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Heiligendamm auf dem Weg zum Luxus-Ressort.
An dieser Stelle geht es nun um die Ereignisse in
Heiligendamm seit 1991. Wir sehen uns folgende Dinge genauer an:
Verkauf des Ensembles. Der neue Eigentümer. Ziele des Investors. Ziele der Bürger. Bestandsaufnahme Kontroverse
Dornröschen und der Prinz. Wie ein Mann vier
Häuser rettet.
Es stellte sich sehr bald heraus, dass
die Ostseeklinik der Konkurrenz nicht gewachsen war.
Die technischen Einrichtungen waren
nicht auf dem neuesten Stand und die Inneneinrichtung bestand aus
Ein- und Umbauten und
Provisorien. Die Nebenleitungen im
Sanitärbereich waren allesamt über Putz gelegt worden und zogen sich
durch die Zimmer und Bäder.
Auch die Heizungsrohre wurden nicht in
die Wände eingemauert und nicht einmal verkleidet. Die Toiletten
waren alt, die gefliesten Wände
inzwischen wellig und die Brüstungen an
den Treppen waren aus Holz und schon zerkratzt und abgegriffen. Die
Zimmer hatten alte schwere
Eichenholztüren, die teilweise
Plastik-Türgriffe aus der DDR-Massenproduktionen aufwiesen. Bis auf
den gerade erneuerten Küchentrakt
konnte die Klinik den Anforderungen im
sanitären Bereich nicht gerecht werden.
Damit war die Klinik nicht in der Lage,
sich bundesweit zu etablieren und verlor enorm an Auslastung.
Musste man bisher viele Patienten in
Privathaushalten unterbringen, gab es nun freie Kapazitäten in der
Klinik.
Im Jahre 1991 beschloss das Land
Mecklenburg-Vorpommern stellvertretend für den Bund als Eigentümer
des Ensembles, dieses schnell
zu veräußern. In Frage kamen ein Verkauf
Haus um Haus oder der Verkauf des ganzen Ensembles. Man favorisierte
die zweite Variante und
war bereit, den Kaufpreis niedrig
anzusetzen, wenn der neue Eigentümer das Ensemble denkmalgerecht
sanierte und pflegte.
Aus fünfzehn Bewerbungen suchte sich das
Land vier aus und am 10.10.1991 schlug die Finanzministerin eine
Übertragung des Ensembles
von der Ostseeklinik GmbH an die
Dr.-Marx-Gruppe vor. Dieser Investor beabsichtigte den Neubau einer
modernen Kurklinik und war bereit,
gegen eine kostenlose Baufläche dafür
das Ensemble zu übernehmen und zu erhalten.
Das Land seinerseits war bereit, auf
einen Kaufpreis und Mieteinnahmen zu verzichten, wenn der Investor
das Ensemble denkmalgerecht
und unter den Augen von drei
Aufsichtspersonen sanierte und zukünftig pflegte. Soweit war alles
klar aber der Investor wollte den Neubau
an einer bewaldeten Stelle vornehmen,
was Einheimische in Form einer Bürgerinitiative auf den Plan rief.
Sie schlug einen alternativen Standort
vor, den der Investor aber ablehnte. Der Investor zog sich zurück
und der Verkauf scheiterte.
Dennoch kam der Investor fünf Jahre
später wieder und errichtete seine Kurklinik an einem anderen als
dem geplanten Ort.
Das Gebäude ist weiß aber damit endet
auch schon die Ähnlichkeit zum Rest des Ensembles.
Dennoch konnte die MEDIAN-Klinik ohne
größere Einwände errichtet werden und 1997 eröffnen und läuft
seitdem auch sehr erfolgreich.
Doch dem Ensemble war damit nicht
geholfen.
Das Land prüfte auch die anderen
Angebote, war aber auf eine medizinische Nutzung fixiert.
Als die Treuhand-Gesellschaft letztlich
keinen Verkauf zu Stande brachte, zog man 1992 das Angebot eines
Kölner Investors in
Betracht, der unaufgefordert ein
fertiges Konzept vorlegte, das eine Nutzung als exklusives Hotel
nebst originalgetreuer Wiederherstellung
des gesamten Ensembles und dem Ausbau
von Heiligendamm vorsah. Es wurden 400 Mio. DM Investitionen und
langfristig 800 Mio. DM
an Folgeinvestitionen und über 300
Arbeitsplätze in Aussicht gestellt.
Die Finanzministerin verwies in einem
Schreiben vom 10.10.1991 auf dieses Konzept, bemerkte dabei aber,
dass der Investor sich den
Mitbewerbern stellen müsse und man sich
nicht auf ihn festlegen solle, um den Kaufpreis nicht zu drücken.
Inzwischen war man willens,
Geld für das Ensemble zu nehmen.
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LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 1/836 1.
Wahlperiode 10.10.1991
ANTRAG der
Finanzministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Information des Landtages über bevorstehende
Entscheidungen zum SeebadHeiligendamm
1.2.3. Gesamtvergabe
Wenn die Liegenschaften in einer Hand bleiben,
eröffnet sich die einmalige Chance für ein Gesamtkonzept. Die
Einmaligkeit der Situation ist dadurch gekennzeichnet,
daß - nahezu der gesamte Grundstücksbestand sich in
Landeseigentum befindet, - der überwiegende Teil der Gebäude zur gleichen
Zeit geräumt zur Verfügung steht.
Diese einmalige Situation fordert geradezu eine
Gesamtnutzungskonzeption für das Ostseebad. Dies könnte durch
einen Planungsauftrag - auf Kosten des Landes -
geschehen. Besser wäre dagegen, wenn das Land
unter konkurrierenden Konzepten auswählen bzw. bei ähnlichen
Konzeptionen unter den Bewerbern eine Auswahl treffen
kann. Es spricht daher alles dafür, eine
öffentliche Ausschreibung vorzunehmen und dadurch potente
Investoren zur Konzeptentwicklung und -verwirklichung
einzuladen.
Zwar liegt dem Land ein solches Gesamtkonzept von
einer Anbietergruppe bereits vor, die ohne Aufforderung daran
gearbeitet und dem Land vorgeschlagen hat.
Als Einzelvorschlag erscheint dieses Konzept
durchaus plausibel und in hohem Maße attraktiv, ganz abgesehen
von den Investitionen in Höhe von rund 400 Mio. DM.
