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Öffentliche Diskussion 2010 - Teil
1 - Legislaturperiode
2009-2014.
Hier geht es
zum Teil 2 der Öffentlichen Diskussion 2010
Hier geht es
zum Vorjahr (August bis Dezember 2009)
Hoffnung für
Heiligendamm.
Eher verhalten beginnt das neue Jahr. Zwanzig Jahre nach der
Wiedervereinigung Deutschlands sind die Weichen für den Aufbau Ost
in Heiligendamm gestellt. Acht Häuser des klassizistischen Ensembles
sind saniert, eines steckt mittendrin und sechs dieser Häuser wurden
von der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm (ECH) saniert.
Dass es geht, wurde von 2000 bis 2003 gezeigt und dass es Probleme
geben kann, zeigten die Jahre danach.
Zuerst kippte auf Grund der veränderten Gesetzeslage die
Finanzierung der Perlenkette, dann das Nutzungskonzept und
schließlich die Stimmung im Rathaus. Seit dem Beginn der neuen
Legislaturperiode 2004 ging es einfach nicht mehr weiter. Erstmals
mit dabei war der Bürgerbund, der zusammen mit FDP, Linken und
Grünen immer wieder wichtige Entscheidungen verschob oder blockierte
und schließlich auch Anträge einbrachte, die dem Investor in erster
und der Stadt in zweiter Linie schaden würden.
Der Schaden ließ nicht lange auf sich warten: Kempinski verließ
Heiligendamm und von heute auf morgen musste FUNDUS das Grand Hotel
in Eigenregie betreiben - alles neu drucken, ausstatten,
programmieren und organisieren. Millionen wurden verschlungen, die
Bank forderte Sicherheiten und das Hotel musste das Land um eine
Bürgschaft bitten. Unverständnis wurde laut und mitten drin tauchten
angeblich offene Rechnungen bei der Stadt auf, die sich bis zu ihrer
Entkräftigung durch dieselbe hartnäckig in den Mündern hielten. Die
Ostsee-Zeitung änderte ihre bisher eher wohlwollende Meinung und
attackierte den Investor und die Stadt in ständigem Wechsel durch
Un- und Halbwahrheiten, Spekulationen und Sensationsgier. Letztlich
wurden statt der Verantwortlichen nur noch Ex-Förster und
Projektgegner befragt. Die ECH und das Grand Hotel brachten eine
eigene Zeitung heraus und mit ihr Fakten, die den Gegnern nicht
schmeckten. Sogleich wurden dem Blatt Lügen unterstellt - den Beweis
blieb man schuldig. Frank Andreas Jütte vom Stadtanzeiger reichte
die Medienschlacht dann letztlich und er schlug auf den Tisch und
rief zur Vernunft auf.
Ob diese eintrat, sei dahin gestellt. Die Änderungen der B-Pläne
jedenfalls traten nicht in Kraft.
Die Legislaturperiode endete mit einem Eklat: Die CDU stellte zwei
Wahllisten auf und erklärte eine für ungültig und einige
Stadtvertreter wollten am letzten Sitzungstag die
Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt (CDU) stürzen. Wichtige
Entscheidungen betreffend Heiligendamm wurden in die nächste
Legislaturperiode verschoben und bisherige Gegner aber auch
Befürworter des Heiligendamm-Projekts verschwanden
von der Kandidatenliste.
Die neue Legislaturperiode begann dann gleich wieder mit einem
Eklat: Die Wahl wurde von drei Bürgern angefochten, die NPD zog mit
zwei Kandidaten in das Stadtparlament ein und die ersten Anträge von
Bürgerbund und FDP waren sogleich darauf bedacht, dem Investor
zugesicherte Maßnahmen wieder zu versagen, bzw. Maßnahmen
durchzusetzen, die ihm widerstrebten. Vertragliche Vereinbarungen,
wie die Umwandlung eines Teil des Kleinen Wohldes zum Hotelpark,
wurden nach Fertigstellung der Gegenleistungen rückgängig zu machen
versucht und längst abgehakte Stichwege wurden wieder hervor
gekramt. Ein Zaun zur Besucherleitung wurde auf Antrag des
Bürgerbundes wieder entfernt und in der Folgezeit machte sich
Anarchie im Kurwald breit. Die Menschen liefen in Scharen in der
Kurve geradeaus über Privatgrund und überkletterten Zäune, um auf
kürzerem Wege zur Perlenkette zu gelangen. Vandalen trieben ihr
Unwesen und Stadt und Investor sagen hilflos zu.
Eine Initiative gründete sich und
weckte Hoffnungen auf eine Zusammenarbeit der Heiligendammer
Gastgeber.
Schnell jedoch entpuppte sich die Interessengemeinschaft als
weiterer Kanal der Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm", die nach dem
politischen Arm (Bürgerbund) und dem "fundamentalistischen" Versuch
(Aktionsgruppe Heiligendamm) nun auch den wirtschaftlichen Kanal (IHG)
eröffnete. Kaum waren die ersten Forderungen Kund getan,
distanzierten sich die ersten Gastgeber von der IHG. Das Grand Hotel
und große Gastgeber wurden gleich per Satzung ausgeschlossen, sodass
die Gründer - bekannte Projektgegner - von vornherein die
Projektbefürworter außen vor bleiben lassen konnte. Die IHG
versteckte ihre Nähe zum Bürgerbund dann auch nicht lange und fuhr
auf dem Kampschiff des Lokalmediums mit, als es in den Krieg gegen
den Investor zog. Schnell sank die Kogge und am Ende standen dann
Entscheidungen der neuen Stadtvertreter, die richtungweisend für
Heiligendamm sind.
Die Änderungen der B-Pläne wurden genehmigt, die FDP wich von
bisherigen Forderungen ab und Kompromisse wurden ausgehandelt. Der
durch seine Unsachlichkeit und Beleidigungen in Verruf geratende
Rostocker Landesrichter Guido Lex soll im Februar möglicherweise von
seiner Funktion als Stadtvertetervorsteher wegen mangelnder
Neutralität und ungeeigneter Amtsausführung abgewählt werden. Die
wichtigste Nachricht des Jahres jedoch ist:
Die Perle wird wieder aufgebaut!
Nach ihr dann auch die anderen Villen der Perlenkette - nach und
nach versteht sich - und zugleich entsteht dann auch die Tiefgarage.
Dauerwohnrecht für 49% der Wohnungen ist genehmigt und kann nun auch
umgesetzt werden und im Mai sollen die Bagger anrollen. Noch
zweifeln die Zweifler verzweifelt aber ganz verzweifelte Zweifler
haben bereits die Zelte abgebrochen. Nun liegt es an der ECH, die
Zweifel der Zweifler mit Tatsachen zu entkräften und der
Provinzposse ein Ende zu setzen. Alle warten gespannt - wird 2010
das Jahr des Wiederaufbaus? Ich bleibe für Sie am Ball.
Die ersten Themen des neuen Jahres sind nur teilweise politisch. Es
geht mehr um Gefühle, als um Politik:
NDR 1 Radio MV fragt: Wann geht's los in Heiligendamm?
Der Norddeutsche Rundfunk kündigte für den 13.01.2010 ein "Forum
Heiligendamm" an - eine Moderation mit Gerit Wolf aus dem Studio in
Rostock mit Jürgen Drewitz vor Ort in Heiligendamm. Thema des Forums
"Wann geht's los in Heiligendamm?". Durch ein technisches Problem
verschob sich die Ausstrahlung auf den Folgetag.
Sie finden den Medienstream noch eine gewisse Zeit in der
ARD-Mediathek
unter diesem Link:
http://www1.ndr.de/mediathek/index.html?media=audio25158
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sonst öffnet sich die Mediathek nicht.
(C) NDR
Zum Inhalt gibt es natürlich etwas zu sagen:
Gleich zu Beginn wird die Räumungssituation angesprochen:
Die
Landstraße nach Kühlungsborn ist geräumt und die Straße nach
Heiligendamm nicht.
Der Hintergrund ist ganz einfach:
Für die
Landstraße ist das Straßenverkehrsamt in Güstrow zuständig, welches
über einen riesigen Fuhrpark zur Straßenräumung verfügt und für
Heiligendamm und Zubringer ist die Stadt Bad Doberan verantwortlich,
deren Bauhof auch das Stadtgebiet zu räumen hat und darüber hinaus
noch die Ortsteile Althof, Vorder Bollhagen, Walkenhagen und
Heiligendamm.
Als die einzige Durchfahrt nach Kühlungsborn noch
durch Heiligendamm verlief, hatte Heiligendamm Priorität.
Da nun die
Direktverbindung den Ort umgeht, genießt Walkenhagen Vorrang, weil
dort die Feuerwehr sitzt und jederzeit fahrbereit sein muss.
Heiligendamm folgt dann erst nach Räumung des Stadtgebietes.
Mit dem
Investor hat das Ganze gar nichts zu tun:
Der muss nur die Gehwege
an seinen Grundstücken räumen und das tut er offenbar besser, als
einige andere Grundstückseigentümer, wie Drewitz indirekt
feststellt.
Als erstes traf sich Jürgen Drewitz mit Ex-Förster Helmut Mattke, welcher schon durch die Ostsee-Zeitung bekannt ist.
Mattke wird als ältester Heiligendammer vorgestellt - ungeachtet
dessen, dass jüngere Heiligendammer schon länger im Ort wohnen, als
der eben vermutlich älteste. Mattke ist ja erst in den 70ern nach
Heiligendamm gezogen und baute sein Haus in den Wald hinter der da
schon fast vollständig fertig gestellten Gartenstraße. Länger als
Mattke wohnen all jene schon in Heiligendamm, deren Häuser in der
Gartenstraße im Osten stehen. Alt zu sein bedeutet also nicht
zwangsläufig, alteingesessen zu sein.
Ex-Förster Mattke nun läuft zusammen mit Jürgen Drevitz vorbei
an den Villen "Seeadler" und "Eikboom" und Mattke erläutert die
frühere Nutzung. Er stellt auch fest, dass die Gebäude von FUNDUS
gekauft wurden und seitdem verfallen. Damit sagt er nicht die
Unwahrheit aber man kann da jede Menge hinein interpretieren.
Die Bürgerinitiativler nutzen ganz genau dieselbe Strategie:
Sie sagen
wahrheitsgetreu, dass die Gebäude seit dem Erwerb durch die
FUNDUS-Gruppe verfallen, lassen aber jegliche Erklärung aus. Kein
Wort von vertraglich festgelegter Sanierungsreihenfolge oder nicht
genehmigten B-Plan-Änderungen. Hier wird - ich unterstelle Absicht -
suggeriert, dass der Investor Gebäude kauft, um sie verfallen zu
lassen.
Die beiden sind schließlich am Prinzessin-von-Reuß-Palais angelangt
und Mattke erklärt die frühere Nutzung und, dass das Hotel so nicht
mehr genutzt wird. Er weiß offenbar nicht, dass die ECH das Gebäude
nach der Aufgabe des Residenz-Hotels erworben hat. An den Kolonnaden
angelangt stellt Drewitz fest, dass hier ein Lattenzaun den Zugang
unterbindet. Hier wurde sicherlich viel von Mattkes Aussagen
geschnitten, denn mit Sicherheit hat er auch über das Schwanencafé
gesprochen.
Drewitz lenkt das Gespräch auf die Perlenkette und da hat er mit
Mattke offenbar einen erwischt, der sich dafür nicht vorrangig
interessiert. Es wird nur gesagt, dass die Perle abgerissen wurde
und wieder aufgebaut werden soll. Von Mattke ist hier kein Zweifel
zu hören - er redet in der Tat immer nur von der Vergangenheit.
Drewitz schwärmt letztlich von den sanierten Gebäuden, die mit sehr
viel Engagement wiederaufgebaut wurden.
Dann geht es zum Ortsausgang, wo Mattke wieder von alten Zeiten
spricht und seine Ostsee-Zeitung-Überschrift "Dies ist ein Ort ohne
Leben" wiederholt. Zumindest erwähnt er aber, dass die Pächter nach
der Wende (und nicht wegen FUNDUS - wie man es oft hört) aufgeben
mussten und darum die Palette leer stand. Auch hier wieder kein Wort
über die Pläne des Investors.
Dieser wird als nächstes befragt. Chefplaner Hans Schlag erklärt den
Werdegang und die Pläne in zwei Minuten und Heiner Zimmermann
ergänzt wie gewohnt die planerischen Erklärungen durch kaufmännische
Ausführungen. Ich brauchte sechs Stunden, um das Ganze zu verstehen.
Hätte man die beiden nicht befragt - einen Unterschied hätte es kaum
gemacht. Auch Hoteldirektor Holger König wurde eher lapidar befragt.
Aber er ließ sich nicht davon abhalten, die Vorteile der Sanierung
der Perlenkette für das Grand Hotel hervor zu heben.
Aber so sah es dann moderiert aus: Man befragt Kritiker und
Kritisierte.
Nach dem ECH-Führungsduo wurden dann keine Befürworter mehr befragt.
Die Stimmung kippte, als die eingefleischten Kritiker zu Wort kamen.
Wie immer waren das Hannes Meyer vom Bürgerbund und Heike Ohde von
der Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm".
Neu hinzu kam Kira Goedecke, die "einen kleinen Laden in der
Gartenstadt betreibt". Kira Godecke ist nicht nur Inhaberin des
Ladens "Nr. 4", sondern auch Ehefrau von Pensionsbesitzer und
IHG-Gründungsmitglied Ralf Goedecke, der zusammen mit Birgit Koch
von der Pension "Seemöwe" gegen die Pläne des Investors wettert.
Hier wurden also drei Personen befragt, die aktiv gegen die Pläne
des Investors arbeiten - miteinander und organisiert in Partei,
Bürgerinitiative und Interessengemeinschaft. Der NDR hatte zuvor
unter anderem auch auf zeit-am-meer.de recherchiert - er dürfte also
gewusst haben, mit wem er sich da trifft.
Zuletzt befragte der NDR Harry Klink als Politiker, der eine eher
ungewöhnliche aber zum Umschwung der letzten Wochen passende
neutrale Haltung hervor brachte und auf die Kompromisse verwies. Das
letzte Interview galt dem Bürgermeister selbst, der sachlich richtig
die Entwicklung aufzeigte und auch das Dauerwohnrecht erklärte.
Besonders bemerkenswert ist, dass er sagt, dass es "offenbar"
Verhandlungen anderer Stadtvertreter mit dem Investor gegeben habe
und dass es immer dieselben Leute sind, die sich beschweren. Hartmut
Polzin macht hierbei deutlich, dass es "keine Demonstrationen vor
dem Rathaus" gibt. Die gerade durch die Anschuldigungen Meyers und
Ohdes und den Pessimismus Goedekes gekippte Stimmung wird durch den
Bürgermeister wieder quasi gerettet. Hatte man eben noch einen Kloß
im Hals - Was, wenn sie Recht haben und es wirklich nicht weiter
geht? - fällt nun diese Last ab und man stimmt automatisch Polzin
zu: "Die ECH muss Fakten schaffen, um die Zweifel zu beseitigen".
Und da der Bürgermeister keine Zweifel hat - und übrigens auch nie
öffentlich geäußert hatte - verlässt man das Forum mit dem Gefühl:
Im Mai geht's los!
Mord (in bester Gesellschaft) in der Waldkirche!
Wendelin Winter ermittelt in Heiligendamm.

Wie ich im (verspätet erstellten) Rundgang schon angekündigt habe,
strahlte die ARD den Film "Alles Böse zum Hochzeitstag" aus der
Sendereihe "Mord in bester Gesellschaft - das eitle Gesicht des
Todes" aus. Drehorte waren das Grand Hotel Heiligendamm, die beiden
Waldkirchen Heiligendamms, das Gut Klein Nienhagen, der Jachthafen,
der Alte Strom und das Kurhaus von Warnemünde, das Strandhotel und
der Jachthafen in Kühlungsborn, der Kägsdorfer Strand und die Gegend
zwischen Bastorf und Rerik. Fritz Wepper und Tochter Sophie spielten
die Hauptrollen des 2009 gedrehten vorletzten Filmes der Serie.
(C) ARD/Das Erste, Tivoli,
Degetos
Den Film gibt es leider nicht im Internet aber wenn er einmal
wiederholt wird, erfahren Sie es hier.
Auf Grund des regen Interesses an den Drehorten habe ich einen
Beitrag zum Film verfasst.
Hier geht es lang.
Ich war während der Dreharbeiten zufällig vor Ort.
Hier geht es zum Rundgang Nr. 4/2009.
(Neue/s Fenster/Tab)
Heiligendamm 2010: Das steht an.
Politisch gibt es in diesem Jahr noch keine Nachrichten, außer dem
Forum des NDR.
Darum greife ich wie versprochen die letzten Forderungen des
vergangenen Jahres auf und analysiere sie:
|
OSTSEE-ZEITUNG | 29.12.2009
Radwegbau im
Kurwald vertagt
Heiligendamm. 300 000 Gäste übernachten pro Jahr in Bad
Doberan samt Ortsteilen. Zuzug wird erwartet, auch mit der
weiteren Entwicklung des ersten deutschen Seebades. In der
Stadt selbst leben momentan um die 12 400 Menschen. Für alle
existiert bis dato nur einziger
vernünftiger Zugang zum Meer, und zwar über die
Seedeichstraße. Die Trasse ist im Sommer völlig überlastet,
heißt es in einer Sitzungsvorlage der FDP. Bereits seit
November 2004 forderte das Stadtparlament die Herausgabe eines
künftigen öffentlichen Wegesystems in Heiligendamm. Doch es
tat sich nichts, stellt die FDP klar. In ihrem Papier klagt
sie den Bau eines separaten Radweges im Kurwald ein.
„Die ECH ist daran zu beteiligen. Im Etat 2010 ist eine
Position einzustellen.“ Doch der Antrag wurde von der
Tagesordnung der letzten Sitzung im Rathaus genommen. Das
Ganze soll nun in der Klausurtagung in 2010 behandelt werden,
wie auch andere Themen rund um die Weiße Stadt und Bad
Doberan, so Abgeordneter Harry Klink. Seine Ansicht: Die
aktuellen Radwege sind überlastet, es fehle ein Netz. Und: Es
herrschen
chaotische Zustände auf den Radlerpisten, das hatte bereits
eine Studie der Uni Kiel im Jahr 2003 belegt.
JO
Seebrücke muss warten
Heiligendamm.
Die Seebrücke befindet
sich in einem desolaten Zustand, heißt es in einer
Beschlussvorlage der FDP an das Stadtparlament. Beklagt
werden: lose Bretter und beschädigte Geländer. Sie seien Folge
der bisherigen Nutzung und vieler gemieteter Veranstaltungen
des Grand Hotels. Das Papier nennt als Beispiel Feuerwerke.
Und auch das Fahren mittels E-Mobilen verbessere die Qualität
des Bauwerks
nicht, wird betont. Die Brücke ist somit stark
renovierungsbedürftig. Der Vorschlag der FDP lautet: Die Stadt
stellt mittelfristig Gelder für die Sanierung der Seebrücke in
den Etat ein. Das Grand Hotel wird beteiligt. Der Vorschlag
wurde mit neun Ja-, elf Nein-Stimmen und einer
Enthaltung abgelehnt.
JO
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Fangen wir hinten an: Zustand der Seebrücke.
Auch für Seebrücken gibt es so etwas, wie einen TÜV. Solange keine
dazu berechtigten Leute gravierende Mängel an der Seebrücke
feststellen, besteht für die Stadt kein Handlungsbedarf - es sei
denn, sie will freiwillig etwas verbessern. Vorher muss aber ein
Gutachter her und die Ausführung muss durch eine Firma gemacht
werden - vom Arbeitsamt geschickte Kräfte dürfen diese Aufgaben
nicht erfüllen. Das kostet alles Geld und so lange die Stadt keine
Anweisung von einer berechtigten Stelle bekommt, wird sie nicht
handeln. Nun sind die Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar.
Was für Laien wie lose Bretter aussieht, ist oft nur veränderten
Witterungsbedingungen und damit einher gehend den Veränderungen im
Holz geschuldet. Im Sommer sitzen jetzt locker erscheinende Bohlen
wieder fest. Holz arbeitet nun einmal. Fast jede Holzbrücke Bad
Doberans ist in einem optisch schlechteren Zustand, als die
Seebrücke in Heiligendamm.
Einen fahlen Beigeschmack bekommt der Antrag seitens der FDP, weil
er die Schuld für den Zustand der 16 Jahre alten Seebrücke beim erst
seit 6 Jahren angesiedelten Grand Hotel sucht. Die Veranstaltungen
auf der Seebrücke müssen allesamt bei der Stadt beantragt werden.
Die Stadt muss diese Genehmigungen ja nicht erteilen - sie könnte
die Seebrücke auch ohne Veranstaltungen lassen. Oder sie schränkt
die Nutzung ein, indem sie das Befahren der Seebrücke oder das
Zünden von Feuerwerken auf der Brückenkonstruktion verbietet. Wobei
das dann für alle gelten würde - auch für städtische
Veranstaltungen. Indem die Stadt Bad Doberan aber dem Grand Hotel
erlaubt, Veranstaltungen auf der Seebrücke durchzuführen, trägt sie
auch das Risiko und die Kosten für die Abnutzung. Eine Beteiligung
des Grand Hotels zu verlangen, ist daher schon rechtlich gar nicht
möglich. Rein logisch ist die Überlegung auch zweifelhaft: Bevor das
Grand Hotel überhaupt eröffnet wurde, stand die Seebrücke schon
genau ein Jahrzehnt.
Der Antrag der FDP wurde mit nicht allzu großer Mehrheit abgelehnt.
Für einige Stadtvertreter war er vielleicht eine Chance, die
Seebrücke überhaupt mal zu sanieren. Einige mögen sich der
rechtlichen Unmöglichkeit der Beteiligung des Grand Hotels an den
Kosten nicht bewusst gewesen sein und für andere war es vielleicht
das kleinere Übel, dass vom Grand Hotel kein Zuschuss erfolgt.
Wieder anderen dürfte es gerade recht sein, dem Grand Hotel auf
diese Weise Schaden zuzufügen. Wenn es nicht klappt, zahlt die Stadt
eben die ganze Zeche. Einige Stadtvertreter sind schließlich nur
wegen des Themas "Heiligendamm" in das Stadtparlament gekommen.
Alles andere ist ihnen egal. Einige Stadtvertreter konzentrieren
sich - wie sie bei sämtlichen Abstimmungen und mit sämtlichen
Sitzungsvorlagen, Anträgen, Änderungsanträgen etc. bewiesen haben -
nur darauf, FUNDUS, die ECH und das Grand Hotel zu schädigen.
Besonders der Bürgerbund spielt hier eine wichtige Rolle. Er wurde
von Mitgliedern der Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm" gegründet,
welche wiederum von Mitgliedern der Bürgerinitiative "Für
Öffentlichkeit in Heiligendamm" gegründet wurde, welche wiederum von
Mitgliedern des "Bürgerrates" gegründet wurde. Es sind da immer
dieselben Personen, die gegen das Investitionsvorhaben und den
Investor wettern - in den Medien, in Schwerin und Berlin, im
Stadtparlament und als Störer bei Stammtischen anderer Parteien:
Hannes Meyer (Architekt - nicht an der Sanierung beteiligt), Heike
Ohde (Architektin - nicht an der Sanierung beteiligt), Carla Strebe
(Architektin - nicht an der Sanierung beteiligt) und viele andere,
die nicht von den Investitionen profitieren konnten, weil ihre
Bewerbungen abgelehnt wurden, sie bei Ausschreibungen nicht zum Zuge
kamen oder weil sie sich nicht mit den Veränderungen im Ort abfinden
konnten.
Mit seinen drei Sitzen ist der Bürgerbund eine starke Fraktion. Wer
als kleinere Fraktion oder einzelner Stadtvertreter Stimmen des
Bürgerbundes für ein Vorhaben braucht, der unterstützt den
Bürgerbund bei seinen Vorhaben - die sich naturgemäß fast immer auf
Heiligendamm beziehen. Wer ganz sicher sein will, bringt auch ein
paar eigene Anträge ein, die dem Bürgerbund gefallen. Ob sie nun
durch kommen, ist die andere Seite. Tun sie es nicht, ist die Gunst
des Bürgerbundes dennoch da und wenigstens kein Schaden angerichtet,
der dem Antragsteller zum Verhängnis werden kann. Wenn wir diese
Theorie nun nehmen und vergleichen stellen wir fest, dass die FDP
Anträge eingebracht hat, die dem Bürgerbund gefallen dürften und
dass die FDP in Abstimmungen zum Thema Heiligendamm oft mit dem
Bürgerbund überein stimmte. Fehlt nur noch ein Indiz dafür, dass der
Bürgerbund sich dafür revanchiert.
Wie auch immer: Politik ist zum Anfang der Legislaturperiode immer
das Suchen und Finden von Mehrheiten.
Mitunter dauert das dann eine ganze Legislaturperiode lang. In Bad
Doberan zeichnen sich Veränderungen in der politischen Landschaft
ab: Die Mehrheiten verschieben sich - Entscheidungen fallen anders
aus, als bisher. Sympathien werden verspielt, neue gewonnen. Es
bleibt spannend.
Der Radweg durch den Kurwald ist eigentlich eine Altlast der FDP.
Harry Klink möchte die Seedeichstraße entlasten und die Radfahrer
durch den Kurwald leiten. Ursprünglich mag dahinter der Gedanke
gesteckt haben, einen Stichweg durch die Hintertür einzubringen.
Wenn aber die FDP ihre Position geändert hat und sich mit einem
Rundweg zufrieden gibt, kommt diese Option nicht mehr in Betracht.
Ich habe Herrn Klink ein paar Fragen dazu gestellt und es verhält
sich so, dass er dafür keine Pläne in der Tasche hat, sondern das
Problem der überlasteten Seedeichstraße einfach auf der
Klausurtagung behandelt sehen will. Dafür will er seinen Antrag
gedacht sehen. Ergebnisse und Rahmenbedingungen nimmt er nicht
vorweg.
Ich möchte aber die Planungsaspekte vorweg nehmen. Dazu zunächst
eine Karte:

Diese Karte gibt ungefähr die Situation wieder.
Rot ist die Seedeichstraße braun die Kühlungsborner Straße und ein
Stück der Strandstraße, rosa ist die Professor-Vogel-Straße und grau
die Gartenstraße. Rein gelbe Wege sind reine Fußwege. Diese finden
wir im Kurwald vor, die Promenade ist ein reiner Gehweg, die
Seebrücke ebenso und an der Kühlungsborner Straße zwischen Parkplatz
und Orangerie ist ein reiner Gehweg.
