Heiligendamm auf dem Weg zum Luxus-Ressort.

An dieser Stelle geht es nun um die Ereignisse in Heiligendamm seit 1991. Wir sehen uns folgende Dinge genauer an:

Verkauf des Ensembles.   Der neue Eigentümer.   Ziele des Investors.   Ziele der Bürger.   Bestandsaufnahme   Kontroverse

 

Dornröschen und der Prinz. Wie ein Mann vier Häuser rettet.

 

Es stellte sich sehr bald heraus, dass die Ostseeklinik der Konkurrenz nicht gewachsen war.

Die technischen Einrichtungen waren nicht auf dem neuesten Stand und die Inneneinrichtung bestand aus Ein- und Umbauten und

Provisorien. Die Nebenleitungen im Sanitärbereich waren allesamt über Putz gelegt worden und zogen sich durch die Zimmer und Bäder.

Auch die Heizungsrohre wurden nicht in die Wände eingemauert und nicht einmal verkleidet. Die Toiletten waren alt, die gefliesten Wände

inzwischen wellig und die Brüstungen an den Treppen waren aus Holz und schon zerkratzt und abgegriffen. Die Zimmer hatten alte schwere

Eichenholztüren, die teilweise Plastik-Türgriffe aus der DDR-Massenproduktionen aufwiesen. Bis auf den gerade erneuerten Küchentrakt

konnte die Klinik den Anforderungen im sanitären Bereich nicht gerecht werden.

 

Damit war die Klinik nicht in der Lage, sich bundesweit zu etablieren und verlor enorm an Auslastung.

Musste man bisher viele Patienten in Privathaushalten unterbringen, gab es nun freie Kapazitäten in der Klinik.

 

 Im Jahre 1991 beschloss das Land Mecklenburg-Vorpommern stellvertretend für den Bund als Eigentümer des Ensembles, dieses schnell

zu veräußern. In Frage kamen ein Verkauf Haus um Haus oder der Verkauf des ganzen Ensembles. Man favorisierte die zweite Variante und

war bereit, den Kaufpreis niedrig anzusetzen, wenn der neue Eigentümer das Ensemble denkmalgerecht sanierte und pflegte.

 

Aus fünfzehn Bewerbungen suchte sich das Land vier aus und am 10.10.1991 schlug die Finanzministerin eine Übertragung des Ensembles

von der Ostseeklinik GmbH an die Dr.-Marx-Gruppe vor. Dieser Investor beabsichtigte den Neubau einer modernen Kurklinik und war bereit,

gegen eine kostenlose Baufläche dafür das Ensemble zu übernehmen und zu erhalten.

 

Das Land seinerseits war bereit, auf einen Kaufpreis und Mieteinnahmen zu verzichten, wenn der Investor das Ensemble denkmalgerecht

und unter den Augen von drei Aufsichtspersonen sanierte und zukünftig pflegte. Soweit war alles klar aber der Investor wollte den Neubau

an einer bewaldeten Stelle vornehmen, was Einheimische in Form einer Bürgerinitiative auf den Plan rief.

 

Sie schlug einen alternativen Standort vor, den der Investor aber ablehnte. Der Investor zog sich zurück und der Verkauf scheiterte.

Dennoch kam der Investor fünf Jahre später wieder und errichtete seine Kurklinik an einem anderen als dem geplanten Ort.

Das Gebäude ist weiß aber damit endet auch schon die Ähnlichkeit zum Rest des Ensembles.

Dennoch konnte die MEDIAN-Klinik ohne größere Einwände errichtet werden und 1997 eröffnen und läuft seitdem auch sehr erfolgreich.

 

Doch dem Ensemble war damit nicht geholfen.

Das Land prüfte auch die anderen Angebote, war aber auf eine medizinische Nutzung fixiert.

Als die Treuhand-Gesellschaft letztlich keinen Verkauf zu Stande brachte, zog man 1992 das Angebot eines Kölner Investors in

Betracht, der unaufgefordert ein fertiges Konzept vorlegte, das eine Nutzung als exklusives Hotel nebst originalgetreuer Wiederherstellung

des gesamten Ensembles und dem Ausbau von Heiligendamm vorsah. Es wurden 400 Mio. DM Investitionen und langfristig 800 Mio. DM

an Folgeinvestitionen und über 300 Arbeitsplätze in Aussicht gestellt.

 

Die Finanzministerin verwies in einem Schreiben vom 10.10.1991 auf dieses Konzept, bemerkte dabei aber, dass der Investor sich den

Mitbewerbern stellen müsse und man sich nicht auf ihn festlegen solle, um den Kaufpreis nicht zu drücken. Inzwischen war man willens,

Geld für das Ensemble zu nehmen.

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Heiligendam  Damm Hdamm

 

 

LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 1/836  1. Wahlperiode 10.10.1991

ANTRAG der Finanzministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Information des Landtages über bevorstehende Entscheidungen zum SeebadHeiligendamm

 

1.2.3. Gesamtvergabe

Wenn die Liegenschaften in einer Hand bleiben, eröffnet sich die einmalige Chance für ein Gesamtkonzept. Die Einmaligkeit der Situation ist dadurch gekennzeichnet,

daß - nahezu der gesamte Grundstücksbestand sich in Landeseigentum befindet, - der überwiegende Teil der Gebäude zur gleichen Zeit geräumt zur Verfügung steht.

 

Diese einmalige Situation fordert geradezu eine Gesamtnutzungskonzeption für das Ostseebad. Dies könnte durch einen Planungsauftrag - auf Kosten des Landes -

geschehen. Besser wäre dagegen, wenn das Land unter konkurrierenden Konzepten auswählen bzw. bei ähnlichen Konzeptionen unter den Bewerbern eine Auswahl treffen

kann. Es spricht daher alles dafür, eine öffentliche Ausschreibung vorzunehmen und dadurch potente Investoren zur Konzeptentwicklung und -verwirklichung einzuladen.

 

Zwar liegt dem Land ein solches Gesamtkonzept von einer Anbietergruppe bereits vor, die ohne Aufforderung daran gearbeitet und dem Land vorgeschlagen hat.

Als Einzelvorschlag erscheint dieses Konzept durchaus plausibel und in hohem Maße attraktiv, ganz abgesehen von den Investitionen in Höhe von rund 400 Mio. DM.

