Zeit am Meer


Bad Doberan und Heiligendamm - Geschichte, Werdegang und Zukunft. Chronik, Foto-Rundgaenge, Gebaeudedatenbank, Oeffentliche Diskussion.
Wenn Sie diese Seite nicht direkt aufgerufen, sondern einen Einzelartikel angeklickt haben, bewegt sich die Seite automatisch zum Beitrag, nachdem sie fertig geladen ist.
ACHTUNG: Die Rubrik "Öffentliche Diskussion" ist seit 12/2011 direkt auf www.zeit-am-meer.de zu finden.

2009: Das verflixte 13. Jahr:

Kempinski geht. Das Gesamtkonzept fällt.

Der B-Plan kippt. Die Bürger laufen Sturm.

 

13 Jahre nach Vertragsabschluss sieht Heiligendamm noch immer nicht so aus, wie es vor vier Jahren aussehen sollte.

Kempinski hat die Nase voll und wirft das Handtuch, die ECH weicht von ihrem Gesamtkonzept ab, die Stadtvertreter verlieren das Vertrauen und die Bürger das Verständnis. Heiligendamm macht Schlagzeilen. 2009 hat es in sich.

 

Die Ruhe vor dem Sturm.

 

Dabei fing alles so gut an:
Oliver Sembill ist neuer Hotelchef, die Ärzte tagen in Heiligendamm, Heiratswillige stehen auf der Matte,

die Restaurantkritik wird enthärtet, das Image heraus geputzt, die Mitarbeiter sind zufrieden und die Ostsee-Zeitung schwärmt von Arkadien - dem Ort vollkommener Zufriedenheit:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 28. Januar 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Direktor in Arkadien

Oliver Sembill ist seit Jahresbeginn Hotelchef im Kempinski Heiligendamm.
Ein Ort, wo man sich unbelastet von Arbeit und Stress in idyllischer Natur erholen kann. Manche sagen, wie in Arkadien.


Heiligendamm „Arkadien, der imaginäre Ort vollkommener Zufriedenheit, hier existiert er wirklich.“ Mit diesen Worten wurde einst Fundus-Chef Anno August Jagdfeld (62) zitiert. Er fand sie für die Weiße Stadt am Meer, für seine Millionen-Investition.

Heute ist hier ein feuchter, kühler Tag. Auch der Fünf-Sterne-Himmel über dem Kempinski Grand Hotel Heiligendamm ist verregnet. Im Ballsaal des Resorts wird trotzdem gescherzt – der Chef-Orthopäde der Rostocker Uniklinik startet mit einem Videoclip über quietschende Metall-Gelenke seinen brisanten Beitrag für eine neue Ärzte-Reihe, die das Doberaner Rheuma-Zentrum initiierte: „Heiligendammer Gespräch“.

Bützower möchte im Kempinski heiraten

Der Wellness-Tourismus boomt und im Kurhaus-Restaurant werden von den zahlreichen Gästen die Speisen augenscheinlich genossen. Am Abend steht unter anderem „rosa gebratenes Rehnüsschen in Preiselbeerjus auf Rosenkohlblättern und Kartoffelpüree“ auf dem Dinner-Plan. Die Berliner Juristin Monika Haag gibt zu Protokoll, dass ihr das Essen hier im Hotel sehr gut schmecke. Offenbar stört die 44-Jährige der Regen überhaupt nicht, denn sie schwärmt von der hellen, geschmackvollen Einrichtung der Zimmer. Weswegen sie bereits das dritte Mal hier sei und sie ihrer Schwester fünf Tage Heiligendamm zum 40. schenkte.

Im Hotelfoyer lodert anheimelnd Feuer im Kamin und vor ihm sitzen erwartungsfroh Tina Josefine Rosengrün (23) und Johannes Kühn (25) nebst Töchterchen Amelie Josefine (6 Wochen).
Die Berliner, Johannes der Verkäufer ist ursprünglich Bützower, wollen sich eventuell im Kempinski trauen lassen. „Heute werden hier die Details gecheckt“, sagt Tina Josefine. Sie arbeitet im Bundesinnenministerium. „Wir guckten uns viele Hotels in der Gegend an, die Güstrower Großeltern sollten es nicht so weit haben – hier am Wasser in Heiligendamm ist es am schönsten“, sagt der Bräutigam in spe. Plötzlich wird ihm die Hand geschüttelt: Der neue Hoteldirektor wünscht dem Paar alles Gute.

Oliver Sembill weiß, wovon er spricht. Der 33-Jährige ist glücklich mit einer Lehrerin verheiratet und hat Tochter (1) und Sohn (4). Seit Jahresbeginn wohnt die junge Familie in Kühlungsborn „neben ausgesprochen netten Nachbarn“. „Das ist hier ein sehr schönes Fleckchen Erde, um groß zu werden“ , betont Sembill. Der gebürtige Kölner hatte im vergangenen September von der Seebrücke auf die Hotelanlage geschaut und sich quasi auf den ersten Blick ins Kempinski verliebt. Der gelernte Hotelfachmann drückt es sachlicher aus: „Ich dachte, so was hast du dir vorgestellt – ein Objekt dieser Klasse und mit diesem großzügigen Aufbau“. Nun leitet Sembill dieses Objekt mit 310 festen Mitarbeitern. „Ich bin hier als Hotelmanager auf einer Nummer-Zwei-Position angestellt, die durch den Weggang des geschäftsführenden Direktors Herrn Kolb zumindest interimsmäßig aufgerückt ist“, betont er.

Alles bleibt möglich.

Dabei wollte Oliver Sembills Familie immer, dass er Banker wird. Warum zahlte der Papa dann trotzdem die rund 40 000 Schweizer Franken (etwa 26 000 Euro) Ausbildungskosten für die Züricher Hotelfachschule, wo der Sohn in zwei Jahren ein Diplom als Hotelier erwarb? Er zahlte nicht. „Diesen Unterricht finanzierte ich mit einer Lebensversicherung, die ich nach dem Tod meiner Mutter bekam“, erzählt Sembill. Der Mann wollte unbedingt ins Hotelgeschäft und nun lebt er es mit allen Fasern. Aber das bringt nicht nur Spaß.

Hotelchef: Kanistersoße gibt es bei uns nicht!

So beklagte sich gerade Gourmet-Papst Wolfram Siebeck im „Zeit-Magazin“ über die Küche des Luxushotels. „Die Erfahrungen, die Herr Siebeck bei uns gemacht hat, waren nicht gut. Seine Schlussfolgerungen – Tütensuppe und Kanistersoße – sind aber einfach nicht richtig: Bei uns werden nur frische Produkte verarbeitet. Wir werden beweisen, dass man bei uns kulinarische Erlebnisse feiern kann.“ Aber gab es da nicht soeben einen neuen Eintrag bei holidaycheck.de, der das Gegenteil anprangert? „Ja, das Paar war etwa zwei Stunden hier und reiste wieder ab, obwohl sich meine Kollegen entschuldigt hatten“, ist Sembill informiert. Er selbst bot den Enttäuschten dann einen Wochenendaufenthalt an, um ihnen zu beweisen, dass der Service doch stimme. Aber sie lehnten ab. Der OZ erzählte der betroffene Mann, dass sein Freund, der ihm das Hotel empfohlen hatte, es gar nicht glauben wollte, was ihm passiert sei.

Sembill hat diese ganze Sache stark beschäftigt: „Wir verbringen hier alle viel Zeit auf der Arbeit und sind so auch sehr emotional daran gebunden. Deshalb möchte man solche Beschwerden schnell aufgreifen. Nach dem Motto: Das soll mir aber nicht noch mal passieren. Uns nicht mehr passieren!“ Sembill ergänzt: „Ich tummle mich gern in Teams“. Und Teams tummeln sich offenbar gern um Sembill: Bei Nachfragen im Wiener Intercontinental, dem letzten Arbeitsplatz des Food and Beverages-Managers Sembill, kamen von der Rezeption bis hin zum Chefsekretariat schon ohne Angabe des eigenen Namens lobende Worte: „Ein freundlicher Manager, hat sich auch mit mir offen unterhalten (Azubi), „Ein sehr guter Mann“ (Chef-Assistentin). Direktor Ronald Hoogerbrugge (34) bedauert es sehr, dass Sembill „für die Hotel-Kette verloren ist“. Trotzdem wünscht er seinem Kollegen am Ostseestrand vollen Erfolg. „Hier hat er hervorragende Arbeit geleistet“, sagt der Holländer.

Im Februar kommt erste große Mitarbeiterrunde Sembill schwillt deshalb nicht die Brust: „Ich denke, das wird sich auch hier beweisen“, sagt er fast etwas berührt. Und wieder kommt er aufs Team zu sprechen: „Wir wollen eines der besten Resorts dieser Welt werden. Daran müssen alle mitarbeiten, mit sehr viel Herzblut. Das erreiche ich, wenn wir uns alle austauschen.“ Anfang Februar lädt er deshalb zur ersten großen Mitarbeiterrunde: „Wir werden in diesem Jahr den Fokus stark auf Kultur und noch bessere Service-Qualität legen. Immerhin die Hälfte der Gäste unserer Kulturveranstaltungen kam im Vorjahr aus dem Umland. Auch das gesamte Speisen-Konzept werden wir uns noch mal angucken. Dabei setzen wir auf Ronny Siewert, der dem Restaurant Friedrich Franz den Michelin-Stern erhalten hat, sowie Küchenchef Steffen Duckhorn, der ebenfalls große Qualität liefert.“ Namenexperten verstehen Oliver, abgeleitet vom lateinischen Oliverus – dem Olivenbaumpflanzer – als Säer, als Hoffnungsbringer. Ist der Name ein Zeichen? Das Berliner Paar ist übrigens nach dem Hotel-Check sehr zufrieden.
Die Trauung findet im Kempinski statt: „Ein perfekter Ort“, sagt Johannes Kühn, und es klingt fast so wie „Arkadien“.

THOMAS HOPPE
 

 

 

Es knallt: Kempinski ist raus.

 

 

Plötzlich aber nicht unerwartet passierte, was die Unken schon vor Monaten aus dem Teich riefen:
Kempinski zieht sich zurück.

Hier die Berichterstattung:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 04. Februar 2009  |  Titelseite

Offene Rechnungen: Kempinski checkt in Heiligendamm aus

• Hotelkette spricht von Vertragsbrüchen • 1,1 Millionen Euro nicht gezahlt • Fundusgruppe schießt zurück

Rostock (OZ) Das Grand Hotel Heiligendamm darf sich seit gestern nicht mehr mit dem feinen Namen „Kempinski“ schmücken. Die renommierte Hotelkette mit Sitz in Genf hat gestern mit sofortiger Wirkung den Managementvertrag mit der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG gekündigt. Damit holte das international operierende Unternehmen (55 Luxushotels weltweit) gestern seine Fahne im ältesten deutschen Seebad endgültig ein. „Es gibt kein Zurück mit dem Eigentümer“, sagte Kempinski-Vorstandsmitglied Markus Semer der OZ. Das dramatische Ende der Beziehung zwischen Kempinski und Hoteleigentümer – dem Chef der Kölner Fundus-Gruppe, Anno August Jagdfeld (62), – wird von heftigen gegenseitigen Vorwürfen begleitet. Kempinski-Vorstand Semer spricht von mehreren Vertragsbrüchen Jagdfelds: Es seien für die vergangenen 24 Monate die Managementgebühren in Höhe von 1,1 Millionen Euro nicht an Kempinski gezahlt worden. Zudem habe die Hotelgruppe durch die permanente Einmischung Jagdfelds in den täglichen Betrieb keine Kontrolle über das Management besessen.

„Bei uns gingen immer mehr Kundenbeschwerden ein, die den Service unakzeptabel fanden“, berichtet Semer. „Wenn die Gäste nicht mehr mitmachen, ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Das können wir uns nicht leisten.“ Kempinski sei auch darüber enttäuscht, dass Jagdfeld versprochene Investitionen nicht realisiert habe. Semer spricht konkret von der Sanierung der Villen am Meer sowie dem geplanten Thalasso- und Ayurveda-Center. „Da ist nichts passiert, das hemmte die Leistung des Hotels.“ So könne niemand einen Wettbewerb um Gäste im Fünf-Sterne-Segment erfolgreich führen, sagte der Kempinski-Vorstand.

Die Grand Hotel Heiligendamm GmbH, deren Geschäftsführer Anno August Jagdfeld ist, schießt scharf zurück. Die Darstellung von Kempinski, wonach die Hotel-GmbH Verträge gebrochen habe, sei nicht zutreffend, sagte Hoteldirektor Martin Smura. Vielmehr sei es Kempinski seit der Hoteleröffnung 2003 nicht gelungen, den wirtschaftlichen Erfolg anderer deutscher Spitzenhotels auch nur annähernd zu erreichen, so Smura. Insbesondere die Vermarktung des Hotels über Tchibo (Berge & Meer) sei bei Gästen und Gesellschaftern auf Unverständnis gestoßen, da dies nicht dem Standard eines Spitzenhotels entspreche und den Ruf geschädigt habe.

Smura sagte weiter, die Gesellschafter der Grand Hotel Heiligendamm GmbH hätten die Geschäftsführung bereits im Dezember beauftragt, die Zusammenarbeit mit Kempinski neu zu ordnen oder zu beenden. Eine Verhandlungslösung sei nun nicht mehr möglich. Smura kündigte Millionenforderungen der Eigentümer gegenüber Kempinski an. Die rechtlichen und finanziellen Differenzen müssten nun gerichtlich geklärt werden.

Der Hotelbetrieb soll ungeachtet der offenen Rechnungen weiterlaufen. Die Eigentümergesellschaft von Jagdfeld will das Haus (derzeit 306 Mitarbeiter) in Eigenregie weiterführen. Es soll in weitere Restaurants, Sportanlagen und Wellnesseinrichtungen investiert werden, heißt es. Dafür würden 40 Millionen Euro stufenweise bereitgestellt. 2008 lag die Auslastung der Luxusherberge (225 Zimmer und Suiten) bei 52,6 Prozent.

Seite 2: Kommentar
Seite 5: Berichte/Interview

THORALF CLEVEN
 

 

Bericht:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 04. Februar 2009  |  Mecklenburg-Vorpommern

Tristesse und Trotz in der Weißen Stadt

Im Fünf-Sterne-Hotel Heiligendamm gab man sich gestern unbeeindruckt vom Ausstieg der Kempinski-Kette. Doch der Frust im Seebad sitzt tief.

Heiligendamm Angenehm klingt klassische Musik durch die Nelson-Bar des Grand Hotels Heiligendamm. Ansonsten ist es sehr still. Nur wenige Gäste genießen den Blick auf die Ostsee, ein älteres Ehepaar, eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Leise erfragt eine Kellnerin die Wünsche der Besucher. Die merken zur besten Mittagszeit den Hotel-Angestellten nichts an von der Hiobsbotschaft: Die Hotelgruppe Kempinski trennt sich mit sofortiger Wirkung vom Betrieb des Grand Hotels Heiligendamm. Weiß sie es schon? Charmant meint die Mitarbeiterin, dass sie nichts sagen dürfe. Aber: „Für die Gäste wird sich nichts ändern, sie werden weiter freundlich bedient“, versichert die junge blonde Frau. So wie sie es gerade bei der Familie am Nachbartisch tut. Mit einem Lächeln nimmt sie Simone Leupold das mitgebrachte Gläschen Babynahrung ab und lässt es in der Küche aufwärmen, damit der Papa das Töchterchen füttern kann – bequem im Sessel sitzend und den Seeblick genießend. Hotelgäste sind die Leupolds aber nicht. Die Berliner haben mit ihren beiden Kindern im benachbarten Kühlungsborn eine Ferienwohnung gemietet, machen einen Tagesausflug nach Heiligendamm und wollen im Nobelhotel nur eine Kleinigkeit essen. „Klar haben wir uns hier reingetraut, sogar mit Baby“, sagt der Chemiker und lacht. Es sei wirklich sehr schön hier. Nicht ganz billig natürlich, 4,50 Euro kostet das Stück Torte. Ein anderes Lokal hätten sie auch kaum gefunden. Gastronomisch bietet Deutschlands ältestes Seebad im Winter außer Fünf-Sterne-Tempel und „Molli“-Restaurant am Bahnhof ein Bild der Tristesse. Vor dem Hoteleingang ist das Meeresrauschen zu hören. Ein Mann geht vorbei, spricht französisch ins Handy. Ein anderer verabschiedet sich auf Englisch von einem Hotel-Mitarbeiter. Der fährt das Auto des nächsten Gastes weg. Normaler Betrieb. Scheinbar.
Es ist kurz vor 14.00 Uhr. In ein paar Minuten beginnt eine Versammlung, in der die Angestellten vom Kempinski-Rückzug erfahren.

Hoteldirektor Oliver Sembill (33), erst seit Anfang Januar im Amt, ist bemüht, Ruhe auszustrahlen. „Es wird einen reibungslosen Übergang zu einem neuen Betreiber geben“, verspricht er. Mit der aktuellen Auslastung gibt er sich zufrieden. „Die Zimmer sind zu 68 Prozent belegt, wir haben gerade einen Kongress.“ Auf jeden Fall werde das Haus Luxus-Hotel bleiben. „Wir verwöhnen unsere Gäste, das werden wir in den nächsten Wochen beweisen“, sagt der Jung-Manager. Das klingt fast ein bisschen trotzig.

Auch der Landestourismusverband verbreitet Optimismus. „Wir sind überzeugt vom großen Potenzial des Standorts Heiligendamm“, ließ Geschäftsführer Bernd Fischer mitteilen. Das Seebad, das Mecklenburg-Vorpommern 2007 als Austragungsort des G8-Gipfels weltweit berühmt machte, sei von großer Bedeutung für das Land. Das sehen in Heiligendamm jedoch viele anders. Der Frust im Ort sitzt tief. Der Zaun um den Hotelkomplex ist bis heute ein Ärgernis, mit dem sich Einwohner, Urlauber und Kurpatienten nicht abfinden wollen. Wer an den Strand oder zur Seebrücke will, muss Umwege in Kauf nehmen. „Für viele ältere Reha-Patienten ist das eine Zumutung“, weiß Friedhelm Bertram, der gerade zum Gesundheits-Check in die Median-Kurklinik gekommen ist. „Der medizinische Service ist gut“, lobt der Hotelier von der Insel Amrum in Schleswig-Holstein. Was er aber nicht verstehen kann: „Ansonsten ist im Ort ja aber gar nichts los.“ Schon deshalb würde er sich nicht im Grand Hotel einquartieren. „Wer dort Urlaub macht, erwartet mit Sicherheit mehr vom Umfeld und von der Infrastruktur“, weiß der 56-Jährige. Gute Geschäfte, ein Tanzlokal, ein paar Kneipen, bessere Bus- oder Zugverbindungen. „Wir auf Amrum werben dafür, dass Urlauber ihr Auto zu Hause lassen sollen.“ Nach Heiligendamm aber solle man lieber nicht ohne Auto kommen. „Viele Touristen sind sauer“, hat auch ein Anwohner beobachtet, der am Gartenzaun oft von Hotel-Gästen angesprochen wird. „Sie kommen da raus und fragen, wo es denn ins Zentrum geht.“ Seiner Meinung nach hat Investor Anno August Jagdfeld „doch alle nur verscheißert“. Auch die Bad Doberaner Stadtvertreter. „Die haben alles verscherbelt, und was hat es gebracht?“ Die klassizistischen Villen am Strand, das Traditionshotel „Fürstenhof“ – alles verfällt weiter.

Darüber ärgert sich auch die Heiligendammerin Traude Schwarz (71). Überrascht sind sie und ihr Mann aber nicht. „Das war abzusehen, dass Kempinski sich verabschiedet“, meint Kurt Schwarz (81). Es soll Versuche gegeben haben, Teile des Hotels an Dauergäste zu vermieten – als Wohnungen. Als SPD-Stadtverordneter in Bad Doberan habe er Jagdfeld sogar unterstützt: „Es war richtig so, alles in eine Hand zu geben“, sagt er. Schwarz ist sich sicher, dass die Hotel-Anlage weiter laufen wird. „Es wird einen neuen Betreiber geben, die Lage ist viel zu gut.“

ELKE EHLERS und BERNHARD SCHMIDTBAUER (OZ)

 


Hier sind ein paar Kommentare angebracht.
Die Ostsee-Zeitung gibt Meinungen einfach so wieder, ohne mal zu recherchieren und Gründe für das zu nennen, was die Leser anprangern.

Zum Beispiel hier:

 

Seiner Meinung nach hat Investor Anno August Jagdfeld „doch alle nur verscheißert“.
 


Quelle: FUNDUS.DE
Copyright: Uwe Tölle Fotografie/FUNDUS

Für uns Mecklenburger ist es nicht nachzuvollziehen, was Jagdfeld empfunden hat, als er Heiligendamm das erste Mal sah. Er hatte im Focus einen Artikel gelesen, der sinngemäß fragte "Warum kriegt keiner die schlafende Prinzessin wach? Jagdfeld sah die Bilder und konnte nicht glauben, was er da ah. Er machte sich auf den Weg nach Heiligendamm.

Er
kam nicht als Tourist, sondern als Immobilienmakler und er hat so viel Geld, dass er wenn er wollte mal eben ein Haus, das er sieht kaufen kann. Und er hat so viele Möglichkeiten, dass er wenn er ein großes Objekt sieht, das innerhalb weniger Jahre sanieren und zur Goldgrube machen kann.

Anno August Jagdfeld sah das uns vertraute und so selbstverständliche Heiligendamm das erste Mal und sagt heute darüber sinngemäß, dass er es nicht glauben konnte, dass dieser Ort wirklich existiert. Er konnte es einfach nicht glauben, dass diese Gebäude alle echt und über 200 Jahre alt sind. Er dachte, dass das doch nur eine Hollywood-Kulisse sein kann, die man dort vergessen hatte - dass es so etwas doch nicht in echt geben kann.

Und dann erfuhr er, dass dieser traumhafte Ort wirklich existiert und dass er einen Käufer sucht - so wie er da steht. Das meint die Ostsee-Zeitung wenn sie von Arkadien spricht und das meint Jagdfeld, wenn er von der Legende mit Zukunft schwärmt.


Er träumte nicht lange, sondern entwickelte Ideen, aus denen ein Konzept wurde, das dann Land, Bund und Stadt überzeugte.

Sein Traum, Heiligendamm nicht nur zu besitzen, sondern es wieder zu altem Glanz erstrahlen zu lassen, war greifbar nahe.

Jeder weiß, dass das Ensemble mit hochwertigen Materialien wiederaufgebaut wurde.

Das blaue Relief am Kurhaus, welches die Geschichte von Amor und Psyche zeigt, ist nicht etwa aus Farbe, sondern aus teuerem blauen Jasper. Tonnenweise Marmor und Granit, Kilometer hochwertiger Tropenhölzer, edle Glasarbeiten und Kubikmeter voll speziell angefertigter Farbe wurde verarbeitet.

 

Jagdfelds Frau persönlich war für die Gestaltung jedes einzelnen Zimmers vom Fußbodenbelag bis hin zum Klopapierrollenhalter zuständig.

Alles ist mit einer Liebe zum Detail entstanden, die nur hervor bringen kann, wer dieses Objekt wirklich liebt. Nichts ist einfach nur aufgesetzt und verkleidet. Nichts ist darauf bedacht, einfach nur schön auszusehen - es soll alles schon sein. ECH-Mitarbeiter Peter Sähn sagte dazu

"Der Gast soll sich doch wohl fühlen".

 

Natürlich wohl wissend, dass die Klientel den Unterschied zwischen Farbe und Jasper und zwischen aufgesetzt und eingebaut erkennt und schnell merkt, ob sie im Disneyland oder im Grand Hotel ist. Natürlich steckt hinter dem Anspruch auf Hochwertigkeit auch Berechnung aber wenn man dann sieht, dass diese Detailtreue sich im Außenbereich fortsetzt und wie jeder neue Plan mit sehr viel Feingefühl und Umsicht entwickelt wird, dann kommt man schnell dahinter, dass es Jagdfeld um mehr geht, als nur Geldverdienen mit dem Grand Hotel.

 

Wenn Jagdfeld schwärmt, dann glaubt er jedes Wort, was er sagt.

Und er weiß, dass alles was er will umsetzbar ist. Wenn Stadt und ECH sich einig sind und wenn das Geld fließen kann.

 

Jagdfeld ist quasi Alleininhaber von FUNDUS und Herr über das ganze Millionenvermögen.

Er hat fünf Söhne, die seine Arbeit über Jahrzehnte weg fortführen können.

Aber er hat den Wunsch, so viel wie möglich selbst mitzuerleben und darum ist jeder Tag, an dem es nicht vorwärts geht, ein verschenkter Zeit.

Anno August Jagdfeld ist heute (2009) 62 Jahre alt. Er macht einen Wettlauf mit der Zeit. In diesem Kontext sollte man es sehen, wenn er Dinge verspricht, die uns zu großartig erscheinen und wenn er Druck ausübt, um voran zu kommen.

Er kann die Zeit nicht anhalten. Also muss er sie nutzen.

Jeder Tag des Stillstandes ist ein verlorener Tag. Nicht nur für Anno August Jagdfeld.

 

Auch hierzu gibt es etwas zu sagen:

 

Auch die Bad Doberaner Stadtvertreter. „Die haben alles verscherbelt, und was hat es gebracht?“
Die klassizistischen Villen am Strand, das Traditionshotel „Fürstenhof“ – alles verfällt weiter.

 

Was hat es gebracht? Ein strahlendes Haus "Mecklenburg", eine strahlende "Hohenzollernburg", eine strahlende Orangerie, ein strahlendes Kurhaus, ein strahlendes Grand Hotel, ein nicht weniger strahlendes Severin-Palais. Außerdem - wenn auch nicht von der ECH gemacht - ein strahlendes Haus "Bischofsstab", ein auch noch recht strahlendes Prinzessin-Reuß-Palais und zwei ordentlich sanierte Neubaublöcke. Was auch gern vergessen wird: Das Grand Hotel und der G8-Gipfel im selbigen waren Initialzünder für große Projekte. Da hätten wir die touristische Erschließungsstraße, die um Heiligendamm herum führt, die Kühlungsborner Straße, die saniert wurde, die Seedeichstraße und die Gartenstraße, die ebenfalls saniert wurden, der gepflasterte Parkplatz am Bahnhof, die moderne Bushaltestelle und die Ampelanlage, die allesamt erst nach dem und durch das Hotel entstanden sind. Die Dammchaussee wurde saniert und für den G8-Gipfel, der ohne das Grand Hotel höchstwahrscheinlich mangels ebenbürtiger Räumlichkeiten nicht in Mecklenburg-Vorpommern stattgefunden hätte, wurden Straßen und Schienenwege im ganzen Land saniert. Allein was der G8-Gipfel dem Land - außer dem Schuldenberg - gebracht hat, ist so gewaltig, dass das was nicht geschehen ist, daneben ganz klein wirkt.

Wie schon erwähnt, tut der Stillstand keinem mehr weh, als Jagdfeld.

Und für den Stillstand gibt es gute Gründe, die Jagdfeld nicht wirklich zu vertreten hat.

Der Reihe nach: Das angebliche Traditionshotel "Fürstenhof" wurde als "Hotel garni" errichtet. Heute würde man dazu "Pension" sagen.

Nur Bett - kein Frühstück, kein Mittag, kein Abendbrot und auch kein Restaurant im Hause. In dieser Form existierte es aber gar nicht so lange, dass man von einem Traditionshotel sprechen könnte. Die Ostsee-Zeitung sitzt ja auch nicht in einem Traditions-Kaufhaus, nur weil da mal 40 Jahre eine Kaufhaus drin war und die Stadtväter sitzen auch nicht in einer Traditionsgaststätte, obwohl der Lindenhof dort wirklich lange drin existierte.

Im Falle des Fürstenhofes war die Folgezeit nicht glorreich: Es wurde zum Altersheim und blieb dies länger, als es Hotel garni war.

 

Und dass es verfällt hat gute Gründe:

Der Vertrag zwischen Stadt und ECH schreibt vor: Erst das Ensemble sanieren, dann die Perlenkette und dann erst der Rest.

Alles auf einmal zu sanieren konnte von FUNDUS keiner verlangen und hat auch keiner verlangt. Die Sanierung des Ensembles wurde nach anfänglichen Problemen bei der Finanzierung, welche durch eine Gesetzesänderung zu Stande kam, im Jahr 2000 begonnen und im Jahr 2003 erfolgreich abgeschlossen. Ein Jahr später wollte die ECH mit der Sanierung der Perlenkette beginnen und hat erste Genehmigungen beantragt.

Dazu gehörte z.B. der Abriss dreier nicht mehr denkmalgeschützter Villen, welcher 2005 genehmigt wurde.