Dennoch ist das Finanzministerium der Auffassung,
daß sich dieses Konzept der Konkurrenz weiterer Ideen und
Anbieter stellen sollte um eine optimale Lösung zu finden,
die auch den fiskalischen Landesinteressen
gerecht wird. Die Bindung an einen Anbieter drückt
erfahrungsgemäß den Kaufpreis. Außerdem haben eine Reihe anderer
potenter Investoren Interesse bekundet. Durch die
ihnen nicht verborgen gebliebene Vorarbeit der vorgenannten
Gruppe haben sie den Eindruck, die Vergabe der
Grundstücke erfolgte unter "Ausschluß der
Öffentlichkeit". Es ist deshalb zu befürchten, daß später in der
Öffentlichkeit und im Parlament das Auswahlverfahren
bemängelt wird. Um die Akzeptanz und Transparenz
dieser Entscheidung zu erhöhen, sollte die Auswahl ein Gremium
treffen, an dem u. a. Regierungsmitglieder,
Vertreter des Parlamentes, des Landkreises und
der Gemeinde sowie der Bereiche Denkmalschutz, Naturschutz,
Touristik und Medizin beteiligt sind.
Wegen der Bedeutung des zukünftigen
Grundstücksverkaufes und der weichenstellenden Vorentscheidungen
soll das Parlament hiermit frühzeitig
informiert und um zustimmende Kenntnisnahme
gebeten werden.
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Die Verhandlungen mit dem Investor
liefen im rechtlichen Rahmen mit der nötigen Diskretion ab, sodass
am 08.10.1996 der PDS-Abgeordnete Götz Kreuzer erst einmal
eine Kleine Anfrage stellte um zu
erfahren, ob der Verkauf denn nun gelungen sei. Die Finanzministerin
bejahte dies in ihrer Antwort vom 09.10.1996. Der Verkauf sei zum
01.01.1997 vollzogen und im Frühjahr
1997 würde der neue Eigentümer durch die Eintragung ins Grundbuch
die Rechte und Pflichten übernehmen.
Die Kleine Anfrage ist sehr
aufschlussreich:
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LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN
Drucksache 2/1965
2. Wahlperiode 09.10.96
ANTWORT der Landesregierung auf die
Kleine Anfrage des Abgeordneten Götz Kreuzer, Fraktion der PDS -
Drucksache 2/1912 - Verkauf von Heiligendamm
Vorbemerkung
Eigentümer des überwiegenden Teils von Heiligendamm
ist der Bund, vertreten durch die Oberfinanzdirektion Rostock. Diese
hat die bundeseigene Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) mit dem
Verkauf
beauftragt. Um den Erhalt und den Zusammenhalt des
einzigartigen Gesamtensembles von Heiligendamm zu sichern, hat das
Land Mecklenburg-Vorpommern die TLG mit der Verwertung auch der
landeseigenen Liegenschaften in Heiligendamm betraut.
Um sicherzustellen, daß bei der Vergabeentscheidung örtliche Belange
berücksichtigt werden, sind durch die TLG auch Vertreter der
Gemeinde und
des Landkreises in den Vergabeausschuß berufen
worden. Der städtebauliche Entwicklungsvertrag wird zwischen der
Stadt Bad Doberan und dem Investor abgeschlossen. Der Abschluß eines
derartigen Vertrages
fällt ausschließlich in die Hoheit der Gemeinde. In
dem vom Land geschlossenen Grundstückskaufvertrag dagegen konnten
nicht vorweg verbindlich Fragen geregelt werden, die erst in einem
späteren
Bauplanungs- und Baugenehmigungsverfahren zu prüfen
und unter Einschaltung von kommunalen Gremien zu entscheiden sind.
Insofern mußzwischen der Vergabeentscheidung einerseits und den
weiteren
bauplanungs- und baugenehmigungsrechtlichen Verfahren
andererseits unterschieden werden. Im einzelnen werden die Fragen
wie folgt beantwortet:
Mir liegt der Entwurf eines städtebaulichen Vertrages über die
Entwicklung der Ortsteile Heiligendamm und Vorder-Bollhagen der
Gemeinde Bad Doberan zwischen der
Stadt Bad Doberan und der FUNDUS Verwaltungen GmbH & Co. Immobilien
- Anlagen Objekt Südlohn KG vor. Die dazu bisher öffentlich
zugänglichen Informationen
haben bei möglicherweise betroffenen Bürgern zu Besorgnissen
geführt.
1. Ist der Verkauf erfolgt?
Wenn ja, wann erfolgt der Eigentumsübergang?
Der Verkauf ist erfolgt, Eigentumsübertragung erfolgt
mit Eintragung des Käufers ins Grundbuch, voraussichtlich im
Frühjahr 1997. Die Übertragung der Nutzung und damit verbunden der
Übergang von Rechten
und Pflichten auf den Käufer ist für den 1.1.1997
vorgesehen.
2. Bedeutet die Formulierung im o. a. Vertragsentwurf „... zu einem
exklusiven Erholungs- und Freizeitort zu entwickeln.“, daß andere
als exklusive Einrichtungen etc.
in Heiligendamm keinen Platz mehr haben?
a) Was wird aus den derzeitigen Mietern von Wohnungen und Pächtern
von Gewerbeflächen?
b) Ist der Betrieb der Reha-Klinik wie bisher für Kassenpatienten
gesichert?
Nach Aussage des Investors widerspräche es seiner
Firmenphilosophie, ausschließlich exklusive Einrichtungen
anzusiedeln. Hiermit ist vielmehr eine Abgrenzung zum
Massentourismus gemeint, da im Ortskern
Heiligendamms auch zukünftig nur eine begrenzte
Bettenanzahl angeboten werden kann.
Zu a)
Die derzeitigen Miet- zw. Pachtverträge sind
gekündigt worden, um im September 1997 mit den Sanierungsarbeiten
beginnen zu können. Es wird sichergestellt, daß 28 durch das Land
geförderte
Sozialneubauwohnungen auf dem „Kammerhof“-Gelände zur
Verfügung stehen. Der Investor hat bzw. wird mit allen gekündigten
Mietern Einzelgespräche führen, in Härtefällen werden in
Heiligendamm
selbst Ersatzwohnungen angeboten. Desweiteren soll
bei Umzugs- oder Maklerkosten geholfen werden. Dem überwiegenden
Teil der Pächter von Gewerbeflächen werden nach Renovierung wieder
Gewerbeflächen angeboten.
Zu b)
Ja. Nach Fertigstellung des ummittelbar an den
historischen Kern Heiligendamms angrenzenden Neubaus der
Median-Klinik, werden von dieser die derzeit genutzten
Räumlichkeiten in den historischen
Gebäuden freigezogen. Der Betrieb der Reha-Klinik ist
wie bisher für Krankenkassenpatienten und Patienten der
Landesversicherungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern gesichert.
3. Ist gesichert, daß der denkmalgeschützte Komplex Heiligendamm
erhalten bleibt?
a) Wie ist die Einschränkung zu verstehen, daß „im bisherigen
Ortskern einige wenige Neubauten geplant“ sind?
b) Ist hier der Bau eines Grand-Hotels geplant und die bauliche
Vernetzung anderer Gebäude vorgesehen?