Wo gelbe Wege an Straßen sind, handelt es sich nicht immer um
Bürgersteige. Ein Bürgersteig existiert nur in der Kühlungsborner
und der Seedeichstraße. Die Gartenstraße verfügt über keinen
Bürgersteig und auch keinen separaten Radweg - sie ist aber für alle
Parteien nutzbar und daher gelb und grün und grau. Die
Seedeichstraße hingegen verfügt über einen kombinierten Rad- und
Fußweg, der optisch aber nicht voneinander getrennt wird. Dasselbe
gilt für die Kühlungsborner Straße zwischen Seedeichstraße und
Bahnhofs-Parkplatz. Fußgänger werden vor dem Severin-Palais darauf
hingewiesen, dass der Fußweg auf die andere Straßenseite
überwechselt. Der Zugang zum Hotel ist somit zwar ein Fußweg aber
eigentlich für Hotelgäste. Darum ist dort nur der Übergang
verzeichnet. Im Großen Wohld gibt es streng genommen nur Waldwege
und da diese für Fußgänger und für Radfahrer nutzbar sind, sind sie
gelb und grün.
Wichtig ist das Dreieck mit den ausschließlich gelben Wegen in der
Bildmitte.
Hier will die FDP einen Radweg durchziehen, um die Seedeichstraße
(rot) zu entlasten. Wie man sieht, ein schwieriges Unterfangen, denn
das blau umrandete sind Privatgrundstücke, über die die Stadt keine
Radwege ziehen kann. Alle Versuche, die Radfahrer von der
Kühlungsborner Straße durch den Kurwald zu leiten, münden damit
wieder auf der Seedeichstraße, die ja entlastet werden soll.
Nur eine Direktverbindung durch die Professor-Vogel-Straße hindurch
und dann entweder auf ihr entlang oder parallel zur Promenade - denn
auf der ist Radfahren verboten - würde die Seedeichstraße entlasten.
Dazu müsste der Investor jedoch erst einmal erlauben, dass der
Radweg durch sein Grundstück führt und genau das hat er ja mithilfe
von Gutachten mehrmals ausdrücklich verneint.
Spätestens hier wird der Antrag zum Politikum: Der Investor ist
"Schuld", dass die Stadt einen Radweg zur Entlastung der
Seedeichstraße nicht bauen kann. Wer dem Investor schaden will, kann
es mit so einer Sitzungsvorlage recht gut realisieren.
Aber es gibt durchaus Möglichkeiten, die Seedeichstraße zu
entlasten, ohne vom Investor Zugeständnisse zu verlangen und da die
FDP sich nicht im Vorfeld auf eine Variante festlegt, kann man ihr
bis zum Einbringen dazu geeigneter Varianten nicht unterstellen, den
Investor tatsächlich schaden zu wollen. Hier gilt es abzuwarten.
Eine Variante wäre z.B., von Osten her - also von Bad Doberan her -
eine Paralleltrasse zur Seedeichstraße zu schaffen.
Da gibt es eigentlich nicht viel zu tun - die Wege dazu sind da. Es
gibt eine Verbindung von der Kühlungsborner Straße über den
Waldparkplatz, vorbei am Jagdhaus und dem Golfteich zur
Seedeichstraße.
Wäre diese Verbindung auch nur ausgeschildert und ließe das Forstamt
mit sich reden, den Weg zu befestigen, gäbe es vor der
innerörtlichen Seedeichstraße eine Alternativroute, über die der
ganze Verkehr von Osten nach Börgerende, zum Strand und mit etwas
Geschick auch zur Promenade gelenkt werden könnte.
Der Verkehr aus Kühlungsborn, Wittenbeck etc. würde weiter von
Westen her über die Gartenstraße und Kühlungsborner Straße durch die
innerörtliche Seedeichstraße verlaufen aber Ortsunkundige würden
einer entsprechende Ausschilderung durch die Gartenstraße Richtung
Osten auch folgen, sodass man vom Ostsende der Gartenstraße aus die
Radfahrer auch auf die Alternativroute leiten könnte.
Wer sich auskennt, wird weiter die Seedeichstraße nutzen. Es sei
denn, man bietet ihm entlang der Alternativroute irgend etwas
besonderes, wie eine Sehenswürdigkeit - ein ordentlicher Golfteich
wäre so eine - oder eine Bequemlichkeit, wie eine Hütte mit Bänken
und Fahrradständern.
Die Frage ist nur - angesichts des Widerstandes einiger
Stadtvertreter gegen den Radweg in der Goethestraße - ob die Stadt
überhaupt ein Interesse am Radtourismus hat und Heiligendamm und Bad
Doberan überhaupt dafür attraktiv gestalten will.
Gute Nachrichten aus der Kämmerei.
Die Spanne zwischen Ausgaben und Einnahmen wird langsam aber sicher
kleiner.
Grund zur Freude für die Stadt. Aber auch Zeit zum Nachdenken: Wo
kann noch gespart werden?
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OSTSEE-ZEITUNG | 05.02.2010
Haushaltsloch wird langsam kleiner
Bad Doberan. Die Aussichten stehen gut, dass der Haushalt Bad
Doberans auf der nächsten Sitzung der Stadtvertreter zum
Beschluss vorliegt. Und auch der Fehlbedarf wird geringer.
Stand noch vor kurzem ein Minus von 896800 Euro im
Planentwurf, sind es jetzt „nur“ noch 234600 Euro, die für
einen ausgeglichenen Etat fehlen. „Wir sind alle Stellen
durchgegangen, vor allem die Liegenschaften. Haben
Grundstücksverkäufe einbezogen“, erklärt Marion Mai,
Sachgebietsleiterin in der Kämmerei.
Das stimmt Bürgermeister Hartmut Polzin optimistisch. Er hat
die Hoffnung, dass der Fehlbetrag noch um 130000 Euro kleiner
werden könnte. „Das Leid wird geringer“, meinte er scherzhaft
während der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und
Tourismus, trotzdem könne es nicht sein, dass Haushaltslöcher
im Verwaltungsetat mit Geldern aus dem Vermögenshaushalt
gestopft werden. Schließlich sollte damit investiert werden,
sollte der kulturelle, freiwillige Bereich aufrecht erhalten
werden.
Das unterstrich während der Sitzung auch Ausschussmitglied
Sylvia Stracke. Schließlich gehe es um die Bürger der Stadt
und um die Touristen. Ausschuss-Vorsitzender Jochen Arenz
wagte allerdings einen recht mutigen Vorschlag. „Wir haben
recht viele Kultureinrichtungen in der Stadt. Können wir uns
die alle leisten? Oder sollten wir uns vielleicht auf drei
konzentrieren?“ Oder: Die Öffnungszeiten im Winter könnten
eingeschränkt oder Synergieeffekte der Einrichtungen besser
genutzt werden, schlug Arenz vor. Vieles wird noch zu prüfen
sein.
Es werde nicht reichen, hier und da nur kleine Sümmchen zu
sparen, so Sylvia Stracke.
RENATEPETER
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"Synergieeffekte" ist ein gutes Stichwort. Schauen wir mal, was die
Stadtvertreter daraus machen.
Lex muss weg - Die Stadtvertreter wollen
wieder einmal ihren Vorsteher abwählen.
Stadtvertretervorsteher in Bad Doberan zu sein, ist ein wackeliger
"Job". Birgit Mersjann bekam das zu spüren,
Anke Bitter ebenfalls, Caroline Brandt schrammte dran vorbei und nun
trifft es Guido Lex.
Diesmal allerdings gibt es rege Fürsprache für den Abwahlantrag -
und das nicht nur im Rathaus.
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OSTSEE-ZEITUNG | 09.02.2010
Stadtvertreter wollen
ihren Vorsteher abwählen.
Von KLAUS WALTER
Bad Doberan. Als Guido Lex (Bürgerbund) nach der Kommunalwahl
am 7. Juni 2009 zum Stadtvertretervorsteher in Bad Doberan
gewählt wurde, galt er vielen - Bürgern wie Stadtvertretern –
als Hoffnungsträger. Mit Lex säße ein couragierter
Rechtsgelehrter auf dem
Stuhl des Versammlungsleiters, der, so der vielfache Wunsch,
das Amt mit Würde ausfüllen werde und der es gewohnt
sei, nach Recht und Gesetz zu handeln. Immerhin: Lex ist
Richter.
Ein deutliches halbes Jahr später sind zumindest vier
Fraktionen der Stadtvertreterversammlung und ein
Einzelkandidat anderer Meinung. Zur nächsten Sitzung
(22.Februar,18.15Uhr,Rathaus) haben CDU, SPD, HGV, CDG und der
Abgeordnete Jochen Arenz einen Antrag zur Abwahl von Guido Lex
eingebracht. „Der Stadtvertretervorsteher“, so der Wortlaut,
„sollte sein Amt unparteiisch und neutral ausüben und ebenso
die Sitzungen der Stadtvertretung leiten. Dieses lässt der
Stadtvertretervorsteher, trotz mehrfacher Hinweise aus der
Stadtvertretung, nachhaltig vermissen.“
Zwischen der Wahl Lex’ und dem Antrag liegt eine Reihe von
Stadtvertretersitzungen, in deren Verlauf es wiederholt zu
persönlichen Schlagabtauschen zwischen Lex und einzelnen
Abgeordneten, zu unangemessenen Belehrungen seitens des
Vorstehers an die Stadtvertreter gekommen war. Manch
Abgeordneter fühlte sich brüskiert. Harmlos ausgedrückt.
Jochen Arenz begründet den Abwahlantrag so: „Ich wünsche mir
einen Vorsteher, der Brücken baut und Trennendes überwinden
hilft; nicht Abgeordnete beschimpft oder persönliche Attacken
führt.“ Es gehe ihm nicht um politische Positionen, die Lex
vertrete, sondern allein um die Art der Sitzungsführung, um
die fehlende Neutralität.
So sieht es auch Birgit Mersjann von der SPD-Fraktion: „Die
Neutralität des Versammlungsleiters ist gute, alte Tradition
in allen demokratischen Parlamenten.“ Egal, ob der Antrag
Mehrheiten finde oder Lex im Amt bleibe, hoffe sie auf einen
positiven Effekt. „Wer mit einer Abwahl konfrontiert ist, wird
nachdenken, was er falsch gemacht hat“, sagt Mersjann. Sie
weiß, wovon sie spricht: Sie selbst war einmal
Stadtvertretervorsteherin und wurde abgewählt.
In Sachen Neutralität vertritt Lex seine eigene Position. „Ich
bin nicht nur Stadtvertretervorsteher, sondern auch gewählter
Abgeordneter mit einem Recht zur Meinungsäußerung“, sagte er
mehrfach, wenn es Widerspruch aus dem Parlament gegen
Wortbeiträge seinerseits während der Versammlungen gab.
Schließlich übertrug Lex dann auch mehrfach die
Versammlungsleitung an seine Stellvertreterin, wenn er sich
–häufig zum Thema Heiligendamm– selbst zu Wort melden wollte.
Nicht immer aber gelang die Trennung.
Darin sieht Caroline Brandt (CDU) einklares Argument gegen den
Vorsteher. „Im Kommentar zur Kommunalverfassung steht, dass
der Versammlungsleiter sein Amt, objektiv und unparteiisch’
ausüben soll“, sagt sie.„Dagegen verstößt Herr Lex immer
wieder, trotz vieler Hinweise. Das stört auch Herbert Baor vom
Handwerker- und Gewerbeverein (HGV). „In der Demokratie muss
man die Meinung des anderen akzeptieren“, sagt Baor. „Darf
sich nicht persönlich angegriffen fühlen, und mit persönlichen
Angriffen reagieren. “Es müsse immer eine sachliche,
vernünftige Sitzungsführung möglich sein. Baor: „So wie Lex
mit uns umspringt, geht das nicht.“
Die FDP-Fraktion hat den Abwahlantrag nicht unterzeichnet.
Fraktionschef Harry Klink: „Nach Auffassung des
FDP-Ortsverband sollen sich Stadtvertreter nicht mit sich
selbst, sondern mit Sachfragen beschäftigen.“ Zum anderen täte
es der Demokratie gut, wenn kontrovers diskutiert werde. Dafür
stehe Guido Lex. Persönlich, sagte Klink, könne er gut
nachvollziehen, dass einem juristisch gebildeten Menschen bei
bestimmten Vorgängen in der Stadt auch die Haare zu Berge
stünden.
Der CDU-Ortsvorsitzende Prof. Rolf Kuchenbuch, hat nicht
nur eine komplett andere Meinung als die CDU-Fraktionschefin
Caroline Brandt. Ergeht in seiner Fürsprache für Lex sogar
noch einen Schritt weiter als sein Abgeordnetenkollege von der
FDP, Harry Klink. „Ja, Herr Lex hat sich oft von seinen
Gefühlen und seiner Grundhaltung zu Heiligendamm hinreißen
lassen. Er war emotional, gelegentlich aggressiv, beleidigend,
parteiisch“, sagt Kuchenbuch. „Aber er hat Handlungsdruck auf
den Bürgermeister und seine Mitarbeiter ausgeübt, der bisher
nicht zu beobachten war. Nur Mittelmaß ist unumstritten – und
das hatte die Stadt in dieser Position zu lange. “Wenn sich
Lex ein wenig zurück nehme, werde er „der beste Vorsteher der
vergangenen und zukünftigen Jahre“.
|
Ich persönlich bezweifle, dass Guido Lex absolut nicht in der Lage
ist, Mandat und Ehrenamt voneinander zu trennen.
Sein Auftreten lässt viel mehr die Vermutung zu, dass er Arbeit und
Ehrenamt nicht voneinander zu trennen vermag.
Er betritt den Saal und ist Richter. Die Versammlung gehört ihm und
er erteilt und verweigert das Wort.
Wenn er redet, haben andere zu schweigen und wer sich daran nicht
hält, erfährt seine Konsequenzen.
Das ganze Auftreten im Rathaus ist sehr ähnlich dem, was man von
Richtern in ihren Gerichten kennt.
Hier muss Lex ansetzen und lernen, mit der Robe auch den Richter
abzulegen.
So man ihm diese Chance überhaupt noch einmal gibt.
Inwiefern Guido Lex den Bürgermeister und die Verwaltung bewegt hat,
weiß Professor Kuchenbuch selbst wohl am Besten.
Die Äußerung ist aus einer ganz anderen Perspektive jedoch sehr
interessant: Kuchenbuch sieht es als Aufgabe des
Stadtvertretervorstehers, den Bürgermeister zu bewegen. Eigentlich
sollten Stadtvertreter und Bürgermeister zusammen arbeiten und
gemeinsam etwas bewegen. Zur Not wird der Bürgermeister eben von den
Stadtvertretern per Beschluss beauftragt. Wenn aber die
Stadtvertreter erst ein Alphatier benötigen, um den Bürgermeister zu
bewegen, läuft etwas in der Stadtvertreterversammlung schief.
Bemerkenswert ist auch die Aussage Harry Klinks zum Vorhaben der
Stadtvertreter. Die Stadtvertreter sollen nach seiner Aussage sich
nicht mit sich selbst beschäftigen. Harry Klink selbst verklagte den
Bürgermeister und forderte mehrmals deren Abwahl. Möglicherweise
beobachten wir hier einen bemerkenswerten Sinneswandel. Das werden
die kommenden Monate zeigen.
Die Sachfragen wurden gerade durch die hitzigen Diskussionen -
entfacht durch Bürgerbund und FDP und eingeheizt durch die
subjektive Einstellung Guido Lex' stets in die Länge gezogen oder in
die Zukunft verschoben. Lex' Partei (und auch Klinks Fraktion)
brachten immer wieder Anträge ein, die speziell in Heiligendamm
bereits getroffene Beschlüsse wieder revidiert oder neutralisiert
hätten, wenn sie genehmigt worden wären. Einiges war gar nicht erst
genehmigungsfähig, anderes hatte keinen Aussicht auf Erfolg aber
alles führte zu langen Debatten, hitzigen Diskussionen und endlosen
Sitzungen und Sitzungsfortführungen. Lex war stets ein Katalysator
durch seine Subjektivität und die geschickte Vertretung der
Parteiinteressen aber er war nicht die Hauptursache für die
mangelhafte Sacharbeit. Auch unter seinen Vorgängern kamen die
Stadtvertreter punkto Heiligendamm nicht zu Potte. Der lange
Stillstand in Heiligendamm ist somit nicht auf eine Person allein
zurück zu führen, sondern auf die Unfähigkeit der Stadtvertreter zur
konstruktiven Zusammenarbeit. Abstimmungsverhalten hat auch etwas
mit Mehrheiten zu tun - wer sich mag, stimmt überein und wer sich
nicht mag, stimmt grundsätzlich anders, als sein Kontrahent - ob es
der Stadt nun gut tut oder nicht.
Lex-Abwahl
verschoben.
Guido Lex bleibt Stadtvertretervorsteher. Erst einmal. Harry Klink
von der FDP nutzt den Wunsch Rolf Kuchenbuchs (CDU) nach einer
Klausurtagung dafür, eine grundsätzliche Linie auf dieser Tagung zu
finden. Bis dahin soll Lex im Amt bleiben. Dass gerade die FDP sich
- wenn auch sehr indirekt - für den Bürgerbundler Lex einsetzt,
überrascht Kritiker nicht: FDP und Bürgerbund ergänzten sich stets
in den Anträgen bezüglich Heiligendamms. Die letzte Abstimmung der
FDP jedoch dürfte den Bürgerbund brüskiert haben, sodass einige
einen Wiedergutmachungsversuch der FDP in der Unterstützung Lex'
sehen. Wie auch immer - hier die Berichterstattung der
Ostsee-Zeitung:
|
OSTSEE-ZEITUNG | 23.02.2010
Kita-Beiträge steigen,
Lex bleibt im Amt
Bad Doberan. Die Elterbeiträge für Krippen, Kindergärten und
Horte steigen, Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund)
bleibt – zumindest vorerst – im Amt. Und ebenso bleibt wohl
auch die „Brötchentaste“ an den Parkautomaten vorerst
erhalten.
Das sind die wohl wichtigsten Ergebnisse der gestrigen
Stadtvertreterversammlung im Rathaus von Bad Doberan.
Den Antrag zur Abwahl von Stadtvertretervorsteher Lex haben
die Abgeordneten von der Tagesordnung gestrichen.
Den Antrag dazu stellte Harry Klink (FDP). Klink will über den
generellen Umgang der Stadtvertreter miteinander auf einer
seit Dezember
geplanten Klausurtagung der Stadtvertreter beraten, und erst
danach über eine Abwahl entscheiden.
Die Klausurtagung, die in diesem Jahr stattfinden soll, war
eine Idee des CDU-Ortsvorsitzenden Prof. Rolf Kuchenbuch.
Der hatte nicht nur den Umgangston während der Sitzungen
kritisiert und wollte mit der Klausurtagung das Verhältnis der
Abgeordneten
untereinander bessern. Kuchenbuch wollte zugleich auch
Schwerpunkte für die künftige Stadtentwicklung festsetzen.
Die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung steigen (OZ
berichtete ausführlich). Für einen Krippenplatz werden ab
Januar 229,16 Euro, für den Kindergarten 125,72 Euro und für
den Hort 77,13 Euro fällig. Bürgermeister Polzin legte Wert
auf die Feststellung, dass die Erhöhung nicht auf
die Kommune zurückgehe, sondern durch das Land verursacht
worden sei. Das Land habe seine Ausgaben für die Kinder auf
einen festen Betrag reduziert und berücksichtige die
steigenden Geburtenzahlen nicht. Die Stadt zahle weiterhin
mehr (57 Prozent) für die Kinderbetreuung, als vom Gesetzgeber
verlangt (50) Prozent.
In Doberans Innenstadt kann auf den dafür vorgesehenen Flächen
weiterhin in den ersten 30 Minuten kostenlos geparkt werden
(„Brötchentaste“). Wie lange diese erst vor einem Jahr
eingeführte Lösung erhalten bleibt, ist allerdings fraglich.
Der Antrag zur Abschaffung der Taste soll im Zuge einer neuen
Parkgebührenverordnung für die ganze Stadt erneut diskutiert
werden. Danach wird parken aber generell teurer.
Info: Ausführlich dazu und über weitere wichtige Beschlüsse
morgen in der OZ.
|
Kurz noch etwas zur Brötchentaste:
Einzelbewerber Jochen Arenz hatte den Antrag gestellt, diese
abzuschaffen und an Stelle der kostenlosen halben Stunde von der
ersten Minute an Gebühren zu verlangen. Als Begründung gibt er an,
dass es seit der Einführung der Brötchentaste Mindereinnahmen von
20.000 Euro pro Jahr gibt. Das will (mir) nicht einleuchten:
In der August-Bebel-Straße
gab es zuvor gar keine Parkscheinautomaten und damit auch keine
Einnahmen. Wie aus keinen Einnahmen nach der Aufstellung eines
Automaten nun noch weniger Einnahmen werden sollen, leuchtet (mir)
nicht ein. Spucken die Automaten Fünf-Euro-Scheine, statt
Parkscheine aus?
Wie immer gilt hier, die Gesamtsituation zu betrachten:
Wo wurde die Brötchentaste
an Automaten eingeführt, die zuvor von der ersten Minute an
kassierten?
Hier - und nur hier - kann es Mindereinnahmen geben. Und darum kann
auch nur hier die Brötchentaste wieder zurück genommen werden. Doch
die Brötchentaste sollte den Gewerbetreibenden und Dienstleistern in
der Stadt helfen. Sie sollte es ermöglichen, kurz einmal anzuhalten
und etwas einzukaufen, aus der Apotheke zu holen, ein Zimmer zu
reservieren, oder ein Bankgeschäft zu tätigen. Diese Möglichkeiten
werden durch die Rücknahme der Brötchentaste wieder genommen.
Was in einer kleinen Stadt wie Bad Doberan an und für sich nicht
schlimm wäre, wären da nicht die nächsten Planungen auf den
Schreibtischen. Die Stadt
plant nämlich die Einführung von Parkgebühren auf dem bisher
kostenlosen Parkplatz am Drümpel.
Das ist gleich doppelt
negativ, denn zum einen gilt der Parkplatz als Bahnhofs-Parkplatz
und sollte den Bahnreisenden ermöglichen, mindestens einen ganzen
Tag, besser aber noch mehrere Tage ihr Auto dort abzustellen. Diese
Möglichkeit wurde bereits am ZOB und am Molli-Bahnhof genommen,
sodass sich Bad Doberan hier weder touristen- noch umweltfreundlich
präsentiert.
Zum zweiten ist der
Drümpel-Parkplatz ein Randparkplatz, auf dem viele Touristen ihr
Auto abstellen, um dann in die Stadt zu gehen und die
Sehenswürdigkeiten zu besuchen, zu bummeln und etwas zu essen und
trinken. Der kostenlose Randparkplatz direkt an der Bundesstraße und
am Autobahnzubringer und im Angesicht des Stadtzentrums war stets
eine Einladung an die Touristen, hier zu parken und in Bad Doberan
einzukehren. Diese Einladung wurde gern angenommen und dort nun
Gebühren einzuführen - zumal seit gestern nun mit der Aussicht auf
Teuerung - kommt einer Ausladung an die Touristen gleich. Wohl
gemerkt: Es geht nur um die Touristen. Die Einwohner Bad Doberans
und die täglich hier verkehrenden Menschen aus dem Umland finden
Mittel und Wege, ihr Auto kostenlos und legal abzustellen: In
der Goethestraße, der Neuen Reihe, der Feldstraße, Lessingstraße,
Heine-Straße, Rylla-Straße, Kastanienstraße, Bergstraße,
Lindenstraße, Dr.-Leber-Straße, Maxim-Gorki-Straße, im Friedhofsweg,
am Lettowsberg, Töpferberg, in den Hörn, in der Querstraße, am
Alexandrinenplatz, in der Martin-Luther-King-Straße, der
Schillerstraße, auf den Parkplätzen von LIDL und ALDI und NETTO,
sowie in den Nebenstraßen und Wohngebieten.
Die Mehrheit der
Einheimischen wird in den Straßen parken und ein wenig laufen, bevor
sie auch nur einen Cent bezahlt. Zum Leidwesen der Anwohner dieser
Straßen, die gerade als Bewohner von Mehrfamilienhäusern keine
eigenen Stellflächen haben und auf das Parken in diesen Straßen
angewiesen sind. Der Drümpel-Parkplatz verhindert derzeit das
permanente Zuparken der innenstädtischen Wohnstraßen durch
Nicht-Anlieger. Ihn kostenpflichtig zu machen, wird nicht mehr
Fahrzeuge in die Parkpalette bringen, sondern mehr Fahrzeuge in die
Nebenstraßen und auf die Parkflächen der Discounter. In Folge wird
mehr abgeschleppt, Unmut macht sich breit und negative Publicity
sorgt für Bewegungen in den Touristenzahlen - nach unten. Natürlich
pendelt sich auch dies irgendwann wieder ein.
Nur: Kann Bad Doberan
sich das derzeit leisten oder sollte man lieber erst dann
Parkgebühren erheben und erhöhen, wenn die Touristen dieses Geld
auch zu zahlen bereit sind? Wer würde derzeit um jeden Preis in Bad
Doberan parken wollen? Was gibt es derzeit, das ein Tourist um jeden
Preis sehen will?
Klüngel in der Stadtverwaltung? Wollte Polzin
100.000 Euro an ein Ingenieurbüro verschenken?
Las man gestern noch von Einigung und Verständigung, titulierte die
Ostsee-Zeitung heute "Streit hinter verschlossenen Türen". Das
Lokalmedium berichtet vom Bürgermeister und seinem Versuch, ein von
einem Stadtvertreter seiner Partei geführtes Ingenieurbüro auf
Kosten der Stadt zu "bereichern". Hier der relevante Ausschnitt aus
der Ostsee-Zeitung.
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OSTSEE-ZEITUNG | 24.02.2010
... Während mit der Gebührenerhöhung für die Eltern das Fehlen
von 40.000 Euro in der Stadtkasse ausgeglichen wird, hat es
offenbar den Versuch seitens der Stadtverwaltung gegeben, den
Verzicht auf knapp100.000 Euro für die Stadtkasse an den
Stadtvertretern vorbei zu mogeln.
Bekannt wurde das, als die Stadtvertreter am Montag über ihre
Tagesordnung abstimmten.
