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Und Bad Doberan?

 

Soziale Marktwirtschaft und ihre Schwierigkeiten.

 

Alles was im folgenden Kapitel dargestellt wird, ist nach der Angliederung der DDR an die BRD (Wiedervereinigung) geschehen.

Bad Doberan hatte wie jede andere Kommune mit dem Zusammenbruch ganzer Wirtschaftszweige zu kämpfen und wie jede Kommune

hatte auch Bad Doberan keine Ahnung, wie man so etwas anstellt. Bisher galt alles Kämpfen dem Sozialismus und nun war man auf sich

allein gestellt und keine Weisung von oben entledigte einem seiner Verantwortung. Bad Doberan war mitten im Aufschwung stecken geblieben, weil die Wende dazwischen kam. Die Investitionen waren gemacht, die Projekte angefangen und dann wurden die Konten eingefroren und mit einer neuen Währung, neuen Kompetenzen und neuem Bewilligungsverfahren wieder aufgetaut.

 

Sollte man nun das Angefangene zu Ende bringen oder sollte man es liegen lassen oder ließ es sich auch anders nutzen?

Was wird mit den Gebäuden und Grundstücken geschehen, die nach 1945 enteignet wurden? Werden die Alteigentümer wiederkommen?

Werden sie ihren Besitz pflegen oder werden sie wie Heuschrecken alles niederreißen und neue kapitalistische Prachtbauten errichten?

Was geschieht mit den Straßen und Plätzen - wird es auch in Zukunft Mittel für deren Pflege und Instandhaltung geben?

Wird es Mittel geben, mit denen die Stadt saniert werden kann, die Straßen neu gemacht, die Infrastruktur ausgebaut werden können?

Wie soll die Wirtschaft überleben, wenn ein Trabi 11.000 DM kostet und ein gebrauchter Opel nur 2.000 DM?

Was geschieht mit den vielen Menschen, die ihre Arbeit verlieren werden? Werden sie in den Westen auswandern?

Wird die Landwirtschaft weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor bleiben?

 

Was wird uns das neue Deutschland bringen und wie sehen wir in 10 Jahren aus?

Fragen einer mecklenburgischen Kleinstadt und tausender anderer Kommunen im Herbst 1990.

Bitte sehen Sie die folgenden Lob- und Kritikpunkte in diesem Kontext: Sie wussten nicht, was sie tun sollten.

 

Bad Doberan blieb zwar vom Chaos verschont aber man konnte beobachten, wie die kleine Stadt zunächst auch von Investitionen verschont blieb. Der Zustand der Straßen war wegen des oft morastigen Untergrundes mehr schlecht als recht und auch die Häuser waren teilweise sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Man kann sagen, dass alles, was nicht ausdrücklich als Denkmal deklariert war vor sich hin bröckelte. Nun darf man sich das nicht so vorstellen, wie 2008 in Heiligendamm, wo Dächer undicht und ganze Putzflächen abgefallen sind.

 

Der ganz normale Verfall in der DDR bestand darin, altes Mauerwerk immer wieder mit Putz auszubessern, auf Klinker, Stuck und Zierrat zu verzichten und Dächer mit Teerpappe, Blech oder Wellasbest zu flicken, wo immer es nötig war. Die Häuser waren meistens verputzt, machten aber einen bröckligen Eindruck, weil man selten den ganzen Putz abschlug und das Haus neu verputzte, sondern immer nur die Löcher verputzt hat. So wirkte das Haus fleckig. Auch die gelbe Farbe der Lessing-Schule und des Moorbades wirkte durch dieses Verfahren fleckig.

 

Man strich selten das ganze Haus, sondern immer da, wo die Farbe blätterte. Aufwändige Sanierungen waren mit den Mitteln und Materialien nicht drin. Nicht, weil es in der DDR keine hochwertigen Baumaterialien gegeben hätte, sondern weil man sie kaum bekam und ewig darauf warten musste. Die Verwaltungsgebäude wurden immer wieder geweißt und es wurden auch mal größere Putzarbeiten durchgeführt.

 

Sogar Sonderanfertigungen für die Fenster leistete man sich. Diese Häuser standen auch unter Denkmalschutz und der war der DDR in einigen Bereichen sehr wichtig, weil er prestigeträchtig war. Das Münster und die Gebäude der Kirche waren nicht so sehr Gegenstand der städtebaulichen Förderung. Man baute die abgebrannte Vitakost nicht mehr auf und man pflegte eher solche Häuser im Klosterhof, die man auch staatlich oder von der Stadt aus benutzte. Das Kornhaus zum Beispiel. Es war ein Pionierhaus. Und das Möckelhaus, weil es ein Museum war. Nun waren die Konten eingefroren und die Kompetenzen mussten neu definiert werden. Der Rat der Stadt wurde aufgelöst und die Stadtverwaltung trat an seine Stelle. Nicht unbedingt vollständig mit neuen Gesichtern aber mit neuen Kompetenzen und Weisungen.

 

Insgesamt hatte jeder einzelne Stadtvertreter nun in gleicher Position weniger Befugnisse und mehr Bürokratie. Auch der Rat des Kreises wurde aufgelöst und Bad Doberan bekam statt dessen einen Kreistag und ein Amt, deren Amtshauptstadt Bad Doberan ist, ohne selbst dem Amt anzugehören. Damit war die Stadt nun aber ziemlich direkt für eine Hand voll Gemeinden zuständig, mit denen die Mittel geteilt werden mussten. In den ersten Jahren versuchte man, nach dem Gießkannenprinzip hier und da etwas auszubessern. Dann besann man sich auf den Tourismus als Wirtschaftsfaktor und konzentrierte seine Investitionen in diesen Bereich.

 

So kam es dann, dass ein glänzender Molli durch eine trostlose Ernst-Thälmann-Straße dampfte und eine holprige Goethestraße passierte, während ein paar Meter weiter der Kamp wieder zu strahlen begann. Viele Villen wurden von ihren Bewohnern gekauft oder von den Besitzern übernommen, andere von Leuten aus dem Umland oder sogar aus dem Westen Deutschlands. Ein Teil wurde auch an die Alteigentümer zurück übergeben. Bad Doberan hatte das Glück, dass die Mehrheit der neuen Villenbesitzer viel Wert auf ihr Eigentum legten und die Villen äußerst liebevoll und historisch korrekt sanierten. Die Stadt selbst hätte das nie geschafft. Zu den Villen kommen wir später noch.

 

   

 

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