Gerade um den denkmalgeschützten Komplex zu erhalten,
ist die Ausschreibung so durchgeführt worden, wie geschehen. In dem
zur Grundlage des Kaufvertrages erklärten Entwicklungskonzept
erklärt der
Investor, daß die Renovierung bzw. Sanierung aller
historischen Bestandsobjekte in enger Zusammenarbeit mit dem
Denkmalschutz durchgeführt werden wird. Das Landesamt für
Denkmalpflege ist in die
Planungen eingebunden worden und wird auch weiterhin
beteiligt sein. Somit ist gewährleistet, daß die Auflagen des
Denkmalschutzes bei der Sanierung des historischen Ortskernes
beachtet werden.
Zu a)
Eine verträgliche Erweiterung des Ensembles mit
Neubauten ist möglich und teilweise in der vorgesehenen
Flächennutzungsplanung bereits berücksichtigt. Insgesamt sind drei
Neubaufelder zur Ergänzung des
Hotelkomplexes vorgesehen. Diese sollen sich sowohl
den Baudenkmälern als auch der Gesamtlandschaft anpassen, das heißt
zum Beispiel nicht die anderen vorhandenen Gebäude überragen.
Zu b)
Ein Grandhotel ist geplant. Dieses wird jedoch nicht
in einem Neubau, sondern in zwei historischen Gebäuden errichtet
werden. Ebenso ist eine Vernetzung der anderen Gebäude vorgesehen.
Diese Vernetzung
wird nach Angaben des Investors jedoch lediglich
funktional, nicht aber baulich erfolgen. Dies bedeutet, daß
insbesondere keine Wandelgänge errichtet werden sollen, die den
freien Blick behindern würden.
4. Ist es richtig, daß der Investor (Käufer) die Sanierung der
Altbausubstanz davon abhängig macht, daß a) die planungsrechtlichen
Grundlagen für den Bau von
150 Strandvillen und eines Golfplatzes geschaffen werden und b) der
Bau einer Umgehungsstraße aus Landesmitteln sichergestellt ist?
Zu a)
Dies ist richtig. Allerdings handelt es sich nicht um
Strandvillen, sondern um Stadtvillen, d. h. die Gebäude sollen nicht
in Strandnähe, sondern am Rand des alten Ortskerns errichtet werden.
Diese Zusagen benötigt der Käufer, um den sehr hohen
Sanierungsaufwand zu finanzieren.
Zu b)
Der Investor hat den Bau einer Umgehungsstraße aus
Landesmitteln nicht ultimativ gefordert. Dieser Bau ist somit auch
nicht Voraussetzung für die Sanierung der Altbauten.
5. Ist es richtig, daß es in diesem Zusammenhang Überlegungen bzw.
Forderungen gibt, die Straße und den Radweg zwischen Börgerende und
Heiligendamm
für den öffentlichen Verkehr zu sperren?
Mit der allgemeinen Zunahme des Pkw-Verkehrs hat
insbesondere die Nutzung der Umgehungsstraße zwischen Börgerende und
Heiligendamm in der Vergangenheit durch Pkw drastisch zugenommen.
Hierbei ist es auch schon zu tödlichen
Verkehrsunfällen gekommen. Im Rahmen des ökologischen
Gesamtkonzeptes und insbesondere im Hinblick auf die Anerkennung
Heiligendamms als Seeheilbad,
soll tatsächlich die Straße für den Pkw-Verkehr
gesperrt werden. Der Radweg wird erhalten bleiben.
6. Gibt es verbindliche Aussagen oder vertragliche Vereinbarungen
über den Erhalt vorhandener und die Schaffung neuer Arbeitsplätze im
Rahmen der geplanten Investition?
Vertraglich fixiert ist die Schaffung von 250
Vollzeitarbeitsplätzen bis zum Jahr 1999.
(Quelle: Landtag MV - Dokumentenarchiv.
Klicken Sie hier für das PDF-Dokument aus dem Dokumentenarchiv.)
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Man kann erkennen, dass das Land viel Vertrauen in das
Konzept des Investors setzt. Der Investor indes stellt sein
Entwicklungskonzept nun auch öffentlich vor.
Zunächst aber werden die Gebäude in Heiligendamm geräumt.
Die Häuser der Perlenkette werden scheinbar Hals über Kopf verlassen.
Stühle und Büroklammern,
Karteikästen und sogar Dienstpläne liegen herum. Bleiben
durften das Schwanencafé und ein Geschäft in den Kolonnaden, der Imbiss
an der Promenade, die Eisbar
im Haus "Bischofstab" und die Mieter dieses Hauses und
des Residenz-Hotels. Ebenso verschont blieb das Café an der
Seedeichstraße und zunächst blieben auch die
Post und die Drogerie verschont. Nun waren also anno 1997
alle Gebäude geräumt und die Sanierung sollte losgehen. Aber es
passierte nichts. 1997 nicht und 1998 auch
nicht. Dornröschen wurde schlafen gelegt. Vom Prinzen
selbst. Das war wie gesagt anno 1997 und der Prinz war auch ein Anno,
nämlich Anno August Jagdfeld.
Und den schauen wir uns hier einmal genauer an:
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Zur
Person: Anno August Jagdfeld

Geboren wurde er am 30.12.1946 in Jülich, ging
zunächst auf eine Klosterschule, weil die Eltern keine Zeit für
seine Erziehung hatten,
machte Abitur und danach ein Studium in
Betriebswirtschaft und arbeitete nebenbei als Anlageberater. 1975
gründete er die Jagdfeld & Partner
Steuerberatungsgesellschaft und irgendwann kam ihm
die Idee, selbst Fonds zu erstellen. Darum gründete er 1981 die
Fundus-Immobiliengruppe
und nach dem Mauerfall zog er nach Berlin und baute
dort mit eben dieser Gruppe und seinen Fonds das legendäre Hotel "Adlon"
wieder auf.
Hier kam er dann auch mit der Kempinski AG in
Berührung, in der er einen starken Partner fand. Auch das Quartier
206 in der Friedrichstraße
wurde durch seine Fonds wiederaufgebaut. Jagdfeld hat
mit seiner Frau Anne Maria fünf Söhne zwischen 6 und 29 Jahren und
seine Frau ist
Innenarchitektin und Inhaberin der Firma AMJ Design.
Jagdfeld selbst begeistert sich für Klassik und Architektur, fährt
gern Rolls Royce und
betreibt in Vorder Bollhagen ein Gut, welches
Vorzeigemodell im ökologischen Landbau ist. Gesundheit ist ihm
wichtig und darum beschäftigt
er sich auch mit fernöstlichen Weisheiten, Medizin
und Yoga. Jagdfeld bekam 1999 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse
für seine Tätigkeit
als Initiator und Investor im
Wiedervereinigungsprozess vom damaligen Regierenden Bürgermeister
Berlins, Eberhard Diepgen, verliehen.