Bürgerbund-Fraktionschef Hannes Meyer beantragte gemeinsam mit
dem Einzelabgeordneten Frank Pieplow und dem
CDU-Ortsvorsitzenden Rolf Kuchenbuch, den Eilantrag des
Bürgermeisters „Rechtsangelegenheit – 021/10“von der
Tagesordnung des nichtöffentlichen Sitzungs-
teils zu streichen.
Hintergrund: Bei der Sanierung der Kampschule ist es zu
Fehlern beim Einbau neuer Fenster gekommen. Hieraus leiten
sich Ansprüche der Stadt an die Verantwortlichen her. Der
Bürgermeister war beauftragt, die Ansprüche der Stadt geltend
zu machen.
Bürgermeister Polzin hatte tatsächlich einen Vergleich mit dem
verantwortlichen Ingenieurbüro geschlossen: allerdings eine
Vereinbarung sehr zum Nachteil der Stadt. Statt der vollen
Summe von 12.8000 Euro soll Bad Doberan nur 30.000 Euro
bekommen – und auf 98.000 Euro verzichten.
Die Zustimmung zu diesem äußerst nachteiligen Geschäft wollte
der Bürgermeister den Antragstellern zufolge bereits vom
Hauptausschuss einholen. Dort hat es tatsächlich eine
Beschlussvorlage zu dem Thema gegeben – allerdings ohne
Nennung der Summen.
„Hätte Polzin die Summen genannt, wäre dem Hauptausschuss
sofort klar gewesen, dass die gesamte
Stadtvertreterversammlung zustimmen muss“, sagte Meyer. „Und
auch Bürgermeister Polzin muss klar gewesen sein, dass für
eine derartige Summe die Zustimmung des Hauptausschusses nicht
genügt. “Die Antragsteller warfen Polzin vor, die
Stadtvertreter täuschen zu wollen.
An dieser Stelle wurde die Öffentlichkeit vom Sitzungsverlauf
ausgeschlossen. Bekannt ist aber das Ergebnis: Polzins Antrag
wurde nicht genehmigt, es liege keine Eilbedürftigkeit vor
.Eine Zustimmung zum Verzicht auf 98.000 Euro gibt es damit
vorerst nicht.
Pikant: Der Nutznießer aus dem Vergleich wäre das mit der
Sanierung der Schule beauftragte Ingenieurbüro gewesen.
Es gehört einem Stadtvertreter, der Mitglied in Polzins
Partei, der SPD, ist. ...
|
Eigentlich hat dieses Thema nicht direkt etwas mit Heiligendamm und
Bad Doberan zu tun aber immerhin geht es um den Bürgermeister und in
naher Zukunft wird es sicherlich wieder Rücktrittsforderungen geben,
die sich unter anderem auf diesen Fall beziehen. Die Abhandlung
dient also Ihrem besseren Verständnis, wenn wieder einmal
Abwahlanträge ins Haus stehen.
Es ist kein Geheimnis und auch nicht schwer dahinter zu kommen, wer
der Stadtvertreter ist, dessen Ingenieurbüro Nutznießer des
Vergleiches sein soll. Bei vier Stadtvertretern der SPD und nur
einem Ingenieur unter ihnen kann auch nur dieser gemeint sein.
Die Rede ist von Ulrich Baltzer, Bauingenieur und Inhaber des
gleichnamigen Ingenieurbüros aus Bad Doberan. Baltzer sitzt für die
SPD in der Stadtvertreterversammlung und wurde 2009 wiedergewählt.
Baltzer war nachweislich für die Theodor-Neubauer-Schule auf dem
Buchenberg verantwortlich.
Bauleiter für die Kampschule aber war Benno Proske von der MHB
Planungs - & Ingenieurgesellschaft mbH aus Rostock.
Die MHB hatte im Jahre 2003 den Wettbewerb gewonnen und den Zuschlag
für die Sanierung bekommen.
Aus finanziellen Gründen seitens der Stadt konnte erst 2007 mit dem
ersten Bauabschnitt begonnen werden.
Nach einigen Verzögerungen konnte die Realschule Anfang 2009
übergeben und eröffnet werden.
Ein Proske nahm auch am Wettbewerb Teil - jedoch kein Benno, sondern
ein Matthias Proske aus Schwerin.
Welche Rolle Ulrich Balzer im Falle der Kampschule spielt, ließ sich
im Internet nicht herausfinden.
Die Internetseite des Ingenieurbüros Baltzer wurde laut DENIC im
April 2007 letztmalig aktualisiert.
Aktuell ist die Seite eine Baustelle.
Was fehlt, ist der Zusammenhang zwischen Baltzer und MHB oder
Baltzer und Proske.
Darum will ich das auch nicht weiter ausweiten - die Medien werden
ihren Teil dazu beitragen.
Info: 15.04.2010 - Polzin soll abgesetzt werden (mehr)
Ein Stück Grand Hotel für Heiligendamm-Fans:
Die Suiten der Orangerie werden verkauft.
Das kleinste Hotelgebäude des Heiligendammer Luxusresorts steht
in Einzelteilen zum Verkauf.
Einerseits folgt das Grand Hotel damit einem Trend zum Wohnen im
Hotel und andererseits erfüllt es damit Auflagen, die das Land
Mecklenburg-Vorpommern bei der Vergabe der Landesbürgschaft für die
Hotelgesellschaft im Jahr 2009 erteilte. Beißt sich das nicht mit
den Wohnungen in der Perlenkette? Und ist Wohnen auf dem
Hotelgelände überhaupt zulässig? Die ECH erklärt, warum der Verkauf
möglich, förderlich und nicht konkurrierend ist:
|
PRESSEMITTEILUNG
Grand Hotel
Heiligendamm schafft neues Angebot für Heiligendamm-Fans
Zimmer und Suiten der
Orangerie werden als Hotelappartements Interessenten zum
Einzelerwerb angeboten/
Grand Hotel folgt internationalem Trend/ Am Hotelbetrieb
ändert sich nichts
Heiligendamm, den
04.03.2010. In den weltweit exklusiven Ferienresorts ist dies
bereits gängige Praxis.
Das Grand Hotel folgt jetzt diesem Trend – und bietet die 24
Zimmer und Suiten in der Orangerie des Grand Hotels
Heiligendamm-Liebhabern zum Erwerb an. „Damit kommen wir den
Wünschen etlicher Stammgäste nach, die sich gerne dauerhaft
ihr kleines Stück Grand Hotel zulegen wollen“, erläutert Anno
August Jagdfeld. „Manch ein Gast möchte eben stets in ´sein
Zimmer´, in dem alles an seinem gewohnten Platz ist.
Das kann ein Hotel natürlich nicht garantieren“, so der
Geschäftsführer des Grand Hotel Heiligendamm.
Das Angebot umfasst bewusst nur ein kleines Kontingent, um die
Exklusivität zu wahren und den Hotelcharakter der Gesamtanlage
zu wahren.
Die Orangerie ist für
dieses Modell „Ferien im ´eigenen´ Hotel“ der ideale Standort:
Als kleinstes der insgesamt sechs Gebäude des Grand Hotels ist
das Gebäude eingebettet zwischen der Burg Hohenzollern und dem
Kurhaus und verfügt über separate Eingänge.
Die in klassizistischer
Fachwerk-Bauweise rekonstruierte Orangerie ist zwar Teil des
gesamten Ensembles, bietet aber gleichwohl durch seine
Abgeschiedenheit im eher landwärtsgewandten Teil die
gewünschte Privatsphäre – Ostseeblick inklusive. „Es ist genau
diese Mischung, die potenzielle Käufer schätzen“, weiss Anke
Schultz, Vertriebsexpertin bei der Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH). Sie kümmert
sich um die Vermarktung
der Zimmer und Appartements, die durchschnittlich etwa 60
Quadratmeter groß sind.
Das Grand Hotel betritt
mit diesem Modell keineswegs Neuland: In Deutschland wie
darüber hinaus gibt es viele Beispiele für separates Eigentum
in Resort-Hotels. Im Gegensatz zu Ferienwohnungen schätzen die
Eigentümer die Annehmlichkeiten, die ihnen ein 5-Sterne-Hotel
bietet: angefangen bei der Reinigung über den Zimmerservice
bis hin zu Schwimmbad, Spa und Restaurants. Auch um die
Sicherheit braucht sich der Eigentümer keine Gedanken zu
machen.
Für Hotel- und Tagesgäste
ändert sich dadurch nichts. Bauliche Veränderungen werden
ebenfalls nicht vorgenommen.
Zudem behält auch die Orangerie letztlich Hotelcharakter. Denn
die Zimmer und Suiten werden, wenn die Eigentümer sie nicht
nutzen, vom Hotel vermarktet. Das sichert ein langfristiger
Pachtvertrag zwischen Käufer und Hotel. In Zeiten der
Hochsaison, in denen das Haus ausgebucht ist, steht damit
weiterhin eine große Kapazität zur Verfügung. Zudem wird durch
eine Grunddienstbarkeit garantiert,
dass – wie vorgeschrieben
– auf dem Gelände des Grand Hotels nur eine Hotelnutzung
möglich ist.
Beisst sich dieses Angebot
denn nicht mit jenem, das die ECH mit den Wohnungen in den
Strandvillen der Perlenkette jetzt macht?
„Nein, das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe“, erklärt
Jagdfeld. „Sowohl bei Größe und Lage wie auch der Nutzung gibt
es
deutliche Unterschiede. Es
sind zwei verschiedene Zielgruppen, die mit den beiden
Angeboten angesprochen werden.“
Mit dem Verkauf der Orangerie erfüllt das Grand Hotel
Heiligendamm zudem die Auflage der Bürgschaft, die das Land
Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr gewährt hat. So
können die Kredite abgelöst werden, was die Wirtschaftlichkeit
des laufenden
Betriebes weiter erhöht.
Dann wäre die Hotelgesellschaft, die mit einer
Eigenkapitalquote von heute etwa 82 Prozent bereits sehr gut
dasteht, sogar schuldenfrei.
|
Die Ostsee-Zeitung gibt die Pressemitteilung mit Wohlwollen wieder.
Wenngleich "Wie wäre es mit einer eigenen Hotel-Suite?" im Hinblick
auf die Ziel- und Lesergruppe der Ostsee-Zeitung ein wenig zynisch
klingen mag. Aber das muss ja keine Absicht des Verfassers sein,
sondern eher ein kleiner Scherz.
|
OSTSEE-ZEITUNG | 05.03.2010
Grand Hotel verkauft Suiten in der Orangerie
Wie wäre es mit einer eigenen Hotel-Suite? Das Grand Hotel
Heiligendamm bietet 24 Zimmer zum Einzelverkauf an.
Die Eigentümer bekommen „ihre“ Suite, können aber weiter vom
Hotel-Service profitieren.
Heiligendamm.
24 Zimmer und Suiten in
der Orangerie des Grand Hotels Heiligendamm stehen seit
gestern zum Verkauf an Einzelbewerber.
„Damit kommen wir den Wünschen etlicher Stammgäste nach, die
sich gerne dauerhaft ihr kleines Stück Grand Hotel zulegen
wollen“, erläutert Anno August Jagdfeld, Geschäftsführer des
Grand Hotel Heiligendamm.
Jagdfeld zufolge umfasst das Angebot bewusst nur ein kleines
Kontingent, um die Exklusivität und den Hotelcharakter der
Gesamtanlage
zu wahren. Die Orangerie sei für das Modell „Ferien im eigenen
Hotel“ ideal: Als kleinstes der sechs Gebäude des Hotels sei
das Haus eingebettet zwischen Burg Hohenzollern und Kurhaus
und verfüge über separate Eingänge.
Die in klassizistischer Fachwerk-Bauweise rekonstruierte
Orangerie biete durch ihre Abgeschiedenheit im eher
landwärtsgewandten Teil die gewünschte Privatsphäre,
Ostseeblick inklusive. „Das ist dieMischung, die potenzielle
Käufer schätzen“, weiß Anke Schultz, Vertriebsexpertin der
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH). Sie kümmert sich um
die Vermarktung der etwa 60 Quadratmeter großen Zimmer und
Appartements.
Betreffs der Preise hält sich die ECH bedeckt. „Wir erwarten
eine der Einmaligkeit des Ortes und der Exklusivität der
Ausstattung
angemessene Summe“, sagt ECH-Sprecher Christian Plöger. Einen
festen Quadratmeterpreis gebe esnicht, die Kalkulation für
jedes
Apartment erfolge je nach Lage individuell. Am Hotel-Charakter
der Orangerie werde sich nichts ändern, hieß es. Zimmer und
Suiten
sollen, wenn die Eigentümer sie nicht nutzen, weiter vom Hotel
vermarktet werde. Das sollen langfristige Pachtverträge
zwischen Käufer
und Hotel sichern. Während der Hochsaison stünde somit
weiterhin eine große Hotelkapazität zur Verfügung. Zudem werde
garantiert,
dass – wie vorgeschrieben – auf dem Gelände nur eine
Hotelnutzung erfolgt.
Mit der geplanten Sanierung der Villen der Perlenkette beiße
sich das Angebot nicht, sagt Anno August Jagdfeld.
„Bei Größe, Lage und Nutzung gibt es deutliche Unterschiede.
Es sind zwei verschiedene Zielgruppen.“ Mit dem Verkauf der
Orangerie erfülle das Grand Hotel zudem die Auflage der
Bürgschaft, die das Land Mecklenburg-Vorpommern 2009 gewährt
habe. Klappe der Verkauf, könnten die Kredite abgelöst werden.
Dann wäre die Hotelgesellschaft, die mit einer
Eigenkapitalquote von 82 Prozent sehr gut dastehe, sogar
schuldenfrei.
|
Der Verkauf der Suiten der Orangerie war offenbar Teil der Abmachung
zwischen der Betreibergesellschaft des Grand Hotels und der
Landesregierung in Schwerin, um eine Landesbürgschaft realisieren zu
können. Da die Medien sehr einseitig berichteten, gingen die genauen
Bedingungen - obwohl sie seitens des Grand Hotels öffentlich genannt
wurden - unter. Die Umsetzung ist also eine Erfüllung der
Bedingungen. So bleibt die Orangerie im Besitz des Grand Hotels und
ihm zugehörig und wird eben nur anders als bisher bewirtschaftet.
Der Countdown läuft: Wiederaufbau der Villa
"Perle" in 180 Tagen.
Nun ist es wieder fast so wie früher: Die Ostsee-Zeitung lässt ein
wenig Bautagebuch-Stimmung aus dem Jahr 2000 durchschimmern. Die ECH
kommt zu Wort - Interviews werden geführt - ganz wie vor einem
Jahrzehnt.
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OSTSEE-ZEITUNG | 11.03.2010
Wiederaufbau Villa „Perle“:
Der Countdown läuft
Von KLAUS WALTER
Bad Doberan. Der Wiederaufbau der Villa Perle und der Bau
des „Rundweges“ um das Hotelressort in Heiligendamm können
beginnen:
Mit ihrer Veröffentlichung gestern im Ostsee-Anzeiger Bad
Doberan ist die „2. Änderung des Bebauungsplanes Nr. 25“
rechtsgültig.
Jetzt tritt der Kompromiss zur Bebauung in Heiligendamm und
zum Verlauf der öffentlichen Wege in Kraft, auf den sich
Stadtvertreter und Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH)
geeinigt hatten, und der von der Stadtvertreterversammlung am
14. Dezember 2009 abgesegnet wurde. „Dazu haben ECH und Stadt
am 19. Februar einen städtebaulichen Vertrag unterzeichnet,
der nun ebenfalls rechtskräftig ist“, sagte
ECH-Geschäftsführer Heiner Zimmermann gestern.
Klartext: In spätestens sechs Monaten muss der Wiederaufbau
der zum G8-Gipfel 2007 abgerissenen Villa Perle beginnen – und
ebenso die Verwirklichung des „Rundweges“. Er soll die
durchgehende Begehbarkeit vom Seebrücken-Vorplatz nach Westen
unterhalb des
Alexandrinen-Cottages bis zum ebenfalls neu zu bauenden
Liegnitzsteg sichern. Während Stege und Wege Bauvorhaben der
Stadt sind, für die die ECH nur aufkommt, wenn keine
Fördermittel eingeworben werden können, ist der Wiederaufbau
der „Perle“ ein Projekt der ECH.
Ebenfalls Gegenstand des Vertrages sind u.a. der Abriss und
Neubau der Sturmflutmauer, der Bau einer Tiefgarage seewärtig
vor den Villen und eine Bürgschaft, die eine Wiederherstellung
der Sturmflutmauer sichern soll, falls die ECH das Vorhaben
nicht zu Ende führen kann.
„Dennoch geht die ECH während der Planung der kommunalen
Vorhaben ,Steganlagen’ in finanzielle Vorleistung“, sagte
Zimmermann.
„Mit einem immerhin sechsstelligen Betrag.“ Gelinge es der
Stadt nicht, Fördermittel für die Vorhaben einzuwerben,
übernehme die ECH die Finanzierung ganz. So sei es vertraglich
vereinbart.
Mit den Planungen seien die Ingenieurbüros Wastra-Plan und
Merkel Ingenieur Consult beauftragt. Der Wiederaufbau der
Villa Perle gilt bei der ECH als Start für die schrittweise
Sanierung des gesamten Bauensembles der „Perlenkette“. „Der
Verkauf der Ferienwohnungen kommt gut voran“, sagte Heiner
Zimmermann. Deshalb sei sicher: „Wir werden nicht bis zum
Ablauf der sechs Monate mit dem Baubeginn warten.“
ECH-Geschäftsführer Hans Schlag nennt als Termin den
„Frühsommer“. Schlag: „Das Frühjahr 2010 wird vermutlich sehr
kurz, deshalb ist der Frühsommer realistischer.“ Auf jeden
Fall werde man beginnen, sowie die Ausschreibung der
Bauleistungen über die Bühne gegangen sei. Diese müsse man
wiederholen, da einerseits Bindungsfristen früherer Angebote
abgelaufen seien. Andererseits seien einige Firmen nicht
mehr am Markt, andere, neue Unternehmen sollten berücksichtigt
werden. „Auf jeden Fall haben wir den Ehrgeiz, die
Bauleistungen an
Firmen aus der Region zu übergeben“, sagte Schlag.
In die Bauvorhaben der Stadt sei dieECH„nur mittelbar“
einbezogen. Wann der Bau der Steganlagen beginnen könne, sei
wohl im Wesentlichen von der Planungsgeschwindigkeit abhängig,
betonte Schlag. Vorstellbar sei aber, dass bei günstigem
Verlauf die Projekte
noch in diesem Jahr fertig gestellt werden könnten. Anders sei
dies beim Bau von Sturmflutmauer und Tiefgarage. „Beides geht
nur zusammen“, sagte Schlag. „Dabei sind wir auch abhängig von
den Auflagen des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur.“
Das StAUN habe ein konkretes Zeitfenster für den Bau
festgelegt: April bis Oktober. „In dieser Zeit ist die Gefahr
einer Sturmflut, die die Villen schädigen könnte, gering“,
erläuterte Schlag. Da man in diesem April nicht mehr mit dem
Bau beginnen könne, werde man voraussichtlich im April 2011
starten. „Wir werden also in jedem Fall eine Saison durch
Bauarbeiten am Strand beeinträchtigen müssen“, sagte Schlag.
Was kostet eine Perle in Heiligendamm?
Sowohl bei der Investitionssumme für den Wiederaufbau der
Villa Perle als auch bei den Preisen für die entstehenden
Ferienwohnungen hält sich die Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH) bedeckt. Dies gehe ins „originär
Unternehmerische“, hieß es. Immerhin gibt die ECH eine Summe
für die Sanierung der gesamten Perlenkette an: 70 Millionen
Euro.
Aufbau, Verfall, Abriss und Verzögerungen
Die Villa „Perle“, zu DDR-Zeiten „Maxim Gorki“, wurde 1854
erbaut. Als die Kölner Fundus-Gruppe 1996 das gesamte 520
Hektar große Areal rund um das heutige Grand Hotel erwarb,
hatten der Zahn der Zeit und Vandalismus den sieben Villen der
so genannten „Perlenkette“ bereits zugesetzt. Dennoch standen
alle Häuser des Ensembles unter Denkmalschutz. Ab 2003 bestand
seitens der Stadt Bad Doberan Baurecht für
die Sanierung. Doch aus den Plänen wurde nichts. Nach
mehrjährigem Verfall wurde die Villa Perle im Januar 2007
abgerissen. Als Begründung diente der im selben Jahr im Grand
Hotel abgehaltene G8-Gipfel. Das Haus stehe einer
Pressetribüne im Wege, hieß es. Der für das Folgejahr
versprochene Wiederaufbau scheiterte unter anderem an weiteren
Vorbedingungen, die Stadtvertretung Bad Doberan und
Entwicklungs-
Compagnie Heiligendamm wechselseitig erhoben. Seit gestern ist
der „städtebauliche Vertrag“ zwischen Bad Doberan und der
Entwicklungs-
Compagnie Heiligendamm rechtskräftig. Nun muss in spätestens
180 Tagen der Wiederaufbau der Villa Perle beginnen.
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Auf dem Kammerhof geht es weiter. Aber die
WIG-Insolvenz ist noch nicht ausgesessen.
Heiligendamm ist geschafft und nun soll es an den Kammerhof gehen.
Das von zeit-am-meer.de geprägte Wort "Kammerhof-Debakel" macht in
den Medien und aus Mündern Verantwortlicher die Runde und genau
dieses Debakel soll nun ein Ende finden. Die WIG soll gerettet und
von der DKB freigekauft werden und wieder Bauland verkaufen.
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OSTSEE-ZEITUNG | 13.04.2010
Von KLAUSWALTER
WIG verkauft
Baugrundstücke
Nach langem Stillstand geht der Verkauf von Bauland im
Wohngebiet Kammerhof wieder voran. Noch immer aber wirkt die
Insolvenz der „Kammerhof 11 KG“ nach.
Bad Doberan. Bad Doberans Wohnungsbau- und
Investitionsgesellschaft (WIG) übernimmt ab sofort die
Vermarktung der Baugrundstücke im Wohngebiet „Kammerhof“ in
Bad Doberan. Rund 120 000 Quadratmeter Bauland in rund 200
Einzelgrundstücken sollen an den Mann gebracht werden – zu
Preisen ab 80 Euro pro Quadratmeter und aufwärts. Gebaut
werden können – teilweise auch mehrgeschossig – bis zu 1500
Wohnungen.
Möglich wurde die Wiederaufnahme des Grundstücksverkaufs, weil
die „Kammerhof 11 KG“, die 2004 Insolvenz anmelden musste, aus
der Insolvenz geführt und wieder handlungsfähig gemacht werden
soll. Dazu habe die Stadt Bad Doberan seit 2007 Verhandlungen
mit der Deutschen Kreditbank (DKB) geführt, die nun
„erfolgreich beendet“ wurden, wie es in einer Mitteilung der
WIG heißt.
Im Vergleich mit den Immobilienpreisen in Rostock und
Kühlungsborn hält WIG-Geschäftsführer Arno Gutzmer die Preise
für realistisch. „Angesichts der Infrastruktur, die Bad
Doberan bietet, mit Krankenhaus, Gymnasium, Verkehrsanbindung
und kultureller Szene – auf jeden Fall“, sagt er. Gutzmer
hofft, dass das ganze Kammerhof-Debakel nun doch noch ein
positives Ende findet. Gutzmer: „Dort liegt ein gewaltiges
Potential für die Stadt, für Handwerk und Gewerbe brach. Das
gilt es, zu nutzen.“
Ganz ohne Ecken und Kanten ist die Sache allerdings nicht.
Denn weil die Stadt sich nicht gegen das Risiko einer
Insolvenz der Kammerhofgesellschaft abgesichert hatte, musste
sie – letztlich die Bürger der Stadt mit ihren Steuergeldern –
für die Verluste geradestehen. Im Gespräch war in den
vergangenen Jahren mehrfach ein Gesamtschaden von rund 20
Millionen Euro. Um jetzt die „Kammerhof 11 KG aus der
Insolvenz zu führen“, wie es die WIG lapidar formuliert, ist
jede Menge Geld nötig. Denn in jedem Fall müssen die
Forderungen der DKB erfüllt werden. Dazu sei die WIG als
„Finanzierungspartner“ der Stadt beigetreten, wie WIG-Chef
Gutzmer formuliert. Die DKB habe im Laufe der Verhandlungen
auf ein Drittel ihrer Forderungen verzichtet, dadurch
sei das Geschäft möglich geworden.
Summen nannte Gutzmer nicht. „Der Bürgermeister wünscht das
nicht“, sagte er.Basis für die Finanzierungs- Partnerschaft
von Stadt und WIG ist ein sogenannter „Poolvertrag“, der den
Stadtvertretern seit Oktober 2008 vorliegt, der aber bislang
noch nicht verabschiedet wurde.
Danach sollte die Stadt damals 1,6 Millionen Euro, die WIG
weitere 600 000 Euro in den „Finanzierungspool“ geben, um sich
von der DKB freizukaufen. Während die WIG dem Vertrag zufolge
einen Kredit aufnehmen sollte, wollte die Stadt – wie in der
öffentlichen Stadtvertreterversammlung vom 22. Oktober 2008
diskutiert wurde – ihren Anteil mittels erhöhter Umlagen für
den Zweckverband Kühlung (ZVK) eintreiben. Das führte
seinerzeit zu massiver Kritik seitens der FDP im gesamten
Landkreis Bad Doberan. Der damalige FDP-Kreischef, Eduardo
Catalan, und der jetzige FDP-Fraktionschef in der
Stadtvertretung, Harry Klink, protestierten seinerzeit unter
anderem in einer
Pressemitteilung massiv gegen das Vorhaben, „64 000 ZVK-Haushalte
in die Pflicht zu nehmen“, damit die Stadt die Forderungen der
DKB erfüllen könne. „An dieser Kritik hat sich bis heute
nichts geändert“, sagte Klink jetzt gegenüber OZ. Er kündigte
an, das Thema nochmals in
der Stadtvertreterversammlung zum Thema zu machen.
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Auf ihn mit Gebrüll: Alle gegen den
Bürgermeister.
Hartmut Polzin hat es nicht leicht: Er soll der Dr.-Ebel-Gruppe eine
Umgehungsstraße versprochen haben, die keiner will und dessen
Befürwortung ihn unsympathisch macht. Prompt will die FDP wissen, wo
der Bürgermeister in Aufsichtsräten sitzt und was er neben seinem
Amt tut und verdient. Auch beim alten Moorbad fällt immer wieder
Polzins Name und ebenso in Heiligendamm musste der Bürgermeister
Kritik einstecken und wurde mit unrühmlichen Aufgaben betraut.