Dennoch ist das Finanzministerium der Auffassung, daß sich dieses Konzept der Konkurrenz weiterer Ideen und Anbieter stellen sollte um eine optimale Lösung zu finden,

die auch den fiskalischen Landesinteressen gerecht wird. Die Bindung an einen Anbieter drückt erfahrungsgemäß den Kaufpreis. Außerdem haben eine Reihe anderer

potenter Investoren Interesse bekundet. Durch die ihnen nicht verborgen gebliebene Vorarbeit der vorgenannten Gruppe haben sie den Eindruck, die Vergabe der

Grundstücke erfolgte unter "Ausschluß der Öffentlichkeit". Es ist deshalb zu befürchten, daß später in der Öffentlichkeit und im Parlament das Auswahlverfahren

bemängelt wird. Um die Akzeptanz und Transparenz dieser Entscheidung zu erhöhen, sollte die Auswahl ein Gremium treffen, an dem u. a. Regierungsmitglieder,

Vertreter des Parlamentes, des Landkreises und der Gemeinde sowie der Bereiche Denkmalschutz, Naturschutz, Touristik und Medizin beteiligt sind.

Wegen der Bedeutung des zukünftigen Grundstücksverkaufes und der weichenstellenden Vorentscheidungen soll das Parlament hiermit frühzeitig

informiert und um zustimmende Kenntnisnahme gebeten werden.

 

 

Die Verhandlungen mit dem Investor liefen im rechtlichen Rahmen mit der nötigen Diskretion ab, sodass am 08.10.1996 der PDS-Abgeordnete Götz Kreuzer erst einmal

eine Kleine Anfrage stellte um zu erfahren, ob der Verkauf denn nun gelungen sei. Die Finanzministerin bejahte dies in ihrer Antwort vom 09.10.1996. Der Verkauf sei zum

01.01.1997 vollzogen und im Frühjahr 1997 würde der neue Eigentümer durch die Eintragung ins Grundbuch die Rechte und Pflichten übernehmen.

Die Kleine Anfrage ist sehr aufschlussreich:

 

 

LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 2/1965      2. Wahlperiode 09.10.96

 

ANTWORT der Landesregierung auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Götz Kreuzer, Fraktion der PDS - Drucksache 2/1912 -  Verkauf von Heiligendamm

 

Vorbemerkung

Eigentümer des überwiegenden Teils von Heiligendamm ist der Bund, vertreten durch die Oberfinanzdirektion Rostock. Diese hat die bundeseigene Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) mit dem Verkauf

beauftragt. Um den Erhalt und den Zusammenhalt des einzigartigen Gesamtensembles von Heiligendamm zu sichern, hat das Land Mecklenburg-Vorpommern die TLG mit der Verwertung auch der

landeseigenen Liegenschaften in Heiligendamm betraut. Um sicherzustellen, daß bei der Vergabeentscheidung örtliche Belange berücksichtigt werden, sind durch die TLG auch Vertreter der Gemeinde und

des Landkreises in den Vergabeausschuß berufen worden. Der städtebauliche Entwicklungsvertrag wird zwischen der Stadt Bad Doberan und dem Investor abgeschlossen. Der Abschluß eines derartigen Vertrages

fällt ausschließlich in die Hoheit der Gemeinde. In dem vom Land geschlossenen Grundstückskaufvertrag dagegen konnten nicht vorweg verbindlich Fragen geregelt werden, die erst in einem späteren

Bauplanungs- und Baugenehmigungsverfahren zu prüfen und unter Einschaltung von kommunalen Gremien zu entscheiden sind. Insofern mußzwischen der Vergabeentscheidung einerseits und den weiteren

bauplanungs- und baugenehmigungsrechtlichen Verfahren andererseits unterschieden werden. Im einzelnen werden die Fragen wie folgt beantwortet:

 

Mir liegt der Entwurf eines städtebaulichen Vertrages über die Entwicklung der Ortsteile Heiligendamm und Vorder-Bollhagen der Gemeinde Bad Doberan zwischen der

Stadt Bad Doberan und der FUNDUS Verwaltungen GmbH & Co. Immobilien - Anlagen Objekt Südlohn KG vor. Die dazu bisher öffentlich zugänglichen Informationen

haben bei möglicherweise betroffenen Bürgern zu Besorgnissen geführt.

 

1. Ist der Verkauf erfolgt?

Wenn ja, wann erfolgt der Eigentumsübergang?

 

Der Verkauf ist erfolgt, Eigentumsübertragung erfolgt mit Eintragung des Käufers ins Grundbuch, voraussichtlich im Frühjahr 1997. Die Übertragung der Nutzung und damit verbunden der Übergang von Rechten

und Pflichten auf den Käufer ist für den 1.1.1997 vorgesehen.

 

2. Bedeutet die Formulierung im o. a. Vertragsentwurf „... zu einem exklusiven Erholungs- und Freizeitort zu entwickeln.“, daß andere als exklusive Einrichtungen etc.

in Heiligendamm keinen Platz mehr haben?

a) Was wird aus den derzeitigen Mietern von Wohnungen und Pächtern von Gewerbeflächen?

b) Ist der Betrieb der Reha-Klinik wie bisher für Kassenpatienten gesichert?

 

Nach Aussage des Investors widerspräche es seiner Firmenphilosophie, ausschließlich exklusive Einrichtungen anzusiedeln. Hiermit ist vielmehr eine Abgrenzung zum Massentourismus gemeint, da im Ortskern

Heiligendamms auch zukünftig nur eine begrenzte Bettenanzahl angeboten werden kann.

 

Zu a)

Die derzeitigen Miet- zw. Pachtverträge sind gekündigt worden, um im September 1997 mit den Sanierungsarbeiten beginnen zu können. Es wird sichergestellt, daß 28 durch das Land geförderte

Sozialneubauwohnungen auf dem „Kammerhof“-Gelände zur Verfügung stehen. Der Investor hat bzw. wird mit allen gekündigten Mietern Einzelgespräche führen, in Härtefällen werden in Heiligendamm

selbst Ersatzwohnungen angeboten. Desweiteren soll bei Umzugs- oder Maklerkosten geholfen werden. Dem überwiegenden Teil der Pächter von Gewerbeflächen werden nach Renovierung wieder

Gewerbeflächen angeboten.

 

Zu b)

Ja. Nach Fertigstellung des ummittelbar an den historischen Kern Heiligendamms angrenzenden Neubaus der Median-Klinik, werden von dieser die derzeit genutzten Räumlichkeiten in den historischen

Gebäuden freigezogen. Der Betrieb der Reha-Klinik ist wie bisher für Krankenkassenpatienten und Patienten der Landesversicherungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern gesichert.

 

3. Ist gesichert, daß der denkmalgeschützte Komplex Heiligendamm erhalten bleibt?

a) Wie ist die Einschränkung zu verstehen, daß „im bisherigen Ortskern einige wenige Neubauten geplant“ sind?

b) Ist hier der Bau eines Grand-Hotels geplant und die bauliche Vernetzung anderer Gebäude vorgesehen?

