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Und Bad Doberan?
Bad Doberaner Besonderheiten. Mecklenburg-Vorpommern ist das Land der tausend Seen, Rostock die Stadt der sieben Türme und Neubrandenburg die Stadt der vier Tore. Bad Doberan hebt seine Ms hervor: Molli, Münster, Moorbad und Meer. Insgeheim aber ist Bad Doberan eine Stadt der Feinschmecker im Bereich der Backwaren. Glauben Sie nicht? Kommen Sie mal mit: Da hätten wir im Stadtzentrum Bäcker Kleinow. Alteingesessen ist er und er hat auch noch eine Filiale auf dem Kammerhof. Macht zwei Bäcker. Gegenüber von Kleinow befindet sich das Mollicafé der Stadtbäckerei Junge. In der Severinstraße sitzt dann Nordback (der zum Lila-Bäcker wird) und gleich um die Ecke beim NETTO noch einmal Nordback. Sind schon fünf. In der Mollistraße gibt es dann den alteingesessenen Bäcker Braun und gegenüber wieder eine Stadtbäckerei. Macht sieben. Für einige Monate hatte sich hier auch noch Backfactory versucht aber Selbstbedienung ist nicht der Doberaner Ding. Am Ende der Mollistraße findet sich dann Sparre mit dem Wiener Café. Schräg gegenüber am LIDL gibt es noch den Sternberger Bäcker und in der Baumstraße befindet sich die Bäckerei Felsky. Auch diese hat eine Filiale auf dem Kammerhof, bei PENNY, wobei auch PENNY selbst leckere Brötchen bäckt. Macht also ganze 11 Bäcker. Aber wir sind noch nicht fertig. Am Bahnhof war auch mal ein Bäcker, der aber aufgegeben hat. Dafür gibt es noch einen Stand der Stadtbäckerei im EDEKA im EKZ - Nummer 12 und einen Bäcker im Buchenberg-EKZ. Sind dann 13. Shell und Jet bieten auch frische Backwaren und belegte Brötchen an, also im Prinzip schon 15. Und ich bin mir sicher, dass ich trotzdem noch nicht alle Bäcker kenne und irgendwo noch einer sitzt, den ich nicht aufgezählt habe. Trotzdem: 15 Bäcker - das ist für so eine kleine Stadt enorm. Und läuft offenbar.
Ja und dann hätten wir da noch die Apotheken. Eine am Kamp, eine am Buchenberg, eine in der Dammchaussee und eine in der Stadtmitte. Gut verteilt. Heißt aber auch, dass auf je 7500 Einwohner eine Apotheke kommt. In Rostock müssen sich 9000 Einwohner eine Apotheke teilen. Und auch das läuft. Ebenso viele Kneipen, Cafés, Restaurants und Gaststätten. Hier macht es die Mischung. Italien ist mit einem Restaurant vertreten und Asien auch mit einem Restaurant, das aber auch Imbiss und Catering anbietet. Dieselbe Konstellation gibt es für die Türkei. Dann gibt es zwei mehr asiatische und einen mehr türkischen Imbiss in der Innenstadt und einen asiatischen und einen türkischen Imbiss auf dem Kammerhof und im EKZ. Im Eikboom und im Bildungszentrum gibt es öffentliche Kantinen und auf dem Busbahnhof wieder einen Imbiss. Der Rest sind dann deutsche Restaurants und Imbissbetriebe, Gaststätten, Kneipen, ein Steakhaus und ein Schnellrestaurant. Man darf das nun nicht mit Rostock vergleichen aber wenn man sich die nördlichen Stadtteile ansieht, haben dort viel mehr Einwohner (pro Quadratmeter) viel weniger Auswahl. Und schaut man sich andere 30.000-Einwohner-Städte an, sind auch die nicht immer so gut ausgestattet. Getoppt wird das alles nur von Kühlungsborn und darum betrachten wir mal die vielen Hotels, Zimmer und Pensionen Bad Doberans gar nicht erst als Besonderheit. Nur die vielen Villen sollte man vielleicht noch erwähnen. Andere Städte haben Villenviertel, Bad Doberan ist eine Villenstadt.