Das Kammerhof-Debakel lastet am Bürgermeister und auch die Mängel
bei der Schulsanierung und der klüngel-verdächtige Vergleich des
Bürgermeisters zu Gunsten eines Parteimitglieds sägt an seinem
Stuhl. Rücktrittsforderungen und Forderungen nach einer
Amtsenthebung geben sich die Klinke in die Hand. Privat weiß man
wenig über den ersten Mann der Stadt. Das soll sich nun ändern:
Nachbarn beschweren sich über ihren Bürgermeister als Privatperson:
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OSTSEE-ZEITUNG | 13.04.2010
Bürgermeisters
Tannenbaum ruht jetzt am Bach
Bad Doberan. Marvin Berg aus der Schillerstraße 6 in Bad
Doberan ist sauer: Zum wiederholten Male lagerte ein
prominenter Nachbar aus
dem Pfarrkoppelweg – Bad Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin
– seinen Grünschnitt direkt am Ufer des Althöfer Baches. In
diesem Jahr ist sogar noch der Weihnachtsbaum dabei. „Dabei
hat es eine Begehung vom Wasser- und Bodenverband gegeben:
Hinter den Grundstücken
muss ein Abstand bis zum Ufer des Baches frei bleiben“,
erinnert sich Berg. Für ihn bedeutet der Berg, den sein
Nachbar direkt am Ufer des Baches auftürmte, Gefahr. Das
Regenwasser von den meisten Grundstücken am Bachlauf wird in
den Bach geleitet. Da die älteren Gebäude ohne Rückstauklappen
errichtet wurden, fließt das Wasser bei Starkregen auf die
Grundstücke zurück - in die Keller. Daher haben die Anwohner
ihre Abflüsse am Bach mit Stopfen versehen, die bei Bedarf
geschlossen werden. „Durch den Abfallberg komme ich nicht mehr
an den Abfluss ran – wenn jetzt was passiert, habe ich den
Schaden“, schimpft Berg. Schon in den Vorjahren habe er den
Bachanlieger aus dem Pfarrkoppelweg auf die Situation hin
angesprochen. Nichts sei geschehen. Er dagegen fahre wie alle
anderen Anlieger seinen Grünschnitt selbst ab. „Nach Parkentin,
kostet rund acht Euro je Hänger“, sagt Berg. „Den Tannenbaum
hätte Polzin nur zur rechten Zeit an die Straße stellen
müssen. Den hätte der Bauhof kostenlos abgeholt.“ – Richtig,
meint OZ.
Wenigstens das mit dem Tannenbaum hätte der Bürgermeister
wissen müssen, da die Stadt regelmäßig über die Abfuhr der
Weihnachtsbäume informiert. Aber auch über die Freizone am
Bachlauf hätte Polzin Kenntnis haben müssen – ist die Stadt
doch Mitglied im Wasser- und Bodenverband „Hellbach-Conventer
Niederung“. Dessen Geschäftsführer, Marco Schreiber,
bestätigt: „Grünschnitt am Ufer, das ist in jedem Fall eine
Ordnungswidrigkeit, der wir nachgehen werden.“ In BadDoberan
ist das Ordnungsamt der Stadt zuständig. Und ob das gegen den
Bürgermeister, quasi gegen den eigenen Chef, vorgeht?
Polzin vertritt seine Position zunächst als Bürger. „Ich nutze
für meinen Kompost ein Grundstück, das ich von der Stadt
gepachtet habe.
Ich habe auch nichts dagegen, dass Herr Berg über mein
Grundstück zum Bach geht“, sagt Polzin. Nur müsse er jetzt
einen Umweg von etwa zehn Metern machen. Als Bürgermeister
informiert er auch noch darüber, dass die
Regenwasserproblematik für die Schillerstraße gelöst sei.
Polzin: „Dort ist ein Regenwasserkanal verlegt worden.“ kw
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Klüngel-Verdacht erhärtet: Polzin soll gehen.
Im Februar (hier
klicken) offenbarte die Ostsee-Zeitung einen
Klüngel-Verdacht gegen Bürgermeister Hartmut Polzin.
Erstaunlich zurückhaltend waren die Reaktionen. Stadtvertreter, die
immer wieder Polzins Rücktritt forderten, hielten sich zurück. Nun
aber ist die Bombe geplatzt und eine Reihe Stadtvertreter fordern
die vorläufige Amtsenthebung des Bürgermeisters.
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OSTSEE-ZEITUNG | 15.04.2010
Abgeordnete fordern
Amtsenthebung Polzins
Der gerichtliche Vergleich im Zusammenhang mit der Sanierung
der Kamp-Schule, den Bürgermeister Hartmut Polzin im Januar
zum Nachteil Bad Doberans schloss, hat ein Nachspiel.
Von KLAUSWALTER
Bad Doberan. Bad Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin droht
Ärger: Zur nächsten Stadtvertretersitzung am 26. April (18.15
Uhr, Rat
haus Bad Doberan) haben der Bürgerbund sowie die Abgeordneten
Rolf Kuchenbuch (CDU) und Frank Pieplow (Bündnis für Bad
Doberan)
einen Antrag über die „Notwendigkeit von disziplinarischen
Maßnahmen“ und zur „Prüfung von Schadensersatzansprüchen gegen
Bürgermeister Polzin im Zusammenhang mit dem Abschluss des
Prozessvergleichs“ beantragt. Hintergrund ist der gerichtliche
Vergleich im Zusammenhang mit der Sanierung der Kamp-Schule,
den Polzin im Januar zu Lasten Doberans geschlossen hatte –
mit einem Verzicht der Stadt auf fast 100 000 Euro.
Hintergrund: Bei der Sanierung der Kamp-Schule ist es zu
Fehlern beim Einbau neuer Fenster gekommen. Hieraus leiteten
sich Ansprüche der Stadt an das verantwortliche Ingenieurbüro
Baltzer in Höhe von 128 000 Euro her. Der Bürgermeister war
beauftragt, die Ansprüche der Stadt geltend zu machen, schloss
aber einen gerichtlichen Vergleich. Danach soll das
Ingenieurbüro Baltzer nur 30 000 Euro zahlen, während Polzin
zu Lasten der Stadt auf 98 000 Euro verzichtete.
Schon in der Stadtvertreterversammlung im Februar hatten die
genannten Stadtvertreter Polzin daraus einen Vorwurf gemacht
(OZ berichtete am 24. Februar, Seite 9), auch vor dem
Hintergrund, dass Polzin versucht haben soll, die
Stadtvertreterversammlung bei der Zustimmung zu diesem
Vergleich zu umgehen, und dass Polzin als SPD-Mitglied dem
Mitglied der SPD-Stadtvertreterfraktion Ulrich Baltzer,
zugleich Chef des Ingenieurbüros Baltzer, einen Vorteil
verschaffen würde.
Waren Polzins Kritiker im Februar noch relativ vorsichtig mit
ihren Anschuldigungen, legen sie mit ihrem jetzigen Antrag zur
Stadtvertreterversammlung deutlich nach. In der
Beschlussvorlage heißt es unter anderem: „Die Stadtvertretung
stellt als Disziplinarvorgesetzte des Bürgermeisters fest,
dass sich der Bürgermeister durch bewusste und gewollte
Umgehung der Stadtvertretung als zuständigem
Entscheidungsgremium mit dem Abschluss des Prozessvergleichs
vom 11. Januar 2010 in dem bei dem Landgericht Rostock
geführten Bauprozess der Stadt Bad Doberan eines
Dienstpflichtvergehens schuldig gemacht hat.“ Die
Aufsichtsbehörde werde aufgefordert, ein Disziplinarverfahren
gegen Polzin einzuleiten, und zu prüfen, ob eine vorläufige
Amtsenthebung Polzins angezeigt sei. Außerdem solle der
Bürgermeister auch zum finanziellen Schadensersatz
herangezogen werden.
Aus der Begründung zur Beschlussvorlage geht unter anderem
hervor, dass Polzin für diesen Vergleich die Zustimmung der
Stadtvertreterversammlung hätte einholen müssen, dies aber
wider besseren Wissens nicht getan haben soll, gesetzte
Fristen bewusst verstreichen lassen habe, um dann unter einer
so selbst herbei geführten „Eilbedürftigkeit“ die Zustimmung
allein vom Hauptausschuss einzuholen. Wörtlich heißt es: „Das
in komplexer Hinsicht fehlerhafte Verhalten des Bürgermeisters
erweckt den Verdacht eines diesem Verhalten zugrunde liegenden
Plans, einen Vergleichsabschluss zugunsten des am Prozess
beteiligten Mitglieds der SPD- Fraktion unter allen Umständen
durchzusetzen, der sich zum Nachteil der Stadt auswirkt.“
Der wohl folgenschwerste Vorwurf gegen Polzin: „Durch das
bewusste und gewollte Übergehen der Stadtvertretung hat der
Bürgermeister das Vertrauen der dienstvorgesetzten
Stadtvertretung und der Allgemeinheit endgültig verloren. Dies
drängt zur vorläufigen Dienstenthebung.“
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Nachtrag 21.04.2010: Es wird ein Änderungsantrag hinterher
geschickt:
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OSTSEE-ZEITUNG | 21.04.2010
Arenz mit
Gegenvorschlag zu Polzins Amtsenthebung
Bad Doberan. Der Antrag auf Amtsenthebung von Bad Doberans
Bürgermeister Hartmut Polzin (OZ berichtete), den die
Bürgerbund-Fraktion und Stadtvertreter Rolf Kuchenbuch (CDU)
sowie Frank Pieplow (parteilos) zur Stadtvertreterversammlung
am Montag eingereicht haben, hat ei-
nen Änderungsantrag bekommen. Antragsteller ist der
fraktionslose Abgeordnete Jochen Arenz.
Sein Ziel: „Nicht vorverurteilen, sondern erst prüfen und dann
ein Urteil fällen“, sagt Arenz. Gehe der ursprüngliche Antrag
bereits von einer „Dienstpflichtverletzung“ Polzins aus, will
Arenz der Kommunalaufsicht die Beurteilung überlassen, ob
Polzin zum Nachteil der Stadt gehan-
delt hat oder nicht. Bei der Sanierung der Kampschule war
durch den Einbau fehlerhafter Fenster eine Forderung der Stadt
in Höhe von
128 000 Euro an das zuständige Ingenieurbüro entstanden. Im
gerichtlichen Vergleich verzichtete Polzin auf 98 000 Euro
zulasten der Stadt.
Bürgermeister Polzin wollte sich auch auf ausdrückliche
Nachfrage nicht zum Thema äußern.
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Kandidatenlistendebakel: CDU wirft seine
Kommunal-Spitzenkandidatin Caroline Brandt raus.
Der Streit um die Kandidatenlisten der CDU im Wahlkampf 2009 spitzt
sich zu. Die Union kann ihr Abschneiden bei der Wahl nicht
verschmerzen und bestraft die Person, die sie als Schuldige für die
Misere ansieht: Die ehemalige Vorsitzende des Ortsverbandes,
ehemalige Stadtvertretervorsteherin und die 2009 mit den meisten
Stimmen gewählte Stadtvertreterin Caroline Brandt. Gerade der letzte
Punkt ist brisant: Brandt zog allein über 690 Wählerstimmen auf sich
- so viele, wie in der Liste mehrere Stadtvertreter zusammen
brauchen würden - und war damit das Zugpferd der CDU.
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OSTSEE-ZEITUNG | 22.04.2010
Caroline Brandt aus der
CDU ausgeschlossen
Bad Doberan. Wie der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Bad
Doberan, Dan Oliver Höftmann, mitteilte, wurde Caroline Brandt
aus der Union ausgeschlossen. Das Urteil wurde vom Gemeinsamen
Kreisparteigericht der CDU Mecklenburg-Vorpommern gefällt.
„Ich hoffe sehr, dass mit diesem Urteil wieder Sachpolitik im
Mittelpunkt steht“, erklärte Höftmann. Durch das Verhalten
Brandts sei großer Schaden für die Partei entstanden, der vor
allem die CDU in der Stadt Bad Doberan hart getroffen habe.
Insbesondere das Verhalten Brandts im Zusammenhang mit der
Kandidatenaufstellung für die Stadtvertretung Bad Doberan sei
maßgeblich für das schlechte Abschneiden bei der Wahl im Juni
2009 verantwortlich gewesen, führte Höftmann aus. Der
CDU-Kreisvorsitzende forderte Brandt auf, sich aus der
Kommunalpolitik zurückzuziehen. „Sie spricht nicht mehr für
die CDU“, sagte er.
Caroline Brandt war bei der Kommunalwahl im Juni 2009 als
Spitzenkandidatin für die CDU Bad Doberan angetreten. Sie zog
mit 690 Stimmen (nur noch Gerlinde Heimann, Linke, hatte mit
1008 Stimmen ein besseres Einzelergebnis) in die
Stadtvertretung ein.Mitglieder des CDU-Ortsverbandes warfen
ihr vor, sie habe bei der Aufstellung der Kandidatenliste
ordentlichen Parteimitgliedern das Stimmrecht entzogen und
ihreNominierung manipuliert.
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Uneinigkeit in der CDU über Brandt-Ausschluss
- Ist sie draußen oder nicht?
Gerade an der ausgemachten Ursache des CDU-Zwist scheidet sich die
Partei weiter: Der eine sagt, Caroline Brandt ist kein Mitglied der
Union mehr und der nächste sagt, sie ist es doch. Wird die CDU sich
wieder zusammenraufen?
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OSTSEE-ZEITUNG | 23:04:2010
CDU mit
widersprüchlichen Meldungen
Bad Doberan. Während der CDU-Kreisvorstand Bad Doberan am
Mittwoch den Ausschluss der Stadtvertreterin Caroline Brandt
aus der CDU
verkündete (siehe OZ vom Donnerstag), gab der Pressesprecher
der CDU-Fraktion in der Stadtvertretung Bad Doberans, Stephan
Krauleidis, gestern Abend eine anders lautende Erklärung ab.
Danach ist Caroline Brandt auch weiterhin Mitglied der CDU.
„Gegen das Ausschlussverfahren liegt seit mehreren Wochen ein
detaillierter Widerspruch beim Landesparteigericht vor“,
begründete Krauleidis. „Bis zur Entscheidung des
Landesparteigerichtes gibt es also lediglich ein schwebendes
Verfahren gegen Frau Brandt, welches mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit zu ihren Gunsten ausfallen
wird.“
Das Agieren der CDU in dieser Sache zeugt von einer offenbar
tiefen innerparteilichen Zerrissenheit. Aufgebrochen war der
Konflikt im Vorfeld der Kommunalwahl 2009, als im Namen der
CDU zwei Listen mit Kandidaten beim Wahlleiter eingingen. Das
Kommunalwahlgesetz erlaubt nur eine Liste je Partei. Der zur
Klärung angerufene Kreiswahlausschuss entschied, dass die
zuerst eingereichte Liste – mit Brandt als Spitzenkandidatin
–Gültigkeit habe. Dieses Urteil – in zwei ähnlichen Fällen im
Bundesgebiet wurden die einreichenden Parteien ganz von der
Wahl ausgeschlossen – führte unter anderem zu einer
Anfechtungsklage über die Gültigkeit der Kommunalwahl in Bad
Doberan beim Verwaltungsgericht Schwerin, über die
voraussichtlich im dritten Quartal 2010 entscheiden werden
kann.
Der CDU-Ortsvorsitzendewar bis Redaktionsschluss dieser
Ausgabe nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.
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Neue Beschlüsse für Heiligendamm: Kommt die
Strandversorgung?
Am 26.04.2010 stehen wieder wichtige Beschlüsse an. Zum einen geht
es um die Amtsenthebung des Bürgermeisters Hartmut Polzin bzw. die
Änderungsanträge zu dieser Beschlussvorlage und des Weiteren soll
über die Beibehaltung oder Abschaffung der Brötchentaste in der Bad
Doberaner Innenstadt entschieden werden. Aber auch das Ostseebad
Heiligendamm steht wieder auf der Tagesordnung. Der B-Plan 25 soll
zum dritten Mal geändert werden. Die ersten beiden Änderungen waren
für die Arbeit der ECH (Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm) nötig
und die dritte kommt von einem zum Verwechseln ähnlich klingenden
Namen: Die ICH (Ingenieur Concept Heiligendamm) möchte Baureife für
die schon seit vielen Monaten in Planung befindliche
Strandversorgung in Heiligendamm erlangen.
Nicht alle Stadtvertreter möchten eine Strandversorgung - einigen
sind Parkplätze lieber:
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OSTSEE-ZEITUNG | 23.04.2010
Von Amtsenthebung bis
Brötchentaste
Von KLAUSWALTER
Montag diskutieren Doberans Stadtvertreter über
disziplinarische Maßnahmen gegen den Bürgermeister, eine
weitere Änderung der Pläne für Heiligendamm und über die
Abschaffung der „Brötchentaste“.
Bad Doberan. Eine Tagesordnung mit einigem Zündstoff für die
Diskussion hat Bad Doberans Stadtvertretervorsteher Guido Lex
für die nächste Zusammenkunft des städtischen Parlamentes
(Montag, 18.15 Uhr, Rathaus) abgezeichnet. Unter anderem geht
es um die „Prüfung der Notwendigkeit von disziplinarischen
Maßnahmen gegen Bürgermeister Polzin“, um die inzwischen
dritte Änderung des Bebauungsplanes Nummer 25 für Heiligendamm
und um die Abschaffung der sogenannten Brötchentaste an den
Parkplatzautomaten, die das kostenlose Parken in Bad Doberans
Stadtzentrum für die ersten 30 Minuten ermöglicht.
Für eine breite Diskussion in Bad Doberan sorgt schon seit
seinem Bekanntwerden in der vergangenen Woche der gemeinsame
Antrag des CDU-Ortsvorsitzenden Rolf Kuchenbuch, des
Einzelabgeordneten Frank Pieplow (Bündnis für Bad Doberan) und
der Fraktion des Bürgerbundes zur vorläufigen Dienstenthebung
von Bürgermeister Hartmut Polzin. Den Antragstellern zufolge
soll sich Polzin im Zusammen-
hang mit einem gerichtlichen Vergleich „durch bewusste und
gewollte Umgehung der Stadtvertretung als zuständigem
Entscheidungsgremium“ eines Dienstpflichtvergehens schuldig
gemacht haben. Hintergrund: Weil es bei der Sanierung der
Kampschule zu Baumängeln gekommen war, konnte die Stadt eine
Forderung über 128 000 Euro an das zuständige Ingenieurbüro
stellen. In dem Vergleichsverfahren einigten sich beide
Parteien auf einen Betrag von lediglich 30 000 Euro – ein
Verzicht von 98 000 Euro zu Lasten der Stadt. Angesichts der
Höhe dieser Summe wäre die Zustimmung der
Stadtvertreterversammlung nötig gewesen. Bürgermeister Polzin
wollte sich bisher nicht zu den Vorwürfen äußern.
Zündstoff birgt auch
ein Antrag zur erneuten Änderung des B-Planes 25 „Sondergebiet
Heiligendamm“. Danach will eine „Ingenieur Concept
Heiligendamm GbR“ (ICH) eine zusätzliche Strandversorgung und
Toilette an der Seedeichstraße auf dem unbefestigten Parkplatz
östlich des Hotelgeländes errichten.
Gegenwind kommt aus dem FDP-Ortsverband. „Hier verschwinden
weitere Parkplätze, der Zugang für die Öffentlichkeit an den
Strand wird damit weiter erschwert“, sagt FDP-Fraktionschef
Harry Klink.
Bürgermeister Polzin sieht das anders: „Die Ersatzparkplätze
für diesen Bereich sind längst gebaut worden“, sagt er. „Auf
diese Weise ist der Waldparkplatz entstanden – mit
Stimmenmehrheit der Stadtvertretung.“
Um öffentliche Parkplätze geht es auch in einem Antrag des
Abgeordneten Jochen Arenz. Er will die vor rund einem Jahr
nach langer Diskussion eingeführte Brötchentaste wieder
abschaffen. Seine Begründung: Bad Doberan gingen jährlich bis
zu 25 000 Euro an
Einnahmen verloren, was sich die Stadt in Zeiten eines
defizitären Haushaltes nicht leisten könne.
Info: Für die Einwohnerfragestunde wird die Sitzung um19 Uhr
unterbrochen.
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Bei der Strandversorgung geht es um diese Beschlussvorlage:
Inhalt:
Beschlussvorschlag:
Die
Stadtvertreterversammlung beschließt:
1. Die am 10. 03. 2010
in Kraft gesetzte Satzung über die 2. Änderung des B-Planes
Nr. 25 ist erneut zu ändern.
Mit der 3. Änderung
des B-Planes Nr. 25 werden folgende wesentliche
Änderungsziele angestrebt:
a) Anpassung der
Verkehrsflächen an den Bestand:
- Kurvenbereich der
Seedeichstraße, Verschiebung nach Nordwesten
- Fahrradfläche,
Verschiebung nach Westen
-
Behinderten-Kfz-Fläche, Verschiebung nach Westen
b) Anpassung der
Versorgungsfläche an den Bestand:
- Verkleinerung der
Fläche
- Sandfangfläche am
neuen Standort
- Abwasserpumpwerk und
Trafostation
- Reservefläche
südlich des Sandfanges
c) Anpassung der
Grünfläche Nr. 7 an den Bestand, Verkleinerung
d) Leitungsrecht für
die Überlaufleitung, Freihaltetrasse beidseitig 2 m ab
Leitungsachse
e) Festsetzung der
Sondergebietsfläche Nr. 6 für Strandversorgung mit
WC-Anlage, GRZ 0,8, I Vollgeschoss, offene Bauweise
f) Festsetzung einer
Spielplatzfläche in der Grünfläche Nr. 4 als neue Grünfläche
Nr. 8 südlich der Überlaufleitung mit Zugang zur
Seedeichstraße
g) Verschiebung der
Grenze des Landschaftsgebietes „Kühlung“ zugunsten des SO 6
(Verkleinerung des Landschaftsschutzgebietes um ca. 300 m²)
h) Gegebenenfalls
Umwandlung einer 5 m breiten Verkehrsfläche (2
Pkw-Stellplätze) in Zugangsfläche zum SO Nr. 6
i) Darstellung der
Treppenanlage zwischen Strandpromenade und Seedeichstraße
als Verkehrsfläche, statt Grünfläche
j) Festsetzung der
zweireihigen Feldhecke auf der Versorgungsfläche nur auf der
Südseite
Der
Plangeltungsbereich (Pgb.) der 3. Änderung hat eine Größe
von ca. 0,5 ha.
Der
Plangeltungsbereich wird umgrenzt:
Norden/Nordosten:
Seedeichstraße
Osten/Südosten:
Treppenanlage, 5 m Gewässerrandstreifen
Süden/Südwesten:
Grundstücksgrenze/Grenze des Plangeltungsbereiches
Im Plangeltungsbereich
liegen folgende Flurstücke bzw. Teile von Flurstücken der
Flur 2 Gemarkung
Heiligendamm: 23/11,
23/15, 44/6 (Seedeichstraße), 28 (Deich)
Vor der amtlichen
ortsüblichen Bekanntmachung des Beschlusses zur 3. Änderung
der B-Plan-Satzung
sind folgende
Voraussetzungen zu erfüllen:
1. Abschluss des
städtebaulichen Vertrages gemäß § 11 BauGB zwischen der ICH
und der Stadt Bad Doberan zur Klärung der Kosten für die
B-Plan-Änderung, Erschließung und Grundstücksnutzung.
2. Zustimmung des
StAUN Rostock zum Vorhaben im Küstenschutzgebiet.
3. Zustimmung des
Landrates des Landkreises Bad Doberan/Untere
Naturschutzbehörde
3.1 zum Vorhaben im
bzw. am Landschaftsschutzgebiet „Kühlung“ und
3.2 zum 5 m
Gewässerrandstreifen zum Golfteich (bisher 7 m).
2. Die 3. Änderung der
B-Plan-Satzung ist gemäß § 13a BauGB (Innenentwicklung) im
beschleunigten Verfahren durchzuführen.
Im beschleunigten
Verfahren wird von der Umweltprüfung, vom Umweltbericht und
der zusammenfassenden Erklärung zu den Umweltbelangen
abgesehen.
3. Der
Flächennutzungsplan ist gegebenenfalls im Wege der
Berichtigung anzupassen (§ 13a (2) Nr. 2 BauGB).
4. Es sind die
Öffentlichkeit in einer Bürgerversammlung über die
allgemeinen Ziele und Auswirkungen der Planungen, die der 3.
Änderung zugrunde liegen, zu unterrichten und danach die
öffentliche Auslegung des Entwurfs zur 3. B-Plan-Änderung
vorzunehmen.
5. Die von der 3.
Änderung betroffenen Behörden und Bürger sind am Verfahren
zu beteiligen.
6. Die Ausführung der
Vorhaben, die der 3. Änderung zugrunde liegen, regelt ein
weiterer Städtebaulicher Vertrag gemäß § 11 BauGB bzw. der
Erschließungsvertrag von ICH mit der Stadt Bad Doberan.
7. Mit der
B-Plan-Änderung ist das Architektur- & Planungsbüro Dr. Mohr
(APM), Dorfstraße 18 B, 18107 Lichtenhagen, Tel. 0381 / 77
68 455, Fax 0381 / 77 68 420 zu beauftragen.
8. Der
Änderungsbeschluss (Beschlusspunkte 1 und 2) ist ortsüblich
bekannt zu machen.
Sach- und
Rechtslage:
Der Bauausschuss hat
am 01. 02. 2010 den Antrag der
Ingenieur-Concept-Heiligendamm GbR (ICH) vom 25. 11. 2009
geprüft und die Einleitung der 3. Änderung der
B-Plan-Satzung empfohlen.
Als erster
Verfahrensschritt ist der Plan-Änderungsbeschluss
erforderlich.
Die Anlagen zum
Änderungsbeschluss zeigen Umfang und Probleme der Änderung.
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Ich versuche, an Einzelheiten zu kommen und führe sie dann weiter
aus.
Einige grundsätzliche Erklärungen seien aber erlaubt:
Strandversorgung bedeutet die Bereitstellung von Toiletten und
Sanitäranlagen, Gastronomie und Gewerbeflächen.
