamm hat 1.304 Badegäste, darunter auch der russische Admiral Sarizchev. Prof. Vogel beginnt die "Neuen Annalen des Seebades Doberan". 1804 Severin errichtet am Heiligen Damm eine Konversationsrotunde, ein rundes Gebäude ähnlich einem kleinen Konferenzzentrum. 1805 Das Badehaus bekommt eine lateinische Inschrift aus kantoninischen Bädern: CURAE.VACUS.HUNC.LOCUM.ADEAS.UT.MORBORUM.VACUUS.ABIRE.POSSIS.NAM.HIC.NON.CURATUR.QUI.CURAT. Sorgenfrei komm her, damit du krankheitsfrei von hier gehen mögest: denn wer sorget, der wird hier nicht gesund. Rechts neben dem Logierhaus entsteht unter Federführung Severins und von Seydewitzs das Schauspielhaus. Links neben dem Palais entsteht ein Wohnhaus für den Herzog, der Herzogliche Salon. (heute das nördlichste Gebäude an der Kamp-Ostseite) 1806 Frankreich unter Napoleon Bonaparte besetzt u.a. Mecklenburg. Der Salon wird noch fertig gestellt, ansonsten erfolgt keine weitere Bautätigkeit aber der Badebetrieb geht weiter. 908 Gäste zählt das Seebad während der Franzosenzeit im Jahre 1806, darunter auch Prinz Christian von Dänemark. Der Innenausbau des Herzoglichen Salon dauert noch bis in die 1820er Jahre hinein. Das Haus ist aber schon bewohnbar. Der Salon hat eine leichte Schrägstellung, wodurch die Kutschen vor ihm langsamer fahren müssen und die Gäste einen Blick auf das Wohnhaus des Herzogs richten können. Die Straße führt von hier aus direkt zum Damm. 1807 Severin errichtet am Heiligen Damm einen Aussichtsturm. Die herzogliche Familie zieht vom Amtshaus Fachwerkhaus zwischen Möckel-Haus und Kornhaus) in das Palais um, muss aber kurz darauf vor Napoleon wegen der Anschuldigung, Blüchers Armee Durchlass gewährt zu haben, am 08.01.1807 ins dänische Exil nach Altona fliehen. Nach Intervention des russischen Zaren Alexander kommt sie frei und kehrt am 10.08. zurück und wird mit einem Volksfest, Bauerntanz und Pferderennen empfangen. Dazu gehört auch die erste Kamp-Illumination, die Beleuchtung des Kamps und der Häuser. Doberan hat 1349 Einwohner. Professor Vogel veröffentlicht seine Baderegeln, die zum Teil noch nach über 200 Jahren Gültigkeit haben werden. 1808 Bauconducteur Johann Christoph Heinrich von Seydewitz geht 12 Jahre später als geplant endlich in Pension.
Severin gibt Doberan ein Gesicht.
Severin plant im Auftrag des Herzogs die Bebauung des Kamps und lässt einen kleinen roten Pavillon als Erfrischungssalon errichten. Prof. Vogel beauftragt Severin mit der Planung eines Schatten spendenden Raumes am Heiligen Damm. Severin und Severin jun. planen ein Portal mit Aussichtsplattform in überragender Höhe und mit den Pforten zum Meer und zum Festplatz hin ausgerichtet. In einer ersten Publikation wird der Heilige Damm als "das erste - wenngleich nach Norderney und Travemünde nicht das einzige, doch das bei weitem vorzüglichste Seebad im nördlichen Deutschland" gepriesen. Die ganze Anstalt sei "durch die fortgesetzte großmüthige Fürsorge und Freigiebigkeit des Durchlauchtigen Herzog schon jetzt von einer Vollkommenheit gediehen, die wenig mehr zu wünschen übrig lässt". Der Chronist Röper beschreibt die Schönheit der Fahrten zum Heiligen Damm. 1809 Der ehemalige Matrose Johann Both wird Schaluppenmeister begleitet mit seinem Rettungsboot fortan die Schaluppen. Severin wird im April zum Landbaumeister ernannt und bekommt ein Jahresgehalt von 500 Reichstalern plus Spesen. Durch diese Beförderung ist Severin nun auch für Doberan und die Ämter Buckow, Ribnitz, Rühn, Schwaan, Toitenwinkel und Rostock zuständig. Fürst von Putbus weilt am Heiligen Damm. Ein Sturm richtet wieder einmal schwere Schäden in Heiligendamm an. 1810 Prof. Vogel lässt Severin ein Logierhaus mit 12 Betten für mittellose Kranke errichten. Das