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Und Bad Doberan?

 

Die Kinderkrippen-Pleite

Kinder sind unsere Zukunft. Und unter Umständen auch die einiger Gebäude. Dieses hier zum Beispiel war bis kurz nach der Wende eine Kinderkrippe. Seit einigen Jahren nun steht dieses Haus mit den modernen Spielgeräten im Hinterhof leer. Die Fenster sind vernagelt, der Putz bröckelt und das Haus ist beschmiert. Es befindet sich direkt an der Straße nach Heiligendamm und Warnemünde, in Sichtweite des Salon und des Kamp und dort wo man vorbei geht, wenn man zum Möckelhaus und Münster oder ZOB will. Beste Lage also. Neben dem Haus befinden sich Wohnhäuser und die Schulen und gegenüber Wohnhäuser und Büros. Das Haus war sogar zweimal Motiv auf Postkarten der DDR. Inzwischen entstand gegenüber ein neues Bürohaus in einer Baulücke und dieses Haus hier verfällt.

 

Auf Postkarten verewigt: Der ehemalige Kindergarten.

So sieht es aus dieser Perspektive heute aus.

Die dem Stadtzentrum zugewandte Seite des Hauses.

Und so präsentiert sich das Haus vom Möckelhaus aus.

Auf dem Hof stehen noch die Spielgeräte.

Gegenüber entstand ein neues Bürogebäude.

 

 

Der Schul-Erfolg

Etwas mehr Glück hatten die Schulen. Weil es davon nicht so viele gibt. Viele Dörfer haben Kindergärten aber kaum ein Dorf hat eine Schule.

Und wenn, dann setzt die Stadt als Kreisstadt alles daran, sie zu schließen. Siehe Retschow. Der Grund ist einfach: Die beiden ehemaligen Oberschulen Bad Doberans haben nicht mehr genug Schüler. Von einst fast 1000 Schülern pro Schule sind nicht einmal die Hälfte übrig geblieben. Zuerst genügte es, die Kammerhofschule als Hauptschule zu schließen und die Schüler in der Innenstadt unterzubringen.

Dann musste das Gymnasium vergrößert werden, weil es plötzlich einen Run auf die Gymnasien gab.

 

Schließlich durften auch andere Schulformen praktizieren, sodass am Kammerhof die Schule wieder als Münsterschule eröffnete.

Auf dem Buchenberg gibt es auch noch eine Schule und im Bollhäger Weg steht noch eine Hilfsschule. Man konnte nicht die Städte des Kreises zwingen, ihre Schüler kilometerweit nach Bad Doberan zu schicken und die eigenen Schulen zu schließen und man konnte in Bad Doberan auch keine Gebäude unterhalten, die nur zur Hälfte genutzt werden. Also startete man einen Wettbewerb, der die Umgestaltung der Realschule "Am Kamp" zum Ziel hatte.

 

Die beiden Bauklötze mitten in der Stadt waren ohnehin nicht sehr schön anzusehen und die Realschule mit ihrem Haupt- und Grundschulteil fiel stets sofort ins Auge, da man sie schon vom Kopf des Kampes aus sieht. Ein Entwurf sah vor, das Gebäude auf die Höhe der anderen Häuser zu reduzieren und rechts ein Gebäude anzubauen. Glasreiche Fassaden und Wände in weiß und rot sollten das Gebäude zwar hervorheben aber nicht hervorstechen lassen. Mit vielen Verzögerungen läuft der Umbau nun seit vielen Monaten und sollte eigentlich längst fertig sein.

Darum gibt es im Moment nur ein Bild von der Baustelle. Dennoch wird der Umbau ein voller Erfolg, denn alles ist besser als ein Graubau.

 

 

Ursprünglich war dies die Bad Doberaner Volksschule für Stadt und Umland.

Sie hieß Lessing-Schule und stand am selben Ort, wie die Schulen heute,

Am 15. April 1974 wurde dieser Schulkomplex errichtet. Die linke der beiden Schulen

hieß Johannes-R.-Becher-Oberschule und die rechte Ernst-Schneller-Oberschule.

Aus der Johannes-R.-Becher-Oberschule wurde die Realschule Am Kamp

und diese wird seit 2007 umgebaut.

So soll der Schulkomplex aussehen, wenn er fertig ist.

Bis jetzt gab es viele Verzögerungen beim Umbau.

 

 

Kleine Namenskunde

Ihnen wird aufgefallen sein, dass in Bad Doberan immer wieder von der Lessing-Schule die Rede ist, diese aber ständig woanders zu stehen scheint. Das war selbst mir nie ganz einleuchtend und so bringe ich jetzt mal Licht ins Dunkel der Bad Doberaner Lessing-Schulen.

 

Also - Das war die allererste Lessing-Schule. Sie hieß erst in der DDR so.