Darum ist eine Strandversorgung stets für die Öffentlichkeit von
Nutzen. Heiligendamm verfügt derzeit im Strandbereich zwischen
Kinderstrand und Schleuse nur über ein fast zwei Jahrzehnte altes
und gerade noch so normgerechtes Sanitärhäuschen mit kleinsten
Kapazitäten und über ein Bistro an der Promenade. Die restliche
Versorgung in diesem Bereich übernimmt ein Café (Golfhaus) und ein
Restaurant der gehobenen Klasse (Medinis), sowie ein Eiscafé (Cocos
Milchbar). Im Sommer ergänzt ein Eiswagen das Angebot, welches in
der zweiten Reihe durch ein weiteres Restaurant (Jagdhaus), sowie
Angebote des Grand Hotels (Kurhaus, Bars, Café) und in der vierten
Reihe durch eine Gaststätte (Herzoglicher Wartesaal) und einen
kleinen Einzelhandel (Der Laden Nr. 4), sowie das
Dienstleistungsangebot in der Orangerie ergänzt wird.
Am Strand selbst kann man also nur Baden und muss an der Toilette
und am Bistro anstehen, hat nicht einmal ein Dach über dem Kopf,
wenn es regnet und darf dafür auch noch Geld bezahlen. Gegen die
Strandversorgung zu sein bedeutet, diesen eines Seebades und
Kurortes unwürdigen Zustand beibehalten zu wollen. Eine
funktionierende Strandversorgung aber zieht Gäste an, die gern
wieder kommen - genau das, was Heiligendamms Gastgeber brauchen.
Dem Grand Hotel oder der ECH nützt die Strandversorgung nicht
wirklich: Die Hotelgäste haben ihren eigenen Strandabschnitt mit
eigener Strandversorgung, denn die Beach Bar und die Arrangements
des Hotels versorgen die Hotelgäste auf ganzer Linie. Wer will, kann
sich seinen eigenen Butler mit an den Strand nehmen. Eher profitiert
die Strandversorgung noch von den Hotelgästen, die dann auch mal
dort etwas essen oder dort auf Toilette gehen oder - wenn vorhanden
- Souvenirs kaufen.
Das Bistro und das Sanitärhäuschen stehen auf Baugrund der ECH.
Irgendwann wird mit dem Bau des Thalassozentrums beides
verschwinden, wenn es bis dahin nicht selbst zusammengefallen ist.
Eben weil das alte Gebäude, in dem Herr Butze seinen Bistro betreibt
irgendwann weg muss, hat die Wasserwacht einen neuen Wachturm etwas
weiter daneben errichtet und eben weil der Parkplatz an der
Seedeichstraße (beidseitig) eines Tages verschwinden wird, wurde er
nicht befestigt. Eben weil die Fläche für die Strandversorgung schon
vor Jahren ausgespart wurde, wurde als Ausgleich der befestigte
Waldparkplatz geschaffen, wurden Wege saniert und neu angelegt.
Niemand profitiert davon, wenn die Strandversorgung nicht kommt und
niemand profitiert davon, wenn die beiden Sandwüsten Parkplätze
bleiben und wertvolles und knappes Bauland in Heiligendamm nicht
optimal genutzt wird.
Eine Fläche per Erbpacht über 99 Jahre zu vererbpachten bringt mehr
und langfristigere Einnahmen, als die Vermietung von Stellflächen zu
50 Cent pro Stunde. Überdies wird der Untergrund des
Thalassozentrums ein öffentliches Parkhaus bekommen, das den dadurch
verschwundenen Parkplatz mehr als ersetzt. Freilich: Die Einnahmen
dafür gehen an die ECH aber die zahlt ihre Steuern schließlich an
die Stadt, den Kreis und das Land.
Stadtvertreter streiten: SVV-Sitzung zur
Amtsenthebung öffentlich oder nicht?
Fast schon karnevalistisch ging es auf der Stadtvertretersitzung
am Montag zu. Die Stadtvertreter beschäftigten sich mit der Frage,
ob die Bürger der Sitzung beiwohnen dürfen oder nicht: Wolle mer se
reinlasse? Einerseits ist der Bürgermeister ein Amtsträger, der
öffentlich überprüft werden darf und andererseits ist er auch ein
Mensch mit Persönlichkeitsrechten. Ratlosigkeit im Rathaus. Die
Kommunalaufsicht soll entscheiden. Vorsorglich hat sich Polzin dort
selbst angezeigt. Einigen Stadtvertretern ist das nicht genug. Kommt
Zeit, kommt Rat und solange bleibt Polzin im Amt. Außerdem Thema der
SVV-Sitzung: Die Stasiüberprüfung. Ein großer Teil der
Stadtvertreter hadert noch.
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OSTSEE-ZEITUNG | 28.04.2010
Öffentlich oder geheim:
Bürgermeister weiter im Amt
Aus der Stadtvertreterversammlung
Von KLAUSWALTER
Bad Doberans Stadtvertreter sind für jede Überraschung gut:
Erst beschließen sie, über Amtsenthebung Polzins
nichtöffentlich zu beraten, um dann zu entscheiden, vielleicht
doch lieber öffentlich darüber zu diskutieren.
Bad Doberan. Bad Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD)
ist weiter im Amt.
Ein Antrag von Rolf Kuchenbuch (CDU), Bürgerbund und Frank
Pieplow (Bündnis für Bad Doberan) war in der
Stadtvertreterversammlung am Montag Anlass für eine lebhafte
Debatte, in der sich die Abgeordneten gegenseitig über
Grundwerte der Demokratie belehrten.
Noch bemerkenswerter ist das Ergebnis: Obwohl alle Fakten über
ein mögliches Dienstvergehen des Bürgermeisters in Bad Doberan
und darüber hinaus bekannt sind, entschieden die
Stadtvertreter zunächst, über das weitere Verfahren im
nichtöffentlichen Teil der Sitzung zu beraten. – Um dann in
der anschließenden Beratung hinter verschlossenen Türen zu
beschließen, möglicherweise doch lieber öffentlich über das
Verhalten des Bürgermeisters zu diskutieren. Sinngemäße
Begründung: Würde nichtöffentlich entschieden, was öffentlich
zu entscheiden wäre, könnte der nichtöffentlich gefasste
Beschluss eventuell ungültig sein. Ob nun öffentlich oder im
stillen Kämmerlein über den Bürgermeister zu beraten ist, so
der geheim gefasste Beschluss, solle jetzt erst einmal die
Kommunalaufsicht prüfen.
Die Fakten sind bekannt: Der Bürgermeister hatte im Zuge einer
Klageforderung der Stadt über 128 000 Euro gegen das mit der
Sanierung der Kamp-Schule beauftragte Ingenieurbüro einem
gerichtlichen Vergleich über nur 30 000 Euro zugestimmt – und
damit auf 98 000 Euro zulasten der Stadtkasse verzichtet.
Dafür hätte er die Genehmigung der gesamten
Stadtvertreterversammlung benötigt. Indem er aber nicht die
Stadtvertreterversammlung, sondern nur den Hauptausschuss um
Genehmigung bitten wollte, dies auch noch unter angeblicher
„Eilbedürftigkeit“, habe Polzin bewusst versucht, die
Stadtvertretung zu umgehen, werfen ihm Kuchenbuch,
Bürgerbund und Pieplow vor. –Das sehen andere Abgeordnete
ähnlich.
„Polzin ist ein erfahrener Bürgermeister“, sagte
FDP-Fraktions-Chef Harry Klink. „Er kennt Kommunalverfassung
und Geschäftsordnung der Stadtvertretung.“ Deshalb wisse er
mit Sicherheit, wer für welche Fragen zuständig sei. „Die
Einberufung des Hauptausschusses in dieser Sache ist nur als
bewusstes Manöver des Bürgermeisters zu erklären“, vermutet
Klink.
Die Debatte am Montag hierzu war alles andere als klar. Heinz
Keuer (Grüne) stellte den Antrag, die Diskussion zur
Dienstenthebung Polzins nichtöffentlich zu führen – und sorgte
für Entrüstung. „Aufgabe der Stadtvertretung ist Kontrolle und
Öffentlichkeit“, sagte Stadtvertretervorsteher Guido Lex. Es
gehe nicht um die Persönlichkeit Polzins, sondern um seinen
Umgang mit öffentlichen Geldern.
Der Einzelabgeordnete Jochen Arenz meinte: „Das hat nichts in
der Öffentlichkeit zu suchen.“ Hannes Meyer (Bürgerbund)
warnte: „Beraten wir über diesen Vorgang nichtöffentlich,
sieht es so aus, als wollten wir etwas verschleiern.“
Hartmut Polzin hat zu den Vorwürfen am Montag nichts gesagt.
Er gab eine „persönliche Erklärung“ ab. „Um die Vorwürfe gegen
mich zu entkräften, habe ich mich bei der Kommunalaufsicht
selbst angezeigt“, sagte er. Burghard Graner, Amtsleiter der
Kommunal- und Rechtsaufsicht des Landkreises, bestätigt den
Eingang eines Schreibens des Bürgermeisters an die
Kommunalaufsicht. „Zum Inhalt kann ich aufgrund des
schwebenden Verfahrens nichts sagen“, sagte Graner. Eine
„Ermittlung von Amtswegen“ bestätigt Graner hingegen nicht.
Lediglich eine „Anfrage zum Sachstand“ habeman aufgrund von
Artikeln in der OSTSEE-ZEITUNG gestellt. Von der Bitte der
Stadtvertreter,
prüfen zu lassen, ob nun öffentlich oder nichtöffentlich über
eine Dienstenthebung oder disziplinarische Maßnahmen gegen den
Bürgermeister beraten und entschieden werden muss, konnte
Graner gestern noch nichts sagen.
Antragsteller Rolf Kuchenbuch ist vom gesamten bisherigen
Verlauf enttäuscht. Mit dem Versuch, das Verfahren der
Kontrolle der Öffentlichkeit zu entziehen, habe sich die
Stadtvertretung selbst großen Schaden zugefügt, glaubt er.
Jetzt gehe es zum einen darum, ob der Bürgermeister
zielgerichtet die Stadtvertreter umgehen wollte. Zum anderen
gehe es um die Wiederbeschaffung des Geldes. Kuchenbuch:
„Immerhin gehen wir von einem Schaden von 98 000 Euro für die
Stadt aus – ein gutes Drittel der Summe hätte genügt, um die
Gebührenerhöhung für die Kindertagesstätten zu vermeiden.“
Außerdem berichtet die OZ:
Verspätete
Stasi-Debatte ohne Ergebnis
Fast ohne Diskussion hatte die Stadtvertreterversammlung im
November 2009 die Überprüfung aller Abgeordneten durch die
Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit
(Birthler-Behörde) beschlossen. Erst bei der
Stadtvertreterversammlung am Montag, als über einen
Ergänzungsantrag betreffs der Entgegennahme der
Überprüfungsunterlagen abgestimmt werden sollte, kam es zur
Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass bislang acht
Abgeordnete nicht – wie gefordert – schriftlich in die
Überprüfung eingewilligt hatten, und mindestens sieben dies
auch künftig nicht wollen. Neben anderen begründete Friedrich
Keding (Die Linke): „Ich bin dutzende Male überprüft worden.
20 Jahre nach der Wende möchte ich wie ein Bundesbürger
behandelt werden.“ Herber Baor (Handwerker- und Gewerbeverein)
war enttäuscht. „Wer ein reines Gewissen hat, braucht nichts
zu befürchten“, sagte er. Die Verweigerer der Überprüfung
müssten sich der demokratischen Mehrheit beugen.
Stadtvertretervorsteher Guido Lex versuchte vergeblich einen
Kompromiss. „Da niemand zur Einwilligung gezwungen werden
kann, sollte man vielleicht darüber nachdenken, den
Überprüfungsbeschluss vom November aufzuheben“, sagte Lex. Und
erntete Protest. Zum weiteren Vorgehen in der Sache fiel am
Montag keine Entscheidung.
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CDU-Rausschmiss: Caroline Brandt meldet sich
selbst zu Wort.
Nachdem in der vergangenen Woche unterschiedliche Meldungen zum
Ausschluss Caroline Brandts aus der CDU kursierten, meldete sich die
einstige Spitzenkandidatin des Ortsverbandes persönlich zu Wort:
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OSTSEE-ZEITUNG | 29.04.2010
Caroline Brandt:
„Mitteilung über Parteiausschluss ist verfrüht“.
Bad Doberan. Über Bad Doberans Stadtvertreterin Caroline
Brandt, die im Juni 2009 für die CDU in die Stadtvertretung
einzog, gaben in der
vergangenen Woche der CDU- Kreisverband und die CDU-
Stadtfraktion widersprüchliche Meldungen heraus. Während der
Kreisverband den Parteiausschluss Brandts verkündete,
dementierte dies die CDU-Fraktion. Jetzt meldete sich Caroline
Brandt in dieser Sache selbst zu
Wort. „Die Mitteilung des CDU-Kreisverbandes, wonach ich aus
der CDU ausgeschlossen bin, ist verfrüht“, erklärte Brandt.
„Ich habe am 22. April zwar einen entsprechenden Beschluss
zugestellt bekommen. Dieser ist aber keineswegs
rechtskräftig.“ Sie habe bereits einen Tag später durch eine
Rechtsanwältin Beschwerde gegen den Beschluss zum
Landesparteigericht eingelegt. „Ich habe mir kein
Fehlverhalten vorzuwerfen“, so Brandt weiter. „Das Verhalten
des CDU-Kreisverbandes ist nicht nachvollziehbar.“ Immerhin,
so Brandt weiter, habe sie bei
der Kommunalwahl in Bad Doberan für die CDU das beste
Einzelergebnis erzielt. Es bleibe abzuwarten, wie die nächste
Instanz das Vorgehen des Kreisverbandes gegen ihre Person
beurteilen werde.
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Alexandrine kann wieder lächeln: Die schmucke
Hinterlassenschaft der Filmemacher.
Am 28.04.2010 zeigte ich er Mitarbeiterin einer Fernsehproduktion
Heiligendamm und entdeckte dabei das Alexandrinencottage in einem
neuen Gewand. Zuvor fiel mir auf, dass Gardinen angebracht waren und
irgend etwa an der Veranda anders war. Durch die Dreharbeiten für
"Das Blaue vom Himmel" mit Hannelore Elsner in der Hauptrolle war es
mir nicht möglich, das näher zu erkunden. Nun sind die Dreharbeiten
in Heiligendamm zu Ende. Wir kamen gerade darauf zu, wie die Zäune
an den Wegrändern wieder aufgebaut wurden. Ich habe zwei Bilder
gemacht, die ich an dieser Stelle mit Ihnen teilen werde, weil der
nächste Rundgang noch ein paar Wochen auf sich warten lässt.

So sieht die Alexandrine von vorn aus: Klare und durchsichtige
Glasscheiben, weiße Fensterrahmen, cremefarbiger Putz, olivfarbige
Absetzungen - alles sauber und schön. Es waren während der
Dreharbeiten auch Gardinen aufgehängt, die jetzt aber abgenommen
wurden. Von drinnen kam warmes rötliches Licht und draußen wurde das
Cottage mit Tageslichtflutern angestrahlt. Die Umgebung ist sauber
und der Schriftzug "Haus Weimar" musste weichen. Von vorn. Von
hinten präsentiert sich die Alexandrine anders:

Größer könnte der Kontrast nicht sein.
Für die Dreharbeiten für die Szenen hinter dem Haus und im
Buchenwald wurde nur der linke Gebäudeteil benötigt.
So blieb rechts davon dann alles verfallen. Zum Wohnen eignet sich
ein fassadengetünchtes Haus ja auch nicht und Anno August Jagdfeld
möchte es sowieso von Grund auf sanieren. Fraglich ist auch, ob sich
die Kritiker mit getünchten Geistervillen zufrieden geben würden und
ob die ECH nicht dann gerade den Verdacht aufkommen ließe, dass sie
die Villen nicht sanieren wolle.
Darum wurde nichts getüncht. Zudem hat die ECH nicht geglaubt, dass
es sechs Jahre dauern würde, bevor die Perlenkette saniert werden
kann. 2000-2003 wurde das Ensemble saniert und 2004-2007 sollte dann
die Perlenkette folgen. Die Finanzierung per Fonds ging nach 2004
wegen einer geänderten Gesetzeslage zu Ungunsten der Anleger nicht
mehr und bei der klassischen Immobilienfinanzierung stellte sich
heraus, dass die Käufer Dauerwohnrecht und hausnahe Parkplätze
brauchen. Beides scheiterte an den Stadtvertretern und konnte erst
2010 errungen werden. Mit dem Versprechen, die Perle noch 2010 in
Angriff zu nehmen.
Der Countdown läuft.
Warum wird hier noch nicht gebaut?
Das war eine der Fragen, die mir gestern gestellt wurden.
Tatsächlich: Es liest sich so, als müssten im Mai die Bagger
anrollen aber wer Bauvorbereitungen kennt sieht sofort, dass das
noch lange nicht der Fall sein wird. Die ECH muss jetzt ihr
Versprechen einlösen - das ist sonnenklar. Was kaum jemand weiß: Die
Ausschreibungen für den Bau sind ein Jahr alt und inzwischen gibt es
einige der Firmen nicht mehr und natürlich muss man auch schauen, ob
einige Mitbieter inzwischen günstiger geworden sind oder generell
sich noch günstigere Angebote finden lassen. Das heißt im Klartext:
Neue Ausschreibungen, neue Fristen, neue Wartezeiten. Dann wurde
zwischenzeitlich auch einiges im Zusammenspiel zwischen Tiefgarage
und Villen optimiert, sodass einige Planungen sich ändern. Viel
Papier, Toner und Tinte wird verbraucht und einige Zeit verstreicht,
bevor die ersten Bagger anrollen können und dürfen. Darum wird es
der Mai noch nicht werden. Aber immerhin: Tennisplätze und
Median-Klinik schaffen es offenbar noch vor dem Sommer und auch
Villa "Krone" ist eine sehr aktive Baustelle. So wie es los geht,
bin ich da und Sie lesen und sehen mit mir.
Drei nach G8: Giftiges Bush-Attentat in
Heiligendamm?
Es passt zwar nicht zur Diskussion aber es passt zu
Heiligendamm: Laura Bush, Gattin des 43. Präsidenten der USA,
veröffentlichte ihre Memoiren "Spoken from the Heart" (Aus dem
Herzen gesprochen" und darin geht es auch um G8 und Heiligendamm.
Die ehemalige First Lady behauptet darin, dass ihr Mann George W.
Bush und sie, sowie die ganze amerikanische Delegation vergiftet
werden sollten. Wir erinnern uns: Bush fehlte am letzten Gipfeltag
beim Frühstück. Schon 2007 vermutete man, dass er einen Vorwand
brauchte, um früher abreisen zu können und wie man schließlich in
den Medien auch sah, ging es ihm in seinen weiteren Reisezielen
bestens. Was ist dran an der Verschwörungstheorie
"Vergiftungs-Attentat auf Bush"? Die Ostsee-Zeitung dokumentiert:
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OSTSEE-ZEITUNG | 30.04.2010
Laura Bush: Ich dachte,
ich sterbe hier.
Von ELKE EHLERS
Rostock (OZ/dpa) In Heiligendamm soll George W. Bush fast
vergiftet worden sein?
„Du meine Güte!“ Sternekoch Tillmann Hahn kann sich über eine
solche Verschwörungstheorie nur wundern. Und erst recht über
die Details, die Laura Bush jetzt in ihren Memoiren
beschreibt. Es sei ihnen richtig schlecht gegangen 2007 beim
G8-Gipfel, berichtet die frühere First Lady. Sie hätten Termine
absagen müssen, weil „unerklärliches Unwohlsein“ das Paar
während des G8-Gipfels befallen habe.
„Ich dachte, ich sterbe hier“, wird Laura Bush vom
amerikanischen Fernsehsender CNN zitiert.
Tatsächlich hatte George W. Bush am letzten Tag des Gipfels
beim Frühstück gefehlt. Eine Magenverstimmung, vielleicht
durch ein Virus verursacht, hieß es damals in den Medien.
Laura Bush verkündet nun, es könne Gift gewesen sein. Und
schildert, was sich an jenem 7. Juni 2007, einem Donnerstag,
angeblich zutrug: Heftige Beschwerden hätten die US-Delegation
nach dem Abendessen befallen; Kopfweh, Übelkeit, ein
Mitarbeiter habe auf einem Ohr nicht mehr hören, ein anderer
plötzlich nicht mehr laufen können. Bei ihrem Mann seien die
Symptome am
nächsten Morgen aufgetreten. „War es vielleicht ein schlechtes
Schnitzel?“ mutmaßte ein Moderator, der das Buch „Spoken From
the Heart“
(Aus dem Herzen gesprochen) schon kennt.
Tillmann Hahn (41) war damals Küchenchef im Kempinski Grand
Hotel Heiligendamm. Schnitzel hatte er den Gästen tatsächlich
kredenzt, jedoch gleich am ersten Abend. Dass George Bush das
Frühstück verschmähte, betraf erst den Abreisetag. Hinter den
Kulissen hieß es, der US-Präsident habe nur einen Grund
gesucht, um früher wegzukommen. Denn Bush hatte einen straffen
Reiseplan. Von Heiligendamm aus wollte er sofort weiter nach
Polen, Italien und Albanien.
Was könnte nun an der Vergiftung dran sein? Tillmann Hahn hebt
die Hände: „Ausgeschlossen. Jedenfalls nicht von unserem
Essen.“
Leute vom Bundeskriminalamt hätten Proben von den Speisen in
Heiligendamm genommen. „Schon drei Tage vor Beginn des Gipfels
und
dann bei jeder Mahlzeit.“ Bis heute habe nie jemand irgendeine
dieser Proben beanstandet. Außerdem: „Wir haben nur für die
Staatschefs und ihre Gattinnen gekocht“, sagt Hahn. „Wie
können dann Leute von der Delegation betroffen gewesen sein?
Die haben gar nicht bei uns gegessen.“ Es sei denn, die
Vergiftung stamme von Lebensmitteln, die die Amerikaner selbst
im Gepäck hatten. „Die haben ja sogar eigenes Benzin
mitgebracht“, erinnert sich Hahn, der heute Spitzenkoch in
Rostocks Yachthafenresidenz Hohe Düne ist.
Laura Bush plaudert auch noch aus, dass der Geheimdienst „in
höchste Alarmstufe“ versetzt und die ganze Gegend nach
Giftstoffen abgesucht wurde. Das kann Mecklenburg-Vorpommerns
Innenminister Lorenz Caffier (CDU), damals maßgeblich für die
G8-Sicherheit zuständig, kaum glauben. „Das hätten wir erfahren.“
Auch Tillmann Hahn hat davon nichts bemerkt: „Bei mir hat
niemand aufgeregt in den Topf geguckt.“
Christian Plöger, Sprecher der Fundus-Gruppe, die das Hotel
führt, will dem Ganzen etwas Positives abgewinnen: „Dass
Heiligendamm mal wieder international in die Medien kommt, ist
ja nicht schlecht.“ Wiewohl: Ein anderer Anlass wäre ihm
lieber gewesen. Sein Verdacht: „Laura Bush will mit
Verschwörungstheorien nur ihre Memoiren besser verkaufen.“
Amüsiert reagiert Landwirt Jochen Walther von Gut Hohen Luckow,
wo Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Staatschefs ein G8-Dinner
in ländlicher Idylle präsentierte. „Hätte Bush bei uns ein
Glas gesunder Milch getrunken – kein Virus hätte ihm schaden
können.“
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Wenn Sie sich noch daran erinnern: Frankreichs Präsident Sarkozy
ging es auch nicht so gut. War der Alkohol vielleicht auch
vergiftet? Oder hat man nur in der Leichtigkeit, die einem bei der
Sommerfrische in Heiligendamm beflügelt, über Maßen genossen?
Mehr News zu Bush und Heiligendamm gibt es bei
Google News.
Die Bad Doberaner Händler laufen Sturm gegen
die Abschaffung der Brötchentaste.
Fast dachte man, die Überlegungen zur Abschaffung der Brötchentaste
wäre wieder vom Tisch, da erfährt man von der Arbeit an einem
Parkraumbewirtschaftungskonzept. Weil aber die Händler Bad Doberans
nicht wissen, was in diesem Konzept drin steht, sorgen sie lieber
gleich dafür, dass die Abschaffung der Brötchentaste nicht drin
steht.
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OSTSEE-ZEITUING | 18.05.2010
Händler kämpfen für die
Brötchentaste
Von KLAUSWALTER
Bad Doberans Innenstadthändler sammeln Unterschriften. Sie
fürchten, dass das kostenlose Parken für 30 Minuten vor den
Geschäften verboten werden könnte, wenn die Stadt ein neues
Parkkonzept beschließt.
Bad Doberan. Bad Doberans Innenstadthändler sind in Sorge:
Schon zweimal standen Anträge zur Abschaffung der
„Brötchentaste“, die 30 Minuten kostenloses Parken vor den
Geschäften erlaubt, auf der Tagesordnung der
Stadtvertreterversammlung. Zwar wurden die Anträge immer
wieder zurückgezogen, doch jetzt arbeitet die Stadt an einem
„Parkraumbewirtschaftungskonzept“, das überall in Bad Doberan
und Heiligendamm die Gebührenerhebung für das Parken neu
regeln soll. „Mit der Unterschriftensammlung hoffen wir
einerseits auf die Unterstützung unserer Kunden“, sagt
Einzelhändler Lutz Hinze, der den Willen namens seiner
Kollegen zu Papier brachte. „Andererseits wollen wir den
Stadtvertretern zeigen, dass sie auch den Willen der Bürger
bei ihrer Entscheidung berücksichtigen sollten.
“ Erst vor gut einem Jahr wurde die Brötchentaste an den
Parkautomaten in der Doberaner Innenstadt programmiert – nach
langer Diskussion in der Stadtvertreterversammlung. Mit diesem
Angebot sollte Einheimischen und Touristen ermöglicht werden,
Behördengänge oder kurze Einkäufe zu erledigen, ohne gleich
zur Kasse gebeten zu werden. Als Geld für die
Jugendkunstschule gebraucht wurde, stellte Stadtvertreter
Jochen Arenz erstmals den Antrag zur Abschaffung der
Brötchentaste. Um 25 000 Euro, so hatte des die Stadt mitgeteilt,
waren die Einnahmen an den Parkautomaten im ersten Jahr nach
ihrer Einführung gesunken.