 

Im selben Jahr änderte sich die Gesetzeslage wieder und die Finanzierung der Sanierung aus Fonds war nicht mehr möglich.

Die ECH musste also klassisch finanzieren: Erst die Wohnungen verkaufen und von diesem Geld dann die Häuser bauen.

Bei der Vermarktung aber stieß die ECH auf gewaltige Probleme: Erstens befindet sich die Perlenkette im Sondergebiet Hotel, sodass man die Wohnungen nur als Hotelwohnungen vermieten könnte, was aber nicht funktioniert (siehe Infokasten). Also bleibt nur der Verkauf und dazu müsste die Stadt Dauerwohnrecht für die Käufer genehmigen. Die Stadtvertreter tun dies aber derzeit nicht.

 

Zweitens fehlen den Villen Parkplätze, sodass die ECH entweder die Professor-Vogel-Straße als Parkplatz nutzen muss, was die Stadt aber nicht erlaubt oder den Käufern hunderte Meter Fußweg zum Auto zumuten müsste, was nicht geht und dazu führt, dass keiner die Wohnungen haben will. Die einzige Alternative ist eine Tiefgarage und dieser möchten die Stadtvertreter nicht zustimmen. Solange sie aber nicht zustimmen, wird die ECH keine einzige Wohnung los und solange sie nicht in allen Villen alle Wohnungen verkauft hat, hat sie auch nicht genug Geld für die Sanierung der Perlenkette und solange die Perlenkette nicht saniert ist, darf die ECH auch den Fürstenhof, die Villa von Witzleben, den Forsthof und die Villen an der Seedeichstraße nicht sanieren. Beginnt die ECH mit der Sanierung des Fürstenhofes, ohne vorher die Perlenkette saniert zu haben, begeht sie Vertragsbruch. Abgesehen davon, dass ihr kein Amt eine Baugenehmigung geben darf und sie daher sowieso nicht anfangen könnte.

 

Die ECH kann nicht sanieren, bevor die Perlenkette nicht saniert ist

und diese kann sie nicht sanieren, wenn die Stadt Dauerwohnrecht und Tiefgarage verweigert.  

 

Sehen Sie also bitte die folgende Berichterstattung stets in diesem Kontext.

Und sehen Sie sie außerdem in dem Kontext, dass Sie eben gerade etwas erfahren haben, das die Mehrheit jener, die sich in den folgenden Artikeln zu Wort melden bis heute noch nicht weiß. Die Schreiber der Ostsee-Zeitung inbegriffen.

 

Kommentar:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 04. Februar 2009  |  Meinung

Kempinski zieht sich aus Heiligendamm zurück

Anfang vom Ende?

Von THORALF CLEVEN

Kempinski-Hotels zählen zu den feinsten Adressen auf dieser Welt. Sie stehen für Einzigartigkeit, Luxus, Seriösität, Charme. Ein bisschen Glanz färbt dabei fast immer auf die Stadt oder die Region ab. Wie gesagt, fast. Heiligendamm scheint ein Sonderfall zu sein. Das Kempinski-Hotel im ältesten deutschen Seebad stand von Anfang an unter keinem guten Stern.Erst musste die Weiße Stadt am Meer lange ausharren, bis sich überhaupt ein Käufer fand, der alles übernahm – das berühmte Kurhaus, die zerschlissenen Erholungsheime für Werktätige und die Villen am Strand. 1996 war das. Käufer: Anno August Jagdfeld, umtriebiger Immobilienmakler aus Köln mit seiner Fundus-Gruppe.

Er versprach goldene Zeiten. Und das Blaue vom Himmel. Wenigstens öffnete 2003 das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm, wurden auch die Burg Hohenzollern und das Kurhaus wiederhergestellt. Aus Mitteln eines Fundus-Fonds und mit sehr hohen staatlichen Subventionen.

Der Ärger kam schnell. Denn der ansonsten so eloquente Herr Jagdfeld hatte den Leuten in der Region verschwiegen, dass hier eine Erholungsenklave entsteht. Zugang nur mit Passierschein. Wege gesperrt oder umgeleitet. Das Ergebnis: Reiche-Glotzen wurde Volkssport und war findigen Busunternehmern eine Reise nach Heiligendamm wert. Kempinski und seine Gäste waren not amused. Sie blieben weg. Die Auslastung bewegte sich im Keller.

Dann kam Gott sei Dank G 8 und konnte ein wenig darüber hinwegtäuschen, dass Jagdfeld das Projekt Heiligendamm nur noch verwaltet. Die Anleger murren schon lange und sind nicht durch Rabatte bei Übernachtungen zu besänftigen. Die Liste der Versprechungen ist lang: Wann kommt das Wellness-Zentrum, das die Tristheit von November bis Februar vergessen lässt? Wann werden die Kolonnaden saniert? Wann wird die „Villa Perle“ wiederaufgebaut, die vor dem G 8 abgerissen wurde? Wann werden ihre sechs Schwestern restauriert?

Kann Jagdfeld überhaupt noch? Er behauptet, er würde das Grand Hotel besser betreiben als Kempinski. Warum hat er es nicht gleich getan? Es scheint so, als hätte sich Jagdfeld verzockt. Kempinskis Ausstieg ist ein Signal in den Markt und seine Klientel: Hier nicht! Das könnte der Anfang vom Ende hochfahrender Träume sein. Heiligendamm steht wohl wieder einmal vorm Neuanfang.
 

 

Interview Kempinski:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 04. Februar 2009  |  Mecklenburg-Vorpommern

Kempinski-Vorstand Semer: Wir geben die Ostsee nicht auf

Berlin (OZ) Als „Schadensbegrenzung“ kann man die Trennung vom Grand Hotel Heiligendamm aus Sicht der Kempinski AG bezeichnen. Vorstandsmitglied Markus Semer (32) nennt Vorwürfe von Fundus-Chef Anno August Jagdfeld, der vom Missmanagement der Hotelgruppe spricht, „eine Farce“.

OZ: Herr Semer, seit wann wird in der Führung der Kempinski AG über einen Ausstieg in Heiligendamm diskutiert?

Markus Semer: Wir haben seit letztem Sommer mit Herrn Jagdfeld darüber gesprochen, wie Heiligendamm stabilisiert werden könnte. Leider führte kein Weg dahin, dass wir allein das Managment in der Hand halten, so wie es der Vertrag mit dem Hoteleigentümer vorsieht.

OZ: Aber Sie haben doch den Hoteldirektor gestellt.

Semer: Nein, den letzten Hoteldirektor hatte Herr Jagdfeld bestimmt. Unsere Kandidaten waren von ihm zuvor abgelehnt worden.

OZ: Wie lange lief der Vertrag von Kempinski noch?

Semer: Bis 31.12.2016.

OZ:
Was gab den Ausschlag für den Ausstieg in Heiligendamm?

Semer: Der Bruch des Vertrags in wesentlichen Punkten. Zum Beispiel, dass der Hoteleigentümer unsere Managementgebühren für die letzten 24 Monate in Höhe von 1,1 Millionen Euro nicht zahlen will. Außerdem häuften sich die Kundenbeschwerden seit Jahresbeginn.

OZ: Was wurde von den Gästen beklagt?

Semer: Der Service.

OZ: Der Hoteleigentümer wirft Kempinski vor, daran gescheitert zu sein, kein schlüssiges Managementkonzept besessen zu haben.

Semer: Kempinski führt weltweit 55 Luxushotels und Resorts wie das in Heiligendamm. Das spricht für unsere Kompetenz. Ich erinnere an die Versprechen, die der Eigentümer in Heiligendamm nicht eingehalten hat: die Sanierung der Strand-Villen oder das Thalasso- und Ayurveda-Center. Damit fehlt die Infrastruktur für dieses Resort. Wenn wir amputiert werden, können wir keinen Wettkampf gewinnen.

OZ: Nachdem Kempinski aufgrund eines Eigentümerwechsels 2006 bereits in Binz ausstieg, verlassen Sie MV nun ganz. Oder kommt Kempinski zurück?

Semer: Ich mag Heiligendamm. Und Kempinski mag Mecklenburg-Vorpommern. Das Land hat riesiges Potenzial im Tourismus. Gehen Sie davon aus: Wir geben die Ostsee nicht auf.

Interview: THORALF CLEVEN
 

 

Interview Polzin:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Polzin: „Wir glauben an den Standort“

OZ: Herr Polzin, wie schätzt der Bürgermeister den Kempinski- Rückzug ein?

Hartmut Polzin: Es gibt seit 2003 ein Hotel, das von Kempinski gemanagt wurde. Das Hotel war und ist Eigentum derjenigen, die ihr Geld in den Fonds gegeben haben. Das Hotel ist nach wie vor da, es gibt eine eingespielte Mannschaft, Sternekoch, Direktor – nur der Managementvertrag mit Kempinski ist gelöst.

OZ: Also ist gar nichts passiert?

Polzin: Natürlich wird die Grand Hotel GmbH neue Buchungswege suchen müssen. Aber der Name Heiligendamm ist in Deutschland bekannt, und Gäste, die fünf Sterne an der Ostsee buchen wollen, werden den Weg hierher finden. Wer nur zu Kempinski will, kommt vielleicht nicht mehr.

OZ: Es steht der Vorwurf des Vertragsbruchs im Raum.

Polzin: Ein Vertrag zwischen Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG und Kempinski – die Details des Vertrages und die Vorwürfe kenne ich nicht.

OZ: Kempinski kritisiert, Bau- und Sanierungsversprechen seien nicht erfüllt worden. Trägt da die Stadt vielleicht Mitschuld, weil manches zulange dauerte?

Polzin: Die Stadt hat immer alles getan, um den Wünschen der Investoren zu entsprechen. Wege gesperrt, umgewidmet, Bebauungspläne gestaltet – das sind Rechtsprozesse, und die dauern eben ihre Zeit.

OZ: Was bekommt die Stadt dafür – was bringt das Hotel ein?

Polzin: Wir haben 200 000 Euro Kurtaxe eingenommen, das Hotel ist größter Zahler. Es gibt viele Wirtschaftsbeziehungen zu Handwerk und Gewerbe, und wir bekommen auch den Lohnsteueranteil der Beschäftigten, die hier wohnen.

OZ: Muss man nicht doch sagen, die Stadt hat mit Fundus auf das falsche Pferd gesetzt?

Polzin: Das ist der falsche Ansatz. Heiligendamm war im Besitz des Bundes, der Bund hat verkauft. Und Fundus ist nicht ECH, und ECH ist nicht das Hotel.

OZ
: Wie soll es weitergehen?

Polzin: Ich möchte nicht spekulieren. Wir glauben an den Standort und werden alles tun, um die 300 Arbeitsplätze zu erhalten.
 

 

Interview Tourismus-Experte Kreilkamp:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009  |  Mecklenburg-Vorpommern

Schmutzige Scheidung in der Weißen Stadt

Zwischen Betreibergesellschaft des Grand Hotels und Kempinski wird der Streit schärfer.
Die Hotel GmbH erhebt Schadenersatzansprüche und will vors Schiedsgericht ziehen.


Rostock (OZ) Der Zwist ums Grand Hotel Heiligendamm gleicht einer auseinanderbrechenden Ehe. So ähnlich läuft es gerade zwischen der Hotelgruppe Kempinski sowie der Grand Hotel Heiligendamm GmbH und Co. KG und der Kölner Fundus-Gruppe (OZ berichtete).

Scheidungs-Deutsch spricht momentan auch Martin R. Smura gerne. Der geschäftsführender Direktor der Hotel-Betreibergesellschaft will zwar „keine schmutzige Wäsche mit Kempinski waschen“. Jedoch: „Wir sind überrascht, dass Kempinski den Betriebsführungsvertrag am Dienstag gekündigt hat“, erklärt er. Es sei doch Ende 2008 eigentlich ein Dialog vereinbart worden, um sich sauber zu trennen. Bei Streitigkeiten sei sogar ein Gang vor das Schiedsgericht abgesprochen gewesen. „Kempinski hat sich nicht daran gehalten, wir werden dem Unternehmen nun unsererseits kündigen und ein Schiedsgericht anrufen“, kündigt Smura an. Dass das Hotel noch am Kündigungstag von den Internetseiten der Hotelgruppe verschwand, sei auch kein schöner Zug. Ebenso wenig die durch falsche Pflege zerstörten Teppichböden. „Wir erheben Schadenersatzforderungen in Höhe von zwei Millionen Euro“, sagt Smura. Die könnten mit Kempinskis Forderungen über 1,1 Millionen Euro verrechnet werden.

Geld für die Zukunft scheint kein Problem zu sein. „41 Millionen Euro will die Eigentümergesellschaft stufenweise investieren“, erklärt Smura. In Restaurants, Pools, Wellnesseinrichtungen und Sportanlagen. Dafür haben die Gesellschafter eine Kapitalerhöhung beschlossen. Und: Interessenten könnten ja jederzeit investieren. „Wir wissen genau, wie wir das Grand Hotel zum Erfolg führen können“, meint Smura. Kempinski habe es in sechs Jahren nicht geschafft, in der Top-Lage Heiligendamm wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

„Solche Wechsel von einer Hotelkette können funktionieren“, sagt Bernd Fischer, Präsident des Tourismusverbandes MV. Dafür gebe es im Land Beispiele. So habe sich Kempinski 2007 aus dem Grand Hotel Binz zurückgezogen. Das Haus sei von einem Unternehmer weitergeführt worden, es läuft seitdem erfolgreich. „Da ging nichts den Bach runter“, betont Fischer.

Das hoffen auch die 306 Heiligendammer Hotel-Mitarbeiter. Sie wurden an den letzten beiden Tagen über die Veränderungen informiert. Dennoch: „So eine Namensänderung bedeutet für jeden Angestellten natürlich ein Fragezeichen“, sagt Oliver Sembill, seit Jahresbeginn Hotel-Direktor. Er bestätigt, dass alles weiter laufe wie bisher – mit allen Mitarbeitern. „Dieser Wechsel ist für mich ein spannender Neuanfang“, meint Sembill.

Auf den wartet man andernorts noch. „Ich sehe den Wechsel relativ leidenschaftslos“, sagt Reriks Bürgermeister Wolfgang Gulbis. Im Ostseebad besitzt die Fundus- Gruppe seit 1998 die etwa tausend Hektar große Halbinsel Wustrow, seit Jahren abgesperrt. „Wir hoffen, dass dort die ,Berliner Mauer’ verschwindet“, sagt Gulbis. Immer neue Versprechungen habe es gegeben. Während in Heiligendamm von neuen Visionen gesprochen wird, winkt Gulbis ab: Für die Halbinsel habe er „keine großen Hoffnungen“.

„Ohne eine internationale Gruppe im Rücken wird es schwierig“

Die Hotel-Kette Kempinski zieht sich aus Heiligendamm zurück. Über die Chancen des Grand Hotels, sich auch ohne Kempinski am Markt zu behaupten, sprach die OZ mit dem Tourismus-Experten Professor Edgar Kreilkamp von der Leuphana Universität Lüneburg.

OZ:
Wird der Standort Heiligendamm durch den Rückzug von Kempinski einen Image-Schaden erleiden?

Kreilkamp:
Das glaube ich nicht. Betreiberwechsel sind in der Branche absolut nichts Ungewöhnliches. Das kommt häufiger vor.

OZ:
Worauf muss der Eigentümer der Anlage, der Chef der Kölner Fundusgruppe Anno August Jagdfeld, jetzt achten, wenn er keinen Schiffbruch erleiden will?

Kreilkamp:
Der Erfolg hängt davon ab, ob der Eigentümer eine hochwertige Hotelgruppe findet, die in Heiligendamm einsteigen will. Wichtig ist auch, dass deren Konzept zum Standort passt.

OZ: Wer käme als neuer Betreiber in Frage?

Kreilkamp:
Es gibt weltweit einige Marken – etwa die US-amerikanische Kette Ritz-Carlton Hotels oder hochwertige spanische Hotelgruppen –, die eine solche Anlage betreiben könnten.
Allerdings könnten die internen Querelen, die zu dem Bruch zwischen Kempinski und Jagdfeld geführt haben, andere Betreiber vor einem Engagement abschrecken.

OZ: Fundus-Chef Jagdfeld hat angekündigt, dass er das Hotel künftig selbst betreiben will. Sehen sie dafür Chancen?

Kreilkamp: Ohne eine internationale Gruppe im Rücken wäre der erfolgreiche Betrieb schwieriger zu gewährleisten. Dafür müsste man sich eine renommierte Mannschaft einkaufen. Es gibt jedoch auch Beispiele von großen Hotels, die von Inhabern erfolgreich geführt werden.

OZ: Haben Sie selbst schon im Grand Hotel Heiligendamm eingecheckt?

Kreilkamp: Ja – und ich war begeistert. Ich finde das Projekt einmalig. Und ich bin überzeugt, dass es sich weiterentwickeln wird.

Interview: AXEL MEYER
 

 

 

Das Gesamtkonzept bröckelt: Die erste Villa wird einzeln an Privat verkauft.

 

Bisher wollte FUNDUS bzw. die ECH Heiligendamm als Gesamtheit entwickeln und vermarkten. Es war zwar laut Jagdfeld selbst vorgesehen, das Alexandrinen-Cottage als Wohnhaus Jagdfelds einzurichten aber offiziell hieß es von Seiten der ECH, dass es dafür "mehrere Ideen aber kein Konzept" gäbe. Alle anderen Villen im Westen des Ensembles standen ebenfalls ohne Konzept aber mit Ideen leer. Nun wird eine davon an Privat verkauft. Ist das das Ende des Gesamtkonzepts?

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009  |  Mecklenburg-Vorpommern

Heiligendammer Strandvilla an Versandhändler Otto verkauft
 

Heiligendamm (OZ) Die Villa „Haus Brahn“, eins von ursprünglich sieben Logierhäusern am Strand von Heiligendamm, ist an einen Privatmann weiterverkauft worden. Das bestätigte gestern die Heiligendamm-Entwickungsgesellschaft. Dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem Käufer um die Familie des Hamburger Versandhändlers Otto.

Der Verkäufer, die Fundusgruppe des Kölner Immobilienmoguls Anno August Jagdfeld, hatte bislang immer betont, Heiligendamm per Gesamtkonzept zur geschlossenen Hotelanlage ausbauen zu wollen.
 


Gemeint ist Haus "Krone". "Brahn" ist ja der Kids Club. Die OZ wird das noch verbessern.
 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Das Gesamtkonzept bröckelt

Heiligendamm sollte ganz und öffentlich bleiben. Längst ist das Seebad umzäunt, nun wird es stück- weise verkauft.

Bad Doberan Selbst die glühendsten Verfechter der jetzigen Heiligendamm-Eigentümer hatten gestern Mühe, die Fahne für ECH, Fundus, Jagdfeld und Co. hochzuhalten. Der Rückzug des Hotelbetreibers Kempinski hat Zweifel geweckt am Konzept, Heiligendamm mit einem einzigen Entwickler zu einem abgeschlossenen Hotel-Resort zu auszubauen. Entsprechend trübe auch die Stimmung bei den Hotelbeschäftigten. Ihre Unsicherheit, wie es wohl weitergehen mag, war überall spürbar. Der Maulkorb, den die Hotelleitung offensichtlich verhängt hatte, auch. Nichts sagen, am besten, gar nicht erst ansprechen lassen.

Dafür versprühte Martin R. Smura von der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG umso mehr Optimismus. „Klar geht es weiter“, und richtig sei der Weg, die „abgeschlossene Hotelanlage“ weiter auszubauen. Wer nach Heiligendamm komme, wolle Ruhe, „nicht begafft werden“. Man sei, gemeinsam mit den städtischen Behörden, auf einem guten Weg, dieses Konzept auch zum Erfolg zu führen. Dabei scheint gerade dieses Konzept zu bröckeln: Wurden bislang alle Beschlüsse der Stadtvertretung unter eben jener Maßgabe gefasst, dass Heiligendamm als Gesamt-Ensemble zu einem luxuriösem Seebad entwickelt wird, ist die erste Villa bereits aus der Gesamtheit herausgelöst worden. Wie ECH-Sprecherin Kirsten Brasche-Salinger gestern auf OZ-Anfrage bestätigte, ist das Haus „Brahn“, in dem bislang der „Kids Club“ untergebracht war, an einen Privatmann verkauft worden. In aller Stille.

Dem Vernehmen nach handelt es sich um die Eigentümer- Familie des Versandhandels „Otto“. Was Brasche-Salinger nicht bestätigen wollte, pfiffen die Doberaner Spatzen gestern von allen Dächern: Danach soll es schon heute im Hotel ein Treffen mit weiteren Immobilien-Interessenten geben.

KLAUS WALTER
 

 

Was immer wieder gern übersehen wird: Das Land hatte ein halbes Jahrzehnt lang verzweifelt versucht, Heiligendamm "loszuwerden".

Zuerst wurden die Häuser einzeln ausgeschrieben und es meldeten sich auch Interessenten. Aber nur für all die kleinen Villen.

Die Häuser "Berlin" (Grand Hotel), "Mecklenburg", "Glück auf" (Burg) und das Kurhaus wollte keiner haben.

Da aber gerade das das Ensemble ausmacht und das Land nicht darauf sitzen bleiben wollte, änderte es die Strategie und schrieb das Gesamtobjekt aus. Daraufhin gab es nur noch zwei Interessenten, von denen der erste absprang und der zweite FUNDUS heißt. Einzelheiten dazu finden Sie im Infokasten. Das Land war froh und der Jubel war groß, als der Vertrag mit FUNDUS zu Stande kam und es gab und gibt keine Alternative zu einem Gesamtkonzept. Nachdem FUNDUS über 250 Millionen Euro investiert hat, sollte eigentlich kein Mensch mehr darüber nachdenken.

 

Viele verstehen auch das Konzept Jagdfelds nicht - weil er es nicht gut erklärt hat. FUNDUS ist eine Fondsverwaltungsgesellschaft, deren einziger Zweck es ist, Geld einzusammeln und damit Projekte zu finanzieren. Das geschieht über Fonds, die bis 2005 auch für die Anleger attraktiv waren und weshalb FUNDUS die 250 Millionen Euro ohne allzu große Probleme einsammeln konnte. Mit einigen Gesetzesänderungen in 2005 wurden Fonds weniger attraktiv und so musste FUNDUS auch auf die klassische Finanzierung - erst verkaufen, dann bauen - zurück greifen. Die Entwicklung übernimmt die FUNDUS-Tochter ECH, welche Heiligendamm am Markt orientiert entwickelt. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und die Auslastung bestimmt den Umfang. Mehr dazu im Infokasten.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Die verbotene Zone

Ist der Verfall der „Perlenkette“ weithin sichtbar, rottet das Alexandrinen-Cottage, zu DDR-Zeiten „Haus Weimar“, in aller Stille vor sich hin. Mitten in einer verbotenen Zone: Umgeben von Landeswald und am europäischen Küsten-Fernradwanderweg gelegen, beansprucht Fundus-Chef Anno August Jagdfeld Villa und Umland für sich. Nur für sich, wie Absperrungen und Zäune deutlich machen. Inzwischen sind auch etliche Stadtvertreter der Meinung, dass der Weg „nie öffentlich“ war.
 

 

Die Meinung der Stadtvertreter dürfte schwer zu belegen sein. Auf alten Plänen und Karten selbst aus tiefster DDR-Zeit taucht der Weg gar nicht auf.

Erst in den Wendewirren wurde er mal eingezeichnet. Dennoch: Schwerin verneint letztlich die Existenz eines offiziellen Weges durch den Wald.

Die Ostsee-Zeitung nennt leider keine Namen der "etlichen Stadtvertreter", sodass wir nicht wissen, wer da die Gelegenheit nutzen will, um längst beschlossene Sachen in Frage zu stellen. Denn auch dies darf nicht vergessen werden: Die ECH kann nicht ohne Zustimmung der Behörden und letztlich der Stadtvertreterversammlung irgendwelche Wege sperren und Waldstücke einfrieden. Wenn man nur ein klein wenig darüber nachdenkt, welche Folgen es für die ECH hätte, Recht und Gesetz zu missachten oder gar zu brechen und was für ein gefundenes Fressen das für die Gegner des Projekts wäre und welche Argumente es ihnen bei der Polemisierung der Massen bringen würde, wird klar, dass die ECH es nie versuchen wird.

 

Leider fehlt es sowohl Jagdfeld, als auch einigen Mitarbeitern der ECH und der FUNDUS-Gruppe manchmal etwas an Sensibilität, sodass ihre eigentlich völlig richtigen Aussagen manchmal überheblich herüber kommen. Da haben die einheimischen Stadtvertreter einen kleinen Vorteil, weil sie genau wissen, was welche Worte bei den Bürgern bewirken. Der Bürgerbund weiß das ebenso:

 

Die erste Reaktion kommt vom Bürgerbund:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 05. Februar 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Heiligendamm endlich wiederbeleben

Bad Doberan Seit Jahren kämpft der Bürgerbund Bad Doberan gegen Zäune, Sperrungen und den fortschreitenden Verfall der historischen Bausubstanz in Heiligendamm. Für Hannes Meyer vom Bürgerbund ist der Rückzug von Kempinski nur „das Ende einer Kette von Ereignissen“. Denn dass irgendetwas nicht stimmt, habe jedermann sehen können: der ständige Wechsel der Hotelchefs, der Weggang des Spitzenkoches.

Seiner Ansicht nach lebt Heiligendamm von der Lage an der See und vom einzigartigen architektonischen Ensemble. Die Fundus-Gruppe und namentlich Anno August Jagdfeld habe es geschafft, dieses Ensemble dem Verfall preiszugeben und eine „Trutzburg“ zu errichten. Und nicht nur Einheimischen den Weg zu den architektonischen und landschaftlichen Schönheiten zu verwehren, sondern auch den eigenen Hotelgästen. „Das ist zu kurz gedacht. Der Ort ist tot“, sagt Meyer. Die einzige Chance, Heiligendamm zu retten, sei die Wiederbelebung des Ortes, die Öffnung der Wege, der Einzelverkauf der Villen, um Vielfalt zurück zu holen.
 

 

Was in der Zeitung nicht zu lesen ist:

Die ECH hat bereits mit der Vermarktung der Perlen begonnen, stieß dabei aber auf folgendes Problem:

Die Anzahl der in Heiligendamm seitens der Behörden genehmigten Oberflächenstellplätze ist begrenzt und würde im Bereich der Professor-Vogel-Straße nicht für alle Wohneinheiten der Perlen reichen. Bis auf Villa "Anker" werden alle Villen sechs Wohnungen - Anker nur fünf - beherbergen.

 

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass zu jeder Wohnung ein Stellplatz gehört und diesen könnte die ECH nur am Fürstenhof neben der Kortüm-Straße anbieten. Da das für die Käufer der Wohnungen in den Villen der Perlenkette unzumutbar ist und potenzielle Käufer dies auch zu verstehen gaben, musste die ECH den Bau einer Tiefgarage planen. Nur so kann sie die Wohnungen verkaufen und erst wenn alle Wohnungen eines Hauses verbindlich verkauft sind und das Geld zur Verfügung steht, kann die ECH mit dem Wiederaufbau des Hauses beginnen.

 

Diese gängige Praxis wird in Heiligendamm auch an der Kühlungsborner Straße angeboten, wo das abgerissene Haus "Waldfriede" derzeit durch die JHI Immobilien als "Residenz von Flotow" vermarktet wird. Wenn alle Wohnungen verkauft sind, kann mit dem Bau der Residenz begonnen werden.

 

Die ECH steht allerdings vor dem Problem, dass für die Wohnungen in der Perlenkette kein dauerhaftes Wohnrecht gegeben ist.

Die Stadt müsste dieses erst genehmigen, denn ohne dieses Wohnrecht darf der Käufer seine Wohnung nicht ganzjährig und nur zu von der Stadt vorgegebenen Zeiten nutzen. Natürlich ist das ein Unding und darum bemüht sich die ECH schon seit 2008 um ein dauerhaftes Wohnrecht für die Käufer der Wohnungen in der Perlenkette. Außerdem bemüht sie sich um die Genehmigung einer Tunnelgarage, die nicht nur die Stellplätze der Perlenkette, sondern auch Service-Lager- und Kellerräume für die einzelnen Perlen enthalten wird. Die Tunnelgarage schließt außerdem die geplanten Neubauten, wie Ensemble-Palais, Ensemble-Villa und Thalasso-Zentrum an. Das Thalasso-Zentrum erhält darüber hinaus eine eigene öffentliche Tiefgarage.

 

Die ECH hat von 21 Entscheidungsträgern grünes Licht für den Bau der Tiefgarage erhalten und die Beschlussvorlage musste nun nur noch Mehrheit in der Stadtvertreterversammlung finden. Dort wurde aber zunächst nur über die Einzelheiten diskutiert und Skepsis gegenüber den Plänen der ECH signalisiert.