 

Gerade um den denkmalgeschützten Komplex zu erhalten, ist die Ausschreibung so durchgeführt worden, wie geschehen. In dem zur Grundlage des Kaufvertrages erklärten Entwicklungskonzept erklärt der

Investor, daß die Renovierung bzw. Sanierung aller historischen Bestandsobjekte in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz durchgeführt werden wird. Das Landesamt für Denkmalpflege ist in die

Planungen eingebunden worden und wird auch weiterhin beteiligt sein. Somit ist gewährleistet, daß die Auflagen des Denkmalschutzes bei der Sanierung des historischen Ortskernes beachtet werden.

 

Zu a)

Eine verträgliche Erweiterung des Ensembles mit Neubauten ist möglich und teilweise in der vorgesehenen Flächennutzungsplanung bereits berücksichtigt. Insgesamt sind drei Neubaufelder zur Ergänzung des

Hotelkomplexes vorgesehen. Diese sollen sich sowohl den Baudenkmälern als auch der Gesamtlandschaft anpassen, das heißt zum Beispiel nicht die anderen vorhandenen Gebäude überragen.

 

Zu b)

Ein Grandhotel ist geplant. Dieses wird jedoch nicht in einem Neubau, sondern in zwei historischen Gebäuden errichtet werden. Ebenso ist eine Vernetzung der anderen Gebäude vorgesehen. Diese Vernetzung

wird nach Angaben des Investors jedoch lediglich funktional, nicht aber baulich erfolgen. Dies bedeutet, daß insbesondere keine Wandelgänge errichtet werden sollen, die den freien Blick behindern würden.

 

4. Ist es richtig, daß der Investor (Käufer) die Sanierung der Altbausubstanz davon abhängig macht, daß a) die planungsrechtlichen Grundlagen für den Bau von

150 Strandvillen und eines Golfplatzes geschaffen werden und b) der Bau einer Umgehungsstraße aus Landesmitteln sichergestellt ist?

 

Zu a)

Dies ist richtig. Allerdings handelt es sich nicht um Strandvillen, sondern um Stadtvillen, d. h. die Gebäude sollen nicht in Strandnähe, sondern am Rand des alten Ortskerns errichtet werden.

Diese Zusagen benötigt der Käufer, um den sehr hohen Sanierungsaufwand zu finanzieren.

 

Zu b)

Der Investor hat den Bau einer Umgehungsstraße aus Landesmitteln nicht ultimativ gefordert. Dieser Bau ist somit auch nicht Voraussetzung für die Sanierung der Altbauten.

 

5. Ist es richtig, daß es in diesem Zusammenhang Überlegungen bzw. Forderungen gibt, die Straße und den Radweg zwischen Börgerende und Heiligendamm

für den öffentlichen Verkehr zu sperren?

 

Mit der allgemeinen Zunahme des Pkw-Verkehrs hat insbesondere die Nutzung der Umgehungsstraße zwischen Börgerende und Heiligendamm in der Vergangenheit durch Pkw drastisch zugenommen.

Hierbei ist es auch schon zu tödlichen Verkehrsunfällen gekommen. Im Rahmen des ökologischen Gesamtkonzeptes und insbesondere im Hinblick auf die Anerkennung Heiligendamms als Seeheilbad,

soll tatsächlich die Straße für den Pkw-Verkehr gesperrt werden. Der Radweg wird erhalten bleiben.

 

6. Gibt es verbindliche Aussagen oder vertragliche Vereinbarungen über den Erhalt vorhandener und die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Rahmen der geplanten Investition?

 

Vertraglich fixiert ist die Schaffung von 250 Vollzeitarbeitsplätzen bis zum Jahr 1999.

 

(Quelle: Landtag MV - Dokumentenarchiv. Klicken Sie hier für das PDF-Dokument aus dem Dokumentenarchiv.)

 

 

Man kann erkennen, dass das Land viel Vertrauen in das Konzept des Investors setzt. Der Investor indes stellt sein Entwicklungskonzept nun auch öffentlich vor.

Zunächst aber werden die Gebäude in Heiligendamm geräumt. Die Häuser der Perlenkette werden scheinbar Hals über Kopf verlassen. Stühle und Büroklammern,

Karteikästen und sogar Dienstpläne liegen herum. Bleiben durften das Schwanencafé und ein Geschäft in den Kolonnaden, der Imbiss an der Promenade, die Eisbar

im Haus "Bischofstab" und die Mieter dieses Hauses und des Residenz-Hotels. Ebenso verschont blieb das Café an der Seedeichstraße und zunächst blieben auch die

Post und die Drogerie verschont. Nun waren also anno 1997 alle Gebäude geräumt und die Sanierung sollte losgehen. Aber es passierte nichts. 1997 nicht und 1998 auch

nicht. Dornröschen wurde schlafen gelegt. Vom Prinzen selbst. Das war wie gesagt anno 1997 und der Prinz war auch ein Anno, nämlich Anno August Jagdfeld.

Und den schauen wir uns hier einmal genauer an:

 

 

Zur Person: Anno August Jagdfeld

Geboren wurde er am 30.12.1946 in Jülich, ging zunächst auf eine Klosterschule, weil die Eltern keine Zeit für seine Erziehung hatten,

machte Abitur und danach ein Studium in Betriebswirtschaft und arbeitete nebenbei als Anlageberater. 1975 gründete er die Jagdfeld & Partner

Steuerberatungsgesellschaft und irgendwann kam ihm die Idee, selbst Fonds zu erstellen. Darum gründete er 1981 die Fundus-Immobiliengruppe

und nach dem Mauerfall zog er nach Berlin und baute dort mit eben dieser Gruppe und seinen Fonds das legendäre Hotel "Adlon" wieder auf.

Hier kam er dann auch mit der Kempinski AG in Berührung, in der er einen starken Partner fand. Auch das Quartier 206 in der Friedrichstraße

wurde durch seine Fonds wiederaufgebaut. Jagdfeld hat mit seiner Frau Anne Maria fünf Söhne zwischen 6 und 29 Jahren und seine Frau ist

Innenarchitektin und Inhaberin der Firma AMJ Design. Jagdfeld selbst begeistert sich für Klassik und Architektur, fährt gern Rolls Royce und

betreibt in Vorder Bollhagen ein Gut, welches Vorzeigemodell im ökologischen Landbau ist. Gesundheit ist ihm wichtig und darum beschäftigt

er sich auch mit fernöstlichen Weisheiten, Medizin und Yoga. Jagdfeld bekam 1999 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse für seine Tätigkeit

als Initiator und Investor im Wiedervereinigungsprozess vom damaligen Regierenden Bürgermeister Berlins, Eberhard Diepgen, verliehen.

