Zeit am Meer


Bad Doberan und Heiligendamm - Geschichte, Werdegang und Zukunft. Chronik, Foto-Rundgaenge, Gebaeudedatenbank, Oeffentliche Diskussion.
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Öffentliche Diskussion 2010 - Teil 2 - Legislaturperiode 2009-2014.

Hier geht es zum Teil 1 der Öffentlichen Diskussion 2010
Hier geht es zum Vorjahr (August bis Dezember 2009)

 



Das Blatt wendet sich.

"Pleiten, Pech und Pannen" könnte das Motto der Familie Bad Doberan-Heiligendamm in den letzten Jahren gewesen sein. Stadtvertreter, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind und Investoren, die ihre Hände gebunden und Steine vor ihre Füße gelegt sehen. Heiligendamm strahlt und verfällt, das Moorbad bröckelt auseinander und das Verkehrskonzept der Stadt erhitzt die Gemüter. An allen Enden fehlt das Geld und ausgerechnet der Bürgermeister soll mit vollen Händen unberechtigt viel davon ausgegeben haben. Während auf der einen Seite Gelder fehlen, sollen sie auf der anderen Seite eingespart werden. Nicht gerade zum Vorteil der Bad Doberaner und der Gäste. Mittendrin gibt es wenigstens eine frohe Botschaft:

Die Perle wird wieder aufgebaut!

Diesmal rollen tatsächlich die Bagger an. Diesmal geht es wirklich los. So kann es, soll es und muss es auch weiter gehen. Die nächste frohe Botschaft folgt bald nach dem ersten Spatenstich für Villa "Perle-Großfürstin Marie":

Das alte Moorbad wird wieder aufgebaut!

Das war nicht weniger wichtig und nicht weniger ein Herzenswunsch für die Bad Doberaner. Nur gab es hier keine Lobby, die eine Bürgerinitiative nach der anderen aus dem Boden stampfte, um das Moorbad vor der endgültigen Zerstörung einerseits und dem denkmalschützerischen Fiasko andererseits zu bewahren. In der Sache um Heiligendamm fanden sich einige Leute, die um jeden Preis und mit allen Mitteln für ihre Sache kämpften und auf ihre Art Heiligendamm retten wollten. Das Moorbad aber interessierte diese Leute nicht. Auch die anderen Ruinen der Stadt, die Entwicklung des Klosterhofes und der Innenstadt interessierte sie nicht. So blieben diese oft prächtig gelegenen Bauten unbeachtet und unberührt dem Verfall überlassen.

Das erste Halbjahr 2010 war sehr ereignisreich. Sie können alles hier nachlesen.
Für das zweite Halbjahr gibt es diese Seite. Und ein Bautagebuch für die Villa "Perle-Großfürstin Marie".
 



Hier geht es weiter mit aktuellen Meldungen von Juli bis Dezember 2010:



Endlich: Das historische Bad Doberaner Moorbad ist verkauft und wird saniert.

Das Moorbad zu Bad Doberan gehört zu den ältesten Funktionsgebäuden der Stadt. 1820 wurde an dieser Stelle am Mühlenteich südlich des damaligen Ortes Doberan eine Eisenquelle entdeckt und schnell ein Haus mit vier Wannen für Eisenbäder errichtet. Damals wurden die Bäder noch als "Stahlbäder" bezeichnet, sodass der erste repräsentative Bau "Stahlbad" genannt wurde. Dieser Bau entstand 1823 in Form eines eingeschossigen Flachbaus. Geplant und errichtet wurde das gelbe Gebäude im Angesicht der Stadt vom Bauconducteur Carl Theodor Severin, der das Ortsbild Bad Doberans und Heiligendamms maßgeblich prägte. Das Stahlbad erwies sich schon bald als äußerst beliebt, sodass zwei Jahre später eine Aufstockung vorgenommen wurde.

Es klingt unglaublich aber im Jahre 1900 wurde das Stahlbad noch ein zweites Mal aufgestockt und erhielt sein endgültiges Gesicht. Faszinierend an dieser Tatsache ist, dass man ohne dieses Wissen gar nicht merken würde, dass dieses wie aus einem Guss wirkende Bauwerk innerhalb eines halben Jahrhunderts dreimal aufgestockt wurde.
Sowohl Severin, als auch seine Nachfolger gingen behutsam vor und orientierten sich bis ins kleinste Detail an den Grundbau von 1823. Aus einem Flachbau wurde ein repräsentatives Erholungsheim, das bis zuletzt auch so genutzt wurde.

Erst 1996 wurde der Komplex zu klein und zog in die neu errichtete Dr.-Ebel-Klinik ein, die auch den Namen "Moorbad" tragen darf. Seitdem ist das Haus im Besitz des Projektentwicklers Frank Thee, der das sanierungsbedürftige Gemäuer wieder in altem Glanz erstrahlen und gemäß der Geschichte ein Gesundheitszentrum in der Art eines Erholungshotels darin unterbringen wollte. Doch es tat sich nichts und während Thee und die Stadt sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschoben, ging 2006 das Moorbad in Flammen auf. Die Feuerwehren kämpften um das Gebäude und brauchten lange, um diesen Kampf zu gewinnen.

Doch die Schäden sind enorm und die Forderung Thees nach einer Abrissgenehmigung ließ die Vermutung aufkommen, dass es sich um einen heißen Abriss handele. Zwar konnten die mutmaßlichen Verursacher gefasst werden aber da es sich um Minderjährige handelt, wurden sie nicht bestraft. Manche glauben gar nicht, dass sie die Täter waren. Bis heute hält sich zudem wacker die Anschuldigung, Thee würde mit dem Erwerb des Prestige-Objektes in Top-Lage zu einem Schnäppchenpreis allein ein Geschäft betreiben und gar kein Interesse an der Sanierung haben, sondern ganz im Gegenteil den Abriss wollen, um das Bauland sauber gewinnbringend verkaufen zu können. Aktuell spricht die folgende Kurzmeldung der Ostsee-Zeitung dagegen:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 22.07.2010

Altes Moorbad verkauft

Das alte Moorbad ist verkauft. Der Berliner Investor Winter erwarb es vom ehemaligen Besitzer Frank Thee, der das Gebäude vor neun Jahren
kaufte. Seit 20 Jahren steht das Haus leer und verfällt immer mehr. Der neue Investor will das Hauptgebäude erhalten und sanieren, Nebengebäude aber abreißen.

Renate Peter
 


Die Meldung ist erstaunlich kurz und dürftig. Aber ich bleibe dran.



Die Strandversorgung in Heiligendamm ist in Gefahr.

Heiligendamms erste Reihe ist mondän. Das Grand Hotel hat alle erdenklichen Sterne und gilt als schönstes Hotel der Welt, das Restaurant "Medinis" gehört dazu und hält natürlich mit. Das Golfhaus bietet Kaffee, Kuchen und Snacks, Cocos Milchbar und zwei Imbiss-Betriebe - einer am Kinderstrand und einer am Golfteich - bieten eine Versorgung mit Essen und Trinken für den schmalen Geldbeutel. Ergänzt wird das Angebot durch einen Eiswagen und eine Fisch-Bude.

Wir haben also zwei Extreme: Luxus-Gastronomie und Imbiss-Gastronomie. Über zu wenig Kundschaft können sich beide Anbieter nicht beschweren. Was Heiligendamm fehlt, sind "richtige" Angebote. Der Gast erwartet mehr, als zu essen, zu trinken und das Ganze wieder ausscheiden zu können. Genau das ist aber schon alles, was Heiligendamm zu bieten hat. Der Strand ist natürlich das, was die Gäste anzieht und auch die Bauwerke sind Touristenattraktionen. Die Seebrücke noch und natürlich die Natur - Wiesen und Wälder. Das macht Heiligendamm aus und das war auch die Idee der Planer und Erbauer: Ein Ort der Abgeschiedenheit und Ruhe. Von der Grundidee her gesehen, sind alle Cafés und Imbissbetriebe in Heiligendamm schon zu viel.

Aber die Zeiten haben sich geändert und heute möchten sich die Stadtobersten nicht mehr in Heiligendamm erholen, sondern mit Heiligendamm Geld verdienen. Nur: Wie verdient man Geld, wo es außer Sand, Meer, Parkflächen, je zwei Imbissen und Cafés und eben den Häusern gar nichts zu sehen gibt? Man kassiert Kurtaxe für jeden, der die Promenade gen Strand verlassen will. So weit, so gut. Man kassiert ja auch Gewerbesteuern aber so richtig betrifft das nur das Grand Hotel. Man kann die Anzahl der Parkplätze erhöhen, damit mehr Leute kommen und Kurtaxe bezahlen. Die zahlen dann Parkgebühren und Kurtaxe, eine Currywurst mit Pommes und fahren wieder. Kommen sie wieder? Oft nicht. "Nichts los außer Menschen" oder auch "Da gibt es nicht einmal eine Gaststätte" und auch "Da gibt es ja gar keine Souvenirs".

Und genau das ist der Punkt: Bis zur oder kurz nach der Wende konnte man in Heiligendamm in der "Palette" essen gehen, in einer Drogerie oder einem Konsum Waren des täglichen Bedarfs kaufen und auch Souvenirs, in erster Linie Postkarten und Ansichtskarten. Auch Strandartikel, wie Kosmetik, Textilien und Spielzeug gab es in Heiligendamm zu kaufen. Darüber hinaus gab es dann eben die Imbiss-Betriebe, Cafés und ein wenig mobilen Handel. Essen gehen kann man heute mehr als damals aber die Restaurants des Grand Hotels sprechen eine andere Klientel an. Lediglich der Herzogliche Wartesaal im Molli-Bahnhof und das Jagdhaus können von sich behaupten, ein Restaurant für die Nicht-Hotelgäste zu sein. Die Frage ist eben, ob das für die Größe Heiligendamms nicht auch reicht.

Zwei Imbiss-Betriebe jedenfalls sollten ausreichen, wenngleich im Osten einer mehr auch nicht schaden und Herrn Butze nicht arm machen würde. Der nämlich rotiert im Sommer regelrecht, um die Schlangen an hungrigen Gästen bedienen zu können. Auch zwei Cafés auf einem Fleck sind sicherlich nicht zu viel und selbst das Jagdhaus steht gleich um die Ecke. Im Westen sieht es da schon schlechter aus: Zwischen Bahnhof und Kinderstrand liegen ein paar Kilometer und dazwischen ist nichts, was die Gäste versorgt. Das ist auch gar nicht vorgesehen, denn der massentouristische Mittelpunkt soll im Osten Heiligendamms sein - rund um den Golfteich. Dieses kaum sichtbare Gewässer stellt einen Biotop dar. Zu was anderem ist das formlose Schlamm-Brachwasser auch nicht zu gebrauchen. Gerade darum findet man hier seltene Vogelarten, wie z.B. die Kraniche´, die ich in einem Foto-Rundgang fotografiert habe. Auch das ist Heiligendamm und auch das muss natürlich erhalten bleiben.

Trotzdem gibt es weder Bälle, noch Schaufeln und Eimer, weder Bikinis und Badehosen, noch Postkarten in diesem massentouristischen Zentrum Heiligendamms. Das macht den Ort aber nicht ruhiger, denn die Leute kommen trotzdem. Die Parkplätze reichen nicht und das ist Absicht. Doch statt dann einfach einen Parkschein zu lösen, Kurtaxe zu bezahlen und baden zu gehen, macht der "Faktor" Mensch etwas anderes: Er hat bezahlt und nun will er auch etwas erleben. Also geht er gen Westen. Und landet derzeit in einer Sackgasse. Alles was er dort sehen kann, ist das Grand Hotel und wenn ihm das Außen nicht reicht, muss er den Eingang suchen. Immerhin gibt es dadurch nicht mehr die Touristenscharen von 2003 auf dem Hotelgelände. Aber befriedigend ist das alles trotzdem nicht.

Ein Ablassventil wird nun geöffnet, indem man gen Westen die Packwerk-Überquerung verlängert und so den Leuten einen Rundweg ermöglicht. Auf diesem Rundweg können die Touristen sich dann davon überzeugen, dass Heiligendamm wirklich nichts weiter zu bieten hat, als das oben aufgezählte. Für die Hotelgäste sieht es derzeit etwas und in Zukunft vielleicht bedeutend anders aus, denn hier gibt es hauseigene Angebote und weitere sind in Planung. Für den Standard-Touristen ist das alles entweder zu teuer oder er begreift nicht, dass er das auch nutzen darf. Das Grand Hotel bietet zwar aktiv den SPA-Bereich, die Bars und Arrangements an aber um Luxushotel zu bleiben, verlangt es dafür natürlich auch die Preise eines Luxus-Hotels. Man kann ja auch schlecht Ausnahmen machen und die Standard- den Luxustouristen vorziehen. Das Grand Hotel wird eine Welt für sich bleiben und nur so kann es funktionieren.

Für den Standard-Touristen bedeutet dies, dass er dort willkommen aber eher nicht daran interessiert ist. Frische Snacks vom Bäcker würden ihn mehr interessieren und eine willkommene Abwechslung zum Imbiss-Angebot sein. Alles, was zum Mitnehmen ist, ist für die Standard-Touristen interessant. Alles, was sie versorgt, für ihren kurzen Heiligendamm-Aufenthalt. Und hier soll eine Strandversorgung ansetzen. Ein kleiner Pavillon, in dem Geschäfte, kleine Gaststätten, wie eine Bäckerei und auch Butzes Imbiss unterkommen können, wenn sein jetziger Standort der Thalasso-Schwimmhalle weichen muss. Die ja selbst auch ein Angebot sein wird. Segel- und Surfschule haben bewiesen, dass Heiligendamm attraktiv ist. Was fehlt, sind Räumlichkeiten. Zugegeben: Angesichts der gähnenden Leere in den Villen der Perlenkette und der Seedeichstraße klingt das komisch. Aber wenn Sie da drinnen gewesen wären, würden Sie davon nichts mieten wollen. Und Räume in von der ECH sanierten Villen in 1A-Lage können sich die kleinen Gewerbetreibenden in einer vom Wetter abhängigen Lokation nicht leisten. Bleibt nur ein Neubau und der ist seit Jahren im Gespräch. Seit wenigen Monaten soll er nun endlich präzisiert werden. Doch vielleicht kommt alles anders und das Ventil bleibt zu, bis der Ball platzt. Sehen Sie selbst:
 

OSTSEE-ZEITUNG | 22.07.2010

Geplantes Versorgungszentrum am Strand in Gefahr

Bad Doberan. Sorge um den B-Plan 25, der die Imbisseinrichtung, ein öffentliches WC und einen Spielplatz in Heiligendamms Strandnähe vorsieht. Die Stadt hat die Träger öffentlicher Belange befragt. In der Stellungnahme  der Unteren Naturschutzbehörde wird betont, dass die Belastung im Bereich des Golfteiches, einem Biotop, bereits erschöpft sei. Die Behörde untersagt weitere Ausnahmen und begründet das mit „städtebaulicher Unordnung“ und Zerstückelung der Flächen. „Wenn die Naturschutzbehörde bei ihrem Standpunkt bleibt, können wir die Planung nicht weiterführen“, so Bauamtsleiter Norbert Sass. Die Stadt wolle diese Absage aber nicht so einfach hinnehmen, betont Sass, und auch Ausschuss-Vorsitzender Joachim Seehaus möchte die naturschutzrechtlichen Bedenken der Umweltbehörde erläutert wissen.
Seit langem wird über das geplante und notwendige Versorgungszentrum am Heiligendammer Strand diskutiert. R. P.
 

 
Fakt ist: Es gibt keine Alternative zur Strandversorgung. Das Sanitärhäuschen an der ehemaligen Führung der Professor-Vogel-Straße wird dem Thalasso-Zentrum weichen und das Gebäude, das den Imbiss und die Surfschule beherbergt und sich daneben befindet, fällt auch den Plänen zum Opfer. So ist es vereinbart. Platz gibt es auf diesem Areal keinen mehr, denn das Thalasso-Zentrum erstreckt sich über die ganze Länge des Platzes und endet am neuen Verlauf der sich am Waldrand befindlichen Professor-Vogel-Straße. Auch an die Seedeichstraße grenzt die monumentale Meeresschwimmhalle. Südlich des Golfteiches befindet sich nur Wald und in die verwucherte Schneise der einstigen Tennisplätze möchte die ECH das Ayurveda-Zentrum bauen und die bestehenden Villen der Seedeichstraße (Eikboom und Seeadler) in das Areal integrieren. Die Forst hat jeglichen Wald bereits von den Planungen ausgeschlossen, sodass dort nichts gebaut werden kann.

Bleibt nur noch der ehemalige Golfplatz östlich des Golfteiches - Trinkwasserschutzgebiet und selbst Teil eines Naturschutzgebietes. Abgesehen davon, dass ein Bau dort das Versorgungszentrum Heiligendamms außerhalb dessen Ortsschildes verlegen würde, ist dort die Belastung und Nähe zum Golfteich nicht geringer, als auf der anderen Seite, wo derzeit ein Parkplatz an den Teich grenzt. Der würde bleiben. Kommt die Strandversorgung, wird er befestigt und kommt sie nicht, bleibt es ein Schotterparkplatz, auf dem Öl, Benzin und Kondensationsflüssigkeit ungehindert ins Erdreich dringen kann.

Die Realisierung der Strandversorgung wäre eine Chance, das durch Befestigung zu verhindern und könnte sogar dazu genutzt werden, den Golfteich wieder sichtbar und damit erlebbar zu machen und das Verständnis für dieses Gewässer zu erhöhen. Momentan ist den meisten Touristen dieses Modderloch - so sie es überhaupt registriert haben - egal. Momentan schimpfen sie nur über zu wenig Parkplätze, lange Wartezeiten am Imbiss, altmodische Sanitäranlagen und zu wenig touristische Angebote. Die Naturschützer als Verteidiger der Natur setzen natürlich alles auf eine Karte. Schaffen sie es, den Neubau des Strandversorgungszentrums zu verhindern, gelingt ihnen vielleicht auch die Beseitigung des Schotter-Parkplatzes z.B. zu Gunsten einer Begrünung. Dann hätte der Biotop seine Ruhe und die Stadt könnte sehen, wie sie mit - oder besser ohne - den Tourismus der dazu nötigen Größenordnung Geld verdient.

Suspekt darf dem Beobachter sein, dass die Planungen zur Strandversorgung schon 1997 bekannt waren und im Expertenkolloquim keine Widersprüche gegen die Planungen kamen. Über ein Jahrzehnt später und knapp vor der Realisierung der Strandversorgung fällt den Mitarbeitern der Behörde nun ein, dass es doch nicht gut ist. Geändert hat sich seit 1997 hier nichts: Der Schotterparkplatz existierte schon zu DDR-Zeiten und er ist im Gegenteil sogar kleiner geworden, die Seedeichstraße hat befestigte Parkplätze bekommen und die Autos parken nicht mehr wild am Straßen- und Golfteichgraben. Ein Regenwasserrückhaltebecken wurde errichtet, die Umgebung begrünt und es wurden sogar Bauten am Golfteich abgerissen - das Klärwerk zum Beispiel. Das macht das Ansinnen der Behörde schwer vermittelbar.



Wird Bad Doberan den touristischen Anforderungen gerecht?
Protokoll einer Podiumsdiskussion.
    

Der ruhende Verkehr in Bad Doberan und Heiligendamm ist ein Problem. Das hat die Stadt erkannt und das erkennen auch ihre Bürger. Wie man es nicht ändern sollte, wissen viele. Eine Podiumsdiskussion sollte nun Anreize bringen, wie man es denn ändern könnte. Am Ende ging es nur um Grundsatzfragen aber am Rande der Diskussion wurde auf Nachfrage noch einmal betont, was teils vergessen und teils bezweifelt wurde: Eine Umgehungsstraße zur Umgehung Bad Doberans - wie sie die Gemüter seit Jahren erhitzte - ist vom Tisch. Definitiv. So deutlich war das vorher gar nicht.
 


OSTSEE-ZEITUNG | 22.07.2010

Der Weg zum Traumurlaub
Um Verkehrsinfrastruktur und ihre Bedeutung für den Tourismus ging es bei einer Podiumsdiskussion in Bad Doberan.
Landrat Leuchert: Unterhaltungskosten nicht aus dem Auge verlieren.


Von BURKHARD ZINGLER

Bad Doberan. Sie sind bei der gegenwärtigen Hitze besonders unangenehm, aber dennoch allgegenwärtig: Blechkarawanen auf der Suche nach Parkplätzen, und das zumeist in Urlaubsoasen. Nicht umsonst ist der ruhende Verkehr für Bad Doberans Vize-Landrat Wolfgang Kraatz, stellvertretender Vorsitzender des Tourismusverbandes von MV, jener Bereich, in dem es den größten Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur gibt. Kraatz gehörte am Dienstag zu den Teilnehmern einer Podiumsdiskussion im Doberaner Ratssaal, die sich dem Thema „Der Weg zum Traumurlaub – Verkehrsinfrastruktur für den Tourismus stärken“ widmete (die OZ berichtete bereits).

„Die Urlauber wollen eine gut ausgebaute Infrastruktur“, unterstrich der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Hacker und verriet damit nichts Neues. Auch für ihn sind Staus und Parkplatzsuche „nicht tourismusfördernd“. Das sah auch Thilo Schelling, Abteilungsleiter im Schweriner Verkehrsministerium, so. Dennoch müsse genau überlegt werden, wann was gebaut werde. Schelling beleuchtete die Infrastruktur auf Straße und Schiene, aber auch zu Wasser. Immer wichtiger seien die Fahrradtouristen, die eine Menge Geld in die Region brächten.

„In den vergangenen 20 Jahren ist in Sachen Infrastruktur jede Menge passiert“, warf Landrat Thomas Leuchert ein. Er erinnerte an den Bau der A 20 oder an den zu Wochenbeginn eingeweihten Radweg zwischen Bad Doberan und Reddelich. Leuchert gab aber auch zu bedenken, dass man überlegen müsse, ob das Geld immer an der richtigen Stelle eingesetzt werde. Die Unterhaltung des Geschaffenen bereite schon jetzt vielen Kommunen Kopfzerbrechen, so der Landrat.

Thilo Schelling warnte in Bezug auf die Förderung von Projekten durch Bund und Land vor künftigen überzogenen Erwartungen. „Mecklenburg-Vorpommern ist keine Region, in der sonderlich viel Geld verdient wird. Damit haben wir im härter werdenden Verteilungskampf beim Bund schlechte Karten“, sagte er. Lege man heutige Maßstäbe an, wäre die A 20 östlich von Rostock nie gebaut worden, vermutete der Abteilungsleiter.

Nach der Umgehungsstraße für seine Stadt fragte Neubukows Bürgermeister Roland Dethloff. Konkrete Versprechen konnte Schelling nicht machen, verwies jedoch darauf, dass dieses Vorhaben nach wie vor als dringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan ausgewiesen ist. Anders sehe es bei der Umgehungsstraße für Bad Doberan aus. Das Thema sei definitiv vom Tisch.
 




Umweltschutz hintenrum: Wie die Grünen Allee-Bäume zu retten versuchen.

Die Goethestraße soll saniert werden. Das ist inzwischen bekannt. Es liegen mehrere Pläne vor, von denen einige Fuß- und Radwege und andere nur Fußwege berücksichtigen. Bei einigen dürfen die alten Bäume stehen bleiben und bei anderen müssen sie durch Neuanpflanzungen ersetzt werden. Diese Neuanpflanzungen sind einigen Bürgern und Stadtvertretern ein Dorn im Auge. Dennoch wurde für den Plan gestimmt, der die Goethestraße nach den Gesichtspunkten des Städtebaus aufwertet: Molli-Trasse, zweispurige Fahrbahn, Fußweg und Fuß-Radweg-Kombination. Dazu neue Bäume - diesmal gleich richtig gepflanzt. Dass eine Sanierung der Goethestraße nötig ist, wissen alle und dagegen hat keiner etwas einzuwenden. Doch städtebauliche Überlegungen vor den Umweltschutz zu setzen, stößt gerade den Grünen sauer auf. Da die Meinung der Stadtvertreter sich durch den einzigen Grünen-Stadtvertreter aber nicht ändern lässt, versucht der es einfach hinten herum. Lesen Sie selbst:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 23.07.2010

In der Goethestraße Kosten sparen

Bad Doberan. Die Stadtvertretung Bad Doberan wird sich in ihrer Sitzung am 9. August nochmals mit dem Vorhaben Goethestraße befassen müssen. Eigentlich war das Bauvorhaben klar. Die Stadtvertreter hatten es sich nicht leicht gemacht, aber entschieden: Straßensanierung, Bau
von Rad- und Gehweg und in den sauren Apfel beißen – die Bäume fällen. Die alten Linden haben Gehweg und Straße bereits zerstört. Ausnahmsweise waren sich auch mal Stadtvertretung und die meisten Anwohner einig: Ohne die Fällung der Bäume könne die Straße nicht vernünftig neu gebaut werden.