Jagdfeld lässt keine Gelegenheit aus, seine guten
Beziehungen zu Prinz Charles zu erwähnen.
Das ließ den Investor "wessi- und dünkelhaft" (Die
Zeit) erscheinen.
Jagdfeld ist Inhaber der Fundus-Gruppe und verfügt
damit auch über das Vermögen dieser. Alle Schlüsselpositionen sind
mit Angehörigen der eigenen Familie und
langjährigen Freunden besetzt und für die Planung
wird mit Vorliebe immer auf dieselben Planungsunternehmen
zurückgegriffen und um die Inneneinrichtungen kümmert
sich stets Anne Maria Jagdfeld persönlich mit ihrer
Firma AMJ Design. Die Fundus-Gruppe ist mit Gesellschaften und
Firmen so vernetzt, dass sie nicht als Gesamtes
ruiniert werden kann. Für jedes Projekt wird eine
Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht gegründet. In Heiligendamm
z.B. die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm.
Die Zeitungen beschreiben Jagdfeld als "Mann von Geld
und Geist" (Berliner MoPo), "Mr.Big aus Jülich" (Manager-Magazin)
aber wenn man bei Google seinen Namen
eingibt, erhält man als erstes eine Anzeige einer
Anwaltskanzlei, die geschädigte Kapitalanleger vertritt. Weitere
Suchergebnisse behandeln dann einen Jagdfeld in
Bedrängnis, Ermittlungen wegen Betrugsverdacht, einen
Fonds 29 vor dem Aus und sogar "Tricks - ganz üble Tricks" mit
Verweis auf jenes Manager-Magazin, das ihn
zuvor noch "Mr Big aus Jülich" titulierte.
Probieren Sie es aus! (Bildquelle: Fundus)
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Anno August Jagdfeld nun hatte Heiligendamm in der Tasche
und konnte nun anfangen, Geld einzusammeln. Das klingt befremdlich, ist
aber einfach zu erklären.
Jagdfeld hat einen Fonds eröffnet, der sich Fonds 34
nennt. Dieser Fonds wird mit dem Geld von Leuten gefüllt die bereit
sind, mindestens 25.000 EUR plus 5% Agio
einzuzahlen. Jagdfeld musste also den Leuten das Projekt
schmackhaft machen aber dazu musste er es natürlich erst einmal haben.
Der Kaufpreis wurde durch
Eigenmittel der Fundus-Gruppe aufgebracht und war mit 15
Mio. EUR auch nicht gerade hoch. Fundus musste insgesamt 255,116 Mio.
EUR aufbringen. 191,82 Mio. EUR
stand bereits an Emissionskapital zur Verfügung, 63,296
Mio. EUR flossen aus öffentlichen Geldern. 400 Mio. EUR sollten
langfristig investiert werden und davon musste
mindestens die Hälfte eingesammelt werden. Wer sich
beteiligt, wird Mitglied im Owners Club Heiligendamm und bekommt
Ermäßigungen bei der Übernachtung und beim
Golf. Hohe Rendite sind nicht zu erwarten aber der Fonds
ist ein Fonds für Liebhaber und Kenner, die einfach dabei sein wollen.
Über 2000 solcher Liebhaber und Kenner
konnte Jagdfeld sehr bald für sich gewinnen und so ging
es dann etwa vier Jahre nach dem Kauf und der Räumung der Häuser mit der
Sanierung los.
Zunächst wurde aber noch eine "EntwicklungsCompagnie
Heiligendamm" als 100%ige Tochter der Fundus-Gruppe gegründet. Bei einem
Scheitern des Projektes würde
diese Projektentwicklungsgesellschaft Konkurs anmelden,
ohne dass Fundus direkt davon betroffen wäre. Die Haftung der
Gesellschaft ist auf die Höhe der Einlagen
begrenzt. Jeder Anleger des Fonds 34 trägt das volle
Risiko in Höhe seiner Einlagen.
Die Häuser "Mecklenburg" und "Berlin" wurden entkernt,
die Burg wurde bis zu den historischen Elementen zurückgebaut und
originalgetreu wiederaufgebaut. Auch bei den
beiden entkernten Gebäuden hielt man sich an die alten
Bilder. Natürlich wurde von innen her alles so verändert, wie es für den
Hotelbetrieb nötig ist. Neben dem Haus
"Berlin" wurde ein neues Gebäude im gleichen Stil
errichtet, welches allerdings ein wenig größer als die anderen beiden
ist. Völlig unbeachtet blieben das Haus "Weimar"
und die Perlenkette aber auch die westlichen Cottages
mitten im Hotelgelände blieben unsaniert. Lediglich das Hotel "Residenz"
und das Haus "Bischofstab" erfuhren eine
Sanierung. Entkernt wurde auch die Orangerie, die nun
Maisonetten-Hotelwohnungen bekam und an der Straße einen Anbau mit
Luxus-Geschäften. Gegenüber verfiel
allerdings das Gebäude des einstigen Marstall und das
Fachwerkhaus.
Auch in der Infrastruktur tat sich einiges. Von der B105
aus wurde vor Bad Doberan aus Rostock kommend eine Abzweigung ausgebaut,
die auf einen Kreisel führt, der
links nach Bad Doberan, rechts nach Warnemünde und
geradeaus nach Heiligendamm führt. Diese Erschließung war schon länger
geplant und sollte einen geplanten
Ferienpark erschließen und eine Umgehung Bad Doberans
ermöglichen. An der Stelle, wo die Dammchaussee einen scharfen Knick
machte, wurde die Straße angebunden.
Der Investor forderte es zwar nicht ausdrücklich aber
sein Argument war nachvollziehbar, dass eine Umgehung für Heiligendamm
unabdingbar ist. Diese wurde hinter der
Rennbahn realisiert, indem man einen Kreisel baute. Dazu
waren zwei Bahnübergänge nötig.
Klartext: Ziele des Investors.
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Bleiben wir beim Masterplan und schauen uns an, was
der Investor
nun genau plant. Beginnen wir mit Alt-Heiligendamm,
also dem
Ensemble: Hier will der Investor auf einen "besonders
zukunfts-
trächtigen und profitablen Wachstumsmarkt setzen" und
zum
Beauty- und Wellness- Angebot des Hotels gezielt
medizinisch-
therapeutische Einrichtungen ansiedeln. Und zwar mit
einer
eigenen Projektgesellschaft mit medizinischer
Kernkompetenz
unter Leitung eines ärztlichen Direktors. (Quelle:
Fundus) |
Im Klartext: Der Investor bestimmt, wer sich
in Heiligendamm ansiedelt.