Jagdfeld lässt keine Gelegenheit aus, seine guten Beziehungen zu Prinz Charles zu erwähnen.

Das ließ den Investor "wessi- und dünkelhaft" (Die Zeit) erscheinen.

 

Jagdfeld ist Inhaber der Fundus-Gruppe und verfügt damit auch über das Vermögen dieser. Alle Schlüsselpositionen sind mit Angehörigen der eigenen Familie und

langjährigen Freunden besetzt und für die Planung wird mit Vorliebe immer auf dieselben Planungsunternehmen zurückgegriffen und um die Inneneinrichtungen kümmert

sich stets Anne Maria Jagdfeld persönlich mit ihrer Firma AMJ Design. Die Fundus-Gruppe ist mit Gesellschaften und Firmen so vernetzt, dass sie nicht als Gesamtes

ruiniert werden kann. Für jedes Projekt wird eine Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht gegründet. In Heiligendamm z.B. die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm.

 

Die Zeitungen beschreiben Jagdfeld als "Mann von Geld und Geist" (Berliner MoPo), "Mr.Big aus Jülich" (Manager-Magazin) aber wenn man bei Google seinen Namen

eingibt, erhält man als erstes eine Anzeige einer Anwaltskanzlei, die geschädigte Kapitalanleger vertritt. Weitere Suchergebnisse behandeln dann einen Jagdfeld in

Bedrängnis, Ermittlungen wegen Betrugsverdacht, einen Fonds 29 vor dem Aus und sogar "Tricks - ganz üble Tricks" mit Verweis auf jenes Manager-Magazin, das ihn

zuvor noch "Mr Big aus Jülich" titulierte. Probieren Sie es aus! (Bildquelle: Fundus)

 

 

Anno August Jagdfeld nun hatte Heiligendamm in der Tasche und konnte nun anfangen, Geld einzusammeln. Das klingt befremdlich, ist aber einfach zu erklären.

Jagdfeld hat einen Fonds eröffnet, der sich Fonds 34 nennt. Dieser Fonds wird mit dem Geld von Leuten gefüllt die bereit sind, mindestens 25.000 EUR plus 5% Agio

einzuzahlen. Jagdfeld musste also den Leuten das Projekt schmackhaft machen aber dazu musste er es natürlich erst einmal haben. Der Kaufpreis wurde durch

Eigenmittel der Fundus-Gruppe aufgebracht und war mit 15 Mio. EUR auch nicht gerade hoch. Fundus musste insgesamt 255,116 Mio. EUR aufbringen. 191,82 Mio. EUR

stand bereits an Emissionskapital zur Verfügung, 63,296 Mio. EUR flossen aus öffentlichen Geldern. 400 Mio. EUR sollten langfristig investiert werden und davon musste

mindestens die Hälfte eingesammelt werden. Wer sich beteiligt, wird Mitglied im Owners Club Heiligendamm und bekommt Ermäßigungen bei der Übernachtung und beim

Golf. Hohe Rendite sind nicht zu erwarten aber der Fonds ist ein Fonds für Liebhaber und Kenner, die einfach dabei sein wollen. Über 2000 solcher Liebhaber und Kenner

konnte Jagdfeld sehr bald für sich gewinnen und so ging es dann etwa vier Jahre nach dem Kauf und der Räumung der Häuser mit der Sanierung los.

Zunächst wurde aber noch eine "EntwicklungsCompagnie Heiligendamm" als 100%ige Tochter der Fundus-Gruppe gegründet. Bei einem Scheitern des Projektes würde

diese Projektentwicklungsgesellschaft Konkurs anmelden, ohne dass Fundus direkt davon betroffen wäre. Die Haftung der Gesellschaft ist auf die Höhe der Einlagen

begrenzt. Jeder Anleger des Fonds 34 trägt das volle Risiko in Höhe seiner Einlagen.

 

Die Häuser "Mecklenburg" und "Berlin" wurden entkernt, die Burg wurde bis zu den historischen Elementen zurückgebaut und originalgetreu wiederaufgebaut. Auch bei den

beiden entkernten Gebäuden hielt man sich an die alten Bilder. Natürlich wurde von innen her alles so verändert, wie es für den Hotelbetrieb nötig ist. Neben dem Haus

"Berlin" wurde ein neues Gebäude im gleichen Stil errichtet, welches allerdings ein wenig größer als die anderen beiden ist. Völlig unbeachtet blieben das Haus "Weimar"

und die Perlenkette aber auch die westlichen Cottages mitten im Hotelgelände blieben unsaniert. Lediglich das Hotel "Residenz" und das Haus "Bischofstab" erfuhren eine

Sanierung. Entkernt wurde auch die Orangerie, die nun Maisonetten-Hotelwohnungen bekam und an der Straße einen Anbau mit Luxus-Geschäften. Gegenüber verfiel

allerdings das Gebäude des einstigen Marstall und das Fachwerkhaus.

 

Auch in der Infrastruktur tat sich einiges. Von der B105 aus wurde vor Bad Doberan aus Rostock kommend eine Abzweigung ausgebaut, die auf einen Kreisel führt, der

links nach Bad Doberan, rechts nach Warnemünde und geradeaus nach Heiligendamm führt. Diese Erschließung war schon länger geplant und sollte einen geplanten

Ferienpark erschließen und eine Umgehung Bad Doberans ermöglichen. An der Stelle, wo die Dammchaussee einen scharfen Knick machte, wurde die Straße angebunden.

Der Investor forderte es zwar nicht ausdrücklich aber sein Argument war nachvollziehbar, dass eine Umgehung für Heiligendamm unabdingbar ist. Diese wurde hinter der

Rennbahn realisiert, indem man einen Kreisel baute. Dazu waren zwei Bahnübergänge nötig.

 

Klartext: Ziele des Investors.

Bleiben wir beim Masterplan und schauen uns an, was der Investor

nun genau plant. Beginnen wir mit Alt-Heiligendamm, also dem

Ensemble: Hier will der Investor auf einen "besonders  zukunfts-

trächtigen und profitablen Wachstumsmarkt setzen" und zum

Beauty- und Wellness- Angebot des Hotels gezielt medizinisch-

therapeutische Einrichtungen ansiedeln. Und zwar mit einer

eigenen Projektgesellschaft mit medizinischer Kernkompetenz

unter Leitung eines ärztlichen Direktors. (Quelle: Fundus)

Im Klartext: Der Investor bestimmt, wer sich in Heiligendamm ansiedelt.

