2009: Das verflixte 13. Jahr:
Kempinski geht. Das Gesamtkonzept fällt.
Der
B-Plan kippt. Die Bürger laufen Sturm.
13
Jahre nach Vertragsabschluss sieht Heiligendamm noch immer nicht so
aus, wie es vor vier Jahren aussehen sollte.
Kempinski hat die Nase voll und wirft das Handtuch, die ECH weicht von
ihrem Gesamtkonzept ab, die Stadtvertreter verlieren das Vertrauen und
die Bürger das Verständnis. Heiligendamm macht Schlagzeilen. 2009 hat es in sich.
Die Ruhe vor dem Sturm.
Dabei fing alles so gut an:
Oliver Sembill ist neuer Hotelchef, die
Ärzte tagen in Heiligendamm, Heiratswillige stehen auf der Matte,
die
Restaurantkritik wird enthärtet, das Image heraus geputzt, die
Mitarbeiter sind zufrieden und die Ostsee-Zeitung schwärmt von
Arkadien - dem Ort vollkommener Zufriedenheit:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 28. Januar 2009 | Titelseite Bad Doberan
Oliver Sembill ist seit
Jahresbeginn Hotelchef im Kempinski Heiligendamm.
Ein Ort, wo man sich unbelastet von Arbeit und Stress in idyllischer
Natur erholen kann. Manche sagen, wie in Arkadien.
Heiligendamm „Arkadien, der imaginäre Ort vollkommener
Zufriedenheit, hier existiert er wirklich.“ Mit diesen Worten wurde
einst Fundus-Chef Anno August Jagdfeld (62) zitiert. Er fand sie für
die Weiße Stadt am Meer, für seine Millionen-Investition.
Heute ist
hier ein feuchter, kühler Tag. Auch der Fünf-Sterne-Himmel über dem
Kempinski Grand Hotel Heiligendamm ist verregnet. Im Ballsaal des
Resorts wird trotzdem gescherzt – der Chef-Orthopäde der Rostocker
Uniklinik startet mit einem Videoclip über quietschende
Metall-Gelenke seinen brisanten Beitrag für eine neue Ärzte-Reihe,
die das Doberaner Rheuma-Zentrum initiierte: „Heiligendammer
Gespräch“.
Bützower möchte im Kempinski heiraten
Der
Wellness-Tourismus boomt und im Kurhaus-Restaurant werden von den
zahlreichen Gästen die Speisen augenscheinlich genossen. Am Abend
steht unter anderem „rosa gebratenes Rehnüsschen in Preiselbeerjus
auf Rosenkohlblättern und Kartoffelpüree“ auf dem Dinner-Plan. Die
Berliner Juristin Monika Haag gibt zu Protokoll, dass ihr das Essen
hier im Hotel sehr gut schmecke. Offenbar stört die 44-Jährige der
Regen überhaupt nicht, denn sie schwärmt von der hellen,
geschmackvollen Einrichtung der Zimmer. Weswegen sie bereits das
dritte Mal hier sei und sie ihrer Schwester fünf Tage Heiligendamm
zum 40. schenkte.
Im
Hotelfoyer lodert anheimelnd Feuer im Kamin und vor ihm sitzen
erwartungsfroh Tina Josefine Rosengrün (23) und Johannes Kühn (25)
nebst Töchterchen Amelie Josefine (6 Wochen).
Die Berliner, Johannes der Verkäufer ist ursprünglich Bützower,
wollen sich eventuell im Kempinski trauen lassen. „Heute werden hier
die Details gecheckt“, sagt Tina Josefine. Sie arbeitet im
Bundesinnenministerium. „Wir guckten uns viele Hotels in der Gegend
an, die Güstrower Großeltern sollten es nicht so weit haben – hier
am Wasser in Heiligendamm ist es am schönsten“, sagt der Bräutigam
in spe. Plötzlich wird ihm die Hand geschüttelt: Der neue
Hoteldirektor wünscht dem Paar alles Gute.
Oliver Sembill weiß, wovon
er spricht. Der 33-Jährige ist glücklich mit einer Lehrerin
verheiratet und hat Tochter (1) und Sohn (4). Seit Jahresbeginn
wohnt die junge Familie in Kühlungsborn „neben ausgesprochen netten
Nachbarn“. „Das ist hier ein sehr schönes Fleckchen Erde, um groß zu
werden“ , betont Sembill. Der gebürtige Kölner hatte im vergangenen
September von der Seebrücke auf die Hotelanlage geschaut und sich
quasi auf den ersten Blick ins Kempinski verliebt. Der gelernte
Hotelfachmann drückt es sachlicher aus: „Ich dachte, so was hast du
dir vorgestellt – ein Objekt dieser Klasse und mit diesem
großzügigen Aufbau“. Nun leitet Sembill dieses Objekt mit 310 festen
Mitarbeitern. „Ich bin hier als Hotelmanager auf einer
Nummer-Zwei-Position angestellt, die durch den Weggang des
geschäftsführenden Direktors Herrn Kolb zumindest interimsmäßig
aufgerückt ist“, betont er.
Alles
bleibt möglich.
Dabei
wollte Oliver Sembills Familie immer, dass er Banker wird. Warum
zahlte der Papa dann trotzdem die rund 40 000 Schweizer Franken
(etwa 26 000 Euro) Ausbildungskosten für die Züricher
Hotelfachschule, wo der Sohn in zwei Jahren ein Diplom als Hotelier
erwarb? Er zahlte nicht. „Diesen Unterricht finanzierte ich mit
einer Lebensversicherung, die ich nach dem Tod meiner Mutter bekam“,
erzählt Sembill. Der Mann wollte unbedingt ins Hotelgeschäft und nun
lebt er es mit allen Fasern. Aber das bringt nicht nur Spaß.
Hotelchef: Kanistersoße gibt es bei uns nicht!
So beklagte sich gerade
Gourmet-Papst Wolfram Siebeck im „Zeit-Magazin“ über die Küche des
Luxushotels. „Die Erfahrungen, die Herr Siebeck bei uns gemacht hat,
waren nicht gut. Seine Schlussfolgerungen – Tütensuppe und
Kanistersoße – sind aber einfach nicht richtig: Bei uns werden nur
frische Produkte verarbeitet. Wir werden beweisen, dass man bei uns
kulinarische Erlebnisse feiern kann.“ Aber gab es da nicht soeben
einen neuen Eintrag bei holidaycheck.de, der das Gegenteil
anprangert? „Ja, das Paar war etwa zwei Stunden hier und reiste
wieder ab, obwohl sich meine Kollegen entschuldigt hatten“, ist
Sembill informiert. Er selbst bot den Enttäuschten dann einen
Wochenendaufenthalt an, um ihnen zu beweisen, dass der Service doch
stimme. Aber sie lehnten ab. Der OZ erzählte der betroffene Mann,
dass sein Freund, der ihm das Hotel empfohlen hatte, es gar nicht
glauben wollte, was ihm passiert sei.
Sembill
hat diese ganze Sache stark beschäftigt: „Wir verbringen hier alle
viel Zeit auf der Arbeit und sind so auch sehr emotional daran
gebunden. Deshalb möchte man solche Beschwerden schnell aufgreifen.
Nach dem Motto: Das soll mir aber nicht noch mal passieren. Uns
nicht mehr passieren!“ Sembill ergänzt: „Ich tummle mich gern in
Teams“. Und Teams tummeln sich offenbar gern um Sembill: Bei
Nachfragen im Wiener Intercontinental, dem letzten Arbeitsplatz des
Food and Beverages-Managers Sembill, kamen von der Rezeption bis hin
zum Chefsekretariat schon ohne Angabe des eigenen Namens lobende
Worte: „Ein freundlicher Manager, hat sich auch mit mir offen
unterhalten (Azubi), „Ein sehr guter Mann“ (Chef-Assistentin).
Direktor Ronald Hoogerbrugge (34) bedauert es sehr, dass Sembill
„für die Hotel-Kette verloren ist“. Trotzdem wünscht er seinem
Kollegen am Ostseestrand vollen Erfolg. „Hier hat er hervorragende
Arbeit geleistet“, sagt der Holländer.
Im Februar kommt erste große
Mitarbeiterrunde Sembill schwillt deshalb nicht die Brust: „Ich
denke, das wird sich auch hier beweisen“, sagt er fast etwas
berührt. Und wieder kommt er aufs Team zu sprechen: „Wir wollen
eines der besten Resorts dieser Welt werden. Daran müssen alle
mitarbeiten, mit sehr viel Herzblut. Das erreiche ich, wenn wir uns
alle austauschen.“ Anfang Februar lädt er deshalb zur ersten großen
Mitarbeiterrunde: „Wir werden in diesem Jahr den Fokus stark auf
Kultur und noch bessere Service-Qualität legen. Immerhin die Hälfte
der Gäste unserer Kulturveranstaltungen kam im Vorjahr aus dem
Umland. Auch das gesamte Speisen-Konzept werden wir uns noch mal
angucken. Dabei setzen wir auf Ronny Siewert, der dem Restaurant
Friedrich Franz den Michelin-Stern erhalten hat, sowie Küchenchef
Steffen Duckhorn, der ebenfalls große Qualität liefert.“
Namenexperten verstehen Oliver, abgeleitet vom lateinischen Oliverus
– dem Olivenbaumpflanzer – als Säer, als Hoffnungsbringer. Ist der
Name ein Zeichen? Das Berliner Paar ist übrigens nach dem
Hotel-Check sehr zufrieden.
Die Trauung findet im Kempinski statt: „Ein perfekter Ort“, sagt
Johannes Kühn, und es klingt fast so wie „Arkadien“.
THOMAS HOPPE
|
Es knallt: Kempinski ist raus.
Plötzlich aber
nicht unerwartet passierte, was die Unken schon vor Monaten aus dem
Teich riefen:
Kempinski zieht sich zurück.
Hier die
Berichterstattung:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 04. Februar 2009 | Titelseite
Offene Rechnungen:
Kempinski checkt in Heiligendamm aus
•
Hotelkette spricht von Vertragsbrüchen • 1,1 Millionen Euro nicht
gezahlt • Fundusgruppe schießt zurück
Rostock (OZ) Das
Grand Hotel Heiligendamm darf sich seit gestern nicht mehr mit dem
feinen Namen „Kempinski“ schmücken. Die renommierte Hotelkette mit
Sitz in Genf hat gestern mit sofortiger Wirkung den
Managementvertrag mit der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG
gekündigt. Damit holte das international operierende Unternehmen (55
Luxushotels weltweit) gestern seine Fahne im ältesten deutschen
Seebad endgültig ein. „Es gibt kein Zurück mit dem Eigentümer“,
sagte Kempinski-Vorstandsmitglied Markus Semer der OZ. Das
dramatische Ende der Beziehung zwischen Kempinski und
Hoteleigentümer – dem Chef der Kölner Fundus-Gruppe, Anno August
Jagdfeld (62), – wird von heftigen gegenseitigen Vorwürfen
begleitet.
Kempinski-Vorstand Semer spricht von mehreren Vertragsbrüchen
Jagdfelds: Es seien für die vergangenen 24 Monate die
Managementgebühren in Höhe von 1,1 Millionen Euro nicht an Kempinski
gezahlt worden. Zudem habe die Hotelgruppe durch die permanente
Einmischung Jagdfelds in den täglichen Betrieb keine Kontrolle über
das Management besessen.
„Bei uns gingen immer mehr
Kundenbeschwerden ein, die den Service unakzeptabel fanden“,
berichtet Semer. „Wenn die Gäste nicht mehr mitmachen, ist das Ende
der Fahnenstange erreicht. Das können wir uns nicht leisten.“
Kempinski sei auch darüber enttäuscht, dass Jagdfeld versprochene
Investitionen nicht realisiert habe. Semer spricht konkret von der
Sanierung der Villen am Meer sowie dem geplanten Thalasso- und
Ayurveda-Center. „Da ist nichts passiert, das hemmte die Leistung
des Hotels.“ So könne niemand einen Wettbewerb um Gäste im
Fünf-Sterne-Segment erfolgreich führen, sagte der
Kempinski-Vorstand.
Die Grand Hotel Heiligendamm
GmbH, deren Geschäftsführer Anno August Jagdfeld ist, schießt scharf
zurück. Die Darstellung von Kempinski, wonach die Hotel-GmbH
Verträge gebrochen habe, sei nicht zutreffend, sagte Hoteldirektor
Martin Smura. Vielmehr sei es Kempinski seit der Hoteleröffnung 2003
nicht gelungen, den wirtschaftlichen Erfolg anderer deutscher
Spitzenhotels auch nur annähernd zu erreichen, so Smura.
Insbesondere die Vermarktung des Hotels über Tchibo (Berge & Meer)
sei bei Gästen und Gesellschaftern auf Unverständnis gestoßen, da
dies nicht dem Standard eines Spitzenhotels entspreche und den Ruf
geschädigt habe.
Smura sagte weiter, die
Gesellschafter der Grand Hotel Heiligendamm GmbH hätten die
Geschäftsführung bereits im Dezember beauftragt, die Zusammenarbeit
mit Kempinski neu zu ordnen oder zu beenden. Eine Verhandlungslösung
sei nun nicht mehr möglich. Smura kündigte Millionenforderungen der
Eigentümer gegenüber Kempinski an. Die rechtlichen und finanziellen
Differenzen müssten nun gerichtlich geklärt werden.
Der Hotelbetrieb soll
ungeachtet der offenen Rechnungen weiterlaufen. Die
Eigentümergesellschaft von Jagdfeld will das Haus (derzeit 306
Mitarbeiter) in Eigenregie weiterführen. Es soll in weitere
Restaurants, Sportanlagen und Wellnesseinrichtungen investiert
werden, heißt es. Dafür würden 40 Millionen Euro stufenweise
bereitgestellt. 2008 lag die Auslastung der Luxusherberge
(225 Zimmer und Suiten) bei 52,6 Prozent.
Seite 2: Kommentar
Seite 5: Berichte/Interview
THORALF CLEVEN
|
Bericht:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 04. Februar
2009 | Mecklenburg-Vorpommern
Tristesse und Trotz in der Weißen Stadt
Im Fünf-Sterne-Hotel Heiligendamm gab man sich
gestern unbeeindruckt vom Ausstieg der Kempinski-Kette. Doch der
Frust im Seebad sitzt tief.
Heiligendamm
Angenehm klingt klassische Musik durch die Nelson-Bar des Grand
Hotels Heiligendamm. Ansonsten ist es sehr still. Nur wenige Gäste
genießen den Blick auf die Ostsee, ein älteres Ehepaar, eine Familie
mit zwei kleinen Kindern. Leise erfragt eine Kellnerin die Wünsche
der Besucher. Die merken zur besten Mittagszeit den
Hotel-Angestellten nichts an von der Hiobsbotschaft: Die Hotelgruppe
Kempinski trennt sich mit sofortiger Wirkung vom Betrieb des Grand
Hotels Heiligendamm. Weiß sie es schon?
Charmant meint die
Mitarbeiterin, dass sie nichts sagen dürfe. Aber: „Für die Gäste
wird sich nichts ändern, sie werden weiter freundlich bedient“,
versichert die junge blonde Frau. So wie sie es gerade bei
der Familie am Nachbartisch tut. Mit einem Lächeln nimmt sie Simone
Leupold das mitgebrachte Gläschen Babynahrung ab und lässt es in der
Küche aufwärmen, damit der Papa das Töchterchen füttern kann –
bequem im Sessel sitzend und den Seeblick genießend. Hotelgäste sind
die Leupolds aber nicht. Die Berliner haben mit ihren beiden Kindern
im benachbarten Kühlungsborn eine Ferienwohnung gemietet, machen
einen Tagesausflug nach Heiligendamm und wollen im Nobelhotel nur
eine Kleinigkeit essen. „Klar haben wir uns hier reingetraut, sogar
mit Baby“, sagt der Chemiker und lacht. Es sei wirklich sehr schön
hier. Nicht ganz billig natürlich, 4,50 Euro kostet das Stück Torte.
Ein anderes Lokal hätten sie auch kaum gefunden. Gastronomisch
bietet Deutschlands ältestes Seebad im Winter außer
Fünf-Sterne-Tempel und „Molli“-Restaurant am Bahnhof ein Bild der
Tristesse. Vor dem Hoteleingang ist das Meeresrauschen zu hören. Ein
Mann geht vorbei, spricht französisch ins Handy. Ein anderer
verabschiedet sich auf Englisch von einem Hotel-Mitarbeiter. Der
fährt das Auto des nächsten Gastes weg. Normaler Betrieb. Scheinbar.
Es ist kurz vor 14.00 Uhr. In ein paar Minuten beginnt eine
Versammlung, in der die Angestellten vom Kempinski-Rückzug erfahren.
Hoteldirektor Oliver Sembill
(33), erst seit Anfang Januar im Amt, ist bemüht, Ruhe
auszustrahlen. „Es wird einen reibungslosen Übergang zu einem neuen
Betreiber geben“, verspricht er. Mit der aktuellen Auslastung gibt
er sich zufrieden. „Die Zimmer sind zu 68 Prozent belegt, wir haben
gerade einen Kongress.“ Auf jeden Fall werde das Haus Luxus-Hotel
bleiben. „Wir verwöhnen unsere Gäste, das werden wir in den nächsten
Wochen beweisen“, sagt der Jung-Manager. Das klingt fast ein
bisschen trotzig.
Auch der
Landestourismusverband verbreitet Optimismus. „Wir sind überzeugt
vom großen Potenzial des Standorts Heiligendamm“, ließ
Geschäftsführer Bernd Fischer mitteilen. Das Seebad, das
Mecklenburg-Vorpommern 2007 als Austragungsort des G8-Gipfels
weltweit berühmt machte, sei von großer Bedeutung für das Land. Das
sehen in Heiligendamm jedoch viele anders. Der Frust im Ort sitzt
tief. Der Zaun um den Hotelkomplex ist bis heute ein Ärgernis, mit
dem sich Einwohner, Urlauber und Kurpatienten nicht abfinden wollen.
Wer an den Strand oder zur Seebrücke will, muss Umwege in Kauf
nehmen. „Für viele ältere Reha-Patienten ist das eine Zumutung“,
weiß Friedhelm Bertram, der gerade zum Gesundheits-Check in die
Median-Kurklinik gekommen ist. „Der medizinische Service ist gut“,
lobt der Hotelier von der Insel Amrum in Schleswig-Holstein. Was er
aber nicht verstehen kann: „Ansonsten ist im Ort ja aber gar nichts
los.“ Schon deshalb würde er sich nicht im Grand Hotel
einquartieren. „Wer dort Urlaub macht, erwartet mit Sicherheit mehr
vom Umfeld und von der Infrastruktur“, weiß der 56-Jährige. Gute
Geschäfte, ein Tanzlokal, ein paar Kneipen, bessere Bus- oder
Zugverbindungen. „Wir auf Amrum werben dafür, dass Urlauber ihr Auto
zu Hause lassen sollen.“ Nach Heiligendamm aber solle man lieber
nicht ohne Auto kommen. „Viele Touristen sind sauer“, hat auch ein
Anwohner beobachtet, der am Gartenzaun oft von Hotel-Gästen
angesprochen wird. „Sie kommen da raus und fragen, wo es denn ins
Zentrum geht.“ Seiner Meinung nach hat Investor Anno August
Jagdfeld „doch alle nur verscheißert“. Auch die Bad Doberaner
Stadtvertreter. „Die haben alles verscherbelt, und was hat es
gebracht?“ Die klassizistischen Villen am Strand, das
Traditionshotel „Fürstenhof“ – alles verfällt weiter.
Darüber
ärgert sich auch die Heiligendammerin Traude Schwarz (71).
Überrascht sind sie und ihr Mann aber nicht. „Das war abzusehen,
dass Kempinski sich verabschiedet“, meint Kurt Schwarz (81). Es soll
Versuche gegeben haben, Teile des Hotels an Dauergäste zu vermieten
– als Wohnungen. Als SPD-Stadtverordneter in Bad Doberan habe er
Jagdfeld sogar unterstützt: „Es war richtig so, alles in eine Hand
zu geben“, sagt er. Schwarz ist sich sicher, dass die Hotel-Anlage
weiter laufen wird. „Es wird einen neuen Betreiber geben, die Lage
ist viel zu gut.“
ELKE EHLERS und BERNHARD SCHMIDTBAUER (OZ)
|
Hier sind ein paar Kommentare angebracht.
Die Ostsee-Zeitung gibt Meinungen einfach so wieder, ohne mal zu
recherchieren und Gründe für das zu nennen, was die Leser anprangern.
Zum Beispiel hier:
Seiner Meinung nach hat Investor Anno August Jagdfeld „doch alle nur
verscheißert“.

Quelle: FUNDUS.DE
Copyright: Uwe Tölle Fotografie/FUNDUS |
Für uns Mecklenburger ist es
nicht nachzuvollziehen, was Jagdfeld empfunden hat, als er
Heiligendamm das erste Mal sah. Er hatte im Focus einen Artikel
gelesen, der sinngemäß fragte "Warum kriegt keiner die schlafende
Prinzessin wach?
Jagdfeld sah die Bilder und konnte nicht glauben, was er da ah. Er
machte sich auf den Weg nach Heiligendamm.
Er
kam nicht als Tourist,
sondern als Immobilienmakler und er hat so viel Geld, dass er wenn
er wollte mal eben ein Haus, das er sieht kaufen kann. Und er hat so
viele Möglichkeiten, dass er wenn er ein großes Objekt sieht, das
innerhalb weniger Jahre sanieren und zur Goldgrube machen kann.
Anno August Jagdfeld sah das uns vertraute und so
selbstverständliche Heiligendamm das erste Mal und sagt heute
darüber sinngemäß, dass er es nicht glauben konnte, dass dieser Ort
wirklich existiert. Er konnte es einfach nicht glauben, dass diese
Gebäude alle echt und über 200 Jahre alt sind.
Er dachte, dass das doch nur eine Hollywood-Kulisse sein kann, die
man dort vergessen hatte - dass es so etwas doch nicht in echt geben
kann.
Und dann erfuhr er, dass dieser traumhafte Ort wirklich existiert
und dass er einen Käufer sucht - so wie er da steht. Das meint die
Ostsee-Zeitung wenn sie von Arkadien spricht und das meint Jagdfeld,
wenn er von der Legende mit Zukunft schwärmt. |
Er träumte nicht lange, sondern
entwickelte Ideen, aus denen ein Konzept wurde, das dann Land, Bund und
Stadt überzeugte.
Sein Traum,
Heiligendamm nicht nur zu besitzen, sondern es wieder zu altem Glanz
erstrahlen zu lassen, war greifbar nahe.
Jeder weiß, dass das Ensemble
mit hochwertigen Materialien wiederaufgebaut wurde.
Das blaue Relief am
Kurhaus, welches die Geschichte von Amor und Psyche zeigt, ist nicht
etwa aus Farbe, sondern aus teuerem blauen Jasper. Tonnenweise Marmor
und Granit, Kilometer hochwertiger Tropenhölzer, edle Glasarbeiten und
Kubikmeter voll speziell angefertigter Farbe wurde verarbeitet.
Jagdfelds Frau persönlich war
für die Gestaltung jedes einzelnen Zimmers vom Fußbodenbelag bis hin zum
Klopapierrollenhalter zuständig.
Alles ist mit einer Liebe zum
Detail entstanden, die nur hervor bringen kann, wer dieses Objekt
wirklich liebt. Nichts ist einfach nur aufgesetzt und verkleidet. Nichts
ist darauf bedacht, einfach nur schön auszusehen - es soll alles schon
sein. ECH-Mitarbeiter Peter Sähn sagte dazu
"Der Gast soll sich doch wohl
fühlen".
Natürlich wohl
wissend, dass die Klientel den Unterschied zwischen Farbe und Jasper und
zwischen aufgesetzt und eingebaut erkennt und schnell merkt, ob sie im
Disneyland oder im Grand Hotel ist. Natürlich steckt hinter dem Anspruch
auf Hochwertigkeit auch Berechnung aber wenn man dann sieht, dass diese
Detailtreue sich im Außenbereich fortsetzt und wie jeder neue Plan mit
sehr viel Feingefühl und Umsicht entwickelt wird, dann kommt man schnell
dahinter, dass es Jagdfeld um mehr geht, als nur Geldverdienen mit dem
Grand Hotel.
Wenn Jagdfeld schwärmt, dann
glaubt er jedes Wort, was er sagt.
Und er weiß, dass alles was er
will umsetzbar ist. Wenn Stadt und ECH sich einig sind und wenn das Geld
fließen kann.
Jagdfeld
ist quasi Alleininhaber von FUNDUS und Herr über das ganze
Millionenvermögen.
Er hat fünf Söhne, die seine
Arbeit über Jahrzehnte weg fortführen können.
Aber er hat den Wunsch, so viel
wie möglich selbst mitzuerleben und darum ist jeder Tag, an dem es nicht
vorwärts geht, ein verschenkter Zeit.
Anno August Jagdfeld ist heute
(2009) 62 Jahre alt. Er macht einen Wettlauf mit der Zeit. In diesem
Kontext sollte man es sehen, wenn er Dinge verspricht, die uns zu
großartig erscheinen und wenn er Druck ausübt, um voran zu kommen.
Er kann die Zeit nicht anhalten.
Also muss er sie nutzen.
Jeder Tag des Stillstandes ist
ein verlorener Tag. Nicht nur für Anno August Jagdfeld.
Auch hierzu gibt es
etwas zu sagen:
Auch die Bad Doberaner Stadtvertreter. „Die haben alles verscherbelt,
und was hat es gebracht?“
Die klassizistischen Villen am Strand, das Traditionshotel „Fürstenhof“
– alles verfällt weiter.
Was hat es gebracht? Ein
strahlendes Haus "Mecklenburg", eine strahlende "Hohenzollernburg", eine
strahlende Orangerie, ein strahlendes Kurhaus, ein strahlendes Grand
Hotel, ein nicht weniger strahlendes Severin-Palais. Außerdem - wenn
auch nicht von der ECH gemacht - ein strahlendes Haus "Bischofsstab",
ein auch noch recht strahlendes Prinzessin-Reuß-Palais und zwei
ordentlich sanierte Neubaublöcke. Was auch gern vergessen wird: Das
Grand Hotel und der G8-Gipfel im selbigen waren Initialzünder für große
Projekte. Da hätten wir die touristische Erschließungsstraße, die um
Heiligendamm herum führt, die Kühlungsborner Straße, die saniert wurde,
die Seedeichstraße und die Gartenstraße, die ebenfalls saniert wurden,
der gepflasterte Parkplatz am Bahnhof, die moderne Bushaltestelle und
die Ampelanlage, die allesamt erst nach dem und durch das Hotel
entstanden sind. Die Dammchaussee wurde saniert und für den G8-Gipfel,
der ohne das Grand Hotel höchstwahrscheinlich mangels ebenbürtiger
Räumlichkeiten nicht in Mecklenburg-Vorpommern stattgefunden hätte,
wurden Straßen und Schienenwege im ganzen Land saniert. Allein was der
G8-Gipfel dem Land - außer dem Schuldenberg - gebracht hat, ist so
gewaltig, dass das was nicht geschehen ist, daneben ganz klein wirkt.
Wie schon erwähnt, tut der Stillstand keinem mehr weh, als Jagdfeld.
Und für den
Stillstand gibt es gute Gründe, die Jagdfeld nicht wirklich zu vertreten
hat.
Der Reihe nach:
Das angebliche Traditionshotel
"Fürstenhof" wurde als "Hotel garni" errichtet. Heute würde man dazu
"Pension" sagen.
Nur Bett - kein
Frühstück, kein Mittag, kein Abendbrot und auch kein Restaurant im
Hause. In dieser Form existierte es aber gar nicht so lange, dass man
von einem Traditionshotel sprechen könnte. Die Ostsee-Zeitung sitzt ja
auch nicht in einem Traditions-Kaufhaus, nur weil da mal 40 Jahre eine
Kaufhaus drin war und die Stadtväter sitzen auch nicht in einer
Traditionsgaststätte, obwohl der Lindenhof dort wirklich lange drin
existierte.
Im Falle des
Fürstenhofes war die Folgezeit nicht glorreich: Es wurde zum Altersheim
und blieb dies länger, als es Hotel garni war.
Und dass es verfällt hat gute
Gründe:
Der Vertrag zwischen Stadt und
ECH schreibt vor: Erst das Ensemble sanieren, dann die Perlenkette und
dann erst der Rest.
Alles auf einmal zu
sanieren konnte von FUNDUS keiner verlangen und hat auch keiner
verlangt. Die Sanierung des Ensembles wurde nach anfänglichen Problemen
bei der Finanzierung, welche durch eine Gesetzesänderung zu Stande kam,
im Jahr 2000 begonnen und im Jahr 2003 erfolgreich abgeschlossen. Ein
Jahr später wollte die ECH mit der Sanierung der Perlenkette beginnen
und hat erste Genehmigungen beantragt.
Dazu gehörte z.B. der
Abriss dreier nicht mehr denkmalgeschützter Villen, welcher 2005
genehmigt wurde.
Im selben Jahr
änderte sich die Gesetzeslage wieder und die Finanzierung der Sanierung
aus Fonds war nicht mehr möglich.
Die ECH musste also
klassisch finanzieren: Erst die Wohnungen verkaufen und von diesem Geld
dann die Häuser bauen.
Bei der Vermarktung aber stieß
die ECH auf gewaltige Probleme: Erstens befindet sich die Perlenkette im
Sondergebiet Hotel, sodass man die Wohnungen nur als Hotelwohnungen
vermieten könnte, was aber nicht funktioniert (siehe Infokasten). Also
bleibt nur der Verkauf und dazu müsste die Stadt Dauerwohnrecht für die
Käufer genehmigen. Die Stadtvertreter tun dies aber derzeit nicht.
Zweitens fehlen den Villen
Parkplätze, sodass die ECH entweder die Professor-Vogel-Straße als
Parkplatz nutzen muss, was die Stadt aber nicht erlaubt oder den Käufern
hunderte Meter Fußweg zum Auto zumuten müsste, was nicht geht und dazu
führt, dass keiner die Wohnungen haben will. Die einzige Alternative ist
eine Tiefgarage und dieser möchten die Stadtvertreter nicht zustimmen.
Solange sie aber nicht zustimmen, wird die ECH keine einzige Wohnung los
und solange sie nicht in allen Villen alle Wohnungen verkauft hat, hat
sie auch nicht genug Geld für die Sanierung der Perlenkette und solange
die Perlenkette nicht saniert ist, darf die ECH auch den Fürstenhof, die
Villa von Witzleben, den Forsthof und die Villen an der Seedeichstraße
nicht sanieren. Beginnt die ECH mit der Sanierung des Fürstenhofes, ohne
vorher die Perlenkette saniert zu haben, begeht sie Vertragsbruch.
Abgesehen davon, dass ihr kein Amt eine Baugenehmigung geben darf und
sie daher sowieso nicht anfangen könnte.
Die ECH kann nicht
sanieren, bevor die Perlenkette nicht saniert ist
und diese kann sie nicht
sanieren, wenn die Stadt Dauerwohnrecht und Tiefgarage verweigert.
Sehen Sie also bitte
die folgende Berichterstattung stets in diesem Kontext.
Und sehen Sie sie
außerdem in dem Kontext, dass Sie eben gerade etwas erfahren haben, das
die Mehrheit jener, die sich in den folgenden Artikeln zu Wort melden
bis heute noch nicht weiß. Die Schreiber der Ostsee-Zeitung inbegriffen.
Kommentar:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 04. Februar 2009 | Meinung
Kempinski zieht sich
aus Heiligendamm zurück
Von
THORALF CLEVEN
Kempinski-Hotels zählen zu den feinsten Adressen auf dieser Welt.
Sie stehen für Einzigartigkeit, Luxus, Seriösität, Charme. Ein
bisschen Glanz färbt dabei fast immer auf die Stadt oder die Region
ab. Wie gesagt, fast. Heiligendamm scheint ein Sonderfall zu sein.
Das Kempinski-Hotel im ältesten deutschen Seebad stand von Anfang an
unter keinem guten Stern.Erst musste die Weiße Stadt am Meer lange
ausharren, bis sich überhaupt ein Käufer fand, der alles übernahm –
das berühmte Kurhaus, die zerschlissenen Erholungsheime für
Werktätige und die Villen am Strand. 1996 war das. Käufer: Anno
August Jagdfeld, umtriebiger Immobilienmakler aus Köln mit seiner
Fundus-Gruppe.
Er versprach goldene Zeiten.
Und das Blaue vom Himmel. Wenigstens öffnete 2003 das Kempinski
Grand Hotel Heiligendamm, wurden auch die Burg Hohenzollern und das
Kurhaus wiederhergestellt. Aus Mitteln eines Fundus-Fonds und mit
sehr hohen staatlichen Subventionen.
Der Ärger kam schnell. Denn
der ansonsten so eloquente Herr Jagdfeld hatte den Leuten in der
Region verschwiegen, dass hier eine Erholungsenklave entsteht.
Zugang nur mit Passierschein. Wege gesperrt oder umgeleitet. Das
Ergebnis: Reiche-Glotzen wurde Volkssport und war findigen
Busunternehmern eine Reise nach Heiligendamm wert. Kempinski und
seine Gäste waren not amused. Sie blieben weg. Die Auslastung
bewegte sich im Keller.
Dann kam
Gott sei Dank G 8 und konnte ein wenig darüber hinwegtäuschen, dass
Jagdfeld das Projekt Heiligendamm nur noch verwaltet. Die Anleger
murren schon lange und sind nicht durch Rabatte bei Übernachtungen
zu besänftigen. Die Liste der Versprechungen ist lang: Wann kommt
das Wellness-Zentrum, das die Tristheit von November bis Februar
vergessen lässt? Wann werden die Kolonnaden saniert? Wann wird die
„Villa Perle“ wiederaufgebaut, die vor dem G 8 abgerissen wurde?
Wann werden ihre sechs Schwestern restauriert?
Kann Jagdfeld überhaupt
noch? Er behauptet, er würde das Grand Hotel besser betreiben als
Kempinski. Warum hat er es nicht gleich getan? Es scheint so, als
hätte sich Jagdfeld verzockt. Kempinskis Ausstieg ist ein Signal in
den Markt und seine Klientel: Hier nicht! Das könnte der Anfang vom
Ende hochfahrender Träume sein. Heiligendamm steht wohl wieder
einmal vorm Neuanfang.
|
Interview Kempinski:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 04. Februar 2009 | Mecklenburg-Vorpommern
Kempinski-Vorstand
Semer: Wir geben die Ostsee nicht auf
Berlin
(OZ) Als „Schadensbegrenzung“ kann man die Trennung vom Grand Hotel
Heiligendamm aus Sicht der Kempinski AG bezeichnen.
Vorstandsmitglied Markus Semer (32) nennt Vorwürfe von Fundus-Chef
Anno August Jagdfeld, der vom Missmanagement der Hotelgruppe
spricht, „eine Farce“.
OZ:
Herr Semer,
seit wann wird in der Führung der Kempinski AG über einen Ausstieg
in Heiligendamm diskutiert?
Markus Semer:
Wir haben
seit letztem Sommer mit Herrn Jagdfeld darüber gesprochen, wie
Heiligendamm stabilisiert werden könnte. Leider führte kein Weg
dahin, dass wir allein das Managment in der Hand halten, so wie es
der Vertrag mit dem Hoteleigentümer vorsieht.
OZ:
Aber Sie
haben doch den Hoteldirektor gestellt.
Semer:
Nein, den
letzten Hoteldirektor hatte Herr Jagdfeld bestimmt. Unsere
Kandidaten waren von ihm zuvor abgelehnt worden.
OZ:
Wie lange
lief der Vertrag von Kempinski noch?
Semer:
Bis 31.12.2016.
OZ:
Was gab den Ausschlag für den Ausstieg in Heiligendamm?
Semer:
Der Bruch des
Vertrags in wesentlichen Punkten. Zum Beispiel, dass der
Hoteleigentümer unsere Managementgebühren für die letzten 24 Monate
in Höhe von 1,1 Millionen Euro nicht zahlen will. Außerdem häuften
sich die Kundenbeschwerden seit Jahresbeginn.
OZ:
Was wurde von den Gästen beklagt?
Semer:
Der Service.
OZ:
Der
Hoteleigentümer wirft Kempinski vor, daran gescheitert zu sein, kein
schlüssiges Managementkonzept besessen zu haben.
Semer:
Kempinski führt weltweit 55 Luxushotels und Resorts wie das in
Heiligendamm. Das spricht für unsere Kompetenz. Ich erinnere an die
Versprechen, die der Eigentümer in Heiligendamm nicht eingehalten
hat: die Sanierung der Strand-Villen oder das Thalasso- und
Ayurveda-Center. Damit fehlt die Infrastruktur für dieses Resort.
Wenn wir amputiert werden, können wir keinen Wettkampf gewinnen.
OZ:
Nachdem Kempinski aufgrund eines
Eigentümerwechsels 2006 bereits in Binz ausstieg, verlassen Sie MV
nun ganz. Oder kommt Kempinski zurück?
Semer:
Ich mag Heiligendamm. Und Kempinski mag Mecklenburg-Vorpommern. Das
Land hat riesiges Potenzial im Tourismus. Gehen Sie davon aus: Wir
geben die Ostsee nicht auf.
Interview:
THORALF CLEVEN
|
Interview Polzin:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Polzin: „Wir glauben
an den Standort“
OZ:
Herr Polzin, wie schätzt der Bürgermeister den Kempinski- Rückzug
ein?
Hartmut Polzin:
Es gibt seit 2003 ein Hotel, das von Kempinski gemanagt wurde. Das
Hotel war und ist Eigentum derjenigen, die ihr Geld in den Fonds
gegeben haben. Das Hotel ist nach wie vor da, es gibt eine
eingespielte Mannschaft, Sternekoch, Direktor – nur der
Managementvertrag mit Kempinski ist gelöst.
OZ:
Also ist gar
nichts passiert?
Polzin:
Natürlich
wird die Grand Hotel GmbH neue Buchungswege suchen müssen. Aber der
Name Heiligendamm ist in Deutschland bekannt, und Gäste, die fünf
Sterne an der Ostsee buchen wollen, werden den Weg hierher finden.
Wer nur zu Kempinski will, kommt vielleicht nicht mehr.
OZ:
Es steht der Vorwurf des Vertragsbruchs im Raum.
Polzin:
Ein Vertrag zwischen Grand Hotel
Heiligendamm GmbH & Co. KG und Kempinski – die Details des Vertrages
und die Vorwürfe kenne ich nicht.
OZ:
Kempinski
kritisiert, Bau- und Sanierungsversprechen seien nicht erfüllt
worden. Trägt da die Stadt vielleicht Mitschuld, weil manches
zulange dauerte?
Polzin:
Die Stadt hat
immer alles getan, um den Wünschen der Investoren zu entsprechen.
Wege gesperrt, umgewidmet, Bebauungspläne gestaltet – das sind
Rechtsprozesse, und die dauern eben ihre Zeit.
OZ:
Was bekommt
die Stadt dafür – was bringt das Hotel ein?
Polzin: Wir haben 200
000 Euro Kurtaxe eingenommen, das Hotel ist größter Zahler. Es gibt
viele Wirtschaftsbeziehungen zu Handwerk und Gewerbe, und wir
bekommen auch den Lohnsteueranteil der Beschäftigten, die hier
wohnen.
OZ: Muss man nicht doch sagen, die Stadt hat mit Fundus auf
das falsche Pferd gesetzt?
Polzin:
Das ist der falsche Ansatz. Heiligendamm war im Besitz des Bundes,
der Bund hat verkauft. Und Fundus ist nicht ECH, und ECH ist nicht
das Hotel.
OZ: Wie soll es weitergehen?
Polzin:
Ich möchte nicht spekulieren. Wir glauben an den Standort und werden
alles tun, um die 300 Arbeitsplätze zu erhalten.
|
Interview
Tourismus-Experte Kreilkamp:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar
2009 | Mecklenburg-Vorpommern
Schmutzige Scheidung
in der Weißen Stadt
Zwischen
Betreibergesellschaft des Grand Hotels und Kempinski wird der Streit
schärfer.
Die Hotel GmbH erhebt Schadenersatzansprüche und will vors
Schiedsgericht ziehen.
Rostock (OZ) Der Zwist ums Grand Hotel Heiligendamm gleicht
einer auseinanderbrechenden Ehe. So ähnlich läuft es gerade zwischen
der Hotelgruppe Kempinski sowie der Grand Hotel Heiligendamm GmbH
und Co. KG und der Kölner Fundus-Gruppe (OZ berichtete).
Scheidungs-Deutsch spricht momentan auch Martin R. Smura gerne.
Der geschäftsführender
Direktor der Hotel-Betreibergesellschaft will zwar „keine schmutzige
Wäsche mit Kempinski waschen“. Jedoch: „Wir sind überrascht, dass
Kempinski den Betriebsführungsvertrag am Dienstag gekündigt hat“,
erklärt er. Es sei doch Ende 2008 eigentlich ein Dialog vereinbart
worden, um sich sauber zu trennen. Bei Streitigkeiten sei sogar ein
Gang vor das Schiedsgericht abgesprochen gewesen. „Kempinski hat
sich nicht daran gehalten, wir werden dem Unternehmen nun
unsererseits kündigen und ein Schiedsgericht anrufen“, kündigt Smura
an. Dass das Hotel noch am Kündigungstag von den Internetseiten der
Hotelgruppe verschwand, sei auch kein schöner Zug. Ebenso wenig die
durch falsche Pflege zerstörten Teppichböden. „Wir erheben
Schadenersatzforderungen in Höhe von zwei Millionen Euro“, sagt
Smura. Die könnten mit Kempinskis Forderungen über 1,1 Millionen
Euro verrechnet werden.
Geld für die Zukunft scheint
kein Problem zu sein. „41 Millionen Euro will die
Eigentümergesellschaft stufenweise investieren“, erklärt Smura. In
Restaurants, Pools, Wellnesseinrichtungen und Sportanlagen. Dafür
haben die Gesellschafter eine Kapitalerhöhung beschlossen. Und:
Interessenten könnten ja jederzeit investieren. „Wir wissen genau,
wie wir das Grand Hotel zum Erfolg führen können“, meint Smura.
Kempinski habe es in sechs Jahren nicht geschafft, in der Top-Lage
Heiligendamm wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
„Solche
Wechsel von einer Hotelkette können funktionieren“, sagt Bernd
Fischer, Präsident des Tourismusverbandes MV. Dafür gebe es im Land
Beispiele. So habe sich
Kempinski 2007 aus dem Grand Hotel Binz zurückgezogen. Das Haus sei
von einem Unternehmer weitergeführt worden, es läuft seitdem
erfolgreich. „Da ging nichts den Bach runter“, betont Fischer.
Das hoffen
auch die 306 Heiligendammer Hotel-Mitarbeiter. Sie wurden an den
letzten beiden Tagen über die Veränderungen informiert. Dennoch: „So
eine Namensänderung bedeutet für jeden Angestellten natürlich ein
Fragezeichen“, sagt Oliver Sembill, seit Jahresbeginn
Hotel-Direktor. Er
bestätigt, dass alles weiter laufe wie bisher – mit allen
Mitarbeitern. „Dieser Wechsel ist für mich ein spannender
Neuanfang“, meint Sembill.
Auf den
wartet man andernorts noch.
„Ich sehe den Wechsel relativ leidenschaftslos“, sagt Reriks
Bürgermeister Wolfgang Gulbis. Im Ostseebad besitzt die Fundus-
Gruppe seit 1998 die etwa tausend Hektar große Halbinsel Wustrow,
seit Jahren abgesperrt. „Wir hoffen, dass dort die ,Berliner Mauer’
verschwindet“, sagt Gulbis. Immer neue Versprechungen habe es
gegeben. Während in Heiligendamm von neuen Visionen gesprochen wird,
winkt Gulbis ab: Für die Halbinsel habe er „keine großen
Hoffnungen“.
„Ohne eine
internationale Gruppe im Rücken wird es schwierig“
Die
Hotel-Kette Kempinski zieht sich aus Heiligendamm zurück. Über
die Chancen des Grand Hotels, sich auch ohne Kempinski am Markt
zu behaupten, sprach die OZ mit dem Tourismus-Experten Professor
Edgar Kreilkamp von der Leuphana Universität Lüneburg.
OZ:
Wird der Standort Heiligendamm durch den Rückzug von Kempinski
einen Image-Schaden erleiden?
Kreilkamp:
Das glaube ich nicht. Betreiberwechsel sind in der Branche
absolut nichts Ungewöhnliches. Das kommt häufiger vor.
OZ:
Worauf muss der Eigentümer der Anlage, der Chef der Kölner
Fundusgruppe Anno August Jagdfeld, jetzt achten, wenn er keinen
Schiffbruch erleiden will?
Kreilkamp:
Der Erfolg hängt davon ab, ob der Eigentümer eine hochwertige
Hotelgruppe findet, die in Heiligendamm einsteigen will. Wichtig
ist auch, dass deren Konzept zum Standort passt.
OZ: Wer käme als neuer Betreiber in Frage?
Kreilkamp:
Es gibt weltweit einige Marken – etwa die US-amerikanische Kette
Ritz-Carlton Hotels oder hochwertige spanische Hotelgruppen –,
die eine solche Anlage betreiben könnten.
Allerdings könnten die internen Querelen, die zu dem Bruch
zwischen Kempinski und Jagdfeld geführt haben, andere Betreiber
vor einem Engagement abschrecken.
OZ: Fundus-Chef Jagdfeld hat angekündigt, dass er das
Hotel künftig selbst betreiben will. Sehen sie dafür Chancen?
Kreilkamp:
Ohne eine internationale Gruppe im Rücken wäre der erfolgreiche
Betrieb schwieriger zu gewährleisten. Dafür müsste man sich eine
renommierte Mannschaft einkaufen. Es gibt jedoch auch Beispiele
von großen Hotels, die von Inhabern erfolgreich geführt werden.
OZ: Haben Sie
selbst schon im Grand Hotel Heiligendamm eingecheckt?
Kreilkamp: Ja
– und ich war begeistert. Ich finde das Projekt einmalig. Und
ich bin überzeugt, dass es sich weiterentwickeln wird.
Interview: AXEL MEYER
|
Das Gesamtkonzept bröckelt: Die erste Villa wird einzeln an Privat
verkauft.
Bisher wollte
FUNDUS bzw. die ECH Heiligendamm als Gesamtheit entwickeln und
vermarkten. Es war zwar laut Jagdfeld selbst vorgesehen, das
Alexandrinen-Cottage als Wohnhaus Jagdfelds einzurichten aber offiziell
hieß es von Seiten der ECH, dass es dafür "mehrere Ideen aber kein
Konzept" gäbe. Alle anderen Villen im Westen des Ensembles standen
ebenfalls ohne Konzept aber mit Ideen leer. Nun wird eine davon an
Privat verkauft. Ist das das Ende des Gesamtkonzepts?
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar
2009 | Mecklenburg-Vorpommern
Heiligendammer Strandvilla an Versandhändler Otto verkauft
Heiligendamm (OZ)
Die Villa „Haus Brahn“, eins
von ursprünglich sieben Logierhäusern am Strand von Heiligendamm,
ist an einen Privatmann weiterverkauft worden. Das bestätigte
gestern die Heiligendamm-Entwickungsgesellschaft. Dem Vernehmen nach
handelt es sich bei dem Käufer um die Familie des Hamburger
Versandhändlers Otto.
Der
Verkäufer, die Fundusgruppe des Kölner Immobilienmoguls Anno August
Jagdfeld, hatte bislang immer betont, Heiligendamm per Gesamtkonzept
zur geschlossenen Hotelanlage ausbauen zu wollen.
|
Gemeint ist Haus "Krone". "Brahn" ist ja der
Kids Club. Die OZ wird das noch verbessern.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Das Gesamtkonzept bröckelt
Heiligendamm sollte ganz und öffentlich bleiben.
Längst ist das Seebad umzäunt, nun wird es stück- weise verkauft.
Bad Doberan Selbst
die glühendsten Verfechter der jetzigen Heiligendamm-Eigentümer
hatten gestern Mühe, die Fahne für ECH, Fundus, Jagdfeld und Co.
hochzuhalten. Der Rückzug des Hotelbetreibers Kempinski hat Zweifel
geweckt am Konzept, Heiligendamm mit einem einzigen Entwickler zu
einem abgeschlossenen Hotel-Resort zu auszubauen. Entsprechend trübe
auch die Stimmung bei den Hotelbeschäftigten. Ihre Unsicherheit, wie
es wohl weitergehen mag, war überall spürbar. Der Maulkorb, den die
Hotelleitung offensichtlich verhängt hatte, auch. Nichts sagen, am
besten, gar nicht erst ansprechen lassen.
Dafür
versprühte Martin R. Smura von der Grand Hotel Heiligendamm GmbH &
Co. KG umso mehr Optimismus.
„Klar geht es weiter“, und richtig sei der Weg, die „abgeschlossene
Hotelanlage“ weiter auszubauen. Wer nach Heiligendamm komme, wolle
Ruhe, „nicht begafft werden“. Man sei, gemeinsam mit den städtischen
Behörden, auf einem guten Weg, dieses Konzept auch zum Erfolg zu
führen. Dabei scheint gerade dieses Konzept zu bröckeln: Wurden
bislang alle Beschlüsse der Stadtvertretung unter eben jener Maßgabe
gefasst, dass Heiligendamm als Gesamt-Ensemble zu einem luxuriösem
Seebad entwickelt wird, ist die erste Villa bereits aus der
Gesamtheit herausgelöst worden. Wie ECH-Sprecherin Kirsten
Brasche-Salinger gestern auf OZ-Anfrage bestätigte, ist das Haus „Brahn“,
in dem bislang der „Kids Club“ untergebracht war, an einen
Privatmann verkauft worden. In aller Stille.
Dem
Vernehmen nach handelt es sich um die Eigentümer- Familie des
Versandhandels „Otto“. Was Brasche-Salinger nicht bestätigen wollte,
pfiffen die Doberaner Spatzen gestern von allen Dächern:
Danach soll es schon heute
im Hotel ein Treffen mit weiteren Immobilien-Interessenten geben.
KLAUS WALTER
|
Was immer wieder gern übersehen
wird: Das Land hatte ein halbes Jahrzehnt lang verzweifelt versucht,
Heiligendamm "loszuwerden".
Zuerst wurden die Häuser einzeln
ausgeschrieben und es meldeten sich auch Interessenten. Aber nur für all
die kleinen Villen.
Die Häuser "Berlin" (Grand
Hotel), "Mecklenburg", "Glück auf" (Burg) und das Kurhaus wollte keiner
haben.
Da aber gerade das
das Ensemble ausmacht und das Land nicht darauf sitzen bleiben wollte,
änderte es die Strategie und schrieb das Gesamtobjekt aus. Daraufhin gab
es nur noch zwei Interessenten, von denen der erste absprang und der
zweite FUNDUS heißt. Einzelheiten dazu finden Sie im Infokasten.
Das Land war froh und der Jubel
war groß, als der Vertrag mit FUNDUS zu Stande kam und es gab und gibt
keine Alternative zu einem Gesamtkonzept. Nachdem FUNDUS über 250
Millionen Euro investiert hat, sollte eigentlich kein Mensch mehr
darüber nachdenken.
Viele verstehen auch das Konzept
Jagdfelds nicht - weil er es nicht gut erklärt hat. FUNDUS ist eine
Fondsverwaltungsgesellschaft, deren einziger Zweck es ist, Geld
einzusammeln und damit Projekte zu finanzieren. Das geschieht über
Fonds, die bis 2005 auch für die Anleger attraktiv waren und weshalb
FUNDUS die 250 Millionen Euro ohne allzu große Probleme einsammeln
konnte. Mit einigen Gesetzesänderungen in 2005 wurden Fonds weniger
attraktiv und so musste FUNDUS auch auf die klassische Finanzierung -
erst verkaufen, dann bauen - zurück greifen. Die Entwicklung übernimmt
die FUNDUS-Tochter ECH, welche Heiligendamm am Markt orientiert
entwickelt. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und die Auslastung
bestimmt den Umfang. Mehr dazu im Infokasten.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Ist der Verfall der
„Perlenkette“ weithin sichtbar, rottet das Alexandrinen-Cottage, zu
DDR-Zeiten „Haus Weimar“, in aller Stille vor sich hin. Mitten in
einer verbotenen Zone: Umgeben von Landeswald und am europäischen
Küsten-Fernradwanderweg gelegen, beansprucht Fundus-Chef Anno August
Jagdfeld Villa und Umland für sich. Nur für sich, wie Absperrungen
und Zäune deutlich machen. Inzwischen sind auch etliche
Stadtvertreter der Meinung, dass der Weg „nie öffentlich“ war.
|
Die Meinung der
Stadtvertreter dürfte schwer zu belegen sein.
Auf alten Plänen und Karten
selbst aus tiefster DDR-Zeit taucht der Weg gar nicht auf.
Erst in den Wendewirren wurde er
mal eingezeichnet. Dennoch: Schwerin verneint letztlich die Existenz
eines offiziellen Weges durch den Wald.
Die Ostsee-Zeitung
nennt leider keine Namen der "etlichen Stadtvertreter", sodass wir nicht
wissen, wer da die Gelegenheit nutzen will, um längst beschlossene
Sachen in Frage zu stellen. Denn auch dies darf nicht vergessen werden:
Die ECH kann nicht ohne
Zustimmung der Behörden und letztlich der Stadtvertreterversammlung
irgendwelche Wege sperren und Waldstücke einfrieden. Wenn man nur ein
klein wenig darüber nachdenkt, welche Folgen es für die ECH hätte, Recht
und Gesetz zu missachten oder gar zu brechen und was für ein gefundenes
Fressen das für die Gegner des Projekts wäre und welche Argumente es
ihnen bei der Polemisierung der Massen bringen würde, wird klar, dass
die ECH es nie versuchen wird.
Leider fehlt es
sowohl Jagdfeld, als auch einigen Mitarbeitern der ECH und der
FUNDUS-Gruppe manchmal etwas an Sensibilität, sodass ihre eigentlich
völlig richtigen Aussagen manchmal überheblich herüber kommen. Da haben
die einheimischen Stadtvertreter einen kleinen Vorteil, weil sie genau
wissen, was welche Worte bei den Bürgern bewirken. Der Bürgerbund weiß
das ebenso:
Die erste Reaktion kommt
vom Bürgerbund:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Heiligendamm endlich
wiederbeleben
Bad
Doberan Seit Jahren kämpft der Bürgerbund Bad Doberan gegen
Zäune, Sperrungen und den fortschreitenden Verfall der historischen
Bausubstanz in Heiligendamm. Für Hannes Meyer vom Bürgerbund ist der
Rückzug von Kempinski nur „das Ende einer Kette von Ereignissen“.
Denn dass irgendetwas nicht stimmt, habe jedermann sehen können: der
ständige Wechsel der Hotelchefs, der Weggang des Spitzenkoches.
Seiner Ansicht nach lebt
Heiligendamm von der Lage an der See und vom einzigartigen
architektonischen Ensemble. Die Fundus-Gruppe und namentlich Anno
August Jagdfeld habe es geschafft, dieses Ensemble dem Verfall
preiszugeben und eine „Trutzburg“ zu errichten. Und nicht nur
Einheimischen den Weg zu den architektonischen und landschaftlichen
Schönheiten zu verwehren, sondern auch den eigenen Hotelgästen. „Das
ist zu kurz gedacht. Der Ort ist tot“, sagt Meyer. Die einzige
Chance, Heiligendamm zu retten, sei die Wiederbelebung des Ortes,
die Öffnung der Wege, der Einzelverkauf der Villen, um Vielfalt
zurück zu holen.
|
Was in der Zeitung
nicht zu lesen ist:
Die ECH hat bereits mit der Vermarktung der Perlen
begonnen, stieß dabei aber auf folgendes Problem:
Die Anzahl der in Heiligendamm
seitens der Behörden genehmigten Oberflächenstellplätze ist begrenzt und
würde im Bereich der Professor-Vogel-Straße nicht für alle Wohneinheiten
der Perlen reichen. Bis auf Villa "Anker" werden alle Villen sechs
Wohnungen - Anker nur fünf - beherbergen.
Der Gesetzgeber schreibt vor,
dass zu jeder Wohnung ein Stellplatz gehört und diesen könnte die ECH
nur am Fürstenhof neben der Kortüm-Straße anbieten. Da das für die
Käufer der Wohnungen in den Villen der Perlenkette unzumutbar ist und
potenzielle Käufer dies auch zu verstehen gaben, musste die ECH den Bau
einer Tiefgarage planen. Nur so kann sie die Wohnungen verkaufen und
erst wenn alle Wohnungen eines Hauses verbindlich verkauft sind und das
Geld zur Verfügung steht, kann die ECH mit dem Wiederaufbau des Hauses
beginnen.
Diese gängige Praxis
wird in Heiligendamm auch an der Kühlungsborner Straße angeboten, wo das
abgerissene Haus "Waldfriede" derzeit durch die JHI Immobilien als
"Residenz von Flotow" vermarktet wird. Wenn alle Wohnungen verkauft
sind, kann mit dem Bau der Residenz begonnen werden.
Die ECH steht
allerdings vor dem Problem, dass für die Wohnungen in der
Perlenkette kein dauerhaftes Wohnrecht gegeben ist.
Die Stadt müsste dieses erst
genehmigen, denn ohne dieses Wohnrecht darf der Käufer seine Wohnung
nicht ganzjährig und nur zu von der Stadt vorgegebenen Zeiten nutzen.
Natürlich ist das ein Unding und darum bemüht sich die ECH schon seit
2008 um ein dauerhaftes Wohnrecht für die Käufer der Wohnungen in der
Perlenkette. Außerdem bemüht sie sich um die Genehmigung einer
Tunnelgarage, die nicht nur die Stellplätze der Perlenkette, sondern
auch Service-Lager- und Kellerräume für die einzelnen Perlen enthalten
wird. Die Tunnelgarage schließt außerdem die geplanten Neubauten,
wie Ensemble-Palais, Ensemble-Villa und Thalasso-Zentrum an. Das
Thalasso-Zentrum erhält darüber hinaus eine eigene öffentliche
Tiefgarage.
Die ECH hat von 21
Entscheidungsträgern grünes Licht für den Bau der Tiefgarage erhalten
und die Beschlussvorlage musste nun nur noch Mehrheit in der
Stadtvertreterversammlung finden. Dort wurde aber zunächst nur über die
Einzelheiten diskutiert und Skepsis gegenüber den Plänen der ECH
signalisiert.
Und zu Thema
Einzelverkauf: Dazu ist es zu spät. Erstens, weil die ECH schon mit der
Vermarktung begonnen hat und zweitens, weil niemand einem Eigentümer
vorschreiben kann, wie er sein Eigentum nutzt, solange es rechtskonform
ist.
Wenn Sie eine Villa haben
möchten und das nötige Geld dafür und für die Sanierung haben, können
Sie sich an die ECH wenden und eine Villa einzeln erwerben. Das ist
überhaupt kein Problem. Das Problem ist nur, dass Sie
die Villa nicht zum dauerhaften Wohnen benutzen dürfen, weil die
Stadtvertreter dem noch nicht zugestimmt haben.
Dass die Villen noch immer
verfallen, ist also nicht der Untätigkeit der ECH geschuldet, sondern
den fehlenden Beschlüssen der Stadtvertreter Bad Doberans.
Kempinski ist weg
und jetzt geht es bergauf?
Nachdem Kempinski
Heiligendamm verlassen hat, ließ FUNDUS verlauten, dass die
Zusammenarbeit ohnehin beendet worden wäre und Kempinski dem nur zuvor
gekommen ist. FUNDUS war nicht zufrieden mit der Arbeit von Kempinski
und monierte insbesondere den schlechten Service und die Vermarktung
über Billiganbieter, wie Tchibo und TUI. Ohne Kempinski soll es nun
besser laufen:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 09. Februar 2009 | Mecklenburg-Vorpommern
Fundus will in
Heiligendamm 20 Millionen investieren
Fundus-Chef Jagdfeld kündigte nach dem Rückzug von Kempinski weitere
Investitionen für das Grand Hotel an. Unter anderem soll der
Wellnessbereich doppelt so groß werden.
Berlin/Heiligendamm (dpa)
Nach der Trennung von der
Kempinski AG will die Fundus-Gruppe (Düren/Nordrhein-Westfalen) laut
„Berliner Morgenpost“ 20 Millionen Euro in das Grand Hotel
Heiligendamm investieren. Die Gesellschafter hätten im Dezember eine
Kapitalerhöhung über 41 Millionen Euro beschlossen, sagte
Fundus-Chef Anno August Jagdfeld dem Blatt. „Die Hälfte geht in die
Tilgung aufgelaufener Schulden. Die anderen 20 Millionen Euro wollen
wir für Investitionen nutzen“, so Jagdfeld weiter. Allerdings seien
bis zum 15. Januar erst sechs Millionen Euro der angestrebten Summe
von den Altgesellschaftern gezeichnet worden.
Die
Kempinski-Gruppe hatte sich am vergangenen Dienstag aus dem
Management des Grand Hotels zurückgezogen. Der Hotelbetrieb soll
aber weitergehen. Nach den Worten des geschäftsführenden Direktors
Martin Smura steht das Haus vor „einem vielversprechenden Neustart“.
Der Streit zwischen der Betreibergesellschaft Grand Hotel
Heiligendamm GmbH und Co KG und Kempinski wird laut Smura vor
Gericht geklärt. Grund für das Zerwürfnis sei gewesen, dass es
Kempinski nicht gelungen sei, Gewinne zu erzielen.
Der
Geschäftsführer des Tourismusverbandes, Bernd Fischer, zeigte sich
gestern zuversichtlich, dass das Hotel Zukunft habe. „Die Trennung
von Kempinski ist kein Untergangssignal“, sagte er in Schwerin. Auch
das ehemalige Kempinski-Hotel in Binz auf Rügen laufe gut. Smura
hatte in der vergangenen Woche angekündigt, das Grand Hotel in
Heiligendamm werde in zwei Jahren Gewinne erzielen. Mit Ausnahme des
Jahres 2007, als der G8-Gipfel in Heiligendamm stattfand, habe das
Hotel seit seinem Start im Jahr 2003 Verluste in Millionenhöhe
geschrieben, sagte der geschäftsführende Direktor. Das Haus stehe
jetzt vor „einem vielversprechenden Neustart“.
Nach Angaben von Fundus-Chef
Jagdfeld soll der Wellnessbereich doppelt so groß werden. Zudem
sollen zwei Außenschwimmbäder sowie ein Sportzentrum, Tennisplätze,
ein Fußball- und Bolzplatz sowie ein Schaugarten entstehen. Zu den
vier vorhandenen Restaurants sollen drei weitere hinzukommen.
|
Auch wenn es komisch aussieht,
so ist es doch völlig logisch, warum man Kempinski nicht hinterher
trauern darf.
Es wäre ein falsches Zeichen,
jetzt von Verlust und Schmerz zu reden, auch wenn der Wegfall einer so
renommierten Marke genau das ist. Statt dessen muss jetzt das
Zeichen kommen, es selbst in die Hand zu nehmen und neu durchzustarten
und auch gleich neue Pläne zu nennen.
Sonst droht ein
Imageverlust für das Grand Hotel. Allerdings sind Jagdfelds
Erweiterungsankündigungen eigentlich wieder ein wenig voreilig, denn man
wird seine Worte natürlich auf die Goldwaage legen und mit dem Finger
drauf zeigen oder sie schlimmstenfalls gegen ihn verwenden, wenn 2010
noch nichts von den Plänen umgesetzt ist. Die meisten der Erweiterungen
müssen ja wieder von zwei Dutzend Ämtern und der SVV abgesegnet werden,
sodass vor 2010 gar nicht mit dem Bau zu rechnen ist. Jagdfeld setzt
wohl voraus, dass das alle wissen aber gerade das ist nicht der Fall.
So verstehen
nicht nur die Bürger seine Aussagen falsch, sondern auch Kempinski fühlt
sich diskreditiert:
Februar 2009:
Streit und schlechte Stimmung.
Scheidungen
verlaufen nicht immer friedlich. Besonders dann nicht, wenn es um
Millionen geht, die der eine vom anderen verlangt. So geschehen in
Heiligendamm, wo die Trennung von Kempinski einige bisher eher
verborgene Details ans Licht brachte:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 10. Februar 2009 | Wirtschaft
„Hotel-Monopoly“ vor
Gericht
Die Kempinski AG will
mit einer Klage gegen die Fundus-Gruppe erreichen,
dass der Fonds-Betreiber den Traditionsnamen Adlon ausschließlich
für das Berliner Nobel-Hotel verwenden darf.
Berlin (dpa) Im „Hotel-Monopoly“ zwischen der Kempinski AG
und der Fundus Gruppe hat sich der Streit erheblich verschärft und
wird wohl für längere Zeit die Gerichte beschäftigen.
Die Kempinski AG bestätigte
gestern eine Klage gegen Fundus, um die angeblich geplante
Übertragung des Namens Adlon auf andere Geschäfte als das Hotel
Adlon in Berlin zu verbieten. Der Konflikt war bereits in der
vergangenen Woche eskaliert, als die Kempinski AG die
Betriebsführung für das Grand Hotel Heiligendamm mit sofortiger
Wirkung gekündigt hatte.
Die Fundus
Gruppe (Düren) ist sowohl Eigentümer für das besonders durch den G
8-Gipfel international bekannt gewordene „weiße Haus“ an der Ostsee
als auch des Berliner Luxushotels am Brandenburger Tor. In einem
Interview („Berliner Morgenpost“) hatte Fundus-Chef Anno August
Jagdfeld am Sonntag zwar Aussagen des Kempinski-Vorstandsmitglieds
Markus Semer im Kern bestätigt, wonach die Adlon-Verträge bis 2016
laufen. Gleichzeitig hatte
Jagdfeld aber heftige Kritik an der Vermarktung durch Kempinski vor
allem für Heiligendamm, aber auch für das Adlon geäußert. Die
Adlon-Auslastung liege bei etwa 55 Prozent. „Und Kempinski verdient
gerade die Miete von ungefähr zwölf Millionen Euro im Jahr.
Leider nicht mehr“, sagte
Jagdfeld. Das Adlon habe „ein deutlich größeres Potenzial“. Einen
Überschuss über die zwölf Millionen Euro hinaus teilen sich Mieter
und Vermieter je zur Hälfte. „Darauf warten wir seit zehn Jahren“,
sagte Jagdfeld. In Heiligendamm habe die Auslastung für Vollzahler
nur bei 40 Prozent gelegen. Die Kempinski AG ihrerseits hatte Fundus
vorgehalten, für die vergangenen zwei Jahre die Managementgebühren
von 1,1 Millionen Euro nicht gezahlt und weitere Vertragsbrüche
begangen zu haben. Auch hier muss letztlich vor Gericht entschieden
werden.
Vor dem Landgericht Berlin
will die Kempinski AG erreichen, dass Fundus den Namen „Hotel Adlon“
ausschließlich für das gleichnamige Haus in Berlin benutzen darf. In
diesen Konflikt hat sich mit Percy Adlon inzwischen einer der
Adlon-Erben persönlich eingeschaltet. Laut einer Mitteilung der
Kempinski AG sagte Percy Adlon: „Fundus und ihre Pläne stehen im
Widerspruch zu allen unseren vorherigen Diskussionen und
vertraglichen Verpflichtungen zwischen der Adlon-Familie, der
Kempinski AG und Fundus.“ Im Streit um Heiligendamm hat die Fundus
Gruppe ihrerseits rechtliche Schritte gegen Kempinski angekündigt.
Die
Gesellschafter haben eine Kapitalerhöhung über 41 Millionen Euro
beschlossen. Davon sollen 20 Millionen in Heiligendamm investiert
werden. Von den 41 Millionen haben die Altgesellschafter bisher
sechs Millionen Euro gezeichnet, wie Jagdfeld gestern gegenüber Welt
online erklärte. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die restlichen 35
Millionen platzieren – von Vermögensverwaltungen, Versicherungen,
Stiftungen und betuchten Anlegern im Rahmen eines Private Placements“,
erklärte der Fundus-Chef.
|
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 25. Februar 2009 | Mecklenburg-Vorpommern
Schlechte Stimmung im Gipfel-Hotel?
Mitarbeiter des Grand-Hotels in Heiligendamm
berichten von Kündigungswellen. Stimmt nicht, sagt die Chefetage.
Heiligendamm (OZ) Im
feinen Grand Hotel Heiligendamm hängt offenbar der Haussegen schief.
„Hier haben alle Mitarbeiter Angst, demnächst ihre Kündigung zu
bekommen“, sagt eine Angestellte, die namentlich nicht in der
Zeitung genannt werden will. Vor allem gegen Ende des vergangenen
Jahres soll es regelrechte Kündigungswellen gegeben haben, berichten
ehemalige und jetzige Beschäftigte des Hotels, das als
Austragungsort des G 8-Gipfels weltweit bekannt wurde. Mitarbeitern
seien neue Verträge vorgelegt worden, allerdings zu schlechteren
Konditionen. So sei etwa die Wochenarbeitszeit für einige gelernte
Restaurantfachkräfte von 40 auf 48 Stunden erhöht worden. Das Gehalt
soll dagegen gesenkt worden sein. Langjährige Angestellte wären nach
dem Erhalt der Kündigung aufgefordert worden, das Hotel sofort zu
verlassen. Ein Sicherheitsdienst habe sie vom Gelände eskortiert,
anschließend sei ein Hausverbot ausgesprochen worden. Einen
konkreten Anlass für solche drastischen Maßnahmen habe es nicht
gegeben. Die Hotelleitung weist die Schilderungen zurück.
„Von großen Kündigungswellen weiß ich nichts“, sagt Sprecher Boris
Brabatsch. Im Gegenteil – man stelle weiteres Personal ein. Der
Vorwurf, dass sich die Bedingungen der Mitarbeiter verschlechtert
hätten, träfe ebenfalls nicht zu. Brabatsch: „2007 hat es sogar eine
Gehaltserhöhung gegeben.“
Wenn man sich von Mitarbeitern trennen müsse, sei das Hotel um faire
Umgangsformen bemüht. „Wenn dieser Mitarbeiter etwa mit heiklen
Daten zu tun hat, kann es sein, dass ein anderer Mitarbeiter dabei
ist, wenn er seinen Schreibtisch räumt“, sagt der Sprecher. Von
einer Sicherheitsdienst-Eskorte könne keine Rede sein. Einen
Betriebsrat gibt es für die mehr als 300 Beschäftigten des Grand
Hotels nicht, räumt Brabatsch ein. Allerdings habe sich ein
Mitarbeiterrat gebildet, der sich einmal im Monat zu einem Austausch
trifft. Die Bad Doberaner Landtagsabgeordnete Birgit Schwebs (Linke)
verlangt jetzt eine genaue Kontrolle, ob die Fundus-Gruppe,
Eigentümer und seit kurzem auch Betreiber des Hotels, die
Fördermittel-Auflagen einhält. Die Kempinski-Gruppe hatte
Anfang Februar die Bewirtschaftung des Hotels gekündigt (OZ
berichtete). Das Schweriner
Wirtschaftsministerium bestätigt auf Anfrage, dass es zurzeit
Gespräche zwischen dem Landesförderinstitut und Fundus-Vertretern
gebe. Und zwar darüber, was passiert, wenn die Auflagen nicht
eingehalten werden. Rund 50 Millionen Euro Steuermittel flossen über
das Land zu Fundus nach Heiligendamm – verbunden mit der Zusage,
eine bestimmte Anzahl von Arbeitsplätzen einzurichten. Diese Zusagen
würden alle erfüllt, hieß es gestern auf Nachfrage bei der
Fundus-Gruppe.
GERALD KLEINE WÖRDEMANN
|
Das alles trägt
natürlich nicht gerade zu einem guten Image für FUNDUS bei. Die
Kontrolle der Fördermittel-Auflagen ist zwar demokratisch korrekt aber
auch ein weiterer Stein im Weg.
Der Erfolg der ECH und damit FUNDUS ist erheblich von den Entscheidungen
abhängig, die die Stadtvertreter zu fällen haben. Es gibt eine klare
Reihenfolge, die im Grundlagenvertrag festgeschrieben ist: Erst das
Ensemble, dann die Perlenkette und dann der Rest. Alles steht und fällt
momentan also mit der Sanierung der Perlenkette und dazu ist nun einmal
die Tiefgarage notwendig.
März 2009: Kommt die
Tiefgarage?
Mit der Tiefgarage
steht und fällt der Baufortschritt in Heiligendamm. Kommt sie, kommen
Käufer und es fließt Geld für die Sanierung der Perlenkette. Kommt sie
nicht, bleiben auch die Käufer fern und die Perlenkette kann nicht
saniert werden. Das Fonds-Prinzip ist seit 2005 nicht mehr anwendbar.
Wurde der Wiederaufbau des Ensembles noch durch private Anleger und
Banken vorfinanziert, muss bei der Perlenkette jede Wohnung verkauft
werden, bevor mit der Sanierung begonnen werden kann. Nur: Kommt die
Tiefgarage?
|
OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 24. März 2009 | Titelseite Bad Doberan
Die
Hochwasserschutzwand vor der Perlenkette in Heiligendamm wurde
gestern abgebaut, die Einzelteile wurden eingelagert. Möglicherweise
war dies der vorerst letzte Einsatz der mobilen Wand.
Heiligendamm Das gestrige Wetter ließ es nicht unbedingt
vermuten – doch die „Sturmflutsaison“ ist vorbei. Sichtbares
Zeichen: Die mobile Hochwasserschutzwand in Heiligendamm wurde
abgebaut, die Leichtmetall-Elemente wurden eingelagert. Der Blick
auf die immer weiter verfallenden, historischen Villen der
Perlenkette ist nun wieder frei.
Möglicherweise war es der
letzte Abbau der 500 000 Euro teuren Küstenschutz-Einrichtung:
Stimmen nämlich am Montagabend Bad Doberans Stadtvertreter den
Änderungen der Bebauungspläne für Heiligendamm zu, und hält die
Heiligendamm-Entwicklungsgesellschaft (ECH) dieses Mal – anders als
bei zahlreichen anderen Investitionsversprechen – Wort, könnte an
Stelle der mobilen Schutzeinrichtung bald eine feste Mauer
entstehen. Diese – so die Pläne der ECH – soll zwischen Promenade
und Rasenfläche vor den Villen gebaut werden und steht im engen
Zusammenhang mit dem von der ECH geplanten Bau einer Tiefgarage
unter der Rasenfläche. War der Bau einer festen
Hochwasserschutzmauer 2003 noch aus denkmalpflegerischen Gründen
abgelehnt worden – die Sicht auf die Villen der Perlenkette würde
durch das 1,1 Meter hohe Bauwerk zu stark eingeschränkt, hieß es
damals zur Begründung – haben die Denkmalpfleger plötzlich nichts
mehr gegen die feste Wand. Weil zugleich die Promenade für den
Tiefgaragenbau um einen halben Meter angehoben werde, brauche die
Mauer nur 0,6 Meter hoch sein. Damit bliebe die Sicht auf das
historische Gebäudeensemble weitgehend frei, so die neue Begründung.
„Verloren
ist die mobile Schutzwand nicht – und damit auch nicht die halbe
Million Euro Steuergeld, die sie einst kostete“, sagt der für den
Küstenschutz in Heiligendamm zuständige Leiter des Staatlichen Amtes
für Umwelt und Natur (StAUN), Hans-Joachim Meier. Die Wand könne
überall für den Hochwasserschutz eingesetzt werden, auch
kurzfristig. Für den Bau der neuen Schutzwand müsse die ECH allein
aufkommen. Meyer: „Der Einsatz öffentlicher Gelder für den Neubau
ist ausgeschlossen.“
KLAUS WALTER
|
Ein paar Tage später
- am 30.03.2009 - soll die Beschlussvorlage die
Stadtvertreterversammlung passieren. 21 Behörden haben die Anträge
geprüft und ihnen zugestimmt. Die Zustimmung der Stadtvertreter ist
daher eigentlich rein obligatorisch.
März 2009:
Eine Einladung mit unabsehbaren Folgen.
Caroline Brandt
lädt ein und die Bürger kommen. Doch gerade die sind ja gar nicht
eingeladen:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 24. März 2009 | Titelseite Bad Doberan
Info-Abend zu
Heiligendamm
Bad
Doberan Bad Doberans
Stadtvorsteherin Caroline Brandt hat für morgen Abend in den
Ratssaal der Stadtverwaltung eingeladen. Die
Informationsveranstaltung „die Heiligendammer Beschlussvorlagen
betreffend“ beginnt um 18 Uhr. Es geht um den Bebauungsplan Nummer
30 und hierbei um die Gebäude „Marien-Cottage“ und „Haus Krone“. In
beide Logierhäuser sollen Appartements gebaut und einzeln verkauft
werden; dazu muss das dauerhafte Wohnen zugelassen werden. Außerdem
wurde in der Beschlussvorlage der Küstenwald um das
Alexandrinen-Cottage komplett ausradiert. Diskutiert werden soll
auch über den Plan 25 – den Bau der Tiefgarage, die damit verbundene
Anhebung der Promenade und den Neubau einer Sturmflutwand (siehe
auch nebenstehender Bericht). Mit ihrer Einladung knüpft Caroline
Brandt an die Tradition der Informationsveranstaltungen zu
Heiligendamm-Beschlüssen an, die bereits von ihrer Vorgängerin im
Amt, Anke Bitter, begründet wurde.
|
März 2009: Man sieht vor lauter Grünfläche die Bäume nicht mehr.
Pläne haben es in
sich. Wer - wie ich - bisher dachte, ein Bebauungsplan wäre ein Blatt
DIN A3, das man sich mal eben verkleinert kopieren lassen oder
wenigstens abfotografieren kann, der wird eines besseren belehrt, wenn
er so einen B-Plan sieht.

Das hier ist zum
Beispiel ein ganz kleiner Ausschnitt des Bebauungsplanes von 2004. Er
zeigt die grobe Planung Heiligendamms vergrößert auf ein Wandposter. Der
eigentliche Plan befindet sich in einer Mappe, die so dick wie ein Buch
ist und ausgebreitet ungefähr die Größe der Fläche eines Autodaches hat.
Der Ausschnitt Heiligendamms ist
auf diesem Plan nicht größer als eine Streichholzschachtel. Darum gibt
es dann auch Kartenausschnitte. Diese sind dann nach der Art dessen
gestaltet, worum es gerade geht. Der obige Plan zeigt Infrastruktur und
Tourismus, andere Pläne konzentrieren sich auf Bau und Architektur und
wieder andere auf Flächennutzung und Geologie. So einen
Ausschnitt mit Flächennutzung und Geologie - die farbloseste Variante
des Ausschnittes stellte die ECH den Stadtvertretern vor. Dieser Plan
enthält neben den Gebäuden und dem Wegenetz auch geologische Aspekte,
wie Erhöhungen und Vertiefungen und eben durchnummeriert jeden einzelnen
Baum. Jeden?
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 25. März 2009 | Titelseite Bad Doberan
Alexandrinen-Cottage
mit oder ohne Küstenschutzwald
Am
Montag findet um 18.15 Uhr die nächste öffentliche
Stadtvertreter-versammlung statt. Dabei geht es unter anderem um
Baumaßnahmen in Heiligendamm.
Bad Doberan Nachdem Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt
bereits für heute 18 Uhr zu einer „Informationsveranstaltung, die
Heiligendammer Beschlüsse betreffend“ eingeladen hat, findet die
nächste öffentliche Stadtvertreterversammlung am Montag 18.15 Uhr
statt. Dann erst sollen die Stadtvertreter jene Beschlüsse fassen,
die heute erläutert werden. Die Tagesordnung für Montag hat
allerdings noch mehr zu bieten. Unter anderem geht es um die
Fortschreibung des Verkehrskonzeptes für die Doberaner Innenstadt.
Dazu hatte eine „kennzeichenbezogene Verkehrszählung“ stattgefunden,
die Auskunft über die Höhe des sogenannten Quell- und Zielverkehrs
und den Durchgangsverkehr in Doberan gibt. Zwar war die Zählung zur
Lenkung des innerstädtischen Verkehrs gedacht, doch die Zahlen
dürften auch für das Projekt Ortsumgehung von Bedeutung sein.
Ein
weiterer Beschluss soll die Höhe der Eintrittsgelder für das Stadt-
und Bädermuseum regeln, und außerdem wird der Bericht der
Gleichstellungsbeauftragten, Annette Fink, erwartet. Zur
Einwohnerfragestunde wird die Sitzung um 19 Uhr unterbrochen.
Größeren Raum werden
voraussichtlich die Beschlüsse zu Heiligendamm einnehmen. Es geht um
den „B-Plan 25“, der unter anderem den Abriss und Neubau einer
Hochwasserschutzanlage regelt. Im Zuge des geplanten Baus einer
Tiefgarage vor der „Perlenkette“ soll eine feste Sturmflutwand
errichtet und die Promenade um einen halben Meter angehoben werden.
Noch 2003 war der Bau einer festen Sturmflutwand von der
Denkmalschutzbehörde abgelehnt worden (OZ berichtete).
Ebenfalls interessant könnte
die Diskussion um die Änderung des „B-Plans 30“ werden.
Vordergründig geht es dabei um die künftige Nutzung von zwei
denkmalgeschützten Gebäuden, dem „Haus Krone“ und dem „Marien-Cottage“.
Die bisherige Nutzungsmöglichkeit durch das Hotel soll dahingehend
erweitert werden, dass künftig auch das dauerhafte Wohnen in den
Gebäuden gestattet wird. In beide Gebäude will der Eigentümer ECH
Appartements einbauen, die dann einzeln verkauft werden sollen.
Interessant sind die beigefügten Planzeichnungen: Im bisherigen
Bebauungsplan 30 ist das „Alexandrinen-Cottage“, das sich im
persönlichen Eigentum von Anno August Jagdfeld befindet, noch von
dichtem Wald umgeben. In der neuen Planzeichnung ist der Wald
verschwunden, nur wenige Einzelbäume sind noch eingezeichnet.
|
Für die "verschwundenen" Bäume hat Herr
Schlag von der ECH eine gute Erklärung parat. In einem persönlichen
Gespräch am 25.06.2009 zeigte er mir die umstrittene Karte und klärte
den Irrtum auf. Es war nämlich
so, dass er für die Gestaltung des Hotelgeländes alle Bäume vermessen
und registrieren lassen hat, die sich auf diesem Areal befinden. Auch
südlich des Versorgungsgebäudes wurden viele Bäume auf diese Weise
erfasst, weil man sich bei der Planung nicht sicher war, ob die
Absenkung des Grundwassers sich auf die Bäume auswirken könnte. Durch
ein Einzeichnen dieser Bäume in eine Karte könnte man im Falle einer
Schädigung der Bäume genau sagen, welcher Baum wodurch geschädigt
würde. Die Bäume im Hotelpark und im Hotelareal mussten auch
eingezeichnet werden, um bei der Wegplanung und dem Landschaftsbau
berücksichtigt werden zu können.
Im Kleinen Wohld hingegen
sollen gar keine Bäume angetastet werden und daher war es nicht nötig,
alle Bäume zu vermessen und einzuzeichnen.
Nur deshalb ist diese Fläche scheinbar baumlos. Mit ein wenig Logik
kommt selbst ein Laie dahinter, dass es der ECH niemals möglich wäre,
einen ganzen Wald von vielen hundert Quadratmetern einfach abzuholzen
und dass es auch absolut keinen Sinn machen würde, da ja gerade der
Küstenwald den Reiz ausmacht. Die ECH wollte ja gerade diesen Wald
haben, um überhaupt Wald für die Gäste zu haben, zumal der Große Wohld
und der Kurwald an der Kühlungsborner Straße ja öffentlich bleiben und
es daran nichts zu rütteln gibt.
Thema Promenade:
Nicht die ganze Promenade soll 700 cm angehoben werden, sondern
ein kleiner Abschnitt vom Haus "Bischofsstab" Richtung Westen.
Dort befindet sich derzeit eine Senke und durch die Anhebung
dieser Senke hätte die Promenade sogar durchgehend gleiches Niveau.
Das ist nicht nur der
Tiefgarage geschuldet, sondern auch der Hochwasserschutzmauer, die ja
schließlich gerade und ohne Täler und trotzdem parallel zur Oberkante
der Promenade sein soll. Das ist nicht nur ein Schönheitsaspekt,
sondern in erster Linie ein Sicherheitsaspekt bei Sturmfluten.
März 2009: Die unabsehbaren Folgen einer Einladung: Zoff im Rathaus.
In der Ostsee-Zeitung ist eine kleine
Einladung zu einem Informationsgespräch im Rathaus abgedruckt.
Scheinbar dachten viele dasselbe, als sie diese Einladung gelesen
haben und machten sich darum auf den Weg ins Rathaus.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 26. März 2009 | Titelseite Bad Doberan
Bürger sauer: Info
zu Heiligendamm abgesagt
Bad
Doberan Zu einem Eklat
kam es gestern Abend vor und im Bad Doberaner Rathaus. Bürger, die
an einer Zusammenkunft der Stadtvertreter zum Thema Heiligendamm
teilnehmen wollten, wurden von Stadtvertretervorsteherin Caroline
Brandt des Hauses verwiesen. Weil die Bürger dem keine Folge leisten
wollten, sagte Brandt die Informationsveranstaltung kurzerhand ab.
Was war geschehen? Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt hatte
per Schreiben vom 10. März Stadtvertreter, sachkundige Einwohner,
Bürgermeister und Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) zu einer
„Informationsveranstaltung zu den Heiligendammer Beschlussvorlagen“
eingeladen (Vorlagen für die Stadtvertreterversammlung am 30. März;
d.Red.).
Offenbar auf den Grundsatz
der Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommerns vertrauend, dass
Gemeindevertreterversammlungen grundsätzlich öffentlich sind, hatten
sich rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger – darunter
zahlreiche Einwohner Heiligendamms und damit unmittelbar Betroffene
– ebenfalls zur Versammlung eingefunden. Aus dem Munde ihre
Stadtvertretervorsteherin mussten sie erfahren, dass die
Veranstaltung „nicht öffentlich“ und „nur für Stadtvertreter“
bestimmt sei. Weil die Bürger nicht verstehen konnten, warum eine
Versammlung der Stadtvertreter zu ihrem unmittelbaren Wohnumfeld
„geheim“ sein sollte, akzeptierten sie die Auskunft der
Stadtvertretervorsteherin nicht. Nach kurzer Diskussion sagte Brandt
die Veranstaltung ab.
Bereits im Vorfeld der
Sitzung hatten die Fraktionen von CDU und Bürgerbund den Versuch,
eine Informationsveranstaltung ohne Beteiligung der Öffentlichkeit
durchzuführen, scharf kritisiert. CDU-Fraktionschef Andreas
Unterfranz forderte Transparenz für alle Bürger bei so wichtigen
Beschlüssen. „Eine derartige Kungelei hinter verschlossenen Türen
gibt Grund zu Verdächtigungen, die der Gesamtmaßnahme Heiligendamm
mehr schaden als nutzen“, sagte Unterfranz. Er war der Einladung
Brandts nicht gefolgt, hatte dies auch seinen Fraktionsmitgliedern
empfohlen.
Hannes Meyer, Mitglied des
Bürgerbundes, zeigte sich überaus verwundert. Als seine Fraktion
einen Informationsabend für die Bürger forderte, hieß es, dass bis
Mitte April keine Termine zur Verfügung stünden. Meyer: „Jetzt aber
hatte die ECH ja doch einen Termin frei.“ Wohl lediglich die Bürger
störten. kw
|
Auf der Tagesordnung standen keine
nicht-öffentlichen Tagespunkte. Man hätte also spontan die Bürger hinein
lassen können.
Frau Brandt jedoch
verteidigt ihr rigoroses Vorgehen, das für viel Verstimmung nicht nur
bei den betroffenen Bürgern sorgte.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 27. März 2009 | Titelseite Bad Doberan
Brandt rechtfertigt
Rauswurf
Bad
Doberan Bad Doberans
Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt (CDU) hat gestern den
Ausschluss der Öffentlichkeit von der für Mittwochabend geplanten
„Informationsveranstaltung“ zu den „Heiligendammer
Beschlussvorlagen“ gerechtfertigt. Gegenüber OZ sagte Brandt, Bürger
hätten nicht teilnehmen dürfen, „weil es sich um eine
Informationsveranstaltung gehandelt“ habe. Zwar seien
„Stadtvertretersitzungen“ laut Kommunalverfassung öffentlich, die
„Informationsveranstaltung“ aber nicht. Wie sie erläuterte, sollten
die Stadtvertreter Gelegenheit bekommen, sich vor der Abstimmung am
Montag über die Pläne zu Heiligendamm zu informieren, „weil nicht
alle Abgeordneten an allen Auschusssitzungen teilnehmen können.“ Im
Gegensatz dazu hätten die Bürger das Recht, alle Ausschusssitzungen
zu besuchen. Die Termine würden per Internet
www.bad-doberan.de
veröffentlicht.
Brandt
hatte Stadtvertreter, sachkundige Einwohner, Bürgermeister und ECH
für Mittwoch zu einer „Informationsveranstaltung“ ins Rathaus
geladen. Als rund 30 Bürger, darunter Einwohner Heiligendamms,
teilnehmen wollten, verwies Brandt die Bürger des Hauses. Weil dies
ohne Erfolg blieb, sagte sie die Veranstaltung ab.
|
Der Rauswurf
verärgerte nicht nur die Bürger, sondern auch einige Stadtvertreter.
Durch die Diskussionen kam das eigentliche Thema zu kurz:
März 2009: Die Stadtvertreter lehnen Tiefgarage und
Wohnnutzung ab.
Es kommt zum Eklat.
Die Hiobsbotschaft 2009
verkündeten ECH-Geschäftsführer Hans Schlag und Hotelchef Oliver Sembill
persönlich:
Hans Schlag konstatierte: „So
können wir nun leider nicht mit der Sanierung der Perlenkette beginnen.",
fügte hinzu: "Das ist
auch schade für die Region, in der sich viele Handwerker und Baufirmen
Hoffnung auf neue Aufträge
gemacht haben, die sie gerade in
der jetzigen Zeit so gut hätten gebrauchen können“
und fasste zusammen: "Wie es
nun weitergeht, ist völlig offen".
Auch Hoteldirektor Oliver
Sembill zeigte sich enttäuscht:
„Von der Instandsetzung der
alten Strandvillen hätten auch wir als Hotel sehr profitiert. Denn dann
würde das Gesamtensemble wieder ein stimmiges Bild abgeben, das unsere
Gäste heute vermissen. Das Hotel bietet auch jetzt viele Vorzüge. Doch
natürlich hätte es uns der wiedererstandene Charme erleichtert, die so
wichtige Verbesserung der Auslastung des Hotels zu erreichen“.
|
Hintergrund: Wohnnutzung und Tiefgarage - warum damit alles steht
und fällt.
Ich möchte dieses wohl derzeit wichtigste Infokästchen diesmal
ganz persönlich einleiten.
Meine Ausführungen erfolgen aus dem Stand vom 01.07.2009. Als es
im März 2009 um die Tiefgarage ging, sah ich zwar dessen
Notwendigkeit ein, hätte sie aber lieber unter der
Professor-Vogel-Straße - also hinter der Perlenkette - gehabt, als
davor.
Ich habe mich an der öffentlichen Diskussion beteiligt und sah in
den Aussagen Hans Schlags lediglich einen weiteren Versuch, Zeit
zu schinden, um auf dem Rücken der Entscheidung der SVV die
Perlenkette nicht sanieren zu müssen. Andererseits stellte ich mir
die Frage, welches Interesse die ECH daran haben könnte, diese
Filetstücke verfallen zu lassen. Mein erster Gedanke war, dass sie
vielleicht gar kein Geld mehr hat und deshalb nicht sanieren kann
und auf Zeit spielt. Dazu passte ja, dass der Fonds nicht mehr
genug Einnahmen erzielt. Was ich einfach nicht wusste - da es in
den öffentlichen Diskussionen und der Berichterstattung einfach
verschwiegen oder nur vage angedeutet wurde - war, dass die ECH
die Sanierung gar nicht über den Fonds, sondern klassisch
finanzieren will.
Mir fehlten wie allen anderen auch wichtige
Informationen zum Verständnis der Situation. Erst viele Antworten
eines geduldigen Horst Gühler und ein dreistündiges Gespräch am
25.06.2009 mit der ECH brachte Klarheit und diese Informationen
möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
Welche Gebäude der Perlenkette
werden abgerissen und warum?
Seit 2005 liegen
Genehmigungen für den Abriss der Villen
"Perle", "Möwe" und
"Schwan" vor.
Die Villa "Perle" wurde auf Wunsch der Bundesregierung bereits
2007 vor dem G8-Gipfel abgerissen und die Villen "Möwe" und
"Schwan" folgen, sowie die ECH grünes Licht für die Vermarktung
der Villen als Wohneigentum und den Bau der Tunnelparkplätze hat.
Der Abriss wurde von den zuständigen Behörden genehmigt,
wenngleich sich dabei einige Denkmalschützer übergangen
fühlen. Als Begründung für die Herausnahme aus dem Denkmalschutz
gibt Schwerin an, dass die betreffenden Villen nicht mehr
schützenswert sind, da sie zu stark verfremdet wurden.
Wie Sie auf
den folgenden Bildern sehen können, ist das nicht gelogen.
Hätten Sie diese Villa wieder erkannt? Das ist der stolze Schwan.
So sah er vor 1945 aus und so wird er auch in Zukunft wieder
aussehen.
Das Bild stammt nämlich aus den Plänen der EntwicklungsCompagnie
Heiligendamm.

So sieht der Schwan heute aus. Dieses Erscheinungsbild hat er im
Laufe der 40jährigen
DDR-Zeit erhalten. Nach und nach wurde die Villa den Bedürfnissen
des Kurbades der
Werktätigen angepasst. Die Erhaltung von klassizistischen
Stilelementen, wie es die
Rundbogenfenster mit ihren vielen Sprossen, der Stuck und der
Zierrat sind, konnte
sich die DDR nicht leisten. Der Stuck ist stets das erste, was
bröckelt und wenn erst
genug Stuck abgefallen war, hat man den Rest einfach entfernt. Da
in der DDR genormte
Massenartikel besser und billiger zu bekommen waren, als
individuelle Einzelanfertigungen,
hat man - als genug Fenster marode und kaputt waren - die Rahmen
den vorhandenen
Massenartikeln angepasst und dann einfach diese Normfenster
eingebaut.
Das sah nicht nur nicht gut aus, sondern nahm dem Haus auch seinen
Charakter.
Da man damals schon jede Besenkammer brauchte, um dort ein Bett
hinein zu stellen,
wurden die Krüppelwalmdächer mit Dachgauben versehen, um mehr Raum
und gerade
Wände zu erhalten. So kam der Schwan zu seinem
nüchtern-schmucklosen Gesicht.

Dieselbe Gesichte erzählt Villa Möwe - neben dem Schwan und der
bereits fehlenden Perle
Abrisskandidat Nummer drei. Einst war dies ein schmuckvolles Haus
im alpenländischen Stil
mit Fachwerk und Türmchen, Schnitzereien, großen Glasflächen und
hübschen Balkonen.

Die Möwe musste von allen Villen den meisten Zierrat einbüßen.
Dafür durfte sie aber ihre klassizistischen Fenster behalten.
Man muss bedenken, dass die Perlenkette von Ost nach West gebaut
wurde.
Die Möwe ist also jünger als der Schwan. Dennoch ist ihr Zustand
heute schlecht.

Anders verhält es sich bei der Villa "Greif".
Als Nummer zwei von rechts ist der Greif immer im Bilde,
wenn man die Perle fotografiert. Das müssen sich auch die
Denkmalschützer gedacht haben und haben das Aussehen
vielleicht deshalb erhalten. Man muss aber auch sehen, dass
die Anpassungen der Villen nicht gleichzeitig, sondern stets
nach Bedarf erfolgte. Es wurde ausgebessert, wenn es nötig war.
Die Ausbesserungen erfolgten in verschiedenen Epochen und was
bis 1980 noch nicht verändert wurde, das hatte insofern Glück,
dass
durch die ICOMOS-Bewerbung Heiligendamms nun sensibel mit den
Gebäuden umgegangen wurde. Was natürlich auch eine Rolle spielt:
Der Greif ist das zweitjüngste Gebäude des historischen
Heiligendamms
und damit natürlich leichter zu erhalten.

Dieses Haus verlor zwar seinen Zierrat, wurde dafür aber
mit einer Dachgaube bereichert. Hier gab man sich sogar
die Mühe, optisch im Stil des Mittelrisalit zu bleiben und
organisierte sogar Einzelanfertigungen klassizistischer Fenster.
Auch der Stuck wurde erhalten und selbst die Fenster.
Das Haus sieht heute noch fast so aus, wie damals.

Da der Dachausbau durchaus Sinn machte, behält die ECH ihn bei. So
sieht die Villa "Greif"
zwar als einzige nicht mehr so aus, wie nach ihrer Fertigstellung
aber dennoch so, wie jeder
sie in Erinnerung hat. Die hohen alten Schornsteine werden bei
allen Villen wieder so wie
damals aufgesetzt, werden aber heute einen anderen Zweck erfüllen,
als damals.