 

Und zu Thema Einzelverkauf: Dazu ist es zu spät. Erstens, weil die ECH schon mit der Vermarktung begonnen hat und zweitens, weil niemand einem Eigentümer vorschreiben kann, wie er sein Eigentum nutzt, solange es rechtskonform ist.

Wenn Sie eine Villa haben möchten und das nötige Geld dafür und für die Sanierung haben, können Sie sich an die ECH wenden und eine Villa einzeln erwerben. Das ist überhaupt kein Problem. Das Problem ist nur, dass Sie die Villa nicht zum dauerhaften Wohnen benutzen dürfen, weil die Stadtvertreter dem noch nicht zugestimmt haben.

 

Dass die Villen noch immer verfallen, ist also nicht der Untätigkeit der ECH geschuldet, sondern den fehlenden Beschlüssen der Stadtvertreter Bad Doberans.

 

 

Kempinski ist weg und jetzt geht es bergauf?

 

Nachdem Kempinski Heiligendamm verlassen hat, ließ FUNDUS verlauten, dass die Zusammenarbeit ohnehin beendet worden wäre und Kempinski dem nur zuvor gekommen ist. FUNDUS war nicht zufrieden mit der Arbeit von Kempinski und monierte insbesondere den schlechten Service und die Vermarktung über Billiganbieter, wie Tchibo und TUI. Ohne Kempinski soll es nun besser laufen:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 09. Februar 2009  |  Mecklenburg-Vorpommern

Fundus will in Heiligendamm 20 Millionen investieren

Fundus-Chef Jagdfeld kündigte nach dem Rückzug von Kempinski weitere Investitionen für das Grand Hotel an. Unter anderem soll der Wellnessbereich doppelt so groß werden.

Berlin/Heiligendamm (dpa) Nach der Trennung von der Kempinski AG will die Fundus-Gruppe (Düren/Nordrhein-Westfalen) laut „Berliner Morgenpost“ 20 Millionen Euro in das Grand Hotel Heiligendamm investieren. Die Gesellschafter hätten im Dezember eine Kapitalerhöhung über 41 Millionen Euro beschlossen, sagte Fundus-Chef Anno August Jagdfeld dem Blatt. „Die Hälfte geht in die Tilgung aufgelaufener Schulden. Die anderen 20 Millionen Euro wollen wir für Investitionen nutzen“, so Jagdfeld weiter. Allerdings seien bis zum 15. Januar erst sechs Millionen Euro der angestrebten Summe von den Altgesellschaftern gezeichnet worden.

Die Kempinski-Gruppe hatte sich am vergangenen Dienstag aus dem Management des Grand Hotels zurückgezogen. Der Hotelbetrieb soll aber weitergehen. Nach den Worten des geschäftsführenden Direktors Martin Smura steht das Haus vor „einem vielversprechenden Neustart“. Der Streit zwischen der Betreibergesellschaft Grand Hotel Heiligendamm GmbH und Co KG und Kempinski wird laut Smura vor Gericht geklärt. Grund für das Zerwürfnis sei gewesen, dass es Kempinski nicht gelungen sei, Gewinne zu erzielen.

Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes, Bernd Fischer, zeigte sich gestern zuversichtlich, dass das Hotel Zukunft habe. „Die Trennung von Kempinski ist kein Untergangssignal“, sagte er in Schwerin. Auch das ehemalige Kempinski-Hotel in Binz auf Rügen laufe gut. Smura hatte in der vergangenen Woche angekündigt, das Grand Hotel in Heiligendamm werde in zwei Jahren Gewinne erzielen. Mit Ausnahme des Jahres 2007, als der G8-Gipfel in Heiligendamm stattfand, habe das Hotel seit seinem Start im Jahr 2003 Verluste in Millionenhöhe geschrieben, sagte der geschäftsführende Direktor. Das Haus stehe jetzt vor „einem vielversprechenden Neustart“.

Nach Angaben von Fundus-Chef Jagdfeld soll der Wellnessbereich doppelt so groß werden. Zudem sollen zwei Außenschwimmbäder sowie ein Sportzentrum, Tennisplätze, ein Fußball- und Bolzplatz sowie ein Schaugarten entstehen. Zu den vier vorhandenen Restaurants sollen drei weitere hinzukommen.
 

 

Auch wenn es komisch aussieht, so ist es doch völlig logisch, warum man Kempinski nicht hinterher trauern darf.

Es wäre ein falsches Zeichen, jetzt von Verlust und Schmerz zu reden, auch wenn der Wegfall einer so renommierten Marke genau das ist. Statt dessen muss jetzt das Zeichen kommen, es selbst in die Hand zu nehmen und neu durchzustarten und auch gleich neue Pläne zu nennen.

Sonst droht ein Imageverlust für das Grand Hotel. Allerdings sind Jagdfelds Erweiterungsankündigungen eigentlich wieder ein wenig voreilig, denn man wird seine Worte natürlich auf die Goldwaage legen und mit dem Finger drauf zeigen oder sie schlimmstenfalls gegen ihn verwenden, wenn 2010 noch nichts von den Plänen umgesetzt ist. Die meisten der Erweiterungen müssen ja wieder von zwei Dutzend Ämtern und der SVV abgesegnet werden, sodass vor 2010 gar nicht mit dem Bau zu rechnen ist. Jagdfeld setzt wohl voraus, dass das alle wissen aber gerade das ist nicht der Fall.

 

So verstehen nicht nur die Bürger seine Aussagen falsch, sondern auch Kempinski fühlt sich diskreditiert:

 

 

Februar 2009: Streit und schlechte Stimmung.

 

Scheidungen verlaufen nicht immer friedlich. Besonders dann nicht, wenn es um Millionen geht, die der eine vom anderen verlangt. So geschehen in Heiligendamm, wo die Trennung von Kempinski einige bisher eher verborgene Details ans Licht brachte:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 10. Februar 2009  |  Wirtschaft

„Hotel-Monopoly“ vor Gericht

Die Kempinski AG will mit einer Klage gegen die Fundus-Gruppe erreichen,
dass der Fonds-Betreiber den Traditionsnamen Adlon ausschließlich für das Berliner Nobel-Hotel verwenden darf.


Berlin (dpa) Im „Hotel-Monopoly“ zwischen der Kempinski AG und der Fundus Gruppe hat sich der Streit erheblich verschärft und wird wohl für längere Zeit die Gerichte beschäftigen.
Die Kempinski AG bestätigte gestern eine Klage gegen Fundus, um die angeblich geplante Übertragung des Namens Adlon auf andere Geschäfte als das Hotel Adlon in Berlin zu verbieten. Der Konflikt war bereits in der vergangenen Woche eskaliert, als die Kempinski AG die Betriebsführung für das Grand Hotel Heiligendamm mit sofortiger Wirkung gekündigt hatte.

Die Fundus Gruppe (Düren) ist sowohl Eigentümer für das besonders durch den G 8-Gipfel international bekannt gewordene „weiße Haus“ an der Ostsee als auch des Berliner Luxushotels am Brandenburger Tor. In einem Interview („Berliner Morgenpost“) hatte Fundus-Chef Anno August Jagdfeld am Sonntag zwar Aussagen des Kempinski-Vorstandsmitglieds Markus Semer im Kern bestätigt, wonach die Adlon-Verträge bis 2016 laufen. Gleichzeitig hatte Jagdfeld aber heftige Kritik an der Vermarktung durch Kempinski vor allem für Heiligendamm, aber auch für das Adlon geäußert. Die Adlon-Auslastung liege bei etwa 55 Prozent. „Und Kempinski verdient gerade die Miete von ungefähr zwölf Millionen Euro im Jahr.

Leider nicht mehr“, sagte Jagdfeld. Das Adlon habe „ein deutlich größeres Potenzial“. Einen Überschuss über die zwölf Millionen Euro hinaus teilen sich Mieter und Vermieter je zur Hälfte. „Darauf warten wir seit zehn Jahren“, sagte Jagdfeld. In Heiligendamm habe die Auslastung für Vollzahler nur bei 40 Prozent gelegen. Die Kempinski AG ihrerseits hatte Fundus vorgehalten, für die vergangenen zwei Jahre die Managementgebühren von 1,1 Millionen Euro nicht gezahlt und weitere Vertragsbrüche begangen zu haben. Auch hier muss letztlich vor Gericht entschieden werden.

Vor dem Landgericht Berlin will die Kempinski AG erreichen, dass Fundus den Namen „Hotel Adlon“ ausschließlich für das gleichnamige Haus in Berlin benutzen darf. In diesen Konflikt hat sich mit Percy Adlon inzwischen einer der Adlon-Erben persönlich eingeschaltet. Laut einer Mitteilung der Kempinski AG sagte Percy Adlon: „Fundus und ihre Pläne stehen im Widerspruch zu allen unseren vorherigen Diskussionen und vertraglichen Verpflichtungen zwischen der Adlon-Familie, der Kempinski AG und Fundus.“ Im Streit um Heiligendamm hat die Fundus Gruppe ihrerseits rechtliche Schritte gegen Kempinski angekündigt.

Die Gesellschafter haben eine Kapitalerhöhung über 41 Millionen Euro beschlossen. Davon sollen 20 Millionen in Heiligendamm investiert werden. Von den 41 Millionen haben die Altgesellschafter bisher sechs Millionen Euro gezeichnet, wie Jagdfeld gestern gegenüber Welt online erklärte. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die restlichen 35 Millionen platzieren – von Vermögensverwaltungen, Versicherungen, Stiftungen und betuchten Anlegern im Rahmen eines Private Placements“, erklärte der Fundus-Chef.
 

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 25. Februar 2009  |  Mecklenburg-Vorpommern

Schlechte Stimmung im Gipfel-Hotel?

Mitarbeiter des Grand-Hotels in Heiligendamm berichten von Kündigungswellen. Stimmt nicht, sagt die Chefetage.

Heiligendamm (OZ) Im feinen Grand Hotel Heiligendamm hängt offenbar der Haussegen schief. „Hier haben alle Mitarbeiter Angst, demnächst ihre Kündigung zu bekommen“, sagt eine Angestellte, die namentlich nicht in der Zeitung genannt werden will. Vor allem gegen Ende des vergangenen Jahres soll es regelrechte Kündigungswellen gegeben haben, berichten ehemalige und jetzige Beschäftigte des Hotels, das als Austragungsort des G 8-Gipfels weltweit bekannt wurde. Mitarbeitern seien neue Verträge vorgelegt worden, allerdings zu schlechteren Konditionen. So sei etwa die Wochenarbeitszeit für einige gelernte Restaurantfachkräfte von 40 auf 48 Stunden erhöht worden. Das Gehalt soll dagegen gesenkt worden sein. Langjährige Angestellte wären nach dem Erhalt der Kündigung aufgefordert worden, das Hotel sofort zu verlassen. Ein Sicherheitsdienst habe sie vom Gelände eskortiert, anschließend sei ein Hausverbot ausgesprochen worden. Einen konkreten Anlass für solche drastischen Maßnahmen habe es nicht gegeben. Die Hotelleitung weist die Schilderungen zurück. „Von großen Kündigungswellen weiß ich nichts“, sagt Sprecher Boris Brabatsch. Im Gegenteil – man stelle weiteres Personal ein. Der Vorwurf, dass sich die Bedingungen der Mitarbeiter verschlechtert hätten, träfe ebenfalls nicht zu. Brabatsch: „2007 hat es sogar eine Gehaltserhöhung gegeben.“ Wenn man sich von Mitarbeitern trennen müsse, sei das Hotel um faire Umgangsformen bemüht. „Wenn dieser Mitarbeiter etwa mit heiklen Daten zu tun hat, kann es sein, dass ein anderer Mitarbeiter dabei ist, wenn er seinen Schreibtisch räumt“, sagt der Sprecher. Von einer Sicherheitsdienst-Eskorte könne keine Rede sein. Einen Betriebsrat gibt es für die mehr als 300 Beschäftigten des Grand Hotels nicht, räumt Brabatsch ein. Allerdings habe sich ein Mitarbeiterrat gebildet, der sich einmal im Monat zu einem Austausch trifft. Die Bad Doberaner Landtagsabgeordnete Birgit Schwebs (Linke) verlangt jetzt eine genaue Kontrolle, ob die Fundus-Gruppe, Eigentümer und seit kurzem auch Betreiber des Hotels, die Fördermittel-Auflagen einhält. Die Kempinski-Gruppe hatte Anfang Februar die Bewirtschaftung des Hotels gekündigt (OZ berichtete). Das Schweriner Wirtschaftsministerium bestätigt auf Anfrage, dass es zurzeit Gespräche zwischen dem Landesförderinstitut und Fundus-Vertretern gebe. Und zwar darüber, was passiert, wenn die Auflagen nicht eingehalten werden. Rund 50 Millionen Euro Steuermittel flossen über das Land zu Fundus nach Heiligendamm – verbunden mit der Zusage, eine bestimmte Anzahl von Arbeitsplätzen einzurichten. Diese Zusagen würden alle erfüllt, hieß es gestern auf Nachfrage bei der Fundus-Gruppe.

GERALD KLEINE WÖRDEMANN
 

 

Das alles trägt natürlich nicht gerade zu einem guten Image für FUNDUS bei. Die Kontrolle der Fördermittel-Auflagen ist zwar demokratisch korrekt aber auch ein weiterer Stein im Weg. Der Erfolg der ECH und damit FUNDUS ist erheblich von den Entscheidungen abhängig, die die Stadtvertreter zu fällen haben. Es gibt eine klare Reihenfolge, die im Grundlagenvertrag festgeschrieben ist: Erst das Ensemble, dann die Perlenkette und dann der Rest. Alles steht und fällt momentan also mit der Sanierung der Perlenkette und dazu ist nun einmal die Tiefgarage notwendig.

 

 

März 2009: Kommt die Tiefgarage?

 

Mit der Tiefgarage steht und fällt der Baufortschritt in Heiligendamm. Kommt sie, kommen Käufer und es fließt Geld für die Sanierung der Perlenkette. Kommt sie nicht, bleiben auch die Käufer fern und die Perlenkette kann nicht saniert werden. Das Fonds-Prinzip ist seit 2005 nicht mehr anwendbar. Wurde der Wiederaufbau des Ensembles noch durch private Anleger und Banken vorfinanziert, muss bei der Perlenkette jede Wohnung verkauft werden, bevor mit der Sanierung begonnen werden kann. Nur: Kommt die Tiefgarage?

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 24. März 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Mobile Wand eingelagert

Die Hochwasserschutzwand vor der Perlenkette in Heiligendamm wurde gestern abgebaut, die Einzelteile wurden eingelagert. Möglicherweise war dies der vorerst letzte Einsatz der mobilen Wand.

Heiligendamm Das gestrige Wetter ließ es nicht unbedingt vermuten – doch die „Sturmflutsaison“ ist vorbei. Sichtbares Zeichen: Die mobile Hochwasserschutzwand in Heiligendamm wurde abgebaut, die Leichtmetall-Elemente wurden eingelagert. Der Blick auf die immer weiter verfallenden, historischen Villen der Perlenkette ist nun wieder frei.

Möglicherweise war es der letzte Abbau der 500 000 Euro teuren Küstenschutz-Einrichtung: Stimmen nämlich am Montagabend Bad Doberans Stadtvertreter den Änderungen der Bebauungspläne für Heiligendamm zu, und hält die Heiligendamm-Entwicklungsgesellschaft (ECH) dieses Mal – anders als bei zahlreichen anderen Investitionsversprechen – Wort, könnte an Stelle der mobilen Schutzeinrichtung bald eine feste Mauer entstehen. Diese – so die Pläne der ECH – soll zwischen Promenade und Rasenfläche vor den Villen gebaut werden und steht im engen Zusammenhang mit dem von der ECH geplanten Bau einer Tiefgarage unter der Rasenfläche. War der Bau einer festen Hochwasserschutzmauer 2003 noch aus denkmalpflegerischen Gründen abgelehnt worden – die Sicht auf die Villen der Perlenkette würde durch das 1,1 Meter hohe Bauwerk zu stark eingeschränkt, hieß es damals zur Begründung – haben die Denkmalpfleger plötzlich nichts mehr gegen die feste Wand. Weil zugleich die Promenade für den Tiefgaragenbau um einen halben Meter angehoben werde, brauche die Mauer nur 0,6 Meter hoch sein. Damit bliebe die Sicht auf das historische Gebäudeensemble weitgehend frei, so die neue Begründung.

„Verloren ist die mobile Schutzwand nicht – und damit auch nicht die halbe Million Euro Steuergeld, die sie einst kostete“, sagt der für den Küstenschutz in Heiligendamm zuständige Leiter des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StAUN), Hans-Joachim Meier. Die Wand könne überall für den Hochwasserschutz eingesetzt werden, auch kurzfristig. Für den Bau der neuen Schutzwand müsse die ECH allein aufkommen. Meyer: „Der Einsatz öffentlicher Gelder für den Neubau ist ausgeschlossen.“

KLAUS WALTER
 

 

Ein paar Tage später - am 30.03.2009 - soll die Beschlussvorlage die Stadtvertreterversammlung passieren. 21 Behörden haben die Anträge geprüft und ihnen zugestimmt. Die Zustimmung der Stadtvertreter ist daher eigentlich rein obligatorisch.

 

 

März 2009: Eine Einladung mit unabsehbaren Folgen.

 

Caroline Brandt lädt ein und die Bürger kommen. Doch gerade die sind ja gar nicht eingeladen:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 24. März 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Info-Abend zu Heiligendamm

Bad Doberan Bad Doberans Stadtvorsteherin Caroline Brandt hat für morgen Abend in den Ratssaal der Stadtverwaltung eingeladen. Die Informationsveranstaltung „die Heiligendammer Beschlussvorlagen betreffend“ beginnt um 18 Uhr. Es geht um den Bebauungsplan Nummer 30 und hierbei um die Gebäude „Marien-Cottage“ und „Haus Krone“. In beide Logierhäuser sollen Appartements gebaut und einzeln verkauft werden; dazu muss das dauerhafte Wohnen zugelassen werden. Außerdem wurde in der Beschlussvorlage der Küstenwald um das Alexandrinen-Cottage komplett ausradiert. Diskutiert werden soll auch über den Plan 25 – den Bau der Tiefgarage, die damit verbundene Anhebung der Promenade und den Neubau einer Sturmflutwand (siehe auch nebenstehender Bericht). Mit ihrer Einladung knüpft Caroline Brandt an die Tradition der Informationsveranstaltungen zu Heiligendamm-Beschlüssen an, die bereits von ihrer Vorgängerin im Amt, Anke Bitter, begründet wurde.
 

 

 

März 2009: Man sieht vor lauter Grünfläche die Bäume nicht mehr.

 

Pläne haben es in sich. Wer - wie ich - bisher dachte, ein Bebauungsplan wäre ein Blatt DIN A3, das man sich mal eben verkleinert kopieren lassen oder wenigstens abfotografieren kann, der wird eines besseren belehrt, wenn er so einen B-Plan sieht.

 

 

Das hier ist zum Beispiel ein ganz kleiner Ausschnitt des Bebauungsplanes von 2004. Er zeigt die grobe Planung Heiligendamms vergrößert auf ein Wandposter. Der eigentliche Plan befindet sich in einer Mappe, die so dick wie ein Buch ist und ausgebreitet ungefähr die Größe der Fläche eines Autodaches hat. Der Ausschnitt Heiligendamms ist auf diesem Plan nicht größer als eine Streichholzschachtel. Darum gibt es dann auch Kartenausschnitte. Diese sind dann nach der Art dessen gestaltet, worum es gerade geht. Der obige Plan zeigt Infrastruktur und Tourismus, andere Pläne konzentrieren sich auf Bau und Architektur und wieder andere auf Flächennutzung und Geologie. So einen Ausschnitt mit Flächennutzung und Geologie - die farbloseste Variante des Ausschnittes stellte die ECH den Stadtvertretern vor. Dieser Plan enthält neben den Gebäuden und dem Wegenetz auch geologische Aspekte, wie Erhöhungen und Vertiefungen und eben durchnummeriert jeden einzelnen Baum. Jeden? 

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 25. März 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Alexandrinen-Cottage mit oder ohne Küstenschutzwald

Am Montag findet um 18.15 Uhr die nächste öffentliche Stadtvertreter-versammlung statt. Dabei geht es unter anderem um Baumaßnahmen in Heiligendamm.

Bad Doberan Nachdem Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt bereits für heute 18 Uhr zu einer „Informationsveranstaltung, die Heiligendammer Beschlüsse betreffend“ eingeladen hat, findet die nächste öffentliche Stadtvertreterversammlung am Montag 18.15 Uhr statt. Dann erst sollen die Stadtvertreter jene Beschlüsse fassen, die heute erläutert werden. Die Tagesordnung für Montag hat allerdings noch mehr zu bieten. Unter anderem geht es um die Fortschreibung des Verkehrskonzeptes für die Doberaner Innenstadt. Dazu hatte eine „kennzeichenbezogene Verkehrszählung“ stattgefunden, die Auskunft über die Höhe des sogenannten Quell- und Zielverkehrs und den Durchgangsverkehr in Doberan gibt. Zwar war die Zählung zur Lenkung des innerstädtischen Verkehrs gedacht, doch die Zahlen dürften auch für das Projekt Ortsumgehung von Bedeutung sein.

Ein weiterer Beschluss soll die Höhe der Eintrittsgelder für das Stadt- und Bädermuseum regeln, und außerdem wird der Bericht der Gleichstellungsbeauftragten, Annette Fink, erwartet. Zur Einwohnerfragestunde wird die Sitzung um 19 Uhr unterbrochen. Größeren Raum werden voraussichtlich die Beschlüsse zu Heiligendamm einnehmen. Es geht um den „B-Plan 25“, der unter anderem den Abriss und Neubau einer Hochwasserschutzanlage regelt. Im Zuge des geplanten Baus einer Tiefgarage vor der „Perlenkette“ soll eine feste Sturmflutwand errichtet und die Promenade um einen halben Meter angehoben werden. Noch 2003 war der Bau einer festen Sturmflutwand von der Denkmalschutzbehörde abgelehnt worden (OZ berichtete).

Ebenfalls interessant könnte die Diskussion um die Änderung des „B-Plans 30“ werden. Vordergründig geht es dabei um die künftige Nutzung von zwei denkmalgeschützten Gebäuden, dem „Haus Krone“ und dem „Marien-Cottage“. Die bisherige Nutzungsmöglichkeit durch das Hotel soll dahingehend erweitert werden, dass künftig auch das dauerhafte Wohnen in den Gebäuden gestattet wird. In beide Gebäude will der Eigentümer ECH Appartements einbauen, die dann einzeln verkauft werden sollen. Interessant sind die beigefügten Planzeichnungen: Im bisherigen Bebauungsplan 30 ist das „Alexandrinen-Cottage“, das sich im persönlichen Eigentum von Anno August Jagdfeld befindet, noch von dichtem Wald umgeben. In der neuen Planzeichnung ist der Wald verschwunden, nur wenige Einzelbäume sind noch eingezeichnet.
 


Für die "verschwundenen" Bäume hat Herr Schlag von der ECH eine gute Erklärung parat. In einem persönlichen Gespräch am 25.06.2009 zeigte er mir die umstrittene Karte und klärte den Irrtum auf. Es war nämlich so, dass er für die Gestaltung des Hotelgeländes alle Bäume vermessen und registrieren lassen hat, die sich auf diesem Areal befinden. Auch südlich des Versorgungsgebäudes wurden viele Bäume auf diese Weise erfasst, weil man sich bei der Planung nicht sicher war, ob die Absenkung des Grundwassers sich auf die Bäume auswirken könnte. Durch ein Einzeichnen dieser Bäume in eine Karte könnte man im Falle einer Schädigung der Bäume genau sagen, welcher Baum wodurch geschädigt würde. Die Bäume im Hotelpark und im Hotelareal mussten auch eingezeichnet werden, um bei der Wegplanung und dem Landschaftsbau berücksichtigt werden zu können.
Im Kleinen Wohld hingegen sollen gar keine Bäume angetastet werden und daher war es nicht nötig, alle Bäume zu vermessen und einzuzeichnen.

Nur deshalb ist diese Fläche scheinbar baumlos. Mit ein wenig Logik kommt selbst ein Laie dahinter, dass es der ECH niemals möglich wäre, einen ganzen Wald von vielen hundert Quadratmetern einfach abzuholzen und dass es auch absolut keinen Sinn machen würde, da ja gerade der Küstenwald den Reiz ausmacht. Die ECH wollte ja gerade diesen Wald haben, um überhaupt Wald für die Gäste zu haben, zumal der Große Wohld und der Kurwald an der Kühlungsborner Straße ja öffentlich bleiben und es daran nichts zu rütteln gibt.

Thema Promenade:
Nicht die ganze Promenade soll 700 cm angehoben werden, sondern ein kleiner Abschnitt vom Haus "Bischofsstab" Richtung Westen. Dort befindet sich derzeit eine Senke und durch die Anhebung dieser Senke hätte die Promenade sogar durchgehend gleiches Niveau.


Das ist nicht nur der Tiefgarage geschuldet, sondern auch der Hochwasserschutzmauer, die ja schließlich gerade und ohne Täler und trotzdem parallel zur Oberkante der Promenade sein soll. Das ist nicht nur ein Schönheitsaspekt, sondern in erster Linie ein Sicherheitsaspekt bei Sturmfluten.

 


März 2009: Die unabsehbaren Folgen einer Einladung: Zoff im Rathaus.


In der Ostsee-Zeitung ist eine kleine Einladung zu einem Informationsgespräch im Rathaus abgedruckt.
Scheinbar dachten viele dasselbe, als sie diese Einladung gelesen haben und machten sich darum auf den Weg ins Rathaus.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 26. März 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Bürger sauer: Info zu Heiligendamm abgesagt

Bad Doberan Zu einem Eklat kam es gestern Abend vor und im Bad Doberaner Rathaus. Bürger, die an einer Zusammenkunft der Stadtvertreter zum Thema Heiligendamm teilnehmen wollten, wurden von Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt des Hauses verwiesen. Weil die Bürger dem keine Folge leisten wollten, sagte Brandt die Informationsveranstaltung kurzerhand ab. Was war geschehen? Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt hatte per Schreiben vom 10. März Stadtvertreter, sachkundige Einwohner, Bürgermeister und Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) zu einer „Informationsveranstaltung zu den Heiligendammer Beschlussvorlagen“ eingeladen (Vorlagen für die Stadtvertreterversammlung am 30. März; d.Red.).

Offenbar auf den Grundsatz der Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommerns vertrauend, dass Gemeindevertreterversammlungen grundsätzlich öffentlich sind, hatten sich rund 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger – darunter zahlreiche Einwohner Heiligendamms und damit unmittelbar Betroffene – ebenfalls zur Versammlung eingefunden. Aus dem Munde ihre Stadtvertretervorsteherin mussten sie erfahren, dass die Veranstaltung „nicht öffentlich“ und „nur für Stadtvertreter“ bestimmt sei. Weil die Bürger nicht verstehen konnten, warum eine Versammlung der Stadtvertreter zu ihrem unmittelbaren Wohnumfeld „geheim“ sein sollte, akzeptierten sie die Auskunft der Stadtvertretervorsteherin nicht. Nach kurzer Diskussion sagte Brandt die Veranstaltung ab.

Bereits im Vorfeld der Sitzung hatten die Fraktionen von CDU und Bürgerbund den Versuch, eine Informationsveranstaltung ohne Beteiligung der Öffentlichkeit durchzuführen, scharf kritisiert. CDU-Fraktionschef Andreas Unterfranz forderte Transparenz für alle Bürger bei so wichtigen Beschlüssen. „Eine derartige Kungelei hinter verschlossenen Türen gibt Grund zu Verdächtigungen, die der Gesamtmaßnahme Heiligendamm mehr schaden als nutzen“, sagte Unterfranz. Er war der Einladung Brandts nicht gefolgt, hatte dies auch seinen Fraktionsmitgliedern empfohlen.

Hannes Meyer, Mitglied des Bürgerbundes, zeigte sich überaus verwundert. Als seine Fraktion einen Informationsabend für die Bürger forderte, hieß es, dass bis Mitte April keine Termine zur Verfügung stünden. Meyer: „Jetzt aber hatte die ECH ja doch einen Termin frei.“ Wohl lediglich die Bürger störten. kw
 


Auf der Tagesordnung standen keine nicht-öffentlichen Tagespunkte. Man hätte also spontan die Bürger hinein lassen können.