Und Bad Doberan liegt - zumindest offiziell namentlich - hinter den sieben Bergen. Im Süden haben wir da den Hasenberg und den Fuchsberg, im Osten den Buchenberg, im Westen den Lettowsberg und den Töpferberg, auf dem noch einmal der Tempelberg aufsitzt und im Norden befindet sich noch der Wolfsberg. Zur besseren Orientierung: Hasenberg und Fuchsberg liegen dort, wo auch die gleichnamigen Wohngebiete sich befinden und der Buchenberg umfasst das Wohngebiet und den Wald bis an die Klostermauer heran. Der Tempelberg ist der mit dem Wasserturm und der Lettowsberg führt auf seiner Scheide die Dr.-Leber-Straße und die Lindenstraße. Die alte Feuerwache steht auf diesem Berg. Hinführend sind die Straßen "Lettowsberg" und "Bergstraße". Der Töpferberg liegt etwas weiter westlich. Geht man in Richtung Friedhof, bemerkt man noch eine Steigerung. Diese ist der Töpferberg. Die gleichnamige Straße führt dort hin und im Prinzip kann man sagen, dass der ganze Friedhof auf dem Töpferberg liegt. Die Berge kennt man ja und findet sie auch an Hand der Straßennamen. Anders ist es beim Wolfsberg. Dieser befindet sich dort, wo die Polizei heute sitzt. Die halbe Dammchaussee und die Seestraße liegen auf dem Plateau des Wolfsberges. Eine Erinnerung an den Wolfsberg gibt es aber doch: Die Wolfsscheune direkt an der Mauer des Klosterhofes befindet sich dort, wo der Wolfsberg endete, bevor er von Straßen zerschnitten wurde. Das gibt der Scheune eine neue Bedeutung. Bisher ging man davon aus, dass es sich um einen Überlieferungsfehler handelt und in der Scheune Wolle gelagert wurde. Darum heißt sie auch "Wollscheune". Ich gehe viel mehr davon aus, dass man sie einfach nach dem Berg benannte, an deren Fuß sie sich befand. Und wenn ich in unseren Garten und die Hecken des Wolfsberges schaue kann ich mir auch schon denken, wie dieser Berg genutzt wurde. Hier wächst nämlich überall Hopfen. Und im Klosterhof am Kornhaus befand sich eine Brauerei. Interessant, was?
Was nicht Berge sind, sind Höfe: Der älteste Hof ist der Althof. Ja, wirklich: Althof heißt nur so, weil es ein alter Hof ist. Danach kam der Klosterhof, der von der 1,4 km langen Mauer umgeben ist und schließlich auch der Kammerhof, der ursprünglich nur das Stück Land umfasste, wo heute das Amt Bad Doberan - Land sitzt. Darum nenne ich dieses Stück auch lieber Kämmereihof, weil der Kammerhof sich ja inzwischen bis zum Ortsausgang im Norden erstreckt. Zwischen dem Kammerhof und Walkenhagen liegt noch der Thünenhof. Dieser Hof war einst der landwirtschaftliche Betrieb des Klosters und beherbergt jetzt unter anderem die Bad Doberaner Feuerwehr und die Ölwehr des Landkreises.
Macht also vier Höfe. Die anderen Höfe, wie Lindenhof und Töpferhof sind nur Gehöfte aber keine Höfe. Und der Rest sind Güter. Das Gut Vorder Bollhagen ist da ein gutes Beispiel. Hagen gibt es auch gleich zwei in Bad Doberan. Nach Vorder Bollhagen gehört auch Walkenhagen zum Stadtgebiet Bad Doberans. Der dritte Ortsteil ist übrigens Althof und der vierte eben Heiligendamm.
Nach den Höfen kommen die Wälder: Kellerswald, Hütter Wohld (heißt auch nichts anders, als "Hütter Wald" - benannt nach dem Ort Hütten), der Kleine Wohld und der Große Wohld in Heiligendamm, der Kellerswald und das Quellholz, das man auch "Quellentalwald" nennt. Das letzte Stück Holz ist das Amerikagehölz, das das alte Moorbad umgibt. Die Pflanzen hier in Bad Doberan geben Botanikern oft Rätsel auf, weil sie eigentlich hier gar nicht wachsen. Die Linden der Dammchaussee hat der Großherzog z.B. in Frankreich eingekauft. Nach der Pappel-Schlappe wollte er nicht noch einmal das Risiko eingehen, dass seine Allee sich darniederlegt. Zum Glück für die Villen in der Dammchaussee, denen die Pappeln auch auf Dauer stark zugesetzt hätten.