Als Eigentümer der Flächen ist die ECH in der Lage, ganz gezielt unliebsame

Projekte auszuschließen und andere zu fördern und damit jegliche Konkurrenz

zum eigenen Haus zu verhindern.

Hinzu kommt, dass eine eigene Projektentwicklungsgesellschaft schon von

vornherein die Sahnestückchen besetzt, bevor Fremdmieter das tun können.

Jagdfeld selbst würde gern sehen, dass auch die MEDIAN-Klinik sich

"auf die neue Klientel einstellt und weg kommt von den Kassenpatienten". (Die Zeit)

Weiterhin ist in Heiligendamm der Bau eines Thalasso-Zentrums

zwischen Seedeichstraße und Residenz-Hotel geplant.

Das Gebäude soll im römischen Stil errichtet werden und ein

beheizbares Meerwasser-Außenbecken und innen ein

lichtdurchflutetes Meerwasser-Erlebnisbad, ein Therapiebecken

mit Parcour und ein Kinderbecken beinhalten. Hinter den Villen

 "Seeadler" und "Eikboom" parallel zur Seedeichstraße soll ein

Ayurveda-Zentrum "in einer ruhigen Waldlichtung" entstehen.

Dieses umfasst eine großzügige Lobby mit Rezeption,

zehn speziell ausgestattete Abyanga-, Pizhichil und Swedana-Anwendungs- und Behandlungsräume mit eigenen Aufenthalts-

und Sanitärräumen, Ärzte-, Behandlungs -, Seminar-, Meditations-

und Yogaräume, Gastsuiten und Warteräume, sowie ein Ayurveda-

Restaurant mit Küche und Lehrküche, Ölküche, Laboratorium,

Verwaltungs-, Sanitär- und Lagerräume und zu guter Letzt

Verkaufsräume für ayurvedische Produkte und Substanzen

und eine plastische Chirurgie, die laut Zeichnung in einem Neubau

unterkommt und laut Entwicklungskonzept in den Villen "Sporn"

und "Seeadler" (Sporn = Eikboom)

Im Klartext: Der Parkplatz an der Promenade kommt weg und auf ihm entsteht ein römischer

Tempel ähnlich dem, was Hitler 1932 als Eliteschule auf der anderen Seite des Ensembles plante

Ähnlichkeit zum Ensemble selbst wird nur die weiße Farbe herstellen. Das gerade nach 1990

gebaute Toilettenhäuschen mit Wickelraum, sowie der Imbiss samt Biergarten und die Wasserwacht

dürften damit im Wege stehen und abgerissen werden. Das Ayurveda-Zentrum wird in eine Lichtung

gebaut, die es gar nicht gibt. Das heißt, es müssen uralte Buchen gefällt werden. Hinzu kommt, dass

dieses Zentrum einen Zugang benötigt und zum Hotelgelände gehören muss. Zwecks Zugang müssten

also entweder die gerade fertig gestellten Parkplätze an der Seedeichstraße wieder abgetragen werden

oder es müsste eine neue Straße neben dem Café am Golfteich gebaut werden. Dieses aber dürfte

kaum zu integrieren sein und da das Ayurveda-Zentrum sicherlich nicht außerhalb des Hotelgeländes

liegen soll, ist eine Sperrung der gerade neu gebauten Seedeichstraße eigentlich unumgänglich,

wenn man nicht gerade mit Überführungen arbeiten möchte.

Rein konzeptionell sind die beiden Gebäude sinnvoll, da sie das Angebot des Hotels erweitern und

tatsächlich nützliche Dienstleistungen anbieten und dem Problem des Hotels, dass sich aus dem

unbeständigen Klima der Region ergibt insofern entgegenwirkt, dass man auch an kühlen und regnerischen Tagen und im Winter Wellness-Angebote mit Meerwasser nutzen kann. Schwachpunkte

sind die designerischen Auswüchse, die kolossalen Gebäudemaße und das fehlende infrastrukturelle

Konzept. Außerdem sollten die Planer mal im Sommer bei Sonnenuntergang dort spazieren gehen,

wo sie das Ayurveda-Zentrum bauen wollen. Dann wird ihnen einiges jucken.

Weiterhin steht im Masterplan zu lesen, dass die Strandvillen auch

Gästen zu Verfügung gestellt werden und dass auf 30.000 qm 100

Neubauwohnungen entstehen sollen, die auf mehrere Gebäude

verteilt und zum Kauf angeboten werden. Der Komplex nennt sich

"Demmler-Palais" und wird mit klassizistischen Fassaden errichtet,

hinter denen sich 100-200 qm große Wohnungen befinden. Stil und

Qualität sollen identisch mit dem Grand Hotel sein und es sollen

Serviceleistungen aller Art angeboten werden. "Die denkmal-

geschützten Logierhäuser am Ostseestrand werden liebevoll

saniert werden. Jede der historischen Villen Heiligendamms hat

ihren eigenen Namen. Die Kolonnaden hinter der Häuserzeile am

Strand werden so authentisch wie möglich restauriert. Eine neue

Straße entlastet schon jetzt die "Weiße Stadt": lärmgeschützt,

weitgehend abgasfrei und damit noch gesünder und grüner."

Im Klartext: Die Perlenkette soll definitiv mit eingebunden und saniert und sogar restauriert - also

originalgetreu wiederhergestellt - werden. Einziger Haken: "Die denkmalgeschützten Logierhäuser"

sind seit 2006 nicht mehr denkmalgeschützt. Damit könnte sich die Sanierung also erledigt haben.

Auch die Kolonnaden sollen wiederhergestellt werden. Im Jahr 2007 liest sich das aber nun so, dass

sie abgerissen werden sollen. Andererseits aber auch so, dass der Abriss nötig ist, um sie neu wieder

aufzubauen. Nur sind die Kolonnaden alles andere als ein günstiges Bauwerk. Man kann ein Café oder

kleine Geschäfte einrichten aber beides macht auf einem öffentlich nicht zugänglichen Gelände keinen

Sinn. Wohneigentum soll in Heiligendamm laut Jagdfeld (Die Zeit) 7.500 EUR pro Quadratmeter kosten.

Da die Stadt zur Bedingung macht, dass nichts das Ensemble überragen darf, gibt es keinen Seeblick

Bisher war von einem Park-Rondell die Rede. Damit ist wohl eher ein runder Park als eine  Fahrzeug-

unterstellmöglichkeit gemeint. Diese soll in Form einer Tiefgarage daher kommen.