Vorher war es einfach die Volksschule Bad Doberan.

Diese Schule stand da, wo sich heute der Schulkomplex befindet.

Außer dieser Schule gab es noch die Pestalozzi-Schule im Klosterhof

und eine Johannes-R.-Becher-Oberschule im ehemaligen Prinzenpalais.

Dort wurden die Unterstufe im Hofgebäude und die Oberstufe im eigentlichen

Palais unterrichtet.

 

 

Zwar hatte jede Oberschule auch eine Grundschule aber die reichten nicht mehr, nachdem auf den meisten Dörfern die

Dorfschulen aufgelöst worden waren. Die Dorfschulen unterrichteten bis zur 4. Klasse und dann ging es nach Bad Doberan.

Nun ging es bis auf wenige Ausnahmen immer nach Bad Doberan und da reichte die Lessingschule nicht mehr aus.

Also wurde in der Lessingstraße in einer Stadtvilla eine weitere Schule eingerichtet.

Auch diese hieß Lessing-Schule, nämlich "Große Lessingschule". Die am Kamp wurde zur Kleinen Lessingschule.

 Aus der Pestalozzi-Schule auf dem Klosterhof wurde nach dem Brand der Vitakost das Pionierhaus "Ehm Welk"

 

 

 1978 wurde dann die Kleine Lessingschule abgerissen und es entstand an ihrer Stelle ein Schulkomplex mit zwei Schulen und einer Sporthalle.

Die linke der beiden Schulen des Schulkomplexes wurde Johannes-R.-Becher-Oberschule genannt. So hieß aber bisher diese Schule:

Das alte Prinzenpalais am Ernst-Thälmann-Platz. Also nannte man diese Schule kurzerhand um. Nämlich zur Lessing-Oberschule.

Die Große Lessingschule in der Lessingstraße wurde nun zur Grundschule. Die Kleine Lessingschule gab es nicht mehr.

Nun wird man aber von alten Bad Doberanern oft hören, dass sie die Lessing-Oberschule "Große Lessingschule" nennen und die

Große Lessingschule in der Lessingstraße bei ihnen die "Kleine Lessingschule" ist. Das ist so aber nicht richtig.

 

Nachdem auch die letzten Dorfschulen, wie z.B. in Steffenshagen, aufgelöst wurden, stieg die Schülerzahl in den Schulklassen

der Oberschulen auf 30-35 Schüler an. Man hatte nun drei Klassenstufen (a, b und c) und diese kamen sich bald in die Quere, sodass keine festen Klassenräume mehr möglich waren, sondern die Schüler ständig die Räume wechseln mussten. Darum bekam der Kammerhof von vornherein seine eigene Schule. Eine weitere Schule - die Theodor-Körner-Oberschule - befand sich schon auf dem Buchenberg.

 

Mit der Wende kamen dann auch noch neue Schulfächer hinzu und da wurde es dann nötig, den Technikunterricht, den Informatikunterricht und den Hauswirtschaftsunterricht auszulagern. Informatik wurde in einem Raum im zweiten Geschoss der Lessing-Oberschule (Prinzenpalais) unterrichtet, Technik im Obergeschoss des Hauses auf dem Hinterhof und Hauswirtschaft im Erdgeschoss eben dieses Hauses. Die Schüler mussten dazu von den anderen Schulen hierher laufen. Aus der "Johannes-R.-Becher Oberschule" wurde die "Realschule Am Kamp mit Haupt- und Grundschulteil", aus der "Ernst-Schneller-Oberschule" das "Gymnasium Am Kamp", aus der Erweiterten Oberschule "Johann-Wolfgang-Goethe EOS" das Gymnasium "Friderico Franciceum", aus der "Theodor-Körner-Oberschule" die "Realschule am Buchenberg" und aus der namenlosen Schule am Kammerhof (Kammerhofschule genannt) wurde die "Hauptschule am Kammerhof". Die Lessing-Oberschule behielt ihren Schriftzug bis zum Schluss und stand in den Schulplänen als "Lessingschule" eingetragen.

 

Mit der Auflösung der Lessing-Oberschule und dem Umbau zum Hotel gibt es jetzt nur noch eine Lessingschule - in der Lessingstraße.

Nun wissen Sie, wie Bad Doberan zu seinen vielen Lessing-Schulen kam.

 

Nach der zweiten Schulreform ist aus der "Realschule Am Kamp und dem Gymnasium Am Kamp" nun die "Regionale Schule Am Kamp" geworden, aus der "Hauptschule Auf dem Kammerhof" die Ersatzschule "Münsterschule" und aus der "Realschule Am Buchenberg" die "Regionale Schule Buchenberg".  Die Lessingschule in der Lessingstraße ist Grundschule und hat ihren Namen behalten.

 

 

Lesen Sie hier weiter: Gute Häuser - Schlechte Häuser

 

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