Ja, was gibt es noch zu erwähnen? Hier gab es mal eine Senffabrik. Nun gibt Bad Doberan keinen Senf mehr dazu. Das ist auch schon über ein Jahrhundert her. Und eine Brauerei gab es auch. Auf dem Wolfsberg kommt heute noch der Hopfen durch. Im Quellental wurde Wein angebaut und im Klosterhof zum gleichnamigen Getränk gekeltert. Während der Saison gab es jeden Sonntag ein Feuerwerk. Madame Reichard startete hier mit ihrem Heißluftballon und Freiherr von Drais fuhr mit seiner Draisine um den Kamp. Vor Heiligendamm gab es Manöver und jedes Jahr gab es ein Volksfest. Doberan/Heiligendamm stand für rauschende Bälle, reichliche Gelage, kulinarische Spezialitäten und Luxus aus Übersee. Aber es stand auch für Ruhe und Erholung, Stille, frische Luft, lange Wanderungen und Kutschfahrten, sauberes Wasser und saftiges grün. Es stand für Kunst und Kultur, für Historie und Moderne.
Wie Sie in unserer Architekturseite sehen können, stehen Heiligendamm und Bad Doberan für gesellschaftliche Veränderungen in über 200 Jahren. Angefangen hatte alles mit ein paar Lehmsteinkaten und es zog sich hin über ein romanisches Kloster auf einer morastigen Lichtung und über Backsteinhäuser. Dann kam man zum Barock, zum Klassizismus, zum Historismus, zum Jugendstil, zum Heimatstil, zum Revolutionsstil, zum Funktionalismus. Und das alles findet sich auf engstem Raum. Allein die Tangente Alexandrinenplatz - August-Bebel-Straße würde - wenn man den Salon nicht angepasst hätte - ganze 6 Baustile auf nur 9 aneinander liegenden Grundstücken vereinen.
Zu guter Letzt.
Ich bin Jahrgang 1979 und habe Bad Doberan erst ab 1985 so bewusst erlebt, dass ich mich heute noch an Einzelheiten erinnern kann. Wenn Sie etwas belegen oder widerlegen können, mir Gründe für angesprochene Sachen nennen oder deren Abläufe dokumentieren können oder wenn Sie noch Bilder zur Verfügung stellen möchten oder wenn Sie weitere Themen vorschlagen wollen, dann kontaktieren Sie mich bitte. Ich möchte keine einseitige Dokumentation, die alle negativen Seiten aufzählt, sondern möglichst eine Dokumentation, wo ich gegen jede negative Seite eine positive Seite stellen kann. In Bad Doberan geht das noch etwas einfacher, als in Heiligendamm. Ich erlebe diesen Ort als Einheimischer aber ich bin selten allein unterwegs und die Leute, die mich begleiten, sind entweder Tourist in dieser Stadt oder es handelt sich um meine Lebensgefährtin, die diese Stadt noch mit den Augen eines Besuchers sieht, weil sie erst seit einigen Monaten hier wohnt. Es gibt tatsächlich noch Ecken in Bad Doberan, wo ich (Stand Juli 2008) noch nie war: Auf dem Hasenberg zum Beispiel. Oder in den Nebenstraßen des Stülower Weges. Auch Walkenhagen kenne ich nur von der Straße aus. Bad Doberan ist meine Heimat und es liegt mir fern, diesen historischen Ort zu diskreditieren oder gar zu verspotten. Ich unterstelle den Stadtvätern- und müttern, dass sie ihr Bestes tun und wenn ich einmal das Gegenteil unterstelle, handelt es sich um meine persönliche Meinung. Dies zu Ihrer Information. Vergessen Sie nicht, in Heiligendamm weiterzumachen. Das Menü befindet sich oben rechts. Und wenn Sie auch eine Meinung haben und die mitteilen wollen, diskutieren Sie im Blog mit!
Lesen Sie hier weiter: Heiligendamm
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