Stadtvertreter Heinz Keuer (Grüne) stellt nun den Antrag, den Beschluss über die Ausbauvarianten für die Goethestraße aufzuheben und zu beschließen, die Straße mit Erhalt des Baumbestandes auszubauen. Keuer begründet das mit der nötigen Einsparung von Haushaltsmitteln. Damit würde die Stadt der Kommunalaufsicht signalisieren, dass sie gewillt ist, zu sparen, wo es nur möglich ist.

Zwischen die alten Linden neue pflanzen und dann nach und nach die alten Bäume fällen, schlug Heinz Keuer im Ausschuss für Stadtentwicklung vor. Der konnte aber damit nicht mitgehen. Die beschlossene Variante solle bleiben, die Kosten werden nochmals durch das Planungsbüro überprüft.

R. PETER
 

 
Nun hatte man gedacht, die ständigen Versuche, Beschlossenes rückgängig zu machen, wären eine Bürgerbund- und FDP-Domäne und nach dem Heiligendamm-Beschluss endlich überwunden. Da kommen die Grünen und versuchen es auch. Kostenersparnis und Kommunalaufsicht sind wirkungsvolle "Power Words", wie Marketing-Experten es nennen würden.

Wer Keuer widerspricht, ist automatisch gegen Kostenersparnis und guten Willen. Wie zur Verschleierung des eigentlichen Anliegens - die Bäume zu retten - schlägt Keuer vor, die Linden nach und nach zu fällen. Für jeden einzelnen Baum gibt es ein langes Verfahren und nur wenn alle Bäume auf einmal gefällt werden sollen, kann im Vorfeld eine Fällung aller Bäume beschlossen werden. So würde dann der letzte Baum irgendwann in 10 Jahren gefällt werden und Keuer könnte von sich sagen, die Lebenszeit dieses Baumes verlängert zu haben.

Um welchen Preis, sei dahin gestellt: Die letzen Bäume sterben am qualvollsten, denn die neue Trasse liegt ihnen nicht zu, sondern auf den Füßen. Auch aus Sicht der Nachhaltigkeit und des Nutzens ist es fragwürdig, die Rettung der Bäume - so edel das Ansinnen auch ist - den städtebaulichen Überlegungen vorzuziehen. Wohlgemerkt: Hier. Anderswo trifft das nicht zu. Die Goethestraße hat die Mollitrasse und das ist unabänderbar. Sie hat eine zweispurige Straße und wenn man daraus eine schmalere Einbahnstraße machen wollte, müssten die Gartenanlagen der Feldstraße dran glauben, weil irgendwo ja auch die Gegenrichtung realisiert werden müsste. Ein Fußweg ist ein absolutes Muss - schon allein wegen des Molli-Haltepunktes und der fehlenden Alternativen zu einem Fußweg vor den Grundstücken. Auch ein Radweg ist ein Muss, denn wenn der dort jetzt nicht kommt, bleibt die Innenstadt radfahrerfeindlich. Es reicht eine einseitige Konstruktion auf der Seite mit den geraden Hausnummern aber ganz auf einen Radweg zu verzichten, wäre töricht. Genau dafür bleibt aber kein Platz, wenn die alten Linden stehen bleiben sollen und deren Erhalt ist offensichtlich das Ansinnen Heinz Keuers. Dabei sollten gerade die Grünen ein Interesse daran haben, Bad Doberan fahrradfreundlich zu gestalten.  



Bautagebuch Villa "Perle/Großfürstin Marie" 21.07.2010: Die Baustelleneinrichtung.

Wie versprochen begleitet zeit-am-meer.de den Wiederaufbau der Villa "Perle/Großfürstin Marie" Schritt für Schritt.
Der erste Schritt erfolgte mit dem ersten Spatenstich am 03.07.2010. Seitdem liefen die Vorbereitungen für die Einrichtung der Baustelle, welche nun Gestalt annehmen. Das Gelände zwischen Seebrückenplatz und Haus "Bischofsstab" und zwischen Kurwald und Promenade wird eingezäunt und eine Baustraße über den neuen Verlauf der Prof.-Dr.-Vogel-Straße verlegt. Zäune werden aufgestellt, Wege abgetragen, Schilder aufgestellt. Erste bildliche Eindrücke gibt es hier.

Fotorundgang: Bautagebuch 21.07.2010: Die Baustelleneinrichtung.
Fotos vom Spatenstich und der anschließenden Feier gibt es hier:
Foto-Rundgang vom 03.07.2010 (Bilder vom ersten Spatenstich für Villa Perle)




Ein kleines Bauwerk aber ein harter Brocken: Amtshaus-Sanierung wird teurer.

Das einst zweite Wohnhaus des Großherzogs Friedrich Franz I von Mecklenburg(-Schwerin) ist ein typischer mecklenburgischer Fachwerkbau. Das idyllisch im Klostergarten gelegene Sommerhaus wurde nach seinem Umzug in das Großherzogliche Palais am Kamp zum Amtshaus umfunktioniert und blieb bis zu seiner Schließung in etwa in dieser Funktion. Zu DDR-Zeiten war hier die Stadtbibliothek Bad Doberans untergebracht und es gab immer noch Amtsstuben, in denen es ganz typisch nach altem Holz und Bohnerwachs roch. Nach der Wende zog das Arbeitsamt hier ein. Irgendwann zog die Bücherei in die neue Mehrzweckhalle am Schulkomplex um und das Arbeitsamt siedelte in den neu gebauten Bürokomplex am anderen Ende des Klosterareals auf dem Kammerhof um. Rings um das Amtshaus herum entstanden Bürohäuser - in der Severinstraße, in der Beethovenstraße und am Kammerhof. Auch die Kreisverwaltung im Rosengarten entstand neu. Von den modernen neuen Büros aus kann man das alte Amtshaus täglich mehr verfallen sehen. Die Augen des altehrwürdigen Hauses sind leer - zugenagelt mit Pappe. Das Gebälk biegt sich unter dem Gewicht der nach vorn heraus biegenden Ziegelsteine, die Scheiben sind kaputt und die Wände beschmiert. Wie Hohn liest sich die Werbung der Sicherheitsfirma, die dieses Denkmal bewacht. Ein Wunder ist es schon, dass dem alten Amtshaus nicht dasselbe Schicksal widerfahren ist, wie 2006 dem Moorbad. Aber nun soll es doch eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden geben: Wie das Moorbad soll auch das Amtshaus saniert werden. Die Planungen sind hier schon ein paar Phasen weiter. Die evangelische Kirchgemeinde hat das Amtshaus mit Mitteln aus dem Verkauf eines anderen Hauses erworben und will es zu einem Gemeindezentrum umfunktionieren. Gerade richtig für dieses Haus in dieser ambitionierten Lage. Doch die veranschlagten Kosten reichen nicht, um dieses erste herzogliche Gebäude der Münsterstadt zu retten. Wie werden die Stadtvertreter entscheiden? Außerdem: Zahlen und Fakten zum Städtebau: 

 


OSTSEE-ZEITUNG | 27.07.2010

Amtshaus wird harter Brocken

Bad Doberan. Die Stadtvertretung Bad Doberan wird auf ihrer nächsten Sitzung auch über die städtebauliche Erneuerung „Altstadt“ beraten und beschließen, speziell über das Förderungsprogramm 2011 und die Maßnahmen, die noch in diesem Jahr umgesetzt oder begonnen werden
sollen. „Die Beschlussvorlage ist schwer zu lesen und zu verstehen“, musste selbst Bauamtsleiter Norbert Sass eingestehen.
Wer als Laie auf das Papier schaut, sieht einen Wust von Zahlen und Fakten. Auch der Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt, Joachim Seehaus, bittet um Erläuterungen. Deshalb schlägt er vor, dass die Gesellschaft für Stadtentwicklung und Ortserneuerung (GSOM) in der Sitzung der Stadtvertretung noch einige Erläuterungen gibt.

Wichtig ist das Maßnahmeprogramm unbedingt – für die weitere Sanierung der Altstadt, vor allem, um die nötigen Fördermittel zu erhalten, ohne die eine Sanierung nicht möglich wäre. 1991 war die Stadt Bad Doberan in das Städtebauförderungsprogramm des Landes aufgenommen worden. In den Jahren 1991 bis 2005 wurden immerhin 24,8 Millionen Euro Städtebaufördermittel bewilligt, davon 19,6 Millionen Bundes- und Landesmittel. In den Jahren 2006 bis 2009 waren es jährlich über eine Million. In den Stadthaushalt 2011 sollen insgesamt 2,367 Millionen
Euro, davon 636 766 Euro Eigenmittel, aufgenommen werden.

Allein in die Goethestraße fließen viele Gelder. Für dieses Jahr sind 36 000 Euro Fördergelder geplant, dann 223 000 (2011) und noch einmal 530 000 Euro (2012). Leider ergeben sich derzeit Mehrkosten für die Stadt. Doch Molli GmbH, Zweckverband und Stadt wollen das Projekt gemeinsam anpacken. In die Kornhaus- Sanierung fließen dieses Jahr 416 000 und im nächsten Jahr 429 000 Euro. Auch den zweiten Bauabschnitt des Schulzentrums verliert die Stadt nicht aus den Augen.

„Das Amtshaus macht uns allerdings zu schaffen“, erklärt Norbert Sass. Die Baugenehmigung ist erteilt. Aber die Kosten sollen von 1,9 auf 2,6Millionen Euro erhöht werden. Die evangelische Kirchgemeinde hatte das Amtshaus im Klosterbereich vom Betrieb für Bau und Liegenschaften erworben. Das historische Gebäude soll umfangreich saniert werden. Gedacht ist an eine spätere Nutzung für kirchliche und übergemeindliche Zwecke – als Gemeindezentrum der Kirche. Hier könnten einst unter anderem kirchliche Seminare und Fortbildungsveranstaltungen statt finden.

RENATE PETER
 




Neue Wege in Heiligendamm? Stadtvertreter sollen über neuen Strandabgang beschließen.

Der beste Weg zum Strand ist ein Strandabgang. Davon hat Heiligendamm entlang der Promenade einige zu bieten. Über Treppen und Rampen geht es zum Strand und wer die Promenade dorthin verlässt, muss Kurtaxe bezahlen. Grund genug, den Leuten einiger dieser Zugänge anzubieten. Einer der festen Strandzugänge ging für die Öffentlichkeit 2009 verloren, weil das Westende der Promenade dem Grand Hotel zugeordnet wurde. Nun soll eine Verbindung her, die von der Seebrücke bis zum Strandaufgang Nummer zwei führt. Dieser trägt den Namen "Liegnitzsteg" von Prinzessin Auguste von Liegnitz, die an dieser Stelle einen kleinen Steg anlegen ließ. Davon ist nichts übrig, außer der sandige Pfad - heute allerdings mit eingerammten Bohlen zur Stufenbildung - und die Romantik dieses Ortes. Ganz so romantisch soll es nicht bleiben, denn hier soll ein fester Zugang her, der nach Möglichkeit auch noch das Befahren des Strandes für die Fahrzeuge der Stadtreinigung ermöglicht. Der vorhandene Steg soll entweder mit Fördermitteln oder auf Kosten der ECH - die ihn als Ausgleich für den Wegfall des Küstenoberkanten-Weges errichten musste - mit dem neuen alten Strandabgang verbunden werden. So tituliert die Ostsee-Zeitung zwar "Neuer Strandabgang für Heiligendamm vorgesehen", dürfte aber damit den alten Strandabgang meinen. Es sei denn...
 


OSTSEE-ZEITUNG | 27.07.2010

Neuer Strandabgang in Heiligendamm vorgesehen

Bad Doberan. Ein neuer Strandabgang ist in Heiligendamm zwischen Kinderstrand und der Burg Hohenzollern vorgesehen. Seit fünf Jahren läuft der Antrag. Er ist inzwischen genehmigt. Der Ausschuss für Stadtentwicklung empfiehlt der Stadtvertretung, darüber in der nächsten Sitzung zu beschließen.
 


Zwischen Kinderstrand und Burg gibt es einen Küstenpfad, der im Osten an einem Holzzaun endet. Dieser Holzzaun markiert ungefähr die Grenze des Hotelparks, der in den kommenden Jahren dort entstehen und der eingezäunt sein wird. An jenem Zaun befindet sich ein Strandabgang. Für diesen existieren Karten, die ihn als Rampe zeigen, die schräg zur Küstenlinie tief in die Steilküste eingeschnitten ist und so die Zufahrt mit den Fahrzeugen der Stadtreinigung ermöglicht. Höchstwahrscheinlich bezieht sich der Artikel auf diesen Strandzugang, der damit eigentlich nicht neu ist. Würde tatsächlich ein neuer Strandzugang entstehen sollen, müsste die Steilküste irgendwo zwischen Kinderstrand und Liegnitz-Steg eingeschnitten werden. Das kann eigentlich nicht gemeint sein. Es kann natürlich auch ein neuer Strandzugang zwischen Liegnitzsteg und Burg gemeint sein aber der würde mit der geplanten Verlängerung des Steges in Berührung kommen und sich damit nicht realisieren lassen. Außerdem macht ein Zugang für Hotelgäste dort keinen Sinn, weil der Strand an der Stelle kaum nutzbar ist. Laut Hans Schlag soll der Hotelpark eine Oase der Ruhe und Diskretion sein und daher umzäunt werden und keine weiteren Ausgänge als die vorhandenen im Osten ermöglichen. Also kann mit "neu" nur der alte Liegnitzsteg-Abgang gemeint sein. Ich bleibe dran.


Ausgezeichnet: "gusto" gibt dem Friedrich-Franz-Restaurant des Grand Hotels acht Pfannen.

Das klassizistische Ensemble macht Heiligendamm aus und das Grand Hotel macht das klassizistische Ensemble aus. ZEIT-AM-MEER.DE wäre also bei allem Bemühen um Freiheit von Werbung für die Beteiligten nicht komplett, würden nicht auch Meldungen über das Grand Hotel veröffentlicht werden. Eine erfreuliche Meldung gibt es heute in der Bad Doberaner Lokalausgabe "Stadt und Land" der Ostsee-Zeitung: Das Grand Hotel räumt große Auszeichnungen ab:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 27.07.2010

Acht Pfannen fürs Grand Hotel

Heiligendamm. Statt mit Sternen, Hauben oder Kochlöffeln zeichnet der in Süddeutschland etablierte Restaurantführer „gusto“ die besten Küchen traditionell mit Pfannen aus. Das Gourmet-Restaurant „Friedrich Franz“ des Grand Hotels in Heiligendammerreichte dabei acht von zehn möglichen Pfannen. Damit steht das Hotel am heiligen Damm in einer Reihe mit Häusern wie der Villa Rothschild in Königstein oder
dem Hotel Louis C. Jacob in Hamburg.

Als den „passenden Rahmen für die hochelegante, aber schnörkellose Küche mit einem ambitionierten, ehrgeizigen jungen Chef“ wird das Restaurant in Heiligendamm beschrieben. Weiter heißt es: „Die französische Haute cuisine, modern interpretiert, wird mit allerhand spannenden Akzenten dem Gewöhnlichen entrückt.“

Wenn man die Kriterien des international agierenden Michelin-Führers zu Grunde legt, liegt das Gourmet Restaurant „Friedrich Franz“ laut „gusto“ zwischen „ein und zwei Sternen“, somit deutlich über dem klassischen Ein-Sterne Segment. Sternekoch Ronny Siewert und sein Team
freuen sich über die Auszeichnung. „Wir sind stolz auf die sehr gute Bewertung. Es zeigt uns, dass wir bundesweit mit sehr gut etablierten Restaurants auf einer Stufe stehen und die Gastronomie in Mecklenburg-Vorpommern an Zuspruch gewinnt“, sagt der 31-Jährige.

Die Bewertung des „gusto“ sei ein Beleg dafür, dass die Gourmetküche des Grand Hotels Heiligendamm auf höchstem Niveau arbeite.
Bereits im letzten Jahr hatte Ronny Siewert mit seinem Team den Michelin-Stern verteidigt und sich von 16 auf 17 Gault-Millau-Punkte gesteigert. Darüber hinaus führt Siewert die Rangliste der besten Köche in Mecklenburg-Vorpommern an.
 



Kurze Pause auf dem Bau: Die Bauarbeiten für Villa "Perle" ruhen aus Rücksicht auf die Gäste.

In Gedanken kann man schon die ewigen Kritiker munkeln hören: An der Baugrube für Villa "Großfürstin Marie - Perle" tut sich nichts mehr. Die ECH hat einen Baustopp angeordnet. Über die Gründe kann man in Gedanken schon die Gerüchte-Küche brodeln hören. Doch es gibt ganz einfache Gründe und damit die Gerüchteküche zu bleibt, nennt die ECH diese lieber gleich:

 


Aus Rücksicht auf Gäste in Heiligendamm: Wiederaufbau der Villa Perle ruht bis zum Ende der Saison

Heiligendamm, den 18.08.2010. Aus Rücksicht auf Gäste des Grand Hotels Heiligendamm und andere Urlauber in Heiligendamm lässt die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) die Arbeiten am Wiederaufbau der Villa Perle bis zum Ende dieser Saison ruhen. „Der Lärm ist so erheblich, dass für die Hotelgäste ein ungestörter Urlaub nicht möglich ist. Die Bohrarbeiten zur Sicherung der Baugrube, mit denen wir in der vergangenen Woche begonnen haben, tragen den Schall lautstark zwischen den einzelnen Gebäuden des Grand Hotels hin und her. Wir hatten uns im Vorfeld natürlich darüber Gedanken gemacht. Aber mit so großem Lärm haben wir nicht gerechnet“, erläutert ECH-
Geschäftsführer Heiner Zimmermann.

Mit Ende der Herbstferien in den meisten Bundesländern werden die Arbeiten am 25. Oktober fortgesetzt.
Die weniger lärmintensiven Arbeiten am Haus Krone und am Marien-Cottage werden indes nicht unterbrochen.

Holger König, Direktor des Grand Hotel Heiligendamm, begrüßt die Entscheidung der ECH. „Der Juli war der beste Monat seit Bestehen des Hotels, für August rechnen wir mit einem ähnlichen Ergebnis, und der Ausblick in den Herbst ist ebenfalls gut. Unser Haus ist ausgebucht. Da ist es wichtig, dass unsere Gäste die Erholung finden, die sie bei uns suchen. Bauarbeiten bringen immer Unannehmlichkeiten mit sich. Aber wenn die ECH zum Start der Nebensaison weitermacht, können wir damit leben“, so König.

Auch wenn die Pause für die ECH mit Mehrkosten verbunden ist, so ist die Entscheidung für Zimmermann doch alternativlos:
„Wir freuen uns, dass das Grand Hotel Heiligendamm einen so guten Lauf hat. Das ist auch eine gute Nachricht für die Menschen in der Region. Darauf müssen wir jetzt vorrangig Rücksicht nehmen.“

Quelle: ECH-Pressemitteilung vom 18.08.2010 von Christan Plöger

 


Das Bautagebuch geht damit auch erst im Oktober/November weiter. Ein paar Bilder werden aber nächste Woche noch ergänzt.


Neuausrichtung geglückt: Grand Hotel mit bester Auslastung seit der Eröffnung.

Vor etwas über einem Jahr trennte sich die Kempinski-Gruppe vom Grand Hotel Heiligendamm. Der Ausstieg des Betreibers kam nicht überraschend aber überstürzt. Das Grand Hotel musste von heute auf morgen umgekrempelt werden: Neue Buchungssoftware, neue Webseiten, Prospekte und Broschüren, neues Geschirr, neue Textilien und Accessoires. Der Schriftzug "Kempinski" durfte nicht mehr in Heiligendamm auftauchen und sollte auch nicht mehr mit Heiligendamm in Verbindung gebracht werden. Erstes meisterte die eiligst gegründete Betreibergesellschaft mit Hilfe von Krediten, für die das Land Mecklenburg-Vorpommern auf Bitten Jagdfelds bürgte. Zweites wird so schnell nicht gelingen, denn das "Kempinski" oder auch "Kempi" hat sich eingebürgert und steht auch ohne gleichnamige Betreiber für Heiligendamm. Immerhin: Das allein ist schon ein Erfolg für das Grand Hotel. Doch für die ca. 200 Investoren des FUNDUS-Fonds 34 zählt nicht das Image, sondern das Geld. Dieses floss unter Kempinski spärlich. Daran konnten auch Versuche, das Grand Hotel anders auszurichten nichts ändern. 2008 hieß es, Heiligendamm wolle einen Stern herunter gehen - ein übliches Verfahren. Im selben Jahr fand man das Luxus-Hotel auf Tchibo vermarktet. Dem entsprechend waren auch unsere Erfahrungen bei einem Test-Kaffee im Kurhaus-Restaurant vernichtend für ein Luxus-Hotel.

Nach dem Weggang der Kempinski-Gruppe änderte sich einiges. Am Haupttor wurde eine Klingel angebracht, am Hinterausgang ein Mitarbeiter mit Schirm, Tisch und Angebotskarten positioniert und bei den Mitarbeitern machten sich Veränderungen in der Aufmerksamkeit und Freundlichkeit bemerkbar. Vielen kostete der Betreiberwechsel der Job aber viele wurden (unter neuen Bedingungen) übernommen und andere neu eingestellt. Neu war auch die Schaffung einer Presseabteilung innerhalb der FUNDUS-Gruppe als Ergänzung zur PR-Mitarbeiterin der ECH. Seitdem bekommt auch zeit-am-meer.de Pressemitteilungen. Die nun folgende zeigt, dass die Neuausrichtung des Grand Hotels nach dem Weggang Kempinskis erfolgreich war und dass Abschied zwar ein scharfes Schwert sein kann aber Zeit alle Wunden heilt. Es war meteorologisch nicht der heißeste oder beste Sommer seit 2003 aber für das Grand Hotel war 2010 trotzdem der beste Sommer seit der Eröffnung. Das - und einem unglücklichen Bericht in Spiegel-TV (sh. Kommentar) - ist dem Hotel eine Pressemitteilung wert:
 

PRESSEMITTEILUNG
 

Grand Hotel Heiligendamm mit bestem Sommer seit Bestehen/
Neue Angebote werden gut angenommen/
Instandhaltungsarbeiten und Schönheitsreparaturen im
November
 

Heiligendamm, den 24.08.2010. Das Grand Hotel Heiligendamm verzeichnet in diesem Jahr den besten Sommer seit Bestehen des Hotels im Jahr 2003. „Der Juli war der beste Monat, den wir je hatten. Und auch für August erwarten wir ähnliches“, freut sich Holger König, Direktor des Grand Hotel Heiligendamm. Im Juli und August war bzw. ist das Grand Hotel praktisch komplett ausgebucht. Auch die Vorausbuchungen für September und Oktober sind gut.
 

Die im vergangenen Jahr eingeleitete Neupositionierung beginnt sich jetzt auszuzahlen. Zwar hat auch das Grand Hotel den außergewöhnlich harten und langen Winter wie alle Hotels in Mecklenburg-Vorpommern zu spüren bekommen. Das Haus liegt aber dennoch im Plan und konnte sein Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbessern.
 

„Die Gäste merken, dass sie bei uns gleichermaßen herzlich willkommen sind und professionell umsorgt werden. Vor allem kommen immer mehr Familien mit kleinen Kindern zu uns, weil sie wissen, dass es tolle neue Angebote für Erwachsene wie für den Nachwuchs gibt“, erläutert Hotel-Direktor König die Ursachen. So bietet das Grand Hotel seit diesem Sommer großen wie kleinen Gästen die Möglichkeit, in einer Segelschule und in einer Surf- und Kiteschule unter fachkundiger Anleitung Wassersport zu erlernen und zu betreiben – direkt am Strand von Heiligendamm. Bald kommen auch noch Tennis und Ballsportarten hinzu: Die beiden Tennisplätze sowie zwei Multifunktionsplätze für Fußball und andere Ballsportarten sind fast fertiggestellt. Künftig wird es zumindest an den Wochenenden entsprechende Turniere geben.
 

Auch das erweiterte kulturelle Programm – angefangen bei Konzerten mit internationalen Künstlern im Rahmen der Musikfestspiele MV bis hin zu Lesungen mit renommierten Größen wie Hellmuth Karasek oder Joachim Gauck – lockt immer mehr Gäste in die Weiße Stadt am Meer. „Wir haben zwar noch ein Stück des Weges zu gehen, aber die Vorzeichen stimmen“, so König.


Daher verteilt das Grand Hotel die alljährlich notwendigen Instandhaltungs- und Schönheitsreparaturen nicht über das Jahr, sondern bündelt sie im November. In dem nasskalten Monat mit vergleichsweise geringer Belegung ruht der Hotelbetrieb deswegen vom 01. bis einschließlich 25. November, um umfassende und lärmintensive Arbeiten u.a. im Wellness-Bereich und im Wirtschaftsteil des Kurhauses durchzuführen. Pünktlich mit Beginn der deutlich stärkeren Advents- und Weihnachtssaison wird das Spa wieder in Betrieb genommen. Lediglich der Sauna-Betrieb wird dann übergangsweise in einer neuen exklusiven Sauna-Hütte auf der Dachterrasse des Severin Palais untergebracht, bis das preisgekrönte Spa im April wieder komplett in neuem Glanz erstrahlt. „So ist gewährleistet, dass wir unseren Gästen auch in der attraktiven

Weihnachts- und Silvesterzeit die gewohnt gute Erholung im Warmen anbieten können“, erläutert König.
 