Der Zustand der drei Abrisskandidaten ist sehr schlecht, sodass
eine Sanierung vielleicht nicht unmöglich ist aber zu aufwändig.
Es
würde daraus hinauslaufen, alles zu entkernen und auszuschaben und
schon aus brandschutztechnischen Gründen die Wände großflächig
auszutauschen. Im Endeffekt bleibt nichts altes mehr übrig. Ein
großer Teil der alten Substanz wurde schon zu DDR-Zeiten verformt
oder entfernt.
Der Rest hat in den letzten Jahren sehr gelitten. Wer schon einmal
ein altes Fachwerkhaus saniert hat weiß, dass ein Abriss einfacher
und billiger gekommen wäre. Hier einige Innenansichten der Villen.
|
Ich versuche, ein paar Innenansichten zu bekommen.
|
Hätte man die Villen nicht retten
können, indem man sie einfach eher saniert hätte?
Warum hat man die Perlen nicht schon längst saniert?
Das wäre sicherlich möglich
gewesen, wenn man mit der Sanierung gleich hätte beginnen können.
Aber der Vertrag zwischen Stadt und ECH schreibt vor, dass zuerst
die Hauptgebäude (Grand Hotel, Mecklenburg, Kurhaus und Burg)
saniert werden sollen und dann erst die restlichen Gebäude. Auch
sämtliche Neubauten darf die ECH erst nach oder mit Fertigstellung
der Perlenkette errichten.
Die Sanierung der Hauptgebäude konnte 2003 abgeschlossen werden,
sodass schon rein rechtlich gar nicht vor 2004 mit der Sanierung
der Perlen angefangen werden durfte. Alles gleichzeitig zu
sanieren, wäre finanziell nicht möglich gewesen und das wussten
alle Beteiligten schon vor dem Vertragsabschluss. Darum wurde
diese Reihenfolge ja auch festgelegt. Die Stadt wollte so
verhindern, dass der Investor alle Villen saniert und dann kein
Geld mehr für die Hauptgebäude hat.
Die ECH hat gleich nach der Fertigstellung der Hauptgebäude alles
in die Wege geleitet, um mit der Perlenkette beginnen zu können.
Erst 2005 wurde die Genehmigung für den Abriss dreier Villen
erteilt und erst 2006 wurde die Sanierung von der Stadt
abgesegnet.
Die ECH konnte nun mit der Finanzierung beginnen.
Da sich aber die Gesetzeslage für Fonds im Jahre 2005 geändert hat
und dadurch die steuerlichen und erbrechtlichen Vergünstigungen
für geschlossene Immobilienfonds wegfielen, konnte FUNDUS nicht
mehr genug Anleger vom Fonds überzeugen und bekam somit nicht mehr
genug Geld für die Sanierung zusammen. Eine Finanzierung allein
über Kredite war auch nicht möglich, da Banken kaum noch
Immobilien kreditieren.
Das bedeutet, dass die ECH nicht wie geplant die Villen erst
sanieren und dann als Suiten vermieten konnte.
Also musste klassisch finanziert werden. Die klassische
Finanzierung läuft grob beschrieben so ab, dass ein detaillierter
Plan eines Hauses erstellt wird, der sofort umsetzbar ist und von
den Ämtern genehmigt werden muss. Liegt die Genehmigung vor,
beginnt der Projektentwickler, die einzelnen Wohnungen zu
vermarkten. Das bedeutet, dass er Verträge mit Leuten abschließt,
die ihm den Kaufpreis für eine Wohnung bezahlen, die noch gar
nicht existiert. Das ist gar nicht so problematisch, wie es
klingt. Im Gegenteil: So werden fast alle Apartmenthäuser und
Wohnanlagen finanziert. Mit plastischen Modellen, die abnehmbare
Geschosse haben und mit Präsentationen am Computer kann sich der
Käufer ein genaues Bild von seiner zukünftigen Wohnstätte machen.
Er kann sogar eigene Wünsche äußern, wie zusätzliche Wände oder
Durchgänge.
Das macht den Kauf einer Wohnung in der Perlenkette z.B.
attraktiver, als den Kauf einer schon bestehenden Wohnung irgendwo
in Deutschland.
Warum soll in den Villen der
Perlenkette Wohnnutzung erlaubt werden und was genau bedeutet das?
In Heiligendamm gibt es nun die Besonderheit, dass die Perlenkette
zum Sondergebiet Hotel gehört und daher in den Villen nur
Hotelzimmer, Suiten oder sonstige Hotelangebote entstehen können.
Die ECH darf nicht einfach Wohnungen daraus machen und diese dann
verkaufen oder vermieten. Das heißt: Sie darf es schon aber die
Käufer dürfen ihre Wohnungen dann nicht ganzjährig bewohnen, da
dies dem Hotelkonzept widerspricht.
Die ECH könnte die Wohnungen auch als Hotelzimmer vermieten aber
diese müssten dann mehr kosten, als die teuerste Suite und
Heiligendamm ist noch nicht der Ort, wo man sich für 73.000 Euro
Miete im Jahr dauerhaft niederlässt. Das Kempinski Hotel
"Atlantic" hat seinen Udo Lindenberg, der für ungefähr diesen
Betrag dort wohnt aber das Atlantic liegt mitten in Hamburg und
ist für Udo optimal. Und auch das Atlantic hat nur Udo als
Dauergast. Heiligendamm müsste dann ganze 35 solcher Stammgäste
finden, damit sich die Sanierung bezahlt macht.
Darum kann man die Perlen nicht vermieten, sondern muss sie
verkaufen. Und zwar mit so vielen Wohnungen wie es nur geht. Alle
Perlen werden darum 6 Wohnungen beherbergen. Außer Villa "Anker",
wo man nur 5 Wohnungen unterbringen kann, weil sonst eine keinen
Balkon hätte.
Um aber die Wohnungen verkaufen zu können, muss die ECH den
Käufern auch garantieren können, dass sie dort wohnen können, wann
und wie lange sie wollen. Dazu muss die Wohnnutzung genehmigt
werden und genau das ist bisher nicht geschehen. Darum kriegt die
ECH keine einzige Wohnung verkauft und darum bekommt sie kein Geld
und darum kann sie nicht sanieren. Eigentlich ganz einfach.
Übrigens: Für die westlichen Cottages (Krone, Marie und
Alexandrine) gibt es die Erlaubnis der Wohnnutzung.
So konnte die ECH dann für die Krone auch erfolgreich einen Käufer
finden, der das Haus sogar selbst saniert.
Die zukünftige Nutzung der Alexandrine als Wohnhaus der Familie
Jagdfeld ist ein offenes Geheimnis.
Warum kann die ECH nicht erst bauen
und dann vermarkten?
Lassen wir die ECH selbst sprechen. In der 3. Ausgabe der
hauseigenen Zeitung "Zukunft Heiligendamm" klärt Geschäftsführer
Zimmermann auf:
|
Info: Geänderte Gesetzeslage
Bis zum Herbst 2005
war es
möglich, große Immobilienprojekte
über geschlossene Fonds zu
finanzieren. Doch seit einer Gesetzesänderung
ist dieser Finanzierungsweg
für Immobilienfirmen
weitgehend verschlossen. Grund:
Weil die Bundesregierung die
Steuervorteile bei geschlossenen
Immobilienfonds gestrichen hat,
investieren weniger Anleger in diese
Anlageform.
Früher konnten Investoren
eventuelle Anfangsverluste
einer Beteiligung steuerlich
geltend machen. Dies führte dazu,
dass Anleger eher dazu bereit waren,
mögliche Risiken bei der finanziellen
Beteiligung an einem
Immobilienprojekt einzugehen. Seit
dem Wegfall des Steuerprivilegs
müssen Immobiliengesellschaften
andere Finanzierungswege für
ihre Projekte suchen – oder ganz
klassisch den größten Teil der geplanten
Objekte nach der Bestimmungen
des Bauträgergeschäfts
vor Baubeginn vermarkten. Dann
regelt die gesetzlich vorgegebene
Makler- und Bauträgerverordnung
(MaBV) die weitere Finanzierung.
|
Schritt für
Schritt zum Ziel
Von Heiner
Zimmermann
Wer
sich schon sein Eigenheim gebaut hat weiß: Ohne eine solide
Finanzierung geht dies nicht.
Um die Perlenkette in der Weißen Stadt neu aufzubauen,
braucht die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH)
ebenfalls viel Geld. Anders als etwa beim Wiederaufbau des
Grand Hotels stammen die Mittel aber nicht aus einem Fonds,
sondern kommen direkt von den Käufern der
Strandvillen-Appartements – ganz so, wie es auch beim
privaten Hausbau üblich ist. Warum Fonds-Finanzierungen
nicht mehr möglich sind, lesen Sie im Infokasten.
Über den Wiederaufbau der Perlenkette sind viele falsche
Gerüchte im Umlauf – besonders die Finanzierung des
Großprojektes ist umstritten. Dabei ist sie denkbar einfach
und zudem branchenüblich.
Der Neuaufbau der
Perlenkette, um den sich die ECH kümmert, ist entgegen
manchem Vorurteil keine undurchsichtige Angelegenheit.
Im Gegenteil: Die ECH arbeitet so wie alle vergleichbaren
Bauträger.
Erster Schritt vor Erwerb eines Grundstückes, ob bebaut oder
unbebaut, ist die Klärung seines Wertes.
Dabei spielen Lage, Baurecht, die Möglichkeiten der Nutzung,
der Markt sowie die Aussichten, das Haus tatsächlich
verkaufen zu können, eine wichtige Rolle. Ist das Ergebnis
positiv, geht es an die Kalkulation:
Wie viel eigenes Geld ist erforderlich, wie viel muss an
Krediten aufgenommen werden.
Klarer Ablauf
Jetzt wird es etwas
komplizierter. Denn in der Regel gibt es eine
Zwischenfinanzierung.
Hier stellt etwa eine Bank in der Phase des Eigenheim-Baus
das nötige Geld zur Verfügung.
Der Bauherr muss daher nur nach dem konkreten Baufortschritt
Geld überweisen. Er hat damit auch die Sicherheit, dass er
nur das bezahlt, was tatsächlich gerade verbaut wird.
Gesetze regeln dieses Verfahren sehr detailliert – zum
Schutz des Häuslebauers. Die bauende Firma muss ihrerseits
gegenüber der Bank genau darlegen, wie die einzelnen
Bauabschnitte finanziert werden.
Das heißt andersherum: Der Bauträger kann nicht erst nach
Fertigstellung eines Hauses nach Käufern suchen.
Denn der Markt kann sich plötzlich ändern, womit das Haus
auf einmal nicht oder nur unter hohen Verlusten verkäuflich
wäre. Weil es stets um viel Geld geht, wäre so die Existenz
des Bauträgers gefährdet.
Auch völlig solide Firmen können daher nicht mit eigenem
Geld und mit Krediten in Vorleistung gehen.
Das war in wirtschaftlich guten Jahren nicht der Fall. Und
das ist in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und auch
danach erst recht unmöglich. |
|
Ein Bauträger kann nicht erst nach Fertigstellung eines
Hauses nach Käufern suchen.
Steht die Finanzierung,
wird das Haus im dritten Schritt erworben. Das Baurecht
bestimmt die konkrete Planung. So schreibt die Gemeinde etwa
vor, wie viele Geschosse ein Haus haben bzw. wie hoch es
maximal werden darf. Jetzt gibt es erstmals konkrete Skizzen
und Pläne, die dem Bauherrn im Detail aufzeigen, wie sein
Haus aussehen soll. Danach wird der Bauantrag gestellt und
die Baugenehmigung von der Stadt eingeholt. Im vierten
Schritt wird festgelegt, welche Handwerker aus den
unterschiedlichen Gewerken benötigt werden. Sie machen
Angebote, dann werden die Zuschläge erteilt.
Lange Zeitschiene
Im Unterschied zum privaten Häuslebauer geht es bei
Großprojekten wie dem Wiederaufbau der Perlenkette jetzt
auch für den Vertrieb in die heiße Phase.
Er bereitet die Unterlagen vor und leitet den Verkauf in die
Wege. Üblich ist, dass es mit dem Bau losgeht, wenn rund die
Hälfte der gesamten Baumaßnahme verkauft ist. Der Rest wird
während oder nach Fertigstellung verkauft. Zwischen erster
Idee und Baubeginn liegt wenigstens ein Jahr, bis zur
Fertigstellung
können drei bis vier
vergehen. Diese lange Zeitschiene verdeutlicht, wie wichtig
es ist, die richtige konzeptionelle, finanzielle und
vertriebliche Strategie zu entwickeln. Die ECH tut genau
das. Dass sie es kann, hat sie bereits beim Bau des Grand
Hotels bewiesen.
|
Wozu braucht die Perlenkette eine
Tiefgarage?
Die Perlen aus dem
Sondergebiet Hotel zu nehmen, ist die eine Sache. Damit dürften
die Käufer der Wohnungen dann dauerhaft in ihren Wohnungen wohnen.
Das nächste Problem trat bei der Planung der Villen auf. Das
Gesetz schreibt vor, dass zu jeder neu gebauten Wohnung auch
mindestens ein Stellplatz gehört. Da die Perlen aber bis auf
Schwan allesamt nie Parkflächen hatten, hätte man die ganzen
Fahrzeuge - mindestens 35 - irgendwie in der
Professor-Vogel-Straße unterbringen müssen, um sie am Haus zu
haben.
Das aber erlaubt die Stadt Bad Doberan nicht und dafür gibt es
gute Gründe. Weil im Osten alle Parkplätze öffentlich sind und
bleiben, konnte man die Autos nur im Westen Heiligendamms
unterbringen. Das geplante Demmler-Palais gegenüber des Hotels
beansprucht schon die ganze eigene Tiefgarage für sich. Außerdem
ist das zu weit weg. Eine von einem Planungsbüro vorgeschlagene
Parkpalette im Kurwald hinter der Perlenkette wurde von Stadt und
ECH gleichermaßen gleich wieder verworfen.
So blieb nur noch der Parkplatz hinter dem Fürstenhof. Das
bedeutet, dass man als Bewohner einer Perle erst einmal ein paar
hundert Meter laufen muss, um zum Auto zu gelangen. Unter diesen
Umständen würden selbst billigste Wohnungen nicht verkauft werden
können - selbst Mieter würden sich dafür kaum finden. In der
Großstadt sieht man darüber hinweg aber in Heiligendamm braucht
man ein Auto und daher auch einen ortsnahen Stellplatz.
Lange Rede kurzer Sinn: Kein Mensch will eine Wohnung kaufen,
solange die Stellplätze nicht direkt am Haus sind.
Die ECH bleibt also auf ihren Wohnungen sitzen. Keine Käufer, kein
Geld, keine Sanierung.
Also hat die ECH sich alle Mühe gegeben, um ein Konzept
auszuarbeiten, das einerseits den Wünschen der Käufer gerecht
wird, die Autos direkt am Haus zu haben und andererseits den
Forderungen der Stadt, keine weiteren Stellplätze an der
Oberfläche zu schaffen. Das Ergebnis ist eigentlich völlig klar
und logisch: Eine Tiefgarage.
Wie wird die Tiefgarage aussehen?
Auf dem folgenden Bild ist
die Tiefgarage - die sich eigentlich "Tunnelparkplatz" nennt - in
ein Satellitenbild eingezeichnet.
Sie wird vom Westbalkon der Perle bis zum Ostturm des
Thalassozentrums reichen, dabei aber die Gebäude aussparen und in
der Breite variieren.
Im Grunde sind es sogar zwei Tiefgaragen, die da geplant sind. Die
Zufahrt erfolgt im Osten von der Seedeichstraße aus und von dort
gelangt man in die erste Tiefgaragenfläche unter dem
Thalasso-Zentrum. Über einen geschwungenen Tunnel geht es dann in
die zweite Tiefgaragenfläche vor der Perlenkette. Während die
erste Tiefgaragenfläche öffentlich und für jedermann nutzbar ist,
bleibt die zweite den Bewohnern vorbehalten.
Aber der Tunnelparkplatz wird kein reines Parkhaus sein. Er wird
auch Serviceeinrichtungen und Lagerräume der Perlenkette und des
Hotels beherbergen und somit die fehlenden Keller einiger Perlen
ersetzen. Auch die Leitungen und Kabelschächte verlaufen hier
drinnen entlang und sogar die Hotellogistik zwischen Ensemble und
Thalassozentrum wird durch diesen Tunnelparkplatz unter der Erde
verschwinden, sodass die im Hotel-Gelände gebräuchlichen
Elektromobile hier gar nicht oberirdisch zum Einsatz kommen.

Es gab Befürchtungen, dass die Häuser unterhöhlt werden und
dann auf der Tiefgarage stehen sollen.
Das ist aber weder vorgesehen, noch nötig.
Der Zugang zu den
Stellplätzen wird über die bestehenden Treppenhäuser realisiert.
Bis auf die Perle werden alle Häuser unterkellert sein.
Einige von
ihnen sind es ja bereits und genau dort.
Wo man heute in die
Keller kommt, gelangt man dann in Zukunft auch in die Tiefgarage.
Auf dem folgenden Plan ist das sehr gut zu erkennen.
Die farbigen
Formen sind die Villen und die weißen Einbuchtungen sind die
Treppenhäuser.

Hier noch einmal im Großformat: Perle, Greif und Möwe.
Greif
und Möwe bekommen noch vorgelagerte Wirtschaftsräume.

Die Zufahrt erfolgt über das Thalasso-Zentrum.
Nach links geht es in das öffentliche Parkhaus und geradeaus in
das private.

