|
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||
|
Navigation Bad Doberan: Mittelalter bis DDR | Sozialistische Ökonomie und ihre Spuren | Soziale Marktwirtschaft und ihre Schwierigkeiten | Das Kammerhof-Debakel und der Berge-Erfolg | Die ALDOBERAN-Misere und Perspektiven | Die DOBRA-Pleite und der Kaffeehaus-Erfolg | Die Amtshaus-Pleite und der Logierhaus-Erfolg | Die Rathaus-Pleite und der Erbprinz-Erfolg | Die Moorbad-Pleite und der Cityhotel-Erfolg | Die Kinderkrippen-Pleite und der Schul-Erfolg | Gute Häuser - Schlechte Häuser | Gute Straßen - Schlechte Straßen | Muss(te) das sein? | Positive Entscheidungen für Bad Doberan | Drohendes Unheil | Doberaner Besonderheiten und Nachwort |
Und Bad Doberan?
Wenn man über Heiligendamm redet, muss man auch über Bad Doberan reden. Nicht nur, weil Heiligendamm ein Stadtteil Bad Doberans ist, sondern auch, weil Heiligendamms Geschichte Bad Doberans Geschichte entspringt. Außerdem wird die Politik Heiligendamms in Bad Doberan gemacht. Das Rathaus bestimmt über Bad Doberan und Heiligendamm und alles Geschehen in Heiligendamm ist auch Sache der Stadtvertreter.
Darum setzen wir unsere Dokumentation dort fort, wo die Wurzeln Heiligendamms zu finden sind und hoffen so auf ein besseres Verständnis der Situation in Heiligendamm. Wir zeigen auf, wo die Parallelen zwischen der Situation in Heiligendamm und der in Bad Doberan liegen, wo genau dieselben Fehler gemacht wurden und wo es Erfolgsgeschichten gibt. Kommen Sie mit nach Bad Doberan!
Wo fangen wir am Besten an? Am Besten ganz vorn mit einem kurzen Abriss der Bad Doberaner Geschichte.
Angefangen hatte alles mit einem Bischof und seinem Gefolge, die aus dem weserbergländischen Amelungsborn nach Ostelbien kamen, um die Slawen zu missionieren. Einige von ihnen landeten dabei in der moorigen Endmoränenlandschaft zwischen Warnowtal und Ostseestrand.
In einer kleinen Lichtung in einem Tal mit starken Bachläufen ließ man sich nieder und da dieser Landstrich den Mönchen gefiel, bauten sie hier ein kleines Kloster. Auch ein Wirtschaftsgebäude und einige Nebenbauten gehörten dazu. Unter anderem auch eine Ziegelei, wo die Mönche ihre Backsteine produzierten. Auch eine Wassermühle soll dazu gehört haben. 1171 war die Kirche fertig und man konnte mit der Missionierung der Slawen beginnen. Die Slawen ließen sich auch missionieren, da selbst Stammesführer sich zum neuen Glauben bekannten.
1179 waren die Slawen dann nicht mehr so sehr von der Christianisierung angetan und zündeten die Kirche an. Die über 60 Mönche starben dabei und damit war ihre Mission erledigt. Etwa sieben Jahre später aber wollte sich ein Bischof nicht damit abfinden, das Land an der Ostsee nicht missioniert zu sehen und machte sich mit seinem Gefolge wieder auf den Weg in den Nordosten. Dort gelobte ihm Fürst Heinrich Borwin I, die durch seinen Stamm zerstörte Kirche dort neu zu errichten, wo er einen Hirsch erlegen würde. Man ging auf die Jagd in dichten Gehölz ganz in Ostseenähe und tatsächlich tauchte bald ein Hirsch auf. Dummerweise schoss Borwin seinen Hirsch mitten im Sumpf und hatte arge Zweifel an der Durchsetzbarkeit seines Versprechens. Und auch die Mönche wollten hier keineswegs bauen. Da soll ein Schwan aus dem Gebüsch geflogen sein, der da "dobre, dobre" rief. Auf slawisch hieß das "gut, gut" und da man sich auf slawischen Boden befand und der Schwan natürlich nur slawisch sprechen konnte und da Borwin slawisch verstand, wird der Schwan wohl gemeint haben, dass eben dieser sumpfige Ort ein guter Platz ist. Der Platz heißt auf slawisch "an" und so war man sich einig, dass dies ein "dobre an" - ein guter Platz - ist. Im Russischen steht auch heute noch das Wort "dobrui" für "gut".