Spiegel-TV berichtete aus Heiligendamm und brachte Pressesprecher Christian Plöger mit der Frage nach der Auslastung aus dem Konzept. Im folgendem Beitrag ging es dann nur noch um die als schlecht dargestellte Auslastung und die als zu wenig bzw. nicht vorhandenen dargestellten Angebote Heiligendamms. Abgerundet wurde der einseitige Beitrag durch die üblichen Aussagen Heike Ohdes, dass Heiligendamm nicht mehr erlebbar wäre. Höhepunkt der Subjektivität war die Feststellung, dass das Bauschild für die Villa "Perle" keine Daten zum Baubeginn- und ende trägt, was suggeriert, dass es ohne Berechtigung dort stünde.

Den Beitrag können Sie bei Youtube einsehen:
http://www.youtube.com/watch?v=YM0vS3Ys4N0&feature=fvsr

Die Ausbesserungsarbeiten, von denen in der Pressemitteilung die Rede ist, sind tatsächlich nötig geworden.
Bei einem Rundgang stieß eine ZDF-Reporterin schon auf einige Schadstellen an den Sockeln des Kurhauses und des Hauses "Mecklenburg". Aber es gibt noch anderen Reparaturbedarf und Ende November werden die lauten Arbeiten an der Baugrube der Villa "Perle - Großfürstin Marie" nach der Bau-Pause wieder aufgenommen. Außerdem wird der Wellnessbereich umgebaut. Genehmigungen zur Vergrößerung des SPA-Bereiches liegen ja schon seit über 2 Jahren vor.


Harsche Kritik: Stadtvertreter halten ihre Versprechen nicht und lassen die Senioren im Stich.

Vor der Wahl ist alles anders. Probleme sind lösbar, Ärgernisse eliminierbar und Demokratie ist schön. Man muss nur wählen gehen und natürlich den richtigen wählen. Damit man auch den richtigen findet, gehen die Kandidaten unter Leute, hören zu, reden, schreiben sich Dinge auf, verteilen Zettelchen, Fähnchen, Luftballons oder gar Brötchen. Vor der Wahl ist eben alles anders. Da gibt es Nähe und Aufmerksamkeit und ganz viele Versprechungen. Das nennt sich "Selbstinszenierung" und ist ein großes Problem in der Lokalpolitik. Denn die erst einmal gewählten Kandidaten haben alle Hände voll damit zu tun, sich in Szene zu setzen und den Wählern das Gefühl zu geben, in ihrem Interesse zu handeln. Da muss man auch mal hart durchgreifen und andere Stadtvertreter anschreien, sie beleidigen, ihre Inkompetenz beweisen und mit Klage drohen. Wenn das nicht hilft, versucht man es beim Bürgermeister und wenn auch der resistent ist, wendet man sich anderen Dingen zu. Günstigstenfalls der Sacharbeit, denn mit Resultaten lässt sich wirklich etwas bei den Wählern erreichen. Leider haben das in Bad Doberan noch nicht alle Stadtvertreter erkannt und wenn dann mal einer droht, Ergebnisse zu erzielen, springt gleich die Selbstinszenierungsmaschine einiger anderer wieder an. Dann reicht es nicht für Mehrheiten und der Antrag geht unter, um dann Monate später von seinen Gegnern leicht abgeändert medienwirksam wieder hervor gebracht zu werden. Das ist Politik und durchaus demokratisch.

Keiner beschwert sich, denn jeder weiß insgeheim, dass er es nicht besser machen könnte. Doch wer sich noch an Zeiten erinnern kann, als es auch anders ging, den mag dieses Tun ohne zu tun doch auf die Nerven gehen. Besonders, wenn man auf die Unterstützung der Stadtvertreter angewiesen ist und diese auch von ihnen zugesagt wurde, sind Wortbrüche ärgerlich. Die Senioren des Seniorenbeirats gehören zu den vergessenen Umgarnten. Und sie machen ihren Unmut Luft, indem sie ungewöhnlich harsche Kritik an den Stadtvertretern üben:  

 


OSTSEE-ZEITUNG | 27.08.2010

Senioren: „Stadtvertreter unterstützten uns nie“

Mit einer deutlichen Kritik an Bad Doberans Stadtvertreter aller Fraktionen
beendet der Seniorenbeirat der Stadt seine vierjährige Amtsperiode. Neuwahlen stehen an.


Von KLAUSWALTER
Bad Doberan. Am 1. September werden die zehn Mitglieder des Seniorenbeirates der Stadt Bad Doberan ihre vierjährige Amtszeit beenden. Während der Auftaktveranstaltung zu den Seniorenfesttagen (15 Uhr, Festsaal der Kreisverwaltung) stehen die Neuwahlen des Gremiums an. Bislang haben neun Seniorinnen und Senioren ihre Kandidatur angemeldet.

Die jetzige Beiratsvorsitzende, Marianne Böckenhauer, wird ihren Rechenschaftsbericht mit einer deutlichen Kritik beenden.
„Vermisst haben wir unsere Stadtvertreter, die uns in keinster Weise unterstützt haben“, heißt es im Redemanuskript der Beiratsvorsitzenden. – „Als ich die Damen und Herren vor der Kommunalwahl im vergangenen Jahr fragte, was sie denn im Falle ihrer Wahl für die Senioren tun würde, waren die regelrecht außer Rand und Band“, erzählt Marianne Böckenhauer. „Alle wollten sie meine Adresse haben, und alle haben sie versprochen, sich gleich nach der Wahl zu melden. Gekommen ist niemand.“

Um so höher ist die Arbeit des Gremiums zu bewerten. Denn in den zurückliegenden vier Jahren haben die Beiratsmitglieder nicht nur 1400 Geburtstagsgrüße „im Namen des Bürgermeisters“ an die 75-Jährigen und älteren Bad Doberaner überbracht. Sie haben auch mit Nachdruck
versucht, eine Kummersprechstunde (jeden 1. Montag im Monat) zu etablieren. „Leider wird dies noch zu wenig genutzt“, sagt Marianne
Böckenhauer. Viele andere Veranstaltungen, wie das gemütliche Beisammensein (wieder ab 12.Oktober jeden 2.Dienstag im Monat),
die Informationsnachmittage zum altersgerechten Wohnen, die Begehungen zur Gestaltung der Wegeverhältnisse, die gemeinsamen
Ausflüge oder die Weihnachtsfeier, die im letzten Jahr erstmals stattfand, wurden dagegen bestens besucht. „Organisation und Vorbereitung kosten viel Kraft“, sagt Marianne Böckenhauer. Nur 2000 Euro bekommt das Gremium – die gehen für die Geburtstagsgrüße drauf. Für alle anderen Veranstaltungen müssen mühsam Sponsoren geworben werden.
 


Bad Doberan ist eine Stadt mit hohem Altersdurchschnitt. Schon seit je her war die Ruhe, Überschaubarkeit und Nähe zur See und Natur Anreiz, hier den Alterssitz her zu verlegen. Bad Doberan lebt von den Senioren, besonders wenn diese gute Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten und eine gute Infrastruktur vorfinden. Gerade die Märkte in den von Senioren stark besiedelten Wohngebieten (Buchenberg und Kammerhof) existieren fast nur noch durch die Unfähigkeit älterer Leute, die weiteren Wege zu den Discountern zurück zu legen. Umso wichtiger ist es, den Leuten einerseits Möglichkeiten zu geben, ihr Geld zu Gunsten der Stadt auszugeben und andererseits den Lebensabend schon aus Achtung vor ihnen so angenehm wie möglich zu gestalten. Für die Stadtvertreter sollte die enorme Zahl der Senioren Grund genug sein, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln, denn auch heute noch hören die Erstwähler auf den Rat ihrer Eltern und Großeltern oder werden zumindest durch diese beeinflusst.


Endlich schnell ins Netz: Heiligendamm bekommt Internet über LTE (Long Term Evolution).

Aus der Luft präsentiert sich die Weiße Stadt am Meer als heller Fleck in der grünen Landschaft. So soll es auch sein, denn das war die Idee derer, die den Sandsteinfassaden weiße Farbe spendierten. Damals kannte man wohl Netze: Fischernetze, Tennisnetze und auch Spinnennetze. Heiligendamm hatte davon alles zu irgend einer Zeit zu bieten. Nur mit dem Internet(z) war es schlecht bestellt. Auf den Netzabdeckungskarten wurde die Weiße Stadt ihrem Namen gerecht und erschien als weißer Fleck in einer grün-roten Landschaft. Sehr zum Leidwesen der Einwohner und Gewerbetreibenden in Heiligendamm, die weder selbst schnell über das Internet kommunizieren, noch es ihren Kunden und Urlaubern anbieten konnten. Einzig das Grand Hotel und die ECH hatten eine relativ schnelle Insellösung gefunden aber der Rest der Heiligendammer schaute in die Röhre oder auf das TFT-Display. Für viele Minuten pro Tag und für viele Jahre des Jahrzehnts. Lokalpolitiker versprachen Abhilfe aber Lokalpolitiker können kaum helfen. Das war auch gar nicht nötig, denn der Mobilfunk-Riese Vodafone hatte längst eine Lösung gefunden. Nun wird sie in Heiligendamm umgesetzt und der weiße Fleck auf der Landkarte - nur auf der Netzabdeckungslandkarte natürlich - verschwindet:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 24.09.2010

Turboschnelles Surfen in der weißen Stadt am Meer

Heiligendamm. Der Mobilfunkdienstleister Vodafone hat gestern in Heiligendamm seinen deutschlandweit ersten Sendemast mit dem neuen Mobilfunk-Standard LTE (Long Term Evolution) ans Netzt gebracht. Mit dem neuen Standard, der nicht mehr genutzte Radiofrequenzen im 800-MHz-Bereich nutzt, soll das Surfen im Internet theoretisch bis zu achtmal schneller funktionieren, als es mit dem DSL-Standard im Festnetz möglich ist.

Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, drückte gestern gemeinsam mit Vodafone-Chef Friedrich Joussen den symbolischen roten Knopf im Grand Hotel Heiligendamm und gab damit Sendebetrieb für die neue Breitbandtechnologie im ländlichen Raum frei. „Aufgrund der höheren Reichweite dieser Frequenzen werden wir schrittweise alle ,weißen Flecken’ im Mobilfunknetz bedienen können“, kündigte Vodafone-Sprecher Bernd Hoffmann an.

Dann werde es auch im ländlichen Bereich „Breitbandinternet für alle“ geben. Bis aber Videos und Fernsehen ruckelfrei laufen, große Dokumente blitzschnell geöffnet und Musik in Sekundenschnelle per Mobilfunk auf den Laptop geladen werden können, vergeht noch rund ein Vierteljahr. Ab Dezember, so Hoffmann, werde die Hardware – der USB-Stick mit dem LTE-Empfänger – im Handel sein. Diese könnten je nach Hersteller ohne Vertrag ab ca. 80 Euro zu haben sein (nutzbar auch für LTE-Dienste anderer Anbieter; T-Mobile, E-Plus und O2 haben ebenfalls 800-MHz-Frequenzen ersteigert). Vodafone will den Dienst mit Stick und Vertag ab ca. 40 Euro monatlich anbieten. Bis Dezember will Vodafone bundesweit 1000 Gemeinden im ländlichen Raumempfangsbereit machen, im März sollen es bereits 1500 sein. Bis Ende 2011 sollen laut Vodafone alle „weißen Flecken“ abgedeckt sein. kw

INFO
Alte Radio-Frequenz

Der Mobilfunk-Standard LTE (Long Term Evolution) nutzt nicht mehr benötigte Radiofrequenzen im 800-MHz-Bereich.
Aufgrund ihrer hohe Reichweite soll damit eine Abdeckung aller „weißen Flecken“ im Mobilfunknetz erfolgen.
LTE bietet theoretisch eine achtmal höhere Datenrate als der bislang schnellste Mobilfunk-Standard HSDPA,
der eine ähnlich hohe Datenrate ermöglicht hatte, wie der DSL-Standard im Festnetz.
 


Ausgangspunkt der Technologie ist der Mobilfunkmast in der Gartenstraße, der seinerzeit schon den weißen Fleck auf der Mobilfunk-Netzabdeckungskarte beseitigte und nun auch die Hochgeschwindigkeitsinternet-Netzabdeckungskarte vervollständigt. Auch in Bad Doberan gibt es nicht überall das schnelle VDSL in voller Geschwindigkeit. Mit der neuen Technologie könnte Heiligendamm seine Mutterstadt punkto Surfgeschwindigkeit überholen. Der Nutzer wird davon jedoch kaum etwas merken, denn ein Video läuft mit DSL-16000 schon flüssig und wird mit LTE nicht flüssiger. Es bleibt zu befürchten, dass die Hardware den USB-Stick ausbremsen wird, da die meisten Rechner noch USB 1.1 verwenden. Selbst USB 2.0 wird LTE ausbremsen, sodass nur eine Aufrüstung auf USB 3.0 (USB3) die volle Geschwindigkeit ausreizen wird. Dann aber steht und fällt die Geschwindigkeit mit der Bandbreite des Servers, von dem man die Daten abruft. Anders gesagt: Läuft der Videoserver zu langsam, ruckelt das Bild auch beim schnellsten Internetzugang noch. Da aber auch Fernsehen schon mit einem DSL-16000 Angebot möglich ist (allerdings nur bei der Telekom und Hansenet), dürfte die neue Technologie auch als Ersatz für das Kabelnetz einmal interessant werden. 


Wer ist die Stadt? Wer hat das Sagen in Bad Doberan? Und wer braucht eine 5 m breite Sackgasse?

Auf den Straßen der Noch-Kreisstadt tut sich etwas. Nein, es sind nicht Demonstrationszüge wütender Bürger gemeint. Diese kennt die Stadt nicht. Also: die Demonstrationszüge. Oder doch die wütenden Bürger? Eigentlich sind die Bagger und Planierraupen, Lkws und Walzen gemeint, die auf den Straßen der Stadt arbeiten. Zuerst erfuhr die Seestraße eine Neugestaltung, dann die Clara-Zetkin-Straße und nun ist der Stülower Weg samt seiner Seitenstraßen dran. Versteht man noch, dass eine Kreisstraße breit genug sein muss und gesteht man der scheidenden Kreisstadt auch zu, zum Ende der Regentschaft noch einmal richtig zu klotzen, mutet die Mutierung der Neben-Sackgassen zu Boulevards als pure Geldverschwendung an. Dabei ist es zu 75% das Geld der Anwohner, das da in den Sand gesetzt wird. Zu sagen haben diese Anwohner nichts und wenn sie es doch versuchen, werden sie barsch abgewürgt. Lesen Sie selbst: 

 


OSTSEE-ZEITUNG | 29.09.2010

Stadt ignoriert Bürgerwillen

Obwohl ein Ausbau auf eine Straßenbreite von 3,5 Metern genügen würde, will die Stadt Bad Doberan den
Seitenweg II des Stülower Weges auf 4,75 Meter ausbauen. Alle Einwände der Bürger werden abgewiesen.


Von KLAUS WALTER

Bad Doberan. Waltraut Malchow, Dieter Weissbach, Frank Speer und all die anderen Anwohner des Seitenweges II im Stülower Weg in Bad Doberan sind sauer.„Stinksauer“, wie sie betonen, auf den Bürgermeister ihrer Stadt und die Stadtverwaltung. Grund: Seit Monaten wehren sie sich dagegen, dass die einst 2,50 Meter breite Zuwegung zu ihren Grundstücken auf Kreisstraßen-Niveau ausgebaut werden soll. Gespräche, Eingaben, Widersprüche, zwei Unterschriftensammlungen, Ortsbegehungen, eine Dienstaufsichtsbeschwerde, – alles, was die Anwohner bisher unternahmen, blieb ohne Erfolg. Zuletzt, in der Bürgerfragestundewährend der Stadtvertreterversammlung am 20. September, wurde sogar noch ihre Nachfrage nach drei neuen Ausbauvarianten, die Bürgermeister Hartmut Polzin bei einem Vor-Ort-Termin am 9. August in Aussicht gestellt hatte, regelrecht abgewürgt. Ein Dialog sei nicht erwünscht, herrschte Versammlungsleiter Guido Lex die Bürger an.

Nach demWillen der Stadt – die Stadtvertreter hatten den Ausbau des Seitenweges am26.April praktisch „durchgewinkt“ – soll die neue Fahrbahn 4,75 bis 5 Meter breit werden, dazu kommen seitliche Befestigungsstreifen. Begründung: Der Seitenweg II ist „eine Anliegerstraße mit Begegnungsverkehr, in der sich Fußgänger, Radfahrer, Pkw, Lkw und Arbeitsmaschinen einander begegnen“, wie Bad Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin am31.August in einem Brief an die Anwohner des Seitenweges schrieb. „Der einzige Lkw, der hier fährt, kommt alle zwei Wochen von der Müllabfuhr“, hält Frank Speer dagegen. „Wenn sich wirklich mal zwei Pkw begegnen, weicht man einander aus. Das hat 40 Jahre lang funktioniert. “UndArbeitsmaschinen? Speer winkt verbittert ab: „Unsere Rasenmäher vielleicht?“

Die 16 Familien, die im Seitenweg II in Einfamilien- und Doppelhäusern wohnen, sind nicht gegen den Ausbau des Weges. Regen-
und Schmutzwasserleitungen wurden verlegt, und dass der bis dahin kaum befestigte Damm eine ordentlich Decke bekommt, dagegen ist niemand. Obwohl die Anlieger dafür zahlen müssen: laut Straßenbaubeitragssatzung der Stadt Bad Doberan 75 Prozent der Kosten. „Aber gerade deswegen fordern wir, dass unser Geld mit Sinn und Verstand ausgegeben wird“, schimpft Waltraut Malchow.

4,75 Meter plus Seitenstreifen bedeutet, dass etliche Vorgärten weichen, uralte Hecken abgeholzt, Hanggrundstücke abgefangen werden müssen, kurzum: dass viel zu teuer gebaut wird. Immer wieder schob die Stadtverwaltung, zuletzt auch Bürgermeister Polzin in der Stadtvertreterversammlung, ein Argument vor: die Müllabfuhr fordere diese Breite, sonst werde der Müll nicht abgeholt. – Doch das ist schlichtweg falsch: In Wahrheit schreibt die Berufsgenossenschaft der Entsorgungsbetriebe an keiner einzigen Stelle eine Straßenbreite in
Metern vor. Lediglich das Rückwärtsfahren ist den Entsorgern im Paragraf 16 ihrer Unfallverhütungsvorschrift untersagt. Rückwärtsfahren müssen die Entsorger im Seitenweg II aber auch nicht. Denn am Ende des Weges wird ein Wendehammer gebaut, der überhaupt nur Sinn macht, wenn Müllfahrzeuge dort wenden können. „Aber dann reicht eine Straßenbreite von 3,5 oder 3,6 Metern“, sagt Waltraut Malchow.

So jedenfalls befürworten es die Anwohner des Seitenweges: 3,6 Meter Fahrbahn, auf halbem Weg eine Ausweichbucht, am Ende der Wendehammer. Auch Vertreter der Entsorgungsunternehmen hatten beim Vor-Ort-Termin am9.August ihr Einverständnis dafür signalisiert. „Und eben deshalb hatte der Bürgermeister die Planungen für weitere Ausbauvarianten angekündigt“, erinnert sich Waltraut Malchow. „Doch leider warten wir bis heute vergeblich darauf.“

Anwohner Dieter Weissbach ist einfach nur noch verbittert. „Was haben wir nicht alles unternommen, um diesen Wahnsinn zu stoppen?“, sagt er. „Mit Demokratie hat das rein gar nichts zu tun.“
 



KOMMENTIERT
Wer ist die Stadt?

Das Vorgehen von Stadtverwaltung und Stadtvertretern in Sachen Seitenweg II ist grotesk.
Da wird anhand einer vollkommen fadenscheinigen Begründung („Der Müll wird nicht abgeholt.“) der unsinnig teure Ausbau eines Stichweges zur Prachtstraße beschlossen. Und alle Bemühungen der Bürger, eine vernünftige und sinnvolle Lösung herbeizuführen,
werden ignoriert – bis hin zur kommunalpolitischen Bockbeinigkeit. „Der Ausbau ist im Interesse der Stadt,“ sagt Bürgermeister Polzin.
Die Frage aber ist: Wer ist die Stadt? – Die Verwaltung? Der Bürgermeister? Oder ihre Bürger?

KLAUS WALTER
 


Es sei angemerkt, dass der Straßenbau nicht ohne Normen auskommt. Es gibt Bundesstraßen, Landesstraßen, Kreisstraßen und Gemeindestraßen und sie alle haben verschiedene Maße. Der Stülower Weg ist eine Kreisstraße und muss daher breiter sein, als eine Gemeindestraße. Das ist verständlich. Was keiner weiß: Oft sind die Nebenstraßen einer Kreissstraße Teile dieser und damit keine Gemeindestraße. Das bedeutet, dass die Norm eine breite Straße verlangt, wo es eigentlich keinen Sinn macht. Die Alternative ist nun, die Kreisstraße als Gemeindestraße umzuwidmen. Das ist aufwändig und teuer und kann bis zu 20 Jahre dauern. In dem Fall ist es dann günstiger, aus einer kleinen Nebenstraße einen unsinnig-breiten Boulevard zu machen. Oft will der Kreis oder das Land auch gar nicht Kreis- oder Landstraßen zu Gemeindestraßen umwandeln. Noch öfters kommt diese Situation vor: Eine Straße zwischen zwei Ortsteilen einer Gemeinde ist eigentlich zu schmal. Wenn es Traktor und ein Auto sich begegnen, wird es eng. Platz für eine breitere Straße wäre genug und auch die Grundstücksfragen wären lösbar. Also stellt die Gemeinde den Antrag, die Gemeindestraße in eine Kreisstraße umwandeln zu dürfen. Das bedeutet für den Kreis aber, dass er eine Straße mehr im Plan hat, die gewartet, geräumt und gepflegt werden muss. Der Kreis kann also die Umwandlung aus guten Gründen ablehnen. So viel zum Verständnis.

Im Falle des Seitenweg II ist es etwas anders: Wenn die Stadt dem Bau zugestimmt hat, muss sie dafür beschlussfähig gewesen sein, denn sie kann ja nur über Straßen beschließen, die ihr auch gehören. In dem Fall muss die Seitenstraße II also eine Gemeindestraße sein. Es sei denn, die Gemeinde hat Mitspracherecht bei der Sanierung der Kreisstraße, weil diese durch die Gemeinde verläuft und weil die Gemeinde zugleich Kreisstadt ist. Wenn das so wäre, hätte der Bürgermeister es aber sicherlich erklärt. Also dürfte die Seitenstraße II eine Gemeindestraße sein und damit die Gemeinde für die Planungen und Ausführungen zuständig. Dafür spricht die Kostenaufteilung, die nur bei Gemeindestraßen im Verhältnis 75:25 sein dürfte.

Fazit: Die Stadt KANN im Sinne der Anwohner handeln. Sie WILL es nur nicht. Sicherlich eine Kostenfrage und bestimmt fragt man sich auch, seit wann die Anwohner die Fakten kennen, zumal eine Verbreiterung der Straße ihnen Teile ihrer Grundstücke kostet und die Stadt diese ganz sicher nicht enteignet hat, sondern kaufen musste - und zwar schon vor einiger Zeit. In dem Moment musste klar sein, dass die Straße breiter wird. Vielleicht haben die Anwohner erst zu spät reagiert, als die Planungen schon liefen. Trotzdem ist das Verhalten der Stadt merkwürdig:

Mehr Infos und Nachträge zum Thema weiter unten auf dieser Seite.

Klaus Walter bringt es auf den Punkt: Wer ist die Stadt?

Ist es die Verwaltung? Diese beschließt nur, was beschlossen werden kann.
Gegen Misswirtschaft und Fehlentscheidungen in der Stadtverwaltung gibt es Gesetze und so ist über Klagen und Verfahren diesem Teil der Stadt gut beizukommen. Darum hütet sich die Stadtverwaltung schon vor allzu großen Misstritten.

Ist der Bürgermeister die Stadt? Gewöhnlich ist er als Schnittstelle zwischen Stadtverwaltung und Stadtvertretung ein ausführendes Glied, das nur einen sehr engen Entscheidungsspielraum hat. Damit Bürgermeister nicht zu Diktatoren werden, gibt es Gesetze, Aufsichtsstellen und die Stadtvertreter.