Frau Brandt jedoch verteidigt ihr rigoroses Vorgehen, das für viel Verstimmung nicht nur bei den betroffenen Bürgern sorgte.
 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 27. März 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Brandt rechtfertigt Rauswurf

Bad Doberan Bad Doberans Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt (CDU) hat gestern den Ausschluss der Öffentlichkeit von der für Mittwochabend geplanten „Informationsveranstaltung“ zu den „Heiligendammer Beschlussvorlagen“ gerechtfertigt. Gegenüber OZ sagte Brandt, Bürger hätten nicht teilnehmen dürfen, „weil es sich um eine Informationsveranstaltung gehandelt“ habe. Zwar seien „Stadtvertretersitzungen“ laut Kommunalverfassung öffentlich, die „Informationsveranstaltung“ aber nicht. Wie sie erläuterte, sollten die Stadtvertreter Gelegenheit bekommen, sich vor der Abstimmung am Montag über die Pläne zu Heiligendamm zu informieren, „weil nicht alle Abgeordneten an allen Auschusssitzungen teilnehmen können.“ Im Gegensatz dazu hätten die Bürger das Recht, alle Ausschusssitzungen zu besuchen. Die Termine würden per Internet www.bad-doberan.de veröffentlicht.

Brandt hatte Stadtvertreter, sachkundige Einwohner, Bürgermeister und ECH für Mittwoch zu einer „Informationsveranstaltung“ ins Rathaus geladen. Als rund 30 Bürger, darunter Einwohner Heiligendamms, teilnehmen wollten, verwies Brandt die Bürger des Hauses. Weil dies ohne Erfolg blieb, sagte sie die Veranstaltung ab.
 

 

Der Rauswurf verärgerte nicht nur die Bürger, sondern auch einige Stadtvertreter. Durch die Diskussionen kam das eigentliche Thema zu kurz:
 

 

März 2009: Die Stadtvertreter lehnen Tiefgarage und Wohnnutzung ab.
Es kommt zum Eklat.

 

Die Hiobsbotschaft 2009 verkündeten ECH-Geschäftsführer Hans Schlag und Hotelchef Oliver Sembill persönlich:

 

Hans Schlag konstatierte: „So können wir nun leider nicht mit der Sanierung der Perlenkette beginnen.",

fügte hinzu: "Das ist auch schade für die Region, in der sich viele Handwerker und Baufirmen Hoffnung auf neue Aufträge

gemacht haben, die sie gerade in der jetzigen Zeit so gut hätten gebrauchen können“

und fasste zusammen: "Wie es nun weitergeht, ist völlig offen".

 

Auch Hoteldirektor Oliver Sembill zeigte sich enttäuscht:

„Von der Instandsetzung der alten Strandvillen hätten auch wir als Hotel sehr profitiert. Denn dann würde das Gesamtensemble wieder ein stimmiges Bild abgeben, das unsere Gäste heute vermissen. Das Hotel bietet auch jetzt viele Vorzüge. Doch natürlich hätte es uns der wiedererstandene Charme erleichtert, die so wichtige Verbesserung der Auslastung des Hotels zu erreichen“.

 


Hintergrund: Wohnnutzung und Tiefgarage - warum damit alles steht und fällt.


Ich möchte dieses wohl derzeit wichtigste Infokästchen diesmal ganz persönlich einleiten.
Meine Ausführungen erfolgen aus dem Stand vom 01.07.2009. Als es im März 2009 um die Tiefgarage ging, sah ich zwar dessen Notwendigkeit ein, hätte sie aber lieber unter der Professor-Vogel-Straße - also hinter der Perlenkette - gehabt, als davor.

Ich habe mich an der öffentlichen Diskussion beteiligt und sah in den Aussagen Hans Schlags lediglich einen weiteren Versuch, Zeit zu schinden, um auf dem Rücken der Entscheidung der SVV die Perlenkette nicht sanieren zu müssen. Andererseits stellte ich mir die Frage, welches Interesse die ECH daran haben könnte, diese Filetstücke verfallen zu lassen. Mein erster Gedanke war, dass sie vielleicht gar kein Geld mehr hat und deshalb nicht sanieren kann und auf Zeit spielt. Dazu passte ja, dass der Fonds nicht mehr genug Einnahmen erzielt. Was ich einfach nicht wusste - da es in den öffentlichen Diskussionen und der Berichterstattung einfach verschwiegen oder nur vage angedeutet wurde - war, dass die ECH die Sanierung gar nicht über den Fonds, sondern klassisch finanzieren will.

Mir fehlten wie allen anderen auch wichtige Informationen zum Verständnis der Situation. Erst viele Antworten eines geduldigen Horst Gühler und ein dreistündiges Gespräch am 25.06.2009 mit der ECH brachte Klarheit und diese Informationen möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:



Welche Gebäude der Perlenkette werden abgerissen und warum?

Seit 2005 liegen Genehmigungen für den Abriss der Villen "Perle", "Möwe" und "Schwan" vor.
Die Villa "Perle" wurde auf Wunsch der Bundesregierung bereits 2007 vor dem G8-Gipfel abgerissen und die Villen "Möwe" und "Schwan" folgen, sowie die ECH grünes Licht für die Vermarktung der Villen als Wohneigentum und den Bau der Tunnelparkplätze hat. Der Abriss wurde von den zuständigen Behörden genehmigt, wenngleich sich dabei einige  Denkmalschützer übergangen fühlen. Als Begründung für die Herausnahme aus dem Denkmalschutz gibt Schwerin an, dass die betreffenden Villen nicht mehr schützenswert sind, da sie zu stark verfremdet wurden.
Wie Sie auf den folgenden Bildern sehen können, ist das nicht gelogen.

Hätten Sie diese Villa wieder erkannt? Das ist der stolze Schwan.
So sah er vor 1945 aus und so wird er auch in Zukunft wieder aussehen.
Das Bild stammt nämlich aus den Plänen der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm.



So sieht der Schwan heute aus. Dieses Erscheinungsbild hat er im Laufe der 40jährigen
DDR-Zeit erhalten. Nach und nach wurde die Villa den Bedürfnissen des Kurbades der
Werktätigen angepasst. Die Erhaltung von klassizistischen Stilelementen, wie es die
Rundbogenfenster mit ihren vielen Sprossen, der Stuck und der Zierrat sind, konnte

sich die DDR nicht leisten. Der Stuck ist stets das erste, was bröckelt und wenn erst

genug Stuck abgefallen war, hat man den Rest einfach entfernt. Da in der DDR genormte
Massenartikel besser und billiger zu bekommen waren, als individuelle Einzelanfertigungen,

hat man - als genug Fenster marode und kaputt waren - die Rahmen den vorhandenen

Massenartikeln angepasst und dann einfach diese Normfenster eingebaut.
Das sah nicht nur nicht gut aus, sondern nahm dem Haus auch seinen Charakter.
Da man damals schon jede Besenkammer brauchte, um dort ein Bett hinein zu stellen,

wurden die Krüppelwalmdächer mit Dachgauben versehen, um mehr Raum und gerade
Wände zu erhalten. So kam der Schwan zu seinem nüchtern-schmucklosen Gesicht.



Dieselbe Gesichte erzählt Villa Möwe - neben dem Schwan und der bereits fehlenden Perle
Abrisskandidat Nummer drei. Einst war dies ein schmuckvolles Haus im alpenländischen Stil
mit Fachwerk und Türmchen, Schnitzereien, großen Glasflächen und hübschen Balkonen.



 

Die Möwe musste von allen Villen den meisten Zierrat einbüßen.

Dafür durfte sie aber ihre klassizistischen Fenster behalten.

Man muss bedenken, dass die Perlenkette von Ost nach West gebaut wurde.
Die Möwe ist also jünger als der Schwan. Dennoch ist ihr Zustand heute schlecht.



 

Anders verhält es sich bei der Villa "Greif".
Als Nummer zwei von rechts ist der Greif immer im Bilde,

wenn man die Perle fotografiert. Das müssen sich auch die

Denkmalschützer gedacht haben und haben das Aussehen

vielleicht deshalb erhalten. Man muss aber auch sehen, dass

die Anpassungen der Villen nicht gleichzeitig, sondern stets

nach Bedarf erfolgte. Es wurde ausgebessert, wenn es nötig war.

Die Ausbesserungen erfolgten in verschiedenen Epochen und was

bis 1980 noch nicht verändert wurde, das hatte insofern Glück, dass

durch die ICOMOS-Bewerbung Heiligendamms nun sensibel mit den

Gebäuden umgegangen wurde. Was natürlich auch eine Rolle spielt:

Der Greif ist das zweitjüngste Gebäude des historischen Heiligendamms

und damit natürlich leichter zu erhalten.


 

Dieses Haus verlor zwar seinen Zierrat, wurde dafür aber
mit einer Dachgaube bereichert. Hier gab man sich sogar

die Mühe, optisch im Stil des Mittelrisalit zu bleiben und
organisierte sogar Einzelanfertigungen klassizistischer Fenster.

Auch der Stuck wurde erhalten und selbst die Fenster.

Das Haus sieht heute noch fast so aus, wie damals.



 

Da der Dachausbau durchaus Sinn machte, behält die ECH ihn bei. So sieht die Villa "Greif"

zwar als einzige nicht mehr so aus, wie nach ihrer Fertigstellung aber dennoch so, wie jeder

sie in Erinnerung hat. Die hohen alten Schornsteine werden bei allen Villen wieder so wie

damals aufgesetzt, werden aber heute einen anderen Zweck erfüllen, als damals.



 

Der Zustand der drei Abrisskandidaten ist sehr schlecht, sodass eine Sanierung vielleicht nicht unmöglich ist aber zu aufwändig.

Es würde daraus hinauslaufen, alles zu entkernen und auszuschaben und schon aus brandschutztechnischen Gründen die Wände großflächig auszutauschen. Im Endeffekt bleibt nichts altes mehr übrig. Ein großer Teil der alten Substanz wurde schon zu DDR-Zeiten verformt oder entfernt.

Der Rest hat in den letzten Jahren sehr gelitten. Wer schon einmal ein altes Fachwerkhaus saniert hat weiß, dass ein Abriss einfacher und billiger gekommen wäre. Hier einige Innenansichten der Villen.
 


Ich versuche, ein paar Innenansichten zu bekommen.
 



Hätte man die Villen nicht retten können, indem man sie einfach eher saniert hätte?
Warum hat man die Perlen nicht schon längst saniert?


Das wäre sicherlich möglich gewesen, wenn man mit der Sanierung gleich hätte beginnen können.

Aber der Vertrag zwischen Stadt und ECH schreibt vor, dass zuerst die Hauptgebäude (Grand Hotel, Mecklenburg, Kurhaus und Burg) saniert werden sollen und dann erst die restlichen Gebäude. Auch sämtliche Neubauten darf die ECH erst nach oder mit Fertigstellung der Perlenkette errichten.

Die Sanierung der Hauptgebäude konnte 2003 abgeschlossen werden, sodass schon rein rechtlich gar nicht vor 2004 mit der Sanierung der Perlen angefangen werden durfte. Alles gleichzeitig zu sanieren, wäre finanziell nicht möglich gewesen und das wussten alle Beteiligten schon vor dem Vertragsabschluss. Darum wurde diese Reihenfolge ja auch festgelegt. Die Stadt wollte so verhindern, dass der Investor alle Villen saniert und dann kein Geld mehr für die Hauptgebäude hat.

Die ECH hat gleich nach der Fertigstellung der Hauptgebäude alles in die Wege geleitet, um mit der Perlenkette beginnen zu können.
Erst 2005 wurde die Genehmigung für den Abriss dreier Villen erteilt und erst 2006 wurde die Sanierung von der Stadt abgesegnet.

Die ECH konnte nun mit der Finanzierung beginnen.
Da sich aber die Gesetzeslage für Fonds im Jahre 2005 geändert hat und dadurch die steuerlichen und erbrechtlichen Vergünstigungen für geschlossene Immobilienfonds wegfielen, konnte FUNDUS nicht mehr genug Anleger vom Fonds überzeugen und bekam somit nicht mehr genug Geld für die Sanierung zusammen. Eine Finanzierung allein über Kredite war auch nicht möglich, da Banken kaum noch Immobilien kreditieren.

Das bedeutet, dass die ECH nicht wie geplant die Villen erst sanieren und dann als Suiten vermieten konnte.
Also musste klassisch finanziert werden. Die klassische Finanzierung läuft grob beschrieben so ab, dass ein detaillierter Plan eines Hauses erstellt wird, der sofort umsetzbar ist und von den Ämtern genehmigt werden muss. Liegt die Genehmigung vor, beginnt der Projektentwickler, die einzelnen Wohnungen zu vermarkten. Das bedeutet, dass er Verträge mit Leuten abschließt, die ihm den Kaufpreis für eine Wohnung bezahlen, die noch gar nicht existiert. Das ist gar nicht so problematisch, wie es klingt. Im Gegenteil: So werden fast alle Apartmenthäuser und Wohnanlagen finanziert. Mit plastischen Modellen, die abnehmbare Geschosse haben und mit Präsentationen am Computer kann sich der Käufer ein genaues Bild von seiner zukünftigen Wohnstätte machen. Er kann sogar eigene Wünsche äußern, wie zusätzliche Wände oder Durchgänge.

Das macht den Kauf einer Wohnung in der Perlenkette z.B. attraktiver, als den Kauf einer schon bestehenden Wohnung irgendwo in Deutschland.
 


Warum soll in den Villen der Perlenkette Wohnnutzung erlaubt werden und was genau bedeutet das?

In Heiligendamm gibt es nun die Besonderheit, dass die Perlenkette zum Sondergebiet Hotel gehört und daher in den Villen nur Hotelzimmer, Suiten oder sonstige Hotelangebote entstehen können. Die ECH darf nicht einfach Wohnungen daraus machen und diese dann verkaufen oder vermieten. Das heißt: Sie darf es schon aber die Käufer dürfen ihre Wohnungen dann nicht ganzjährig bewohnen, da dies dem Hotelkonzept widerspricht.

Die ECH könnte die Wohnungen auch als Hotelzimmer vermieten aber diese müssten dann mehr kosten, als die teuerste Suite und Heiligendamm ist noch nicht der Ort, wo man sich für 73.000 Euro Miete im Jahr dauerhaft niederlässt. Das Kempinski Hotel "Atlantic" hat seinen Udo Lindenberg, der für ungefähr diesen Betrag dort wohnt aber das Atlantic liegt mitten in Hamburg und ist für Udo optimal. Und auch das Atlantic hat nur Udo als Dauergast. Heiligendamm müsste dann ganze 35 solcher Stammgäste finden, damit sich die Sanierung bezahlt macht.

Darum kann man die Perlen nicht vermieten, sondern muss sie verkaufen. Und zwar mit so vielen Wohnungen wie es nur geht. Alle Perlen werden darum 6 Wohnungen beherbergen. Außer Villa "Anker", wo man nur 5 Wohnungen unterbringen kann, weil sonst eine keinen Balkon hätte.
Um aber die Wohnungen verkaufen zu können, muss die ECH den Käufern auch garantieren können, dass sie dort wohnen können, wann und wie lange sie wollen. Dazu muss die Wohnnutzung genehmigt werden und genau das ist bisher nicht geschehen. Darum kriegt die ECH keine einzige Wohnung verkauft und darum bekommt sie kein Geld und darum kann sie nicht sanieren. Eigentlich ganz einfach.

Übrigens: Für die westlichen Cottages (Krone, Marie und Alexandrine) gibt es die Erlaubnis der Wohnnutzung.
So konnte die ECH dann für die Krone auch erfolgreich einen Käufer finden, der das Haus sogar selbst saniert.
Die zukünftige Nutzung der Alexandrine als Wohnhaus der Familie Jagdfeld ist ein offenes Geheimnis.


Warum kann die ECH nicht erst bauen und dann vermarkten?

Lassen wir die ECH selbst sprechen. In der 3. Ausgabe der hauseigenen Zeitung "Zukunft Heiligendamm" klärt Geschäftsführer Zimmermann auf:
 


Info: Geänderte Gesetzeslage

 

Bis zum Herbst 2005
war es möglich, große Immobilienprojekte

über geschlossene Fonds zu

finanzieren. Doch seit einer Gesetzesänderung

ist dieser Finanzierungsweg

für Immobilienfirmen

weitgehend verschlossen. Grund:

Weil die Bundesregierung die

Steuervorteile bei geschlossenen

Immobilienfonds gestrichen hat,

investieren weniger Anleger in diese

Anlageform.


Früher konnten Investoren

eventuelle Anfangsverluste

einer Beteiligung steuerlich

geltend machen. Dies führte dazu,

dass Anleger eher dazu bereit waren,

mögliche Risiken bei der finanziellen

Beteiligung an einem

Immobilienprojekt einzugehen. Seit

dem Wegfall des Steuerprivilegs

müssen Immobiliengesellschaften

andere Finanzierungswege für

ihre Projekte suchen – oder ganz

klassisch den größten Teil der geplanten

Objekte nach der Bestimmungen

des Bauträgergeschäfts

vor Baubeginn vermarkten. Dann

regelt die gesetzlich vorgegebene

Makler- und Bauträgerverordnung

(MaBV) die weitere Finanzierung.
 


Schritt für Schritt zum Ziel
Von Heiner Zimmermann


Wer sich schon sein Eigenheim gebaut hat weiß: Ohne eine solide Finanzierung geht dies nicht.
Um die Perlenkette in der Weißen Stadt neu aufzubauen, braucht die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) ebenfalls viel Geld. Anders als etwa beim Wiederaufbau des Grand Hotels stammen die Mittel aber nicht aus einem Fonds, sondern kommen direkt von den Käufern der Strandvillen-Appartements – ganz so, wie es auch beim privaten Hausbau üblich ist. Warum Fonds-Finanzierungen nicht mehr möglich sind, lesen Sie im Infokasten.


Über den Wiederaufbau der Perlenkette sind viele falsche Gerüchte im Umlauf – besonders die Finanzierung des Großprojektes ist umstritten. Dabei ist sie denkbar einfach und zudem branchenüblich.
Der Neuaufbau der Perlenkette, um den sich die ECH kümmert, ist entgegen manchem Vorurteil keine undurchsichtige Angelegenheit.
Im Gegenteil: Die ECH arbeitet so wie alle vergleichbaren Bauträger.

Erster Schritt vor Erwerb eines Grundstückes, ob bebaut oder unbebaut, ist die Klärung seines Wertes.
Dabei spielen Lage, Baurecht, die Möglichkeiten der Nutzung, der Markt sowie die Aussichten, das Haus tatsächlich verkaufen zu können, eine wichtige Rolle. Ist das Ergebnis positiv, geht es an die Kalkulation:
Wie viel eigenes Geld ist erforderlich, wie viel muss an Krediten aufgenommen werden.
 

Klarer Ablauf
 

Jetzt wird es etwas komplizierter. Denn in der Regel gibt es eine Zwischenfinanzierung.
Hier stellt etwa eine Bank in der Phase des Eigenheim-Baus das nötige Geld zur Verfügung.
Der Bauherr muss daher nur nach dem konkreten Baufortschritt Geld überweisen. Er hat damit auch die Sicherheit, dass er nur das bezahlt, was tatsächlich gerade verbaut wird. Gesetze regeln dieses Verfahren sehr detailliert – zum Schutz des Häuslebauers. Die bauende Firma muss ihrerseits gegenüber der Bank genau darlegen, wie die einzelnen Bauabschnitte finanziert werden.

Das heißt andersherum: Der Bauträger kann nicht erst nach Fertigstellung eines Hauses nach Käufern suchen.
Denn der Markt kann sich plötzlich ändern, womit das Haus auf einmal nicht oder nur unter hohen Verlusten verkäuflich wäre. Weil es stets um viel Geld geht, wäre so die Existenz des Bauträgers gefährdet.

Auch völlig solide Firmen können daher nicht mit eigenem Geld und mit Krediten in Vorleistung gehen.
Das war in wirtschaftlich guten Jahren nicht der Fall. Und das ist in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und auch danach erst recht unmöglich.


Ein Bauträger kann nicht erst nach Fertigstellung eines Hauses nach Käufern suchen.
 

Steht die Finanzierung, wird das Haus im dritten Schritt erworben. Das Baurecht bestimmt die konkrete Planung. So schreibt die Gemeinde etwa vor, wie viele Geschosse ein Haus haben bzw. wie hoch es maximal werden darf. Jetzt gibt es erstmals konkrete Skizzen und Pläne, die dem Bauherrn im Detail aufzeigen, wie sein Haus aussehen soll. Danach wird der Bauantrag gestellt und die Baugenehmigung von der Stadt eingeholt. Im vierten Schritt wird festgelegt, welche Handwerker aus den unterschiedlichen Gewerken benötigt werden. Sie machen Angebote, dann werden die Zuschläge erteilt.

Lange Zeitschiene


Im Unterschied zum privaten Häuslebauer geht es bei Großprojekten wie dem Wiederaufbau der Perlenkette jetzt  auch für den Vertrieb in die heiße Phase.
Er bereitet die Unterlagen vor und leitet den Verkauf in die Wege. Üblich ist, dass es mit dem Bau losgeht, wenn rund die Hälfte der gesamten Baumaßnahme verkauft ist. Der Rest wird während oder nach Fertigstellung verkauft. Zwischen erster Idee und Baubeginn liegt wenigstens ein Jahr, bis zur Fertigstellung

können drei bis vier vergehen. Diese lange Zeitschiene verdeutlicht, wie wichtig es ist, die richtige konzeptionelle, finanzielle und vertriebliche Strategie zu entwickeln. Die ECH tut genau das. Dass sie es kann, hat sie bereits beim Bau des Grand Hotels bewiesen.
 

 


Wozu braucht die Perlenkette eine Tiefgarage?

Die Perlen aus dem Sondergebiet Hotel zu nehmen, ist die eine Sache. Damit dürften die Käufer der Wohnungen dann dauerhaft in ihren Wohnungen wohnen. Das nächste Problem trat bei der Planung der Villen auf. Das Gesetz schreibt vor, dass zu jeder neu gebauten Wohnung auch mindestens ein Stellplatz gehört. Da die Perlen aber bis auf Schwan allesamt nie Parkflächen hatten, hätte man die ganzen Fahrzeuge - mindestens 35 - irgendwie in der Professor-Vogel-Straße unterbringen müssen, um sie am Haus zu haben.

Das aber erlaubt die Stadt Bad Doberan nicht und dafür gibt es gute Gründe. Weil im Osten alle Parkplätze öffentlich sind und bleiben, konnte man die Autos nur im Westen Heiligendamms unterbringen. Das geplante Demmler-Palais gegenüber des Hotels beansprucht schon die ganze eigene Tiefgarage für sich. Außerdem ist das zu weit weg. Eine von einem Planungsbüro vorgeschlagene Parkpalette im Kurwald hinter der Perlenkette wurde von Stadt und ECH gleichermaßen gleich wieder verworfen.

So blieb nur noch der Parkplatz hinter dem Fürstenhof. Das bedeutet, dass man als Bewohner einer Perle erst einmal ein paar hundert Meter laufen muss, um zum Auto zu gelangen. Unter diesen Umständen würden selbst billigste Wohnungen nicht verkauft werden können - selbst Mieter würden sich dafür kaum finden. In der Großstadt sieht man darüber hinweg aber in Heiligendamm braucht man ein Auto und daher auch einen ortsnahen Stellplatz.

Lange Rede kurzer Sinn: Kein Mensch will eine Wohnung kaufen, solange die Stellplätze nicht direkt am Haus sind.
Die ECH bleibt also auf ihren Wohnungen sitzen. Keine Käufer, kein Geld, keine Sanierung.

Also hat die ECH sich alle Mühe gegeben, um ein Konzept auszuarbeiten, das einerseits den Wünschen der Käufer gerecht wird, die Autos direkt am Haus zu haben und andererseits den Forderungen der Stadt, keine weiteren Stellplätze an der Oberfläche zu schaffen. Das Ergebnis ist eigentlich völlig klar und logisch: Eine Tiefgarage. 
 


Wie wird die Tiefgarage aussehen?

Auf dem folgenden Bild ist die Tiefgarage - die sich eigentlich "Tunnelparkplatz" nennt - in ein Satellitenbild eingezeichnet.
Sie wird vom Westbalkon der Perle bis zum Ostturm des Thalassozentrums reichen, dabei aber die Gebäude aussparen und in der Breite variieren.
Im Grunde sind es sogar zwei Tiefgaragen, die da geplant sind. Die Zufahrt erfolgt im Osten von der Seedeichstraße aus und von dort gelangt man in die erste Tiefgaragenfläche unter dem Thalasso-Zentrum. Über einen geschwungenen Tunnel geht es dann in die zweite Tiefgaragenfläche vor der Perlenkette. Während die erste Tiefgaragenfläche öffentlich und für jedermann nutzbar ist, bleibt die zweite den Bewohnern vorbehalten.

Aber der Tunnelparkplatz wird kein reines Parkhaus sein. Er wird auch Serviceeinrichtungen und Lagerräume der Perlenkette und des Hotels beherbergen und somit die fehlenden Keller einiger Perlen ersetzen. Auch die Leitungen und Kabelschächte verlaufen hier drinnen entlang und sogar die Hotellogistik zwischen Ensemble und Thalassozentrum wird durch diesen Tunnelparkplatz unter der Erde verschwinden, sodass die im Hotel-Gelände gebräuchlichen Elektromobile hier gar nicht oberirdisch zum Einsatz kommen.



Es gab Befürchtungen, dass die Häuser unterhöhlt werden und dann auf der Tiefgarage stehen sollen.
Das ist aber weder vorgesehen, noch nötig.
Der Zugang zu den Stellplätzen wird über die bestehenden Treppenhäuser realisiert.
Bis auf die Perle werden alle Häuser unterkellert sein.
Einige von ihnen sind es ja bereits und genau dort.
Wo man heute in die Keller kommt, gelangt man dann in Zukunft auch in die Tiefgarage.
Auf dem folgenden Plan ist das sehr gut zu erkennen.
Die farbigen Formen sind die Villen und die weißen Einbuchtungen sind die Treppenhäuser.



Hier noch einmal im Großformat: Perle, Greif und Möwe.
Greif und Möwe bekommen noch vorgelagerte Wirtschaftsräume.



Die Zufahrt erfolgt über das Thalasso-Zentrum.
Nach links geht es in das öffentliche Parkhaus und geradeaus in das private.



Es muss wohl erwähnt werden, dass das öffentliche Parkhaus unter dem Thalasso-Zentrum nicht von einem Besuch im Thalasso-Zentrum abhängig sein wird. Es ist einfach eine öffentliche Tiefgarage, wie sie jede größere Stadt mehrere hat.
Die ECH ist nicht dazu verpflichtet, öffentliche Parkplätze zu schaffen. Sie tut es hier, weil sie mit dem Thalasso-Zentrum auch durch Nicht-Hotelgäste Geld verdienen kann und diesen Gästen Parkplätze zur Verfügung stellen muss. Dennoch bindet sie das Parken nicht an die Nutzung des Thalasso-Zentrums.
Das garantiert eine gute Auslastung und damit verdient die ECH dann auch an den Nicht-Hotelgästen und den Nicht-Thalasso-Besuchern.

Das Argument, dass die Thalasso-Tiefgarage ein Ausgleich für den durch den Bau des Thalasso-Zentrums wegfallenden Parkplatz ist, stimmt so nicht. Die Fläche ist bereits im Besitz der ECH und dass es dort überhaupt einen öffentlichen Parkplatz gibt, beruht auf Gegenseitigkeit. Der adäquate Ersatz für den bestehenden Sandparkplatz existiert bereits im Großen Wohld am ehemaligen Jagdhaus. Die ECH darf also jederzeit die Stadt bitten, den Parkplatz in der Professor-Vogel-Straße aufzulösen. Sie darf auch jederzeit die Perlenkette komplett einzäunen und den Zugang zur Professor-Vogel-Straße verbieten. Solange ihr dazu aber kein Grund gegeben wird, verzichtet sie darauf. Dennoch wird es in Zukunft keine öffentliche Professor-Vogel-Straße mehr geben können, denn wenn der Besucherstrom schon vor den Wohnungen entlang fließt, kann er nicht auch noch dahinter entlang verlaufen. Allerdings räumt Herr Schlag auch ein, über das Ob und Wie einer Barriere zwischen dem öffentlichen und dem privaten Teil Heiligendamms erst nachzudenken, wenn die Bauten fertig sind und die neue Situation ausreichend analysiert ist.
 


Wozu muss die Promenade angehoben werden?

Die Promenade als Ganzes muss überhaupt nicht angehoben werden. Es gibt derzeit eine Senke zwischen dem Haus Bischofsstab und dem Seebrückenplatz. Die höchsten Stellen der Promenade befinden sich an ihrem westlichen Ende vor dem Haus "Mecklenburg" und im Osten vor dem Haus "Bischofsstab. Das ist auch der Grund dafür, dass die Mauer, die schon am Ortseingang Heiligendamms beginnt und an der Seeseite der Promenade entlang verläuft, mit jedem Meter Richtung Westen ein Stück kleiner zu werden scheint und dann schließlich im Sand endet.
Bei starkem Regen oder Hochwasser bildet sich bis zum Abfließen eine Pfütze auf der Promenade.