Als Eigentümer der Flächen ist die ECH in der Lage,
ganz gezielt unliebsame
Projekte auszuschließen und andere zu fördern und
damit jegliche Konkurrenz
zum eigenen Haus zu verhindern.
Hinzu kommt, dass eine eigene
Projektentwicklungsgesellschaft schon von
vornherein die Sahnestückchen besetzt, bevor
Fremdmieter das tun können.
Jagdfeld selbst würde gern sehen, dass auch die
MEDIAN-Klinik sich
"auf die neue Klientel einstellt und weg kommt von
den Kassenpatienten". (Die
Zeit) |
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Weiterhin ist in Heiligendamm der Bau eines
Thalasso-Zentrums
zwischen Seedeichstraße und Residenz-Hotel geplant.
Das Gebäude soll im römischen Stil errichtet werden
und ein
beheizbares Meerwasser-Außenbecken und innen ein
lichtdurchflutetes Meerwasser-Erlebnisbad, ein
Therapiebecken
mit Parcour und ein Kinderbecken beinhalten. Hinter
den Villen
"Seeadler" und "Eikboom" parallel zur
Seedeichstraße soll ein
Ayurveda-Zentrum "in einer ruhigen Waldlichtung"
entstehen.
Dieses umfasst eine großzügige Lobby mit Rezeption,
zehn speziell ausgestattete Abyanga-, Pizhichil und
Swedana-Anwendungs- und Behandlungsräume mit eigenen Aufenthalts-
und Sanitärräumen, Ärzte-, Behandlungs -, Seminar-,
Meditations-
und Yogaräume, Gastsuiten und Warteräume, sowie ein
Ayurveda-
Restaurant mit Küche und Lehrküche, Ölküche,
Laboratorium,
Verwaltungs-, Sanitär- und Lagerräume und zu guter
Letzt
Verkaufsräume für ayurvedische Produkte und
Substanzen
und eine plastische Chirurgie, die laut Zeichnung in
einem Neubau
unterkommt und laut Entwicklungskonzept in den Villen
"Sporn"
und "Seeadler" (Sporn = Eikboom) |
Im Klartext: Der Parkplatz an der
Promenade kommt weg und auf ihm entsteht ein römischer
Tempel ähnlich dem, was Hitler 1932 als
Eliteschule auf der anderen Seite des Ensembles plante
Ähnlichkeit zum Ensemble selbst wird nur
die weiße Farbe herstellen. Das gerade nach 1990
gebaute Toilettenhäuschen mit
Wickelraum, sowie der Imbiss samt Biergarten und die Wasserwacht
dürften damit im Wege stehen und
abgerissen werden. Das Ayurveda-Zentrum wird in eine Lichtung
gebaut, die es gar nicht gibt. Das
heißt, es müssen uralte Buchen gefällt werden. Hinzu kommt, dass
dieses Zentrum einen Zugang benötigt und
zum Hotelgelände gehören muss. Zwecks Zugang müssten
also entweder die gerade fertig
gestellten Parkplätze an der Seedeichstraße wieder abgetragen werden
oder es müsste eine neue Straße neben
dem Café am Golfteich gebaut werden. Dieses aber dürfte
kaum zu integrieren sein und da das
Ayurveda-Zentrum sicherlich nicht außerhalb des Hotelgeländes
liegen soll, ist eine Sperrung der
gerade neu gebauten Seedeichstraße eigentlich unumgänglich,
wenn man nicht gerade mit Überführungen
arbeiten möchte.
Rein konzeptionell sind die beiden
Gebäude sinnvoll, da sie das Angebot des Hotels erweitern und
tatsächlich nützliche Dienstleistungen
anbieten und dem Problem des Hotels, dass sich aus dem
unbeständigen Klima der Region ergibt
insofern entgegenwirkt, dass man auch an kühlen und regnerischen
Tagen und im Winter Wellness-Angebote mit Meerwasser nutzen kann.
Schwachpunkte
sind die designerischen Auswüchse, die
kolossalen Gebäudemaße und das fehlende infrastrukturelle
Konzept. Außerdem sollten die Planer mal
im Sommer bei Sonnenuntergang dort spazieren gehen,
wo sie das Ayurveda-Zentrum bauen
wollen. Dann wird ihnen einiges jucken. |
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Weiterhin steht im Masterplan zu lesen,
dass die Strandvillen auch
Gästen zu Verfügung gestellt werden und
dass auf 30.000 qm 100
Neubauwohnungen entstehen sollen, die
auf mehrere Gebäude
verteilt und zum Kauf angeboten werden.
Der Komplex nennt sich
"Demmler-Palais" und wird mit
klassizistischen Fassaden errichtet,
hinter denen sich 100-200 qm große
Wohnungen befinden. Stil und
Qualität sollen identisch mit dem Grand
Hotel sein und es sollen
Serviceleistungen aller Art angeboten
werden. "Die denkmal-
geschützten Logierhäuser am Ostseestrand
werden liebevoll
saniert werden. Jede der historischen
Villen Heiligendamms hat
ihren eigenen Namen. Die Kolonnaden
hinter der Häuserzeile am
Strand werden so authentisch wie möglich
restauriert. Eine neue
Straße entlastet schon jetzt die "Weiße
Stadt": lärmgeschützt,
weitgehend abgasfrei und damit noch
gesünder und grüner." |
Im Klartext: Die Perlenkette soll definitiv
mit eingebunden und saniert und sogar restauriert - also
originalgetreu wiederhergestellt - werden. Einziger
Haken: "Die denkmalgeschützten Logierhäuser"
sind seit 2006 nicht mehr denkmalgeschützt. Damit
könnte sich die Sanierung also erledigt haben.
Auch die Kolonnaden sollen wiederhergestellt werden.
Im Jahr 2007 liest sich das aber nun so, dass
sie abgerissen werden sollen. Andererseits aber auch
so, dass der Abriss nötig ist, um sie neu wieder
aufzubauen. Nur sind die Kolonnaden alles andere als
ein günstiges Bauwerk. Man kann ein Café oder
kleine Geschäfte einrichten aber beides macht auf
einem öffentlich nicht zugänglichen Gelände keinen
Sinn. Wohneigentum soll in Heiligendamm laut Jagdfeld
(Die Zeit) 7.500 EUR pro Quadratmeter kosten.
Da die Stadt zur Bedingung macht, dass nichts das
Ensemble überragen darf, gibt es keinen Seeblick
Bisher war von einem Park-Rondell die Rede. Damit ist
wohl eher ein runder Park als eine Fahrzeug-
unterstellmöglichkeit gemeint. Diese soll in Form
einer Tiefgarage daher kommen.
Es stellt sich die Frage, wie lange diese Häuser
direkt neben den Molli-Schienen überhaupt weiß
strahlen werden. Jene 30.000 qm mit den geplanten
Neubauwohnungen können wir uns hier gern
einmal genauer ansehen. Es handelt sich aber nur um
eine Empfehlung, nicht um einen Bauplan: |
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Kommen wir nun zu dem Teil von Heiligendamm, der
nicht zum Ensemble gehört.