Sind die Stadtvertreter - die Klaus Walter vergessen hat - denn die Stadt? Nun: Die einen versuchen, vier Jahre im Voraus Wählerstimmen zu bunkern, die anderen wollen durch die ökologische Hintertür ökonomische Beschlüsse wieder rückgängig machen, wieder andere vertreten nur ihre eigenen Interessen und der Rest ist irgendwie mit sich selbst beschäftigt.
Damit sind sie zu einem großen Teil für das Geschehen in der Stadt verantwortlich.

Ohne jeden einzelnen Stadtvertreter dafür verantwortlich machen zu wollen,
so ist die Stadtvertreterversammlung Schuld daran, dass:


- trotz mehrerer Versuche kein Ferienpark auf dem Kammerhof entstehen konnte
- der Kammerhof sich als unfertiges verwildertes Baugebiet präsentiert
- die Stadt verkehrstechnisch chaotisch und touristenunfreundlich ist
- Heiligendamm sich nicht wie gewünscht und geplant entwickelt hat
- die Perlenkette bislang noch nicht saniert werden konnte
- das Moorbad dem Verfall preisgegeben ist
- Bad Doberan nicht mehr Kreisstadt wird

Der letzte Punkt bringt uns gleich zum nächsten Thema:


Gedanken über die Zwangsvereinigung der Kreise Bad Doberan und Güstrow.

Ab nächstes Jahr würde die Barlachstadt Güstrow Kreisstadt des anonymen Großkreises "Mittleres Mecklenburg" sein.
Dieser Beschluss kam aus Schwerin und wenn man sich die beiden Städte einmal vergleichend anschaut, wird nicht sofort offensichtlich, warum gerade Güstrow Kreisstadt des neuen Großkreises werden soll:


Beide Städte sind etwa gleich groß und haben etwa gleich viele Einwohner in der Stadt und der Peripherie. Beide Städte sind für die Randanwohner des Großkreises gleich schlecht zu erreichen und beide waren bereits Kreisstädte ungefähr gleich großer Kreise. Beide Kreisverwaltungen sorgen für Lohn und Brot, nicht nur bei den Angestellten, sondern auch in der ganzen Logistik, Kommunikation und Versorgung, bis hin zum Bistro um die Ecke. Soweit die Gemeinsamkeiten, die für beide Städte als Kreisstadt sprechen.

Nun die Unterschiede: Der Kreis Bad Doberan ist wirtschaftlich stärker als der Kreis Güstrow, hat eine geringere Arbeitslosenquote und ein größeres Wirtschaftswachstum. Lediglich hat der Kreis Güstrow mit dem Biocon Valley in Teterow einige Filetstücken, die aber durch Bad Doberans Wirtschaftskraft im Rostocker Speckgürtel wieder wett gemacht wird. Bad Doberan liegt an der Ostsee-Autobahn und zugleich unweit des Drehkreuzes A19-A20 und dazu noch an der Bahnstrecke Rostock-Wismar. Güstrow hingegen liegt nur an der A19, weitab von der A20 und hat kaum Ost-West-Verbindungen. Auch die Bahnstrecken enden in Rostock und Neubrandenburg und führen nicht nach Osten und Westen. Bad Doberan hat ein großes Kreisverwaltungsgebäude, während Güstrow dieses erst neu errichten musste, um der neuen Kreisgröße gerecht zu werden. Das Bad Doberaner Kreisverwaltungsgebäude wird damit überflüssig, muss aber wegen des Finanzierungsmodells weiter betrieben werden.

 

Anschließend die Nachteile: Beide Kreise haben Kreisverbände, Kreisvereine und Kreisorganisationen. Es gibt in Bad Doberan und in Güstrow Kreismusikschulen, Kreisvolkshochschulen, Kreisberúfsschulen, Kreissportvereine, Kreisverbände der Parteien, des Deutschen Roten Kreuzes und vieler anderer Organisationen. Die Verbände müssen entweder zusammen gehen oder zusammen arbeiten und ihre Namen ändern oder einer muss sich auflösen. Auch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste werden zusammen gelegt. Im anonymen Großkreis wird es keine Besonderheiten mehr geben. Weder die Münsterstadt Bad Doberan, noch die Barlachstadt Güstrow gehen aus dem Namen oder Nummernschild dieses Großkreises hervor. Die Bad Doberaner fühlen sich nicht als "Mittelmecklenburger", denn sie wohnen schließlich ganz im Norden. Die Güstrower hingegen könnten sich zwar zur Mitte zählen aber ihre "Mecklenburger Schweiz" verliert sich auch in der anonymen Bezeichnung des gleichgeschalteten Zwangs-Großkreises.

Warum aber hat sich Schwerin trotz der offensichtlichen Vorteile Bad Doberans für Güstrow entschieden?
Nun: In Güstrow gibt es eine völlig unspektakuläre Arbeit der Kreis- und der Stadtverwaltung. Jeder tut seinen Teil so gut er kann und so gut es eben geht. Keiner versucht, hinten herum den anderen zu beeinflussen. Absprachen sind erlaubt, Druck nicht. So wächst der Kreis Güstrow zwar weniger impulsiv aber stetig und sicher. Die Investoren genießen Planungssicherheit und die Unterstützung oder zumindest das Wohlwollen der Stadt und des Kreises Güstrow. Natürlich kommt es dadurch auch zu Konflikten, wenn die Stadt Investitionen genehmigt, die für Aufregung bei den Bürgern sorgen. In einem landwirtschaftlich geprägten Kreis ist nicht jede Investition, die der Stadt oder dem Kreis genehm ist auch bei den Bürgern willkommen. Im Großen und Ganzen aber verhielt sich der Kreis Güstrow ruhig. Ich selbst lese oft Zeitungen aus der Mecklenburgischen Schweiz und finde dort bedeutend weniger Negativ-Schlagzeilen über die Lokal- und Kommunalpolitik, als hier - trotz teilweiser gleicher Verlagshäuser.

In Bad Doberan hingegen beschäftigen sich die Stadtvertreter schon seit langer Zeit nur mit sich selbst. Mitglieder der Kreisfraktion versuchten in der Vergangenheit, Einfluss auf Mitglieder der Ortsverbände ihrer Partei zu nehmen. Immer wieder drohten Stadtvertreter anderen Stadtvertretern oder dem Bürgermeister oder auch der Stadtverwaltung, unter anderem mit Klagen, Dienstaufsichtsbeschwerden, Anzeigen bei der Kommunalaufsicht, Amtsenthebungsverfahren und sonstigen Aktionen.
Bedeutsame Investitionen, wie die Ansiedlung eines Ferienparks in Bad Doberan scheiterten, auch die Ansiedlung des Coca-Cola-Konzerns und der Kaufland-Stiftung in Bad Doberan endeten damit, dass beide sich weit weg von der Kreisstadt ansiedelten. Der Verkauf und die Sanierung Heiligendamms, sowie die Entwicklung des Ortes war ein einziges Desaster und schlug Wogen bis nach Schwerin und Berlin. Immer wieder wurden Planungen gefährdet und verzögert, was sich auch auf die Investitionsbereitschaft anderer Unternehmen in der Region negativ auswirkte. Bis heute hält sich das Thema "Heiligendamm" in den Medien und immer wieder wird der Zwist zwischen Stadt, Bürgern und Investor zur Schau gestellt. Der Streit um Wahllisten, die Anfechtung der Wahlergebnisse und die Klagen der Bürger über Willkür und mangelnde Demokratie tragen ihren Teil dazu bei, dass Bad Doberan ein schlechteres Image hat, als Güstrow. Da ist es nur logisch, dass die Stadt Kreisstadt wird, die das bessere Image nach außen hin und auch nach innen hat. Auch darum fiel die Entscheidung gegen Bad Doberan und für Güstrow.

Ich für meinen Teil glaube, dass durch die Zwangsgleichschaltung der Bürger zweier unterschiedlicher Regionen nur die Identität verloren geht, ökonomisch aber kein Nutzen entsteht. Bad Doberan hat seine Wachstumschancen nach 1990 genutzt aber leider nicht ausgeschöpft. Was jetzt nicht gewachsen ist oder sich um Wachstum befindet, wird in Zukunft stagnieren. 1867 wurde Bad Doberans Entwicklung erstmals empfindlich gestört und die Stadt hat sich davon nie erholt. Mit der Erhebung zur Kreisstadt und dem jahrzehntelangen Status konnte Bad Doberan aufgepäppelt werden aber mit dem Entzug dieses Medikaments wird der Patient wieder in alte Zustände zurück fallen.

Für Bad Doberan ist die Zwangsvereinigung der Landkreise eine viel größere Katastrophe, als für Güstrow, dessen blaues Auge irgendwann geheilt sein wird. In meinen Augen wäre nur eine Vereinigung mit dem Stadtgebiet Rostocks sinnvoll für Bad Doberan. Wenngleich die Sinnhaftigkeit für Rostock hier abzuwägen wäre. Ich würde mir wünschen, dass bei so viel Sinnfreiheit der Zwangsehe wenigstens die Identität der Bürger aufrecht erhalten würde: Sei es durch die Unterteilung der regionalen Bezeichnungen in "Mittleres Mecklenburg - Doberan" und "Mittleres Mecklenburg - Rostock" oder eine Einteilung in Nord und Süd entlang der alten Kreisgrenzen und durch einen Hinweis im Kennzeichen (DBR und GÜ oder MMD und MMG oder MMN und MMS) oder sei es durch eigenständige Verbände - also zwei Musikschulen, Volkshochschulen, DRK-Verbände etc.

Andererseits glaube ich auch, dass die Zwangsvereinigungen weiter gehen werden: Zunächst in die drei Großkreise Rostock, Schwerin und Neubrandenburg und irgendwann vielleicht auch auf Länderebene mit Schleswig-Holstein. Die Geschichte wiederholt sich, solange wir nicht aus ihr lernen.


Umweltamt außer Rand und Band? Amt fordert Tier- und Natur und große breitere Straßen.

Nichts geht in einer Kommune ohne das Umweltamt. Meistens stellt diese Gesetzmäßigkeit kein Problem dar aber in Bad Doberan ist es anders herum: Nichts geht durch das Umweltamt. Dieses nimmt seine Aufgaben sehr ernst und ist schier unerbittlich, wenn es um das Leben von Echsen und Vögeln oder die Erhaltung von "Biotopen" genannten verwucherten Schlammlöchern geht. Die Menschen der Stadt fühlen sich erdrückt von der Tier- und Pflanzenliebe des Amtes.

Ist das Umweltamt außer Kontrolle geraten? Angesichts der Ankündigung, den Plänen für die Strandversorgung in Heiligendamm zu widersprechen und dem aktuellen Bericht über den Widerspruch zur Sommerrodelbahn am Stülower Weg mag mancher glauben, die Umweltschützer schlügen über die Stränge. Doch ist Umweltschutz ja ihre Aufgabe. Wozu dann aber der Ausbau einer Straße auf Boulevard-Niveau so gar nicht passt. Hier soll nämlich das Umweltamt die Straßenbreite fordern, wie der Bauamts-Chef Norbert Sass bekannt gibt:

 


OSTSEE-ZEITUNG | 30.09.2010

Stülower Weg: Stadt verweist auf Umweltamt

Bad Doberan. Die Verwaltung der Stadt Bad Doberan hat reagiert: Zum Bericht über den geplanten Ausbau des Seitenweges II im Stülower Weg in Bad Doberan (OZ von gestern) meldete sich der Leiter des Amtes für Bau und Stadtentwicklung, Norbert Sass, zugleich stellvertretender Bürgermeister, zu Wort. Er verwies auf die Zwangslage, in der sich die Stadt Bad Doberan befinde. „Wir sind bei unserer Entscheidung an die Genehmigungsbehörde – in diesem Fall der Landkreis und dort die Umweltbehörde – gebunden“, sagte Sass. Sie war im Genehmigungsverfahren zum Ausbau des Weges anzuhören und habe die Vorgabe zur Fahrbahnbreite vom 4,75Metern gemacht.

Handele die Stadt dieser Vorgabe zuwider, sei sie im Falle eines Unfalls verantwortlich und haftbar, erläuterte Sass. Für eine mögliche Änderung der Vorgabe sei in jedem Fall ein Beschluss der Bad Doberaner Stadtvertreter nötig. Der steht jetzt zumindest in Aussicht: Der Ortsverband der FDP reagierte nämlich ebenfalls. „Hier ist im Sinne der Bürger eine Entscheidung zu korrigieren“, kündigte der FDP-Ortsvorsitzende Harry Klink an. Seine Fraktion werde einen Änderungsantrag vorbereiten und dafür Verbündete in den anderen Fraktionen suchen.

Die Anwohner des Stülower Wegs in Bad Doberan versuchen seit Monaten, den ihrer Ansicht nach unnötigen und zu teuren Ausbau ihres Seitenwegs II auf eine Breite von 4,75 Meter zu stoppen. 3,50 Meter Breite seien genug. Dagegen steht die Drohung seitens der  Umweltbehörde des Kreises, die Müllabfuhr würde ihre Arbeit einstellen, falls der Weg nicht auf 4,75 Meter ausgebaut wird. Offiziell beruft sich die Behörde auf die Berufsgenossenschaft der Entsorgungsbetriebe, die diese Straßenbreite angeblich  vorschreibe.
Tatsächlich nennt die Unfallverhütungsvorschrift keine konkreten Straßenbreiten, verbietet Müllfahrzeugen jedoch das Rückwärtsfahren.
Das wäre im Seitenweg II allerdings gar nicht nötig, wenn die geplante Wendeschleife am Ende des Weges gebaut wird. kw
 


Ich hatte es bereits vermutet: Die Stadt hat Auflagen bekommen. Dass gerade das Umweltamt Hänge abtragen, Hecken abreißen und Grünflächen zerstören lassen will, hätte ich natürlich nicht erwartet. Hat doch dasselbe Amt gerade erst in Heiligendamm gegen die Pflasterung eines Sandparkplatzes und den Bau einer Strandversorgung protestiert, um den verwucherten Golfteich als Biotop zu schützen. Während das Umweltamt im Seitenweg des Stülower Weges die Vergrößerung versiegelter Flächen fordert, sorgt es sich ein paar Meter weiter um den Lebensraum von Echsen und die Berührung von Biotopen. Das passt nicht zusammen. 

Nachtrag 30.09.2010, 17:30 Uhr:
Gerade habe ich die Information erhalten, dass die Müllfahrzeuge zu den in der OZ erwähnten Arbeitsmaschinen zählen.
Man müsste also statt in der Unfallverhütungsvorschrift der BG der Entsorgungsbetriebe mal bei anderen Behörden nach Maßangaben für die Straßen suchen. Mir liegt die Info vor, dass die Breiten "gesetzlich gefordert" sind.

Weiterhin wurde mir mitgeteilt, dass die Hecken der Bürger sich vor ihren Grundstücken - also im öffentlichen Raum - befinden.
Das passt sehr gut mit meinem Denkanstoß zusammen, warum die Bürger erst jetzt von der Verbreiterung der Straße erfahren haben, zumal ja jemand erst Teile ihrer Grundstücke hätte kaufen müssen, bevor er sie bebauen darf. So verhält es sich dann so, dass den Anwohnern keine Grundstückteile abgekauft werden mussten, da die betroffenen Teile bereits im Besitz der Stadt sind. Somit darf die Stadt damit auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Befugnisse machen, was sie will. So wird die Verbreiterung der versiegelten Fläche zu Lasten von Hecken und Grünflächen und zu Lasten der Bürger von einem vermeintlich aber irrtümlich rechtlichen Problem zu einem moralischen Problem: Es bleibt ja zu 75% das Geld der Bürger, das da ohne ihren Einfluss verplant wird. Das ist vielleicht das Problem der Demokratie: Man kann alles sagen aber man kann nicht alles haben. Immerhin.
 
 


NNN | 30. September 2010
| von Rebekka Poesch

Umweltamt bremst Rodelbahn aus

BAD DOBERAN
- Christian Dirkners Kinder können es kaum erwarten. Lieber heute als morgen würden sie auf der geplante Sommerrodelbahn ihres Vaters am südlichen Stadtrand Bad Doberans hinunterrutschen. "Wenn alles super läuft, können im Frühjahr die Bauarbeiten beginnen", sagte der private Investor aus Bargeshagen noch vor wenigen Tagen. Eine artenschutzrechtliche Genehmigung und die Zustimmung der Bad Doberaner Stadtvertreter zu seinem Vorentwurf gaben ihm Grund, optimistisch zu sein. Doch nun hat das Umweltamt des Landkreises Klärungsbedarf angemeldet.

Neben den Zauneidechsen, die auf dem Berg leben und umgesiedelt werden müssen, sind am Auslauf der geplanten Bahn auch noch geschützte Biotope vorhanden, die nicht angetastet werden dürfen. "Jetzt muss der Investor versuchen, die Bahn so zu ändern, dass die Biotope nicht berührt werden", sagt Norbert Sass, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung in Bad Doberan. Ein weiteres Gutachten ist notwendig. "Das nimmt Zeit in Anspruch", sagt Dirkner, für den der Baubeginn damit in nicht absehbare Ferne rückt. Es gehe jedoch nicht darum, das Projekt zu verhindern, sondern umweltschutzrechtliche Belange zu berücksichtigen, so Sass.

30 000 Kubikmeter Erde fehlen noch

Auch wenn Dirkner von der Verzögerung nicht begeistert ist - er ist das Warten gewöhnt. Den Traum von einer eigenen Sommerrodelbahn träumt der 39-Jährige bereits seit fünf Jahren. Im Urlaub mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn testete er Bahnen im Thüringer Wald, in Malchow, auf Rügen und im Harz und sagte sich: "Was meinen Kindern Spaß macht, macht anderen Kindern auch Spaß." Die Idee war geboren.

Bei der Stadt Bad Doberan sei das Projekt von Anfang an auf Interesse gestoßen, sagt Dirkner. Und so sei die Idee von Jahr zu Jahr konkreter geworden. 700 Meter lang soll die Bahn nun werden. Die Höhe des Bergs, der von den älteren Doberanern "Stülower Alpen" genannt wird, mit seinen 27 Metern aber eher ein Hügel ist, lässt keine längere Strecke zu. Dirkner muss sogar noch zwölf Meter aufschütten - 30 000 Kubikmeter Erde sind dafür notwendig. Als Höhepunkt ist ein Kreisel oben auf dem Berg geplant, von dem aus auch das Doberaner Münster zu sehen ist. Am Fuß soll ein Bahnhof mit einem Kassenhäuschen, sanitären Anlagen und einem Kioskbetrieb entstehen. Und mittelfristig will der Bargeshäger auch noch einen Streichelzoo, einen Lehrpfad und einen Spielplatz schaffen.

"Erlebnisberg am Münster" könnte die Attraktion heißen, findet Kristina Dirkner, die das Marketing übernehmen will. Zielgruppe der Sommerrodelbahn sind sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene. Christian Dirkner hofft, dass er von den vielen Touristen profitieren wird, die ihren Urlaub an der Ostseeküste verbringen.
Aber auch Schulklassen will er mit seinem Angebot erreichen. Konkurrenz durch andere Bahnen gibt es im Landkreis keine. Die anderen drei in Mecklenburg-Vorpommern befinden sich in Malchow, Burg Stargard und auf Rügen.

Ob die Kinder der Dirkners die neue Sommerrodelbahn in den "Stülower Alpen" schon im kommenden Jahr einweihen können, ist derzeit allerdings noch unklar. "Der Naturschutz wird im Landkreis groß geschrieben", sagt der Investor, der nun ein weiteres Gutachten in Auftrag gibt.
 


Wie es weiter geht, erfahren Sie dann hier.


Gerüchte um das Friedrich-Franz-Palais: Steht das älteste Hotel der Ostseeküste vor dem Aus?

1793 wurde das erste Hotel an der deutschen Ostseeküste im Auftrag des Großherzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg in Doberan direkt am Kamp errichtet. Das historische Zopfstil-Fachwerkhaus diente als Logierhaus und blieb durchweg trotz wechselnder Bezeichnungen (Kurhotel, Kurhaus) ein Hotel. 2005 stand das Haus vor der Versteigerung. Axel Kross und Marie Kross-Jonsson retteten es durch einen Pachtvertrag vor dem Besitzerwechsel und hofften, einst selbst das geschichtsträchtige Haus kaufen zu können. Nun endet ihr Pachtvertrag und damit die Arbeit vieler Angestellter. Das Haus braucht eine Sanierung und die kann der Eigentümer sich scheinbar nicht leisten.
Trotzdem soll das Haus ein Hotel bleiben: Quo vadis, Friedrich Franz - wohin geht das Traditionshotel?
 


OSTSEE-ZEITUNG | 05.10.2010

Betreiberwechsel im Friedrich-Franz-Palais

Gerüchte, wonach das älteste Hotel an der Ostsee schließen muss, sind offenbar falsch. Lediglich der Vertrag der Pächter, Axel Kross und Marie Kross Jonsson, läuft aus. Der Eigentümer, die Germania Epe AG, will das Haus auch weiter als Hotel betreiben.

Von KLAUSWALTER

Bad Doberan. Gestern Morgen machte ein Gerücht die Runde: Das älteste Hotel an der deutschen Ostseeküste, das 1795 als „Herzogliches Logirhaus“ eröffnete Friedrich-Franz-Palais, müsse zum 31. Oktober für immer schließen. Das Betreiberehepaar, Axel Kross und Marie Kross Jonsson, bestätigten: Ihr Pachtvertrag mit dem Eigentümer des Hauses, die Germania Epe AG aus Gronau in Westfalen, laufe aus. Deshalb habe man den meisten der 20Mitarbeiter kündigen müssen.

Am Nachmittag dann gab der Vorstand der Epe, Reinhard Meinke, zumindest teilweise Entwarnung: Das Friedrich-Franz-Palais werde als Hotel weitergeführt. In wenigen Wochen werde man einen neuen Betreiber präsentieren, versicherte Meinke. Lediglich über die Höhe der Pacht
habe man sich mit Familie Kross Jonsson nicht einigen können.

Die Stimmung im Friedrich-Franz-Palais ist gedrückt. Die 20 Mitarbeiter dort sind Angestellte der GmbH von Axel Kross und Marie Kross Jonsson. Sie haben ihre Kündigungsschreiben in der Tasche. Lediglich zwei der Mitarbeiter und drei der vier Auszubildenden können ihre Arbeit oder Ausbildung im benachbarten Prinzen Palais fortsetzen, für das Familie Kross Jonsson einen Managementvertrag hat. „Auch die Übernahme der wenigen Mitarbeiter geht nicht schmerzfrei“, sagt Axel Kross. „Denn dafür werden wir die Verträge mit dem Service-Unternehmen, das dort die Zimmer reinigt, anpassen müssen.“

Ihrer Ansicht nach wird die Epe AG wirtschaftlich nicht in der Lage sein, das Geld zur notwendigen Sanierung und zum weiteren Betrieb des Friedrich-Franz-Palais’ aufzubringen. Schon einmal habe das Haus zur Zwangsversteigerung gestanden, und als sie es 2005 als Pächter übernahmen – den Pachtvertrag hatten sie mit dem Zwangsverwalter geschlossen – geschah dies in der Hoffnung, das Hotel bald zu kaufen.

Epe-Vorstand Reinhard Meinke bestätigt die Schwierigkeiten seiner Gesellschaft. „Wir sind eine Aktiengesellschaft, unterliegen der Berichtspflicht und daher ist bei uns nichts geheim“, sagte Meinke. Seit der Pleite der bundesweit tätigen Babcock AG (tätig im Energie-,
Industrieanlagen- und Schiffbausektor) im Jahr 2002 streite man mit den Insolvenzverwaltern um einen erheblichen Geldbetrag, und weitere Mieteinnahmen in beträchtlicher Höhe habe man durch einen Großbrand eines Gebäudes 2009 verloren. Dennoch habe die auf Immobilien-Betreuung spezialisierte Gesellschaft weitere Gebäude um das Friedrich-Franz-Palais gekauft, um diese zu einem Logier-Ensemble auszubauen, dessen Kernstück das Hotel bleibe.

Axel Kross und Marie Kross Jonsson:
Ihr Pachtvertrag für das Friedrich-Franz-Palais läuft aus.
Gespräche zu einem neuen Projekt gebe es, doch den Mitarbeitern habe man noch keine Zusagen machen können.
 


Für Bad Doberan könnte der Betreiberwechsel gut sein. Die Epe hat die beiden flankierenden Fachwerkbauten erworben und will sie mit in das Ensemble einbeziehen. Das ist historisch korrekt, denn die beiden Häuser gehörten zum Logierhaus und dienten der Unterbringung der Fuhrwerke, also Pferde und Kutschen, sowie der Bediensteten der Gäste und der Angestellten des Logierhauses. Zugleich bedeutet die Einbeziehung der beiden Gebäude eine Sanierung der unansehnlichen Häuser.


Es bleibt bei 4,75 Metern: Das letzte Wort im Stülower Weg - Seitenweg II ist wohl gesprochen.

