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Und Bad Doberan?
Den Krieg überstand Bad Doberan Dank einer Hand voll mutiger Bad Doberaner, die die Stadt kampflos an die Sowjetarmee übergaben. Die Reparationen betrafen in erster Linie Heiligendamm und die herzoglichen Gebäude Bad Doberans. Ansonsten kam die Stadt mit einem blauen Auge davon. Die Bombardements konzentrierten sich auf Rostock, das 1942 in Schutt und Asche versank. Nur eine Bombe verirrte sich in den Gespensterwald und zerstörte die Scheiben in Heiligendamm.
Bad Doberan erholte sich wieder und da zunächst die Umgebung landwirtschaftlich blieb und Rostock der ausgesuchte Industriestandort war, wurde Bad Doberan mit seinem Bahnhof zum Umschlagplatz. Als wichtigster Wirtschaftsfaktor zählte weiterhin die Glashäger, welche nun mit riesigen Produktionshallen erweitert wurde und unter dem Mantel der Rostocker Brauerei zum Marktriesen avancierte. Neben der Glashäger sorgte eine Kohlehandlung mit direktem Gleisanschluss für die Brennstoffversorgung Bad Doberans und des neu entstandenen Kreises, dessen Kreisstadt Bad Doberan, nun im Bezirk Rostock gelegen, wurde. Die Stadt wuchs zusehends und da sie beschaulich bleiben sollte, wurden die Baugebiete für Eigenheime ausgeschrieben. Wieder mit Parzellen und wieder mit dem Hintergedanken der Selbstversorgung. Was schon da war, wurde erhalten und was ausgebessert werden musste, wurde ausgebessert. Wenn ein Dachboden ausgebaut werden musste, weil man Wohnraum brauchte, dann wurde das mit den Mitteln getan, die am billigsten zur Verfügung standen: Beton, Stahl, Holz und Plastik.
Sozialistische Ökonomie und ihre Spuren.
Besonders vorsichtig war man dabei nicht. So wurden im Wiesengrund mitten zwischen zwei villenartigen Häusern zwei Plattenbauten gesetzt und hinter die Villenreihe in der Dammchaussee setzte man einen Plattenbau, der heute noch dahinter hervor lugt. Hier saß das Kreiswehrersatzamt. Auch hinter der Polizei, welche das einstige Hotel in der Dammchaussee bezog, wurde so ein Plattenbau gesetzt und direkt in Stadtzentrum entstanden gleich zwei Schulen in Plattenbauweise an Stelle der Lessingschule, welche sich bis dahin als Stadthaus in einer Kette von Stadthäusern präsentierte. Vernünftigerweise trieb man dieses Spiel nicht weiter.
Außerdem gibt es weiter unten auf dieser Seite einen Artikel zur Schulumgestaltung mit Bildern von der Schule von früher und heute.
Nur das Kurhaus hätte noch dieses Schicksal widerfahren können. Als es dann endlich mal ob der mangelnden Pflege baufällig war, sollte es abgerissen werden. Und ich möchte wetten, dass für diesen Bauplatz schon ein typisch sozialistischer Bau - bestenfalls im unpassenden Zuckerbäcker-Stil und schlimmstenfalls in Plattenbauweise - in den Schubladen lag. Da aber Delegierte der Internationalen Denkmalschutz-Organisation ICOMOS in der Stadt waren, entschloss man sich wohl für eine Sanierung.
Ich erinnere mich noch, dass das Gebäude an der Fassade gestützt werden musste, um nicht auf die Straße zu fallen. Plötzlich wurden auch ganz viele Häuser zu Baudenkmälern und das Möckelhaus wurde wieder zum Museum. Man musste ja Eindruck schinden. Aber letztlich tat das den Häusern gut, denn so wurden sie erhalten. Was kirchlich war, interessierte dabei nicht weiter. Das Haus "Gottesfrieden" machte dennoch stets einen guten Eindruck. Das Münster wurde zwar erhalten, weil es eine Geldquelle war aber so großzügige Restaurierungen wie die Möckels erfuhr es nicht mehr.
Der immer weiter steigende Bedarf an Wohnraum brachte schließlich den Entschluss hervor, Platz sparender bauen zu müssen, damit die Stadt nicht die Landwirtschaftsflächen auffrisst. Der Hasenberg war nun schon vorgesehen für eine Eigenheimsiedlung, der Fuchsberg auch, der Tempelberg diente als Bauplatz für eine Jugendherberge und bis zum Kellerswald war auch schon alles dicht bebaut.
Also wurde der Buchenberg erschlossen und mit Mehrfamilienhäusern bebaut. Auch eine Schule und eine Kaufhalle, ein Kindergarten und Einrichtungen für die medizinische Versorgung kamen hinzu, sodass man eine Trabantenstadt hatte, wie es in der DDR üblich war.
Im zweiten Bauabschnitt kamen dann Plattenbauten zum Einsatz und der Buchenberg wurde zu dem, was er heute ist. Vom Wohnraum in der Nähe profitierte auch das Gewerbegebiet Walkenhagen, das sich nun bis an die F105 ausweitete und mit Getreidehallen, Trockenanlagen, Metallfabriken und Handwerksbetrieben aufwarten konnte. Heizwerke, Umspannanlagen und ein Klärwerk komplettierten die Befriedigung der Bedürfnisse, die sich aus einem Großwohngebiet ergaben.
Wenn man den heute bebauten Kammerhof heute nach Elmenhorst hin ausklappt hat man eine Vorstellung davon, wie groß das Wohngebiet werden sollte. Mitten im Bau war der Spaß dann aber auch schon zu Ende, denn es kam zur friedlichen Revolution, die zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland führte.
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