Da hätten wir zum einen den Fürstenhof.
Dort war lange ein Altersheim untergebracht, das aber
nach dem Beitritt der DDR
zur BRD aufgelöst wurde. Baulich ist das Gebäude in
einem guten Zustand,
was der Tatsache geschuldet ist, dass es ein recht
junges Gebäude ist.
Dieser soll so umgebaut werden, dass 35 Hotelzimmer
und ein Konferenzzentrum
für 500 Teilnehmer Platz darin finden. Hinter dem
Fürstenhof sollen Tennisplätze
entstehen. Mit dem Fürstenhof schließt dann der
Masterplan für Heiligendamm. |
Im Klartext: Es geht um Betten -
viele Betten. Wo es nur geht, müssen Betten rein.
Und es geht um Reden. Reden vor vielen
Leuten. Der Fürstenhof muss herhalten zum
Reden und Schlafen. Aber als gestandenes
Altersheim kennt er das schon. Tennisplätze sollen auch gebaut
werden. Anno 2007 wurden allerdings genau dort
massive Parkplätze gebaut.
Die kommen sicherlich nicht wieder weg,
so wie die
Häuser gegenüber davor. Für die Fläche
findet sich im Masterplan übrigens nichts.
Es wurde darüber nachgedacht, die FaK
als Ayurveda-Zentrum zu nutzen aber das
fanden die Verantwortlichen dann doch
etwas ausladend und entschieden sich dann
für einen Neubau am Golfteich.
Waldfriede, Tabea und die FaK müssen
weichen aber wofür, ist nicht zu erfahren. |
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Letztes Entwicklungskonzept: Das Gut
Vorder Bollhagen.
Hier hat sich Anno August Jagdfeld
niedergelassen und betreibt besagten
ökologischen Musterhof. Dieser beliefert
die Hotelküche mit ökologischen
Produkten und soll soweit ausgebaut
werden, dass eine Eigenversorgung des
Hotels möglich ist. An das Gut soll ein
Pferdegestüt anschließen, in dem neben
Pferdezucht auch Reitsport,
Reitunterricht und Training angeboten werden.
Denkbar ist auch, die Pferde für die Kutschen hier
unterzubringen.
Die Gäste können die Pferde des Gestüts
nutzen und auch eigene Pferde
mitbringen. Daneben wiederum wird eine
international turnierfähige Golfanlage
angelegt und daneben ein Villenviertel
mit 500 Villen aus massiven Steinen,
die als Wohnungen und Zweitwohnsitze
dienen sollen und an einen Designer-
Tennisplatz mit integriertem See
grenzen. |
Im Klartext: Die Landwirte im
Umkreis nehmen nicht am Aufschwung des Ortes teil.
Das Hotel versorgt sich selbst und
Jagdfeld zeigt den Bauern, wo es langgeht.
Andererseits auch ein wichtiger
Kostenfaktor für das Hotel und wenn der Gast sich
dann auch noch vor Ort ansehen kann, was
er auf den Teller kriegt, gibt ihm das
sicherlich ein gutes Gefühl. Pferde
stehen hoch im Kurs bei der Klientel des Hotels
und in Bad Doberan sollte man sich auf
neue Schilder einstellen: "Pferde müssen
draußen bleiben". Die Idee, mit dem
eigenen Pferd in den Urlaub zu reisen, ist nicht
neu aber für unsere Region etwas
Besonderes. Vorbild für das Gestüt ist übrigens der
Landsitz von Prinz Charles, das "Highrove
House".
Schauen Sie mal hier.
Klar dürfte aber sein, dass auch
Villenviertel, Gestüt, Ökohof und Golfressort
von einem Zaun umgeben sein werden.
Und so ähnlich soll
das Heiligendamm der Zukunft aussehen:
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(Quelle: Robert A. M. Stern -
www.robertamstern.com)
Klartext: Bestandsaufnahme.
Bevor wir uns nun den Zielen der Bürger zuwenden, müssen
wir uns erst die Umsetzung der Ziele des Investors genauer ansehen.
Darum hier eine Zusammenfassung dessen, was umgesetzt
wurde und was noch nicht. Ungeachtet der Gründe und Kontroverse
und ungeachtet dessen, wer es bezahlt hat und wer den
Auftrag vergeben hat. Es geht um Heiligendamm und nicht um das Hotel:
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Was umgesetzt wurde.
Originalgetreue Wiederherstellung der Häuser
"Mecklenburg" und "Berlin", sowie des
Kurhauses, der "Burg Hohenzollern" und der Orangerie.
Sanierung des Bahnhofes,
der Häuser "Residenz-Hotel" und "Bischofstab". Bau
einer küstenschutztauglichen
Promenade mit Sandstrand, Übergängen und einer
ausfahrbaren Hochwasser-
Schutzmauer. Sanierung der Seedeichstraße, der
Jemnitz-Schleuse und Anlegung
eines Kanalisationssystems. Bau einer Umgehungsstraße
um Bad Doberan und
Heiligendamm. Sanierung der bestehenden Straße nach
und durch Heiligendamm,
samt Herstellung eines Fußweges, sowie von
Parkplätzen und Bushaltestellen.
Bau eines Kids Club und des "Severin-Palais" und
eines Öko-Hofes. |
Was (noch) nicht umgesetzt wurde.
Sanierung der westlichen Cottages und der
Perlenkette, sowie der Kolonnaden,
der Häuser "Eikboom (Sporn)", "Seeadler" und der
Villen in der Gartenstraße
bzw. Erhaltung der Bausubstanz dieser. Angebot an
gekündigte Mieter für
neue Flächen. Bau eines Thalasso-Zentrums, eines
Ayurveda-Zentrums,
der Plastischen Chirurgie, eines Appartementkomplexes,
eines Villenviertels,
eines Golfplatzes, sowie mehrerer Tennisplätze und
Umfunktionierung des
Fürstenhofes. Einrichtung eines Stichweges vom
Bahnhof zur Seebrücke
(sh. Kontroverse) |
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Was nicht geplant war aber umgesetzt wurde oder
umgesetzt werden soll.
Schließung des Küstenwanderweges durch den Küstenwald
und Umverlegung. Teileinziehung und letztlich vollständige
Einziehung der Prof.-Vogel-Straße. Vernichtung des
Parkplatzes am Golfteich und Bau eines kleineren
Parkplatzes. Einführung der Kurtaxe und Aufstellung von
Parkscheinautomaten auf dem Parkplatz an der Seedeichstraße
und bis hin zum Kinderstrand. Einrichtung eines
kostenpflichtigen Parkplatzes neben der Seehospiz. Umzäunung des
Geländes mit einem Zaun in Hüfthöhe (es war von
Kniehöhe die Rede). Aufstellung von selbstkreierten
Schildern und Besucherlenkung durch Zäune und Wegweiser. Bau einer
nicht-behindertengerechten Brücke über das
Packwerk unterhalb des Alexandrinencottage.