Es muss wohl erwähnt werden, dass das öffentliche Parkhaus
unter dem Thalasso-Zentrum nicht von einem Besuch im
Thalasso-Zentrum abhängig sein wird. Es ist einfach eine
öffentliche Tiefgarage, wie sie jede größere Stadt mehrere hat.
Die ECH ist nicht dazu verpflichtet, öffentliche Parkplätze zu
schaffen. Sie tut es hier, weil sie mit dem Thalasso-Zentrum auch
durch Nicht-Hotelgäste Geld verdienen kann und diesen Gästen
Parkplätze zur Verfügung stellen muss. Dennoch bindet sie das
Parken nicht an die Nutzung des Thalasso-Zentrums.
Das garantiert eine gute Auslastung und damit verdient die ECH
dann auch an den Nicht-Hotelgästen und den
Nicht-Thalasso-Besuchern.
Das Argument, dass die Thalasso-Tiefgarage ein Ausgleich für den
durch den Bau des Thalasso-Zentrums wegfallenden Parkplatz ist,
stimmt so nicht. Die Fläche ist bereits im Besitz der ECH und dass
es dort überhaupt einen öffentlichen Parkplatz gibt, beruht auf
Gegenseitigkeit.
Der adäquate Ersatz für den bestehenden Sandparkplatz existiert
bereits im Großen Wohld am ehemaligen Jagdhaus.
Die ECH darf also
jederzeit die Stadt bitten, den Parkplatz in der
Professor-Vogel-Straße aufzulösen. Sie darf auch jederzeit die
Perlenkette komplett einzäunen und den Zugang zur
Professor-Vogel-Straße verbieten. Solange ihr dazu aber kein Grund
gegeben wird, verzichtet sie darauf. Dennoch wird es in Zukunft
keine öffentliche Professor-Vogel-Straße mehr geben können, denn
wenn der Besucherstrom schon vor den Wohnungen entlang fließt,
kann er nicht auch noch dahinter entlang verlaufen. Allerdings
räumt Herr Schlag auch ein, über das Ob und Wie einer Barriere
zwischen dem öffentlichen und dem privaten Teil Heiligendamms erst
nachzudenken, wenn die Bauten fertig sind und die neue Situation
ausreichend analysiert ist.
Wozu muss die Promenade angehoben
werden?
Die Promenade als Ganzes
muss überhaupt nicht angehoben werden. Es gibt derzeit eine Senke
zwischen dem Haus Bischofsstab und dem Seebrückenplatz. Die
höchsten Stellen der Promenade befinden sich an ihrem westlichen
Ende vor dem Haus "Mecklenburg" und im Osten vor dem Haus
"Bischofsstab. Das ist auch der Grund dafür, dass die Mauer, die
schon am Ortseingang Heiligendamms beginnt und an der Seeseite der
Promenade entlang verläuft, mit jedem Meter Richtung Westen ein
Stück kleiner zu werden scheint und dann schließlich im Sand
endet.
Bei starkem Regen oder Hochwasser bildet sich bis zum Abfließen
eine Pfütze auf der Promenade.
Dieser Bereich soll auf das Niveau
der restlichen Promenade angehoben werden.
Einmal, damit man in
der Tiefgarage eine gerade Decke einziehen kann und zum anderen,
weil es küstenschutztechnisch einfach mehr Sinn macht, eine
durchgehend gleich hohe Mauer gegen Wind und Wasser zur Verfügung
zu haben.
Da die Mauer mit der Promenade wieder einen halben Meter nach oben
kommt, wird sie vor der Villa "Möwe" in Zukunft genau so hoch
sein, wie vor dem Haus "Mecklenburg und dem Haus "Bischofsstab".
Die Promenade war in ihrer jetzigen Form ohnehin noch nicht das
Endprodukt und das dürfte jedem klar sein, der sie schon einmal
beschritten hat:
Im Osten finden wir eine mit Asphalt und später Steinen befestigte
Promenade vor und der Seebrückenplatz und auch das eingezogene
Stück der Promenade vor dem Haus "Mecklenburg" ist mit
Steinplatten befestigt. Zwischen Bischofsstab und Seebrücke jedoch
wurde die Promenade nicht gepflastert, sondern mit verdichtetem
Split befestigt. Genau dieses Stück soll jetzt angehoben werden.
Geplant war das also schon vor Jahren bei der Fertigstellung der
Promenade. Nun jedoch trägt die ECH die Kosten dafür. Damals
hätten Stadt und StAUN es selbst bezahlen müssen.
Besteht durch den Tiefbau Gefahr
für die Häuser, wie in Köln?
Die Gefahr eines Einsturzes ist heutzutage sehr gering.
Während in Köln unter Straßen und Häusern hindurch gebohrt und
ausgeschachtet wurde, entsteht der Tunnelparkplatz vor den Villen
und nicht darunter. Es wird jeweils von den Kellern der Villen aus
Gänge geben, die in die Tiefgarage führen. Das ist allein schon
aus brandschutztechnischen Gründen unabdingbar. Dadurch, dass
unter keiner bestehenden Mauer gegraben wird, kann auch keine
bestehende Mauer einstürzen. Alle Villen, die neue Kellerräume
bekommen - das sind genau die, die abgerissen werden - werden ja
ohnehin neu errichtet, sodass sie aus der Tiefgarage heraus
entstehen und dieselben Fundamente haben, wie die Tiefgarage
selbst.
Übrigens: Es gibt drei Bäume, die der ECH im Weg stehen und für
die bisher Bestandsschutz galt. Auch das war ein Streitpunkt.
Allerdings sollte erwähnt werden, dass
außer den drei Bäumen sowieso alle Hecken und Bäume
verschwinden müssen, da sie einfach im Weg stehen. Das ganze Areal
wird von Landschaftsgärtnern neu gestaltet. Es wird neue Hecken,
Rasenflächen, Büsche, Blumenrabatte und Bäume geben und zwar mehr,
als es jetzt der Fall ist. Zudem musste die ECH sich bereits bei
der Vertragsunterzeichnung zu Ausgleichsanpflanzungen für
wegfallende Bäume verpflichten und ist der Verpflichtung längst
nachgekommen.
Planzeichnungen der Häuser mit
freundlicher Genehmigung der ECH. (C) AMJ Design Berlin, Rebecca
Panke, Archiv Rochow (2).
Planzeichnungen der Tiefgarage mit freundlicher Genehmigung der
ECH (C) INROS Lackner und EntwicklungsCompagnie Heiligendamm.
Alle Erklärungen und Beschreibungen erfolgen nach bestem Wissen
und Gewissen, Stand Juli 2009. Änderungen und Irrtümer
vorbehalten. |
Soweit zu den Erklärungen.
Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der Stadtvertreter für
Dauerwohnrecht und Tiefgarage mit allen Konsequenzen.
Doch es kommt alles ganz anders:
Streit in Bad Doberan. Stillstand in
Heiligendamm.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 31. März 2009 | Titelseite Bad Doberan
Heiligendamm-Beschlüsse gekippt
Bad Doberans
Stadtvertreter kippten gestern Abend die Änderungsanträge für die
Bebauung in Heiligendamm.
Tiefgarage, Sturmflutmauer und Wohnnutzung sind nun vorerst vom
Tisch.
Bad Doberan Nach
teilweise heftig geführter Diskussion und unter großer Anteilnahme
der Öffentlichkeit haben die neuerlichen Änderungsanträge zur
Bebauung in Heiligendamm keine Mehrheit gefunden. Die
Änderungsanträge zum Bebauungsplan Nummer 25 (Zulassung der
Wohnnutzung in Haus Krone und Marien-Cottage) und Nummer 30 (unter
anderem Bau einer Tiefgarage, Anhebung der Promenade und Bau einer
feste Sturmflutmauer) sind damit in ihrer jetzigen Form abgelehnt.
Für- und Gegenstimmen bzw. Enthaltungen zu beiden Anträgen hielten
sich in der namentlichen Abstimmung die Waage. Damit fehlte den
Anträgen die nötige Majorität. Kontrovers ging es gleich zu
Beginn der Sitzung zu. Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt
trug eine Stellungnahme zu den Ereignissen im Rathaus vom 25. März
vor. Brandt hatte Abgeordnete, sachkundige Bürger, Bürgermeister und
ECH zu einer „Informationsveranstaltung“ zu den Heiligendammer
Beschlüssen eingeladen und löste die Versammlung auf, als Einwohner
daran teilnehmen wollten. Brandt erklärte gestern, die Veranstaltung
sollte Stadtvertretern die Möglichkeit geben, letzte Fragen zu den
Beschlüssen zu klären. Die Bürger könnten sich in den
Ausschusssitzungen informieren. Der Abgeordnete Dieter Abeling
stellte fest, dass dies die persönliche Meinung der
Stadtvertretervorsteherin sei, nicht die der Stadtvertretung.
Klaus-Peter Behrens vom Bürgerbund betonte, ihn hätten Bürger nicht
gestört, und Horst Gühler sagte, dass eine solche Veranstaltung für
Abgeordnete überflüssig gewesen wäre, es habe nichts mehr zu
diskutieren gegeben. In der Bürgerfragestunde musste Bürgermeister
Polzin zu seiner Information an das Bundesverkehrsministerium über
eine angebliche Zustimmung zur Ortsumgehung Stellung nehmen (OZ
berichtete). Polzin verteidigte sein Vorgehen. Stadtvertreter Frank
Pieplow widersprach, es es sei um Kurortstatus und
Verkehrsberuhigung gegangen, zudem hätten im Vorfeld die
Stadtvertreter ihr Nein zur Ortsumgehung bekräftigt.
Info:
Ausführlich zur Stadtvertreterversammlung in der morgigen Ausgabe.
|
Jubel in
den Medien. Der Bürgermeister in Bedrängnis.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 01. April 2009 |
Sieg für Bürger
Heiligendamms
„Woher soll das Geld
diesmal wieder nicht kommen“, fragte Klaus-Peter Behrens
(Bürgerbund) und hatte die bitteren Lacher auf seiner Seite.
Montag stritten die Stadtvertreter um die Zukunft Heiligendamms.
Bad Doberan Vorletzte Stadtvertretersitzung vor der
Kommunalwahl am Montagabend im Bad Doberaner Rathaus: Zahlreiche
Bürger waren gekommen, und etliche machten ihrem Unmut Luft. Familie
Friedemann aus Heiligendamm brachte es auf den Punkt: „Nach fünf
Jahren ihrer Tätigkeit fühlen wir uns von ihnen nicht vertreten.“
Die Sitzung am Montag zeigte jedoch ganz klar, dass keineswegs alle
Stadtvertreter auf einer Linie liegen:
Weil die neuerlichen
Änderungsanträge zu den Bebauungsplänen Nummer 25 und 30 keine
Mehrheit fanden, sind u.a. der Bau einer Tiefgarage, einer festen
Sturmflutmauer und das dauerhafte Wohnen im Marien-Cottage und Haus
Krone vorerst vom Tisch (OZ berichtete gestern). Der Abgeordnete des
Bürgerbundes, Klaus-Peter Behrens, machte zum Beispiel darauf
aufmerksam, dass 40 Heiligendammer vor Jahren aus ihren Wohnungen in
den Villen gekündigt wurden, weil es damals hieß, dass das
dauerhafte Wohnen in einem Hotelkomplex nicht mehr möglich sei. „Wie
wollen sie diesen Bürgern erklären, dass wir das Wohnen jetzt wieder
zulassen“, fragte Behrens. Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) hatte
gleich die Antwort parat. In den Verträgen mit den neuen Eigentümern
der Wohnungen solle festgehalten werden, dass sie wesentliche
Dienstleistungen vom Hotel kaufen müssten, erläuterte Polzin. Die
Beschlussvorlage zur Wohnnutzung der Villen – der Eigentümer ECH
möchte Eigentumswohnungen darin errichten und einzeln verkaufen –
hatte es aber noch an ganz anderer, scheinbar nebensächlicher Stelle
in sich: Die Planzeichnungen zu diesen Beschluss zeigen das
benachbarte Alexandrinen-Cottage, Privateigentum von Anno August
Jagdfeld, auf einer baumlosen, privaten Grünfläche – nicht mehr
umgeben vom Küstenschutzwald. Dies erwecke den Anschein, dass der
Wald abgeholzt werden solle, waren sich mehre Abgeordnete und
Bürger, die in der Bürgerfragestunden dazu nachfragten, einig.
Statt
selbst Antwort zu geben, ließ Bürgermeister Polzin den Architekten
und ECH-Planer Dr. Frank Mohr für sich sprechen.
Mohr bezeichnete die
Abholzung des Waldes als „vorsätzliche Falschaussage“, und betonte,
die Umwidmung des Waldes in eine Grünfläche sei bereits von den
Stadtvertretern zu einem früheren Zeitpunkt beschlossen worden. Mohr
versuchte zu verdeutlichen, dass die Karte bereits auf geltenden
Beschlüssen beruhe und lediglich die Umnutzung der Villen „neu“ sei.
Bürgerbund-Fraktionschefin Inge Meyer hielt entgegen, dass die
Kartendarstellung durchaus „Interpretations-Spielräume“ zulasse,
auch für den Eigentümer der Fläche. Meyer: „Außerdem: Eine
Grünfläche ist kein Wald.“ Stadtvertreter Harry Klink (FDP) stellte
klar, dass die Stadtvertreter 2007 auch beschlossen hätten, dass
kein Baum im Wald abgeholzt werden dürfe, und ein zehn Meter breiter
Baumbestand am Steilufer erhalten bleiben müsse. Klink machte so auf
einen andere Umstand aufmerksam: „Tatsächlich geht es hier erneut um
die Aussperrung der Öffentlichkeit“, stellte der Stadtvertreter
fest. „Ein Wald, ganz gleich in wessen Besitz, darf laut Waldgesetz
in Mecklenburg-Vorpommern von jedermann betreten werden. Eine
private Grünfläche nicht.“ Klink kündigte an, seine Partei werde die
Rechtmäßigkeit der Umwidmung des Waldes vor dem Alexandrinen-Cottage
überprüfen lassen, und den Beschluss gegebenenfalls in der neu zu
wählenden Stadtvertreterversammlung korrigieren. Klink stellte im
Anschluss an den Bericht des Bürgermeisters eine kleine Anfrage zu
den Nebentätigkeiten des Bürgermeisters. Der Stadtvertreter will
öffentlich machen, in welchen Aufsichtsgremien Bürgermeister Polzin
sitzt, was er in diesen Gremien verdient, was er davon an die Stadt
abführt, und ob für die Nebentätigkeiten Genehmigungen vorliegen.
Die Anfrage übergab Klink an die Stadtvertretervorsteherin.
Ebenso kontrovers diskutiert
wurde die sehr komplexe Beschlussvorlage („Änderung des B-Plans Nr.
25“) zum Bau von Tiefgarage, Sturmflutmauer, Thalasso-Zentrum und
anderem. Die Abgeordneten des Bürgerbundes und einzelne Vertreter
aus anderen Fraktionen zweifelten die Sinnhaftigkeit des Baus einer
Tiefgarage vor den Villen der „Perlenkette“ an. Sie forderten, dass
im Falle ihres Baus die Wiederherstellung der Promenade und der
Sturmflutmauer auch gesichert sein müssten, wenn der Investor
während der Bauphase pleite gehe – und zwar kostenneutral für die
Stadt. Angesichts vieler anderer bislang nicht verwirklichter Pläne
fragte Klaus-Peter Behrens vom Bürgerbund: „Woher soll das Geld
diesmal wieder nicht kommen?“
Keiner der beiden Beschlüsse erhielt in der namentlichen Abstimmung
die erforderliche Mehrheit.
KLAUS WALTER
|
Anmerkung: Zum "abgeholzten" Wald haben Sie
weiter oben bereits die Erklärung gelesen.
Auch warum es nicht weiter
geht, wissen Sie bereits. Die "vielen anderen
nicht verwirklichten Pläne" haben sich die Stadtvertreter - und zwar
alle, die mit "nein" gestimmt haben - selbst zuzuschreiben. Die ECH dafür
verantwortlich zu machen, darf als Stimmungsmache oder auch
Wahlkampftaktik angesehen werden. Die ECH muss darauf reagieren:
Die ECH
fühlt sich missverstanden.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 02. April 2009 |
ECH: „Stadtvertreter
blockieren Sanierung“
Nach
ihrer Absage an die neuerlichen Pläne für Heiligendamm weist die ECH
den Stadtvertretern die Schuld am weiteren Verfall der Perlenkette
zu.
Bad Doberan Als
„vertane Chance für Heiligendamm“ bezeichnete Hans Schlag,
Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), die
Entscheidung der Bad Doberaner Stadtvertreter vom Montag gegen Bau
einer Tiefgarage und die Umnutzung von Hotelbauten zum dauerhaften
Wohnen. „So können wir nun leider nicht mit der Sanierung der
Perlenkette beginnen“, bedauert ECH-Geschäftsführer Schlag. Das sei
schade für die Region, in der sich viele Handwerker und Baufirmen
Hoffnung auf Aufträge gemacht hätten. Schlag: „Wie es nun
weitergeht, ist völlig offen.“ Für Friedrich Keding von der Fraktion
Die Linke war diese Reaktion vorhersehbar. „Die suchen doch nur nach
einen Vorwand. Angeblich hängt nun alles von der Tiefgarage ab...
Das glaubt doch niemand mehr“, sagt Keding. „Es war der
größte Fehler von Bund und Land, ganz Heiligendamm an einen
Einzelinvestor zu verkaufen.
Warnemünde und Kühlungsborn wachsen, Heiligendamm verfällt.“
Ähnlich sieht es Hannes Meyer vom Bürgerbund.
„In den letzten sechs Jahren
hat nur Stillstand oder Abbruch in Heiligendamm stattgefunden –
obwohl es einen regelrechten ,B-Plan-Überschuss’ gibt“, sagt Meyer.
Bislang hätten die Stadtvertreter allen Plänen der ECH zugestimmt.
Es sei „ziemlich witzlos“, wenn Schlag jetzt so tue, als hätte die
ECH morgen mit der Sanierung der Villen begonnen. Das glaubten weder
Bürger noch Firmen aus der Region, der Vertrauensvorschuss sei
aufgebraucht. Es sei allgemein bekannt, dass die ECH oder Fundus
nirgendwo mehr Kredit bekomme, und auch, dass die Investoren des
Hotels ungehalten seien wegen der gebrochenen Rendite-Versprechen.
Meyer: „Seebad und Hotel können nur funktionieren, wenn es Leben und
Abwechslung gibt. Beides hat die ECH verhindert.“
Horst Gühler, Fraktion
Christlich Demokratische Gemeinschaft (CDG), zeigt für die
Verärgerung der ECH Verständnis. „Wir haben die ECH vor Jahren
gewarnt, Pläne ohne Stellplätze zu machen. An eine Tiefgarage haben
wir natürlich nicht gedacht“, sagt Gühler. „Das aber als alleinigen
Grund für das Scheitern anzugeben, ist höchst fraglich.“ Birgit
Mersjann, SPD-Fraktionschefin, bedauert die Entscheidung der
Stadtvertreter. „Lieber hätte ich die ECH mit einem Ja endlich in
Zugzwang gesetzt. Dass sie uns nun den Schwarzen Peter zuschieben
kann, hätten wir so verhindert.“ Nach wie vor aber gebe es einen
gültigen B-Plan, die ECH könnte handeln. Stadtvertretervorsteherin
Caroline Brandt (CDU) sieht das anders: „Wir haben der ECH
Handschellen angelegt. Ohne unsere Zustimmung kann sie kein
Wohneigentum verkaufen, also auch kein Geld einnehmen für die
Sanierung der Villen.“ Der FDP-Stadtvertreter Harry Klink hält
dagegen, dass der ECH das Baurecht für die Villen seit 1997
vorliegt. „Jetzt spielt die ECH – das ist der Immobilienhändler
Jagdfeld – die Unternehmen der Region, Hotel, Anleger und
Kommunalpolitiker für private Gewinnziele gegeneinander aus und
schürt bewusst Arbeitsplatzängste.“ Klink glaubt, dass Hotel,
Klinik und Pensionen eine gemeinsame Zukunft in Heiligendamm haben.
Er hofft, dass diesbezügliche Absprachen endlich eingehalten werden.
Dass der Wiederaufbau der
Perlenkette „vollkommen offen“ ist, wie ECH-Chef Schlag behauptet,
scheint offenbar richtig zu sein. Die zum G8-Gipfel abgerissene
Villa „Perle“ sollte damaligen Versprechen zufolge zum jetzigen
Zeitpunkt wieder aufgebaut sein. Statt dessen ist nicht nur Gras
über den Standort gewachsen. Nach OZ-Informationen liegen der ECH
zwischenzeitlich auch Abrissgenehmigungen für die Villen „Möwe“ und
„Schwan“ vor.
KLAUS WALTER
|
Das übliche Spiel:
"Unsinn entlarven".
Nummer eins:
Für Friedrich Keding von der Fraktion Die Linke war diese
Reaktion vorhersehbar.
„Die suchen doch nur nach einen Vorwand. Angeblich hängt nun alles von
der Tiefgarage ab...
Das glaubt doch niemand mehr“, sagt Keding.
Natürlich
glaubt das der ECH niemand mehr. Wenn jeder Bürger immer wieder in den
Zeitungen liest und in den öffentlichen Sitzungen hört, dass die ECH
ganz allein Schuld daran ist, dass es nicht weiter geht und die ECH sich
nicht ausreichend dagegen positioniert bzw. ihre Positionierungen
ungehört bleiben, dann muss der Bürger ja glauben, was in den Zeitungen
steht und was die Stadtvertreter sagen. Er kann nur die Informationen
verarbeiten, die er bekommt und da er falsche Informationen bekommt,
sind auch die Schlussfolgerungen zwingend falsch.
Noch einmal zum Verständnis: Die ECH baut nicht aus Spaß eine teuere
Tiefgarage. Sie hat ihre Gründe und diese Gründe kennen Sie.
Sie können davon ausgehen, dass auch die Stadtvertreter diese Gründe
kennen. Jeder Stadtvertreter ist nur sich selbst verpflichtet.
Stimmt er der
Tiefgarage zu, kann die ECH die Perlenkette vermarkten und mit dem Geld
sanieren. Lehnt er ab, kann sie es nicht.
Nummer zwei - auch Herr Keding:
„Es war der größte Fehler von Bund und Land, ganz Heiligendamm
an einen Einzelinvestor zu verkaufen.
Auch hier sind Sie als Leser im Bilde.
Ein Einzelverkauf hätte
bestenfalls dazu geführt, dass alle Villen chic saniert sind und die
vier Hauptgebäude verfallen da stehen. Wer hätte das Ensemble denn bis
2003 so sanieren können, wie die ECH - wer hätte 250 Millionen Euro
investieren können?
Als Stadtvertreter
darf man zwar seine persönliche Meinung sagen aber wenn man es in
Gegenwart der Medien tut, sollte man seine persönliche Meinung auch als
solche kennzeichnen. Andernfalls kommt da nur Unsinn bei heraus. Der
Analyse hält Kedings Meinung jedenfalls nicht Stand.
Nummer drei - noch einmal Herr Keding:
Warnemünde und Kühlungsborn wachsen, Heiligendamm verfällt.“
Man könnte es auch so ausdrücken: Der
Strandkorb ist weiß. Der Elefant trinkt. Das eine hat mit dem anderen
nichts zu tun.
Kühlungsborn und Warnemünde
hatten keine 19 zusammenhängenden Häuser (plus 11 weitere), die über 2
Jahrhunderte alt sind, ein stimmiges Gesamtensemble ergeben und stets
und bis zuletzt fast einheitlich genutzt wurden. Die beiden Orte hatten
kein zusammenhängendes Objekt am Fuß kleben, das fast 90% ihrer
Stadtfläche ausmachte. Die beiden hatten auch nicht mit ca 80%
Leerstand zu kämpfen. Wer solche Vergleiche anstellt, an dem
muss Heiligendamms Geschichte vorbei gegangen sein. Kühlungsborn und
Warnemünde sind Städte und das, was wir allgemein als "Heiligendamm"
bezeichnen, ist ein Objekt in einem Stadtteil einer Stadt. Wenn man
Heiligendamm als Stadt sehen möchte, dann sei der Hinweis erlaubt, dass
niemals Kühlungsborn oder Warnemünde zum Verkauf standen - nur
Heiligendamm. Und betrachtet man Heiligendamm als Stadtteil, kommt
dasselbe bei heraus: Der Stadtteil Bad Doberans (Heiligendamm) stand zum
Verkauf. Der Stadtteil Rostocks (Warnemünde) und Kühlungsborn als ganzes
standen nie zum Verkauf.
Heiligendamm ist komprimiert und muss auf wenigen Quadratkilometern das
bieten, was Kühlungsborn und Warnemünde auf vielen Quadratmetern bieten
können.
Darum sollten gerade die Stadtvertreter, wie Herr Keding einer ist, ihr
Augenmerk auf die Entwicklung dessen in Heiligendamm richten, was nicht
FUNDUS gehört. Es ist nicht damit getan, eine Rehaklinik und ein Hotel
dort ansiedeln zu lassen und nur zu fordern aber selbst nichts zu tun.
Heiligendamm stand in der
Geschichte immer wieder davor: Wachsen oder scheitern. Man hat sich
immer für das Wachsen entschieden. Wenn die Stadt 80% Heiligendamms an
FUNDUS verkauft, muss sie entweder die verbleibenden 20% verdammt
attraktiv gestalten und zur Goldgrube machen oder die Grenzen
Heiligendamms erweitern und das Hinterland bebauen, um auf mehr Platz
weniger attraktive Angebote ansiedeln zu können, die im Mix dann auch
eine Goldgrube werden.
Die Bad Doberaner Stadtvertreter aber verlassen sich auf die Investoren
und erwarten einfach zu viel. Ein Immobilienmakler konzentriert sich auf
seine Immobilie und das nähere Umfeld. Wenn er persönlich engagiert ist,
beteiligt er sich auch aktiv an Wirtschaftsverbänden oder der Politik.
Aber weder muss er das, noch kann man das von ihm erwarten.
Solange im Umfeld nichts seine
Immobilie schädigt, muss er auch das Umfeld nicht verändern und wenn er
es nicht tut und auch die Stadt es nicht tut, dann tut es eben keiner.
Nummer vier:
Ähnlich sieht es Hannes Meyer vom Bürgerbund.
„In den letzten sechs Jahren hat nur Stillstand oder Abbruch in
Heiligendamm stattgefunden – obwohl es einen regelrechten
,B-Plan-Überschuss’ gibt“, sagt Meyer. Bislang hätten die Stadtvertreter
allen Plänen der ECH zugestimmt. Es sei allgemein bekannt, dass die ECH
oder Fundus nirgendwo mehr Kredit bekomme, und auch, dass die Investoren
des Hotels ungehalten seien wegen der gebrochenen Rendite-Versprechen.
Die ECH versucht seit 2004, die
Perlenkette zu sanieren. Konzept eins - Finanzierung über den Fonds -
scheiterte an einer Gesetzesänderung.
Konzept zwei - Finanzierung über Banken - scheiterte - da hat Herr Meyer
Recht - an der Ablehnung der Banken. Konzept drei nun ist die klassische
Finanzierung - Wohnungsverkauf und Sanierung aus den Erlösen. Genau um
dieses Konzept ging es in der Sitzung und dieses Konzept hat die SVV
abgelehnt. Dass sich in den letzten 6 Jahren nichts getan hat, ist also
erklärlich und dass es nun nicht weiter geht, hat die SVV sich
zuzuschreiben.
Ein B-Plan-Überschuss
kommt übrigens zu Stande, wenn man vom Investor immer wieder
Nachbesserungen verlangt. Die Kosten für so einen Plan liegen im
sechsstelligen Bereich und die ECH erstellt solche Pläne nicht aus
Langeweile. Hier ist viel Populismus in den Aussagen erkennbar.
Nummer fünf:
Der
FDP-Stadtvertreter Harry Klink hält dagegen, dass der ECH das Baurecht
für die Villen seit 1997 vorliegt. „Jetzt spielt die ECH – das ist der
Immobilienhändler Jagdfeld – die Unternehmen der Region, Hotel, Anleger
und Kommunalpolitiker für private Gewinnziele gegeneinander aus und
schürt bewusst Arbeitsplatzängste.“
Harry Klink hat offenbar
übersehen, dass das Baurecht nur ohne Tiefgarage vorliegt und die
Notwendigkeit der Tiefgarage nicht erkannt.Die ECH kann ohne Tiefgarage die
Wohnungen nicht vermarkten, wodurch kein Geld für die Sanierung fließen
kann.
Ob die ECH jemanden gegeneinander ausspielt, ist der persönlichen
Meinung überlassen aber wenn Hans Schlag "Jetzt herrscht Stillstand"
sagt, kann man das auch interpretationsfrei als Aussage hinnehmen.
Denn egal, was man in seine Aussage hinein interpretiert: Es herrscht
wirklich Stillstand.
Wie man sieht, bedarf
es nicht vieler Worte, um "Unsinn" zu reden. Aber es ist ja auch
möglich, dass die betreffenden Stadtvertreter einfach nicht richtig
informiert waren. Die Bürger und die Medien waren es ja auch nicht.
Schließlich hat sich kaum einer die Mühe gemacht, die ECH um Erklärungen
zu bitten und in öffentlichen Sitzungen kam die ECH nicht immer
ausreichend zu Wort und wenn sie einmal in Versammlungen Erklärungen
versuchte, kam es nicht selten zu hitzigen Diskussionen, in denen die
Erklärungen untergingen.
Die Folgen dieser
mangelnden und teilweise einfach falschen Informationen aus den Mündern
einiger Stadtvertreter und aus der Feder einiger Zeitungsreporter und
Leserbriefschreiber werden in dem Augenblick sichtbar, als die
Ostsee-Zeitung zur öffentlichen Meinungsäußerung aufruft und die Leser
reagieren:
Die OZ will
es wissen: Was sagen die Bürger dazu?
Titulierte die
Ostsee-Zeitung gerade noch "Sieg für die Bürger Heiligendamms" ist sie
nach dem Einbrechen der ersten Flut Leserbriefe nicht mehr so sicher, ob
sie damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat.
Schnell wird klar, dass die
Meinungen sehr unterschiedlich sind und die Wut der Bürger sich gar
nicht nur gegen die ECH richtet. Auch die Stadtvertreter stehen in der
Kritik, besonders auch der Bürgerbund und selbst Schwerin und Berlin
bekommen ihr Fett weg.
Auch
Ostsee-Zeitung muss Kritik einstecken: Ihr wird Medienhetze gegen den
Investor vorgeworfen. Um sich nicht rechtfertigen zu müssen, lässt das
große Lokalmedium die Bürger für sich selbst sprechen und fordert sie
zur Diskussion heraus:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 02. April 2009 | Titelseite Bad Doberan
Am Montag
haben Bad Doberans Stadtvertreter einem von vielen geplanten
Vorhaben der ECH nicht zugestimmt. Haben die Stadtvertreter damit
den Aufbau Heiligendamms verzögert oder gar verhindert? Was meinen
Sie?
Bitte,
schreiben Sie uns !
OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan,
Alexandrinenplatz 1a, 18209 Bad Doberan, E-Mai:
lokalredaktion.bad-doberan (at) ostsee-zeitung.de
|
Planänderungen und
noch mehr Verwirrungen.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 04. April 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Kein Teich, dafür
mehr Möbel
Heiligendamm Mit dem vorläufigen Ende der Frostperiode konnten
die Arbeiten im Kurwald von Heiligendamm wieder aufgenommen werden.
„Die Ortsbegehung hat ergeben, dass der Frost keine Schäden an den
bislang geleisteten Arbeiten hervorgerufen hat“, sagte Hans Schlag,
technischer Geschäftsführer der ECH Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH), die den Ausbau in Auftrag gegeben hat.
„Sofern das Wetter
mitspielt, werden die Arbeiten im Frühjahr abgeschlossen sein.“ Die
ECH teilte mit, dass es zwei Änderungen an den Ausbauplänen gibt,
über die der städtischen Bauausschuss informiert wurde: Der südlich
der Kirche geplante Teich werde auf Grund der von ihm ausgehenden
Gefahren für die Kapelle und wegen des hohen Pflegeaufwandes, der
der Stadt in der Zukunft entstehen würde, entfallen. Darüber hinaus
werde die Möblierung des zentralen Platzes, an dem die drei
Hauptwege zusammengeführt werden, verbessert. Hier sei eine Lösung
gefunden worden, die mehr Sitzplätze und somit eine höhere
Aufenthaltsqualität für Besucher und Besuchergruppen, des Kurwaldes
schaffe.
Alle
anderen Festlegungen (Wegeführung, Bepflanzung, Wasserläufe,
Umgehung des Sondergebietes Hotel) bleiben laut ECH unverändert und
werden nach den Beschlüssen der Stadtvertreter vom Juli 2008
umgesetzt. Die Bauleitung dafür obliegt seit März dem
Landschaftsplanungsbüro „Adolphi & Rose“ aus Wismar.
|
Die ECH sorgt sich um
den Pflegeaufwand städtischer Liegenschaften.
Was wie eine nette
Geste aussieht, rührt vielleicht von der Befürchtung her, dass es bald
wieder wüst aussieht, wenn die Stadt mit dem Pflegeaufwand nicht
hinterher kommt.
April 2009: Schwerin sagt, wo der Fernradwanderweg verläuft: Durch
Hotelgelände.
Der
Fernradwanderweg verläuft vom Atlantik bis zur östlichen Ostsee meistens
am Wasser entlang. In Heiligendamm verlief dieser Weg von der
Seedeichstraße kommend über die Promenade in den Küstenwald, vorbei am
Alexandrinen-Cottage mit seiner Aussichtsplattform und den Bänken zur
Rast, um dann den Kleinen Wohld zu verlassen und über Wittenbeck,
Kühlungsborn und Rerik weiter gen Osten zu ziehen. Seit der Sperrung des
Küstenwaldes ist diese Route unterbrochen. Wo verläuft sie denn nun
eigentlich lang? Familie Friedmann aus Heiligendamm wollte es wissen und
hakte in Schwerin nach:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 04. April 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Staatskanzlei gibt
Radweg E 9 frei
Die
Staatskanzlei hat eine Karte zum Verlauf des Fernradwanderweges
vorgelegt. Danach müsste der Hotelkomplex in Heiligendamm öffentlich
passierbar sein.
Heiligendamm Auf der
einen Seite die großzügige „Umwidmung“ von landeseigenem
Küstenschutzwald zur abgesperrten „privaten Grünfläche“ für einen
Einzelnen, den Immobilienhändler Anno August Jagfeld. Auf der
anderen Seite lange Umwege für Touristen, Klinikpatienten und
Einheimische zum Strand, und halsbrecherische Kletterpartien auf
einem „Steg“ als Wegersatz an der Küste. Familie Friedemann aus
Heiligendamm wollte die immer stärkeren Einschränkungen der
Freizügigkeit in ihrem Wohnort nicht länger hinnehmen. Sie wandten
sich an den Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern,
Erwin Sellering (SPD). Offenbar mit einem Teilerfolg – zumindest,
was den Verlauf Europäischen Fernradwanderweg E 9 anbetrifft. Nach
einem Gepräch mit Sellering und Absprachen mit Mitarbeitern der
Staatskanzlei erhielten Friedemanns am 24. März Post aus der
Staatskanzlei. Inhalt: die Karte mit dem aktuellen Verlauf des
Fernradwanderweges. Danach ist es wohl offenbar Tatsache, dass der
Weg zwar nicht mehr durch den Küstenwald am Alexandrinen-Cottage –
Privateigentum von Anno August Jagdfeld – vorbei verläuft. Wohl aber
dürfen die Radfahrer der Karte zufolge an den verbliebenen Villen
der Perlenkette vorbei und dann westlich vom Hotelkomplex in
Richtung Klinik fahren. „Ich gehe davon aus, dass sich die
Staatskanzlei umfassend und genau über Wegeverlauf und die
rechtliche Lage vor Ort informiert hat, bevor sie uns die Unterlagen
zugeschickt hat“, sagt Rainer Friedemann. An einen Irrtum von
Amtswegen glaubt er nicht.
Mit Karte und Anschreiben
während der Einwohnerfragestunde in der Stadtvertreterversammlung
konfrontiert, reagierte Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD)
ausweichend und vermied eine klare Stellungnahme.
Die Öffentlichkeit der Wege
ist auch für die Patienten der Median-Klinik ein Problem. Zwar wirbt
der Prospekt des Hauses mit dem „einzigartiges Bauensemble von
romantischer Schönheit direkt am Meer“. Doch für die Mehrzahl der
Klinikinsassen ist der Aufenthalt im Seeheilbad mit langen Märschen
zum Strand verbunden, vorbei an den Ruinen der Villen, und vor allem
für ältere Patienten mitunter eine Zumutung. Immerhin: Klinik und
Hotel haben einen Kompromiss vereinbart, nach dem eine kleine Anzahl
von Patienten den Hotel-Komplex in Richtung Strand passieren darf.
Der Titel „Seeheilbad“ sei jedoch mit den Einschränkungen
unvereinbar, ebenso wie die Verlagerung des Kurparkes von der Klinik
weg bis östlich vor den Hotelkomplex, meinen die Stadtvertreter von
Bürgerbund und FDP.
KLAUS WALTER
|
Mit dem Radwanderweg ist es, wie mit dem Bad
Doberaner Hirsch. Offiziell gibt es einen Radwanderweg, der die
Promenade entlang führt und dann auf die Kühlungsborner Straße und
schließlich zum Kinderstrand geleitet wird. Offiziell ist das Doberaner
Wappentier ein Hirsch mit gestreckten Vorderläufen.
Inoffiziell findet man aber
mindestens genauso oft besagten Hirsch mit angewinkelten Vorderläufen
und ebenso inoffiziell findet man den Radwanderweg auf der Küstenkante
vor, wo er vorbei am Alexandrinen-Cottage führt. Nun gibt es mindestens
zwei Meinungen und genug Streit.
Die Frage sollte
aber nicht sein, wo der Radwanderweg einmal war, sondern wo er jetzt und
in Zukunft ist.
Schulnoten für Bad Doberan
und Heiligendamm - Sind die Gäste zufrieden?
Das fragte sich
der Tourismusförderverein und startete eine Umfrage unter Touristen und
Kurgästen.
Das Ergebnis der
ersten 1.250 Umfragebögen war nicht schlecht aber auch nicht
berauschend.
Aber lesen Sie
selbst:
Montag, 06. April 2009 | OSTSEE-ZEITUNG |
Titelseite Bad Doberan
Doberan könnte noch freundlicher sein
Die Saison beginnt. Das Ergebnis einer
Fragebogenaktion zeigt, was für die Zufriedenheit der Gäste noch
getan werden muss.
Bad Doberan Die Besucher der Münsterstadt, ob Urlauber oder
Kurgäste, sind im Grunde mit den Gegebenheiten in der Stadt
relativ zufrieden. Das ist das vorläufige Ergebnis einer
Fragebogenaktion des Tourismusfördervereins Bad
Doberan-Heiligendamm. In
der Aktion, die faktisch die Qualität des Aufenthaltes bemessen
soll, kamen bislang 1000 Fragebögen, ausgefüllt von Urlaubern, und
weitere 250 von Kurgästen, zur Bewertung.
Zum
ersten Mal in Bad Doberan waren 78 Prozent der Urlauber. Bei 22
Prozent handelt es sich um „Wiederholungstäter“. Kein
schlechtes Ergebnis, wie auch Axel Kross, Chef des Fördervereins
und selbst Hotelier bestätigt, denn „Doberan ist nun einmal keine
reine Wiederholungs-Destination.“ Da komme man her, schaue sich
alles an, und kehre vielleicht erst nach Jahren wieder, zu sehen,
was sich inzwischen verändert hat.
Anders bei den Badeorten.
Da zieht es eine große Gruppe von Urlaubern Jahr für Jahr an die
gleiche Stelle mit den gleichen Bedingungen: Strand, Meer,
möglichst Sonne.
Interessant die Antwort auf die Frage – wie sind
Sie auf Bad Doberan/Heiligendamm aufmerksam geworden?
Hier rangiert mit mehr als
28 Prozent das Internet an vorderster Stelle; Reiseveranstalter
kommen nur auf fast 16 Prozent. Bei den Kurgästen waren es
naturgemäß in der Hauptsache die Ärzte oder Krankenkassen, die den
Weg nach Doberan oder Heiligendamm wiesen. Es ist mehrheitlich die
ältere Generation, die der Münsterstadt und der Weißen Stadt einen
Besuch abstattet. Und es handelt sich um ein kritisches Klientel.
Sie konnten in der Rubrik „Gästezufriedenheit“ nach dem
Schulprinzip Noten vergeben. Vereinschef Kross selbst setzt
strenge Maßstäbe: „Bis zu
einem Durchschnitt von 1,7 ist alles in Ordnung. Ab 1,9 müssen wir
eingreifen.“ Demnach gibt es in Doberan einiges zu tun. In der
„Sparte“ der Urlauber kommen die Gastgeber – alle 30
Zufriedenheitskriterien von „Grünanlagen“ bis „Gastfreundlichkeit“
zusammengenommen – auf einen „Zensurendurchschnitt“ von 2,16.
Auffallend, dass Urlauber und Kurgäste gleichermaßen die
Verkehrssituation bemängeln. Ein verdecktes Votum für die
Umgehungsstraße? „Ob es die sein muss, sei dahingestellt“, sagt
Kross. „Aber Verkehrsberuhigung muss auf jeden Fall her.“ Nicht
ganz zufrieden sind Erholungssuchende und Kurpatienten mit den
Öffnungszeiten im Ort. Denen des Einzelhandels geben Urlauber die
Note 2,25, die Kurgäste nur die 2,82. Möglicherweise focussiert
sich die Kritik auf den Sonnabendnachmittag, da vom Konsum her
weite Teile Doberans schon dicht sind. Und die Freundlichkeit der
Gastgeber? Von Urlaubern erhalten gewerbliche Angestellte
erstklassige 1,75 als Note, die Einwohner 1,85. Die Touristinfo
bringt es noch auf 1,97 und kommunale Angestellte kommen auf der
Skala zunehmender Muffigkeit auf eine glatte 2.
PETER WEISSFLOG
|
Nicht vergessen: Das
sind nur 1.250 Meinungen. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was Bad
Doberan und Heiligendamm an Gästen hat und bezieht sich auch nur auf die
letzte Saison, die zudem am Alexandrinenplatz und in Heiligendamm von
Baustellen vorbelastet war. Aber ich will es nicht schön reden: Es muss
etwas getan werden. Dafür ist nun aber erst einmal der
Tourismusförderverein da und letztlich die Stadt selbst zuständig.
Die Umgehungsstraße war auf diesen Seiten noch nicht Thema. Wenn Sie
dazu etwas erfahren wollen, belesen Sie sich bitte auf
www.hohenfelde.net/umgehung.
|
Die OZ will es wissen: Was sagen die Bürger zur Ablehnung
durch die SVV? Die öffentliche Diskussion 2009.
Die größte
Lokalzeitung rief und die Leser folgten ihr. Hunderte von
Leserbriefen erreichten die Ostsee-Zeitung zum Thema "Heiligendamm".
Nicht alle
konnten abgedruckt werden. Das Blatt sah sich dem Vorwurf der
Medienhetze ausgesetzt und achtete deshalb darauf, Pro und Contra im
gleichen Verhältnis abzudrucken. Der erste abgedruckte Leserbrief
stammt vom ältesten Bürger Heiligendamms: Helmut Mattke,
Heiligendammer seit ca. 60 Jahren.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 06. April 2009 |
Nachdenken über Heiligendamm. Mit Helmut Mattke (85) schaltet
sich der älteste Einwohner der Weißen Stadt in die Diskussion
um die Vergangenheit und Zukunft des Seebades ein.
Nach Bad Doberan sind wir 1953 gekommen. War Revierförster,
zuständig auch für Heiligendamm. Dann Oberförster, für den
ganzen Kreis. Haben lange gesucht nach einer Gegend für ein
eigenes Haus. Am Wasser, das musste sein. Unbedingt. In
Ostpreußen wohnten wir an einem fischreichen Fluss. Klar, das
hat die Kindheit geprägt. Wasser, unbedingt ans Wasser. Das
Grundstück in Heiligendamm war ideal. Kleiner Teich hinterm
Haus und vor der Tür die Ostsee. Der Teich ist noch da. Die
Ostsee weiter weg. Man muss halb nach Börgerende, um an den
Strand zu kommen. Im Herbst 1978 zogen wir ein. Jetzt bin ich
wohl der älteste im Ort. Ja, so vergeht die Zeit. Und es ist
ein anderes Heiligendamm, heute. Einsamer. Irgendwie leer. Wir
Alten kommen noch irgendwie klar. Sorgen mache ich mir um die
jungen, meine Enkel. So richtig leben kann man hier nicht
mehr. Die Heiligendammer wissen, was ich meine. Da gab es
diese Gaststätte. Also Gästehaus und Restaurant, vornehm
gesagt. „Palette“ hieß die. Stand unterhalb der Molli-Gleise.
Großes Ding, immer voller Leben. Wenn wir von der Jagd kamen,
durstig natürlich, schmetterte uns die Drei-Mann- Hauskapelle
ein Liedchen entgegen. Und dann ging es in den hinteren Räumen
hoch her. Vorn auch. Da saßen die Kurgäste. Sangen, tanzten
mit dem Kurschatten, tranken. Immer gegen die Uhr. Mussten ja
gegen 22 Uhr in der ärztlich verordneten Falle sein. Mein
Gott, da war Leben in der Bude, in dieser „Palette“. Oder das
Schwanencafe, unten in den Kolonaden. Vorwiegend Kuchen und
Eis für die Promenadengänger. Familienbetrieb. Mit ganz
beachtlichem Zuspruch. Machte erst so um 9 Uhr auf. Aber man
konnte auch schon früher klopfen. Schon gegen 7. Im
Ausnahmefall. Aber – funktionierte. War eben familiär. Sagte
ich schon.
Von
der „Palette“ blieb ein großer Schutthaufen. Der Anblick
schmerzte. Kurz vor dem Gipfel hat Fundus das ganze Haus
wegräumen lassen. Die LkW brauchten Tage, um Ziegel und Holz
abzufahren. Jetzt ist da eine Wiese. Im Sommer grün,
ganzjährig leer. Das Schwanencafe – geschlossen, für immer.
Die Möglichkeiten, dass sich in Heiligendamm Heiligendammer
einander gesellig treffen, sind jetzt gering. Fast bei Null.
An manchen Tagen wirkt der Ort, als hätten ihn seine Bewohner
aufgegeben. Vielleicht ist es so, innerlich jedenfalls.
Und
auch das geht mir nicht mehr aus dem Kopf: Wir haben mit dem
Hotel rund 300 Arbeitsplätze geschaffen, sagt Fundus, wann
immer es passt. Oder auch nicht. Dann auch. Aber: Wie viel
Jobs sind hier inzwischen verloren gegangen? Im Umfeld des
„Bades der Werktätigen“, in den Gaststätten, bei den
Serviceeinrichtungen und in den Läden: Post, Papierladen,
Drogerie, Andenken, Friseur, Eisverkauf Kann das mal jemand
ausrechnen?
Es
war einmal . Links und rechts des Weges zum Kinderstrand
standen die wohl besten Buchen Deutschlands. Etwa 160 Jahre
alt. So rund 40 Meter hoch. Prächtig. Sie standen bis 1953.
Wurden dann gefällt. Reparationsleistung. für die Sowjetunion.
Das schönste Furnierholz, das man sich vorstellen kann. Dann
in Meter-Stücke geschnitten. Geklaftert. Feuerholz. Schlimm.
Heute, ganz in der Nähe. Balken, Zäune verwehren den Zutritt
zum Waldstück rund um das Alexandrinen-Cottage. Auch das tut
weh. Ist schlimm. Ungesetzlich, meine ich. Unnötig.
Heiligendamm, das erste Seebad überhaupt, war immer heiß
begehrt. Wurde mehrmals verkauft, so an einen Schweizer Baron
und an ein Lübecker Bankhaus. Nie aber wurden Bürgern die Wege
gesperrt. Selbst unter dem Fürsten nicht. Ich denke,
Landesregierung und Treuhand haben damals nach der Wende
Heiligendamm fast verschenkt. Auf jeden Fall zu viele
Zugeständnisse gemacht. Und das ging dann immer weiter. Bei
einigen Abgeordneten der Stadt bis auf den heutigen Tag. Wenn
ich sage, dass ich unzufrieden mit deren Arbeit bin, dann ist
das ein sehr milder Ausdruck.
Die
Sache ist schief gelaufen für uns Heiligendammer. Absolut
schief. Kaum zu fassen: Wir sind ausgegrenzt. Es gibt im Ort
kein vernünftiges Innenleben mehr. Ich mache mir Sorgen. Hier
herrscht Totenstille.
Aufgeschrieben von:
PETER WEISSFLOG
Zur Person: Helmut Mattke
Helmut Mattke wurde am 15. März 1924 als Sohn eines Försters
in Ostpreußen geboren. Er wurde seinerseits Förster, musste
als Soldat in den Krieg. Nach Internierung in Dänemark fand er
1946 seine Eltern im Kreis Salzwedel wieder, arbeitete in der
Landwirtschaft und heiratete am 16. April 1949 die
ostpreußische Bauerntochter Ilse Schwenzfeier. Aus der Ehe
gingen vier Kinder hervor.
Nach
dem Studium arbeitete Helmut Mattke ab 1952 in der Region
Doberan als Revier- und Oberförster. Von 1953 bis 1990 war er
Vorsitzender der Jagdgesellschaft. Unter seiner Leitung
entstand der Internationale Schießplatz vor Heiligendamm.
Selbst ein guter Schütze wurde er „Verdienter Meister des
Sportes“. Helmut Mattke veröffentlichte sechs Bücher mit
Forst- und Jagdgeschichten. Das siebente erscheint Ende April.
|
Die Meinungen der
Bürger: Die ersten 15 Leserbriefe.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 07. April 2009 |
Große
Leserdiskussion um Heiligendamm: Wer blockiert hier?
Wirbel um die
Perspektive der Weißen Stadt. Haben Stadtvertreter klug oder
fahrlässig gehandelt?
Bad Doberan Auf der Stadtvertretersitzung am Montag,
30. März, lehnten die Abgeordneten zwei Beschlüsse ab, die
Heiligendamm betreffen. Keine Mehrheit fanden die
Änderungsanträge zu den Bebauungsplänen 25 und 30. Sie sahen
u.a. den Bau einer Tiefgarage vor der so genannten
Perlenkette, einer festen Sturmflutwand und die Zulässigkeit
dauerhaften Wohnens im Marien-Cottage und im Haus Krone vor –
hier sollten Eigentumswohnungen entstehen. Die
Entwicklungscompagnie Heiligendamm reagierte umgehend.
Geschäftsführer Hans Schlag sprach von vertaner Chance. „So
können wir leider nicht mit der Sanierung der Perlenkette
beginnen.“ OZ fragte die Leser nach ihrer Meinung: Sieg der
Vernunft oder vergebene Chance?
Aus dem
Tiefschlaf erwacht
Simona Warmuth, Rethwisch: Endlich
scheinen unsere Stadtvertreter aus dem Tiefschlaf zu erwachen.
Verwundert reiben sie sich die Augen: Wo ist unser
Radwanderweg? Wieso darf in Heiligendamm der Wald eingezäunt
werden? Woher kommt die Ligusterhecke am Ausgang der
Promenade? Wo ist das Haus Perle geblieben; stand das nicht
unter Denkmalschutz?
Die
Fundus Gruppe kaufte damals auch die Halbinsel Wustrow bei
Rerik. Genau wie in Heiligendamm hatten sie erst mal den Fuß
in der Tür und versuchten danach ihre Interessen
durchzusetzen. Reriks Stadtvertreter sind wesentlich
kritischer mit Herrn Dr. Jagdfelds Versprechungen umgegangen.
Heute ist die Halbinsel Wustrow vollkommen gesperrt, was keine
Rendite für die Anleger bringt, Anwohnern und Urlaubern aber
einen schicken Haffplatz bescherte. Zufriedene Gäste kommen
bekanntlich wieder. Und Heiligendamm? Das ist eine tote Gegend
mit gesperrten Wegen und verfallenden Häusern.
Entscheidung
alles andere als ein Sieg
Bernd Holzmann: Zu einem Sieg gehört
meines Erachtens auch ein Gewinn. Beim besten Willen kann ich
jedoch nicht erkennen, dass irgendjemand etwas nach dieser
absurden Stadtvertreter-Entscheidung gewonnen hat. Der
Projektentwickler/Investor ist momentan paralysiert – keine
Bank gibt Darlehen für den Neubau eines Hotels, wenn das
bestehende Hotel daneben schon keinen Gewinn abwirft. Der
Verkauf von Wohnungen als Teileigentum ist nicht erlaubt –
somit können die Strandvillen auf lange Sicht nicht saniert
werden. Den Heiligendammern bleibt der Anblick des morbiden
Charmes der Weißen Stadt für lange Zeit erhalten und Besuchern
können Sie erzählen, dass 12 glorreiche Stadtvertreter das
erreicht haben. Wo also ist hier der Sieg...
Viele Jahre
sind vergangen
Dr. Renata Schumann, Bad Doberan:
Noch vor zehn Jahren war es eine wunderschöne Perlenkette und
ein erfreulicher Anblick – von der Seebrücke! Einmalig! Jetzt
geht man nicht mehr gern da vorbei – es tut weh, diese
zunehmend verfallenden Kulturdenkmäler zu betrachten. Die
Bauunternehmergruppe ECH verhält sich, seitdem ihr die Stadt
leichtsinnigerweise Rechte übereignet hatte, zunehmend
verantwortungslos. Die Villen sollten – wie es anfangs hieß –
in kürzester Zeit renoviert werden. Viele Jahre sind seitdem
vergangen und die Villen sind zunehmend von Verfall bedroht.
Es ist die Sache der Selbstachtung und des Realitätssinns der
Stadtvertreter, dass man sich jetzt endlich ein „ Nein“ zu
neuen unsinnigen Forderungen der Baugesellschaft abgerungen
hat. Zukünftige Generationen werden ihnen das zu danken
wissen. Die verlangten Tiefgaragen könnten zudem eine extreme
Gefahr für die zunehmend baufälligen Villen sein Übrigens: Wo
bleibt der Denkmalschutz – hier ist kostbares Kulturgut in
Gefahr. Das Ensemble des alten, des ältestes Seebads
Deutschland hat unschätzbaren historischen Wert. Hier ist
jeder gefordert zur Rettung beizutragen.
Gemeinsam
Projekt entwickeln
Kira und Ralf Goedeke, Heiligendamm:
Nach sorgfältiger Prüfung haben sich die
Stadtvertreter gegen Bauträgermodelle und den Ausschluss der
Öffentlichkeit in Heiligendamm entschieden und das ist auch
gut so. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadtvertreter auch
weiterhin Rückgrat beweisen, Einschüchterungsversuchen Stand
halten und gemeinsam mit dem hoffentlich einsichtigen Investor
und der Öffentlichkeit ein Konzept entwickeln, welches sich
nicht – wie bisher – durch Maßlosigkeit auszeichnet, sondern
mit Augenmaß gemacht, eine positive und begeisternde
Außenwirkung für Erholungssuchende und Interessierte haben
wird.
Jetzt ist
Stillstand
Christel Fründt, Bad Doberan: Eine
vertane Chance, eine unerklärliche Verzögerung. Landesweit
werden Investitionen unterstützt, in Bad Doberan aber
verhindert und zwar zum Schaden aller. Vertreten die
Stadtvertreter wirklich die Menschen in dieser Stadt? Wer
Investitionen verhindert, der verhindert die
Verdienstmöglichkeiten der Leute. Interessiert sie das
wirklich? Keine Unterstützung für die Skaterbahn, für so
wichtige Unternehmen wie Moorbad, Grand Hotel, Altes Moorbad
und Dauerstreit zur Verkehrsberuhigung. Was ist ihnen denn
wichtig? Viel galanter wäre ein JA zu den Vorhaben in
Heiligendamm gewesen. Dann hätte der Investor die Umsetzung
beweisen müssen. Jetzt ist Stillstand. Am Weitermachen
gehindert
Familie Gründling, Bad Doberan:
Schade, dass die Stadtvertreter von Bad Doberan nicht
einschätzen, was sie am Montag mit der Blockade der Beschlüsse
zu Heiligendamm angerichtet haben. Der Investor hat gemeinsam
mit seinen Investoren einen Teil von Heiligendamm mit
weltweiter Anerkennung saniert. Nun wird er am Weitermachen
gehindert. Ich appelliere an jeden Neinsager aus der
Stadtvertretung: Überprüfen Sie Ihre Entscheidung und öffnen
Sie sich für eine neue Chance!
Unsinniger
Bau verhindert
Heike Ohde, Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“
e.V.: Ein Wunder ist geschehen! Die
Stadtvertretung hat mit ihrem Votum den unsinnigen Bau der
Tiefgarage verhindert und damit die Perlenkette vor einem
Komplettabriss bewahrt. Denn die Auswirkungen so einer
Großbaustelle auf die historische Bausubstanz wären verheerend
gewesen: Erschütterungen durch das Setzen von Spundwänden,
Setzungsrisse durch Abpumpen des Grundwassers während der
Bauphase, Zerstörung historischer Bausubstanz durch
nachträgliche Unterkellerung und Einfügung
„tiefgaragenkompatibler“ Treppenhäuser, Anstieg des
Grundwassers durch Bildung einer unterirdischen Staumauer auf
Seite der Villen nach Fertigstellung... Die Änderung des
B-Planes diente nicht dem Erhalt der Perlenkette, sondern
gefährdete ihren gesamten Bestand. Ziel des Verkaufs des
historischen Heiligendamms an einen einzelnen Investor war der
Erhalt und die Restaurierung des ersten deutschen Seebades.
Wenn die ECH nach fast 15 Jahren nicht in der Lage ist, diese
Aufgabe zu erfüllen, sollten die Verkäufer (das Land und der
Bund) endlich ihre Verantwortung für Heiligendamm wahrnehmen
und auf Einhaltung des Vertrages drängen. Dabei ist zu prüfen,
ob auch eine Rückführung der Gebäude und der Verkauf an
einzelne Bauherren mit unterschiedlichen Konzepten möglich
wäre. Im Zeitraum von 2, 3 Jahren wären die Villen saniert, es
würde wieder Leben in die Prof.-Dr.-Vogel-Straße einkehren und
nicht zuletzt das Hotelumfeld endlich aufgewertet. Das wäre
ein wirklicher Gewinn für die Region!
Zu Lasten der
Region
Andreas Meyer-Schwickerath, Berlin:
Die internen Streitereien der wenigen Gegner des Projektes
werden damit zu Lasten der Region, der Handwerker und
Dienstleister und der Arbeitssuchenden gehen. Wie lange kann
sich Bad Doberan gegenüber Kühlungsborn, Warnemünde, Rerik und
anderen leisten, das touristische Schlusslicht zu bleiben? Und
was wird das für die Gewerbetreibenden vor Ort bedeuten –
Einkommensverluste über Jahre?
Man
würde sich wünschen, dass die Politik, egal ob von CDU oder
SPD, hier ihre eigenen Argumente der Vergangenheit wieder
hervorholt, und einmal nachsieht, was man angesichts des
großen PR-Erfolges von 2007 hier versäumt und beschädigt –
Besucher und Gäste werden jedenfalls von Ruinen in
Heiligendamm nicht angezogen, und ortsansässige Handwerker
bekommen auch keine neuen Aufträge, Arbeitssuchende keine
Stellen... Einen Spiegel vor die Verantwortlichen von Bad
Doberan! Vielleicht sehnen sich einige nach der Zeit vor 20
Jahren und früher zurück – das ist jedenfalls der Eindruck,
der nach außen entsteht!
Wer
auch immer welche Gründe hat, gemeinsam würde es sicher besser
gehen. Und das Hotel hat ja nach außen trotz der Querelen mit
der Kempinsiki/ECH Mannschaft in der Region beste Resonanz
gebracht – warum will man diesen Erfolg ohne nach außen
kommunizierbare Gründe aufgeben? Und wann will man seitens der
politischen Verantwortlichen den Investor dazu bringen,
anzufangen, und wie? Erster Schritt in richtige Richtung
Birgit Koch, Heiligendamm: Die
Entscheidung der Stadtvertreter gegen eine Tiefgarage ist der
erste Schritt in die richtige Richtung. Es gilt künftig,
weiteren Schaden zu verhindern. Heiligendamm mutierte in den
vergangenen Jahren zur Kulisse für einen Gruselfilm. Jeder
Eigentümer muss mit seinem Potential wirtschaftlich am Markt
agieren. Es zeugt von Inkompetenz, die Schuld für eigenes
Unvermögen wiederholt bei anderen zu suchen, anstatt gangbare
Wege aus der Misere aufzuzeigen. Wenn die ECH bzw. Herr
Jagdfeld nicht in der Lage sind, die Villen wieder aufzubauen,
müssen es andere tun. Das erste deutsche Ostseebad darf nicht
weiter verfallen. Es war ein Fehler, einen Großteil
Heiligendamms an nur einen Investor zu verkaufen. Dieser ist
unfähig, seiner Erhaltungspflicht nachzukommen. Potentielle
Käufer gibt es reichlich. Das Seeheilbad Heiligendamm als
Stadtteil von Bad Doberan ist für die Stadt so wichtig wie das
Münster und der Molli. Die Entscheidung der Stadtvertreter war
goldrichtig und sollte nicht wieder gekippt werden.
Verzögert hat
allein die ECH
Rüdiger Gusovius, Bad Doberan:
Endlich bekennen die Stadtvertreter einen Standpunkt, den ich
für sehr richtig halte. Verzögert bzw. verhindert hat in
meinen Augen den Aufbau Heiligendamms alleine die ECH. Seit
langer Zeit warte ich auf diese Entscheidung. Meiner Meinung
nach sind die Argumentation der ECH mit Verlaub gesagt eine
Art der „modernen“ Erpressung und ein Alibi für weiteres
Nichtstun. Ich habe das Gefühl, bei ECH läuft langsam alles
aus dem Ruder. Ich wohne seit 1950 in Bad Doberan und habe in
dieser Zeit die Entwicklung Heiligendamms verfolgt. Was jetzt
passiert tut schon weh.
Doberan hat
noch andere Baustellen
René Orth, Bad Doberan: Bei aller
Ablehnung, die zum demokratischen Prozess dazugehört, gilt
aber Vorsicht! Vorsicht deshalb, weil Vermutungen von
Hobbygeologen, Finanz- und Bauträgerexperten und Vertretern,
die von der Kunst des negativen Denkens medial beflügelt
werden, absolut alternativlos sind. Deshalb: Lösungen im
Diskurs zusammen erarbeiten! Doberan hat noch andere
Baustellen. Genau dort wäre bürgerliches Interesse und
Betroffenheit ebenso gefragt,wie beim Thema Heiligendamm.
Es gibt genug
Alternativen
Martin Dostal, Bad Doberan: Ich sehe
es nicht als vertane Chance, dass die Stadtvertreter sich
gegen die Tiefgarage entschieden haben. An dieser Stelle wäre
damit eine sehr kostenintensive Maßnahme nötig. Die gerade
erst neu gemachte Promenade müsste entfernt werden und die
Fläche käme um fast einen halben Meter höher. Damit würde das
Ensemble nicht mehr so sein, wie es seit 200 Jahren ist, denn
von der See und vom Strand aus betrachtet würde es hinter der
Erhöhung verschwinden. Auch noch so schön verkleidet ist es
doch ein vor die Perlen gesetzter Klotz, wenn man die Perlen
nicht einen halben Meter einbuddeln will.
Aber
ich sehe noch einen anderen Grund gegen die dort geplante
Tiefgarage. Und zwar sind die Perlen ja nicht Hauptbestandteil
des Hotels und die Mieter sollten nicht Haupteinnahmequelle
sein. Wenn doch, muss man das Management ernsthaft in Frage
stellen. Wichtiger als eine Tiefgarage unter der Perlenkette
wäre eine solche in unmittelbarer Nähe zum Hotel. Dazu bietet
sich geradezu die Freifläche an, die in der Kühlungsborner
Straße auf dem Gelände der Palette entstanden ist. Auch ein
unterirdischer Gang zum Hotel selbst ist hier kein Problem.
Das Gelände liegt höher, was den Bau auch preisgünstiger
macht. Geplant sind ein Thalasso-Zentrum und ein
Ayurveda-Zentrum als absolute Neubauten. Darunter wäre genug
Platz für Tiefgaragen. Und da das Thalasso-Zentrum direkt an
die Perlenkette angrenzen soll, ist die Lage genauso günstig,
wie die der bisher geplanten Tiefgarage. Es gibt genug
Alternativen und ich finde es geradezu lächerlich, alles an
diese Tiefgarage zu binden. Die ECH hat seit je her immer
alles auf eine Karte gesetzt. Sie muss inzwischen wissen, dass
einige Dinge auf dieser Karte nicht akzeptiert werden...
Land und Bund
verantwortlich
Dr. Trommer, Kühlungsborn: Chance
vertan, oder? Natürlich nicht! Denn die Stadtvertreter von Bad
Doberan haben doch mit ihrem Beschluss lediglich verhindert,
dass der Mercedes des Herrn Schlag beim nächsten
Sturmhochwasser absäuft. Nun aber sollten die Stadtvertreter,
die bereits in der Vergangenheit sehr kluge Beschlüsse
fassten, auch weiterhin mutig in die Zukunft sehen und, statt
dem Bau eines Thalasso-Zentrums, z.B. dem Bau einer Moschee in
Heiligendamm zustimmen. Denn dann könnte die ECH Heiligendamm
gewinnbringend an einen Ölscheich verhökern und Herr Jagdfeld
müsste sich zukünftig weder über sein verfallendes
Alexandrinen-Cottage, noch über das Gejammer der Investoren
des Sternehotels, noch über die Beschlüsse der Stadtvertreter
ärgern, sondern könnte den ihm zustehenden gehobenen Ruhestand
z.B. in Dubai genießen.
Nicht die Stadtvertreter von Bad Doberan, die nach der Wende
Heiligendamm nur im ganzem veräußern lassen wollten, sondern
die Politiker in Land und Bund sind für das Desaster in
Heiligendamm ausschließlich verantwortlich zu machen!
Endlich das
fällige „Nein“
Gert Haendler, Bad Doberan: Der
Verfall der Perlenkette ist ein Skandal. Endlich kam das
längst fällige „Nein“!
|
Analysieren wir mal ein
wenig. Es sind alles Meinungen und die muss man so stehen lassen.
Unsinn jedoch nicht.
Beginnen wir doch hiermit:
Ein Wunder ist geschehen! Die Stadtvertretung hat mit ihrem Votum
den unsinnigen Bau der Tiefgarage verhindert und damit die
Perlenkette vor einem Komplettabriss bewahrt. Denn die Auswirkungen
so einer Großbaustelle auf die historische Bausubstanz wären
verheerend gewesen: Erschütterungen durch das Setzen von
Spundwänden, Setzungsrisse durch Abpumpen des Grundwassers während
der Bauphase, Zerstörung historischer Bausubstanz durch
nachträgliche Unterkellerung und Einfügung „tiefgaragenkompatibler“
Treppenhäuser, Anstieg des Grundwassers durch Bildung einer
unterirdischen Staumauer auf Seite der Villen nach Fertigstellung...
Die Änderung des B-Planes diente nicht dem Erhalt der Perlenkette,
sondern gefährdete ihren gesamten Bestand.
Dass sich Frau Ohde der Sinn der Tiefgarage nicht
erschlossen hat, ist das eine. Architekten haben selten etwas mit
der Vermarktung dessen zu tun, was sie planen, sodass der
Architektin Frau Ohde möglicherweise einfach der Zusammenhang
zwischen Tiefgarage und Vermarktung entging.
Dass sie aber von
Komplettabriss spricht, dürfte mehr als nur bloße Unkenntnis sein.
Die Umschreibungen der Bauausführungen sprechen nicht gerade dafür,
dass sie sich mit den Plänen auseinander gesetzt hat. Letztlich weiß
niemand, ob Sie je die oben abgebildeten Pläne zu Gesicht bekommen
hat. Hätte sie das, wäre ihr
sicherlich aufgefallen, dass nachträgliche Unterkellerungen gar
nicht geplant sind und die drei Villen, welche abgerissen werden
sollen, aus dem Fundament der Tiefgarage heraus hochgezogen werden.
Selbst die Einfügung - wie sie schreibt "tiefgaragenkompatibler"
Treppenhäuser - ist nicht vorgesehen. Wo die Tiefgarage tiefer als
das Haus liegt, wird mit Schrägen gearbeitet.
Die Änderung des
B-Planes hätte die Sanierung der Perlenkette zur Folge gehabt, wenn
ihr zugestimmt worden wäre.
Der Fortbestand
der Perlenkette ist zweifelhaft, wenn der Weg dorthin daraus
besteht, eine Sanierung zu verhindern.
Aber das ist
noch nicht alles:
Ziel des Verkaufs des historischen Heiligendamms an einen
einzelnen Investor war der Erhalt und die Restaurierung des ersten
deutschen Seebades. Wenn die ECH nach fast 15 Jahren nicht in der
Lage ist, diese Aufgabe zu erfüllen, sollten die Verkäufer (das Land
und der Bund) endlich ihre Verantwortung für Heiligendamm wahrnehmen
und auf Einhaltung des Vertrages drängen. Dabei ist zu prüfen, ob
auch eine Rückführung der Gebäude und der Verkauf an einzelne
Bauherren mit unterschiedlichen Konzepten möglich wäre. Im Zeitraum
von 2, 3 Jahren wären die Villen saniert, es würde wieder Leben in
die Prof.-Dr.-Vogel-Straße einkehren und nicht zuletzt das
Hotelumfeld endlich aufgewertet. Das wäre ein wirklicher Gewinn für
die Region!
Die Sanierung der
Perlenkette stand hinter der Sanierung des Ensembles an. Da niemand
verlangte und verlangen konnte, alles gleichzeitig zu sanieren,
wurde diese Reihenfolge festgelegt. Das Ensemble war nach nur drei
Jahren Bauzeit fertig gestellt. Die ECH begann schon 2004 mit den
nötigen Schritten zur Sanierung der Perlenkette. Die Genehmigungen
dafür lagen erst 2006 komplett vor aber inzwischen hatte sich die
Situation dahingehend geändert, dass die ECH nicht mehr das Geld
hatte, um erst zu finanzieren und dann zu vermieten. Nachdem auch
Fremdfinanzierung nicht mehr in Frage kam, entschied sich die ECH
für eine klassische Finanzierung über den Einzelverkauf von
Wohnungen. Die Vorbereitungen dafür dauerten mehrere Monate und es
wurde ersichtlich, dass eine Tiefgarage und Dauerwohnrecht benötigt
werden. Die ECH beantragte beides im Jahre 2008 - also nur vier
Jahre nach Planungsbeginn und im dritten Anlauf innerhalb dieser
vier Jahre. Die Stadtvertreter lehnten Dauerwohnrecht und Tiefgarage
mehrheitlich ab und gaben damit der ECH gar keine Chance, den
Vertrag einzuhalten.
Eine Auflösung des Vertrages
zwischen Stadt und ECH könnte Schadenersatzforderungen in
Millionenhöhe zur Folge haben.
Es sind 250 Millionen Euro in das Projekt geflossen und die beiden
Vertragspartner - ECH und Stadt - sind dadurch - wie Stadtvertreter
Horst Gühler (CDG) es treffend formuliert - "zur Zusammenarbeit
verdammt". Selbst wenn man also über eine Herauslösung und
Einzelvermarktung nachdenken würde, würde es beim Nachdenken
bleiben. Darüber hinaus ist
es nach Angaben der ECH überhaupt kein Problem, eines oder mehrere
der unsanierten Gebäude zu erwerben. Das beweist der Einzelverkauf
der Villa "Krone" an einen Großhändler aus Hamburg. Jeder kann eine
unsanierte Villa kaufen. Doch so wie sich bis jetzt nur ein Käufer
für eine Villa gefunden hat bestünde bei einer hypothetischen
Vertragsauflösung und Einzelvermarktung durch die Stadt oder das
Land die Gefahr, dass die neuen Eigentümer (denn die Stadt oder das
Land müssten der ECH auch das Geld für Grund und Boden zurück
erstatten) die einzelnen Villen auch nicht los wird. Diese
Selbstüberschätzung ist aber typisch für die Kommunen unserer Region
und nicht nur bei Privatpersonen, wie Frau Ohde zu finden. Die Frage
ist auch, ob Frau Ohde für ihre Spekulation (Sanierung im Zeitraum
von 1-2 Jahren) ihre Hand ins Feuer legen würde.
Die ECH würde die
Perlenkette ebenfalls in 1-2 Jahren nach dem "Ja" der Stadtvertreter
saniert haben können. Aber diese haben nicht "Ja" gesagt. Da auch
jeder andere sein Einzelobjekt ohne Stellplatz nicht anbieten
darf und seine Stellplätze nicht auf der Oberfläche bauen
darf, bleibt auch dem hypothetischen Einzeleigentümer nur die
Vermarktung mit einem weit entfernten Stellplatz oder - da er
denselben Misserfolg bei seinen Interessenten haben dürfte - der Bau
einer Tiefgarage. Oder soll die Stadt dem Einzeleigentümer
Zustimmung für all das geben, was sie der ECH bisher verboten hat?
Die Perlenkette müsste übrigens dann natürlich auch umgewidmet
werden, damit wieder ein Dauerwohnrecht besteht.
So viel dazu.
Dann hätten wir da die Ansicht, dass die Stadtvertreter bisher
geschlafen haben und die ECH sich im Ort verselbständigt hätte.
Das ist z.B. Unsinn. Die
Stadtvertreter haben jeden angesprochenen Punkt selbst beschlossen
oder wenn er nicht in ihrem Kompetenzbereich lag, hingenommen (Villa
Perle z.B.).
Ein Sieg ist die
Entscheidung vielleicht nicht aber die Argumentation ist auch an den
Haaren herbei gezerrt.
FUNDUS bekommt keine
Kredite, weil Jagdfeld das Vertrauen der Banken verspielt hat. Wer
einen Kredit (aus welchen Gründen auch immer) nicht pünktlich zurück
zahlt und dann auch noch seine Bank verklagt, ist nun einmal nicht
der Liebling aller Banken. Aber Banken kreditieren
Immobilienprojekte eh nur im Ausnahmefall.
Außerdem geht es nicht darum, Heiligendamm auf Pump zu finanzieren.
Für die Perlenkette wird ein
ganz normales Finanzierungskonzept genutzt:
Erst werden die Wohnungen verkauft und dann werden die Häuser
saniert.
Dass die Villen nicht saniert werden können, weil sie nicht verkauft
werden dürfen, ist auch frei erfunden.
Die Genehmigung für die Sanierung liegt schon lange vor und was die
ECH mit den Wohnungen macht, ist quasi Verhandlungssache.
Der Investor könnte genauso gut die Villen wieder aufbauen und mit
je 16 Wohnungen versehen und diese dann vermieten - das sind reine
Formsachen, die am Wiederaufbau nicht hindern. Hinderlich ist nur
das große Loch in der Kasse und der Wunsch nach einer Tiefgarage vor
der Perlenkette. Das eine bedingt das andere. Eine genaue Erklärung
gibt es ein Stück weiter unten.
Zur Meinung der
Familie Goedecke sollte man erläutern, dass die SVV an diesem Tag
gar nichts zu entscheiden hatte, das in irgend einer Weise mit der
Öffentlichkeit in Heiligendamm zu tun gehabt hätte.
Es ging nur um den
Wiederaufbau der Perlenkette nebst Tiefgarage und einigen Neubauten,
wie letztlich das Thalasso-Zentrum. Die Prof.-Dr.-Vogel-Straße wird
so oder so Hotelgelände. Anders ist es logistisch gar nicht möglich.
Was die Schreiber
unter "Jetzt ist Stillstand" übersehen ist, dass die Pläne nur in
ihrer jetzigen Form abgelehnt wurden.
Es steht der ECH frei, die
Änderungen seit dem letzten genehmigten B-Plan rückgängig zu machen
oder zu modifizieren und den Plan neu einzubringen und die SVV neu
abstimmen zu lassen. Eine weitere Option ist, den bereits
genehmigten B-Plan umzusetzen. Also ohne Tiefgarage, ohne
Baumfällungen und ohne Wohnungsverkauf. Alle diese Optionen
sind aber für die ECH nicht durchführbar, wie Sie weiter oben
gelesen haben.
Es wurden nur die Änderungen seit dem letzten B-Plan abgelehnt. Die
ECH könnte trotzdem sofort mit dem Bau der Perlenkette und der
Neubauten nebst Thalasso-Zentrum und Ayurveda-Zentrum und Plastische
Chirurgie beginnen. Nur eben auf Grundlage des alten
Bebauungsplanes.
Und der ist nun einmal unzureichend. Die
ECH kann nur formal beginnen - praktisch ist es völlig unmöglich.
Die ECH mit einer
Pro-Entscheidung dazu zu zwingen, mit dem Bau zu beginnen, ist zu
kurz gedacht.
Es macht es keinen Unterschied, ob man die ECH blockiert oder
schubst - es ist beides keine Art, mit einem Investor umzugehen.
Ein unsinniger Bau wurde
auch nicht verhindert. Da die Stadt die Zahl der Fahrzeuge
über der Erde von vornherein drastisch begrenzt hat - um
Großparkplätze zu vermeiden - müssen Tiefgaragen her. Und zwar nicht
nur diese, sondern auch noch einige weitere.
Ja und zum
letzten Leserbrief: Man kann Unsinn auch auf eine Zeile
komprimieren.
Das "Nein" sorgt auch nicht für eine Sanierung der Perlenkette.
Die Meinungen der
Bürger: Weitere 4 Leserbriefe.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 08. April 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Heiligendamm: „Wir wollen mitgestalten“
Oliver Sembill, Kühlungsborn: Ich
schreibe Ihnen als Bürger, nicht als Direktor des Grand
Hotels. Denn ich lebe gerne hier mit meiner Familie, weil wir
sehr gastfreundlich von den Menschen aufgenommen wurden. Das
ist keinesfalls selbstverständlich. Umso trauriger bin ich
daher, wie sehr einige wenige immer wieder gegen die
Fortentwicklung von Heiligendamm polemisieren.. Argumente
scheinen da keine große Rolle mehr zu spielen. Ich gewinne den
Eindruck, dass unsere tägliche Arbeit, von der ja auch die
Menschen vor Ort profitieren, nicht geschätzt wird. Das ist
einfach nicht fair.
Hier wollten
wir Großen mal alt werden
Solveig Davidek, Bad Doberan: Die
Gedanken von Herrn Mattke sprechen mir aus der Seele. Ich habe
seit 1969 durch meine Großeltern eine Verbindung zu
Heiligendamm gehabt. 1992 bin ich – inzwischen mit eigener
Familie – selbst nach Heiligendamm gezogen. Die Großeltern
lebten da leider nicht mehr, aber ich wohnte immer gern im
inzwischen von den Eltern gekauften Haus. Selbst 2002, neu
verheiratet, drehten sich die Lebenspläne unserer Familie
immer um Heiligendamm. Hier wollten wir Großen mal alt werden,
eines Tages das elterliche Haus übernehmen.
Wir
bauten das gesamte Obergeschoss für uns aus, nur mit eigenen
Mitteln, Muskelkraft und viel Enthusiasmus. Unsere Familie
vergrößerte sich. Welch ein Glück! Dann kam das Hotel – sehr
schick, sehr vielversprechend in vielerlei Hinsicht. Jedoch
begann damit auch eine ganz andere Ortsentwicklung. Diese ist
hinlänglich bekannt. Fakt ist für unsere Familie (heute 39,
39, 17, 16 und 5 Jahre jung), dass wir uns in Heiligendamm
schon seit Jahren nur mehr geduldet fühlten. Wir Einheimischen
waren zeitweilig geradezu als Krakeeler verschrien, wenn es
kritische Stimmen aus unseren Reihen zu Plänen gab, die ganz
und gar nicht zu einer positiven Entwicklung eines Ostseebades
passten. Es ist so traurig, dass dieser Ort tot ist! Ältere
Menschen haben hier nichts als ihre unmittelbare Wohnumgebung
und ihre Erinnerungen. Junge Menschen haben hier keine
ausreichende Zukunft. Die vielzitierten Arbeitsplätze, die
nach den Fundus-Investitionen geschaffen worden sein sollen,
stehen in keinem Verhältnis zu denen, die wir hätten haben
können, wenn sich der Ort für einen breiteren Tourismus- und
Kurbetrieb entwickelt hätte....
Wir
wollen nicht irgendwo abgestellt wohnen und alles um uns herum
geschehen lassen. Nein, wir wollen mitgestalten. Das kann man
als Heiligendammer nicht. Unsere fünfköpfige Familie ist am 7.
März 2009 aus Heiligendamm weggezogen.
Uns würde die
Sanierung nutzen
Wolfgang Hensel, Mitglied des Handwerker- und Gewerbevereins
e.V. Bad Doberan: Als Handwerker sind wir bemüht, die
wirtschaftliche Entwicklung in unserer Stadt, einschließlich
Heiligendamm, voranzutreiben. Ich meine, dass einige unserer
Stadtvertreter ziemlich fahrlässig mit der Zukunft von
Heiligendamm umgehen. Auch die Berichterstattung der OZ ist zu
diesem Thema einseitig und ich würde mir wünschen, dass
endlich mal sachlich berichtet und argumentiert würde.
Der
ECH wird unterstellt, dass sie keine Kredite mehr bekäme und
sie verschiedene Institutionen gegeneinander ausspielt.
Behauptungen, wo aber sind die Beweise? So wie wir schon vom
Bau des Hotels profitiert haben, so würde uns auch die
Sanierung der Perlenkette nutzen, denn da sind wir als gute
Handwerker aus vielen Gewerken gefragt. Anderswo würden sich
die Leute freuen, wenn bei ihnen investiert wird. Aber bei uns
sind manche noch stolz darauf, (auch mit Hilfe der OZ) es dem
bösen Investor heimzuzahlen.
Der Verfall
schmerzt mich
Wolfgang Hillscher, Bastorf: Das ist
mir aus dem Herzen gesprochen, was Herr Mattke über
Heiligendamm denkt, fühlt und sagt! Für mich die beste
Stellungnahme, die ich je zu der umstrittenen Entwicklung in
Heiligendamm gelesen habe! Sicher denken die meisten
unmittelbar Betroffenen und die vielen Heiligendamm-Fans
genauso. Es schmerzt mich, der ich selbst fast 10 Jahre in
Heiligendamm gewohnt habe (davon mehrere in verschiedenen
Häusern der Perlenkette), die Verfalls- und
Ausgrenzungserscheinungen in der „Weißen Stadt am Meer“ in so
gravierender Form miterleben zu müssen! Vielen Dank der OZ,
die mit diesem Artikel Pflichtlektüre für die Doberaner
Stadtvertreter und die Fundus-Entscheidungsträger geschrieben
hat.
|
Der zweite Schwung
Leserbriefe ist erstaunlich emotional. Hier geht es nicht mehr um
Konzepte, sondern um Gefühle. Um verletzte Gefühle.
Dabei wurde die
tägliche Arbeit eines Oliver Sembill und seiner Mannschaft nie
großartig in Frage gestellt. Wenn die Leute auf das Hotel schimpfen,
meinen sie zu 99% die ECH, bzw. FUNDUS. Schon bei dem, was sie
kritisieren wird klar, dass Sembill und seine Mitarbeiter das gar
nicht beeinflussen können. Es geht um Zäune, Verfall und Baupläne -
alles Dinge, mit denen die Belegschaft des Grand Hotel rein gar
nichts zu tun hat. Auch ist es Unsinn, dass die Bürger gegen die
Fortentwicklung Heiligendamms polemisieren. Ganz im Gegenteil: Sie
fordern ja mehrheitlich, dass es endlich weiter geht. Sie sehen den
Stillstand und suchen ihren Schuldigen: Mal sind es die
Stadtvertreter und mal ist es die ECH.
Aber es war nie davon die Rede, dass das Hotel daran Schuld wäre.
Die ECH bekommt
keine Kredite, weil ihr die Banken keine geben. Und diese haben
Gründe, die sie uns auf Grund des Bankengeheimnisses niemals
verraten werden und dürfen. Darum ist dieses Thema völlig
indiskutabel. Der HGV schließt sich mit seiner Aussage nur der
Diskussion in Form von Mutmaßungen und Vermutungen an. Der Ton ist
auch nicht gerade gut gewählt aber das ist Sache des HGV.
Vielleicht aber noch ein paar Worte hierzu:
Die vielzitierten Arbeitsplätze, die nach
den Fundus-Investitionen geschaffen worden sein sollen, stehen in
keinem Verhältnis zu denen, die wir hätten haben können, wenn sich
der Ort für einen breiteren Tourismus- und Kurbetrieb entwickelt
hätte....
Natürlich ist das
nur eine Meinung einer Privatperson aber es muss auch verdeutlicht
werden, dass die ECH ja kein Besatzer ist.
Bund, Land und Stadt haben dem Verkauf von fast 80% Heiligendamms
zugestimmt und sich selbst somit den Platz für die eigene Klientel
genommen. Die ECH hat natürlich genommen, was ihr Gebiet
zusammenhängend machte. So hat sie im Süden des Ortes nach und nach
Grundstücke dazu gekauft, um eine Einheit von den Mollischienen bis
zum Forsthaus zu erlangen. Enklaven oder Aussparungen sind immer
Reibepunkte. Hier könnten sich Leute gestört fühlen und hier könnten
sich auch Konkurrenten ansiedeln oder einfach nur "unpassendes"
Gewerbe.
Von daher macht es immer Sinn, sich ein zusammen hängendes Gebiet zu
erkaufen, wenn man es schon nicht so vorfindet. Es ist ja auch eine
Frage der Logistik, wenn es um einen Hotelbetrieb geht. Die Stadt
hat es versäumt, zusätzlich zum Hotel und zur Rehaklinik auch
touristische Angebote für Tagesgäste und den Massentourismus zu
schaffen. Man kann aber nicht der ECH den Vorwurf machen, nicht für
eine fremde Klientel gesorgt zu haben.
Und noch zwei:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 20. April
2009 | Titelseite Bad Doberan
Heiligendamm:
Vorschläge statt Vorwürfe
Zur Debatte um die Sanierung der Villen in Heiligendamm und
den Bau von Tiefgarage und Flutmauer schreibt Harry Klink aus
Doberan: „Die ECH ist nicht in der Lage, eine
Bankbürgschaft für die geplanten Baumaßnahmen an der
Perlenkette zu hinterlegen. Ohne Bürgschaft besteht Gefahr für
Leben und Werte bei Nichtfertigstellung einer komplizierten
(Hochwasser-)Baumaßnahme, auch für die hoch verschuldete
Stadt. Die muss bei Insolvenz des Bauträgers diese Maßnahme
beenden. Mit Bürgschaft kein Problem. Ohne Bürgschaft weitere
Millionen- Schulden (siehe Kammerhof) durch inkompetente
Politiker? Dem darf ein verantwortlicher Abgeordneter nicht
zustimmen. Die Grundwasserprobleme in Heiligendamm wurden
eingehend beim aktuellen Kurwald (der hier falsch destiniert
ist) erläutert. Nach Norden hin gibt es jetzt schon einen
Stau, der schwer abzuleiten ist. Die Tiefgarage würde das
Problem verstärken. Machbare Lösungen wurden angeboten. Die
gesamte Abholzung des in unmittelbarer Nähe liegenden Kleinen
Wohlds um die Alexandrine (gegen die sich die Stadtvertreter
mit 21 Stimmen schon 20007 ausgesprochen hatten) stellt eine
grobe Missachtung der aktuellen Beschlusslage durch
Bürgermeister und ECH dar, würde zum unweigerlichen Abrutschen
des Kliffs führen. Und der Kurwald für Patienten, Hotel- und
Pensionsgäste gehört hierhin, die Promenade und der E9 (welche
mit Steuergeldern saniert wurden!) gehören geöffnet, so die
Gesetzeslage. Man kann nicht mit Steuermitteln sanieren, dann
privatisieren. Das ist Subventionsbetrug. Ein getunnelter
Stichweg (so auch Gutachten der ECH) von den öffentlichen
Haltestellen zur Seebrücke (nicht über die Liegewiese des
Severinpalais) würde die Wegediskussion endlich beenden. Das
sind praktikable Vorschläge.“
Zum selben Thema schreibt per E-Mail Frank Wietschorke aus
Frankfurt/Main: „In den alten
Bundesländern würde wohl niemand auf die Idee kommen, einen
Investor so massiv anzugreifen, weil ein paar öffentliche Wege
zugemacht werden müssen. Die Fundus-Gruppe bringt Wohlstand
nach Mecklenburg. Und wie alles auf der Welt, hat auch
Wohlstand seinen Preis. Diese Einsicht ist in den neuen
Bundesländern scheinbar noch nicht allgegenwärtig. Bei uns
würde sich niemand aufregen, wenn ein Hotelressort entsteht
und dafür ein Radweg gesperrt wird.“ Info: Aus Platzgründen
sind wir nicht in der Lage, alle Zuschriften zum Thema
Heiligendamm abzudrucken. Bitte Nutzen Sie zur Diskussion auch
die Internetseite
www.ostsee-zeitung.de
|
Harry Klink ist
selbst Stadtvertreter. Er versucht von Anfang an, eine bequeme
Lösung mit kurzen Wegen zu finden.
Dabei ist er
stets gescheitert: Der Kleine Wohld bleibt für die Öffentlichkeit
geschlossen und der Weg vom Bahnhof zur Perlenkette verschwindet.
Und zwar nicht
nur, weil die ECH dies will, sondern weil die Stadtvertreter dies
mehrheitlich beschlossen haben. Der Stichweg ist seit 2006 vom
Tisch. Ihn immer wieder hervor zu kramen, stellt die demokratische
Grundlage der Stadtvertreterversammlung in Frage und damit die
eigene Arbeit.
Letztlich dann
zum Leserbrief aus Frankfurt/Main:
Wie kann die Hervorhebung der Unterschiede zwischen "Ossis" und
"Wessis" zu einer Lösung in Heiligendamm beitragen?
Mit Herumhacken
erreicht man gar keine Lösung. Hier wird wieder das Problem
deutlich, vor dem auch Jagfeld steht und das ich hier ausführlich
durchleuchtet habe.
Da die Ostsee-Zeitung nicht das einzige
Medium der Region ist, hier auch die Reaktionen aus dem
Stadtanzeiger am Samstag:
|
Peinlich für die
Parteien - Schilda war besser!
Leider, und das trifft alle Parteien, die hier mitgewirkt
haben, ist der Beschluss zum Nachteil nicht nur der ECH oder
der Investoren, sondern besonders negativ wird es die
Gewerbetreibenden der Region, den Tourismus, die
Arbeitssuchenden und Arbeitsplatzinhaber treffen. Man muss
sich fragen, warum sich Bad Doberan nicht mit dem Ort
identifizieren kann, und Warnemünde, Rerik, Nienhagen und
Kühlungsborn boomen, trotz Krise! Das Schlusslicht ist - mal
wieder - Bad Doberan, und CDU, FDP und PDS haben da an einem
Strang gezogen, ebenso die abgesplitterten Gruppen... offenbar
scheinen einige sich den Stand von vor 20 Jahren zurück zu
ersehnen, oder welche Beweggründe haben diese, hier einen
weiteren Stillstand zu verursachen? Und die merkwürdigen
Konstellationen werden möglicherweise andere
Kommunalwahlergebnisse zeitigen, als man sich wünscht...
Ein Trauerspiel - Schilda war besser!
02.04.2009 - 12:46:02
Meyer-Schwickerath
Das Lesen von Planunterlagen scheint kompliziert zu sein, auch
wenn diese noch einmal von einem Architekten in epischer
Breite erklärt wurden. Doch er hätte sich mühen können ohne
Ende, die Antihaltung diverser Stadtvertreter stand von vorn
herein fest. Blamabel. Es kann höchstens dem Wahlkampf
geschuldet sein, daß so ein Durcheinander entstand. Doch
gerade im Wahlkampf bringt die positive Einstellung Stimmen.
Yes, we can, oder doch nicht???!!!
Ruthilde Suchmilsky
Gut so
Ich finde es gut so,das die Stadtvertreter sich endlich dazu
durchgerungen haben,das ganze nicht zu genehmigen. Es war
nicht mehr durchschaubar,was dort in Heiligendamm ablüfut.
Man kann nicht es bedauern,das es dort nicht wietergeht,das
die Handwerker um ihre eventuelle Arbeit dort,bekommen sind.
Viel wichtiger ist doch,das ein einmaliges Gebiet,bewußt
verfallen ist.
Geld war gesicher genügend da.
Aber es wurde mit der Zeit gespielt.
Es ist schlimm,das mecklenburgisches Erbe so verscherbelt
wurde.
Es war doch von Anfang an klar ,das das dort bald nicht mehr
öffentlich sein wird.
Dazu hat so mancher dazu beigetragen,hat Knicks gemacht und
nur Ja-ja zu allem gesagt,was von dort kam.
Und nun haben wir die Bescherung.
Wenn das jetzige Vorhaben durchgekommen wäre,na dann gute
Nacht Mecklenburg.
Hätte man gute Absichten gehabt,einen kleinen Teil als
Rückzugsgebiet für sich zu nehmen,aber im allgemeinen zu
restaurieren,damit auch alle dort weiter herumwanderen
könnte,wäre auch was getan worden.
So wurde doch nur mit Hinhaltetaktik gespielt.
Aber Heiligendamm ist nicht das einzigste
Sanierungsproblem,siehe das alte Moorbad in Bad Doberan.
Als Vergleich mal Görlitz,da kam ein Investor,der aber
unbekannt ist,der hat jedes Jahr 1/2 Million Euro spendiert
und Görlitz ist h eute schöner als je und Heiligendamm ist nur
noch ein --.
Traurig,aber wahr!Wer glaubt,Investoren sind immer was
gutes,der sieht sich hier bestätigt und Leute,die jemanden
immer in den Hintern kriechen,um Lieb Kind zu sein,gibts zu
allen Zeiten.
02.04.2009 - 17:43:18
Erika Wenzel
...
Was genau ist jetzt
„gut so“, Frau Wenzel?
Abgesehen davon, ... ist Ihr Kommentar auch inhaltlich noch
peinlicher, als die letzte Entscheidung der Bad Doberaner
Stadtvertreter zu Heiligendamm.
„Auf Zeit gespielt“ haben hauptsächlich die Gegner des
Investitionsvorhabens in Heiligendamm - und das haben sie
richtig gut gemacht, wie man heute an der Perlenkette sehen
kann. Gratulation!
Für Investoren ist Zeit Geld, vielleicht haben Sie davon schon
mal etwas gehört. Und Geld wächst, anders als manche
vielleicht vermuten, nicht auf Bäumen. Jedes Jahr, in dem
Heiligendamm nichts passiert, kostet den Geldgebern deutlich
mehr, als sie einnehmen. Woher sollte also auf dieser Seite
das Interesse kommen, auf Zeit zu spielen?
Das Investoren um die ECH in den jetzigen Krisenzeiten nun
langsam Probleme bekommen, auch weil in Amerika einige
Finanzhaie den Hals nicht voll genug kriegen konnten, und
Immobiliengeschäfte deshalb ein noch höheres Risiko als bisher
darstellen, dürfte jedem klar sein.
Mag sein, dass Sie es als „gut so“ empfinden, dass die Stadt
Bad Doberan neben dem Kammerhof vielleicht kurz vor einem
zweiten Millionengrab steht und das älteste deutsche Seebad
weitere Jahrzehnte verfallen wird, weil die, die investieren
wollen irgendwann die Nase voll haben von dem Geschwätz
verkrachter Doberaner Existenzen.
Ob die Einwohner der Stadt Bad Doberan so etwas als „gut so“
empfinden, darf stark bezweifelt werden.
Bezweifelt werden darf gerne auch, ob die Entscheidung der
Stadtvertreter tatsächlich „Sieg für Bürger Heiligendamms“
ist, wie es die OZ kürzlich betitelte. Ob sich die
Heiligendammer Einwohner, Pensionsinhaber oder Betreiber von
Ferienwohnungen tatsächlich über den weiteren Verfall freuen
und das als „Sieg“ genießen?
Niemand muss Investoren in den Hintern kriechen, es ist völlig
ausreichend, ihnen keine Steine in den Weg zu legen. In Bad
Doberan ist das offenbar ein kaum machbares Unterfangen. Das
bei diesem großen Projekt auch gravierende Fehler seitens der
ECH gemacht wurden, sollte natürlich auch mal zugegeben
werden, dies wäre dem Klima zwischen Stadtvertretern und der
ECH sehr dienlich.
Bleibt zu hoffen, dass die Kommunalwahl hier etwas Klarheit
bringen wird. Allerdings bin ich über das Abstimmungsverhalten
der einzelnen Parteien im Stadtparlament entsetzt. Die SPD
stimmt pro Investor und CDU und FDP dagegen? Was ist das denn
bitte? Wenn das so ist, dann wählt die Leute mit Weitsicht von
der SPD!
Diese Antwort geht in ähnlicher Form auch als Leserbrief an
den Stadtanzeiger, ich bitte hiermit dringend um
Veröffentlichung!
03.04.2009 - 08:21:15
Fred Samel
...
Was interessiert die
Menschen in dieser Region?
Wer Investitionen verhindert, der verhindert
Verdienstmöglichkeiten für die Leute. Wie überall auf der
Welt, so ist der Job für die Menschen auch aus Bad Doberan
wichtig. Man sehe sich die Ergebnisse der Abstimmung von den
Stadtvertretern zu weiteren Investitionen in Heiligendamm an:
die Abgeordneten mit gesichertem Einkommen (Rente, öffentliche
Hand) müssen sich doch nicht um Arbeit in dieser Region
kümmern. So haben sie natürlich abgestimmt. Aber: jedes Volk
hat die Regierung, die es verdient.
03.04.2009 - 14:14:27
Christel Fründt
Stillstand in
Heiligendamm
Nun ist es also heraus - 50 % der Doberaner Stadtvertreter
wollen nicht, daß es in Heiligendamm weiter geht.
Egal, was bisher in Heiligendamm für Probleme, Anschuldigungen
und Diskussionen über den Investor und seine Vorhaben
vorhanden waren, mit der Ablehnung der bereits beschlossenen
Änderungen zu den B-Plänen kann der Investor nun mal nicht
weitermachen.
Planungssicherheit für Investitionen sieht anders aus.
Die Verantwortung für den jetzt verordneten Stillstand in
Heiligendamm ist von der ECH - wenn es sie denn bisher war -
auf die Doberaner Stadtvertreter übergegangen.
Hieraus, wie in der OZ veröffentlicht, einen Sieg für die
Heiligendammer zu machen, wird ein nicht nachvollziehbares
Geheimnis des Artikelschreibers bleiben.
Durch den jetzt durch Verweigerung der erforderlichen
Genehmigungen herbeigeführten Stillstand haben die
Heiligendammer verloren - und zwar alle. Auch Einzelpersonen,
die sich auf Stadtvertretersitzungen nicht benehmen können.
Dem geneigtem Leser können wir aber versichern - die
Heiligendammer sind nicht alle so!
Zum Glück wurde in der Stadtvertretersitzung am 30.03.09
namentlich abgestimmt. So können alle Bürger von Bad Doberan
und Heiligendamm bei den kommenden Kommunalwahlen mit ihrem
Kreuzchen entscheiden, ob sie den Verfall - oder die
Fortsetzung der Investitionen in Heiligendamm wollen.
Bernhard und Elke Hildebrandt aus Heiligendamm
04.04.2009 - 18:40:56
Bernhard und Elke Hildebrandt
Endlich klopfen die Stadtvertreter, zumindest der überwiegende
Teil, der ECH ( eigentlich dem Herrn Jagdfeld ) auf die
Finger. Dies war längst überfällig. Ich habe einen Ordner –
Entwicklung Heiligendamm--seit 27.04.2002 angelegt , bis zum
heutigen Tage. Wenn man sich die Interviews, Meinungen,
Absichten und Versprechungen des Herrn Jagdfeld ansieht, von
2002 bis heute 2009, dann kann man dem Herrn Jagdfeld ( ECH)
nicht mehr glauben. Wie ein roter Faden zieht es sich hin---
Herr Jagdfeld will- g a n z- Heiligendamm haben – Da sind alle
Mittel recht. Die Einwohner u. viele andere Bürger wurden doch
total verarscht u.- die Politiker, außer ein paar, haben
dieses Spiel mitgemacht. Jedem Bauherren werden Fristen
gesetzt, Herr Jagdfeld steht über den Dingen. Ich hoffe die
Banken werden langsam hellhörig. Nicht die Stadtvertreter
haben den Aufbau Heiligendamm ( gemeint Aufbau des
Hotelkomplexes) verhindert, sondern Herr Jagdfeld persönlich.
Meine Damen u. Herren Stadtverteter , lassen Sie sich nicht
vor den Karren spannen, entscheiden Sie auch mal gegen ECH,
Fundus, Jagdfeld. Er soll erst einmal die alten Forderungen
erfüllen. Der größte Fehler – alles an einen Investor. Herr
Mattke hat genau den Kern getroffen. Als „“nicht „
Heiligendammer kann man immer auf den Putz hauen. Wir leben
hier u. nicht Sie Herr Sembill ( OZ vom 08.04.) Von was
profitieren denn die----Heiligendammer ------ Vom Wurst- und
Bäcker- Mobil, einmal die Woche, von Absperrungen, Zäune,
Hecken, Sperrung des Europäischen Rad u.- Wanderweges ??(OZ v
08.04.) Fragen Sie mal die älteren Mitbürger! Es sind auch
nicht einige, wenige. Da haben Sie das Ohr nicht an der Masse.
Ein letztes, Herr Hensel ( OZ v. 08.04.) die Zeitungen sind
zum Informieren da u. nicht irgendjemanden nach dem Munde zu
Reden sondern des Volkes Meinung wiederzugeben, auch wenn dies
Ihnen nicht gefällt. ... Es geht um die Bürger von -H e i l i
g e n d a m m. Wären es mehrere Investoren gewesen, hätte es
einen Wettbewerb gegeben u. wir hätten wieder Leben, Urlauber,
Touristen, Tagesgäster hier, die auch Geld--hier--lassen und
Kleinunternehmen ( Gaststätten, Kaffee, Friseur ect) in
Heiligendamm ein Einkommmen sichern.Wer von den "
Herrschaften" läßt Geld direkt in Doberan ??
Bernd Ludewig
Heiligendamm
07.04.2009 - 20:14:50
Ludewig
...
Sicher kann jeder die Enttäuschung einiger Heiligendammer und
Doberaner nachvollziehen, denn der Anblick der Villen ist
nicht besonders erquickend. Es kann schon sein, dass es ein
Fehler war, alles in die Hand eines einzigen Investors zu
legen. Bad Doberan hat sich aber nun mal dafür entschieden.
Das lässt sich nicht rückgängig machen - das sollte jedem
langsam klar sein.
Bestimmt haben die Investoren und die Stadtvertreter einige
falsche Entscheidungen getroffen, das ist bei einem Projekt
dieses Ausmaßes wahrscheinlich nicht zu vermeiden. Mit „hätte
man damals dies, hätte man damals das“ findet man aber heute
auch keine Lösungen.
Gleiches gilt für das ewig gestrige Gejammer wie „Zu
DDR-Zeiten war alles besser“ (Leserpost), denn wir sollten
nicht vergessen, dass der Zusammenbruch der DDR die Ursache
für das heute existierende Heiligendamm ist.
„Nicht die Stadtvertreter haben den Aufbau Heiligendamm
(gemeint Aufbau des Hotelkomplexes) verhindert, sondern Herr
Jagdfeld persönlich.“
Aber sicher doch, einziges Ziel des Herrn Jagdfeld ist es
schließlich, den Aufbau Heiligendamm zu verhindern. Klingt
total logisch, das machen doch alle Investoren so. Wirklich
weise, wirklich...
Niemanden geht es darum, jemanden „nach dem Munde zu Reden“.
Vielmehr geht es den meisten darum, das bisher Erreichte nicht
auch noch zu zerstören, denn damit wäre niemanden geholfen,
nicht den Heiligendammern, nicht den Bad Doberanern und auch
nicht den Investoren.
Bei der Entscheidung der letzten Stadtvertretersitzung ging es
u.a. um den Bau von Tiefgaragen für die Villen der Perlenkette
in Heiligendamm, damit die Villen als Wohnraum genutzt und
endlich saniert werden können.
Dass der Investor sich nun endlich doch dazu durchgerungen
hat, die Villen als Wohnraum zu verkaufen kommt zwar reichlich
spät, ist aber doch begrüßenswert, oder nicht? Und dass die
Mieter oder Eigentümer der Villen ihre Fahrzeuge
(schätzungsweise zwei bis vier pro Villa) nicht auf der Straße
parken möchten, ist einleuchtend. Dass sich die Villen ohne
ausreichende Möglichkeit, Fahrzeuge unterzubringen, nicht
verkaufen/vermieten und damit auch nicht sanieren lassen, ist
ebenso einleuchtend.
Es gibt im Moment wenig Grund zur Freude, weder bei den einen,
noch bei den anderen. Nach wie vor sehe ich weit und breit
keinen „Sieg für die Bürger Heiligendamms“.
11.04.2009 - 19:19:04
Fred Samel
Herr Samel, es geht doch hier nicht mehr um einzelne Objekte.
Es geht doch darum wie der Herr Jagdfeld mit den Politikern ,
den Doberanern u. vor allen Dingen mit den Heiligendammern
"spielt". Leider haben wir alle mit uns "spielen" lassen.
Auszug aus OZ vom 16.07.2002 "- Anfang 2003 soll in H.damm der
Startschuss für eine gewaltigen Entwicklungsschub erfolgen,
den der gesamte Ort in den Folgejahren erfahren wird , blickt
Herr Jagdfeld voraus" -. Auszug Ende. Ich könnte Ihnen noch
unzählige ähnliche Kommentare von Herrn Jagdfeld mitteilen.
Darum geht es . Herr Jagdfeld ist der Herr " aller Reusen" u.
alle anderen haben sich dem unterzuordnen. Wir waren anfangs
wirklich froh als es losging, wir haben uns auch die
Hotelzimmer angesehen usw. Wir dachten, ok ." dort sind die
Betuchten u. hier die Normalos. Wir kommen miteinander aus,
Hauptsache der Ort erblüht wieder und --alle--- haben etwas
davon. Aber Pustekuchen. Leere Versprechungen,
Absperrungen,Wanderwege sperren, Gartenanlagen aufkaufen u.
die Gartenpächter verdrängen ( obwohl die noch hätten 2-3
Jahre ihre Gärten bestellen können) Ich weiß wovon ich Rede.
Ich vergleiche Heiligendamm mit Hohe Düne. Gibt es dort Zäune,
Hecken, Absperrungen. Die Leute gehen sapzieren, schauen sich
die Anlage an u. die "Betuchten" stören sich nicht daran. Oder
hat Hohe Düne weniger Sterne ?? Ich muß auch den Politikern
Vorwürfe machen. Diese Unentschlossenheit u. Wankelmütigkeit
hat mit zur jetzigen Situation beigetragen. Auzug aus OZ v.
07.11.2003"- Der Kleine Wold westlich des Grandhotel wird
nicht an die ECH verkauft , der Küstenweald soll als Kur
u.Erholungspark für die Öffentlichkleit erschlossen werden"--
Auszug Ende. Ha,ha,ha. Ich könnte noch mehr anführen, aber
genug. Es soll doch nur mal eine Person der ECH voran Herr
Jagdfeld oder die Politiker, die damals tiefe Bücklinge
gemacht haben, sagen. Verdammt wir haben uns geirrt, es tut
uns leid wir machen es jetzt besser, gemeinsam mit den Bürgern
von H.damm u. auch von Bad Doberan. Wenn es aber so
weitergeht, dann wird es irgendwann Sieger u. Verlierer geben.
Die Politiker denken doch nur von einer Wahlperiode bis zur
anderen. Es sind bald Wahlen. Ehrlichkeit ist angesagt!!!!
12.04.2009 - 10:45:31
Bernd Ludewig eMail Homepage
Heiligendamm ist
weit weg
Gut getroffen, Herr Samel und Frau Schuchmilsky.
...
Nun zum Thema:
Mir könnte Heiligendamm egal sein. Ich bin weit genug weg.
Früher war ich gerne Gast dort (- nein, liebe
Rhetorik-Künstler, ich meine nicht zur DDR-Zeit) und ich hatte
die Hoffnung, daß diese Gegend schnell eine Perle an der
Ostsee wird. Die Basis dafür war da. Sicher hatte es mehrere
mögliche Investoren gegeben, die gerne einzelne Bereiche der
Perlenkette zu neuem Glanz verholfen hätten. Ich bin davon
überzeugt, daß mit denen jetzt höchstens - wenn überhaupt -
eine heruntergekommene Villa den Anblick verschandeln würde.
Doch so ist nun die ganze Kette verkommen. Da hatte die
Mehrzahl der Stadtvertreter wohl alles auf eine Karte gesetzt
und verloren
Nun heißt es, die Stadtvertreter hätten alles hinausgezögert.
Da bin ich mir nicht so sicher. Sehe ich mir an, welche
Versprechen für die Halbinsel Wustrow gemacht worden sind.
Dort ist nichts passiert. Dort hat die Stadt gar keinen
Einfluß. Dort hatte der Investor das Blaue vom Himmel
versprochen. Ist die Investorengruppe dort nicht die gleiche,
wie die von Heiligendamm?
Ist dort nicht einem Mitbewerber vorgeworfen worden, er könne
nicht zahlen? Vielleicht hatte die Investorengruppe, die jetzt
auf dem Areal sitzt, mit Geld gewunken, das gar nicht
vorhanden war? Vielleicht sieht es in Heiligendamm ähnlich
aus?
So oder so, Heiligendamm ist für mich keinen Besuch mehr wert,
zu umständlich ist mir der Weg zur Seebrücke.
Für Leute, die eine Radtour entlang der Küste unternehmen
wollen, wird Heiligendamm sicher auch unangenehm in Erinnerung
bleiben.
Aber vielleicht ist das Absicht des jetzigen Investors, solche
kleinen Leute wie mich von Heiligendamm fernzuhalten? Meiner
Erfahrung nach vernichtet solches Gebahren Arbeitsplätze.
Klar, es wird damit geworben, daß ein Investor viele
Arbeitsplätze schaffen würde. Daß zum Beispiel 200 mal „nur“
ein Arbeitsplatz auch 200 Arbeitsplätze sind, wird dabei
völlig ignoriert. Aber wen interessieren schon die kleinen
Leute und Gewerbetreibenden, die fette Große Zahl ist in den
Medien, vielen Politikern und Wählern wichtig.
12.04.2009 - 19:51:16
Oskar Kreuz
Herr Ludewig, schön dass Sie den Humor nicht verloren haben.
Wie gesagt, wie jemand schreibt, sagt viel über den Menschen
aus. Aber: Keine Fehler macht nur der, der nichts macht (*).
Was den Wahrheitsgehalt und den Sinn von Artikeln über
Heiligendamm in der von Ihnen erwähnten Tageszeitung betrifft
- darüber liesse sich eine weitere sehr lange Diskussion
führen.
Die Kommentare von Herrn Jagdfeld werden offenbar gerne mal
überschätzt, so wie die Person selbst auch. Für manche scheint
der Mann ja so etwas wie ein Monster zu sein. Dabei ist er
sicher in erster Linie ein Mensch, wie wir alle. Natürlich ist
Herr Jagdfeld auch der Chef des ganzen Geschehens - und sicher
hat damit er das Recht festzulegen, wo es lang geht, das ist
doch nichts ungewöhnliches. Das bedeutet aber nicht, dass er
immer die richtigen Entscheidungen fällt, siehe (*) oben.
Oft müssen bei so großen Projekten Entscheidungen getroffen
werden, obwohl noch nicht absehbar ist, wie es sich entwickelt
(*2).
Für das Vorhaben Heiligendamm wurde wichtige Zeit wegen einer
absolut unhaltbaren Forderung nach dem so genannten „Stichweg“
quer durch das Hotelgelände vergeudet. Wer sich den Verlauf
des damals geforderten Weges vor Ort angeschaut hat, weiß was
gemeint ist. Für das Projekt bedeutete das jahrelangen
Stillstand und Verlust von Geldgebern. In diese Zeit fiel auch
das „Auskippen“ von Bustouristen in Heiligendamm, was das
Hotel zu einer Art Zoo zum Reiche Anschauen verkommen ließ.
Das dadurch die Suche nach neuen Geldgebern (...und
Hotelgästen) schwieriger wurde, als geplant, leuchtet sicher
den meisten ein (siehe *2).
Seit dem ist der Investor auf das Wort „Öffentlichkeit“ in
Heiligendamm nicht mehr so gut zu sprechen. Niedrige Hecken
und Zäune wurden gesetzt, Wege gesperrt. Ursache und Wirkung
sollte man hier im Auge behalten. Aus meiner Sicht war das
reine Notwehr und hatte hauptsächlich mit den Bustouristen und
nicht mit den Einheimischen zu tun.
Zu Ihrem „tiefe Bücklinge machen“ oder auch „nach dem Munde
Reden“ hatte ich mich schon geäußert.
Niemanden geht es darum, ich denke das wissen Sie auch. Auf
dieser Ebene sollte nicht diskutiert werden, dafür ist das
Projekt einfach zu wichtig.
Das älteste Seebad Heiligendamm mit historischen Gebäuden,
welches zur Exklusivität entwickelt werden soll, mit „Hohe
Düne“ zu vergleichen - das trifft den Kern sicher nicht. Auch
die Fundusgruppe betreibt Hotels, die der Öffentlichkeit
zugänglich sind. Ehrlichkeit? Ja, aber bitte auch hier.
Nebenbei teile ich Ihre Auffassung, dass die Investoren Fehler
einräumen könnten, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu
brechen, siehe meinen Kommentar vom 03.04.2009. Gleiches würde
allerdings auch den „Gegnern“ des Projektes gut zu Gesicht
stehen.
Wir haben einen Investor in Heiligendamm, dem es sicher schon
mal besser ging, wir sollten versuchen, wieder den Weg zur
Sachlichkeit zu finden. Es wird keine Gewinner und Verlierer
geben, sondern nur Verlierer, wenn es in Heiligendamm nicht
bald vorwärts geht.
Ein bisschen weniger Emotionen und etwas weiter über den
Tellerrand schauen könnte dabei schon helfen.
13.04.2009 - 11:00:22
Fred Samel
Herr Samel, ich schätze irgendwann werden wir einer Meinung
sein ( Scherz). Ich weiß zwar nicht inwieweit Sie persönlich
mit H.damm verbunden sind. Ich sehe vieles mit anderen Augen
als Mitbürger die mal schnell nach H.damm kommen, flanieren u.
wieder abfahren. Ich selbst wohne seit 1982 hiere u. habe
alles bewußt mitbekommen. Ich will auf gar keinen Fall alte
Zeiten zurück, auch nicht in H.damm.Ich könnte Ihnen aber
wieder Zitate aus der OZ ( ist meiner Meinung nach sehr
seriös) mitteilen --persönliche Äußerungen von Herrn Jagdfeld
zu den Bustouristen.Wer hat denn dazu animiert ? Nicht die
Bewohner, sondern Herr Jagdfeld. Natürlich würde es mich sehr
stören wenn Leute durch das Fenster auf meinen Teller schauen
würden. Sie haben eine andere Meinung zu Herrn Jagdfeld als
ich ( wie erwähnt , habe alles gesammelt seit 2002) Der
sogenannte Stichweg ist doch nicht das Hauptproblem.Auch ohne
diesen Weg hätte "er" Haus Perle abgerissen. G 8 Gipfel kam
gerade recht.Ist hier eventuell die Sichtachse zum Wasser vom
neu erbauten Haus gestört ? Nur eine Frage. Der Stein stört
die Sichtachse der Kameras zum G8 !!! Muß weg. Beides wird
sofort wieder am alten Platz errichtet !!!! Zum Glück ist der
Stein geblieben. Er liegt dort seit über 100 Jahren. was ist
passiert " Perle" kommt nie wieder. Verstehen Sie meine
Zweifel. Dies sind ja nur einige wenige Dinge.Es würde zu weit
führen. Der Stichweg ist daran nicht Schuld. Sind Sie meiner
Meinung--Wettbewerb fördert den Fortschritt -? Genau das fehlt
in H.damm. Emotionen sind auch was schönes wenn sie in die
richtigen Bahnen gelenkt werden. Wir schauen auch über den
Tellerrand hinaus, weil wir ja von innen nach außen schauen.
Wissen Sie eigentlich, daß außer die Gartenstraße (Eigenheime)
, die Dr. Kortümstraße ( Wohnblöcke) u. 2 Häuser der
Kühlungsbornerstr. alles der ECH gehört. Ist schon komisch
,oder. Können Sie nachsehen. Da kann man eigentlich nicht viel
Freude der Einwohner erwarten. Deshalb auch unser Mißtrauen
ggegenüber der ECH ( Herr Jagdfeld). Wünsche Ihnen einen
angenehmen Abend.
13.04.2009 - 11:06:47
Bernd Ludewig
Herr Ludewig... Bustouristen animiert? Werfen Sie dem Hotel
oder dem Investor vor, Werbung für das Hotel und Heiligendamm
gemacht zu haben? Ist das nicht ein bisschen sehr weit weg von
der Realität? Das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen.
13.04.2009 - 20:07:08
Fred Samel
Nein Herr Samel, dies werfe ich niemanden vor. Ich könnte
Ihnen zu dieser Geschichte wieder Zitate vom Hotel und von
Herrn Jagfeld nennen,- aber lassen wir das. Werbung machen ist
doch vollkomen ok. Aber-- dieses dann hinterher, als es
unangenehm wird , als Grund anzugeben-- die Leute stören--wir
müssen alles dicht machen finden Sie das ok.? Dieses wußte man
doch schon vorher. Wie gesagt , mir geht es einfach um die Art
u. Weise wie die ECH (Herr Jagdfeld ) über Jahre hin weg mit
uns allen umgeht .Noch eine letzte Sache : Ein Gartennachbar
aus Apolda sagte mir, es ist für Außenstehende nicht
nachvollziehbar, daß sogar der Fußweg auf der Hotelseite
einfach rückgebaut wurde, gegenüber der Fußweg abgezäunt ist
um ja die einfachen Leute weit genug vom Hotelkomplex zu
haben. Wenn er dies anderen Leuten in seiner Heimat erzählt
glauben sie ihm dies nicht. Genau dies ist das Problem. Wie
lange ist der Fußweg vorhanden gewesen ? Jahrzehnte--. Aber
sicherlich gibt es dafür "wieder" einen anderen Grund.. Wie
ich bereits erwähnte ---unsere Politiker und Herr Jagdfeld ---damals
ein hervorragendes Gespann. Allen voran " unser
"Bürgermeister. Ich möchte damit auch meine öffentliche
Meinungsäußerung beenden, obwohl ich soetwas sehr gut finde.
Ich danke Ihnen für die rege Diskussion. Wie sagt man so schön
" besser miteinander reden als schießen" , dies aber nur
sinngemäß.Ich werde die Entwicklung sehr aufmerksam weiter
verfolgen u. meinen Ordner sicher weiter füllen können. In
Mußezeiten lese ich alles von vorn bis heute. Find ich sehr
interessant. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen u. bleiben
Sie gesund.
14.04.2009 - 09:35:31
Bernd Ludewig
Horst Gühler, für die Fraktion CDG in der Stadt Bad Doberan.
Besuchen Sie uns bitte unter www.cdg-baddoberan.de.
Gesamtmaßnahme Heiligendamm / Vorder Bollhagen
Das Grundgesetz garantiert uns Bundesbürgern das Recht auf
freie Meinungsäußerungen. Es darf auch eine Äußerung aus dem
Bauch heraus sein, Ihre Meinung ist schon gefragt.
Die Gemeindemitglieder wählen ihre Vertreterinnen und
Vertreter in die Gemeindevertretung.
Als Gemeindevertreter sollte man dem Bauchgefühl nicht zuviel
Spielraum lassen, sondern auch das geltende Recht beachten,
die Situation analysieren, dann sachgerecht diskutieren und
Entscheidungen in der Stadtvertreterversammlung treffen. Für
letzteres bekommt der Stadtvertreter auch eine angemessene
Aufwandsentschädigung vom Steuerzahler. Es ist wohl
unstrittig, das Entscheidungen zum Wohle der Gemeinde
getroffen werden sollen, auch wenn dies in einer freien
Marktwirtschaft am Ende nicht immer gelingt, denn es
verhandeln immer zwei Vertragspartner mit ihren
Zielvorstellungen. Schön, wenn beide ihr Ziel erreicht haben.
Die Fakten zu Heiligendamm:
Die Treuhandanstalt hatte mit dem Bund die Immobilie
Heiligendamm zum Verkauf ausgeschrieben. Im ersten Anlauf
standen die Objekte einzeln zum Verkauf, auch wenn dies einige
heute nicht glauben wollen. Der Einzelverkauf scheiterte. Es
wurde ein zweiter Anlauf unternommen, die Immobilie als
Gesamtobjekt ausgeschrieben. Die Stadt durfte über das
Grundkonzept entscheiden, die Stadtvertreter forderten die
Sanierung des ersten deutschen Seebades Heiligendamm auf hohem
Niveau. Unter dieser Bedingung erfolgte die Ausschreibung.
Vier große Investoren hatten sich beworben, FUNDUS erhielt den
Zuschlag zum Kauf. Alle Fraktionen im Landtag stimmten dem
Verkauf an FUNDUS zu, was heute nicht alle wahr haben wollen.
Das erste städtebauliche Konzept entsprach einer
Investitionssumme von ca. 250 Mio Euro. Mit der Erweiterung
des Konzeptes durch die B-Pläne 25 u. 26, mit dem Grand-Hotel,
Thalasso- Zentrum, Ayurveda-Zentrum und Plastische Chirurgie,
erhöhte sich die Investitionssumme auf ca. 750 Mio Euro.
Offensichtlich gibt es Menschen die sich über die Investition
freuen, sich aus Prinzip ärgern und welche die die Konkurrenz
fürchten. Bis 2008 hat Herr Jagdfeld alle vertraglichen
Bedingungen erfüllt, soweit die Finanzierung durch ihn
gesichert werden konnte. Die Sicherung der Finanzierung der
weiteren Bauabschnitte ist schwierig, zumal Herrn Jagdfelds
Gegner scheinbar erfolgreich die Auslastung der neuen
Hotelanlage, durch entsprechende Meinungsäußerungen,
verhindern. Die negativen Äußerungen zur Fundusgruppe
verschrecken die Gäste und Anleger. Es sei noch einmal darauf
hingewiesen, dass die Gegner bereits den Bau der Median-Klinik
bekämpft hatten und vor dem Verkauf der historischen Anlage
ein Staatsbad forderten. Die Forderung nach dem Staatsbad
wurde, aus Geldmangel, durch die Landesregierung konsequent
abgelehnt. Es ist davon auszugehen, dass die jetzige
Stadtvertreterversammlung keine Entscheidungen mehr zu
Heiligendamm treffen wird. Wir können die Wählerinnen und
Wähler nur bitten sehr genau zu überlegen wen Sie im Juni zum
Stadtvertreter wählen, um der Gemeinde, unter den
internationalen Bedingungen der freien Marktwirtschaft, eine
Entwicklungschance in allen Bereichen einzuräumen. Die
Tafelrunde besetzt der Wähler in eigener Verantwortung alle
vier Jahre neu, mit allen Konsequenzen. Fanatiker werden
weiterhin keinen sinnvollen Beitrag zur Entwicklung der
Gemeinde leisten. Da einstige Gegner der Median-Klinik diese
heute benutzen um Herrn Jagdfeld zu bekämpfen, ist Zeichen und
Warnung genug. Es sind Stadtvertreter gefragt, die mit kühlem
Kopf Entscheidungen treffen. Ob die Denkmalschutzbehörde bei
der Erteilung der Abbruchgenehmigungen fachlich richtig
gehandelt hat ist zu prüfen. Für uns steht fest, dass ein
Verkauf an einzelne Investoren dem Ensemble Heiligendamms
geschadet hätte. Denken Sie bitte nur an die Reklamen an den
Gebäuden und die Blechlawine zwischen den Gebäuden. Dies
Erscheinungsbild würde keinem gefallen. Natürlich fällt es
schwer den größten Teil eines Ortsteiles hinzugeben, aber die
Chance für die Gemeinde sollte man nicht bei der persönlichen
Abwägung unberücksichtigt lassen. Eine Hotelanlage ist kein
Einzelobjekt und muss deshalb den Gästen vorbehalten sein,
zumal es sich um unsere Gäste handelt. Wenn alle auf die
Wünsche der Hotelgäste Rücksicht nehmen würden, brauchten
keine Zäune und Hecken errichtet werden. Wer sich weit genug
von der Planwirtschaft in den sozialistischen Staaten entfernt
hat kann gutwillig erkennen, dass die
Stadtvertreterversammlung und die Stadtverwaltung mit dem
neuen Grundstückseigentümer FUNDUS verhandeln muss und diesem
nicht vorschreiben kann, wie er sein Geld und das der Anleger
zu verwenden hat. Vielleicht helfen Ihnen die Fakten und
Hinweise bei Ihrer Entscheidungsfindung, wir sind gerne für
Sie da. Die Gemeindemitglieder können nicht erwarten, dass
ohne Kompromisse die Entwicklung zu haben ist. Die Schuldenuhr
am Finanzministerium sollte uns Warnung genug sein, Leistung
ist gefragt um soziale Probleme lösen zu können, nicht der
unhöfliche Umgang mit Investoren.
14.04.2009 - 19:21:44
Horst Gühler
Liebe Diskutanten,
es freut mich, wie auch Demokratie im Internet funktioniert.
Der Austausch von unterschiedlichen Meinungen ist etwas ganz
natürliches, so lange die Sachlichkeit und der Respekt nicht
verloren gehen. Herr Gühler, der ja von Anfang an das Projekt
Heilgendamm begleitet hat, ist wohl der profundeste Kenner der
Materie und spricht mir aus dem Herzen. Mir ist nur ein Satz
aus dem städtebaulichen Vertrag in Erinnerung: "Die Stadt Bad
Doberan und die ECH eintwickeln g e m e i n s a m Heiligendamm
zu einem exklusiven Seeheilbad". Dies mag einigen altvorderen
Linke-Mitgliedern gegen den Strich gehen, aber warum
ausgerechnet Teile der CDU und Herr Ludwig gegen eine positive
Entwicklung in Heiligendamm sind, ist nicht nachvollziehbar.
Und dann kommt noch der allwissende Herr Klink, der mit seinen
unsinnigen Anträgen nicht zur Klärung von Widersprüchen
beiträgt, sondern die SVV nur elendig ausdehnt.
Damit es in Heiligendamm weiter geht, muß eine vertrauensvolle
positive Einstellung der Stadtvertreter aufgebaut werden. Denn
gerade Vertrauen ist für eine gesicherte Finanzierung der
zukünftigen Bauvorhaben besonders wichtig. Haben die Anleger
kein Vertrauen, gibt es kein Geld - gibt es kein Geld, kann
nicht weiter gebaut werden. Mit einer positiven Entscheidung
für den geänderten B-Plan würde der Bauträger ECH nun massiv
unter Druck gesetzt werden, denn dann gibt es keine Ausflüchte
mehr, warum es nicht weiter geht.
R. Schuchmilsky
15.04.2009 - 19:52:30
Ruthilde Schuchmilsky
Frau Schuchmilsky, eigentlich wollte ich nicht mehr schreiben,
aber da Sie mich pesönlich angesprochen haben möchte ich doch
noch antworten.
Lesen Sie bitte meine bisherigen Beiträge nochmals
ausführlich, da können Sie sehen, daß ich überhaupt nicht
gegen eine positive Entwicklung von H.damm bin. --Wenn es denn
eine für ganz H.damm wäre---u. nicht nur für die Hotelanlage.
Ich wohne in hier u. komme nicht nur mal am Wochenende vorbei.
Und Sie ?? Ich bin gegen Ausgrenzung u.- Zurückdrängung der H
e i l i g e n d a m m m e r. Ich bin auch gg. einen Investor
der nicht mit offenen Karten spielt, weil dies irgendwann mal
ganz schnell in die Hosen gehen kann.
Auch Herrn Gühler kann ich sagen, nicht jeder der eine
gegenteilige Meinung zu Herrn Jagdfeld hat, ist ein --Linker,
ein Sozialismus behafteter oder Mitglied irgendeiner Partei,
Bündnisses oder wie Sie sagen Fanatiker. Ich bekämpfe nicht
Jagdfeld. Dies tun ganz andere Bürger---2006 ( ich weiß, lange
her) las ich im Internet im Managermagazin einen Beitrag von
Anlegern im Immobilienfonds der Fundus -Gruppe, fragwürdige
Projekte. Bis dahin hatte ich einen doch positiven Eindruck
von der Fundus -Gruppe ( Herrn Jagfeld) Dann kamen mir Zweifel
ob seiner Ehrlichkeit. War sehr, sehr interessant.Wenn ich
dann die Äußerungen des Herrn Jagdfeld -begonnen am 24.04.2002
bis zum heutigen Tag sehe, dann befürchte ich sogar, daß eines
Tages die Promenade u. der Strandabschnitt auch privatisiert
werden, obwohl dies von den Politikern vehement verneint wird.
Aber was wurde seit 2002 alles verneint u. dann doch
genehmigt. Oder Herr Gühler, liege ich in denn so weit daneben
?? Eine Begründung gibt es immer, oder ? Sie appellieren an
die Wähler genau hinzuschauen. Dies tun wir sehr genau Herr
Gühler.Ich möchte es Ihnen, den Politiker , Herrn Jagdfeld,
dem Bürgermeister u. der Fundus -Gruppe sagen--was schief
geraten ist, muß gerade gerückt werden-dann stehen wir alle u.
ich auch hinter dieser Sache, ansonsten " Nein"
16.04.2009 - 08:54:58
Bernd Ludewig
Hallo Herr Ludewig,
Ihre sachliche Stellungsnahme und Kritik kann ich
nachvollziehen. Es ist eben nicht alles Gold, was versprochen
wird. Doch ich habe nicht Sie gemeint, sondern Herrn Ullrich
Ludwig, der Stadtvertreter des Handwerker und Gewerbevereins.
Seine gegen die auftragsuchenden Handwerker gerichtete
Einstellung führte wohl zur Nichtnominierung über den HGV,
denn nun tritt er als Einzelkandidat an.
Im Sommer werde ich wieder am Kinderstrand liegen und wenn ich
heute einen Sapziergang durch Heiligendamm mache, so gönne ich
mir auch mal einen Kaffee und ein Stück Kuchen in der Nelson
Bar. Ausgrenzung fängt immer im Kopf an und dafür ist jeder
selbst verantwortlich.
17.04.2009 - 19:01:25
Ruthilde Schuchmilsky
Sehr geehrter Herr Ludewig,
Ihre Bedenken kann ich nicht zerstreuen, weil es keine
Garantie bezüglich der Erfolgschan-cen geben kann. Jede
Investition unterliegt in der freien Marktwirtschaft, durch
den Wett-bewerb, einem großen Risiko. Da Sie mich
offensichtlich stellenweise falsch verstanden haben, erlaube
ich mir zu antworten.
- Mit der Median-Klinik wurden bisher ca. 300 Mio Euro
tatsächlich investiert. Davon profitiert ganz Heiligendamm.
Das städtebauliche Bild hat sich verbessert. Ich habe schon
verstanden, dass viele Einwohner auf die Investitionen
verzichten würden, wenn sie sich dafür ungehindert in allen
Bereichen frei bewegen könnten. Auch wenn da-durch die Weiße
Stadt am Meer ihren Ruf verliert. Dies war abzuwägen.
- Die Stadt hat ein hohes Niveau gefordert. Dazu gehört das
Schaffen von Bedingungen, die eine wirtschaftliche Auslastung
der Hotelanlage sichern.
- Es ist hinreichend bekannt, dass seit ca. 1993 die Banken
Hotelanlagen nur in Ausnahmefällen kreditieren, weshalb
Anleger gewonnen werden müssen. Ohne Auslastung keine Rendite,
ohne Rendite keine Anleger. Den Teufelskreis muss der Investor
durchbrechen, die Verantwortung möchte ich, bei dem Gegenwind,
nicht tragen müssen.
- Ich kann nicht natürlich erwarten, dass alle Stadtvertreter
und Einwohner sich kritiklos für das Konzept des Investors
entscheiden. Wenn sich z.B. die Fraktion Die Linke gegen die
Maßnahme ausspricht sind sie keine Fanatiker, sondern folgen
offensicht-lich ihren politischen Zielen. Es gibt aber
Stadtvertreter die aus Prinzip alles ablehnen und negativ
darstellen. Diese Stadtvertreter kennen Sie auch. Sie belassen
es nicht bei einer sachlich begründeten Ablehnung von
Vorschlägen des Investors, sondern gehen weit über den Rahmen
hinaus, weil sie den Investor mit Herzblut bekämpfen. An der
Nordseeküste werden sich die Hotelbetreiber über diese Art von
Kritik freuen.
- FUNDUS hat die Immobilie nicht von der Stadt erworben. Wir
verhandeln also nicht mit einem Bittsteller, sondern mit einem
Investor, der sich in einem Wettbewerb durchgesetzt hatte. Wir
können gemeinsam (Investor und Stadt) versuchen
Vorausset-zungen für schwarze Zahlen zu schaffen,
Steuereinnahmen für die Stadt zu sichern und Anleger für die
Finanzierung der nächsten Abschnitte zu interessieren.
- Sie haben scheinbar den Verdacht, dass die Hotelanlage ohne
eigenen Strandabschnitt nicht wirtschaftlich betrieben werden
kann. Ob Herr Jagdfeld zurzeit gutwillig ver-sucht ohne
reservierten Standabschnitt die Auslastung hinzubekommen und
einen solchen Wunsch dann zwangsläufig erst später äußern
wird, kann ich Ihnen nicht sagen.
- Die Wähler berufen die neuen Stadtvertreter am 07.06.09 und
legen damit die poli-tische und wirtschaftliche Ausrichtung in
der Stadt fest. Ich will keinen Wähler durch meine
Meinungsäußerung beeinflussen. Es besteht die allgemeine
Auffassung, ich kann ja doch nichts ändern, Die machen ja doch
was sie wollen. Dies stimmt nur gefühlt, tatsächlich wird die
Politik von der Gemeindevertretung bis zum Bundestag durch die
Gewählten bestimmt, entsprechend der gewählten Mehrheiten.
Deshalb sollte jeder am 07.06. bewusst entscheiden - es lohnt
sich doch zur Wahl zu gehen.
18.04.2009 - 21:07:55
Horst Gühler
Zeit für Gefühle.
Zeit für Entscheidungen.
Zeit für Heiligendamm.
Wenn ich mir diese ganze Diskussion ansehe, dann komme ich zu
dem Ergebnis, dass es in der Diskussion um Heiligendamm um
Gefühle geht:
Mulmige Gefühle, verletzte Gefühle, erhabene Gefühle und
verwirrte Gefühle. Es geht um Empfindungen, die wir als
Menschen haben und Assoziationen, die ausgelöst wurden.
Da sind die Forderungen der Investorin, die die Gefühle der
Menschen nicht verstehen kann, die da andere Vorstellungen von
Öffentlichkeit und Eigentum haben. Hier treffen zwei Welten
aufeinander, die heute noch zeigen, dass unser Land bis zu
einem Punkt zwei Geschichten hat. Das fühlt sich nicht gut an,
nicht verstanden zu werden und nicht zu verstehen.
Da sind die Entscheidungen der Stadtvertreter, welche
teilweise nur für eine Legislaturperiode geeint sein können
und wo sich die Tücken der Demokratie dann immer mal wieder
zeigen. Es sind Menschen, wie jeder andere Bürger auch, nur
hat das was der Stadtvertreter sagt ein anderes Gewicht, denn
es wird anders wahrgenommen. Und seine Verantwortung ist auch
eine andere, denn er kann nicht nur kritisieren, sondern muss
sich entscheiden. Er hat dabei nicht nur Ruf und Posten zu
verlieren, sondern auch die Verantwortung für das, was er
entschieden hat. Aus Macht kann schnell Ohnmacht werden und
auch das fühlt sich nicht gut an. Für den Stadtvertreter nicht
und auch nicht für all jene, die auf ihn setzen: die Wähler
und die Investoren der Gegenwart und Zukunft.
Da sind die Wünsche der Bürger nach Öffentlichkeit, die ich
"Freizügigkeit" nennen würde - nach Mitbestimmung, nach
Verständnis, nach Freiheit. Wünsche, die nicht immer Platz
haben in der Ökonomie eines Entwicklungskonzeptes, in der
Kompromissfindung einer Stadtvertreterversammlung und in den
Entscheidungen derselben. Auch hier sind es negative Gefühle,
die hervor keimen: Das Gefühl, nicht wahr- oder ernstgenommen
zu werden, nicht verstanden zu werden, verraten oder betrogen
zu werden - Hilflosigkeit, Zorn, Resignation oder Aggression.
Eine gefährliche Mischung und ein gefundenes Fressen für
Stimmenfänger.
Wo bleibt Heiligendamm in diesem Inferno der Gefühle?
Die weiße Stadt am Meer ist der Spiegel unserer
mecklenburgischen und deutschen Gesellschaft - von 1796 bis
heute. Jedes Bauwerk spiegelt die Gesellschaft seiner Zeit
wieder - jede Veränderung - baulich oder in der Nutzung - ist
ein Spiegel jener Epoche, in der sie stattfand.
Diese Spiegelung hat nicht aufgehört. Mit den sozialistischen
Strukturen zerfiel das Ensemble - mit den neuen Strukturen
erstrahlte es. In Teilen. Denn das ist unsere neue
Gesellschaftsform: Teilen geht es gut und anderen Teilen
nicht. Die großen Gebäude erstrahlen, die kleinen verfallen.
FUNDUS ist kein Phänomen, sondern selbst Folge dieser
Erscheinung. Sie verursacht nicht das was geschieht, sondern
ist selbst schon die Folge dessen, was geschieht.
Heiligendamm steht still und während es das tut, verliert es
sein Gesicht. Wer still steht hat aufgehört, zu sein.
Heiligendamm wird immer bleiben aber es wird immer sein
Gesicht verändern. Denn die Zeit steht nun einmal nicht still.
Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.
Wer sich nicht entscheidet, der wird ausscheiden. Wer sich
nach vorn schaut, rennt gegen die Wand. Wer nicht redet, wird
nicht gehört. Wer nicht zuhört, versteht das Gesagte nicht.
Wer aus Fehlern nicht lernt, wird sie wiederholen. Wer nicht
sucht, der wird nicht finden und wer nichts versucht, wird
nichts herausfinden. Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen. Wer
sich nicht bewegt, kann keinen Fortschritt erreichen. Wer dem
Ziel davon läuft. wird es nicht erreichen. Wer den Bogen
spannt und den Pfeil nicht los lässt, der wird nicht ins
Schwarze treffen. Wer sich treiben lässt, kann nicht davon
ausgehen, dass er dort hin gelangt, wo er möchte.
Das Leben ist Veränderung und wenn sich in Heiligendamm etwas
verändern soll, dann müssen wir Menschen UNS verändern. Unsere
Einstellung zueinander. Unsere Haltungen, unsere Positionen,
unsere Vorurteile. Mit den Menschen Bad Doberans und
Heiligendamms steht und fällt jedes unsanierte Haus. Weder
Stillstand, noch Rückschritt können uns die Perle
wiederbringen und den Verfall Heiligendamms verhindern.
Nur ein Miteinander - eine Neuausrichtung der Positionen - ein
Zusammentreffen, ein großer Gedankenaustausch - eine
Unterredung ohne Zerredung - ein Neuanfang - kann Heiligendamm
retten.
Überlassen wir der Investorin die freie Entscheidung, wird
Heiligendamm zum Spiegel des Kapitalismus unserer
Gesellschaft. Verbieten und reglementieren wir der Investorin
sämtliche Konzeptpunkte, wird Heiligendamm zum Spiegel des
Sozialismus in unserer Gesellschaft. Es ist beides noch
vorhanden. Setzen wir uns aber zusammen - reden, hören zu,
versuchen zu verstehen - und entwickeln Heiligendamm gemeinsam
- Investorin, Stadtverwaltung, Bürger und Fachleute -
entwickeln und verstehen wir Heiligendamm und finden wir
Kompromisse, immer im Sinne eines funktionierenden Konzeptes -
immer im Sinne des Besten für Heiligendamm - dann wird
Heiligendamm zum Spiegel der Demokratie in unserer
Gesellschaft. Gelingt uns eine demokratische Lösung, sind wir
in Deutschland angekommen.
Heiligendamm wurde in seinen schwersten Tagen immer irgendwie
gerettet. Von Herzögen, Räten, Aktionären, Banken und sogar
einem Baron. Diesmal sind wir alle es, die Heiligendamm retten
müssen. Und können. Und werden?
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dostal
www.zeit-am-meer.de
20.04.2009 - 11:44:22
Martin Dostal
Lieber Herr Dostal,
ich möchte mich ganz herzlich für Ihren Beitrag bedanken. Ihr
Tenor - es muß einfach weiter gehen - steckt voll Zuversicht
und Optimismus. Dieses Kleinod Heiligendam wird sicherlich
nicht untergehen und in 20 Jahren wird man vielleicht über die
oben geführte Diskussion schmunzeln. Doch bis dahin ist es
noch weit. Nach dem Besuch der heutigen
Stadtverterterversammlung weiß ich, daß das "mit sich selbst
beschäftigen" einiger Stadtvertreter zu Nichts führt.
Selbsverleibte ironische Bemerkungen, stundenlanges Hickhack
zur Tagesordnung, ein ZDF, welches seine Mikrofone immer zu
den Schreihalsen hin hält, ehemaliger stellvertretender
Stadtvorsteherprofessor, dem seine eigene Argumentation auf
die Füße fällt, ein suspendierter Lehrer, der die
vorangegangenen Beschlüsse auf Rechtsstaatlichkeit überprüfen
will, Wahlkampfgetöse ehemaliger und vorhandener
CDU-Mitglieder - was soll man eigentlich von Bad Doberan und
seinen Stadtvertretern denken?!
Wieder vergeht Zeit und Heiligendamm bröckelt. Anstatt den
Investor mit seinem Bauversprechen ins Wort zu nehmen, wird
wieder alles vertagt.
Auf den Beschlußvorlagen steht immer der Hinweis auf mögliche
finanzielle Auwirkungen für die Stadt. Durch die weitere
Verzögerung der Investitionen hin Heiligendamm entgehen den
Handwerkern Aufträge, der Stadt Steuereinnahmen und dem Handel
zusätzliche Kundschaft.
Doch daran scheinen die Ignoranten nicht zu denken.
22.05.2009 - 17:22:58
Ruthilde Schuchmilsky
Hiernach entfernt sich die Diskussion vom Thema.
Die komplette Diskussion
gibt es hier.
|
Da es sich hier um eine ausgereifte Kommentarfunktion handelt,
konnten alle Beteiligten selbst aufeinander eingehen.
Im Gegensatz zum
Leserforum der Ostsee-Zeitung können hier also Missverständnisse
geklärt werden.
Darum brauche ich hier nichts zu
kommentieren - alle Missverständnisse wurden weitestgehend geklärt
und am Ende stehen Meinungen und die seien jedem zugestanden.
Sie werden auch feststellen, dass meine Meinung in der
Ostsee-Zeitung erheblich von dem abweicht, was ich jetzt sage und
schreibe. Mir waren zu dem Zeitpunkt nicht ausreichend Informationen
zugänglich und ich bildete meine Meinung allein auf Grund der
Berichterstattung, die in erster Linie durch die Ostsee-Zeitung
erfolgte. Da ich die Tatsachen nicht ignorieren konnte, musste
ich meine Meinung ändern. Sie können das auch. Niemand muss seine
Meinung nur um der Beständigkeit wegen beibehalten. |
April 2009: Fernradwanderweg E9: Schwerin hat sich geirrt.
Gerade hat die
Staatskanzlei der Heiligendammer Familie Friedmann den aktuellen Plan
des Fernradwanderweges geschickt, aus dem hervor geht, dass er auf der
Promenade entlang und dann hinter der Burg nach Süden und weiter nach
Westen verläuft. Verblüffung, Freude und Argwohn vermischten sich mit
einer gewissen Schadenfreude einerseits gegen die ECH als mutmaßlicher
Radwegversperrer und andererseits gegen Schwerin, weil irgendwie klar
war, dass man dort geschlafen hat.
So war es auch nur eine Frage der Zeit, dass Schwerin seine Aussagen
zurück pfiff. Die Kanzlei weist die Verantwortung von sich:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 08. April 2009 | Titelseite Bad Doberan
Staatskanzlei räumt
Fehler bei Karten zum Radweg E9 ein
Schwerin/Heiligendamm
Die Staatskanzlei in Schwerin hat auf die Veröffentlichung der Karte
zum Europäischen Fernrad- und Wanderweg E9 (OZ vom 4./5. April)
reagiert. Man habe sich einer Zuarbeit aus dem
Landwirtschaftsministerium bedient, die sei veraltet gewesen, sagte
Sprecherin Nicolette Otto. Dennoch gelte, dass der Fernwanderweg
nach wie vor zu bewandern sei. „Allerdings wurde der ehemalige Pfad
im Rahmen einer vorgenommenen Befestigung nicht mehr unmittelbar
durch den Hotelkomplex des Grand Hotel Kempinski geführt“, sagte
Otto. Im Übrigen verneinte sie eine Mitwirkungsmöglichkeit
der Landesregierung bei der Wegführung. Otto: „In Heiligendamm ist
die Situation durch zahlreiche Planungsverfahren gekennzeichnet.
Dabei sind die Landkreise, die Städte bzw. die Gemeinden für das
kommunale Planungsrecht selbst verantwortlich. Insofern unterliegen
diese Planungsvorhaben nicht dem Weisungsrecht des Landes.“
Der Europäische
Fernwanderweg E9 verbindet als Internationaler Küstenweg „Atlantik –
Ostsee“ den Süden der Iberischen Halbinsel mit dem Nordosten
Europas. Unterbrochen wir die 4500 Kilometer lange Strecke außer von
natürlichen Hindernissen derzeit nur in Heiligendamm.
|
Während der Autor die
Aussagen richtig wiedergibt, schlussfolgert er falsch:
Der Radwanderweg wird in
Heiligendamm nicht unterbrochen.
Wenn dem so wäre,
wäre es kein Radwanderweg, sondern eine zweiseitige Radwandersackgasse.
Das geht schon rein logisch nicht.
So ein Radwanderweg
ist kein Trampelpfad, sondern eine von genügend Beteiligten
ausgearbeitete Route. Und im Gegensatz zu einer Straße kann eine Route
von A nach B einem nicht in die Sackgasse führen. Wenn es eine Route von
der iberischen Halbinsel zum Nordosten Europas gibt, dann kann diese
nirgendwo unterbrochen sein. Viel mehr kann es so sein, dass ihr Verlauf
verlegt wird und genau das ist hier geschehen:
Die Route führt um Heiligendamm
herum. Dass das noch nicht überall eingezeichnet ist, ist eine
andere Sache. Die A20 ist auch noch nicht überall eingezeichnet und
trotzdem fährt man nicht mit 180 km/h über den Acker.
April 2009: Petition an
Schwerin.
Die
Bürgerinitiative hat auf ihre Art alles versucht.
Alles? Nein: Es wurde noch keine Petition nach Schwerin geschickt. Das
holt sie nun nach:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 11. April 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Die Behörde und die
Villen
Der
Petitionsausschuss des Landtages befasst sich derzeit mit
Bürgereingaben zum Erhalt der historischen Villen in Heiligendamm.
Unklar ist, welche Rolle dabei die Denkmalbehörde des Landes spielt.
Schwerin/Heiligendamm
Seit April 2007 beschäftigt sich der Petitionsausschuss des
Landtages von Mecklenburg-Vorpommern mit dem Erhalt des historischen
Bauensembles in Heiligendamm. Petent – der Einreicher der Petition –
ist die Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“ e.V.
Um es vorweg zu nehmen: Die
Petenten fordern nichts für sich; es geht einzig und allein um
Erhalt und Sanierung der Villen der Perlenkette – und um
Ungereimtheiten im Verhalten der Denkmalschutzbehörde des Landes
Mecklenburg-Vorpommern. Die Akten des Ausschusses – sie liegen der
Redaktion vor – geben folgende Situation wieder:
Trotz der zum Teil recht
unliebsamen Überformung aus DDR-Zeiten bestätigte die
Denkmalschutzbehörde 1996 den Denkmalstatus für alle Villen der
„Perlenkette“. Als der Investor – die Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH), hinter der der Geldanlageverkäufer Anno August
Jagdfeld aus Düren (NRW) steht – 2004 erstmals den Wunsch äußerte,
alle Villen der Perlenkette abzureißen, widersprach die untere
Denkmalbehörde (ansässig beim Landkreis).
Das Landesamt für
Denkmalpflege in Schwerin entschied 2005 anders: Sie strich die
Villen Perle (zu DDR-Zeiten „Maxim Gorki“), Möwe („August Bebel“)
und Schwan („Rosa Luxemburg“) aus der Denkmalliste. Als Begründung
werden „erhebliche Veränderungen an Fassaden und Eingriffe im
Inneren“ angeführt, wodurch die Denkmalwürdigkeit „eingeschränkt“
und „kein öffentliches Interesse am Erhalt“ der Gebäude bestehe.
Dem widerspricht neben
vielen weiteren Fachleuten auch Prof. Dr. Gottfried Kiesow,
Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „ . . . das
Verhalten der Denkmalfachbehörde ist für mich nicht nachvollziehbar.
. . . vermutlich wurde hier politischer Druck ausgeübt“, schreibt
Kiesow in einem Brief an den Landkreis Bad Doberan. Das Schicksal
der Villa „Perle“ ist bekannt: Im Januar 2007 wird die abgerissen.
Das Versprechen der ECH, sie bis Ende 2008 wieder aufzubauen, bleibt
unerfüllt. Noch deutlicher werden die Widersprüche in den
Entscheidungen der Landesdenkmalpfleger im Falle des
Alexandrinen-Cottage, zu DDR-Zeiten „Haus Weimar“. In der
Denkmalwertbegründung vom 6. April 2005 kommt dem Gebäude „aufgrund
des Seltenheitswertes seiner Architektur in Mecklenburg-Vorpommern .
. . für die Architekturgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns und
Norddeutschlands im 19. Jahrhundert ein wesentlicher Zeugniswert zu
. . .“ Beschrieben wird auch, was den Denkmalwert und die
Originalität des Gebäudes „in besonderem Maße“ bestimmen: „Die
Gebäudekubatur mit Trauf- und Firsthöhen einschließlich des
Dachstuhls; der Kalkputz mit den Zierelementen an der Außenfassade,
die originalen Fenster- und Türöffnungen . . . die innere
Raumstruktur mit den Wänden und Fußböden aus der Erbauungszeit . . .
den Holzbalkendecken sowie die noch erhaltene Erschließungssituation
mit den ursprünglichen Treppen.“ 2006 stellt das Landesamt für
Denkmalpflege selbst – unter Umgehung der unteren
Denkmalpflegebehörde – einen Bauantrag zur „denkmalpflegerischen
Zielstellung“. Der steht im eklatanten Widerspruch zur bisherigen
Bewertung des Gebäudes. Unter anderem sollen Trauf- und Firsthöhen
angehoben, Turmhelme erhöht, ein zusätzliches Geschoss aufgebaut,
das Gebäude komplett entkernt und die Innenräume neu aufgeteilt
werden.
Geradezu
absurd erscheint die Begründung, die die Denkmalschutzbehörde im
April 2007 dem Petitionsausschuss des Landtages liefert. Darin heißt
es: „Die Nutzung des
Alexandrinen-Cottage als Wohnhaus für eine große Familie ist ein
berechtigtes Interesse der Eigentümerin. (Familie Jagdfeld; d.Red.)
Der Ausbau des Dachgeschosses ist daher erforderlich.“
Verschwiegen wird, dass das Gebäude bereits im jetzigen Zustand eine
Wohnfläche von 900 Quadratmetern besitzt – ohne die umschließenden
Veranden. Der herzöglichen Familie hatte das jedenfalls genügt.
KLAUS WALTER
|
|
Analyse: Blockieren die Bürger blockieren wichtige Entscheidungen?
Die Bürger würden
wichtige Entscheidungen blockieren, wenn sie dazu in der Lage wären.
Hier mal die Sicht der Bürger:
Die Bürger fordern einen beim Kolloquium als Kompromiss
vorgeschlagenen Stichweg.
Die
Stadtverwaltung samt Bürgermeister stimmt dem zu und setzt sich
dafür 2 Jahre lang ein, um dann im 3. Jahr den Stichweg fallen zu
lassen. Die durchaus nachvollziehbaren Gründe dafür werden ein paar
Wochen lang genannt und verschwinden dann aus der Berichterstattung
und aus den Köpfen der Bürger.
Das Land sieht die Sperrung des Küstenwaldes als unrechtmäßig an
aber die Holzzäune und Reisigwälle dürfen bleiben.
Die ECH will die Professor-Vogel-Straße einziehen, die
Stadtverwaltung spricht sich laut Berichterstattung dagegen aus, ändert dann seine Meinung
und das Hotel darf einen Teil der Straße einziehen und mit Toren
verschließen.
Der Bürgermeister Hartmut
Polzin ist zuversichtlich, dass der Zaun
wieder weg
kommt, wenn das Hotel in zwei Jahren nicht läuft.
Völlig
unverständlich, denn es liegt doch wohl in jedermanns Interesse,
dass das Hotel läuft.
Das ist eine
Einladung dazu, das Hotel so zu schädigen, dass es nicht läuft und
den Zaun wieder wegnehmen muss.
Ein Scheitern des
Hotels bedeutet ein Scheitern des Investors bedeutet ein Scheitern
Heiligendamms und ist so ziemlich das Schlimmste, was unserem
Landkreis und dem Land Mecklenburg-Vorpommern passieren kann. Es
wäre ein totaler Imageverlust und eine Ausladung an alle
Investitionswilligen und ein immanenter Schaden für die Wirtschaft
in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn Heiligendamm scheitert, wird es in
Mecklenburg-Vorpommern, dem Tourismusland Nummer eins, niemals
Fünf-Sterne-Tourismus geben.
Tatsache ist, dass die
Bürger gar nicht wissen, was sie gegen eine Einziehung der
Professor-Vogel-Straße oder eine Absperrung von Wald und Ensemble
tun können. Ohne das Engagement der Bürgerinitiative für
Öffentlichkeit in Heiligendamm wäre niemals in diesem Maße versucht
worden, der Einziehung zu widersprechen. Das Schreiben an den
Bundespräsidenten ist ein Hilferuf der Einheimischen, die sich von
den von ihnen gewählten Stadtvertretern hintergangen und verraten
fühlen.
Der Investor hat
die Stadtvertreter nach der Eröffnung zu einem Buffet in das Grand
Hotel eingeladen.
Das hat bei den
Bürgern den Eindruck hinterlassen, der Investor würde die
Stadtvertreter zu kaufen versuchen.
Danach wurden
einige Entscheidungen getroffen, die im Gegensatz zu den vorherigen
Festlegungen standen und das hat den Eindruck erhärtet, dass die
Stadtverwaltung bestechlich wäre. Hartmut Polzin wurde zuletzt
wiedergewählt, weil kein anderer überzeugen konnte. Er dürfte sich
durchaus bewusst sein, dass solange die SPD stärkste Kraft im
Rathaus bleibt, die einzige Alternative zu ihm er selbst ist und so
schnell keiner an seinem Stuhl rüttelt. Da verwundert es auch nicht,
dass er die Belange der Bürger einfach tot reden kann:
|
Der Bürgermeister von Bad Doberan, Hartmut Polzin (SPD), will
die Abrissgegner am liebsten gar nicht wahrnehmen.
"Bei uns hier gibt es
wegen Fundus keine Unruhe", sagt er. "Ein paar Klagen gibt es
immer."
(TAZ
vom 12.1.2007)
|
Wenn man in der
Ostsee-Zeitung die Suche in den Leserbriefen nach dem Stichwort
"Heiligendamm" betätigt, erhält man für Januar und Februar 2007
ganze 100 Leserbriefe, in denen das Wort "Heiligendamm" vorkam. 25
Treffer gibt es für "Fundus" und 19 für "Jagdfeld". 64 Mal ist der
"Zaun" vertreten und 30 Mal die "Perle". "Kempinski" hingegen nur 23
Mal. Natürlich kommen einige Leserbriefe doppelt vor und einige
haben auch nichts mit dem Thema zu tun, sondern enthalten nur diese
Worte. Aber Heiligendamm ist im Bewusstsein der Bürger vorhanden.
Außerdem wurde eine Bürgerinitiative gegründet, die für
Öffentlichkeit in Heiligendamm die Pläne von FUNDUS kritisch
hinterfragt. Unruhen sind das tatsächlich nicht.
Aber der Mecklenburger
schweigt und zieht seine Konsequenzen dann bei der nächsten Wahl.
Die Bürger haben schlechte Erfahrungen mit Investoren aus dem Westen
- wie es hier so schön heißt - gemacht. Nach von westdeutschen
Unternehmen übernommenen Molkereien, Chemiefabriken, Pharmazeutikern
und Lebensmittelherstellern, die nach der Übernahme tot
gewirtschaftet wurden und nach großmundigen Versprechen neuer
Schlossherren, denen der Verfall der Schlösser folgte, ist das
Vertrauen in Investoren erschüttert. Und wenn dann ein Investor
daher kommt, groß eine Wiederauferstehung einer Legende unter
Einschluss der Öffentlichkeit verspricht und sich sechs Jahre später
nicht viel verändert hat, dann ist das kritisch. Wer letztlich
eigentlich den Stillstand erzeugt, entgeht den Bürgern in diesem
Moment: Schuld ist dann immer der Investor.
Nachtrag 2009: Die Analyse würde anders ausfallen, wenn man statt
"Die Bürger verhindern..." sagen würde "Der Bürgerbund
verhindert..." oder "Die
Bürgerinitiative verhindert".
Dennoch tun beide nichts
Verbotenes und bewegen sich stets im gesetzlichen Rahmen. Viele
Leserbriefschreiber distanzieren sich inzwischen von
Bürgerinitiative und Bürgerbund und einige kritisieren die Vorstöße
oder verurteilen sie sogar. Es ist zu beobachten, dass die Akzeptanz
in den vergangenen Monaten etwas gesunken ist.
Interessant
ist auch eine Aussage des Stadtvertreters Horst Gühler in dieser
Angelegenheit:
|
Auszug aus dem Leserbrief Horst Gühlers im "Doberan am
Samstag" vom 14.04.2009
...Die Fakten zu Heiligendamm:
Die Treuhandanstalt hatte mit dem Bund die Immobilie
Heiligendamm zum Verkauf ausgeschrieben. Im ersten Anlauf
standen die Objekte einzeln zum Verkauf, auch wenn dies einige
heute nicht glauben wollen. Der Einzelverkauf scheiterte. Es
wurde ein zweiter Anlauf unternommen, die Immobilie als
Gesamtobjekt ausgeschrieben. Die Stadt durfte über das
Grundkonzept entscheiden, die Stadtvertreter forderten die
Sanierung des ersten deutschen Seebades Heiligendamm auf hohem
Niveau. Unter dieser Bedingung erfolgte die Ausschreibung.
Vier große Investoren hatten sich beworben, FUNDUS erhielt den
Zuschlag zum Kauf. Alle Fraktionen im Landtag stimmten dem
Verkauf an FUNDUS zu, was heute nicht alle wahr haben wollen.
Das erste städtebauliche Konzept entsprach einer
Investitionssumme von ca. 250 Mio Euro. Mit der Erweiterung
des Konzeptes durch die B-Pläne 25 u. 26, mit dem Grand-Hotel,
Thalasso- Zentrum, Ayurveda-Zentrum und Plastische Chirurgie,
erhöhte sich die Investitionssumme auf ca. 750 Mio Euro.
Offensichtlich gibt es Menschen die sich über die Investition
freuen, sich aus Prinzip ärgern und welche die die Konkurrenz
fürchten. Bis 2008 hat Herr Jagdfeld alle vertraglichen
Bedingungen erfüllt, soweit die Finanzierung durch ihn
gesichert werden konnte.
Die Sicherung
der Finanzierung der weiteren Bauabschnitte ist schwierig,
zumal Herrn Jagdfelds Gegner scheinbar erfolgreich die
Auslastung der neuen Hotelanlage, durch entsprechende
Meinungsäußerungen, verhindern. Die negativen Äußerungen zur
Fundusgruppe verschrecken die Gäste und Anleger. Es sei noch
einmal darauf hingewiesen, dass die Gegner bereits den Bau der
Median-Klinik bekämpft hatten und vor dem Verkauf der
historischen Anlage ein Staatsbad forderten. Die Forderung
nach dem Staatsbad wurde, aus Geldmangel, durch die
Landesregierung konsequent abgelehnt. Es ist davon auszugehen,
dass die jetzige Stadtvertreterversammlung keine
Entscheidungen mehr zu Heiligendamm treffen wird. Wir können
die Wählerinnen und Wähler nur bitten sehr genau zu überlegen
wen Sie im Juni zum Stadtvertreter wählen, um der Gemeinde,
unter den internationalen Bedingungen der freien
Marktwirtschaft, eine Entwicklungschance in allen Bereichen
einzuräumen. Die Tafelrunde besetzt der Wähler in eigener
Verantwortung alle vier Jahre neu, mit allen Konsequenzen.
Fanatiker werden weiterhin keinen sinnvollen Beitrag zur
Entwicklung der Gemeinde leisten. Da einstige Gegner der
Median-Klinik diese heute benutzen um Herrn Jagdfeld zu
bekämpfen, ist Zeichen und Warnung genug. Es sind
Stadtvertreter gefragt, die mit kühlem Kopf Entscheidungen
treffen.
Ob die Denkmalschutzbehörde bei der Erteilung der
Abbruchgenehmigungen fachlich richtig gehandelt hat ist zu
prüfen. Für uns steht fest, dass ein Verkauf an einzelne
Investoren dem Ensemble Heiligendamms geschadet hätte. Denken
Sie bitte nur an die Reklamen an den Gebäuden und die
Blechlawine zwischen den Gebäuden. Dies Erscheinungsbild würde
keinem gefallen. Natürlich fällt es schwer den größten Teil
eines Ortsteiles hinzugeben, aber die Chance für die Gemeinde
sollte man nicht bei der persönlichen Abwägung
unberücksichtigt lassen. Eine Hotelanlage ist kein
Einzelobjekt und muss deshalb den Gästen vorbehalten sein,
zumal es sich um unsere Gäste handelt. Wenn alle auf die
Wünsche der Hotelgäste Rücksicht nehmen würden, brauchten
keine Zäune und Hecken errichtet werden. Wer sich weit genug
von der Planwirtschaft in den sozialistischen Staaten entfernt
hat kann gutwillig erkennen, dass die
Stadtvertreterversammlung und die Stadtverwaltung mit dem
neuen Grundstückseigentümer FUNDUS verhandeln muss und diesem
nicht vorschreiben kann, wie er sein Geld und das der Anleger
zu verwenden hat. Vielleicht helfen Ihnen die Fakten und
Hinweise bei Ihrer Entscheidungsfindung, wir sind gerne für
Sie da. Die Gemeindemitglieder können nicht erwarten, dass
ohne Kompromisse die Entwicklung zu haben ist. Die Schuldenuhr
am Finanzministerium sollte uns Warnung genug sein, Leistung
ist gefragt um soziale Probleme lösen zu können, nicht der
unhöfliche Umgang mit Investoren....
Der komplette Leserbrief findet sich hier. (Weit unten)
|
|
The Show must
go on: Neuer Chef im Grand Hotel.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 24. April 2009 | Mecklenburg-Vorpommern
Neuer Chef von Grand
Hotel Heiligendamm berufen
Heiligendamm (dpa) Nach
einer gut viermonatigen Interimszeit hat das Grand Hotel in
Heiligendamm einen neuen Direktor. Wie das Hotel mitteilte, wird
Holger König (38) künftig das Luxushotel an der Ostseeküste leiten.
Er folgt dem früheren General Manager Martin Kolb, der Ende 2008 die
Leitung abgegeben hatte. König übernimmt das im Jahr 2003
eröffnete Haus in einer Zeit des Umbruchs. Anfang Februar hatte die
Kempinski AG das Management im Streit gekündigt, das Haus wird
seither von der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG mit Investor
Anno August Jagdfeld an der Spitze betrieben. König war zuletzt
General Manager beim Kempinski Hotel Bristol in Berlin.
|
Nicht grundsätzlich "Nein": Die Stadt sorgt sich um die Finanzen in
Heiligendamm.
Diesmal ist es die
FDP, die die weitere Entwicklung in Heiligendamm an eine Bankbürgschaft
binden möchte. Das Vertrauen in die Finanzkraft des Investors schwindet.
Lassen sich die Stadtvertreter auf den Antrag ein, signalisieren sie
zwar einerseits die Bereitschaft für weitere Investitionen aber
andererseits auch tiefes Misstrauen in dessen Durchführung. Die
Entscheidung fällt Ende Mai. Der Artikel zeigt, dass die Stadtvertreter
zwischen den Sitzungen nicht untätig sind.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 29. April 2009 | Titelseite Bad Doberan
Stadtvertreter tagen
zu Heiligendamm
Bad
Doberan Für ihre letzte
Sitzung vor der Kommunalwahl haben die Stadtvertreter erste
Beschlussvorlagen erhalten. In der öffentlichen Sitzung am 25. Mai
um 18.15 Uhr im Doberaner Rathaus geht es erneut auch um
Heiligendamm. Zum einen hat der Bürgerbund beantragt, die
Gestaltungssatzung für den Kurwald zu modifizieren. Der Weg durch
den Kurwald in Richtung Prof.-Vogel-Straße soll bis zu einer
eventuellen Bebauung der Ostseite der Straße öffentlich bleiben. Für
den Fall, dass erneut auch über Tiefgarage und Sturmflutmauer
abgestimmt werden soll, hat die FDP einen Antrag gestellt. Danach
soll mit den Baumaßnahmen nur begonnen werden dürfen, wenn die ECH
mittels Bankbürgschaft die Fertigstellung garantieren kann.
|
Neue Wege: FUNDUS versucht, sich zu erklären und bringt eine eigene
Zeitung heraus: "Zukunft Heiligendamm".
Es ist schon
einmalig, dass ein Investor sich im 13. Jahr seines Engagements erklären
muss, weil die Zustimmung der Bürger für sein Projekt schwindet. FUNDUS
geht diesen Weg in Form einer monatlichen Zeitung, die über das Projekt,
die Ziele, die bisherigen und jetzigen Entscheidungen, die Probleme und
Reibeflächen berichtet. Die Zeitung informiert darüber hinaus über das
Hotel, den Golfplatz, das Gestüt und das Gut und gibt Tipps und
Informationen.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 02. Mai 2009 | Titelseite Bad
Doberan
Jagdfeld-Gruppe gibt
Zeitung für Heiligendamm heraus
Heiligendamm. Die
Jagdfeld-Gruppe gibt eine eigene Zeitung für Heiligendamm heraus.
„Zukunft Heiligendamm — Zeitung für Deutschlands ältestes Seebad“
heißt das Blatt, das künftig alle vier Wochen farbig und mit zwölf
Seiten erscheinen soll und kostenlos an alle Haushalte Bad Doberans
verteilt wird. „Wir wollen die Menschen besser und regelmäßig
informieren über das, was wir tun“, erläuterte Anno August Jagdfeld,
Chef der Jagdfeld-Gruppe, die Hintergründe. „Wir wollen aufklären
und Transparenz schaffen, Missverständnisse und Unklarheiten
ausräumen“, sagte der 62-Jährige. Autoren des Blattes sind
Mitarbeiter der Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) und des
Grand Hotels.
|
Die Zeitung erscheint
nur im Stadtgebiet Bad Doberans und Heiligendamms. Sie ist digitalisiert
auch hier zu finden:
www.grandhotelheiligendamm.de.
Die Ostsee-Zeitung zeigt sich überrascht: Der Weg zur Perlenkette ist
dicht.
|
OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 08. Mai 2009 | Titelseite Bad Doberan
Heiligendamm:
Letzter Weg zur Seebrücke ist dicht
Der Bau
des Kurparks in Heiligendamm ist deutlich vorangekommen. Damit ist
der letzte Weg vom Molli- Bahnhof zur Seebrücke dicht. Das haben Bad
Doberans Stadtvertreter so beschlossen.
Heiligendamm Der Weg vom Mollibahnhof führt über die Straße,
dann in den Wald, der jetzt ein Kurpark wird. Dort ist der Weg in
Richtung Ostsee neu angelegt; die Entwicklungs Compagnie
Heiligendamm (ECH) macht Ernst mit der Umsetzung des
Kurpark-Konzeptes. Doch auf
halber Strecke in Richtung Prof.-Vogel-Straße macht der neue Kiesweg
einen scharfen Knick nach rechts – „geradeaus“ gibt es nicht mehr.
Noch kann man die Villen der Perlenkette sehen, aber neu gesetzte
Buchen und Rollrasen zeigen, dass es hier nicht mehr hindurch geht.
Der alte Weg ist verschwunden, der Waldboden frisch umgebrochen.
Damit ist es endgültig: Es
gibt keinen öffentlichen Weg mehr, der vom Molli-Bahnhof in
Heiligendamm direkt zur Seebrücke führt. Auch vom „Stichweg“, der
einst bei Sperrung des Hotelkomplexes als Kompromisslösung
vorgeschlagen wurde und zwischen Villen und Hotelkomplex zur
Seebrücke führen sollte, ist nichts zu sehen. Weder Einheimische
noch Touristen oder Kurpatienten kommen ohne Umweg zu der mit
Steuergeldern gebauten Seebrücke, zur Promenade oder zum Strand.
So ärgerlich das für oben
Genannte ist: Alles ist offenbar rechtens. Die Bad Doberaner
Stadtvertreter haben es mehrheitlich so beschlossen. Auch ein
Antrag des Bürgerbundes für die Stadtvertreterversammlung am 25.
Mai, der den Zustand ändern will und der in den letzten Tagen in den
Ausschüssen behandelt wurde, hat kaum Chancen. „Dafür gibt es keine
Rechtsgrundlage“, sagte Bürgermeister Hartmut Polzin. Der Antrag
060/09 widerspreche der Beschlusslage der Stadtvertreter.
Tatsächlich haben die
Stadtvertreter bereits im Dezember 2006 auf den Stichweg
„verzichtet“. Die namentliche Abstimmung dazu war knapp – elf Ja-
und zehn Nein-Stimmen, eine Enthaltung – aber sie gilt. Auch die
Gestaltungssatzung für die Bebauung des Kurparks wurde im Sommer
2008 so beschlossen, wie sie jetzt von der ECH umgesetzt wird. In
der Hoffnung, der Stichweg komme noch, habe man dafür gestimmt,
heißt es nun von einigen Stadtvertretern. Offen ist nur noch, was
FDP-Stadtvertreter Harry Klink in den letzten Sitzungen anhand von
Folien von Bundes- und Landesinstitutionen klarzumachen versuchte:
der Weg direkt durchs Hotelgelände. Doch dieser ist von
Bürgermeister Polzin per „Sondernutzung“ der ECH übertragen – und
längst mit Zäunen und Schranken zugemacht. kw
|
Nun, dass der Weg
durch den Kurpark zur Perlenkette verschwindet und dafür ein etwas
längerer Alternativweg entsteht, haben wir schon vor einem Monat in
unserem Rundgang berichtet. Inzwischen hat auch die Ostsee-Zeitung das
bemerkt, beschreibt anschaulich die Situation vor Ort und nennt auch
gleich die Gründe für den Zustand.
Der Stichweg wird bis mindestens
2010 nicht gebaut - so lautete der Beschluss der SVV. Den Weg nun
wieder hervorzukramen und zu sagen, die SVV hätte die Gestaltungssatzung
des Kurparks in der Hoffnung so beschlossen, dass der Stichweg doch noch
käme, ist unverständlich und rückt die Stadtvertreter in ein schlechtes
Licht. Hinzu kommt, dass einige Stadtvertreter genau das gesagt haben
sollen: Sie haben für den Kurpark gestimmt in der Hoffnung, dass der
Stichweg doch noch käme.
Wo waren denn diese
Stadtvertreter, als beschlossen wurde, den Stichweg die nächsten 5 Jahre
nicht zu bauen?
Wenn man Stadtvertreter wird und
etwas zu beschließen hat, dann muss man sich über diese Sache eingehend
informieren.
Unwissenheit ist keine
Entschuldigung für eine Beschlussfassung.
Jetzt einen Schritt rückwärts zu
tun und das Gestaltungskonzept in der Endphase der Bauarbeiten plötzlich
zu ändern oder gar zu widerrufen oder Dinge zu beschließen, die gegen
das Gestaltungskonzept arbeiten, ist ein falsches Signal. Der Stichweg
steht 2009 nicht zur Debatte und da die SVV dieses so beschlossen hat,
sollte sie keinen Zickzackkurs veranstalten, sondern zu ihren
Beschlüssen stehen.
Der neue
Hoteldirektor bekräftigt die Zäune.
Holger König ist seit Mai neuer
Hoteldirektor des Grand Hotel Heiligendamm.
Was will er
erreichen? Wie will er das Hotel retten? Wie steht er zu Heiligendamm?
Fragen, die die
Ostsee-Zeitung ihm eine Woche nach Antritt des neuen Postens stellte:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 09. Mai 2009 | Hansestadt Rostock
König: „Ich bin gern
ein Rückkehrer“
Seit
einer Woche ist Holger König (38) Direktor im Grand Hotel
Heiligendamm. Er kennt das Haus und seine Mannschaft.
OSTSEE-ZEITUNG: Was treibt einen 38-jährigen Berliner mitten
in einer internationalen Karriere an die Ostseeküste Mecklenburgs?
König: Es treibt mich nicht, es zieht mich magisch an. Ich kenne
Heiligendamm und das Hotel ja gut, habe hier zwischen 2003 und 2005
gelebt und gearbeitet.
Damals haben wir – meine Frau und ich – uns in die Gegend verguckt.
OZ: Was reizt Sie mehr, die Gegend oder die Aufgabe?
König:
Natürlich ist die Aufgabe, das Grand Hotel Heiligendamm zu führen,
großartig.
Als waschechter Berliner empfinde ich es aber als Privileg, in
dieser fantastischen Umgebung zu leben.
Als Familie kann es wohl nichts Schöneres geben, wenn unser
dreijähriger Sohn an der Ostsee groß werden darf.
OZ:
Stichwort Berlin: Dort haben Sie ihre Karriere begonnen?
König:
Im Kempinski Bristol Hotel am Kudamm, als Page. Ich habe meinen
Beruf von der Pike auf erlernt. Später habe ich Betriebswirtschaft
studiert und in den verschiedensten Positionen gearbeitet. 1997 war
ich Empfangschef im Hotel Adlon, danach kamen Heiligendamm, dann
London und wieder Berlin. Zuletzt war ich Generaldirektor – im
Bristol in Berlin, wo ich als Page begann.
OZ:
Ein Rückkehrer also?
König:
Ich bin gern ein Rückkehrer – vor allem nach Heiligendamm.
OZ:
Was macht ihre Aufgabe hier so großartig,
wie Sie sagten?
König:
Ich bin 38 Jahre alt und Direktor eines großen Hauses in bester Lage
und weltweit einmaliger Historie. Mir zur Seite stehen 349 hoch
qualifizierte Mitarbeiter. Die Aufgabe ist auch wirtschaftlich eine
Herausforderung. Es ist ja kein Geheimnis: 50 Prozent Auslastung
sind uns nicht genug. Und schließlich: 90 Prozent unserer Gäste sind
Deutsche – die kritischsten Gäste weltweit.
OZ:
Wie wollen Sie diese Aufgabe meistern?
König:
Zuerst die Analyse. Zunächst werde ich mir genau ansehen, wie die
Prozesse im Haus ablaufen. Nach einigen Monaten werden die Leitung –
als Stellvertreter steht mit Oliver Sembill zur Seite – und die
Eigentümer sehen, ob, wo und was wir wie optimieren können.
OZ: Wie
lange wollen Sie bleiben?
König:
Das entscheidet letztlich der wirtschaftliche Erfolg. Aber für meine
Frau – sie steht mir als Assistentin zur Seite – und für mich war
sehr entscheidend, dass die Aufgabe nicht an die branchenübliche
Zwei-Jahres-Frist gebunden ist. Wir wollen versuchen, das Haus wie
ein familiengeführtes Hotel zu betreiben. Wie gesagt: Wir möchten,
dass unser Sohn an der Ostsee groß wird.
OZ:
Wie sieht ihr Arbeitstag aus?
König:
Ich stehe morgens sehr früh auf, schaue nach dem Service, begrüße
Gäste, sehe mir an, wie das Frühstück läuft. Achte natürlich auf die
Mitarbeiter, was sie leisten und die Freundlichkeit herüberbringen,
für die das Grand Hotel schon einen guten Namen bei seinen Gästen
hat. Ich lasse mir alles zeigen, hinterfrage Abläufe und Prozesse.
OZ:
Das Hotel ist
praktisch abgeschottet – Zäune, Schranken, Barrieren.
König:
Ich kenne die Problematik und hoffe, dass es bald Lösungen gibt, mit
denen alle zufrieden sind. Aber: Wir sind ein Ressort-Hotel, das
nicht nur aus einem Haus, sondern einer Anlage besteht. Doch dann
sind wir auch ein Gasthaus auf hohem Niveau. Natürlich möchten wir
offen sein und freuen uns, wenn die Doberaner zu uns kommen; sei es
nur zum Kaffee oder um ihre Feste bei uns feiern. Wir sind
allerdings nicht der Strand-Kiosk, wo man eben mal in Badehose und
Latschen die Kugel Eis kauft. Wir haben uns für ein hohes Niveau der
Gastlichkeit entschieden.
Interview: KLAUS WALTER
|
Entscheidend dürfte
der Ansatz sein, den die Ostsee-Zeitung sich zum Schluss aufgehoben hat.
König ist anders als einige seine Vorgänger lösungsorientiert. Aber auch
er diskreditiert die Tagestouristen. Das sind nämlich die in Badehose
und Latschen. Ein Einheimischer zieht sich meistens zumindest was über,
denn er könnte Bekannte oder seinen Chef oder Kunden treffen. Darum sind
die Einheimischen auch nicht das Problem. Zumindest hier nicht. Die
Einheimischen wüten eher dort, wo man sie nicht sieht und sorgen dann am
Morgen für ein böses Erwachen.
Die Tagesgäste dürfen aber auch nicht das Problem sein, denn das Grand
Hotel kann die Einnahmen aus den Tagesgästen nicht kompensieren.
Bad Doberan und Heiligendamm leben nun einmal von den Tagesgästen und
nicht vom Grand Hotel. Darum wird das Rathaus diese überaus wichtige
Einnahmequelle auch niemals aufgeben und solange keine Lösung gefunden
wird, den Tagesgästen Alternativen vor Ort zu bieten, wird eine
Zusammenarbeit schwierig bleiben.
Tagesgäste in Badehose
und Latschen - Hotelgäste in Jogginghose und Latschen.
Jedoch muss ich auch mal eigene
Erfahrungen einbringen: Ich habe die Gäste des Hotels - also jene, die
aus dem Haus "Mecklenburg" oder dem Grand Hotel heraus kommen und in das
Haus "Severin Palais" gehen, um dort den SPA-Bereich zu nutzen - und
anders herum welche, die von dort kommen, erstaunlich leger erlebt.
Während ich beim Eis (mit Hemd und langer Hose) auf der Kurhaus-Terrasse
geschwitzt habe, zogen Männer in kakelbunten Bermuda-Shorts oder
Jogginghosen, Frauen in Bikinis mit lässigem Tuchumhang oder eben auch
Jogginghosen und Kinder in kurzen Hosen und mit nackten Oberkörpern oder
Muskelshirts an uns vorbei. Teilweise in Latschen, teilweise sogar
barfuß und selten mit Sandalen. Aus zwei Fenstern über uns drang ein
tierischer Kinderlärm, sodass man kaum seinen Tischnachbarn verstand und
als Krönung schob eine Frau ihr Fahrrad quer über den Rasen zum Tor, das
sie dann mit Chipkarte öffnete. Wo bitte ist da das hohe Niveau, wenn
ich das alles schon in nur einer Stunde irgendwann mitten in der Woche
erlebe? Zumal ich nicht der einzige bin:
|
Wir waren bereits mehrere Male in diesem Hotel und mussten beim
letzten Aufenthalt leider feststellen, dass das Hotel in allen
Bereichen stark nachgelassen hat und wir zukünftig von einem
erneuten Aufenthalt absehen werden. Die Gästestruktur war gemischt-
von jungen Familien bis älteres Publikum war alles vorhanden.
Durch extrem günstige
Angebote, die anscheinend um jeden Preis eine höhere Auslastung des
Hotels erreichen sollen, wird die gewohnte Eleganz, Atmosphäre und
Qualität des Services des Hauses gemindert (so traf man auch hier
den Jogginganzug beim Frühstück an).
|
Aber die Leute in Jogginganzügen haben auch einen Grund:
|
Schönes Hotel in exponierter Lage, aber sehr einsam. Auto
empfehlenswert. Sauberkeit entsprechend dem Hotel, aber auch hier
schon mit kleinen Einschränkungen. Dem Hotel fehlt tatsächlich die
Seele, bzw. ist es Ansichtssache, ob einem das Essen in einem
riesigen Ballsaal vom Ambiente her gefällt.
Ein großer Minuspunkt: ob
man in den Wellnessbereich, zum Essen oder a. d Rezeption will,
alles spielt sich in anderen Häusern ab, man muss sich, besonders im
Winter, vollständig anziehen wenn man irgendwo hin will. Besonders
nachteilig, wenn man in den Wellnessbereich will.
---
Das Hotel gehört ohne Zweifel zu besten Deutschlands. Der gesamte
Komplex ist sehr grosszügig und weitläufig.
Daher sind Aussenbereiche
und Genbäude nur mit entsprechenden ID-Karten zugänglich. Leider
funktionierte das System nicht so richtig, so dass wir nach bereits
erfolgtem Kartentausch morgens im Bademantel zwischen Zimmer und
Pool im Severin Palias im Niemandsland standen und weder vor noch
zurück konnten. Das sehr freundliche Personal hat aber das
Problem umgehend und korrekt gelöst.
---
Traumhafte Lage - wenn auch noch nicht alles renoviert - jedoch weit
auseinander und ohne Verbindung, wie in Hotels dieser Preisklasse
üblich.
So muss man im Mantel über den Hof ns Schwimmbad und zur Sauna -
ebenso zum Frühstück
|
Na so was: Die Hotelgäste gehen fremd!
|
Mal wie wir finden ein nützlicher Hinweis:
man muss durchaus nicht die
25 EUR Parkvariante in Anspruch nehmen, es gibt auch eine 12 EUR
Möglichkeit zum Selbstparken, bzw. kann man kostenfrei in der
Umgebung des Hotels parken, man muss bei jeder Variante etwas
laufen.
Wer nicht immer Hotel essen
möchte, aber auch nicht fahren will, hat die Möglichkeit im Bahnhof
Heiligendamm zu Essen, das Restaurant versprüht zwar einen gewissen
Ost-Charme, dass Essen ist aber gut und war am Abend mit Gästen aus
dem Hotel randvoll...
|
Wenn man kostenfrei in der Umgebung des Hotels
parkt, dann kann sich das nur um den Median-Parkplatz, die
Anliegerparkplätze oder die Stellflächen in der
Professor-Dr.-Vogel-Straße handeln. Jeder Tagesbesucher und Einheimische
muss Geld für einen Parkplatz bezahlen. Dass die Hotelgäste dann
Patienten- und Anliegerparkplätze zuparken, ist keine gute Idee - es ist
unverschämt. Anderswo würde man sein Auto zerkratzt vorfinden. Die
Professor-Dr.-Vogel-Straße ist für Autofahrer tabu.
Da hat auch kein Hotelgast-Pkw etwas zu
suchen. Dass Pauschalangebot-Hotelgäste die Straße zum kostenlosen
Parken benutzen, haben wir in unseren Rundgängen selbst erlebt. Die
Häuser bröckeln - es ist also abgesehen vom Verbot auch so eine
schlechte Idee, sein Auto unter den baufälligen Villen abzustellen. Das
gibt mehr als Kratzer.
Eine kleine Mängelliste der Hotel-Gäste:
|
Um den Frühstücksraum
überhaupt betreten zu können, mußten wir 20 Minuten anstehen und
weitere nicht annehmbare Wartezeiten hinnehmen. Bestelltes wurde
nicht serviert usw.
Das Personal war wirklich sehr nett, redlich bemüht, doch mit der
Situation mehr als überfordert. Wir sind wirklich keine
notorischen Meckerer, doch in einem Hotel dieser Kategorie, erwarten
wir einen bedeutend besseren Service, wie er in anderen Hotels der
Kempinsky Gruppe auch geboten wird.
Check In: Zimmer war bei der Ankunft um 16: 15 Uhr noch nicht
bezugsfertig, viele wartende Gäste in der Lobby
Frühstück: An mehreren Tagen
20-30 minütige Wartezeiten vor dem Kurhaus oder der Nelsonbar
Abendessen: Oftmals wegen hoher Auslastung keine Tischreservierung
im Kurhaus oder Meldini's möglich,
Essen gut aber nicht
hervorragend.
Oftmals Eindruck, dass Convenience Produkte eingesetzt werden.
Service: Bemüht, jedoch
fehlt den Servicemitarbeitern deutlich Erfahrung und
Qualität/Souveränität
Lage: Das ist
Geschmackssache, denn rundherum gibt es absolut nichts. Wer
Ruhe, Strand und Natur mag, ist hier sicherlich richtig.
Mir wäre ein bisschen Abwechslung rundherum jedoch lieber gewesen.
Sommer (Sonne, Strandleben)
ist sicherlich die beste Reisezeit.
...wird fortgeführt.
|
Die Beiträge stammen
von www.holidaycheck.de.
Es gibt durchaus auch positive Meinungen.
Alle Meinungen auf holidaycheck.de gibt es hier.
Die ECH verspricht:
Wenn Sie am 25. Mai entsprechend abstimmen,
fangen wir noch in diesem Jahr an zu bauen.
Darf ein Investor sich in die
Lokalpolitik einmischen?
Darf er Abgeordneten Briefe schreiben? Darf
er zu einer "Hetze" in den Medien aufrufen?
Fragen im Mai 2009.
OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 15. Mai 2009 | Titelseite Bad Doberan
ECH bestimmt die
Tagesordnung
Am
25. Mai treten Bad Doberans Stadtvertreter zu ihrer letzten
Sitzung in dieser Legislaturperiode zusammen. Obwohl gerade
abgelehnt, sollen nun nochmals die Heiligendamm-Pläne behandelt
werden.
Bad Doberan Das Votum war knapp, aber eindeutig: Am 30.
März hatten die Stadtvertreter Bad Doberans die Änderungsanträge
zu den Bebauungsplänen 25 (Wohnnutzung in Haus Krone und
Marien-Cottage) und 30 (u.a. Bau einer Tiefgarage, Bau einer
Sturmflutmauer) in Heiligendamm abgelehnt. Jetzt sollen sie am 25.
Mai, auf der letzten Sitzung der Stadtvertreter vor der
Kommunalwahl, erneut behandelt werden. Das wurde am Mittwoch in
der Sitzung des Hauptausschusses bekannt.
Mit entscheidend für die
Neubehandlung waren offenbar Briefe, die Hans Schlag von der
Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) an die Abgeordneten
verschickte – den ersten schon kurz nach der Stadtvertretersitzung
Ende März. Darin beklagte Schlag, dass „dieses Ergebnis“ nur
zustande gekommen sei, „weil einige Stadtvertreter völlig
ignorierten, was kontinuierliche und konstruktive Zusammenarbeit
(wie sie der Grundlagenvertrag beiden Seiten auferlegt) heißt“.
Schlag fordert die „lieben Mitstreiter und Mitglieder des
Handwerker- und Gewerbeverbandes“ auf, in Leserbriefen an die OZ
„ihren Zorn und ihre Enttäuschung“ zu zeigen. Und als könnten die
HGV-Mitstreiter nicht selbst ihre Briefe formulieren, legte Schlag
auch gleich zwei Musterbriefe bei (liegen OZ vor). Im zweiten
Brief von Anfang Mai bittet Schlag die Stadtvertreter, sich erneut
mit den Beschlussvorlagen zu beschäftigen und droht sanft: „Von
diesen Vorlagen hängt viel ab: Die Sicherung der Arbeitsplätze im
Hotel, aber auch die weitere Entwicklung der Stadt, des
Landkreises, der umliegenden Tourismusbetriebe, der regionalen
Unternehmer, der Median-Klinik und von Gastronomie und
Einzelhandel ist eng damit verknüpft, dass Sie grünes Licht für
die Weiterentwicklung Heiligendamms geben.“ Obwohl die
Beschlüsse noch längst nicht auf der Tagesordnung standen,
verspricht Schlag: „Wenn
Sie am 25. Mai entsprechend abstimmen, fangen wir noch in diesem
Jahr an zu bauen.“ Am Tage der Hauptausschusssitzung – noch
immer standen die Heiligendammbeschlüsse nicht auf der
Tagesordnung – versprach dann auch Fundus-Chef Anno August
Jagdfeld in der „Bild“-Zeitung, man werde bei Wohlverhalten der
Stadtvertreter am 25. Mai die Villa „Perle“ wieder aufbauen.
Das Versprechen zum
Wiederaufbau der Villa sei „nicht viel wert“, urteilte der
CDU-Abgeordnete Andreas Unterfranz währen der
Hauptausschusssitzung. Jagdfeld habe bereits beim Abriss der
,Perle‘ versprochen, sie bis Ende 2008 wieder aufzubauen. Dennoch:
Die Einflussnahme der ECH auf die Stadtvertreter hatte Erfolg: Wie
Bürgermeister Polzin gestern auf Anfrage sagte, haben die
Abgeordneten Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos)
die Heiligendamm-Vorlagen jetzt nochmals eingereicht.
Auch in einer
Beschlussvorlage des Bürgerbundes ging es um Heiligendamm. Danach
soll der Weg durch den Kurpark von der Bushaltestelle zur
Prof.-Vogel-Straße und zur Seebrücke solange öffentlich zugänglich
bleiben, bis die ECH mit der Sanierung der Perlenkette beginnt.
Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) hielt das für gegenstandslos.
„Das widerspricht der Beschlusslage der
Stadtvertreterversammlung“, sagte Polzin. „Die Vogelstraße ist
eingezogen und entwidmet“. Das Ansinnen des Bürgerbundes grenze an
eine „rechtliche Unmöglichkeit.“
Andreas Unterfranz (CDU)
sah das anders: „Entwidmung und Einziehung erfolgen unter der
Maßgabe, dass ein geschlossener Hotelkomplex entsteht. Jetzt
sollen Eigentumswohnungen entstehen. Dafür braucht es keine
Sperrung.“ Eine Vorlage des FDP-Abgeordneten Harry Klink befasste
sich ebenfalls mit Heiligendamm. Klink will der ECH eine
Bankbürgschaft abringen, falls sie während des Baus einer
Tiefgarage im Strandbereich pleite gehe – und die Stadt für die
Wiederherstellung des Hochwasserschutzes aufkommen müsste. Polzin
verwies auf die Zuständigkeit des Staatlichen Amtes für Umwelt und
Natur (StAUN). Hochwasserschutz sei nicht Angelegenheit der Stadt.
Für den nichtöffentlichen Teil der Stadtvertreterversammlung
befassten sich der Hauptausschuss u.a. mit einem Antrag, nach dem
Bürgermeister Polzin 985,67 Euro aus der Stadtkasse bekommen soll.
Es handelt sich um Anwaltskosten, die Polzin entstanden, als er im
Zuge der Kammerhof-Affäre staatsanwaltlichen Ermittlungen
ausgesetzt war.
KLAUS WALTER
|
Über die Art und
Weise der Einflussnahme durch die ECH und Jagdfeld zu schreiben, macht
für mich keinen Sinn.
Darum analysieren wir
lieber die Reaktionen:
Zuerst fällt auf, dass niemand
die Versprechen ernst nimmt. Das hat die ECH - hat FUNDUS - sich also
schon einmal verspielt.
Als nächstes ist auffällig, dass
die Beschlussvorlagen durch zwei bisher wenig oder neutral in
Erscheinung getretene Stadtvertreter eingebracht wurden.
Herbert Baor hatte
sich zwar als HGV-Mitglied hinter die ECH gestellt aber sich nicht
politisch dafür profiliert. Ebenso hat Frank Pieplow eher dazu ermahnt,
zum Punkt zu kommen ("Es war genug Zeit für Diskussionen"), als dass er
Stellung zum Gesamtprojekt bezogen hätte. Bisher war von ihm nur zu
lesen, dass ihm einige Einzelheiten (Thalassozentrum neben der
Perlenkette) nicht gefielen. Aktiv profiliert hat auch er sich nicht.
Anders der Bürgerbund. Der will
im Prinzip versuchen, einige Geschehnisse wieder rückgängig zu machen.
Die Argumente dafür liefert
diesmal nicht die FDP, sondern die CDU. Untätig ist die FDP dennoch
nicht.
Harry Klink versucht, was er
immer versucht hat: Kurze Wege schaffen. Und wie fast immer steht er
damit allein da.
Allerdings gibt es diesmal auch Argumente. Es ist zwar nicht unbedingt
kameradschaftlich, mit dem Finger auf das StAUN zu zeigen und zu sagen,
dass es deren Problem ist aber inzwischen will man sich auch nicht mehr
dem Vorwurf aussetzen, den Prozess zu erschweren.
Die Meinung ist derzeit 50:50
bei der Schuldfrage Stadtvertreter vs. ECH. Weil den Leuten
Hintergrundinformationen fehlen.
Erneut macht sich Entrüstung breit: Die Ereignisse werden als
Einmischung und Drohung der ECH interpretiert.
Was eigentlich ein Versprechen sein
sollte und vielleicht sogar als Ermutigung geplant war, kommt wie eine
Drohung herüber.
Dass zwei Stadtvertreter dann die längst gekippte Beschlussvorlage ein
zweites Mal einbringen, ist gefundenes Fressen für die Kritiker. Im
Wahlkampf zählen Argumente und die werden den Stadtvertretern knapp. Die
erneute Einbringung des abgelehnten Vorschlages ist rechtlich korrekt
und demokratisch möglich, erscheint aber so, als wollen zwei
Stadtvertreter versuchen, einen demokratisch gefassten Beschluss noch
einmal zu revidieren. Dass dies genau nach dem Brief der ECH an die
Abgeordneten geschieht, erweckt den Eindruck der Einmischung der ECH in
die Politik. Und dann ist da noch ECH-Chefplaner Peter Sähn auf der
Kandidatenliste der CDU...
|
OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 18. Mai 2009 | Titelseite Bad Doberan
Stadtvertreter
sollten Interessen aller Bürger vertreten
Zum
Artikel „ECH bestimmt die Tagesordnung“(OZ, Freitagausgabe) schreibt
Birgit Koch aus Heiligendamm:
„Es darf
nicht sein, dass Beschlüsse der Stadtvertreter immer dann gekappt
werden, wenn sie nicht in das Konzept von Herrn Jagdfeld passen,
ansonsten ein Kippen als rechtliche Unmöglichkeit von Seiten des
Bürgermeisters abgetan wird. Mindestens zweimal wöchentlich halten
Kaufinteressenten der Villen vor unserem Gästehaus und fragen, wo
Sie denn die Häuser kaufen können, die ja offensichtlich keinen
Eigentümer haben, da kurz vor dem Verfall etc. . . Man darf Herrn
Jagdfeld nicht das Herzstück von Heiligendamm überlassen, die
Promenade ist für alle da. Das Argument, Garagen für Autos, ist doch
an den Haaren herbeigezogen. Die Arbeitsplätze im Hotel sind nicht
gefährdet, nur weil Herr Jagdfeld seine Tiefgarage nicht in die
Promenade bauen darf. Den jetzigen Hotelgästen hat der
Hotelparkplatz genügt. An keinen anderen Ort in Deutschland wird
eine Strandpromenade für ein paar Autos vernichtet. Die
Stadtvertreter dürfen nicht nur das Wohl der ECH und Herrn Jagdfeld
berücksichtigen, denn sie sind STADTvertreter.“
Mit einer Mitteilung reagierte Hans Schlag von der Heiligendamm
Entwicklungs-Compagnie:
„Weder
drohen wir sanft noch geht es um Wohlverhalten der Stadtvertreter.
Wir haben lediglich darauf hingewiesen, was für Heiligendamm auf dem
Spiel steht, wenn die Bebauungspläne am 25. Mai nicht beschlossen
werden. Daran ist nichts verwerflich. Die ECH hatte allen
Stadtvertretern in einem Brief erläutert, warum es wichtig ist, dass
die Bebauungspläne 25 und 30 in der letzten Sitzung vor der
Kommunalwahl noch einmal auf die Tagesordnung kommen. Daraufhin
haben sich einige Stadtvertreter entschlossen, die Pläne erneut zur
Abstimmung zu stellen. Die Stadtvertreter bestimmen die Tagesordnung
und nicht die ECH.“
Zum
selben Artikel mailt Ronny Erler aus Düsseldorf:
„Die
Stadtvertreter müssen sich fragen lassen, wie sie es mit der
Befangenheitsregel halten. Die Kommunalverfassung von
Mecklenburg-Vorpommern nennt im § 24 die Mitwirkungsverbote für
Gemeindevertreter. Wenn die ECH die Gemeindevertreter vom
Handwerker- und Gewerbeverband schon als „liebe Mitstreiter“
anschreibt und ihnen Aufträge verspricht, dürfen sie bei
Heiligendammbeschlüssen nicht mit abstimmen. So sind die Regeln,
überall in Deutschland. Warum nicht in Doberan? Und wieso wird da
nicht die Kommunalaufsicht aktiv?“
Zu
„Heiligendamm: Letzter Weg . . . “, OZ v. 8. Mai, schreibt Matthias
Burkhardt, Börgerende:
„Ein
anderes Wort als ,Schikane‘ fällt mir zu der Beseitigung des
,Stichweges‘ nicht ein. Fußgänger müssen jetzt 500 Meter Umweg auf
sich nehmen. Das ist für alte oder behinderte Menschen, die vom
Molli-Bahnhof oder vom Parkplatz mal an die Seebrücke wollen, sehr
viel. Es fällt mir auch beim besten Willen kein vernünftiger Grund
zur Beseitigung des Weges ein, ist doch die reichlich abgeschottete
Jagdfeld-Trutzburg weit entfernt. Ich werde den gesperrten Weg so
oft wie möglich benutzen.
Ziviler Ungehorsam ist ein bewährtes Mittel des Protestes. Dass die
Doberaner Stadtvertreter diese Schikane, wenn auch mit knapper
Mehrheit ,abgenickt‘ haben, erstaunt mich am meisten. Vielleicht
sollte die Bevölkerung bei den bevorstehenden Kommunalwahlen darauf
achten, dass einige permanente ,Abnicker‘ mal abgelöst werden.“
|
Zeit für ein paar
Worte dazu:
Niemand hat behauptet, dass die Promenade wegen einer Tiefgarage
verschwinden soll.
Sie wird - wenn es denn genehmigt wird - in Teilen ab und dann gleich
wieder aufgebaut und bleibt öffentlich.
Der Hotelparkplatz
ist nur für die Hotelgäste, während die Tiefgarage für die Mieter der
Perlenkette gedacht sein soll.
Auch der
Hotelparkplatz muss auf kurz oder lang durch eine Tiefgarage ersetzt
werden, denn er ist erstens zu unpraktisch,
zweitens nur ein Provisorium und drittens zu klein, wenn denn das Hotel
erst einmal so läuft, wie die Planer es sich vorstellen.
Dem HGV hat Hans Schlag wirklich
keinen Gefallen getan. In den Augen der Bürger sind die HGV-Mitglieder
Marionetten.
Dass dann auch gerade
Herbert Baor den Antrag wieder auf die Tagesordnung setzte, bekräftigt
diese Annahme noch.
Man kann über die Gründe Hans Schlags nur spekulieren. Es kann eiserne
Berechnung gewesen sein oder ein Hilferuf.
Angesichts der
Millionen, die die Pläne gekostet haben und der Millionen, die neue
Pläne - so es denn Möglichkeiten zu neuen Plänen gäbe - kosten würden,
dürfte es sich schon um einen Hilferuf handeln, dem natürlich auch eine
Prise Berechnung eingefügt ist. Herr Schlag hat allerdings nicht
einkalkuliert, womit sich die Bürger ihre Meinung bilden: Mit der
Ostsee-Zeitung und den Lokalpolitikern, die auch nicht Schuld seien
wollen, es teilweise nicht besser wissen und teilweise völlig falsche
Aussagen machen.
Zum letzten Brief sei gesagt, dass es im Auge des Betrachters liegt, ob
500 Meter Umweg zu Gunsten eines funktionierenden Hotels Schikane sind.
Fakt ist jedoch, dass
schon 1997 fest stand, dass die Professor-Dr.-Vogel-Straße samt den
Villen und Neubebauungen zum Hotelgelände gehört.
Es war schon vor 7 Jahren
abzusehen, dass es eine Einfriedung des Hotelgeländes geben und dass
dieser Teil dazu gehören wird. Jetzt ist es zu spät. Ziviler Ungehorsam
wird zu drastischen Gegenmaßnahmen führen. Die Stadt darf gegen jeden
vorgehen, der ihr Eigentum schädigt - also Flora und Fauna zerstört.
Auch das Land hat hier massive Rechte. Die ECH kann jeden anzeigen, der
sich an ihren Zäunen zu schaffen macht oder Hausfriedensbruch begeht.
Legale Mittel des Protestes sind Demonstrationen, Petitionen,
Meinungsäußerung, eine hohe Wahlbeteiligung oder, selbst zu kandidieren
und es besser zu machen.
Die Frage ist jedoch, ob sich die Ostsee-Zeitung mit dem Abdruck eines
Leserbriefes, in dem zum zivilen Ungehorsam aufgerufen wird, nicht
selbst disqualifiziert. Wie Sie noch sehen werden, blieben weder die
indirekte Aufforderung, noch der Abdruck der indirekten Aufforderung
ohne Folgen.
Die Beschlussvorlage wird noch einmal eingebracht und wieder abgelehnt.
Wirklich abgelehnt?
Am 25. Mai 2009
wollten die Stadtvertreter Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow
(fraktionslos) die zuvor gescheiterte Beschlussvorlage erneut
einbringen. Wir erinnern uns, dass am 30. März ein Stadtvertreter nicht
anwesend war und es so mit 14 Ja-Stimmen und 14 Nein-Stimmen zum Patt
kam. Ein Stimmengleichstand, wie er nur möglich ist, wenn die
Stadtvertreterversammlung nicht vollzählig ist, ist kein "Ja" und kein
"Nein", sodass in diesem Fall einfach kein Beschluss gefasst werden
kann. Was auch immer sich die beiden Antragsteller also gedacht haben
(Frank Pieplow sagte offiziell, dass er Schaden von der Stadt abwenden
wollte) - der erneute Antrag war einerseits fair und andererseits auch
logisch. Und er war rechtlich nicht zu beanstanden.
Aber es gibt ein scheinbar gut behütetes Geheimnis. Es ist nämlich nicht
so, dass die Herren Baor und Pieplow einfach einen Punkt auf die
Tagesordnung setzen können. Sie können dies beantragen und die
Stadtvertreter stimmen dann darüber ab, ob der Punkt wirklich auf die
Tagesordnung kommt. Im Klartext: Die Herren Baor und Pieplow stellen
einen Antrag auf einen Tagesordnungspunkt, der die erneute Abstimmung
über die Beschlussvorlage beinhaltet. Ergebnis: Antrag abgelehnt. Die
DPA gibt den Sachverhalt also eigentlich falsch wieder: Nicht die
Beschlussvorlage wurde erneut abgelehnt, sondern der Antrag, über sie
abzustimmen. Die Beschlussvorlage kam gar nicht auf den Plan und wurde
auf Grund der Ablehnung einfach gar nicht mehr behandelt. Da zu sagen,
dass sie abgelehnt wurde, ist einfach falsch - wenngleich die
Konsequenzen dieselben sind: Stillstand in Heiligendamm.
Ostsee-Zeitung
26. Mai 2009
| von dpa
Fundus-Pläne erneut abgelehnt
Zum zweiten Mal binnen
weniger Wochen haben Kommunalpolitiker in Bad Doberan dem Ausbau des
Ostseebades Heiligendamm eine Absage erteilt. Bei einer Sitzung des
Stadtparlaments sprachen sich gestern Abend 14 von 25 Abgeordneten
gegen Pläne der Investorengruppe Fundus aus, die historischen Villen
am Strand zu sanieren. Nach Angaben von Fundus-Sprecher Christian
Plöger konnten sich die Fraktionen nicht auf eine Klärung
rechtlicher Details in den Bebauungsplänen verständigen. Bereits
Ende März hatten die Parlamentarier das Konzept der
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm zum Wiederaufbau der
"Perlenkette" abgelehnt.
Plöger reagierte enttäuscht.
"Das bedeutet, dass nun erst einmal Stillstand herrscht."
Weil die Stadtvertreter sich erst nach den Kommunalwahlen in neuer
Zusammensetzung mit dem Thema beschäftigen können,
sei selbst bei einem
erfolgreichen dritten Anlauf nicht mit einem Baubeginn vor Mitte
2010 zu rechnen.
|
Die letzte Sitzung der Stadtvertreter in dieser Legislaturperiode: Die
Stadtvertretervorsteherin soll abgewählt werden. Wird sie aber nicht.
Statt dessen fliegt Heiligendamm von der Tagesordnung.
Die letzte Chance
für diese Stadtvertreterversammlung steht bevor: Heute soll noch einmal
über die Tiefgarage und die Wohnnutzung abgestimmt werden. Herbert Baor
und Frank Pieplow möchten nach dem Patt im März eine faire Abstimmung
bei Vollständigkeit der Stadtvertreter. Doch die haben ganz andere Dinge
im Kopf: Einige von ihnen wollen am letzten Tag und quasi als letzte
Amtshandlung die Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt abwählen. Die
interne CDU-Krise hat die Stadtvertreterversammlung erreicht und wird
nun ausgetragen. Caroline Brandt ist die Spitzenkandidatin der CDU für
die Stadtvertreterversammlung. Ihr Fall könnte herbe Verluste für die
zerstrittene CDU-Ortsfraktion zur Folge haben. Eine Tatsache, die einige
möglicherweise gern für sich nutzen möchten.
Nur eine Sache
kommt dabei zu kurz: Die Beschlussvorlage für Heiligendamm. Wird sie es
auf die Tagesordnung schaffen?
Heiligendamm-Pläne auf Eis
Die Stadtvertreter nahmen zwei B-Pläne
für die Weiße Stadt von der Tagesordnung und bestätigten
Caroline Brandt im Amt.
Bad Doberan
Am Montagabend mussten zusätzliche Stühle für Besucher
herbeigeschafft werden. Deutliches Zeichen dafür, dass es wieder
um Heiligendamm ging. Tatsächlich standen die schon bekannten
B-Pläne 25 und 30 erneut auf der Tagesordnung. Sie sehen u.a. die
Wohnnutzung in Haus Krone und im Marien-Cottage sowie den Bau
einer Tiefgarage vor der sogenannten Perlenkette alter Villen
sowie die Errichtung einer festen Sturmschutzmauer vor. Während
der letzten Stadtvertretersitzung hatten die Abgeordneten mit
knapper Mehrheit beide Pläne abgelehnt. Sodann waren sie auf
Initiative von Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos)
erneut auf die Tagesordnung gehoben worden. Beide Vorlagen und die
Debatte darum führten wenige Minuten nach Beginn der Veranstaltung
zur Unterbrechung. Das Präsidium um Stadtvertretervorsteherin
Caroline Brandt zog sich zur Beratung zurück. Zuvor war es um den
Antrag von Heinz Keuer, Grüne, gegangen, der gefordert hatte,
beide B-Pläne von der Tagesordnung zu entfernen, weil es sich
exakt um jene Vorlagen handelte, die schon einmal abgelehnt worden
waren. „Laut Geschäftsordnung sind diese Punkte nicht absetzbar“,
entgegnete Caroline Brandt. Harry Klink, FDP, brachte noch eine
Flanke herein. Die Pläne müssten runter, weil die Unterlagen nicht
fristgemäß bei den Abgeordneten angekommen wären. Auch dies wurde
zurückgewiesen. Dann Pause.
Nach Wiederkehr verkündete
Brandt, dass nun beide Punkte als Antrag auf Erweiterung der
Tagesordnung behandelt werden würden — wenn die Abgeordneten
zustimmten. Sofort forderte Frank Pieplow, fraktionslos, einer der
Einreicher, rechtliche Prüfung des Vorganges. Jochen Arenz,
Einzelkandidat, warf in die Debatte, dass er den Plänen, ohne dass
diese geändert wurden, seine Zustimmung sowieso versagt hätte. Er
war mit einem Änderungsantrag zur Sitzung gekommen. Dieser sah
u.a. vor, dass beide Pläne, sofern beschlossen, wieder kassiert
werden würden, falls die ECH nicht bis zum 31. Oktober 2009 mit
dem Wiederaufbau der „Strandvilla Perle“ beginnt. „Ich bitte sie,
beide Punkte auf der Tagesordnung zu belassen“, appellierte Arenz
abschließend.
In der Abstimmung votierten
die Abgeordneten mehrheitlich gegen die Erweiterung der
Tagesordnung um die genannten zwei Punkte. Damit waren die B-Pläne
25 und 30 wieder vom Tisch. Und liegen auf Eis. Es handelte sich
bei der Sitzung am Montag um die letzte reguläre vor den
Kommunalwahlen am 7. Juni. Fundus-Chef Anno August Jagdfeld hatte
im Vorfeld der Sitzung zugesagt, noch in diesem Jahr mit dem
Wiederaufbau der „Perle“ beginnen zu wollen — falls die Doberaner
Volksvertreter für die Pläne die Hand heben.
Ein weiterer
Tagesordnungspunkt war vom Publikum offenbar mit Spannung erwartet
worden: Abwahl der Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt
(CDU). Der Antrag dazu kam von Horst Gühler von der CDG-Fraktion,
die sich vor Monaten von der CDU abgespalten hatte. Der Vorwurf:
Brandt wolle „unmoralische Machtansprüche hemmungslos
durchsetzen.“ Gühler beruft sich dabei ganz eindeutig auf die Art
des Zustandekommens der CDU-Kandidatenliste für die Kommunalwahl
(OZ berichtete mehrfach). Weiter heißt es in dem Antrag: „Wir
möchten uns nicht mehr von Frau Brandt vertreten lassen, auch wenn
es sich um die letzte Stadtvertretersitzung handelt.“ „Ich lasse
mich nicht in diese ganzen CDU-Querelen hineinziehen“ empörte sich
Herbert Baor (HGV). „Ich lasse mich als Stadtvertreter nicht dazu
missbrauchen, die innerparteilichen Probleme der CDU zu lösen.“
Beifall. „Sachlich falsch — wir sind gar nicht mehr CDU“, konterte
Dieter Abeling, CDG, lakonisch. Und in Richtung Brandt: „Hier geht
es immerhin um Personenkult vor den Wahlen.“ Kleiner Tumult im
Saal. Birgit Mersjann (SPD) stellte den Antrag auf sofortige
Beendigung der unerquicklichen Debatte. „Ist nicht gut — für uns
alle.“ Anwesend waren 25 Stadtvertreter. Für die Abwahl Brandts
votierten 12; dagegen 13. Sie bleibt im Amt.
|
Die Ostsee-Zeitung hatte es also schon
korrekt wiedergegeben: Nicht die Beschlussvorlage wurde abgelehnt,
sondern der Antrag, sich noch einmal mit der Beschlussvorlage zu
befassen. Das ist allerdings in der Diskussion um Caroline Brandt
untergegangen und so glaubt die Öffentlichkeit nun zumeist, dass die
Stadtvertreter die Pläne zweimal nacheinander abgelehnt haben. Eine
Analyse:
|
Analyse: Wer ist "Schuld"?
Die Suche nach dem Sündenbock.
Es heißt immer "Die Stadtvertreter sind Schuld" oder "Die
Stadtvertreter haben abgelehnt".
Ich möchte die Stadtvertreterversammlung an dieser Stelle einmal
rehabilitieren. Wer im März gegen die Beschlussvorlage gestimmt hat,
konnte ich nicht heraus finden. Das ist aber im Grunde genommen auch
egal, denn am 25. Mai hätte die Stadtvertreterversammlung die Chance
gehabt, noch einmal über die Beschlussvorlage abzustimmen. Man hatte
fast zwei Monate Zeit, um sich zu informieren und sich bei
Unklarheiten an die ECH zu wenden und wenn dies geschehen wäre,
hätte jedem Stadtvertreter klar werden müssen, dass ohne die
Zustimmung der von 21 Ämtern genehmigten Beschlussvorlage eine
Sanierung der Perlenkette nicht möglich ist.
Wären die Stadtvertreter am
25. Mai gut informiert in die Versammlung gegangen, hätte sich
folgendes Bild ergeben: Wer dem Stillstand ein Ende bereiten will,
stimmt - ob mit oder ohne Bauchschmerzen - für die Aufnahme
der Abstimmung über die Beschlussvorlage in die Tagesordnung. Wer
den Stillstand nicht beenden will oder wem die Situation aus irgend
welchen Gründen egal ist oder wer noch immer nicht im Bilde ist oder
noch Zweifel hat (was der schlechteste Fall wäre), der stimmt gegen
die Aufnahme der Abstimmung in die Tagesordnung. Darum möchte
ich Ihnen hier zeigen, wer noch einmal über die Beschlussvorlage
stimmen wollte und wer nicht.
|
Für die Aufnahme der Abstimmung
über die Beschlussvorlage haben gestimmt:
René Orth, Bürgerbund
Dieter Abeling, CDG
Horst Gühler, CDG
Lutz Pentzien, CDG
Caroline Brandt, CDU
Herbert Baor, HGV
Ulrich Baltzer, SPD
Birgit Mersjann, SPD
Gebhard Zeug, SPD
Frank Pieplow,
fraktionslos
Jochen Arenz, fraktionslos |
Gegen die Aufnahme der Abstimmung
über die Beschlussvorlage haben gestimmt:
Klaus-Peter Behrens,
Bürgerbund
Inge Meyer, Bürgerbund
Brigitte Felten, CDU
Katy Hoffmeister, CDU
Andreas Unterfranz, CDU
Lutz Elbrecht, FDP
Harry Klink, FDP
Heinz Keuer, Grüne
Ulrich Ludwig, HGV
Friedrich Keding, Linke
Heinz Paape, Linke
Monika Schneider, Linke
Arnold Scholtz, Linke
Bodo Wiegand-Hoffmeister,
SPD
|
Wenn wir uns diese Liste anschauen, erkennen wir, dass die
Mitglieder der CDG komplett eine Neuabstimmung wünschten.
Auch die Einzelbewerber wollten noch einmal abstimmen. Von den vier
SPD-Kandidaten wollten drei noch einmal abstimmen, von den beiden
HGV-Kandidaten einer (der den Antrag ja auch gestellt hat) und von
den vier CDU-Kandidaten auch nur einer. Aber auch ein
Bürgerbund-Kandidat wollte noch einmal über die Beschlussvorlage
abstimmen. Dieser Kandidat ist zu diesem Zeitpunkt auch schon auf
der Wahlliste der Grünen zu finden.
Die Linke stimmt
mit allen vier Kandidaten komplett gegen eine erneute Abstimmung der
Beschlussvorlage. Ebenso die FDP und - da nur ein Sitz - auch die
Grünen. Die drei CDU-Kandidaten, die nicht mehr zur Wahl in die SVV
antreten, stimmen gegen die erneute Abstimmung und entziehen sich
damit dieser letzten Entscheidung. Der Bürgerbund stimmt quasi auch
komplett gegen die erneute Abstimmung, wenn man den Wechsel eines
ihrer Kandidaten berücksichtigt.
Noch einmal zur Erinnerung:
Diese Leute haben nicht für oder gegen die Beschlussvorlage
gestimmt. Sie stimmten nur dafür oder dagegen, erneut über
die Beschlussvorlage abzustimmen. Freilich stimmen sie damit auch
für oder gegen den weiteren Stillstand in Heiligendamm aber das hat
die ECH in ihrer Zeitung "Zukunft Heiligendamm" etwas falsch herüber
gebracht. Dort sieht es nämlich auf dem ersten Blick so aus, als
hätten die aufgelisteten Stadtvertreter für oder gegen die
Beschlussvorlage selbst gestimmt. Da sich in der Zeitung links
daneben ein Bericht mit Bildern dreier erneut kandidierender
Stadtvertreter befinden, die allesamt für "Ja" gestimmt haben, darf
man da schon ein wenig Beeinflussung hinein interpretieren.
Aber so arbeiten die Medien nun einmal.
|
Und
"Schuld daran" ist nur...die CDU? ...Jagdfeld selbst?
Auf der Suche nach der
Berichterstattung bezüglich der Versammlung vom 25.05.2009 bemühte ich
zuerst die Ostsee-Zeitung, welche aber gerade ihre Online-Ausgabe
umgestaltet und daher nicht erreichbar war. Also suchte ich in den Google-News und wurde bei der DPA fündig. Aber das war nicht die einzige
Zeitung, die von Heiligendamm zu berichten wusste. Ich fand auch einen
Artikel einer Zeitung, von der ich gar nicht wusste, dass es sie noch
gibt:
Hinter dem CDU-Chaos sehen viele den Einfluss
des Heiligendamm-Eigners Anno August Jagdfeld.
Neues Deutschland,
25.05.2009 / Inland / Seite 6
Die
verdoppelten Christdemokraten
Kommunalwahl Nordost: Warum die CDU in Bad Doberan gleich zwei
Wahllisten erstellt hat
Von Helmut Lorscheid
Womöglich muss am Ende
ein Gericht entscheiden, welche der konkurrierenden Wahllisten
der Bad Doberaner Union die gültige ist. Hinter dem CDU-Chaos
sehen viele den Einfluss des Heiligendamm-Eigners Anno August
Jagdfeld.
Wer
in diesen Tagen mit Doberaner Kommunalpolitikern spricht,
erfährt merkwürdige Dinge – besonders, wenn es
Christdemokraten sind.
Die CDU im Landkreis scheint sich nämlich verdoppelt zu haben.
In seiner Sitzung am 24. April stand der Doberaner
Kreiswahlausschuss vor der seltenen Frage, welche von zwei
teilweise konkurrierenden Kandidatenlisten der örtlichen CDU
für die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 gültig ist. Pragmatisch
entschied sich das Gremium für die zuerst eingereichte Liste –
auf der beispielsweise Andreas Unterfranz fehlt, der noch
amtierende CDU-Fraktionsvorsitzende in der Stadtvertretung Bad
Doberans. Auf einer konkurrierenden Liste, die auf einer
Kreismitgliederversammlung der CDU bestimmt wurde, ist
Unterfranz dagegen vertreten – wie auch einige andere, die auf
der ersten Liste fehlen.
Kreischef gegen Stadt-CDU
Nun werden wohl
Gerichte entscheiden müssen, wer in Bad Doberan die legitimen
CDU-Kandidaten sind. In einer geharnischten Erklärung des
Kreisvorsitzenden Peter Stein heißt es, der Kreiswahlausschuss
habe »einen Wahlvorschlag einiger Mitglieder des
CDU-Ortsverbandes Bad Doberan gewähren lassen, der gröblich
demokratische Wahlgrundsätze verletzt«. Anwesende
CDU-Mitglieder seien von der Aufstellung der Kandidaten
ausgeschlossen worden. »Das innerparteiliche
Demokratieprinzip, das im Grundgesetz verankert ist, wurde mit
Füßen getreten.« Der Kreiswahlausschuss, ärgert sich Stein,
habe das auch noch legitimiert. Der CDU-Kreisverband behalte
sich »weitere rechtliche Schritte« vor.
Hinter dem seltsamen
Zerwürfnis sehen viele in Bad Doberan den langen Arm von Anno
August Jagdfeld, dem Eigner des durch den G 8-Gipfel
bekanntgewordenen Hotelkomplexes in Bad Doberan. Der auf der
ersten Wahlliste fehlende Andreas Unterfranz gilt nämlich als
Kritiker des Hotelmannes. Er widersetzte sich etwa dem Bau
einer Tiefgarage für den Hotelkomplex und der Sperrung
weiterer Wege in Heiligendamm, die sich Jagdfeld gewünscht
hatte.
Nahrung bekommt die
Annahme, dass Unterfranz' Fehlen auf der ersten Liste mit dem
Einfluss Jagdfelds zu tun haben könnte, durch ein Schreiben
der CDU-Stadtvorsitzenden Caroline Brandt an Kreischef Stein.
Es sei »sehr bedauerlich«, heißt es dort offenbar mit Bezug
auf Unterfranz, »dass gerade jemand unterstützt wird, der in
den letzten Tagen ohne Äußerung von sachlichen und objektiven
Gründen Investitionen in Millionenhöhe in M-V als CDU-Mitglied
verhindert. (...) Hier ist jedoch eine Blockadehaltung weder
aus sachlichen noch aus objektiven Gründen angenommen worden,
die zudem auch noch offensiv in der Presse vertreten wurde.«
Unmut über Hoteleigner
Dem aus Düren
stammenden Jagdfeld, der das Hotel Anfang des Jahrzehnts
übernommen hat und in der Nähe eine Villa bewohnt, schlägt vor
Ort derweil immer mehr Unmut entgegen. Die
Bürgerinitiative »Pro Heiligendamm« etwa kämpft gegen den vom
Investor bereits angekündigten Abriss der Villen »Schwan« und
»Möwe« aus dem historischen Bauensemble der »Weißen Stadt«. Im
Januar 2007 wurde bereits die 1854 erbaute »Villa Perle«
eingerissen. Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen
Stiftung Denkmalschutz, hatte damals schriftlich protestiert
und über »politischen Druck« spekuliert, der hier auf die
zuständige Denkmalschutzbehörde ausgeübt worden sei. Die
Bürgerinitiative sieht sich getäuscht: Jagdfeld habe 2002
zugesichert, auch die Teile des historischen Ensembles zu
sanieren, die nicht zur eigentlichen Hotelanlage gehören. Doch
dies scheint sich nicht zu rechnen.
Dass
der Hotelkomplex trotz des Weltgipfels 2007 schwer unter
Besuchermangel leidet, bringen Ortsansässige aber genau damit
in Verbindung: Der Luxuskomplex ist von leeren Häusern und
Tristesse umstellt. Außer Meer und Wald gibt es nichts – keine
Geschäfte, keine Gastronomie. »Hier ist ja Tote Hose«,
wunderte sich Anfang Mai einer der wenigen Hotelgäste.
|
Kann das wirklich
sein? Ich habe hier eine Wahlwerbung der CDU vor mir liegen und in der
kandidiert Unterfranz nur für den Kreistag und ohne Bild.
Für das Rathaus kandidiert hingegen Peter Sähn, der kaufmännische Leiter
der ECH und ECW und Führungspersönlichkeit bei FUNDUS. Die Frage ist nun, ob
Sähn auch auf der ersten Liste auftaucht.
Wenn nicht, geht es vielleicht
gar nicht um Unterfranz...
(Nachtrag 12.06.2009:
Peter Sähn hat es nicht geschafft.
Aber Andreas Unterfranz sitzt nun im
Kreistag und nicht mehr in der SVV.)
Eigentlich also nicht
nachvollziehbar.
Die Frage sei allerdings erlaubt, warum Jagdfeld denn gerade die CDU
auseinander pflücken sollte, wo seine erklärten Gegner doch im
Bürgerbund sitzen und wo die Ablehnungen aus immer denselben Fraktionen
kommen, die teilweise sogar geschlossen abstimmen.
Über die wahren Gründe für
die Ablehnung berichtet CDG-Stadtvertreter Horst Gühler:
|
Auszug aus den Kommentaren im Stadtanzeiger am Samstag:
...Die Stadtvertreter, die
die Beschlussvorlagen am 30.03. abgelehnt haben fordern, dass der
Investor erst mit der Sanierung der Perlenkette nachhaltig beginnen
soll, dann würden auch die Beschlussvorlagen positiv beschieden.
Dies geht nicht, denn es muss erst die Finanzierung durch den
Verkauf gesichert werden, der Verkauf ist aber abhängig von der
Bestätigung der Beschlussvorlagen. Man muss dem Investor auch
zugestehen, dass zwischen dem Beschluss, Verkauf und Baubeginn ein
angemessener Zeitraum liegen muss.
Jetzt sehen sich beide Vertragspartner an und keiner macht den
ersten Schritt. Da Banken nicht kreditieren, wird auch kein
Bauunternehmen in Vorkasse gehen können und wollen.
Wir bewegen uns auf dem glatten Parkett der freien Marktwirtschaft,
jede Investition ist ein Risiko, auch Heiligendamm ist ein solches
für den Investor. Wir sitzen als Stadt nicht in der Loge und können
entspannt dem Tun des Investors zusehen, oder gar Wetten abschließen
- ob er es wohl schafft? Sein Erfolg würde allerdings sofort viele
Väter haben. Erst wenn die fertig gestellte Investition über die
Nutzung Gewinn abwirft haben Investor und Stadt eine gute
Investition.
Wenn ich den Investor
ständig in der Öffentlichkeit infrage stelle, Beschlüsse fasse um
Baurecht zu erarbeiten, den Investor die Planungsleistungen dafür
bezahlen lasse und am Ende des Prozesses die Herstellung der
Rechtskraft der erarbeiteten Pläne zum Baurecht verweigere, dann
kann die Investition nicht gehen. Der Investor hat 250 Mio Euro
investiert, kommt mit den weiteren Maßnahmen nicht weiter, verliert
gemeinsam mit den Anlegern wahrscheinlich erhebliche Einnahmen, da
liegen die Nerven blank. Ich kann ECH schon verstehen, dass
sie um die erneute Einbringung gebeten haben und die Stadtvertreter
sie einbrachten. Die
Beschlussvorlagen werden nicht heimlich behandelt. Auch in
anderen Fällen müssen Beschlussvorlagen wiederholt eingebracht,
manchmal auch dazu Sondersitzungen durchgeführt werden. Für mich
kein ungewöhnlicher Vorgang. Sie müssen sehen, dass der Investor
erst Ende August mit einem Beschluss rechnen kann, vor der
Sommerpause nicht. Dies bedeutet, dass der Investor Ende September
mit der Finanzierungssicherung beginnen kann und vielleicht Mitte
2010 mit den nachhaltigen Baumaßnahmen beginnt.
Unter diesem Gesichtspunkt
sollten Sie auch das Wiederaufbauversprechen zur Ville Perle sehen,
dass die Stadtvertreter vielleicht zur Einreichung beflügelt hat.
Der Stillstand geht weiter, mit dem berechtigten Vorwurf der
fehlenden Handlungsfreiheit durch die SVV....
---
...Am 30.03. wurden die
Beschlussvorlagen zu Heiligendamm abgelehnt, sehr knapp.
Am 25.05. konnten die Beschussvorlagen nicht behandelt werden, wegen
eines Formfehlers bei der Einladung.
Eigendlich waren es sogar zwei Fehler, es reichte zur Zurückweisung
bereits die verspätete Zusendung der in geringem Umfang
überarbeiteten "originalen" Beschussvorlagen.
Erst bauen, dann Finanzierung sichern.
Mit dem Thema bin ich wohl zu leichtsinnig umgegangen, ich bitte um
Entschuldigung.
Es ist verboten einen
Auftrag zu erteilen, ohne die Finanzierung einer beauftragten
Leistung gesichert zu haben. Besonders hart werden öffentliche
Auftraggeber bestraft wenn dies passiert. Auch bei der Verwendung
von Fördermitteln ist dies streng verboten, wer das tut, muss
mindestens die Fördermittel zurückgeben und erhält natürlich keine
mehr.
Eine Ablehnung der Beschussvorlagen bedeutet, weil sie die
Voraussetzung für die Sicherung der Finanzierung durch den Verkauf
der Villen darstellen, dass z.Zt. kein Auftrag für die Sanierung der
Villen erteilt werden kann und darf. Im übertragenen Sinn bedeutet
dies, wenn einige Stadtvertreter erst den Fortschritt sehen und dann
die Beschussvorlagen bestätigen wollen, dass eine Auftragserteilung
ohne Finanzierung verlangt wird, was nicht möglich ist. Hier beißt
sich der Hund in den Schwanz.
Sind die Beschlussvorlagen bestätigt, muss der Investor sehr aktiv
werden.
Herr Schlag umschrieb dies
in einem Artikel durch den Hinweis, der tatsächlich keine Nötigung
darstellt: der Ball liegt dann in unserem Feld.
Jetzt ist Wartezeit angesagt, d.h., weiterhin Stillstand....
---
...Am 30.03.09 wurden die
Beschlussvorlagen des Bürgermeisters als Einreicher behandelt, eine
durch Stimmgleichheit abgelehnt, eine mit einer Stimme Mehrheit
abgelehnt (ein Stadtvertreter war nicht anwesend, deshalb
Gleichstand möglich).
Am 25.05.09 wurden die Beschlussvorlagen nicht behandelt, obwohl sie
auf der Tagesordnung standen, weil durch einen Formfehler bei der
Einladung diese nicht behandelt werden durften bzw. konnten. Wer den
Fehler gemacht hat möchte ich hier nicht feststellen, aber doch
ärgerlich, bei dem Zeitdruck. Die Herren Einreicher Baor und Pieplow
der Beschlussvorlagen zum 25.05.09 haben mit Sicherheit ohne Zwang
gehandelt, wollten nur eine weitere Zeitverzögerung verhindern, auch
wenn andere etwas anderes behaupten sollte.
Um fehlende Baugenehmigungen geht es nicht.
Die Stadtvertreter, die sich gegen die Beschlussvorlagen
ausgesprochen haben führen eine Reihe von Argumenten an. Dazu
gehören vordergründig: Beim Bau der Tiefgarage werden die Villen
beschädigt, das Grundwasser kann nicht abfließen, der
Hochwasserschutz wird gefährdet (wenn das Vorhaben nicht vollendet
wird), der Investor wird die Finanzierung nicht sicherstellen
können. Aus meiner Sicht wurden in den Diskussionen mit der
Verwaltung, durch die Fachplaner und den Investor die erst genannten
Bedenken weitgehend zerstreut.
Das letzte angeführte Argument, bezüglich der Finanzierung,
„verhindert“ wohl wirkungsvoll die Bestätigung der
Beschussvorlagen....
Hier geht es
zur vollständigen Diskussion im Stadtanzeiger am Samstag.
|
Übrigens:
Wenn ich hier von "Schuld" spreche, dann möchte ich damit nur
dokumentieren, dass es Leute gibt, die "Schuldige" für dieses oder jenes
suchen. Es widerspricht meinem Weltbild, "Schuldige" zu suchen und es
widerspricht meiner Weltanschauung, "Schuld" zu suchen.
Die Frage nach der "Schuld" ist eine tiefreligiöse Sache, von der ich
mich so gut es geht distanziere.
Mein Weltbild besteht aus Ursache und
Wirkung - aus Aktion und Reaktion.
Meiner Meinung nach ist es ein
sinnloses Bemühen, nach der "Schuld" zu suchen, während es sinnvoll und
aufschlussreich sein kann, nach dem Grund oder philosophisch auch nach
dem Sinn einer Sache zu suchen.
Probleme lassen sich nicht lösen, wenn man den "Schuldigen" kennt.
Man
kann die Wirkung nur
über die Ursache beeinflussen.
Bitte verstehen Sie die voran gegangenen und folgenden Ausführungen zu
"Schuld" und "Unschuld" daher nur in diesem Kontext.
Noch mehr Verschwörungstheorien: Spekuliert FUNDUS nur mit
Baugrundstücken in Premium-Lage?
Inzwischen liegt
mir auch die Wahlwerbung des Bürgerbundes vor. Stand 27.05.2009 haben es
erst die CDU, der Bürgerbund und zweimal die NPD geschafft, mir
Wahlwerbung in den Briefkasten zu werfen. Die SPD verteilt ihre Flyer
gewöhnlich immer erst in den letzten Tagen vor der Wahl, damit sie am
Wahltag noch auf dem Küchenschrank liegen und sich so in Erinnerung
rufen. CDU und NPD haben mich mit kleinen Hochglanzflyern versorgt und
der Bürgerbund mit zwei Blättern DIN A4. Und da steht etwas drin,
das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
|
...Das
viel bemühte Argument, die Wegesperrungen seien zum Schutz der
Hotelgäste notwendig, ist letztlich nur der billige Trick eines
Immobilienmaklers, um günstig erworbene Villengrundstücke auf Kosten
der Allgemeinheit aufzuwerten. Und so werden die Vogel-Straße
zur Privatstraße und der Kleine Wohld zum Privatpark gemacht. ...
... Das historische Gesamtensemble
Heiligendamms ist massiv bedroht. Bereits vor Jahren hat die ECH den
Wunsch geäußert, alle Villen der Perlenkette abzureißen. Mit
Rückendeckung der Landespolitik sind für 3 Villen
Abrissgenehmigungen erteilt worden.
Nun spielt der "Investor"
auf Zeit, legt immer wieder wechselnde Verkaufskonzepte vor und
versucht, über Änderungen von Bebauungsplänen eine maximale
Wertsteigerung der Grundstücke zu erreichen. Alles deutet darauf
hin, dass von Heiligendamm am Ende nichts weiter übrig bleiben soll
als das Grandhotel und Bauland in Premiumlage.
...
Alle Fristen zur Sanierung der Villen sind längst verstrichen und
das vertraglich vereinbarte Investitionsvolumen wurde nicht
investiert.
... Nur der Verkauf an Einzelinvestoren mit
unterschiedlichen Nutzungskonzepten und bestätigter Finanzierung
bietet eine realistische Chance, die Perlenkette in absehbarer Zeit
zu restaurieren und damit vor dem Verfall zu retten.
|
Die Werbung habe
ich ausgepunktet.
Den vollständigen Text finden Sie hier:
http://www.buergerbund.com/html/unsere_ziele.html
Zur Information: Was
Privatstraße und was öffentliche Straße ist, entscheiden das Land und die Stadt Bad
Doberan und die Stadtvertreter haben hierauf einen erheblichen Einfluss.
Auch was Privatgrundstück und was öffentliche Fläche ist, entscheidet
die Stadt Bad Doberan mit ihren Stadtvertretern.
Und: Auch auf Bauland in Premiumlage dürfen - Stichwort "Wohnnutzung" -
nach derzeitigem Stand nur Hotelbauten entstehen.
Die ECH könnte dort also nur eigene Hotelbauten aufstellen oder - worauf
der Bürgerbund ja spekuliert - die Grundstücke verkaufen.
An Käufer, die dort auch nur Hotelbauten errichten können. Also an die
eigene Konkurrenz. Das wäre alles andere als logisch.
Um die Perlen an Einzelinvestoren zu verkaufen, müsste man sie der ECH
erst einmal abkaufen. Das heißt: Millionenschulden.
Oder man nimmt sie
der ECH weg. Das heißt: Millionenschulden. Würde die Stadt das machen,
wären Millionenklagen gewiss.
Der Bürgerbund
führt seine Behauptungen weiter aus:
|
Hierzu bekennt in der
lokalen Presse die Hotelgesellschaft des Investors nach dem Rückzug
des Betreibers „Kempinski“ ganz offen:
„Wir sind eine
abgeschlossene Hotelanlage, noch nicht so abgeschlossen, wie vom
Betreiber gewünscht. Doch gemeinsam mit den örtlichen Behörden
arbeiten wir daran.“.
Und der Bürgermeister dazu: „ Die Stadt hat immer alles getan, um
den Wünschen des Investors zu entsprechen. Wege gesperrt,
umgewidmet, Bebauungspläne gestaltet, …“
Offenbar geht es jetzt um
die Promenade.
...
2.) Die Sanierung des historischen Gesamtensembles war Grundlage
aller vertraglichen Vereinbarungen zwischen der öffentlichen Hand
und dem Investor.
Für die Durchsetzung ihrer vertraglichen Rechte setzt sich die
öffentliche Hand jedoch nicht ein. Der Investor wird nach eigener
Aussage und mit politischer
Rückendeckung demnächst weitere Villen der Perlenkette abreißen,
nachdem der Abriss der Villa „Perle“ problemlos möglich war und die
Öffentlichkeit
mit der Lüge über den geplanten Wiederaufbau 2008 getäuscht werden
konnte.
Nach einer zeitnahen Meldung
in der lokalen Presse hat der Investor bereits 2004 erstmals seinen
Plan offen gelegt, alle Villen der Perlenkette abzureißen.
Wo war die Entrüstung von Bund, Land und Stadt im Interesse des
vertraglich ausbedungenen Erhalts der „Perlenkette“? Der Umstand,
dass das Landesamt für
Denkmalpflege plötzlich „kein öffentliches Interesse am Erhalt“ der
Gebäude sieht, deutet auf politische Rückendeckung für eine
planvolle Zerstörung wertvoller,
Identität stiftender Bauwerke hin.
In der zynisch „Zukunft
Heiligendamm“ genannte Postwurfsendung der ECH räumt Jagdfeld das
Scheitern seines Villenkonzeptes ein.
Nachdem die Vogelstraße aufgrund eines Hotelkonzeptes für die
Öffentlichkeit gesperrt wurde und zahlreichen Bürgern in der
Vergangenheit mit der Begründung die Wohnungen gekündigt wurden,
dass Wohnen in diesem Bereich nicht mehr zulässig sei, soll der
Verkauf von dauerhaft nutzbaren Eigentumswohnungen nun den Erfolg
bringen. Nach Aussage
Jagdfelds soll die Sanierung erst erfolgen, wenn die nach seinen
Vorstellungen gestalteten B-Pläne 25 und 30 doch noch in Kraft
treten.
Dabei gibt Jagdfeld zu, dass der Beginn der Sanierung „abhängig vom
Verkauf der Wohnungen“ sei, und gesteht damit ein, dass das für die
Sanierung erforderliche Kapital fehlt.
Das Wirken des SPD-
Bürgermeisters und einiger seiner Gefolgsleute in der
Stadtvertretung, die Jagdfelds „Bebauungspläne“ absegnen
wollten, tun gerade so, als würden sie durch weitere Willfährigkeit
gegenüber dem Investor etwas Sinnvolles erreichen können.
Hier soll offenbar nur auf Zeit gespielt werden. Die frühzeitig
geäußerten Abrisspläne und die ergebnislos verstrichene Zeit machen
überdeutlich, dass die Sanierung der Villen der Perlenkette nicht
ernst gemeint ist: Es geht
in Wirklichkeit nur um eine Wertsteigerung der Grundstücke.
Da Baurecht gegeben ist,
hindert niemand den Investor daran, seiner vertraglichen Pflicht zur
Sanierung der Perlenkette nachzukommen.
|
Auch hier ist
wieder die Werbung weitestgehend ausgepunktet.
Hier geht es zum
vollständigen Text:
http://www.buergerbund.com/html/stichwort_heiligendamm.html
Die Aussagen spiegeln
nicht meine persönliche Meinung wieder. Ich distanziere mich von allen
gemachten Aussagen.
Mir ist es nur wichtig, dass Sie diese Theorien kennen.
Lesen Sie unbedingt weiter und scrollen Sie ein Stück herunter - die ECH
nimmt Stellung zu jedem einzelnen Punkt.
Wieder das bekannte Spiel:
„Wir sind eine abgeschlossene
Hotelanlage, noch nicht so abgeschlossen, wie vom Betreiber gewünscht.
Doch gemeinsam mit den örtlichen Behörden arbeiten wir daran.“.
Die Worte "mit den örtlichen
Behören" sprechen nicht gerade dafür, dass die Antwort sich an einen
Einheimischen richtet.
Der Bürgerbund nennt keine Quelle. Geschickt
gefragt kann man diese Antwort problemlos provozieren.
Als angeblich
ruhegestörter Hotelgast zum Beispiel.
Offenbar wurde die Aussage
ja vom Grand Hotel selbst gemacht.
Das sei damit nicht unterstellt,
sondern soll zeigen, wie einfach es möglich ist, Aussagen zu
provozieren.
Nur weil etwas schwarz auf weiß steht, muss es nichts mit
dem Thema zu tun haben.
Und weiter:
Und der Bürgermeister dazu: „ Die Stadt hat immer alles getan, um den
Wünschen des Investors zu entsprechen.
Wege gesperrt, umgewidmet,
Bebauungspläne gestaltet, …“
Offenbar geht es jetzt um die Promenade.
Die Stadt - das ist auch die
Stadtvertreterversammlung, an der der Bürgerbund selbst mit
Stadtvertretern beteiligt ist.
Es steht jedem Menschen frei, ob
er Stadtvertreter sein möchte oder das Mandat niederlegt, weil er die
Entscheidungen nicht mittragen will. Alles, was der Bürgerbund sagt, was
Polzin gesagt haben soll, haben die Stadtvertreter des Bürgerbundes
mitzutragen - auch wenn sie stets dagegen gestimmt haben. Letztlich
trägt jeder Stadtvertreter alle Entscheidungen der SVV mit, denn am Ende
hat "die Stadtvertreterversammlung" beschlossen - auch wenn ich mich zu
widersprechen scheine.
Es ist
belanglos, wer wie gestimmt hat, wenn das Gesamtergebnis zählt.
Gewöhnlich muss ein Stadtvertreter, der gegen eine Sache stimmt, das
Gesamtergebnis auch dann akzeptieren, wenn es ein "Ja" ist.
Gewöhnlich können Stadtvertreter auch damit leben und beschuldigen nicht
die Ja-Abstimmer, nur weil ihnen die Abstimmung nicht passt. Alles
andere hat mit Politik nicht viel zu tun.
Und nein: Es geht nicht
um die Promenade. Es geht um die Tiefgarage.
Und weiter:
Der Investor wird
nach eigener Aussage und mit politischer Rückendeckung demnächst
weitere Villen der Perlenkette abreißen, nachdem der Abriss der Villa
„Perle“ problemlos möglich war und die Öffentlichkeit mit der Lüge über
den geplanten Wiederaufbau 2008 getäuscht werden konnte.
Ja,
der Investor wird weitere Villen abreißen: Möwe und Schwan.
Mit
"politischer Rückendeckung" aus Schwerin und Bad Doberan seit 2004.
Und weiter:
Nach einer zeitnahen Meldung in der
lokalen Presse hat der Investor bereits 2004 erstmals seinen Plan offen
gelegt, alle Villen der Perlenkette abzureißen.
Leider erbringt der Bürgerbund
keinen Beleg für diese Behauptung.
Ich habe eine Menge Zeitungsartikel aus der "lokalen Presse" zusammen
getragen und konnte so eine Behauptung nicht finden.
Oder meint der Bürgerbund vielleicht den von Jagdfeld geäußerten Wunsch,
die Perlen aus Kostengründen allesamt von Grund auf - also per Abriss
und Neubau - zu erneuern? Die Ostsee-Zeitung schreibt, dass Herr Kiesow
sagte, dass Herr Jagdfeld das sagte. Über die Zuverlässigkeit
dieser Aussagen lässt sich streiten.
Und weiter:
In der zynisch
„Zukunft Heiligendamm“ genannte Postwurfsendung der ECH räumt Jagdfeld
das Scheitern seines Villenkonzeptes ein.
Er räumt das Scheitern der
Finanzierung über Fonds und Kredite ein. Mehr nicht. Im Gegenteil: Er
hält am Konzept fest.
Den Namen einer Zeitung in einer Wahlwerbung anzugreifen, sieht einfach
m. E. nur komisch aus.
Und weiter:
Nachdem die Vogelstraße aufgrund eines Hotelkonzeptes für die
Öffentlichkeit gesperrt wurde und zahlreichen Bürgern in der
Vergangenheit mit der Begründung die Wohnungen gekündigt wurden, dass
Wohnen in diesem Bereich nicht mehr zulässig sei, soll der Verkauf von
dauerhaft nutzbaren Eigentumswohnungen nun den Erfolg bringen.
Die Zeiten ändern sich. Die ECH entwickelt Heiligendamm nach der aktuellen Marktlage und diese
beinhaltete 1996 noch keine hohe Nachfrage nach Residenzen zum Wohnen.
Der Markt im Segment des Grand Hotels wies eine hohe Nachfrage nach
Hotelzimmern, Hotelwohnungen und Konferenzräumen auf. Die ECH hätte also
Hotelzimmer und Suiten in die Perlenkette integrieren müssen.
Da aber die Perlenkette ohnehin
erst nach dem Ensemble in Angriff genommen werden durfte - oder
zeitgleich, wenn sie die Mittel dafür gehabt hätte, was aber niemand
ernsthaft erwartete und erwarten konnte - war vor 2004 gar kein Konzept
für die Perlenkette nötig. Seit 2004 entwickelt die ECH nun das
Residenzkonzept an der Perlenkette und 2008 ging es in die heiße Phase.
Die Entscheidung in diesem Jahr (2009) sollte die Umsetzung des
Residenzkonzepts und damit die Sanierung der Villen ermöglichen.
Zusammen mit anderen Stadtvertretern hat aber der Bürgerbund - abgesehen
von Herrn Orth - den Beschlüssen, die zu einer Sanierung führen sollten
und auch können eine Absage erteilt. Es steht jedem Bürger frei, eine
Wohnung in der Perlenkette Heiligendamm zu kaufen. Mit 50-100 Euro Miete
im Monat (Stand 1996) hätte nach der Sanierung und Vermietung auch
niemand mehr rechnen können.
Abgesehen davon hat die Stadt -
und nicht die ECH - das Wohnen durch die Erstellung des Sondergebietes
"Hotel" verboten.
Die ECH will ja schließlich nichts lieber, als dass die Stadt diesen
Beschluss für die Perlenkette aufhebt.
Und weiter:
Nach Aussage
Jagdfelds soll die Sanierung erst erfolgen, wenn die nach seinen
Vorstellungen gestalteten B-Pläne 25 und 30 doch noch in Kraft treten.
Dabei gibt Jagdfeld zu, dass der Beginn der Sanierung „abhängig vom
Verkauf der Wohnungen“ sei, und gesteht damit ein, dass das für die
Sanierung erforderliche Kapital fehlt.
Ohne gültigen B-Plan-Beschluss
darf die ECH gar keine Tiefgarage bauen.
Ohne Tiefgarage keine Käufer,
kein Geld, keine Sanierung.
Natürlich fehlt der ECH das erforderliche Kapital.
Das Hotel läuft
schlecht und die Gründe dafür sind vielfältig, komplex und nicht ohne
Mitschuld einiger Stadtvertreter, sowie Bürger und Tagesgäste.
Hat denn jemand ernsthaft
erwartet, dass FUNDUS reicher als Bill Gates ist?
Und weiter:
Das Wirken des
SPD- Bürgermeisters und einiger seiner Gefolgsleute in der
Stadtvertretung, die Jagdfelds „Bebauungspläne“ absegnen wollten,
tun gerade so, als würden sie durch weitere Willfährigkeit gegenüber dem
Investor etwas Sinnvolles erreichen können.
Gewöhnlich erreicht
man durch Zusammenarbeit mehr, als durch Blockaden. Und gewöhnlich wirft
man nicht mit Steinen, wenn man im Glashaus sitzt. Für den Bürger sind
auch die Bürgerbund-Stadtvertreter die Mittragenden bei einem "Ja" oder
einem "Nein". Zu wissen, wer wie gestimmt hat, ist für die Entscheidung
selbst völlig belanglos, wenn das Ergebnis feststeht. Die Bürger wollen
nur wissen, wer wie gestimmt hat, um bei der nächsten Wahl jene zu
wählen, mit denen sie übereinstimmen. Wenn man also seine Position
innerhalb der bestehenden oder zukünftigen SVV hervor hebt, ist das
nichts anderes, als Wahlkampf.
Und zu guter Letzt:
Da Baurecht
gegeben ist, hindert niemand den Investor daran, seiner vertraglichen
Pflicht zur Sanierung der Perlenkette nachzukommen.
Das Baurecht ist nur
für den alten Plan gegeben: Keine Tiefgarage, keine Wohnungsnutzung. Das
einzige, was den Investor daran hindert, die Sanierung der Perlenkette
nicht umzusetzen, ist ein Problem, dessen Lösung in den Händen der
Stadtvertreter liegt. Auch der des Bürgerbundes.
Der Bürgerbund verspricht "Wir machen den Weg frei" und fordert die
Reaktionen heraus.
Provokativ wie nie
gehen die Parteien 2009 in den Lokalwahlkampf.
Es geht um drei wichtige Punkte: Umgehungsstraße, Weltkulturerbe und
Heiligendamm.
Jede Partei muss
dazu Stellung nehmen und fast jede tut dies auch. Einige sprechen sich
dafür aus, die Pläne der Investorin durchzusetzen, andere möchten gern
noch einmal verhandeln, wieder andere sehen das Ende der Fahnenstange
erreicht und lehnen weitere Sperrungen ab und der Bürgerbund wirbt offen
dafür, bestehende Wegsperrungen wieder rückgängig zu machen.
Das Ergebnis der Wahlen und die Auswirkungen dieser Forderung auf die
Wahlergebnisse des Bürgerbundes kann ich heute nicht vorweg nehmen aber
die Reaktionen auf die Wahlwerbung des Bürgerbundes trage ich Ihnen hier
zusammen.
Diesmal aus dem Doberaner "Am Samstag" des Jütteverlages. Wir
erinnern uns: Frank-Andreas Jütte war selbst schon einmal
Bürgermeisterkandidat und er war zumindest damals parteilos. Auch heute
taucht er in keiner Kandidatenliste auf. Damit zählt zumindest sein
Medium für mich als Alternative zur Ostsee-Zeitung, die momentan
technisch ein paar Probleme bei den Recherchen macht. Nachtrag
07.06.2009: Ich habe ihn heute auf der FDP-Liste für den Kreistag
entdeckt. Aber das soll mir auch egal sein - wenn irgend ein Artikel zu
offensichtlich politisch ist, lasse ich ihn eben raus.
Zuerst haben wir da einen
Offenen Brief des neuen Hoteldirektors.
Dass sich Hoteldirektoren und die Investorin in die Politik einmischen,
ist in Bad Doberan nichts neues.
Mag man davon halten, was man will. Von mir dazu diesmal kein Kommentar
- alle Dokumente beider Parteien sind selbstredend.
|
Offener Brief an die Bürgerinnen und Bürger Bad Doberans
Am Samstag | Region Bad Doberan
| 05.06.2009 - 08:27:23
Liebe
Leserin, lieber Leser,
Sie
sind am Sonntag aufgerufen, eine neue Stadtvertretung zu wählen.
Sie bestimmt die Geschicke der nächsten fünf Jahre in Bad
Doberan in vielen wichtigen Bereichen.
Einer davon ist Heiligendamm – unser schönes Seebad, beliebt bei
Doberanern und ihren Gästen. Ein internationales Schmückstück,
das seinesgleichen in der Welt sucht.
Mit dem anerkannten Wiederaufbau des historischen Ensembles rund
um das Kurhaus erlebt das Seebad nach langem Niedergang seine
zweite Blüte.
Das Grand Hotel ist mehr
als je zuvor Attraktion für Gäste aus Nah und Fern. Ob von der
Kühlungsborner Straße, der Seebrücke oder der Promenade:
Von allen Seiten werden die Häuser bewundert und tausendfach
fotografiert. Das gesamte Ensemble ist für jeden erlebbar.
Diese Häuser beherbergen
unsere Gäste. Sie möchten sich, wie jeder von uns, im Urlaub
erholen. Das ist ausgeschlossen, wenn jeder die Anlage beliebig
nutzen kann.
Als Doberaner erinnern Sie sich sicher, dass in den ersten
Jahren der Eröffnung des Hotels bis zu 5000 auswärtige Touristen
täglich über das Hotelgelände gingen
oder mit dem Rad fuhren. Niemand möchte das in seinem eigenen
Vorgarten. Und so sind leider viele unserer Gäste nicht mehr
wiedergekommen.
Wir müssen sie wieder mühsam zurückgewinnen.
Einige Kandidaten für
die neue Stadtvertretung werben „für offene Wege in
Heiligendamm“. Das wäre, um es klar zu sagen, der sichere Ruin
für das Grand Hotel.
In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es ohnehin eine
große Aufgabe, um jeden Gast zu kämpfen. Ich sage das auch so
klar, weil ich mich verantwortlich
fühle für unsere mehr als 300 Beschäftigten, deren Arbeitsplätze
verlorengehen.
Es ist aber auch nicht
so, dass eine neue Stadtvertretung einfach alle Wege wieder
öffnen kann. Wer das behauptet, täuscht die Wähler darüber, was
möglich ist.
Denn die Stadtvertreter selbst hatten ihre Entscheidungen
demokratisch gefällt, die Stadt und andere Behörden hatten sie
sorgfältig geprüft und als rechtmäßig bestätigt.
Der beste Beweis ist eine entsprechende Klage des Bürgerbundes
vor Gericht, die dieser im letzten Moment zurückgezogen hat,
weil er um die Aussichtslosigkeit wusste.
Leider hat der Bürgerbund darüber nicht informiert.
Ich
schreibe Ihnen das so offen, weil sehr viel auf dem Spiel steht
– für Bad Doberan und das Grand Hotel Heiligendamm.
Ich bitte Sie sehr herzlich, dies bei Ihrer Wahlentscheidung zu
berücksichtigen.
Mit
freundlichen Grüßen
Holger König
Direktor des Grand Hotel Heiligendamm
|
Einen Tag später und damit einen Tag vor der Wahl fand man folgendes
Prospekt der ECH in den Briefkästen.
|