„Auf dieses Geld können wir nicht verzichten, wenn es für die
Jugendarbeit fehlt“, argumentierte Arenz. Als sich andere
Geldquellen erschlossen, zog Arenz seinen Antrag zurück. – Um
ihn im April erneut zu stellen, diesmal mit der allgemein
schlechten Finanzsituation der Stadt begründet. Doch auch
diesmal zog Arenz seinen Antrag zurück – unter Hinweis, dass
die Stadt derzeit an einem großen
„Parkraumbewirtschaftungskonzept“ arbeitet, und eine
Sonderlösung nur für die Innenstadt somit nicht nötig sei.
„Ich bin nicht gegen das kostenlose Parken“, stellt Arenz
klar. „Aber Doberan kann angesichts der finanziellen Situation
nicht auf die Einnahmen verzichten.“ Wann das Konzept kommt
und wie es aussehen soll, ist derzeit noch unklar.
Die Innenstadthändler sehen das anders. Wird es immer schwerer
für die Kundschaft, ihre Geschäfte zu erreichen, erleide die
Stadt einen viel größeren Schaden: Umsatzrückgang, Rückgang
der Steuereinnahmen, Verödung der Innenstadt. „Leere
Schaufenster und Ein-Euro-Shops sind keine Alternative“, sagt
Lutz Hinze. Schon jetzt seien die Innenstädte im Wettbewerb
schlechter gestellt als die Einkaufszentren mit kostenfreien
Großparkplätzen. „Doch gerade die Touristen begeisterten sich
für die ursprünglichen Einzelhandelsgeschäfte in der
Mollistraße, am Kamp oder auf dem Weg zum Münster“, sagt
Hinze.
Info: Die Unterschriftenlisten liegen in vielen
Geschäften in Bad Doberan aus.
HINTERGRUND
Haushaltsdefizite
Die kommunalen Haushalte in MV weisen Defizite von 586
Millionen Euro aus (davon
kreisfreie Städte 400 Mio., Landkreise 152 Mio., Gemeinden 34
Mio.). Deshalb sind die
Kommunen gesetzlich verpflichtet, „alle Einnahmemöglichkeiten
auszuschöpfen“.
|
Nun wissen wir also, wie es um das Vertrauen der Wähler in
seine neue Stadtvertretung bestellt ist.
Stadtvertreter schieben Entscheidung an die
Kommunalaufsicht ab - Bürgermeister bleibt im Amt.
Einige Stadtvertreter Bad Doberans hatten einen Antrag
eingereicht, der dem Bürgermeister Hartmut Polzin in seiner
Konsequenz das Amt kosten sollte. Nun war Tag der Entscheidung und
die Stadtvertreter hatten es in der Hand, den Bürgermeister in ein
Disziplinarverfahren zu schicken und ihn letztendlich seines Amtes
zu entheben. Statt dessen entschied die Stadtvertreterversammlung,
den Fall erneut an die Kommunalaufsicht zu delegieren und damit um
eine Entscheidung herum zu kommen.
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OSTSEE-ZEITUNG | 28.05.2010
Kommunalaufsicht soll’s
richten
Bad Doberans Stadtvertreter haben ihre Kontrollpflicht
delegiert:
Die Kommunalaufsicht beim Landkreis soll prüfen, ob sich
Bürgermeister Polzin eines Dienstvergehens schuldig gemacht
hat.
Von KLAUSWALTER
Bad Doberan. Bürgermeister Hartmut Polzin ist weiter im Amt.
In einer Sondersitzung der Stadtvertretung Bad Doberans am
Mittwochabend ersetzten die Abgeordneten per Änderungsantrag
das ursprüngliche Anliegen, die Einleitung von
disziplinarischen Maßnahmen gegen den Verwaltungschef zu
prüfen. Der neue, fraktionsübergreifende Antrag, der mit 17 zu
6 Stimmen angenommen wurde, sieht vor, erneut die
Kommunalaufsicht anzurufen. An Stelle von Doberans
Stadtvertretern soll jetzt das Gremium beim Landkreis prüfen,
ob der Bürgermeister eines Dienstpflichtvergehens schuldig
ist.
Der Vorwurf ist bekannt: In einer Klageforderung der Stadt
über 128 000 Euro hat SPD-Bürgermeister Polzin einen Vergleich
über nur 30 000 Euro geschlossen, die dafür notwendige
Genehmigung der Stadtvertretung aber nicht eingeholt.
Begünstigter in diesem Vergleich ist zudem ein Stadtvertreter
der SPD-Fraktion. Mutmaßlicher Schaden für die Stadt und ihre
Bürger: 98 000 Euro.
In derselben Sache hatten die Stadtvertreter die
Kommunalaufsicht vor vier Wochen schon einmal bemüht – um
feststellen zu lassen, ob die Vorwürfe gegen Polzin öffentlich
behandelt werden müssen. So war schließlich die öffentliche
Sondersitzung am Mittwoch zustande gekommen. Die verlief
kontrovers, aber ausnahmsweise weitgehend sachlich. Einleitend
nahm Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund) Stellung
zu dem Änderungsantrag, indem er die wesentlichen Vorwürfe
gegen Polzin wiederholte: Der habe mehrfach Gelegenheit
gehabt, ihn oder die Stadtvertretung als Ganzes über den
Vergleich zu informieren, es aber unterlassen. Er habe bewusst
die Höhe der Summen verschwiegen, Tatsachen über eine
angebliche Eilbedürftigkeit verdreht.
Auch Bürgerbund-Fraktionschef Hannes Meyer hatte kein
Verständnis für eine abermalige Prüfung der Angelegenheit
durch die Kommunalaufsicht: „Es ist keine Vermutung, dass der
Bürgermeister uns nicht informiert hat, sondern Tatsache. Die
braucht nicht überprüft zu werden“, sagte Meyer. Der
Einzelabgeordnete Jochen Arenz sah das anders. „Es gilt auch
für Hartmut Polzin die Unschuldsvermutung“, betonte er. Der
Ursprungsantrag sei eine Vorverurteilung, wenn darin schon von
Amtsenthebung und disziplinarischen Maßnahmen die
Rede sei. „Außerdem hatte der Bürgermeister noch gar keine
Gelegenheit, sich selbst in der Sache zu äußern“, behauptete
Arenz. –
Obwohl Lex wenige Minuten zuvor die vielen Gelegenheiten dazu
aufgezählt hatte: die Ausschuss und
Stadtvertreterversammlungen im Januar
und Februar, den Tag des umstrittenen gerichtlichen
Vergleichs, als Polzin und Lex im Landgericht zufällig
aufeinander trafen. Polzin habe weder in der Sache informiert,
noch Stellung zu den Vorwürfen bezogen; nur verkündet, er habe
sich selbst bei der Kommunalaufsicht angezeigt.
Abgeordnete von Linkspartei, SPD und CDU traten wie
Verteidiger Polzins auf: „Wir müssen doch aber erst einmal von
neutraler Stelle feststellen lassen, ob das alles wirklich so
war, was dem Bürgermeister vorgeworfen wird“, beharrte Monika
Schneider (Die Linke). Und der SPD-Abgeordnete Burkhard
Scheffler meinte: „Der Ursprungsantrag drängt zum
Disziplinarverfahren, hat sogar die Dienstenthebung zum Ziel.“
Der CDU-Abgeordnete Joachim Seehaus sprach sogar von
„Inquisition“.
Rolf Kuchenbuch (CDU), der gemeinsam mit dem Bürgerbund und
dem Einzelabgeordneten Frank Pieplow (Bündnis für Bad Doberan)
die ursprüngliche Untersuchung der Vorgänge, disziplinarische
Maßnahmen gegen Polzin und Schadensersatz gefordert hatte, war
fassungslos: „Was muss ein Bürgermeister in dieser Kommune
noch tun, um in den Verdacht zu geraten, die Stadtvertreter
umgangen zu haben?“, fragte er verzweifelt. Schließlich
stellte Harry Klink (FDP) den Antrag auf „Ende der Debatte“.
Abgeordnete hoben die Hände zur Abstimmung, jetzt
muss die Kommunalaufsicht ran.
Birgitt Mersjann (SPD) reagierte am Ende dann doch mit einer
Spur des normalerweise in der Stadtvertretung leider üblichen
Gezänks: Sie kündigte abschließend an, den Abwahlantrag gegen
Stadtvertretervorsteher Guido Lex, der im Februar schon einmal
auf der Tagesordnung stand, aber zurückgezogen wurde, erneut
aufs Tapet zu heben.
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Bezeichnend ist wohl Klaus Walters Meinung, dass die Stadtvertreter
nicht wie üblich unsachlich waren. Vielleicht vermisst er die Action
in den Versammlungen aber wie wir bisher sehen konnten, haben
sachliche Verhandlungen viel schneller zum Ziel geführt. Wären
Goethestraße und Seestraße auch so kontrovers diskutiert worden, wie
Heiligendamm bisher, würden diese Straßen in diesem Jahrzehnt nicht
mehr saniert werden können. Da man aber sachlich blieb, waren die
Lösungen schnell gefunden.
Wir sehen anhand der Zustimmung und Ablehnung gegenüber dem
SPD-Bürgermeister, wie die Machtverteilung in der SVV derzeit
aussieht: Die SPD steht gewohnheitsmäßig hinter ihrem Bürgermeister
und die Linke unterstützt die SPD, wie es auf kommunaler Ebene bei
etwa gleich starken Parteien der Fall ist. Die CDU ist auch ein
gleich starker Partner und unterstützt auch den Bürgermeister. Was
das in Stimmen bedeuten würde erfahren wir nicht, solange die
Stadtvertreter sich der Entscheidung nicht stellen wollen. Tatsache
ist aber auch, dass der Antrag auf ein Disziplinarverfahren auch von
einem CDU-Mitglied - nämlich dem Ortsvorsitzenden - mitgetragen
wird.
Wenn man den Sturz eines Bürgermeisters durch Stadtvertreter zum
Fall hat, stehen da oft Ambitionen auf dieses Amt hinter.
Ob man den Antragstellern das vorhalten kann, sei dahin gestellt.
Den größten Einfluss neben dem Bürgermeister haben stets die
Fraktionschefs. Die kleinen Fraktionen mit einem oder zwei
Mitglieder sind dabei nicht so stark wie die großen mit vielen
Stimmen. Da es in der Politik immer um Stimmen und Mehrheiten geht,
kann nur den Bürgermeister stürzen, wer dafür eine Mehrheit findet.
Entweder also ein Fraktionschef der kleinen Fraktionen, der alle
anderen kleinen Fraktionen hinter sich weiß oder ein Fraktionschef
der großen Fraktionen, der wenigstens eine Mehrheit aus allen
Stimmberechtigten für sich ausrechnen kann.
Im Moment heben sich bei den kleinen Fraktionen nur Harry Klink und
Frank Pieplow als Fraktionschefs gegen den Bürgermeister heraus. Bei
den großen Fraktionen ist es nur Rolf Kuchenbuch. Die vier (Sylvia
Stracke - FDP - mit eingerechnet) sind bereits in der Lage, eine der
drei großen Fraktionen zu überstimmen, nämlich die CDU, die außer
Kuchenbuch nur aus drei Mitgliedern besteht. Mit der SPD und mit der
Linkspartei hätten die vier Stimmen Gleichstand, denn jede der
beiden Fraktionen hat auch nur 4 Stimmen. Wenn die CDU nicht
zerbrechen will, steht sie hinter Kuchenbuch, was die Zahl der
Absetzungs-Befürworter auf 7 erhöhen würde. Nun bedarf es nur noch
sechs weiterer Stimmen, um den Bürgermeister zu stürzen. Insofern
war es vielleicht gar nicht so schlecht, die Entscheidung
abzuwälzen: Entscheidet die Kommunalaufsicht, den Bürgermeister von
seinem Amt zu entbinden, bewahren die Stadtvertreter ihr Gesicht.
Müssen sie hingegen abstimmen ist für den Rest der Legislaturperiode
klar, wer mit wem gegen wen arbeitet. So wird Politik gemacht.
Sport frei in Heiligendamm. Segeln, Kiten,
Tennisspielen - die Saison 2010 bringt Aufschwung.
Einst war Heiligendamm renommierter Austragungsort für
internationale Sportmeisterschaften. Legendär und bis heute bekannt
war das Pferderennen auf der Galopprennbahn aber auch Golfturniere
fanden in Heiligendamm statt.
Der Golfteich und das Golfhaus (auch wenn es keines war) zeugen
heute noch davon. Was nicht mehr so bekannt ist:
Auch internationale Tennisturniere fanden in Heiligendamm statt.
1899 gab es in Heiligendamm das erste internationale Tennisturnier
und schon 1907 gewann mit Otto Froitzheim das Lawn-Tennis-Turnier in
Heiligendamm. Heute wachsen Bäume auf den einstigen Tennisplätzen
hinter den beiden Villen "Sporn" und "Seeadler". Zu DDR-Zeiten
sollte die Fläche wiederbelebt werden, wovon Planierspuren zeugen.
Den Ärzten in den beiden Villen war aber die Ruhe und
Abgeschiedenheit lieber. So verschwand die Kult-Sportstätte. Den
Golfplatz ereilte ein ähnliches Schicksal schon Jahre zuvor: Durch
die Bodenreform in der DDR wurde Deutschlands traumhaftester
Golfplatz zu Ackerland deklariert und eine Rücknahme dieser
Entscheidung hätte politische Folgen gehabt, sodass man den
Golfplatz Ackerland sein ließ. Auch die Rennbahn wurde zu DDR-Zeiten
umfunktioniert: Als Lagerplatz für Steine und Erden.
Den traumhaften Golfplatz konnte die ECH retten - wenn auch einige
Kilometerentfernt und etwas weiter von der Küste weg aber Seeblick
genießt man vom Golfresort Wittenbeck fast so, wie früher. Nun ist
auch Tennis in Heiligendamm wieder Geschichte mit Zukunft: Hinter
dem Forsthaus an der Kühlungsborner Straße baut die ECH
Tennisanlagen.
Doch die Saison 2010 bringt noch mehr Sport mit sich: Eine
Kite-Surfschule zieht in die ehemalige Wasserwacht ein und eine
Segelschule bezieht das Erdgeschoss des Residenz-Hotels. Es sind
einheimische Unternehmer, die im tot geglaubten Heiligendamm Fuß
fassen und dabei die Unterstützung des Grand Hotels und der ECH
erfahren.
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OSTSEE-ZEITUNG |
28.05.2008
Kiten in Heiligendamm
Heiligendamm. Am Sonnabend eröffnet in Heiligendamm eine Kite-
und Surfschule. Der gebürtige Osnabrücker Wolfgang von
Oechelhaeuser,
20 Jahre im Osten zu Hause, ist begeisterter Windsurfer, seit
drei Jahrzehnten. Diese Erfahrungen und jene aus vier Jahren
Kitesurfen ließen den Diplomkaufmann 2009 die Entscheidung
fällen, seine Anstellung in einem Rostocker Technikcenter zu
kündigen und das Surfschul-Konzept im Grand Hotel
vorzustellen. Die stellten das Abrissgebäude, die ehemalige
Rettungswacht, vorerst zur Verfügung. Denn das kleine
Gebäude an der Promenade steht dort, wo nach wie vor das
Thalassozentrum des Hotels geplant ist. „Mein Risiko“, sagt
der Reddelicher. „Erstmal anfangen, alles andere ergibt sich“.
Acht Wochen hat er das Häuschen saniert, dafür sein Sparbuch
„auf links gedreht“.
Die Ausbildung zum Surflehrer absolvierte der 56-Jährige beim
Wassersportschulverband, zum Praktikum ging es in das
arabische Oman.
Welchen Unterricht er wo, wie und wann anbietet, ist am
Eröffnungstag ab 12 Uhr am Strand vor der Schule zu erfahren.
DORIT WEHMEYER
ZUKUNFT HEILIGENDAMM | Ausgabe 13 Juni/Juli 2010
Die Zeitung ZUKUNFT
HEILIGENDAMM weiß zusätzlich zu berichten:
Das Schulungskonzept ist außergewöhnlich: „Weil uns optimale
Trainingserfolge am Herzen liegen, bieten wir keine
Gruppenschulungen, sondern ausschließlich Einzel- und
Partnertraining an, die auf die individuellen
Vorkenntnisse der Kunden abgestimmt sind“, erklärt
Oechelhaeuser. Wer bei einem der erfahrenen Trainer, die neben
reichlich praktischer Erfahrung alle über eine „Instructor-Licence“
des Verbands deutscher Wassersportschulen (VDWS) verfügen, den
Einstieg in das Kite- oder Windsurfen wagen möchte, muss noch
nicht über eine entsprechende Ausrüstung verfügen: In der
neuen Wassersportstation steht professionelles Kite- und
Windsurfequipment bereit.
Darüber hinaus ist ein Verleih von Stand Up Paddle Surfboards
geplant, denn auch diese Wassersportart erfreut sich in
Deutschland wachsender Beliebtheit. Dabei steht der Sportler
aufrecht auf dem Surfbrett und erzeugt mit einem Stechpaddel
ähnlich wie beim Kanufahren den Vortrieb. In der am häufigsten
betriebenen Spielart wird das Fortbewegen durch Paddeln mit
der Technik des Wellenreitens abgewechselt.
Ob sportliches Segeln, romantischer Segeltörn in den
Sonnenuntergang mit dem Luxus-Katamaran „Viamar“ oder rasanter
Fahrspaß mit der 320 PS starken Frauscher 686 LIDO – schon
seit Jahren bietet das Grand Hotel in Kooperation mit dem
Kühlungsborner Restaurantbetreiber und Segelyacht-Verleiher „Vielmeer“
Urlaubern besondere Segelausflüge an. Was bislang vor Ort
fehlte, waren Schulungsräume für angehende Segelsportler.
Anfang Juni eröffnet „Vielmeer“-Chef Peter Weide in der
unteren Etage des ehemaligen Residenzhotels eine Segelschule,
um interessierten Hotelgästen während ihres Aufenthalts in
Heiligendamm den Erwerb verschiedener Segelboot- und
Motorbootscheine zu ermöglichen. „Engagierte Urlauber können
beispielsweise innerhalb einer Woche die notwendigen Kurse für
einen Binnen-- und Seeschein absolvieren und die Prüfung
ablegen“, erklärt Weide.
Derzeit laufen sowohl in der Kite- und Surfschule als auch in
der Segelschule die notwendigen Umbauarbeiten auf Hochtouren.
Beide Betreiber
sind zuversichtlich, rechtzeitig zum Saisonstart das
Sportangebot am Heiligendammer Strand bereichern zu können.
Nähere Informationen erhalten Interessierte auf der
Internetseite des Grand Hotels (www.grandhotel-heiligendamm.de)
unter der Rubrik „Freizeit & Sport“.
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Mehr dazu gibt es im nächsten Foto-Rundgang in der zweiten
Juni-Woche.
Gegenseitiges Rückenstärken im Bad Doberaner
Rathaus: Wer stärkt wen - und warum?
Bürgerbund und CDU wollen den SPD-Bürgermeister absetzen und die SPD
kontert mit der Abwahl des Bürgerbund-Stadtvertretervorstehers.
Welche Rolle spielen die anderen Parteien und wie steht es um die
bisherigen Kooperationen? Gehen wir der Sache auf den Grund:
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OSTSEE-ZEITUNG | 01.06.2010
FDP lenkt Streit um
Polzin in ruhiges Wasser
Bad Doberan (OZ) - Die FDP-Fraktion in der
Bad Doberaner Stadtvertretung versucht offenbar, den Streit um
disziplinarische Maßnahmen gegen Bürgermeister Hartmut Polzin
in eine andere Richtung — und den Bürgermeister selbst in
ruhiges Fahrwasser zu lenken. Nach Auffassung der
FDP-Finanzexpertin Sylvia Stracke geht es nur noch darum,
einen möglichen „Verfahrensfehler“ aufzuklären, den Polzin
beim Abschluss eines gerichtlichen Vergleichs gemacht haben
könnte.
Einen bewussten Versuch Polzins, die Stadtvertretung in Bezug
auf die erforderliche Genehmigung für den Verzicht auf
möglicherweise 98 000 Euro zu Lasten der Stadtkasse zu
umgehen, und Fakten dazu bewusst verschwiegen zu haben, sieht
die FDP im Gegensatz zu Bürgerbund, CDU und Bündnis für Bad
Doberan scheinbar nicht.
Doch genau das waren die Vorwürfe, die Bürgerbund-Fraktion,
der CDU-Abgeordnete Rolf Kuchenbuch und der Einzelabgeordnete
Frank Pieplow (BfBD) dem Bürgermeister in ihrem Antrag auf
Prüfung von disziplinarischen Maßnahmen machen: Polzin soll
ihrer Auffassung zufolge eben nicht „fälschlicher Weise oder
nur aus Versehen“ die Stadtvertreter nicht informiert haben,
wie es Guido Lex vom Bürgerbund formulierte. Folgt man dem
Antrag 030/10, der im April und Mai auf der Tagesordnung der
Stadtvertreterversammlung gestanden hatte, soll Polzin sogar
eine angebliche Eilbedürftigkeit konstruiert haben, um statt
der Stadtvertretung den Hauptausschuss zur Eilentscheidung
drängen zu können. — Obwohl er als erfahrener Verwaltungschef
wisse, dass der Hauptausschuss zu Entscheidungen über so große
Summen nicht befugt ist.
Sylvia Stracke stellt die Zusammenhänge in ihrer Erklärung
anders dar. Schon vor rund zwölf Jahren sei ein Doberaner
Bürgermeister (Berno Grzech, d.Red.) wegen des damaligen
Kammerhof-Desasters suspendiert worden. Weil er seinen
Arbeitsgerichtsprozess gewonnen habe, stehe er bis heute auf
der Gehaltsliste der Stadt. „Wie viele Bürgermeister will sich
eine Stadt leisten“, mahnt die Finanzexpertin der
FDP-Fraktion. Ihrer Ansicht nach gibt es zwei verschiedene
Sachverhalte, die untersucht werden müssten: „Hat der
Bürgermeister beim Abschluss des Vergleichs gegen
Informationspflichten grob verstoßen oder erforderliche
Genehmigungen nicht eingeholt?“ Und: „Hat der Vergleich die
Interessen der Stadt ausreichend berücksichtigt?“ Entlastend
bringt sie hervor, dass der Vergleich nicht vom Bürgermeister
allein, sondern mit Hilfe eines spezialisierten Anwalts
ausgearbeitet worden sei. Die Kommunalaufsicht sei beauftragt
festzustellen, ob ein Verfahrensfehler des Bürgermeisters
vorliege. „Verfahrensfehler zu beurteilen liege in ihrer
Kompetenz“, betont Stracke. kw
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Die FDP bringt durchaus nachvollziehbare Gründe hervor, Polzin nicht
abzusetzen. Nun ist Logik aber kein Privileg einer Partei, sondern
kann von allen Parteien gleich gut genutzt werden. Warum bringt
gerade die Bad Doberaner FDP diese Argumente hervor, wo sie ja den
Bürgermeister schützen können?
Bisher gab es in der Heiligendamm-Problematik sehr viele
Abstimmungs-Gleichheiten (gewollt oder ungewollt) zwischen FDP und
Bürgerbund. Zuletzt kippte das Verhältnis, da die FDP die Ergebnisse
des SPD-Bürgermeisters mit der ECH nach verhandelte und dann für die
Lösungen des Bürgermeisters und der eigenen Fraktion stimmte. Der
Bürgerbund verlor dadurch seinen Einfluss auf Heiligendamm. Kurz
darauf brachte der Bürgerbund zusammen mit dem CDU-Abgeordneten
Prof. Kuchenbuch und dem Abgeordneten des Bündnisses für Bad Doberan
- Frank Pieplow - einen Antrag in die Sitzung, der die Absetzung des
SPD-Bürgermeisters befürwortet.
Würde die FDP nun mit dem Bürgerbund überein stimmen, würde sie
gegen den Bürgermeister stimmen, den sie gerade noch unterstützte.
Das macht kein gutes Bild und so versucht die FDP offenbar,
wenigstens Ruhe in die Sache zu kriegen aber vielleicht auch den
Bürgermeister zu stützen.
Die SPD hingegen wehrt sich mit der Drohung, den Abwahlantrag gegen
den Bürgerbund-Abgeordneten Guido Lex aus dem Amt als
Stadtvertretervorsteher wieder zu aktivieren. Damit greift sie
direkt eine der beiden Personen an, die dem Bürgermeister gefährlich
werden können.
Während also Rolf Kuchenbuch von der CDU zusammen mit Bürgerbund und
BfBD quasi gegen den SPD-Bürgermeister anging, musste sich die SPD
Mehrheiten suchen und zudem musste die CDU sich entscheiden,
entweder ihrem Vorsitzenden zu folgen oder ihn quasi zu verraten.
Die SPD fand eine unsichere Mehrheit in der Linkspartei und einen
Fürsprecher in der FDP. Und die CDU?
Die stärkt dem Bürgerbundler Lex den Rücken:
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OSTSEE-ZEITUNG | 04.06.2010
CDU stärkt
Stadtvertretervorsteher Lex den Rücken
Die SPD-Abgeordnete Birgit Mersjann kündigte in der letzten
Stadtvertretersitzung
einen Abwahlantrag gegen Stadtvertretervorsteher Guido Lex
(Bürgerbund) an. Der bekommt Hilfe von der CDU.
Bad Doberan. Der CDU-Ortsverband Bad Doberan hat sich klar
gegen einen möglichen Antrag zur Abwahl von
Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund) positioniert.
„Auch wenn es um die Person Lex vielleicht persönliche
Befindlichkeiten geben mag, so ist eine sachliche Grundlage
eines erneuten Abwahlantrages nicht zu erkennen“, heißt es in
einer gestern veröffentlichten Erklärung des
CDU-Ortsverbandes. Damit nehmen die Christdemokraten Bezug auf
die letzte Stadtvertretersitzung am 26. Mai, in der mögliche
disziplinarische Maßnahmen gegen den SPD-Bürgermeister Hartmut
Polzin diskutiert wurden – und den SPD-Fraktionschefin Birgit
Meersjann mit dem Abwahlantrag gegen Lex quittierte.
Den Antrag gegen Polzin hatten Lex’ Fraktion, der Bürgerbund,
gemeinsam mit dem CDU-Abgeordneten Rolf Kuchenbuch und dem
Einzelabgeordnete Frank Pieplow (Bündnis für Bad Doberan)
gestellt. Hintergrund war ein gerichtlicher Vergleich, den
Polzin zugunsten eines ebenfalls in der
SPD-Stadtvertreterfraktion tätigen Bauingenieurs – und
möglicherweise zu Lasten der Stadtkasse und der Bürger Bad
Doberans – geschlossen hatte (OZ berichtete).