Umgestaltung des Seebrückenplatzes und Teileinziehungen an diesem.
Abriss der Villa "Perle", gefolgt von "Hirsch", "Möwe"
und "Schwan". Abriss der Villen "Waldfriede", "Tabea"
und der FaK. Umzäunung des Hotelgeländes mit Aussicht auf Umzäunung
des Ortes. |
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und
wegen verwirrender Planungen auch keinen auf Richtigkeit.
Bisher ist es jedenfalls Fakt, dass der "Prinz" Jagdfeld
nur vier Häuser gerettet hat: "Mecklenburg", "Berlin", "Hohenzollern"
und das Kurhaus. Dazu dann vielleicht noch
die Orangerie, wenngleich die ja nicht mehr
ganz dem Original entspricht.
Klartext: Ziele der Bürger.
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Sanierung des gesamten Ensembles und
Erhalt mindestens der letzten Form,
vorzugsweise aber Restaurierung zur
Ursprungsform. Erhaltung der öffentlichen
Wege durch den Küstenwald vorbei am
Alexandrinencottage und ein Stichweg
vom Bahnhof zur Promenade als Ausgleich
für die durch die Bürger nicht gewollte
Schließung des Weges am Kurhaus.
Erhaltung der Prof.-Vogel-Straße für die
Öffentlichkeit und der Verbindung von
dort zum Seebrückenplatz, zur Promenade
und zur Kühlungsborner Straße.
Kurtaxenfreie Nutzung auch für Nicht-Einheimische.
Erhaltung des Baumbestandes und der
Waldwege, Erhaltung eines öffentlichen
Strandes mit Wasserwacht und einfacher
Gastronomie, sowie Ermöglichung der
Ansiedlung von einfachem Gewerbe.
Weiterhin bezahlbare Mieten und Pachtzinsen
für bestehende Immobilien und weitere
ungestörte Freizügigkeit als Anlieger.
Erhaltung des Grundwasserspiegels und
damit des Baumbestandes der Steilküste.
Erhaltung des Prädikates "Seeheilbad"
und der MEDIAN-Klinik für Kassenpatienten.
Zügiger Beginn und Abschluss der nötigen
und bereits zugesagten Bauarbeiten.
Finanzielle Sicherheit und finanzieller
Erfolg des Projektes auf lange Sicht und unter
der Voraussetzung, dass die Exklusivität
nicht in Isolation ausartet und eine Frei-
zügigkeit zwischen Promenade und
Bahnhof, sowie Kinderstrand und Seedeich-
straße weiterhin gewährt ist und der
Findling und die Kolonnaden weiterhin öffentlich
zugängig sind. Einzäunung nur an den
vereinbarten Stellen und mit vereinbarten
Mitteln. Freier Blick auf das Ensemble
von allen Seiten aus ohne Belästigung durch
den Sicherheitsdienst. Einbeziehung in
die Planungen und offen zugängliche
verbindliche Pläne, sowie verbindliche
schriftliche Aussagen der ECH und der
Stadtverwaltung. Vertretung der
Bürgerinteressen durch die Abgeordneten. Einhaltung des
Grundlagenvertrages. Eine tolerante und entspannte Atmosphäre
und kurzum
ein für jedermann erlebbares
Heiligendamm. |
Im Klartext: Die Bürger - meist
Einheimische - wollen ohne Umwege von Nord nach
Süd und von Ost nach West und auf
demselben Weg wieder zurück kommen und
dabei direkte Verbindungen zwischen
Strand und Bahnhof und Seedeichstraße und
Kinderstrand haben. Sie wollen ihre
Fahrräder benutzen können, ohne an Zäunen oder
im Seesand zu enden. Es geht um die
Erhaltung des Ensembles und die Umsetzung
der vielen Versprechen. Es geht nicht um
das Hotel aber den Bürgern ist klar, dass
der Erfolg des Hotels über die
Investitionen bestimmt. Darum wollen sie eine sichere
Finanzierung, klare Konzepte und
bürgernahe Konzepte sehen. Sie wollen das
Ensemble wenigstens von außen erleben
und es von allen Seiten aus der Nähe
betrachten können. Sie wollen uralte
Bäume und eine einmalige Küstenformation
erhalten und diese auch erleben können,
so wie sie das ganze Ensemble erleben
können wollen. Sie wollen nicht länger
Moder und Verfall sehen, sondern eine zügige
Sanierung und Ausgestaltung und sie
wollen nicht erpresst, sondern eingebunden
werden. Die Bürger wollen nicht für
Dinge bezahlen müssen, die bisher kostenlos
waren, wie das Betreten der Promenade
oder die Benutzung einiger Parkplätze.
Aber es gibt auch die
Gewohnheitsrechtler, die mitten durch das Gelände laufen und
am Liebsten noch fahren möchten und die
auch nicht akzeptieren würden, wenn der
Küstenwanderweg auch nur 20 Meter um das
Cottage herum gelegt werden würde.
Es gibt jene, die um jeden Baum kämpfen
würden, den die ECH fällen lässt und sich
hingegen nicht bei Bäumen aufregen
würden, die Einheimische fällen lassen. Allen
gemein ist aber der Wille, dass in
Heiligendamm endlich wieder Ruhe einkehrt.
Die restlichen Interessen(ten) behandeln
wir im folgenden Abschnitt. |
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Kontoverse
Hier geht es nun
um die Kontroverse zwischen Bürgern, Verwaltungen und dem Investor.
Es geht um Aussagen, Meinungen und Medienberichte.
Dabei geht es
auch um Klarstellungen. Nicht alles was gesagt wurde, ist logisch
nachvollziehbar, einiges ist widersprüchlich, einiges sind Gerüchte
und wieder
anderes sind Lügen. Es geht hier nicht darum, den einen oder den
anderen zu stärken oder zu schwächen, sondern Klarheit und Wahrheit
in die Sache zu
bringen. Auch hier noch einmal der Hinweis, dass die aufgeführten
Aussagen nicht meine Meinung widerspiegeln, ich mich von ihnen
distanziere und
ich auch nicht für die Richtigkeit hafte. Es handelt sich nur um ein
Angebot für eine Art Mediation.
Bürger: Die ECH hat Heiligendamm
aufgekauft und darf nun machen, was sie dort will.
Die ECH hat Heiligendamm
fast vollständig aufgekauft aber sie ist Grundstückseigentümer, wie jeder
Inhaber eines Hauses in Heiligendamm auch.