Also wurde hier eine romanische Kirche erbaut. Nicht auf Eichenpfählen und schon gar nicht auf Eisenpfählen. Die Mär kommt von Möckel, der bei der Restaurierung zwei Eisenstangen fand und daraus folgerte, dass die Kirche auf Eisenstäben steht. Irgendwann kam man darauf, dass das Eisen hier erst sehr viel später zum Bauen genutzt wurde und machte Eichenpfähle draus. Zwischen 28 und 58 schwankt die Zahl, welche "auf jeden Fall" stimmt. Und fünf Meter tief sind sie in den Sumpf gerammt worden.
Wenigstens diese Zahl stimmt: Man grub 5 Meter tief und dort war das Moor zu Ende und man fand eine feste Sandschicht vor. Also hob man eine Baugrube aus, warf Felssteine hinein und füllte das Ganze mit einer kochenden Suppe aus Kalk, Salz und Mörtel aus, die zugleich das reichlich vorhandene Wasser in der Baugrube verdunsten ließ. Das Vorhandensein dieses "römischen Fundaments" wurde in zwei Probebohrungen nachgewiesen.
1177 wurde die "Villa Slavica Doberan" erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort würde etwas sicherer und schwerer einzunehmen sein. Eine Mauer und ein Wall sollten jedenfalls sicherstellen, dass so etwas nicht noch einmal passiert. 1232 wurde die romanische Klosterkirche eingeweiht. 1291 schlug ein Blitz in die romanische Klosterkirche ein und sie brannte aus. Die Mönche bedauerten dies gar nicht so sehr, denn sie wollten schon lange eine repräsentative Kathedrale errichten. Inzwischen war der romanische Stil nicht mehr modern, weil die Gotik Einzug gehalten hatte.
Die Mönche hatten ihre Pläne wohl schon in der Tasche und sagen den Blitzeinschlag als göttliche Baugenehmigung für ihr großes Unterfangen. Sie brachen Teile der alten Kirche ab und bauten auf den stabilen Resten (und wieder einem römischen Fundament) die neue Kathedrale auf. Über eine Million Backsteine zu je 8 kg Gewicht wurden gebaut und man schätzt, dass dazu insgesamt 30.000 Leute am Werk waren. Wo diese Leute herkamen, liegt heute noch im Dunkeln. Es gab gerade einmal 200 Mönche und etwa ebenso viele Slawen in der Region. Es wird spekuliert, dass die Mönche möglicherweise so eine Art Leibeigenschaft führten aber bestätigen konnte man dies bisher nicht.
Auf jeden Fall war das über 60 Meter hohe Bauwerk 1368 fertig und wurde eingeweiht. Es gab Chormönche und Arbeitsmönche, die getrennt schliefen, beteten und arbeiteten. Dazu gab es in der Kirche eine Trennwand. Das Münster benennt sich übrigens nach "Monastery", das nichts anderes als "Klosterkirche" bedeutet. Der Unterschied zwischen einem Kloster und einer Kirche ist seine Nutzung. Die Kirche ist ein Haus, in das man einkehrt um zu beten und das Kloster ist ein bewohntes Haus, in dem gebetet und gearbeitet wird. Solche Kloster gab es später auch in Rostock - am Bekanntesten ist das Kloster zum Heiligen Kreuz, welches Margarethe von Dänemark den Slawen zum Dank für ihre Rettung bei einem Schiffbruch in der Warnowmündung stiftete.