Die SPD-Fraktionschefin hatte am Ende der Sitzung, in der
erneut die Kommunalaufsicht zur Klärung der Angelegenheit „Polzin“
angerufen wurde, offen einen Abwahlantrag gegen den
Stadtvertretervorsteher angekündigt. Ein solcher Antrag hatte
erstmals im Februar auf der Tagesordnung der
Stadtvertreterversammlung gestanden, war aber nicht behandelt
worden, da sich die Abgeordneten auf einer Klausurtagung auf
einen grundsätzlich sachlicheren Umgang miteinander einigen
wollten.
Der CDU-Ortsverband sieht in den Ereignissen nun offenbar eine
Verbindung und fragt in seiner Erklärung von gestern
öffentlich an:
„Ist der neuerliche Abwahlantrag gegen Guido Lex für dessen
Initiatoren vielleicht nichts anderes als eine ,Retourkutsche’
auf das Ansinnen, eventuelle Unregelmäßigkeiten im
Zusammenhang mit dem Abschluss eines Vergleiches des
Bürgermeisters zu Ungunsten der Stadt (Stichwort Sanierung
Kampschule) aufzuklären?“
Sicher sei Lex für einige Stadtvertreter unbequem, räumt
CDU-Pressesprecher Adolf Wigger ein. „Es ist Herrn Lex
jedenfalls gelungen, die Stadtvertretung als Vertretung der
Bürger gegenüber der Stadtverwaltung zu stärken und eine
kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten“, lobt er.
„Es dürfen die Fragen erlaubt sein, inwieweit ein eventueller
Abwahlantrag ohne sachliche Grundlage der Öffentlichkeit zu
vermitteln ist“, heißt es weiter in dem Papier, und es folgen
Fragen, auf die die CDU um „Antwort der Öffentlichkeit“
bittet: „Wie wollen die Stadtvertreter Kontinuität in ihrer
Arbeit gewährleisten? Wer soll neuer Stadtvertretervorsteher
werden und wird die Person in der Lage sein, die gute Arbeit
von Herrn Lex fortzusetzen? Wer wird die Unabhängigkeit der
SSV gegenüber der Verwaltung gewährleisten?“
KLAUS WALTER
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Diese Erklärung - so nachvollziehbar sie auch ist - kommt einer
politischen Kriegserklärung gleich. Mit der CDU kann die SPD also
nicht rechnen, wenn es hart auf hart kommt. Stimmenmäßig sieht das
dann so aus:
Für eine Mehrheit sind immer 13 Stimmen nötig. Die CDU stellt vier
Stadtvertreter. Wenn die SPD sich stimmlich mit der Linken vereinigt
und auch die SPD hinter sich weiß und wenn dann auch Jochen Arenz
mit der SPD überein stimmt, bleiben für die CDU nur noch Bürgerbund,
HGV, CDG, Grüne und NPD. Ein sicherer Kandidat nach der
Rückendeckung für Lex wäre derzeit der Bürgerbund mit 3 Stimmen.
Macht 7 Stimmen. Die Grünen stimmten in der Vergangenheit oft mit
dem Bürgerbund überein, womit dann vielleicht eine Stimme an die CDU
ginge. Grundsätzlich sind sich aber die Grünen eher mit der SPD
grün, sodass die eine grüne Stimme ein Wackelkandidat ist. Auch die
CDG ist ein Wackelkandidat, da dort situationsbedingt ganz
verschieden abgestimmt werden kann. Die beiden Stimmen sind unsicher
- jeder kann sie bekommen. Die NPD letztlich ist das Zünglein an der
Waage, denn selbst wenn die CDU die beiden Wackelkandidaten hinter
sich bringen kann, sind das nur 9 Stimmen - vier zu wenig. Sie
müsste zwei weitere Stimmen für sich gewinnen, die sonst für die SPD
stimmen würden. Mit den beiden NPD-Stimmen würde sie dann eine
Mehrheit erreichen.
Die SPD hat es da einfacher: Ihr sind die Stimmen der Linken relativ
sicher und auch Jochen Arenz will den Bürgermeister nicht absetzen.
Zu den vier eigenen Stimmen kann die SPD also vier weitere Stimmen
von den Linken bekommen und eine von Jochen Arenz. Macht jetzt schon
9 Stimmen. Kann die SPD in der Fürsprache der FDP auch in Stimmen
gewinnen, sind es 11 Stimmen und tendieren die Grünen zur SPD, sind
es schon 11 Stimmen. Die CDG hat sich von der CDU gelöst und wird
vielleicht eher nicht mit ihr überein stimmen, sodass damit ganz
ohne NPD die SPD eine Mehrheit hätte. Dafür benötigt sie keine
Stimme der CDU, des Bürgerbundes und des BfBD. Heißt im Klartext:
Würden alle, die den Antrag gegen Polzin nicht eingebracht haben
gegen den Antrag stimmen, bliebe Polzin im Amt. Heißt ebenso: Würden
dieselben Leute für eine Abwahl Lex' voten, wäre Lex abgewählt. Das
lässt sich aber nicht so sehr pauschalisieren: Lex hat den
ehemaligen CDG-Abgeordneten Horst Gühler beleidigt und ebenso den
Einzelkandidaten Jochen Arenz. Er hat aber auch quer durch die
Reihen andere Stadtvertreter brüskiert, sodass seine Abwahl wohl auf
ganz persönlichen Stimmen beruhen würde.
Natürlich ist die Drohung Mersjanns in diesem Zusammenhang eine
Retourkutsche - das ist zu offensichtlich, um es abzustreiten. Aber
die Drohung und die Antwort darauf zeigen uns, wo die Mehrheiten
derzeit so ungefähr liegen. Ganz klar lässt sich das in der
Lokalpolitik kaum sagen, weil sehr viele persönliche
Befindlichkeiten und Belange da eine große Rolle spielen. Das soll
es soweit auch zu diesem Thema gewesen sein. Jetzt zählt nur noch,
ob Polzin (und Lex) weitermachen dürfen oder aufhören müssen.
Noch 29 Tage: Erster Spatenstich für Villa
"Perle / Großfürstin Marie" am 03.07.2010
Was lange währt, wird endlich gut. Mit Ungeduld warteten
Einheimische und Gäste auf den versprochenen Baubeginn für die Villa
"Perle" und ihren Anbau "Großfürstin Marie". Eine TV-Produzentin
brachte es bei einem gemeinsamen Rundgang auf den Punkt: "Wenn die
Leute nicht das Vertrauen verlieren sollen, muss der Investor
langsam Butter bei die Fische tun." Genau das findet nun offenbar
statt, denn am 3. Juli ist der erste Spatenstich. Hier der
Pressebericht:
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OSTSEE-ZEITUNG | 08.06.2010
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3. Juli: Baustart für
„Perle"
Gestern hat ECH-Chef Anno August Jagdfeld zum ersten
Spatenstich für den Aufbau der Villa Großfürstin Marie –
Perle“ eingeladen.
Im Januar 2007 wurde die Villa „Perle“ in Heiligendamm
abgerissen. Angeblich stand sie einer Pressetribüne für den
G8-Gipfel im Wege.
Von KLAUS WALTER
Heiligendamm. Seit 10. März lief der Countdown: An diesem Tag
wurden der „städtebauliche Vertrag“ zwischen der Stadt Bad
Doran und der Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) sowie
die zweite Änderung des Planes 25 rechtswirksam. Damit war der
letzte Kompromiss zur Bebauung in Heiligendamm und dem Verlauf
der öffentlichen Wege in Kraft: Innerhalb von sechs Monaten
nach In-Kraft-Treten, so hatte es die ECH versprochen – sollte
nun der Wiederaufbau der im Januar 2007 abgerissenen Villa
Perle“ beginnen.
Am Tage 116 vor Ablauf der180-Tage-Fristwird es soweit sein:
Gestern hat ECH-Chef Anno August Jagdfeld zum symbolischen
ersten Spatenstich für den Wiederaufbau der „Villa Großfürstin
Marie– Perle“ zum 3. Juli nach Heiligendamm eingeladen. „Wir
sind froh, nach der Sanierung des Grand Hotels jetzt mit der
Vollendung des Wiederaufbaus der Weißen Stadt am Meer beginnen
zu können“, sagte Jagdfeld. „Damit erhalten wir ein Stück
bedeutender deutscher Kultur- und Architekturgeschichte für
heutige und kommende Generationen.“
Die „Villa Perle“ ist das westlichste und größte Logierhaus
der insgesamt sieben Gebäude umfassenden Perlenkette. Sie
wurde 1854 errichtet und 1874 um einen Anbau ergänzt. Der
Anlass der Erweiterung soll die Hochzeit des Großfürsten
Wladimir von Russland mit Maria Paulowna in Heiligendamm
gewesen sein. Die ECH will das Gebäude jetzt nach historischem
Vorbild und mit modernster Technik errichten.
Nach Fertigstellung soll die neue Villa Perle ihren Bewohnern
Platz in neun exklusiven Ferienwohnungen bieten, die vom Grand
Hotel
Heiligendamm bewirtschaftet werden.
Sowohl bei der Investitionssumme für den Wiederaufbau der
Villa als auch bei den Preisen für die entstehenden
Ferienwohnungen hält
sich die ECH bedeckt. Dies gehe ins „originär
Unternehmerische“, hieß es. Immerhin gibt die ECH eine Summe
für die Sanierung der
gesamten Perlenkette an: 70 Millionen Euro. Auch zum
Fertigstellungstermin hat die ECH gestern noch keine konkreten
Angaben gemacht. Die ECH-Geschäftsführer Heiner Zimmermann und
Hans Schlag hatten zuvor angekündigt dass Haus modern, aber
nach höchsten Qualitätsmaßstäben wieder errichten zu lassen.
Dies benötige seine Zeit, hieß es. Die Bauaufträge sollen,
soweit möglich, an Unternehmen der Region vergeben werden
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Anmerkung: Anno August Jagdfeld ist zwar Chef der FUNDUS-Gruppe, zu
welcher die ECH gehört aber die ECH-Chefs sind Heiner Zimmermann und
Hans Schlag und nicht Anno August Jagdfeld. Die Perle mit ihrem
Anbau ist zwar eines der größten Logierhäuser der Perlenkette aber
im Vergleich zum Haus "Bischofsstab" und dem "Prinzessin-von-Reuß-Palais"
dürfte sie kleiner ausfallen. Die beiden werden gern übersehen -
auch sie sind Logierhäuser der Perlenkette.
Bilder vom ersten Spatenstich wird es in einem separaten Rundgang
geben, der von hier aus verlinkt sein wird.
Ausgetüftelt: Das
Parkraumbewirtschaftungskonzept Bad Doberans steht zur Abstimmung.
Parkscheiben hier, Parkautomaten
dort - 30 Minuten da, 60 dort, woanders 120 und andernorts ohne
Begrenzung - Dauerkarte, Brötchentaste - das
Parkraumbewirtschaftungskonzept der Stadt Bad Doberan wirkte bislang
nicht gerade wie ein Konzept. Die Einführung von Parkgebühren in der
Parkpalette fegte die Palette leer, die Brötchentaste sorgte für
Ausfälle bei den Einnahmen und der Versuch, sie abzuschaffen, sorgte
für Unmut bei den Gewerbetreibenden. Zuletzt ließ Jochen Arenz
verlauten, dass die Stadt an einem neuen Konzept arbeitet. Nun ist
es fertig und steht zur Abstimmung durch die
Stadtvertreterversammlung. Auf dem ersten Blick wird alles teurer.
Aber es sind gute Neuerungen dabei.
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OSTSEE-ZEITUNG | 09.06.2010
Neues Parkraumkonzept:
Doberan bittet zur Kasse
Zur Abstimmung in der nächsten öffentlichen
Stadtvertretersitzung (21. Juni)
steht ein neues Konzept für die Bewirtschaftung der
Parkplätze.
Fazit: Parken in Bad Doberan wird teurer.
Von KLAUSWALTER
Bad Doberan. Immer wieder angekündigt – zuletzt während der
Diskussion um die Abschaffung der gerade erst eingeführten
„Brötchentaste“ –, jetzt nimmt es Gestalt an: Bad Doberan soll
ein neues „Parkraumbewirtschaftungskonzept“ bekommen.
Der Entwurf dafür liegt den Stadtvertretern vor und soll am21.
Juni diskutiert und beschlossen werden.
Das neue Konzept soll nach eignem Anspruch „zur Optimierung
der Steuerung des ruhenden Verkehrs in der Innenstadt und im
Ortsteil Heiligendamm“ beitragen und der „Sicherung von
Einnahmeressourcen“ dienen. Klartext: Parken wird teurer.
Parkdauer: Während bislang in Bad Doberans Innenstadt
Parkgebühren nur wochentags ab 9 Uhr anfallen, soll künftig
bereits ab 8 Uhr
kassiert werden. Hinzu kommt, dass mit in Kraft treten des
neuen Konzeptes auch sonnabends von 8 bis 13 Uhr gezahlt
werden soll.
Ausnahme ist der Münsterparkplatz, der an allen Tagen von 8
bis 18 Uhr „bewirtschaftet“ wird.
Brötchentaste: Vor knapp über einem Jahr und nach zähen
Diskussionen würde die sogenannte Brötchentaste an den
Parkautomaten
eingeführt. Sie sollte mit 30 Minuten kostenlosem Parken
schnelle Besorgungen ermöglichen, ohne dass der Autofahrer
gleich zur
Kasse gebeten wird. Inzwischen haben die Kämmerer nachgezählt:
Um rund 13 000 Euro sind die Einnahmen aus dem Parkautomaten
seit Einführung der Brötchentaste gesunken. Ergebnis: Mit dem
neuen Parkraumbewirtschaftungskonzept wird die Brötchentaste
wieder abgeschafft.
Gebührenpflicht: Geld kostet das Parken auch künftig in der
August-Bebel-Straße, Am Kamp (beide unter Wegfall der
Brötchentaste),
am ZOB, auf dem Parkdeck und dem Parkplatz am Münster. In
Heiligendamm bleibt die Gebührenpflicht ebenfalls bestehen in
der
Seedeichstraße, Kühlungsborner Straße, Straße zum Kinderstrand
und auf dem Waldparkplatz. Neu soll die Gebührenpflicht in der
Severinstraße, am Markt (komplett), von Baumstraße bis
Mittelstraße, am Lettowsberg bis Dr.-Leber-Straße sowie in der
Neuen Reihe
bis Feldstraße eingeführt werden. Die noch bestehende
Gebührenpflicht für zwölf Stellflächen in der Klosterstraße
fällt weg; dort darf
künftig zwei Stunden mit Parkscheibe geparkt werden. Damit ist
praktisch der gesamte Innenstadtbereich mit Ausnahme von
wenigen
Stellplätzen am Alexandrinenplatz und in der Klosterstraße
„gebührenpflichtig“.
Parkscheibe: Die zeitliche Begrenzung für viele Parkplatze
ändert sich. Die 36 Zeitparkplätze auf dem Kammerhof können
künftig
drei Stunden genutzt werden (bisher zwei Stunden). Unverändert
soll die Parkzeit westlich der Klosterruine, am Netto-Markt,
bei Lidl und am Markt 5 mit jeweils zwei Stunden bleiben.
Ebenso bleibt die einstündige Parkdauer in der Goethestraße
bis Brücke
und in der Friedrich-Franz-Straße, sowie die halbstündige
Parkzeit am Alexandrinenplatz bestehen. In der Goethestraße
bis
Dammchaussee darf künftig drei statt bisher zwei Stunden
geparkt werden, ebenso in der Dammchaussee bis Ehm-Welk-Haus
(bisher ohne Begrenzung). Neu ist die Zeitbegrenzung auf zwei
Stunden für den Ziegenmarkt (bisher uneingeschränkt).
Kosten: Generell soll eine Stunde Parkzeit 50 Cent kosten, die
maximale Parkdauer von zehn Stunden kostet fünf Euro.
Neu ist, dass es Parkzeit ohne Mindestgebühr geben soll. Wer
nur fünf Cent in den Automaten steckt, soll dafür sechs
Minuten Parkzeit –
etwa für den Gang zur Post – bekommen, ebenso zwölf Minuten
für zehn Cent, 24Minuten für 20Cent usw.
Einnahmen: Bei 70-prozentiger Auslastung aller Parkflächen
hofft die Stadt auf Einnahmen von 86 000 Euro pro Jahr.
Allerdings sind zunächst neue Parkscheinautomaten für 24 500
Euro anzuschaffen, vorhandene Automaten müssen neu
programmiert werden (1800 Euro). Schließlich müssen auch die
Kosten für das Entleeren der Automaten abgezogen werden. Hier
kalkuliert die Stadt mit 4670 Euro Lohn- und Fahrtkosten pro
Jahr.
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Dadurch, dass nun mehr Parkplätze kostenpflichtig werden, ist
zunächst eine Teuerung anzunehmen. Aber dadurch, dass die Automaten
keine Mindestgebühr haben werden, werden ja alle bisher mit
Mindestgebühr belegten Parkplätze billiger, denn wer nur sechs
Minuten parken will, zahlt nur noch sechs statt fünfzig Cent. Das
ist eine gute Alternative zur Brötchentaste. Ungünstig hingegen wird
sich die Gebühr rund um den Markt auswirken. Hier hätte man für die
Markttage Ausnahmen programmieren können, was natürlich sehr
aufwändig aber nicht unmöglich ist. Da auch die bisherigen
Alternativen um den Markt herum kostenpflichtig werden, können
einige Händler das bald zu spüren bekommen, denn wenn die kleinen
Besorgungen 6-12 Cent teurer werden, überlegen einige sich das. Beim
Einparken sieht man ja auch noch nicht, dass man mit 6-12 Cent
ausreicht. Der Urlauber wird 50 Cent vermuten und sein Auto eher
nicht abstellen wollen, um einmal kurz über den Markt zu gehen oder
sich ein Buch zu kaufen, Geld zu holen oder einen Döner oder eine
Chinapfanne zu kaufen. Die werden dadurch auch gleich um 20-60%
teurer, denn wo man bisher kostenlos parken durfte, kostet nun die
Zubereitungszeit bares Geld. Was Bad Doberan auch mit dem neuen
Konzept fehlt, sind kostenlose Stadtrandparkplätze. Das Konzept soll
die Autos aus der Innenstadt fern halten. Das würden kostenlose
Stadtrandparkplätze besser können.
Es bleibt dabei: Stadtvertreter-Vorsteher Lex
soll gehen. Dafür soll das Amt verteilt werden.
Was wie eine leere Drohung als
Reaktion auf ein unbefriedigendes Ergebnis aussah, soll nun bittere
Wahrheit werden: Der umstrittene Stadtvertretervorsteher Guido Lex
(Bürgerbund) soll abgewählt werden. Ein entsprechender Antrag vom
Februar landet wieder auf den Tischen und kann eine breite
Unterstützung erwarten. Doch es geht offenbar nicht darum, eine
andere Person in das Amt zu hieven: Stadtvertretervorsteher soll nun
reihum jeder einmal sein dürfen.
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OSTSEE-ZEITUNG | 10.06.2010
Erneut Abwahlantrag
gegen Guido Lex
CDU-Fraktion, Handwerker- und Gewerbeverein, SPD
und der Einzelabgeordnete Jochen Arenz wollen einen neuen
Stadtvertretervorsteher.
Von KLAUS WALTER
Bad Doberan. In der letzten Versammlung von Bad Doberans
Stadtvertretern am 26. Mai hatte es SPD-Fraktionschefin Birgit
Mersjann angekündigt: Sie wolle den im Februar abgesetzten
Abwahlantrag gegen Stadtvertretervorsteher Guido Lex
(Bürgerbund) erneut auf der Tagesordnung sehen. Jetzt ist eben
dieser Antrag neu gestellt: Auf der Stadtvertreterversammlung
am21. Juni (18.15 Uhr, Rathaus) wollen die CDU-Fraktion, die
SPD, der Handwerker- und Gewerbeverein sowie der
Einzelabgeordnete Jochen Arenz Lex vom Stuhl holen und einen
neuen Stadtvertretervorsteher ins Amt hieven.
In besagter Sitzung Ende Mai war es um die Prüfung
disziplinarischer Maßnahmen gegen Bürgermeister Hartmut Polzin
(SPD) gegangen; den Antrag dazu hatte der Bürgerbund mit
initiiert. Stadtvertretervorsteher Guido Lex nahm während der
Debatte immer wieder namens seiner Bürgerbundfraktion das
Wort, obwohl er – nach Auffassung anderer Abgeordneter – als
Versammlungsleiter hätte neutral bleiben müssen. Das Ergebnis
der Sitzung ist bekannt: Die Stadtvertretung beauftragte die
Kommunalaufsicht mit der Prüfung der Vorwürfe, und Polzin ist
weiter im Amt – zum Ärger der Antragsteller vom Bürgerbund.
Die Ankündigung des Abwahlantrages durch SPD-Chefin Mersjann
am Ende der Debatte klang dann auch eine wenig nach
Retourkutsche. Motto: „Haust du meinen SPD-Bürgermeister,
schubse ich Deinen Bürgerbund-Stadtvertretervorsteher.“
Der Einzelabgeordnete Jochen Arenz nahm die SPD-Chefin in
Schutz: „Nein. Der Abwahlantrag hat bestimmt nichts mit dem
Verfahren gegen Polzin zu tun.“ Der Antrag habe bereits im
Februar auf der Tagesordnung gestanden. Seine Behandlung sei
dann aber verschoben worden. Aber es habe sich auch in der
letzten Sitzung zu Polzin gezeigt, dass Lex nicht in der Lage
sei, sein Amt neutral und den Vorschriften entsprechend
auszuüben. „Der Parlamentschef muss zu einer wirklich
demokratischen Streitkultur befähigt sein, die andere Meinung
akzeptieren können, ausgewogen bleiben, sein Amt streng nach
den geltenden Vorschriften ausführen“, sagt Arenz.
Ähnlich argumentiert die CDU-Chefin Caroline Brandt. Sie sieht
aber vor allem, dass sich die Stadtvertreterversammlung zu
sehr „mit sich selbst beschäftigt“. Brandt: „Wir haben so viel
Handlungsbedarf: den Verlust des Kreisstadtstatus, den zweiten
Sanierungsabschnitt für die Kampschule, die Lösung des Problem
mit der baufälligen Kita ,Drümpelspatzen’ . . . Da müssen wir
einfach handlungsfähig sein.“
Lex selbst hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass er sich nicht
allein als Versammlungsleiter sieht.
Er sei auch ein gewählter Abgeordneter mit dem Recht zur
Meinungsäußerung und einer Verpflichtung seinen Wählern
gegenüber.
Wer an Lex Stelle künftig der erste Mann der Stadtvertretung
sein soll, dazu halten sich die Antragsteller noch bedeckt.
„Es soll eine sehr basisdemokratische Lösung sein“, deutet
Arenz an. Man werde sich dazu am15. Juni fraktionsübergreifend
verständigen
und anschließend auch die Öffentlichkeit informieren. Dem
Vernehmen nach planen die Antragsteller, die Last des Amtes
des Stadtvertretervorstehers auf breitere Schultern zu heben.
Nach dem Vorbild der EU-Ratspräsidentschaft oder der
Bundesratspräsidentschaft sei es auch vorstellbar, den Vorsitz
in der Stadtvertreterversammlung nach einem regelmäßigen
reihum Turnus von Vertretern der einzelnen Fraktionen zu
besetzen.
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Viel Glück hatten die bisherigen Stadtvertretervorsteher nicht: Anke
Bitter musste ihr Amt vorzeitig niederlegen, Caroline Brandt wurde
mit einem Abwahlantrag konfrontiert, auch wenn dieser scheiterte und
nun steht Guido Lex wieder vor so einem Antrag.
Die Bad Doberaner Stadtvertreter werden mit ihren Vorstehern
offenbar nicht grün und da liegt es auf der Hand, den Zyklus zu
ändern, um sich nicht vier Jahre lang mit einem Vorsteher zu ärgern.
Jeder darf mal ran und zeigen, dass er es besser kann. Eine Abwahl
von Guido Lex zu Gunsten von mehr Demokratie oder sei es nur von
mehr Potenzial, ist zumindest ein würdiger Abgang für den
verschmähten Bürgerbundler, der dann die Interessen seiner Wähler
vertreten kann, ohne in Konflikt mit den Interessen des Gremiums -
das er ja auch vertreten soll - zu kommen. Interessant wird sein,
wer der erste Nachfolger Lex' werden würde.
Mit Gezeter und Gepolter: Stadtvertreter Guido
Lex bleibt am wackligen Stuhl kleben.
Caroline Brandt hat einmal gesagt, dass die Konfrontation mit einem
Abwahlantrag den Abzuwählenden zum Nachdenken bringen kann. Was bei
ihr als Stadtvertretervorsteherin so gewesen sein mag, geht an ihrem
Nachfolger offenbar vorbei: Guido Lex - bekannt als - der ewige
Richter - poltert nach wie vor bei allem, was ihm nicht passt. Für
den Betrachter boten sich in den Stadtvertretersitzungen mindestens
Unruhe und Gespanntheit, meistens aber richtige Anfeindungen. Von
Sacharbeit war oft nichts zu merken - die Stadtvertreter waren die
meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt, weil sie gerade vom ewigen
Richter gemaßregelt, verurteilt oder mit Monologen gelangweilt
wurden. Monate lang blieben wichtige Themen, wie die Sanierung
Heiligendamms, auf der Strecke, weil das Klima in der
Stadtvertreterversammlung vergiftet war. Mit der Galle eines
Selbstgerechten, der nach Feierabend seine Robe nicht abzulegen
vermag und dem alle Mittel Recht sind, um im Amt bleiben zu können:
Auch Rechtsmittel. Lesen Sie selbst:
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OSTSEE-ZEITUNG | 23.06.2010
Stadtvertreter-Chef auf
wackligem Stuhl
Mit einer hauchdünnen Mehrheit wurde Stadtvertretervorsteher
Guido Lex nach einem Abwahlantrag im Amt bestätigt.
Das Vertrauensverhältnis im Parlament scheint aber nachhaltig
gestört zu sein.