Ein Beschluss ist demokratisch, wenn die Beschließenden demokratisch gewählt wurden. So machte es jüngst der Bahnchef in Bezug auf den Beschluss zu Stuttgart 21 deutlich. In Stuttgart gingen tausende Bürger auf die Straße, um gegen den Beschluss und S21 zu demonstrieren, zu protestieren und zu agieren. Es kam zu Ausschreitungen, deren Gewaltexesse an den G8-Gipfel und den 02.06.2007 in Rostock erinnerten. In Bad Doberan gibt es eine ähnliche Situation, die aber bei weitem nicht so geladen ist. Hier geht es nicht um Bäume im Schlosspark, sondern um Hecken in einer Seitenstraße, die auch keiner Bahnhoftieferlegung, sondern einer Straßenverbreiterung weichen sollen. Die Geschichte ist dieselbe: Demokratisch gewählte Stadtvertreter erhalten eine Vorlage, über die sie positiv beschließen, Bagger rollen an und mit ihnen kommen die Proteste. Hier nur im sehr kleinen Rahmen von ein paar Anwohnern aber die Gefühle sind dieselben: Unverständnis, Hilflosigkeit und Zorn. Am Ende ändert sich nichts und zurück bleibt Resignation und ein leiser Hass auf diesen Staat und seine Gesellschaftsform. Demokratie könnte volksnäher sein und Lokalpolitik und Kommunalverwaltung könnten enger zusammenarbeiten. Das ist das Fazit nach 20 Jahren vereintem Deutschland hier in Bad Doberan. Denn ob Seestraße, Dammchaussee, Goethestraße oder Seitenweg: Die Geschichten sind immer dieselben:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 07.10.2010

Kaum Hoffnung für den Stülower Weg

Beim Ausbau des Stülower Weges wird es wohl bei der nach Ansicht der Einwohner unnötigen Breite von 4,75 Metern bleiben.
Billiger wird’s auch nicht. Die Stadt hat bereits die günstigste Satzung angewendet.


Von KLAUSWALTER

Bad Doberan. Für den geplanten Ausbau des Stichweges II im Stülower Weg in Bad Doberan sind offenbar alle Messen gesungen.
Obwohl sich in den vergangenen Tagen ein Teil der Stadtvertreter nochmals für die Anwohner eingesetzt hat, wird es aller Voraussicht
nach sowohl bei der Breite von 4,75 Metern für die Anliegerstraße bleiben, als auch bei dem Kostenanteil der Bürger für deren Bau in Höhe von 75 Prozent.

Einerseits beharrt das Umweltamt des Landkreises auch weiterhin auf der sehr engen Auslegung der Unfallverhütungsvorschrift der Entsorgungsbetriebe. Danach sei die Ausbaubreite von 4,75 Metern „Grundlage einer zukünftigen grundstücksbezogenen Abfallentsorgung“, wie es Amtsleiterin Ingetraut Godemann formuliert. Gerade das hatten die Einwohner des Stülower Weges angezweifelt. Denn tatsächlich nennt die Unfallverhütungsvorschrift an keiner einzigen Stelle eine Straßenbreite in Metern. Lediglich das Rückwärtsfahren mit den tonnenschweren Müllautos ist den Abfallentsorgern verboten. „Rückwärtsfahren soll hier auch keiner“, sagte Anwohnerin Waltraut Malchow. Denn am Ende des Weges werde ein Wendehammer gebaut. Dort könne das Müllfahrzeug völlig gefahrlos im „Vorwärtsgang“ umdrehen. Waltraut Malchow: „Dann ist aber auch eine Straßenbreite von 3,55 Metern ausreichend.“ Was nicht nur für die Bürger kostengünstiger wäre, sondern auch für die Stadt und die Steuerzahler.

Das sieht auch der FDP-Ortsverband so, der nach der ersten Veröffentlichung in der Sache (OZ vom 29. September) aktiv geworden war. Ortsverbandschef Harry Klink ist aber dennoch nicht mehr überzeugt davon, hier eine Änderung herbeiführen zu können. Grund: Die Stadtvertreter haben bereits im April dem Ausbau des früher nur 2,50 Meter breiten Weges auf 4,75 Meter zugestimmt. „Obwohl die Stadt die Bürger offenbar nicht rechtzeitig über den konkreten Baubeginn und die Höhe der Kosten informiert hat, sind die Stadtvertreter bei ihrem Votum davon ausgegangen, dass alles in Ordnung war“, sagt Klink. „Hier fühle ich mich als Abgeordneter von der Stadtverwaltung hintergangen.“ Jetzt aber eine Mehrheit unter den Stadtvertretern für einen Baustopp zu erhalten, hält Klink angesichts des Kräfteverhältnisses im Parlament kaum für möglich.

Klink hofft daher auf eine andere Chance. Nach seinen Recherchen gibt es zwei Satzungen, die über die Höhe der Kostenbeteiligung der Bürger bestimmen. Eine Satzung, über die der Neubau einer Straße abgerechnet wird, einer zweite, nach der die Bürgerbeiträge für die Sanierung vorhandener Straßen berechnet werden. Klinks Verdacht: „Möglicherweise wurde hier zuungunsten der Bürger gerechnet.“

Doch laut Bauamtsleiter Norbert Sass hat die Stadt schon die günstigste Variante gewählt. „Hätten wir die Straße als ,erstmalige Herstellung’ berechnet, hätten die Anwohner 90 Prozent der Kosten zahlen müssen“, sagte Sass. Doch habe die Stadt nicht nach der „Erschließungsbeitragssatzung“, sondern nach der „Straßenbaubeitragssatzung gerechnet, erläuterte der Bauamtsleiter.
Danach würden die Bürger mit 15 Prozent weniger, also mit 75 Prozent der Kosten, zur Mitfinanizerung herangezogen.
 


Langsam dürfte klar sein, worum es in der Seitenstraße II wirklich geht: Bürger wurden "möglicherweise" nicht rechtzeitig informiert und fühlen sich nun übergangen. Stadtvertreter greifen das öffentlich diskutierte Thema auf und versprechen, sich darum zu kümmern. Am Ende scheitert dann alles an fehlenden Mehrheiten und daran, dass die Stadtvertreter nicht genau wissen, ob ihr Beschluss zu einer von der Stadtverwaltung vorgelegten Sache richtig ist. Stadtvertreter sind Laien und sollen es auch sein, denn so will es die Demokratie. Da aber immer weniger Leute Stadtvertreter werden wollen, sitzen seit langem schon immer dieselben Laien in der Stadtvertretung und da immer weniger Bürger überhaupt wählen gehen, gibt es kaum Veränderungen in der Struktur und den Mehrheitsverhältnissen. Das ist dann der Punkt, an dem immer alles beim alten bleibt und Demokratie zum Stillstand führt.

Da weiterhin auf der Unfallverhütungsvorschrift herum gehackt wird, werde ich mich jetzt einmal einschalten. Ergebnisse dann hier.


Auf ihn mit Gebrüll die Zweite: Wieder eine Anzeige gegen den Bürgermeister vom Nachbarn.

Im April entsorgte Bad Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin seinen Tannenbaum hinter seinem Grundstück in der Nähe des Althöfer Baches und erregte damit seinen Nachbarn Marvin Berg, der ihn prompt anzeigte. Das Stadtoberhaupt konnte belegen, nicht ganz unrecht gehandelt zu haben und so durften Baum und Grünschnitt liegen bleiben.
Nun wollte der Bürgermeister endlich den von Berg monierten Haufen beseitigen und prompt zeigt der ihn wieder an. Damit beginnt Teil 2 des skurrilen Nachbarschaftsstreits auf der Pfarrkoppel:

 


OSTSEE-ZEITUNG | 12.10.2010

Bürgermeisters Tannenbaum raucht zum nächsten Ärger

Bad Doberan. Vielleicht erinnern Sie sich? Am 13. April hieß es in der OZ „Bürgermeisters Tannenbaum ruht jetzt am Bach“. Marvin Berg aus der Schillerstraße 6 in Bad Doberan war sehr verärgert, weil sein prominenter Nachbar – Bürgermeister Hartmut Polzin – seinen Grünschnitt samt Tannenbaum direkt am Ufer des Althöfer Baches gelagert hatte. Berg sah darin eine Ordnungswidrigkeit, soll doch laut Vorschrift ein Abstand bis zum Ufer freibleiben. Der Wasser- und Bodenverband bestätigte das zunächst.

In der Folgezeit konnte der in Paragrafen sehr versierte Bürgermeister belegen, dass er doch nicht so richtig doll gegen gültige Vorschriften verstoßen hatte, und so ruhten Grünschnitt und Tannenbaum weiter unmittelbar am Bach. Bis Freitag. Da löste sich das Ärgernis in Rauch auf – und der führt nun zum nächsten Krach. Laut Landesverordnung (GVOBl. M-V 2001, S. 281) ist das Verbrennen pflanzlicher Abfälle derzeit zwar erlaubt, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Eine lautet: „Werktags von 8 Uhr bis 18 Uhr.“

Laut Nachbarschafts-Protokoll hat der Bürgermeister seinen Tannenbaum aber erst um 17.30 Uhr entzündet, die letzte Lage Gartenabfälle um 18.56 Uhr aufs Feuer geschichtet, und den Brand erst um 19.17 Uhr gelöscht. Nun hat der Bürgermeister schon wieder eine Anzeige am Hals – beim Umweltamt des Landkreises. kw
 


Bürgermeister sind also "Prominente", deren Privatleben in der Öffentlichkeit breitgetreten werden darf. Hunderte Städter lagern ihren Grünschnitt nicht richtig und verstoßen gegen Verordnungen, weil sie arbeiten und ihren Grünschnitt erst zu spät am Tage oder nur am Wochenende verbrennen können. Hunderte Tonnen Grünschnitt, Bauschutt und Müll werden unbehelligt in Wäldern, auf Wiesen oder auf unbewohnten Grundstücken (Moorbad, Aldo-Komplex, Ruine am Maxim-Gorki-Platz, ehem. Jugendherberge, ehem. Haus der Freundschaft) abgeladen ohne dass sich ein Bürger oder eine Behörde daran stört und aktiv wird. Wenn aber Hartmut Polzin seinen Tannenbaum zu nah an den Bach legt oder seinen Grünschnitt eine Stunde nach der erlaubten Zeit noch verbrennt, dann muss es gleich die ganze Öffentlichkeit wissen.

Wie schon im April geht der Bürgermeister aus der Berichterstattung als jemand hervor, der zwar nicht ganz unschuldig aber dennoch in der Opferrolle ist. Das penible "Nachbarschaftsprotokoll" und der Streitwert von 77 Minuten tragen natürlich dazu bei, Marvin Berg lächerlich da stehen zu lassen. So sind dann auch die Reaktionen der Leser zu Lasten Bergs: Er sei "nur neidisch auf den Bürgermeister wegen seiner Position oder seines großen Grundstücks und neuen Hauses" oder auch, er sei "ein Stänkerer" oder eben, er sei "einfach frustriert" und ihn würde "es befriedigen, anderen mit "Stasi-Methoden" zu "zersetzen"". Zum Glück für Herrn Berg hat sich noch niemand öffentlich derart dazu geäußert. Vielen "ist es das nicht wert" oder auch "zu niveaulos".

Ich persönlich frage mich, woher die Ostsee-Zeitung ihre Informationen bekommt.
Anzeige zu erstatten, ist richtig und wichtig, wenn es richtig und wichtig ist. Aber läuft danach jemand (ein Umweltamtmitarbeiter oder Herr Berg selbst - oder der Bürgermeister?) - zur Ostsee-Zeitung, um davon zu berichten und es in die Öffentlichkeit zu bringen?
Wer hätte denn daran Interesse: Ein Umweltamtmitarbeiter? Der Bürgermeister? Herr Berg?  


M-irgendwas oder lieber DBR? Was soll auf den Kfz-Kennzeichen der Doberaner stehen?

Die Kreisgebietsreform ist beschlossene Sache und im September nächsten Jahres gibt es die Kreise Bad Doberan und Güstrow nicht mehr. Beide Kreise gehen in einem neuen Kreis auf (oder unter?), dessen Name noch nicht feststeht aber irgendwie auf "Mittleres Mecklenburg" lauten soll. Dieser neue anonyme Großkreis schaltet die Bürger der beiden ehemaligen Kreise gleich und das soll bis hin zum Nummernschild am Auto reichen. Da "MM" schon Memmingen gehört und "ME" von Mettmann belegt wird, bleibt nur noch "MME" übrig. Doch wollen die Küstenbewohner überhaupt als "Mittelmecklenburger" abgestempelt werden? Oder möchten sie Doberaner bleiben und ihr "DBR" behalten? Möglich ist es, dass der neue Kreis mit zwei oder drei verschiedenen Kfz-Kennzeichen fährt. Eine Umfrage soll nun Klarheit bringen: 
 


OSTSEE-ZEITUNG | 12.10.2010

Umfrage: Soll das DBR im Kennzeichen bleiben?

Bad Doberan. Viele deutsche Städte haben in den vergangenen Jahren durch Um- und Neustruktuierungen der Landkreise ihre Kfz-Kennzeichen verloren. Jetzt könnte das mit der bevorstehenden Gebietsreform erneut passieren. Was wird aus dem DBR auf den Kennzeichen für den Landkreis Bad Doberan? Wollen die Bürger ihr DBR behalten?


Die Heilbronner Initiative – ein Forschungsprojekt der Hochschule Heilbronn – untersucht in vielen Städten das Interesse der Bürger am „Alt-Kennzeichen“ und dessen Erhalt. Am Donnerstag, dem 14. Oktober, ab 9 Uhr werden in Bad Doberan in der Mollistraße Mitarbeiter des Forschungsprojektes Bürger befragen, ob sie das DBR-Kennzeichen behalten möchten, auch wenn der Landkreis nach der Fusion mit dem Kreis Güstrow einen anderen Namen trägt.

„Die Abschaffung des Kennzeichens bedeutet, dass die Wahrnehmung der Stadt geringer wird“, sagte der Initiator des Forschungsprojektes, Prof. Dr. Ralf Bochert, gestern am OZ-Telefon. Städte wie Stralsund, Wismar, Neubrandenburg und Rostock hätten einen Sonderstatus und dürften ihre Kennzeichen behalten. Doch auch für andere Orte gäbe es die Möglichkeit, wies er hin. Eine Aktion dafür habe aber nur Sinn, wenn die Bevölkerung es denn auch will, machte der Studiendekan an der Hochschule Heilbronn deutlich. Denn eine Kennzeichenumstellung finanziere nicht die Stadt, sondern müssten die Bürger bezahlen. Es sei deshalb wichtig, dass neutrale Unternehmen solch eine Umfrage machten.

Nach Ansicht von Prof. Dr. Ralf Bochert würden Landkreise mit dem Wegfall ihrer Kennzeichen auf ein wichtiges Identitätsmerkmal verzichten. Selbst die wirtschaftliche und touristische Vermarktung gestaltet sich seiner Meinung nach wesentlich schwieriger. „Städte verlieren mit dem eigenen Kfz-Kennzeichen ein Stück ihrer Außenwirkung. Auch wenn es sich nur um zwei oder drei Buchstaben handelt. Das Kulturobjekt Automobil erhöht die Bedeutung von Kennzeichen um ein Vielfaches,“ meint Bochert.

Bereits im April und Mai wurden mehr als 11 000 Personen in 51 deutschen Städten, die ihre Kennzeichen bereits verloren haben, im Rahmen
des Projekts befragt. Die Mehrheit von gut 73 Prozent äußerte den Wunsch zur Rückkehr zu ihrem Altkennzeichen, zwölf Prozent sprechen sich für die Beibehaltung der aktuellen Situation aus. „Fällt das Votum der Bürger für die Erhaltung des bisherigen Kennzeichens positiv aus, wird damit nicht die Aufgabenverteilung und die verwaltungsbezogene Einheit der Landkreise infrage gestellt,“ unterstreicht Bochert.

R. PETER


Verwaltungsspitzen berieten

Bad Doberan. Gestern berieten die Landräte und ihre Stellvertreter der Landkreise Bad Doberan und Güstrow in Bad Doberan zur Umsetzung der Kreisgebietsreform zum 4. September 2011. Solche Beratungen finden inzwischen monatlich statt, teilte Doberans Landrat Thomas Leuchert mit. Auch Güstrows Landrat Lutz da Cunha befürworte den direkten Kontakt. „Fragen und Probleme werden auf kurzem Wege geklärt, klare Absprachen getroffen“, sagte er. So seien in den letzten Wochen und Monaten „einvernehmliche Lösungen für gemeinsame Amtsleitungen gefunden worden“, hieß es. Einzelheiten teilten die Landräte der Öffentlichkeit nicht mit.
 



Erstes Umfrageergebnis liegt vor: DBR soll bleiben!

Die Ostsee-Zeitung begleitete die Umfrage der Hochschule Heilbronn zum Interesse der Bürger an eigenen Kfz-Kennzeichen und veröffentlicht schon heute das erste Ergebnis. Dieses spricht eine klare Sprache: Die Bad Doberaner Bürger wollen ihr DBR-Nummernschild behalten. MIM und damit auch der Möglichkeit MME erteilen sie eine klare Abfuhr. Nicht so klar sind die Begründungen, die von Gewohnheit über Schönheit bis hin zu Abneigung gegenüber den neuen Varianten reichen. Plötzlich fällt da der Satz "Wir wollen kein GÜ" und entblößt die Ahnungslosigkeit der Bürger und Bürgerinnen. Untermauert wird dies durch weitere Äußerungen wie "Der alte Kreis soll bleiben". Das sehen auch viele Bürger in anderen Kreisen so: Sie wollen ihren Kreis, ihr Nummernschild und ihre Identität behalten. Nur: Was haben diese Bürger in den letzten sieben Jahren eigentlich gemacht? Warum haben sie das Kind erst in den Brunnen fallen lassen? Wie funktioniert Demokratie? Die Berichterstattung und ein persönlicher Kommentar - lesen Sie selbst:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 15.10.2010

Klare Ansage: „DBR“ soll bleiben

Studenten der Hochschule Heilbronn fragten gestern, ob das Bad Doberaner Kfz-Kennzeichen
nach Zusammenschluss mit dem Landkreis Güstrow erhalten bleiben soll. Die Antwort war eindeutig.


Von KLAUS WALTER

Bad Doberan. „DBR soll bleiben“ – das ist die klare Aussage zu einer Umfrage, die Annika Boy und Christina Reichert, Studentinnen
der Hochschule Heilbronn, gestern in Bad Doberan führten.

Hintergrund ist ein Forschungsprojekt, das die Hochschule derzeit in vielen deutschen Städten führt. Die Studenten wollen herausfinden, wie groß das Interesse der Bürger am Erhalt ihrer Kfz-Kennzeichen ist. „150 Städte, die ehemals oder noch durch ein eigenes Kfz-Kennzeichen auf den Straßen repräsentiert wurden, zeigen Interesse an der Möglichkeit, ihr Alt-Kennzeichen zurückzubekommen oder zu erhalten“, sagt Prof.
Ralf Bochert, Initiator der Umfrage und Studiendekan der Hochschule Heilbronn. Und obwohl die wissenschaftliche Auswertung der gestrigen Umfrage in Bad Doberan noch einige Wochen dauern wird, dürfte sich das Ergebnis, das Bürgermeister Hartmut Polzin erhalten soll, kaum ändern.

Wichtig zu wissen für die Lokalpolitik, denn in Bad Doberan und dem Landkreis könnte sich das Kfz-Kennzeichen zum September 2011 ändern. „Mittleres Mecklenburg“ soll nach Vorstellungen der Landesregierung der Großkreis heißen, der zu diesem Zeitpunkt aus den Landkreisen Güstrow und Bad Doberan gebildet werden soll. Daraus könnten die Schweriner Kreisgebiets-Reformer möglicherweise sogar ein Kfz-Kennzeichen wie „MIM“ entwickeln.

Margitta Hilgers, eine der Befragten, bringt es auf den Punkt: „DBR muss bleiben, damit die
Stadt bekannt bleibt.“ Münster, Molli und G8 – all das habe Bad Doberan bekannt gemacht, das könne man nicht einfach für „GÜ“ wie Güstrow oder „MIM“ wie Mittleres Mecklenburg opfern. „DBR gehört zu uns,“ sagt Anja Schlichting. „Es gibt keinen Grund, das zu ändern.“ Und Wolfgang Voß sagt: „Der ganze Kreis muss bleiben, und natürlich auch das DBR. Alles andere ist Etikettenschwindel. Güstrow, das sind nicht wir.“

Auch über die Stadtgrenzen hinaus ist das Interesse am DBR-Kennzeichen offenbar groß. Schon am Vorabend der Umfrage rief Familie Smentek aus Rerik in der OZ-Redaktion an: „Wir sind vier Personen, haben vier Autos und wollen unbedingt alle das DBR behalten.“ Da sie nicht an der Umfrage teilnehmen könne, bat die Familie, die Meinung an die Interviewer weiterzugeben.

Dass mit der Kreisgebietsreform, die in knapp elf Monaten in Mecklenburg-Vorpommern in Kraft treten soll, unbedingt ein neues Kfz-Kennzeichen vergeben werden muss, ist keineswegs sicher. Offenbar wissen die Reformer in Schwerin, dass Kfz-Kennzeichen durchaus Identitätskriterium für die Bürger sind und dass bei einer Änderung erheblicher Widerstand droht.

Nach OZ-Informationen hat das Schweriner Innenministerium aus diesem Grund schon von sich aus vier Städten, die ihren Kreisstadt-
status verlieren sollen, angeboten, die Kfz-Kennzeichen zu behalten: Greifswald (HGW), Stralsund (HST), Neubrandenburg (NB) und
Wismar (HWI). Und auch die Insel Rügen, die sich vehement gegen die Fusion zu einen Großkreis Nordvorpommern wehrt, soll angeblich ihr „RÜG“ behalten dürfen – wenn sie den Widerstand gegen die Reform aufgibt.
 



Ich habe mir angesichts der Aussagen erlaubt, einen Leserbrief zu verfassen, der wohl nicht in ganzer Länge veröffentlicht werden kann und den ich deshalb hier einstelle:
 


Kommentar des Autors:

Da ist bei einigen Leuten wohl ein falscher Eindruck entstanden.
Der Kreis Bad Doberan soll nicht wie die DDR an die BRD dem Kreis Güstrow angegliedert werden.
Es soll ein neuer Kreis entstehen, indem Güstrow und Bad Doberan gleichermaßen untergehen.

Mit dem neuen Kfz.-Kennzeichen wird man weder die Barlachstadt,
noch die Münsterstadt in Verbindung bringen können, denn wie das DBR soll auch das GÜ wegfallen.
Lediglich darf sich Güstrow Kreisstadt des gleichgeschalteten anonymen Großkreises nennen.

Wirtschaftlich ist Bad Doberan stärker und auch infrastrukturell spricht nichts für die eine Stadt mehr,
als für die andere. Vielleicht hat man sich für Güstrow entschieden, weil die Güstrower in der Vergangenheit weniger auffällig waren, sich nicht so viel, lange und öffentlich gestritten und wichtige Sachen blockiert haben.

Ich möchte auch lieber DBR und den Kreis Bad Doberan erhalten sehen, da ich mich nicht als Mittelmecklenburger sehe und ich hätte auch damit leben können, dass Rostock Kreisstadt ist. Das wollte zwar der Kreis Bad Doberan aber das wollte die Stadt Bad Doberan nicht. Logisch, denn es macht ja keinen Unterschied für Bad Doberan, welche andere Stadt Kreisstadt werden würde, wenn Bad Doberan dadurch seinen Status verliert.

Das große ABER: Die Kreisgebietsreform wurde 2003 - also vor sieben Jahren - begonnen.
Man las davon in den Medien, Amtsblättern und Einladungen zu den Sitzungen diverser Gremien und Vertretungen. In den sieben Jahren hat sich kaum Widerstand aus der Bevölkerung formiert, es gab kaum Widersprüche, Klagen oder Mitarbeit der Bürger.

Der Widerstand beschränkte sich fast ausschließlich auf Leute in Positionen, die sie in Gefahr sahen:
Landräte, Kreistagsabgeordnete usw.. Eben wegen dieser Hintergründe wurden ihre Widersprüche zwar angehört aber nicht ernst genommen, denn solange die Bürger keine massiven Einwände hatten, konnte man gewähren.

So beschloss man im siebten Jahr die Reform, die Kreisgrenzen und die Kreissitze.
Und siehe da: Jetzt gibt es Widerstand und Unmut. Jetzt ist es aber zu spät.


Vielleicht lernen wir aus dem Verlust unseres Kreises und vielleicht unseres Nummernschildes und damit unserer Identität endlich, dass Demokratie bedeutet, stets auf dem Laufenden zu sein, stets die Informationsangebote anzunehmen und stets die Möglichkeiten der Einflussnahme auszunutzen.

Demokratie ist nicht, dass man uns fragt, was wir möchten.
Demokratie ist, dass wir sagen, was wir wollen.
Und zwar immer gleich und nicht erst hinterher.