(C) Entwicklungscompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG
|
Machen Sie sich bitte ein Bild von allen Aussagen und machen Sie sich
bitte eine eigene Meinung.
Ich dokumentiere die Schreiben aller Involvierten aber ich mache mir
keinen der Inhalte zu eigen.
Übrigens: Mehr
ausführliche Erläuterungen gibt es von CDG-Stadtvertreter Horst Gühler.
Zeit am Meer fragt - Stadtvertreter Horst
Gühler antwortet.
Heiligendamm aus der Sicht eines
langjährigen Wegbegleiters.
Im "Am Samstag" stieß ich auf äußerst geduldige und vor allem sachliche
Erklärungen eines nicht unbekannten Stadtvertreters.
Horst Gühler von der Christlich Demokratischen Gemeinschaft (CDG)
begleitete das Projekt in Heiligendamm in verschiedenen Positionen quasi
vom ersten Tag an. Er hat ungeahnte Einblicke in die Entwicklung und
besonders in die jetzige Situation. Ich freue mich, auch hier eine
Quelle unermüdlicher Erklärungen gefunden zu haben. Horst Gühler steht
für mich für das, was Stadt und Investorin die ganze Zeit verpasst
haben: Erklärungen für die Öffentlichkeit.
|
"Am Samstag",
Kommentar vom 22.05.2009 - 22:47:09 von Herrn Horst Gühler:
Alle sind sehr nervös wenn sie an das erste deutsche
Seeheilbad denken- oder denken Sie nicht an eine zügige Entwicklung?
Ist es richtig und verständlich, dass sich die Stadtvertreter auf
ihrer letzten Sitzung noch einmal mit dem Thema „Handlungsfreiheit
für die ECH“ auseinandersetzt?
Eigentlich ist es ganz einfach. Das erste deutsche Seeheilbad soll
wieder in altem Glanz erstrahlen und Gäste ziehen. Eine ganzjährige
Auslastung muss angestrebt werden, denn Investor, Anleger und die
Stadt wollen und müssen Geld verdienen. Damit sich die Gäste
nachhaltig für uns entscheiden, ist den heutigen Bedürfnissen der
Gäste Rechnung zu tragen. Die Erweiterung der historischen Anlage
ist damit nicht vermeidbar, das Ensemble ist zu erhalten. Durch die
B-Pläne (19, 25 u. 26) Golfplatz, Grand- Hotel, Thalasso- Zentrum
und Ayurveda- Zentrum, sollten die Voraussetzung für die Schaffung
eines guten Angebotes, gegenüber den Gästen, baurechtlich gesichert
sein.
Seit Anfang 2008
signalisiert die ECH der Stadt, das der Verkauf der Perlenkette
nicht läuft, die Anleger einen erhöhten Eigenbedarf anmelden und
mehr Komfort bei der Nutzung wünschen (Zufahrt und Stellplätze),
denn die Prof.- Dr.- Vogel- Straße ist den Gästen zum Flanieren
vorbehalten und nicht den Fahrzeugen. Nur aus diesen Gründen sollten
die B-Pläne 25 und 30 geändert und deren Änderung am 30.03.09
rechtskräftig abgeschlossen werden.
Am 30.03.09 sagten im Klartext 50% der Stadtvertreter- erst bauen,
dann das Geld für die Baubetriebe durch die Betreibung verdienen und
irgendwann die Bauleistung bezahlen, 50% sagten- erst die
finanziellen Mittel durch den Verkauf einnehmen, den Baubetrieben
den Auftrag geben und anschließend die Bauleistung sofort bezahlen.
Das Ergebnis der Abstimmung in der SVV bietet der ECH die Variante
eins an, die ECH natürlich nicht umsetzen kann, was jeder wissen
sollte.
Zwei Stadtvertreter möchten den unsäglichen Kreislauf am 25.05.09
beenden lassen und reichten die BeschluSVVorlagen erneut ein.
Jetzt liegt es an den Stadtvertretern zu entscheiden, ob die ECH
handlungsfähig wird, oder frühestens Ende September 2009, wenn die
neue Stadtvertreterversammlung entscheiden muss.
Unsere Fraktionsmitglieder und Kandidaten für die neue
Stadtvertreterversammlung verstecken sich nicht bezüglich der
Kommunalwahlen am 07.06.09. Uns liegt jedes Taktieren fern. Die
Entwicklung der Gemeinde steht im Vordergrund, die Wählerinnen und
Wähler sollen sich bewusst entscheiden können. Die Wählerinnen und
Wähler geben ganz einfach ca. 27.000 Euro für die Stadtvertreter im
Jahr über den Haushalt der Stadt aus und können erwarten, dass alle
BeschluSVVorlagen und Themen mindestens sachlich behandelt werden.
Wir freuen uns, wenn im Rahmen der EU die Länder zusammenarbeiten.
Trotzdem möchten wir erreichen, dass die Touristen nicht nur über
die A 20 abfließen, sondern auch unsere Gewerbetreibenden sich über
einen entsprechenden Zuspruch freuen können. Dies müssten sich alle
Stadtvertreter auch ganz einfach vorstellen können. Wer nur seinem
Ego dienen kann und den Gemeinnutz nicht an erste Stelle setzt,
sollte nicht kandidieren.
Ihre CDG- Stadtfraktion Bad Doberan
"Am Samstag", Kommentar vom 25.05.2009 - 14:17:43 von Herrn
Martin Dostal:
Sehr
geehrter Herr Gühler,
ich fühlte mich jetzt nicht direkt angesprochen aber wenn Sie "Sie"
schreiben, müssen Sie ja mich gemeint haben. Darum hier etwas
verspätet meine Antwort:
Ich WÜNSCHE eine zügige Entwicklung aber daran DENKEN fällt mir
angesichts der bisherigen Entwicklung schwer. FUNDUS hat viel
geschafft, das ist nicht von der Hand zu weisen. Ich traue FUNDUS
auch zu, das Ganze erfolgreich zu Ende zu bringen. Nur hat sich seit
Jahren baulich in FUNDUS-Heiligendamm außer eh notwendigen Arbeiten
und dem Aufbau von Zäunen und Abriss von Häusern nichts mehr getan.
Hans Schlags "So können wir doch nicht mit der Sanierung beginnen"
klingt geradezu wie Hohn - kaum jemand glaubt, dass eine positive
Entscheidung zu einem schnellen Baubeginn geführt hätte. Zumal die
Baugenehmigungen ja schon längst vorliegen, wie ich auch Ihren
Zeilen entnehme.
Sie haben die Situation "50%
zu 50%" wunderbar erklärt. Nun wurden die Pläne jedoch beim zweiten
Versuch eindeutig abgelehnt. Haben Sie auch hierfür eine Erklärung,
die Sie als SVV-Mitglied geben dürfen? Ich persönlich bin der
Meinung, dass die Vertreter der SVV demokratisch gewählt wurden und
für die ihnen anvertrauten Sachen nach bestem Wissen und Gewissen
abstimmen. Ich vertraue darauf, dass die SVV weiß, was sie tut.
Nur mit dem Verstehen ist es nicht immer so einfach. Aus allen
Mündern klingt, dass es in Heiligendamm weiter gehen soll und dann
wird eine Entscheidung gefällt, die für den Außenstehenden nicht so
aussieht, als ob sie dazu beitrüge. Die Entscheidung selbst
kritisiere ich nicht, sondern lediglich das Unvermögen beider
Parteien (Investorin und Stadt), die Entscheidungen (und
Forderungen) für den Laien verständlich zu begründen. Man kann keine
Zustimmung für eine Sache erwarten, die niemand versteht und wenn es
Sie nicht gäbe, wären noch mehr offene Fragen. Werden Sie bitte
nicht müde, die Angelegenheiten zu erklären - genau das ist es, was
eigentlich einen Posten in der Stadtverwaltung Wert wäre: Wir
brauchen einen "Erklärbär" ;-)
Was ich nicht so ganz verstehe, ist die Rolle der SVV in
wirtschaftlichen Fragen. Sie sschreiben, dass es in der Entscheidung
vom 30.03. darum ging, ob die ECH erst bauen und dann finanzieren
oder erst finanzieren und dann bauen soll und demnach, ob die
Baubetriebe in Vorleistung oder die ECH in Vorkasse geht. Mit
Verlaub: Kann das den Politikern nicht egal sein? Wenn der HGV
Bedenken hätte, würde ich das verstehen aber ich behaupte, dass
niemand mehr hinter jedem Plan der ECH steht, als gerade der HGV.
Irgendwann muss man das Kind auch mal erwachsen sein lassen. Oder
sieht es so aus, dass wenn die Bauunternehmen in Vorleistung treten
und die ECH Pleite geht, zum Schluss etwas an der Stadt hängen
bleibt? Hier wären wieder Ihre Erklärungen gut.
Was meinen Sie eigentlich: Wenn man der ECH dauernd abverlangt, die
Finanzierung zu beweisen: Stellt man damit nicht öffentlich eine
Vertrauensfrage - bekundet also öffentlich das Misstrauen gegenüber
denen, mit denen man laut Vertrag zusammen arbeiten sollen?
Für mich sieht es nicht sehr
kameradschaftlich aus, wenn die ECH in ihrer Zeitung gegen die SVV
wettert, den HGV zur Medienhetze auffordert und immer wieder bereits
abgelehnte Beschlüsse neu einzubringen initiiert. Ich weiß: Die
Beschlüsse wurden von Herrn Baor und Herrn Pieplow wieder
eingebracht und nicht von der ECH. Es lässt sich darüber nur
spekulieren, ob die beiden das auch getan hätten, wenn die ECH sich
nicht oder nicht mit dem Wiederaufbauversprechen wieder zu Wort
gemeldet hätte. Mich interessiert aber schon, ob auch Sie im
Verhalten der ECH eine Zusammenarbeit sehen, wie sie sich die
Initiatoren des Grundlagenvertrages damals vorgestellt haben.
Ihrem letzten Satz stimme ich zu. Nur wiederholen Sie ihn ziemlich
oft.
In punkto Heiligendamm kann
ich nicht erkennen, wer persönlich - also egostisch - einen Vorteil
daraus ziehen könnte, für oder gegen etwas zu stimmen. Der einzige,
der direkt in das Bauvorhaben involviert ist, ist Peter Sähn und der
sitzt noch gar nicht in der SVV und da ist auch noch gar nichts
raus. Meinen Sie, dass sozusagen "Vertriebene" zusammen mit
"Hinterbliebenen" einen Rachefeldzug gegen die ECH veranstalten? Der
Verdacht wäre ja auch nicht so neu. Oder bezieht sich die Ego-Frage
auf etwas anderes?
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dostal
"Am Samstag", Kommentar vom 03.06.2009 - 22:30:03 von Herrn Horst
Gühler:
Sehr
geehrter Herr Dostal,
Sie haben Recht, ich hätte „Sie“ klein schreiben müssen, trotzdem
beantworte ich Ihre Fragen gerne. Gehen Sie aber bitte davon aus,
dass ich darauf achten muss, dass ich möglichst sachlich antworte.
Ich kann Ihnen auch nur
meine Meinung und Auffassung vermitteln, die mit meinen
Fraktionskollegen sicherlich übereinstimmt, von anderen
Stadtvertretern nicht geteilt werden muss. Haben Sie bitte
Verständnis dafür, dass ich in einigen Punkten weiter aushole um
allgemeinverständlich zu sein, auf den Investor muss ich auch in
angemessenem Umfang Rücksicht nehmen, denn es gibt nicht ohne Grund
den „nicht öffentlichen Teil“ der Stadtvertreterversammlung.
Es ist der Beschluss der SVV
von 1996 noch gültig, das erste deutsche Seebad auf hohem Niveau zu
sanieren. Dieser Beschluss kann ohne erhebliche finanzielle
Schadenersatzforderungen des Investors nicht rückgängig gemacht
werden, dafür ist die Investition bereits mit 250 Mio Euro zu weit
fortgeschritten. Wir sind gemeinsam zum Erfolg „verdammt“.
Laut Kommunalverfassung und Grundgesetz muss kein Stadtvertreter
eine fachliche Vorbildung mitbringen, geht auch nicht, denn es gibt
mehr zu behandelnde fachspezifische Bereiche, für die eine größere
Anzahl von Fachleuten nicht gewählt werden können.
Jeder muss mit seinem Wissen
die Probleme behandeln und Entscheidungen treffen. Deshalb ist jeder
Stadtvertreter für sich selbst verantwortlich und keinem
rechenschaftspflichtig. Wenn eine fachlich gut aufgestellte
Verwaltung vorhanden ist, ist dies auch kein Problem.
Trotzdem muss nach meinem Verständnis ein Stadtvertreter (die Damen
natürlich eingeschlossen und nicht vergessen) in der Lage sein seine
persönliche Meinung sachlich zu überprüfen und seine Entscheidung am
Gemeinnutz auszurichten. Wenn also Stadtvertreter den Bau der
Reha-Klinik nachweisbar mit allen Mitteln bekämpft haben und heute
die Reha-Klinik vorschieben um ECH zu bekämpfen, darf ich annehmen,
dass man sich nicht am Gemeinnutz orientiert, sondern seinem Ego
folgt- der Investor muss weg.
Für die Gemeindemitglieder ist sichtbar ein Stillstand zu
verzeichnen. Dieser Stillstand kommt für mich aber nicht von
ungefähr. Gestatten Sie mir
bitte davon auszugehen, dass das alte Konzept (fertig gestelltes
Grand- Hotel, Sanierung der Perlenkette, Golfplatz, Villenbebauung
am Ortsausgang Richtung Kühlungsborn), ergänzt durch die geplanten
Objekte Hotel Adlon am Meer, Thalasso- Zentrum und Ayurveda- Klinik,
ein sinnvolles und wirtschaftlich notwendiges Gesamtkonzept zur
ganzjährigen Auslastung der Hotelanlage darstellt. Ohne den Investor
in eine Ecke stellen zu wollen können wir davon ausgehen, dass die
Umsetzung an zwei entscheidenden Kriterien hängt - Geld und
Baurecht. Beim Baurecht sehe ich kein unüberwindliches
Problem, auch wenn sich die Gemüter zurzeit an der Tiefgarage und
der Entscheidung zum selbst genutzten Wohneigentum an den Villen
erhitzen. Zum besseren
Verständnis darf ich sagen, dass der ehemalige Stadtvertreter Herr
Husar und ich ECH (im Rahmen der Diskussion über das Demler- Palais
und der dort vorgesehenen Tiefgarage – auch für die Perlenkette)
darauf aufmerksam gemacht haben, dass die Entfernung zu den
geplanten Stellplätzen zu groß ist. Im Bereich der Perlenkette
können Stellplätze für die einzelnen Gebäude nur auf der Straße oder
auf der Seite zur Promenade angeordnet werden, was wohl nicht geht.
Damit ist ein Verkauf der Gebäude oder von anteiligem Wohneigentum
praktisch nicht möglich. Sollte es eine bessere Lösung als die
Tiefgarage unter der Promenadenseite geben, warum nicht. In der
Hoffnung, ECH nicht zu beleidigen, nur soviel zum Hauptproblem –
Geld. Die Banken kreditieren Hotels und ähnliche Objekte nur in
Ausnahmefällen. Von Herrn Jagdfeld zu erhoffen 700 Mio Euro aus dem
privaten Vermögen einzusetzen, kann keiner ernsthaft meinen. Damit
bleibt wohl, unter anderem, nur noch das Werben um Anleger. Die
Erfolgsaussichten dürften, bei der Presse und der Diskussion in der
SVV, wohl sehr bescheiden sein.
Ich habe mehrfach gefordert und kritisiert, dass die Stadt, Herr
Polzin und ECH, Herr Jagdfeld, keine Öffentlichkeitsarbeit leisten.
Diese Unterlassung rächt sich jetzt, denn das erste deutsche Seebad
ist zwar eine private Unternehmung, aber doch auch von großem
öffentlichem Interesse. Dies haben beide Seiten nicht erkannt, es
geht letztlich um die Beeinflussung eines ganzen Ortsteiles, da muss
ich versuchen alle mitzunehmen, ohne mich als Investor
„auszuziehen“. Man sagt ja, eine Krise kann man nur auf ihrem
Höhepunkt lösen, vielleicht ist dieser Punkt jetzt erreicht.
Zu ein paar Details:
Es hängen tatsächlich viele
Arbeitsplätze an der Weiterführung des Gesamtvorhabens, auch die der
Geschäftsführer. Auch unter dem Stress halte ich es nicht für gut,
eine zu große Nähe oder Verbundenheit mit den Fraktionen oder
Einzelvertretern zu demonstrieren. Ich halte es auch nicht für gut,
solche Schreiben zur Presse zu tragen, weil man ECH nicht mag. Unter
Leitung des Vorstandes der SVV kann hier sachlich schnell Abhilfe
geschaffen werden.
Lippenbekenntnisse einiger Stadtvertreter: „ich will natürlich das
erste deutsche Seeheilbad auf hohem Niveau, aber zu meinen
Vorstellungen“ - geht nicht, reine Wahlkampftaktik.
Die Stadtvertretervorsteherin lädt zu einer internen
Informationsveranstaltung ein. Der Presse wird das zugespielt, den
Einwohnern suggeriert, dass diese Informationsveranstaltung
öffentlich sei. Anstatt den
interessierten Einwohnern spontan den Zutritt zu gestatten, weil
keine nicht öffentlichen Themen auf der Tagesordnung standen, wird
dies abgelehnt und die Veranstaltung nicht durchgeführt. Ergebnis,
da wird doch wieder etwas hinter unserem Rücken mit dem Investor
bekakelt. Vermutlich könnte diese Handlung den Ausschlag zur
Ablehnung der BeschluSVVorlagen am 30.03. geführt haben, denn es
ging um nur eine Stimme. Zur Behandlung der BeschluSVVorlagen am
25.05.09 gibt es ein scheinbar gut gehütetes „Geheimnis“. Die
BeschluSVVorlagen wurden nicht abgelehnt, sondern wegen eines
Formfehlers, im Umgang mit der Einladung, nicht behandelt. Dass sich
einige Stadtvertreter über die zwangsläufige Verzögerung diebisch
gefreut haben, beantwortet Ihre Frage nach dem
verantwortungsbewussten Behandeln von Themen durch einige
Stadtvertreter in der SVV.
Finanzierung und Bauen oder umgekehrt. Ich wollte nur deutlich
machen, was die SVV im Klartext erreicht hat.
Die Stadtvertreter, die die
BeschluSVVorlagen am 30.03. abgelehnt haben fordern, dass der
Investor erst mit der Sanierung der Perlenkette nachhaltig beginnen
soll, dann würden auch die BeschluSVVorlagen positiv beschieden.
Dies geht nicht, denn es muss erst die Finanzierung durch den
Verkauf gesichert werden, der Verkauf ist aber abhängig von der
Bestätigung der BeschluSVVorlagen. Man muss dem Investor auch
zugestehen, dass zwischen dem Beschluss, Verkauf und Baubeginn ein
angemessener Zeitraum liegen muss. Jetzt sehen sich beide
Vertragspartner an und keiner macht den ersten Schritt. Da Banken
nicht kreditieren, wird auch kein Bauunternehmen in Vorkasse gehen
können und wollen.
Wir bewegen uns auf dem glatten Parkett der freien Marktwirtschaft,
jede Investition ist ein Risiko, auch Heiligendamm ist ein solches
für den Investor. Wir sitzen als Stadt nicht in der Loge und
können entspannt dem Tun des Investors zusehen, oder gar Wetten
abschließen - ob er es wohl schafft? Sein Erfolg würde allerdings
sofort viele Väter haben. Erst wenn die fertig gestellte Investition
über die Nutzung Gewinn abwirft haben Investor und Stadt eine gute
Investition.
Wenn ich den Investor
ständig in der Öffentlichkeit infrage stelle, Beschlüsse fasse um
Baurecht zu erarbeiten, den Investor die Planungsleistungen dafür
bezahlen lasse und am Ende des Prozesses die Herstellung der
Rechtskraft der erarbeiteten Pläne zum Baurecht verweigere, dann
kann die Investition nicht gehen. Der Investor hat 250 Mio Euro
investiert, kommt mit den weiteren Maßnahmen nicht weiter, verliert
gemeinsam mit den Anlegern wahrscheinlich erhebliche Einnahmen, da
liegen die Nerven blank. Ich kann ECH schon verstehen, dass sie um
die erneute Einbringung gebeten haben und die Stadtvertreter sie
einbrachten. Die BeschluSVVorlagen werden nicht heimlich behandelt.
Auch in anderen Fällen müssen BeschluSVVorlagen wiederholt
eingebracht, manchmal auch dazu Sondersitzungen durchgeführt werden.
Für mich kein ungewöhnlicher Vorgang. Sie müssen sehen, dass
der Investor erst Ende August mit einem Beschluss rechnen kann, vor
der Sommerpause nicht. Dies bedeutet, dass der Investor Ende
September mit der Finanzierungssicherung beginnen kann und
vielleicht Mitte 2010 mit den nachhaltigen Baumaßnahmen beginnt.
Unter diesem Gesichtspunkt sollten Sie auch das
Wiederaufbauversprechen zur Ville Perle sehen, dass die
Stadtvertreter vielleicht zur Einreichung beflügelt hat.
Der Stillstand geht weiter,
mit dem berechtigten Vorwurf der fehlenden Handlungsfreiheit durch
die SVV.
Auf den Inhalt des letzten Absatzes möchte ich nicht eingehen, weil
es sich um Aspekte handelt, die bis in den persönlichen Bereich
gehen.
Ich kann zu den
„Vertriebenen“ und „Hinterbliebenen“ nur sagen, beide
Verhandlungspartner haben sich nichts geschenkt und wussten sich zu
wehren, beinhart.
Für mich ist entscheidend: was will ich, was kann ich, wen brauche
ich um zum Ziel zu kommen, im Sinne der Gemeinde, auf der Grundlage
des geltenden Rechts.
Wenn Sie genauer hinsehen
werden Sie feststellen, dass sich tatsächlich keiner für eine Lösung
für alle einsetzt, d.h., auch für die Doberaner. „Wir machen
den Weg frei“ ist nur ein geschicktes Schlagwort. Viel wichtiger ist
es dafür zu sorgen, dass die Doberaner und Touristen ebenfalls gute
Angebote finden. Leider habe ich dafür bisher keine Mitstreiter
gefunden.
Mit freundlichen Grüßen
Horst Gühler
"Am Samstag", Kommentar vom 06.06.2009 - 11:19:58 von Martin Dostal:
Sehr geehrter Herr Gühler!
Ich danke Ihnen vielmals für die umfangreichen Ausführungen. Was
soll ich sagen? Mir blieb teilweise der Mund offen stehen. Viele
Dinge, die Sie sagen, hätten einfach schon eher gesagt werden müssen
und hier teile ich die Kritik an Stadt und Investorin bezüglich der
mangelnden Öffentlichkeitsarbeit. Das habe ich auch schon seit
Jahren immer wieder geschrieben.
Ich denke, dass die ECH Ihnen eher danken, als sich irgendwo im Text
einmal beleidigt fühlen wird, denn heute gerade bekam ich einen
Prospekt der ECH, in dem sie auf die Wahlwerbung des BB in gleicher
Weise wie Sie reagiert.
Ich würde gern auf Ihre Ausführungen weiter eingehen, um Ihnen zu
zeigen, dass ich mich damit beschäftigt habe aber was gibt es dazu
noch zu sagen? Sie haben alles gesagt, alles erklärt und ich meine,
das sollte hier nicht in Kommentaren versauern. Ich werde wie schon
zuvor eine Ihrer Erklärungen diese in meine Dokumentation übernehmen
und nun obliegt es uns und den Mitlesern, diese Fakten zu nennen,
wenn es wieder heißt "Warum geht es nicht weiter?". Auch haben die
neuen Erkenntnisse einige meiner Ansichten geändert. Durch einen
Mangel an oder gar durch falsche Informationen kann man ja schnell
zu falschen Schlüssen gelangen.
Über den letzten Satz können wir ja noch einmal reden.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dostal
"Am Samstag", Kommentar vom 09.06.2009 - 23:28:42 von Herrn Horst Gühler:
Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte noch einmal mit meinen Beitrag vom 06.06. vergleichen.
Am 30.03. wurden die Beschlussvorlagen zu Heiligendamm abgelehnt,
sehr knapp.
Am 25.05. konnten die Beschussvorlagen nicht behandelt werden, wegen
eines Formfehlers bei der Einladung. Eigendlich waren es sogar zwei
Fehler, es reichte zur Zurückweisung bereits die verspätete
Zusendung der in geringem Umfang überarbeiteten "originalen"
Beschussvorlagen.
Erst bauen, dann Finanzierung sichern.
Mit dem Thema bin ich wohl zu leichtsinnig umgegangen, ich bitte um
Entschuldigung.
Es ist verboten einen Auftrag zu erteilen, ohne die Finanzierung
einer beauftragten Leistung gesichert zu haben. Besonders hart
werden öffentliche Auftraggeber bestraft wenn dies passiert. Auch
bei der Verwendung von Fördermitteln ist dies streng verboten, wer
das tut, muss mindestens die Fördermittel zurückgeben und erhält
natürlich keine mehr.
Eine Ablehnung der Beschussvorlagen bedeutet, weil sie die
Voraussetzung für die Sicherung der Finanzierung durch den Verkauf
der Villen darstellen, dass z.Zt. kein Auftrag für die Sanierung der
Villen erteilt werden kann und darf. Im übertragenen Sinn bedeutet
dies, wenn einige Stadtvertreter erst den Fortschritt sehen und dann
die Beschussvorlagen bestätigen wollen, dass eine Auftragserteilung
ohne Finanzierung verlangt wird, was nicht möglich ist. Hier beißt
sich der Hund in den Schwanz.
Sind die Beschlussvorlagen bestätigt, muss der Investor sehr aktiv
werden.
Herr Schlag umschrieb dies in einem Artikel durch den Hinweis, der
tatsächlich keine Nötigung darstellt: der Ball liegt dann in unserem
Feld.
Jetzt ist Wartezeit angesagt, d.h., weiterhin Stillstand.
Mit freundlichen Grüßen
Horst Gühler
"Am Samstag", Kommentar vom 10.06.2009 - 15:06:20 von Martin Dostal:
Hallo Herr Gühler!
Noch einmal danke, dass Sie dran geblieben sind.
Und herzlichen Glückwunsch übrigens auch, dass Sie DRIN geblieben
sind.
Ich fasse dann mal zusammen:
Am 25.03. wurden die Beschlussvorlagen gar nicht behandelt, weil es
Formfehler gab.
Am 30.03. kam man erneut zusammen und lehnte die Beschlussvorlagen
sehr knapp ab - aus den von Ihnen genannten Gründen. (Ich hatte
vergessen, dass ein Gleichstand ja bei 25 Stadtvertretern gar nicht
geht.)
Am 26.05. wurden die Beschlussvorlagen von den Herren Baor und
Pieplow aus ganz persönlichen Gründen - ohne Zwang - wieder auf die
Tagesordnung gesetzt. Herr Pieplow sagte ja selbst, er wollte
Schaden für die Stadt abwenden.
Ebenso am 26.05. wurden die Beschlussvorlagen erneut (ich nehme an,
aus denselben Gründen, wie am 30.03.) und diesmal klar mehrheitlich
abgelehnt.
Damit darf der ECH keine Baugenehmigung erteilt werden.
Verstehe ich das so richtig:
Die Stadtvertreter würden also dem Plan so wie er ist (inkl.
Promenadenanhebung, Baumfällung, und Flutschutzmauer, Wiederaufbau
der Perlenkette und Wohnungsnutzung) >>>wahrscheinlich<<< zustimmen,
wenn die ECH ihnen die Finanzierung garantieren oder garantieren
lassen würden?
Es geht also absolut nicht darum, dass man die Tiefgarage nicht an
dieser Stelle und in dieser Form haben will und es geht nicht darum,
die Wohnnutzung in den Perlen zu verbieten, sondern nur darum, dass
man Angst hat, dass die ECH es nicht finanzieren kann?
Anders gefragt: Man würde >>>wahrscheinlich<<< der ECH alles das was
sie in diesem Plan angefragt hat erlauben, wenn die Unsicherheit mit
der Finanzierung nicht wäre?
Wenn ich das so frage, können Sie es eigentlich nur mit einer
Vermutung beantworten, da Sie ja das Anstimmungsverhalten der
Stadtvertreter nicht orakeln können. Darum auch
>>>wahrscheinlich<<<. Also wenn Sie "Ja" oder "Nein" sagen, verstehe
ich das schon in diesem Kontext.
Was muss denn Ihrer Meinung nach jetzt geschehen, damit es weiter
geht? Einfach nur ein "Ja" der SSV beim dritten Versuch oder ist der
Plan, da nun zweimal abgelehnt endgültig vom Tisch und die ECH muss
nachbessern - was auch immer?
Ich glaube, das sind wohl die Fragen, die hinter dem "Warum geht es
hier nicht weiter" stehen.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dostal
"Am Samstag", Kommentar vom 10.06.2009 - 17:19:11 von Herrn Horst Gühler:
Sehr geehrter Herr Dostal,
vielen Dank für Ihre Glückwünsche zu meiner Wiederwahl.
Wie vor der Wahl begonnen, möchte ich in den kommenden 5 Jahren den
Wählern mehr Informationen geben.
Ich komme nicht umhin mich erneut zu melden, zur Klarstellung.
Da ich bis zum kommenden Montag nicht mit Herrn Schlag sprechen
kann, kann ich mich nur im verantwortbaren Umfang äußern. Nach
Rücksprache mit ECH werde ich vielleicht eine weitere Klarstellung
bezüglich Ihres letzten Kommentars einstellen.
Wenn Sie meine beiden letzten Kommentare durchlesen werden Sie
feststellen, dass es nur zwei entscheidende Stadtvertretersitzungen
gab, am 30.03. und 25.05.09, auf denen Heiligendamm behandelt wurde.
Am 30.03.09 wurden die Beschlussvorlagen des Bürgermeisters als
Einreicher behandelt, eine durch Stimmgleichheit abgelehnt, eine mit
einer Stimme Mehrheit abgelehnt (ein Stadtvertreter war nicht
anwesend, deshalb Gleichstand möglich).
Am 25.05.09 wurden die Beschlussvorlagen nicht behandelt, obwohl sie
auf der Tagesordnung standen, weil durch einen Formfehler bei der
Einladung diese nicht behandelt werden durften bzw. konnten. Wer den
Fehler gemacht hat möchte ich hier nicht feststellen, aber doch
ärgerlich, bei dem Zeitdruck. Die Herren Einreicher Baor und Pieplow
der Beschlussvorlagen zum 25.05.09 haben mit Sicherheit ohne Zwang
gehandelt, wollten nur eine weitere Zeitverzögerung verhindern, auch
wenn andere etwas anderes behaupten sollte.
Um fehlende Baugenehmigungen geht es nicht.
Die Stadtvertreter, die sich gegen die Beschlussvorlagen
ausgesprochen haben führen eine Reihe von Argumenten an. Dazu
gehören vordergründig: Beim Bau der Tiefgarage werden die Villen
beschädigt, das Grundwasser kann nicht abfließen, der
Hochwasserschutz wird gefährdet (wenn das Vorhaben nicht vollendet
wird), der Investor wird die Finanzierung nicht sicherstellen
können. Aus meiner Sicht wurden in den Diskussionen mit der
Verwaltung, durch die Fachplaner und den Investor die erst genannten
Bedenken weitgehend zerstreut. Das letzte angeführte Argument,
bezüglich der Finanzierung, „verhindert“ wohl wirkungsvoll die
Bestätigung der Beschussvorlagen.
Sollte Herr Schlag einverstanden sein, würde ich mich noch einmal zu
dem Problem Verkauf äußern - Mitte nächster Woche etwa. Ich brauche
mir keine Erlaubnis bei ECH zu holen, aber Sie werden verstehen,
dass ich mich nicht über den Kopf des Investors hinweg äußern werde.
Bisher habe ich nur Klarstellungen vorgenommen, bzw. Fragen
beantwortet. Porzellan ist schon genug zerschlagen worden.
Wir Stadtvertreter begleiten seit Jahren das Vorhaben, was zur Folge
hat, dass man einiges einfach unbeabsichtigt als selbstverständlich
voraussetzt. Deshalb ist es gut dass Sie nachfragen, auch für mich
selbst wichtig.
Mit freundlichen Grüßen
Horst Gühler
"Am Samstag", Kommentar vom 10.06.2009 - 23:00:43 von Martin Dostal:
Sehr geehrter Herr Gühler,
vielen Dank für die abermaligen Ausführungen. Mit jedem Mal versteht
man wieder etwas mehr. Ich werde jetzt aber erst auf Ihre nächste
Ausführung abwarten, um nicht neue Fragen dazwischen zu streuen. Es
ist wichtig, dass die ECH nicht ausgeschlossen wird, wenn es um
Erklärungen geht. Ich halte auch die Zeitung und den Flyer der ECH
für eine gute Idee. Gut, die Zeitung ist sehr einseitig aber am
Flyer konnte ich nichts finden, woraus irgendjemand der ECH Stricke
drehen könnte - solche Erklärungen brauchen wir.
Und eben Ihre Erklärungen im weitestmöglichen Spektrum immer gemäß
dem, was Sie sagen dürfen. Es ist für alle wichtig.
Mein anonymer Vorredner hat da etwas aufgeworfen, was ich auch schon
über die Dr.-Ebel-Gruppe gehört habe, nur dass es da um Schulden
gegenüber Unternehmen geht. Ich halte nicht viel von unbegründeten
anonymen Aussagen aber wollen wir die im Raum stehen lassen? Bitte
auch erst beim nächsten Mal - nicht hetzen lassen ;-)
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dostal
"Am Samstag", Kommentar vom 11.06.2009 - 13:40:02 von Herrn Horst Gühler:
Sehr geehrter Herr Dostal,
nach Rücksprache mit Herrn Schlag am 16.06. und 19.06.09 unterbreite
ich Ihnen folgenden Vorschlag:
Ende Juni 09 erscheint die 3. Ausgabe der Heiligendammer Zeitung,
mit einer Erläuterung des Bauträgermodells. Ende Juli 09, in der 4.
Ausgabe, wird ECH auf unser Thema eingehen, "warum muss die 2.
Änderung der B-Pläne erfolgen". Sollte es nach diesen Artikeln noch
Fragen geben, können wir uns Verständigen.
Wir schlagen Ihnen diesen Weg vor, weil die Erläuterungen recht
umfangreich sein werden und hier den Rahmen sprengen. Fragen zu den
fachlichen Themen können durch ECH, oder, wenn gewünscht, durch mich
beantwortet werden.
Ihnen und allen Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende.
Mit freundlichen Grüßen
Horst Gühler
"Am Samstag", Kommentar vom 19.06.2009 - 12:11:47 von Martin Dostal:
Sehr geehrter Herr Gühler,
schön, dass Sie dran geblieben sind. Ich hatte nur die erste Ausgabe
der Heiligendammer Zeitung bekommen und als danach nichts mehr kam
dachte ich, dass die Zeitung wieder eingestellt worden wäre. Ich
werde mich mal um die zweite Ausgabe bemühen und bin auch gespannt
auf die dritte. Ich nehme das Angebot gern an, bei weiteren Fragen
auf die ECH oder Sie zurück zu kommen. Optimalerweise würde es
natürlich keine weiteren Fragen geben. Aber irgend etwa ist ja
immer...
Ihnen auch ein schönes Wochenende!
Martin Dostal
"Am Samstag", Kommentar vom 22.06.2009 - 20:01:18 von
Martin Dostal:
Sehr geehrter Herr Gühler,
die aktuelle Ausgabe beantwortete in der Tat viele Fragen und den
Rest beantworteten die Herren Schlag, Zimmermann und Plöger mir sehr
geduldig und ausführlich persönlich. Wenn das nicht von der Arbeit
abhalten würde, würde ich jedem Bad Doberaner und Heiligendammer so
ein persönliches Gespräch ans Herz legen. Aber da müssen andere Wege
gefunden werden und ein paar Vorschläge habe ich Herrn Plöger dazu
gemacht.
Was vom Gespräch an Fragen übrig geblieben ist, ist bei Ihnen besser
aufgehoben. Das sind nämlich die Fragen, bei denen man zunächst
glaubt, dass die ECH für sie zuständig wäre und dann feststellt,
dass es Stadt-Land- oder StAUN-Angelegenheiten sind. Ich stelle die
Fragen einfach mal, wie sie mir in den Sinn kommen:
Zuerst hätten wir da den Strandabgang ganz im Westen. Da habe ich im
B-Plan gesehen, dass dort ein befahrbarer Strandabgang gebaut werden
soll, damit die Stadt mit den Unimogs an den Strand kommt. Ist da
zeitlich schon etwas festgelegt oder ist das von irgend etws
abhängig?
Als zweites hätten wir dann den Steg über das Packwerk unterhalb der
Alexandrine. Der wurde ja von der ECH und der Stadt gemeinsam
geplant, von der ECH als Ausgleich für den Verzicht des anfangs ja
durchaus geplanten Weges auf der Steilküste finanziert und
errichtet. Die Stadt hat den Steg so abgenommen, sodass man der ECH
keinen Vorwurf machen kann, dass er nicht optimal ist. Der Stadt
kann man diesen Vorwurf wohl auch nicht machen - Küsten verändern
sich nun einmal. Ist da geplant, den Steg den neuen Bedingungen
anzupassen? Ich las mal etwas von einer Verlängerung bis zur
Seebrücke (?). Und gibt es dafür ein Zeitfenster? Wenn ich nach
Zeitfenstern frage, ist mir schon klar, dass in Bad Doberan eher mit
"Geldfenstern" gearbeitet wird und werden muss. Kommt Geld, kommt
Baubeginn.
Dritter Punkt: Die Strandversorgung. Die juckt wohl am Meisten.
Soweit ich informiert bin, hat das Land das Grundstück am Golfteich
verkauft und eigentlich war gedacht, dass die Stadt es kauft. Das
hat sie aber aus Gründen, die Sie vielleicht eher wissen, nicht
getan oder tun können und so ging das Grundstück an eine
Privatperson. Ich weiß nicht, ob deren Name ein Geheimnis ist aber
nachzulesen ist er nirgendwo. Diese Privatperson nun hat natürlich
Auflagen aus F-Plan und B-Plan, sodass sie dort nicht irgend etwas,
sondern eben eine Strandversorgung bauen darf. Aber DARF sie es nur
oder MUSS sie es auch? Und gibt es da auch Auflagen, bis wann das zu
geschehen hat und wie es auszusehen hat?
Bleiben wir bei der Strandversorgung. Hat die Stadt da nun noch
Mitbestimmungsrechte oder ist es der Privatperson allein überlassen,
wie sie das Projekt plant und finanziert? Geschosshöhe ist klar -
das schreibt der B-Plan ja schon vor. Brandschutz, Leitungen, etc
ist auch klar. Form und Farbe des Gebäudes und Anzahl möglicher
Gebäude auch?
Und würde es so sein, dass der Eigentümer erst baut und dann
vermietet oder soll es über Pacht, Erbpacht oder Verkauf laufen?
Nächste Frage: Ist in Heiligendamm auch mal etwas vorgesehen, wo man
sich bei Regen unterstellen kann? Bislang mutiert das Sani-Häuschen
bei Regen zum Pilz.Ich finde, zumindest in Strandnähe und am Besten
auch zwischen Bahnhof und Perlenkette - vielleicht im Kurwald - wäre
schon ein Dach über dem Kopf angebracht. Am Radweg von Bad Doberan
aus hat man das ja auch gut gelöst und der Vandalismus hält sich
wohl auch in Grenzen.
Und noch ein paar kleine Fragen:
Ist es Absicht, dass die Seebrücke nicht mehr im Kurwald
ausgeschildert ist - um z.B. eben diese zu beruhigen?
Ist noch immer eine zweite Seebrücke vorgesehen und was spricht
gegen eine Verlängerung oder einen sanften Rechtsknick der jetzigen?
Musste die ECH bzw. das Grand Hotel sich auch an den
Straßensanierungen 2006-2007 beteiligen bzw. wer hat die Gelder
dafür aufbringen müssen?
(Die Frage hatte ich vergessen zu stellen)
Hier auch mal ein Hinweis: Die hell gepflasterten Wege entlang der
Kühlungsborner und Seedeichstraße sehen zwar toll aus aber da sie
keine optische Abgrenzung Fußweg-Radweg aufzeigen, kommt es dauernd
zu mindestens ärgerlichen und mitunter auch gefährlichen
Situationen. Ein dunkler Strich und vielleicht noch links das
Fahrradsymbol würde Abhilfe schaffen. Ohne der 2. Ausgabe der
Zeitung "Zukunft Heiligendamm" hätte ich nicht einmal gewusst, dass
da überhaupt Radfahrer fahren dürfen. Viele wissen das auch nicht -
die einen fahren auf der Kombination und die anderen auf der Straße.
Vorletzte Frage: Sind geäußerte Befürchtungen berechtigt - also
ideell - dass die Stadt auf Kosten sitzen bleiben könnte, wenn die
ECH mit etwas beginnen würde und es nicht zu Ende bringen könnte?
Also ohne die Befürchtung mit der Fragestellung und mit der Antwort
zu bekräftigen oder sich damit zu identifizieren.
Letzte Frage für heute: Was muss jetzt geschehen, damit es weiter
geht - muss die Beschlussvorlage erneut eingebracht und ihr
zugestimmt werden? Sind dafür immer zwei Einreicher nötig oder kann
auch ein Stadtvertreter allein die Beschlussvorlage erneut auf die
Tagesordnung setzen?
Angenommen, dass die Beschlussvorlage immer und immer wieder neu
eingebracht und immer wieder abgelehnt wiürde - was bliebe dann
noch?
Noch einige Fragen außerhalob des Themas - aber nehmen Sie sich so
viel Zeit, wie Sie dafür brauchen:
Ein anonymer Schreiber berichtet ein paar Einträge weiter vorn von
5000 Euro, die die ECH der Stadt angeblich für die
Erschließungsstraße schuldet. Das ist vielleicht der Preis von ein
paar Begrenzungspfählen und erscheint mir so gering, dass es dafür
eine logische Erklärung gibt. Können / dürfen Sie dazu etwas sagen?
Gibt es zum Thema "Altes Moorbad" inzwischen Fortschritte? Ich
glaube, das bedarf schon bald einer neuen Erklärungskette.
Kann die Stadt oder überhaupt irgend eine Institution in solchen
Fällen eingreifen, wie im Falle des Hauses neben Optiker Gehrke
(ehem. Haus der Freundschaft glaube ich) oder auch im Falle der
Dauerbaustelle zwischen Turbo und Marktkarree oder im Falle der
Ruine am Gorki-Platz-Dreieck? Ich denke ja immer, wenn die Stadt
etwas dagegen tun könnte, würde sie es auch tun. Oder irre ich mich
da? Natürlich habe ich auch die Optionen schon genannt, dass
Schicksalsschläge die Erben oder Bauherren daran hindern könnten,
ihr Eigentum zu sanieren.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diese vorerst letzten Unklarheiten
beseitigen könnten.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dostal
"Am Samstag", Kommentar vom 28.06.2009 - 10:23:46 von Herrn Horst Gühler:
Sehr geehrter Herr Dostal,
am 22.06.09 hatten Sie eine Reihe an Fragen an mich gerichtet, mit
der Absicht, dass auch weitere interessierte Bürgerinnen und Bürger
teilhaben können. Bei der Beantwortung werde ich versuchen deutlich
zu machen, ob es sich um Fakten oder meine Auffassung handelt, denn
ich bin ein Mitglied der SVV und bei meiner Tätigkeit auf Mehrheiten
angewiesen, die aus vielen Gründen nicht erreichbar gewesen sind.
Strandabgang im Bereich Kinderstrand
An der Realisierung des befahrbaren Strandabganges wird durch die
Verwaltung aktuell gearbeitet. Wenn über das Konjunkturpaket die
beantragten Mittel bereitgestellt werden, soll noch 2009 gebaut
werden.
Steg über dem Packwerk, unterhalb der Alexandrine
Im Rahmen des Kolloquiums wurde nicht nur die Hotelanlage mit dem
Hotel Adlon am Meer, Thalasso- Zentrum und Ayurveda- Klinik
bearbeitet, sondern auch Aussagen zum Zentrum – Ost (mit Seebrücke),
Kurwald und Verlegung der Straße zum Kinderstrand erarbeitet. Wie
ich Ihnen bereits in einem anderen Zusammenhang mitgeteilt habe, ist
bisher weder der Bürgermeister noch die Stadtvertreterversammlung
bereit sich intensiv mit den Fragen der Infrastruktur für die
Tagesgäste, Touristen und Einwohner in Heiligendamm
auseinanderzusetzen. Herr Polzin hat die Stadtvertreterversammlung
überzeugt, den B-Plan 31 (Infrastrukturmaßnahmen in Heiligendamm)
nicht aufzustellen. Natürlich spielt die Haushaltslage eine Rolle.
Eine Gemeinde soll einen B-Plan nur aufstellen, wenn er auch in
einem angemessenen Zeitraum umgesetzt werden kann. Andererseits
haben wir die Situation, dass wir blind in Verhandlungen mit der ECH
eintreten, obwohl es viele Berührungspunkte gibt. Ob der Weg auf dem
Packwerk zurückgebaut oder besser ausgebaut werden muss, kann nur
entschieden werden, wenn alle Bedingungen und Erfordernisse für die
Doberaner, Tagestouristen, Patienten der Ostseeklink und der
Hotelanlage zusammengetragen und aufeinander abgestimmt werden. Dem
neuen Stadtparlament werde ich dieses Thema wieder vorlegen. Zurzeit
kann Ihre Frage nicht beantwortet werden.
Die Strandversorgung in Richtung Börgerende soll durch das „Zentrum-
Ost“ (Kurzfassung:
Gastronomie, zweite Seebrücke, Stellplätze für Behinderte)gesichert
werden. Dass das entsprechende Grundstück verkauft wurde ist
bekannt, den Käufer kenne ich nicht und dürfte ich auch nicht
nennen. Dies ist nicht entscheidend. Ich kann nur hoffen, dass die
Wünsche der Gemeinde bei den Verkaufsverhandlungen berücksichtigt
wurden und sich alles in das zu erarbeitende Gesamtkonzept für die
Infrastruktur einfügen wird. Meine wiederholt vorgetragene nervende
Forderung, neben dem Grand-Hotel eine Variante mit entsprechendem
Niveau entstehen zu lassen, wurde hoffentlich erhört. Ob der Käufer
als Bauträger auftritt oder das Objekt selbst bewirtschaftet und was
er baut, wird der Öffentlichkeit durch den Käufer erfahrungsgemäß
bald mitgeteilt. Ich gehe erfahrungsgemäß davon aus, dass sich der
neue Eigentümer mit der Gemeinde abstimmen wird.
Die Abstellmöglichkeit für Fahrräder wurde diskutiert, über eine
Unterstellmöglichkeit für Personen wurde bisher nicht diskutiert. Es
ist aber ein guter Hinweis, denn der Ostseeradfernweg verläuft durch
Heiligendamm, da sollte man ernsthaft darüber nachdenken. Übergebe
ich dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt.
Die zweite Seebrücke muss im Zusammenhang mit den
Infrastrukturmaßnahmen diskutiert werden, ich halte sie für wichtig.
Ein Abknicken der vorhandenen Brücke bietet den Gästen der
Hotelanlage und den Tagesgästen keine Vorteile.
Die fehlende Ausschilderung der Seebrücke im Bereich Kurwald ist
sicherlich nicht Absicht, das Thema werde ich ebenfalls anschneiden.
Auf Nachfrage habe ich bestätigt bekommen, dass Ihre Frage nach der
visuellen Trennung zwischen Geh- und Radweg an der Seedeichstraße
berechtigt ist. An der Kühlungsborner Str. ist es wohl kein Problem.
Hier muss ich weitere Auskünfte einholen und Sie informieren.
Was passiert der Stadt, wenn eine Investition nicht beendet wird.
Für die Investition ist der Investor allein verantwortlich,
insbesondere finanziell. Gibt es Berührungspunkte zwischen Gemeinde
und Investor, müssen die Bedingungen in städtebaulichen Verträgen
geregelt werden. In Heiligendamm setze ich dies voraus. Auch wenn
sich die Gemeinde rechtlich abgesichert hat, können durch einen
Abbruch Verluste eintreten, z.B. im Bereich der Steuereinnahmen,
Kurtaxe. Wir leben in Symbiose, da wirkt sich auch ein
städtebaulicher Missstand negativ aus. Da stehen wir wieder vor der
Frage, die Investition unterstützen oder „bekämpfen“.
Der Bürgermeister vertritt die Gemeinde nach außen. Deshalb muss
sich eine Privatperson immer an den Bürgermeister wenden, der dann,
bei Bedarf und Notwendigkeit, die Wünsche oder Forderungen der SVV
zur Bestätigung vorlegt. Was der Bürgermeister selbst entscheiden
kann, regelt die Kommunalverfassung, Hauptsatzung und
Geschäftsordnung.
Die Beschlussvorlagen zu Heiligendamm müssen erneut behandelt
werden, gleichgültig ob in der vorliegenden oder geänderten Form.
Beschlussvorlagen können durch den Bürgermeister, einen oder mehrere
Stadtvertreter, durch eine Fraktion eingereicht werden. Der
Einreicher kann seine Beschlussvorlage auch ersatzlos zurückziehen.
Wurde die Beschlussvorlage laut Geschäftsordnung der SVV
fristgerecht eingereicht, muss Sie zur Behandlung auf die
Tagesordnung der nächsten SVV gesetzt werden. Theoretisch kann eine
BV beliebig oft eingereicht werden, praktisch macht dies der
Einreicher nicht. Entscheidend sind der Gegenstand und davon
abhängig der Inhalt/Aussage (Beschlusstext und die Sach- und
Rechtslage). Ob der Inhalt/Aussage so geändert werden kann, dass die
Stadtvertreterversammlung zustimmt, ist Verhandlungssache. Im
Extremfall, wenn es sich z.B. um eine private Person handelt, die
glaubt die BV nicht ändern lassen zu können, muss dann ihr Recht
gegenüber der Gemeinde einklagen. Dies sind absolute Ausnahmefälle.
Wenn Straßen ausgebaut werden, greift das sehr strenge
Satzungsrecht. Gemeinde und Grundstückseigentümer müssen sich die
Kosten auf dieser Grundlage teilen. Handelt es sich um keine
Gemeindestraße, tritt der Baulastträger der Straße hinzu, jeder muss
seinen Anteil übernehmen. Dies ist auch in Heiligendamm erfolgt. ECH
hat der Gemeinde die erforderlichen Grundstücksflächen übertragen
und teilweise zusätzlich den Eigenanteil der Gemeinde übernommen.
Ihre Frage zu den 5000 Euro gehört in den nicht öffentlichen Teil,
ich bitte um Verständnis.
Der Gesetzgeber hat den Gemeinden das Instrument des Baugebotes und
des Sanierungsgebotes an die Hand gegeben. Da die Gebote aber für
die Gemeinde schnell zum Bumerang werden können, werden diese nicht
angewendet. Da gibt es einschlägige Erfahrungen in den alten
Bundesländern. Wenn die Gemeinde ein Gebot ausspricht, muss sie, bei
Bedarf, finanzielle Unterstützung leisten. Es darf aber jetzt kein
schiefes Bild durch meine Antwort entstehen. Auch wenn jemand Geld
hat, wird er nicht investieren, wenn die Sanierung sich nicht
rechnet. Können durch Mieten und/oder Pachten die Baukosten nicht
refinanziert werden, kann ich nicht verlangen, dass Investiert wird.
Auch ungeklärte Eigentumsverhältnisse können eine Rolle spielen.
Also Vorsicht bei der Beurteilung eines Eigentümers, der scheinbar
kein Interesse an der Sanierung hat. Auf den Einzelfall darf ich
nicht eingehen, wäre ungesetzlich und unfair. Sie dürfen aber davon
ausgehen, dass der Bürgermeister Kontakte hat.
Ich hoffe einen kleinen Beitrag geleistet zu haben und wünsche Ihnen
und allen Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende.
Sehr geehrter Herr Jütte,
sagen Sie uns, wenn es zu umfangreich wird.
Mit freundlichen Grüßen
Horst Gühler
"Am Samstag", Kommentar vom 03.07.2009 - 21:41:38 von Martin Dostal:
Nanu - mein letzter Kommentar ist gar nicht
angekommen... Ich wiederhole ihn einfach mal.
Sehr geehrter Herr Gühler,
ich danke Ihnen für Ihre abermaligen Erklärungen. Ich habe spontan
keine weiteren Fragen, habe aber auch noch nicht alles verarbeitet.
Aber ich möhte die Mitleser hiermit zu weiteren sachlichen Frage
ermutigen, wenn es Ihnen und auch Herrn Jütte Recht ist.
Von Herrn Jütte würde ich mir wünschen, dass er diese äußerst
wertvollen und von größeren Medien selten so gut recherchierten
Informationen irgendwie einer breiteren Öffentlichkeit offenbahrt,
als ich es mit der Online-Dokumentation kann.
Denn ich habe gerade in den letzten Wochen bemerkt, wie oft den
Lesern minderwertig recherchierte Informationen in Artikeln großer
Zeitungen vorgesetzt werden, die er als Leser dann auch glaubt. Ich
würde z.B. der bekanntesten Lokalzeitung gar nicht einmal
Boshaftigkeit unterstellen (wenngleich ich mir bei einigen Autoren
nicht so sicher bin), sondern einfach nur Unkenntnis. Frau
Brasche-Sallinger hatte ja selbst moniert, dass besagtes Blatt sich
nicht mit ihr in Verbindung gesetzt hat, um sachlich richtige
Informationen zu erhalten und es dadurch zu einer Veröffentlichung
sachlich falscher und wohl auch schädigender Artikel kam.
Da ich hier im Stadtanzeiger ein gewisses Wohlwollen gegenüber jedem
Investor erkennen kann oder zumindest eine gewisse
Vorurteilsfreiheit, kann ich mir vorstellen, dass die Redaktion mit
den Informationen Herrn Gühlers etwas anfangen kann. Ich werde
online zu diesen Kommentaren verlinken.
Wenn noch Fragen sind, melde ich mich - wenn es Herrn Jütte recht
ist - den Rahmen sprengen soll es auch nicht. Aber es ist schön,
dass es hier - beabsichtigt oder nicht - ein "Forum" gibt, in dem
man auch aufeinander eingehen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Dostal
|
Wahlkampf
2009. Wer steht wie Heiligendamm gegenüber?
Ausschlag für
diese Recherchen ergab dieser Leserbrief in der Ostsee-Zeitung:
|
Leserbrief von Katharina Müller aus Hamm | 20.05.2009 13:08 Uhr
Aufs Grand Hotel verzichten?
Wenn man die Antworten der
Politiker so liest, gewinnt man den Eindruck, als könne man gut
verzichten auf das Grand Hotel Heiligendamm.
Nur die Vertreter der HGV
und Einzelbewerber Jochen Arenz bekennen sich klar zum Hotel.
Die meisten Politiker schämen sich offenbar, dass eine der größten
Einzelinvestitionen in Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende
ausgerechnet in ihrem Ort getätigt wurde.
Und Investor Jagdfeld will ja noch mehr investieren, wie man lesen
kann.
Gute Bedingungen dafür zu
schaffen, mit denen man arbeiten kann, ist in Bad Doberan wohl
verpönt. Man legt lieber immer mehr Steine in den Weg, bis nichts
mehr geht.
Und was dann, wenn Arbeitsplätze und Steuereinnahmen futsch sind?
Es wird sich schon ein
Schuldiger finden, auf den man mit lautem Krawall eindreschen kann.
|
Dass
sie nicht ausreichend informiert ist, möge man ihr verzeihen.
Sie ist schließlich auf Aussagen angewiesen und kann nicht selbst an den
Geschehnissen teil nehmen.
Dennoch spricht sie etwas an, das viele denken: Es geht nur noch um
Politik in Heiligendamm.
Sie spricht zwei Namen aus und assoziiert mit diesen ein Bekenntnis zum
Hotel.
Ist es so richtig, dass der Rest sich nicht zum Hotel bekennt?
Was sagen die Kandidaten 2009 zu Heiligendamm? Was ist das letzte, was
wir von ihnen hörten?
|
1 Christlich Demokratische Union
Deutschlands, CDU
1 Brandt, Caroline, Rechtsanwältin (Kanzlei
Brandt), geb. 1973 in Rostock
2 Tode, Andre, Unternehmer (AWS Tintenhaus), geb. 1980 in Rostock
3 Losand, Katharina, Unternehmerin (Weißer Schwan), geb. 1963 in Bad
Doberan
4 Kuchenbuch, Rolf-Peter, Prof. Dr. (Uni Rostock), geb. 1954 in
Eschwege
5 Krauleidis, Stephan Kaufmänn. Angestellter, geb. 1974 in Rostock
6 Zajonc, Stephanie, Angestellte (Anwaltskanzlei), geb. 1978 in
Kühlungsborn
7 Seehaus, Joachim Dipl. Ing. (Rentner), geb. 1942 in Berlin
8 Unger, Jörg, Unternehmer (Abwassertechnik Unger), geb 1974 in
Kaltenkirchen
9 Krüger, Svea, Unternehmerin (Nagelstudio Secret Nail Art), geb .
1980 in Kühlungsborn
10 Schnippering, Michael, Angestellter, geb. 1963 in Wismar (2004
bis 2009 als sachkundiger Einwohner in der SVV)
11 Tode, Sandra, Einzelhandelskauffrau (AWS Tintenhaus), geb. 1975
Rostock
12 Sähn, Peter, Dipl.-Kaufmann (ECH und ECW), geb. 1937 in
Konstadt
13 Schulz, Thomas, Werbekaufmann, geb. 1973 in Rostock
Diese SVV-Mitglieder der CDU treten nicht mehr an:
Andreas Unterfranz (kandidiert für den Kreistag)
Kati Hoffmeister (kandidiert für den
Kreistag)
Brigitte Felten
Frage an die CDU: Wie
soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Aufgrund innerparteilicher
Probleme im Zusammenhang mit der Gültigkeit der Kandidatenlisten
liegt keine Antwort der CDU vor.
Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der
Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt (CDU): „Wir haben der
ECH Handschellen angelegt.
Ohne unsere Zustimmung kann sie kein Wohneigentum verkaufen, also
auch kein Geld einnehmen für die Sanierung der Villen.“
Das Versprechen zum Wiederaufbau der Villa sei „nicht viel wert“,
urteilte der CDU-Abgeordnete Andreas Unterfranz währen der
Hauptausschusssitzung.
Jagdfeld habe bereits beim Abriss der ,Perle‘ versprochen, sie bis
Ende 2008 wieder aufzubauen.
2 Die Linke
1 Heimann, Gerlinde, Finanzwirtschaftlerin, geb. 1941 in Labes
(Pommern) (2004 bis 2009 als sachkundige Einwohnerin in der SVV)
2 Schneider, Monika, Diplomingenieurin, geb. 1954 in Leipzig
3 Keding, Friedrich, Schiffsingenieur, geb. 1938 in Rostock
4 Grätz, Gunnar Diplomkulturwissenschaftler, deutsch, 1958 in
Rostock
5 Scholz, Arnold Schiffbauer, geb. 1937 in Boizenburg
Diese SVV-Mitglieder der
Linkspartei treten nicht mehr an:
Heinz Paape
Frage an die Linke:
Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Wir sind für die Aufhebung der Sperrungen und wollen keine weiteren
Wegeeinziehungen.
Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der
Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Für Friedrich Keding von der Fraktion Die Linke war diese Reaktion
vorhersehbar. „Die suchen doch nur nach einen Vorwand. Angeblich
hängt nun alles von der Tiefgarage ab... Das glaubt doch niemand
mehr“, sagt Keding. „Es war der größte Fehler von Bund und Land,
ganz Heiligendamm an einen Einzelinvestor zu verkaufen. Warnemünde
und Kühlungsborn wachsen, Heiligendamm verfällt.“
Bemerkungen:
Reaktion des
Landesverbandes:
Der Landesvorstand der Partei DIE LINKE. Mecklenburg-Vorpommern
kritisiert den Beschluß über den neuen Grundlagenvertrag zwischen
der Stadt Bad Doberan und dem Betreiber der Hotelanlage in
Heiligendamm, ECH, als gegen die Interessen der Allgemeinheit
gerichtet. Öffentliche Räume zu privatisieren, sie Bürgerinnen und
Bürgern und vielen Gästen des Seebades zu entziehen, bedeutet die
große Mehrheit der Bevölkerung auszugrenzen, zu Gunsten einiger
weniger Personen. Tourismuskonzepte, die auf Ausgrenzung basieren,
bringen unser Land nicht voran. Das Agieren und das
Abstimmungsverhalten der Stadtvorsteherin Anke Bitter, die Mitglied
unserer Partei ist, und weiterer Mitglieder unserer Stadtfraktion in
Bad Doberan, bleibt uns unverständlich. Wir stellen nicht die freie
Mandatsausübung kommunaler Mandatsträgerinnen und Mandatsträger in
Frage. Wir können jedoch nicht erkennen, daß die Entscheidungen, die
in Bad Doberan getroffen wurden, mit linker Politik vereinbar sind.
In Folge dieser Reaktion legte Anke Bitter ihr Mandat nieder und
verließ die Partei. Wie Sie etwas tiefer sehen, hat sie eine neue
Partei gegründet.
3 Sozialdemokratische Partei
Deutschlands, SPD
1 Mersjann, Birgit, Juristin, geb. 1961 in Münster
2 Baltzer, Ulrich, Bauingenieur, geb. 1954 in Stendal
3 Zeug, Gebhard, Maschinenbauer, geb. 1947 in Stülow
4 Drese, Stefanie, Rechtsanwältin (Kanzlei), geb. 1976 in Rostock
5 Schwarz, Kurt, Rentner, geb. 1928 in Berlin
6 Drese, Matthias, Rechtsanwalt (Kanzlei), geb. 1970 in Nordhausen
7 Weber, Harald, Dipl.-Ingenieur (Rentner), geb. 1954 in Heidenheim
8 Leuchert, Marta, Schülerin, geb. 1991 in Kühlungsborn
9 Wiegand-Hoffmeister, Bodo, Direktor, (Fachhochschule) geb. 1966
in Essen
10 Scheffler, Burkhard, Lehrer, geb. 1955 in Greifswald
11 Wolfgramm, Reinhard, Dipl. Ing., geb. 1949 in Greifswald
12 Witte, Hans-Jürgen, Rentner, geb. 1938 in Waren
13 Eulner, Peter, Rechtsanwalt, geb. 1961 in Hanau
14 Becker, Henning, Jurist, geb. 1961 in Kiel
Frage an die SPD: Wie
soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Bezüglich Heiligendamm wird unsere Partei die Interessen eines
Investors und das Gemeinwohl genau abwägen.
Dazu gehört es auch, Kompromisse im Sinne der Bürgerinnen und Bürger
zu finden und zu schließen.
Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der
Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Birgit Mersjann, SPD-Fraktionschefin, bedauert die Entscheidung der
Stadtvertreter. „Lieber hätte ich die ECH mit einem Ja endlich in
Zugzwang gesetzt.
Dass sie uns nun den Schwarzen Peter zuschieben kann, hätten wir so
verhindert.“ Nach wie vor aber gebe es einen gültigen B-Plan, die
ECH könnte handeln.
4 Freie Demokratische Partei, FDP
1 Klink, Harry, Diplomlehrer, geb. 1955 in Zwickau
2 Fritze, Hans-Jürgen Stieler, Dipl.-Ingenieur (Rentner), geb. 1941
in Rostock
3 Stieler, Roman, Student, geb. 1984 in Kühlungsborn
4 Wosar, Tom, Koch, geb. 1965 in Bad Doberan
5 Elbrecht, Lutz-Eckart, Bauingenieur, geb. 1944 Rostock (2004
bis 2009 für die DoM)
6 Stracke, Sylvia, Steuerberaterin, geb. 1948 in Kitzingen
7 Heide, Christine, selbst. Heilpraktikerin, geb. 1962 Bad Doberan
8 Rolfs, Stephan, Gastronom, geb. 1968 in Rostock
9 Giersberg, Stephan, Hotelbetriebswirt, geb. 1979 in Kühlungsborn
10 Weidt, Jan, Versicherungsfachmann, geb. 1961 in Berlin
11 Kolodziej, Uwe, Tierarzt (eig. Praxis), geb. 1943 in Bad Doberan
12 Gläser, Klaus-Dieter, Bauingenieur, geb. 1945 Leipzig
13 Peter, Lothar, Elektromeister (Fa. Lothar Peters), geb. 1946
Herrenburg
Frage an die FDP: Wie
soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Heiligendamm soll das Seebad von Bad Doberan und Wohnort für
Menschen bleiben. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten muss
transparent werden.
Zufriedene Gäste, Patienten, Touristen und Einwohner sind Ziel der
FDP. Wir werden helfen, Heiligendamm ideologiefrei und
rechtsstaatlich für Klinik, Pensionsbetreiber,
Hotel und Einheimische zu entwickeln. Dazu ist die widerrechtliche
Sperrung von Wegen - die unmittelbar von den Haltestellen zur
Seebrücke führen - nicht notwendig
und demzufolge aufzuheben. Selbstverständlich in einem Seeheilbad
müssen eine öffentliche Promenade und ein ganzjährig begehbarer
Küstenwanderweg (alternativ)
sowie ein getunnelter Stichweg für einen zumutbaren Weg für eine
alternde Gesellschaft von den Haltestellen zur Seebrücke sein. Die
FDP spricht sich für einen
geraden Weg der Patienten zum Strand und einen geraden Weg für die
Gäste und Doberaner zur Seebrücke aus.
Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der
Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Der FDP-Stadtvertreter Harry Klink hält dagegen, dass der ECH das
Baurecht für die Villen seit 1997 vorliegt. „Jetzt spielt die ECH –
das ist der Immobilienhändler
Jagdfeld – die Unternehmen der Region, Hotel, Anleger und
Kommunalpolitiker für private Gewinnziele gegeneinander aus und
schürt bewusst Arbeitsplatzängste.“
Klink glaubt, dass Hotel, Klinik und Pensionen eine gemeinsame
Zukunft in Heiligendamm haben. Er hofft, dass diesbezügliche
Absprachen endlich eingehalten werden.
Zur Debatte um die Sanierung der Villen in Heiligendamm und den
Bau von Tiefgarage und Flutmauer schreibt Harry Klink aus Doberan:
„Die ECH ist nicht in der Lage, eine Bankbürgschaft für die
geplanten Baumaßnahmen an der Perlenkette zu hinterlegen. Ohne
Bürgschaft besteht Gefahr für Leben und Werte bei
Nichtfertigstellung einer komplizierten (Hochwasser-)Baumaßnahme,
auch für die hoch verschuldete Stadt. Die muss bei Insolvenz des
Bauträgers diese Maßnahme beenden. Mit Bürgschaft kein Problem. Ohne
Bürgschaft weitere Millionen- Schulden (siehe Kammerhof) durch
inkompetente Politiker? Dem darf ein verantwortlicher Abgeordneter
nicht zustimmen. Die Grundwasserprobleme in Heiligendamm wurden
eingehend beim aktuellen Kurwald (der hier falsch destiniert ist)
erläutert. Nach Norden hin gibt es jetzt schon einen Stau, der
schwer abzuleiten ist. Die Tiefgarage würde das Problem verstärken.
Machbare Lösungen wurden angeboten. Die gesamte Abholzung des in
unmittelbarer Nähe liegenden Kleinen Wohlds um die Alexandrine
(gegen die sich die Stadtvertreter mit 21 Stimmen schon 20007
ausgesprochen hatten) stellt eine grobe Missachtung der aktuellen
Beschlusslage durch Bürgermeister und ECH dar, würde zum
unweigerlichen Abrutschen des Kliffs führen. Und der Kurwald für
Patienten, Hotel- und Pensionsgäste gehört hierhin, die Promenade
und der E9 (welche mit Steuergeldern saniert wurden!) gehören
geöffnet, so die Gesetzeslage. Man kann nicht mit Steuermitteln
sanieren, dann privatisieren. Das ist Subventionsbetrug. Ein
getunnelter Stichweg (so auch Gutachten der ECH) von den
öffentlichen Haltestellen zur Seebrücke (nicht über die Liegewiese
des Severinpalais) würde die Wegediskussion endlich beenden. Das
sind praktikable Vorschläge.“
5 Bündnis 90 / Die Grünen, GRÜNE
1 Keuer, Heinz, Dipl.-Mathematiker, geb. 1954 in Neubukow
2 Keueré Gyüre, Gabriella, Dipl.-Mathematikerin, geb. 1957 in
Kisvarda (Ungarn)
3 Will, Rolf, Landwirt, geb. 1953 in Karlsruhe
4 Fehmers, Elisabeth Univ.-Dipl.-Psychologin (eig. Praxis) geb. 1948
in Krefeld
5 Orth, René, Angestellter, geb. 1965 Kühlungsborn (2004 bis 2009
für den Bürgerbund)
Frage an die Grünen:
Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Unsere Landesdelegiertenkonferenz hat am 4. 12. 2005 in Greifswald
folgenden Beschluss gefasst:
„Bündnis 90/Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern sprechen sich gegen
die Abschottung von architektonischen, landschaftlichen und
kulturellen Schätzen des Landes aus. Heiligendamm ist ein solches
herausragendes kulturelles und geschichtliches Erbe unseres Landes
und muss daher in allen Teilen öffentlich zugänglich bleiben.“ Zu
diesem Beschluss stehen wir, da die Verantwortlichen in Heiligendamm
seit dem nicht stichhaltig nachgewiesen haben, dass die Abschottung
des Ortes für die Wirtschaft der Region sinnvoll ist. Es ist ein
Kompromiss zu suchen, mit dem alle Beteiligten leben können.
Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der
Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
René Orth, Bad Doberan: Bei aller Ablehnung, die zum
demokratischen Prozess dazugehört, gilt aber Vorsicht! Vorsicht
deshalb, weil Vermutungen von Hobbygeologen, Finanz- und
Bauträgerexperten und Vertretern, die von der Kunst des negativen
Denkens medial beflügelt werden, absolut alternativlos sind.
Deshalb: Lösungen im Diskurs zusammen erarbeiten! Doberan hat noch
andere Baustellen. Genau dort wäre bürgerliches Interesse und
Betroffenheit ebenso gefragt,wie beim Thema Heiligendamm.
6 Nationaldemokratische Partei Deutschlands, NPD
1 Susemihl, Dirk, Koch, geb. 1974 in Rostock
2 Bethke, Dirk, Koch, deutsch 1969 in Kühlungsborn
3 Dietze, Andreas, Gas-Wasser-Installateur, geb. 1984 in Rostock
4 Zahradnik, Stefan, Dachdecker, geb. 1983 in Kühlungsborn
Die NPD hatte bisher keine Sitze in der Stadtverwaltung und äußerte
sich weder offiziell in den Medien, noch in der Wahlwerbung zum
Thema "Heiligendamm".
7 Bündnis für Bad Doberan
1 Bitter, Anke Finanzkauffrau, geb. 1964 in Kühlungsborn
2 Schürmann, Wolfgang Vermessungstechnischer Angestellter, geb. 1963
in Crivitz
3 Pieplow, Frank Lehrer, geb. 1966 in Rostock (2004 bis 2009
fraktionslos)
4 Paap, Siegfried,Rentner, geb. 1943 in Warnemünde
Frage an das Bündnis
für Bad Doberan: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Das Basiskonzept der ECH wurde in den Jahren 2003/2004 mit großer
Mehrheit befürwortet. Da es bereits eine Reihe rechtsverbindlicher
Vereinbarungen zwischen der Stadt und der ECH gibt, die dem Investor
als Grundlage seiner Planungen dienen, kann die Stadt jetzt nicht
völlig neue Wege beschreiten. Realistische Kompromisse begrüßen wir.
Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung
der Beschlussvorlage durch die SVV:
Das Bündnis für Bad Doberan tritt das erste Mal zur Wahl an. Anke
Bitter, Wolfgang Schürmann und Siegfried Paap sind derzeit keine
Stadtvertreter.
Siegfried Paap hatte sich in der Vergangenheit positiv gegenüber der
ECH geäußert und Anke Bitter hatte als PDS-Abgeordnete einen Brief
an Jagdfeld geschrieben und um eine Stellungnahme gebeten, wie und
vor allem wann es mit der Umsetzung des Sanierungsvorhabens
(speziell: Perlenkette) weiter geht.
Frank Pieplow ist derzeit fraktionslos. Aber er war einer der beiden
Kandidaten, die den gekippten Beschluss noch einnmal auf die
Tagesordnung gesetzt haben:
"Dennoch: Die Einflussnahme der ECH auf die Stadtvertreter hatte
Erfolg: Wie Bürgermeister Polzin gestern auf Anfrage sagte, haben
die Abgeordneten
Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos) die
Heiligendamm-Vorlagen jetzt nochmals eingereicht."
Bemerkungen:
Anke Bitter war zuvor Mitglied der Linkspartei und ist dort
ausgetreten.
Frank Pieplow war bisher fraktionslos (in einem Artikel der
Ostsee-Zeitung erscheint vor 2004 hinter seinem Namen aber auch
"(SPD").
8 Bürgerbund
1 Meyer, Hannes Architekt, (Meyer Ohde Architekten), geb. 1965 in
Kühlungsborn
2 Lex, Guido Vors. Richter am Landgericht, geb. 1956 in Heidelberg
3 Hoinkis, Heinz, Rechtsanwalt, geb. 1949 in Altheide
4 Behrens, Klaus-Peter, Kaufmann, geb. 1962 in Neindorf
5 Roggelin, Hannes, Ausbildung zum Justizfachangestellten geb. 1989
in Kühlungsborn
6 Ohde, Heike, Architektin (Meyer Ohde Architekten), geb. 1972 in
Rostock
7 Goldberg, Matthias Dipl.-Ing., geb. 1971 in Rostock
8 Zimmermann, Sabine, Unternehmerin, geb. 1970 in Rostock
9 Meyer, Inge, Rentnerin, geb. 1937 in Stettin
10 Rehwaldt, Helge, Rentner (u.a. Buchautor), geb. 1937 in
Berlin
11 Strebe, Carla, Architektin, geb. 1951 in Minden
12 von Hof, Gerda, Rentnerin, geb. 1936 in Bad Doberan
Dieter
Rotscheidt stand von 2004-.2009 als sachkundiger Einwohner zur
Verfügung.
Frage an den
Bürgerbund: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Die aktuelle Sperrung der letzten direkten Wegeverbindung vom
Molli-Bahnhof zur Seebrücke zeigt deutlich, dass die bisherige, von
den etablierten Parteien getragene Heiligendamm-Politik buchstäblich
in eine Sackgasse führt. Ein gut ausgebautes öffentliches Wegenetz
ist Grundvoraussetzung für die Entwicklung Heiligendamms zu einem
gastfreundlichen und lebendigen Ort, in dem sich auch ein
Fünf-Sterne-Hotel dauerhaft etablieren kann. Letztlich ist das viel
bemühte Argument, die Wegesperrungen wären zum Schutz der Hotelgäste
notwendig, nur der konstruierte Vorwand eines Immobilienmaklers, um
günstig erworbene Villengrundstücke auf Kosten der Allgemeinheit
aufzuwerten. So wird die Prof.-Dr.-Vogel-Straße zur Privatstraße und
der Kleine Wohld zum Privatpark. Gegen diese Politik wird sich der
Bürgerbund stark machen.
Frage an das Bündnis
für Bad Doberan: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Hannes Meyer vom Bürgerbund. „In den letzten sechs Jahren hat nur
Stillstand oder Abbruch in Heiligendamm stattgefunden – obwohl es
einen regelrechten ,
B-Plan-Überschuss’ gibt“, sagt Meyer. Bislang hätten die
Stadtvertreter allen Plänen der ECH zugestimmt. Es sei „ziemlich
witzlos“, wenn Schlag jetzt so tue,
als hätte die ECH morgen mit der Sanierung der Villen begonnen. Das
glaubten weder Bürger noch Firmen aus der Region, der
Vertrauensvorschuss sei aufgebraucht.
Es sei allgemein bekannt, dass die ECH oder Fundus nirgendwo mehr
Kredit bekomme, und auch, dass die Investoren des Hotels ungehalten
seien wegen der gebrochenen Rendite-Versprechen. Meyer: „Seebad und
Hotel können nur funktionieren, wenn es Leben und Abwechslung gibt.
Beides hat die ECH verhindert.“
9 Christlich Demokratische
Gemeinschaft, CDG
1 Abeling, Dieter, Kaufmann, geb. 1952 in Barver
2 Pentzien, Lutz, Unternehmer (Fa. Pentzin), geb. 1958 Bad Doberan
3 Gühler, Horst, Bauingenieur (ehem. Bauamtsleiter DBR), geb. 1940
in Ramsau/Allenstein
Frage an die CDG: Wie
soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Seeheilbad
Heiligendamm und Rennbahn als wichtigen Wirtschaftsfaktor zügig
entwickeln durch die Setzung und Vertretung gemeinsamer Ziele.
Dazu gehören:
-
Ausbau des
Kinderstrandes mit separater Zufahrt zum Schutz der Ostseeklinik
-
Zentrum - Ost
errichten für die Tagesgäste und Einwohner
-
Aufbau der
Infrastruktur für das Seeheilbad Heiligendamm
-
Mehr Veranstaltungen auf
der Rennbahn initiieren
Meinung eines Mitglieds und
Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die
SVV:
Horst Gühler, Fraktion Christlich
Demokratische Gemeinschaft (CDG), zeigt für die Verärgerung der ECH
Verständnis. „Wir haben die ECH vor Jahren gewarnt, Pläne ohne
Stellplätze zu machen. An eine Tiefgarage haben wir natürlich nicht
gedacht“, sagt Gühler. „Das aber als alleinigen Grund für das
Scheitern anzugeben, ist höchst fraglich.“
Bemerkungen:
Alle Mitglieder der CDG waren zuvor
Mitglieder der CDU. Auf Grund von Streitigkeiten verließen sie den
Ortsverband und gründeten die CDG.
Ihre Mandate durften sie behalten und sind nun halt CDG-Mitglieder
statt CDU-Mitglieder.
10 Handwerker- und Gewerbeverein, HGV
1 Baor, Herbert, Unternehmer (Fa. Baor), geb. 1955 in Neubukow
2 Hensel, Wolfgang, Unternehmer (Fa. Hensel), geb. 1961 in Bad
Doberan
3 Ewig, Oliver, Kaufm. Angestellter, geb. 1963 in Hamburg
4 Kujas, Jörn-Jens, Rechtsanwalt (eig. Kanzlei), geb. 1966 in Sande
5 Hopp, Christine, Ing.-Ökonom, geb. 1963 in Bad Doberan
6 Gehrke, Uta, Augenoptikerin, (Optiker Gehrke) geb. 1969 in
Brehna/Bitterfeld
7 Kleinow, Manfred Maurermeister (Fa. Kleinow), deutsch 1959 in Bad
Doberan
8 Lange, Gerhard, Meister für Landtechnik, geb. 1955 in Bad
Doberan
Diese SVV-Mitglieder des HGV
treten nicht mehr an:
Ulrich Ludwig
Frage an den HGV: Wie
soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Eine Aufhebung von Sperrungen gegen den Willen der ECH kommt nicht
in Betracht. Sollte die ECH weitere Einschränkungen für Einheimische
und Kurgäste fordern, werden wir weder prinzipiell dafür noch
prinzipiell dagegen sein. Wir sind überzeugt, dass ein Kompromiss
gefunden werden kann, der der ECH entgegen kommt als auch für
Einheimische und Kurgäste von Vorteil ist.
Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der
Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Wolfgang Hensel, Mitglied des Handwerker- und Gewerbevereins
e.V. Bad Doberan: Als Handwerker sind wir bemüht, die
wirtschaftliche Entwicklung in unserer Stadt, einschließlich
Heiligendamm, voranzutreiben. Ich meine, dass einige unserer
Stadtvertreter ziemlich fahrlässig mit der Zukunft von Heiligendamm
umgehen.
Auch die Berichterstattung der OZ ist zu diesem Thema einseitig und
ich würde mir wünschen, dass endlich mal sachlich berichtet und
argumentiert würde.
Der ECH wird unterstellt, dass sie keine Kredite mehr bekäme und sie
verschiedene Institutionen gegeneinander ausspielt. Behauptungen, wo
aber sind die Beweise?
So wie wir schon vom Bau des Hotels profitiert haben, so würde uns
auch die Sanierung der Perlenkette nutzen, denn da sind wir als gute
Handwerker aus vielen Gewerken gefragt. Anderswo würden sich die
Leute freuen, wenn bei ihnen investiert wird. Aber bei uns sind
manche noch stolz darauf, (auch mit Hilfe der OZ) es dem bösen
Investor heimzuzahlen.
Schlag fordert die „lieben Mitstreiter und Mitglieder des
Handwerker- und Gewerbeverbandes“ auf, in Leserbriefen an die OZ
„ihren Zorn und ihre Enttäuschung“ zu zeigen.
Und als könnten die HGV-Mitstreiter nicht selbst ihre Briefe
formulieren, legte Schlag auch gleich zwei Musterbriefe bei (liegen
OZ vor).
Herbert Baor war einer der beiden Kandidaten, die den gekippten
Beschluss noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt haben:
"Dennoch: Die Einflussnahme der ECH auf die Stadtvertreter hatte
Erfolg: Wie Bürgermeister Polzin gestern auf Anfrage sagte, haben
die Abgeordneten
Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos) die
Heiligendamm-Vorlagen jetzt nochmals eingereicht."
11 Einzelbewerber Arenz
1 Arenz, Jochen, Heimleiter (Johanneshaus), geb. 1965 in Hilden
Frage an Jochen
Arenz: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Es geht um den Erhalt von 300 Arbeits-
und Ausbildungsplätzen, Kurtaxe und Steuereinnahmen für die Stadt,
von denen wir alle, z.B. auch das Kornhaus,
unsere Kindergärten, Sportvereine etc., profitieren. Es geht um
Aufträge für Doberaner Gewerbetreibende wie Bäcker, Handwerker und
Geschäfte.
Dazu gehört auch die Sperrung der Wege. Wenn endlich Sachlichkeit
einziehen würde, wären Kompromisse zum Wohle aller möglich.
Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung
der Beschlussvorlage durch die SVV:
Jochen Arenz hat nicht direkt auf den Beschluss reagiert.
Seine Positionen lassen sich dennoch nachlesen:
Wer A sagt, muss auch B sagen. Damit sich der Ortsteil
Heiligendamm weiter entwickelt, muss man dem Hotel die Chance geben,
dass es schwarze Zahlen
schreiben kann. Das bedeutet, das Parkgelände zwischen
Alexandrinen-Cottage, Burg Hohenzollern und Steilufer würde dann nur
dem Gast des Grand Hotels
vorbehalten bleiben. Über den eigens errichteten Steg am Meer gibt
es den bekannten Ersatzweg am Strand, der das durchgängige Wandern
entlang der See erlaubt.
Wir bereiten dem Investor ein gutes Bett. Ich erwarte, dass die 250
Arbeitsplätze im Hotel gesichert bleiben und dass die ECH den
Kurwald sowie öffentliche Einrichtungen laut Papier gestaltet. – Und
wie vereinbart auch die Villen saniert. Ein Millionen-Projekt.
12 Einzelbewerber Gipp
1 Gipp, Thomas, Diplomkaufmann, geb. 1968 in Bad Doberan
Dieser Einzelbewerber saß bisher nicht
in der SVV und hat sich nicht öffentlich über Heiligendamm geäußert.
Wahlwerbung liegt mir nicht votr.
13 Einzelbewerber Liermann
1 Liermann, Rainer, Rentner, geb. 1947 in Kröpelin
Dieser Einzelbewerber saß bisher nicht in der SVV und hat sich nicht
öffentlich über Heiligendamm geäußert. Wahlwerbung liegt mir nicht
votr.
14 Einzelbewerber Ludwig
1 Ludwig, Ulrich Rentner, geb. 1942 in Heiligendamm
Dieser Einzelbewerber saß bisher nicht in der SVV und hat sich nicht
öffentlich über Heiligendamm geäußert. Wahlwerbung liegt mir nicht
votr.
Diese SVV-Mitglieder scheiden aus:
Peter Husar (DoM) Die "Doberaner Mitte"
hat sich aufgelöst.
|
Eigentlich ist damit alles gesagt. Ich
erlaube mir dennoch eine kleine statistische Analyse der Kandidaten:
Als erstes fällt auf, dass in der CDU viele Unternehmer
organisiert sind.
Nicht nur die auch so bezeichneten Personen sind Unternehmer, sondern
auch einige Kaufleute. Jörg Unger z. B. ist nicht nur Kaufmann, sondern
auch Chef der Firma.
Sandra Tode ist nicht nur Einzelhandelskauffrau, sondern auch
Unternehmerin, denn sie ist die Geschäftsführerin aller
Franchise-Unternehmen des Tintenhauses.
Was in der offiziellen Liste (in dieser hier habe ich selbst einiges
ergänzt) nicht so deutlich wird: Joachim Seehaus ist zwar
Diplomingenieur aber inzwischen ist er in Rente.
Peter Sähn ist der älteste Kandidat der CDU. Er arbeitet für FUNDUS als
Kaufmännischer Geschäftsführer der ECH und ECW und ist der erste
Kandidat, der direkt involviert ist.
8 der 13 Kandidaten
sind Bad Doberaner. Da Bad Doberan bis vor einem Jahrzehnt kein
Krankenhaus hatte, heißen die Geburtsorte der nicht in der heimischen
Stube entbundenen Bad Doberaner "Kühlungsborn" und "Rostock". Wer
also in einen der beiden Orte geboren wurde, ist nicht unbedingt
zugezogen, sondern meistens ein waschechter Münsterstädter. Die CDU
hatte Probleme mit ihrer Liste und ist heftig in die Kritik geraten.
Caroline Brandt selbst wurde scharf kritisiert, als sie Bürger aus dem
Rathaus schmiss. Sie möchte gern den Posten als Stadtvorsteherin
abgeben. Die CDU konzentriert ihr Engagement auf Bad Doberan, was der
Mehrheit der Unternehmer geschuldet ist.
In der Linkspartei
finden wir hauptsächlich Denker: Zwei Ingenieure, ein Wissenschaftler,
eine Finanzwirtschaftlerin und ein en Schiffbauer.
Hier sollte uns der
Geburtsort nicht irritieren: Drei Kandidaten wurden nich vor der
deutschen Teilung geboren. Nur Monika Schneider ist "nicht von hier".
Die SPD geht mit den meisten Kandidaten an den Start. Hier finden
sich die meisten Rechtsanwälte und Juristen. Von 14 Kandidaten haben
gleich 5 etwas mit Jura zu tun.
Drei Kandidaten sind
gelernte Diplom-Ingenieure, zwei (eigentlich drei) sind Rentner, einer
Lehrer, einer Direktor und nur einer ist angestellt als Maschinenbauer.
Damit ist die SPD
längst nicht mehr die Partei des Arbeiters. Marta Leuchert dürfte vom
Alter her eine der fünf Töchter des Landrates Thomas Leuchert sein.
Sie ist zugleich auch
die jüngste Kandidatin.
Die FDP wird
in Bad Doberan ihrem Klischee als Partei der Besserverdiener nicht
wirklich gerecht. Vom Studenten über den Koch und Tierarzt bis hin zum
Steuerberater ist alles vertreten. Auch hier sind es überwiegend
Alteingesessene, die sich für Bad Doberan stark machen. Unter ihnen auch
Lutz-Eckart Elbrecht, der von der aufgelösten Doberaner Mitte in die FDP
gewechselt ist. Zusammen mit Harry Klink sitzt er derzeit noch in der
scheidenden Stadtvertreterversammlung. Frontmann und Zugpferd der FDP
ist Harry Klink. Was er bisher sagte, wirkte stets wie seine persönliche
Meinung. Für die FDP ist das gut, denn sie wird nicht mit seiner Meinung
gleich gestellt und wirkt daher neutral. Dennoch hat sie inzwischen ein
handfestes Konzept für Heiligendamm - als einzige Partei in diesem
Umfang.
Von den Grünen
gibt es derzeit nur einen Stadtvertreter. Heinz Keuer tritt wieder an.
René Orth sitzt im Moment noch für den Bürgerbund im Rathaus, wird nun
aber für die Grünen kandidieren. Die Grünen sind die Partei mit den
verhältnismäßig meisten Gelehrten und werden damit ihrer bundesweiten
Anschauung gerecht. Allerdings haben die Grünen auch die wenigsten
Alteingesessenen aufzubieten. Der Einzug in das Rathaus ist den Grünen
erst spät und nur mit einem Kandidaten gelungen. Es bleibt spannend.
Die NPD hat es
bisher nicht ins Rathaus geschafft. Die Kandidaten sind recht glanzlos
aber dafür ist die Wahlwerbung recht aggressiv. Neben Plakaten und
Veranstaltungen gibt es von der NPD gleich zwei verschiedene Flyer
innerhalb von zwei Wochen. Die NPD zielt auf Nichtwähler und
Protestwähler ab, führt auch ein Programm auf aber dieses ist sehr
allgemein und hat nichts mit Heiligendamm und auch nichts mit Bad
Doberan zu tun. Die NPD hat nicht nur Kandidaten aus der arbeitenden
Bevölkerung aber die "höheren" hebt sie sich für den Landtag auf. Sie
will mit den "einfachen" Kandidaten auch die "einfache" Bevölkerung
erreichen. Es geht aber darum, erst einmal drin zu sein.
Neu in der Liste ist
das Bündnis für Bad Doberan. Wie bei der CDG handelt es sich hier
um ein Bündnis, das aus Unzufriedenheit mit der parteiinternen Situation
zu Stande gekommen ist. Anke Bitter hat die PDS verlassen und das
Bündnis für Bad Doberan gegründet. Der bisher fraktionslose
Einzelbewerber Frank Pieplow hat sich ihr angeschlossen und auch
Siegfried Paap von der Bürgerinitiative - der sich diesbezüglich ja
schon einmal selbst widersprochen hat - ist mit dabei.
Jetzt passt es, dass
Paap sich vom Bürgerbund distanziert, obwohl er in der Bürgerinitiative
ist. Neu ist auch Wolfgang Schürmann, von dem man nichts hörte.
Mit die meisten
Kandidaten bringt der Bürgerbund ins Rennen. Auffällig ist
sofort, dass sich hier gleich drei Architekten tummeln. Sie sind es
auch, die jedes Baugeschehen kritisch beäugen. Öffentlich oft in
Erscheinung getreten sind Hannes Meyer, Heike Ode, Klaus-Peter Behrens,
Inge Meyer und Gerda von Hof. Auch von Dieter Rothscheid haben wir oft
gelesen. Helge Rehwald hat Bücher über Bad Doberan geschrieben und gilt
als wandelnde Chronik des Ortes. Interessant sind auch die Berufsgruppen
selbst. Vom angehenden Justizfachangestellten über einen Rechtsanwalt
bis zum Vorsitzenden Richter des Landgerichts reicht das Spektrum.
Auffällig ist auch der hohe Anteil an Bad Doberanern.
Die CDG
besteht nur aus den drei Mitgliedern, die die CDU verlassen haben. Horst
Gühler als Frontmann der CDG war viele Jahre im Bauamt der Stadt tätig
und hat die Entwicklung Heiligendamms begleitet. Alle drei Kandidaten
sind langjährige Bad Doberaner.
Im HGV
organisieren sich natürlich Handwerker und Gewerbetreibende. Die meisten
sind alteingesessen und führen Familienbetriebe und einige sind von
außerhalb hinzu gekommen. Die Interessen des HGV sind rein
wirtschaftlich und das kommt auch immer wieder zum Ausdruck. Der HGV ist
in den letzten Tagen in die Kritik geraten, weil Hans Schlag die
Kandidaten als Freunde bezeichnet und sie zu einer Medienkampagne
eingeladen hat. Wie sich das auf die Wahlergebnisse auswirkt, bleibt
abzuwarten, zumal Herbert Baor die gekippte Beschlussvorlage erneut auf
die Tagesordnung gesetzt hat. Kritiker sehen darin den Versuch, eine
demokratische Entscheidung zu revidieren und werfen den Abgeordneten des
HGV Befangenheit auf Grund wirtschaftlicher Interessen vor. Darum ist
auch der Verhaltenskodex bei Befangenheit wieder im Gespräch.
Weiter oben auf
dieser Seite gibt es folgendes zu lesen: Der
HGV steht hinter den Absperr-Plänen.
Auch der Einzelhandel steht hinter den Abschottungs-Plänen.
Die restlichen vier
Kandidaten sind Einzelbewerber. Außer von Jochen Arenz hat man von ihnen
bisher kaum etwas gehört. Er sitzt auch derzeit im Rathaus.
Fazit:
Es kandidieren also 6
Rechtsanwälte, 15 Unternehmer und Gewerbetreibende, ca. 15 Angestellte,
5 Arbeiter, 2 Juristen, 4 Lehrkörper, 8 Rentner, 3 Köche, 3 Architekten,
1 Richter, 1 Tierarzt, 1 Dipl.-Pschychologin, 1 Steuerberaterin, 1
Versicherungsfachmann, 1 Heilpraktikerin, 2 Wissenschaftler, 11
Ingenieure, 2 Mathematiker und 3 Lernende.
So sieht die aktuelle Sitzverteilung aus:

Quelle: Stadt Bad Doberan
Die Ostsee-Zeitung
befragt die Parteien...
Kurz
vor der Wahl ist bis auf Massenplakatierungen mit Gesichtern und
Sprüchen von Konzepten noch nichts zu sehen.
Die ersten Flyer treffen ein und hier und da kann man von der einen oder
anderen Partei mal ein paar Positionen auf ihren Webseiten finden. Grund
genug, sich die Parteien einmal vorzunehmen und die drei wichtigsten
Fragen zu stellen:
Umgehungsstraße? Heiligendamm? Ehrenerklärung? Die Ostsee-Zeitung fragt
nach:
Antworten für Bad Doberan
1. Wie steht Ihre Partei zur Ortsumgehung?
2. Sind die Sperrungen in Heiligendamm nötig, werden Sie weitere
Einschränkungen befürworten?
3. Würden Sie sich in einer Ehrenerklärung verpflichten, sich
bei Abstimmungen und Gremienarbeit für befangen zu erklären,
wenn sie, Angehörige oder ihr Arbeitgeber von einer Entscheidung
wirtschaftlich betroffen sind?
SPD
1. Der SPD-Ortsverein Bad Doberan lehnt den Bau einer
Umgehungsstraße um Bad Doberan ab. Nach einer intensiven
Diskussion ist dieses schon geltende Beschlusslage seit den Juni
2007. An unserer Auffassung dazu hat sich nichts geändert.
2. Bezüglich Heiligendamm wird unsere
Partei die Interessen eines Investors und das Gemeinwohl genau
abwägen. Dazu gehört es auch, Kompromisse im Sinne der Bürgerinnen
und Bürger zu finden und zu schließen.
3. Die SPD Bad Doberans ist den Gesetzen
der Bundesrepublik und des Landes Mecklenburg-Vorpommern
verpflichtet. In der Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommern
sind die Befangenheitsregeln gesetzlich verankert. Eine gesonderte
Erklärung ist aus unserer Sicht nicht erforderlich.
CDU
Aufgrund innerparteilicher
Probleme im Zusammenhang mit der Gültigkeit der Kandidatenlisten
liegt keine Antwort der CDU vor.
Die LINKE
1.
Eine Ortsumgehung ist nicht verzichtbar. Wir
bevorzugen die Nordvariante, allerdings ist uns die genaue
Trassenführung nicht bekannt.
2.
Wir sind für die Aufhebung der Sperrungen und wollen keine
weiteren Wegeeinziehungen.
3.
Wir entscheiden auf Grundlage der Kommunalverfassung.
Ehrenerklärungen halten wir nicht für notwendig.
FDP
1.
Der Ortsverband der FDP hat beschlossen, den Tourismus als Motor
der örtlichen Wirtschaft zu fördern. Tourismusförderung beginnt
mit einem Konzept für Bad Doberan und Heiligendamm, das sowohl die
touristische Entwicklung als auch die Verkehrsplanung umfasst. Es
ist erforderlich, dass alle Seiten Gesprächs- und
Kooperationsbereitschaft zeigen, um Kompromisse zur notwendigen
Verkehrsberuhigung der B 105 zu erreichen. Dazu benötigen wir
belastbare Zahlen, um dann von einer Ortsumgehung reden zu können.
2. Heiligendamm soll das Seebad von Bad
Doberan und Wohnort für Menschen bleiben. Die Kommunikation
zwischen den Beteiligten muss transparent werden. Zufriedene
Gäste, Patienten, Touristen und Einwohner sind Ziel der FDP. Wir
werden helfen, Heiligendamm ideologiefrei und rechtsstaatlich für
Klinik, Pensionsbetreiber, Hotel und Einheimische zu entwickeln.
Dazu ist die widerrechtliche Sperrung von Wegen - die unmittelbar
von den Haltestellen zur Seebrücke führen - nicht notwendig und
demzufolge aufzuheben. Selbstverständlich in einem Seeheilbad
müssen eine öffentliche Promenade und ein ganzjährig begehbarer
Küstenwanderweg (alternativ) sowie ein getunnelter Stichweg für
einen zumutbaren Weg für eine alternde Gesellschaft von den
Haltestellen zur Seebrücke sein. Die FDP spricht sich für einen
geraden Weg der Patienten zum Strand und einen geraden Weg für die
Gäste und Doberaner zur Seebrücke aus.
3.
Natürlich.
Grüne
1.
Der Petitionsausschuss des Bundestags wird sich ziemlich scharf
gegen die Umgehungsstraße aussprechen. Dieses geschieht auch mit
den Stimmen der SPD- und CDU-Abgeordneten. Damit wird nach unserer
Auffassung die weitere Planung der Straße zu den Akten gelegt. Die
Frage ist jetzt nicht mehr: Straße ja oder nein und wo, sondern:
Was können wir tun, um die Attraktivität der Stadt mit der
Bundesstraße zu erhöhen? Antwort: Zum Beispiel vom EU-Projekt
Shared Space der Stadt Bohmte bei Osnabrück lernen, uns dafür
einzusetzen, dass die 105 mautpflichtig wird.
2.
Unsere Landesdelegiertenkonferenz hat am 4. 12. 2005 in Greifswald
folgenden Beschluss gefasst: „Bündnis 90/Die Grünen in
Mecklenburg-Vorpommern sprechen sich gegen die Abschottung von
architektonischen, landschaftlichen und kulturellen Schätzen des
Landes aus. Heiligendamm ist ein solches herausragendes
kulturelles und geschichtliches Erbe unseres Landes und muss daher
in allen Teilen öffentlich zugänglich bleiben.“ Zu diesem
Beschluss stehen wir, da die Verantwortlichen in Heiligendamm seit
dem nicht stichhaltig nachgewiesen haben, dass die Abschottung des
Ortes für die Wirtschaft der Region sinnvoll ist. Es ist ein
Kompromiss zu suchen, mit dem alle Beteiligten leben können.
3.
Da wir schon in der letzten Wahlperiode nach der Intention einer
solchen Erklärung gehandelt haben, haben wir kein Problem, dieses
auch aktenkundig zu machen.
Bürgerbund
1.
Selbstverständlich ist eine Verkehrsberuhigung für
den Kurort Bad Doberan wichtig. Die geplanten Streckenführungen
der Umgehungsstraße — egal ob Nord oder Süd — zerschneiden jedoch
wertvolle Naturräume und Kulturlandschaften wie Quellental oder
Althof, die als Ausflugsziele und Naherholungsgebiete für den
Tourismus Bad Doberans unersetzbar sind. Daher haben wir die
Initiative zum Verzicht auf die Umgehungsstraße in der
Stadtvertreterversammlung unterstützt und werden uns aktiv für
verkehrsberuhigende Maßnahmen im innerstädtischen Verkehr
einsetzen.
2.
Die aktuelle Sperrung der letzten direkten
Wegeverbindung vom Molli-Bahnhof zur Seebrücke zeigt deutlich,
dass die bisherige, von den etablierten Parteien getragene
Heiligendamm-Politik buchstäblich in eine Sackgasse führt. Ein gut
ausgebautes öffentliches Wegenetz ist Grundvoraussetzung für die
Entwicklung Heiligendamms zu einem gastfreundlichen und lebendigen
Ort, in dem sich auch ein Fünf-Sterne-Hotel dauerhaft etablieren
kann. Letztlich ist das viel bemühte Argument, die Wegesperrungen
wären zum Schutz der Hotelgäste notwendig, nur der konstruierte
Vorwand eines Immobilienmaklers, um günstig erworbene
Villengrundstücke auf Kosten der Allgemeinheit aufzuwerten. So
wird die Prof.-Dr.-Vogel-Straße zur Privatstraße und der Kleine
Wohld zum Privatpark. Gegen diese Politik wird sich der Bürgerbund
stark machen.
3.
Gerade in Hinblick auf die Heiligendamm-Politik der
letzten Jahre halten wir eine solche Ehrenerklärung für längst
überfällig. Der Bürgerbund ist ein Zusammenschluss engagierter
Bürger, der sich unabhängig von Lobby und wirtschaftlichen
Interessen Einzelner ausschließlich dem Gemeinwohl verpflichtet
fühlt. Transparenz und Glaubwürdigkeit in der Kommunalpolitik sind
uns wichtig. Daher würden unsere Mitglieder eine Initiative zur
Ehrenerklärung unterstützen und auf jeden Fall eine solche
Erklärung unterschreiben.
Bündnis für Bad Doberan
1.
Wir lehnen eine Ortsumgehung aufgrund des
Missverhältnisses zwischen den enormen Eingriffen in Umwelt und
Natur sowie den horrenden Kosten einerseits und dem fraglichen
bzw. lediglich spekulativen Nutzen (Beruhigung der B105)
andererseits, ab.
2.
Das Basiskonzept der ECH wurde in den Jahren 2003/2004 mit großer
Mehrheit befürwortet. Da es bereits eine Reihe rechtsverbindlicher
Vereinbarungen zwischen der Stadt und der ECH gibt, die dem
Investor als Grundlage seiner Planungen dienen, kann die Stadt
jetzt nicht völlig neue Wege beschreiten. Realistische Kompromisse
begrüßen wir.
3.
Eine derartige Erklärung würden wir aufgrund
rechtlicher Bedenken so nicht unterschreiben. Die persönliche
Befangenheit regelt die Kommunalverfassung unseres Erachtens
eindeutiger und somit besser.
CDG
1.
Die Stadtvertretung Bad Doberan hat in Bezug auf
die geplante Ortsumgehung keine Entscheidungskompetenz. Wir
solltes jedoch alles tun, damit eine sachliche und korrekte
Planung zur Entscheidungsfindung erfolgt. Wichtig ist, dass die
Vorgaben zur Erhaltung des Kurortstatus nicht aus den Augen
verloren werden.
2.
Wir werden uns entsprechend bestehender Verträge
für die Weiterentwicklung von Heiligendamm einsetzen. Hier haben
auch die Belange der hiesigen Bevölkerung einen sehr hohen
Stellenwert.
3.
Wir würden uns entsprechend der Kommunalverfassung verhalten. Alle
weiteren Vereinbarungen oder Erklärungen halten wir rechtlich für
bedenklich.
HGV
1.
Der Handwerker- und Gewerbeverein spricht sich klar
für eine Ortsumgehung aus. Wichtig ist, dass sich die Bürger und
Besucher vom Fernverkehr unbehindert in Bad Doberan bewegen und
erholen können. Die Ortsumgehung ist unverzichtbar. Ob Nord oder
Süd bleibt den Umweltverträglichkeitsprüfungen vorbehalten.
2.
Eine Aufhebung von Sperrungen gegen den Willen der ECH kommt nicht
in Betracht. Sollte die ECH weitere Einschränkungen für
Einheimische und Kurgäste fordern, werden wir weder prinzipiell
dafür noch prinzipiell dagegen sein. Wir sind überzeugt, dass ein
Kompromiss gefunden werden kann, der der ECH entgegen kommt als
auch für Einheimische und Kurgäste von Vorteil ist.
3.
Nein. Ein derartiges Ansinnen überhaupt zu diskutieren,
verunglimpft sämtliche Kandidaten. Wir werden uns nicht an der
beschämenden Diskussion über die Redlichkeit von Kandidaten
beteiligen.
Einzelbewerber Jochen
Arenz
1.
Ein konsequentes Nein. Die Umgehungsstraße zerstört
die Natur und schwächt den Einzelhandel in Bad Doberan. Die Natur
ist das Wertvollste, was Mecklenburg- Vorpommern zu bieten hat.
Wir sollten uns über jeden freuen, der die Möglichkeit hat, nach
Bad Doberan zu kommen und unsere Wirtschaft durch Einkäufe zu
stärken. Die Millionen für den Bau lassen sich sinnvoller
einsetzen.
2.
Es geht um den Erhalt von 300 Arbeits- und Ausbildungsplätzen,
Kurtaxe und Steuereinnahmen für die Stadt, von denen wir alle,
z.B. auch das Kornhaus, unsere Kindergärten, Sportvereine etc.,
profitieren. Es geht um Aufträge für Doberaner Gewerbetreibende
wie Bäcker, Handwerker und Geschäfte. Dazu gehört auch die
Sperrung der Wege. Wenn endlich Sachlichkeit einziehen würde,
wären Kompromisse zum Wohle aller möglich.
3.
Diese Erklärung ist ausdrücklich zu begrüßen. Wer gegen die
Ehrenerklärung verstößt, müsste sich verpflichten, sein Mandat
sofort niederzulegen. Ehrenerklärung und diese Verpflichtung sind
für mich bindend, egal ob sie in Bad Doberan kommt oder nicht.
|
Und die ECH-Zeitung "Zukunft Heiligendamm"
befragt
die Kandidaten:
|
Nachgehakt: Die Pläne der
Kandidaten zur Zukunft Heiligendamms
VON THOMAS BOLTE UND CHRISTIAN
PLÖGER
Am 7. Juni wählen die Doberaner
ihre neue Stadtvertretung.
Die Redaktion befragte daher die Politiker zu fünf wichtigen Themen
für die kommenden fünf Jahre.
Nur der Bürgerbund verweigerte sich.
Die
Politikverdrossenheit ist groß. Immer weniger Bürger nutzen ihr
Recht, ihre Volksvertreter in freier Wahl zu bestimmen.
Dabei haben gerade
Kommunalpolitiker viel zu entscheiden. Vor allem: Was sie tun, spürt
jeder unmittelbar vor Ort.
Ob es um Schulen, Kitas oder
Straßenberuhigung geht – hier sind die Stadtvertreter gefragt.
Das gilt nicht zuletzt auch
für das Baurecht, von dem etwa die Weiterentwicklung von Grand Hotel
und Villenensemble abhängt.
Die Redaktion hat daher
Spitzenvertreter der Parteien und Einzelbewerber befragt, was sie in
der neuen Wahlperiode
tun wollen, um Bad Doberan und
Heiligendamm nach vorne zu bringen.
Der Bürgerbund war die einzige
Gruppierung, die sich den Fragen verweigert
hat. Das ist umso bedauerlicher,
weil der Bürgerbund die Weiterentwicklung des Seebades am
kritischsten sieht.
Die Einzelkandidaten Thomas Gipp und Ulrich Ludwig haben die Fragen
ebenfalls nicht beantwortet.
Soweit nicht Fotos aller Kandidaten
veröffentlicht sind, haben diese der Redaktion bis zum
Redaktionsschluss kein Bild zugesandt.
Die Bewerber sind in
alphabetischer Reihenfolge genannt.
WORIN
SEHEN SIE DIE ZUKUNFT HEILIGENDAMMS?
|
➔ Dieter Abeling,
CDG
Die Zukunft Heiligendamms sehe ich in der Erhaltung des Status
Seeheilbad und in der Erlebbarkeit für
alle. |
➔ Jochen Arenz,
Einzelkandidat
Heiligendamm kann sich nur im Einklang mit Einheimischen,
Urlaubern,
Natur und bei wirtschaftlicher
Stabilität der touristischen Anbieter weiterentwickeln.
Dass dies möglich ist, zeigt der wunderschöne, neu geschaffene
Kurpark.
Wenn die ewigen, destruktiven Streitereien
enden würden und auch der Investor seine Versprechen einhält,
könnte unser Seebad zum Wohle aller endlich einen Aufschwung
nehmen. |
➔ Herbert Baor,
HGV
Die Zukunft Heiligendamms sehe ich in einer kontinuierlichen
Weiterentwicklung
zum Wohle aller Einwohner, Gäste, Arbeitnehmer des Hotels und
der gesamten Region.
Es muss zwingend eine Weiterentwicklung
gefördert werden, die
letztendlich jedem nützt, der hier lebt und arbeitet. |
➔ Anke Bitter,
Bündnis für Bad Doberan
Wir hoffen, dass es gelingt, die
Einzigartigkeit der Weißen Stadt am Meer zu erhalten.
Das ist nach unserer Auffassung nur möglich,
wenn sich Stadt und ECH als Partner akzeptieren und gemeinsam
die
Entwicklung vorantreiben. |
➔ Caroline Brandt,
CDU
Heiligendamm ist ein Erholungsort. Dies gilt es bei der
Entwicklung des Ortsteiles immer zu beachten.
Die Zukunft Heiligendamms liegt im Bereich Erholungs- und
Freizeitangebote. Gerade letztere sind ordentlich auszubauen,
denn nur sie regen die Gäste auf lange Sicht zu längeren
Aufenthalten an.
Die Entwicklung Heiligendamms muss
angesichts der Lage nachhaltig und schonend erfolgen, da die
Attraktivität des Ortsteiles neben der Lage am
Strand auch auf seiner geringen Ausbaufähigkeit
beruht.
|
|
➔
Gerlinde Heimann,
Die Linke
Zur Entwicklung Heiligendamms
fehlen mir einige Informationen, insbesondere
aus Beratungen zu dieser
Problematik. |
➔
Heinz Keuer,
Bündnis 90 /
Die Grünen
Heiligendamm ist ein Ortsteil von Bad Doberan, und seine Bauten
sind eine Sehenswürdigkeit der Region
wie auch das Münster, die Schliemanngedenkstätte
in Neubukow oder die Wismarer Altstadt. In Heiligendamm
suchen Einheimische und
Gäste Erholung. Der Ort muss für alle zugänglich sein. |
➔
Harry Klink,
FDP
Heiligendamm soll das Seebad von Bad Doberan und Wohnort für
Menschen bleiben. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten
muss transparent werden. Zufriedene Gäste,
Patienten, Touristen und Einwohner sind Ziel der FDP. Wir werden
helfen, Heiligendamm ideologiefrei
und rechtsstaatlich für Klinik, Pensionsbetreiber, Hotel und
Einheimische zu entwickeln.
|
➔
Rainer Liermann,
Einzelkandidat
Ich halte den Verkauf von Heiligendamm an einen Investor für
falsch. Dass muss korrigiert werden. Die Entwicklung
Heiligendamms vollzieht
sich unabhängig von der Stadt,
nur im Interesse des Investors. Belange der Stadt werden nur in
soweit berücksichtigt, wie sie im Interesse des Investors
liegen. |
➔
Birgit Mersjann,
SPD
In einem sehr schönen Ortsteil von Bad Doberan, der Seeheilbad,
gefragter
Hotelstandort und Anziehungspunkt
für Gäste und Bad Doberaner
ist und Heimat der Heiligendammer. |
WELCHE BEDEUTUNG HAT DAS GRAND
HOTEL UND DIE WEITERENTWICKLUNG VON HEILIGENDAMM AUS IHRER SICHT FÜR
BAD DOBERAN UND DIE REGION?
|
➔
Dieter
Abeling,
CDG
Das Grand Hotel hat für mich
eine hohe wirtschaftliche
Bedeutung, aber auch eine große Verantwortung in der Schaffung
und Erhaltung
von Arbeitsplätzen. Des
weiteren fördert das Hotel
die Bekanntheit von Bad Doberan und Heiligendamm.
|
➔
Jochen Arenz,
Einzelkandidat
Es geht um den Erhalt von
300 Arbeits- und Ausbildungsplätzen, Kurtaxe
und Steuereinnahmen für die
Stadt, von denen wir alle,
z.B. auch das Kornhaus, unsere Kindergärten, Sportvereine etc.
profitieren. Es geht um Aufträge für Doberaner Gewerbetreibende
wie Bäcker, Handwerker und Geschäfte. Es geht um Einnahmen für
„Molli“ und „Münster“ durch Fahrgäste und Besucher
des Grand Hotels. Urlauber
aus der ganzen Welt sind unsere Gäste, darauf bin ich stolz.
|
➔
Herbert
Baor,
HGV
Das Grand Hotel und
Heiligendamm sind untrennbar mit dem wirtschaftlichen Erfolg
einer ganzen Region verbunden. Ohne wirtschaftlichen Erfolg des
Hotels gibt es keine Weiterentwicklung in
Heiligendamm. Im Gegenteil,
der Niedergang eines einmaligen Resorts wäre vorprogrammiert und
eine nicht wiederkehrende Chance vertan!
|
➔
Anke Bitter,
Bündnis für Bad Doberan
Ein ausgebuchtes Hotel
bedeutet Sicherung
von Arbeitsplätzen,
Steuereinnahmen und natürlich Kurtaxe für die Stadt, die dann
für freiwillige Aufgaben verwendet werden können. Unsere Region
wird als Tourismusstandort
weiter bekannt.
|
➔
Caroline
Brandt,
CDU
Bad Doberan ist das älteste
deutsche Seebad. Tourismus ist ein mehr als nur
wesentlicher Grundpfeiler
der Doberaner Wirtschaft. Aus dieser Verantwortung heraus gilt
es sowohl das Grand Hotel als auch die weiteren Vorhaben
in Heiligendamm mit dem
bereits in Bad Doberan und in der Region vorhandenen
Angebot zu verbinden.
Heiligendamm kann ohne das Doberaner Zentrum nicht, andersherum
gilt es jedoch
auch. Doberan kann ohne
Heiligendamm nicht.
|
|
➔
Gerlinde
Heimann,
Die Linke
Ich kann nur darauf
verweisen, wie wir uns, falls wir gewählt werden, als Fraktion
zum gesamten Tourismus in unserer Region positionieren werden.
|
➔
Heinz Keuer,
Bündnis 90 / Die Grünen
Das Hotel ist ein wichtiger
Standortfaktor der Region, aber nicht der einzige.
Das Hotel sollte nach den
Möglichkeiten, die die Stadtvertreterversammlung
hat, unterstützt werden.
Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Hotel ist nur
dann für die Region
sinnvoll, wenn nicht gleichzeitig dadurch woanders in der Region
Arbeitsplätze abgebaut
werden.
|
➔
Harry
Klink,
FDP
Das Grand Hotel ist einer
der bedeutendsten und bekanntesten touristischen
Angebote in Bad Doberan.
Daher ist eine positive
Entwicklung für uns wichtig.
Bedeutend ist das Grand Hotel dabei nicht nur als
Arbeitgeber, sondern auch als touristisches Aushängeschild.
In diesem Zusammenhang muss der Ausbau von Heiligendamm
weitergehen, um
das Gesamtbild des Ortes zu
verbessern.
|
➔
Rainer
Liermann,
Einzelkandidat
Das Grand Hotel kann nur
eine
wirt schaftliche Komponente
im Erholungsensemble des Ostseebades Heiligendamm und der Stadt
Bad Doberan sein.
Andere weniger exquisite
Erholungseinrichtungen,
müssen noch angesiedelt werden.
Erst das breite
Tourismusangebot für alle Einkommensschichten garantiert eine
Vielzahl von Arbeitsplätzen im örtlichen Dienstleistungsgewerbe.
|
➔
Birgit
Mersjann,
SPD
Eine große Bedeutung.
Ein florierendes Hotel gibt Bad Doberan und der Region Gäste für
die Gastronomie, Kunden für die Geschäfte, Aufträge für die
Handwerker und Gewerbetreibenden
und Arbeitsplätze in den
genannten Branchen.
|
WIE WOLLEN SIE DAS GRAND HOTEL
UND DIE ECH IN IHRER POLITISCHEN ARBEIT IN DER KOMMENDEN WAHLPERIODE
BEGLEITEN?
|
➔
Dieter
Abeling,
CDG
Wir werden das Projekt
entsprechend der vertraglichen
Vorgaben kritisch, aber auch
positiv begleiten.
|
➔
Jochen Arenz,
Einzelkandidat
Ich werde das Grand Hotel
und ECH konstruktiv, aber
auch kritisch in die Pflicht
nehmen.
Jede Entwicklung, die Arbeitsplätze sichert und
sich nicht gegen Natur und
Menschen richtet, erhält von
mir die volle Unterstützung.
Wichtig ist das Eingehen von
Kompromissen zum Wohle
aller Beteiligten.
Dies ist machbar!
|
➔
Herbert
Baor,
HGV
Als Kommunalpolitiker habe
ich Pflichten.
Und dazu gehört auch die Unterstützung von
Unternehmen, die
Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen.
Somit ist logisch, dass ich
jederzeit eine
Weiterentwicklung des Grand Hotels und der noch umzusetzenden
Vorhaben
unterstützen werde.
|
➔
Anke Bitter,
Bündnis für Bad Doberan
Durch ehrlichen
vertrauensvollen Umgang miteinander und die Rückbesinnung auf
sachliche Diskurse.
|
➔
Caroline
Brandt,
CDU
Das Grand Hotel an sich
braucht von Seiten der
Politik
keine Unterstützung mehr.
Wohl aber die für das Hotel
notwendigen ergänzenden
Angebote.
Diese sollten in verträglicher Zeit realisiert werden.
Dabei ist sowohl die Politik mit der Fassung von Beschlüssen,
die die positive Entwicklung in angemessener Zeit und in
verträglichem Maße fördern, als auch die ECH als Entwickler der
Vorhaben gefragt.
Nur gemeinsam kann ein Erfolg für Doberan und seine Bürger
erzielt werden.
|
|
➔
Gerlinde
Heimann,
Die Linke
Unsere Ziele sehen wir schon
darin, dass der Kur-,
Gesundheits- und Tourismusbetrieb
verstärkt schwerpunktmäßig
zu entwickeln ist.
|
➔
Heinz Keuer,
Bündnis 90 / Die Grünen
Heiligendamm hat sich nicht
so entwickelt, wie es
geplant
war und es von den Bad
Doberaner Bürgern erwartet
wurde.
In den letzten Jahren standen im Mittelpunkt der
öffentlichen Diskussion eher
Schuldzuweisungen als die
Suche nach Lösungswegen.
Hier will ich Änderungen
bewirken.
Gerne helfe ich Hotel und ECH, ihre Auftragsvergabe in der
Region zu halten bzw. zurückzuholen
|
➔
Harry
Klink,
FDP
Alle Seiten müssen
Gesprächsbereitschaft zeigen,
um die notwendigen
Kompromisse zu erzielen.
Es geht nicht darum, Investoren Steine in den Weg zu legen,
sondern Wege zu finden, den Interessen der Beteiligten so gut
wie möglich gerecht zu werden.
Viele andere Firmen unserer
Stadt arbeiten mit uns ohne
Aufsehen gemeinsam
erfolgreich und kompromissbereit.
|
➔
Rainer
Liermann,
Einzelkandidat
Das Ostseebad Heiligendamm
und die Stadt Bad Doberan
sind als eine sich
ergänzende
touristische Einheit zu
betrachten und zu
entwickeln.
Grand Hotel und die ECH
sind also nur ein Teil
dieser
touristischen Einheit,
genauso
wie andere vorhandene
und neu hinzukommende
touristische Einrichtungen.
|
➔
Birgit
Mersjann,
SPD
Konstruktiv, aber auch immer
wieder hinterfragend und
kritisch.
|
WIE
WOLLEN SIE DIE LOKALE WIRTSCHAFT FÖRDERN UND DABEI HELFEN, NEUE
ARBEITSPLÄTZE ZU SCHAFFEN UND BESTEHENDE ZU ERHALTEN?
|
➔
Dieter
Abeling,
CDG
Wir wollen den Bereich
Kurortmanagement fördern und ausbauen.
Ebenso die Weiterentwicklung
des Klosterareals.
Denn in diesen Bereichen liegt
ein wirtschaftlicher
Schwerpunkt für Bad Doberan.
|
➔
Jochen Arenz,
Einzelkandidat
Unsere lokale Wirtschaft
hängt
stark vom Faktor Tourismus
ab.
Auf diesem Gebiet wurde
bereits viel erreicht, aber
wir
können noch mehr schaffen,
z.B. die einheitliche
Vermarktung des „Produkts Bad Doberan“, ein Ausbau der
Kooperationen, z.B. mit Kühlungsborn, „Molli“ und „Münster“.
Ferner ist die Grenze für die Höhe der Gewerbesteuer erreicht,
mehr kann der lokalen Wirtschaft nicht zugemutet werden.
|
➔
Herbert
Baor,
HGV
Ein Unternehmen kann nur
erfolgreich sein, wenn es
auch
eine stabile politische
Basis
gibt, die sich dem Wohl der
Wirtschaft und somit in der
Konsequenz auch jedes
Bürgers verpflichtet.
Daher muss sich gerade auch die Kommunalpolitik für
ortsansässige Unternehmen stark machen und vernünftige
Grundlagen zur Verfügung stellen!
|
➔
Anke Bitter,
Bündnis für Bad Doberan
Indem wir für eine
investorenfreundliche
Politik stehen und Kontakt
mit Handwerkern und Gewerbetreibenden halten.
|
➔ Caroline
Brandt,
CDU
Die
vorhandenen Firmen sind
zu unterstützen, durch z.B.
Senkung der
Gewerbesteuerhebesätze und der Grundsteuer bei nächster
Gelegenheit.
Zudem ist bei
Neuansiedlungen darauf zu achten, dass diese eine Ergänzung der
vorhandenen Wirtschaft und nicht eine Konkurrenz darstellen.
Die Infrastruktur, Kitas und Schulen sind als notwenige
Rahmenbedingungen
weiter zu verbessern.
|
|
➔
Heinz Keuer,
Bündnis 90 / Die Grünen
Unter anderem durch
Förderung regionaler Kreisläufe und Absatzwege.
Beispiel: Im Mittleren Mecklenburg gibt es viele Druckereien,
die nicht angefragt wurden, die
Zeitung „Zukunft
Heiligendamm“ zu drucken.
Der jetzige Druck in Kiel stärkt nicht die Wirtschaft bei uns
und verursacht zusätzlichen Verkehr.
Hier gilt es, Einfluss auf
die Verantwortlichen in
Heiligendamm zu nehmen.
|
➔
Harry
Klink,
FDP
Der Ortsverband der FDP
hat beschlossen, den
Tourismus als einen Motor für die örtliche Wirtschaft vorrangig
zu fördern.
Tourismusförderung beginnt mit einem Konzept für Bad Doberan und
Heiligendamm, das sowohl die touristische Entwicklung als auch
die Verkehrsplanung umfasst.
Dafür gemeinsam mit den
Menschen zu arbeiten, ist immer erfolgreich.
|
➔
Rainer
Liermann,
Einzelkandidat
Ich bin für
umweltverträgliche
Investitionen in der Stadt
und im Kreis und damit für
die Schaffung von
Arbeitsplätzen, aber nur unter der Bedingung, das dass
Lohnniveau den Arbeitnehmern gestattet,
davon ohne stattliche
Zuschüsse zu leben.
Es muss verhindert werden, dass die kommunalen Abgaben für die
Wirtschaft (z.B. Gewerbesteuern, Grundsteuern, Wasser-
und Abwassergebühren
usw.) steigen. |
➔
Birgit
Mersjann,
SPD
Durch gute und nachhaltige
Beschlüsse der
Stadtvertretung.
|
➔
Gerlinde
Heimann,
Die Linke
Es ist für uns von
Bedeutung, dass bis zum Ende der Wahlperiode Sanierungs-
und
Rekonstruktions-maßnahmenan den vielen maroden Häusern,
insbesondere an der Perlenkette, zum überwiegenden Teil
abgeschlossen sind.
Wir werden diese Vorhaben, soweit vertretbar und für die
Einwohner sowie die Gäste in unserer Region akzeptierbar,
mit unserer
Entscheidungsfindung unterstützen.
|
WAS SOLLTE IN HEILIGENDAMM 2014,
AM ENDE DER WAHLPERIODE, KONKRET ERREICHT SEIN?
|
➔
Dieter
Abeling,
CDG
Es sollten die Bereiche
Kinderstrand und der Bereich in Richtung Börgerende für alle
erlebbar gemacht sein.
Des weiteren sollten
Freizeitangebote für
Einheimische und Gäste in ausreichender Form
vorhanden sein.
Und die Perlenkette sollte fertig gestellt sein.
|
➔
Jochen Arenz,
Einzelkandidat
Wenn ich hoffentlich gesund
bleibe, bin ich 2014 im 49. Lebensjahr.
Dann möchte ich mit meinen
beiden Patenkindern „Anna“ und „Moritz“ durch Heiligendamm
laufen und
mich an den sanierten Villen
und an den glücklichen Urlaubern erfreuen.
Bei „Coco“ werden wir ein
Eis essen, und ich werde den
Kindern erzählen, dass vor fünf Jahren, als sie noch ganz klein
waren, hier noch vieles
verfallen war.
Träumen ist erlaubt…
|
➔
Herbert
Baor,
HGV
Das Jahr 2014 sollte für
Heiligendamm eine blitzsaubere Bilanz aufweisen.
Die Perlenkette muss
fertig gestellt sein, die ganzjährige Erlebbarkeit und der
touristische Wert muss auf Dauer festgemacht werden.
Der internationale Bekanntheitsgrad muss gefestigt sein.
Heiligendamm als
einzigartiges Kleinod in Mecklenburg Vorpommern muss sich mit
seinen sanierten und neuzubauenden
Gebäuden weltweit
präsentieren können!
|
➔
Anke Bitter,
Bündnis für Bad Doberan
Die Perlenkette sollte
vollständig saniert, das Hotel gut besucht sein, eine
Strandoase für unsere
Einwohner sollte fertig sein, einige Zäune durch andere
Sichtbarrieren ersetzt
werden, und Freizeitangebote für alle sollten bestehen, wie zum
Beispiel das Thalassozentrum.
|
➔
Caroline Brandt,
CDU
Auf jeden Fall sollte 2014
die Perlenkette komplett saniert sein.
Schön wäre es, wenn sich zudem das Thalassozentrum und der
Bereich Ayurveda sowie die Häuser westlich des Grandhotels in
der Sanierung befinden würden.
Für die Doberaner wünsche ich mir, dass sich nach Börgerende hin
die Strandversorgung bereits in der Nutzung befindet
und so die Attraktivität des
östlichen Strandabschnittes gesteigert worden ist.
|
|
➔
Heinz Keuer,
Bündnis
90 / Die Grünen
Das Versprechen der ECH ist
eingelöst: Sieben weiße Perlen sind in Heiligendamm zu sehen.
Es ist eine Wegeführung
gefunden, die von
Einheimischen und Gästen der kleinen und großen
Beherbergungsbetriebe
akzeptiert wird.
|
➔
Harry Klink,
FDP
Perlenkette saniert,
Promenade und ganzjährig begehbarer Küstenwanderweg (alternativ)
öffentlich, getunnelter Stichweg für einen zumutbaren Weg
für eine alternde Gesellschaft von den
Haltestellen zur Seebrücke.
Einweihungsfeiern bei Ayurveda- und Thalassozentrum,
plastische Chirurgie sowie
Demmlerpalais.
Baureife für
den B-Plan 18 und den
Golfplatz.
|
➔ Rainer Liermann,
Einzelkandidat
Ein Ostseebad, das mit der
Stadt Bad Doberan ein breitgefächertes Publikum
anspricht und das die
wirtschaftlichen Möglich-keiten der Stadt und des Kreises nutzt
und belebt.
Heiligendamm darf kein
Ostseebad der Luxusklasse werden, das für den
allgemeinen Tourismus und
auch für die Bevölkerung von Heiligendamm und Bad Doberan
gesperrt wird.
|
➔
Birgit Mersjann,
SPD
Die Perlenkette sollte in
neuem
Glanz an der Promenade
leuchten, die weiteren Vorhaben sollten fast fertig sein
und die Heiligendammer,
Bad Doberaner und Gäste
sollten sich wohlfühlen.
|
➔ Gerlinde Heimann,
Die Linke
Wir sind für die
Standortwerbung
zur Ansiedlung
kurortfreundlicher Betriebe, wir sind sehr daran interessiert,
dass sich Heiligendamm zu
einem touristischen Zentrum
mit hohem Niveau entwickelt,
aber standortgerecht und
ohne
Ausgrenzung.
|
Dieser Beitrag stammt aus der zweiten
Ausgabe der Zeitung "Zukunft Heiligendamm.
Auf die Bilder wurde aus
urheberrechtlichen Gründen verzichtet.
Hier gelangen Sie zur vollständigen Ausgabe
Juni 2009.
|
Der Tag danach: Bad
Doberan hat gewählt.
14
alte und 11 neue Gesichter in der SVV.
Die Wahlen liegen nun ein paar
Stunden zurück und die vorläufigen amtlichen Wahlergebnisse liegen vor.
Die Wähler waren aufgerufen, über die Gemeinderäte bzw.
Stadtvertreterversammlungen, Bürgerschaften etc. abzustimmen.
Gleichzeitig wurden auch die Kreistage und das Europäische Parlament
gewählt. In einigen Gemeinden stand auch die Wahl der Bürgermeister an.
In Bad Doberan ging es nur um die Stadtvertreterversammlung (SVV), den
Kreistag und das Europäische Parlament. Die vorläufigen amtlichen
Ergebnisse - Irrtümer und Änderungen vorbehalten - können Sie
nachfolgend entnehmen.
Gelb markiert sind alle, die es in die SVV geschafft haben. Fett und
kursiv markiert sind alle, die schon der alten SVV angehörten. Sind sie
also auch gelb markiert, wurden sie wiedergewählt und sind sie nicht
gelb markiert, müssen sie die SVV verlassen. Kursiv und normal sind alle
Kandidaten markiert, bei denen es nicht für einen Einzug in die SVV
gereicht hat.
|
1 Christlich Demokratische Union Deutschlands, CDU
1
Brandt, Caroline, Rechtsanwältin (Kanzlei
Brandt), geb. 1973 in Rostock (WIEDERGEWÄHLT MIT 4,93%)
2 Tode, Andre, Unternehmer (AWS Tintenhaus), geb. 1980 in Rostock
(KEIN SITZ, DA 0,49%)
3 Losand, Katharina,
Unternehmerin (Weißer Schwan), geb. 1963 in Bad Doberan (EIN SITZ
MIT 1,39%)
4 Kuchenbuch, Rolf-Peter, Prof. Dr. (Uni Rostock), geb. 1954 in
Eschwege (EIN SITZ MIT 1,87%)
5 Krauleidis, Stephan Kaufmänn. Angestellter, geb. 1974 in
Rostock (KEIN SITZ, DA 1,21%))
6 Zajonc, Stephanie, Angestellte (Anwaltskanzlei), geb. 1978 in
Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,66%)
7 Seehaus, Joachim Dipl.
Ing. (Rentner), geb. 1942 in Berlin (EIN SITZ MIT 1,66%)
8 Unger, Jörg, Unternehmer (Abwassertechnik Unger), geb 1974 in
Kaltenkirchen (KEIN SITZ, DA 0,49%)
9 Krüger, Svea, Unternehmerin (Nagelstudio Secret Nail Art), geb .
1980 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,50%)
10 Schnippering, Michael, Angestellter, geb. 1963 in Wismar (2004
bis 2009 als sachkundiger Einwohner in der SVV) (KEIN SITZ, DA
0,84%)
11 Tode, Sandra, Einzelhandelskauffrau (AWS Tintenhaus), geb. 1975
Rostock (KEIN SITZ, DA 0,27%)
12 Sähn, Peter, Dipl.-Kaufmann (ECH und ECW), geb. 1937 in
Konstadt (KEIN SITZ, DA 0,88%)
13 Schulz, Thomas, Werbekaufmann, geb. 1973 in Rostock (KEIN SITZ,
DA 0,44%)
Diese SVV-Mitglieder der CDU traten nicht mehr an:
Andreas Unterfranz (kandidiert für den Kreistag)
Kati Hoffmeister (kandidiert für den
Kreistag)
Brigitte Felten
2 Die Linke
1
Heimann, Gerlinde, Finanzwirtschaftlerin, geb. 1941 in Labes
(Pommern) (2004 bis 2009 als sachk. Einwohnerin in der SVV)
(WIEDERGEWÄHLT MIT 7,20%)
2 Schneider, Monika, Diplomingenieurin, geb. 1954 in Leipzig
(WIEDERGEWÄHLT MIT 2,27%)
3 Keding, Friedrich, Schiffsingenieur, geb. 1938 in Rostock
(WIEDERGEWÄHLT MIT 2,49%)
4 Grätz, Gunnar Diplomkulturwissenschaftler, deutsch, 1958 in
Rostock (KEIN SITZ, DA 1,84%)
5
Scholz, Arnold Schiffbauer, geb. 1937 in Boizenburg (WIEDERGEWÄHLT
MIT 2,29%)
Diese SVV-Mitglieder der
Linkspartei treten nicht mehr an:
Heinz Paape
3 Sozialdemokratische Partei
Deutschlands, SPD
1 Mersjann, Birgit,
Juristin, geb. 1961 in Münster (WIEDERGEWÄHLT MIT 3,38%)
2 Baltzer, Ulrich, Bauingenieur, geb. 1954 in Stendal
(WIEDERGEWÄHLT MIT 3,40%)
3 Zeug, Gebhard, Maschinenbauer, geb. 1947 in Stülow
(WIEDERGEWÄHLT MIT 2,26%)
4 Drese, Stefanie, Rechtsanwältin (Kanzlei), geb. 1976 in Rostock
(EIN SITZ MIT 2,14%)
5 Schwarz, Kurt, Rentner, geb. 1928 in Berlin (KEIN SITZ, DA
0,71%)
6 Drese, Matthias, Rechtsanwalt (Kanzlei), geb. 1970 in Nordhausen
(KEIN SITZ, DA 0,71%)
7 Weber, Harald, Dipl.-Ingenieur (Rentner), geb. 1954 in Heidenheim
(KEIN SITZ, DA 0,44%)
8 Leuchert, Marta, Schülerin, geb. 1991 in Kühlungsborn (KEIN SITZ,
DA 0,82%)
9 Wiegand-Hoffmeister, Bodo, Direktor, (Fachhochschule) geb. 1966
in Essen (KEIN SITZ, DA 0,65%)
10 Scheffler, Burkhard, Lehrer, geb. 1955 in Greifswald (KEIN SITZ,
DA 1,23%)
11 Wolfgramm, Reinhard, Dipl. Ing., geb. 1949 in Greifswald (KEIN
SITZ, DA 0,32%)
12 Witte, Hans-Jürgen, Rentner, geb. 1938 in Waren (KEIN SITZ, DA
0,41%)
13 Eulner, Peter, Rechtsanwalt, geb. 1961 in Hanau (KEIN SITZ, DA
0,50%)
14 Becker, Henning, Jurist, geb. 1961 in Kiel (KEIN SITZ, DA 0,19%)
4 Freie Demokratische Partei, FDP
1 Klink, Harry,
Diplomlehrer, geb. 1955 in Zwickau (WIEDERGEWÄHLT MIT 1,86%)
2 Fritze, Hans-Jürgen Stieler, Dipl.-Ingenieur (Rentner), geb.
1941 in Rostock (KEIN SITZ, DA 0,26%)
3 Stieler, Roman, Student, geb. 1984 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA
0,84%)
4 Wosar, Tom, Koch, geb. 1965 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,99%)
5 Elbrecht, Lutz-Eckart, Bauingenieur, geb. 1944 Rostock (2004
bis 2009 für die DoM) (KEIN SITZ, DA 0,95%)
6 Stracke,
Sylvia, Steuerberaterin, geb. 1948 in Kitzingen (EIN SITZ MIT 1,14%)
7 Heide, Christine, selbst. Heilpraktikerin, geb. 1962 Bad
Doberan (KEIN SITZ, DA 0,39%)
8 Rolfs, Stephan, Gastronom, geb. 1968 in Rostock (KEIN SITZ, DA
0,09%)
9 Giersberg, Stephan, Hotelbetriebswirt, geb. 1979 in Kühlungsborn
(KEIN SITZ, DA 0,56%)
10 Weidt, Jan, Versicherungsfachmann, geb. 1961 in Berlin (KEIN
SITZ, DA 0,55%)
11 Kolodziej, Uwe, Tierarzt (eig. Praxis), geb. 1943 in Bad Doberan
(KEIN SITZ, DA 0,86)
12 Gläser, Klaus-Dieter, Bauingenieur, geb. 1945 Leipzig (KEIN SITZ,
DA 0,18%)
13 Peter, Lothar, Elektromeister (Fa. Lothar Peters), geb. 1946
Herrenburg (KEIN SITZ, DA 0,50%)
5 Bündnis 90 / Die Grünen, GRÜNE
1 Keuer, Heinz,
Dipl.-Mathematiker, geb. 1954 in Neubukow (WIEDERGEWÄHLT MIT 1,49%)
2 Keueré Gyüre, Gabriella, Dipl.-Mathematikerin, geb. 1957
in Kisvarda (Ungarn) (KEIN SITZ, DA 0,40%)
3 Will, Rolf, Landwirt, geb. 1953 in Karlsruhe (KEIN SITZ, DA 0,56%)
4 Fehmers, Elisabeth Univ.-Dipl.-Psychologin (eig. Praxis) geb. 1948
in Krefeld (KEIN SITZ, DA 0,64%)
5 Orth, René, Angestellter, geb. 1965 Kühlungsborn (2004 bis 2009
für den Bürgerbund) (KEIN SITZ, DA 1,16%)
6 Nationaldemokratische Partei Deutschlands, NPD
1 Susemihl, Dirk, Koch,
geb. 1974 in Rostock (EIN SITZ MIT 2,53%)
2 Bethke, Dirk, Koch, deutsch 1969 in Kühlungsborn (EIN SITZ MIT
1,28%)
3 Dietze, Andreas, Gas-Wasser-Installateur, geb. 1984 in Rostock
(KEIN SITZ, DA 0,98%)
4 Zahradnik, Stefan, Dachdecker, geb. 1983 in Kühlungsborn (KEIN
SITZ, DA 0,85%)
7 Bündnis für Bad Doberan
1 Bitter, Anke Finanzkauffrau, geb. 1964 in Kühlungsborn (KEIN
SITZ, DA 0,84%)
2 Schürmann, Wolfgang Vermessungstechnischer Angestellter, geb. 1963
in Crivitz (KEIN SITZ, DA 0,31%)
3 Pieplow, Frank
Lehrer, geb. 1966 in Rostock (2004 bis 2009 fraktionslos)
(WIEDERGEWÄHLT MIT 1,49%)
4 Paap, Siegfried,Rentner, geb. 1943 in Warnemünde (KEIN SITZ, DA
0,44%)
8 Bürgerbund
1 Meyer, Hannes
Architekt, (Meyer Ohde Architekten), geb. 1965 in Kühlungsborn (EIN
SITZ MIT 2,57%)
2 Lex, Guido Vors. Richter am Landgericht, geb. 1956 in Heidelberg
(EIN SITZ MIT 2,01%)
3 Hoinkis, Heinz, Rechtsanwalt, geb. 1949 in Altheide 1,11%)
4 Behrens, Klaus-Peter, Kaufmann, geb. 1962 in Neindorf 1,41%)
5 Roggelin, Hannes,
Ausbildung zum Justizfachangestellten geb. 1989 in Kühlungsborn (EIN
SITZ MIT 1,49%)
6 Ohde, Heike, Architektin (Meyer Ohde Architekten), geb. 1972 in
Rostock (KEIN SITZ, DA 1,06%)
7 Goldberg, Matthias Dipl.-Ing., geb. 1971 in Rostock (KEIN SITZ, DA
0,21%)
8 Zimmermann, Sabine, Unternehmerin, geb. 1970 in Rostock (KEIN
SITZ, DA 0,14%)
9 Meyer, Inge, Rentnerin, geb. 1937 in Stettin (KEIN SITZ,
DA 0,26%)
10 Rehwaldt, Helge, Rentner (u.a. Buchautor), geb. 1937 in
Berlin (KEIN SITZ, DA 0,42%)
11 Strebe, Carla, Architektin, geb. 1951 in Minden (KEIN SITZ, DA
0,39%)
12 von Hof, Gerda, Rentnerin, geb. 1936 in Bad Doberan (KEIN SITZ,
DA 0,46%)
Dieter
Rotscheidt stand von 2004-2009 als sachkundiger Einwohner zur
Verfügung.
9 Christlich Demokratische
Gemeinschaft, CDG
1 Abeling, Dieter, Kaufmann, geb. 1952 in Barver (KEIN
SITZ, DA 0,41%)
2 Pentzien, Lutz, Unternehmer (Fa. Pentzin), geb. 1958 Bad Doberan
(KEIN SITZ, DA 0,57%)
3 Gühler, Horst,
Bauingenieur (ehem. Bauamtsleiter DBR), geb. 1940 in
Ramsau/Allenstein (WIEDERGEWÄHLT MIT 0,95%)
10 Handwerker- und Gewerbeverein, HGV
1 Baor, Herbert,
Unternehmer (Fa. Baor), geb. 1955 in Neubukow (WIEDERGEWÄHLT MIT
4,03%)
2 Hensel, Wolfgang, Unternehmer (Fa. Hensel), geb. 1961 in Bad
Doberan (KEIN SITZ, DA 0,76%)
3 Ewig, Oliver, Kaufm. Angestellter, geb. 1963 in Hamburg
(KEIN SITZ, DA 0,24%)
4 Kujas, Jörn-Jens, Rechtsanwalt (eig. Kanzlei), geb. 1966 in Sande
(KEIN SITZ, DA 0,71%)
5 Hopp, Christine, Ing.-Ökonom, geb. 1963 in Bad Doberan (KEIN SITZ,
DA 0,50%)
6 Gehrke, Uta,
Augenoptikerin, (Optiker Gehrke) geb. 1969 in Brehna/Bitterfeld (EIN
SITZ MIT 1,78%)
7 Kleinow, Manfred Maurermeister (Fa. Kleinow), deutsch 1959 in
Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,86%)
8 Lange, Gerhard, Meister für Landtechnik, geb. 1955 in Bad
Doberan (KEIN SITZ, DA 0,56%)
Diese SVV-Mitglieder des HGV
treten nicht mehr an:
Ulrich Ludwig
11 Einzelbewerber Arenz
1 Arenz, Jochen,
Heimleiter (Johanneshaus), geb. 1965 in Hilden (WIEDERGEWÄHLT MIT
2,76%)
12 Einzelbewerber Gipp
1 Gipp, Thomas, Diplomkaufmann, geb. 1968 in Bad Doberan (KEIN
SITZ, DA 1,56%)
13 Einzelbewerber Liermann
1 Liermann, Rainer, Rentner, geb. 1947 in Kröpelin (KEIN SITZ, DA
0,51%)
14 Einzelbewerber Ludwig
1 Ludwig, Ulrich Rentner, geb. 1942 in Heiligendamm (KEIN SITZ,
DA 1,26%)
Diese SVV-Mitglieder scheiden aus:
Peter Husar (DoM) Die "Doberaner Mitte"
hat sich aufgelöst.
|
Diese
Stadtvertreter müssen die SVV verlassen:
Michael Schnippering
(CDU), Bodo Wiegand-Hoffmeister (SPD), Lutz-Eckart Elbrecht (FDP), René
Orth (bisher Bürgerbund, jetzt B'90/Grüne), Klaus Peter Behrens
(Bürgerbund), Inge Meyer (Bürgerbund), Dieter Abeling (CDG) und Lutz
Pentzin (CDG). Außerdem Andreas Unterfranz (CDU), Kati Hoffmeister
(CDU), Brigitte Felten (CDU), Heinz Paape (Die Linke) und Peter
Husar, weil sie nicht mehr kandidiert haben und Ulrich Ludwig, (HGV),
der als Einzelkandidat antrat und nicht genug Stimmen bekam.
Diese Stadtvertreter bleiben in
der SVV:
Caroline Brandt (CDU), Gerlinde
Heimann (Die Linke), Monika Schneider (Die Linke), Friedrich Keding (Die
Linke), Arnold Scholz (Die Linke), Birgit Mersjann (SPD), Ulrich Baltzer
(SPD), Gebhard Zeug (SPD), Harry Klink (FDP), Heinz Keuer (Grüne), Frank
Pieplow (bisher parteilos, jetzt BFBD), Horst Gühler (CDG), Herbert Baor
(HGV) und Jochen Arenz (Einzelkandidat).
Diese Stadtvertreter ziehen neu
in die SVV ein:
Katharina Losand (CDU), Prof.
Dr. Rolf-Peter Kuchenbuch (CDU), Joachim Seehaus (CDU), Stefanie Drese
(SPD), Sylvia Stracke (FDP), Dirk Susemihl (NPD), Dirk Bethke (NPD),
Hannes Meyer (Bürgerbund), Guido Lex (Bürgerbund), Hannes Roggelin
(Bürgerbund), Uta Gehrke (HGV)
Die sachkundigen Bürger werden
erst später bestimmt. Bis auf weiteres sind alle vorhandenen
sachkundigen Bürger nicht mehr im Amt.
|
Analyse nach Parteien:
Die SPD ist nach
Stimmen die stärkste Fraktion mit 2.402 Stimmen (17,15%). Sie stellt
4 Stadtvertreter, von denen drei der alten SVV angehörten und einer
neu hinzu kommt. Ein Stadtvertreter verlässt die SVV, sodass
die Ausgangslage der SPD dieselbe ist, wie in der voran gegangenen
Legislaturperiode.
Die Linke ist
nach Stimmen die zweitstärkste Fraktion mit 2.252 Stimmen (16,08%).
Sie stellt 4 Stadtvertreter, die allesamt der alten SVV angehörten.
Auch hier ist die Ausgangslage dieselbe, wie in der voran gegangenen
Legislaturperiode.
Die CDU ist nach
Stimmen die drittstärkste Fraktion mit 2.188 Stimmen (15,63%). Sie
stellt 4 Stadtvertreter, von denen einer der alten SVV angehörte und
drei neu hinzu kommen. Drei Stadtvertreter verlassen die SVV, sodass
auch hier die Ausgangslage dieselbe ist, wie in der voran gegangenen
Legislaturperiode. Trotz Quereleien im Vorfeld.
Nachtrag: Herr Seehaus ist der Fraktion nicht beigetreten. Damit
sind es nur drei Fraktionsmitglieder.
Der Bürgerbund
ist nach Stimmen die viertstärkste Fraktion mit 1.616 Stimmen
(11,54%). Er stellt 3 Stadtvertreter, die allesamt neu hinzu kommen.
Die bestehenden
drei Stadtvertreter verlassen die SVV, sodass sich in der
Ausgangslage gegenüber der voran gegangenen Legislaturperiode nichts
ändert. Allerdings waren Pressesprecher und 2. Stellvertreter
Klaus-Peter Behrens und Parteimitglied Inge Meyer bisher die am
meisten wahrgenommenen Personen neben Heike Ohde und Hannes Meyer.
Hier wurden also einzelne Kandidaten abgestraft, während die Partei
selbst darunter nicht leidet.
Der HGV ist nach
Stimmen die Nummer 5 in der SVV mit 1.323 Stimmen (9,45%). Er stellt
2 Stadtvertreter, von denen einer der alten SVV angehörte und einer
neu hinzu kommt. Damit hat der HGV nun einen Sitz mehr in der SVV.
Die Anbandelung der ECH hat ihm also keinen Schaden zugefügt.
Die FDP ist nach
Stimmen die Nummer 6 in der SVV mit 1.285 Stimmen (9,16%). Sie
stellt 2 Kandidaten, von denen einer der alten SVV angehörte und
einer neu hinzu kommt. Ein Stadtvertreter verlässt die SVV, sodass
auch hier die Ausgangslage dieselbe ist, wie in der voran gegangenen
Legislaturperiode.
Die NPD ist nach
Stimmen die Nummer 7 in der SVV mit 789 Stimmen (5,63%). Sie zieht
mit zwei Kandidaten neu in die SVV ein.
Die Grünen sind
nach Stimmen die Nummer 8 in der SVV mit 594 Stimmen (4,24%). Sie
stellen einen Kandidaten, der auch schon der alten SVV angehörte.
Auffällig bei den Grünen ist, dass der vom Bürgerbund
übergewechselte René Orth allein fast so viele Stimmen auf sich
vereinen konnte, wie die drei restlichen Kandidaten zusammen.
Man sieht auch hier, dass in Bad Doberan nicht nach Partei, sondern
nach Kandidat gewählt wird.
Für die Grünen
ändert das nichts: Es bleibt bei Stadtvertreter Heinz Keuer in der
SVV.
Die Nummer 9 der
nach Stimmen stärksten Partei ist das Bündnis für Bad Doberan mit
432 Stimmen (3,09%).
Auch hier wurde
nach Kandidaten gewählt:
Der bisher fraktionslose Frank Pieplow konnte allein fast die Hälfte
der Stimmen auf sich vereinigen: 209 Wahlberechtigte stimmten für
ihn und nur 118 für die Parteichefin Anke Bitter. Das Bündnis für
Bad Doberan zieht damit gleich nach seiner Gründung erstmals in die
SVV ein - mit dem altbekannten Gesicht Frank Pieplows.
Nummer 10 ist
Einzelkandidat Jochen Arenz, der 386 Wähler überzeugen konnte und
mit 2,76% noch den vorletzten Platz erreichen.
Sein Votum für
Heiligendamm und seine öffentliche Präsenz machten sich bezahlt.
Er ist damit
jetzt der einzige fraktionslose Stadtvertreter in der neuen SVV.
Die Nummer 11 der
nach Stimmen stärksten Fraktion ist die CDG mit 271 Stimmen (1,94%).
Sie zieht nur
noch mit einem Stadtvertreter in die SVV ein. Horst Gühler gehörte
auch schon der alten SVV an und konnte 133 Stimmen auf sich
vereinigen. Dieter Abeling und Lutz Pentzin konnten nicht überzeugen
und verlassen die SVV. Damit bildet die CDG zwar das Schlusslicht
nach Stimmen, ist aber nicht die schwächste Fraktion, da auch BFBD
und Grüne nur einen Stadtvertreter stellen können.
Ergebnisse Bad Doberan
gesamt im ÜberblichK:
1. SPD (17,15%)
2. Die Linke (16,08%)
3. CDU (15,63%)
4. Bürgerbund (11,54%)
5. HGV (9,45%)
6. FDP (9,16%)
7. NPD (5,63%)
8. Grüne (4,24%)
9. BFBD (3,09%)
10. Jochen Arenz (2,76%)
11. CDG (1,94%)
12. Sonstige (2,09%)
Wie
hat Heiligendamm und wie Vorder Bollhagen gewählt?
Zuerst sei
gesagt, dass jeder Wähler drei Kreuze machen durfte.
Das bedeutet,
dass die Gesamtsumme der abgegebenen Stimmen nicht der Zahl der
Wähler entspricht.
In Heiligendamm
wurden 275 Kreuze gemacht. 114 gingen an den Bürgerbund, 39 an die
SPD, 30 an die Linke, 20 an die FDP, 19 an die CDU, 16 an das BFBD,
11 an die Grünen, 9 an die NPD, 7 an Ulrich Ludwig, 6 an den HGV und
4 an Jochen Arenz. Die CDG, Thomas Gipp und Rainer Liermann
erhielten keine Stimmen.Die meisten Stimmen überhaupt bekam Hannes
Meyer vom Bürgerbund mit 47 Stimmen, gefolgt von seinem
Parteikollegen Klaus Peter Behrens mit 29 Stimmen. Heiligendamm
votierte also eindeutig für den Bürgerbund und gegen die Pläne der
ECH. Der dritte Platz geht an Gerlinde Heimann (Die Linke) mit 16
Stimmen. Die 9 Stimmen für die NPD gingen an Dirk Susemihl (7
Stimmen) und Andreas Dietze und Stefan Zahradnik mit je einer
Stimme. Das Wahllokal war in der Median-Klinik.
Ergebnisse in Heiligendamm
im Überblick:
1. Bürgerbund (41,45%)
2. SPD (14,18 %)
3. Die Linke (10,91%)
4. FDP (7,27%)
5. CDU (6,91%)
6. BFBD (5,82%)
7. Grüne (4,00%)
8. NPD (3,27%)
9. Ulrich Ludwig (2,55%)
10. HGV (2,18%)
11. Jochen Arenz (1,45%)
12. Sonstige (0,00%)
In Vorder
Bollhagen wurden 223 Kreuze gemacht . 93 von ihnen gingen an die
CDU, 41 an die SPD, 31 an die Linke, 15 an den Bürgerbund, 13 an die
FDP, 10 an das BFBD, 9 an die NPD, 8 die Grünen und 3 an den HGV.
Die CDG und die drei Einzelkandidaten erhielten keine Stimmen. Die
meisten Stimmen überhaupt erhielt Peter Sähn von der CDU, der auch
kaufmännischer Leiter der ECH ist. Anno August Jagdfeld und seine
Familie allein dürften das nicht hinbekommen haben - Sähn genießt
auf dem Landgut des Grand Hotels scheinbar hohes Ansehen. Ihm folgen
Gerlinde Heimann (Die Linke) mit 20 Stimmen, sowie Ulrich Baltzer
(SPD und Caroline Brandt (CDU) mit je 12 Stimmen.
Die 9 Stimmen für
die NPD konnte Spitzenkandidat Dirk Susemihl ganz auf sich
vereinigen. Das Wahllokal befand sich im Gutshaus.
Ergebnisse in Vorder
Bollhagen im Überblick:
1. CDU (41,70%)
2. SPD (18,39%)
3. Die Linke (13,90%)
4. Bürgerbund (6,73%)
6. FDP (5,83%)
7. BFBD (4,48%)
8. NPD (4,04%)
9. Grüne (3,59%)
10. HGV (1,35%)
11. Sonstige (0,00%)
Zwei Statistiken,
die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im kleinen Dorf
Vorder-Bollhagen zeigt sich das klassische Gewinnermodell - es
gewinnt die CDU oder die SPD - in dem Fall eben die CDU. An dritter
Stelle ist dann immer die Linke oder der von den beiden, der nicht
erster ist - in diesem Fall ist es die Linke. Der Bürgerbund kommt
erst an vierter Stelle und die Einzelkandidaten spielen gar keine
Rolle. Vorder Bollhagen ist konservativ mit einer leichten Tendenz
nach links. So wählen Menschen, die zufrieden sind. Aber es darf
nicht vergessen werden, dass die Führungspartei in der
Stadtverwaltung die SPD war und die vielen CDU-Stimmen auch ein
leiser Protest gegen die Politik des Bürgermeisters sein kann. In
Heiligendamm bietet sich ein gänzlich anderes Bild. Der Bürgerbund
gewinnt haushoch, vereint sogar auf zwei seiner Kandidaten die
meisten Stimmen und drängt die Konservativen in die Ecke. Die SPD
ist mit großem Abstand die Nummer zwei, gefolgt von der Linken und
der FDP, die beide dafür stehen, dass es nicht noch mehr Sperrungen
und Entwidmungen gibt. Die Heiligendammer stimmten eindeutig gegen
das, was der ECH wichtig ist. Spätenstens jetzt dürfte klar sein,
dass es nicht gut war, die Heiligendammer nicht in die Planungen
einzubeziehen. Selbst die CDU - in Vorder Bollhagen noch klarer
Sieger - schafft es nur auf den 5. Platz, gefolgt vom Bündnis für
Bad Doberan, den Grünen und der NPD, die hier alle Stimmen auf einen
Kandidaten vereinigen konnte. Gemeinsam haben beide Statistiken nur
Platz 9 bei je 9 Stimmen für die NPD. Auffällig in Heiligendamm ist
auch, dass hier die beiden Einzelkandidaten Ludwig und Arenz. Arenz'
Engagement zahlt sich also aus.
Der HGV mit
seiner Pro-ECH-Einstellung spielt in beiden Orten keine große Rolle.
In Heiligendamm
wurden ihm mehr Stimmen als in Vorder Bollhagen gegeben.
Was bedeutet das für die nächsten 4 Jahre für Heiligendamm?
Das ist wohl die
Hauptfrage nach der Wahl. An der Sitzverteilung ändert sich zunächst
nicht viel:
Es bleibt bei 4 Sitzen für die SPD, für die Linke und
für die CDU.
Auch die FDP und
die Grünen bleiben mit je einem Sitz und mit den alten Gesichtern im
Rathaus.
Der Bürgerbund stellt weiterhin drei Stadtvertreter, die
aber allesamt neu in der SVV sind.
Jedoch ist kaum zu erwarten, dass
sich deren Abstimmungsverhalten gegenüber ihren Vorgängern ändert.
Die CDG verliert
zwei Sitze und damit zwei Leute, die hin und wieder mal für die
Vorlagen der ECH gestimmt haben.
Dafür gewinnt der HGV einen Sitz
hinzu, womit er einen weggefallenen Sitz der CDG kompensieren
könnte, denn der HGV ist mehrheitlich Pro-ECH gestimmt. Inwieweit
das auf die neue Kandidatin auch zutrifft, muss sich erst zeigen.
Ebenso offen ist das Abstimmungsverhalten des BFBD (Bündnis für Bad
Doberan). Wird Frank
Pieplow weiterhin so stimmen, wie bisher oder ordnet er sich der
Mehrheit seiner Partei unter?
Völlig offen ist auch das Verhalten
der NPD. Sie hat sich bisher überhaupt nicht zu Heiligendamm
geäußert. Da die NPD aber Kapital und Privateigentum nicht gerade
unterstützt, könnten hier zwei neue Gegner der ECH sitzen. Jochen
Arenz ist als einziger fraktionsloser Stadtvertreter nun auf sich
allein gestellt. Seine Positionen haben sich ein wenig während der
letzten vier Jahre geändert, sodass er sowohl bei Pro, als auch bei
Contra das Zünglein an der Waage sein könnte. Peter Sähn - das
sichere Pro für die ECH - hat es nicht in die SVV geschafft.
Es bleibt also alles offen.
Jedoch möchte
ich zum Schluss noch einmal ein paar Anmerkungen zu den Kandidaten
machen.
Wir haben
gesehen, dass Caroline Brandt den Unmut der Bürger hervor rief, als
sie diese von einer Versammlung ausschloss. In Folge kam es zu einer
heftigen Diskussion, in der auch das Kandidatenlisten- Debakel der
CDU wieder aufgepuscht wurde. Die CDU ging mit vielen neuen
Kandidaten ins Rennen und die Spitzenkandidaten kandidierten nicht
mehr für die SVV, sondern für den Kreistag. Auf der letzten Sitzung
der SVV wollten Brandts Gegner eine Amtsenthebung erreichen, die
aber scheiterte: Die SVV schenkte Caroline Brandt mehrheitlich das
Vertrauen für diesen letzten Tag. Auch die Wähler schenkten ihr das
Vertrauen: 690 Stimmen konnte sie auf sich vereinigen. Nur Gerlinde
Heimann von der Linken hatte mehr Stimmen. Caroline Brandt haben
also weder die CDU-Affäre, noch der Rauswurf der Bürger etwas
geschadet.
Hingegen wurden
Klaus-Peter Behrens und Inge Meyer vom Bürgerbund abgestraft.
Insgesamt hat die Partei aber gewonnen, denn sie stellt nun auch
ohne den sachkundigen Bürger drei Stadtvertreter. Trotz
Aufklärungskampagne der ECH gab es immer noch 1.616 Kreuze für den
Bürgerbund. Dem Handwerber- und Gewerbeverein hat die
"Kuschel-Aktion" der ECH ebenfalls nicht geschadet. Kandidat Ulrich
Ludwig trat ohnehin nicht mehr für den HGV an, sodass Uta Gehrke im
Prinzip seine Nachfolgerin wurde.
Der Versuch, auch
ohne das HGV-Mandat in die SVV zu kommen, scheiterte für Ulrich
allerdings. Er muss die SVV verlassen.
Gipp und Liermann
konnten sich nicht behaupten. Sie waren auch recht unbekannt und nur
Gipp hat überhaupt einigermaßen flächendeckend Wahlwerbung
verbreitet.
Er warb mit einem
weitestgehend offenen Heiligendamm aber war auch für die
Umgehungsstraße, wenngleich er eine umweltfreundliche wollte. Wie
die aussehen soll, war in seiner Werbung nicht zu lesen und so
konnte er auch bei den Umgehungsstraßen-Zweiflern nicht punkten.
Bei Frank Pieplow
und René Orth wird deutlich, dass die Bad Doberaner nicht
grundsätzlich für Parteien stimmen, sondern sich auf Kandidaten
festlegen. Beide sind neu in ihren Parteien und konnten dort sehr
gute Ergebnisse erzielen. Bei René Orth hat es nicht dazu gereicht,
Fraktionschef Heinz Keuer zu übertrumpfen aber Frank Pieplow konnte
sogar mehr Stimmen auf sich vereinen, als drei von vier seiner
Parteifreunde zusammen. Damit sitzt hier nicht Parteichefin Anke
Bitter in der SVV, sondern der bisherige Einzelkandidat und nun
BFBD-Mitglied Pieplow. Es ist also nicht wichtig, welcher Fraktion
die Leute angehören, solange sie in den Augen der Wähler gute Arbeit
machen. Auch ein Wechsel der Fraktion hat kaum Auswirkungen auf die
Bewertung durch die Wähler. So hat auch Anke Bitter sicherlich die
Stimmen vieler Anhänger, die sie schon zu Zeiten ihrer Kandidatur
für die Linke hatte. Anders sind die 118 Stimmen kaum zu erklären.
Abgestraft wurden neben Behrens und Meyer auch Pentzin und Abeling.
Sie konnten die Wähler nicht überzeugen. Für die 'CDG bedeutet das
einen herben Verlust von zwei Sitzen.
Belohnt für ihr
Engagement in Heiligendamm wurden Harry Klink (FDP), Jochen Arenz
(fraktionslos) und Friedrich Käding (Die Linke). Sie dürfen in der
SVV bleiben.
Die klaren Sieger
der Kommunalwahlen sind jedoch die Nationaldemokraten um Dirk
Susemihl. Ist Bad Doberan nun rechts? Schauen wir uns das einmal
näher an:
Die NPD zieht mit zwei Stadtvertretern in die
Stadtvertreterversammlung ein. Eine Analyse.
Zunächst
einmal müssen wir die Zahlen auseinander nehmen.
Die NPD hat 789
Kreuze auf sich vereinigen können. 354 davon hat Dirk Susemihl
bekommen, 179 gingen an Dirk Bethke, 137 an Andreas Dietze, 119 an
Stefan Zahradnik.
Es wurden insgesamt 14.003 gültige Kreuze gemacht. Wie viele
Wahlberechtigte es gab und wie viele von ihnen gewählt haben, trage
ich an dieser Stelle noch nach.
Wichtig ist,
dass wir uns die Wahlkreise anschauen:
Auf dem Buchenberg (WBZ 1
und 2 - KITA (123) und Sporthalle (77)) hat die NPD genau 200
Stimmen bekommen.
Der Buchenberg
ist ein Plattenbaugebiet mit mittelmäßigem Sanierungsstand und eher
tristem Umfeld.
Mehrheitlich wohnen hier ältere Leute aber es gibt auch junge
Familien und Alleinstehende.
Eine Schule, ein Kindergarten, eine Kaufhalle und medizinische
Angebote sind vorhanden.
Die Wohnungen auf
dem Buchenberg gehören mit zu den preisgünstigsten der Stadt, sodass
hier traditionell eher Gering- und Durchschnittsverdiener
anzutreffen sind. Stärkste
Kraft auf dem Buchenberg ist die Linke, gefolgt von der SPD und
danach der CDU. Stärkste Kandidatin ist Gerlinde Heimann (Die Linke)
mit 208 Stimmen.
In der Randlage
zwischen Bahnhof und Buchenberg (WBZ 3 und 4 - KITA (70) und
Kirchengemeindehaus (76)) erreichte die NPD nur noch 146 Stimmen für
die NPD. An den Buchenberg grenzen die Wohngebiete "Hasenberg" und
"Fuchsberg", die überwiegend as Einfamilienhäusern und einigen
Mehrfamilienhäusern bestehen. Das Wohnumfeld hier ist umso weiter
man nach Süden kommt umso gehobener aber auch umso abgelegener von
der Infrastruktur. Die Mieten sind nur in den wenigen
Mehrfamilienhäusern günstig. Die breite Masse der Häuser sind
Einfamilienhäuser. Traditionell findet sich hier also der
Mittelstand und nach Süden hin die lokale Oberklasse.
So dominiert in
diesem Gebiet auch die SPD, gefolgt von der Linken und dann der CDU.
Stärkste Kandidatin ist aber auch hier Gerlinde Heimann (Die Linke).
In der
Innenstadt (WBZ 9, 5 und 8 - Lessingschule (59), Gymnasium (57),
Kampschule (49)) sind es gemessen an der Größe nur noch 165 Stimmen
für die NPD. Der größte Teil der Stadt ist nicht umsonst in drei
Wahlbezirke eingeteilt. Der Wahlbezirk 9 umfasst das Wohngebiet
zwischen Dammchaussee und nordwestlichem Stadtrand und besteht aus
vielen Villen, einigen Mehrfamilienhäusern. und vielen nicht zu
Wohnzwecken genutzten Gebäudeeinheiten. Traditionell wohnt in den
innerstädtischen Villenvierteln die lokale Oberklasse und die
Mittelklasse. Erst zum Rand hin finden sich Geringverdiener.
So hat der Wahlbezirk 9 dann
auch der CDU die meisten Stimmen gegeben. Zweitstärkste Kraft ist
die SPD, gefolgt vom Bürgerbund, der FDP und dann erst kommt die
Linke. Die meisten Stimmen bekam hier Caroline Brandt.
Die NPD kam in diesem
Wahlbezirk auch nur auf 59 Stimmen.
Im
Wahlbezirk 5 sieht es
schon wieder ganz anders aus. Das ist die Region um den
Alexandrinenplatz herum. Dazu gehören alle Häuser zwischen Kamp und
Wasserturm. Hier wohnen meistens Angestellte und Arbeiter, ein paar
Selbstständige und nur wenig Geringverdiener.
Stärkste Kraft ist hier die
SPD, gefolgt von der CDU, dem Bürgerbund und dann kommt die Linke,
gefolgt von der FDP. Stärkste Kandidaten sind hier Gerline Heimann
(Die Linke) und Herbert Baor (HGV) mit jeweils 64 Stimmen. Die
vielen Gewerbetreibenden, die hier nicht nur arbeiten, sondern
auch wohnen, fühlen sich also durch den HGV gut vertreten. Die NPD
erreichte hier nur 57 Stimmen.
Zum
Wahlbezirk 8 gehören
die Häuser um die Dammchaussee und um die Nordseite des Kamps. Hier
finden sich wieder viele Villen in Privathand aber auch Villen mit
mehreren Wohneinheiten. Der Standard ist hier gehoben und hier
finden sich wieder die lokale Oberklasse aber auch die
Durchschnittsverdiener und einige Geringverdiener.
Arbeiter und
Angestellte sind hier weniger anzutreffen und wenn, dann meistens in
leitender Position. Freiberufler findet man hier jedoch viele.
Stärkste Kraft ist ganz
traditionell die CDU, hier aber gefolgt vom Bürgerbund, dem dann die
SPD folgt. Danach folgt die Linke und dann die FDP. Stärkste
Kandidatin ist Gerlinde Heimann (Die Linke) mit drei Stimmen
Vorsprung vor Caroline Brandt (CDU). Die NPD kam auf 49 Stimmen.
In der Randlage um den
Stülower Weg (WBZ 7 - Musikschule) bekam die NPD 50 Stimmen.
Die Randlage ist
bunt gemischt mit Leuten aller Schichten, das Wohnumfeld ist
meistens gut aber die Infrastruktur - besonders die Straßen - werden
vernachlässigt. Die Bewohner der Randlage sind überwiegend liberal
und links. Hier gewann die
FDP, gefolgt von Die Linke. Dann erst kommt die SPD und danach die
CDU, gefolgt vom BB.
In Vorder-Bollhagen (WBZ 12
- Gutshaus) und Heiligendamm (WBZ 6 - Median-Klinik) sind es nur
noch je 9, also 18 Stimmen.
Wie schon erwähnt, war in
Vorder Bollhagen die CDU der klare Gewinner mit Peter Sähn als
beliebtester Kandidat und in Heiligendamm der Bürgerbund mit Hannes
Meyer.
Auf dem Kammerhof hingegen
(WBZ 10 und 11 - KITA (75) und Johanneshaus(70)) sind es wieder 145
Stimmen für die NPD
Der Kammerhof ist nach Süden
hin Bad Doberans preiswertestes Wohngebiet. Allerdings lassen
Infrastruktur und Wohnumfeld zu wünschen übrig. Der Kammerhof ist
auch der soziale Brennpunkt der Stadt, denn hier finden sich im
Südteil nicht nur die Ärmsten der Stadt, sondern auch viele
Ausländer und Arbeitslose. Der Kammerhof verfügt über Sozialwohnraum
und hier landet sozusagen, wer sich seine Wohnung nicht mehr leisten
kann. Die Gegner der NPD wissen darum und so verlaufen
Demonstrationen gegen die NPD auch stets über den Kammerhof. Sehr
auffällig ist in diesem Viertel auch der Kampf zwischen NPD und
Linke, der darin ausartet, dann sich die beiden Parteien gegenseitig
die Wahlplakate beschädigen.
Stärkste Kraft im Südteil des Kammerhofes ist dann auch die Linke,
gefolgt von der SPD, der CDU und dem Bürgerbund.
Danach jedoch kommt auch schon die NPD, die damit die Liberalen und
Grünen abhängt.
Im Norden sieht es
ganz anders aus. Hier stehen viele Einfamilienhäuser, wenige
Wohnblöcke und eine Menge Wohnheime für betreutes Wohnen und
Seniorenwohnen. Gewählt
wurde hier im Johanneshaus, dessen Heimleiter Jochen Arenz ist. Er
bekam hier auch 117 Stimmen und war damit mit Abstand meist
gewählter Kandidat.Gewonnen hat im südlichen Kammerhofgebiet die
SPD, gefolgt von der Linkspartei. Drittstärkste Kraft war die CDU,
Nummer vier dann Jochen Arenz mit über 12%, der dann auch die NPD
hinter sich ließ und in dieser Reihenfolge auch den HGV, die FDP und
den Bürgerbund.
65 Stimmen sind per
Briefwahl für die NPD eingegangen und müssen wohl auf alle
Wahlbezirke verteilt werden.
Gründe für
die Stimmen.
Die NPD hat in
zwei Wochen vier Flyer in die Briefkästen verteilt.
Der erste
handelte allgemein davon, wofür die NPD in Deutschland und in
Mecklenburg-Vorpommern steht und was sie dort wo sie mitregieren
darf schon erreicht haben will.
Der zweite Flyer
stellte die Kandidaten für Bad Doberan, Ihre Ansichten und Ziele vor
und der dritte und vierte Flyer wandte sich auf Plattdeutsch an die
Bevölkerung und nannte ganz konkrete Missstände und Ziele: Keine
Kreisgebietsreform, Entwicklung und Etablierung Bad Doberans, das
Münster als Weltkulturerbe, Verzicht auf jegliche Form von
Umgehungsstraßen, eine saubere und hundekotfreie Innenstadt,
härteres Vorgehen gegen Schmierereien und Vandalismus und
Alkoholverbot auf dem Kamp. Sie spricht in diesem Flyer noch einmal
explizit die Wähler an, die mit der Verantwortungs-Zerstreuung bzgl.
der Kammerhofpleite und mit dem Filz nicht einverstanden sind und
wendet sich im letzten Satz an alle, die jeden Tag ihre Arbeit
machen und auf ihrem Posten stehen.
Die NPD konnte damit Wähler
ansprechen und in einigen Gebieten konnten sich mehr und in anderen
weniger Leute damit identifizieren.
Dennoch ist nicht
jede Stimme ein Wähler - es waren drei Kreuze zu machen und manche
haben der NPD ein Kreuz gegeben, manche zwei und manche eben auch
drei.
Die Zahl der
reinen NPD-Wähler liegt also irgendwo zwischen 263 und 789. Würde
jedes Kreuz für die NPD nur eines von drei vergebenen sein, hätten
also nur 789 Wähler die NPD gewählt, bei zwei Kreuzen pro Wähler
wären es 394 Wähler und bei drei Kreuzen nur 263 Wähler. Da man aber
die drei Kreuze auf einen Kandidaten vereinigen, auf zwei verteilen
oder auf drei aufteilen konnte, werden wir nie erfahren, wie viele
Wähler reine NPD-Wähler sind. Wir haben gesehen, dass Bad Doberan
eher nach Kandidaten als nach Parteien wählt und man muss auch
sehen, dass Dirk Susemihl allein schon fast die Hälfte aller
NPD-Stimmen bekommen hat. Vielleicht hätte er die auch bekommen,
wenn er in irgend einer anderen Partei angetreten wäre. Wir haben es
bei René Orth, bei Anke Bitter und bei Frank Pieplow ja gesehen: Das
Parteibuch spielt in Bad Doberan nur eine untergeordnete Rolle. Die
Bad Doberaner wollen gute Arbeit und gute Ergebnisse sehen, sich
vertreten und verstanden fühlen und nichts versprochen kriegen, das
dann nicht gehalten wird.
Fazit:
Bad Doberan ist
also nicht grundsätzlich braun. Die Zahl der reinen NPD-Wähler
dürfte gering sein und die meisten Kreuze könnten durch Verteilung
der Kreuze zu Stande gekommen sein. Allgemein war das Votum eher ein
Kandidatenvotum - wenn, dann hat Dirk Susemihl gewonnen. Dennoch
gehört er stimmenmäßig zu den am wenigsten gewichtigen Kandidaten,
was aber als Sitz in der SVV keine Auswirkungen hat. Die NPD stellt
zwei Stadtvertreter und das wäre vermeidbar gewesen, so es denn
vermieden hätte werden sollen, wenn einfach mehr Leute wählen
gegangen wären.
Die wahren NPD-Wähler sind
all jene, die am 07.06.2009 zu Hause geblieben sind. Sie haben die
NPD in die SVV gebracht - nicht die 789 Kreuze auf den Wahlzetteln
allein.
Nachtrag 10.06.2009: Ich habe mir einmal die Zahlen
zur Europawahl angesehen und hier hat die Stadt Bad Doberan den
beiden am eindeutigsten rechtsgesinnten Parteien REP (Republikaner)
und DVU (Deutsche Volksunion) nur 84 und 77 Stimmen gegeben. Bei
4.623 gültigen Stimmen sind das 1,82% und 1,67%. 5.070 Wähler haben
gar nicht gewählt, 173 Stimmen waren ungültig. Gewonnen hat die CDU,
gefolgt von der Partei "Die Linke" und der SPD und die Ergebnisse
der beiden rechten Parteien lag auf derselben Ebene, wie die
Parteien "Rentner" (1,64%), "Tierschutzpartei" (1,19%) und "Familie"
(2,99%). Schwächste Kraft der fünf Bundesparteien war die FDP mit
8,59%.
Die Grünen kamen auf 6,25%. Ich würde also angesichts der Zahlen
nicht sagen, dass es sich um viele Rechts-Wähler handelt.
Meine Meinung:
Ich halte nicht
viel davon, für jeden Anlass eine Partei zu gründen.
Wir haben jetzt eine Vielzahl kleiner Fraktionen in der
Stadtvertreterversammlung, die nur etwas bewirken können, wenn sie
sich einig sind.
Das Problem ist jedoch, dass einige dieser Kleinparteien sich aus
der Unzufriedenheit mit den großen heraus gegründet haben.
Wer in seiner Partei nicht mehr klar kommt, gründet einfach eine
neue, schart zwei, drei Leute um sich herum, tritt zur Wahl an,
sitzt dann in der SVV und ist nicht mehr an die Positionen seiner
bisherigen Parteifreunde gebunden. Er kann wenn er will gegen sie
arbeiten. Ich würde in diesem Fall lieber als Einzelkandidat
antreten, statt mich hinter einem Programm und zwei oder drei
angesehenen Leuten als Neumensch zu tarnen. Haben die Bürger mich
gemocht, wählen sie mich auch als Einzelkandidat.
Natürlich ist das ein Risiko und Ulrich Ludwig ist z.B. daran
gescheitert.
Aber es ist aufrichtig, denn er hat nicht einfach eine Partei
gegründet, die die Defizite der bisherigen Partei kitten soll,
sondern sich allein aufgestellt.
Etwas anderes wäre es gewesen, wenn mit ihm weitere Mitglieder
ausgetreten wären - drei sich einige Einzelkandidaten sind auch
nicht besser.
Da kann man dann
schon wieder eine Partei gründen. Aber die Arbeit muss ehrlich und
aufrichtig sein - extern und auch intern.
Irgendwann
erkennen sonst die Freunde des neuen Parteichefs, dass es in der
ganzen Sache gar nicht um sie geht, sondern nur um die
Unabgängigkeit eben des neuen Parteichefs. Sie verlassen die Partei
und sie löst sich noch vor Ende der Wahlperiode auf. In den Augen
der Bürger ist das Schwäche oder gar Verrat. Das Gleichgewicht
verschiebt sich, Kleinstparteien verlieren das Vertrauen und eine
andere Partei wird stärker.
In
dem Fall die NPD.
Nun liegt es an den Parteien der SVV, sich der Kritikpunkte der NPD
anzunehmen und sie schnellstmöglich und konsequent zu behandeln.
Es liegt an den Parteien der SVV, ein Alkoholverbot auf dem Kamp
umzusetzen, hart gegen Hundekot, Schmierereien und Vandalismus
vorzugehen, auf die Umgehungsstraße und die Kreisgebietsreform zu
verzichten, die Innenstadt zu entwickeln, das Münster zum
Weltkulturerbe zu begleiten und die Schuldigen für die
Kammerhofpleite klar zu benennen und zur Rechenschaft zu ziehen. All
dies muss schnell geschehen und noch, bevor die NPD selbst Hand
anlegen und sich den Erfolg in die Tasche stecken kann, wenn die SVV
möchte, dass die NPD das erste und letzte Mal in der SVV sitzt.
Sollte jedoch die NPD diese Dinge regeln und der Rest der SVV
schlafen, werden die Wähler sich fragen, ob die NPD denn wirklich
der falsche Kandidat war.
|
Der Wahlkampf ist vorbei und nun liegt es an der neuen SVV, Heiligendamm
zum Erfolg zu führen.
Viel
Wahlkampfgetose liegt hinter uns. Der Kampf um Posten und Positionen war
in den letzten Wochen voll entbrannt.
Die ECH brachte sich in den
Wahlkampf ein und musste sich dafür rechtfertigen. Sie klärte in einem
Flyer auf, druckte sogar eine eigene Zeitung und tat all dies, was sie
jahrelang verpasst hatte.
Das gab Anlass zu
neuen Hoffnungen, auch wenn nach der Wahl nun wieder alles offen ist.
Zumindest ist damit auch die Option offen, dass es in Heiligendamm
weiter geht.
Denn genau das tat es während des Wahlkampfes nicht.
Wir
alle dürfen nun gespannt sein, ob es bei einer Provinzposse bleibt oder
man das erste deutsche Seebad so behandelt, wie es es verdient. Hier
noch einmal die aktuelle Grafik der Sitzverteilung in der neuen SVV:

Eines zeigt uns diese
Grafik deutlich:
Der Bürgerbund allein kann auch keinen Stillstand
herbei rufen. Es gibt 25 Stadtvertreter und nur drei davon stellt der
Bürgerbund.
Um eine Mehrheit zu
erlangen, müssen bei vollständiger Anwesenheit 13 Stadtvertreter für
oder eben gegen etwas stimmen. Selbst wenn also der Bürgerbund mit
seinen 3 Stadtvertretern einen Entwurf ablehnt, ist er damit in der
Minderheit. Alle mehrheitlich abgelehnten Entwürfe der Vergangenheit, an
denen der Bürgerbund mit seinen Kandidaten beteiligt war, bedingten also
noch ganze 10 weitere Stadtvertreter, die genauso wie der Bürgerbund
stimmten. Zehn Vertreter hat keine Fraktion allein. Die drei stärksten
Fraktionen (SPD. Linke, CDU) stellen jeweils 4 Stadtvertreter.
Würden diese drei Fraktionen komplett gleich abstimmen, wären das 12
Stimmen. Um also eine Mehrheit zu erreichen, bedarf es nur der drei
stärksten Fraktionen plus einen einzigen Stadtvertreter einer anderen
Fraktion oder eben einen fraktionslosen Stadtvertreter. Es müssen also
überhaupt mindestens zwei Fraktionen komplett mit der Entscheidung des
Bürgerbundes überein gestimmt haben, um einen Mehrheitsbeschluss im
Interesse des Bürgerbundes erzielt zu haben.
Oder aber SPD, CDU
und Linkspartei haben komplett gegen etwas entschieden und die
restlichen Fraktionen und Einzelbewerber sich dafür.
Wahrscheinlicher
halte ich, dass jeder Stadtvertreter so wie es sein sollte so gestimmt
hat, wie er es für sich persönlich richtig hält und dass die Beschlüsse,
an denen der Bürgerbund mit drei Stimmen beteiligt war, quer durch alle
Fraktionen hindurch gefasst worden sind. Darum halte ich nichts davon,
nach solchen Beschlüssen mit dem Finger auf den Bürgerbund zu zeigen. Es
haben auch noch andere Stadtvertreter quer durch alle Fraktionen genauso
gestimmt, wie der Bürgerbund. Das sollten wir nicht ignorieren. Dieses
Szenario gilt auch für jede andere Partei, der man irgend eine Blockade
oder Bevorzugung nachsagt. Bei 25 Stadtvertretern in zehn Fraktionen
plus Einzelposten kann schon rechnerisch keine Fraktion, keine Partei
und kein Einzelkandidat allein für irgend etwas von der SVV
beschlossenem in dieser Stadt verantwortlich gemacht werden.
In der neuen
Konstellation muss sich zeigen, wohin die Mehrheiten gehen.
Es muss sich zeigen, wie das Bündnis für Bad Doberan in Zukunft
abstimmt.
Bleibt Frank Pieplow sich selbst treu oder stimmt er nach
Parteiinteressen ab?
Wird es
Abstimmungsfreundschaften mit der NPD geben? Wie werden die beiden
NPDler überhaupt abstimmen?
Bis heute weiß ja
keiner, wie die NPD in der Frage um Heiligendamm positioniert ist -
werden sie so stimmen, wie die "Etablierten", gegen die sie angetreten
sind oder werden sie so stimmen, wie der Bürgerbund oder werden sie sich
enthalten, da sie in der Wahlwerbung auch gegen die in ihren Augen
inkompetenten Lokalparteien gewettert haben?
Wie auch immer:
Auch 5 Stimmen sind noch keine Mehrheit und auch mit den beiden Stimmen
der NPD wird keine Partei allein eine Mehrheit erzielen.
Nach wie vor sind alle Stadtvertreter als Menschen gefragt. Wie also
wird es weitergehen in Heiligendamm? Und wie wird die ECH auf die neuen
Umstände reagieren? Wir werden es sehen. Hier auf dieser Seite. Hier auf
Zeit am Meer.
Nachtrag 12.06.2009:
Jetzt werden Sie sich
fragen, warum dann im März bei der Abstimmung ein Patt durch
Stimmgleichheit entstanden ist.
Nun, daran haben die
Eltern der Demokratie nicht gedacht: Ein Stadtvertreter war bei der
Abstimmung nicht anwesend. Daran sieht man dann, welche Macht der
einzelne haben kann - auch wenn er "nur" ehrenamtlich in einer
Stadtvertreterversammlung sitzt. Wenn Sie also schon immer mal damit
geliebäugelt haben, Demokratie aktiv mitzugestalten und bisher glaubten,
nichts bewirken zu können, dann haben Sie jetzt ein paar Jahre Zeit, um
diese Einstellung zu überdenken.
Nachtrag 21.07.2009:
Wie Sie in der Grafik sehen, hat die CDU nur drei Sitze, obwohl
sie vier haben müsste.
Joachim Seehaus ist der Fraktion nicht beigetreten.
Wie genau das zusammen hängt und was es bedeutet, erfahren Sie in Kürze
hier.
Oder doch nicht?
Die Wahl wird angefochten!
Das hat es noch nicht gegeben in der Geschichte Bad Doberans. Ein
Einwohner ficht die Wahl an.
Nun muss die Stadtvertreterversammlung entscheiden, ob sie die Wahl für
gültig erklärt und die Arbeit aufnimmt oder sie für ungültig erklärt und
Neuwahlen ansetzt. Tritt das zweite ein, dauert es sehr lange, bis
wieder Entscheidungen getroffen werden können.
Wahl in Doberan angefochten
Der Doberaner Martin
Lemke will die Wahl zum Stadtparlament so nicht hinnehmen. Er
sieht Verstöße gegen die Demokratie.
Bad Doberan
Seine schriftlich
formulierte Anfechtung der Wahl zur Stadtvertreterversammlung hat
gestern Vormittag der Doberaner Martin Lemke bei Michael Zöllkau,
Chef des städtischen Wahlausschusses, abgeben. Der junge Mann
begründet seinen Schritt in einem mehrseitigen Papier. Kurzform:
Es habe Unregelmäßigkeiten bei der Vorbereitung der Wahl durch den
Ortsverband der CDU und die Wahlausschüsse gegeben. Beim
Zustandekommen des Wahlvorschlages seien demokratische Prinzipien
der Partei verletzt worden.
Rückblick: Als die Wahlliste
Nr.1, auf der Caroline Brandt ganz oben stand, beschlossen wurde,
waren einige Mitglieder vom Votum ausgeschlossen worden. Angeblich
säumige Beitragszahler. Die „Ausgegrenzten“ beschlossen daraufhin,
wohl auch mit Rückenwind vom Kreisvorstand, eine zweite Liste, die
gleichfalls eingereicht wurde. Bizarre Situation. Zwei Listen
einer Partei lässt das Gesetz nicht zu. Die Wahlausschüsse ließen
die Brandtsche Fassung passieren, die zuerst eingereichte. Und die
Anwältin erhielt während der Wahl sagenhafte 690 Stimmen. Auf die
Anfechtung angesprochen, reagiert sie kühl: „Unsere Liste ist
natürlich auf demokratische Weise zustande gekommen. Aber es hat
auch jeder das Recht, dies anders zu sehen. Letztlich entscheiden
die Gerichte.“ „Das gemeinsame Kreisparteigericht der CDU hatte
die Liste von Frau Brandt für nichtig erklärt“ sagt kurz
angebunden Henning von Storch, stellvertretender Kreisvorsitzender
der CDU. Und er wolle sich in dieser Sache nicht groß aus dem
Fenster lehnen.
Michael Zöllkau leitet
seit 1994 jeweils den Wahlausschuss, und hat eine Anfechtung noch
nicht erlebt. „Auch wenn es manchmal so aussah, dass es dazu
kommen könne. Weil die Ergebnisse knapp ausfielen.“ Aber im
Allgemeinen richten sich Einwände gegen den Verlauf der Wahl
selbst. Dieser Fall jetzt liegt ganz anders. Michael Zöllkau
skizziert den weiteren Verlauf so: Zunächst muss die neue
Stadtvertretung selbst über die Anfechtung entscheiden. Sagen die
Abgeordneten mehrheitlich: ja, was der Herr Lemke da ins Feld
führt, ist zutreffend, löst sich das Parlament faktisch selbst
auf. Wird die Anfechtung abgelehnt, erhält der Einreicher eine
Wahlprüfungsentscheidung, mit der er dann innerhalb eines Monates
vor einem Verwaltungsgericht klagen kann. Das
Stadtparlament tagt am 29. Juni.
|
Die Begründung des Anfechters (dessen
Lebensgefährtin selbst für die CDU kandidiert hat):
Lemke: „Demokratie ist in Gefahr“
Martin Lemke aus Bad
Doberan hat die Kommunalwahl angefochten. Er sieht die
Demokratie in Gefahr und kritisiert den Wahlausschuss.
Bad Doberan Die Kommunalwahl in Bad
Doberan ist Vergangenheit. In wenigen Tagen wird sich die neue
Stadtvertreterversammlung konstituieren. Martin Lemke (28) aus Bad
Doberan, Mitglied des CDU-Ortsverbandes und von Beruf
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philosophischen Fakultät der
Universität Rostock, hat die Wahl angefochten. Die OZ sprach mit
ihm über seine Motive.
Ostsee-Zeitung: Herr Lemke, die
Spitzenkandidatin Ihrer Partei, Caroline Brandt, hat mit 690
Stimmen ein überzeugendes Ergebnis erzielt. Nur noch Gerlinde
Heimann, Linke, hat mit 1008 Stimmen mehr Rückhalt in der
Bevölkerung. Warum fechten Sie als CDU-Mitglied die Wahl an?
Martin Lemke:
Das Wahlergebnis spricht für Frau Brandt und zeigt, dass sie
großen Rückhalt bei den Doberanern hat. Das ist in Ordnung und
spricht auch für die CDU. Die Wahl wäre wohl aber noch wesentlich
besser ausgefallen, wenn der Ortsverband eine Liste gefunden
hätte, die von allen seinen Mitgliedern getragen wird. Und
trotzdem muss die Wahl angefochten werden.
OZ: Warum?
Lemke:
Weil die
Parteien sich an die demokratischen Spielregeln halten müssen.
Einerseits ist die Wahlliste der CDU unter Verletzung der
innerparteilichen Demokratie zustande gekommen, und andererseits
sind die Entscheidungen des Gemeindewahlausschusses und des
Kreiswahlausschusses zu den Wahlvorschlägen der CDU aus meiner
Sicht — und aus Sicht anderer Unionsmitglieder — nicht mit dem
Grundgesetz der Bundesrepublik vereinbar.
OZ: Das sind schwere Vorwürfe. Erläutern Sie das bitte.
Lemke:
Frau Brandt hat bei der Versammlung zur Aufstellung der
Kandidatenliste mehreren CDU- Mitgliedern das Stimmrecht entzogen,
auch meiner Lebensgefährtin. Der Begründung nach, weil es sich bei
den kurz zuvor in die CDU Aufgenommenen nicht um ,ordentliche
Parteimitglieder‘ gehandelt hätte. Das ist schlichtweg
falsch: Ich selbst bin erst im März Mitglied der CDU geworden,
wurde aber schon lange vor der genannten Versammlung zur
Kommunalwahl sogar vom Bundesvorstand der CDU schriftlich als
Mitglied begrüßt. Damit habe selbst ich unstrittig über alle
Rechte und Pflichten eines Partei-Mitgliedes verfügt.
OZ:
Sie sind also sauer, weil Ihre Lebensgefährtin nicht mit abstimmen
durften?
Lemke:
Ich bin sauer, weil unsere Demokratie aus persönlicher Eitelkeit
mit Füßen getreten wurde, und der Gang zur Wahl damit lächerlich
gemacht wird. Mein persönlicher Ärger spielt aber gar keine Rolle.
Viel problematischer ist: Am Ende dieser Sitzung gab es eine
Wahlliste des CDU-Ortsverbandes, die wegen des Stimmrechtsentzugs
nicht der Satzung der CDU entsprechend zustande gekommen war und
damit keine Gültigkeit besaß.
OZ:
Dies wird
sicher zuerst innerparteilich zu klären sein.
Lemke: Innerparteilich ist das bereits geklärt. Es gibt ein
Parteiurteil: Frau Brandts Liste wurde klar für ungültig erklärt.
Das ist bindend. Doch trotz dieses Urteils war der Vertrauensmann
nicht bereit, die ungültige Liste zurückzuziehen. Er hat das
Urteil ignoriert, weswegen ihm jetzt der Parteiausschluss droht.
OZ: Sie haben auch den Kreiswahlausschuss kritisiert.
Lemke: Der Kreiswahlausschuss hat mit
der Zulassung von Frau Brandts Liste falsch entschieden. Das muss
ich erläutern: Nachdem sich einige Parteimitglieder über den
Stimm-Entzug beim Kreisvorstand beschwert hatten, gab es zur
Klärung eine zweite Versammlung des Ortsverbandes mit dem Ziel,
eine gültige Liste aufzustellen. Auch hier wurde Frau Brandt für
einen vorderen Listenplatz vorgeschlagen. Sie selbst lehnte aber
ab. Was wir nicht wussten: Frau Brandt hatte ihre Liste zu diesem
Zeitpunkt offenbar schon beim Gemeindewahlleiter namens des
CDU-Ortsverbandes abgegeben.
OZ:
Und als der Rest des Ortsverbandes dann die zweite, Ihrer
Auffassung nach satzungsgemäße Liste abgab, hatte der Wahlleiter
ein Problem.
Lemke:
Richtig. Laut
Kommunalwahlgesetz musste der Kreiswahlausschuss über die
Gültigkeit der beiden eingereichten CDU-Wahlvorschläge
entscheiden.
OZ:
Der Ausschuss hat die Liste Frau Brandts gültig erklärt.
Lemke:
Mit der Begründung — sinngemäß —, dass die Liste von Frau Brandt
als erste eingereicht wurde. Ich habe sogar ein gewisses
Verständnis für diese Entscheidung. Tatsächlich regelt das
Kommunalwahlgesetz ja nicht den Umstand, dass eine Partei zwei
Listen einreicht. Damit kommt dem Ausschuss ein gewisser
Entscheidungsspielraum zu. Es kann aber nicht sein, dass nur nach
dem Zeitpunkt des Eingangs entschieden wird. Dann könnte jedes
Parteimitglied jeder Partei irgendwo im Hinterzimmer eine Liste
aufstellen. Sie würde gültig werden, wenn sie nur zuerst
eingereicht wird. Wenn das gültige Rechtspraxis wird, dann hört
Demokratie auf zu funktionieren. Wir bräuchten schlichtweg nicht
mehr zu wählen, wenn das, was uns zur Auswahl steht, nicht
demokratisch zustande gekommen ist.
Interwiev: KLAUS WALTER
|
Die Reaktion der CDU auf die Anschuldigungen:
Demokratie heißt nicht „wählen, bis es
passt“
Bad Doberan Die Kommunalwahl in Bad Doberan ist mehrfach
angefochten worden (OZ berichtete). Es geht um die Wahlliste des
Ortsverbandes der CDU, die „unter Verletzung der Prinzipien der
innerparteilichen Demokratie“ zustande gekommen sein soll. OZ
sprach mit Stephan Krauleidis, Sprecher des CDU-Ortsverbandes,
über die Vorwürfe.
Ostsee-Zeitung:
Herr Krauleidis, der Hauptvorwurf lautet, bei der Aufstellung der
Kandidatenliste sei Mitgliedern der CDU das Stimmrecht entzogen
worden.
Stephan Krauleidis:
Das stimmt so nicht. Richtig ist, dass am 11. März eine
ordnungsgemäße Sitzung des Ortsverbandes stattgefunden hat, auf
der eine Kandidatenlisten aufgestellt und darüber gestimmt wurde.
OZ:
Mit Frau Brandt als
Spitzenkandidatin?
Krauleidis:
Richtig. Aber: Nicht sie hat sich auf den Spitzenplatz gesetzt,
wie es jetzt behauptet wird, sondern sie wurde von den Mitgliedern
des Ortsverbandes dafür vorgeschlagen und durch Abstimmung
bestätigt.
OZ:
Trotzdem gab es dann einen
Streit. Warum?
Krauleidis:
Erst bei der Abstimmung des Protokolls bemerkten wir einen Fehler.
Beim Listenplatz IV hatte es zwischen Ja- und Nein-Stimmen eine
Pattsituation gegeben, die aber falsch bewertet worden war. Daher
wurde für Listenplatz IV eine Nachwahl nötig, zu der wir — um die
Fristen zur Abgabe der Wahlvorschläge zu wahren — zum 25. März
einluden. Zu dieser Versammlung kam dann eine Reihe neuer
Gesichter, die zuvor keinen Kontakt zum Ortsverband hatten.
OZ: Und diese Mitgliedschaft hat Frau Brandt bezweifelt und
den „neuen Gesichtern“ das Stimmrecht entzogen?
Krauleidis: Das stimmt nicht. Wir freuen
uns über jedes neue Mitglied. Nur erfolgt in der Regel die
Neuaufnahme über den Ortsverband; insofern waren wir schon
überrascht. Tatsächlich
wurden die neuen Mitglieder über den Kreisverband aufgenommen, was
eigentlich unüblich ist. Der Ortsverband hatte lediglich ein Fax
mit den Namen bekommen, und sollte zwischen einem Freitagabend und
Sonntag zustimmen — also ohne Chance, eine ordentliche Sitzung
abzuhalten. Trotzdem hat den Neuen niemand das Stimmrecht
entzogen.
OZ:
Sondern?
Krauleidis: Die Versammlung am 25. März hat ordnungsgemäß mit
der Abstimmung über die Tagesordnung begonnen. Es gab nur den
einen Punkt: Nachwahl zum Listenplatz IV. Hier gab es keinerlei
Widersprüche. Und als die neuen Mitglieder bemerkten, dass es nur
um diesen einen Listenplatz geht, verließen die ersten die
Versammlung.
OZ: Was glauben Sie, steckt dahinter?
Krauleidis: Das wird mit Sicherheit
innerparteilich geklärt werden müssen. Offenbar ist es aber so,
dass sich der Kreisverband mehr Einflussnahme auf den Ortsverband
wünscht, und die über die Neuaufnahmen zu realisieren versuchte.
Aber Demokratie heißt nicht, Mehrheiten verändern und wählen, bis
es passt.
Interview: KLAUS WALTER
|
Zwei weitere Anfechtungen folgen:
Schon drei Anfechtungen zur Wahl
Bad Doberan
Martin Lemke aus Bad
Doberan ist nicht der einzige, der die Kommunalwahl in der
Münsterstadt angefochten hat. „Es liegen inzwischen zwei weitere
Anfechtungen vor“, sagt Gemeindewahlleiter Michael Zöllkau. „Alle
beziehen sich auf den selben Sachverhalt.“ Mit den Anfechtungen
ist die Wahl nicht automatisch ungültig, erläutert Zöllkau.
Zunächst hat die neue Stadtvertreterversammlung die Möglichkeit,
über die Gültigkeit der Anfechtungen zu entscheiden. Stimmt sie
zu, muss neu gewählt werden. Stimmt sie nicht zu, entscheidet der
Wahlprüfungsausschuss und berichtet darüber in der folgenden
Stadtvertretersitzung. Erklärt auch der Prüfungsausschuss die Wahl
für gültig, müssen die Beschwerdeführer Klage beim
Verwaltungsgericht einreichen. Dann haben aber auch die gewählten
Stadtvertreter das Recht auf Gegenklage.
|
Neue Stadtvertretung konstituiert sich am Montag
Am Montag tritt die
neue Stadtvertreterversammlung zur konstituierenden Sitzung
zusammen.
Doch vor den Wahlen der einzelnen Gremien steht die Abstimmung
über die Gültigkeit der Wahl.
Bad Doberan
Montag, 29. Juni, 18.15 Uhr: Das ist der wohl wichtigste Termin in
den kommenden fünf Jahren der Bad Doberaner Kommunalpolitik. Auf
der konstituierenden Sitzung der neu gewählten
Stadtvertreterversammlung werden buchstäblich die Weichen
gestellt. Ziemlich oben auf der Tagesordnung steht die Wahl der
Stadtvertretervorsteherin sowie ihrer beiden Stellvertreter. Namen
nennen die Sitzungsunterlagen nicht, sie sollen erst in der
laufenden Sitzung bekanntgegeben werden.
In der vergangenen
Legislaturperiode hatte zuerst Anke Bitter (ehemals Linke) das Amt
der Parlaments-Chefin inne. Sie trat zum Jahreswechsel 2008/09
zurück, und kam damit einem Abwahlantrag zuvor. Ihren Platz nahm
Caroline Brandt (CDU) ein. Auch sie musste in der letzten Sitzung
einen Abwahlantrag hinnehmen, der jedoch keine Mehrheit fand.
Gewählt werden sollen auch
die Stellvertreter des Bürgermeisters. Für den 1. Stellvertreter
gibt es bislang nur einen Kandidaten: Norbert Sass.
Als 2. Stellvertreter wird Gerhart Kukla gehandelt.
Ebenfalls durch Wahl
bestimmt wird die Besetzung der verschiedenen Ausschüsse, die — je
nach Zuständigkeit — wesentlichen Einfluss auf die Beschlüsse der
Stadtvertreterversammlung haben: Hauptausschuss (8
Mitglieder), Finanzausschuss (7), Rechnungsprüfungsausschuss (3)
sowie die Ausschüsse für Stadtentwicklung (7), Wirtschaft (7),
Bildung, Soziales, Kultur, Sport, Jugend und Senioren (7), wobei
neben den gewählten Stadtvertretern auch „sachkundige Bürger“ in
die Ausschüsse gewählt werden können. Bestimmen müssen die neuen
Stadtvertreter auch die Mitglieder des Aufsichtsrates für die
kommunale Wohnungsbau- und Investitionsgesellschaft (WIG). Der
Aufsichtsrat hat fünf Mitglieder.
Vor allem aber steht die
Abstimmung über die Gültigkeit der Kommunalwahl. Bislang gibt es
drei Anfechtungen. Alle drei wenden sich gegen das Zustandekommen
der CDU-Wahlliste (siehe auch Interview oben und OZ von gestern).
Eine der Einwendungen wendet sich zusätzlich gegen eine
„Diffamierungskampagne bis in den persönlichen Schutzbereich gegen
die Liste des Bürgerbundes durch das Privatunternehmen ECH“. Der
Einwender beklagt, dass durch die ECH falsche Tatsachen verbreitet
worden seien, die das Wahlverhalten beeinflusst hätten.
kw
|
Was
sind eigentlich "falsche Tatsachen"? Tatsachen sind doch
eigentlich immer tatsächlich, also eine sachlich richtige Beschreibung
der Tat.
Möglicherweise bezieht sich der Antragsteller hier auf die "Fakten zu
Heiligendamm", in der die ECH mit gleichermaßen persönlichen Mitteln
arbeitete, wie der Bürgerbund in der Wahlwerbung. Ganz offensichtlich
kommt dieser Antrag also vom Bürgerbund. Und da gesagt wird, dass sich
eine der Einwendungen gegen die Wahl zusätzlich gegen die "Diffamierung"
wendet, wissen wir nun auch, woher Wahlanfechtung Nummer zwei kommt: Vom
Bürgerbund. Da die ECH persönlich nur Klaus-Peter-Behrens in ihrem Flyer
erwähnt hat, kann man auch denken, von welchem Bürgerbund-Vertreter
genau die Anfechtung kommt. Klaus-Peter Behrens hat es knapp nicht mehr
in die neue SVV geschafft. Eine Neuwahl könnte das ändern und könnte
zugleich andere Kandidaten, die den Plänen der ECH aufgeschlossener
gegenüber stehen aber nur knapp in die SVV gekommen sind, wieder heraus
fegen. Geht es also gar nicht um die CDU? Das muss sich dann zeigen.
Der Termin jedenfalls wurde wegen eines Formfehlers auf den 06.07.2009
verschoben.
Der Bürgerbund bekommt seine Chance zur Erhaltung der Bausubstanz.
Heiligendamm hat zwei Waldkirchen, von denen eine dringend saniert
werden müsste. Die ECH hat sie zwar für 60 Jahre gepachtet und die
Umgebung und Teile des Kirchbaus in Ordnung gebracht aber das Geld für
eine Sanierung kann auch sie nicht aufbringen. Darum hat sich ein Verein
gegründet, dem auch hochrangige Mitglieder der ECH bzw. FUNDUS angehören
und der Geld für die Sanierungen sammelt und auf den Zustand aufmerksam
macht. Siegfried Paap aus Heiligendamm ist einer von ihnen.
Der Bürgerbund wirbt für den Erhalt der Bausubstanz in Heiligendamm und
Paap erkennt seine Chance und greift zur Klingelbüchse:
Paap fordert Hilfe für Kirche
Heiligendamm Einen
Offenen Brief an die Mitglieder der Bürgerbundes schrieb Siegfried
Paap, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Waldkirchen im
Ostseebad Heiligendamm. Darin heißt es „...
in ihren Wahlversprechen
haben Sie unter anderem proklamiert, dass Sie sich gegen die
weitere Zerstörung der wertvollen Bausubstanz in Heiligendamm
stellen wollen.“ Paap fordert nun vom Bürgerbund Unterstützung bei
der Erhaltung der Waldkirchen ein.
Der Verein habe sich im
Jahre 2004 gegründet, um den weiteren Verfall der damals schon zum
Abriss freigebenen katholischen Waldkapelle zu verhindern. Dies
sei bislang durch privates Engagement gelungen. Dennoch: „Leider
ist sie aber nach wie vor einsturzgefährdet und kann deshalb nicht
genutzt werden.“ Laut Gutachten würde die Sanierung des
katholischen Gotteshauses 350 000 Euro kosten — Spendengelder sind
nötig, Zuschüsse und Fördermittel. An den Bürgerbund gewandt,
formuliert Paap: „Bitte unterstützen Sie unseren Verein durch
finanzielle Zugaben und Spendenaufrufe an Ihre Wähler, damit
dieses Bauwerk von Möckel im öffentlichen Kurwald für alle
Heiligendammer, Doberaner und Gäste erhalten und möglichst auch
wieder nutzbar wird.“ Damit würde in Heiligendamm eine
Begegnungsstätte geschaffen, die allen Generationen und
Bevölkerungsgruppen offen stünde. Und einen friedvollen Umgang
„hoffentlich wieder“ möglich macht.
Vertreter des Doberaner
Bürgerbundes waren für eine Stellungnahme gestern für OZ nicht
erreichbar.
P.W.
|
Und lehnt ab.
Natürlich ist die Geschichte mit der
Klingelbüchse vielleicht etwas zu kurz gedacht. Herr Paap ist außer
Vereinsmitglied auch Kandidat des Bündnisses für Bad Doberan und hat
sich oft positiv über die Pläne der ECH geäußert. Da es in Heiligendamm
ja nur schwarz und weiß gibt, steht er damit auf der Seite der
Befürworter, welche sich selbst als weiß, vom Bürgerbund aber als
schwarz angesehen werden. So ist der offene Brief nicht nur ein
Spendenaufruf, sondern auch ein kleines Politikum. Der Bürgerbund
reagiert:
Am Nasenring durch die Arena gezogen
Der Bürgerbund antwortete auf einen Offenen Brief von Siegfried
Paap, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Waldkirchen in
Heiligendamm. Dieser hatte vom Bürgerbund Hilfe zur Rettung der
Gotteshäuser eingefordert. In der Antwort von Pressesprecher
Klaus-Peter Behrens heißt es:
„Als uns der Brief von Herrn Paap vor einigen Tagen erreichte,
prüften wir die
Möglichkeiten eines Engagements, wohl wissend, dass Herr Paap dem
Bürgerbund eher ablehnend gegenüber steht. Nach der öffentlichen
Aufforderung in der OZ waren wir jedoch enttäuscht. Es zeugt von
schlechtem Stil, wenn ein potentieller Sponsor öffentlich unter
Druck gesetzt, und, bildlich ausgedrückt, am Nasenring durch die
Arena gezogen wird. Die Sanierung der Waldkirchen ist eine ernste
Angelegenheit und sollte nicht als politische Klamaukveranstaltung
missbraucht werden. Herr Paap hat der Sache damit einen
Bärendienst erwiesen; mir ist kein Fall bekannt, wo
Sponsorenwerbung so funktioniert hätte. Ein Hinweis darauf,
dass die ECH nach Informationen der Evangelisch-Lutherischen
Landeskirche die katholische Waldkirche 2006 für 60 Jahre
gepachtet hat, hält Herr Paap für nicht notwendig.“
|
Zwischen dem Artikel der Ostsee-Zeitung und der Veröffentlichung des
Leserbriefes liegen vier Tage. Der 26. Juni war ein Freitag und
der 01. Juli ein Mittwoch. Die Ostsee-Zeitung hat also allerspätestens
am 25. Juni (Donnerstag) Kenntnis bekommen und den Bürgerbund zu
erreichen versucht.
Am Freitag war dann die Veröffentlichung und frühestens am Freitag kann
Herr Behrens dann auch erst reagiert haben. Aber auch spätestens am
Dienstag, denn Mittwoch war sein Leserbrief ja schon abgedruckt. Das
heißt - und darauf will ich hinaus - dass die Ostsee-Zeitung nur vier
Tage Zeit hatte, um den Bürgerbund am Nasenring durch die Arena zu
ziehen: Freitag, Samstag, Montag und Dienstag.
Da Samstag, Montag und Dienstag
nach meinen Recherchen überhaupt nichts zum Thema in der Ostsee-Zeitung
zu lesen stand, muss sich Herr Behrens also auf den Artikel vom Freitag
- den ersten der beiden hier - beziehen. Dieser erste und einzig Artikel
ist also offenbar das, was Herr Behrens als "am Nasenring durch die
Arena ziehen" ansieht und für den Bürgerbund ein Grund, das Sponsoring
offenbar abzusagen. Die ECH hat die Kirche tatsächlich gepachtet.
Sie steht schließlich auf ihrem Grundstück und hätte sonst
ausgeschlossen werden müssen. Ein anderer wollte die Kirche auch nicht
haben, sodass die ECH sie genauso gut hätte abreißen können - wofür ja
seit 2004 eine Genehmigung vorliegt.
Meiner Meinung nach ist es manchmal klüger, etwas unerwartetes zu tun,
statt sich als Opfer darzustellen. Wer sich selbst als Opfer darstellt,
wird sich mit dieser Rolle immer mehr identifizieren und schließlich
wirklich zum Opfer werden. Der
Bürgerbund hätte hier die Chance gehabt, sein gerade erst gegebenes
Wahlversprechen wider Erwarten vieler prompt umzusetzen. Dazu hätte er
nicht unbedingt Geld als der Parteikasse nehmen oder bei den Mitgliedern
sammeln brauchen, sondern er hätte über die Partei und die Kooperationen
(Bürgerinitiative, Aktionsbündnis) Geld bei den Bürgern einsammeln und
Leistungen bei den Unternehmern einwerben können, um die Kirche zu
sanieren. Das Ergebnis wäre wirkungsvoll und bei den kommenden Wahlen
hätte der Bürgerbund ein Argument, auf das er sogar mit dem Finger
zeigen könnte. Nebenbei wäre das Politikum entschärft.
Erste Positionen
der neuen Stadtvertreter.
Nachgefragt bei
Hannes Roggelin (Bürgerbund)
Nach der Wahl müssen die Gewählten beweisen, dass sie ihre
Wahlversprechen auch einhalten können. Oft werden aus reißerischen
Parolen schnell kleinere Brötchen. Grund genug, jetzt die gewählten
Stadtvertreter genauer zu ihren Positionen zu befragen.
Das dachte sich
auch die Ostsee-Zeitung und interviewte den jüngsten Stadtvertreter als
erstes:
|
Ostsee-Zeitung | 3. Juli 2009 |
Bad Doberan
„Immer nur meckern bringt
nichts“
Hannes Roggelin, der jüngste Abgeordnete im Doberaner Parlament,
will sich in den nächsten Jahren vor allem für
junge Leute und alte Häuser in
seiner Heimatstadt einsetzen.
Bad Doberan.
Er ist
in Bad Doberan geboren.Mag Pferde, spielt Tenorhorn. Kennt viele
Leute hier. Viele Leute kennen ihn:
Hannes Roggelin, seit der Kommunalwahl Abgeordneter – mit 19 der
jüngste im Stadtparlament. Der Entschluss, sich der Wahl zu stellen,
festigte sich am Jahresanfang. „Ich war ein paar Mal auf
Stadtvertretersitzungen, als Zuhörer.“ Da fand er, dass einiges zu
tun ist. „Immer nur meckern nichts bringt.“
Und also ging der kleine Hannes zum großen Hannes. Roggelin zu Meyer
von Bürgerbund. „Ich kannte ihn, so aus dem Alltag in der Stadt.“
Und die Sache ward abgemacht. Hannes Roggelin: „Mit dem Programm des
Bürgerbundes kann ich etwas anfangen. Zum Beispiel, was öffentliche
Wege in Heiligendamm betrifft. Da ist in letzter Zeit einiges schief
gelaufen.“ Eigentlich hatte er Polizist werden wollen. War aber
krank zur Zeit der Aufnahmeprüfungen.
Lernt jetzt im zweiten Jahr den
Job eines Justizfachangestellten. Schule in Güstrow, Praktikum am
Amtsgericht Ribnitz-Damgarten – Abteilung Zwangsversteigerungen. Ein
Schelm, wer Böses dabei denkt. Und dass Doberans Parlament so einen
brauchen könnte.
Manchmal sieht man ihn durch die Straßen der Münsterstadt fahren.
Oben auf dem Kutschbock. Er fährt Brautpaare. Oder einfach Freunde.
Drei Pferde gehören ihm. „Hobby, Ausgleich“, sagt er. Und er
musiziert. Im Bläserchor der Kirche, seit zwei Jahren. Am Wahltag
war er lange auf.
Bis in die Wahlnacht. Hatte dann
um 0.30 Uhr im Rathaus die endgültige Bestätigung: Ich bin drin.
Glückwünsche kamen per SMS und Telefon.
„Auch von Leuten, die ich gar
nicht kenne.“ Und was, wenn nicht?! „Ja“, sagt er, „ja, ich wäre
vielleicht enttäuscht gewesen.“ Überlegt einen Moment.
„Aber es wäre eine Erfahrung.
Wie auch das Ergebnis eine war.“ Klingt politisch korrekt.
Provoziert Konkretheit.
Wofür stehen Sie künftig ein, im
großen Sitzungssaal des Rathauses, Herr Roggelin? „Für die
Weiterführung der Bauarbeiten am Schulkomplex Kamp“, sagt er
schlicht. Zweitens: Für die Erhaltung der Bausubstanz Doberans.
Stichwort: Altes Moorbad. Und drittens möchte er für die Jugend der
Münsterstadt einen
festen Platz. „Eine dauerhafte
Einrichtung.“ Hannes Roggelin mag seine Heimatstadt sehr; das spürt
man. „Die Stadt ist wunderschönmit ihren alten
Bauwerken.“ Hier das Gymnasium,
dort das Münster. Und der nachfolgende Satz stellt dazu absolut
keinen Gegensatz dar: „Es wäre gut gewesen, wenn noch mehr
Jugendliche in das
Stadtparlament eingezogen wären.“ Und Roggelin meint das
parteiübergreifend. Zweifelsfrei.
PETER WEISSFLOG
|
Nachgefragt bei Guido Lex (Bürgerbund)
Nun hättre die Ostsee-Zeitung nach dem
jüngsten auch jeden anderen Stadtvertreter fragen können. Logisch ist,
dass die neuen Stadtvertreter erst einmal am interessantesten für die
Journalisten sind. Guido Lex ist einer dieser neuen.
Diese Stadt hat etwas Besonderes
Bad Doberan Guido Lex, Jahrgang 56. Gerade für den
Bürgerbund in das Bad Doberaner Stadtparlament gewählt und
während der ersten Sitzung schon das Vertrauen als
Stadtvertretervorsteher erhalten. Wer ist Guido Lex?
In Heidelberg geboren,
studierte er hier an der ältesten Universität Deutschlands
Jura. Dann zog es Lex nach München, wo er eine Zeit lang als
Rechtsanwalt in einer Kanzlei arbeitete, die sich auf
italienische Mandanten spezialisiert hatte. Dann kam im
Osten die Wende und für den Juristen der persönliche
Umbruch. Er ging an die Küste. „Es hatte einen großen Reiz,
in den neuen Bundesländern zu arbeiten.
Dem konnte ich mich nicht entziehen“, sagt der Vorsitzende
Richter am Landgericht Rostock heute. Und dass es die Küste
sein musste, hatte auch etwas damit zu tun, dass die Gattin
von der See stammte, in Kiel aufwuchs.
Zunächst Wohnung in Rostock, dann lockte Bad Doberan. „Diese
Stadt hat etwas Besonderes. Da ist die Nähe zum Meer, das
Münster, die alte Gebäudesubstanz — nicht zu vergleichen mit
vielen Kleinstädten des Westens.“ Die Sorge um Stadt und
Seebad war es wohl auch, die Lex zum Bürgerbund gehen ließ.
„Uns allen ist klar, dass die Problematik Heiligendamm im
Vordergrund steht.“
Die Vorgänge um Deutschlands ältestes Seebad habe er schon
sehr lange aufmerksam verfolgt. Und irgendwann sei ihm klar
geworden, „dass es nicht ausreicht, Politik einfach nur
passiv zu konsumieren.“ Es sei nicht genug, die negative
Entwicklung lediglich festzustellen. „Sie muss gestoppt
werden“, sagt Lex. Und da sei er beim Bürgerbund gut
aufgehoben.
Zwei Söhne haben die Lex‘, 10 und 14 Jahre alt, und darüber
hinaus ein gemeinsames Hobby: die Musik. Sie spielt Flöte
und er freut sich, wenn er „mal den Organisten im Münster
vertreten darf.“
P.W.
|
Ich denke, Sorgen brauchen wir uns erst um
die Neutralität der OZ machen, wenn das dritte Interview auch einem
Bürgerbund-Kandidaten gewidmet ist. Viele warten nur noch darauf.
Die Eskalation: In der Zeitung wird zum "zivilen Ungehorsam" aufgerufen.Die Folgen: Sachbeschädigung, Landesfriedensbruch und neue Zäune.
Manchmal sind es
Dummheiten, die zur Eskalation eines Konfliktes führen. Manchmal sind es
aber auch Vorsätzlichkeiten.
Möglicherweise ist
in Heiligendamm eine Mischung aus beidem de Ursache: Der Vorsatz eines
Leserbriefschreibers, Schaden anzurichten und die Dummheit eines
Zeitungs-Mitarbeiters, diesen Aufruf zu veröffentlichen. Die Folgen
jedoch sind schlimm:
Ausgerechnet im gerade erst
fertig gestellten Kurwald - einem Kleinod der Erholung für alle Gäste
des Seebades - treiben es die Gegner des Projektes auf die Spitze - und
damit zu weit. Eine Bank wird mitsamt Fundament aus dem Boden gerissen
und versetzt, Pflanzen ausgegraben oder zerstört und Trampelpfade
getreten. Zäune und Sperren werden umgangen und ein Pressefotograf
begeht Landesfriedensbruch. Eine Zeitung hetzt gegen die ECH und diese
wehrt sich. Ist Heiligendamm im Krieg?
Angefangen hat alles mit diesem kleinen Leserbrief, den Sie weiter oben
auch schon gelesen haben:
Zu „Heiligendamm:
Letzter Weg . . . “, OZ v. 8. Mai, schreibt Matthias Burkhardt,
Börgerende:
„Ein
anderes Wort als ,Schikane‘ fällt mir zu der Beseitigung des
,Stichweges‘ nicht ein. Fußgänger müssen jetzt 500 Meter Umweg auf
sich nehmen. Das ist für alte oder behinderte Menschen, die vom
Molli-Bahnhof oder vom Parkplatz mal an die Seebrücke wollen, sehr
viel. Es fällt mir auch beim besten Willen kein vernünftiger Grund
zur Beseitigung des Weges ein, ist doch die reichlich
abgeschottete Jagdfeld-Trutzburg weit entfernt.
Ich werde den gesperrten
Weg so oft wie möglich benutzen. Ziviler Ungehorsam ist ein
bewährtes Mittel des Protestes. Dass die Doberaner Stadtvertreter
diese Schikane, wenn auch mit knapper Mehrheit ,abgenickt‘ haben,
erstaunt mich am meisten. Vielleicht sollte die Bevölkerung
bei den bevorstehenden Kommunalwahlen darauf achten, dass einige
permanente ,Abnicker‘ mal abgelöst werden.“
|
Zu der Zeit war der Kurwald noch nicht
fertig und der Weg noch nicht gesperrt. Vom Bahnhof aus kommend endete
der alte Weg an einem Sitzrondell, auf dem Bänke stehen. Hinter den
Bänken gibt es ein Beet mit Blumen und Büschen. Der Rest des Weges ab
hier ist umgepflügt und mit Büschen bepflanzt.
Da der neue Weg nach Osten führt
und auch die Wegweiser dort hin zeigen, bestand für die ECH zunächst
kein Grund, hässliche Zäune aufzustellen. Wie schon beim Bau des Hotels
verließ man sich auf die Gutartigkeit der Menschen und verzichtete auf
Zäune.
Von der
Professor-Vogel-Straße aus wurde eine Hecke gepflanzt, damit niemand von
dort aus in eine Sackgasse läuft. Die alte Beschilderung wurde entfernt.
sodass es keine Irritationen gibt. In diesem Zustand wurde der Kurwald
dann von der ECH an die Stadt Bad Doberan übergeben:
Heiligendamm . Zwei Winter lang wurde
gearbeitet, jetzt ist er fertig: Die Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH) meldet die Übergabe des Kurwaldes an die Stadt.
Er stehe nun Heiligendammern, Bad Doberanern und ihren Gästen
wieder für Spaziergänge offen. „Trotz des harten und langen
Winters konnten wir die Arbeiten rechtzeitig abschließen. Bis auf
die Lampen, die auf den drei Hauptwegen noch installiert werden,
ist alles fertig geworden“, freut sich ECH-Geschäftsführer Hans
Schlag, heißt es in der Mitteilung.
Mit der Fertigstellung des
Kurwaldes erfüllte die ECH einen weiteren wesentlichen Teil des
Grundlagenvertrages mit der Stadt. Die Wegeflächen werden ihr
demnach kostenfrei übereignet, die gesamte Waldfläche verbleibt im
Eigentum der ECH. Sie habe, so heißt es weiter, die gesamten
Kosten der aufwändigen Neugestaltung übernommen. Norbert Sass,
Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, zeigte sich laut
ECH-Darstellung bei der Übergabe sehr zufrieden mit den Arbeiten
der Compagnie: „Der Kurwald ist sehr wichtig für Bad Doberan. Er
ist eine wesentliche Voraussetzung für den Antrag auf dauerhafte
Anerkennung als Seeheilbad. Daher sind wir sehr froh, dass er
jetzt fertig gestellt ist.“ Die Wege liegen vollständig auf den
historischen Trassen, wurden aber sorgfältig verbreitert, um
Spaziergängern einen ungehinderten Aufenthalt zu ermöglichen.
Erholungssuchenden stehen nun deutlich mehr Sitzmöglichkeiten
längs der Wege zur Verfügung. Vor allem Besuchergruppen werden
davon profitieren. Auf der Waldwiese nahe der katholischen Kirche
ist ein Platz für öffentliche Kurveranstaltungen entstanden, der
aufwändig gestaltet ist. Der Weg zum Strand, der durch den Kurwald
führt, hat durch die Maßnahmen an Attraktivität gewonnen, betont
die ECH.
Auf der 74 000 Quadratmetern
Waldfläche wurden bereits im Herbst/Winter 2007 Rodungsarbeiten
und forstliche Pflegemaßnahmen vorgenommen. Im abschließenden
Arbeitszeitraum wurden nun 1 200 m Wege vollständig neu gebaut,
acht Brücken über die Bachläufe geschaffen, zahlreiche Parkbänke
aufgestellt, 2000 Quadratmeter Aufforstung mit Buchensetzlingen
vorgenommen, zehn Solitärbäume neu sowie 550 Heckenpflanzen und 6
000 sonstige Waldstauden gepflanzt. Im Herbst werden noch 3000
Blumenzwiebeln in die Erde gebracht. An der Neugestaltung des
Kurwaldes waren ausschließlich regionale Firmen beteiligt. Die
Planung lag in den Händen des Büros Webersinke aus Rostock,
verantwortlich für die Fertigstellung zeichneten die
Landschaftsplaner der Firma Adolphi & Rose aus Wismar, deren
Kompetenz etwa auch die Bundesgartenschau in Schwerin genutzt hat.
|
Über
eine halbe Million Euro hat die ECH für den Kurwald ausgegeben. Er ist
ein Ausgleich für den Wegfall des Waldes, der jetzt Hotelpark ist und
ist fast doppelt so groß, wie der Hotelpark. Im Moment sieht er
sogar noch besser als der Hotelpark aus, da der Hotelpark zur zur Hälfte
gestaltet und der Rest noch nicht angelegt ist.
Der Kurwald gehört zwar der ECH
aber die Wegflächen werden der Stadt übereignet, damit sie öffentlich
bleiben können. Das ist eine Besonderheit, die auch gleich ein neues
Gesetz erforderte. Bisher gab es nämlich nur rein private oder rein
öffentliche Wälder.
Weil aber in Heiligendamm alles
irgendwie besonders ist, gibt es nun ein eigenes Gesetz, das den
Kurwaldstatus genau regelt.
Die Freude am Kurwald wurde der ECH und der Stadt allerdings schnell
wieder vermiest. Schon bei der Feierlichkeit, bei der Bürgermeister
Polzin anwesend war, zeigte sich nach Augenzeugenberichten, dass der
Verzicht auf Zäune nicht lange halten wird.
Ein Radfahrer quälte sich schon fast demonstrativ durch den umgepflügten
Teil des alten Weges und kam der Aufforderung des Bürgermeisters,
abzusteigen und den Weg zu benutzen, nicht nach. Schon bald hatte der
zivile Ungehorsam ein Ausmaß erreicht, das eigentlich nicht vorstellbar
ist:
|
Zukunft Heiligendamm | Ausgabe Juli 2009
Vandalismus im
Kurwald
Bereits wenige Tage nach seiner Wiedereröffnung muss die Stadt im
Kurwald Sachbeschädigungen verzeichnen.
Und dies leider nicht zum ersten Mal. Die Kosten trägt der
Steuerzahler.
Die Freude aller Beteiligten war
groß, als die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) am 4. Juni
den neu gestalteten Kurwald in einem feierlichen Festakt
der Öffentlichkeit übergeben
hat. Ob Stadtvertreter der verschiedenen Parteien oder die
Repräsentanten der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Hartmut Polzin
(SPD) an der Spitze: Das Lob für das neue Schmuckstück Heiligendamms
war einhellig.
Es dauerte jedoch nur wenige
Tage, bis Vandalen die neue Landschaftsarchitektur vorsätzlich
beschädigten:
Im Schutz der Dunkelheit rissen sie eine Parkbank (s. Foto) samt
ihrer beiden Sockel aus dem Boden und versetzten sie.
„Da müssen mehrere am Werk gewesen sein. Denn dafür braucht man viel
Kraft“, zeigt sich ECH-Geschäftsführer Hans Schlag entsetzt.
Den Schaden schätzt er auf 500 Euro, zu tragen von der Stadt Bad
Doberan.
Denn die ECH hat auf ihre Kosten den Kurwald neu errichtet; für
Pflege und Unterhalt ist vereinbarungsgemäß die Münster-Stadt
zuständig.
Auch von Seiten der Stadtverwaltung zeigt man sich enttäuscht über
die Zerstörungswut.
Ihr Hintergrund ist vielen Doberanern aber bekannt: Einige
Heiligendammer kündigten jüngst öffentlich Aktionen an, die den
Kurwald beschädigen.
Denn sie wollen auf einem Trampelpfad auf dem kürzesten Weg zur
Professor-Vogel-Straße gelangen – gleich was ihnen dort im Weg
steht, wie hier etwa die Parkbank.
„Ziviler Ungehorsam“ nennen einige diese Sachbeschädigung, die
übrigens auch ein Schlag ins Gesicht der Stadtvertreter ist.
Denn sie hatten sich für die
jetzige Gestaltung der Grünfläche entschieden. Im Interesse des
Erhalts des Kurwaldes für Doberaner und auswärtige Gäste hat die ECH
daher an der entsprechenden Stelle einen kleinen Zaun
angebracht, um weiteren Vandalismus zu verhindern. Aber bereits im
Frühjahr waren dunkle Gestalten im Kurwald unterwegs. Und gruben
nach Einbruch der Dämmerung frisch gesetzte Pflanzen aus. Die Suche
nach den Tätern verlief, wie auch im Falle der Parkbank, bislang
leider ergebnislos. ECH-Geschäftsführer Schlag schüttelt den
Kopf: „Es ist sehr schade, dass dieser Wald, den wir für die
Allgemeinheit errichtet haben,
von einigen wenigen mutwillig
beschädigt wird.“
 |
Dieser Sockel sicherte die Bank.
Vandalen haben ihn nachts aus der Verankerung im Boden gerissen. |
Von Christian Plöger
|
Die ECH musste
reagieren und errichtete einen jeweils einen Zaun am Ende des ehemaligen
Weges, um die Aufforstung zu schützen und Straftaten, wie es das
Betreten des Waldes außerhalb der Wege ist.
Wir erinnern uns: Die Wege und
Plätze sind öffentlich - der Rest ist Privatgrundstück der ECH. Das neue
extra dafür gefertigte Gesetz regelt dies und bezeichnet auch das
Verlassen der Wege eindeutig: Landesfriedensbruch.
Während bisher keiner so dumm
war, sich bei seiner Straftat erwischen zu lassen, hatte ein Fotograf
auf der Suche nach dem Fotomotiv keinen besseren Einfall, als
hinter den Zaun zu kriechen und so nicht nur ein schlechtes Beispiel zu
sein, sondern auch Landesfriedensbruch zu begehen:
Bildbeitrag in der Ostsee-Zeitung vom 19.06.2009 (Bildschirmfoto):

Die "Rechnung" für diese Straftat kam prompt, wurde aber erst drei
Redaktionsarbeitstage später abgedruckt und erschien im Gegensatz zum
fast viertelseitigen Bild nur als Leserbrief unter mehreren.
Eine Reaktion darauf seitens der
Ostsee-Zeitung oder des Täters erfolgte m. W. nicht.
ECH sieht keine Alternative zum Zaun
Zum Foto vom Zaun am
gesperrten Weg zwischen dem Bahnhof Heiligendamm und der Seebrücke
(OZ vom 19. 6.) schreibt Kirsten Brasche-Salinger,
Pressesprecherin der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH):
„In der heutigen Ausgabe der
Ostsee-Zeitung haben Sie einmal mehr einen einseitigen Bericht zum
Thema Kurwald mit einem propagandistisch aufgemachten Foto
abgedruckt, das wir so nicht stehen lassen möchten.
In Ihrer Zeitung haben Sie
vor nur wenigen Wochen, nach Fertigstellung des Kurwaldes, durch
den Abdruck eines Leserbriefes indirekt zum zivilen Ungehorsam
durch Nichtbeachtung der neuen Wegeführung im Kurwald aufgerufen.
Diesem wurde stark Folge geleistet. Täglich wurden Pflanzen
zertreten und ausgerissen und sogar eine neu aufgestellte Bank aus
dem Fundament gerissen, so dass ein beachtlicher Sachschaden
entstanden ist. Darüber haben Sie indes leider nicht berichtet.
Die einzige Möglichkeit,
diese Schäden in der Zukunft zu vermeiden, war die Errichtung des
Zaunes, über den Sie berichten und dessen Aufstellung mit der
Stadt sehr wohl abgestimmt ist. Wir möchten nochmals darauf
hinweisen, dass es sich hier nicht um eine willkürliche neue
Wegeführung unsererseits handelt, sondern Wege so geschaffen
wurden, wie sie durch die SVV von Bad Doberan festgelegt wurden.
Überdies gibt es die Verordnung über den „Kur- und Erholungswald
Heiligendamm“ des Landes MV, die in § 4 u. a. gesetzlich regelt,
dass es verboten ist, die gekennzeichneten Wege zu verlassen.
Ihr Fotograf, Herr Söllner,
hat für diese Aufnahme Landfriedensbruch begangen, wozu wir uns
rechtliche Schritte vorbehalten. Um eine solche Perspektive zu
erzielen, muss man sich schon sehr anstrengen, denn der Zaun ist
nur wenige Meter breit und keine zwei Meter hoch. Ein Tourist, der
durch die Prof-Vogel-Straße radelt, bemerkt den Zaun kaum, da muss
ihm schon genaue Anweisung gegeben werden, wo er sich hinstellen
soll. Dass jemand daran rüttelt oder wie im Gefängnis durchschaut,
ist auf schlimme Art von Ihrer Seite konstruiert. Nach wie vor ist
mir unverständlich, warum Sie mit allen Mitteln diese
Anti-ECH-Stimmung im Doberaner Teil Ihrer Zeitung aufbauen. Warum
berichten Sie nicht aus beiden Sichtweisen und kontaktieren
uns/mich vor einer solchen Geschichte, damit auch unsere Sicht der
Dinge in einem Beitrag zur Sprache kommt?“
|
Schauen wir uns das einmal genauer an:
Das ist der Zaun von der Professor-Vogel-Straße aus.
Er ist so hoch,
wie links und rechts die Hecke und hinter ihm gibt es ebenfalls eine
Hecke.
Das ganze macht den Eindruck, als würde es schon länger dort stehen.
Nur der abgesenkte Bordstein verrät uns, dass es nicht immer so war.