Dieser Bereich soll auf das Niveau der restlichen Promenade angehoben werden.

Einmal, damit man in der Tiefgarage eine gerade Decke einziehen kann und zum anderen, weil es küstenschutztechnisch einfach mehr Sinn macht, eine durchgehend gleich hohe Mauer gegen Wind und Wasser zur Verfügung zu haben.
Da die Mauer mit der Promenade wieder einen halben Meter nach oben kommt, wird sie vor der Villa "Möwe" in Zukunft genau so hoch sein, wie vor dem Haus "Mecklenburg und dem Haus "Bischofsstab".

Die Promenade war in ihrer jetzigen Form ohnehin noch nicht das Endprodukt und das dürfte jedem klar sein, der sie schon einmal beschritten hat:
Im Osten finden wir eine mit Asphalt und später Steinen befestigte Promenade vor und der Seebrückenplatz und auch das eingezogene Stück der Promenade vor dem Haus "Mecklenburg" ist mit Steinplatten befestigt. Zwischen Bischofsstab und Seebrücke jedoch wurde die Promenade nicht gepflastert, sondern mit verdichtetem Split befestigt. Genau dieses Stück soll jetzt angehoben werden. Geplant war das also schon vor Jahren bei der Fertigstellung der Promenade. Nun jedoch trägt die ECH die Kosten dafür. Damals hätten Stadt und StAUN es selbst bezahlen müssen.


Besteht durch den Tiefbau Gefahr für die Häuser, wie in Köln?

Die Gefahr eines Einsturzes ist heutzutage sehr gering. Während in Köln unter Straßen und Häusern hindurch gebohrt und ausgeschachtet wurde, entsteht der Tunnelparkplatz vor den Villen und nicht darunter. Es wird jeweils von den Kellern der Villen aus Gänge geben, die in die Tiefgarage führen. Das ist allein schon aus brandschutztechnischen Gründen unabdingbar. Dadurch, dass unter keiner bestehenden Mauer gegraben wird, kann auch keine bestehende Mauer einstürzen. Alle Villen, die neue Kellerräume bekommen - das sind genau die, die abgerissen werden - werden ja ohnehin neu errichtet, sodass sie aus der Tiefgarage heraus entstehen und dieselben Fundamente haben, wie die Tiefgarage selbst.

Übrigens: Es gibt drei Bäume, die der ECH im Weg stehen und für die bisher Bestandsschutz galt. Auch das war ein Streitpunkt.

Allerdings sollte erwähnt werden, dass außer den drei Bäumen sowieso alle  Hecken und Bäume verschwinden müssen, da sie einfach im Weg stehen. Das ganze Areal wird von Landschaftsgärtnern neu gestaltet. Es wird neue Hecken, Rasenflächen, Büsche, Blumenrabatte und Bäume geben und zwar mehr, als es jetzt der Fall ist. Zudem musste die ECH sich bereits bei der Vertragsunterzeichnung zu Ausgleichsanpflanzungen für  wegfallende Bäume verpflichten und ist der Verpflichtung längst nachgekommen.  
 

Planzeichnungen der Häuser mit freundlicher Genehmigung der ECH. (C) AMJ Design Berlin, Rebecca Panke, Archiv Rochow (2).
Planzeichnungen der Tiefgarage mit freundlicher Genehmigung der ECH (C) INROS Lackner und EntwicklungsCompagnie Heiligendamm.
Alle Erklärungen und Beschreibungen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen, Stand Juli 2009. Änderungen und Irrtümer vorbehalten.

 

Soweit zu den Erklärungen.
Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der Stadtvertreter für Dauerwohnrecht und Tiefgarage mit allen Konsequenzen.
Doch es kommt alles ganz anders:

Streit in Bad Doberan. Stillstand in Heiligendamm.
 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 31. März 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Heiligendamm-Beschlüsse gekippt

Bad Doberans Stadtvertreter kippten gestern Abend die Änderungsanträge für die Bebauung in Heiligendamm.
Tiefgarage, Sturmflutmauer und Wohnnutzung sind nun vorerst vom Tisch.


Bad Doberan Nach teilweise heftig geführter Diskussion und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit haben die neuerlichen Änderungsanträge zur Bebauung in Heiligendamm keine Mehrheit gefunden. Die Änderungsanträge zum Bebauungsplan Nummer 25 (Zulassung der Wohnnutzung in Haus Krone und Marien-Cottage) und Nummer 30 (unter anderem Bau einer Tiefgarage, Anhebung der Promenade und Bau einer feste Sturmflutmauer) sind damit in ihrer jetzigen Form abgelehnt. Für- und Gegenstimmen bzw. Enthaltungen zu beiden Anträgen hielten sich in der namentlichen Abstimmung die Waage. Damit fehlte den Anträgen die nötige Majorität. Kontrovers ging es gleich zu Beginn der Sitzung zu. Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt trug eine Stellungnahme zu den Ereignissen im Rathaus vom 25. März vor. Brandt hatte Abgeordnete, sachkundige Bürger, Bürgermeister und ECH zu einer „Informationsveranstaltung“ zu den Heiligendammer Beschlüssen eingeladen und löste die Versammlung auf, als Einwohner daran teilnehmen wollten. Brandt erklärte gestern, die Veranstaltung sollte Stadtvertretern die Möglichkeit geben, letzte Fragen zu den Beschlüssen zu klären. Die Bürger könnten sich in den Ausschusssitzungen informieren. Der Abgeordnete Dieter Abeling stellte fest, dass dies die persönliche Meinung der Stadtvertretervorsteherin sei, nicht die der Stadtvertretung. Klaus-Peter Behrens vom Bürgerbund betonte, ihn hätten Bürger nicht gestört, und Horst Gühler sagte, dass eine solche Veranstaltung für Abgeordnete überflüssig gewesen wäre, es habe nichts mehr zu diskutieren gegeben. In der Bürgerfragestunde musste Bürgermeister Polzin zu seiner Information an das Bundesverkehrsministerium über eine angebliche Zustimmung zur Ortsumgehung Stellung nehmen (OZ berichtete). Polzin verteidigte sein Vorgehen. Stadtvertreter Frank Pieplow widersprach, es es sei um Kurortstatus und Verkehrsberuhigung gegangen, zudem hätten im Vorfeld die Stadtvertreter ihr Nein zur Ortsumgehung bekräftigt.

Info: Ausführlich zur Stadtvertreterversammlung in der morgigen Ausgabe.
 


 

Jubel in den Medien. Der Bürgermeister in Bedrängnis.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 01. April 2009  |  

Sieg für Bürger Heiligendamms

„Woher soll das Geld diesmal wieder nicht kommen“, fragte Klaus-Peter Behrens (Bürgerbund) und hatte die bitteren Lacher auf seiner Seite.
Montag stritten die Stadtvertreter um die Zukunft Heiligendamms.


Bad Doberan Vorletzte Stadtvertretersitzung vor der Kommunalwahl am Montagabend im Bad Doberaner Rathaus: Zahlreiche Bürger waren gekommen, und etliche machten ihrem Unmut Luft. Familie Friedemann aus Heiligendamm brachte es auf den Punkt: „Nach fünf Jahren ihrer Tätigkeit fühlen wir uns von ihnen nicht vertreten.“ Die Sitzung am Montag zeigte jedoch ganz klar, dass keineswegs alle Stadtvertreter auf einer Linie liegen: Weil die neuerlichen Änderungsanträge zu den Bebauungsplänen Nummer 25 und 30 keine Mehrheit fanden, sind u.a. der Bau einer Tiefgarage, einer festen Sturmflutmauer und das dauerhafte Wohnen im Marien-Cottage und Haus Krone vorerst vom Tisch (OZ berichtete gestern). Der Abgeordnete des Bürgerbundes, Klaus-Peter Behrens, machte zum Beispiel darauf aufmerksam, dass 40 Heiligendammer vor Jahren aus ihren Wohnungen in den Villen gekündigt wurden, weil es damals hieß, dass das dauerhafte Wohnen in einem Hotelkomplex nicht mehr möglich sei. „Wie wollen sie diesen Bürgern erklären, dass wir das Wohnen jetzt wieder zulassen“, fragte Behrens. Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) hatte gleich die Antwort parat. In den Verträgen mit den neuen Eigentümern der Wohnungen solle festgehalten werden, dass sie wesentliche Dienstleistungen vom Hotel kaufen müssten, erläuterte Polzin. Die Beschlussvorlage zur Wohnnutzung der Villen – der Eigentümer ECH möchte Eigentumswohnungen darin errichten und einzeln verkaufen – hatte es aber noch an ganz anderer, scheinbar nebensächlicher Stelle in sich: Die Planzeichnungen zu diesen Beschluss zeigen das benachbarte Alexandrinen-Cottage, Privateigentum von Anno August Jagdfeld, auf einer baumlosen, privaten Grünfläche – nicht mehr umgeben vom Küstenschutzwald. Dies erwecke den Anschein, dass der Wald abgeholzt werden solle, waren sich mehre Abgeordnete und Bürger, die in der Bürgerfragestunden dazu nachfragten, einig.

Statt selbst Antwort zu geben, ließ Bürgermeister Polzin den Architekten und ECH-Planer Dr. Frank Mohr für sich sprechen. Mohr bezeichnete die Abholzung des Waldes als „vorsätzliche Falschaussage“, und betonte, die Umwidmung des Waldes in eine Grünfläche sei bereits von den Stadtvertretern zu einem früheren Zeitpunkt beschlossen worden. Mohr versuchte zu verdeutlichen, dass die Karte bereits auf geltenden Beschlüssen beruhe und lediglich die Umnutzung der Villen „neu“ sei. Bürgerbund-Fraktionschefin Inge Meyer hielt entgegen, dass die Kartendarstellung durchaus „Interpretations-Spielräume“ zulasse, auch für den Eigentümer der Fläche. Meyer: „Außerdem: Eine Grünfläche ist kein Wald.“ Stadtvertreter Harry Klink (FDP) stellte klar, dass die Stadtvertreter 2007 auch beschlossen hätten, dass kein Baum im Wald abgeholzt werden dürfe, und ein zehn Meter breiter Baumbestand am Steilufer erhalten bleiben müsse. Klink machte so auf einen andere Umstand aufmerksam: „Tatsächlich geht es hier erneut um die Aussperrung der Öffentlichkeit“, stellte der Stadtvertreter fest. „Ein Wald, ganz gleich in wessen Besitz, darf laut Waldgesetz in Mecklenburg-Vorpommern von jedermann betreten werden. Eine private Grünfläche nicht.“ Klink kündigte an, seine Partei werde die Rechtmäßigkeit der Umwidmung des Waldes vor dem Alexandrinen-Cottage überprüfen lassen, und den Beschluss gegebenenfalls in der neu zu wählenden Stadtvertreterversammlung korrigieren. Klink stellte im Anschluss an den Bericht des Bürgermeisters eine kleine Anfrage zu den Nebentätigkeiten des Bürgermeisters. Der Stadtvertreter will öffentlich machen, in welchen Aufsichtsgremien Bürgermeister Polzin sitzt, was er in diesen Gremien verdient, was er davon an die Stadt abführt, und ob für die Nebentätigkeiten Genehmigungen vorliegen. Die Anfrage übergab Klink an die Stadtvertretervorsteherin.

Ebenso kontrovers diskutiert wurde die sehr komplexe Beschlussvorlage („Änderung des B-Plans Nr. 25“) zum Bau von Tiefgarage, Sturmflutmauer, Thalasso-Zentrum und anderem. Die Abgeordneten des Bürgerbundes und einzelne Vertreter aus anderen Fraktionen zweifelten die Sinnhaftigkeit des Baus einer Tiefgarage vor den Villen der „Perlenkette“ an. Sie forderten, dass im Falle ihres Baus die Wiederherstellung der Promenade und der Sturmflutmauer auch gesichert sein müssten, wenn der Investor während der Bauphase pleite gehe – und zwar kostenneutral für die Stadt. Angesichts vieler anderer bislang nicht verwirklichter Pläne fragte Klaus-Peter Behrens vom Bürgerbund: „Woher soll das Geld diesmal wieder nicht kommen?“
Keiner der beiden Beschlüsse erhielt in der namentlichen Abstimmung die erforderliche Mehrheit.


KLAUS WALTER

 


Anmerkung: Zum "abgeholzten" Wald haben Sie weiter oben bereits die Erklärung gelesen.
Auch warum es nicht weiter geht, wissen Sie bereits. Die "vielen anderen nicht verwirklichten Pläne" haben sich die Stadtvertreter - und zwar alle, die mit "nein" gestimmt haben - selbst zuzuschreiben. Die ECH dafür verantwortlich zu machen, darf als Stimmungsmache oder auch Wahlkampftaktik angesehen werden. Die ECH muss darauf reagieren:

 

 

Die ECH fühlt sich missverstanden.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 02. April 2009  |  

ECH: „Stadtvertreter blockieren Sanierung“

Nach ihrer Absage an die neuerlichen Pläne für Heiligendamm weist die ECH den Stadtvertretern die Schuld am weiteren Verfall der Perlenkette zu.

Bad Doberan Als „vertane Chance für Heiligendamm“ bezeichnete Hans Schlag, Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), die Entscheidung der Bad Doberaner Stadtvertreter vom Montag gegen Bau einer Tiefgarage und die Umnutzung von Hotelbauten zum dauerhaften Wohnen. „So können wir nun leider nicht mit der Sanierung der Perlenkette beginnen“, bedauert ECH-Geschäftsführer Schlag. Das sei schade für die Region, in der sich viele Handwerker und Baufirmen Hoffnung auf Aufträge gemacht hätten. Schlag: „Wie es nun weitergeht, ist völlig offen.“ Für Friedrich Keding von der Fraktion Die Linke war diese Reaktion vorhersehbar. „Die suchen doch nur nach einen Vorwand. Angeblich hängt nun alles von der Tiefgarage ab... Das glaubt doch niemand mehr“, sagt Keding. „Es war der größte Fehler von Bund und Land, ganz Heiligendamm an einen Einzelinvestor zu verkaufen.
Warnemünde und Kühlungsborn wachsen, Heiligendamm verfällt.“
Ähnlich sieht es Hannes Meyer vom Bürgerbund. „In den letzten sechs Jahren hat nur Stillstand oder Abbruch in Heiligendamm stattgefunden – obwohl es einen regelrechten ,B-Plan-Überschuss’ gibt“, sagt Meyer. Bislang hätten die Stadtvertreter allen Plänen der ECH zugestimmt. Es sei „ziemlich witzlos“, wenn Schlag jetzt so tue, als hätte die ECH morgen mit der Sanierung der Villen begonnen. Das glaubten weder Bürger noch Firmen aus der Region, der Vertrauensvorschuss sei aufgebraucht. Es sei allgemein bekannt, dass die ECH oder Fundus nirgendwo mehr Kredit bekomme, und auch, dass die Investoren des Hotels ungehalten seien wegen der gebrochenen Rendite-Versprechen. Meyer: „Seebad und Hotel können nur funktionieren, wenn es Leben und Abwechslung gibt. Beides hat die ECH verhindert.“ Horst Gühler, Fraktion Christlich Demokratische Gemeinschaft (CDG), zeigt für die Verärgerung der ECH Verständnis. „Wir haben die ECH vor Jahren gewarnt, Pläne ohne Stellplätze zu machen. An eine Tiefgarage haben wir natürlich nicht gedacht“, sagt Gühler. „Das aber als alleinigen Grund für das Scheitern anzugeben, ist höchst fraglich.“ Birgit Mersjann, SPD-Fraktionschefin, bedauert die Entscheidung der Stadtvertreter. „Lieber hätte ich die ECH mit einem Ja endlich in Zugzwang gesetzt. Dass sie uns nun den Schwarzen Peter zuschieben kann, hätten wir so verhindert.“ Nach wie vor aber gebe es einen gültigen B-Plan, die ECH könnte handeln. Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt (CDU) sieht das anders: „Wir haben der ECH Handschellen angelegt. Ohne unsere Zustimmung kann sie kein Wohneigentum verkaufen, also auch kein Geld einnehmen für die Sanierung der Villen.“ Der FDP-Stadtvertreter Harry Klink hält dagegen, dass der ECH das Baurecht für die Villen seit 1997 vorliegt. „Jetzt spielt die ECH – das ist der Immobilienhändler Jagdfeld – die Unternehmen der Region, Hotel, Anleger und Kommunalpolitiker für private Gewinnziele gegeneinander aus und schürt bewusst Arbeitsplatzängste.“ Klink glaubt, dass Hotel, Klinik und Pensionen eine gemeinsame Zukunft in Heiligendamm haben. Er hofft, dass diesbezügliche Absprachen endlich eingehalten werden.

Dass der Wiederaufbau der Perlenkette „vollkommen offen“ ist, wie ECH-Chef Schlag behauptet, scheint offenbar richtig zu sein. Die zum G8-Gipfel abgerissene Villa „Perle“ sollte damaligen Versprechen zufolge zum jetzigen Zeitpunkt wieder aufgebaut sein. Statt dessen ist nicht nur Gras über den Standort gewachsen. Nach OZ-Informationen liegen der ECH zwischenzeitlich auch Abrissgenehmigungen für die Villen „Möwe“ und „Schwan“ vor.

KLAUS WALTER
 

 

Das übliche Spiel: "Unsinn entlarven".

Nummer eins:
Für Friedrich Keding von der Fraktion Die Linke war diese Reaktion vorhersehbar.
„Die suchen doch nur nach einen Vorwand. Angeblich hängt nun alles von der Tiefgarage ab...
Das glaubt doch niemand mehr“, sagt Keding.


Natürlich glaubt das der ECH niemand mehr. Wenn jeder Bürger immer wieder in den Zeitungen liest und in den öffentlichen Sitzungen hört, dass die ECH ganz allein Schuld daran ist, dass es nicht weiter geht und die ECH sich nicht ausreichend dagegen positioniert bzw. ihre Positionierungen ungehört bleiben, dann muss der Bürger ja glauben, was in den Zeitungen steht und was die Stadtvertreter sagen. Er kann nur die Informationen verarbeiten, die er bekommt und da er falsche Informationen bekommt, sind auch die Schlussfolgerungen zwingend falsch.

Noch einmal zum Verständnis: Die ECH baut nicht aus Spaß eine teuere Tiefgarage. Sie hat ihre Gründe und diese Gründe kennen Sie.
Sie können davon ausgehen, dass auch die Stadtvertreter diese Gründe kennen. Jeder Stadtvertreter ist nur sich selbst verpflichtet.

Stimmt er der Tiefgarage zu, kann die ECH die Perlenkette vermarkten und mit dem Geld sanieren. Lehnt er ab, kann sie es nicht.

Nummer zwei - auch Herr Keding:

„Es war der größte Fehler von Bund und Land, ganz Heiligendamm an einen Einzelinvestor zu verkaufen.

Auch hier sind Sie als Leser im Bilde. Ein Einzelverkauf hätte bestenfalls dazu geführt, dass alle Villen chic saniert sind und die vier Hauptgebäude verfallen da stehen. Wer hätte das Ensemble denn bis 2003 so sanieren können, wie die ECH - wer hätte 250 Millionen Euro investieren können?

Als Stadtvertreter darf man zwar seine persönliche Meinung sagen aber wenn man es in Gegenwart der Medien tut, sollte man seine persönliche Meinung auch als solche kennzeichnen. Andernfalls kommt da nur Unsinn bei heraus. Der Analyse hält Kedings Meinung jedenfalls nicht Stand.


Nummer drei - noch einmal Herr Keding:
Warnemünde und Kühlungsborn wachsen, Heiligendamm verfällt.“


Man könnte es auch so ausdrücken: Der Strandkorb ist weiß. Der Elefant trinkt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Kühlungsborn und Warnemünde  hatten keine 19 zusammenhängenden Häuser (plus 11 weitere), die über 2 Jahrhunderte alt sind, ein stimmiges Gesamtensemble ergeben und stets und bis zuletzt fast einheitlich genutzt wurden. Die beiden Orte hatten kein zusammenhängendes Objekt am Fuß kleben, das fast 90% ihrer Stadtfläche ausmachte. Die beiden hatten auch nicht mit ca 80% Leerstand zu kämpfen. Wer solche Vergleiche anstellt, an dem muss Heiligendamms Geschichte vorbei gegangen sein. Kühlungsborn und Warnemünde sind Städte und das, was wir allgemein als "Heiligendamm" bezeichnen, ist ein Objekt in einem Stadtteil einer Stadt. Wenn man Heiligendamm als Stadt sehen möchte, dann sei der Hinweis erlaubt, dass niemals Kühlungsborn oder Warnemünde zum Verkauf standen - nur Heiligendamm. Und betrachtet man Heiligendamm als Stadtteil, kommt dasselbe bei heraus: Der Stadtteil Bad Doberans (Heiligendamm) stand zum Verkauf. Der Stadtteil Rostocks (Warnemünde) und Kühlungsborn als ganzes standen nie zum Verkauf. Heiligendamm ist komprimiert und muss auf wenigen Quadratkilometern das bieten, was Kühlungsborn und Warnemünde auf vielen Quadratmetern bieten können.

Darum sollten gerade die Stadtvertreter, wie Herr Keding einer ist, ihr Augenmerk auf die Entwicklung dessen in Heiligendamm richten, was nicht FUNDUS gehört. Es ist nicht damit getan, eine Rehaklinik und ein Hotel dort ansiedeln zu lassen und nur zu fordern aber selbst nichts zu tun. Heiligendamm stand in der Geschichte immer wieder davor: Wachsen oder scheitern. Man hat sich immer für das Wachsen entschieden. Wenn die Stadt 80% Heiligendamms an FUNDUS verkauft, muss sie entweder die verbleibenden 20% verdammt attraktiv gestalten und zur Goldgrube machen oder die Grenzen Heiligendamms erweitern und das Hinterland bebauen, um auf mehr Platz weniger attraktive Angebote ansiedeln zu können, die im Mix dann auch eine Goldgrube werden.

Die Bad Doberaner Stadtvertreter aber verlassen sich auf die Investoren und erwarten einfach zu viel. Ein Immobilienmakler konzentriert sich auf seine Immobilie und das nähere Umfeld. Wenn er persönlich engagiert ist, beteiligt er sich auch aktiv an Wirtschaftsverbänden oder der Politik. Aber weder muss er das, noch kann man das von ihm erwarten. Solange im Umfeld nichts seine Immobilie schädigt, muss er auch das Umfeld nicht verändern und wenn er es nicht tut und auch die Stadt es nicht tut, dann tut es eben keiner.

 

Nummer vier:

Ähnlich sieht es Hannes Meyer vom Bürgerbund. „In den letzten sechs Jahren hat nur Stillstand oder Abbruch in Heiligendamm stattgefunden – obwohl es einen regelrechten ,B-Plan-Überschuss’ gibt“, sagt Meyer. Bislang hätten die Stadtvertreter allen Plänen der ECH zugestimmt. Es sei allgemein bekannt, dass die ECH oder Fundus nirgendwo mehr Kredit bekomme, und auch, dass die Investoren des Hotels ungehalten seien wegen der gebrochenen Rendite-Versprechen.

 

Die ECH versucht seit 2004, die Perlenkette zu sanieren. Konzept eins - Finanzierung über den Fonds - scheiterte an einer Gesetzesänderung. Konzept zwei - Finanzierung über Banken - scheiterte - da hat Herr Meyer Recht - an der Ablehnung der Banken. Konzept drei nun ist die klassische Finanzierung - Wohnungsverkauf und Sanierung aus den Erlösen. Genau um dieses Konzept ging es in der Sitzung und dieses Konzept hat die SVV abgelehnt. Dass sich in den letzten 6 Jahren nichts getan hat, ist also erklärlich und dass es nun nicht weiter geht, hat die SVV sich zuzuschreiben.

Ein B-Plan-Überschuss kommt übrigens zu Stande, wenn man vom Investor immer wieder Nachbesserungen verlangt. Die Kosten für so einen Plan liegen im sechsstelligen Bereich und die ECH erstellt solche Pläne nicht aus Langeweile. Hier ist viel Populismus in den Aussagen erkennbar.

 

Nummer fünf:

Der FDP-Stadtvertreter Harry Klink hält dagegen, dass der ECH das Baurecht für die Villen seit 1997 vorliegt. „Jetzt spielt die ECH – das ist der Immobilienhändler Jagdfeld – die Unternehmen der Region, Hotel, Anleger und Kommunalpolitiker für private Gewinnziele gegeneinander aus und schürt bewusst Arbeitsplatzängste.“

 

Harry Klink hat offenbar übersehen, dass das Baurecht nur ohne Tiefgarage vorliegt und die Notwendigkeit der Tiefgarage nicht erkannt.Die ECH kann ohne Tiefgarage die Wohnungen nicht vermarkten, wodurch kein Geld für die Sanierung fließen kann.
Ob die ECH jemanden gegeneinander ausspielt, ist der persönlichen Meinung überlassen aber wenn Hans Schlag "Jetzt herrscht Stillstand" sagt, kann man das auch interpretationsfrei als Aussage hinnehmen.
Denn egal, was man in seine Aussage hinein interpretiert: Es herrscht wirklich Stillstand.

 

Wie man sieht, bedarf es nicht vieler Worte, um "Unsinn" zu reden. Aber es ist ja auch möglich, dass die betreffenden Stadtvertreter einfach nicht richtig informiert waren. Die Bürger und die Medien waren es ja auch nicht. Schließlich hat sich kaum einer die Mühe gemacht, die ECH um Erklärungen zu bitten und in öffentlichen Sitzungen kam die ECH nicht immer ausreichend zu Wort und wenn sie einmal in Versammlungen Erklärungen versuchte, kam es nicht selten zu hitzigen Diskussionen, in denen die Erklärungen untergingen.

 

Die Folgen dieser mangelnden und teilweise einfach falschen Informationen aus den Mündern einiger Stadtvertreter und aus der Feder einiger Zeitungsreporter und Leserbriefschreiber werden in dem Augenblick sichtbar, als die Ostsee-Zeitung zur öffentlichen Meinungsäußerung aufruft und die Leser reagieren:
 

 

Die OZ will es wissen:  Was sagen die Bürger dazu?

 

Titulierte die Ostsee-Zeitung gerade noch "Sieg für die Bürger Heiligendamms" ist sie nach dem Einbrechen der ersten Flut Leserbriefe nicht mehr so sicher, ob sie damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Schnell wird klar, dass die Meinungen sehr unterschiedlich sind und die Wut der Bürger sich gar nicht nur gegen die ECH richtet. Auch die Stadtvertreter stehen in der Kritik, besonders auch der Bürgerbund und selbst Schwerin und Berlin bekommen ihr Fett weg.

Auch Ostsee-Zeitung muss Kritik einstecken: Ihr wird Medienhetze gegen den Investor vorgeworfen. Um sich nicht rechtfertigen zu müssen, lässt das große Lokalmedium die Bürger für sich selbst sprechen und fordert sie zur Diskussion heraus:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 02. April 2009  |  Titelseite Bad Doberan

WAS MEINEN SIE

Chance vertan, oder?

Am Montag haben Bad Doberans Stadtvertreter einem von vielen geplanten Vorhaben der ECH nicht zugestimmt. Haben die Stadtvertreter damit den Aufbau Heiligendamms verzögert oder gar verhindert? Was meinen Sie?

Bitte, schreiben Sie uns !

OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan, Alexandrinenplatz 1a, 18209 Bad Doberan, E-Mai: lokalredaktion.bad-doberan  (at) ostsee-zeitung.de

 

 

 

Planänderungen und noch mehr Verwirrungen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 04. April 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Kein Teich, dafür mehr Möbel

Heiligendamm Mit dem vorläufigen Ende der Frostperiode konnten die Arbeiten im Kurwald von Heiligendamm wieder aufgenommen werden. „Die Ortsbegehung hat ergeben, dass der Frost keine Schäden an den bislang geleisteten Arbeiten hervorgerufen hat“, sagte Hans Schlag, technischer Geschäftsführer der ECH Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), die den Ausbau in Auftrag gegeben hat. „Sofern das Wetter mitspielt, werden die Arbeiten im Frühjahr abgeschlossen sein.“ Die ECH teilte mit, dass es zwei Änderungen an den Ausbauplänen gibt, über die der städtischen Bauausschuss informiert wurde: Der südlich der Kirche geplante Teich werde auf Grund der von ihm ausgehenden Gefahren für die Kapelle und wegen des hohen Pflegeaufwandes, der der Stadt in der Zukunft entstehen würde, entfallen. Darüber hinaus werde die Möblierung des zentralen Platzes, an dem die drei Hauptwege zusammengeführt werden, verbessert. Hier sei eine Lösung gefunden worden, die mehr Sitzplätze und somit eine höhere Aufenthaltsqualität für Besucher und Besuchergruppen, des Kurwaldes schaffe.