Es stellt sich die Frage, wie lange diese Häuser direkt neben den Molli-Schienen überhaupt weiß

strahlen werden. Jene 30.000 qm mit den geplanten Neubauwohnungen können wir uns hier gern

einmal genauer ansehen. Es handelt sich aber nur um eine Empfehlung, nicht um einen Bauplan:

(Quelle: Robert A. M. Stern - www.robertamstern.com)  

 

Kommen wir nun zu dem Teil von Heiligendamm, der nicht zum Ensemble gehört.

 

Da hätten wir zum einen den Fürstenhof.

Dort war lange ein Altersheim untergebracht, das aber nach dem Beitritt der DDR

zur BRD aufgelöst wurde. Baulich ist das Gebäude in einem guten Zustand,

was der Tatsache geschuldet ist, dass es ein recht junges Gebäude ist.

Dieser soll so umgebaut werden, dass 35 Hotelzimmer und ein Konferenzzentrum

für 500 Teilnehmer Platz darin finden. Hinter dem Fürstenhof sollen Tennisplätze

entstehen. Mit dem Fürstenhof schließt dann der Masterplan für Heiligendamm.

Im Klartext: Es geht um Betten - viele Betten. Wo es nur geht, müssen Betten  rein.

Und es geht um Reden. Reden vor vielen Leuten. Der Fürstenhof muss herhalten zum

Reden und Schlafen. Aber als gestandenes Altersheim kennt er das schon. Tennisplätze sollen auch gebaut werden. Anno 2007 wurden allerdings genau dort

massive Parkplätze gebaut. Die kommen sicherlich nicht wieder weg, so wie die

Häuser gegenüber davor. Für die Fläche findet sich im Masterplan übrigens nichts.

Es wurde darüber nachgedacht, die FaK als Ayurveda-Zentrum zu nutzen aber das

fanden die Verantwortlichen dann doch etwas ausladend und entschieden sich dann

für einen Neubau am Golfteich.

Waldfriede, Tabea und die FaK müssen weichen aber wofür, ist nicht zu erfahren.

Letztes Entwicklungskonzept: Das Gut Vorder Bollhagen.

Hier hat sich Anno August Jagdfeld niedergelassen und betreibt besagten

ökologischen Musterhof. Dieser beliefert die Hotelküche mit ökologischen

Produkten und soll soweit ausgebaut werden, dass eine Eigenversorgung des

Hotels möglich ist. An das Gut soll ein Pferdegestüt anschließen, in dem neben

Pferdezucht auch Reitsport, Reitunterricht und Training angeboten werden.

Denkbar ist auch, die Pferde für die Kutschen hier unterzubringen.

Die Gäste können die Pferde des Gestüts nutzen und auch eigene Pferde

mitbringen. Daneben wiederum wird eine international turnierfähige Golfanlage

angelegt und daneben ein Villenviertel mit 500 Villen aus massiven Steinen,

die als Wohnungen und Zweitwohnsitze dienen sollen und an einen Designer-

Tennisplatz  mit integriertem See grenzen.

Im Klartext: Die Landwirte im Umkreis nehmen nicht am Aufschwung des Ortes teil.

Das Hotel versorgt sich selbst und Jagdfeld zeigt den Bauern, wo es langgeht.

Andererseits auch ein wichtiger Kostenfaktor für das Hotel und wenn der Gast sich

dann auch noch vor Ort ansehen kann, was er auf den Teller kriegt, gibt ihm das

sicherlich ein gutes Gefühl. Pferde stehen hoch im Kurs bei der Klientel des Hotels

und in Bad Doberan sollte man sich auf neue Schilder einstellen: "Pferde müssen

draußen bleiben". Die Idee, mit dem eigenen Pferd in den Urlaub zu reisen, ist nicht

neu aber für unsere Region etwas Besonderes. Vorbild für das Gestüt ist übrigens der

Landsitz von Prinz Charles, das "Highrove House". Schauen Sie mal hier.

Klar dürfte aber sein, dass auch Villenviertel, Gestüt, Ökohof und Golfressort

von einem Zaun umgeben sein werden.

Und so ähnlich soll das Heiligendamm der Zukunft aussehen:

(Quelle: Robert A. M. Stern - www.robertamstern.com)

 

Klartext: Bestandsaufnahme.

Bevor wir uns nun den Zielen der Bürger zuwenden, müssen wir uns erst die Umsetzung der Ziele des Investors genauer ansehen.

Darum hier eine Zusammenfassung dessen, was umgesetzt wurde und was noch nicht. Ungeachtet der Gründe und Kontroverse

und ungeachtet dessen, wer es bezahlt hat und wer den Auftrag vergeben hat. Es geht um Heiligendamm und nicht um das Hotel:

 

Was umgesetzt wurde.

Originalgetreue Wiederherstellung der Häuser "Mecklenburg" und "Berlin", sowie des

Kurhauses, der "Burg Hohenzollern" und der Orangerie. Sanierung des Bahnhofes,

der Häuser "Residenz-Hotel" und "Bischofstab". Bau einer küstenschutztauglichen

Promenade mit Sandstrand, Übergängen und einer ausfahrbaren Hochwasser-

Schutzmauer. Sanierung der Seedeichstraße, der Jemnitz-Schleuse und Anlegung

eines Kanalisationssystems. Bau einer Umgehungsstraße um Bad Doberan und

Heiligendamm. Sanierung der bestehenden Straße nach und durch Heiligendamm,

samt Herstellung eines Fußweges, sowie von Parkplätzen und Bushaltestellen.

Bau eines Kids Club und des "Severin-Palais" und eines Öko-Hofes.

Was (noch) nicht umgesetzt wurde.

Sanierung der westlichen Cottages und der Perlenkette, sowie der Kolonnaden,

der Häuser "Eikboom (Sporn)", "Seeadler" und der Villen in der Gartenstraße

bzw. Erhaltung der Bausubstanz dieser. Angebot an gekündigte Mieter für

neue Flächen. Bau eines Thalasso-Zentrums, eines Ayurveda-Zentrums,

der Plastischen Chirurgie, eines Appartementkomplexes, eines Villenviertels,

eines Golfplatzes, sowie mehrerer Tennisplätze und Umfunktionierung des

Fürstenhofes. Einrichtung eines Stichweges vom Bahnhof zur Seebrücke

(sh. Kontroverse)

Was nicht geplant war aber umgesetzt wurde oder umgesetzt werden soll.