Die Spuren des zivilen Ungehorsams sind nicht zu übersehen.
Die
Täter haben den recht frischen Rasen zertrampelt und steigen dann
über den kniehohen Holzzaun in die Professor-Vogel-Straße.
Es ist
nur eine Frage der Zeit, bis die ECH das mit einem ebenso hohen Zaun
bis an die Kolonnaden heran unterbinden muss. Das was die Täter
eigentlich beabsichtigen - dass die Zäune verschwinden - werden sie
so nicht erreichen.

Hier auch noch einmal von der anderen Seite des ehemaligen Weges
aus.
Man gelangt auf einen Platz mit Sitzmöglichkeiten, der sich nach
rechts in zwei Wege gabelt.

Erst wenn man davor steht, bemerkt man die freie Fläche hinter dem
Zaun.

Und erst, wenn man fast auf dem Blumenbeet steht, erkennt man hier
eine durchgehende Lichtung.

Aber warum sollte man überhaupt hinter die Bänke gehen und auf das
Blumenbeet latschen?
Der Wegweiser zeigt schließlich deutlich, wo es entlang geht: nach
rechts.
Jeder Ortsunkundige- also jeder Urlauber, Kurgast, Hotelgast und
Tagesgast - wird dem folgen.


Damit dürfte klar sein, dass solche Unsitten oder auch Straftaten
wie diese und die aus dem
zweiten Bild zu 99% nur von Einheimischen gepflegt werden: Von
Heiligendammern und Bad Doberanern.
Eben von jenen, die die ECH bisher in Schutz nahm, als es um die
Verteidigung von Zäunen ging.
Von jenen, von denen die ECH sagte, dass nicht die paar Leute das
Problem sind,
sondern die tausenden Tagesgäste, von denen man sich gestört oder
belästigt fühlt..
Diese Heiligendammer und Bad Doberaner sind es letztlich,
die durch ihre Torheit für immer neue und immer höhere Zäune sorgen
und dafür,
dass die ECH ihr Entgegenkommen reduziert und ihr gehörende Flächen
vorzeitig sperrt.

|
Die Einheimischen jedoch begreifen nicht,
was sie mit ihren fragwürdigen Taten anrichten. Sie kapieren nicht, dass
letztlich sie aus ihren Abgaben und Steuergeldern die Reparaturen
bezahlen, die der Vandalismus nach sich zieht. Sie begreifen nicht, dass
sie mit ihrem Tun genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie
erreichen wollen. Sie sehen nicht, dass der Unfug einiger weniger
letztlich alle Heiligendammer und Bad Doberaner bestraft, dass er die
eigenen Stadtvertreter und im Grunde die Demokratie und damit die Wähler
- also sich selbst - in Frage stellt.
Sie sehen nicht, dass
das Geld, das hier seitens des Investors in von ihm ursprünglich nicht
gewollte Zäune gesteckt wird, bei sinnvollen Investitionen wieder fehlt.
Sie begreifen ebenfalls nicht, dass jeder Reparaturaufwand, den die
Stadt mit Personal und Geld bewältigen muss, zu einem Mangel an anderer
Stelle führt. Diejenigen, die eigentlich dazu da sind, Bad Doberan
attraktiver zu gestalten und die Attraktivität ständig zu erhalten,
müssen sich nun damit beschäftigen, die Folgen von Vandalismus zu
beseitigen. Die Gelder, die dafür benötigt werden, fehlen bei so
wichtigen anderen Dingen, wie der Schulsanierung, dem Straßenbau, der
Kultur und den Sozialausgaben. Dennoch verteidigen tatsächlich Personen
öffentlich das Tun:
OZ/LOKAL/DBR vom 25.06.2009 12:00
Zum Thema „Absperrung in Heiligendamm“ schreibt Birgit Koch aus
Heiligendamm: „Die ECH sollte sich auf den Ortscharakter
Heiligendamms besinnen, anstatt den „55. Zaun“ wortreich zu
verteidigen. Wer Hauptwege bepflanzt und absperrt, muss sich doch
nicht über „zivilen Ungehorsam“ wundern. Der letzte Hauptweg vom
Bahnhof Heiligendamm zur Seebrücke muss für jeden begehbar sein, der
Zwangsumweg ist besucher- und anwohnerfeindlich.“
Erika Wenzel aus Bad Doberan
|
Dazu kann man dann nichts weiter
tun als sich zu fragen: Sind wir in Heiligendamm im Krieg?
Jede Gelegenheit wird genutzt, um mit immer den gleichen Argumenten
wider aller Erklärungen und wider besserem Wissen gegen den Investor zu
wettern.
Hauptwege? Welche Hauptwege? DA IST KEIN WEG!
Der einzige Trost der ECH: Sie ist nicht das erste Opfer.
Die
MEDIAN-Klinik hat diese Fehde auch schon durch. Allerdings nicht so
heftig.
Zündstoff für neue
Diskussionen: Eine Bürgschaft für Heiligendamm.
Der abrupte Ausstieg Kempinskis hat
ein großes Loch in die Kasse des Grand Hotels gerissen. Die Verweigerung
einiger Stadtvertreter, die letzte Beschlussvorlage erneut abzustimmen
und mit einem "Ja" den Weg für die Sanierung der Perlenkette frei zu
machen, macht es nicht leichter, an frisches Geld zu kommen. Die ECH
braucht Geld und da der Weg über den Verkauf der Wohnungen in der Perlen
derzeit durch die Stadtvertreter versperrt ist, muss das Geld aus
anderen Quellen fließen. Die Banken jedoch gewähren FUNDUS keine
Kredite, da die nötigen Sicherheiten - in der Regel ist ein gut
laufendes Hotel ausreichend - nicht nachgewiesen werden können.
FUNDUS hat daher
in Schwerin um eine Bürgschaft gebeten, um für die Banken kreditwürdig
zu bleiben. Irgendwo ist dies auch ein Hilferuf nach Schwerin ob der
verfahrenen Situation in Bad Doberan und Heiligendamm. Schwerin bürgt
bis zu 4 Millionen Euro und damit entfacht eine Diskussion, die alles
wieder hervor holt, was längst überwunden schien.
Die Bürger verwechseln
eine Bürgschaft mit einem Kredit und denken, dass Geld aus Schwerin nach
Heiligendamm fließt. Das ruft Unverständnis hervor, denn Geld wird im
Land derzeit in Wismar (Wadan-Werft) nötiger gebraucht. Aber es gibt
auch Stimmen, die zu erklären versuchen, dass eine Bürgschaft erst dann
Geld kostet, wenn der, für den gebürgt wird, die Kredite, für die
gebürgt wird nicht mehr zurück zahlen kann. Doch diese Stimmen gehen
unter in der Diskussion um Wege, Zäune und verletzte Gefühle.
Hier die erste
Meldung zur Bankbürgschaft:
|
Region Bad Doberan | 01.07.2009 - 12:19:36 Stadtanzeiger
am Samstag
Grand Hotel Heiligendamm: Landesbürgschaft sichert Bewältigung der
Wirtschafts- und Finanzkrise
Bad Doberan/Heiligendamm.
Das Grand Hotel Heiligendamm nimmt eine Bürgschaft des Landes
Mecklenburg-Vorpommern über vier Millionen Euro in Anspruch.
Damit ist sichergestellt, dass das Grand Hotel die Folgen der
Wirtschafts- und Finanzkrise bewältigen kann, die auch an ihm
nicht spurlos vorübergehen. „Ich freue mich, dass das Land zu
unserer gemeinsamen Verantwortung steht, das Grand Hotel als
touristisches Aushängeschild des Landes und bedeutender
Arbeitgeber von über 300 Beschäftigten zu unterstützen“,
erklärte Anno August Jagdfeld, Geschäftsführer der Grand Hotel
Heiligendamm GmbH & Co. KG.
Hintergrund sind die
unbefriedigenden wirtschaftlichen Ergebnisse in Folge der
Wirtschafts- und Finanzkrise. Von ihr ist die gehobene
Hotellerie landesweit in besonderem Maße betroffen.
Noch bis
Mitte 2008 hatte die damalige Managementgesellschaft Kempinski
einen Gewinn von eineinhalb Millionen Euro für das Grand Hotel
Heiligendamm prognostiziert. Stattdessen wurde ein Verlust von
zwei Millionen Euro erwirtschaftet.
Überdies entgingen dem
Grand Hotel erhebliche Einnahmen durch den abrupten Ausstieg der
Managementgesellschaft im Februar 2009, mit dem Buchungssystem
und Internet-Auftritt von jetzt auf gleich abgeschaltet wurden.
Die nunmehr notwendigen Ausgaben für neues Buchungssystem,
Internet-Auftritt und Neupositionierung (Werbung und Marketing)
sind zwingende Folge dieser Altlasten und haben das Ergebnis im
ersten Halbjahr 2009 daher belastet.
Das Grand Hotel
Heiligendamm ist aber dennoch ein strukturell gesundes
Unternehmen. Einschließlich der Bürgschaft belaufen sich die
Bankkredite mit etwa 22 Millionen Euro auf lediglich 11 Prozent
des gesamten Investitionsvolumens von etwa 200 Millionen Euro.
Damit verfügt die Hotel-Gesellschaft über eine auch im Vergleich
solide Eigenkapitalausstattung. „Wir sind daher zuversichtlich,
die Durststrecke gut zu überwinden. Für unsere Gäste,
Mitarbeiter und Lieferanten ändert sich nichts“, so Jagdfeld.
|
Reaktionen auf die Bürgschaft: Unverständnis und Zorn.
|
|
Stadtanzeiger
Region Bad Doberan | 01.07.2009 - 14:44:49
Birgit Schwebs (DIE LINKE): „Bürgschaft für Nobelhotel in
Heiligendamm ist das falsche Zeichen“
Schwerin/Bad Doberan.
Die
finanzpolitische Sprecherin der Linksfraktion in
Mecklenburg-Vorpommern, Birgit Schwebs,
kritisiert die
4-Millionen-Euro-Bürgschaft des Landes für die angeschlagene
Fundus-Gruppe des Unternehmers Anno August Jagdfeld.
„Es ist doch kein
Geheimnis, dass das Nobelhotel in Heiligendamm weit unter der
erforderlichen Auslastung liegt“, erklärte sie am
Mittwoch in
einer Mitteilung an die Medien. In Zeiten, in denen Tausende von
Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz bangen, sei es das falsche
Zeichen, den Betrieb eines Luxushotels mit staatlicher
Unterstützung am Laufen zu halten.
„Für den erfolgreichen
Betrieb eines Hotels bedarf es eben mehr als eines dubiosen
Geschäftsgebarens und eines Weltwirtschaftsgipfels“, so Frau Schwebs.
„Es besteht die Gefahr, dass die Landesbürgschaft in
den Sand des Ostseebades gesetzt ist.“
|
Birgit Schwebs gehört ja zu der Partei,
die komplett gegen eine erneute Abstimmung über die Beschlussvorlage
zum Bau der Tiefgarage und der Erteilung des Dauerwohnrechts
gestimmt hat. 11 Stadtvertreter haben für eine
erneute Behandlung
der Beschlussvorlage gestimmt und 14 dagegen.
Schon die komplette Fraktion
der Linken hätte dieses erneute Desaster verhindern können, indem
sie geschlossen
für statt gegen den weg aus der Stillstandsituation
gestimmt hätte. Dann wären es 15 Befürworter und 10 Gegner
gewesen
und die SVV hätte noch einmal abstimmen müssen.
Hätte dann die Linke auch noch geschlossen wie sie sich immer gibt
für die Beschlussvorlage gestimmt,
könnten im Juni 2010 die Bagger
anrollen. Hat sie aber
nicht und damit werden 2010 wohl keine Bagger mehr anrollen.
Statt
dessen beschwert sich nun die finanzpolitische Sprecherin der Linken
darüber, dass das Land für das Grand Hotel bürgt,
damit es Kredite
gibt. Als Finanzexpertin
wird sie wissen, dass man keine Kredite aufnimmt, um sein Konto ins
Plus zu bringen,
sondern um Rechnungen bezahlen und Investitionen
tätigen zu können. Wenn FUNDUS also für das Grand Hotel Kredite
aufnehmen
und dafür das Land als Bürgen haben möchte, dann nicht, um
ein Plus auf dem Konto zu haben, das eh in de Bilanz keines ist,
sondern um einen anderen Weg der Finanzierung zu gehen. Wofür genau
das Hotel die Bürgschaft benötigt, steht ja nirgendwo zu lesen.
Birgit Schwebs - übrigens selbst Heiligendammerin - ist die einzige
Lokalpolitikerin, die sich zu diesem Thema zu Wort meldet. Aber zumindest
weiß Birgit Schwebs, was eine Bürgschaft ist. Schauen Sie sich
einmal die öffentliche Diskussion an:
|
Ostsee-Zeitung | 01.07.2009
bis heute |
Heiligendamm.
Vier Millionen Euro für
das Grand Hotel in Heiligendamm. Mecklenburg-Vorpommern
stellt eine Bürgschaft für das finanziell angeschlagene Luxus-
Resort aus. „Ich freue mich, dass das Land zu unserer
gemeinsamen Verantwortung steht, das Hotel als touristisches
Aushängeschild und als Arbeitgeber für über 300 Beschäftigte zu
unterstützen“, hatte Geschäftsführer Anno August Jagdfeld
verkündet. In Doberan und Umgebung schlug die Nachricht hingegen
wie die sprichwörtliche Bombe ein. Mehr Sorge als Freude über
die kulante Geste aus Schwerin war gestern auf den Straßen zu
spüren.
„Es ist schön, dass es in
der Weißen Stadt weitergehen soll. Doch muss dafür diese
Bürgschaft herhalten?“, fragt Einzelhändler Lutz Hinze von der
„Kaffeetante“, einem Geschäft in der Mollistraße. Der 47-Jährige
hätte es allemal besser gefunden, wenn der Investor einen
anderen Weg aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gefunden hätte.
Und nicht den
Steuerzahler belastet. „Das Ganze ist eine Schweinerei“,
macht Klaus Grollmisch (69) seinem Herzen Luft. Die Großen
würden um Hilfe schreien und bekämen sie. „Die Kleinen dagegen
fallen durchs Sieb.“ Auch Volker Thüne vom Fotogeschäft glaubt,
dass die Millionen woanders besser angelegt wären.
Beispielsweise bei den Werften im Nordosten, wo 2400
Arbeitsplätze vor dem Aus stehen. Der 67-Jährige erkennt zudem
Fehlentwicklungen,
die es in Heiligendamm gab.
Alles Leben außerhalb der Hotelmauern wurde faktisch lahmgelegt.
Er erinnert an die Geschäfte unter den Arkaden und das Café.
Das beklagen heute Besucher
der Weißen Stadt oder der Median-Klinik. Mit verhältnismäßig
wenig Geld, könnte man die Attraktivität von Heiligendamm wieder
erhöhen, wenn man Initiativen Einzelner zuließe. Irene Möhler
(72), Seniorin aus Bad Doberan, hat kein Verständnis, dass
wieder mal die Reichen unterstützt würden. „Uns Rentnern gibt
man jetzt eine kleine Erhöhung, die man uns nach der
Bundestagswahl am liebsten wieder aus der Tasche ziehen würde.“
Ein Plus von 64 Euro erhalten Eberhard Imker und seine Frau seit
1. Juli. „Damit würden sich Bankenchefs wie Ackermann nicht
abspeisen lassen. Die Reichen haben eben eine große Lobby.
Überall. Das sieht man auch bei der Landesgarantie für Herrn
Jagdfeld.“ Ob die fruchtet, letztlichd em Hotel hilft, mag der
Börgerender aber nicht beurteilen. Ingrid Bade, Chefin vom
Blumenhaus am Markt, freut sich für die „jungen Leute im Grand
Hotel“, die ihren Arbeitsplatz behalten. „Etliche kenne ich
persönlich. Ihr Schicksal liegt mir schon am Herzen.“ Doch die
Zeiten seien einfach härter geworden. „Wir müssen uns alle sehr
anstrengen, um die Krise zu überstehen. Meine Tochter betreibt
große Akquise, läuft zu Messen, zu Kunden, wirbt, macht und tut.
Jeder muss heute ums Überleben kämpfen.“ Vor allem die Kleinen
haben es schwerer, weiß Elke Lembke von der Schuldnerberatung
des Arbeitslosenverbandes und der Awo. Die Talsohle ist noch
nicht erreicht.
„Täglich habe ich mit
Insolvenzen zu tun. Da haften Einzelne für die Pleite ihres
Unternehmens.“ Und sie fügt an: „Wie wär’s, wenn wir die alle
als Bittsteller
nach Schwerin schicken?“
„Millionen besser anlegen“
Volker Thüne (67), Geschäftsmann:
„Heiligendamm sollte man wieder
beleben. Auch außerhalb des Hotels. Und:
Die Millionen könnte man
woanders viel besser anlegen.“
Irene Möhler
(72), Renterin:
„Die Landesbürgschaft fürs
Hotel ist für mich ein Witz. Unverständlich.
Mit den Millionen
könnten wir in Bad Doberan ganz andere Probleme lösen.“
Helga Zunker (59), Doberan:
„Nicht dem Luxus-Hotel, sondern
den Wadan-Werften und dem Mittelstand sollte man helfen. Dort
schlägt das Herz der Region.“
Ingrid Bade,
Geschäftsfrau:
„Ich freue mich für die jungen
Leute, die ihren Arbeitsplatz behalten.
Das ist wichtig. Für die
Region, für unsere Zukunft.“
Eberhard Imker
(73), Börgerende:
„Die Reichen haben immer eine
Lobby. Finden Gehör.
Der Steuerzahler soll
die Zeche zahlen. Das schafft Unfrieden.“
Aufregung in Bad Doberan und Heiligendamm.
Die Finanzspritze des Landes fürs Grand Hotel stößt eher
auf Unverständnis als auf Jubel.
Die Residenz in Heiligendamm
hat eine 4-Millionen-Bürgschaft vom Land erhalten. Das ist nicht
nachzuvollziehen. Jeder weiß, dass dieses Objekt seit Jahren in
der Insolvenz schwebt und nur durch den G8-Gipfel erst mal
gerettet wurde. Es ist anderen Unternehmen in der gleichen
Branche gegenüber nicht zu verantworten, wie hier
Steuermittel in den Sand gesetzt
werden.
Warum gehen die
Betreiber nicht zur Bank und erhalten dort die Finanzierung,
wie jedes andere Unternehmen?
Gerd Stranghöner, Rostock
Unsere
Landesregierung bürgt mit vier Millionen für die Entwicklungs
Compagnie Heiligendamm (ECH). Habe ich das richtig verstanden?
Für eine Gesellschaft, die 1 Million Gewinn und so einiges mehr
verspricht und ein Jahr später 2 Millionen Verlust ausweist? Die
millionenschwere Immobilien besitzt, nicht nur das Grand Hotel
im eingezäunten Heiligendamm, auch die gesamte Perlenkette.
Warum muss die ECH nicht zuerst ihr Eigentum verkaufen,
um an frisches Geld zu
kommen?
Simona Warmuth, Rethwisch
Dutzende rechtschaffende
Hoteliers im Land, denen durch teilweise abenteuerliche
Forderungen und Vorgaben der Geldhahn zugedreht wurde und
investitionswillige Existenzgründer, denen selbst bei bester
Bonität eine Finanzierung verweigert wird, staunen angesichts
des Engagements und der Finanzierungsbereitschaft der
Landesregierung für diese Investitionsruine. Ist Herr Jagdfeld
pleite, ist Fundus pleite, mögen sie bitte Insolvenz anmelden.
Roland F.W. Manke, Strande
Nur wenn man groß oder bekannt ist, kann man mit Krediten oder
Bürgschaften rechnen. Kein Politiker interessiert sich für die
vielen kleinen Betriebe, die wirtschaftliche Probleme haben.
Obwohl der Leitzins mehrmals gesenkt wurde, geben die Banken nur
Kredite, wenn man genügend Sicherheiten hat.
Norbert Liebeskind,
Stralsund
Die Heiligendammer Blase hat bereits
50 Millionen Euro Steuergeld vertilgt,
nun kommen noch 4
Millionen hinzu. Finanzministerin Heike Polzin (SPD)
zögert mit einer irrwitzigen Eilaktion das Ende dieses
Bananenprojektes noch einmal hinaus. Es ist ja auch das
Steuergeld derer, die in Heiligendamm nicht willkommen sind.
Nach der Wahl überlässt man es anderen, den Scherbenhaufen
zusammenzufegen.
Axel Thiessenhusen,
Rostock
Die alten Villen verkommen und niemand zwingt die Fundus-Gruppe,
die Villen an private Bürger zu verkaufen.
Außer, dass eine Villa abgerissen wurde, hat die Gruppe nichts
an den herrlichen alten Villen getan. Ein Skandal!
Klaus Saugeon, Dierhagen
Wieder einmal kann man an der wirtschaftspolitischen Kompetenz
unserer Politiker zweifeln. Da werden wiederholt
Millionen Euro
verschleudert.
Die Fundus-Gruppe muss schon seit Jahren in den geschlossenen
Immobilienfonds nachschießen, um die Pleite zu vermeiden. Nun
können oder wollen die Fondsinhaber nicht mehr, und der
Steuerzahler soll es richten. Laut Guttenberg müsste Insolvenz
angemeldet werden.
Benno Thiel, Berlin
Ein Resort-Hotel für Superreiche und Prominente, die unter sich
sein wollen, mit einem öffentlichen Strand. Ein deplatzierter
Zaun, der Eingezäunten wie Ausgegrenzten gleichermaßen
unangenehm sein dürfte. Im Grunde sagt der gesunde
Menschenverstand: Das kann doch nicht funktionieren, war
irgendwie
zum Scheitern verurteilt.
Die Landesregierung verfügt über den genannten Verstand
anscheinend nicht und riskiert noch vier Millionen Steuermittel
in Form
einer Bürgschaft.
Uwe Ritschel, Zweedorf
Es ist nicht zu verstehen, vofür
der Steuerzahler
hierzulande überall zur Kasse gebeten wird. Wer denkt
eigentlich an die ganzen mittelständischen Unternehmen, die
unverschuldet von der Wirtschaftskrise gebeutelt werden? Was in
Heiligendam passiert ist, ist ohnehin nicht verantwortbar.
Vollmundig wurde die Sanierung des Seebades versprochen, und was
ist geschehen? Eine Promenade von Ruinen rottet weiter vor sich
hin. Wer soll den hier Urlaub machen wollen? Schöne und Reiche,
auf die man gesetzt hatte, verirren sich nicht nach Heiligendam
und der G8 - Bonus, so es wirklich einen gab, ist lange
aufgebraucht. Hier hilft nur ein tragfähiges Konzept, wie es in
anderen Seebädern mit seriösen Investoren verwirklicht wurde -
man schaue mal nach Kühlungsborn. Aber der maroden
Fundus-Gruppe, die hier jahrelang genug Schaum geschlagen hat,
noch finanzielle
Unterstützung aus dem Landeshaushalt zu gewähren, ist
mehr als verantwortungslos.
schreibt
Peter Thiemann aus Ostseebad Nienhagen
Die Zahlung an die
Fundus-Gruppe in Höhe von vier Millionen Euro war
absolut überflüssig! Jeder normale Bürger würde versuchen,
seine Schulden in irgendeiner Form zu begleichen. Ich kann mir
nicht vorstellen, dass es in der Fundus-Gruppe keine weiteren
Vermögenswerte gibt, die beliehen oder auch verkauft
werden können! Wenn nun
wirklich kein Geld mehr da ist, kann Herr Jagdfeld ja seine
Besitztümer in Vorder-Bollhagen abstoßen.
Wilfried Putzmann, Rostock
Die Empörung
der Bauern ist verständlich. Ihnen wird ständig Hilfe
versprochen, aber nichts passiert.
Nicht nachzuvollziehen ist da die sofortige unbürokratische
Förderung des Grand Hotels Heiligendamm.
Margrit Reimann, per
E-mail
Es war doch klar, dass Fundus Geld
sammeln und die ECH Konzepte entwickeln muss. Und dass
Heiligendamm mit dem Geld der Anleger, Banken und Hotelgäste
wächst. Dass Heiligendamm sich nicht so entwickelt hat, wie es
sollte, ist nicht allein der ECH zuzuschreiben. Die hat wie
vereinbart das Ensemble saniert und man darf wohl behaupten,
dass sie das spitzenmäßig gemacht hat. Darf das Land für das
Grand Hotel bürgen? Wenn es für jedes andere Hotel in gleicher
Situation in gleichem Umfang auch bürgt – ja. Das Land hat in
Heiligendamm ordentlich zugebuttert. Lässt es Heiligendamm
fallen, ist das Geld futsch. In diesem Kontext sollte man die
Bürgschaft sehen. Allerdings sollte man auch die Industrie
unterstützen. Die Werften haben viel unmittelbarer mit der
Wirtschaftskrise zu kämpfen – in Heiligendamm ist ja nicht die
Wirtschaftskrise Hauptgrund, sondern die nicht funktionierende
Zusammenarbeit aller.
Martin Dostal, Bad
Doberan
|
Schauen wir uns dieses Armutszeugnis einmal
genauer an:
Was haben die Menschen, die diese Aussagen gemacht haben gemeinsam?
- Die Zahlung an die Fundus-Gruppe in Höhe von vier Millionen Euro
war absolut überflüssig!
- Es ist nicht zu verstehen, wofür der Steuerzahler hierzulande
überall zur Kasse gebeten wird.
- Da werden wiederholt Millionen Euro verschleudert.
- Die Heiligendammer Blase hat bereits 50 Millionen Euro Steuergeld
vertilgt, nun kommen noch 4 Millionen hinzu.
- Die Finanzspritze des Landes fürs Grand Hotel stößt eher auf
Unverständnis als auf Jubel.
- Mit den Millionen könnten wir in Bad Doberan ganz andere Probleme
lösen.
- Die Millionen könnte man woanders viel besser anlegen.
- Der Steuerzahler soll die Zeche
zahlen.
- Warum muss die ECH nicht zuerst ihr Eigentum verkaufen, um an
frisches Geld zu kommen?
- Aber der maroden Fundus-Gruppe, .... noch finanzielle
Unterstützung aus dem Landeshaushalt zu gewähren...
oder die Krönung:
- Warum gehen die Betreiber nicht zur Bank und erhalten dort die
Finanzierung, wie jedes andere Unternehmen?
Antwort: Sie haben keine Ahnung.
Sie kritisieren Dinge, mit denen sie sich kein bisschen auseinander
gesetzt haben.
Ihre Aussagen sind allesamt sachlich falsch. Die Ostsee-Zeitung hat
- wenn ich richtig gezählt habe -
17 Lesermeinungen gegen die
Bürgschaft veröffentlicht und 10 der Befragten und
Leserbriefschreiber wissen gar nicht,
was eine Bürgschaft ist.
Selbst der Autor des Beitrages gibt einen falschen Sachverhalt
wieder und suggeriert damit,
dass vier Millionen Euro nach Heiligendamm geflossen sind.
Über die Hälfte
der Veröffentlichungen und der Beitrag selbst wurden also von
Personen verfasst, die keine Ahnung
von dem haben, was sie da von
sich geben. Diese Personen schaden dem Image der ECH und des Landes
Mecklenburg-Vorpommern nur allein durch die Dummheit, über Dinge zu
reden oder zu schreiben, zu denen
sie keine Kenntnisse oder
Informationen haben. Statt dessen vermischen sie ihre sinnlosen
Aussagen noch
mit uralter Kritik am Hotel selbst. Schlimmer noch:
Ein Volker Thüne ist kein Dummkopf, der nicht weiß, was
eine
Bürgschaft ist - seine Aussage kann eigentlich nur durch eine
falsche Information oder eine falsche
Fragestellung zu Stande
gekommen sein. Offenbar - und das wird beim Lesen des
Zeitungsartikels ja
auch deutlich - hat selbst der Redakteur der
Ostsee-Zeitung keine Ahnung von dem, was er da schreibt oder falsch
recherchiert.
Pisa lässt grüßen. Und das ist nur
die Spitze des Eisberges.
Die "Dummheit" geht weiter - die Medien
schaffen gar nicht, so viel "Unsinn" zu veröffentlichen:
|
Man kann einfach nur noch entsetzt sein wenn man
den Artikel über das Grandhotel Heiligendamm liest.
Wie kommen unsere Landespolitiker eigentlich dazu
so mit unseren Steuergeldern umzugehen?
Man liest nur noch negative Dinge über dieses Hotel und der
Tourismusverband M/V nennt es auch noch ein "Glanzstück".
Unsere Finanzexperten können nur froh sein das wir pünktlich
unsere Steuern zahlen!
schreibt Andreas
Callies aus Wittenbeck
Steuergelder für
Spekulanten, das ist eine weitere Fehlleistung des
Wirtschaftsministers.
Wenn der MP und auch die CDU nicht endlich Seidel verabschieden,
richtet dieser fortgesetzt Schaden an.
schreibt ein/e Herr/Frau Meissner aus Greifswald im
Stadtanzeiger
Wir als Heiligendammer
stellen uns die Frage, warum die Stadt Bad Doberan, der
Landkreis und die Landesregierung einen Immobilienhändler
hofiert, dessen herausragenste Leistung der vergangenen sechs
Jahre war, die Bevölkerung zu spalten und die Weiterentwicklung
(Zukunft) Heiligendamm`s zu blockieren. Der Wahnsinn hat
Methode, zur Zeit gipfelt er in einem Propagandablättchen namens
- Zukunft Heiligendamm -, die Lektüre beabsichtigt auf subtilste
Art und Weise zu polarisieren - warum nur?
Ist es vielleicht doch
so, dass es hier um hoch spekulative Immobiliengeschäfte geht,
dessen Feigenblatt und Rechtfertigung die Schaffung von
Arbeitsplätzen ist? Warum wird immer wieder der Versuch
unternommen, die Bevölkerung zu spalten? Wer profitiert von
dieser Strategie?
Wir alle wissen doch,
dass außer dem Investor selber, niemand für dessen Mißwirtschaft
verantwortlich zu machen ist. Wir alle wissen auch, dass
genügend Investoren für die Sanierung der Villen bereit wären,
Geld in die Hand zu nehmen und Handwerker mit der Sanierung zu
beauftragen. Was wir nicht wissen ist, wie werden die Auflagen
bezüglich der Landesbürgschaft, der Landesregierung erfüllt. Wer
kauft die Orangerie? Wer betreibt das Hotel? Wir glauben, dass
an den Ergebnissen dieser beiden Beauflagungen für jedermann
klar erkennbar sein wird, von welchem Geist die Zusammenarbeit
zwischen Stadt, Landkreis, Landesregierung und dem
Immobilienhändler geprägt ist.
schreibt
Kira Goedeke aus Heiligendamm
|
Zumindest Frau Goedecke hat sich mit dem Thema auseinander gesetzt.
Allerdings muss man den Text mehrmals lesen, um ihn zu verstehen.
Auf die Gefahr hin, ihn nicht richtig verstanden zu haben, versuche
ich mal eine Antwort:
Erstens: Die Bevölkerung hat
sich selbst gespalten, denn die einen haben sich am Investor
orientiert, die anderen an der Bürgerinitiative und dem Bürgerbund
und wieder andere an den Stadtvertretern. Natürlich gibt es in
dieser vielfachen Spaltung auch Leute, die sich an keiner dieser
Pole festhalten, sondern ihre eigene Meinung bilden. Ich kann keine
außergewöhnliche Spaltung beobachten. Es gibt Befürworter und
Gegner, sowie Leute, die sich nicht beteiligen aber immer nur pro
Angelegenheit, nicht als Ganzes. Beispiel: Jemand ist
begeistert von dem, was die ECH vollbracht hat (was ja immer wieder
vergessen wird) aber nicht einverstanden mit der Tiefgarage. Dadurch
ist er nicht für oder gegen das Projekt an sich oder FUNDUS oder die
ECH oder das Hotel oder Jagdfeld.
Dennoch zählt in Bad Doberan
und Heiligendamm nur noch schwarz und weiß und wer sich zu keiner
dieser Farben bekennt - wie ich - wird von allen Seiten beharkt.
Aber es ist auszuhalten. Am Ende siegt nicht irgend eine Farbe,
sondern die Wahrheit.
Zweitens: Das
"Propagandablättchen" ist eine Antwort auf ganz andere und viel
wirkungsvollere "Propagandablättchen".
Die Aussagen hier stammen aus erster Hand - man kann also mit dem
Finger drauf zeigen und der ECH sagen "Ihr habt gesagt...".
Besser können es die Zweifler und Pessimisten gar nicht haben. Warum
versucht die Zeitung, auf - naja "subtiliste? - Art und Weise zu
polarisieren? Vielleicht,
weil die ECH endlich weiter machen will, weil sie erfolgreich das
Projekt zum Abschluss bringen will - und zwar noch zu Lebzeiten der
Mitarbeiter? Vielleicht auch einfach nur, weil Werbung nun einmal
polarisieren möchte und man natürlich diese Zeitung als Werbung
ansehen darf. Im besten Sinne, denn Werbung heißt, etwas schmackhaft
zu machen und ganz offensichtlich sind viele Bürger noch nicht auf
den Geschmack gekommen, den die ECH im Munde hat.
Drittens: Ist es so, dass
hochspekulative Geschäfte mit Immobilien betrieben werden? Der
Bürgerbund behauptet genau dies.
Und zwar nur der. Ist der Bürgerbund ein Garant für sachlich
richtige Informationen oder ist er auch nur eine Partei und damit
parteilich?
Viertens: Ich wusste noch nicht, dass man nur den Investor für die
Misswirtschaft verantwortlich machen kann.
Der Investor - das sind 2000
Anleger, die jeder für sich eine Menge Geld in einen Fonds
investiert haben und denen das Hotel gehört. Sie haben der ECH den
Auftrag gegeben, Heiligendamm zu entwickeln und die ECH täte
schlecht daran, den Auftrag nicht oder nur halbherzig zu erfüllen.
Die ECH plant die Dinge nicht zum Spaß und gibt nicht aus Lust und
Laune Millionen für die Planung aus. Sie muss Heiligendamm
entwickeln. Tut sie das nicht, verliert sie den Auftrag und ihre
Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Entwickelt sie Heiligendamm nicht
stets optimal, gibt es kein Geld und der Fonds kann dicht machen.
Die Folge sind Klagen und Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe.
Das erübrigt eigentlich auch die Frage nach hochspekulativen
Geschäften.
Natürlich gibt es Faktoren, die an der
Misswirtschaft Schuld sind.
So hat das Hotel in meinen Augen viel zu viele Angestellte. Wenn es
aber massenhaft Leute entlässt, wird man ihm gerade daraus wieder
einen Strick drehen. Und es gibt weitere Faktoren: Faktor Nummer
eins dürfte Kempinski selbst sein, das das Hotel über Tchibo und TUI
vermarktet und damit die Exklusivität heruntergeschraubt hat. Der
schlechte Service wurde auch bemängelt. Allerdings sind das für mich
auch wieder eher Folgen, als Ursachen. Die Hauptursachen sind die
verstreuten Gebäude, von denen ein Teil nicht saniert werden kann
und daher das Ambiente stören. Aber auch der öffentliche
Durchgangsverkehr bisher war ein Problem. Das man ja eingedämmt hat.
Doch auch die fehlenden freizeitlichen Angebote, die derzeit noch
hinten anstehen, weil erst die Perlenkette saniert werden muss, ist
ein Faktor für den Misserfolg. Und der vorerst letzte Faktor, der
mir spontan einfällt, ist die schlechte Publicity. Man liest nur
schlechtes über Heiligendamm. Einen Teil dazu trägt Frau
Goedecke selbst bei - auch wenn sie das vielleicht gar nicht will.
Kommen wir zu den letzten Fragen: Wer kauft die Orangerie? Wer
betreibt das Hotel? Ich habe lange überlegt, warum diese Fragen
gestellt werden und habe es nicht herausgefunden. Darum beantworte
ich sie einfach so, wie sie da stehen:
Niemand kauft die Orangerie.
Sie gehört zum Hotel und enthält neben den Dienstleistungsangeboten
Hotelsuiten. Warum sollte sie überhaupt verkauft werden? Das macht
keinen Sinn. Und wer betreibt das Hotel? Die Grand Hotel
Heiligendamm GmbH & Co KG. Aber die betreibt es nur. Gesellschafter
und damit Geldgeber und damit auch der, für den gebürgt wird, ist
die Grand Hotel Heiligendamm GmbH mit Jagdfels als Geschäftsführer.
Eigentümer des Hotels sind aber die 2000 Anleger des Fonds 34.
Zu guter Letzt: "Wir alle wissen, dass genug Investoren bereit
wären, die Perlenkette zu sanieren."
Davon weiß offenbar nicht
einmal die ECH etwas. Bis auf Villa "Krone" war keine der Villen von
Interesse. Wenn es tatsächlich Investoren gibt, die die eine oder
andere Perle sanieren wollen, dann müssen sie nichts anders tun, als
sich bei der ECH zu melden. Ich kann mir vorstellen, dass man sie
mit Küsschen begrüßen wird, denn dann darf sich dieser neue Investor
mit der Stadt herum schlagen und die ECH bräuchte nicht ewig auf
Beschlüsse warten, die zur Sanierung der Perlenkette führen sollen.
Die Frage ist aber, ob diese neuen Investoren dann ohne
Dauerwohnrecht und Stellplätze auskommen und wenn nicht, ob die
Stadt ihnen dann alles das genehmigt, worauf die ECH noch heute
wartet. Ich würde sagen, dass Herr und Frau Goedecke die Situation da
etwas falsch eingeschätzt hat oder ihr typischerweise wichtige Informationen fehlen.
Noch einmal:
Wollen Sie eine Perle kaufen? (indisch: Du wolle Perle kaufe?) -
Dann wenden Sie sich an die ECH!
Nachtrag: Da ich nicht gern ÜBER Leute rede, sondern lieber MIT
ihnen, habe ich Herrn Goedecke und zuvor auch Herrn Stranghöner per
E-Mail kontaktiert und neben ein paar gestellten Fragen auch einige
Ausführungen gegeben.
Über Antworten halte ich Sie - falls nötig und gewünscht - auf dem
Laufenden.
Und da haben wir ihn auch schon: Noch mehr "Bürgschafts-Unsinn":
Die Ostsee-Zeitung hat es bis heute nicht geschafft ihre
größtenteils unwissenden Leser aufzuklären, was eine Bürgschaft ist.
Statt dessen veröffentlicht sie weiterhin sachlich falsche
Leserbriefe - auch "Unsinn" genannt. Ebenfalls stand bis jetzt in
keiner Zeitung zu lesen, wofür das Hotel die Bürgschaft benötigt und
dass im Falle des Falles der Steuerzahler gar nicht belastet wird.
Diese Internetseite hier ist damit aktueller, als jedes Medium
unseres Landes. Und das macht mich nicht froh!
|
Ostsee-Zeitung | 09.07.2009
Zum Thema „Bürgschaft für Grand Hotel Heiligendamm“ meldete sich
Karlheinz Tietze aus Wackerow zu Wort:
... lange habe ich überlegt, ob man sich dazu äußern sollte.
Aber ich glaube, man sollte den Frust auch mal öffentlich
machen.
Unsere Regierung vergibt mal
soeben vier Millionen an Hilfe für ein hermetisch abgeschirmtes
Hotel. Wir, die Steuerzahler, sehen
das Hotel nicht einmal von
außen, da man gar nicht rankommt, weil es Absperrungen gibt.
...Dann sollen die, die das Hotel nutzen, auch dafür bezahlen.
Aber wenn es um das Bezahlen geht, erinnert man sich auch an die
kleinen Steuerzahler. Und die Regierung
spielt da richtig mit. Ich
kann auch den Unmut der Hoteliers aus den „alten Ländern“
verstehen. Wieso wird bei uns in ein Hotel, welches anscheinend
nicht läuft oder das Management nicht stimmt, so viel Geld
gepumpt und die Steuerzahler müssen es berappen?
Wenn ich meine Arbeit so
schlecht mache, bekomme ich auch keinen Finanzanschub, sondern
werde entlassen
|
Was hier gleich doppelt schlimm ist: Der
Schreiber erspinnt ein Szenario eines selbst von außen nicht
sichtbaren Hotels.
Das ist entweder Unwissenheit (Der Herr wohnt auf
dem Lande, weit weg von Heiligendamm) oder billiges Nachplappern von
irgendwo aufgeschnappten Halbwahrheiten oder einfach eine sehr
dreiste Lüge. Die wieder mehr als nur dem Hotel schadet.
Aber ein Hamburger klärt die
Mecklenburger auf, was eine Bürgschaft ist:
|
oz vom 03.07.2009 11:07
Gabs in der DDR nicht den Vertragstyp "Bürgschaft
Es stellt sich mir die
Frage, ob unsere Ostdeutschen die "Bürgschaft" nicht kennen?
Ich kenne den Vorgang mit dem Grandhotel in Heiligendamm
nicht, aber wenn die OZ selbst schreibt, es wird eine
Bürgschaft gegeben, dann heißt es im Umkehrschluss noch
lange nicht, dass hier 4 Millionen Euro zur Verfügung
gestellt werden. Der Fiskus und damit die steuerzahlenden
Bürger müssen hier erst einmal kein Geld ausgeben,
vielleicht später einmal und es ist keineswegs sicher, dass
die Bürgschaft auch tatsächlich in Anspruch genommen wird.
Vor diesem Hintergrund im Gestern verhaftete Ostrentner (mit
Westrente) suggestiv zu befragen, naja... Und auch Bad
Doberander "Geschäftstreibende" die Meinung zu entlocken,
dass Geld sei bei den Wadan-Werften besser angelegt. Da gab
es doch auch Bürgschaften und was haben die letztendlich
genutzt? Ich frage mich, wie es um das unternehmerische,
rechtliche und wirtschaftliche Grundwissen in der Region Bad
Doberan steht?
schreibt Martin
Nitsch aus Hamburg
|
Dem gibt es nichts hinzu zu fügen. Danke nach Hamburg für die -
bisher leider unveröffentlichte - Aufklärung.
Es gibt aber auch positive Stimmen:
|
Wieder die Neiddiskussion, die zu nichts führt.
Die PDS sollte sich auch für die 300 Arbeitsplätze im Hotel
einsetzen, oder zählen diese nicht?
Ruthilde Schuchmilsky
Bürgschaft für Heiligendamm- das passt für all jene
- die gar nicht wissen können, was es heißt, den Kopf für
Arbeitnehmer hinzuhalten. Gerade diese (noch) Bezahlten
protestieren jetzt laut. Abwarten!
- die sich lieber um die Hochzeit von Boris Becker kümmern als
um das, was mit dem Geld der Steuerzahler passiert. Wo waren
sie, als der ausländische Investor für die Werft 160 Mio. und
darunter nicht nur Bürgschaften bekam? Wo waren sie, als der
Rechnungshof zig Mio. offenlegte, die von den Politikern
verschwendet wurden. Wo waren sie, als Quelle, Opel,… Hilfe
bekamen?
Wieso bekommen manche Unternehmen bares Geld, andere nur
Bürgschaften (wie Heiligendamm) und andere wie der Mittelstand
gar nichts?
Unbegreiflich, warum Herr Jadgfeld nur diese kleine Bürgschaft
beantragt hat. Andere, die nichts mit Mecklenburg-Vorpommern zu
tun haben, langen kräftiger zu. Der Staat verteilt, das wissen
wir alle. Weder IHK, noch Handwerkskammer, noch
Unternehmerverbände stoppen ihn. Sie sorgen auch nicht dafür,
dass die nicht so großen wieder mit Krediten versorgt werden.
Das Volk stoppt und protestiert schon gar nicht. Ein Teil wird
jetzt erst munter. Statt das Unternehmen aus unserer Region zu
unterstützen, wird die Gerüchteküche wieder ordentlich
angeheizt. Offene Rechnungen? Fragen Sie mal in den Firmen nach.
Wir haben Wirtschaftflaute und wenn es regnet, werden alle nass.
Christel Fründt
|
Übrigens: Mein Leserbrief war der Ostsee-Zeitung zu lang. Da er aber
selbst erklärend ist, veröffentliche ich ihn hier.
|
OZ vom 04.07.2009
08:07
Fakten, Fakten,
Fakten.
In der ganzen
Diskussion geht es nicht um die Bürgschaft, sondern um das,
was Jagdfeld, FUNDUS, die ECH und das Grand Hotel
vermeintlich versäumt haben. "Vermeintlich", da immer wieder
übersehen oder einfach nur verschwiegen wird, wo eigentlich
die Ursachen dafür sind, dass das Hotel keinen Gewinn
erwirtschaftet.
Wir erinnern uns:
Jagdfeld hat mit seiner FUNDUS-Gruppe ca. 80% Heiligendamms
seit 1996 stückweise erworben, nachdem der Einzelverkauf der
Objekte gescheitert war. Keiner wollte das Ensemble haben,
die Villen hingegen schon. Die Dr.-Marx-Gruppe hätte alles
genommen, wollte aber eine Klinik daneben bauen. Eine
Bürgerinitiative wehrte sich erfolgreich dagegen, sodass die
Verhandlungen scheiterten. FUNDUS war Kandidat Nummer zwei,
der das Gesamtobjekt erwerben wollte und bekam schließlich
den Zuschlag.
Die Sanierung begann
auf Grund von Problemen mit dem Fonds erst vier Jahre nach
dem Erwerb. Vertraglich vereinbart hatten die Stadt und die
ECH, dass das Ensemble Vorrang hat, die Perlenkette mit oder
nach dem Ensemble zu sanieren ist und dann erst Neubauten
und Sanierungen östlich, westlich und südlich des Ensembles
erfolgen dürfen. Das Ensemble wurde 2003 nach nur drei
Jahren Bauzeit übergeben.
Im Jahre 2004
bereitete die ECH, die Sanierung der Villen vor. Da die ECH
Heiligendamm nach der Marktlage entwickelt, macht es keinen
Sinn, sieben Jahre vor Baubeginn Konzepte auszuarbeiten. Die
ECH entschloss sich, in den Perlen Wohnungen anzubieten. Die
Finanzierung sollte wie beim Ensemble über einen
geschlossenen Immobilienfond laufen, was eine Änderung der
Gesetze in 2005 aber vereitelte. Also versuchte die ECH, die
Finanzierung zumindest teilweise über Banken zu realisieren,
was wie wir alle wissen auch scheiterte. Wenn die ECH nicht
über Anleger Geld sammeln und sich kein Geld leihen kann,
bleibt nur der klassische Weg: Man verkauft die Wohnungen
und wenn die Hälfte der Wohnungen eines Hauses verkauft ist,
beginnt man mit der Sanierung. Der Rest läuft dann über
Kredite, die immer pro Bauabschnitt gezahlt werden. Die
Kredite zahlt man dann aus den restlichen Verkäufen und aus
anderen Einnahmen zurück.
Dieses Konzept wird in
Heiligendamm auch von der JHI Immobilien im Falle der
"Residenz von Flotow" (ehem. Haus Waldfriede) angewandt.
Das Problem der ECH
ist aber, dass es sich bei der Perlenkette um ein
Sondergebiet "Hotel" handelt und damit die Käufer der
Wohnungen nicht dauerhaft und jederzeit in ihren Wohnungen
wohnen dürften. Da so etwas unhaltbar ist, bat die ECH um
Genehmigung der Wohnnutzung auf diesem Gebiet.
Die Villa "Krone" im
Westen des Ensembles, die nicht zum Sondergebiet gehört,
konnte die ECH erfolgreich verkaufen. Bei den Villen fanden
sich viele Interessenten aber auf Grund der ungünstigen
Regelung keine Käufer.
Die Stadtvertreter
müssen also Dauerwohnrecht erteilen. Das haben sie aber
nicht getan. Das zweite Problem ist, dass die ECH gesetzlich
verpflichtet ist, zu jeder Wohnung einen Stellplatz
anzubieten. Da in der Vogel-Straße kein Platz für mindestens
35 Stellplätze ist, die östlichen Parkplätze öffentlich sind
und auf der Oberfläche auf Wunsch der Stadt keine neuen
Parkplätze errichtet werden dürfen, bleibt nur der Parkplatz
am Fürstenhof.
Keiner der
Interessenten möchte mehrere hundert Meter zu seinem Auto
laufen, sodass die ECH eine Tiefgarage vor (nicht unter!)
der Perlenkette konzipierte und eine Genehmigung beantragte.
Mit der Tiefgarage werden aus den Interessenten Käufer.
Die
Stadtvertreterversammlung jedoch lehnte gleichzeitig mit dem
Dauerwohnrecht auch die Tiefgarage ab. Damit ist keine der
35 Wohnungen verkäuflich und da kein Geld fließt, kann keine
der sieben Villen saniert werden. Das ist Punkt eins.
Punkt zwei ist, dass
die ECH gutgläubig ein Hotel auf grüner Wiese anbot, das
wegen seiner Schönheit zum Ausflugsziel für tausende
Tagesgäste wurde, die nicht nur die Hotelgäste, sondern auch
den Hotelbetrieb störten. Darum entschied man sich für eine
Einfriedung, die aber zu allem anderen als Frieden führte.
Gestärkt von der Öffentlichkeit formierten ich dieselben
Bürger, die damals die Dr.-Marx-Gruppe vertrieben (auch wenn
die Median-Klinik letztlich trotzdem gebaut wurde) gegen die
ECH und FUNDUS.
Was genau geschah
wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, ist aber im
Internet nachzulesen. Zuletzt gab es einen Aufruf zu zivilem
Ungehorsam, der zur Folge hatte, dass sich Bürger -
ortskundige Bürger - über die neue Wegführung hinweg setzten
und Eigentum der Stadt beschädigten.
Da die neue
Wegführung, die von der SVV im Jahre 2006 rechtlich
einwandfrei beschlossen wurde, durch diese Störer vereitelt
wurde, setzte die ECH dem Treiben mit Zäunen ein Ende. Das
Hotelgelände hatte viele zaunlose Lücken, die immer dann
geschlossen wurden, wenn sie missbraucht wurden. Jeder Zaun
in Heiligendamm ist letztlich eine Reaktion auf das, was
geschehen ist.
Allerdings will das was geschehen ist keiner sehen.
Ich kann mich an
Zeiten erinnern, in denen die Ostsee-Zeitung jubilierte und
schwärmte - sogar ein eigenes Bautagebuch und Sonderseiten
veröffentlichte und sich nicht zu schade war, die Investoren
immer wieder zu befragen und regelrecht auszuquetschen. Was
zum Fuchs ist bur geschehen, dass die Stimmung so kippen
konnte?
Haben wir alle
geglaubt, Jagdfeld wäre so reich wie Bill Gates und würde
sein Privatvermögen investieren? Es war doch von Anfang an
klar, dass FUNDUS Geld sammeln und die ECH Konzepte
entwickeln muss und dass Heiligendamm mit dem Geld der
Anleger, Banken und Hotelgäste wächst. Nur eine positive
Stimmung und eine positive Einstellung der Region ermutigt
Anleger und Banken zu Investitionen und nur unsere
Herzlichkeit und Gastfreundschaft animiert die Hotelgäste
zum Kommen und Wiederkommen.
Dass Heiligendamm sich
nicht so entwickelt hat, wie es sollte, ist nicht allein der
ECH zuzuschreiben. Die ECH hat wie vereinbart das Ensemble
saniert und man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, dass
sie das spitzenmäßig gemacht hat. Die ECH hat die Sanierung
der Perlenkette an neue Merkmale geknüpft. Nicht, weil sie
Lust hat, Millionen für eine unnötige Tiefgarage auszugeben,
sondern weil die Tiefgarage nötig ist. Die ECH hat Pläne
entwickelt, die allein sechsstellige Beträge gekostet haben
und 21 Ämter haben die Pläne genehmigt. Nur die
Stadtvertretung hat sie abgelehnt und da liegt der Ball nun
und wird nicht getreten.
Im Gegenteil: Mit der
"Versündenbockung" Polzins und den irrwitzigen Überlegungen,
der ECH die von ihr teuer gekauften Perlen wieder
wegzunehmen, schießt man ein Eigentor. 250.000.000 Euro hat
die ECH investiert. Das Land hat sich auch beteiligt. Die
beiden Vertragspartner Stadt und ECH sind dazu verdammt,
zusammenzuarbeiten. Scheitert das Projekt, sind
Rückzahlungs- und Schadenersatzforderungen in ungeahnter
Höhe vorprogrammiert.
Darum bleibt nur, der
ECH die Chance zu geben, die Perlen zu sanieren - auch wenn
die Unsicherheit und das Misstrauen groß sind und
Bauchschmerzen bei der Abstimmung bereiten. Ob ein "Ja" zu
Tiefgarage und Wohnnutzung den Erfolg bringt, den sich die
ECH erhofft und an den sie auch glaubt, wissen wir nicht.
Aber ein "Nein" führt nicht zum Verkauf der Wohnungen, zu
Einnahmen und zur Sanierung.
Auf die Gefahr hin,
dass man sich damit lächerlich macht, muss erneut über die
Bschlussvorlge abgestimmt werden und zwar so lange, bis das
Ergebnis ein "Ja" ist.
Die einzige
Alternative, die die Stadt hat ist, Experten ein paar
Millionen für ein Alternativkonzept zu geben und die ECH
dann davon zu überzeugen. Solange die Stadtverteter "Nein"
sagen aber keine brauchbaren Alternativen vorlegen können,
müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, die ECH zu
blockieren und den Stillstand in Heiligendamm zu
verschulden.
Man führe sich vor
Augen: Die ECH hat fünf Jahre lang viel Zeit, Geld und
Herzblut in die Entwicklung eines Konzeptes gesteckt, das
von 21 Experten aus Land, Kreis und Stadt abgesegnet wurde
und nun soll dieses Konzept umgesetzt und die Sanierung
ermöglicht werden und die Stadtvertreterversammlung sagt
"Nein".
Kurz etwas zur
Attrakltivität Heiligendamms: Die gemeinsamen Planungen der
Stadt und der ECH haben vorgesehen, eine Strandversorgung
und Sportangebote im Osten neben dem Golfteich anzusiedeln.
Das Land verkaufte dafür ein Grundstück und die Stadt hätte
dieses erwerben und darauf die Strandversorgung entwickeln
können. Stattdessen erwirbt eine Privatperson das Grundstück
und nichts geschieht damit. Das alles ist aber nicht das
Problem der ECH. Die ECH hat alles was weg soll geräumt und
dann später abgerissen.
Dass es für die
Betreiber keinen alternativen Standort in Heiligendamm gibt,
ist der ECH nicht anzukreiden. Durch das Versäumnis der
Stadt, Heiligendamm um das Hotel herum touristisch attraktiv
zu gestalten und den Gastronomen eine neue Bleibe zu bieten,
hat Heiligendamm sehr an Attraktivität eingebüßt. Es ist
absehbar, dass Herr Butze mit dem Bau der Tiefgarage oder
spätenstens des Thalassozentrums sein Bistro aufgeben muss
und dann nicht weiß, wo er hin soll. Würde es ein
entsprechendes Gebäude zur Strandversorgung bereits geben,
hätte er wenigstens eine Wahl zwischen Weitermachen oder
Aufhören. Dasselbe war es mit dem Schwanen-Café. Zwar ist
ein Schwanen-Café ohne Kolonnaden quasi undenkbar aber
zumindest hätte der Betreiber die Chance gehabt, in einer
neuen Bleibe weiter zu machen. Spätestens mit der
vollständigen Einfriedung des Hotelareals - zu dem ja auch
die Perlenkette gehört und irgendwann auch die
Professor-Vogel-Straße - wäre ein Auszug aus den Kolonnaden
oder eine Neuausrichtung sowieso nötig gewesen.
Die einzige Chance,
Heiligendamm für den konventionellen Tourismus attraktiv zu
entwickeln, ist eine Entwicklung des Areals östlich des
Ensembles und das liegt allein in der Hand der Stadt, die ja
sogar eine zweite Seebrücke im Kopf hatte, von der man auch
nichts mehr hört. Die Stadt muss die Stadt entwickeln, nicht
die ECH. Und man sollte der ECH auch gar nicht großartig
Stadtentwicklung in die Hände geben, denn damit gibt man
etwas aus der Hand, womit man in Heiligendamm noch Geld
verdienen kann.
Die ECH soll das
Resort entwickeln und die Stadt muss den Rest so entwickeln,
dass es für Touristen, Urlauber, Kurgäste, Hotelgäste und
Einwohner gleichermaßen attraktiv und nutzbar ist. Der
Kurwald ist ein guter Anfang. Nun muss es weiter gehen. Und
statt teurer Straßenkreisel oder Umgehungen sollte man
lieber eine Strandversorgung bauen und - nicht zu vergessen
- die Schulen und KITAs sanieren.
Zu guter Letzt: Darf
das Land für das Grand Hotel bürgen? Wenn es für jedes
andere Hotel in gleicher Situation im gleichem Umfang auch
bürgt - ja.
Das Land hst in
Heiligendamm ordentlich dazu gebuttert. Lässt es
Heiligendamm fallen, ist das Geld pfutsch. In diesem Kontext
sollte man die Bürgschaft sehen. Allerdings sollte man sich
nicht nur auf die Hotels konzentrieren, sondern auch die
Industrie, von der wir nicht viel haben, unterstützen.
Die Werft hat viel
unmittelbarer mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen - in
Heiligendamm ist ja nicht die Wirtschaftskrise Hauptgrund,
sondern die nicht funktionierende Zusammenarbeit aller.
Jagdfeld hat einmal
gesagt, dass Luxus-Gäste eine krisensichere Klientel sind.
Wenn das stimmt, sind also nicht die Gäste Schuld, die nicht
kommen, weil sie nicht mehr genug Geld haben, sondern die
Umstände, die die Gäste mit Geld vergraulen.
schreibt Martin
Dostal aus Bad Doberan (bisher von der Ostsee-Zeitung
nicht veröffentlicht)
|
Ich habe die Ostsee-Zeitung übrigens
heute (06.07.2009) gebeten, in der Zeitung zu erklären,
was eine
Bürgschaft ist und vorgeschlagen, mal Frau Brasche-Sallingers
Gesprächsangebot wahrzunehmen
und sich zu erkundigen, wofür die
Kredite sein sollen, für die gebürgt wird. Außerdem habe ich den
Vorschlag gemacht,
sich von der ECH mal in Ruhe alles erklären zu
lassen, wie ich es für diese Dokumentation getan habe.
Und da geht es auch schon weiter:
|
Man kann getrost davon ausgehen, dass diese Bürgschaft auch
eingesetzt wird. Das Geld wird so sinnlos verbrannt, wie bei
einem amerikanischen Jeep das Benzin. Das Modell Heiligendamm
läuft nicht nach dem Prinzip Marktwirtschaft - es folgt der
Planwirtschaft, wie zu DDR-Zeiten.
Ohne öffentliche Gelder
und viel Wohlwollen der Regionalpolitik würde definitiv nichts
laufen. Ein Fundus-Beton-Hotel gäbe es gar nicht, und die
großspurigen »Entwicklungspläne« wären längst Schnee von
gestern. Die zarten Pflanzen der Marktwirtschaft, die es in
Heiligendamm gegeben hat, sind allesamt dem Großinvestor zum
Opfer gefallen.
Wenn sich ein Hamburger an
dieser Stelle aufregt, das Ostdeutsche Rentner Westgeld
beziehen, ohne Ahnung von Bürgschaften zu haben, so ist das nur
bedauerlich. An westdeutschen Oberlehrern mangelt es hier in der
Region wahrlich nicht. Dem gescheiterten Prestige-Objekt
Heiligendamm hat das allerdings nichts genützt, wie man sieht.
schreibt Axel
Thiessenhusen aus Rostock
|
Googlen Sie selbst nach diesem Namen oder vielleicht dem Namen in
Verbindung mit Heiligendamm.
Und weiter:
|
Es ist schon lange zu sehen, das diese Unternehmen gescheitert
ist. Nur durch den G8-Gippfel und Bush konnten noch Gelder
eingespielt werden. Hier ist die Umgebung und da Angebot sehr
fragwürdig. Daduch, das die einstmaligen Bauvorhaben nie bendet
wurden, ist die Anzahl der Gäste auch nicht gestiegen. Es gibt
weit andere Hotels, die stets um ihre Existenz kämpfen müssen
und weit mehr zu bieten haben.
Der Erhalt von 4 Millionen
ist eine Wettbewerbsverzerrung in der Gastronoimie.Während
andere um Kredite betteln müssen und erhebliche Hürden
überspringen, um diese Kredite zu erlangen, wird hier wie bei
der Wadan Werft Geld bereitsgestllt, ohne genau Prüfung.
Die Verursacher des Wadan
Verkaufs haben wohl nichts dazu gelernt. Das Geld hätte man für
die vielen Zuliefererbetriebe mit ihren tausenden Beschäftigten
wegen des Zahlungsausfalls seitens der Werft bereitstellen
sollen, dann wären mehr Arbeitsplätze für immer gerettet worden.
Hier aber ist es eine Zeitverschiebung, und das Geld ist
verbraucht wegen schlechtem Managment und Wirtschaftlichkeit.
schreibt Gerd
Stranghöner aus
|
Hatten wir den Herrn Stranghöner nicht
schon einmal? Ja, hatten wir - und den Herrn Thiessenhusen auch.
Das bestätigt die Annahme derer, die sagen, dass es immer dieselben
Leute sind, die sich ins Bild rücken wollen.
Wenn das allerdings der Herr Stranghöner
hier ist, dann ist seine Unwissenheit peinlich.
Auf meine Frage, woher er seine
Informationen bezieht, kam nur eine ausweichende Antwort.
Zum Schluss (für heute) eine Reaktion auf meinen Leserbrief. Leider
ist nicht erkennbar, ob der Schreiber die
von der Ostsee-Zeitung
gekürzte abgedruckte Version gelesen hat oder die im Forum
vorhandene "Vollversion".
|
Und nun Herr Dostal geben Sie den Bürgern die Schuld. Haltet den
Dieb. Wenn die Bürger nicht Schuld sind, dann ist es die
Stadtvertretung - zum Schluss sind es die Gesetze. Irgend jemand
wird sich schon finden, der die Schuld dafür bekommt. Sie
bemühen im Übrigen die Uraltargumente von den »bösen
Schaulustigen«.
Ich erinnere daran, dass
die ECH viel Werbung in den Massenmedien gemacht hat. Und es ist
das passiert, was die ECH haben wollte. Und dann musste die
»arme« ECH alles einfrieden. Ich bezweifle, dass ein Schild am
Eingang Heiligendamms mit der Aufschrift »Bürgerfreie Zone« mehr
Übernachtungsgäste anzieht. Schließlich haben die Bürger
öffentliches Waldgelände - völlig legal - betreten, um zu
demonstrieren, dass sie nicht in einer Bananenrepublik leben.
Und jetzt kommen nämlich
die harten Fakten: Mißmanagement, Selbstverliebtheit,
Unehrlichkeit und Selbstüberschätzung. Heiligendamm ist heute
nicht konkurrenzfähig. Das nahe Kühlungsborn hat einfach
überholt. Dort gibt es die Angebote, die in Heiligendamm fehlen.
Dort trifft man auch nicht auf eine Ruinenlandschaft wie die
Perlenkette. Oder wie erklären sich die außerordentlich
schlechten Auslastungszahlen? Sind eventuell die
Übernachtungsgäste schuld??
schreibt Axel
Thiessenhusen aus Rostock
|
Wieder Herr Thiessenhusen. Ich bin gespannt, ob die Ostsee-Zeitung
zu seinem ersten abgedruckten Kommentar
auch die anderen beiden
abdruckt.
Wenn es um Heiligendamm geht, gibt es nur Schwarz oder Weiß.
Dass es
Leute gibt, die weder für die ECH, FUNDUS, das Grand Hotel und
Jagdfeld auf der einen Seite,
noch für die Bürgerinitiative, den
Bürgerbund und dem Aktionsbündnis Heiligendamm sind, begreifen viele
Leute nicht.
Hier werde ich von Herrn Tiessenhusen gerade in die Ecke der
Befürworter (von allem, was FUNDUS nützt) gestellt.
Dabei ist es
gerade erst einen Monat her, als ich im Stadtanzeiger von Herrn Jütte in die Ecke der Gegner
(von allem, was FUNDUS nützt)
gestellt wurde. Ich wurde sogar schon offen gefragt, auf wessen
Seite ich mich befinde.
Das hat mich erst recht erschüttert. Es
widerspricht meiner Weltanschauung, in den Farben schwarz oder weiß
zu denken und es widerspricht meinem Weltbild, für irgend etwas die
Schuld oder Schuldigen zu suchen.
Die Suche nach dem Schuldigen
einer Situation hat noch nie etwas an der Situation geändert.
Kein
Problem dieser Welt lässt sich lösen, indem man die Schuldfrage
stellt. Alles im Leben ist
eine endlose Kette von Ursache und
Wirkung - von Aktion und Reaktion. Für mich macht es absolut keinen
Sinn,
nach Schuldfaktoren zu suchen. Für mich zählt, was geschieht
und was es bewirkt. Man kann den GRUND
einer Sache suchen und das
ist in der Tat ein sehr ergiebiges Unterfangen aber die SCHULD zu
suchen,
ist ein sinnloses Bemühen.
Was klingt besser?
"Herr Thiessenhusens Mutter ist Schuld daran, dass ihr Sohn diesen
Beitrag geschrieben hat."
oder
"Der Grund dafür, dass Herr Thiessenhusen diesen Beitrag geschrieben hat,
ist in kurzer Linie
einer schönen Liebesnacht seiner Eltern zu
finden."?
Dennoch habe ich auf eine philosophische Abhandlung verzichtet und
eine menschliche Antwort verfasst.
Auf weitere Diskussionen werde ich mich aber nicht einlassen.
Die
Art der Argumentation Herr Tiessenhusens ist für mich nicht
attraktiv genug.
|
Ja, ich muss mich dazu als Angesprochener ja äußern. Ich weiß
nicht, ob Sie die von der OZ gekürzte Version gelesen haben oder
die Vollversion im Forum.
Aber eigentlich ist das auch egal, denn Ihre Antwort streift
ganz knapp am Thema vorbei.
Die Schuldfrage habe ich nämlich nie gestellt.
Die Schuldfrage stellen nur die Hoteldirektoren, Jagdfeld
selbst, einige ECH-Mitarbeiter, sowie anders herum die
Bürgerinitiative und der Bürgerbund und einzelne Stadtvertreter
und Privatpersonen. Zu solchem Blödsinn lasse ich mich nicht
hinreißen. Das löst kein Problem dieser Welt.
Ah ich sehe: Sie haben nur den gekürzten Beitrag gelesen. Dann
sei Ihnen verziehen.
Sonst hätte ich gesagt, dass ich mich nicht auf eine Diskussion
wegen des niveauarmen letzten Teils einlassen will.
Aber da reden wir vermutlich nur aneinander vorbei.
|
Irgend jemand hat übrigens über die
Gegner (Schwarz/Weiß) einmal gesagt,
dass sie resistent gegen
Argumente und Fakten sind.
|
Auch Schleswig-Holsteins Hoteliers sind empört über die Bürgschaft:
|
Ostsee-Zeitung | 04.07.2009 |
Empörung über
Staatshilfen für Luxushotel
Rostock
(OZ) Empörung bei
Schleswig-Holsteins Hotellerie:
Die Nachricht, wonach das Land
Mecklenburg-Vorpommern dem finanziell angeschlagenen Grand Hotel
Heiligendamm mit einer Bürgschaft von vier Millionen Euro unter die Arme greift,
sorgt bei Politikern und Gastronomen im Nachbarland für einen
Aufschrei: „Das ist unglaublich, das hat mit ordentlichem Wettbewerb zwischen den Tourismusregionen
nichts mehr zu tun“, schimpft der Wirtschaftsexperte der Kieler
Landtags-CDU, Hans-Jörn Arp. Es müsse geprüft werden, ob eine solche Förderung überhaupt
mit dem EU-Rech vereinbar sei. Regina Poersch (SPD) fordert im
Gegenzug Hilfen für den Ausbau der Tourismus-Infrastruktur Schleswig-Holsteins.
FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki erklärt bitter: „Vier Millionen
Euro für ein Luxus-Hotel – das ist für die Schweriner Regierung also
soziale Gerechtigkeit.“
Das Grand Hotel Heiligendamm
gehört ebenso wie das noble Berliner Hotel Adlon oder das Deutscher
Kaiser in München zur Fundus-Gruppe des Investors Anno August Jagdfeld. Es war bereits
Anfang des Jahres in die Schlagzeilen geraten, als der Betreiber
Kempinski im Streit mit Fundus hinwarf. Die Auslastung des Hauses:
gerade mal 50 Prozent. Bei Hoteliers wie dem Timmendorfer
Grandhotel-Seeschlösschen-Juniorchef Christian von Oven rennen die
Politiker offene Türen ein. „Das ist doch eine klare
Wettbewerbsverzerrung“, sagt von Oven. Konkurrenz sei gut, dass man
dem Tourismus im Osten nach der Wiedervereinigung auf die Beine geholfen habe, sei
in Ordnung, „aber mittlerweile könnte man die Subventionierung
einstellen“. „Wir haben alle zu kämpfen. Es kann nicht sein, dass
ein einzelnes Haus derart unterstützt wird“, empört sich auch
Belveder-Geschäftsführer Robin Stork (Scharbeutz). „Wie sollen
ordentlich wirtschaftende
Familienbetriebe dagegen
ankommen?“, fragt Schleswig-Holsteins Dehoga-Chef Peter Bartsch.
Wenn schon Hilfen für die Gastronomie, dann sollte für sie lieber
bundeseinheitlich der Mehrwertsteuersatz auf sieben Prozent gesenkt
werden, fordert er.
W. HAMMER
|
Der Artikel spricht ja für sich.
Rückendeckung vom DEHOGA: Heiligendamm hat eine
Chance verdient.
Natürlich melden sich auch hier wieder Kritiker zu
Wort:
|
Diese Ansicht wird aber nicht von den kleinen
mittelständischen Unternehmen vertreten.Warum wird nicht das
Geld durch die Hotelkette bereitgestellt, der Heiligendamm
anghört? Andere Unternehmen beschäftigen tausende von
Arbeitskräften, gehen auf Kurzarbeit und müssen auf eigene
Rücklagen wenn vorhanden zurückgreifen. Hier aber wird Geld
regelrecht zum "Versenken" angeboten. Es gibt auch andere
Hotels, die ebenbürtig sind, aber auf sich gestellt sind.
Das sogenannte
Flagschiff liegt schon seit Jahren auf Schlagseite und
konnte sich wohl nur durch die beiden großen Veranstaltungen
retten (G8, Bush). Spätestens zum Jahresende wird wieder
Geld gebraucht!
schreibt Rolf
Stranghöner aus Rostock
|
Am Besten macht sich hier wieder ein selbsterklärender Leserbrief von
mir:
|
Bürgschafts-Diskussion: Erschreckende Reaktionen
Ich bin erschrocken über die vielen Reaktionen, die sachlich
völlig falsche Aussagen beinhalten. Offenbar glauben viele
Menschen tatsächlich, dass 4 Millionen Euro an Geld nach
Heiligendamm fließen.
Kein Wunder: 90%
derer, die sich geäußert haben wissen gar nicht, was eine
Bürgschaft ist und dass bei einer Bürgschaft kein Cent Geld
fließt. Unklar bleibt vielen zudem, wofür die
Betreibergesellschaft die Bürgschaft braucht. Sie möchte
nämlich einen ganz bestimmten und ganz alltäglichen Kredit
aufnehmen. Dieser Kredit wird in guten Zeiten problemlos
gewährt und im Moment haben viele Unternehmen Probleme
damit, ihn zu kriegen. Aber es ist kein Geldkredit in dem
Sinne, sondern nur eine Kreditlinie, die in wirtschaftlich
schlechten Zeiten genutzt und in guten Zeiten wieder
ausgeglichen wird. Und die Bürgen haben sich lt. FUNDUS so
abgesichert, dass selbst im Falle des Falles dem
Steuerzahler keine Kosten entstehen. Steht nirgendwo
nachzulesen, außer auf einer Internetseite. Auch wurde hier
davon gesprochen, dass die Betreibergesellschaft doch das
Geld zur Verfügung stellen möge. Gerade die hat doch aber
die Bürgschaft beantragt! Oder dass man doch einen Kredit
aufnehmen könnte (?!) Wie gesagt: Alles sehr erschreckend.
Zum Thema
Betreibergesellschaft möchte ich das einfach mal erklären.
Vielleicht liest es ja jemand: Die Betreibergesellschaft ist
die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG derzeit mit Holger
König als Geschäftsführer. Gesellschafterin ist die Grand
Hotel Heiligendamm GmbH mit Jagdfeld als Geschäftsführer.
Darum ist es auch Jagdfeld, der die Bürgschaft beantragt
hat. Von hier kommt nämlich das Geld. Die
Kommanditgesellschaft (KG) betreibt das Hotel nur.
Die
EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co KG hat rein gar
nichts mit dem Hotel zu tun. Hierbei handelt es sich um eine
FUNDUS-Tochter, die nur den Zweck hat, den Markt zu
analysieren und das von FUNDUS erworbene Areal in
Heiligendamm marktgerecht zu entwickeln. Darum ja auch "Entwicklungs"-Compagnie.
Das ist ungefähr so, wie die WIRO zur Stadt Rostock oder die
WIG zur Stadt Bad Doberan gehört und doch eigenständig ist.
Diese EntwicklungsCompagnie - kurz "ECH" genannt - plant und
verwirklicht die Sanierung der vertraglich zu sanierenden
Gebäude, sowie die Neubauten und Außenanlagen. Sie ist auch
für die Vermarktung der Villen zuständig. Die ECH bedient
sich dabei einem von FUNDUS aufgelegten Immobilienfonds, in
den Anleger Geld einzahlen. Die Anleger sind damit auch
Miteigentümer von all dem, was die ECH mit dem Geld aus dem
Fonds saniert und baut. Das Hotel - quasi 80% von
Heiligendamm - gehört also den ca. 2000 Anlegern des FUNDUS
Fonds 34.
Die Perlenkette jedoch
wird klassisch finanziert, weil der Fonds nicht mehr am
Markt ist. Das bedeutet: Erst die Wohnungen planen (was
bereits abgeschlossen ist) , dann die Wohnungen einzeln an
Interessenten verkaufen (was noch läuft aber wegen u. g.
Gründen stockt) und dann mit dem Geld aus den Verkäufen plus
Kredite die Perlen sanieren.
Die Käufer verlangen
Parkmöglichkeiten am Haus und da die Stadt weitere
Parkplätze an der Oberfläche sinnigerweise verbietet und die
nächsten Oberflächenparkplätze 400 Meter entfernt sind,
möchte die ECH Parkplätze unter der Erde haben.
Unterhöhlungen sind
dazu nicht nötig: Der Tunnelparkplatz soll VOR der
Perlenkette zur Seeseite hin gebaut werden. Ein Teil davon
befindet sich unter der Promenade, die für diese Zwecke auf
Kosten der ECH abgetragen, auf das Niveau östlich und
westlich der Senke angehoben und wieder neu gebaut wird.
Nicht ohne Grund hat das StAUN diesen Promenadenabschnitt
nur provisorisch fertig gestellt und nicht gepflastert. Die
Verbindungen zu den Häusern erfolgen über die bestehenden
Keller bzw. bei den Neubauten (Perle, Möwe, Schwan,
Ensemble-Palais, Ensemble-Villa, Thalassozentrum) über die
sowieso neu eingebauten Kellerräume.
Der Tunnelparkplatz
ist auch nicht nur ein Stellplatz, sondern enthält auch
Lager- und Versorgungseinrichtungen und lässt die
Hotellogistik (E-Autos) in diesem Bereich unter der Erde
verschwinden. Die Tiefgarage unter dem Thalasso-Zentrum wird
öffentlich und von dort aus (Seedeichstraße) erfolgt dann
auch die Zu- und Ausfahrt.
Mit dem Hotel hat das
ganze nicht sehr viel zu tun. Die Wohnungen gehören den
Käufern (die sie aber nur kaufen, wenn dier Tunnelparkplatz
kommt), Ensemble-Palais und Ensemble-Villa sind eigene
Angebote und die Meereswasserschwimmhalle (Thalasso-Zentrum)
wird öffentlich, wie auch schon die Restaurants und Cafés,
sowie der SPA-Bereich des Grand Hotel. Das alles entwickelt
die ECH und dafür bekommt sie eigene Baukredite - nämlich in
dem Moment, wo die Wohnungen verkauft sind und die ECH mit
dem Bau beginnen kann. Darum gibt es auch keine
Finanzierungsgarantie.
Die einzige
Alternative zur klassischen Immobilienfinanzierung ist der
weitere Verfall und für den hat sich die alte
Stadtvertreterversammlung zunächst - wenn auch nicht
wörtlich - entschieden. Die ECH kann ohne Tunnelparkplatz
die Wohnungen nicht verkaufen und ohne Geld nicht mit der
Sanierung anfangen. Eigentlich ganz einfach - wenn man den
Zusammenhang kennt. Die ECH hat sehr spät damit begonnen,
diesen Zusammenhang zu erklären und die hauseigene Zeitung
erreicht nur die Bad Doberaner und Heiligendammer. Da gibt
es halt große Defizite und das muss man der ECH schon
vorwerfen.
Ihr aber vorzuwerfen,
erst Pläne zu schmieden und dann eine Bürgschaft für einen
alltäglichen Kredit zu beantragen, ist blanker Unsinn. Die
Bürgschaft wurde vom Hotel beantragt und wird auch nur vom
Hotel beansprucht. Anders geht das gar nicht. Es kann ja
auch nicht Skoda eine Bürgschaft beantragen und Seat diese
Bürgschaft bei Kreditaufnahme vorlegen. Es sind beides
Volkswagen-Töchter, wie GHH und ECH FUNDUS-Töchter sind -
unter einem Hut aber völlig eigenständige Unternehmen. So
viel zum Verständnis "Betreiber und Entwickler". Vielleicht
ist der eine oder andere jetzt schlauer.
schreibt Martin
Dostal aus Bad Doberan (bisher von der Ostsee-Zeitung
nicht veröffentlicht)
|
Die Ostsee-Zeitung hat sich übrigens erlaubt, sämtliche Kritik an
sich selbst im Text penibel zu entfernen. So ist dann nicht nachzulesen,
dass ich moniere, in der Ostsee-Zeitung noch keine Info gefunden zu
haben, was eine Bürgschaft eigentlich ist und wozu sie gebraucht wird.
Auch der Hinweis darauf, dass man mir prompt sagte, wozu die Bürgschaft
benötigt wird und dass die OZ doch selbst mal recherchieren möge fehlt.
Da standen auch noch ganze drei bis vier Zeilen mehr am Ende, die sich
ebenfalls auf die Ostsee-Zeitung beziehen und die die Redakteure einfach
weggeschnippt haben. Langsam wird das m. E. kriminell.
Eine weitere Leserin hat die Tatsachen
erkannt:
Bürgschaft ist kein
Bargeld
Die Wadan Werften bekommen 190 Mio € vom Bund und haben nur
Arbeit bis September. Das Grand Hotel Heiligendamm erhält nur
4 Mio € vom Land. Das sind ca. 13.000 € pro Arbeitsplatz im
Gegensatz zu 76.000 € bei den Werften. Es handelt sich dabei
um Bürgschaften. Das ist kein Bargeld und kein Geschenk an
Reiche.
Das Grand Hotel gehört übirgens 1800 Kleinanlegern. Das sind
Mitmenschen, die ihr Erspartes gewinnbringend anlegen wollten
wie bei der Volkssolidarität.
Aber vor allem geht es um den Erhalt der Arbeitsplätze nicht
nur der Angestellten des Hotels sondern auch der Handwerker
und der Lieferanten, die für den Betrieb des Hotels sorgen.
Auch Kühlungsborn und Umgebung profitiert von diesem Haus. Es
setzt den Maßstab bester Gastronomie in der Region.
schreibt Esther Appuhn
aus Kühlungsborn
|
Zwei Leute - ein Gedanke. Und Frau Appuhn hat sogar noch nachgerechnet.
Und sie kennt die aktuelle Zahl der Anleger.
Und: Frau Appuhn arbeitet in derselben Branche - sie ist Chefin des
Hauses "Riedenrohr" in Kühlungsborn.
Wichtiger als die Frage "Warum macht
die Landesregierung das?" ist aber die Frage:
|
Wozu braucht
FUNDUS die Bürgschaft überhaupt?
Haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt? Nun, die
Ostsee-Zeitung hat sie weder sich, noch laut FUNDUS der
FUNDUS-Gruppe gestellt.
Zumindest bis zum heutigen 06.07.2009 um 14:00 Uhr. Ich habe Herrn
Plöger von FUNDUS per E-Mail gefragt und er hat prompt - binnen
Minuten - eine Antwort geschickt, die ich mit eigenen Worten - da
sie stichpunktartig war - wiedergeben möchte:
Das Grand Hotel benötigt einen klassischen Betriebsmittelkredit.
Es handelt sich hierbei um einen Kredit zur Finanzierung der Betriebsmittel
(siehe Infokasten rechts)
In "normalen" Zeiten bekommt die Betreibergesellschaft diesen Kredit
von jeder Bank auch ohne Bürgschaft.
Doch der Bankensektor funktioniert leider weiterhin noch nicht,
wie uns die aktuellen Äußerungen der Bundesregierung zeigen.
Daher bekommt die Betreibergesellschaft trotz sehr guter
Eigenkapitalquote des Hotels nicht einmal die diskutierten vier Millionen.
Bank und Bürgschaftsgeber haben sich indes hervorragend abgesichert.
Im"Fall der Fälle" würde der Steuerzahler also keinesfalls belastet.
Im Infofenster auf der rechten Seite ist der Betriebsmittelkredit
genau erklärt. Hier bezieht er sich auf einen Produktionsbetrieb,
sodass der Sinn für das Grand Hotel nicht gleich offensichtlich wird.
Darum ein paar Beispiele:
Das Grand Hotel muss für die Restaurants und Bars Lebensmittel
und Getränke einkaufen, sowie Reinigungsmittel und Textilien für das
Hotel. Viele Firmen arbeiten für das Hotel. Sie kümmern sich um die
Pflege der Außenanlagen, die Reinigungsarbeiten, die Instandhaltung,
die Dekoration und Innenausstattung, nur um einige zu nennen.
Das Grand Hotel ist darauf angewiesen, kurzfristig auf Angebote
reagieren zu können, um so gute Preise zu bezahlen und Geld zu sparen.
Wenn die Eigenmittel dazu nicht reichen oder einfach nicht schnell genug
liquide sind (Ein Hotel hat ja kein Geld im Schrank herum liegen), hilft
der Betriebsmittelkredit.
|
Info:
Betriebsmittelkredit
Betriebsmittelkredit − damit das Eigenkapital nicht im Lager
verstaubt
Mittelständische Betriebe sind zur
Finanzierung ihrer Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe sowie
Halbwaren oft auf einen Betriebsmittelkredit angewiesen.
In
Zeiten von zunehmend schlechter Zahlungsmoral haben viele, auch
gerade junge Unternehmen Schwierigkeiten bei der Finanzierung
ihrer Betriebsmittel zu bewältigen. Einen gewissen Vorrat an
Betriebsmitteln muss jedes Unternehmen haben, das Guter
produziert oder weiterverarbeitet.
Natürlich darf die dafür vorgesehene Lagerhaltung nicht zu groß
angelegt sein, damit notwendiges Kapital nicht unnötigerweise
gebunden wird und nicht anderweitig eingesetzt werden kann, wo
es eher benötigt wird. Daher ist es auch erstrebenswert, die
produzierten Waren möglichst schnell wieder zu verkaufen, denn
je eher sie das Werk verlassen, desto besser läuft das Geschäft.
Vorausgesetzt die dann ausstehenden Beträge werden zügig und
fristgerecht bezahlt, kann der Unternehmer entsprechenden
Nachschub an Betriebsmitteln ordern. Doch leider zahlen nicht
alle Kunden pünktlich, das Geld fehlt einfach und kann nicht
sofort wieder in die Produktion laufen. Und wenn der Unternehmer
in diesem Augenblick ein besonders gutes Angebot über Rohstoffe
usw. erhält, tut das Fehlen des Geldes doppelt weh. Gut, wenn
man dann einen Betriebsmittelkredit in Anspruch nehmen kann und
somit unabhängig von Eingang der ausstehenden Zahlungen handeln
kann.
Bei diesem Kredit handelt es sich im Allgemeinen um einen
Kontokorrentkredit, der wegen dem Bezug auf das Umlaufvermögen
kurzfristigen Charakter hat. Die Bank räumt ihrem Kunden einen
Maximalbetrag, also eine Kreditlinie ein, bis zu der er ohne
große Formalien verfügen kann. Wesentlich ist dabei, dass die in
Anspruch genommene Kredithöhe so weit schwanken kann, dass auch
zwischenzeitlich ein Kontoguthaben möglich ist. (...)
Quelle:
news-und-trends.de
|
|
"ZUKUNFT HEILIGENDAMM"
klärt über die Bürgschaft auf:
Hier geht es zur vollständigen Ausgabe der
August-Auflage.
Zum Abschluss noch eine Reaktion, die ich
erst später entdeckte, die aber bemerkenswert ist:
Ich fand diesen Leserbrief bei einer Recherche zu einem ganz anderen
Thema am 08.09.2009.
Es ist eine Reaktion auf meinen Leserbrief "Erschreckende Reaktionen.
Zunächst stolperte ich über diesen Verweis unter meinem Leserbrief:

Ich habe ihn gelb markiert. Was der Verfasser meint ist klar: Er
unterstellt mir, von Jagdfeld bezahlt zu werden. Ich kenne Herrn
Jagdfeld nicht persönlich und habe noch nie mit ihm geredet oder
geschrieben. Es hat sich nicht ergeben und war auch nicht nötig, denn
alle Fragen zum Projekt beantwortet mir Hans Schlag von der ECH und
Fragen zu FUNDUS selbst hatte ich bislang noch nicht.
Wenn ich nun auf den Link klicke, präsentiert sich mir eine ganz andere
Überschrift. Die Ostsee-Zeitung hat also die Überschrift - sagen wir:
neutralisiert:


Die Kleinschrift, die Ausdrucksweise und der Verweis auf das Schwarzbuch
(Welches übrigens nur ein Sammelsorium von Artikelüberschriften
verschiedener Medien zu Lasten FUNDUS' ist) erinnern an die unzähligen
Kommentare von "max meer"
Das sagt Google zu "max meer"
und
das sagt Google zu "Martin Reiter Berlin"
(Es öffnet sich ein neues Fenster).
Ist es Zufall, dass ein Martin Reiter Vorsitzender des Tacheles in
Berlin ist und im Leserbrief darauf verweist und zugleich ein "Max Meer"
im selbenb Stil zum selben Thema Kommentare und Leserbriefe verfasst?
Zumindest "Max Meer" wurde vom Stadtanzeiger "am Samstag in die
Schranken gewiesen, als er einen Kommentar gegen mich verfasste. Der
Inhalt ist mir nicht bekannt und interessiert mich auch nicht. Herr
Jütte hat den Kommentar entfernt.
Hier können Sie das nachvollziehen.
(öffnet neues Fenster)
Was die Argumentation Herrn Reiters betrifft: Der Staat unterstützt auch
Nokia, Opel und Volkswagen, sowie Arcandor,.
Das sind Unternehmen, von denen man auch sagen würde, dass sie es
eigentlich nicht nötig hätten - ganz zu schweigen, von den Banken, deren
Manager trotzdem Bonuszahlungen in Millionenhöhe kassieren. Darüber mag
man denken, was man will, ohne sich den Vorwurf gefallen lassen zu
müssen, dass seine Gedanken falsch sind. Denn es bleibe dabei: Die
Gedanken sind frei.
Nächstes Thema:
Es kommt noch schlimmer: Laut Medien schuldet die ECH der Stadt Geld.
|
Immer wieder war
in Zeitungen und Foren zu lesen, dass die Firmen, die am Bau des Grand
Hotels beteiligt waren oder sonst wie für die ECH arbeiteten und
arbeiten, sehr zufrieden mit der auffallend guten Zahlungsmoral der ECH
sind. "Es wurde immer alle Rechnungen bezahlt und das ist heutzutage
leider nicht selbstverständlich" ließ ein Mitglied des HGV einmal
verlauten.
Nun aber steht in der Zeitung zu lesen. dass die ECH der Stadt Geld
schuldet. Von Pachtzahlungen ist die Rede und von Zahlungen für die
Erschließung der Touristischen Erschließungsstraße. Ein erster Hinweis
fand sich von einem anonymen Schreiber im Stadtanzeiger in den
Kommentaren zum Thema "Wiederaufbau der Perle":
Ein anonymer Schreiber behauptet, die ECH hätte 500.000 Euro
Schulden bei der Stadt.
|
Stadtanzeiger am Samstag |
10.06.2009 - 16:34:28
senor anonym
vertrauen vertan
schad dass die entwicklung des seebades
heiligendamm so voller unwahrheiten und lügen behindert wird!
ich schreib anonym weil ich respekt vor fundus habe und nicht
möchte dass sie mir in meinem beruflichen und privaten leben
schwierigkeiten machen.
eine wichtige information: fundus schuldet der stadt bad doberan
ca 500000€ zu deren zahlung sie sich im rahmen der
erstellung der randstrasse heiligendamm verpflichtet hatten...,
was nun herr bürgermeister? wissen das die stadtvertreter???
klarheit und wahrheit!
|
Der Verfasser dieses Beitrages sollte
nicht ernst genommen werden, denn wer anonym andere Leute der Lüge
und der Nötigung bezichtigt, entbehrt damit jeder Grundlage einer
Anerkennung. Ich zeige Ihnen diesen Schrieb, damit Sie sehen, auf
welchem Niveau sich einige Menschen in der Diskussion um
Heiligendamm bewegen. Ich meine, den Spruch "Klarheit und Wahrheit"
schon einmal in der Bad Doberaner Politik gehört zu haben. Tatsache
dürfte sein, dass der Schreiber diese Informationen gar nicht haben
dürfte und sich nicht aus Angst vor FUNDUS, sondern aus Angst vor
der Stadt nicht zeigen will. Wenngleich er sich mit seiner
scheinbaren Anonymität in falscher Sicherheit wiegt - die IP-Adresse
liegt dem Stadtanzeiger mit Sicherheit vor und im Falle einer
Straftat lässt sich darüber der Urheber ganz einfach herausfinden. Die Formulierung "zu deren zahlung sie
sich im rahmen der erstellung der randstrasse heiligendamm
verpflichtet hatten" klingt eigentlich recht bürokratisch.
Möglicherweise ist da was nach außen gedrungen, das nicht nach außen
gehört. Einmal, weil Vertragsangelegenheiten unter den
Vertragspartnern und nicht in der Öffentlichkeit zu regeln sind und
zum anderen, weil Mitarbeiter der Stadt einer gewissen
Verschwiegenheitspflicht unterliegen, die hier gebrochen zu worden
scheint. Was kann der anonyme Schreiber mit seiner Veröffentlichung
beabsichtigen? Sie kann dem Image der ECH und auch der Stadt Schaden
zufügen.
Nachtrag: Wohl derselbe Schreiber hat im gleichen Stil einen
weiteren Beitrag verfasst, der sich offenbar gegen mich richtete -
zumindest aber in Bezug auf meinen Kommentar stand. Allerdings wurde
der Beitrag von der Redaktion gelöscht, ehe ich ihn zu Gesicht
bekam. Als Begründung nannte der Redakteur Beleidigungen und
Angriffe. Wie wir also sehen, ist das Niveau bei einigen Menschen
ganz unten angekommen.
Kurz darauf wird die Sache öffentlich:
Ostsee-Zeitung | 04.07.2009 | Titelseite
G8-Hotel: Stadt sitzt auf offenen Rechnungen
Schwerin
(OZ) - Die finanzielle Lage des angeschlagenen Grand Hotels
Heiligendamm ist offenbar weitaus dramatischer als bislang
bekannt. Nachdem das weltbekannte G8-Hotel erst vor wenigen Tagen
eine Bürgschaft des Landes in Höhe von vier Millionen Euro in
Anspruch nehmen musste (OZ berichtete), drängt die Stadt Bad
Doberan die Betreibergesellschaft Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH), Schulden in Höhe von fast einer halben Million
Euro an die Gemeinde zurückzuzahlen.
Wie Doberans Bürgermeister
Hartmut Polzin (SPD) der OSTSEE-ZEITUNG bestätigte, habe ECH unter
anderem Erschließungskosten für die zum Luxushotel führende
öffentliche Straße seit über sechs Monaten nicht bezahlt. Dazu
zählten auch Rechnungen für Reparaturen. Im April habe ECH bei
Polzin eine Ratenzahlung über den Betrag von 458 430 Euro
beantragt. Ein entsprechendes Protokoll liege dem
Rechnungsprüfungsausschuss der Doberaner Stadtvertretung vor,
erklärte der Verwaltungschef. Nach Angaben des FDP-Abgeordneten
Harry Klink schuldet ECH, die zum Imperium des Kölner
Immobilienmagnaten Anno August Jagdfeld (62) zählt, der Kommune
außerdem noch Pachtzinsen und Grundsteuern. In beiden Fällen habe
Jagdfeld Stundung beantragt. Klink warf Polzin vor, dem
Stadtparlament die Wahrheit viel zu lange verschwiegen zu haben.
„Wir denken darüber nach, Polzins Rücktritt zu fordern“, sagte
Klink.
Jagdfelds Sprecher Christian
Plöger bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung. Plöger sprach
von „einigen offenen Fragen und abweichenden Vorstellungen“.
ECH-Geschäftsführer Hans Schlag räumte ein, dass es mit der
Gemeinde Gespräche über Pachtzahlungen gebe. Bei den
Erschließungskosten hätten beide Seiten „unterschiedliche
rechtliche Auffassungen“. Dass es viele offene Rechnungen gebe,
sei „absolut falsch“. Die ECH habe mit zwei Millionen Euro den
Löwenanteil der Erschließungskosten längst gezahlt, ließ Schlag in
einer offiziellen Pressemitteilung verlauten.
Jagdfeld selbst verteidigte
erstmals öffentlich die Inanspruchnahme der staatlichen
Millionen-Bürgschaft. Jagdfeld wörtlich: „Heiligendamm ist, glaube
ich, genauso wichtig wie die Werften. Es ist eines der
Flaggschiffe des Landes. Die Bürgschaft war eine vernünftige
Entscheidung.“
Die Opposition im Landtag
schlägt indes Alarm. Sowohl FDP-Fraktionschef Michael Roolf als
auch Amtskollege Helmut Holter (Linke) verlangten Aufklärung
darüber, ob das Land vor der Bewilligung der Bürgschaft von den
Schulden der ECH wusste. Die Landesregierung verteidigte dagegen
ihr Vorgehen. ECH habe juristisch mit dem Bürgschaftsnehmer, der
Fundus 34, nichts zu tun, hieß es aus Regierungskreisen.
Seite 2:
Kommentar/Leserbriefe
|
Fassen wir also zusammen:
Die ECH hat seit über 6 Monaten eine Rechnung für die
Erschließungsstraße nicht bezahlt.
In Behörden ist es üblich, halb- oder ganzjährig abzubuchen. Es kann
sich also nur um eine oder um zwei Raten handeln.
Wir haben gerade erst
Juli, das halbe Jahr liegt im Juni, Zahlungsziel bei Überweisungen sind
im öffentlichen Bereich um die 20 Arbeitstage.
Das heißt, dass es vermutlich
eine Rechnung gibt, die am 30.06.2009 fällig war und am 01.07.2009 noch
nicht bezahlt, sodass man da gleich ein Fass aufmachen muss.
Dann ist da noch die Sache mit
dem Antrag auf Ratenzahlung. Ob dem stattgegeben wurde, steht im Artikel
nicht zu lesen.
Der FDP-Abgeordnete Harry Klink kennt genaue Zahlen und ist damit
scheinbar der einzige. Und er will den Bürgermeister absetzen.
Harry Klink ist auch der erste, der als Stadtvertreter den Bürgermeister
- damals auch schon Polzin - verklagte und er ist derjenige, der in
einer kleinen Anfrage die Offenlegung aller Beschäftigungen und
Einkünfte des Polzins verlangte.
Die Ostsee-Zeitung kommentiert und
holt alles wieder hoch:
|
Ostsee-Zeitung | 04.07.2009
| Kommentar
Verrechnet
Es
lässt sich darüber streiten, ob der Staat in Millionenhöhe für ein Hotel bürgen sollte, das von
Anfang an nicht genügend gern und gut zahlende Gäste anzog. Dafür spricht, dass auch in
Heiligendamm rund 300 Arbeitsplätze
entstanden sind und Menschen genau wie auf den Werften nun um ihren Job
bangen.
Dagegen spricht, dass sich hier ein Immobilienmogul – übrigens
mit Millionen aus Steuertöpfen –
quasi eine kleine Spielzeugeisenbahn
geschaffen und darüber offenbar jegliches wirtschaftliches Gespür verloren hat. Dabei mangelte es auch in der
jüngeren Vergangenheit jenseits
pekuniärer Stützen nicht an staatlicher
Fürsorge. Stadt und
Stadtvertretung sind Eigentümer Anno August
Jagdfeld seit Inbetriebnahme des Hotels großzügig entgegengekommen – mit Wegesperrungen, Zäunen,
Umleitungen. Und mit dem Zuschlag für die Ausrichtung des G8-Gipfels 2007
in seinem Hotel durch die
Bundesregierung erhielt er monatelang kostenlose PR weltweit. Andere Unternehmen hätten dafür millionenschwere Werbeetats planen müssen.
J agdfeld
gibt es noch nicht zu – seine Rechnungen gehen trotz allem nicht auf. Anscheinend stecken
seine Gruppe oder Teile in ernsten
finanziellen Schwierigkeiten:
Erst kündigte „Kempinski“ als Betreiberin des Grand Hotels Heiligendamm im Februar, u.a. auch weil Jagdfeld
Managementgebühren in Millionenhöhe nicht gezahlt hatte. Dann gab’s Probleme im Berliner Luxushotel „Adlon“, das ihm ebenfalls
gehört. Nun die bislang in der deutschen
Hotellerie
einmalige Staatsbürgschaft in Höhe von vier Millionen Euro
vom Land für das Haus in
Heiligendamm. Und es kommt heraus, dass er der Stadt Bad Doberan fast noch eine
halbe Million schuldet.
Spätestens
an diesem Punkt wird der Fall Heiligendamm zum
Politikum. Es stellt sich zwingend die Frage, ob das Land vor
Ausreichung der Bürgschaft von den Schulden
gegenüber der öffentlichen Hand wusste.
Wenn nicht, hat sich das
zuständige Wirtschaftsministerium offenbar nicht bei der Kommune
informiert,
oder die Stadt hat gemauert.
Wenn Schwerin doch die
Unregelmäßigkeiten kannte, hätte es jedenfalls
anders reagieren müssen. Merkwürdig bleibt auch das
Verhalten von Bürgermeister und
Stadtvertretern Bad Doberans. Statt Probleme zu besprechen, wurden sie
offenbar gedeckelt. Es sieht ganz so aus, als hätte sich in
Heiligendamm nicht nur ein Investor
verrechnet. . .
Von THORALF CLEVEN
|
Da sind sie wieder, die alten
Probleme: Ein Redakteur wettert auf dem Rücken der Ostsee-Zeitung
gegen alles, was sich bewegt. Jagdfeld ist Schuld, die
FUNDUS-Gruppe, damit dann auch die ECH und das Grand Hotel, die
Bundesregierung ist auch Schuld, die Landesregierung ebenso,
natürlich auch die Finanzministerin, wie auch die Stadtverwaltung,
die Stadtvertreter und natürlich der Bürgermeister. Alle sind Schuld
daran, dass das Grand Hotel nicht läuft. Kein Wort von
Rasenlatschern und Heckenübersteigern. Kein Wort von negativer
Publicity durch die Medien. Kein Wort von Gesetzesänderungen zu
Ungunsten von Fonds. Kein Wort von Missmanagement durch Kempinskis
Tchibo- und TUI-Offerten. Kein Wort über zivilen Ungehorsam, über
Anfeindungen und Lügen. Kein Wort über einseitige Berichterstattung
und Diskussionsverweigerung. Kein Wort über Straftaten nur für ein
Sensationsfoto. Kein Wort darüber, dass sachlich völlig falsche
Aussagen in der eigenen Zeitung abgedruckt werden. Auch kein Wort
darüber, dass die ECH eine Tiefgarage und Dauerwohnrecht braucht und
beides nicht bekommt. Kein Wort darüber, dass durch klassische
Finanzierung wenigstens die reelle Chance besteht, dass in einem
Jahr die Bagger rollen können - ohne sie aber nur die Sicherheit,
dass der Stillstand weiter geht.
Geht es hier eigentlich um die Gunst der Leser, für die man
dann unter dem Deckmantel der Pressefreiheit allen anderen auf die
Füße tritt?
Was will die Ostsee-Zeitung - was wollen ihre Redakteure - mit ihrer
Berichterstattung über Heiligendamm erreichen?
Es wird ja nicht besser:
Einen Tag später wird kräftig
nachgelegt:
Die DPA hat es schon einmal richtig
erkannt:
Es sind die Pläne zur
Sanierung der Perlenkette, die da gescheitert sind und nicht der Bau
einer Tiefgarage und das Dauernutzungsrecht allein.
Und sie gibt auch korrekt das wieder, was hundertfach jeden Tag in
Deutschland stattfindet: Schuldner und Gläubiger verhandeln
miteinander.
Die Ostsee-Zeitung jedoch gab den Artikel der DPA wieder und
machte sich dann wieder selbst ans Werk.
Abgedruckt wurde auf der Bad Doberaner Titelseite nämlich reich
bebildert mit Stadtvertreter-Gesichtern das hier:
|
Ostsee-Zeitung | 04.07.2009 | Lokalseiten Bad Doberan
Von PETER WEISSFLOG
Bad Doberan.
„Von Schulden der ECH war mal am Rande einer
Sitzung die Rede“, meint Harry Klink, FDP, und bezieht sich auf Meldungen, wonach die
Entwicklungscompagnie Heiligendamm bei der Stadt tief in der Kreide steht. Rechnungen aus der
Bewirtschaftung einer Straße wurden nicht bezahlt – 500 000 Euro –, Pachten nicht ausreichend
bedient; die Rede war auch von
Stundungen. Dass die Abgeordneten nicht immer ausreichend
informiert werden, sei nichts Neues. „Zehn Jahre lang hat
Bürgermeister Polzin verschwiegen, dass Wege in der Weißen Stadt laut
Übereignungsvertrag des Bundesvermögensamtes öffentlich waren.“ Ja, es gebe schon in seiner
Partei Überlegungen, Polzins Rücktritt zu fordern.
„Nein, nichts gewusst von Schulden und Pachten“, sagt Klaus-Peter Behrens,
Pressesprecher des Bürgerbundes.
„Uns wurde immer gesagt: Fundus ist einer der größten Zahler. Die haben
uns hinters Licht geführt.“
Sie wüsste durchaus, dass es Verträge zwischen Stadt und ECH gibt, sagt Caroline Brandt, CDU. „Aber nichts Konkretes.“ Und
außerdem: „Die ECH muss die Möglichkeit haben, Geld zu machen. Und wenn dies die
Stadtvertretung durch das Nichtfassen von
Beschlüssen verhindert, darf man sich doch nicht wundern, wenn die ECH kein Geld hat.“
„Wenn die Gesellschaft nicht mal Pachten bedienen kann, fände ich das schon ziemlich heftig“, sagt Einzelbewerber Jochen Arenz.
Und immer wieder kocht in den Gesprächen das Thema
Bürgschaft hoch. „Das ist für mich ein Skandal. Die pumpen unsere
Steuern in ein Hotel!“
„Bürgschaft ist noch kein bares Geld“, wiegelt Gerlinde Heimann, Linke, ab und man hört die einstige Kämmerin heraus.
Es
gehe doch zunächst nur um die
Kreditwürdigkeit des Hotels.
Was die Schulden betrifft, so sei sie
neu als Abgeordnete und müsse sich erst einmal sicher machen.
„Das mit der so genannten
Erschließungsstraße Süd ist bekannt“, sagt Birgit Mersjann, die für die SPD im Parlament sitzt.
„Man braucht nur den Bericht der Rechnungsprüfung zu lesen.“
Heinz Keuer, Grüne, ärgert vor allem die Bürgschaft. Von wegen Finanzkrise.
„Dem Hotel ging es doch schon vorher nicht gut.“
Und stets habe man versucht, den Schwarzen Peter den
Stadtvertretern zuzuschieben.
„Wenn es tatsächlich Stundungen bei Pachten gegeben hat, dann ist dies an der
Stadtvertretung vorbei gelaufen“, befürchtet Hannes Meyer vom Bürgerbund.
Das werde Konsequenzen haben. Davon abgesehen: „Man überlege mal – da verlangt eine
Gesellschaft einen B-Plan nach dem anderen, hat Riesenprojekte vor und auf der anderen Seite nicht mal das Geld, für die
Bewirtschaftung einer Straße zu zahlen.“
Zu den ECH-Schulden´befragte OZ Hartmut Polzin (SPD), Bürgermeister von Doberan.
OZ: Was ist dran an der Straßen-Geschichte?
Polzin:
Tatsächlich hat die ECH den
Ablösebeitrag für die Bewirtschaftung der Straße, dazu gehören
Reparaturen, bislang nicht gezahlt.
OZ: Wissen das die Abgeordneten?
Polzin: Ja, auf einer
Stadtvertretersitzung ging es um den
Rechnungsprüfungsausschuss und ich wurde konkret befragt, ob im
öffentlichen oder nichtöffentlichen
Teil, kann ich nicht sagen.
OZ: Reißt die Straßen-Schuld nun ein Loch in den Haushalt?
Polzin: In den laufenden nicht. Das Geld ist dafür bestimmt, die Straße in Zukunft in Schuss zu
halten. Ja, und irgendwann würde es sicher einmal fehlen.
OZ: EinWort zu den Pachten.
Polzin: Die ECH behauptet, alle Rechnungen bezahlt zu haben. Ich kann das im Moment nicht
überprüfen. Am Freitagnachmittag ist die Kämmerei leer.
OZ: Was ist mit Stundungen?
Polzin: Auch das wird am Montag geprüft. Aber selbst wenn es da etwas gäbe, dürfte ich mich
nicht äußern. Es existiert ein
Abgabe- und Steuergeheimnis.
Interview:P. W.
|
Am Meisten geredet hat Harry Klink.
Während er einen Tag zuvor noch genaue Zahlen kannte, erinnerte er
sich nun nur noch daran, dass mal am Rande einer Sitzung die Rede
von den Schulden war. Möglicherweise war das die Sitzung, als es um
den Rechnungsprüfungsausschuss ging.
In dem geht es aber nicht am Rande um Finanzen, sondern
hauptsächlich. Hier müssen wir einfach weitere Informationen
abwarten.
Interessant jedoch ist, dass einerseits ein Abgabe- und
Steuergeheimnis existiert und andererseits gerade Harry Klink eine
Summe nennt.
Alle anderen sagen wenigstens, dass sie nicht ausreichend informiert
sind. Merkwürdig ist dabei jedoch, dass laut Polzin konkrete Fragen
gestellt worden sind. Da müsste eine ganze Handvoll Stadtvertreter
nicht anwesend gewesen sein oder sich nicht mehr daran erinnern
können.
Nun gibt es dann aber wie wir sehen auch einen
Rechnungsprüfungsbericht, der offenbar den Stadtvertretern
zugänglich ist. Wenn dem so ist, besteht eigentlich gar keine
Notwendigkeit, dass der Bürgermeister die Stadtvertreter über
ausstehende Forderungen informiert. Es besteht ja auch keine
Notwendigkeit, dass ein Telefonanbieter seine Kunden über
Preisänderungen oder der Staat seine Bürger über Gesetzesänderungen
informiert.
Dazu gibt es öffentlich zugängliche Listen und im Falle der
Stadtvertreter scheint der Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses
diesen Zweck zu erfüllen.
Hartmut Polzin vermeidet voreilige Aussagen und muss erst den
nächsten Arbeitstag der Kämmerei abwarten.
Die ECH kommt den Gerüchten hingegen gleich zuvor und stellt in
einer Pressemitteilung klar:
|
Stadtanzeiger
| 04.07.2009 - 01:47:20
Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm: Keine
ausstehenden Zahlungen an die Stadt Bad Doberan
Heiligendamm. Als „absolut nicht nachvollziehbar“ bezeichnet
Hans Schlag, Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH), Medienberichte über ausstehende
Zahlungen der ECH an die Stadt Bad Doberan. „Wir sind all
unseren Verpflichtungen gegenüber der Stadt nachgekommen.
Bad Doberan hat in der ECH über all die Jahre stets einen
zuverlässigen Vertragspartner“, so Schlag. Der in
Medienberichten erhobene Vorwurf, es gebe viele offene
Rechnungen, ist absolut falsch. Ebenso hat die ECH die
Grundsteuer beglichen.
Was die Pacht betrifft, die die ECH gegenüber der Stadt Bad
Doberan für gepachtete landwirtschaftliche Flächen in
Heiligendamm zu leisten hat, so gibt es aktuell ein
Erhöhungsverlangen der Stadt. „Ob als Privatmann oder
Unternehmen: Es ist absolut üblich, dass jeder für sich
zunächst prüft, ob die geforderte höhere Miete oder Pacht
gerechtfertigt ist. Das macht die Stadt, wenn sie Mieter
ist, ebenfalls. Und genau das tun wir gerade. Darüber gibt
es Gespräche mit der Stadt“, erläutert Schlag.
Die Behauptung, Pachtzahlungen stünden aus, ist für den
ECH-Geschäftsführer umso unverständlicher, als dass die
Stadt die Pacht zum 01.07.2009 erhöhen möchte. Seither sind
also erst zwei Tage vergangen. Überdies zieht die Stadt die
Pacht in bisheriger Höhe halbjährig, so auch aktuell zum
01.07., ein. „Von ausstehenden Forderungen kann also auch
hier nicht die Rede sein“, erläutert Schlag.
Was die Kosten für die Erschließungsstraße angeht, so gibt
es unterschiedliche rechtliche Auffassungen über die letzte
Rate. „Auch darüber gibt es laufende Gespräche zwischen ECH
und Stadt. Auch das ist ein vollkommen normaler Vorgang, wie
er jeden Tag hundertfach in Deutschland vorkommt. Absolut
unüblich aber ist, dass diese Dinge, die Sache der beiden
Vertragsparteien ECH und Stadt sind, in der Öffentlichkeit
diskutiert werden“, empört sich Schlag.
Dies ist umso ärgerlicher, als dass die ECH mit zwei
Millionen Euro den Löwenanteil für die Erschließungsstraße
längst gezahlt hat. Sie hat der Stadt Bad Doberan für den
Bau der Straße nicht nur kostenlos Grundstücke zur Verfügung
gestellt, sondern den Finanzierungsanteil der Gemeinde
komplett übernommen. „Die Stadt hat keinen einzigen Cent
dafür ausgegeben. Ohne die ECH gäbe es die Straße heute
nicht. Ich würde mich freuen, wenn das ebenfalls gesehen und
durch Politik und Verwaltung aktiv öffentlich vertreten
würde“, ergänzt Schlag.
Der ECH-Geschäftsführer zeigt sich vor allem über das
Verfahren verärgert: „ECH und Stadt sind seit vielen Jahren
Vertragspartner, wenn es um die Entwicklung von Heiligendamm
geht. Immer wurden Lösungen gefunden, die beiderlei
Interessen gerecht werden. Solche Lösungen erarbeitet man
aber gemeinsam am Tisch und nicht in der Öffentlichkeit. Das
ist schlechter Stil“, so Schlag.
|
Damit sollte eigentlich alles geklärt
sein. Bisher hat aber nur der Stadtanzeiger diesen Text aufgenommen
und auch erst nur online, denn er kommt erst in ein paar Tagen in
den Briefkasten. Genug Zeit also, schlimmes noch schlimmer zu
machen. Ich bleibe dran!
|
Der Pastor mahnt die
Stadtvertreter.
Es gehört einfach zu einer kleinen Gemeinde, dass der Pastor immer
mal wieder an die eigentlichen Werte erinnert. Bisher war das in der
größeren Gemeinde Bad Doberan kaum nötig und so machten Pastoren ihre
Sache und Stadtvertreter ihre. Aber ein Pastor hat immer ein offenes Ohr
und ist den Bürgern seiner Stadt damit oft näher, als es ein
Stadtvertreter sein kann. Man schimpft ja nicht in Gegenwart eines
Stadtvertreters über die Stadtvertreterversammlung. Pastor Jax fühlte
sich dazu verpflichtet, die Stadtvertreter an die Werte zu erinnern.
|
Ostsee-Zeitung | 09.07.2009
Brief an Abgeordnete
Der Stadt Bestes suchen
Albrecht Jax, Pastor in Doberan
Vor der konstituierenden Sitzung erhielten Abgeordnete Post von Pastor
Albrecht Jax.
Im Schreiben heißt es u.a.:
„Viel ist in den vergangenen Tagen
über den demokratischen Prozess der Wahl hier in unserer Stadt
debattiert worden.
Manche Frage steht im Raum. Mitunter entsteht der Eindruck, dass die
Sache in den Hintergrund tritt und persönliche Befindlichkeiten uns
bestimmen.
Von welchem Geist sind wir beseelt? Einige mir sehr eindrückliche Sätze
von Phil Bosmans möchte ich mit Ihnen teilen:
"Verschmutzung von Geist ist für das Glück der Menschen noch viel
tödlicher als Verschmutzung von Wasser und Luft.
Wenn der menschliche Geist
verpestet und zerfressen ist von Habgier, Profitjagd, Machthunger,
Prestigesucht, dann ist es
ihm auch völlig gleichgültig,
ob auch in Zukunft diese Welt noch zu bewohnen ist, ob auch in Zukunft
noch Menschen hier
leben können. Alles, selbst
Wasser und Luft und die ganze Schöpfung, wird der Gier und dem
Größenwahn einiger weniger
geopfert...."
Es sollte unser gemeinsames Anliegen sein, die Verantwortung, in
die wir gestellt sind ernst- und wahrzunehmen und in der konstruktiven
Auseinandersetzung der Stadt Bestes zu suchen... .
Gottes Segen für Ihren Dienst.“
|
Zwei Nachteile machen den Brief etwas unverständlich: Der erste ist,
dass die Ostsee-Zeitung allein bestimmt, was sie aus dem Brief
veröffentlicht und der zweite ist, dass ein Geistlicher stets zu
Umschreibungen angehalten ist und nicht direkt ins Gesicht der
Stadtvertreter sagen kann, was er eigentlich meint. So ist es dann reine
Interpretationssache, ob er mit seinen Worten auf bestimmte Personen
zielt und ihnen Habgier, Profitjagd, Machthunger und Prestigesucht
vorwirft oder ob er sagen will, dass der Investor diese Eigenschaften
hat und man sich ihm nicht verschreiben soll. Um das herauszufinden,
frage ich am Besten Herrn Jax selbst. Nächste Woche. An dieser Stelle.
Nach langem Bangen: Die Wahl ist gültig.
Einmal musste die Stadtvertreterversammlung ihre konstituierende Sitzung
verschieben aber nun hat es geklappt. Es ging um Ausschüsse und Posten
und um die wichtigste Frage: Wird die Wahl für gültig erklärt?
Ja, wird
sie. Die neue SVV steht damit und die Arbeit kann beginnen.
|
Ostsee-Zeitung | 07.07.2009 | Titelseite Bad Doberan
Doberan:Wahl für gültig erklärt
Bad Doberan. Die erste
Stadtvertreterversammlung nach der Kommunalwahl erwies sich gestern im
Bad Doberaner Rathaus als äußerst langwierige Prozedur. Etliche
Funktionen innerhalb dieses ehrenamtlichen Gremiums waren zu besetzen;
die Mitglieder der Ausschüsse mussten bestimmt werden. Und alles in
geheimer
und deshalb zeitaufwändiger Wahl.
Die wichtigste Nachricht des Abends: Die Abgeordneten erklärten das
Ergebnis der Kommunalwahl für gültig.
Von den 25 Abgeordneten sahen dies jedenfalls 22 so. Drei stimmten
dagegen. Zum Stadtvertretervorsteher wurde Guido Lex, Bürgerbund,
Neuling im Parlament, mit der denkbar knappsten Mehrheit von 13 Stimmen
gewählt. Birgit Mersjann, SPD, die von der HGV für den Posten
vorgeschlagen worden war, erhielt 12 Stimmen. Als ersten Stellvertreter
des Stadtvertretervorstehers hatte dann Harry Klink, FDP, Gerlinde
Heimann, Linke, vorgeschlagen. Andere Namen standen nicht zur Debatte.
Die einstige Kämmerin der Stadt wurde dann von 22 Abgeordneten gewählt,
drei lehnten sie per Stimmzettel ab. Als zweiten Stellvertreter
schlug dann Einzelbewerber Jochen
Arenz Heinz Keuer von den Grünen vor. Auch hier gab es keinen anderen
Mitwettbewerber. Keuer kam auf eine Mehrheit von
21 Stimmen. Vier Abgeordnete dagegen
wollten ihn auch künftig nicht im Präsidium des Gremiums wissen.
Der „neubestallte“
Stadtvertretervorsteher Guido Lex, im Job Vorsitzender Richter am
Landgericht Rostock, verpflichtete die Mitglieder der
Stadtvertreterversammlung kurz und bündig per Handschlag.
(Mehr morgen.) P.W.
|
Wenn man es geschafft hat, ist man ja nicht dumm und riskiert, bei einer
Neuwahl wieder herauszufliegen. Lediglich wenn man mit einem sehr guten
Ergebnis gewählt wurde, kann man das Risiko eingehen. Zum Beispiel, wenn
man einen ungeliebten Stadtvertreter, der es nur knapp geschafft hat,
wieder los werden will oder wenn ein Kollege es nur knapp nicht
geschafft hat und die Chance besteht, dass er bei einer Neuwahl auch mit
hinein kommt. Was die wahren Gründe der drei Ablehner waren - und vor
allem, wer sie waren - werden wir vielleicht morgen erfahren.
Erste
Amtshandlung: Alles wieder rückgängig machen.
Für die ältere Generation muss es sein, wie ein böser Traum: Neue
Politiker kommen an die Macht und als erste Amtshandlung steht auf dem
Plan, die Beschlüsse der bisherigen Politiker wieder rückgängig zu
machen.
Was im großen der Grundgedanke der Revolution ist, wurde von Diktatoren
missbraucht. Während die Aufhebung alter Gesetze und Beschlüsse mit der
Gründung der Weimarer Republik dem Volk Vorteile brachte, tat es
dasselbe nach der Machtergreifung Hitlers nicht. Auch nach der Gründung
der DDR wurden viele Beschlüsse und Gesetze einfach ausradiert.
Besonders, wenn es um Privateigentum ging. Die Folge war eine
Massenflucht der Enteigneten und ein Ausbluten der DDR. Das Ergebnis war
eine Mauer und eine unüberwindbare Grenze, um ein weiteres Ausbluten zu
verhindern. Und nun zu Bad Doberan:
|
Ostsee-Zeitung | 09.07.2009
Bürgerbund fordert Abriss der
Personensperranlage
Bad Doberan. „Ich wurde 1937 geboren. Ist hier jemand älter als
ich?“, fragte Arnold Scholz von den Linken am Montagabend in
die Stadtvertreterrunde. Das Alter
war in diesem Kreise nicht zu toppen, und also fungierte Scholz in den
ersten Minuten der ersten Versammlung nach der Wahl als
Altersvorsitzender. In seiner Begrüßungsrede zitierte er aus einem
Brief, den Albrecht Jax, Pastor der
evangelischen Kirchgemeinde Bad
Doberan, an alle Abgeordneten, außer jenen der NPD, gesandt hatte. Jax
wandte sich in Sorge an
das Gremium. „Manche Frage steht im
Raum. Mitunter entsteht der Eindruck, dass die Sache in den Hintergrund
tritt und persönliche
Befindlichkeiten uns bestimmen.“
(Siehe auch nebenstehenden Beitrag „Der Stadt Bestes ...“)
Die Veranstaltung kam dann gleich zu
Beginn wieder ins Stocken, als Guido Lex vom Bürgerbund, neu im
Parlament, forderte, die Tagesordnung zu verändern, die Abgeordneten
erst zu verpflichten und dann über die Gültigkeit der Kommunalwahl zu
befinden,
um so diesen Beschluss rechtlich
sicherer zu machen. Was nach einigen Diskussionen auch angenommen wurde.
Dann holte der Richter am Landgericht Rostock noch einmal verbal aus und
brachte gleich zwei Tischvorlagen ein.
Die eine: „Der Bürgermeister wird beauftragt, durch Erlass einer
Beseitigungsverfügung oder in sonst einer Weise unverzüglich
sicherzustellen, dass die von der
ECH im öffentlichen Kurwald Heiligendamms errichtete
Metallzaun-Personensperranlage abgerissen
wird, die sich an der Kreuzung
zwischen dem Weg zum Bahnhof, dem Schikane-Umweg zum Strand und dem
künftigen Stichweg befindet.“ Von den 25 Abgeordneten signalisierten 23,
dass sie diese Vorlage auf der aktuellen Tagesordnung sehen wollen.
Einer stimmte dagegen, einer
enthielt sich.
Die zweite
Bürgerbundbeschlussvorlage sieht vor, den Bürgermeister zu beauftragen,
Auskunft zu erteilen, ob es eine schriftliche
Vereinbarung zwischen dem Grand
Hotel und der Medianklinik über eine so genannte Zuwegung für die
Kurpatienten zum
Strandbereich gibt. Vor drei Jahren
sei der Bau des Stichweges zurückgestellt worden, unter der Bedingung,
dass Klinikpatienten Zugang zum Strand erhalten und dies als
Vereinbarung schriftlich fixiert wird. Für die Aufnahme dieser Vorlage
in die Tagesordnung
stimmten 23 Stadtvertreter, einer
war dagegen, einer enthielt sich.
Doch zu einer Behandlung sollte es an diesem Abend nicht mehr kommen.
Herbert Baor, HGV, hatte den Antrag eingebracht, alle anstehenden Wahlen
dieser konstituierenden Sitzung geheim zu absolvieren, was Aufwand mit
sich brachte, auch ganze Perioden des
Stillstandes. Und die Tagesordnung
sah fast ausschließlich Urnengänge vor.
Bekannt gegeben wurde die Bildung
von Fraktionen. Hier nichts Neues: SPD 4 Sitze, Linke 4, CDU 4, FDP 2,
NPD 2. Daneben schloss
sich eine bunte Zählgemeinschaft
zusammen aus HGV, Jochen Arenz (Einzelbewerber), Heinz Keuer (Grüne),
Horst Gühler (CDG) und Frank Pieplow (BfBD). Sechs Sitze, sechs Stimmen
– bei Einigkeit eine kleine Hausmacht. Die Gültigkeit der Kommunalwahl
wurde beschlossen, Guido Lex vom Bürgerbund erhielt mehrheitlich das
Vertrauen als Stadtvertretervorsteher, Gerlinde Heimann, Linke, wurde 1.
Stellvertreterin, Heinz Keuer,Grüne, 2. Stellvertreter (OZ berichtete).
Anschließend wurden in einer aufwendigen Prozedur die Mitglieder
von sechs Ausschüssen gewählt. Ein wenig spannend wurde dann die Wahl
des 1. Stellvertreters des Bürgermeisters. Norbert Sass, Leiter des
Amtes für Stadtentwicklung, stellte sich dem Votum. Hannes Meyer,
Bürgerbund, brachte als weiteren Kandidaten Edgar Schmidt ins Spiel, der
Kämmerer der Stadt, der bislang diese Funktion innehatte. Bei der
Abstimmung bekam Sass 17 Stimmen, Schmidt acht. Sass leistete gleich an
Ort und Stelle den Eid, Bürgermeister Hartmut Polzin überreichte
Ernennungsurkunde und Blumen. Für Gerhart Kukla, Bürgeramtsleiter, als
künftigen 2. Stellvertreter stimmten 24 Abgeordnete,
einer enthielt sich. Einen weiteren
Kandidaten hatte nicht gegeben. Gegen 22.30 Uhr war die reguläre
Sitzungszeit überschritten und
die Luft raus. Man einigte sich auf
Vertagung. Termin: Donnerstag, 16. Juli, 18.30 Uhr, Rathaus.
|
Der Zaun kommt weg aber die Sperre bleibt.
Der
Stichweg ist wieder in der Diskussion.
Wieder einmal wird Heiligendamm auf Zäune
reduziert. Als gäbe es nichts anderes zu beschließen, beschließt man, dass
der Zaun weg soll. Welcher genau, ist zunächst einmal gar nicht so
offensichtlich: Es gibt ja einen hohen im Norden und einen flachen im Süden.
Auch die Frage, wie denn dann die Sperre vollzogen wird und ob sie rechtens
ist, bleibt offen. Wieder in den Mündern ist aber der längst abgeschriebene
Stichweg.
|
Ostsee-Zeitung | 18.07.2009 |
Lex: „ECH ist keine
Ordnungsmacht“
Der Metallzaun im
Kurwald von Heiligedamm ist widerrechtlich von der ECH
errichtet worden und muss abgerissen werden.
Das haben Bad Doberans Stadtvertreter mehrheitlich
beschlossen.
Von KLAUS WALTER
Bad Doberan. Die Beschlussvorlage des Bürgerbundes,
eingebracht vom Abgeordneten Hannes Meyer, war deutlich
formuliert:
Die von der
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) im Kurwald
errichtete „Metallzaun-Personensperranlage“, die sich „an der
Kreuzung auf dem Weg
zum Bahnhof, dem Schikane-Umweg zum Strand und dem künftigen
Stichweg befindet“, soll weg.
Dennoch diskutierten
Doberans Stadtvertreter in ihrer Sitzung am Donnerstagabend –
eine Fortsetzung der Sitzung vom 6. Juli und die letzte
Zusammenkunft vor der Sommerpause – eine gute Stunde um das
Problem herum. Einige
Abgeordnete – Jochen Arenz (parteilos), Horst Gühler (CDG) –
distanzierten sich von der „Schärfe der Formulierung“.
Bürgermeister Hartmut
Polzin (SPD) erinnerte an frühere Beschlüsse der
Stadtvertreter. Die Wegeführung, wie sie jetzt im Kurwald
durch die ECH umgesetzt sei, sei genehmigt, und es bestehe
eine „Unmöglichkeit, die ECH zu zwingen, eine Wegeverbindung
zu ermöglichen“.
Erst auf deutliche Nachfrage bestätigte Polzin: „Der Zaun
befindet sich auf öffentlichem Grund und ist ohne Genehmigung
errichtet worden.“
Plötzlich waren die
Stadtvertreter wieder bei der Stichweg-Problematik – ein Weg,
der als Verbindung zwischen Bahnhof und Seebrücke
zwischen Hotelkomplex
und Prof.-Vogel-Straße geschaffen werden sollte, dessen Bau
aber immer wieder aus unterschiedlichsten Gründen verschoben
wurde.
Gerlinde Heimann
(Linke) verlangte ob der verwirrenden Vielzahl der Fakten eine
Aufstellung früherer Beschlüsse, damit die neuen
Abgeordneten folgen
könnten, und Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund)
stellte klar, dass all dies nichts mit der eigentlichen
Problematik
„Metallzaun“ zu tun habe. Der müsse weg, weil widerrechtlich
errichtet. „Die ECH ist keine Ordnungsbehörde“, betonte Lex,
sie könne nicht beliebig Zäune auf städtischen Boden stellen,
egal, aus welchem Grund.
Nach weiteren
Wortmeldungen stellte Jochen Arenz einen Ergänzungsantrag:
Danach soll Bürgermeister Polzin gemeinsam mit der ECH eine
Lösung finden, die bewirkt, dass Kurgäste nach Abriss des
Zaunes „nicht in eine Sackgasse laufen“. Der geänderte Antrag
wurde mit zehn Ja- und acht Nein- Stimmen bei zwei
Enthaltungen angenommen. Dass dieser Beschluss verschiedene
Auslegungen zulässt, ist den Stadtvertretern offenbar nicht
aufgefallen.
Unklar ist nun, ob die
Sackgasse durch Öffnung des Weges zur Seebrücke verschwinden
soll, wie es der Bürgerbund beabsichtigt, oder ob die
Sackgasse bestehen
bleibt und lediglich eine andere Sperreinrichtung errichtet
werden soll.
Ein zweiter Antrag des Bürgerbundes, der Akteneinsicht in eine
Vereinbarung zwischen ECH und Medianklinik über das Wegerecht
der Patienten verlangte, wurde abgelehnt. Grund: Es sei ein
Vertrag zwischen „privaten Dritten“.
Info: Die nächste Stadtvertretersitzung
findet am 21. September
statt.
Aus dem
nichtöffentlichen Teil
Im nichtöffentlichen Teil der Stadtvertretersitzung – die
Öffentlichkeit wurde zum Tagesordnungspunkt „Anfragen und
Anregungen“
ausgeschlossen – bemühten
sich die Abgeordneten offenbar um eine grundsätzliche
Strategie im Umgang mit der ECH.
Dazu sollen
zunächst die drei
Grundlagenverträge zwischen Stadt und ECH, alle bisherigen
Beschlüsse zum Wegerecht und zu Grundstücksverkäufen
analysiert werden. Der
Ortsverband der FDP hatte im Vorfeld der Sitzung erklärt, die
FDP-Fraktion werde keine Heiligendamm-Beschlüsse mehr
mitentscheiden, solange nicht ein öffentlicher Weg zwischen
Bahnhof und Seebrücke sowie ein gefahrlos von Alten und
Behinderten benutzbarer Weg um den Hotelkomplex herum – auch
unterhalb des Alexandrinen-Cottages – angelegt sei. Zum
Wegeverlauf kursiert bereits
ein Plan (liegt OZ vor).
kw
|
Während man sich also mit
Kurzsichtigkeiten aufhält, kommen die Langfristigkeiten zu kurz. Man
hätte genauso gut in dieser letzten Sitzung vor der Sommerpause noch
einmal über die Beschlussvorlage zum Bau der Tiefgarage und der
Gewährung des Dauerwohnrechts abstimmen können. Damit hätte man
möglicherweise den Weg für die Sanierung der Perlenkette geebnet und
im besten Fall hätten im August 2010 die Bagger anrücken können.
Oder man hätte mit der ECH einen Termin gemacht, um sich alles noch
einmal genau erklären zu lassen und dann nach der Sommerpause
abgestimmt. So
verschiebt sich alles wieder.
Aber man hat die ECH dazu gezwungen, einen Zaun wieder abzubauen.
Diesen Zaun hat die ECH wie schon erwähnt nicht aus Lust am
Geldausgeben dorthin stellen lassen, sondern als Reaktion auf den
zivilen Ungehorsam. Dieser konnte zwar mit dem Zaun auch nicht ganz
verhindert werden aber er wurde reduziert.
Wenn der Zaun sich auf öffentlichem
Grund befindet, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Vermutlich ist
es aber so, dass wenn man ihn nur ein paar Meter in den Wald hinein
setzt, er auf dem Grund der ECH steht und dort dann rechtlich keine
Einwände möglich sind. Auch gibt es hinter dem Zaun eine Hecke, die
überhaupt nicht diskutiert wurde. Wenn diese nicht weg muss, weil
sie nicht auf öffentlichem Grund steht, würde schon eine Versetzung
des Zaunes hinter diese Hecke genügen. Die Notwendigkeit der
Sperrung betont das Papier der SVV ja noch einmal, in dem es den
Bürgermeister beauftragt, nach einer alternativen Sperrmethode zu
suchen.
Die ganze Diskussion um 10 qm Zaun kann
Folgen haben, die der Bürgerbund damit ganz sicher nicht erreichen
wollte.
Zuerst sei erwähnt, dass die ECH im Jahre 2008 von der
Bordsteinkante der Professor-Vogel-Straße ausgehend nach Süden etwa
30 Meter tief in den Kurwald hinein ein Grundstück erworben hat. Für
dieses Grundstück liegt bereits eine Baugenehmigung vor.
Wenn wir uns die Pläne der ECH ansehen, finden wir den ehemaligen
Weg überbaut von zwei Gebäuden. Zeitgleich mit dem Kauf dieses
Grundstücks wurde auch ein Erbpachtvertrag für die
Professor-Vogel-Straße geschlossen. Diese wird entwidmet, weil durch
sie ohnehin kein öffentlicher Verkehr mehr fließt. Das gekaufte und
geerbpachtete Grundstück der ECH sieht also in diesem Bereich so
aus:

Die ECH ist berechtigt, diesen Bereich
einzuzäunen. Genau das könnte der Vorstoß des Bürgerbundes nun
bewirken.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf
sich warten. ECH und Bürgermeister erklärten auf meine Nachfrage,
für diese in ihren Augen sinnfreie Forderung eine gemeinsame Lösung
zu suchen und jeder seinen Teil zur Umsetzung beizutragen. Sie waren
sich dabei einig, dass jede Aktion in Hinblick auf die zukünftige
Bebauung nur ein Provisorium sein kann und dass nur die Umsetzung
der B-Pläne die Situation beenden kann. Hier zunächst zwei
Reaktionen aus der Ostsee-Zeitung:
|
OSTSEE-ZEITUNG | 22.07.2009
Vernünftige Lösungen für Heiligendamm gefordert
Zur Stadtvertretersitzung zu Heiligendamm – OZ vom 18./19.
Juli – schreibt E. Müller-Wendfeld aus Bad Doberan:
Der Doberaner Bürgerbund hat scheinbar für Heiligendamm nichts
weiter einzubringen als endlose Wegediskussionen, bereits
gefasste
Beschlüsse rückgängig zu machen und damit das bauliche
Geschehen in Heiligendamm zu blockieren. Was heißt hier
Schikaneweg?
Ebenso kann man von Wegebelagerung sprechen! Ja, es wäre
klüger gewesen, den umstrittenen Zaun erst mit Beginn des
Baugeschehens
in der Vogelstraße zu setzen. Nun ist er gesetzt, und er ist
nur 1,23 Meter hoch. Im Übrigen sind die Wege vom Bahnhof
Warnemünde, Kühlungsborn und der Bushaltestelle Nienhagen zum
jeweiligen Strand wesentlich länger, und es hat sich noch
niemand beschwert.
Heiligendamm kann nur wiederbelebt werden, wenn alle
Abgeordneten und Beteiligten gemeinsam nach vernünftigen
Lösungswegen suchen und sich nicht laufend in schon peinlicher
Weise gegenseitig öffentlich behacken.
Zur selben Stadtvertretersitzung schreibt Martin Dostal aus
Bad Doberan:
Zunächst fiel es mir schwer, eine Orientierung zu finden. Ein
„Schikane-Umweg“ und ein „zukünftiger Stichweg“ sind ja in
keinem der Pläne zu finden. Und es gibt im ganzen Kurwald nur
eine Kreuzung und die befindet sich an der Waldkapelle. Alles
andere sind Weggabelungen oder Kurven oder Abzweige. Aber
letztlich habe ich gefunden, was Herr Meyer umständlich
beschreibt: Er meint das Zäunchen in der Rechtskurve
des Hauptweges, von Süden aus kommend. Nur ist im nächsten
Moment dann die Rede von dem Zaun, der von der
Professor-Vogel-Straße aus den Zugang zum Kurwald verbietet.
Ich frage mich, ob alle vom selben Zaun geredet haben: Wir
haben da einen kleinen Zaun, der regelmäßig umlaufen wird. Der
befindet sich hinter der besagten Kurve hinter Bänken,
Laternen und einem Beet. Hinter dem Zaun steht eine Hecke und
die darf bleiben? Um die Hecke gibt es komischerweise keine
Diskussion. Dabei hat auch diese Sperrwirkung. Man läuft ja
als anständiger Mensch nicht durch Hecken hindurch. Da würde
ich die Entscheidung also so sehen, dass man grundsätzlich der
Sperrung zustimmt, nur keinen Zaun vor der Hecke will. Dann
ist die Lösung ganz einfach: Zaun hinter die Hecke versetzen.
Ist es das, was der Bürgerbund wollte? Wohl kaum, denn im
nächsten Moment ging es wieder um den Stichweg, der eigentlich
schon vom Tisch war. Ich frage mich nur, wo denn dieser Weg
entstehen soll. Die Stadt hat den Kurwald so wie er ist
abgenommen und war ja auch an der Planung beteiligt. Ein
Stichweg wurde da nicht berücksichtigt. Man muss sich auch
einmal ansehen, wo die öffentlichen und wo die privaten
Grundstücke derzeit liegen und in Zukunft liegen werden.
Zurzeit ist es so, dass die ECH, wenn sie denn wollte, einen
im Gegensatz zu jetzt richtigen Zaun ziehen könnte, der am
Haus „Bischofsstab“ beginnt und am Tor des Grand Hotel endet.
|
Am Abend der Veröffentlichung meines Leserbriefes erhielt ich einen
Anruf von einem Mitglied der Bürgerinitiative, das sich sehr
herzlich für diese klaren Worte bedankte und mir erzählte, dass er
auch in der PR-Abteilung des Grand Hotels ein Thema war.
Polit-Comedy zur Sommerpause: Die Quadratur
des Kreises.
Soll man nun lachen oder soll man weinen über das, was die frisch
gewählten Stadtvertreter als erste Amtshandlung verzapft haben?
Darüber ist man sich noch nicht einig. Sicher ist nur, dass auch
unsinnige Beschlüsse rechtskräftig sein können und man umzusetzen
hat, was einem aufgetragen wird. Was dabei heraus kommt - und ob
dabei überhaupt etwas heraus kommt - ist eine andere Sache. Die ECH
muss den Zaun am Rondell entfernen und der Bürgermeister hat nun die
schwierige Mission, einen Weg zu finden, um einen Weg zu sperren,
ohne ihn zu sperren und eine Sackgasse zu erschaffen, die keine
Sackgassenwirkung hat. Kurz gesagt: Er muss den Kreis
quadratisieren.
|
OSTSEE-ZEITUNG | 24.07.2009
Teil des widerrechtlichen
ECH-Zaunes ist entfernt
Der Zaun im Kurwald von
Heiligendamm ist von der ECH geöffnet worden. Der darauf
folgende Weg ist aber eine Sackgasse geblieben.
Hier steht eine Lösung des Problems noch aus. Zwei Zaunfelder
wurden abmontiert, doch einen Weg von der Bushaltestelle zur
Seebrücke gibt es immer noch nicht. Die ECH hatte einen Zaun
ohne Genehmigung der Stadt im Kurwald errichtet und muss ihn
laut Stadtvertreter-Beschluss abreißen.
Heiligendamm.
Die
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) hat einen Teil des
widerrechtlich auf städtischem Grund errichteten
Zaunes im Kurwald von
Heiligendamm entfernt. Zwei Zaunfelder der Barriere, die den
Durchgang von Bahnhof und Bushaltestelle zur
Prof.-Vogel-Straße blockierten, wurden jetzt abgebaut. Das war
in einem Beschluss der Stadtvertreterversammlung vom 16. Juli
gefordert worden.
Der hinter dem Zaun
liegende Waldweg, der von der ECH aufgebrochen wurde, ist
theoretisch wieder begehbar – allerdings nur bis zu dem rund
zwei Meter hohen Zaun direkt an der Prof.-Vogel-Straße. Damit
steht die Umsetzung des zweiten Teils des Forderung der
Stadtvertreter, mit einer „geeigneten Lösung“ zu verhindern,
dass Kurgäste und Urlauber „in eine Sackgasse laufen
müssen/können“, noch aus.
ECH-Sprecherin Kirsten
Brasche-Salinger bestätigte, dass die beiden Zaunfelder auf
Bitten von Bürgermeister Hartmut Polzin abgebaut
wurden. „Wir waren ja bei
besagter Stadtvertretersitzung dabei“, sagte Brasche-Salinger.
„Daher kam der Besuch des Bürgermeisters nicht überraschend
für uns.“ Wie die zweite Teilforderung erfüllt werden könne,
wisse sie aber nicht, sagte die Pressesprecherin. „Wir haben
keine Vorschläge dazu. “Der Bürgermeister sei am Zuge. Bad
Doberans Stadtvertreter hatten in der Vorwoche auf Antrag des
Bürgerbundes und nach kontroverser Debatte von Bürgermeister
Hartmut Polzin verlangt, eine Abrissverfügung für den Zaun zu
erlassen. Die damit vom Bürgerbund beabsichtigte Öffnung eines
geraden Weges vom Bahnhof bzw. von der Bushaltestelle zur
Seebrücke ist allerdings noch nicht erreicht. Ein
Ergänzungsantrag des parteilosen Abgeordneten Jochen Arenz
fordert den Bürgermeister außerdem auf, mit der ECH eine
Lösung für die
Sackgassen-Problematik zu suchen. Der wenig präzise
formulierte Beschluss lässt nun verschiedene Auslegungen zu.
Zum einen könnte die
Sackgasse an ihrem Ende geöffnet werden. Dazu müsste die ECH
auch den Zaun an der Prof.-Vogel-Straße abbauen
und das Betreten des
Grundstückes, das sich inzwischen in ihrem Besitz befindet,
zulassen. Zum anderen könnte auch mit einer neuen Sperre
verhindert werden, dass Urlauber „in eine Sackgasse laufen
können/müssen“, wie es der Wortlaut des Beschlusses verlangt.
Von Seiten der Stadt Bad
Doberan gibt es dazu noch keine Information. Die
Stadtvertreter tagen erst wieder am 21.
September.
kw
|
Ich habe dem Bürgermeister ein paar
Vorschläge gemacht. Mal sehen, was umgesetzt wird.
Man profiliert sich
an Zaunprofilen.
Wie einst Helmut Kohl den Abriss der Berliner Mauer nutzte, um
den DR-Bürgern seine legendären blühenden Landschaften zu
versprechen, nahmen auch einige Leute den Abriss des
Begrenzungszaunes zum Anlass für ein wenig Profilierung:
|
OSTSEE-ZEITUNG | 24.07.2009
Wer profitiert von Spaltungs-Strategie?
Prof. Leopold Anton
aus Berlin schrieb zu Heiligendamm:
„Wesen eines jeden Putsches ist ’Verwirrung’ und ’Dynamik’.
Die verwirrende Dynamik von Jagdfelds Praktiken scheint auch
in Heiligendamm
zum Erfolg zu führen. Sogar der Bürgemeister kennt sich nicht
mehr aus. . . . Hut ab vorm Handwerk, Frechheit siegt . . . .
Letztlich ein Armutszeugnis für die Stadtparlamentarier, sich
von ECH so an der Nase herumführen zu lassen. So wird das
nichts mit Heiligendamm, am besten wäre es, den Ort in
Jagdfeldiendamm umzubenennen, den Zaun rundherum zu bauen und
von außen zuzusperren.“
Kira und Ralf Goedeke aus Heiligendamm schrieben:
„Wir als Heiligendammer stellen uns die Frage, warum die Stadt
Bad Doberan, der Landkreis und die Landesregierung einen
Immobilienhändler
hofiert, dessen herausragendste Leistung der vergangenen sechs
Jahre war, die Bevölkerung zu spalten und die
Weiterentwicklung (Zukunft) Heiligendamms zu blockieren. Der
Wahnsinn hat Methode, zur Zeit gipfelt er in einem
Propagandablättchen namens „Zukunft Heiligendamm“
– die Lektüre beabsichtigt auf subtilste Art und Weise zu
polarisieren – warum nur? Ist es vielleicht doch so, dass es
hier um hoch spekulative Immobiliengeschäfte geht, dessen
Feigenblatt und Rechtfertigung die Schaffung von
Arbeitsplätzen ist? Warum wird immer wieder der
Versuch unternommen, die Bevölkerung zu spalten? Wer
profitiert von dieser Strategie? Wir alle wissen doch, dass
außer dem Investor
selber niemand für dessen Misswirtschaft verantwortlich zu
machen ist. Wir alle wissen auch, dass genügend Investoren für
die Sanierung
der Villen bereit wären, Geld in die Hand zu nehmen und
Handwerker mit der Sanierung zu beauftragen. Was wir nicht
wissen ist, wie werden die Auflagen der Landesregierung
bezüglich der Landesbürgschaft erfüllt? Wer kauft die
Orangerie? Wer betreibt das Hotel? Wir glauben,
dass an den Ergebnissen dieser beiden Beauflagungen für
jedermann klar erkennbar sein wird, von welchem Geist die
Zusammenarbeit
zwischen Stadt, Landkreis, Landesregierung und dem
Immobilienhändler geprägt ist.“
Der Lehrer Peter Schönfeldt aus Kiel schreibt zum selben
Thema:
„Ich bin 1957 in Rostock geboren und habe meine Kindheit bei
meinen Großeltern im damaligen Kreis Bad Doberan verbracht.
Bis zu meiner Ausreise aus der DDR war ich oft in
Heiligendamm, Börgerende oder Wittenbeck am Strand. Und so
manchen Eisbecher habe ich in Begleitung meinerGroßeltern in
den Sommerferien in Heiligendamm verdrückt. Mit einigem
Entsetzen sah ich Heiligendamm bei meinem ersten Urlaub in der
alten Heimat in diesem Sommerwieder: Zäune auf öffentlichen
Wegen, Sperrungen, verfallene Gebäude, aufgerissene Straßen
und Waldwege. Wie mag es den Menschen gehen, die in
Heiligendamm leben, aber ausgesperrt worden sind? Nicht einmal
mehr zur Promenade gehen können? Doberans Stadtvertreter
sollten einfach mal im Internet recherchieren, wer Anno August
Jagdfeld ist, und sich über sein Ansehen und seine
Geldgeschäfte informieren. Das gleiche gilt für den Landtag
und die Landesregierung, die, wie ich las, dem Hotel mit einer
Millionenschweren Landesbürgschaft – und damit mit
Steuergeldern – unter die Arme gegriffen haben.“
|
Das alte Spiel:
Der erste Leserbrief lässt sich am Besten mit einem Leserbrief von
mir beantworten, der nicht veröffentlicht wurde:
|
Jagdfeld hat oft mehr
gesagt, als es für ihn gut gewesen wäre.
Den festen Zaun um das Hotel hat er schon 2003 nach der
Eröffnung angesprochen
und 2005 beim Bush-Besuch ausdrücklich vor der Presse
gefordert.
Die ECH hat zwei eigene Flyer und inzwischen schon die dritte
Auflage der Zeitung "Zukunft Heiligendamm" herausgebracht.
Das ist mehr als ungewöhnlich, dass ein Investor sich auf so
umfangreiche Art erklären muss. Das liegt aber daran, dass die
ECH es bisher versäumt hatte, sich von sich aus zu erklären
(wenngleich es wie gesagt auch nicht gewöhnlich ist, dass ein
Investor sein Projekt öffentlich bis
ins Detail vorstellt aber Heiligendamm ist eben eine
Besonderheit) und zweitens, weil der ECH resp. FUNDUS,
Jagdfeld und dem Grand Hotel entweder keiner zuhört oder
keiner glaubt.
Die Menschen werden Gründe dafür haben, sich so zu verhalten,
dürfen sich dann aber auch nicht wundern, wenn es ihnen an
Informationen mangelt und sie falsche Schlüsse ziehen und
Dinge schreiben, die andere zu Gelächter oder Verzweiflung
treiben. Die ECH erklärt sogar Privatpersonen ihr Projekt und
das nicht erst im Jahre 2009. Man muss nur um einen Termin
bitten. Ich habe es selbst erlebt und war angenehm überrascht.
Wenn Sie sagen, dass
das Wesen eines Putsches ist, Verwirrung zu stiften, dann
erkenne ich diese Tendenzen eher beim Bürgerbund, als bei
Jagdfeld. Gewöhnlich putscht ja auch nicht ein
Wirtschaftsbetrieb, sondern eine Opposition oder ein
Koalitionspartner oder ein Verwaltungsorgan oder das Militär.
Demokratische Beschlüsse immer wieder in Frage zu stellen und
im Nachhinein sogar revidieren zu wollen, Wahrheit und
Dichtung miteinander zu vermischen und Stimmung gegen das
Gremium zu machen, in dem man selbst sitzt - ja, sogar den
Bürgermeister zum xten Mal abwählen zu wollen - das sieht
durchaus nach Putsch aus, wo Sie schon davon reden.
Aber das betrifft gar nicht mal nur den Bürgerbund, der ja nur
drei Stimmen hat und damit keine Mehrheiten erzielt. Es geht
quer durch alle Parteien. Die FDP - was ja eigentlich nur zwei
Menschen in der SVV sind - möchte sich an Abstimmungen nicht
mehr beteiligen, bis ihre
Forderungen (die an sich gar nicht zu verachten sind) efüllt
werden. Auch das sieht nach Putsch aus - und auch von dort
kommen Abwahl-Forderungen. Letztlich muss man sich fragen, wie
viele der Stadtvertreter sich jemals alle ihre Fragen von der
ECH in einem persönlichen Gespräch beantworten lassen haben.
Möglicherweise sind es gerade die (wenigen), die sich von der
Schärfe distanzieren oder die, die sich enthalten oder die,
denen man vorwirft, mit dem Investor zu kuscheln.
Der Wahrheit ist es doch egal, wer sie erkennt.
Den Schaden hat
letztlich Heiligendamm mit seinen wertvollen Gebäuden in
einmaliger Lage.
Also: Nicht den Schuldigen suchen (das will ich auch nicht
damit getan haben, Bürgerbund und FDP angesprochen zu haben -
das sind noch immer 7 Stimmen zu wenig für eine Mehrheit),
sondern den Dialog und langfristig Lösungen.
Zaun rum ist keine
gute - genau das ist es doch, was die Leute NICHT wollen.
"Zaun rum" würde Herr Jagdfeld begrüßen und vielleicht ist das
eine Lösung.
Ich würde mir aber wünschen, vorher andere probiert zu haben.
Ein Zaun kann die
Ursachen seiner Existenz nicht beseitigen.
schreibt Martin Dostal aus Bad Doberan (bisher von der
Ostsee-Zeitung nicht veröffentlicht)
|
Auch zum Leserbrief der
Goedeckes macht sich ein Schreiben von mir selbst ganz gut:
Zuletzt zum Leserbrief aus Kiel:
Zäune auf öffentlichen Wegen, Sperrungen,
Es gibt
keine Zäune auf öffentlichen Wegen. Zumindest nicht in Heiligendamm.
Das ist rechtlich nämlich gar nicht möglich und der letzte Zaun, den
die ECH zum Schutz der Fußgänger entlang (nicht quer drüber) eines
öffentlichen Weges stellte, war nach nicht einmal einer Woche wieder
verschwunden - auf Weisung
der Stadt. Diese würde also wirkungsvoll verhindern, dass Zäune auf
öffentlichen Wegen oder auch nur daran gebaut werden. Schließlich
würden schon allein Bürgerbund und FDP jede Gelegenheit nutzen,
einen auch nur ein paar Zentimeter auf öffentlichem Gelände
stehenden Zaun beseitigen zu lassen. Darauf ist Verlass.
verfallene Gebäude,
Das ist nicht zu leugnen. Nur die Ursachen werden
oft falsch benannt.
aufgerissene Straßen und Waldwege.
Anno 2007
gab es das wirklich. 2009 allerdings war keine Straße aufgerissen.
Wohl aber die Wege im Kurwald, der gerade umgestaltet wurde.
Ein Blick auf das Bauausführungsinformationsschild hätte das schnell
geklärt.
Wie mag es den Menschen gehen, die in Heiligendamm leben, aber
ausgesperrt worden sind?
In
Heiligendamm wohnen ca. 200 Menschen in der Gartenstraße, der
Kortüm-Straße, der Kühlungsborner Straße, der Seedeichstraße und in
einigen Nebenstraßen. Diese Leute können sich frei bewegen
und es ist eine Beleidigung für die Demokratie und für die Politik
in Bad Doberan und Heiligendamm, sie als ausgesperrt zu bezeichnen.
Die Heiligendammer können
wie jeder andere Mensch auch das Hotelgelände betreten, dort Essen
und Trinken, Sport machen, schwimmen, sich massieren lassen,
verschiedenartig schwitzen, duschen und baden und allerhand
Anwendungen mitmachen. Natürlich gibt es das alles nicht
kostenlos - auch die Gäste des Hotels müssen dafür bezahlen.
Jedem Heiligendammer steht
es außerdem frei, ein Zimmer oder eine Suite im Grand Hotel zu
mieten. Zu Zeiten des Sanatoriums war es hingegen gar nicht möglich,
als Heiligendammer die Häuser zu betreten, wenn man nicht gerade
Mitarbeiter oder Patient war. Heute kann man sich sogar vom
Vize-Hoteldirektor das ganze Hotel in einer zweiständigen Führung
genau zeigen und erklären lassen. Von Aussperrung kann also keine
Rede sein.
Nicht einmal mehr zur Promenade gehen können?
Entweder
fiel der erste Besuch in der alten Heimat mit dem Bush-Besuch
2006 zusammen (da war die Promenade gesperrt) oder Herr Schönfeld
ist einigermaßen blind durch Heiligendamm geirrt. Oder er hat irgend
einen Grund dazu, Lügen zu verbreiten.
Doberans Stadtvertreter sollten einfach mal im Internet
recherchieren, wer Anno August Jagdfeld ist, und sich über sein
Ansehen und seine Geldgeschäfte informieren.
Angenommen, sie hätten es nicht längst schon
getan und würden es nun tun: Was soll das bringen?
Sollen sie begeistert sein und sich freuen, alles richtig gemacht zu
haben oder sollen sie erschrocken sein, alles falsch gemacht zu
haben? Und wie soll es dann weiter gehen?
Sollen sie im hypotetischen
zweiten Fall Jagdfeld verstoßen und damit wieder dort sein, wo sie
1993 nicht sein wollten?
Das gleiche gilt für den Landtag und die Landesregierung, die,
wie ich las, dem Hotel mit einer Millionenschweren Landesbürgschaft
– und damit mit Steuergeldern – unter die Arme gegriffen haben.“
Richtig - Bund und Land hatten sich über den Investor zu
informieren, denn die haben ja Heiligendamm verkauft.
Nur ist davon auszugehen,
dass sie auch recherchiert haben, denn es dauerte mehrere Jahre, bis
der Verkauf abgewickelt wurde.
Der Satz zeigt aber, worum es geht: Bürgeschafts-Unverständnis.
Siehe weiter oben.
Abschließend möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, was die
Ostsee-Zeitung lieber nicht veröffentlichte:
|
OSTSEE-ZEITUNG | 24.07.2009 10:57 -
Leserbriefforum
Wegerecht
Es entsteht der
Eindruck, dass es einen geraden Weg vom Bahnhof zur
Prof.-Vogel-Straße gibt und dieser nur versperrt wurde.
Das ist nicht richtig: Der Weg vom Bahnhof zur
Prof.-Vogel-Straße führt an der Kühlungsborner Straße entlang
nach Osten und dann über die
Seedeichstraße zur
Prof.-Vogel-Straße. Alternativ kann man auch durch den Kurwald
gehen, wo einem dann mehrere Wegmöglichkeiten zur Verfügung
stehen - die aber allesamt letztlich nach Osten führen und auf
der Seedeichstraße münden.
Von hier aus geht es dann auch zur Prof.-Vogel-Straße.
Jedoch: Die Prof.-Vogel-Straße ist "im Besitz" (sie ist
geerbpachtet) der ECH.
Das bedeutet, dass das Betreten dieser Straße derzeit nur
geduldet wird.
Ein Weg zu dieser
Straße von Süden aus erübrigt sich aus mehreren Gründen:
Zum ersten gehört der ECH nicht nur per Erbpacht die
Professor-Vogel-Straße, sondern auch per Kaufvertrag ein ca.
30 Meter breiter Streifen südlich der Straße. Auf diesem
Streifen entstehen das Ensemble-Palais und die Ensemble-Villa.
Für eines der Gebäude gibt es lt. ECH
bereits die nötigen
Genehmigungen und dieses wird auf der umgepflügten Schneise
quer stehen. Dieser ca. 30 Meter breite Streifen
ECH-Grundstück zieht sich von Westen nach Osten und jede
öffentliche Wegführung müsste das berücksichtigen - also
entlang der Grundstücksgrenze nach Osten verlaufen. Damit
würde ein eventueller Stichweg ebenfalls auf der
Seedeichstraße münden und seine besondere Wirkung verfehlen.
Machen wir uns nichts vor:
Es wird keinen
öffentlichen Stichweg geben, solange die ECH dafür nicht einen
Teil ihres Grundeigentums zur Verfügung stellt.
Und nach dem Gutachten Prof. Behnkensteins wird sie das nicht
tun.
Dass sie eine Schneise gelassen hat, halte ich persönlich für
einen Fehler, der erst zu den Problemen die wir da jetzt
vorfinden führte.
Andererseits erinnere ich mich, dass einmal die Rede davon
war, den Stichweg auf die nächsten 5 Jahre nicht zu bauen und
dann noch einmal darüber abzustimmen. Sollte dieser Beschluss
rechtskräftig sein (Wenn Frau Heimann da schon nicht
durchblickt, versteife ich mich nicht darauf), könnte man
vermuten, dass die offen gelassene Schneise eine offen
gelassene Option für einen Stichweg darstellt. Aber wie
gesagt: Ich weiß nicht, ob es einen rechtskräftigen Beschluss
gibt, noch einmal über einen Stichweg abzustimmen und ich
möchte keine falschen Hoffnungen aufkeimen lassen.
Praktisch wird so ein
Stichweg nicht ohne ein enormes Entgegenkommen der ECH möglich
sein und durch das Gutachten der Uni Rostock dürfte es schon
im theoretischen Bereich Probleme genug geben. Zum zweiten
gehört (im Sinne von Kauf und Erbpacht) auch die Perlenkette
selbst bis auf einige Ausnahmen innerhalb des Hauses
"Bischofsstab" der ECH - und zwar bis zur Seedeichstraße
heran.
Mit Beginn der Bauarbeiten für die Sanierung der Perlenkette -
so die SVV Dauerwohnrecht und Tunnelparkplatz zustimmt - wird
es natürlich einen Bauzaun geben, der für den ganzen
Sanierungszeitraum die Perlenkette und die Prof.-Vogel-Straße
umgibt. Nach Fertigstellung könnte man die Zaunkonstruktion an
der Promenade durch einen schöneren Zaun ersetzen und die
Einfriedung auch im Süden fortsetzen.
Im Sinne eines zusammen hängenden Geländes sollte dabei m. E.
an das bestehende eingezäunte Hotelgelände angeschlossen
werden, sodass sich jeder Versuch einer öffentlichen
Wegführung durch die Prof.-Vogel-Straße hindurch nach Norden
oder Westen erübrigt.
Man muss über ECH-Grundstück. So wie man derzeit mit der ECH
umspringt, ist die Verhandlungsbasis dafür denkbar schlecht.
Der "Weg", von dem Sie reden, ist nur
noch eine Schneise im Wald, wie jede andere auch.
Wer durch diese
Scheise läuft, begibt sich in eine Sackgasse, da am Ende der
Scheise eine Hecke und ein Zaun stehen.
Jedoch hat er, wenn er dort angelangt ist, schon fast 30 Meter auf
Privatgrund zurück gelegt und abgesehen davon gegen die neue
Kurwaldverordnung für Heiligendamm verstoßen.
Abgesehen davon
besteht für Urlauber und Gäste, um die sich hier so
bemerkenswert gesorgt wird, kein Grund, zwischen Weigweise,
Laterne und zwei Bänken hindurch zu gehen, über ein Beet zu
trampeln, sich dann in diese umgepflügte Schneise zu begeben
und in ihr einen Weg
nach Norden zu
vermuten. Die Wegweiser sprechen klare Worte: Alle Wege führen
nach Osten oder zurück.
Kein Ortsunkundiger würde auf die Idee kommen, quer durch
einen Wald zu laufen.
Und wenn, dann ist das anstandslos und berechtigt erst recht
zu Maßnahmen, wie einem Zaun.
Wenn also die bösen Gäste und Urlauber hier Wege durch den
Wald trampeln, Pflanzen ausreißen oder zerstören und Bänke
beschädigen, dann sollten wir Einheimischen gerade deshalb
diese Menschen in die Schranken - oder eben Zäune - weisen.
Sie zerstören schließlich ein Stück unserer Heimat.
Oder sind es etwa gar nicht die Ortsunkundigen, die solche
Frevel begehen, sondern jene einheimischen ortskundigen
Zeitungsleser,
die sich durch gewisse Leserbriefe dazu hinreißen lassen, im
Namen "zivilen Ungehorsams" Straftaten zu begehen?
Dann sollte es im
Interesse jedes Stadtvertreters sein, das Eigentum der Stadt
zu schützen -
notfalls mit Zäunen, Wällen, Steinhaufen oder - daran hat wohl
auch noch keiner gedacht - breiten Wasserläufen.
Wem solche überwunden geglaubten Bezeichnungen, wie
"Personensperranlage" einfallen,
der mag sogar noch wirkungsvollere Methoden finden - die wir
dann wohl eher nicht wieder haben wollen.
Wo es nun also definitiv keinen
geradlinigen öffentlichen Weg von Norden nach Süden und anders
herum geben wird, ist der Versuch,
eine Sackgasse zu vermeiden, wie die Quadratur des Kreises.
Ich persönlich sehe nur die Möglichkeit, die Schneise mit
teueren bereits hochgewachsenen Bäumen und Büschen
aufzuforsten und einen Zaun entlang der Grundstücksgrenze ECH
- Stadt ganz von Westen
bis ganz nach Osten zu ziehen, sodass, wer meint, durch den
Wald latschen zu müssen, am Zaun entlang nach Osten laufen
muss.
Allerdings müsste dennoch im Süden am Rondell eine natürliche
Barriere errichtet werden, um die Pflanzen wirklich
wirkungsvoll vor "ungehorsamen Zivilisten" zu schützen. Ein
breiter und relativ tiefer Bachlauf oder ein stehendes
Gewässer von West nach Ost mit Verbindung zu den bestehenden
Wasserläufen könnte so eine natürliche Barriere sein. Die
Stadt müsste das dann aber auch
pflegen - egal, was die Haushaltskasse
gerade sagt. Sonst sieht es im Kurwald wieder so aus, wie bis
2009.
schreibt Martin Dostal aus Bad Doberan
(bisher von der Ostsee-Zeitung nicht veröffentlicht)
|
Sommerpause - Sommerlaunen.
Die Stadtvertreterversammlung macht Sommerpause, das Grand Hotel
hat Sommersaison und Heiligendamm füllt sich mit Sommerurlaubern.
Endlich ist in den Zeitungen Platz für Leserbriefe, die nichts mit
Bürgschaften und Zäunen zu tun haben.
|
OSTSEE-ZEITUNG | 30.07.2009
„Im Ausland wäre man stolz auf ein solches Projekt“
Folgende Mail erhielt Doberans Bürgermeister und die Redaktion
gleichmaßen:
„Sehr geehrter Herr Polzin;wir kommen gerade von einer
wunderbaren Ferienwoche in Heiligendamm zurück!
Wir sind voller
Bewunderung für die Initiatoren dieses gewaltigen Projekts; was
für eine Vision, wieviel Mut und Engagement, welch finanzielles
Engagement sind in dieses Projekt geflossen! Wir hoffen, dass
die Entwicklung weitergeht, dass Barrieren und Hindernisse aus
dem Weg geräumt werden können, um auch die verbleibenden Objekte
zu sanieren.
Ferien in Heiligendamm bedeuten nicht nur Erholung in luxuriösem
Ambiente, in wunderbarer Landschaft; gleichzeitig umfängt einen
eine ganz spezielle Atmosphäre: Historie, Zeugnis deutscher
Kultur, das gelungene Resultat einer gewaltigen Aufbauleistung!
Im Ausland wäre man stolz auf ein solches Projekt – wir hoffen,
dass auch die Bürger in Bad Doberan dies in Zukunft so sehen
werden!
Ulla Bengs, Oberstudienrätin,
Bad Homburg“
Johanna Jawinsky aus Roggentin schrieb zum gleichen Thema:
„Schon mehrfach habe ich davon gelesen,
dass sich Kühlungsborn im Aufwind befindet. Davon konnte ich
mich auch schon überzeugen.
Unheiligendamm, wie wir es inzwischen
nennen, dagegen kann mit halbherzigen Maßnahmen seine Situation
nicht verbessern.
Wer aussperrt, sperrt auch ein. Stellen Sie sich vor, Sie haben
ein Zimmer gebucht. Rundum ist alles verschlossen, die
Bevölkerung und die Touristen reagieren sauer auf die verbotenen
Wege. Das Umfeld ist auch nicht gerade anziehend….
Mit der Beseitigung von zwei Zaunfeldern
(Ostsee-Zeitung vom 24. Juli) ist es nicht getan. Fröhliche
promenierende Menschen müssen her! Kulturangebote sind
erforderlich. Anlässlich des deutschlandweiten Wandertreffens
mit Zentrum in Kühlungsborn waren viele Wanderer
von dem verschlossenen Heiligendamm
entsetzt. Der Europäische Fernwanderweg versperrt!
Unter den Wanderern aus Süddeutschland
befinden sich sehr wohl auch einige, die nicht auf den Euro
schauen müssen, denen würde es doch niemals einfallen – und das
haben sie auch gesagt – dort Quartier zu beziehen. Aufwachen und
Aufmachen!
Übrigens, das Landesnaturschutzgesetz fördert das Betreten der
Wälder und Landschaft – Ausnahmen müssen ausführlich begründet
werden und sollen nur kurzfristig gelten.“
|
Unterschiedlicher könnten die Meinungen nicht sein.
Die Gäste des Grand Hotels
kommen nicht so sehr aus der näheren Umgebung, sondern in erster
Linie von dort, wo man gar nichts von der öffentlichen lokalen
Diskussion weiß. Sie gehen ganz unvoreingenommen da rein und kriegen
dementsprechend auch nicht viel von grimmigen Einheimischen und
Touristen mit. Die Gäste des Grand Hotels hatten sich ja gerade
darüber aufgeregt, dass zu viele Touristen über das Hotelgelände
laufen. Durch die Pufferzonen sind diese Touristen nun weit genug
weg vom Hotel.
Die Hotelgäste monieren außerdem, immer die Zimmerkarte dabei haben
zu müssen, um die verschiedenen Bereiche betreten zu können. Ohne
ein zusammen hängendes Hotelgelände müssten sie beim Gang vom
Kurhaus zum Severin-Palais ganze vier und beim Gang von der Burg zum
Severin-Palais sogar sechs Tore passieren. Wahrscheinlich würde eher
das Gäste kosten.
Die Umgebung des Hotels zu
gestalten, ist eine Aufgabe, die die Stadt tatsächlich
vernachlässigt hat. Das liegt in erster Linie daran, dass es keine
klare Linie der SVV gibt. Dadurch, dass einige Beschlüsse nicht
gefasst werden konnten und andere durch einzelne Fraktionen im
Nachhinein wieder angefochten wurden, gibt es nicht ausreichend
Sicherheit. Die Stadt kann aber nur dort investieren, wo die
Investition auch etwas bringt. So konnte sie an der Kühlungsborner
Straße nachhaltige Investitionen vornehmen, musste aber an der
Seedeichstraße auf Provisorien zurück greifen, weil das Baugebiet
der ECH bis an diie Straße heran reicht. Es macht keinen Sinn, etwas
aufzubauen, das wieder abgerissen werden muss, wenn die Bauarbeiten
beginnen. Und der Beginn der Bauarbeiten ist wiederum von den
Beschlüssen der Stadtvertreter abhängig. So verfällt auch die
Perlenkette weiter, bis die Stadtvertreter dem Bau des
Tunnelparkplatzes zustimmen und Dauerwohnrecht für die Perlenkette
genehmigen.
Der Fernradwanderweg E9 ist
in Heiligendamm nicht versperrt, sondern führt außen um den Ort
herum.
Die alte Route führte offenbar bis zum Seebrückenplatz und dann
durch die Professor-Vogel-Straße zur Kühlungsborner Straße.
Diese Route ist nach wie vor nutzbar aber Radfahrer müssen auf der
Promenade absteigen. Es steht also jedem Radwanderer frei,
die alte Route zu nutzen bzw. den Fernradwanderweg an einem der
beiden Kreisel der Touristischen Erschließungsstraße zu verlassen
und durch Heiligendamm zu fahren und dann wieder am anderen Kreisel
auf den Fernradwanderweg zu fahren.
Es ist nur eine Frage der Ausschilderung und dafür liegen die
Verantwortlichkeiten außerhalb Heiligendamms.
Bei meinen Rundgängen nehme ich noch immer genug Radfahrer wahr, die
die öffentlichen und öffentlich zugänglichen Wege Heiligendamms
nutzen - unter anderem auch fahrend, wo sie eigentlich schieben
sollen (Kurwald, Promenade).
Auch ganze Gruppen habe ich mehrmals gesehen und diese haben die
gastronomischen Einrichtungen regelrecht belagert.
Dass Kempinski diesen Gästen
den Zugang unnötig erschwerte, war deren Sache - die anderen
Gastronomen haben in der Zeit gut verdient. Seit Mai 2009 gibt es
tagsüber einen Posten, der das Tor neben dem Findling für jeden
öffnet, der die Gastronomie des Hotels nutzen möchte. Das Restaurant
"Medinis" im Haus "Bischofsstab" gehört übrigens auch zum Grand
Hotel.
Irrtümlicherweise wird der Pfad durch den Wald am Alexandrinenplatz
auch als Radwanderweg angesehen.
Bisher konnte aber nicht belegt werden, dass es dort überhaupt einen
öffentlichen Weg gibt - er ist in keiner Karte verzeichnet.
Das Betreten des Kleinen und
Großen Wohldes ist weiterhin möglich. Lediglich wurden vom Forstamt
einige Einfriedungen vorgenommen und der Park des Hotels ist
eingefriedet. Ein Park ist aber auch kein Wald, sodass das
Landeswaldgesetz weder für den Hotelpark, noch für den Kurwald gilt.
Das Landesnaturschutzgesetz hingegen regelt Naturschutzgebiete und
darunter fallen innerhalb Heiligendamms nur der Golfteich mit seiner
Umrandung und der ehemalige Golfplatz.
|
OSTSEE-ZEITUNG |
31.07.2009
Eine Lanze
für die ECH und Herrn Jagdfeld
Zur Situation in Heiligendamms schreibtUwe Eggenstein aus
Berlin:
„Ich bin ein Freund des Bundeslandes
Mecklenburg-Vorpommern und lese deshalb regelmäßig die
Ostsee-Zeitung.
Dabei ist mir aufgefallen, dass es eine heftige Kritik an
Heiligendamm gibt und dass in diesem Zusammenhang Herr
Jagdfeld und die ECH häufig angegriffen werden. Ich finde,
diese Kritik ist nicht berechtigt und ich will deshalb heute
einmal eine Lanze für Herrn Jagdfeld, die ECH und die
Kapitalanleger brechen, die mit ihrem Engagement die
Entwicklung in Heiligendamm ermöglicht haben.
Dazu möchte ich einige Fragen stellen:
Haben es Herr
Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu verantworten, dass
in Heiligendamm das erste deutsche Seebad errichtet wurde?
Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu
verantworten, dass sich in der Nähe des Standortes
Heiligendamm kein internationaler Flughafen befindet?
Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu
verantworten, dass die Elbe nicht bei Rostock in die Ostsee
fließt?
Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu
verantworten, dass Rostock im Vergleich zu Hamburg kein
Ballungszentrum ist?
Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu
verantworten, dass der Strand von Heiligendamm nicht die
gleiche Qualität aufweist, wie der von Ahlbeck oder Binz?
Haben es Herr Jagdfeld, die ECHund die Kapitalanleger zu
verantworten, dass am Standort Heiligendamm keine Seebrücke
gebaut wurde, die das Anlegen von Schiffen erlaubt?
Nach der Wiedervereinigung waren die Standortnachteile alle bekannt.
Trotzdem haben sich Herr Jagdfeld und mit ihm die
Kapitalanleger für die Entwicklung Heiligendamms entschieden.“
|
Ich hatte dazu einen Leserbrief geschrieben, der auch einen Tag lang
im Leserbriefforum war und plötzlich verschwand und über die
Suchfunktion zwar zu finden aber nicht aufrufbar war. Eine Nachfrage
bei der Ostsee-Zeitung nach möglichen Gründen blieb unbeantwortet.
Zensur? Ich gebe den Inhalt an dieser Stelle noch einmal wieder,
weil er sehr wichtig ist:
Ein internationaler Flughafen in der Nähe Heiligendamms ist nicht
notwendig.
Ebenso irrelevant ist für Heiligendamm die Nähe zu einem
Ballungszentrum.
Heiligendamm wurde extra
separat und fernab von der Stadt an der Ostsee angelegt.
Mit Heiligendamm verbindet man seit 200 Jahren einen beschaulichen
aber überschaubaren Ort an der Ostsee, der nur den Zweck erfüllt,
für den er gegründet wurde: Ruhe, Erholzung und Gesundheit. Der
Massentourismus stand bis einen kurzen Zeitraum im Dritten Reich und
auf den Papieren einiger überehrgeiziger DDR-Chefplaner nie zur
Debatte. Heiligendamm sollte und hat stets seine Exklusivität
behalten. Nie wurde das fertige Ensemble großartig umgebaut oder
durch Bauten ergänzt. Auch die jetzigen Planungen beziehen sich nur
auf die zweite und dritte Reihe, sowie den Ortsrand. Heiligendamm
lebt von der Mystik, von der Legende und von der einmaligen Lage.
Heiligendamm als Bad der Hamburger an der schleswig-holsteinischen
Ostseeküste hätte einen gänzlich anderen Charakter und auch
Heiligendamm weiter östlich wäre nicht mit dem vergleichbar, was
Heiligendamm war, ist und sein kann.
Die Abgeschiedenheit ist das
Besondere. Man fährt mal eben nach Warnemünde oder Sylt aber man
fährt nicht mal eben nach Heiligendamm. Heiligendamm ist stets das
Ziel. Man fährt dort nicht hin, um sich zu vergnügen oder um zu
bummeln, sondern um ganz bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen - sei
es das Bedürfnis nach absoluter Ruhe oder nach einer speziellen
Anwendung im Severin-Palais. Heiligendamm war immer schon das Ziel.
Heiligendamm ist anders und unvergleichbar.
Insofern gibt es keinen Standortnachteil. Man fährt nach
Heiligendamm mit dem Auto und bleibt so mobil.
Oder man nimmt Bus und Bahn oder ein Taxi - es gibt übrigens auch
einen Transfer vom Flughafen Rostock-Laage zum Grand Hotel.
Der Strand in Heiligendamm ist zum Baden
gut geeignet. Alles andere ist sicherlich Ansichtssache oder
Geschmackssache.
Die Seebrücke wurde extra so
gebaut, dass keine touristischen Linien anlegen und Heiligendamm mit
Touristen überschwemmen können. Per Verordnung wurde eine
Wassertiefe von maximal 3 Metern vorgeschrieben - 2,70 Meter sind es
derzeit.
Die Küstenlinien ändern sich ja ständig.
Vorgesehen ist das Anlegen
privater Wasserfahrzeuge.
Dass das nur eingeschränkt möglich ist liegt daran, dass vor Jahren
einer der Anleger beim Sturm abgegrochen und in die See gefallen ist
und für eine derart komplizierte Bergung und Reparatur keine Mittel
zur Verfügung stehen.
Wichtig ist aber:
Jagdfeld hat sich nicht trotz den Gegebenheiten für diese
Investition entschieden, sondern wegen den Gegebenheiten.
Es gibt also in Heiligendamm keinen Standortnachteil. Viele
Mitbestimmer erkennen lediglich den Standortvorteil nicht.
|
Analyse: Wäre ein Einzelverkauf besser
gewesen?
In den letzten Wochen wurde vieles wieder hervor
geholt. Alte Argumente, alte Gedanken und alte Wünsche.
Einer dieser alten Gedanken war, ob es vielleicht besser gewesen
wäre, Heiligendamm nicht als Gesamtobjekt an nur einen Investor zu
verkaufen. Diese Äußerung wurde auch mehrmals in Leserbriefen
gemacht. Wäre das die Lösung gewesen - ein Einzelverkauf von 26
Gebäuden an einzelne Investoren?
Es klingt
verlockend: Jeder kauft sich sein Gebäude, saniert es und bringt
darin unter, was er will.
Ein bunter Mix aus vielfältigen Angeboten könnte entstehen und
Heiligendamm als Ganzes könnte nicht pleite gehen.
Es ist
nicht so, dass dieses Szenario 1993 nicht probiert worden wäre.
Nach der Schließung der Ostsee-Klinik wurden die Gebäude alle
einzeln ausgeschrieben. Es meldeten sich mehrere Interessenten aber
schnell wurde klar, dass die weißen Riesen übrig bleiben würden.
Die Perlen wollte jeder
haben, die Cottages erst Recht.
Das Kurhaus aber und Haus "Mecklenburg", sowie die Häuser "Berlin"
und "Glück auf" warteten vergebens auf Interessenten.
So entschloss sich das Land
1996, die Ausschreibung zurück zu nehmen und das Objekt als
Gesamtobjekt auszuschreiben.
Wer ein Haus haben wollte, musste die anderen 25 auch nehmen.
Die Dr.-Marx-Gruppe war dazu bereit, wollte aber dennoch eine
moderne Klinik daneben errichten.
Es begann ein Kampf um Bäume - angeführt von einer Bürgerinitiative
- und die Dr.-Marx-Gruppe verlor das Interesse.
Anno August Jagdfeld las im FOKUS eine Anzeige "Wer küsst die
Prinzessin wach?" und dachte sich, dass das nicht wahr sein kann. Er
sagt sinngemäß, dass er glaubte, dass da jemand vergessen hat, eine
Hollywood-Kulisse abzubauen. Er wollte die Prinzessin wach küssen
und sein Konzept - ein 5-Sterne-Resort - überzeugte das Land. Das
Gesamtobjekt ging an die FUNDUS-Gruppe. Dr. Marx kam trotzdem und
baute die MEDIAN-Klinik, ohne das Ensemble kaufen zu müssen.
Doch was wäre gewesen, wenn? Wie hätte sich Heiligendamm
ohne FUNDUS entwickelt?
Dies soll keine Weissagung werden. Viele Sachen entwickeln sich nach
logischen Aspekten.
Zunächst hätte es natürlich
Käufer für einzelne oder mehrere Villen gegeben.
Der Zustand der Villen "Perle", "Möwe" und "Schwan" hätte
möglicherweise auch schon damals eine Sanierung verteuert und den
Wunsch nach einem Abriss aufkommen lassen. Die Sanierung einer Perle
nach denkmalschützerischen Vorgaben würde inklusive Planung einen
sechsstelligen Betrag kosten.
Wenn Sie zum Beispiel in der Dammchaussee das vorletzte Haus von Bad
Doberan aus kommend kaufen, kostet Sie die Sanierung schätzungsweise
450.000 Euro. Hinzu kommen die Planungskosten, Nebenkosten etc. und
das Haus soll ja auch ein wenig ausgestattet werden. 1-2 Millionen
Euro müssen Sie also für die Sanierung einrechnen.
Sagen wir, die Sanierung einer einzigen Perle kostet - da der
Zustand 1994 nicht so schlecht wie 2010 ist - eine Million Euro.
Was kann man darin unterbringen, das
diese Million innerhalb von 10 Jahren wieder erwirtschaftet?
Vermietet man das ganze Haus, muss der Mieter schon monatlich 8.400
Euro Kaltmiete zahlen. Das ist eigentlich noch ein Schnäppchen, denn
bei Objekten dieser Größe wären 15.000 Euro Warmmiete noch
angemessen.
Kein Vermieter wird also
weniger verlangen - schon gar nicht in der ersten Reihe an der
Ostsee.
Und wenn, dann kommen noch immer Nebenkosten dazu: 4000 Euro sind
das mindestens.
Macht also so oder so um die
13.000 Euro Miete im Monat. Wer kann so etwas zahlen? Niemand.
Zumindest werden sich keine sieben Leute finden lassen, die das
können.
Bleibt also die Aufsplittung. Teilt man die Villen in Etagen auf,
teilt man die Kosten durch 3,5, denn das Dachgeschoss hat nach DIN
weniger Quadratmeter. Macht also noch immer zwischen 3.700 und 4.300
Euro Miete pro Monat.
Auch wenn es die erste Reihe
ist: Für 4.500 Euro im Monat kann eine Einzelperson auch in einem
Hotel leben und wird rund um die Uhr von vorn bis hinten bedient. Es
gibt keinen Grund, so viel Geld zu bezahlen, nur um in der ersten
Reihe wohnen - und zwar nur wohnen - zu können.
Also muss die Miete weiter gedrückt werden. Das erreicht man durch
einen Ausbau auf 6 Wohnungen. pro Villa.
Macht also 2.000 - 3.000 Euro Miete. Das ist viel aber es würden sich
Leute finden, die sich das leisten können und wollen.
Eine Alternative wäre der
Verkauf von Wohnungen durch den Sanierungsträger.
Bei 6 Wohnungen sind das dann ungefähr 200.000 Euro pro Wohnung und
Käufer.
Nun wollen die Mieter oder
Käufer natürlich auch in den Wohnungen dauerhaft wohnen.
Die SVV muss Dauerwohnrecht erteilen. Der Wunsch der ECH nach
Genehmigung des Dauerwohnrechts blieb bis heute unerfüllt.
Würde die SVV jedem anderen Investor Dauerwohnrecht einräumen? Nach
aktuellem Stand können wir davon nicht ausgehen.
Damit ist eine Vermietung und ein Verkauf nicht möglich. Die sieben
Perlen könnten also - wie heute - nicht saniert werden.
Bleibt eine Umwandlung zu
Hotelwohnungen oder Hotelzimmern. Bei 6 Wohnungen zum
Durchschnittspreis von 300 Euro am Tag (das sind p. P. 150 Euro) bei
Abzug von 60% Nebenkosten wären bei 60% Belegung nach 9 Jahren die
Sanierungskosten wieder eingespielt.
Das ist auch nicht gerade
ein viel versprechendes Anlageobjekt - zumal daneben von 6 gleiche
Objekte stehen, für die sich der Tourist entscheiden kann.
Hotelnutzung für die Perlen
ist also nicht unproblematisch. Logistisch ist es sogar noch
schwieriger:
Wo soll der Gast essen, wo sollen die Mitarbeiter hin, wo die
Versorgungseinrichtungen? Die Perlen als Hotel würden nur als
Ergänzung funktionieren und gerade diese DDR-typische Art, sich zum
Essen zu festen Zeiten in Haus Soundso einzufinden, findet keinen
Zuspruch mehr. Bleibt also letztlich nur die Wohnnutzung und hier in
erster Linie die Sanierung mit Verkauf der Wohnungen - sechs pro
Villa.
Doch wo sollen die
mindestens sechs Autos hin, die es dann pro Villa gibt? Soll
ein Parkplatz für 50 Autos in der Professor-Vogel-Straße entstehen?
Oder soll - wie von einem Planungsbüro vorgeschlagen - eine
Parkpalette in den Kurwald gesetzt werden?
Oder sollen die Einzelinvestoren zusammen legen und eine Tiefgarage
bauen? Die ECH möchte eine
Tiefgarage bauen.
Die SVV hat dies abgelehnt. Würde sie es Einzelinvestoren erlauben?
Davon können wir derzeit nicht ausgehen.
Für die Villen hätten
sich also bis zu sieben Investoren finden müssen, die alle dasselbe
entwickeln: Eigentumswohnungen. Sie hätten alle zusammen arbeiten
und gemeinsam eine Tiefgarage konzipieren müssen und es hätte für
alle Villen Dauerwohnrecht genehmigt werden müssen.
Trotzdem wäre damit Heiligendamm noch nicht gerettet: In der
Seedeichstraße stehen zwei weitere Villen und auch im Kleinen Wohld
gibt es drei Villen. Sicherlich hätten sich dort Investoren
gefunden, die sich die Häuser als Wohn- oder Ferienhäuser
hergerichtet hätten. Doch nichts anderes hat die ECH damit vor. Wo
ist also der Unterschied?
Nachdem nun die Villen an den Mann gebracht worden wären, hätten
sich bestimmt auch Käufer für die beiden Häuser in der Gartenstraße
gefunden. Auch hier eignen sich die Häuser fast nur zum Wohnen und
Vermieten. Das große Haus gegenüber wäre schon schwerer an den Mann
zu bringen gewesen. Genauso wie das Haus "Tabea", der Fürstenhof und
die Fachschule. Wenngleich die Fachschule vielleicht einfach noch
ein wenig geblieben wäre, bis die Fachschule in Wismar das Gebäude
von selbst abgestoßen hätte.
Vielleicht hätten sich Interessenten für die Orangerie gefunden und
es wäre wieder eine Verkaufsstelle geworden.
Doch ohne das Sanatorium
hatten es die Händler ohnehin schon schwer - wie lange hätte es
gedauert, bis Heiligendamm wieder vollständig saniert ist? Hätten
sich für alle Gebäude gleichzeitig Käufer gefunden und hätten die
alle zugleich mit der Sanierung begonnen und sie zugleich
abgeschlossen? Oder wäre Heiligendamm zur Dauerbaustelle geworden,
in der gar keiner Urlaub machen will?
Was hätte aus dem Kurhaus,
dem Haus "Berlin", dem Haus "Mecklenburg" und der ehemaligen Burg
werden sollen? Für Wohnhäuser sind sie zu groß und ungeeignet.
Hätten dort drei Hotels dreier unterschiedlicher Besitzer entstehen
sollen oder hätte sie sich einer gekauft und einen Hotelkomplex
daraus gemacht? Wäre die Burg wieder eine solche geworden oder hätte
man die Form so belassen? Überhaupt: Hätten alle möglichen 29
Investoren mit der gleichen Liebe zum Detail und mit derselben
Hochwertigkeit saniert und rekonstruiert?
Hätte das neu erstrahlende
Heiligendamm als Hotel- und Wohn-Mischgebiet keine Besucher
angezogen, die es nur sehen wollten?
Wer kann garantieren, dass nicht letztlich auch Zäune aufgestellt
worden wären oder dass von vornherein jeder Eigentümer sein
Grundstück eingezäunt hätte - wie man es nun einmal so macht?
Was wäre denn so definitiv anders an
einem Heiligendamm ohne FUNDUS?
Wären die Villen heute alle saniert und restauriert?
Das können wir nicht wissen. Heute aber ist es so, dass laut ECH die
Sanierung beginnen würde, wenn die SVV der Tiefgarage und dem
Dauerwohnrecht zustimmen und Baugenehmigung erteilt würde. Ein Jahr
nach dem "Ja" der SVV würden die Bagger anrücken.
Wäre das Ensemble vollständig saniert und restauriert?
Auch das steht in den Sternen. Fakt ist: FUNDUS hat die Häuser
"Grand Hotel"; "Kurhaus" und "Mecklenburg", das Haus "Brahn", sowie
die Orangerie und die Burg saniert und aufwändig restauriert. Auch
die ehemalige Fachschule und das Prinzessin-von-Reuss-Palais werden
von der ECH unterhalten.
Wären die Häuser der Kühlungsborner Straße saniert?
Eher nicht. Vielleicht wären Neubauten entstanden. So sind da
Leerflächen.
Wären die Villen im Kleinen Wohld saniert?
Sicherlich. Aber bis auf die "Marie" sind derzeit sowieso für
alle Sanierungen in Planung. Sie wären vielleicht nur schon eher
fertig.
Gäbe es die alten Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen noch?
Bei den Nord-Süd-Verbindungen wären mindestens die zwischen den
Häusern "Berlin", "Mecklenburg" und der Burg weggefallen.
Da wären wahrscheinlich Parkplätze. Die Professor-Vogel-Straße wäre
sicherlich öffentlich geblieben aber man hätte sie verkehrsberuhigt.
Der Kurwald - tja, den hätte die Stadt selbst sanieren müssen. Ob
das in der Qualität realisiert worden wäre, ist auf Grund der
Haushaltslage zu bezweifeln. Der Weg vom Bahnhof wäre sicherlich
geblieben. Zumindest, solange die Touristen nicht zu zahlreich
werden.
Die Ost-West-Verbindung wäre sicherlich oberhalb der Küste
geblieben. Was auch immer in Heiligendamm entstanden wäre - es wäre
kein 5-Sterne-Plus-Resort gewesen und würde daher auch nicht einen
großen Hotelpark für sich beanspruchen müssen.
Außerdem würden durch die Einzelverkäufe sowieso im Westen andere
Eigentümer sein. Es ist anzunehmen, dass die Eigentümer der Cottages
vor den Häusern eine Grünfläche mit erworben hätten und diese dann
auch einfrieden würden. Vielleicht also wäre es beim Weg an der
Küstenkante geblieben aber ohne den Park. Wer auch immer das
Alexandrinen-Cottage gekauft hätte, der hätte sicherlich nicht
zugelassen, dass die Leute sich vor seiner Haustür versammeln und
auf das Meer hinaus blicken. Sofern hier nicht gerade ein Café (das
wäre das Optimum gewesen) entstanden wäre, hätte der Bewohner schon
dafür gesorgt, dass die Menschen hinter seinem Haus entlang wandern.
Änderungen hätte es also schon gegeben - nur eben nicht so sehr.
Wenn allerdings nur ein Investor alle drei Cottages erworben hätte,
wäre die Verbindung höchstwahrscheinlich auch abgeschnitten worden.
Hätten die Tagesgäste mehr Platz in Heiligendamm?
Wenn die Perlen einzelnen Investoren gehören würden, würden diese
sie auch einzeln einzäunen, damit niemand über die Grundstücke
läuft. Man hätte also einen
zusammen hängend eingezäunten Komplex vom Haus "Bischofsstab" bis
zur "Perle".
Anders herum wäre die
Perlenkette auch von der Promenade bis zur Professor-Vogel-Straße
umzäunt.
Die Professor-Vogel-Straße wäre mit Sicherheit öffentlich geblieben,
solange nicht ein einzelner Investor die Perlenkette gekauft hätte.
Der Seebrückenplatz wäre rein rechtlich so nicht vorhanden, da das
Grundstück nicht der Stadt gehört.
Die Linie Haus "Mecklenburg" - "Villa "Perle" ist eigentlich die
Grenze zwischen Privatgrund und öffentlichem Grund.
Ausnahme bildet eine Aussparung bis zum Findling - die ist
öffentlich und wäre es auch so geblieben.
Zwischen Burg und Promenade und zwischen Cottages und Küstenweg
existierte damals auch nur ein öffentlicher Weg aber kein
öffentlicher Grund. Also wäre auch hier nicht viel mehr Platz, als
heute. Der Kurwald ist auch heute öffentlich und die Grundstücke an
der Seedeichstraße und in der Gartenstraße sind so oder so nicht
öffentlich.
Der Küstenwald wäre in
größeren Teilen öffentlich - das wäre auch der einzige Gewinn
gewesen.
Das Golfteich-Areal hätte öffentlich sein können oder auch privat.
Es wäre ein wenig mehr Platz durch unbebaute Grundstücke:
Das Severin-Palais wäre nicht entstanden, das Thalasso-Zentrum, der
Ayurveda-Tempel samt Vorhaus, das Ensemble-Palais, die
Ensemble-Villa, der Demmler-Park und das Villenviertel würden nicht
entstehen und auch einige kleinere Bauten wären nicht entstanden.
Aber inwiefern man dann auf den freien Flächen touristische
Aktivitäten hätte nutzen können, sei dahin gestellt.
Durch ein Abfließen der Besucherströme nach Westen wäre ein
touristischer Schwerpunkt im Osten hinfällig und damit hätte sich
die Strandversorgung dann bestenfalls erledigt.
Wägt man die Vor- und Nachteile gegeneinander ab, hätte man ohne
FUNDUS nichts nennenswertes gewonnen.
Wäre Heiligendamm erfolgreicher, als jetzt?
Erfolg ist relativ. Wenn es
ein Erfolg war, die Gruppe der großen Acht nach Heiligendamm zu
holen - dieser Erfolg wäre ohne FUNDUS verwehrt geblieben. Die
Wahrscheinlichkeit, dass irgend etwas anderes die G8 dazu bewegt
hätte, in Heiligendamm zu tagen, ist verschwindend gering. Wenn es
hingegen ein Erfolg ist, in Heiligendamm gut ausgelastete
touristische Angebote vorzufinden, so wäre ein Einzelverkauf eine
Mischkalkulation. Man weiß nicht, ob jedes Angebot dieselbe
Zielgruppe und dieselbe Qualität gehabt hätte. Ganz sicher hätte
Heiligendamm ein buntes Gemisch aus Pauschalurlaubern, Tagesgästen,
Pensions-Gästen und Luxusurlaubern beherbergt - neben Einheimischen
und Kurgästen. Diese Möglichkeiten jedoch wurden Heiligendamm durch
FUNDUS nicht zwangsweise genommen.
Neben den Luxus-Touristen, den Einheimischen, Patienten und
Tagesgästen gibt es auch heute Pensions-Urlauber. Lediglich für
Camper und Pauschalurlauber ist nicht wirklich Platz. Aber es ist
Sache Bad Doberans, Heiligendamm um das FUNDUS-Areal herum zu
entwickeln. Dass das Grand Hotel nicht vom Erfolg gekrönt ist, liegt
sehr stark am Umfeld, welches die ECH entwickeln und verschönern
möchte aber teilweise wegen fehlender Beschlüsse nicht kann.
Hier beißt sich natürlich der Hund in den Schwanz:
Ohne Hotel-Erfolg nicht genug Geld für die Entwicklung und ohne
Entwicklung kein Hotel-Erfolg.
Die einzige Chance ist, es dem Investor nicht unnötig schwer zu
machen.
Wäre Heiligendamm attraktiver als jetzt?
Die Sanierung der Promenade, die Strandaufspülung und die
Küstenschutzarbeiten wären sicherlich auch ohne Gesamtinvestor
realisiert worden. Der Kurwald jedoch wäre sicherlich nicht von
dieser Qualität. Einen Waldparkplatz hätte es nicht gegeben - dafür
wären die Schotterparkplätze dann vielleicht befestigt worden.
Im Moment stellt es sich so dar, dass ein Teil Heiligendamms saniert
ist und ein anderer Teil nicht.
Da nicht alle Einzelinvestoren zur gleichen Zeit angefangen und
aufgehört hätten, wäre Heiligendamm lange Zeit so geblieben:
Teile sind saniert und andere nicht. Wie lange, steht in den
Sternen.
In Bad Doberan gibt es auch 19 Jahre nach der Wende noch seit 1990
nicht mehr genutzte Gebäude, die verfallen.
Man kann also sagen, dass
Heiligendamm vermutlich genauso attraktiv wäre, wie Bad Doberan.
Schaut man sich jedoch 2009 einmal in Bad Doberan um, findet man
hier genauso zusammenhängende große Gebiete, dfie vom Verfall
betroffen sind, wie in Heiligendamm. Der Klosterhof zum Beispiel oder
auch die Häuserzeile am Maxim-Gorki-Platz und die in der
Marktstraße.
Wie in Heiligendamm gibt es aber auch Einzelstücke, die verfallen,
in der Dammchaussee, in der Goethestraße und auch in der
Severinstraße. In Heiligendamm fällt das nur mehr auf, weil der Ort
kleiner ist.
Man sollte jedoch nicht
vergessen, was allein der G8-Gipfel für Heiligendamm und auch für
das ganze Land bewirkt hat.
Die Kühlungsborner Straße wurde saniert, die Seedeichstraße ebenso,
die Kortüm-Straße und auch die Gartenstraße. Heiligendamm wurde
aufgeräumt und entrümpelt, die leer stehenden und nicht mehr
benötigten Häuser wurden abgerissen, die Parkwege neu gemacht und
die Ausstattung verbessert. Moderne Bushaltestellen sind entstanden
- man kann sagen, Heiligendamm hat sich herausgeputzt. Davon hat
auch Bad Doberan profitiert: Die Rostocker Straße wurde neu gemacht,
die Kröpeliner Straße, die Schwaaner Chaussee bis hin zur Autobahn
wurde mit Radwegen und allem drum und dran neu gemacht.
Die Nienhäger Chaussee, die Deichstraße und allerhand
innenstädtische Straßen wurden saniert.
Vieles geschah im Rahmen des
Stadtsanierungsprogramms aber noch mehr im Rahmen der
Gipfel-Vorbereitung.
Dass der G8-Gipfel überhaupt nach Mecklenburg-Vorpommern oder
zumindest in diese Region kam, ist dem Grand Hotel zu verdanken. Wo
sonst hätten sie in Bad Doberan unterkommen können, wenn es das
Grand Hotel nicht gegeben hätte?
Niemand kann mit
Gewissheit sagen, wie Heiligendamm sich in den Händen einzelner
Investoren entwickelt hätte.
Sicher ist nur, dass es mit der ECH eine Entwicklungsgesellschaft
gibt, die Heiligendamm nach Plänen entwickelt, von denen wir
Kenntnis haben. Somit ist die Zukunft Heiligendamms kalkulierbar,
wohingegen die Vergangenheit Geschichte ist.
Heiligendamm ist der Spiegel der mecklenburgischen
Gesellschaft.
In Heiligendamm finden sich sämtliche Epochen wieder und die
Geschichte Heiligendamms liest sich wie ein Geschichtsbuch unseres
Bundeslandes. Herzöge kamen und gingen, Revolutionen brachten
Veränderungen mit sich und immer kam Heiligendamm irgendwie mit
einem blauen Auge davon. Wir schreiben Geschichte. Wenn die Menschen
an Heiligendamm denken, wird facettenreich klar, was sie in diesen
Tagen bewegt: Angst vor Veränderung. Angst vor Verdrängung, Angst
vor Mangel, Angst vor Versagen, Angst vor dem Erfolg anderer. Und es
bringt genau die Reaktionen hervor, die sich so zahlreich finden
lassen: Hass, Trotz, Neid und Aggression oder auch Mutlosigkeit und
Resignation.
Heiligendamm 2009 - das ist, was die Menschen bewegt.
|
Hier geht es weiter: Sommer-Launen in
Heiligendamm.
|