Alle anderen Festlegungen (Wegeführung, Bepflanzung, Wasserläufe, Umgehung des Sondergebietes Hotel) bleiben laut ECH unverändert und werden nach den Beschlüssen der Stadtvertreter vom Juli 2008 umgesetzt. Die Bauleitung dafür obliegt seit März dem Landschaftsplanungsbüro „Adolphi & Rose“ aus Wismar.
 

 

Die ECH sorgt sich um den Pflegeaufwand städtischer Liegenschaften.

Was wie eine nette Geste aussieht, rührt vielleicht von der Befürchtung her, dass es bald wieder wüst aussieht, wenn die Stadt mit dem Pflegeaufwand nicht hinterher kommt.

 

 

April 2009: Schwerin sagt, wo der Fernradwanderweg verläuft: Durch Hotelgelände.

 

Der Fernradwanderweg verläuft vom Atlantik bis zur östlichen Ostsee meistens am Wasser entlang. In Heiligendamm verlief dieser Weg von der Seedeichstraße kommend über die Promenade in den Küstenwald, vorbei am Alexandrinen-Cottage mit seiner Aussichtsplattform und den Bänken zur Rast, um dann den Kleinen Wohld zu verlassen und über Wittenbeck, Kühlungsborn und Rerik weiter gen Osten zu ziehen. Seit der Sperrung des Küstenwaldes ist diese Route unterbrochen. Wo verläuft sie denn nun eigentlich lang? Familie Friedmann aus Heiligendamm wollte es wissen und hakte in Schwerin nach:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 04. April 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Staatskanzlei gibt Radweg E 9 frei

Die Staatskanzlei hat eine Karte zum Verlauf des Fernradwanderweges vorgelegt. Danach müsste der Hotelkomplex in Heiligendamm öffentlich passierbar sein.

Heiligendamm Auf der einen Seite die großzügige „Umwidmung“ von landeseigenem Küstenschutzwald zur abgesperrten „privaten Grünfläche“ für einen Einzelnen, den Immobilienhändler Anno August Jagfeld. Auf der anderen Seite lange Umwege für Touristen, Klinikpatienten und Einheimische zum Strand, und halsbrecherische Kletterpartien auf einem „Steg“ als Wegersatz an der Küste. Familie Friedemann aus Heiligendamm wollte die immer stärkeren Einschränkungen der Freizügigkeit in ihrem Wohnort nicht länger hinnehmen. Sie wandten sich an den Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD). Offenbar mit einem Teilerfolg – zumindest, was den Verlauf Europäischen Fernradwanderweg E 9 anbetrifft. Nach einem Gepräch mit Sellering und Absprachen mit Mitarbeitern der Staatskanzlei erhielten Friedemanns am 24. März Post aus der Staatskanzlei. Inhalt: die Karte mit dem aktuellen Verlauf des Fernradwanderweges. Danach ist es wohl offenbar Tatsache, dass der Weg zwar nicht mehr durch den Küstenwald am Alexandrinen-Cottage – Privateigentum von Anno August Jagdfeld – vorbei verläuft. Wohl aber dürfen die Radfahrer der Karte zufolge an den verbliebenen Villen der Perlenkette vorbei und dann westlich vom Hotelkomplex in Richtung Klinik fahren. „Ich gehe davon aus, dass sich die Staatskanzlei umfassend und genau über Wegeverlauf und die rechtliche Lage vor Ort informiert hat, bevor sie uns die Unterlagen zugeschickt hat“, sagt Rainer Friedemann. An einen Irrtum von Amtswegen glaubt er nicht.

Mit Karte und Anschreiben während der Einwohnerfragestunde in der Stadtvertreterversammlung konfrontiert, reagierte Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) ausweichend und vermied eine klare Stellungnahme.

Die Öffentlichkeit der Wege ist auch für die Patienten der Median-Klinik ein Problem. Zwar wirbt der Prospekt des Hauses mit dem „einzigartiges Bauensemble von romantischer Schönheit direkt am Meer“. Doch für die Mehrzahl der Klinikinsassen ist der Aufenthalt im Seeheilbad mit langen Märschen zum Strand verbunden, vorbei an den Ruinen der Villen, und vor allem für ältere Patienten mitunter eine Zumutung. Immerhin: Klinik und Hotel haben einen Kompromiss vereinbart, nach dem eine kleine Anzahl von Patienten den Hotel-Komplex in Richtung Strand passieren darf. Der Titel „Seeheilbad“ sei jedoch mit den Einschränkungen unvereinbar, ebenso wie die Verlagerung des Kurparkes von der Klinik weg bis östlich vor den Hotelkomplex, meinen die Stadtvertreter von Bürgerbund und FDP.

KLAUS WALTER

 


Mit dem Radwanderweg ist es, wie mit dem Bad Doberaner Hirsch. Offiziell gibt es einen Radwanderweg, der die Promenade entlang führt und dann auf die Kühlungsborner Straße und schließlich zum Kinderstrand geleitet wird. Offiziell ist das Doberaner Wappentier ein Hirsch mit gestreckten Vorderläufen. Inoffiziell findet man aber mindestens genauso oft besagten Hirsch mit angewinkelten Vorderläufen und ebenso inoffiziell findet man den Radwanderweg auf der Küstenkante vor, wo er vorbei am Alexandrinen-Cottage führt. Nun gibt es mindestens zwei Meinungen und genug Streit.
Die Frage sollte aber nicht sein, wo der Radwanderweg einmal war, sondern wo er jetzt und in Zukunft ist.


 

Schulnoten für Bad Doberan und Heiligendamm - Sind die Gäste zufrieden?

 

Das fragte sich der Tourismusförderverein und startete eine Umfrage unter Touristen und Kurgästen.

Das Ergebnis der ersten 1.250 Umfragebögen war nicht schlecht aber auch nicht berauschend.

Aber lesen Sie selbst:

 

 
Montag, 06. April 2009  |  OSTSEE-ZEITUNG | Titelseite Bad Doberan
 
Doberan könnte noch freundlicher sein

Die Saison beginnt. Das Ergebnis einer Fragebogenaktion zeigt, was für die Zufriedenheit der Gäste noch getan werden muss.

Bad Doberan Die Besucher der Münsterstadt, ob Urlauber oder Kurgäste, sind im Grunde mit den Gegebenheiten in der Stadt relativ zufrieden. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Fragebogenaktion des Tourismusfördervereins Bad Doberan-Heiligendamm. In der Aktion, die faktisch die Qualität des Aufenthaltes bemessen soll, kamen bislang 1000 Fragebögen, ausgefüllt von Urlaubern, und weitere 250 von Kurgästen, zur Bewertung.

Zum ersten Mal in Bad Doberan waren 78 Prozent der Urlauber. Bei 22 Prozent handelt es sich um „Wiederholungstäter“. Kein schlechtes Ergebnis, wie auch Axel Kross, Chef des Fördervereins und selbst Hotelier bestätigt, denn „Doberan ist nun einmal keine reine Wiederholungs-Destination.“ Da komme man her, schaue sich alles an, und kehre vielleicht erst nach Jahren wieder, zu sehen, was sich inzwischen verändert hat. Anders bei den Badeorten. Da zieht es eine große Gruppe von Urlaubern Jahr für Jahr an die gleiche Stelle mit den gleichen Bedingungen: Strand, Meer, möglichst Sonne.

Interessant die Antwort auf die Frage – wie sind Sie auf Bad Doberan/Heiligendamm aufmerksam geworden? Hier rangiert mit mehr als 28 Prozent das Internet an vorderster Stelle; Reiseveranstalter kommen nur auf fast 16 Prozent. Bei den Kurgästen waren es naturgemäß in der Hauptsache die Ärzte oder Krankenkassen, die den Weg nach Doberan oder Heiligendamm wiesen. Es ist mehrheitlich die ältere Generation, die der Münsterstadt und der Weißen Stadt einen Besuch abstattet. Und es handelt sich um ein kritisches Klientel. Sie konnten in der Rubrik „Gästezufriedenheit“ nach dem Schulprinzip Noten vergeben. Vereinschef Kross selbst setzt strenge Maßstäbe: „Bis zu einem Durchschnitt von 1,7 ist alles in Ordnung. Ab 1,9 müssen wir eingreifen.“ Demnach gibt es in Doberan einiges zu tun. In der „Sparte“ der Urlauber kommen die Gastgeber – alle 30 Zufriedenheitskriterien von „Grünanlagen“ bis „Gastfreundlichkeit“ zusammengenommen – auf einen „Zensurendurchschnitt“ von 2,16.

Auffallend, dass Urlauber und Kurgäste gleichermaßen die Verkehrssituation bemängeln. Ein verdecktes Votum für die Umgehungsstraße? „Ob es die sein muss, sei dahingestellt“, sagt Kross. „Aber Verkehrsberuhigung muss auf jeden Fall her.“ Nicht ganz zufrieden sind Erholungssuchende und Kurpatienten mit den Öffnungszeiten im Ort. Denen des Einzelhandels geben Urlauber die Note 2,25, die Kurgäste nur die 2,82. Möglicherweise focussiert sich die Kritik auf den Sonnabendnachmittag, da vom Konsum her weite Teile Doberans schon dicht sind. Und die Freundlichkeit der Gastgeber? Von Urlaubern erhalten gewerbliche Angestellte erstklassige 1,75 als Note, die Einwohner 1,85. Die Touristinfo bringt es noch auf 1,97 und kommunale Angestellte kommen auf der Skala zunehmender Muffigkeit auf eine glatte 2.

PETER WEISSFLOG
 

 

Nicht vergessen: Das sind nur 1.250 Meinungen. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was Bad Doberan und Heiligendamm an Gästen hat und bezieht sich auch nur auf die letzte Saison, die zudem am Alexandrinenplatz und in Heiligendamm von Baustellen vorbelastet war. Aber ich will es nicht schön reden: Es muss etwas getan werden. Dafür ist nun aber erst einmal der Tourismusförderverein da und letztlich die Stadt selbst zuständig.
Die Umgehungsstraße war auf diesen Seiten noch nicht Thema. Wenn Sie dazu etwas erfahren wollen, belesen Sie sich bitte auf www.hohenfelde.net/umgehung.


 


Die OZ will es wissen:  Was sagen die Bürger zur Ablehnung durch die SVV? Die öffentliche Diskussion 2009.

 

Die größte Lokalzeitung rief und die Leser folgten ihr. Hunderte von Leserbriefen erreichten die Ostsee-Zeitung zum Thema "Heiligendamm".

Nicht alle konnten abgedruckt werden. Das Blatt sah sich dem Vorwurf der Medienhetze ausgesetzt und achtete deshalb darauf, Pro und Contra im gleichen Verhältnis abzudrucken. Der erste abgedruckte Leserbrief stammt vom ältesten Bürger Heiligendamms: Helmut Mattke, Heiligendammer seit ca. 60 Jahren.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 06. April 2009  |  

Ein Ort ohne Leben

Nachdenken über Heiligendamm. Mit Helmut Mattke (85) schaltet sich der älteste Einwohner der Weißen Stadt in die Diskussion um die Vergangenheit und Zukunft des Seebades ein.

Nach Bad Doberan sind wir 1953 gekommen. War Revierförster, zuständig auch für Heiligendamm. Dann Oberförster, für den ganzen Kreis. Haben lange gesucht nach einer Gegend für ein eigenes Haus. Am Wasser, das musste sein. Unbedingt. In Ostpreußen wohnten wir an einem fischreichen Fluss. Klar, das hat die Kindheit geprägt. Wasser, unbedingt ans Wasser. Das Grundstück in Heiligendamm war ideal. Kleiner Teich hinterm Haus und vor der Tür die Ostsee. Der Teich ist noch da. Die Ostsee weiter weg. Man muss halb nach Börgerende, um an den Strand zu kommen. Im Herbst 1978 zogen wir ein. Jetzt bin ich wohl der älteste im Ort. Ja, so vergeht die Zeit. Und es ist ein anderes Heiligendamm, heute. Einsamer. Irgendwie leer. Wir Alten kommen noch irgendwie klar. Sorgen mache ich mir um die jungen, meine Enkel. So richtig leben kann man hier nicht mehr. Die Heiligendammer wissen, was ich meine. Da gab es diese Gaststätte. Also Gästehaus und Restaurant, vornehm gesagt. „Palette“ hieß die. Stand unterhalb der Molli-Gleise. Großes Ding, immer voller Leben. Wenn wir von der Jagd kamen, durstig natürlich, schmetterte uns die Drei-Mann- Hauskapelle ein Liedchen entgegen. Und dann ging es in den hinteren Räumen hoch her. Vorn auch. Da saßen die Kurgäste. Sangen, tanzten mit dem Kurschatten, tranken. Immer gegen die Uhr. Mussten ja gegen 22 Uhr in der ärztlich verordneten Falle sein. Mein Gott, da war Leben in der Bude, in dieser „Palette“. Oder das Schwanencafe, unten in den Kolonaden. Vorwiegend Kuchen und Eis für die Promenadengänger. Familienbetrieb. Mit ganz beachtlichem Zuspruch. Machte erst so um 9 Uhr auf. Aber man konnte auch schon früher klopfen. Schon gegen 7. Im Ausnahmefall. Aber – funktionierte. War eben familiär. Sagte ich schon.

Von der „Palette“ blieb ein großer Schutthaufen. Der Anblick schmerzte. Kurz vor dem Gipfel hat Fundus das ganze Haus wegräumen lassen. Die LkW brauchten Tage, um Ziegel und Holz abzufahren. Jetzt ist da eine Wiese. Im Sommer grün, ganzjährig leer. Das Schwanencafe – geschlossen, für immer. Die Möglichkeiten, dass sich in Heiligendamm Heiligendammer einander gesellig treffen, sind jetzt gering. Fast bei Null. An manchen Tagen wirkt der Ort, als hätten ihn seine Bewohner aufgegeben. Vielleicht ist es so, innerlich jedenfalls.

Und auch das geht mir nicht mehr aus dem Kopf: Wir haben mit dem Hotel rund 300 Arbeitsplätze geschaffen, sagt Fundus, wann immer es passt. Oder auch nicht. Dann auch. Aber: Wie viel Jobs sind hier inzwischen verloren gegangen? Im Umfeld des „Bades der Werktätigen“, in den Gaststätten, bei den Serviceeinrichtungen und in den Läden: Post, Papierladen, Drogerie, Andenken, Friseur, Eisverkauf Kann das mal jemand ausrechnen?

Es war einmal . Links und rechts des Weges zum Kinderstrand standen die wohl besten Buchen Deutschlands. Etwa 160 Jahre alt. So rund 40 Meter hoch. Prächtig. Sie standen bis 1953. Wurden dann gefällt. Reparationsleistung. für die Sowjetunion. Das schönste Furnierholz, das man sich vorstellen kann. Dann in Meter-Stücke geschnitten. Geklaftert. Feuerholz. Schlimm. Heute, ganz in der Nähe. Balken, Zäune verwehren den Zutritt zum Waldstück rund um das Alexandrinen-Cottage. Auch das tut weh. Ist schlimm. Ungesetzlich, meine ich. Unnötig.

Heiligendamm, das erste Seebad überhaupt, war immer heiß begehrt. Wurde mehrmals verkauft, so an einen Schweizer Baron und an ein Lübecker Bankhaus. Nie aber wurden Bürgern die Wege gesperrt. Selbst unter dem Fürsten nicht. Ich denke, Landesregierung und Treuhand haben damals nach der Wende Heiligendamm fast verschenkt. Auf jeden Fall zu viele Zugeständnisse gemacht. Und das ging dann immer weiter. Bei einigen Abgeordneten der Stadt bis auf den heutigen Tag. Wenn ich sage, dass ich unzufrieden mit deren Arbeit bin, dann ist das ein sehr milder Ausdruck.

Die Sache ist schief gelaufen für uns Heiligendammer. Absolut schief. Kaum zu fassen: Wir sind ausgegrenzt. Es gibt im Ort kein vernünftiges Innenleben mehr. Ich mache mir Sorgen. Hier herrscht Totenstille.

Aufgeschrieben von:

PETER WEISSFLOG

Zur Person: Helmut Mattke

Helmut Mattke wurde am 15. März 1924 als Sohn eines Försters in Ostpreußen geboren. Er wurde seinerseits Förster, musste als Soldat in den Krieg. Nach Internierung in Dänemark fand er 1946 seine Eltern im Kreis Salzwedel wieder, arbeitete in der Landwirtschaft und heiratete am 16. April 1949 die ostpreußische Bauerntochter Ilse Schwenzfeier. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

Nach dem Studium arbeitete Helmut Mattke ab 1952 in der Region Doberan als Revier- und Oberförster. Von 1953 bis 1990 war er Vorsitzender der Jagdgesellschaft. Unter seiner Leitung entstand der Internationale Schießplatz vor Heiligendamm. Selbst ein guter Schütze wurde er „Verdienter Meister des Sportes“. Helmut Mattke veröffentlichte sechs Bücher mit Forst- und Jagdgeschichten. Das siebente erscheint Ende April.
 

 

Die Meinungen der Bürger: Die ersten 15 Leserbriefe.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 07. April 2009  |  

Große Leserdiskussion um Heiligendamm: Wer blockiert hier?

Kulturgut in Gefahr

Wirbel um die Perspektive der Weißen Stadt. Haben Stadtvertreter klug oder fahrlässig gehandelt?

Bad Doberan Auf der Stadtvertretersitzung am Montag, 30. März, lehnten die Abgeordneten zwei Beschlüsse ab, die Heiligendamm betreffen. Keine Mehrheit fanden die Änderungsanträge zu den Bebauungsplänen 25 und 30. Sie sahen u.a. den Bau einer Tiefgarage vor der so genannten Perlenkette, einer festen Sturmflutwand und die Zulässigkeit dauerhaften Wohnens im Marien-Cottage und im Haus Krone vor – hier sollten Eigentumswohnungen entstehen. Die Entwicklungscompagnie Heiligendamm reagierte umgehend. Geschäftsführer Hans Schlag sprach von vertaner Chance. „So können wir leider nicht mit der Sanierung der Perlenkette beginnen.“ OZ fragte die Leser nach ihrer Meinung: Sieg der Vernunft oder vergebene Chance?

Aus dem Tiefschlaf erwacht

Simona Warmuth, Rethwisch:
Endlich scheinen unsere Stadtvertreter aus dem Tiefschlaf zu erwachen. Verwundert reiben sie sich die Augen: Wo ist unser Radwanderweg? Wieso darf in Heiligendamm der Wald eingezäunt werden? Woher kommt die Ligusterhecke am Ausgang der Promenade? Wo ist das Haus Perle geblieben; stand das nicht unter Denkmalschutz?

Die Fundus Gruppe kaufte damals auch die Halbinsel Wustrow bei Rerik. Genau wie in Heiligendamm hatten sie erst mal den Fuß in der Tür und versuchten danach ihre Interessen durchzusetzen. Reriks Stadtvertreter sind wesentlich kritischer mit Herrn Dr. Jagdfelds Versprechungen umgegangen. Heute ist die Halbinsel Wustrow vollkommen gesperrt, was keine Rendite für die Anleger bringt, Anwohnern und Urlaubern aber einen schicken Haffplatz bescherte. Zufriedene Gäste kommen bekanntlich wieder. Und Heiligendamm? Das ist eine tote Gegend mit gesperrten Wegen und verfallenden Häusern.

Entscheidung alles andere als ein Sieg

Bernd Holzmann:
Zu einem Sieg gehört meines Erachtens auch ein Gewinn. Beim besten Willen kann ich jedoch nicht erkennen, dass irgendjemand etwas nach dieser absurden Stadtvertreter-Entscheidung gewonnen hat. Der Projektentwickler/Investor ist momentan paralysiert – keine Bank gibt Darlehen für den Neubau eines Hotels, wenn das bestehende Hotel daneben schon keinen Gewinn abwirft. Der Verkauf von Wohnungen als Teileigentum ist nicht erlaubt – somit können die Strandvillen auf lange Sicht nicht saniert werden. Den Heiligendammern bleibt der Anblick des morbiden Charmes der Weißen Stadt für lange Zeit erhalten und Besuchern können Sie erzählen, dass 12 glorreiche Stadtvertreter das erreicht haben. Wo also ist hier der Sieg...

Viele Jahre sind vergangen

Dr. Renata Schumann, Bad Doberan:
Noch vor zehn Jahren war es eine wunderschöne Perlenkette und ein erfreulicher Anblick – von der Seebrücke! Einmalig! Jetzt geht man nicht mehr gern da vorbei – es tut weh, diese zunehmend verfallenden Kulturdenkmäler zu betrachten. Die Bauunternehmergruppe ECH verhält sich, seitdem ihr die Stadt leichtsinnigerweise Rechte übereignet hatte, zunehmend verantwortungslos. Die Villen sollten – wie es anfangs hieß – in kürzester Zeit renoviert werden. Viele Jahre sind seitdem vergangen und die Villen sind zunehmend von Verfall bedroht. Es ist die Sache der Selbstachtung und des Realitätssinns der Stadtvertreter, dass man sich jetzt endlich ein „ Nein“ zu neuen unsinnigen Forderungen der Baugesellschaft abgerungen hat. Zukünftige Generationen werden ihnen das zu danken wissen. Die verlangten Tiefgaragen könnten zudem eine extreme Gefahr für die zunehmend baufälligen Villen sein Übrigens: Wo bleibt der Denkmalschutz – hier ist kostbares Kulturgut in Gefahr. Das Ensemble des alten, des ältestes Seebads Deutschland hat unschätzbaren historischen Wert. Hier ist jeder gefordert zur Rettung beizutragen.

Gemeinsam Projekt entwickeln

Kira und Ralf Goedeke, Heiligendamm:
Nach sorgfältiger Prüfung haben sich die Stadtvertreter gegen Bauträgermodelle und den Ausschluss der Öffentlichkeit in Heiligendamm entschieden und das ist auch gut so. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadtvertreter auch weiterhin Rückgrat beweisen, Einschüchterungsversuchen Stand halten und gemeinsam mit dem hoffentlich einsichtigen Investor und der Öffentlichkeit ein Konzept entwickeln, welches sich nicht – wie bisher – durch Maßlosigkeit auszeichnet, sondern mit Augenmaß gemacht, eine positive und begeisternde Außenwirkung für Erholungssuchende und Interessierte haben wird.

Jetzt ist Stillstand

Christel Fründt, Bad Doberan:
Eine vertane Chance, eine unerklärliche Verzögerung. Landesweit werden Investitionen unterstützt, in Bad Doberan aber verhindert und zwar zum Schaden aller. Vertreten die Stadtvertreter wirklich die Menschen in dieser Stadt? Wer Investitionen verhindert, der verhindert die Verdienstmöglichkeiten der Leute. Interessiert sie das wirklich? Keine Unterstützung für die Skaterbahn, für so wichtige Unternehmen wie Moorbad, Grand Hotel, Altes Moorbad und Dauerstreit zur Verkehrsberuhigung. Was ist ihnen denn wichtig? Viel galanter wäre ein JA zu den Vorhaben in Heiligendamm gewesen. Dann hätte der Investor die Umsetzung beweisen müssen. Jetzt ist Stillstand. Am Weitermachen gehindert

Familie Gründling, Bad Doberan:
Schade, dass die Stadtvertreter von Bad Doberan nicht einschätzen, was sie am Montag mit der Blockade der Beschlüsse zu Heiligendamm angerichtet haben. Der Investor hat gemeinsam mit seinen Investoren einen Teil von Heiligendamm mit weltweiter Anerkennung saniert. Nun wird er am Weitermachen gehindert. Ich appelliere an jeden Neinsager aus der Stadtvertretung: Überprüfen Sie Ihre Entscheidung und öffnen Sie sich für eine neue Chance!

Unsinniger Bau verhindert

Heike Ohde, Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“ e.V.:
Ein Wunder ist geschehen! Die Stadtvertretung hat mit ihrem Votum den unsinnigen Bau der Tiefgarage verhindert und damit die Perlenkette vor einem Komplettabriss bewahrt. Denn die Auswirkungen so einer Großbaustelle auf die historische Bausubstanz wären verheerend gewesen: Erschütterungen durch das Setzen von Spundwänden, Setzungsrisse durch Abpumpen des Grundwassers während der Bauphase, Zerstörung historischer Bausubstanz durch nachträgliche Unterkellerung und Einfügung „tiefgaragenkompatibler“ Treppenhäuser, Anstieg des Grundwassers durch Bildung einer unterirdischen Staumauer auf Seite der Villen nach Fertigstellung... Die Änderung des B-Planes diente nicht dem Erhalt der Perlenkette, sondern gefährdete ihren gesamten Bestand. Ziel des Verkaufs des historischen Heiligendamms an einen einzelnen Investor war der Erhalt und die Restaurierung des ersten deutschen Seebades. Wenn die ECH nach fast 15 Jahren nicht in der Lage ist, diese Aufgabe zu erfüllen, sollten die Verkäufer (das Land und der Bund) endlich ihre Verantwortung für Heiligendamm wahrnehmen und auf Einhaltung des Vertrages drängen. Dabei ist zu prüfen, ob auch eine Rückführung der Gebäude und der Verkauf an einzelne Bauherren mit unterschiedlichen Konzepten möglich wäre. Im Zeitraum von 2, 3 Jahren wären die Villen saniert, es würde wieder Leben in die Prof.-Dr.-Vogel-Straße einkehren und nicht zuletzt das Hotelumfeld endlich aufgewertet. Das wäre ein wirklicher Gewinn für die Region!

Zu Lasten der Region

Andreas Meyer-Schwickerath, Berlin:
Die internen Streitereien der wenigen Gegner des Projektes werden damit zu Lasten der Region, der Handwerker und Dienstleister und der Arbeitssuchenden gehen. Wie lange kann sich Bad Doberan gegenüber Kühlungsborn, Warnemünde, Rerik und anderen leisten, das touristische Schlusslicht zu bleiben? Und was wird das für die Gewerbetreibenden vor Ort bedeuten – Einkommensverluste über Jahre?

Man würde sich wünschen, dass die Politik, egal ob von CDU oder SPD, hier ihre eigenen Argumente der Vergangenheit wieder hervorholt, und einmal nachsieht, was man angesichts des großen PR-Erfolges von 2007 hier versäumt und beschädigt – Besucher und Gäste werden jedenfalls von Ruinen in Heiligendamm nicht angezogen, und ortsansässige Handwerker bekommen auch keine neuen Aufträge, Arbeitssuchende keine Stellen... Einen Spiegel vor die Verantwortlichen von Bad Doberan! Vielleicht sehnen sich einige nach der Zeit vor 20 Jahren und früher zurück – das ist jedenfalls der Eindruck, der nach außen entsteht!

Wer auch immer welche Gründe hat, gemeinsam würde es sicher besser gehen. Und das Hotel hat ja nach außen trotz der Querelen mit der Kempinsiki/ECH Mannschaft in der Region beste Resonanz gebracht – warum will man diesen Erfolg ohne nach außen kommunizierbare Gründe aufgeben? Und wann will man seitens der politischen Verantwortlichen den Investor dazu bringen, anzufangen, und wie? Erster Schritt in richtige Richtung

Birgit Koch, Heiligendamm:
Die Entscheidung der Stadtvertreter gegen eine Tiefgarage ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Es gilt künftig, weiteren Schaden zu verhindern. Heiligendamm mutierte in den vergangenen Jahren zur Kulisse für einen Gruselfilm. Jeder Eigentümer muss mit seinem Potential wirtschaftlich am Markt agieren. Es zeugt von Inkompetenz, die Schuld für eigenes Unvermögen wiederholt bei anderen zu suchen, anstatt gangbare Wege aus der Misere aufzuzeigen. Wenn die ECH bzw. Herr Jagdfeld nicht in der Lage sind, die Villen wieder aufzubauen, müssen es andere tun. Das erste deutsche Ostseebad darf nicht weiter verfallen. Es war ein Fehler, einen Großteil Heiligendamms an nur einen Investor zu verkaufen. Dieser ist unfähig, seiner Erhaltungspflicht nachzukommen. Potentielle Käufer gibt es reichlich. Das Seeheilbad Heiligendamm als Stadtteil von Bad Doberan ist für die Stadt so wichtig wie das Münster und der Molli. Die Entscheidung der Stadtvertreter war goldrichtig und sollte nicht wieder gekippt werden.

Verzögert hat allein die ECH

Rüdiger Gusovius, Bad Doberan:
Endlich bekennen die Stadtvertreter einen Standpunkt, den ich für sehr richtig halte. Verzögert bzw. verhindert hat in meinen Augen den Aufbau Heiligendamms alleine die ECH. Seit langer Zeit warte ich auf diese Entscheidung. Meiner Meinung nach sind die Argumentation der ECH mit Verlaub gesagt eine Art der „modernen“ Erpressung und ein Alibi für weiteres Nichtstun. Ich habe das Gefühl, bei ECH läuft langsam alles aus dem Ruder. Ich wohne seit 1950 in Bad Doberan und habe in dieser Zeit die Entwicklung Heiligendamms verfolgt. Was jetzt passiert tut schon weh.