 




Es geht weiter: Wiederaufbau der Villen Perle und Großfürstin Marie wird jetzt fortgesetzt.

Die Baukräne in Heiligendamm wurden aufgestellt, Bagger rollten an und es wurde laut in Deutschland ältestem Seebad. Doch es dauerte nicht lange, da rückten die Bagger wieder ab und die Kräne hörten auf, sich zu drehen.
Nicht ohne Bange vernahmen die Doberaner und Heiligendammer eine gewisse Ruhe und Untätigkeit auf der seit 2003 größten Baustelle der Weißen Stadt am Meer. ECH-Chefplaner Hans Schlag konnte die Leute beruhigen: Man macht eine Zwangspause aus Rücksicht auf die Hotelgäste, die nach langer Zeit wieder so richtig das Hotel an seine Belegungs-Grenzen brachten. Das darf man natürlich nicht kaputt machen und so ruhte der Wiederaufbau der "Perle" - und immer auch der "Großfürstin Marie", da es sich um ein Doppelhaus handelt - bis zum Saisonende. Das ist jetzt erreicht und nun geht es weiter auf Heiligendamms von allen Bürgern, Politikern, Investoren und Planern lang ersehnter Großbaustelle:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 19.0.2010

Bau der Villa „Perle" wird fortgesetzt
 

Heiligendamm. Der im August unterbrochene Wiederaufbau der Villa „Perle" in Heiligendamm wird am kommenden Montag fortgesetzt.
Wie die Entwicklungs Comapanie Heiligendamm (ECH) mitteilte, laufen am heutigen Dienstag letzte Detailabsprachen mit den beauftragten Firmen. „Angesichts der nachts empflindlich niedrigen Temeraturen wird es höchste Zeit, dass wir vorankommen", sagte ECH-Geschäftsführer Hans Schlag. Die Bauarbeiten zur Sicherung der Baugrube für die Villa „Perle" waren am 18. August kurz nach dem feierlichen Baustart am 3. Juli mit Rücksichtnahme auf die Gäste des Grand Hotels unterbrochen worden. Mit so einer enormen Lärmentwicklung habe man nicht gerechnet, hieß es.

Auch im Kleinen Wohld wird gebaut. Der rund 4,1 Hektar große Abschnitt des Küstenwaldes, der ein privater Hotelpark werden soll, wird eingezäunt. „Die ersten 60 Meter stehen", sagte Schlag. In etwa drei bis vier Wochen werde der Zaun fertig sein.
Der Umwandlung des öffentlichen Waldes in einen Privatpark hatten Bad Doberans Stadtvertreter 2008 zugestimmt und das im Juli 2010 bestätigt. Im Gegenzug hatte die ECH einen öffentlichen Kurpark hergerichtet.
 kw
 

Die ersten rund 60 Meter Zaun umeinen 4,1 Hektar großen Abschnitt des Kleinen Wohldes in Heiligendamm stehen. Hier wird der Küstenschutzwald in einen privaten Park für die Gäste des Grand Hotels umgewaldet.
 


Abgesehen von einigen Tippfehlern - die mir ja auch passieren - und einer lustigen Sinnentstellung fällt auf, dass die Berichterstattung sich gemäßigt hat und nach langer Unterbrechung jetzt wieder mit Fakten gearbeitet wird.

Seit 17.12.2009 ist die Verordnung in Kraft, gegen die sich die Gegner der Waldumwandlung mit Hilfe der Ostsee-Zeitung so vehement gewehrt haben.

Link: Die Verordnung über den "Kur- und Erholungswald Heiligendamm" kann hier eingesehen werden.



Schützen-Lärm vs. Schützen-Tradition. Wohin geht der Heiligendammer Schützenplatz?

Die Tradition des Schießens gibt es in Heiligendamm schon seit 1828. Damals fand das erste Schießen auf der Rennbahn bei Heiligendamm statt. Am 17. August 1828 beteiligten sich daran hochrangige Persönlichkeiten der Doberaner Gäste, wie Prinz Friedrich von Holstein, der Herzog von Lucca und die Grafen Hahn und Voß, nachdem einige von ihnen bereits am 09. August im Schützenhaus ihr Talent bewiesen. 1855 entstand der erste Schießstand in Heiligendamm und 1882 wurde der Schützenverein von Doberan gegründet. Bis 1897 schoss man auf lebende Tauben und ab 1898 auf Tontauben. 1910 schaffte es der Schießplatz in die rühmende Aufzählung der Annehmlichkeiten des Weltbades Heiligendamm und sogar der spätere US-Präsident Ronald Reagan schoss in seiner Göttinger Studienzeit in Heiligendamm. 1943 endet die ruhmreiche Geschichte des Schießens in Heiligendamm, bis 1963 Forstmeister i. R. Willy Bolland dem neuen Oberförster Helmut Mattke die Stellen zeigte und dieser engagiert den völlig verwilderten und versumpften Schützenplatz wieder herrichten ließ. Im selben Jahr errang die Heiligendammer Mannschaft den Meistertitel des DDR-Schießsports und seit 1968 präsentiert sich der Schützenplatz Heiligendamms in seiner heutigen Form - abgesehen vom niedergebrannten und neu errichteten Jagdhaus, das so erst in diesem Jahrzehnt hinzu kam.

Der Heiligendammer Schützenplatz gehört also zu Bad Doberan und Heiligendamm, wie das mondäne Luxushotel.
Wie aber am Grand Hotel scheiden sich die Geister auch am Schützenplatz. Hätten die einen lieber ein Staatsbad statt eines Luxusresorts, wünschen sich die anderen auch den Schießplatz wegen seiner Geräuschentwicklung weg. Erstmals stellte die Orts-FDP den Schießplatz öffentlich in Frage, nahm sich dann aber zurück und fordert nun - um nach der Intervention nicht ganz untätig zu sein - ein Gutachten über die Belastung des Grundwassers. Dieses soll es bereits geben und so muss die Stadtvertretung entscheiden, wie es weiter geht auf dem Schützenplatz Heiligendamm.

 


OSTSEE-ZEITUNG | 29.10.2010

Sechs Tonnen Blei pro Jahr, aber keine Gefahr


Am Montag tagen Bad Doberans Stadtvertreter. Unter anderem geht es darum, ob die Stadt Geld für eine eventuelle Sanierung des Bodens auf dem Schießplatz bereithalten muss.
 

Von KLAUS WALTER

Bad Doberan.
Nur wenige Punkte stehen auf der Tagesordnung der Stadtvertreterversammlung in Bad Doberan am 1. November (18.15 Uhr, Rathaus, Severinstraße 6). Für die Öffentlichkeit interessant dürfte die Debatte um den Schießplatz in Heiligendamm werden. Das neue Parkraumbewirtschaftungskonzept, das seit April diskutiert wird und unter anderem neue Parkgebühren und des Ende des kostenlosen Parkens am Wochenende in Doberan vorsieht, hat es nicht auf Tagesordnung geschafft. 16 Änderungsvorschläge waren dazu eingegangen, die meisten aus dem Tourismusausschuss. Sie müssen erst einmal redaktionell in die Beschlussvorlage eingearbeitet werden.
 

Tagesordnungspunkt 9 der Sitzung, die um 19 Uhr zur Einwohnerfragestunde unterbrochen werden soll, befasst sich mit dem Schießplatz Heiligendamm. Die FDP hatte noch vor einigen Wochen ein Gutachten zur Belastung des Schießplatzbodens mit Blei gefordert, und den nicht ganz geräuscharmen Betrieb des Platzes in einem Kurort generell in Frage gestellt.

Die Liberalen ruderten zurück, wollen aber immerhin noch wissen, ob infolge der Belastung durch das Blei aus der Munition möglicherweise Sanierungskosten auf die Stadt zukommen könnten, und falls ja, wie diese verringert werden könnten. Abwegig ist die Forderung nicht.
Zwar wurden bereits 2004 laut einem Protokoll des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StAUN) die Schießzeiten in Heiligendamm auf Mittwoch, Freitag und Sonnabend beschränkt. Die Zahl der erlaubten Schüsse wurden an diesen Tagen jedoch auf je 1500 Schuss aus der Doppelbockflinte am Mittwoch und Freitag, und auf 2000 Schuss Trap/ Skeet (Disziplinen des Tontaubenschießens) am Sonnabend erhöht.

Damit ist laut Protokoll das Aufkommen von Blei aus der Munition von zuvor 2,3 Tonnen im Jahr auf 6,2 Tonnen jährlich gestiegen.
Trotzdem versicherte der Einzelabgeordnete Jochen Arenz in der letzten Sitzung des Hauptausschusses am 20. Oktober, dass eine Gefährdung des Grundwassers ausgeschlossen sei. Dies mündete in der Empfehlung des Ausschusses an die Stadtvertreter, die FDP-Forderung nicht zu unterstützen. – Was FDP-Fraktionschef Harry Klink nicht gelten lassen will: „Wenn eine Gefährdung des Grundwassers ausgeschlossen ist, wäre die Auflage der Genehmigungsbehörde zu wiederkehrenden Messungen unlogisch." Tatsächlich steht die Schützengilde in der Pflicht, alle fünf Jahre Gutachten vorzulegen. Die letzte Untersuchung von 2007 belegt, dass die zulässigen Grenzwerte für Blei unterschritten waren. Sie erreichten gerade ein Viertel des zulässigen Grenzwertes von 80 Mikrogramm Blei je Liter Wasser. Das Gleiche gilt auch für alle anderen problematischen Verbindungen aus der Munition, insbesondere für Arsen und Antimon, sowie für die umweltschädlichen Stoffe aus den Tontauben, die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, sogenannte PAK.

Wie der Amtsleiter des jetzigen Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU), Hans-Joachim Meier, sagt, sei aufgrund dieser Werte auch künftig nicht mit einer Sanierung des Schießplatzbodens in Heiligendamm zu rechnen. „Die Grenzwerte werde ja nicht einmal annähernd erreicht", sagte Meier. Dennoch werde das nächste Gutachten, das regulär 2012 erstellt werden müsse, die aktuellen Werte zeigen und für Klarheit sorgen.

 



Und hier das Ergebnis der Versammlung:
 


OSTSEE-ZEITUNG |  03.11.2010

FDP fürchtet Blei im Schießplatz-Boden


Obwohl der Boden auf dem Schießplatz Heiligendamm überwacht wird, will es die FDP genau wissen:
Wie gefährlich sind die jährlich sechs Tonnen Blei, Arsen und Antimon, die dort verschossen werden?


Bad Doberan (OZ) - Nach kontroverser Debatte während der Stadtvertretersitzung am Montagabend hatte die FDP-Fraktion ihren Antrag zum Schießplatz Heiligendamm zurückgezogen. Die Liberalen wollten wissen, ob aufgrund des Bleis in der verschossenen Munition mit einer Sanierung des Bodens auf dem Schießplatz zu rechnen sei, und ob die Stadt für diesen Fall nicht finanziell vorsorgen müsse.

Einzelabgeordnete und Vertreter des Bürgerbundes machten den FDP-Vertretern klar, dass für diese Auskunft eine einfache „kleine Anfrage“ an den Bürgermeister genüge, ein Beschluss der Stadtvertretung nicht nötig sei.
 

Trotzdem hatte der Abgeordnete Hannes Meyer (Bürgerbund) erklärt, das Problem „keinesfalls kleinreden“ zu wollen.
„Schon als Kinder haben wir da jede Menge Blei zum Bleigießen geholt“, sagte Meyer.

„Da liegt jede Menge davon rum.“ FDP-Fraktionschef Harry Klink versuchte, genau diese Menge Blei zu veranschaulichen.
Ausgehend von der vom Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (StAUN) 2004 genehmigten Anzahl von Schüssen (je 1500 mittwochs und freitags, 2000 sonnabends, d. Red.) kämen pro Jahr 6,2 Tonnen Blei auf das Schießplatzgelände hinzu. „Im Verlauf der jetzt durch den Bürgermeister verlängerten Pachtdauer von 35 Jahren sind das 402 Tonnen“, sagte Klink. „Eine Schlange von 80 Lkw ,W50‘.“ Klink machte auch auf die ebenfalls im Bleischrot enthaltenen giftigen Bestandteile Arsen und Antimon aufmerksam.
 

Klink betonte, es sei nicht Anliegen des Antrages, den Schießplatz zu schließen, wie ihm oft unterstellt werde, sondern auf die Umweltproblematik aufmerksam zu machen. „Mit der Natur um Bad Doberan haben wir einen besonderen Schatz“, sagte Klink.
„Den gilt es zu erhalten.“ Der Einzelabgeordnete Jochen Arenz will sich dabei aber auf die reguläre Gutachtertätigkeit verlassen.
„Das letzte Gutachten von 2007 zeigt, dass alle Grenzwerte eingehalten werden. Das nächste Gutachten folgt 2012“, sagte Arenz.

Tatsächlich ist die Schützengesellschaft verpflichtet, dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU), Nachfolgeeinrichtung des StAUN, alle fünf Jahre ein Bodengutachten vorzulegen.
 

Dennoch, kündigte Klink nach der Versammlung an, sei die FDP in Sorge und werde mit einem neu formulierten Antrag Aufklärung einfordern. INFO Arsen und Antimon Arsen und Antimon sind Halbmetalle und werden u.a. in der Produktion von Bleischrot eingesetzt. Arsen macht Blei gießfähiger. Antimon sorgt dafür, dass Bleikugeln beim Erkalten nach dem Guss nicht schrumpfen. Arsenik (Arsen(III)-oxid) ist giftig. Antimon-Verbindungen mit Chlor sind ätzend, alle anderen Verbindungen mit Antimon sind gesundheitsschädlich, umweltgiftig oder krebserregend.

KLAUS WALTER

 




Streit und Klüngel um das letzte Stück der Sahnetorte: Wer darf Heiligendamm-Gäste versorgen?

Die Natur eines Paketverkaufs bringt es mit sich, dass mit dem Paket auch der ganze Inhalt den Eigentümer werchselt. Bei einem so kleinen Ort wie Heiligendamm bleibt beim Verkauf eines 28 Häuser umfassenden Paketes nicht viel beim bisherigen Eigentümer übrig. Da ist dann jeder Quadratmeter Matschwüste plötzlich wertvoll und muss wohl überlegt behandelt werden. In Heiligendamm will die Stadt den Fuß in der Tür behalten, indem sie eines ihrer verbliebenen letzten Grundstücke als Gewerbeland nutzt. Natürlich soll hier nicht irgend ein Gewerbe entstehen, sondern ein lukratives, das der Stadt Geld bringt, das die Leute gern bezahlen. Eine Strandversorgung ist so eine Goldgrube, denn die Gäste Heiligendamms wollen und brauchen etwas zu essen und trinken, Souvenirs und sanitäre Einrichtungen in direkter Strandnähe und dem zukünftigen Betreiber ist eine langfristige Existenz so gut wie sicher. Zumindest wenn er es versteht, mit den vor Ort vorhandenen Angeboten zu harmonieren. Zugleich würde eine Strandversorgung die Attraktivität des ersten deutschen Seebades enorm steigern und damit mehr Touristen anlocken und mehr Einnahmen sichern - auch mittelbar über Parkgebühren, Kurtaxe oder Mollifahrten. Klar ist: Heiligendamm braucht eine Strandversorgung und klar ist auch: Es gibt zwei Bewerber. Unklar ist, wer den Zuschlag kriegt - und warum:

 


OSTSEE-ZEITUNG | 01.12.2010

Strandversorgung wird zum Streitfall im Hauptausschuss

Bad Doberans Stadtvertreter liegen im Clinch.
Sie können sich nicht darauf einigen, wer auf dem letzten Zipfel Bauland in Heiligendamm einen Kiosk bauen darf.

Von Klaus Walter

Bad Doberan –DasThema„Strandversorgung in Heiligendamm“ löste am Montag im Blauen Salon des Bad Doberaner Rathauses eine turbulente Diskussion aus. Mitglieder des Hauptausschusses der Stadtvertretung ermahnten sich wechselseitig zu „Transparenz“und„Offenheit“, das Wort „Deppen“ fiel schon mal, und das Wort „Kungelei“ lag ungesagt in der Luft.

Bei der Strandversorgung geht es nicht etwa allein um Bockwurst und Brause für die Badegäste, sondern um den letzten Zipfel Heiligendamms,
über den die Stadt Bad Doberan noch frei verfügen kann: die derzeit – zwar als „wilder Parkplatz“ bezeichnete, dennoch von der Stadt „bewirtschaftete“ – Fläche am östlichen Rand Heiligendamms, wo die Seedeichstraße auf Deich und Rettungsturm trifft.

Östlich der Straße, neben dem Golfteich, scheint sich die Zukunft Heiligendamms zu entscheiden. Dort sollen – darin besteht Einigkeit
– Kiosk, öffentliche Toilette und Spielplatz entstehen. Wer sie aber bauen und betreiben darf, daran scheiden sich die Geister. Bereits im Frühjahr berieten die Stadtvertreter die „3. Änderung des B-Planes 25 (Sondergebiete Heiligendamm)“, weil eine „Ingenieur Conzept Heiligendamm“ (ICH), auf der Teilfläche des Flurstücks 23/17 (Seedeichstraße/Parkplatz) die Strandversorgung bauen will.
Antragsteller sind Birgit Koch und Ralf Goedeke aus Heilgendamm.

Wie Bauamtsleiter Norbert Sass damals begründete, müsse ein städtebaulicher Vertrag zwischen ICH und Stadt geschlossen werden, der die Kosten für B-Planänderung, Erschließung und Grundstücksnutzung regelt. Bürgermeister Hartmut Polzin gab seinerzeit zu bedenken, den Beschluss zurück in die Ausschüsse zu geben, daein zweiter Antrag ähnlichen Inhalts (AntragstellerTomWosar/Stephan Rolfs) bei der Verwaltung eingegangen sei.

Letztlich aber stimmten die Stadtvertreter mit Mehrheit für die Änderung des B-Planes, weil es sich,wie Bauamtsleiter Sass bestätigte, nur um einen „Aufstellungsbeschluss“ handele – notwendig, um fehlende Genehmigungen einzuholen. Wer den Zuschlag für die Strandversorgung erhalte, würde dadurch nicht beeinflusst.

Diese Interpretation scheint jetzt, wo der B-Plan erneut auf die Tagesordnung soll, völlig vergessen zu sein. Die Mehrheit im Hauptausschuss
(HannesMeyer, Bürgerbund; Jochen Arenz, fraktionslos; Gerlinde Heimann, Linke) scheint der Überzeugung zu sein, bereits dem Vorhaben der ICH zugestimmt zu haben.

Die Minderheit (Harry Klink, FDP) sieht das anders –und will auch den zweiten Antragsteller berücksichtigt wissen. Und weil dem einen Antragsteller eine Nähe zum Bürgerbund, dem anderen zurFDP nachgesagt wird, gerieten sich die Ausschussmitglieder derart in die Haare, dass man auf die öffentliche Stadtvertretersitzung (13.Dezember, 18.15 Uhr, Rathaus) gespannt sein darf.

Übrigens: Bockwurst und Brause soll es im nächsten Jahr trotzdem geben. Nach Schließung des „Bistros am Strand“ von Gerd Butze gibt es derzeit zwar gar keinen Kiosk am Strand. Doch von Seiten der Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH), Eigentümerin desBistro-Gebäudes, heißt es, dass der Kiosk 2011 „vom Hotel bewirtschaftet“ werde.
 


Um den Kungelei-Vorwurf zu verstehen, folgende Erklärung:

Ralf Goedeke und Birgit Koch sind Gründungsmitglieder nicht nur der Ingeniuer Concept Heiligendamm (ICH), sondern auch der Interessengemeinschaft Heiligendammer Gastgeber (IHG). Sie sind außerdem Mitglieder der Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm", welche sich öffentlich gegen die Pläne des Investors und der Stadt in Heiligendamm richtet. Personell und ideell steht diese Bürgerinitiative (nicht zu verwechseln mit "Pro Seebad Heiligendamm") dem Bürgerbund sehr nahe. Der Bürgerbund ging als politischer Arm aus der Bürgerinitiative hervor, während die IHG den wirtschaftlichen Arm darstellt. Darum wirft man dem Bürgerbund vor, die Interessen Goedekes und Kochs zu vertreten.

Nun die Gegenseite: Der zweite Antrag stammt von Tom Wosar, dessen Verwandtschaft auch den beliebten Turbo-Schnellimbis (Geschäftsführer Maik Wosar) und von Stefan Rolfs. Tom Wosar ist aktives FDP-Mitglied und kandidierte 2009 für das Stadtparlament. Stephan Rolfs ist Gastronom und steht auf derselben Liste. Logisch, dass hier der Listenerste - Harry Klink - den Klüngelvorwurf abbekommt.

Ursächlich ist das Verhalten der Stadtvertreter selbst:

In der Vergangenheit wurden Parteimitglieder oft zur Einigkeit mit der Fraktion gezwungen. Wenn sie - satzungsgemäß völlig korrekt - aus ihrem eigenen Gewissen heraus und gegen die Linie ihrer Fraktion stimmten, gab es Kritik bis hin zu Ausschlüssen. Auch ein parteiisches Gegeneinander gehört zum Rathaus-Alltag: Oft nutzten Oppositionsparteien jede Gelegenheit, um Funktioäre der Regierungsparteien zu diskretitieren. Jüngste Beispiele sind die Absetzungsversuche gegen den Bürgermeister Hartmut Polzin und die Abwahlanträge gegen den SV-Vorsteher Guido Lex. Aber auch in der Vergangenheit gab es derartige Ereignisse: So wurde die CDU-Vorsitzende Caroline Brandt aus der CDU ausgeschlossen, weil sie mit Eigeninitiativen die Linie der CDU störte. Dasselbe geschah einige Jahre zuvor mit Christoph Brandt, ebenfalls in der CDU. Aber auch die Linke mobbte ihr Vorstandsmitglied Anke Bitter aus der Partei und wieder die CDU war es, von der sich drei hochrangige Mitglieder trennten, weil sie sich übergangen fühlten. Sie sitzen heute in der CDG und Anke Bitter im BfBD. Der Bürgerbund verlor Kandidaten, die Einzelbewerber wurden und die SPD verlor Frank Pieplow an die Fraktionslosigkeit und schließlich an das von ihm mitgegründete BfBD. Vorwürfe gegen den Bürgermeister, Parteifreunde unterstützt zu haben, Diskrepanzen beim Abriss des am heutigen Rathaus angebauten Hinterhauses und beim Bau der Mehrzweckhalle runden das Bild ab, das die Bürger von ihren gewählten Vertretern und Verwaltern haben.


Meine Meinung:

Den Zuschlag sollte der bekommen, der den Gästen Heiligendamms in seiner Strandversorgung am Meisten bieten kann - und zwar nicht nur Bockwurst und Brause, sondern auch Souvenirs und Strandartikel. Das beste und überzeugendste Konzept sollte die Zukunft Heiligendamms bestimmen und nicht die Nähe zu den Stadtvertretern. Man sollte daher beide Anträge noch einmal prüfen und gegeneinander aufstellen. Für Heiligendamm nur das Beste!




Ist denn alles schon entschieden und ein Antragsteller einfach übergangen worden?

Zwei Antragsteller soll es für die letzte städtische Baufläche in Heiligendamm geben. Einer davon hat es schon mehrmals in die Zeitungen geschafft. Der anderer hingegen wurde erstmals jetzt erst erwähnt. In der letzten Sitzung des Jahres sollen sich die Stadtvertreter nun entscheiden. Laut Sitzungsvorlage haben sie sich aber längst entschieden. Gerade davon wollen einige Stadtvertreter aber gar nichts wissen - und zwar jene, die den Übergangenen nahe stehen.
 


OSTSEE-ZEITUNG | 07.12.2010

Kolonnadenhaus statt Kiosk für Heiligendamm


Für das letzte Stück des Seebades, das bebaut werden kann, gibt es zwei Vorschläge. Die Stadtvertretung kennt bislang nur einen.


Von Klaus Walter


Bad Doberan
– Seltsam: In der kommenden Wochen (13. Dezember, 18.15 Uhr, Rathaus) sollen Bad Doberans Stadtvertreter über die Bebauung

des letzten Stücks von Heiligendamm befinden, über das die Stadt noch frei verfügen kann – eine Teilfläche des Flurstücks 23/17 (Seedeichstraße/Parkplatz), östlich der Seedeichstraße gelegen, die derzeit als unbefestigter Parkplatz von der Stadt bewirtschaftet wird.
 

Doch bisher kennt die Mehrheit der Abgeordneten nur einen von zwei Bebauungsvorschlägen – den, der von den Heiligendammer Vermietern Birgit Koch und Ralf Goedecke, die als „Ingenieur Conzept Heiligendamm“ (ICH) firmieren, eingereicht wurde. Sie wollen dort Imbisskiosk, Toilette und einen Spielplatz errichten.
 