Schließung des Küstenwanderweges durch den Küstenwald und Umverlegung. Teileinziehung und letztlich vollständige Einziehung der Prof.-Vogel-Straße. Vernichtung des

Parkplatzes am Golfteich und Bau eines kleineren Parkplatzes. Einführung der Kurtaxe und Aufstellung von Parkscheinautomaten auf dem Parkplatz an der Seedeichstraße

und bis hin zum Kinderstrand. Einrichtung eines kostenpflichtigen Parkplatzes neben der Seehospiz. Umzäunung des Geländes mit einem Zaun in Hüfthöhe (es war von

Kniehöhe die Rede). Aufstellung von selbstkreierten Schildern und Besucherlenkung durch Zäune und Wegweiser. Bau einer nicht-behindertengerechten Brücke über das

Packwerk unterhalb des Alexandrinencottage. Umgestaltung des Seebrückenplatzes und Teileinziehungen an diesem. Abriss der Villa "Perle", gefolgt von "Hirsch", "Möwe"

und "Schwan". Abriss der Villen "Waldfriede", "Tabea" und der FaK. Umzäunung des Hotelgeländes mit Aussicht auf Umzäunung des Ortes.

 

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wegen verwirrender Planungen auch keinen auf Richtigkeit.

Bisher ist es jedenfalls Fakt, dass der "Prinz" Jagdfeld nur vier Häuser gerettet hat: "Mecklenburg", "Berlin", "Hohenzollern" und das Kurhaus. Dazu dann vielleicht noch

die Orangerie, wenngleich die ja nicht mehr ganz dem Original entspricht.

 

Klartext: Ziele der Bürger.

Sanierung des gesamten Ensembles und Erhalt mindestens der letzten Form,

vorzugsweise aber Restaurierung zur Ursprungsform. Erhaltung der öffentlichen

Wege durch den Küstenwald vorbei am Alexandrinencottage und ein Stichweg

vom Bahnhof zur Promenade als Ausgleich für die durch die Bürger nicht gewollte

Schließung des Weges am Kurhaus. Erhaltung der Prof.-Vogel-Straße für die

Öffentlichkeit und der Verbindung von dort zum Seebrückenplatz, zur Promenade

und zur Kühlungsborner Straße. Kurtaxenfreie Nutzung auch für Nicht-Einheimische.

Erhaltung des Baumbestandes und der Waldwege, Erhaltung eines öffentlichen

Strandes mit Wasserwacht und einfacher Gastronomie, sowie Ermöglichung der

Ansiedlung von einfachem Gewerbe. Weiterhin bezahlbare Mieten und Pachtzinsen

für bestehende Immobilien und weitere ungestörte Freizügigkeit als Anlieger.

Erhaltung des Grundwasserspiegels und damit des Baumbestandes der Steilküste.

Erhaltung des Prädikates "Seeheilbad" und der MEDIAN-Klinik für Kassenpatienten.

Zügiger Beginn und Abschluss der nötigen und bereits zugesagten Bauarbeiten.

Finanzielle Sicherheit und finanzieller Erfolg des Projektes auf lange Sicht und unter

der Voraussetzung, dass die Exklusivität nicht in Isolation ausartet und eine Frei-

zügigkeit zwischen Promenade und Bahnhof, sowie Kinderstrand und Seedeich-

straße weiterhin gewährt ist und der Findling und die Kolonnaden weiterhin öffentlich

zugängig sind. Einzäunung nur an den vereinbarten Stellen und mit vereinbarten

Mitteln. Freier Blick auf das Ensemble von allen Seiten aus ohne Belästigung durch

den Sicherheitsdienst. Einbeziehung in die Planungen und offen zugängliche

verbindliche Pläne, sowie verbindliche schriftliche Aussagen der ECH und der

Stadtverwaltung. Vertretung der Bürgerinteressen durch die Abgeordneten. Einhaltung des Grundlagenvertrages. Eine tolerante und entspannte Atmosphäre  und kurzum

ein für jedermann erlebbares Heiligendamm.

Im Klartext: Die Bürger - meist Einheimische - wollen ohne Umwege von Nord nach

Süd und von Ost nach West und auf demselben Weg wieder zurück kommen und

dabei direkte Verbindungen zwischen Strand und Bahnhof und Seedeichstraße und

Kinderstrand haben. Sie wollen ihre Fahrräder benutzen können, ohne an Zäunen oder

im Seesand zu enden. Es geht um die Erhaltung des Ensembles und die Umsetzung

der vielen Versprechen. Es geht nicht um das Hotel aber den Bürgern ist klar, dass

der Erfolg des Hotels über die Investitionen bestimmt. Darum wollen sie eine sichere

Finanzierung, klare Konzepte und bürgernahe Konzepte sehen. Sie wollen das

Ensemble wenigstens von außen erleben und es von allen Seiten aus der Nähe

betrachten können. Sie wollen uralte Bäume und eine einmalige Küstenformation

erhalten und diese auch erleben können, so wie sie das ganze Ensemble erleben

können wollen. Sie wollen nicht länger Moder und Verfall sehen, sondern eine zügige

Sanierung und Ausgestaltung und sie wollen nicht erpresst, sondern eingebunden

werden. Die Bürger wollen nicht für Dinge bezahlen müssen, die bisher kostenlos

waren, wie das Betreten der Promenade oder die Benutzung einiger Parkplätze.

 

Aber es gibt auch die Gewohnheitsrechtler, die mitten durch das Gelände laufen und

am Liebsten noch fahren möchten und die auch nicht akzeptieren würden, wenn der

Küstenwanderweg auch nur 20 Meter um das Cottage herum gelegt werden würde.

Es gibt jene, die um jeden Baum kämpfen würden, den die ECH fällen lässt und sich

hingegen nicht bei Bäumen aufregen würden, die Einheimische fällen lassen. Allen

gemein ist aber der Wille, dass in Heiligendamm endlich wieder Ruhe einkehrt.

 

Die restlichen Interessen(ten) behandeln wir im folgenden Abschnitt.

Kontoverse

 

Hier geht es nun um die Kontroverse zwischen Bürgern, Verwaltungen und dem Investor. Es geht um Aussagen, Meinungen und Medienberichte.

Dabei geht es auch um Klarstellungen. Nicht alles was gesagt wurde, ist logisch nachvollziehbar, einiges ist widersprüchlich, einiges sind Gerüchte

und wieder anderes sind Lügen. Es geht hier nicht darum, den einen oder den anderen zu stärken oder zu schwächen, sondern Klarheit und Wahrheit

in die Sache zu bringen. Auch hier noch einmal der Hinweis, dass die aufgeführten Aussagen nicht meine Meinung widerspiegeln, ich mich von ihnen

distanziere und ich auch nicht für die Richtigkeit hafte. Es handelt sich nur um ein Angebot für eine Art Mediation.

 

 

Bürger: Die ECH hat Heiligendamm aufgekauft und darf nun machen, was sie dort will.

Die ECH hat Heiligendamm fast vollständig aufgekauft aber sie ist Grundstückseigentümer, wie jeder Inhaber eines Hauses in Heiligendamm auch.