Gebäude wird von der Rostocker Freimaurerloge "'Zum Tempel der Wahrheit" gestiftet, welcher auch Vogel angehört und entsteht an der Stelle der heutigen Burg. Pro Saison werden im karreeartig angelegten Gebäudekomplex 40 Kranke kostenlos behandelt. Der Herzog ist davon nicht angetan und sorgt mit Zeitplänen dafür, dass sich Arme und zahlende Gäste nicht begegnen. Französische Dragoner quartieren sich im Badehaus ein, um auf der Ostsee Ausschau nach möglichen englischen Schiffen zu halten. Severin siedelt nach Doberan über und heiratet Marie Eleonore Magdalena Bollow. Er errichtet ein Haus südlich des Kamps. Auf dem Kamp entsteht unter Federführung Severins der geplante große Pavillon im chinesischen Stil. Der Pavillon dient als Musiksaal und wird seitlich von Boutiquen umschlossen. Er steht sich am Nordrand des Kamp. Der Erzbischof von Breslau weilt am Heiligen Damm. 1812 Severin zieht in das Prinzenpalais (gelbes Haus am Alexandrinenplatz) ein. Inzwischen hat er eine Tochter. 1813 Ende der französischen Besatzung durch die Befreiungskriege (z.B. Völkerschlacht bei Leipzig). Der Kamp wird umgebaut und erhält einen weiteren Pavillon als Musiksaal. Seitlich werden Boutiquen angebaut. Für die Bebauung um den Kamp gibt es strenge Auflagen. Die Gebäude müssen zweistöckig, mit einer Steinfassade und ziegelgedeckt sein. 1814 Wieder richtet ein Sturm schwere Schäden in Heiligendamm an. Der Herzog erteilt Severin den Auftrag, ein Empfangs-, Gesellschafts-, Tanz- und Speisehaus am Heiligen Damm zu errichten. Im selben Jahr wird mit dem Bau begonnen. (heute: Kurhaus) 1815 Herzog Friedrich Franz I erhält am 17. Juni, dem 30. Jahrestag der Thronbesteigung die Großherzogwürde, welche 1814 beim Wiener Kongress eingeführt wurde. Prinzessin Sanguszko von Polen kommt zu Besuch an den Heiligen Damm 1816 Der Herzog teilt im Herbst sein Befremden und Missfallen über das langsame Fortschreiten des Baues mit und befürchtet, dass der Bau nicht pünktlich zur Saison fertig wird. Wie schon beim Bau des Pavillons ist Materialmangel die Ursache für die lange Bauzeit. Dennoch schafft Severin, das Gebäude zur Saison 1816 fertig zu stellen. Nur der Lübecker Maler Johannes Hauthmann bleibt noch bis in die Saison hinein mit der Dekoration des Saals beschäftigt. Die Halle am Meer trägt die Inschrift Immanuel Gottlieb Huschkes: HEIC TE LAETITIA INVITAT POST SANEA BALNUM - Hier empfängt dich Freude, entsteigst du gesundet dem Bade. Fürst Blücher und Fürst Hardenberg verweilen am Heiligen Damm. 1817 Prof. Vogel führt die Baderegeln für Badelustige ein, die heute noch teilweise Gültigkeit haben. (sh. Buchempfehlung) Das Salongebäude (Kurhaus) am Heiligen Damm wird fertig gestellt. Der Herzog ist zufrieden und erhöht Severins Jahresgehalt um 50 Reichstaler, 4 Faden Deputat-Holz und 20.000 Soden Torf. Severin beaufsichtigt von nun an auch den Bau von Wohnhäusern durch Privatpersonen in Doberan und bekommt alle Baupläne zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. Auf der Insel Rügen entsteht mit Putbus das zweite deutsche Seebad, ebenfalls im Stil des Klassizismus. 1818 Am 01.07.1818 wird ein "Reglement für die Wasserfahrten auf den Booten" erlassen. 1819 Die Saison beginnt diesmal schon am 03. Juni. Prinz Friedrich Willhelm von Preußen, Fürst von Schaumburg-Lippe mitsamt seiner Familie, Professor Reichard und seine Frau verweilen am Heiligen Damm. Severin wird im März zum Oberlandbaumeister mit einem Jahresgehalt von 800 RT befördert. Er ist inzwischen mit seiner bisherigen Schwägerin, der Witwe Nipperdey verheiratet. Er beginnt mit dem Anbau eines Saales an das Salongebäude. Angelica Catalani tritt in Doberan auf und Willhelmine Reichhard startet in Doberan mit dem Heißluftballon. Ab sofort stehen Wagenquadrillen mit zweispännigen Wägen zur Verfügung. Auf dem Jungfernberg in Doberan errichtet ein unbekannter Industrieller eine Einrichtung zum Scheibenschießen. Mit 1819 Besuchern ist das Jahr 1819 das Rekordjahr seit Bestehen des Seebades. 