Die Stadt Bad Doberan
verfügt über gewisse kommunale Rechte. So zum Beispiel das Wegerecht, das
Forstrecht und massive Mitbestimmungsrechte.
Als Grundstückseigentümer
darf die ECH weder ohne Genehmigung einen Baum fällen, noch ein Loch über
einen Meter Tiefe graben, noch die ihr anvertrauten
Häuser ohne Genehmigung
umbauen, etwas anbauen oder entfernen oder verändern und sie darf auch keine
Zäune aufstellen und muss sich selbst bei Hecken
über einen Meter Höhe mit
den zuständigen Behörden der Stadt oder des Landes abstimmen. Die ECH hat
eigenmächtig Zäune aufgestellt, wie z.B. an der
Kühlungsborner Straße,
wurde dann aber auch vom Ordnungsamt ermahnt, diese zu entfernen. Alle in
Heiligendamm vorhandenen Zäune können laut Gesetz
nur mit einer Genehmigung
aufgestellt worden sein. Wenn also der Zugang zum Küstenwald versperrt ist,
liegt für den Zaun eine Genehmigung vor und wenn das
nicht der Fall ist, hat
die Stadt Bad Doberan kein Interesse an einem frei zugänglichen Küstenwald
und lässt den Investor gewähren. Was genau davon der Fall
ist, kann Ihnen
sicherlich die Stadtverwaltung selbst erläutern.
Investor: Es handelt sich um ein
Ressort-Hotel, welches nur gut läuft, wenn der Massentourismus aus dem Ort
verbannt wird.
Richtig ist, dass das
Grand Hotel ein Ressort-Hotel ist und dies von Anfang an so gesagt wurde.
Versäumt wurde lediglich, den Einheimischen zu erklären, was genau
ein Ressort-Hotel ist.
Darum schauen wir uns einmal das Ressort-Prinzip genauer an. Ressorts sind
tatsächlich in sich abgeschlossene Komplexe, die alle möglichen
Sport- und
Freizeiteinrichtungen und je nach Ausrichtung jegliche Wellness- und
SPA-Angebote oder auch Business-Angebote innerhalb des Ressorts anbieten.
Ein solches Ressort ist
optimal, wenn der Gast eincheckt und im Ressort alles vorfindet, was sein
Herz begehrt und bis zum Auschecken das Ressort nicht verlassen
muss. Solche Ressorts
sind i.d.R. Neubauten und werden vorzugsweise in arabischen Ländern mitten
in die Wüste oder an den Strand oder auf eine Insel gesetzt.
Auch die USA, Südamerika
und Südostasien, sowie auf die pazifischen Inseln sind sehr begehrte
Bauplätze für Ressorts. Die Ressorts werden mit Vorliebe in
strukturschwachen
Regionen mit einem Überangebot an billigen Arbeitskräften errichtet. Eine
Besonderheit ist hier der geringe Widerstand in der Bevölkerung, sofern
es überhaupt
demokratische Grundlagen gibt, die eine Einmischung der Bevölkerung
ermöglichen und eine weitere Besonderheit sind die oft sehr willigen
Kommunen,
die in Anbetracht der zu
erwartenden Investitionen einiges erlauben, das anderswo nicht möglich ist.
Diese Ressorts sind in den betreffenden Ländern sehr erfolgreich.
In Deutschland gibt es
erst wenige Ressort-Hotels und die in Heiligendamm geplante Anlage ist die
erste ihrer Art. Ein Manko ist aber, dass hier kein Neubau möglich
und vorgesehen war,
sondern die Nutzung eines Ensembles, welches in den letzten 50 Jahren frei
zugänglich war und medizinischen Zwecken zur Verfügung stand
und somit theoretisch für
jedermann nutzbar war. Es war nur eine Einweisung nötig. Die Gastronomie
hingegen war in das Ensemble integriert und für jeden nutzbar.
Ein reines Ressort findet
keinen Anklang bei den Bürgern und stößt eher noch auf Widerstand. Der
Investor hätte dies vor dem Kauf überprüfen müssen.
Anders wäre es vielleicht
auf der Halbinsel Wustrow gewesen, die auch der ECH gehört. Die Halbinsel
liegt am Ende von Rerik und war in den letzten acht Jahrzehnten
der Öffentlichkeit nicht
zugänglich. Natürlich würde es auch hier Gegner geben aber zumindest weniger
Argumente. Andererseits existiert auch ein Video, in dem die
Bürger ihre Argumente
gegen die touristische Nutzung im von der ECH geplanten Umfang hervor
bringen. Aber der Investor könnte den strukturierten, also nicht
naturgeschützten Teil
einebnen und mit Neubauten versehen. Das wäre die Alternative zur
Nichtnutzung. Ebenso ressortfähig wäre das ehemalige KdF-Bad in Prora
auf Rügen. Viel Wald, ein
langer Sandstrand und eine Ecke für sich wären auch hier möglich. Es gab
immer wieder Bestrebungen, Prora zu retten aber tragfähige
Konzepte gab es nicht.
Man könnte sagen, es sei alles versucht worden und man dürfte froh sein,
wenn sich nun eine Lösung fände. Auch wenn diese aus einem
Abriss und Neubau
bestünde. Genug Platz ist vorhanden.
Richtig ist, dass ein
Ressort-Hotel in Heiligendamm nur vernünftig läuft, wenn alles aus dem Ort
verbannt wird, was nicht an der Rezeption eincheckt. Dazu gehören nicht
nur die Touristen,
sondern auch die Einheimischen. Nur steht dieses entgegen den Zielen der
Bürger. Das Ressort-Konzept ist in Reinform in Heiligendamm schlicht und
einfach nicht umsetzbar,
weil es am Widerstand der Bürger scheitert. Es ist aber in einer
abgeänderten Form umsetzungsfähig, wenn man den Tagesgast und die Bürger
des Landkreises zumindest
soweit Zugeständnisse macht, dass sie die Promenade nebst Seebrücke und
Strand nutzen können, auf einem direkten Weg zum Bahnhof
gelangen und in Westen
nicht in einer Sackgasse landen. Außerdem ist es sinnvoll, das Wellness- und
SPA-Angebot für die Öffentlichkeit zugänglich zu lassen.
Damit würde das Hotel
zwar nicht die angestrebte Exklusivität erlangen aber es würde endlich mehr
Einnahmen erzielen. Hier könnte man dann vom Massentourismus
eher noch profitieren.
Wenn der Massentourismus aus dem Ensemble verbannt werden soll, muss ihm
erst einmal östlich davon eine gleichwertige Alternative geboten
werden. Nirgendwo
zwischen Warnemünde und Kühlungsborn ist der Strand so beschaffen, wie in
Heiligendamm. Also mit einer Flachküste in einer strömungsarmen
süßwasserangereicher | |