Der zweite Antrag ist den Stadtvertretern bislang unbekannt geblieben, obwohl er der Stadtverwaltung seit dem 26. April vorliegt.

Bad Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin hatte in der Stadtvertreterversammlung, die an jenem Tag stattfand, selbst über den Eingang

des Antrages informiert, aber möglicherweise vergessen, ihn an die Stadtvertreterweiterzureichen.
 

Antragsteller sind die Gastronomen Tom Wosar und Stephan Rolfs aus Bad Doberan bzw. Heiligendamm. Der Kern ihres Antrags:

„Wir wollen so viele Parkflächen wie möglich erhalten und trotzdem eine Strandversorgung und darüber hinaus wichtige Angebote machen,

die zu einem Seebad gehören“, sagt Tom Wosar. Strandkiosk, Badeutensilien, Imbiss, Souveniers, Postkarten, EC-Automat, natürlich auch die notwendige Sanitäreinrichtung – alles sei möglich.
 

„Und das Ganze vielleicht im Stil der Kolonnaden, die zu Heiligendamm passen, aber jetzt nicht mehr öffentlich zugänglich sind“, ergänzt Stephan Rolfs. Dabeisehen sich die beiden Gastronomen gar nicht so sehr als Betreiber einer solchen Einrichtung, eher als Investoren oder Impulsgeber, um – wie sie es formulieren – „aus dem verbleibenden Platz das Beste für die Allgemeinheit zu machen“. Klartext: Ob sie oder andere eine solche Einrichtung betreiben, sei zweitrangig. Vorrang habe, dass die zur Verfügung stehende Fläche optimal genutzt werde, um

Heiligendamm für Einheimische, Touristen und Kurgäste wieder attraktiv zu machen und Angebote, die mit der Umzäunung des Hotelkomplexes verschwunden sind, neu zu beleben. „Und vor allem, nicht nur einen Imbisskiosk und eine Toilettenbude zu bauen und weitere

Vorhaben damit unmöglich zu machen“, betont Tom Wosar.
 

Sehr entscheidend ist für beide die Parkplatzfrage. Der weit entfernte „Waldparkplatz“ westlich des Hotelkomplexes wiege den Verlust von Parkplätzen am östlichen Ende des Seebads, wie jetzt offenbar mit dem Vorhaben der ICH einkalkuliert, nicht auf. Insbesondere für Kurgäste aus Bad Doberan und die Einheimischen sei der Waldparkplatz keine Alternative. Auch das Argument, man müsse ja nicht immer mit dem Auto an den Strand fahren, sei nicht real. Nach einem langen Arbeitstag setze sich nicht jeder noch aufs Fahrrad, und mancher Tourist nehme auch etwas mehr Gepäck mit an den Strand als nur das Badetuch.
 

Das Kolonadengebäude, das direkt an der Seedeichstraße gebaut werden könnte, würde sich optisch in die „Weiße Stadt am Meer“ eingliedern, der jetzt unbefestige Parkplatz könnte befestigt und auch als Veranstaltungsfläche genutzt werden. Die Möglichkeiten für ein solches Bauwerkhaben die beiden Initiatoren schon bei den Umweltbehörden erfragt. Kämen – wie jüngst im Gespräch und auf der Tagesordnung derselben Sitzung – weitere Parkplätze auf dem ehemaligen G8-Hubschrauberlandeplatz (Seedeichstraße weiter in Richtung Börgerende, gleich hinter dem Golfteich) hinzu, wäre das eine gute Ergänzung.
 

Tom Wosar: „Entscheidend ist der Wille der Stadtvertreter, das Beste für die Stadt zu tun.“
 

Der Bebauungsplan 25
„Sondergebiete Heiligendamm“ soll am kommenden Montag in der Stadtvertretung ein drittes Mal geändert werden.

Ziel ist die Durchführung eines Vorhabens der „Ingenieur Conzept Heiligendamm“ (ICH), Antragsteller sind die Gastronomen Birgit Koch und Ralf Goedecke aus Heiligendamm, deren Gesellschaft namentlich in dem Änderungsantrag (Sitzungsvorlage 108/10) für B-Plan 25 genannt wird.
 


FOTO: Antragsteller. QUELLE: Ostsee-Zeitung.


Vorab: Es ist logisch und Harry Klink nicht zu verdenken, dass er sich für seine Parteifreunde einsetzt. Dass ihr Konzept bei den Stadtvertretern nicht bekannt ist, obwohl es schon lange bekannt sein sollte, ist das eigentlich merkwürdige an dieser Sache.

 

Hier ist die Kopie der Sitzungsvorlage:
 

Bad Doberan, den 25.11.201025.11.2010
 

Sitzungsvorlage
Stadtvertreterversammlung Bad Doberan

Einreicher: Amt für Stadtentwicklung / Bürgermeister
 

Sitzung/Gremium am:

Finanzausschuss 22.11.2010 öffentlich

Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt 23.11.2010 öffentlich

Ausschuss für Bildung, Soziales, Kultur, Sport, Jugend und Senioren

24.11.2010 öffentlich

Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus 25.11.2010 öffentlich

Hauptausschuss 01.12.2010 öffentlich

Stadtvertreterversammlung Bad Doberan 13.12.2010 öffentlich

Beschlussvorlage Nr. 108/10
 



TOP:

B-Plan Nr. 25 der Stadt Bad Doberan, Sondergebiete in Heiligendamm, -

Beschluß zur 3. Änderung (Strandversorgung und Spielplatz) der B-Plan-

Satzung


Beschlussvorschlag:

Die Stadtvertreterversammlung beschließt:

1. Die am 10.03.2010 in Kraft gesetzte Satzung über die 2. Änderung des B-Planes Nr. 25 ist erneut

zu ändern.

Mit der 3. Änderung des B-Planes Nr. 25 werden folgende wesentliche Änderungsziele angestrebt:

a) Anpassung der Verkehrsflächen an den Bestand:

- Kurvenbereich der Seedeichstraße, Verschiebung nach Nordwesten

- Fahrradfläche, Verschiebung nach Westen

- Behinderten-Kfz-Fläche, Verschiebung nach Westen

b) Anpassung der Versorgungsfläche an den Bestand:

- Verkleinerung der Fläche

- Sandfangfläche in gebauter Größe am neuen Standort

- Abwasserpumpwerk und Trafostation am neuen Standort

c) Anpassung der Grünfläche Nr. 7 an den Bestand, Verkleinerung auf ca. 1/3

d) Leitungsrecht für die Überlaufleitung, Freihaltetrasse beidseitig 2 m ab Leitungsachse

e) Festsetzung der Sondergebietsfläche Nr. 6 für Strandversorgung mit WC-Anlage, GRZ 0,8, I

Vollgeschoss, offene Bauweise

f) Festsetzung einer Spielplatzfläche in der bisherigen Grünfläche Nr. 4 als neue Grünfläche Nr. 8

südlich der Versorgungsfläche

g) Darstellung der Treppenanlage zwischen Strandpromenade und Seedeichstraße als

Verkehrsfläche, statt Grünfläche

h) Festsetzung der einreihigen (statt beidseitigen) Feldhecke außen am Zaun der Versorgungsfläche

i) Keine Überplanung von Flächen des Landschaftsschutzgebietes, Übernahme der LSG-Grenzen 108/10

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gemäß 6. ÄVO Kühlung

Der Plangeltungsbereich (Pgb.) der 3. Änderung hat eine Größe von ca. 0,5 ha.

Der Plangeltungsbereich wird umgrenzt:

Norden/Nordosten: Seedeichstraße

Osten/Südosten: Treppenanlage, Grenze des LSG-„Kühlung“

Süden/Südwesten: Grundstücksgrenze/Grenze des Plangeltungsbereiches

Westen/Nordwesten: Seedeichstraße

Im Plangeltungsbereich liegen folgende Flurstücke bzw. Teile von Flurstücken der Flur 2

Gemarkung Heiligendamm: 23/11, 23/15, 44/6 (Seedeichstraße), 28 (Deich)

2. Die 3. Änderung der B-Plan-Satzung ist gemäß § 13a BauGB (Innenentwicklung) im

beschleunigten Verfahren durchzuführen.

Im beschleunigten Verfahren wird von der Umweltprüfung, vom Umweltbericht und der zusammenfassenden

Erklärung zu den Umweltbelangen abgesehen.

3. Die amtliche ortsübliche Bekanntmachung des Beschlusses zur 3. Änderung der B-Plan-Satzung

kann erfolgen, da der städtebauliche Vertrag, inklusive Gestaltungskonzept, gemäß § 11 BauGB

zwischen der ICH und der Stadt Bad Doberan zur Klärung der Kosten für die B-Plan-Änderung,

Erschließung und Grundstücksnutzung vorliegt.

4. Es sind die Öffentlichkeit in einer Bürgerversammlung über die allgemeinen Ziele und

Auswirkungen der Planungen, die der 3. Änderung zugrunde liegen, zu unterrichten und danach

die öffentliche Auslegung des Entwurfs zur 3. B-Plan-Änderung vorzunehmen.

5. Die von der 3. Änderung betroffenen Behörden und Bürger sind am Verfahren zu beteiligen.

6. Die Ausführung der Vorhaben, die der 3. Änderung zugrunde liegen, regelt ein weiterer

Städtebaulicher Vertrag gemäß § 11 BauGB bzw. der Erschließungsvertrag von ICH mit der Stadt Bad Doberan.

7. Mit der B-Plan-Änderung ist das Architektur- & Planungsbüro Dr. Mohr (APM), Dorfstraße 18 B, 18107 Lichtenhagen, Tel. 0381 / 77 68 455, Fax 0381 / 77 68 420 zu beauftragen.

8. Der Änderungsbeschluss (Beschlusspunkte 1 und 2) ist ortsüblich bekannt zu machen.


Sach- und Rechtslage:

Der Bauausschuss hat am 01.02.2010 den Antrag der Ingenieur-Concept-Heiligendamm GbR (ICH)

vom 25.11.2009 geprüft und die Einleitung der 3. Änderung der B-Plan-Satzung empfohlen.

Nach Abstimmungen mit der Unteren Naturschutzbehörde besteht Aussicht auf eine erfolgreiche

3. Änderung der B-Plan-Satzung. Als erster Verfahrensschritt ist der Plan-Änderungsbeschluss

erforderlich.
 

Polzin Sass

Bürgermeister Leiter des Amtes für Stadtentwicklung
 

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Finanzielle Auswirkungen

Einnahmen:

Keine haushaltsmäßige Berührung: ( X )

Mittel stehen zur Verfügung in Haushaltsstelle:

Deckungsvorschlag:

Mittel stehen nicht zur Verfügung ( )

Deckungsvorschlag:


Anlagen:

1. Übersicht zur Lage des 3. Änderungsbereiches

2. Rechtskräftige B-Plan-Satzung, Ausschnitt

3. Abgrenzungskarte LSG Kühlung, 6. ÄVO

4. Antrag mit Vorhabenbeschreibung, Skizzen

5. Bestandskarte und –analyse

6. Konzept zur 3. Änderung, Planzeichnung

7. Konzept zur 3. Änderung, Festsetzungen

8. Zeitplan


Abstimmungsergebnis:

Gesetzliche Anzahl der Mitglieder der SVV:


davon anwesend:

Ja-Stimmen:

Nein-Stimmen:

Enthaltungen:
 

Bemerkungen:

Aufgrund der Kommunalverfassung (KV M-V waren keine/folgende Mitglieder der

Stadtvertretung von der Beratung und Abstimmung ausgeschlossen.
 

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Diese Sitzungsvorlage nun spricht ganz speziell von der Umsetzung von Beschlüssen, die offenbar eine Entscheidung zu Gunsten der von Koch und Goedeke geführten Ingenieur Concept Heiligendamm (ICH) hervor brachten. Hier ist ganz speziell davon die Rede, wie bereits geschlossene Verträge zwischen Stadt und ICH umgesetzt werden müssen und welche Voraussetzungen von welchem der Vertragspartner auf welche Weise bis wann geschaffen werden. Das hier bedarf keiner Entscheidung mehr - die Stadt hat sich bereits für das Konzept der ICH entschieden.

Und dieses Konzept ist nicht das abgebildete mit den Kolonnaden. Diese würden sehr gut zu Heiligendamm passen, gehören aber architektonisch absolut nicht an diese Stelle. Da das gewaltige Thalasso-Zentrum einst den Abschluss bilden wird, würden die kleinen Kolonnaden links daneben völlig deplatziert wirken. Außerdem würden sie vor dem Ayurveda-Komplex das Bild brechen, denn sie stünden in einer Sichtachse vor einem zweigeschossigen klassizistischen Bau. Die Ausrichtung der Kolonnaden müsste dementsprechend genau anders herum sein - mit den Säulen Richtung Süden. Das aber würde auch nicht besser aussehen.

Das klassizistische Ensemble endet an der Seedeichstraße und darum sollte man östlich davon einen anderen Baustil wählen. Jagdfeld nutzt den Indio-Stil, welcher sich schlecht auf ein so kleines Gebäude kopieren lässt. In Frage käme ein Stil, der dem Hopfgartenschen Haus - das das Café am Golfteich beherbergt - nachempfunden ist. Auch ein moderner Stil nach dem Wachturm der Wasserwacht würde an diese Stelle passen, da es sich um eine völlig andere und nichts in sich aufnehmende Architektur handelt.

Für die ECH wurde von den Architekten Hass und Briese aus Rostock vor einigen Jahren dieses Konzept entworfen:




Quelle: http://www.hass-briese.de/studien_wettbewerbe/Promenade_Heiligendamm/

 

Dieses Konzept wirkt sehr modern und bisweilen unpassend aber dadurch, dass es keine der bestehenden Formsprachen - außer der des Wachturms der Wasserwacht - aufnimmt, passt es gut zu Heiligendamm. Dieser als Anlandepunkt mit zweiter Seebrücke und Anlegesteg für den Schiffverkehr geplante Bereich befindet sich allerdings weiter östlich neben dem Golfteich und wäre wahrscheinlich zu groß für das zu bebauende Areal. Das Konzept zeigt aber, was möglich wäre.

Passend wäre auch ein Fachwerkgebäude in hellen Farben mit betontem Fachwerk, oder ein Gebäude, das sich an der Burg orientiert. Diese steht städtebaulich auf einer separierten Fläche als geschlossene und abschließende Einheit, was auch die Strandversorgung tun muss, da sie ja weder zum Ensemble, noch zum Thalasso-Zentrum gehört. Sie darf sich bestenfalls mit dem Café im Golfhaus baulich als Einheit verbinden - jedoch schon nicht mehr mit den beiden als eigenständige Einheit geltenden Häusern "Eikboom" (Sporn) und Seeadler in der Seedeichstraße.



Katze aus dem Sack: Das alte Moorbad wird zum Hotel-Komplex ausgebaut.

Zu lange schon stand das von Severin erbaute und seinen Nachfolgern aufgestockte Stahlbad leer. Die Witterung, Vandalen und Brandstifter setzten dem zuletzt als Moorbad genutzten historischen Gebäude stark zu und machten es zu einem unübersehbaren Schandfleck direkt an Bad Doberans Ortseingang. Jahrelang wurde das Traditionshaus umher geschoben - die Preisvorstellungen waren hoch und der Investitionsbedarf noch höher. Auch die Auflagen waren nicht ohne, handelt es sich doch um eines der ältesten Gebäude der klassizistischen großherzoglichen Sommerresidenz. Letztlich riss die Zeit unheilbare Wunden und nagte ihr Zahn dermaßen an der Substanz, dass fast nichts mehr zu retten und schützen war. Nur noch der Fördermittel wegen machte es Sinn, die Fassaden stehen zu lassen. Doch selbst die drohten schon, die nächsten Winter nicht mehr zu (über)stehen. Nun ist Rettung in Aussicht: Zwei bisher unbekannte Zwischeninvestoren stellten ihr Konzept vor. Dieses sieht die Sanierung des klassizistischen Meisterwerkes vor aber auch die Erweiterung durch neue und sehr verschiedenartige Gebäude direkt daneben. Nicht ohne Folgen für das Moorbad:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 11.12.2010

14 Millionen Euro für ein neues Moorbad-Hotel


Im Mai soll Baubeginn für ein Vier-Sterne-Hotel auf dem Gelände des alten Moorbades sein. Das Stahlbad bleibt erhalten.


Bad Doberan
– Am alten Moorbad könnte sich nun endlich etwas tun. Während der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtentwicklung und Umwelt sowie für Wirtschaft und Tourismus am Donnerstagabend stellten „Zwischeninvestoren“ ihr Projekt vor.
 

„Wir treten das erste Mal an die Öffentlichkeit, haben uns bisher bewusst bedeckt gehalten. Wir haben den Zerfall beobachtet. Als ich das

erste Mal in Bad Doberan war, war das Moorbad noch ein fast intaktes Haus, Krankenunterlagen waren noch vorhanden“, erinnert sich Projektentwickler Reinhard Wiese. Er und Architekt Michael Montua haben ein tragfähiges Konzept aufgestellt, geprüft, Betreiber gesucht, Finanzierungsmöglichkeiten abgewogen.
 

Herausgekommen ist ein Hotelprojekt im Vier-Sterne-Bereich. Fast ein Jahr wurde mit dem Denkmalamt verhandelt.

Vier Gebäude werden zum geplanten Komplex gehören, in dem 130 Zimmer und zehn Suiten mit 280 Betten eingerichtet werden sollen.

Weiterhin ein Restaurant, ein Tagungsbereich sowie ein öffentlicher Spa-Bereich mit Schwimmhalle, Kosmetiksalon und Massagen.

Mit einem Pächter, der bereits 28 Objekte international betreibt, soll im Januar der Vertrag geschlossen werden. Ein Förderantrag beim

Land soll nötige Gelder locker machen.
 

Ein Bauantrag ist eingereicht. Im Mai soll Baubeginn sein. Im Oktober/November 2012 könnte das Hotel schlüsselfertig übergeben werden,

erklärte Reinhard Wiese. Gespräche mit der Moorbad-Klinik über eine Zusammenarbeit seien erfolgt, sagt Wiese. Das alte Stahlbad, das derzeit

verfällt, soll zuerst von innen entkernt werden. „Und das komplett, auch die Decken kommen raus“, erklärt Michael Montua. Nur die Außenhülle bleibe stehen und solle originalgetreu hergerichtet werden.
 

Neben Haupthaus und Nebengebäude des Altbaus entstehen ein fünfgeschossiger Neubau und ein eingeschossiger Wellnessbereich.

Im Altbau sind unten Restaurant und oben 17 Zimmer vorgesehen, im Nebengebäude Zimmer und Konferenzräume, im Neubau ausschließlich

Zimmer, unten Verwaltung und im Dachgeschoss Suiten. Das Schwimmbecken soll 20-Meter-Bahnen bekommen und 1,20 Meter tief werden. Zwischen den Gebäuden wird es eine Absenkung geben, so der Architekt. Die vier Gebäudeteile sollen durch ein Foyer verbunden werden.

60 bis 65 Mitarbeiter werden im Hotel eine Beschäftigung erhalten. Auf einer Gesamtfläche von 20 000 Quadratmetern sind 10 000 als Bauland gedacht. „Der Neubau wird optisch ähnlich dem Altbau gestaltet“, so Montua. Die beiden Planer rechnen mit einer Gesamtinvestition von 14 Millionen Euro.
 

Probleme gibt es noch mit der Parkfläche. Derzeit sind nur 46 Stellplätze im Plan ausgewiesen. Zu wenig. Deshalb sollen angrenzende Flächen geprüft werden, inwieweit sie dafür genutzt werden können.
Renate Peter



Quelle: Renate Peter / Ostsee-Zeitung
 



Die sprichwörtliche Katze in der Überschrift hat natürlich einen Hintergrund: Obwohl ich sehr aufmerksam die Entwicklung der Stadt verfolge, habe selbst ich noch nichts von den Zwischeninvestoren und ihren Plänen gehört. Da kommt es für mich natürlich überraschend, da nun ein Modell zu sehen, das schon nächstes Jahr im Mai umgesetzt werden soll. Genauso überraschend dürfte der Blick in die Ostsee-Zeitung heute für viele Bad Doberaner gewesen sein. Mein erster Gedanke war "Wo in Kühlungsborn ist das denn?". Dann begriff ich, dass das linke Gebäude das Moorbad sein sollte und mir schoss "Oh mein Gott" durch den Kopf. Ging es Ihnen auch so? Dann wissen Sie, warum die Zwischeninvestoren erst jetzt in Erscheinung treten und so zu sagen "die Katze aus dem Sack lassen". Meine Meinung dazu? Bitteschön:

Meine Meinung:

Es ist lobenswert, dass viel Geld in die Hand genommen werden soll, um das Moorbad zu retten. Ebenso lobenswert ist das Tempo, mit dem dieses jetzt geschieht und die Großzügigkeit. In Heiligendamm kämpfte man quasi um jeden Balken und jedes Fenster - Neubauten in einem anderen Design und auch nur in einer anderen Farbe waren gar nicht denkbar. Bürgerinitiativen bildeten sich und beeinflussten die Planungen und Ausführungen. Vielleicht wollte der Zwischeninvestor und auch die Stadt genau das verhindern und schwieg deshalb so lange. Wenn wieder alles zerredet worden wäre, dann wäre nichts mehr zu retten gewesen.

Wie in der Einleitung schon gesagt: Historisch gesehen ist das zu Erhaltende gering und kaum den Aufwand wert. Nur der Fördermittel und der Seele des Hauses wegen macht es Sinn, überhaupt die Wände stehen zu lassen und nicht einfach alles abzureißen und neu zu bauen. Wobei sich über die Seele streiten lassen mag: Gebaut wurde da ursprünglich eine klassizistische Badewannen-Baracke, die dann aufgestockt und ausgebaut wurde, stets Stahl- und Moorbadeanstalt blieb und dann einfach aufgegeben und dem Verfall überlassen wurde. Dr. Ebels neuer Stern am Doberaner Südhimmel wird nie Severins Moorbad sein und das alte Moorbad soll seine Funktion als Moorbad verlieren. Damit schwebt die Seele dann irgendwo dazwischen im Amerikagehölz umher.

Architektonisch hat man sich natürlich etwas gedacht: Dem hohen Moorbad wird ein flachen Gebäude in der Art des hinter ihm stehenden neben gesetzt und über Kreuz wird dann hinten rechts wieder ein hohes Gebäude errichtet. Natürlich mit fünf Etagen plus Dachgeschoss viel zu hoch gegenüber dem dadurch in den Schatten tretenden Star des Ensembles. Man konnte das Moorbad nicht baulich einschließen, weil es ja links am Rande der Straße und rücklings an den Bahnschienen steht. Eine Erweiterung kam nur nach rechts und dort auch nur bis zum Mühlenteich in Frage, denn natürlich konnte man das Gebäude auch nicht von vorn verdecken. Nun wäre es freilich intelligenter gewesen, dem Moorbad einfach zwischen Haupthaus und Nebenhaus nach rechts ausgehend ein gläsernes Gebäude über eine oder zwei Etagen anzuhängen, wie man es beim Friedrich-Franz-Gymnasium und beim Rathaus tat. Aber man brauchte ja eine gewisse Zahl an Zimmern und Räumen, wollte ein Restaurant, einen Wellnessbereich und weitere Räumlichkeiten unterbringen. So viel Platz wäre nach rechts nicht gewesen, weshalb man dann in die Höhe gehen musste. Es wäre ja ein besonderes Gimmick gewesen, die Bahntrasse zu überbauen und das Gebäude in den Fuß des Amerikagehölzes einzuschneiden. Aber das hätte die Kleingärten und jede Menge Geld gekostet. Der Untergrund ist so schon problematisch und die Kühnheit, ihn zu bebauen beachtlich. Zu hoffen bleibt, dass die Moorwiesen und die Umgebung des Mühlenteiches grün bleiben und nicht zu viel Fläche versiegelt wird. Eine Tiefgarage ist in dieser Umgebung sehr problematisch aber Großstellplätze wären auch nicht gerade angebracht.

Von der Architektur her hätte ich mir gewünscht, dass kein Gebäude das Moorbad überragt und dass alle als eine Einheit sowohl formsprachlich, als auch farblich wirken. So wie es jetzt geplant ist, steht das Neue neben dem Alten und integriert es nicht. Das mag Absicht sein, sieht aber halbherzig aus. Vielleicht ist es der Respekt vor dem Ensemble, der den Architekten dazu veranlasste, es durch eine breite Promenade vom Neuen zu trennen aber es wirkt eher so, als wüsste der Architekt mit dem Alten nichts anzufangen, saniere es und baue das Neue einfach daneben. Genau das hatte die Dr.-Marx-Gruppe in Heiligendamm auch vor, als sie das Ensemble kaufen und als Bettenhäuser nutzen aber eine moderne Klinik daneben errichten wollte. Dagegen formierte sich der Widerstand und so steht die Median-Klinik nun unglücklich und falsch außerhalb der heilklimatisch relevanten Zone, passt aber dort optisch besser hin, als hinter das Alexandrinencottage.