720 Gäste nutzen die Badegelegenheiten und an einem Tag werden 150 Bäder im Badewagen genommen. Und mit 78°F Luft- und 65°F Wassertemperatur am 06.07.1819 um 16:00 UHR (Luft) und 07:00 Uhr (Wasser) auch die heißeste Saison des Jahrhunderts. 1820 Die Prinzessin von Thurn und Taxis verweilt in Heiligendamm. Welche genau, ließ sich nicht herausfinden. Hinter dem Badehaus entsteht ein Anbau für Spezialbäder mit chemischen Zusätzen für besondere Genesungskuren. Severin bekommt eine Gehaltszulage von 50 Talern und eine Renumeration von 100 Talern, sodass sein Festgehalt auf 950 RT steigt. Er errichtet das heutige Haus "Nizze" gegenüber seines Wohnhauses (heute links neben dem Haus "Gottesfrieden") 1821 Severin vollendet den Anbau an das Salongebäude (heute Ratskeller) und beginnt mit dem Bau des Stahlbades (altes Moorbad), nachdem eine Stahlquelle am sich dort befindlichen Mühlenteich entdeckt worden war. Das Gesundheitsangebot wurde so erweitert. 1822 Der Herzog kauft Severin das Prinzenpalais ab, um seinen Sohn dort einzuquartieren. Daher stammt erst der Name "Prinzenpalais". Severin bekommt ein Grundstück im Neubaugebiet Doberans zugewiesen, bittet aber um ein Grundstück gegenüber seines alten Wohnhauses, weil er seine Familie (immerhin 5 Kinder) nur durch zusätzliche Einnahmen aus der Zimmervermietung ernähren kann. Der Herzog stimmt zu und überlässt ihm ein Grundstück, auf dem Severin sein Haus bauen konnte. (heute "Haus Gottesfrieden"). Am Salongebäude wird unterdessen der Ovale Saal als Verlängerung des Festsaals zum Garten (Rosengarten) hin fertig gestellt. Der Herzog stellt sein privates Segelschiff und seine private Yacht zur Miete für Rundfahrten zur Verfügung. 1823 Die erste Galopprennbahn auf dem europäischen Kontinent wird zwischen Heiligendamm und Bad Doberan errichtet und eingeweiht. Willhelm von Preußen verweilt in Heiligendamm. Severin beginnt mit dem Bau eines neuen Wohnhauses und einem Anbau am Salon. 1824 Der König von Preußen und Felix Mendelsohn Bartholdy verweilen in Heiligendamm. Severins Wohnhaus (Haus Gottesfrieden) ist fertig. Eine Dampferverbindung nach Lübeck-Travemünde und nach Kopenhagen wird vom Heiligen Damm aus eingerichtet. 1825 Das Stahlbad in Doberan wird fertig gestellt (heute das alte Moorbad). Severin errichtet an der Nordseite des Kamp ein dreistöckiges Wohnhaus mit ornamentaler Verzierung für den Gastronomen Medini, ein einstöckiges Wohnhaus mit zweigeschossigem Mittelrisalit und neben seinem Wohnhaus ein Apothekengebäude und ein zweigeschossiges Bürgerhaus. Das alles im klassizistischen Baustil. 1826 Großherzog Friedrich Franz I stiftet den Wanderpokal "Goldene Peitsche" für die Gewinner der Galopprennen. 1828 C.J. Apperley verweilt in Heiligendamm. 1829 C. T. Severin beginnt mit dem Bau des Belvedere, eines großen, Schatten spendenden Portals nordöstlich des Badehauses. 1830 Durch die Gründung weiterer Seebäder entsteht eine Konkurrenz zum Heiligen Damm, die Kost und Logis direkt am Meer vorweisen kann. Der Großherzog plant, diese Bequemlichkeiten auch am Heiligen Damm einzuführen. Doberan hat 2210 Einwohner. Die Bauarbeiten am Belvedere sind abgeschlossen und das Portal lädt nun zum Ruhen im Schatten und zur Aussicht vom Dach ein. 1831 Ludwig I, König von Bayern und der Kronprinz Maximilian von Bayern verweilen in Heiligendamm. 1832 Die Besucherzahl Heiligendamms sinkt erstmals unter 1000. Das ist der Cholera-Epidemie geschuldet. 