Mit der Kathedrale in Doberan entstand auch ein großer Klosterhof mit Töpferei, Weberei, Brauerei, Schmiede, Gastwirtschaft, Handwerkern und Köttern. Bis zur Reformation 1552 war die Kirche der wichtigste Wirtschaftsfaktor Doberans und auch für die etwa hundert bis zweihundert Bewohner und Siedler um den Klosterhof herum wichtigster Wirtschaftsfaktor. Man baute jedoch auch die Kapelle in Althof wieder auf. Oder besser: Man baute eine neue im gotischen Stil. Zum Domanium gehörten viele Siedlungen, wie Putecha, das heutige Hohenfelde, Domasitz, das heutige Ivendorf. Das heutige Walkenhagen war der Bauernhof des Klosters und der heutige Kammerhof war der Bauhof. Auf Wachstum war das Ganze nicht so sehr ausgelegt. Es sollte überschaubar sein.
Zunächst änderte sich daran auch wenig, als nach 1552 das Kloster samt seinen Besitz Eigentum des Herzogs wurden. Allerdings mussten einige Gebäude dran glauben, weil der Herzog Geld brauchte und die Backsteine einzeln verkaufte. Sie finden sich heute in den Schlössern von Schwerin und Güstrow wieder. Allerdings hatte der Herzog einen Bruder, dem die Kirche mehr bedeutete und so nahm er sie in seinen Besitz und konnte verhindern, dass auch die Kirche selbst dem Ausverkauf seines Bruders zum Opfer fallen.
Aber der Ort hatte es den Regenten angetan und sie waren gern hier und mochten diese freilich einmalige Kathedrale, die sich in ihrer Größe von den anderen Gotteshäusern des Umlandes abhob und ja auch die erste Kirche in ganz Mecklenburg war und die auch aus den ersten Ziegeln bestand, die hier überhaupt hergestellt worden sind. Alle anderen bauten mit Holz, Stroh und Lehm. Diese Kathedrale war so besonders, dass die Herzöge sie sich als Grablege auserkoren. Hier wollten sie nach dem Tode ihre Leibe begraben wissen.
Damit geht unsere Geschichte hier in die Heiligendamms über. Professor Vogel schlug das Baden in der See vor. Der Herzog Friedrich Franz I willigte ein und so entstanden dann das Amtshaus, das Logierhaus, das Palais, der Salon und ganz Heiligendamm. Severin prägte das Gesicht der aufstrebenden Gemeinde, baute das Stahlbad, die Pavillons, die Häuser am heutigen Alexandrinenplatz und beeinflusste das Aussehen der Häuser am Kamp und am Markt. Doberan bekam zunächst eine Dampfkalesche und dann den Molli, der nach Brunshaupten und Arendsee angebunden wurde. Auch eine Feuerwehr wurde bald benötigt, sodass ein Feuerwehrgebäude errichtet werden musste. Befestigte Straßen nach Rostock und Warnemünde und zum Heiligen Damm wurden angelegt, die Bahntrasse Rostock-Wismar wurde durch Doberan gezogen und Doberan bekam einen Bahnhof. Die Glashäger wurde gegründet und baute gleich neben dem neuen Bahnhof. In Walkenhagen kam eine Chemische Fabrik hinzu und im Süden Doberans ein Gaswerk.