Doberan hat noch andere Baustellen

René Orth, Bad Doberan:
Bei aller Ablehnung, die zum demokratischen Prozess dazugehört, gilt aber Vorsicht! Vorsicht deshalb, weil Vermutungen von Hobbygeologen, Finanz- und Bauträgerexperten und Vertretern, die von der Kunst des negativen Denkens medial beflügelt werden, absolut alternativlos sind. Deshalb: Lösungen im Diskurs zusammen erarbeiten! Doberan hat noch andere Baustellen. Genau dort wäre bürgerliches Interesse und Betroffenheit ebenso gefragt,wie beim Thema Heiligendamm.

Es gibt genug Alternativen

Martin Dostal, Bad Doberan:
Ich sehe es nicht als vertane Chance, dass die Stadtvertreter sich gegen die Tiefgarage entschieden haben. An dieser Stelle wäre damit eine sehr kostenintensive Maßnahme nötig. Die gerade erst neu gemachte Promenade müsste entfernt werden und die Fläche käme um fast einen halben Meter höher. Damit würde das Ensemble nicht mehr so sein, wie es seit 200 Jahren ist, denn von der See und vom Strand aus betrachtet würde es hinter der Erhöhung verschwinden. Auch noch so schön verkleidet ist es doch ein vor die Perlen gesetzter Klotz, wenn man die Perlen nicht einen halben Meter einbuddeln will.

Aber ich sehe noch einen anderen Grund gegen die dort geplante Tiefgarage. Und zwar sind die Perlen ja nicht Hauptbestandteil des Hotels und die Mieter sollten nicht Haupteinnahmequelle sein. Wenn doch, muss man das Management ernsthaft in Frage stellen. Wichtiger als eine Tiefgarage unter der Perlenkette wäre eine solche in unmittelbarer Nähe zum Hotel. Dazu bietet sich geradezu die Freifläche an, die in der Kühlungsborner Straße auf dem Gelände der Palette entstanden ist. Auch ein unterirdischer Gang zum Hotel selbst ist hier kein Problem. Das Gelände liegt höher, was den Bau auch preisgünstiger macht. Geplant sind ein Thalasso-Zentrum und ein Ayurveda-Zentrum als absolute Neubauten. Darunter wäre genug Platz für Tiefgaragen. Und da das Thalasso-Zentrum direkt an die Perlenkette angrenzen soll, ist die Lage genauso günstig, wie die der bisher geplanten Tiefgarage. Es gibt genug Alternativen und ich finde es geradezu lächerlich, alles an diese Tiefgarage zu binden. Die ECH hat seit je her immer alles auf eine Karte gesetzt. Sie muss inzwischen wissen, dass einige Dinge auf dieser Karte nicht akzeptiert werden...

Land und Bund verantwortlich

Dr. Trommer, Kühlungsborn:
Chance vertan, oder? Natürlich nicht! Denn die Stadtvertreter von Bad Doberan haben doch mit ihrem Beschluss lediglich verhindert, dass der Mercedes des Herrn Schlag beim nächsten Sturmhochwasser absäuft. Nun aber sollten die Stadtvertreter, die bereits in der Vergangenheit sehr kluge Beschlüsse fassten, auch weiterhin mutig in die Zukunft sehen und, statt dem Bau eines Thalasso-Zentrums, z.B. dem Bau einer Moschee in Heiligendamm zustimmen. Denn dann könnte die ECH Heiligendamm gewinnbringend an einen Ölscheich verhökern und Herr Jagdfeld müsste sich zukünftig weder über sein verfallendes Alexandrinen-Cottage, noch über das Gejammer der Investoren des Sternehotels, noch über die Beschlüsse der Stadtvertreter ärgern, sondern könnte den ihm zustehenden gehobenen Ruhestand z.B. in Dubai genießen.

Nicht die Stadtvertreter von Bad Doberan, die nach der Wende Heiligendamm nur im ganzem veräußern lassen wollten, sondern die Politiker in Land und Bund sind für das Desaster in Heiligendamm ausschließlich verantwortlich zu machen!

Endlich das fällige „Nein“

Gert Haendler, Bad Doberan:
Der Verfall der Perlenkette ist ein Skandal. Endlich kam das längst fällige „Nein“!
 

 

Analysieren wir mal ein wenig. Es sind alles Meinungen und die muss man so stehen lassen. Unsinn jedoch nicht.

Beginnen wir doch hiermit:


Ein Wunder ist geschehen! Die Stadtvertretung hat mit ihrem Votum den unsinnigen Bau der Tiefgarage verhindert und damit die Perlenkette vor einem Komplettabriss bewahrt. Denn die Auswirkungen so einer Großbaustelle auf die historische Bausubstanz wären verheerend gewesen: Erschütterungen durch das Setzen von Spundwänden, Setzungsrisse durch Abpumpen des Grundwassers während der Bauphase, Zerstörung historischer Bausubstanz durch nachträgliche Unterkellerung und Einfügung „tiefgaragenkompatibler“ Treppenhäuser, Anstieg des Grundwassers durch Bildung einer unterirdischen Staumauer auf Seite der Villen nach Fertigstellung... Die Änderung des B-Planes diente nicht dem Erhalt der Perlenkette, sondern gefährdete ihren gesamten Bestand.

Dass sich Frau Ohde der Sinn der Tiefgarage nicht erschlossen hat, ist das eine. Architekten haben selten etwas mit der Vermarktung dessen zu tun, was sie planen, sodass der Architektin Frau Ohde möglicherweise einfach der Zusammenhang zwischen Tiefgarage und Vermarktung entging.
 

Dass sie aber von Komplettabriss spricht, dürfte mehr als nur bloße Unkenntnis sein. Die Umschreibungen der Bauausführungen sprechen nicht gerade dafür, dass sie sich mit den Plänen auseinander gesetzt hat. Letztlich weiß niemand, ob Sie je die oben abgebildeten Pläne zu Gesicht bekommen hat. Hätte sie das, wäre ihr sicherlich aufgefallen, dass nachträgliche Unterkellerungen gar nicht geplant sind und die drei Villen, welche abgerissen werden sollen, aus dem Fundament der Tiefgarage heraus hochgezogen werden. Selbst die Einfügung - wie sie schreibt "tiefgaragenkompatibler" Treppenhäuser - ist nicht vorgesehen. Wo die Tiefgarage tiefer als das Haus liegt, wird mit Schrägen gearbeitet.

 

Die Änderung des B-Planes hätte die Sanierung der Perlenkette zur Folge gehabt, wenn ihr zugestimmt worden wäre.

Der Fortbestand der Perlenkette ist zweifelhaft, wenn der Weg dorthin daraus besteht, eine Sanierung zu verhindern.

 

Aber das ist noch nicht alles:


Ziel des Verkaufs des historischen Heiligendamms an einen einzelnen Investor war der Erhalt und die Restaurierung des ersten deutschen Seebades. Wenn die ECH nach fast 15 Jahren nicht in der Lage ist, diese Aufgabe zu erfüllen, sollten die Verkäufer (das Land und der Bund) endlich ihre Verantwortung für Heiligendamm wahrnehmen und auf Einhaltung des Vertrages drängen. Dabei ist zu prüfen, ob auch eine Rückführung der Gebäude und der Verkauf an einzelne Bauherren mit unterschiedlichen Konzepten möglich wäre. Im Zeitraum von 2, 3 Jahren wären die Villen saniert, es würde wieder Leben in die Prof.-Dr.-Vogel-Straße einkehren und nicht zuletzt das Hotelumfeld endlich aufgewertet. Das wäre ein wirklicher Gewinn für die Region!
 

Die Sanierung der Perlenkette stand hinter der Sanierung des Ensembles an. Da niemand verlangte und verlangen konnte, alles gleichzeitig zu sanieren, wurde diese Reihenfolge festgelegt. Das Ensemble war nach nur drei Jahren Bauzeit fertig gestellt. Die ECH begann schon 2004 mit den nötigen Schritten zur Sanierung der Perlenkette. Die Genehmigungen dafür lagen erst 2006 komplett vor aber inzwischen hatte sich die Situation dahingehend geändert, dass die ECH nicht mehr das Geld hatte, um erst zu finanzieren und dann zu vermieten. Nachdem auch Fremdfinanzierung nicht mehr in Frage kam, entschied sich die ECH für eine klassische Finanzierung über den Einzelverkauf von Wohnungen. Die Vorbereitungen dafür dauerten mehrere Monate und es wurde ersichtlich, dass eine Tiefgarage und Dauerwohnrecht benötigt werden. Die ECH beantragte beides im Jahre 2008 - also nur vier Jahre nach Planungsbeginn und im dritten Anlauf innerhalb dieser vier Jahre. Die Stadtvertreter lehnten Dauerwohnrecht und Tiefgarage mehrheitlich ab und gaben damit der ECH gar keine Chance, den Vertrag einzuhalten.

 

Eine Auflösung des Vertrages zwischen Stadt und ECH könnte Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe zur Folge haben.
Es sind 250 Millionen Euro in das Projekt geflossen und die beiden Vertragspartner - ECH und Stadt - sind dadurch - wie Stadtvertreter Horst Gühler (CDG) es treffend formuliert - "zur Zusammenarbeit verdammt". Selbst wenn man also über eine Herauslösung und Einzelvermarktung nachdenken würde, würde es beim Nachdenken bleiben. Darüber hinaus ist es nach Angaben der ECH überhaupt kein Problem, eines oder mehrere der unsanierten Gebäude zu erwerben. Das beweist der Einzelverkauf der Villa "Krone" an einen Großhändler aus Hamburg. Jeder kann eine unsanierte Villa kaufen. Doch so wie sich bis jetzt nur ein Käufer für eine Villa gefunden hat bestünde bei einer hypothetischen Vertragsauflösung und Einzelvermarktung durch die Stadt oder das Land die Gefahr, dass die neuen Eigentümer (denn die Stadt oder das Land müssten der ECH auch das Geld für Grund und Boden zurück erstatten) die einzelnen Villen auch nicht los wird. Diese Selbstüberschätzung ist aber typisch für die Kommunen unserer Region und nicht nur bei Privatpersonen, wie Frau Ohde zu finden. Die Frage ist auch, ob Frau Ohde für ihre Spekulation (Sanierung im Zeitraum von 1-2 Jahren) ihre Hand ins Feuer legen würde. Die ECH würde die Perlenkette ebenfalls in 1-2 Jahren nach dem "Ja" der Stadtvertreter saniert haben können. Aber diese haben nicht "Ja" gesagt. Da auch jeder andere sein Einzelobjekt ohne Stellplatz nicht anbieten darf und seine Stellplätze nicht auf der Oberfläche bauen darf, bleibt auch dem hypothetischen Einzeleigentümer nur die Vermarktung mit einem weit entfernten Stellplatz oder - da er denselben Misserfolg bei seinen Interessenten haben dürfte - der Bau einer Tiefgarage. Oder soll die Stadt dem Einzeleigentümer Zustimmung für all das geben, was sie der ECH bisher verboten hat? Die Perlenkette müsste übrigens dann natürlich auch umgewidmet werden, damit wieder ein Dauerwohnrecht besteht.


 

So viel dazu. Dann hätten wir da die Ansicht, dass die Stadtvertreter bisher geschlafen haben und die ECH sich im Ort verselbständigt hätte.
Das ist z.B. Unsinn. Die Stadtvertreter haben jeden angesprochenen Punkt selbst beschlossen oder wenn er nicht in ihrem Kompetenzbereich lag, hingenommen (Villa Perle z.B.).

 

Ein Sieg ist die Entscheidung vielleicht nicht aber die Argumentation ist auch an den Haaren herbei gezerrt.
FUNDUS bekommt keine Kredite, weil Jagdfeld das Vertrauen der Banken verspielt hat. Wer einen Kredit (aus welchen Gründen auch immer) nicht pünktlich zurück zahlt und dann auch noch seine Bank verklagt, ist nun einmal nicht der Liebling aller Banken. Aber Banken kreditieren Immobilienprojekte eh nur im Ausnahmefall.

Außerdem geht es nicht darum, Heiligendamm auf Pump zu finanzieren.

Für die Perlenkette wird ein ganz normales Finanzierungskonzept genutzt:
Erst werden die Wohnungen verkauft und dann werden die Häuser saniert.

Dass die Villen nicht saniert werden können, weil sie nicht verkauft werden dürfen, ist auch frei erfunden.
Die Genehmigung für die Sanierung liegt schon lange vor und was die ECH mit den Wohnungen macht, ist quasi Verhandlungssache.
Der Investor könnte genauso gut die Villen wieder aufbauen und mit je 16 Wohnungen versehen und diese dann vermieten - das sind reine Formsachen, die am Wiederaufbau nicht hindern. Hinderlich ist nur das große Loch in der Kasse und der Wunsch nach einer Tiefgarage vor der Perlenkette. Das eine bedingt das andere. Eine genaue Erklärung gibt es ein Stück weiter unten.

 

Zur Meinung der Familie Goedecke sollte man erläutern, dass die SVV an diesem Tag gar nichts zu entscheiden hatte, das in irgend einer Weise mit der Öffentlichkeit in Heiligendamm zu tun gehabt hätte. Es ging nur um den Wiederaufbau der Perlenkette nebst Tiefgarage und einigen Neubauten, wie letztlich das Thalasso-Zentrum. Die Prof.-Dr.-Vogel-Straße wird so oder so Hotelgelände. Anders ist es logistisch gar nicht möglich.

 

Was die Schreiber unter "Jetzt ist Stillstand" übersehen ist, dass die Pläne nur in ihrer jetzigen Form abgelehnt wurden.
Es steht der ECH frei, die Änderungen seit dem letzten genehmigten B-Plan rückgängig zu machen oder zu modifizieren und den Plan neu einzubringen und die SVV neu abstimmen zu lassen. Eine weitere Option ist, den bereits genehmigten B-Plan umzusetzen. Also ohne Tiefgarage, ohne Baumfällungen und ohne Wohnungsverkauf.  Alle diese Optionen sind aber für die ECH nicht durchführbar, wie Sie weiter oben gelesen haben.

Es wurden nur die Änderungen seit dem letzten B-Plan abgelehnt. Die ECH könnte trotzdem sofort mit dem Bau der Perlenkette und der Neubauten nebst Thalasso-Zentrum und Ayurveda-Zentrum und Plastische Chirurgie beginnen. Nur eben auf Grundlage des alten Bebauungsplanes.

Und der ist nun einmal unzureichend. Die ECH kann nur formal beginnen - praktisch ist es völlig unmöglich.

 

Die ECH mit einer Pro-Entscheidung dazu zu zwingen, mit dem Bau zu beginnen, ist zu kurz gedacht.
Es macht es keinen Unterschied, ob man die ECH blockiert oder schubst - es ist beides keine Art, mit einem Investor umzugehen.

 

Ein unsinniger Bau wurde auch nicht verhindert. Da die Stadt die Zahl der Fahrzeuge über der Erde von vornherein drastisch begrenzt hat - um Großparkplätze zu vermeiden - müssen Tiefgaragen her. Und zwar nicht nur diese, sondern auch noch einige weitere.

 

Ja und zum letzten Leserbrief: Man kann Unsinn auch auf eine Zeile komprimieren.
Das "Nein" sorgt auch nicht für eine Sanierung der Perlenkette.


 

Die Meinungen der Bürger: Weitere 4 Leserbriefe.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 08. April 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Heiligendamm: „Wir wollen mitgestalten“

Oliver Sembill, Kühlungsborn: Ich schreibe Ihnen als Bürger, nicht als Direktor des Grand Hotels. Denn ich lebe gerne hier mit meiner Familie, weil wir sehr gastfreundlich von den Menschen aufgenommen wurden. Das ist keinesfalls selbstverständlich. Umso trauriger bin ich daher, wie sehr einige wenige immer wieder gegen die Fortentwicklung von Heiligendamm polemisieren.. Argumente scheinen da keine große Rolle mehr zu spielen. Ich gewinne den Eindruck, dass unsere tägliche Arbeit, von der ja auch die Menschen vor Ort profitieren, nicht geschätzt wird. Das ist einfach nicht fair.

Hier wollten wir Großen mal alt werden

Solveig Davidek, Bad Doberan: Die Gedanken von Herrn Mattke sprechen mir aus der Seele. Ich habe seit 1969 durch meine Großeltern eine Verbindung zu Heiligendamm gehabt. 1992 bin ich – inzwischen mit eigener Familie – selbst nach Heiligendamm gezogen. Die Großeltern lebten da leider nicht mehr, aber ich wohnte immer gern im inzwischen von den Eltern gekauften Haus. Selbst 2002, neu verheiratet, drehten sich die Lebenspläne unserer Familie immer um Heiligendamm. Hier wollten wir Großen mal alt werden, eines Tages das elterliche Haus übernehmen.

Wir bauten das gesamte Obergeschoss für uns aus, nur mit eigenen Mitteln, Muskelkraft und viel Enthusiasmus. Unsere Familie vergrößerte sich. Welch ein Glück! Dann kam das Hotel – sehr schick, sehr vielversprechend in vielerlei Hinsicht. Jedoch begann damit auch eine ganz andere Ortsentwicklung. Diese ist hinlänglich bekannt. Fakt ist für unsere Familie (heute 39, 39, 17, 16 und 5 Jahre jung), dass wir uns in Heiligendamm schon seit Jahren nur mehr geduldet fühlten. Wir Einheimischen waren zeitweilig geradezu als Krakeeler verschrien, wenn es kritische Stimmen aus unseren Reihen zu Plänen gab, die ganz und gar nicht zu einer positiven Entwicklung eines Ostseebades passten. Es ist so traurig, dass dieser Ort tot ist! Ältere Menschen haben hier nichts als ihre unmittelbare Wohnumgebung und ihre Erinnerungen. Junge Menschen haben hier keine ausreichende Zukunft. Die vielzitierten Arbeitsplätze, die nach den Fundus-Investitionen geschaffen worden sein sollen, stehen in keinem Verhältnis zu denen, die wir hätten haben können, wenn sich der Ort für einen breiteren Tourismus- und Kurbetrieb entwickelt hätte....

Wir wollen nicht irgendwo abgestellt wohnen und alles um uns herum geschehen lassen. Nein, wir wollen mitgestalten. Das kann man als Heiligendammer nicht. Unsere fünfköpfige Familie ist am 7. März 2009 aus Heiligendamm weggezogen.

Uns würde die Sanierung nutzen

Wolfgang Hensel, Mitglied des Handwerker- und Gewerbevereins e.V. Bad Doberan: Als Handwerker sind wir bemüht, die wirtschaftliche Entwicklung in unserer Stadt, einschließlich Heiligendamm, voranzutreiben. Ich meine, dass einige unserer Stadtvertreter ziemlich fahrlässig mit der Zukunft von Heiligendamm umgehen. Auch die Berichterstattung der OZ ist zu diesem Thema einseitig und ich würde mir wünschen, dass endlich mal sachlich berichtet und argumentiert würde.

Der ECH wird unterstellt, dass sie keine Kredite mehr bekäme und sie verschiedene Institutionen gegeneinander ausspielt. Behauptungen, wo aber sind die Beweise? So wie wir schon vom Bau des Hotels profitiert haben, so würde uns auch die Sanierung der Perlenkette nutzen, denn da sind wir als gute Handwerker aus vielen Gewerken gefragt. Anderswo würden sich die Leute freuen, wenn bei ihnen investiert wird. Aber bei uns sind manche noch stolz darauf, (auch mit Hilfe der OZ) es dem bösen Investor heimzuzahlen.

Der Verfall schmerzt mich

Wolfgang Hillscher, Bastorf: Das ist mir aus dem Herzen gesprochen, was Herr Mattke über Heiligendamm denkt, fühlt und sagt! Für mich die beste Stellungnahme, die ich je zu der umstrittenen Entwicklung in Heiligendamm gelesen habe! Sicher denken die meisten unmittelbar Betroffenen und die vielen Heiligendamm-Fans genauso. Es schmerzt mich, der ich selbst fast 10 Jahre in Heiligendamm gewohnt habe (davon mehrere in verschiedenen Häusern der Perlenkette), die Verfalls- und Ausgrenzungserscheinungen in der „Weißen Stadt am Meer“ in so gravierender Form miterleben zu müssen! Vielen Dank der OZ, die mit diesem Artikel Pflichtlektüre für die Doberaner Stadtvertreter und die Fundus-Entscheidungsträger geschrieben hat.
 

 

Der zweite Schwung Leserbriefe ist erstaunlich emotional. Hier geht es nicht mehr um Konzepte, sondern um Gefühle. Um verletzte Gefühle.

Dabei wurde die tägliche Arbeit eines Oliver Sembill und seiner Mannschaft nie großartig in Frage gestellt. Wenn die Leute auf das Hotel schimpfen, meinen sie zu 99% die ECH, bzw. FUNDUS. Schon bei dem, was sie kritisieren wird klar, dass Sembill und seine Mitarbeiter das gar nicht beeinflussen können. Es geht um Zäune, Verfall und Baupläne - alles Dinge, mit denen die Belegschaft des Grand Hotel rein gar nichts zu tun hat. Auch ist es Unsinn, dass die Bürger gegen die Fortentwicklung Heiligendamms polemisieren. Ganz im Gegenteil: Sie fordern ja mehrheitlich, dass es endlich weiter geht. Sie sehen den Stillstand und suchen ihren Schuldigen: Mal sind es die Stadtvertreter und mal ist es die ECH.
Aber es war nie davon die Rede, dass das Hotel daran Schuld wäre.

 

Die ECH bekommt keine Kredite, weil ihr die Banken keine geben. Und diese haben Gründe, die sie uns auf Grund des Bankengeheimnisses niemals verraten werden und dürfen. Darum ist dieses Thema völlig indiskutabel. Der HGV schließt sich mit seiner Aussage nur der Diskussion in Form von Mutmaßungen und Vermutungen an. Der Ton ist auch nicht gerade gut gewählt aber das ist Sache des HGV.

Vielleicht aber noch ein paar Worte hierzu:

 

Die vielzitierten Arbeitsplätze, die nach den Fundus-Investitionen geschaffen worden sein sollen, stehen in keinem Verhältnis zu denen, die wir hätten haben können, wenn sich der Ort für einen breiteren Tourismus- und Kurbetrieb entwickelt hätte....

 

Natürlich ist das nur eine Meinung einer Privatperson aber es muss auch verdeutlicht werden, dass die ECH ja kein Besatzer ist.
Bund, Land und Stadt haben dem Verkauf von fast 80% Heiligendamms zugestimmt und sich selbst somit den Platz für die eigene Klientel genommen. Die ECH hat natürlich genommen, was ihr Gebiet zusammenhängend machte. So hat sie im Süden des Ortes nach und nach Grundstücke dazu gekauft, um eine Einheit von den Mollischienen bis zum Forsthaus zu erlangen. Enklaven oder Aussparungen sind immer Reibepunkte. Hier könnten sich Leute gestört fühlen und hier könnten sich auch Konkurrenten ansiedeln oder einfach nur "unpassendes" Gewerbe.
Von daher macht es immer Sinn, sich ein zusammen hängendes Gebiet zu erkaufen, wenn man es schon nicht so vorfindet. Es ist ja auch eine Frage der Logistik, wenn es um einen Hotelbetrieb geht. Die Stadt hat es versäumt, zusätzlich zum Hotel und zur Rehaklinik auch touristische Angebote für Tagesgäste und den Massentourismus zu schaffen. Man kann aber nicht der ECH den Vorwurf machen, nicht für eine fremde Klientel gesorgt zu haben.

 

 

Und noch zwei:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 20. April 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Heiligendamm: Vorschläge statt Vorwürfe

Zur Debatte um die Sanierung der Villen in Heiligendamm und den Bau von Tiefgarage und Flutmauer schreibt Harry Klink aus Doberan: „Die ECH ist nicht in der Lage, eine Bankbürgschaft für die geplanten Baumaßnahmen an der Perlenkette zu hinterlegen. Ohne Bürgschaft besteht Gefahr für Leben und Werte bei Nichtfertigstellung einer komplizierten (Hochwasser-)Baumaßnahme, auch für die hoch verschuldete Stadt. Die muss bei Insolvenz des Bauträgers diese Maßnahme beenden. Mit Bürgschaft kein Problem. Ohne Bürgschaft weitere Millionen- Schulden (siehe Kammerhof) durch inkompetente Politiker? Dem darf ein verantwortlicher Abgeordneter nicht zustimmen. Die Grundwasserprobleme in Heiligendamm wurden eingehend beim aktuellen Kurwald (der hier falsch destiniert ist) erläutert. Nach Norden hin gibt es jetzt schon einen Stau, der schwer abzuleiten ist. Die Tiefgarage würde das Problem verstärken. Machbare Lösungen wurden angeboten. Die gesamte Abholzung des in unmittelbarer Nähe liegenden Kleinen Wohlds um die Alexandrine (gegen die sich die Stadtvertreter mit 21 Stimmen schon 20007 ausgesprochen hatten) stellt eine grobe Missachtung der aktuellen Beschlusslage durch Bürgermeister und ECH dar, würde zum unweigerlichen Abrutschen des Kliffs führen. Und der Kurwald für Patienten, Hotel- und Pensionsgäste gehört hierhin, die Promenade und der E9 (welche mit Steuergeldern saniert wurden!) gehören geöffnet, so die Gesetzeslage. Man kann nicht mit Steuermitteln sanieren, dann privatisieren. Das ist Subventionsbetrug. Ein getunnelter Stichweg (so auch Gutachten der ECH) von den öffentlichen Haltestellen zur Seebrücke (nicht über die Liegewiese des Severinpalais) würde die Wegediskussion endlich beenden. Das sind praktikable Vorschläge.“

Zum selben Thema schreibt per E-Mail Frank Wietschorke aus Frankfurt/Main:
„In den alten Bundesländern würde wohl niemand auf die Idee kommen, einen Investor so massiv anzugreifen, weil ein paar öffentliche Wege zugemacht werden müssen. Die Fundus-Gruppe bringt Wohlstand nach Mecklenburg. Und wie alles auf der Welt, hat auch Wohlstand seinen Preis. Diese Einsicht ist in den neuen Bundesländern scheinbar noch nicht allgegenwärtig. Bei uns würde sich niemand aufregen, wenn ein Hotelressort entsteht und dafür ein Radweg gesperrt wird.“ Info: Aus Platzgründen sind wir nicht in der Lage, alle Zuschriften zum Thema Heiligendamm abzudrucken. Bitte Nutzen Sie zur Diskussion auch die Internetseite www.ostsee-zeitung.de
 

 

Harry Klink ist selbst Stadtvertreter. Er versucht von Anfang an, eine bequeme Lösung mit kurzen Wegen zu finden.

Dabei ist er stets gescheitert: Der Kleine Wohld bleibt für die Öffentlichkeit geschlossen und der Weg vom Bahnhof zur Perlenkette verschwindet.

Und zwar nicht nur, weil die ECH dies will, sondern weil die Stadtvertreter dies mehrheitlich beschlossen haben. Der Stichweg ist seit 2006 vom Tisch. Ihn immer wieder hervor zu kramen, stellt die demokratische Grundlage der Stadtvertreterversammlung in Frage und damit die eigene Arbeit.

 

Letztlich dann zum Leserbrief aus Frankfurt/Main:
Wie kann die Hervorhebung der Unterschiede zwischen "Ossis" und "Wessis" zu einer Lösung in Heiligendamm beitragen?

Mit Herumhacken erreicht man gar keine Lösung. Hier wird wieder das Problem deutlich, vor dem auch Jagfeld steht und das ich hier ausführlich durchleuchtet habe.

 

Da die Ostsee-Zeitung nicht das einzige Medium der Region ist, hier auch die Reaktionen aus dem Stadtanzeiger am Samstag:

 


Peinlich für die Parteien - Schilda war besser!

Leider, und das trifft alle Parteien, die hier mitgewirkt haben, ist der Beschluss zum Nachteil nicht nur der ECH oder der Investoren, sondern besonders negativ wird es die Gewerbetreibenden der Region, den Tourismus, die Arbeitssuchenden und Arbeitsplatzinhaber treffen. Man muss sich fragen, warum sich Bad Doberan nicht mit dem Ort identifizieren kann, und Warnemünde, Rerik, Nienhagen und Kühlungsborn boomen, trotz Krise! Das Schlusslicht ist - mal wieder - Bad Doberan, und CDU, FDP und PDS haben da an einem Strang gezogen, ebenso die abgesplitterten Gruppen... offenbar scheinen einige sich den Stand von vor 20 Jahren zurück zu ersehnen, oder welche Beweggründe haben diese, hier einen weiteren Stillstand zu verursachen? Und die merkwürdigen Konstellationen werden möglicherweise andere Kommunalwahlergebnisse zeitigen, als man sich wünscht...
Ein Trauerspiel - Schilda war besser!