1833 Gottfried Schadow verweilt in Heiligendamm. Johann Herrmann Becker wird zweiter Badearzt am Heiligen Damm 1834 Severin soll zum Jahreswechsel 1834/35 wegen Altersschwäche und Krankheit mit jährlich 525 Reichstalern pensioniert werden. Seine wirtschaftliche Lage ist aber so schlecht, dass der 71jährige trotz seiner Gicht darum bittet, im Amt belassen zu werden. Der Großherzog stimmt zu und gibt dem Hofbaumeister eine jährliche Gehaltszulage von 150 Reichstalern. Dennoch wird auch ein gewisser Herr Wünsch Oberlandesbaumeister in Schwerin. Sein unbezahlter Gehilfe wird auf Schinkels Empfehlung Georg Adolf Demmler, welcher 1832 seinen Baumeistertitel bekam und Kunstreisen vom geerbten Geld seiner kurz nacheinander verstorbenen Eltern unternahm. Er war auch Lehrer an einer von Freimaurern gestifteten Schweriner Sonntagsschule, wo er kostenlos Handwerker unterrichtete und ausbildete. Das Vermögen seiner verstorbenen Eltern war beträchtlich, sodass er das alles unentgeltlich tun konnte. 1835 Schaluppenmeister Johann Both stirbt und damit endet auch die Zeit der Schaluppen. 1836 Hofbaumeister Severin verstirbt am 20.02. verarmt mit einem Vermögen von nur 50 Reichstalern im Alter von 73 Jahren. Er wird am 24.02. an heute unbekannter Stelle beigesetzt. Nachfolger wird der in Berlin geborene Georg Adolf Demmler. 1837 Hofmedicus Prof. Vogel stirbt am 19.01. im Altern von 87 Jahren. Becker wird erster und Dr. Adolf Kortüm zweiter Badearzt. Großherzog Friedrich Franz I stirbt am 01.02. im Alter von 81 Jahren. Sein Enkel Paul Friedrich tritt seine Nachfolge an. Er nutzt das Palais in Doberan als Sommerresidenz, plant aber eine eigenständige Logistik am Heiligen Damm. Demmler wird mit dem Ausbau Schwerins betraut und zum Hofbaumeister befördert. Prinz Heinrich von Preußen und sein Adjutant von Moltke, Kaiser Willhelm I, Otto von Bismarck, der Kronprinz von Schweden und andere gekrönte Häupter Europas und Größen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft weilen anlässlich der Feierlichkeiten zur Bestattung und zur Krönung in Heiligendamm. 1838 Am Badehaus wird mit der Aufstockung begonnen. Die Grünanlagen werden umgestaltet. Die Arbeiten für den Bau zum Marien-Cottage werden aufgenommen.
Heiligendamm muss wachsen.
1839 Demmler stockt das Badehaus auf drei (nach heutigem Verständnis vier) Stockwerke auf. Die Wirtschaftsräume des Saalbaues werden vergrößert. Das Badehaus verfügt über 2 Geschosse mit je 28 Gästezimmern und einem Obergeschoss mit 22 Personalzimmern. Die Arbeiten für den Bau zum Alexandrinen-Cottage und dem Haus "Krone" (heute "Magdeburg") werden aufgenommen. Heiligendamm hat 1400 Gäste. Auf einer Karte wird erstmals der Heilige Damm erwähnt. Allerdings genau dort, wo er sich nicht befindet, nämlich westlich von Fulgen und östlich von Börgerende, wo es ohnehin nur Steilküsten (Kliffküsten) gibt. 1840 Die Bauarbeiten an den Cottages und dem Haus "Krone" werden abgeschlossen. Alexandrines Stiefmutter, die 2. Gemahlin Friedrich Willhelm III, Auguste Liegnitz, richtet sich ein Cottage am Heiligen Damm ein. 1841 Herzog Paul Friedrich ernennt Demmler zum Hofbaurat und stirbt am 07.03. in Schwerin. Nachfolger wird sein Sohn Friedrich Franz II. 1843 Herzog Friedrich Franz II, der junge Nachfahre des Gründers erinnert an diesen durch die Aufstellung eines 220-Tonnen-Findlings. Dieser "Denkstein" wird innerhalb von 98 Tagen den 12 km weiten Weg transportiert und am 19.10.1843 am Waldrand aufgestellt. 1846 Das Armenkrankenhaus wird abgerissen und an seiner Stelle wird mit dem Bau der Burg "Hohenzollern" begonnen. Auftraggeber war Herzog Paul Friedrich aber der starb ja inzwischen. Das Armenkrankenhaus wird südlich des Ensembles in Form eines kleinen |