Die Stadt Bad Doberan verfügt über gewisse kommunale Rechte. So zum Beispiel das Wegerecht, das Forstrecht und massive Mitbestimmungsrechte.

Als Grundstückseigentümer darf die ECH weder ohne Genehmigung einen Baum fällen, noch ein Loch über einen Meter Tiefe graben, noch die ihr anvertrauten

Häuser ohne Genehmigung umbauen, etwas anbauen oder entfernen oder verändern und sie darf auch keine Zäune aufstellen und muss sich selbst bei Hecken

über einen Meter Höhe mit den zuständigen Behörden der Stadt oder des Landes abstimmen. Die ECH hat eigenmächtig Zäune aufgestellt, wie z.B. an der

Kühlungsborner Straße, wurde dann aber auch vom Ordnungsamt ermahnt, diese zu entfernen. Alle in Heiligendamm vorhandenen Zäune können laut Gesetz

nur mit einer Genehmigung aufgestellt worden sein. Wenn also der Zugang zum Küstenwald versperrt ist, liegt für den Zaun eine Genehmigung vor und wenn das

nicht der Fall ist, hat die Stadt Bad Doberan kein Interesse an einem frei zugänglichen Küstenwald und lässt den Investor gewähren. Was genau davon der Fall

ist, kann Ihnen sicherlich die Stadtverwaltung selbst erläutern.

 

 

Investor: Es handelt sich um ein Ressort-Hotel, welches nur gut läuft, wenn der Massentourismus aus dem Ort verbannt wird.

Richtig ist, dass das Grand Hotel ein Ressort-Hotel ist und dies von Anfang an so gesagt wurde. Versäumt wurde lediglich, den Einheimischen zu erklären, was genau

ein Ressort-Hotel ist. Darum schauen wir uns einmal das Ressort-Prinzip genauer an. Ressorts sind tatsächlich in sich abgeschlossene Komplexe, die alle möglichen

Sport- und Freizeiteinrichtungen und je nach Ausrichtung jegliche Wellness- und SPA-Angebote oder auch Business-Angebote innerhalb des Ressorts anbieten.

Ein solches Ressort ist optimal, wenn der Gast eincheckt und im Ressort alles vorfindet, was sein Herz begehrt und bis zum Auschecken das Ressort nicht verlassen

muss. Solche Ressorts sind i.d.R. Neubauten und werden vorzugsweise in arabischen Ländern mitten in die Wüste oder an den Strand oder auf eine Insel gesetzt.

Auch die USA, Südamerika und Südostasien, sowie auf die pazifischen Inseln sind sehr begehrte Bauplätze für Ressorts. Die Ressorts werden mit Vorliebe in

strukturschwachen Regionen mit einem Überangebot an billigen Arbeitskräften errichtet. Eine Besonderheit ist hier der geringe Widerstand in der Bevölkerung, sofern

es überhaupt demokratische Grundlagen gibt, die eine Einmischung der Bevölkerung ermöglichen und eine weitere Besonderheit sind die oft sehr willigen Kommunen,

die in Anbetracht der zu erwartenden Investitionen einiges erlauben, das anderswo nicht möglich ist. Diese Ressorts sind in den betreffenden Ländern sehr erfolgreich.

 

In Deutschland gibt es erst wenige Ressort-Hotels und die in Heiligendamm geplante Anlage ist die erste ihrer Art. Ein Manko ist aber, dass hier kein Neubau möglich

und vorgesehen war, sondern die Nutzung eines Ensembles, welches in den letzten 50 Jahren frei zugänglich war und medizinischen Zwecken zur Verfügung stand

und somit theoretisch für jedermann nutzbar war. Es war nur eine Einweisung nötig. Die Gastronomie hingegen war in das Ensemble integriert und für jeden nutzbar.

Ein reines Ressort findet keinen Anklang bei den Bürgern und stößt eher noch auf Widerstand. Der Investor hätte dies vor dem Kauf überprüfen müssen.

 

Anders wäre es vielleicht auf der Halbinsel Wustrow gewesen, die auch der ECH gehört. Die Halbinsel liegt am Ende von Rerik und war in den letzten acht Jahrzehnten

der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Natürlich würde es auch hier Gegner geben aber zumindest weniger Argumente. Andererseits existiert auch ein Video, in dem die

Bürger ihre Argumente gegen die touristische Nutzung im von der ECH geplanten Umfang hervor bringen. Aber der Investor könnte den strukturierten, also nicht

naturgeschützten Teil einebnen und mit Neubauten versehen. Das wäre die Alternative zur Nichtnutzung. Ebenso ressortfähig wäre das ehemalige KdF-Bad in Prora

auf Rügen. Viel Wald, ein langer Sandstrand und eine Ecke für sich wären auch hier möglich. Es gab immer wieder Bestrebungen, Prora zu retten aber tragfähige

Konzepte gab es nicht. Man könnte sagen, es sei alles versucht worden und man dürfte froh sein, wenn sich nun eine Lösung fände. Auch wenn diese aus einem

Abriss und Neubau bestünde. Genug Platz ist vorhanden.

 

Richtig ist, dass ein Ressort-Hotel in Heiligendamm nur vernünftig läuft, wenn alles aus dem Ort verbannt wird, was nicht an der Rezeption eincheckt. Dazu gehören nicht

nur die Touristen, sondern auch die Einheimischen. Nur steht dieses entgegen den Zielen der Bürger. Das Ressort-Konzept ist in Reinform in Heiligendamm schlicht und

einfach nicht umsetzbar, weil es am Widerstand der Bürger scheitert. Es ist aber in einer abgeänderten Form umsetzungsfähig, wenn man den Tagesgast und die Bürger

des Landkreises zumindest soweit Zugeständnisse macht, dass sie die Promenade nebst Seebrücke und Strand nutzen können, auf einem direkten Weg zum Bahnhof

gelangen und in Westen nicht in einer Sackgasse landen. Außerdem ist es sinnvoll, das Wellness- und SPA-Angebot für die Öffentlichkeit zugänglich zu lassen.

Damit würde das Hotel zwar nicht die angestrebte Exklusivität erlangen aber es würde endlich mehr Einnahmen erzielen. Hier könnte man dann vom Massentourismus

eher noch profitieren. Wenn der Massentourismus aus dem Ensemble verbannt werden soll, muss ihm erst einmal östlich davon eine gleichwertige Alternative geboten

werden. Nirgendwo zwischen Warnemünde und Kühlungsborn ist der Strand so beschaffen, wie in Heiligendamm. Also mit einer Flachküste in einer strömungsarmen

süßwasserangereicher