Um die Jahrhundertwende wurde Doberan elektrifiziert, bekam Wasserleitungen und einen Wasserturm. Bald wurde aus der Siedlung um den Kamp eine Kleinstadt. Mit dem Markt entstanden auch die Baumstraße und die Kastanienstraße, später dann die Neue Reihe. Mit der Feuerwehr entstanden die Bergstraße, die Dr.-Leber-Straße und die Friedhofstraße, dann auch der Töpferberg, der Lettowsberg, der Bollhäger Weg, die Lindenstraße, der Maxim-Gorki-Platz und die vielen Straßen an dieser Stelle. Die Kleinstadt wuchs nach Norden durch die Dammchaussee, die Goethestraße und die Straßen, welche von der Goethestraße zur Feldstraße führen. Im Osten entstanden der Parkentiner Weg, der Althöfer Weg und die von der Rostocker Straße zur Klostermauer hinführenden Straßen. Die Stadt hatte ein Theater, welches später einem Gymnasium wich, hatte ein Kino, eine Post, später auch eine Sparkasse. Das alles waren imageträchtige Objekte. Wobei das Theater irgendwann aus Mangel an Bedarf abgerissen wurde und der Bau eines größeren Gymnasiums an seiner Stelle eher ein hilfloser Versuch war, Bad Doberan zu retten.
Heiligendamm war ein selbstständiger Ort, der teilweise sogar in Privatbesitz war. Anders als zu des Großherzogs Zeiten verdiente die Stadt nicht mehr an Heiligendamm und profitierte auch nicht mehr von den Gästen des Bades, da diese inzwischen vor Ort untergebracht werden konnten und nicht mehr in Doberan einkehren mussten. So ist es schon merkwürdig, dass Doberan zum Bad ernannt wurde, obwohl es gar keinen eigenen Seezugang hatte. Aber man interpretierte die Kurort-Funktion einfach als Bad-gerecht. Das Stahlbad reichte dazu allemal.
War Doberan zu Zeiten des Großherzogs ein angesehener Ort, an dem es in der Saison jeden Tag Musik, Tanz und Schauspiel gab, Kampfeste, Kamp-Illuminationen, Feuerwerke, Feuerspiele am Buchenberg, Volksfeste und Rosenbälle, so wurde es nach dem Abdanken des Großherzogs ruhig in der Stadt. Bad Doberan konnte nur überleben, indem es attraktiv für Gewerbetreibende und Siedler wurde. Nur darum entstanden solche Wohngebiete wie der Parkentiner Weg.
Aber kaum hatte man den in Angriff genommen, kam es zur Inflation. Das Stahlbad ging an die Berliner Ortskrankenkasse und Heiligendamm ging an eine Aktiengesellschaft nach der anderen und war eigentlich pleite. Nur einem reichen jüdischen Baron war es zu verdanken, dass Heiligendamm weiterleben konnte.
Adolf Hitler wollte eine Eliteschule in Heiligendamm bauen und Ernst Heinkel ließ direkt am Bahnhof Mehrfamilienhäuser für die Arbeiter der Rostocker Heinkel-Werke bauen. So entstand dann das Wohngebiet am Althöfer Weg. Auch aus dieser Zeit sind viele backsteinfarbene Einfamilienhäuser und etwas später folgte dann ein neuer Stil und es entstanden sehr viele Eigenheime mit Putzfassaden. Die Eigenheime hatten alle Parzellen, in denen die Siedler sich selbst mit Obst und Gemüse, sowie Kartoffeln und Rüben versorgen sollten. Der bevorstehende Totale Krieg würde seinen Tribut zollen und da sollte die Bevölkerung gut gerüstet sein, wenn der Markt zusammenbricht.
Den Krieg überstand Bad Doberan Dank einer Hand voll mutiger Bad Doberaner, die die Stadt kampflos an die Sowjetarmee übergaben. Die Reparationen betrafen in erster Linie Heiligendamm und die herzoglichen Gebäude Bad Doberans. Ansonsten kam die Stadt mit einem blauen Auge davon. Die Bombardements konzentrierten sich auf Rostock, das 1942 in Schutt und Asche versank. Nur eine Bombe verirrte sich in den Gespensterwald und zerstörte die Scheiben in Heiligendamm.
Lesen Sie hier weiter: Sozialistische Ökonomie und ihre Spuren
|
| ||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||