Der wohl als Innenhof konzipierte offene Teil der neuen Residenz wirkt mit seinem gelben Pavillon wie ein Jahrmarkt. Es fehlen nur noch Karussells, Buden und Gaukler und Doberan anno 1800 wäre perfekt. Ich hoffe, dass der Investor die Höhe der Bauten überdenkt und die oberste Etage des neuen Hauptgebäudes abnimmt und auf das neue vorstehende Gebäude setzt. Und, dass er alle Gebäude in einer gleichen Farbe entstehen lässt - gelb oder weiß.

Ansonsten ist dem Investor natürlich nur ein leichter Weg, viel Kraft und Ausdauer, Glück und Erfolg zu wünschen, dem Betreiber volle Zimmer, zufriedene Gäste und ein sattes Plus - eben alles das, was Bad Doberan selbst auch benötigt. Ich für mich hoffe, nicht die nächsten 7 Jahre damit zubringen zu müssen, den Wiederaufbau des Moorbades dokumentieren zu müssen.
 

Mehr zum architektonischen Verständnis Heiligendamms und Bad Doberans
gibt es in Kürze auf der in Überarbeitung befindlichen Architektur-Seite auf zeit-am-meer.de.



Schiffe versenken im Rathaus: Stadtvertreter schießen fast das eigene Parkkonzept ab.

Die Narren haben den Rathausschlüssel. Aber sie haben keine Macht im Bad Doberaner Rathaus, können nichts bewirken und beschließen. Darum ist es eine Tradition in Bad Doberan, dass die Stadtvertreter in der fünften Jahreszeit besonders närrisch sind. Begonnen hat die Stadtvertretersitzung mit einer langen Diskussion über die Anrede der Stadtvertreter und Stadtvertreterinnen, wobei der Grünen-Abgeordnete Heinz Keuer die Rechte der Frau so weit ins rechte Licht rücken wollte, dass die Herren Stadtvertreter außen vor bleiben oder sich mit der Anrede "Stadtvertreterin" zufrieden geben musste. Richtig grün wurde es dann, als selbiger Stadtvertreter die Sanierung der Goethestraße wieder kippen wollte, um die Bäume zu schützen. Ob des so zu Stande gekommenen Zeitaufwandes flogen sogleich die Punkte von der Tagesordnung, wegen denen die Bürger zahlreich erschienen waren: Strandversorgung Heiligendamm und Sondernutzung der öffentlichen Straßen. Übrig blieb dann die Entscheidung, ob man die Goethestraße künftig ganz oder nur halb zur kostenpflichtigen Parkzone machen will. Konzept A: abgelehnt. Konzept B: Auch. Damit stand das ganze Parkraumbewirtschaftungskonzept, das seit 2004 in Arbeit ist zur Disposition. Und siehe da: Die Stadtvertreter stimmen in der ersten Runde für ein sonderbares Weihnachtsgeschenk an die Doberaner und ihre Gäste: Kostenloses Parken in der ganzen Stadt. Damit legten sie die Schlinge um den Hals der mecklenburgischen Kleinstadt. Ziehen sie sie zu?
Lesen Sie selbst:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 15.01.2010

Fast das eigene Parkkonzept „versenkt“
 

Doberans Stadtvertreter benötigen drei Versuche bis zum gewünschten Resultat.
 

Von Burkhard Ehlers
 

Bad Doberan – Zwei brisante Themen abgesetzt, einen als sicher geltenden Beschluss beinahe „versenkt“ – die Bad Doberaner Stadtvertreter

wirkten in ihrer jüngsten öffentlichen Sitzung am Montagabend keineswegs souverän. Den vor allem wegen der beiden vertagten Entscheidungen gekommenen zahlreichen Zuhörern blieb letztlich nur ein Kopfschütteln.
 

Zunächst stellte Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) den Antrag, die 3.Änderung des Bebauungsplans 25 erneut in die Ausschüsse zu verweisen. Dahinter verbirgt sich die Nutzung des letzten kommunalen Grundstücks in Heiligendamm, u.a. für die Strandversorgung (OZ vom

1.und 7.12.). Die Stadt solle sich darüber klar werden, was sie eigentlich wolle und dann ihre Vorstellungen souverän durchsetzen, forderte Polzin.
 

Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund), der keine weiteren Verzögerungen wollte, sah es ebenso anders wie Hannes Meyer (Bürgerbund), der mit Blick auf die nächste Saison zur Eile mahnte. Die beiden potenziellen Investoren könnten ihre Konzepte vorstellen,

eine Entscheidung sei möglich. Die Stadtvertreter entschieden sich dennoch mit 17:4 Stimmen bei einer Enthaltung für die Zurückweisung

in die Ausschüsse.
 

Ebenso ging es der Satzung für Sondernutzungen an öffentlichen Straßen und Wegen in der Stadt, die bis zu zwanzigfache Gebührenerhöhungen – z.B. für Gastronomen und Einzelhändler – vorsieht (OZ vom 9.12.). In diesem Fall wurde die Thematik auf Antrag von

Gerlinde Heimann (Linke) einstimmig an Wirtschafts- und Finanzausschuss zurückverwiesen, um zunächst mit anderen Kommunen zu

vergleichen, wie es hieß. Zwei Bürgerinnen forderten in der Einwohnerfragestunde, die geplante Erhöhung der Gebühren „im Interesse der Attrativität der Stadt zu überdenken“.

Zu einer Posse gestaltete sich die Abstimmung über das neue Parkraum-Bewirtschaftungskonzept (OZ vom 9. Juni). Für Verwirrung

sorgte der Zusatzantrag von Heinz Keuer (Grüne), der für das Parken in der Goethestraße nicht nur Gebühren von der Stadtmitte bis zum Bollhäger Fließ, sondern durchgängig vorsah. Guido Lex ließ zunächst über diese beiden Varianten abstimmen – keine fand eine Mehrheit.

Nach einer Pause stand das Gesamtkonzept zur Disposition – mit beiden Varianten. Jetzt hielten sich Ja- und Nein- Stimmen die Waage, was Ablehnung bedeutet hätte. Guido Lex rettete sich in eine Absprache im Präsidium. Es folgten die nächste Pause und die nächste Kurzberatung, bevor Lex eine nochmalige Abstimmung „für möglich“ hielt. Und siehe da: Die Stadtvertreter entschieden sich plötzlich mit 12:8 Stimmen (2 Enthaltungen) für Parkgebühren in der kompletten Goethestraße.
Die Absegnung des Gesamtkonzepts war dann nur noch Formsache.
 


Die Entscheidung des Bürgermeisters war vorherzusehen, da sie alternativlos war.

Ich zitiere aus einer E-Mail, die mich erreichte:
 


...Es besteht kaum eine genaue Vorstellung wie die Funktion der von der "ICH" geplanten Strandversorgung ausgefüllt werden kann.

Auch ein vorgeschobener städtebaulicher Vertrag ändert dies nicht.

 

Nach meiner Ansicht könnte der Vorgang in ein positives Licht gerückt werden wenn

1. Der Naturschutz eine definitive Stellungsnahme zur Nähe es Landschaftsschutzgebietes gibt
2. eine klare Aussage über die Funktion des geplanten Objektes gegeben wird

3. weitere Probleme, z.B. Überweg vom Strand in der Kurve, geklärt werden

4. alle im B-Plan 25 festgelegten Auflagen noch erfüllt werden, 

Verkehrsfläche der Straße, Sandfang sitzt nicht an der Stelle wo er hinsollte,
 die Grünfläche ist noch immer nicht angelegt,
die Überlaufleitung ist zwar da, aber formal ohne Baurecht, und die Feldhecke ist nicht angelegt worden.

 

Um nicht den ganzen B-Plan zu ändern, genügt eine reine "vorhabensbezogene" Änderung,
die ebenso rechtskräftig ist und weniger Interpretationsspielraum bietet.

 

Selbst wenn das Thalasso schon ab nächstem Jahr gebaut werden sollte, was eher unwahrscheinlich ist,
können temporäre Einrichtungen , wie fahrbare Toiletten und Kioske,  die Strandversorgung übernehmen.
 



Endlich mehr Parkplätze: Heiligendamm bekommt Saisonparkplatz.

Die leidige Parkplatzsituation in Heiligendamm könnte bald ein Ende haben. Auf einem Teil des ehemaligen Golfplatzes soll ein Saisonparkplatz entstehen. Der Westen Heiligendamms hat durch die Abschneidung vom Ensemble sehr an Attraktivität verloren und während dort die Parkplätze gerade gefüllt werden, gibt es im Osten Heiligendamms Stau und sogar Prügelei um den letzten freien Parkplatz. Die Stadt will reagieren und einen Parkplatz errichten: Links vom Golfteich - im Schutzgebiet. Ob die Naturschützer damit einverstanden sind?
 


OSTSEE-ZEITUNG | 15.12.2010

Votum für Saisonparkplatz
 

Wiese an der Seedeichstraße soll genutzt werden


Bad Doberan
– Während Bad Doberans Stadtvertreter ihren Streit, wer auf dem letzten Zipfel Bauland in Heiligendamm einen Kiosk bauen darf, am Montagabend durch die Vertagung der Entscheidung über die 3. Änderung des B-Planes 25 (Sondergebiete Heiligendamm) vorerst aussetzten, setzten sie an anderer Stelle ein klares Signal für die Heiligendammer Seedeichstraße.
 

Mit 20 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen befürworteten sie einen Planaufstellungsbeschluss für einen Saisonparkplatz auf der Wiese hinter dem Golfteich. „Die meisten Urlauber zieht es in Heiligendamm mittlerweile nicht mehr zum ,Kinderstrand’, sondern an den Abschnitt Richtung Börgerende“, hatte Bürgermeister Hartmut Polzin den Handlungsbedarf in diesem Bereich verdeutlicht. Die vorhandenen Parkplätze seien hoffnungslos überlastet, ein angedachter Shuttle-Verkehr zwischen Rennbahn und Strand wegen zu erwartender mangelnder Akzeptanz ad acta gelegt worden. Schon vor Jahren habe man das Areal als Parkplatz ins Auge gefasst, so das Stadtoberhaupt. Im kurzen Verlauf der Beratung wurde die vorgesehene Fläche von 5000 Quadratmetern auf einen Hektar verdoppelt. „Was nicht heißt, dass wir diese Größe vollständig inAnspruch nehmen“, wie Bauamtsleiter Norbert Sass einschränkte.

beh

 



Zeit zum Luftholen und Investieren: Bad Doberans Etat ist erstmals wieder ausgeglichen.

Seit dem Abdanken des Großherzogs hat Doberan - seit 1921 Bad Doberan - ein Problem: Das Geld reicht selten für die Erfüllung der Wünsche der einstigen Sommerresidenz und seit 1879 auf sich selbst gestellten Stadt. Vieles wurde auf Pump finanziert, oft waren die Finanzen eher vom Glück als von kalkulierbaren Faktoren abhängig und zuletzt drohte Bad Doberan durch die "Kummerhof-Pleite" (den Ruin der stadteigenen Kammerhof-Entwicklungsgesellschaft) gänzlich der Zwangsverwaltung durch Schwerin unterstellt zu werden. Ein guter Sommer 2003, der Bush-Besuch 2006 und der G8-Gipfel 2007 brachten stets Geld in die Kassen und auch das Wohlwollen einzelner Investoren - z. B. die Übernahme von Erschließungskosten durch die FUNDUS-Gruppe - retteten die Stadt immer wieder vor dem Ruin. Nun ist erstmals nach langer Zeit der Etat wieder ausgeglichen. Nicht ganz von selbst aber immerhin. Da gibt Spielraum für Investitionen und die Liste der nötigen Investitionen ist lang:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 16.12.2010

Stadt will 2011 6,22 Millionen investieren


Überraschung in Bad Doberan: Entwurf des Haushalts ist ausgeglichen.


Von Burkhard Ehlers


Bad Doberan
– Noch vor der ersten Beratung der Doberaner Stadtvertreter über den Haushalt 2011 ist dem Thema einiges an Brisanz genommen worden. Bei der Einbringung der Haushaltssatzung für das kommende Jahr wartete Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) in der Stadtvertretersitzung am Montagabend überraschend mit einem ausgeglichenen Etat für das kommende Jahr auf.

Das Zahlenwerk schließt mit Einnahmen und Ausgaben von jeweils rund 18,4 Millionen Euro. 12,22 Millionen entfallen auf den Verwaltungs-, 6,2 Millionen auf den Vermögenshaushalt. „Damit war vor wenigen Wochen noch nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Wir sind von einer Unterdeckung von 1,3 Millionen Euro ausgegangen“, sagte Polzin, der auf unveränderte Hebesätze für die Grundsteuern A (241 v.H.) und B

(340 v.H.) sowie die Gewerbesteuer (370 v.H.) verwies.

Auch mit Hilfe der geplanten Kredite in Höhe von 1,55 Millionen Euro sind im kommenden Jahr etliche Investitionen geplant.

An erster Stelle steht die Stadtsanierung mit 2,15 Millionen Euro. Es folgen die Sanierung der Goethestraße (inklusive 2012 mindestens

800 000 Euro) sowie u. a. der Ausbau des Mühlenwegs in Althof (160 000) und der Mozartstraße in Bad Doberan (116 000), die Modernisierung

des Bahnübergangs in Althof (115 000) und Arbeiten an der Seebrücke in Heiligendamm (160 000).

Am 27. Januar werden die Stadtvertreter erstmals über den Haushaltsentwurf debattieren. Die Grundlagen für die erfreuliche finanzielle Entwicklung hat die Stadt bereits in diesem Jahr gelegt. „Der Jahresabschluss 2010 wird weit besser ausfallen als angenommen“, kündigte Bürgermeister Polzin an. Hauptursächlich dafür wären 800 000 Euro Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer, die allerdings hauptsächlich aus Nachzahlungen resultierten, informierte Polzin die Stadtvertreter.
 

Gleichzeitig berichtete er von in Auftrag gegebenen Tiefbauarbeiten, die durch die derzeitige Witterung „stark behindert“ würden.

Für die weitere Sanierung des Kornhauses habe man zwar eine Bauheizung installiert, doch mit einer Fertigstellung sei frühestens Ende

März 2011 zu rechnen. Abschließend lobte das Stadtoberhaupt die Arbeiter des Bauhofs, die angesichts des Wintereinbruchs täglich in Bereitschaft seien. Polzin kritisierte jene wenigen Grundstückseigentümer in der Stadt, die ihren Räumpflichten von 8 bis 20 Uhr nicht nachkommen, und kündigte Bußgelder an.

 



Kommunalaufsicht stellt klar: Bürgermeister Polzin und Parteifreund Baltzer haben nicht geklüngelt.

Dem Bürgermeister wurde vorgeworfen, bei einem Vergleich zwischen der Stadt und dem mit der Sanierung einer städtischen Schule beauftragten Ingenieurbüro auf mehrere hunderttausend Euro zu Lasten der Stadt verzichtet zu haben. Das allein war gar nicht so brisant. Der Chef des Büros jedoch ist ein Parteifreund des SPD-Bürgermeisters und dieser Umstand sorgte für Erregung bei einigen Stadtvertretern. Aus FDP und Bürgerbund kamen Rücktrittsforderungen auf Hartmut Polzin zu. Dieser ließ die Kommunalaufsicht den Fall überprüfen. Das Ergebnis liegt längst vor, wurde aber vom Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund) "einfach vergessen" vorzutragen. Eine SPD-Kollegin entlastet den Bürgermeister. Ihre Mitteilung: Laut Kommunalaufsicht ist alles legal und rechtlich einwandfrei abgelaufen.
 


OSTSEE-ZEITUNG | 18.12.2010

Bad Doberan: Umschuldung statt Neuverschuldung
 

Bad Doberan – Die Kreisstadt will im kommenden Jahr ohne Kredite auskommen. Die am Montagabend in der Stadtvertretersitzung

eingebrachte Haushaltssatzung für 2011 sieht keine Neuverschuldung von 1,55 Millionen Euro vor, wie die OZ berichtet hatte. Vielmehr

werden 1,255 Millionen Euro für Umschuldungen verwendet, wie Bürgermeister Hartmut Polzin richtig stellte. Das heißt, bereits aufgenommene

Kredite, die beispielsweise zur Endfälligkeit anstehen, werden nicht auf einen Schlag zurückgezahlt, sondern durch eine so genannte Umschuldung „verlängert“.

Vom Tisch sind Gerüchte, dass es bei der Vergabe der Ingenieurleistungen für die Sanierung der Buchenbergschule nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Vergabe an das Büro von Stadtvertreter Ulrich Baltzer (SPD) sei korrekt und vergabekonform gelaufen, so die Kommunalaufsicht. Das gab Birgit Mersjann (SPD) in der Stadtvertretersitzung bekannt, wobei sie Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund) kritisierte, dessen Aufgabe diese Bekanntgabe eigentlich gewesen wäre.

beh

 


Natürlich passt diese Entscheidung denen nicht, die Polzin zum Rücktritt bewegen oder ihn abwählen wollten. Der Bürgermeister wird alle sieben Jahre von den Bürgern gewählt und 2011 steht wieder eine Bürgermeisterwahl an. Das Ansehen des Bürgermeisters bestimmte stets auch den Wahlausgang der Kommunalwahlen. In Bad Doberan wurde fast immer die Partei stärkste Kraft, die auch den Bürgermeister stellte. Da liegt es auf der Hand, dass zuerst der angesehene und schließlich auch verdiente SPD-Bürgermeister weg muss, um die SPD in Bad Doberan zu schwächen. Da die CDU seit fast einem halben Jahrzehnt Selbstdemontage betreibt, würde eine Schwächung der SPD nicht traditionell die CDU stärken, sondern die Linke. Der Bürgerbund zeigte sich in der jüngsten Vergangenheit der Linkspartei sehr nahe stehend, sodass er von einer Linke-Bürgermeisterin (Fraktionschefin ist derzeit Gerlinde Heimann, nach ihr steht Monika Schneider) profitieren würde. Gerade für Heiligendamm würde eine Mehrheit von Linkspartei, Bürgerbund und bei Bedarf FDP und Grüne reichen, um Beschlüsse einzubringen, zu verändern oder versagen, die mit den bisherigen Mehrheiten anders ausgefallen wären: Der Bürgerbund strebt noch immer an, der FUNDUS-Gruppe bereits verkaufte Gebäude wieder wegzunehmen und bereits gemachte Zusagen wieder zu revidieren. Andere Beschlüsse, die in der jetzigen Konstellation als relativ sicher gelten, würden in einer anderen Konstellation völlig offen bleiben. Die Planungssicherheit der FUNDUS-Gruppe wäre damit in Gefahr, was auch andere Investoren abschrecken würde. Die nächsten Wochen werden uns bestimmt noch viele Versuche bringen, Polzin vorzeitig vom Stuhl zu stürzen oder ihn zumindest so schlecht da stehen zu lassen, dass er nicht wiedergewählt wird.


Neuer Betreiber macht das Friedrich-Franz-Palais wieder zum echten Logierhaus.

Das Friedrich-Franz-Palais gilt als das erste vom Herzog Friedrich Franz I. in Auftrag gegebene Bauwerk der Residenzstadt Bad Doberan. Damals als Logierhaus für die Gäste der Sommerresidenz errichtet, beherbergte das von C. H. von Seydewitz errichtete Zopfstil-Fachwerkhaus stets Hotellerie. Auch als Kurhaus in der DDR-Zeit erfüllte es diesen Zweck. Nach der Wende fand sich schnell ein neuer Eigentümer und das Traditionshotel wurde als "Friedrich-Franz-Palais" geführt. Zuerst vom Bad Doberaner Unternehmer Metz und dann von der Unternehmerfamilie Kross und Kross-Johnsson. Beide Betreiber haben sich in Bad Doberan sehr verdient gemacht, Metz führte auch das Residenz-Hotel in Heiligendamm und das City-Hotel in Bad Doberan und Kross und Kross-Johnsson retteten das Prinzenpalais aus seinem traurigen Dasein. Es überraschte, dass diese Erfolgsgeschichte nach der Saison 2010 endete und es schlug ein wie eine Bombe, als Axel Kross bekannt gab, dass das Friedrich-Franz-Hotel schließt. Nicht lange blieben die Türen des historischen Hauses geschlossen: Der Eigentümer stellt einen neuen Betreiber vor. Er kommt aus der Nähe des letzten Betreibers und hat große Pläne mit dem ersten Logierhaus an der Ostsee:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 22.12.2010


Dem Begriff vom „Logieren“ wieder eine Heimat geben

 

Das Friedrich-Franz-Palais, ältestes Hotel an der deutschen Ostseeküste, will wieder „Erstes Haus am Platze“ werden. Doch zunächst wird ein großer Silvesterball gefeiert.
 

Von Klaus Walter

Bad Doberan – Der Projektentwickler Heinz-Jürgen Beuter holt aus zum nächsten Streich: Das 1795 als „Herzogliches Logirhaus“ eröffnete

Friedrich-Franz-Palais in Bad Doberan soll wieder die erste Adresse in der Münsterstadt werden. Was Beuter kann, hat er bereits bewiesen.

Er war auch beim benachbarten Prinzenpalais als Projektmanager und Entscheider tätig.

Gestern Nachmittag eröffnete das Friedrich-Franz-Palais nach gut zweimonatiger Schließung mit dem Restaurantbetrieb. „Der erste große Höhepunkt wird der ,Großherzogliche Mecklenburger Weihnachtsschmaus’ sein“, sagt Hotelleiterin Marion Utes, die das Haus und seine zunächst zehn Mitarbeiter künftig führen wird. „Und zum Jahreswechsel gibt es dann den großen Silvester-Ball im gesamten Palais, angelehnt an die rauschenden Ballnächte der Prinzessin Marie von Mecklenburg im Passower Schloss.“ Silvester soll dann auch der Hotelbetrieb

in „überarbeiteten Zimmern“, wie Beuter sagt, wieder aufgenommen werden. Für etwa ein Jahr.

Dann nämlich, Ende2011, sollen die beiden Seitenflügel hinter dem Haus komplett saniert sein, vorwiegend mit Suiten. „Wir wollen dem Begriff vom, Logieren’ wieder eine Heimat geben“, kündigt Beuter an. Gäste des Hauses sollen nicht nur ein Bett für die Übernachtung bekommen, sondern einen komfortablen Wohnbereich – wie einst die Gäste des Herzogs von Mecklenburg. Und das alles auf Vier-Sterne-Niveau.


Während noch im Winter 2010/2011 die Seitenflügel entkernt und später mit geplanten 30 luxuriösen Suiten ausgebaut werden, solle der Hotelbetrieb im Haupthaus störungsfrei laufen, verspricht Projektmanager Beutler. Im Jahr darauf, beginnend wieder im Winter, soll dann ein Querflügel mit Schwimmbad und Wellnessbereich entstehen, der mit den Seitenflügeln und dem Hauptgebäude dann ein Karree bildet.
Zeitgleich wird dann das Palais modernisiert. "Zwischen allen Gebäuden wird manin gläsernenGängen wandeln können“, schwärmt Beuter. Auch das gehöre zum Logieren.
 

Seit 2005 bis Oktober wurde das Friedrich-Franz-Palais von Axel Kross und Marie Kross Jonsson betrieben. Ihr Pachtvertrag war ausgelaufen,

den meisten der 20 Mitarbeiter mussten sie kündigen. Der Eigentümer des Palais, die Germania Epe AG aus Gronau in Westfalen, hatte angekündigt, noch vor dem Jahreswechsel einen neuen Betreiber zu präsentieren.
 

e www.hotel-friedrich-franz-palais.de

 

1795 als „Herzogliches Logirhaus“ eröffnet – ältestes Hotel an der Ostsee
Das Friedrich-Franz-Palais in Bad Doberan wurde 1795 als „Herzogliches Logirhaus“ eröffnet. Es gilt als ältestes Hotel an der deutschen Ostseeküste: Gäste des Herzogs sollten in Doberan standesgemäß wohnen können. Daher wurde das Gebäude direkt als luxuriöser

Beherbergungsbetrieb gebaut. Heutiger Eigentümer ist die Germania Epe AG aus Gronau inWestfalen. Das Unternehmen ist auf die Immobilien-Betreuung spezialisiert. Es war 2002 mit der Pleite der bundesweit tätigen Babcock AG (Energie- und Industrieanlagen sowie Schiffbau) in Schwierigkeiten geraten, weil von den Insolvenzverwaltern „ein erheblicher Geldbetrag“ nicht freigegeben wurde, und

2009 durch einen Großbrand weitere Mieteinnahmen wegbrachen. Epe-Vorstand Reinhard Meinke hatte dennoch im Oktober angekündigt, das Friedrich-Franz-Palais und weitere Gebäude zum Logier-Ensemble auszubauen.
 

 
Selbstverständlich werde ich den Ist-Zustand und die Veränderungen auch hier dokumentieren.


Demnächst geht es dann auch mit dem Bautagebuch weiter.


 



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Letzte Aktualisierung: 22.12.2010 - 19:47 Uhr

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