Von KLAUS WALTER
Bad Doberan. Zwölf Stimmen bekam der Abwahlantrag gegen Bad
Doberans Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund) in der
Stadtvertreterversammlung am Montagabend. Nur eine Stimme
mehr, dann hätte sich Bad Doberans Kommunalparlament erneut
einen Versammlungsleiter suchen müssen. Den Abwahlantrag
hatten – nach Ankündigung auf der vorangegangenen
Stadtvertreterversammlung im Mai durch SPD-Fraktionschefin
Birgit Mersjann – SPD, CDU-Fraktion, Handwerker- und
Gewerbeverein (HGV) sowie der Einzelabgeordnete Jochen Arenz
eingebracht.
Mit äußerst knapper und wackliger Begründung, zudem noch mit
Rechtschreibfehlern: „Die Stadtvertretersitzungen müssen
gesetzeskonform, dass bedeutet, unter Einhaltung der
kommunalrechtlichen Vorgaben, durchgeführt werden. Dies wird
vom jetzigen Amtsinhaber nicht erfüllt.“
Begründung und Schreibfehler waren die Munition, mit der Guido
Lex vor der Debatte um seine Person noch einmal heftig gegen
die Antragsteller schoss. „Wer sind Sie eigentlich, dass Sie
mir, einem Richter im Zivilberuf, Gesetzesverstöße vorwerfen .
. .“, polterte Lex los, kündigte sogar „rechtliche
Konsequenzen“ im Falle seiner Abwahl an, und schien so die
letzten Wankelmütigen betreffs der Antragsentscheidung in das
Lager seiner Gegner zu stoßen.
Dennoch kam es anders. In der eigentlichen Debatte, an der Lex
nicht teilnehmen durfte, ergriff als erster der
CDU-Abgeordnete Rolf
Kuchenbuch (er ist nicht Mitglied der CDU-Fraktion) das Wort
und setzte sich vehement für Lex ein. Nur ihm sei es zu
verdanken, dass
die Stadtvertretung wieder als Dienstherr der Verwaltung und
des Bürgermeisters wahrgenommen werde, sagte Kuchenbuch.
Vor allem aber kritisierte er, dass die Antragsteller ein
offenbar nicht durch die Kommunalverfassung gestattetes
„Rotationsprinzip“ für die Besetzung des Vorsteheramtes
einführen wollten. Kuchenbuch: „Ich kann mir nicht vorstellen,
dass nicht der, der für das Amt am besten geeignet ist, die
Arbeit macht, sondern einer, der gerade mal eben dran ist.“
Jochen Arenz, Mitunterzeichnerdes Anti-Lex-Antrages, wollte
auch auf direkte Nachfrage – unter anderem von Seiten der
Linkspartei – nicht mit der Erläuterung seiner Vorstellungen
zur Rotation herausrücken. Statt dessen sprach Arenz das
„komplett zerstörte Vertrauensverhältnis“ zwischen Lex und
Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) an: „Wie sollen die beiden
jetzt noch zusammenarbeiten?“
Schließlich beantragte Herber Baor (HGV) die geheime
Abstimmung, nachdem Heinz Keuer (Grüne), Stellvertreter des
Vorstehers, das Wahlprozedere bekannt gemacht hatte. Erst 13
Stimmen die Mehrheit aller gewählten 25 Stadtvertreter, würden
zu Lex’ Abwahl führen, erläuterte Keuer. Anwesend waren
allerdings nur 23 Abgeordnete. Zwölf davon stimmten für die
Abwahl, zehn dagegen, ein Stadtvertreter enthielt sich.
|
Das Ergebnis ist alles andere als traumhaft: Von den 25
Stadtvertretern, die Guido Lex als Gesamtheit vertreten wollen,
fühlen sich nur 13 Stadtvertreter repräsentiert. 12 Abgeordnete
stimmten gegen ihren "Vertreter", einer enthielt sich und zwei kamen
gar nicht erst zur Sitzung. Die drei halten also auch nichts von der
Vertretung durch Guido Lex. Wenn man sich vor Augen führt, dass Lex
diese Leute vertreten soll ist es ungefähr so, als hätte ein Vater
fünf Kinder, von denen zwei ihn hassen, einer nichts von ihm wissen
will und nur zwei zu ihm halten. Eine grauenhafte Bilanz. Wer damit
leben will, kann nur zwei Motive haben: Entweder klebt er an seinem
Posten und hat Scheuklappen auf oder er will es den anderen
beweisen. Wobei beides nicht gut für das Image eines
hauptberuflichen Richters am Landgericht ist. Und für die Stadt ist
es erst Recht nicht gut, denn sie leidet unter der ständigen Lähmung
der Stadtvertreter durch deren Kampf gegen einen scheinbar sehr
selbstverliebten Stadtvertretervorsteher.
Die Ostsee-Zeitung meldete in der Vorwoche bereits folgendes:
Neue Gestaltungssatzung: Gymnasium, Post,
Münster und Möckelhaus passen nicht hinein.
Vorsicht, Schildbürger! Bad Doberan denkt über eine neue
Gestaltungssatzung nach. Die Stadt soll hell und freundlich und klar
strukturiert bleiben. Soweit ein nobler Gedanke. An der Umsetzung
jedoch arbeiten Bürokraten und das kommt dabei heraus: Die Hälfte
der historischen Gebäude Bad Doberans verstößt gegen den neuen
Satzungsentwurf.
|
OSTSEE-ZEITUNG | 18.06.2010
Gymnasium abreißen?
Kamp ummauern?
Am Montag wollen die Stadtvertreter eine Gestaltungssatzung
für Bad Doberan beschließen.
Das Papier sorgt schon jetzt für reichlich Unmut bei
Hauseigentümern.
Von KLAUSWALTER
Bad Doberan. Während es das neue Parkraumkonzept nicht auf die
Tagesordnung der Stadtvertretersitzung am Montag (21. Juni,
18.15 Uhr, Rathaus Bad Doberan) geschafft hat und weiter
diskutiert werden soll, sorgt nun ein anderes Grundsatzpapier
für Unmut.
Die „Gestaltungssatzung der Stadt Bad Doberan“ will
verbindlich vorschreiben, wie die Häuser in der Münsterstadt
auszusehen haben. Setzt sich die neue Ordnung durch, werden
nicht nur Hausbesitzer massiv bevormundet. Auch Architekten
müssten auf so manchen Schick bei ihren Entwürfen verzichten.
Kurios: Gebäude wie das Gymnasium, das Möckelhaus (Stadt- und
Bädermuseum) oder gar das Münster hätten nach dieser
Verordnung nie gebaut werden dürfen.
Insgesamt 32 Paragrafen sollen künftig das Aussehen von
Gebäuden in der Bad Doberaner Innenstadt – im Papier als
Altstadt bezeichnet – regeln. Vorgeschrieben wird praktisch
alles: vom Hauszugang bis zur Fassade, vom Keller bis zum
Dach. Darunter sind echte Kuriositäten, wie Paragraf 13
„Oberflächen und Material der Fassade“. Darin steht:
„Unzulässig sind . . . Fassadenoberflächen aus Kunststoff,
Metall oder
Glas . . .“ Die Sorgen der Bürger dürften demGymnasium-Neubau
oder dem Anbau der Kreisverwaltung gelten.
Oder der Paragraf 14 „Fassadenfarben“: „Glasierte Ziegel sind
unzulässig.“ Setzt sich das Papier durch, stünden wieder das
Gymnasium (der Altbau), aber auch Möckelhaus und Münster
außerhalb von Recht und Gesetz.
Auch der Paragraf 17 „Zusätzliche Bauteile und Anlagen“ löst
ein Schmunzeln aus. „Vordächer und Wetterschutzelemente, die
in
öffentliche Verkehrsflächen hineinragen, sind unzulässig.“
Erinnert sei hier an die Wartehäuschen am Busbahnhof. – Oder
Absatz 5 im selben Paragrafen: „Zäune sind mit einem
Mauerwerkssockel von 0,2 m bis 0,3 m Höhe zu versehen.“ – Muss
der Kamp jetzt ummauert werden?
Zumindest die FDP-Fraktion rebelliert und hat bereits einen
Änderungsantrag vorgelegt: „Die Gestaltungssatzung ist . . .
von unnötiger Bevormundung und bürokratischer Gängelei der
Bürger zu befreien.“ Spannend ist, ob sich dieser Antrag
durchsetzen kann.
|
Vorab zur Beruhigung: Die Zeitung dramatisiert natürlich gern, weil
sich das besser verkauft.
Bestehende Baugenehmigungen basieren auf dem noch geltenden Recht
und bleiben daher auch nach diesem gültig.
Auch denkmalgeschützte Gebäude bleiben unberührt. Die Satzung soll
nur nachträgliche Veränderungen und neue Baugenehmigungen regeln.
Der Hintergrund ist, dass Bad Doberan in seiner Farb- und Formgebung
so hell, einheitlich und strukturiert bleiben soll.
So müssen Münster, Klostergebäude, Möckelhaus, Kavaliershaus,
Münsterstuben, Villa "Winter", Gymnasium, Rektorenhaus und Postamt
nicht befürchten, den Paragrafen zum Opfer zu fallen. Sie bestimmen
ja das alte Ortsbild der Innenstadt und sind Richtwert bei
Veränderungen und Ergänzungen. Es geht einfach darum, dass sich die
Stadt von vielen historischen Gebäuden trennen und diese verkaufen
muss und dass andererseits auch privat viele Häuser in Bad Doberan
zum Verkauf stehen oder noch unsaniert sind. Um für die neuen
Eigentümer verbindliche Vorgaben schaffen zu können, soll eine
einheitliche Satzung regeln, dass sie nicht bei der Sanierung aus
der Reihe tanzen und den Häusern bunte Farben, Glasfassaden,
Vordächer, unpassende Stilelemente oder einfach nur die falschen
Fenster verpassen.
Wir haben mehrmals die Situation, dass Häuser mit großen
Grundstücken noch unsaniert sind: Das alte Rathaus am Markt, das
ehemalige Haus der Freundschaft am Kamp, die ehemalige Kinderkrippe
in der Beethovenstraße und die ehemalige Touristinformation (vormals
Stasi-Zentrale) in der Goethestraße zum Beispiel. Es ist nur
logisch, dass die Bauherren diese Flächen in Premiumlage auch
gewinnbringend nutzen wollen und den größten Gewinn bringen eben
nicht Stellplätze oder Garten, sondern vermietbare Räume. Das lässt
sich am Besten mit Anbauten oder Hinterhof-Bauten realisieren und
damit diese nicht allzu sehr aus dem Rahmen fallen, soll das Recht
regeln, was nicht geht. Man sieht z.B. am Gebäude der Stadtbäckerei,
Post und Kanzleien (ehem. "Mecklenburger Hof"), dass sich Anbauten
gut in das Ortsbild einfügen lassen, während man am Bau der
Kreisverwaltung sieht, dass es auch Fremdkörper werden können.
Auch die Borde unter den Zäunen machen Sinn: Damit würden alle
Umzäunungen auf derselben Höhe anfangen. Der Kamp hat bereits so
eine Umbordung - da müsste gar nichts geändert werden. Überhaupt
betrifft das die allerwenigsten Grundstücke, da in der Innenstadt
kaum Zäune und Vorgärten existieren.
Ich schaue mal, ob ich die Gestaltungssatzung bekommen kann. Erst
einmal wurde der Antrag zurück gezogen:
|
OSTSEE-ZEITUNG | 23.06.2010
Satzung zur Gestaltung
der Stadt vom Tisch
Bad Doberan. Die neue Gestaltungssatzung für Bad Doberan, die
das Aussehen von Gebäuden und die Zulässigkeit von Farben,
Fenstern und Materialien vorschreiben will, ist vorerst vom
Tisch. Bürgermeister Hartmut Polzin zog den Antrag der
Stadtverwaltung selbst zurück,
nachdem die FDP-Fraktion eine Vielzahl von Änderungsanträgen
eingereicht hatte.Diese hätten nicht mehr in den Ausschüssen
diskutiert werden können, begründete Polzin.
|
Es ist vollbracht: Der erste Spatenstich für
die Errichtung der Villa "Perle / Großfürstin Marie"
"Was lange währt, wird endlich gut". Klaus Rohde vom ZVK bringt
es auf den Punkt. Am 03.07.2010 vollzogen FUNDUS-Chef Anno August
Jagdfeld und Bürgermeister Hartmut Polzin vor den Augen von ca. 200
geladenen Gästen den symbolischen ersten Spatenstich zum
Wiederaufbau der Villa Perle/Großfürstin Marie. Alle freuten sich
über den Wiederaufbau des 2007 abgerissenen Prunkstücks der
legendären Perlenkette. Wirklich alle? Hannes Meyer vom Bürgerbund
nutzte die Presse für sich. Oder gegen sich. Lesen Sie selbst:
|
Weiße Stadt erhält ihre
Perle zurück
Die Villen-Kette an der Strandpromenade von Heiligendamm
wird saniert bzw. neu gebaut. Am Sonnabend wurde deshalb
gefeiert.
Von RENATE PETER und LUTZWERNER
Heiligendamm. Anno August Jagdfeld, der Chef der
Fundus-Investorengruppe, begrüßte am Sonnabend kurz nach 11
Uhr an der Promenade – auf dem Baugrundstück der neuen „Perle“
– seine Gäste herzlich zur Zeremonie des ersten Spatenstichs.
Vor allem „den harten Kern der Fans von Heiligendamm“. Lag es
an der tropischen Hitze oder auch an der kontroversen
Vorgeschichte dieses Spatenstichs? Die Schar der Gäste war
überschaubar. Denn mehrere Jahre hatte es gedauert, bis in
emotionalen, teils erbittert geführten Debatten die
Widerstände von Teilen der Stadtvertreterversammlung von Bad
Doberan gegen eine Baugenehmigung überwunden waren. Vor allem
die Sperrung des Hotelgeländes für
die Öffentlichkeit brachte sie und viele Bürger besonders auf.
So hob Jagdfeld in seiner kurzen Rede auch besonders diese
beiden Zäsuren hervor: Im Dezember 2009 wurde zwischen
Investor und Stadtvertretung Einigkeit über den B-Plan
erzielt, der den Wiederaufbau der Perlenkette, die Errichtung
einer Tiefgarage und einer Sturmflutschutzmauer vorsieht. Der
Investor verpflichtete sich, ein halbes Jahr danach mit dem
Wiederaufbau der 2007 wegen des G8-Gipfels abgerissenen „Villa
Perle“ zu beginnen. Und hielt Wort. Baurecht gab es im März
dieses Jahres.
Rund 70 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren
investiert werden. Im Grand-Hotel-Komplex wurden bereits rund
200 Millionen
Euro verbaut. „Heute ist ein schöner Tag mit einem schönen
Anlass – ein schönes Haus wieder aufzubauen“, fasste der
Fundus-Chef mit dreimal „schön“ zusammen, was ihn an diesem
Vormittag bewegte.Heiligendamm – das war in den vergangenen
Jahren die Eröffnung des Grand Hotels und seine nicht in allen
Phasen erfolgreiche Platzierung am Markt. Es gab das
Weltereignis G8 und immer wieder zähe und erbitterte
Auseinandersetzungen um Bebauungspläne. Am Bau selbst
herrschte Stagnation.
So konnte es nicht verwundern, dass auch Bad Doberans
Bürgermeister Hartmut Polzin von einem „aufregenden Tag und
einem erfreulichen Anlass“ sprach und dabei vor allem
hervorhob, dass es in der Weißen Stadt auf dem Fundus-Areal
nun endlich wieder eine aktive Hochbautätigkeit geben wird.
Denn die wurde nach der Eröffnung des Grand Hotels im Mai 2003
eingestellt.
Fast alle Gäste des ersten Spatenstichs für die „Perle“
begrüßten den Neubau, äußerten ihre Freude darüber, dass es
jetzt „endlich, endlich“ in Heiligendamm sichtbar weiter
vorangehen wird. Aber es gab auch diese Stimme. Hannes Meyer
vom Bad Doberaner Bürgerbund stimmt zwar auch dem Wiederaufbau
der „Perle“ zu, glaubt aber, dass der Neubau immer ein
„Plagiat“ bleiben wird. Die Bausubstanz der historischen
„Perle“ war ausreichend für eine Sanierung. Eine
Abrissgenehmigung hätte es nie geben dürfen, glaubt er.
ZUR GESCHICHTE
Originale Perle stand 153 Jahre
Die „Villa Großfürstin Marie – Perle“ ist das westlichste und
größte Logierhaus der insgesamt sieben Gebäude umfassenden
Perlenkette.
Die „Perle“ wurde 1854 errichtet und 1874 umeinen Anbau
ergänzt: „Großfürstin Marie“. Die anderen Gebäude der
Perlenkette sowie die dahinter gelegenen Kolonnaden wurden
zwischen 1845 und 1865 gebaut. Zu DDR-Zeiten trug das Haus
„Perle“ den Namen „Maxim Gorki“.
Die Kölner Fundus-Gruppe erwarb 1996 die Villen zusammen mit
dem rund 250 Hektar umfassenden Areal rund um das heutige
Grand Hotel. Im Januar 2007 wurde die „Perle“ abgerissen, um
Platz für eine Pressetribüne für den G8-Gipfel zu schaffen. L.
W.
Stimmen nach dem
Buddeln
Harald Frehse, Geschäftsführer der Fresand GmbH:
„Es hat lange genug gedauert. Meine Mannschaft und ich haben
uns auch für das Vorhaben engagiert.
Es ist gut, dass regionale Firmen Aufträge bekommen.“
Klaus Rhode, ZVK-Geschäftsführer:
„Was lange währt, wird gut. Es ist allerhöchste Zeit. So hat
Heiligendamm eine Zukunft.
Als Unternehmer freue ich mich über zusätzliche Kunden. Im
Vorfeld haben wir hier investiert.“
Sylvia Stracke, Stadtvertreterin:
„Ich freue mich. Jetzt geht die Entwicklung endlich voran.
Nun müssen die Planungen weiterlaufen. Und es sollte schnell
Baubeginn sein.“
Prof. Joachim Skerl, langjähriger Direktor der Fachschule für
angewandte Kunst:
„Heiligendamm ist ein schöner Ort. Er hatte stets besondere
Ausstrahlung auf Studenten der Fachschule.“
Albrecht Jax, Pastor:
„Vielleicht entsteht aus dem gemeinsamen Spatenstich von
Bürgermeister Polzin und Herrn Jagdfeld
auch ein neues, konstruktives und sachliches Miteinander
zwischen der ECH und der Stadtvertretung.“
Herbert Baor, Stadtvertreter und Unternehmer:
„Das Bauvorhaben konnte jetzt endlich – gegen viele
Widerstände und Unverstand – auf den Weg gebracht werden.“
Neun Appartements auf höchstem Niveau
Anno August Jagdfeld, der Chef der Fundus-Investorengruppe,
zu der auch die Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH)
gehört, skizzierte nach dem symbolischen ersten Spatenstich
für den Wiederaufbau der „Villa Perle“ den weiteren Gang der
Dinge.
OZ: Wann wird die Fertigstellung der neuen „Villa Perle“
gefeiert?
Jagdfeld: In eineinhalb bis zwei Jahren.
OZ: Das ist eine vergleichsweise lange Zeit für den Neubau
eines Hauses.
Jagdfeld: Qualität hat nicht nur ihren Preis, ein Bau mit
einem so hohen Standard braucht auch seine Zeit. Die ECH
errichtet die „Villa
Großfürstin Marie – Perle“ originalgetreu nach historischem
Vorbild. Dabei wird jedes der neun Appartements der privaten
Residenzen Heiligendamm– zwischen 110 und 220 Quadratmeter
groß – ein Refugium mit eigener Identität und Individualität
auf höchstem Niveau bieten.
Ausgestattet mit dem modernsten Stand der Technik, was
Materialien, Bauweise, Energetik und Innengestaltung betrifft.
OZ: Wie geht es nach dem Bauder „Perle“ weiter?
Jagdfeld:Wir werden die sieben Villen nach und nach und unter
konsequenter Beachtung von Aspekten des Denkmalschutzes
sanieren bzw. neu bauen. Denn zwei von ihnen sind nicht mehr
zu retten. Das Interesse von potenziellen Käufern, die hier
ein Appartement erwerben wollen, ist groß.
OZ: Vor zehn Jahren wurde der erste Spatenstich für das Grand
Hotel gefeiert. Wo steht Heiligendamm heute?
Jagdfeld: Wir haben in zehn Jahren die Hälfte des Weges
geschafft.
Das historische Heiligendamm entstand ab 1793 in einer Bauzeit
von
immerhin 80 Jahren.
L. W.
|
Nach langer Abstinenz interviewt die Ostsee-Zeitung wieder Anno
August Jagdfeld. Bisher zitierte sie ihn lieber.
Auch bekannte Gesichter Bad Doberans wurden spontan angesteuert. Das
konnte ich gut beobachten.
Dass auch der Pastor befragt wurde, mag den Hintergrund haben, dass
er die Stadtvertreter vor einiger Zeit zum Zusammenhalt ermahnte.
Sein Wunsch ist geblieben. Zur Entlastung Polzins muss man sagen,
dass er sich selten und schon gar nicht offenkundig gegen den
Investor gestellt hat. Gerade darum wurde er ja von den Kritikern
und Gegnern auch aus der SVV angegriffen.
Der harte Kern, von dem die Autoren reden, ist leicht zu
erklären:
Es gab stets drei Gruppen von Meinungen zu den Vorhaben der ECH:
Dafür, dagegen und egal.
Am lautesten waren stets die, die dagegen waren. Sie kritisieren ja
selbst dann, wenn alle anderen feiern.
Man konnte die Leute zählen, die dagegen waren. Durch eine gute
Zusammenarbeit der Gegner mit einem der OZ-Autoren waren die Gegner
stets namentlich und unter Nennung ihrer Organisation in den
Lokalmedien präsent und wurden in anderen Medien zitiert.
Die Befürworter organisierten sich hingegen nicht in immer neuen und
vermischten Initiativen, sondern bekundeten ihr Fürwort meistens
allein - schon,. um nicht von den Gegnern als Arschkriecher und
Verräter an den Pranger gestellt zu werden. Nach Aufrufen zu
"zivilem Ungehorsam" und schließlich den Sachbeschädigungen im
Kurwald konnten sich Befürworter nicht mehr sicher sein, zu was die
"militanten Gegner" noch in der Lage und zu welchen Mitteln sie
greifen würden.
So waren stets die Gegner lauter, als die Befürworter. Und sie waren
bekannter. Die Anzahl der Gäste zum ersten Spatenstich
bestimmte die ECH selbst. Es handelt sich um ausgewählte Gäste und
wenn man von den ca. 200 Leuten jeweils die Begleitung abzieht,
bleibt tatsächlich ein sehr kleiner Kern von ausgewählten Gästen.
Aber die ganzen Gäste als harten Kern zu bezeichnen, ist auch nicht
richtig: Es waren fast alle Stadtvertreter da und bekanntlich waren
nicht alle Stadtvertreter Befürworter des Projekts.
So macht es dann auch keinen Sinn, über die Gründe für die
Einladungen zu sinnieren. Es muss alles irgendwie geplant und
organisiert werden und dazu bedarf es nun einmal Einladungen, damit
es nicht zum Volksfest ausartet.
Sinnieren kann man aber über die Aussagen von Hannes Meyer.
Er begrüßt den Wiederaufbau der Perle und im selben Satz sagt er,
dass die neue Perle ein Plagiat und kein Original sein kann.
Wie kann man ein Plagiat wiederaufbauen? Und wie kann ein
Wiederaufbau ein Plagiat sein? Gut, es war heiß an diesem Tag. Wohl
zu heiß.
Bilder vom Spatenstich und der Feier
Ich gehörte in Begleitung meiner Lebensgefährtin zu den geladenen
Gästen und habe selbstverständlich auch Bilder von den Reden und dem
ersten Spatenstich, der Enthüllung der Bautafel und dem
anschließenden Umtrunk mit Barbecue und Buffet auf dem Hotelgelände
vor der Burg "Hohenzollern" gemacht. Das Ganze gibt es wie gewohnt
als Foto-Rundgang. Schauen Sie mal rein!
Fotos vom Spatenstich und der anschließenden Feier gibt es
hier:
Foto-Rundgang vom 03.07.2010 (Bilder vom ersten Spatenstich für
Villa Perle)
Weiter geht
es im Teil 2 der Öffentlichen Diskussion. Klicken Sie hier.
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Foto-Rundgang vom 03.07.2010 (Bilder vom ersten Spatenstich für
Villa Perle)
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Zusatzinformationen:
Vom Landwirtschaftsministerium habe ich schriftlich bekommen, dass
das Kurwaldgesetz für Heiligendamm noch nicht beschlossen wurde. Es
liegt quasi bei Till Backhaus auf dem Tisch und verstaubt dort seit
über einem halben Jahr. Ohne dieses Gesetz ist es für die Stadt Bad
Doberan rechtlich schwierig, den Kurwald zu betreiben, denn ohne
dieses Gesetz ist der Kurwald nur ein Wald.
Beim Verwaltungsgericht Schwerin erkundigte ich mich zum von Klaus
Walter zitierten Urteil 2A 2357/04 vom 23.10.2008.
Am 07.12. erhielt ich Antwort, dass das Urteil nicht veröffentlicht
wurde. Man kann sich das Urteil aber in anonymisierter Fassung gegen
Kostenübernahme von 8,00 Euro (50 ct pro Seite, vorliegend 16
Seiten) vom Verwaltungsgericht Schwerin (Postfach 11 10 34, 19010
Schwerin, Fax: 0385/5404114) zusenden lassen.
Die IHG hat sich nicht zu meinen Fragen geäußert und schweigt sich
aus.
Erika Wenzel hat nicht auf meine Fragen geantwortet. Nur eine
automatische Lesebestätigung ist erfolgt.
Die Ostsee-Zeitung hat sich nicht zu meinen Eingaben geäußert, warum
zwei meiner Leserbriefe kurz nach der Veröffentlichung im Leserforum
verschwunden sind, obwohl sie sich über die Suchfunktion finden
ließen, hier nur nicht zu öffnen waren.
Auch eine Behebung erfolgte nicht und eine erneute Anfrage blieb
gänzlich ohne Reaktion.
Das Amtshaus in Bad Doberan (ehem. Arbeitsamt und Bücherei - am
Klosterhof) steht vor seiner Sanierung durch die Kirche.
Die nächsten Themen:
Bautagebuch für Villa Perle
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hat, kann hier Geld oder
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Letzte Aktualisierung: 23.07.2010
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