02.04.2009 - 12:46:02
 Meyer-Schwickerath

 


Das Lesen von Planunterlagen scheint kompliziert zu sein, auch wenn diese noch einmal von einem Architekten in epischer Breite erklärt wurden. Doch er hätte sich mühen können ohne Ende, die Antihaltung diverser Stadtvertreter stand von vorn herein fest. Blamabel. Es kann höchstens dem Wahlkampf geschuldet sein, daß so ein Durcheinander entstand. Doch gerade im Wahlkampf bringt die positive Einstellung Stimmen.
Yes, we can, oder doch nicht???!!!
 

Ruthilde Suchmilsky


Gut so

Ich finde es gut so,das die Stadtvertreter sich endlich dazu durchgerungen haben,das ganze nicht zu genehmigen. Es war nicht mehr durchschaubar,was dort in Heiligendamm ablüfut.
Man kann nicht es bedauern,das es dort nicht wietergeht,das die Handwerker um ihre eventuelle Arbeit dort,bekommen sind.
Viel wichtiger ist doch,das ein einmaliges Gebiet,bewußt verfallen ist.
Geld war gesicher genügend da.
Aber es wurde mit der Zeit gespielt.
Es ist schlimm,das mecklenburgisches Erbe so verscherbelt wurde.
Es war doch von Anfang an klar ,das das dort bald nicht mehr öffentlich sein wird.
Dazu hat so mancher dazu beigetragen,hat Knicks gemacht und nur Ja-ja zu allem gesagt,was von dort kam.
Und nun haben wir die Bescherung.
Wenn das jetzige Vorhaben durchgekommen wäre,na dann gute Nacht Mecklenburg.
Hätte man gute Absichten gehabt,einen kleinen Teil als Rückzugsgebiet für sich zu nehmen,aber im allgemeinen zu restaurieren,damit auch alle dort weiter herumwanderen könnte,wäre auch was getan worden.
So wurde doch nur mit Hinhaltetaktik gespielt.
Aber Heiligendamm ist nicht das einzigste Sanierungsproblem,siehe das alte Moorbad in Bad Doberan.
Als Vergleich mal Görlitz,da kam ein Investor,der aber unbekannt ist,der hat jedes Jahr 1/2 Million Euro spendiert und Görlitz ist h eute schöner als je und Heiligendamm ist nur noch ein --.
Traurig,aber wahr!Wer glaubt,Investoren sind immer was gutes,der sieht sich hier bestätigt und Leute,die jemanden immer in den Hintern kriechen,um Lieb Kind zu sein,gibts zu allen Zeiten.

 

02.04.2009 - 17:43:18
Erika Wenzel
 

...

Was genau ist jetzt „gut so“, Frau Wenzel?

Abgesehen davon, ... ist Ihr Kommentar auch inhaltlich noch peinlicher, als die letzte Entscheidung der Bad Doberaner Stadtvertreter zu Heiligendamm.

„Auf Zeit gespielt“ haben hauptsächlich die Gegner des Investitionsvorhabens in Heiligendamm - und das haben sie richtig gut gemacht, wie man heute an der Perlenkette sehen kann. Gratulation!
Für Investoren ist Zeit Geld, vielleicht haben Sie davon schon mal etwas gehört. Und Geld wächst, anders als manche vielleicht vermuten, nicht auf Bäumen. Jedes Jahr, in dem Heiligendamm nichts passiert, kostet den Geldgebern deutlich mehr, als sie einnehmen. Woher sollte also auf dieser Seite das Interesse kommen, auf Zeit zu spielen?

Das Investoren um die ECH in den jetzigen Krisenzeiten nun langsam Probleme bekommen, auch weil in Amerika einige Finanzhaie den Hals nicht voll genug kriegen konnten, und Immobiliengeschäfte deshalb ein noch höheres Risiko als bisher darstellen, dürfte jedem klar sein.

Mag sein, dass Sie es als „gut so“ empfinden, dass die Stadt Bad Doberan neben dem Kammerhof vielleicht kurz vor einem zweiten Millionengrab steht und das älteste deutsche Seebad weitere Jahrzehnte verfallen wird, weil die, die investieren wollen irgendwann die Nase voll haben von dem Geschwätz verkrachter Doberaner Existenzen.

Ob die Einwohner der Stadt Bad Doberan so etwas als „gut so“ empfinden, darf stark bezweifelt werden.
Bezweifelt werden darf gerne auch, ob die Entscheidung der Stadtvertreter tatsächlich „Sieg für Bürger Heiligendamms“ ist, wie es die OZ kürzlich betitelte. Ob sich die Heiligendammer Einwohner, Pensionsinhaber oder Betreiber von Ferienwohnungen tatsächlich über den weiteren Verfall freuen und das als „Sieg“ genießen?

Niemand muss Investoren in den Hintern kriechen, es ist völlig ausreichend, ihnen keine Steine in den Weg zu legen. In Bad Doberan ist das offenbar ein kaum machbares Unterfangen. Das bei diesem großen Projekt auch gravierende Fehler seitens der ECH gemacht wurden, sollte natürlich auch mal zugegeben werden, dies wäre dem Klima zwischen Stadtvertretern und der ECH sehr dienlich.

Bleibt zu hoffen, dass die Kommunalwahl hier etwas Klarheit bringen wird. Allerdings bin ich über das Abstimmungsverhalten der einzelnen Parteien im Stadtparlament entsetzt. Die SPD stimmt pro Investor und CDU und FDP dagegen? Was ist das denn bitte? Wenn das so ist, dann wählt die Leute mit Weitsicht von der SPD!

Diese Antwort geht in ähnlicher Form auch als Leserbrief an den Stadtanzeiger, ich bitte hiermit dringend um Veröffentlichung!
 

03.04.2009 - 08:21:15
Fred Samel


...

Was interessiert die Menschen in dieser Region?

Wer Investitionen verhindert, der verhindert Verdienstmöglichkeiten für die Leute. Wie überall auf der Welt, so ist der Job für die Menschen auch aus Bad Doberan wichtig. Man sehe sich die Ergebnisse der Abstimmung von den Stadtvertretern zu weiteren Investitionen in Heiligendamm an: die Abgeordneten mit gesichertem Einkommen (Rente, öffentliche Hand) müssen sich doch nicht um Arbeit in dieser Region kümmern. So haben sie natürlich abgestimmt. Aber: jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.
 

03.04.2009 - 14:14:27
Christel Fründt
 


Stillstand in Heiligendamm

Nun ist es also heraus - 50 % der Doberaner Stadtvertreter wollen nicht, daß es in Heiligendamm weiter geht.
Egal, was bisher in Heiligendamm für Probleme, Anschuldigungen und Diskussionen über den Investor und seine Vorhaben vorhanden waren, mit der Ablehnung der bereits beschlossenen Änderungen zu den B-Plänen kann der Investor nun mal nicht weitermachen.
Planungssicherheit für Investitionen sieht anders aus.
Die Verantwortung für den jetzt verordneten Stillstand in Heiligendamm ist von der ECH - wenn es sie denn bisher war - auf die Doberaner Stadtvertreter übergegangen.
Hieraus, wie in der OZ veröffentlicht, einen Sieg für die Heiligendammer zu machen, wird ein nicht nachvollziehbares Geheimnis des Artikelschreibers bleiben.
Durch den jetzt durch Verweigerung der erforderlichen Genehmigungen herbeigeführten Stillstand haben die Heiligendammer verloren - und zwar alle. Auch Einzelpersonen, die sich auf Stadtvertretersitzungen nicht benehmen können.
Dem geneigtem Leser können wir aber versichern - die Heiligendammer sind nicht alle so!
Zum Glück wurde in der Stadtvertretersitzung am 30.03.09 namentlich abgestimmt. So können alle Bürger von Bad Doberan und Heiligendamm bei den kommenden Kommunalwahlen mit ihrem Kreuzchen entscheiden, ob sie den Verfall - oder die Fortsetzung der Investitionen in Heiligendamm wollen.

Bernhard und Elke Hildebrandt aus Heiligendamm

04.04.2009 - 18:40:56
Bernhard und Elke Hildebrandt


Endlich klopfen die Stadtvertreter, zumindest der überwiegende Teil, der ECH ( eigentlich dem Herrn Jagdfeld ) auf die Finger. Dies war längst überfällig. Ich habe einen Ordner – Entwicklung Heiligendamm--seit 27.04.2002 angelegt , bis zum heutigen Tage. Wenn man sich die Interviews, Meinungen, Absichten und Versprechungen des Herrn Jagdfeld ansieht, von 2002 bis heute 2009, dann kann man dem Herrn Jagdfeld ( ECH) nicht mehr glauben. Wie ein roter Faden zieht es sich hin--- Herr Jagdfeld will- g a n z- Heiligendamm haben – Da sind alle Mittel recht. Die Einwohner u. viele andere Bürger wurden doch total verarscht u.- die Politiker, außer ein paar, haben dieses Spiel mitgemacht. Jedem Bauherren werden Fristen gesetzt, Herr Jagdfeld steht über den Dingen. Ich hoffe die Banken werden langsam hellhörig. Nicht die Stadtvertreter haben den Aufbau Heiligendamm ( gemeint Aufbau des Hotelkomplexes) verhindert, sondern Herr Jagdfeld persönlich. Meine Damen u. Herren Stadtverteter , lassen Sie sich nicht vor den Karren spannen, entscheiden Sie auch mal gegen ECH, Fundus, Jagdfeld. Er soll erst einmal die alten Forderungen erfüllen. Der größte Fehler – alles an einen Investor. Herr Mattke hat genau den Kern getroffen. Als „“nicht „ Heiligendammer kann man immer auf den Putz hauen. Wir leben hier u. nicht Sie Herr Sembill ( OZ vom 08.04.) Von was profitieren denn die----Heiligendammer ------ Vom Wurst- und Bäcker- Mobil, einmal die Woche, von Absperrungen, Zäune, Hecken, Sperrung des Europäischen Rad u.- Wanderweges ??(OZ v 08.04.) Fragen Sie mal die älteren Mitbürger! Es sind auch nicht einige, wenige. Da haben Sie das Ohr nicht an der Masse. Ein letztes, Herr Hensel ( OZ v. 08.04.) die Zeitungen sind zum Informieren da u. nicht irgendjemanden nach dem Munde zu Reden sondern des Volkes Meinung wiederzugeben, auch wenn dies Ihnen nicht gefällt. ... Es geht um die Bürger von -H e i l i g e n d a m m. Wären es mehrere Investoren gewesen, hätte es einen Wettbewerb gegeben u. wir hätten wieder Leben, Urlauber, Touristen, Tagesgäster hier, die auch Geld--hier--lassen und Kleinunternehmen ( Gaststätten, Kaffee, Friseur ect) in Heiligendamm ein Einkommmen sichern.Wer von den " Herrschaften" läßt Geld direkt in Doberan ??
Bernd Ludewig
Heiligendamm
 

07.04.2009 - 20:14:50
Ludewig


...

Sicher kann jeder die Enttäuschung einiger Heiligendammer und Doberaner nachvollziehen, denn der Anblick der Villen ist nicht besonders erquickend. Es kann schon sein, dass es ein Fehler war, alles in die Hand eines einzigen Investors zu legen. Bad Doberan hat sich aber nun mal dafür entschieden. Das lässt sich nicht rückgängig machen - das sollte jedem langsam klar sein.

Bestimmt haben die Investoren und die Stadtvertreter einige falsche Entscheidungen getroffen, das ist bei einem Projekt dieses Ausmaßes wahrscheinlich nicht zu vermeiden. Mit „hätte man damals dies, hätte man damals das“ findet man aber heute auch keine Lösungen.
Gleiches gilt für das ewig gestrige Gejammer wie „Zu DDR-Zeiten war alles besser“ (Leserpost), denn wir sollten nicht vergessen, dass der Zusammenbruch der DDR die Ursache für das heute existierende Heiligendamm ist.

„Nicht die Stadtvertreter haben den Aufbau Heiligendamm (gemeint Aufbau des Hotelkomplexes) verhindert, sondern Herr Jagdfeld persönlich.“
Aber sicher doch, einziges Ziel des Herrn Jagdfeld ist es schließlich, den Aufbau Heiligendamm zu verhindern. Klingt total logisch, das machen doch alle Investoren so. Wirklich weise, wirklich...

Niemanden geht es darum, jemanden „nach dem Munde zu Reden“. Vielmehr geht es den meisten darum, das bisher Erreichte nicht auch noch zu zerstören, denn damit wäre niemanden geholfen, nicht den Heiligendammern, nicht den Bad Doberanern und auch nicht den Investoren.

Bei der Entscheidung der letzten Stadtvertretersitzung ging es u.a. um den Bau von Tiefgaragen für die Villen der Perlenkette in Heiligendamm, damit die Villen als Wohnraum genutzt und endlich saniert werden können.
Dass der Investor sich nun endlich doch dazu durchgerungen hat, die Villen als Wohnraum zu verkaufen kommt zwar reichlich spät, ist aber doch begrüßenswert, oder nicht? Und dass die Mieter oder Eigentümer der Villen ihre Fahrzeuge (schätzungsweise zwei bis vier pro Villa) nicht auf der Straße parken möchten, ist einleuchtend. Dass sich die Villen ohne ausreichende Möglichkeit, Fahrzeuge unterzubringen, nicht verkaufen/vermieten und damit auch nicht sanieren lassen, ist ebenso einleuchtend.

Es gibt im Moment wenig Grund zur Freude, weder bei den einen, noch bei den anderen. Nach wie vor sehe ich weit und breit keinen „Sieg für die Bürger Heiligendamms“.
 

11.04.2009 - 19:19:04
Fred Samel


 

Herr Samel, es geht doch hier nicht mehr um einzelne Objekte. Es geht doch darum wie der Herr Jagdfeld mit den Politikern , den Doberanern u. vor allen Dingen mit den Heiligendammern "spielt". Leider haben wir alle mit uns "spielen" lassen. Auszug aus OZ vom 16.07.2002 "- Anfang 2003 soll in H.damm der Startschuss für eine gewaltigen Entwicklungsschub erfolgen, den der gesamte Ort in den Folgejahren erfahren wird , blickt Herr Jagdfeld voraus" -. Auszug Ende. Ich könnte Ihnen noch unzählige ähnliche Kommentare von Herrn Jagdfeld mitteilen. Darum geht es . Herr Jagdfeld ist der Herr " aller Reusen" u. alle anderen haben sich dem unterzuordnen. Wir waren anfangs wirklich froh als es losging, wir haben uns auch die Hotelzimmer angesehen usw. Wir dachten, ok ." dort sind die Betuchten u. hier die Normalos. Wir kommen miteinander aus, Hauptsache der Ort erblüht wieder und --alle--- haben etwas davon. Aber Pustekuchen. Leere Versprechungen, Absperrungen,Wanderwege sperren, Gartenanlagen aufkaufen u. die Gartenpächter verdrängen ( obwohl die noch hätten 2-3 Jahre ihre Gärten bestellen können) Ich weiß wovon ich Rede. Ich vergleiche Heiligendamm mit Hohe Düne. Gibt es dort Zäune, Hecken, Absperrungen. Die Leute gehen sapzieren, schauen sich die Anlage an u. die "Betuchten" stören sich nicht daran. Oder hat Hohe Düne weniger Sterne ?? Ich muß auch den Politikern Vorwürfe machen. Diese Unentschlossenheit u. Wankelmütigkeit hat mit zur jetzigen Situation beigetragen. Auzug aus OZ v. 07.11.2003"- Der Kleine Wold westlich des Grandhotel wird nicht an die ECH verkauft , der Küstenweald soll als Kur u.Erholungspark für die Öffentlichkleit erschlossen werden"-- Auszug Ende. Ha,ha,ha. Ich könnte noch mehr anführen, aber genug. Es soll doch nur mal eine Person der ECH voran Herr Jagdfeld oder die Politiker, die damals tiefe Bücklinge gemacht haben, sagen. Verdammt wir haben uns geirrt, es tut uns leid wir machen es jetzt besser, gemeinsam mit den Bürgern von H.damm u. auch von Bad Doberan. Wenn es aber so weitergeht, dann wird es irgendwann Sieger u. Verlierer geben. Die Politiker denken doch nur von einer Wahlperiode bis zur anderen. Es sind bald Wahlen. Ehrlichkeit ist angesagt!!!!

12.04.2009 - 10:45:31
Bernd Ludewig eMail Homepage


Heiligendamm ist weit weg

Gut getroffen, Herr Samel und Frau Schuchmilsky.

...

Nun zum Thema:
Mir könnte Heiligendamm egal sein. Ich bin weit genug weg. Früher war ich gerne Gast dort (- nein, liebe Rhetorik-Künstler, ich meine nicht zur DDR-Zeit) und ich hatte die Hoffnung, daß diese Gegend schnell eine Perle an der Ostsee wird. Die Basis dafür war da. Sicher hatte es mehrere mögliche Investoren gegeben, die gerne einzelne Bereiche der Perlenkette zu neuem Glanz verholfen hätten. Ich bin davon überzeugt, daß mit denen jetzt höchstens - wenn überhaupt - eine heruntergekommene Villa den Anblick verschandeln würde. Doch so ist nun die ganze Kette verkommen. Da hatte die Mehrzahl der Stadtvertreter wohl alles auf eine Karte gesetzt und verloren

Nun heißt es, die Stadtvertreter hätten alles hinausgezögert.
Da bin ich mir nicht so sicher. Sehe ich mir an, welche Versprechen für die Halbinsel Wustrow gemacht worden sind. Dort ist nichts passiert. Dort hat die Stadt gar keinen Einfluß. Dort hatte der Investor das Blaue vom Himmel versprochen. Ist die Investorengruppe dort nicht die gleiche, wie die von Heiligendamm?
Ist dort nicht einem Mitbewerber vorgeworfen worden, er könne nicht zahlen? Vielleicht hatte die Investorengruppe, die jetzt auf dem Areal sitzt, mit Geld gewunken, das gar nicht vorhanden war? Vielleicht sieht es in Heiligendamm ähnlich aus?

So oder so, Heiligendamm ist für mich keinen Besuch mehr wert, zu umständlich ist mir der Weg zur Seebrücke.
Für Leute, die eine Radtour entlang der Küste unternehmen wollen, wird Heiligendamm sicher auch unangenehm in Erinnerung bleiben.
Aber vielleicht ist das Absicht des jetzigen Investors, solche kleinen Leute wie mich von Heiligendamm fernzuhalten? Meiner Erfahrung nach vernichtet solches Gebahren Arbeitsplätze.

Klar, es wird damit geworben, daß ein Investor viele Arbeitsplätze schaffen würde. Daß zum Beispiel 200 mal „nur“ ein Arbeitsplatz auch 200 Arbeitsplätze sind, wird dabei völlig ignoriert. Aber wen interessieren schon die kleinen Leute und Gewerbetreibenden, die fette Große Zahl ist in den Medien, vielen Politikern und Wählern wichtig.
 

12.04.2009 - 19:51:16
Oskar Kreuz


Herr Ludewig, schön dass Sie den Humor nicht verloren haben. Wie gesagt, wie jemand schreibt, sagt viel über den Menschen aus. Aber: Keine Fehler macht nur der, der nichts macht (*).

Was den Wahrheitsgehalt und den Sinn von Artikeln über Heiligendamm in der von Ihnen erwähnten Tageszeitung betrifft - darüber liesse sich eine weitere sehr lange Diskussion führen.

Die Kommentare von Herrn Jagdfeld werden offenbar gerne mal überschätzt, so wie die Person selbst auch. Für manche scheint der Mann ja so etwas wie ein Monster zu sein. Dabei ist er sicher in erster Linie ein Mensch, wie wir alle. Natürlich ist Herr Jagdfeld auch der Chef des ganzen Geschehens - und sicher hat damit er das Recht festzulegen, wo es lang geht, das ist doch nichts ungewöhnliches. Das bedeutet aber nicht, dass er immer die richtigen Entscheidungen fällt, siehe (*) oben.
Oft müssen bei so großen Projekten Entscheidungen getroffen werden, obwohl noch nicht absehbar ist, wie es sich entwickelt (*2).

Für das Vorhaben Heiligendamm wurde wichtige Zeit wegen einer absolut unhaltbaren Forderung nach dem so genannten „Stichweg“ quer durch das Hotelgelände vergeudet. Wer sich den Verlauf des damals geforderten Weges vor Ort angeschaut hat, weiß was gemeint ist. Für das Projekt bedeutete das jahrelangen Stillstand und Verlust von Geldgebern. In diese Zeit fiel auch das „Auskippen“ von Bustouristen in Heiligendamm, was das Hotel zu einer Art Zoo zum Reiche Anschauen verkommen ließ. Das dadurch die Suche nach neuen Geldgebern (...und Hotelgästen) schwieriger wurde, als geplant, leuchtet sicher den meisten ein (siehe *2).
Seit dem ist der Investor auf das Wort „Öffentlichkeit“ in Heiligendamm nicht mehr so gut zu sprechen. Niedrige Hecken und Zäune wurden gesetzt, Wege gesperrt. Ursache und Wirkung sollte man hier im Auge behalten. Aus meiner Sicht war das reine Notwehr und hatte hauptsächlich mit den Bustouristen und nicht mit den Einheimischen zu tun.

Zu Ihrem „tiefe Bücklinge machen“ oder auch „nach dem Munde Reden“ hatte ich mich schon geäußert.
Niemanden geht es darum, ich denke das wissen Sie auch. Auf dieser Ebene sollte nicht diskutiert werden, dafür ist das Projekt einfach zu wichtig.

Das älteste Seebad Heiligendamm mit historischen Gebäuden, welches zur Exklusivität entwickelt werden soll, mit „Hohe Düne“ zu vergleichen - das trifft den Kern sicher nicht. Auch die Fundusgruppe betreibt Hotels, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Ehrlichkeit? Ja, aber bitte auch hier.

Nebenbei teile ich Ihre Auffassung, dass die Investoren Fehler einräumen könnten, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen, siehe meinen Kommentar vom 03.04.2009. Gleiches würde allerdings auch den „Gegnern“ des Projektes gut zu Gesicht stehen.

Wir haben einen Investor in Heiligendamm, dem es sicher schon mal besser ging, wir sollten versuchen, wieder den Weg zur Sachlichkeit zu finden. Es wird keine Gewinner und Verlierer geben, sondern nur Verlierer, wenn es in Heiligendamm nicht bald vorwärts geht.
Ein bisschen weniger Emotionen und etwas weiter über den Tellerrand schauen könnte dabei schon helfen.
 

13.04.2009 - 11:00:22
Fred Samel



Herr Samel, ich schätze irgendwann werden wir einer Meinung sein ( Scherz). Ich weiß zwar nicht inwieweit Sie persönlich mit H.damm verbunden sind. Ich sehe vieles mit anderen Augen als Mitbürger die mal schnell nach H.damm kommen, flanieren u. wieder abfahren. Ich selbst wohne seit 1982 hiere u. habe alles bewußt mitbekommen. Ich will auf gar keinen Fall alte Zeiten zurück, auch nicht in H.damm.Ich könnte Ihnen aber wieder Zitate aus der OZ ( ist meiner Meinung nach sehr seriös) mitteilen --persönliche Äußerungen von Herrn Jagdfeld zu den Bustouristen.Wer hat denn dazu animiert ? Nicht die Bewohner, sondern Herr Jagdfeld. Natürlich würde es mich sehr stören wenn Leute durch das Fenster auf meinen Teller schauen würden. Sie haben eine andere Meinung zu Herrn Jagdfeld als ich ( wie erwähnt , habe alles gesammelt seit 2002) Der sogenannte Stichweg ist doch nicht das Hauptproblem.Auch ohne diesen Weg hätte "er" Haus Perle abgerissen. G 8 Gipfel kam gerade recht.Ist hier eventuell die Sichtachse zum Wasser vom neu erbauten Haus gestört ? Nur eine Frage. Der Stein stört die Sichtachse der Kameras zum G8 !!! Muß weg. Beides wird sofort wieder am alten Platz errichtet !!!! Zum Glück ist der Stein geblieben. Er liegt dort seit über 100 Jahren. was ist passiert " Perle" kommt nie wieder. Verstehen Sie meine Zweifel. Dies sind ja nur einige wenige Dinge.Es würde zu weit führen. Der Stichweg ist daran nicht Schuld. Sind Sie meiner Meinung--Wettbewerb fördert den Fortschritt -? Genau das fehlt in H.damm. Emotionen sind auch was schönes wenn sie in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Wir schauen auch über den Tellerrand hinaus, weil wir ja von innen nach außen schauen. Wissen Sie eigentlich, daß außer die Gartenstraße (Eigenheime) , die Dr. Kortümstraße ( Wohnblöcke) u. 2 Häuser der Kühlungsbornerstr. alles der ECH gehört. Ist schon komisch ,oder. Können Sie nachsehen. Da kann man eigentlich nicht viel Freude der Einwohner erwarten. Deshalb auch unser Mißtrauen ggegenüber der ECH ( Herr Jagdfeld). Wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.
 

13.04.2009 - 11:06:47
Bernd Ludewig



Herr Ludewig... Bustouristen animiert? Werfen Sie dem Hotel oder dem Investor vor, Werbung für das Hotel und Heiligendamm gemacht zu haben? Ist das nicht ein bisschen sehr weit weg von der Realität? Das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen.


13.04.2009 - 20:07:08
Fred Samel


Nein Herr Samel, dies werfe ich niemanden vor. Ich könnte Ihnen zu dieser Geschichte wieder Zitate vom Hotel und von Herrn Jagfeld nennen,- aber lassen wir das. Werbung machen ist doch vollkomen ok. Aber-- dieses dann hinterher, als es unangenehm wird , als Grund anzugeben-- die Leute stören--wir müssen alles dicht machen finden Sie das ok.? Dieses wußte man doch schon vorher. Wie gesagt , mir geht es einfach um die Art u. Weise wie die ECH (Herr Jagdfeld ) über Jahre hin weg mit uns allen umgeht .Noch eine letzte Sache : Ein Gartennachbar aus Apolda sagte mir, es ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar, daß sogar der Fußweg auf der Hotelseite einfach rückgebaut wurde, gegenüber der Fußweg abgezäunt ist um ja die einfachen Leute weit genug vom Hotelkomplex zu haben. Wenn er dies anderen Leuten in seiner Heimat erzählt glauben sie ihm dies nicht. Genau dies ist das Problem. Wie lange ist der Fußweg vorhanden gewesen ? Jahrzehnte--. Aber sicherlich gibt es dafür "wieder" einen anderen Grund.. Wie ich bereits erwähnte ---unsere Politiker und Herr Jagdfeld ---damals ein hervorragendes Gespann. Allen voran " unser "Bürgermeister. Ich möchte damit auch meine öffentliche Meinungsäußerung beenden, obwohl ich soetwas sehr gut finde. Ich danke Ihnen für die rege Diskussion. Wie sagt man so schön " besser miteinander reden als schießen" , dies aber nur sinngemäß.Ich werde die Entwicklung sehr aufmerksam weiter verfolgen u. meinen Ordner sicher weiter füllen können. In Mußezeiten lese ich alles von vorn bis heute. Find ich sehr interessant. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen u. bleiben Sie gesund.
 

14.04.2009 - 09:35:31
Bernd Ludewig


Horst Gühler, für die Fraktion CDG in der Stadt Bad Doberan.
Besuchen Sie uns bitte unter www.cdg-baddoberan.de.
Gesamtmaßnahme Heiligendamm / Vorder Bollhagen
Das Grundgesetz garantiert uns Bundesbürgern das Recht auf freie Meinungsäußerungen. Es darf auch eine Äußerung aus dem Bauch heraus sein, Ihre Meinung ist schon gefragt.
Die Gemeindemitglieder wählen ihre Vertreterinnen und Vertreter in die Gemeindevertretung.
Als Gemeindevertreter sollte man dem Bauchgefühl nicht zuviel Spielraum lassen, sondern auch das geltende Recht beachten, die Situation analysieren, dann sachgerecht diskutieren und Entscheidungen in der Stadtvertreterversammlung treffen. Für letzteres bekommt der Stadtvertreter auch eine angemessene Aufwandsentschädigung vom Steuerzahler. Es ist wohl unstrittig, das Entscheidungen zum Wohle der Gemeinde getroffen werden sollen, auch wenn dies in einer freien Marktwirtschaft am Ende nicht immer gelingt, denn es verhandeln immer zwei Vertragspartner mit ihren Zielvorstellungen. Schön, wenn beide ihr Ziel erreicht haben.
Die Fakten zu Heiligendamm:
Die Treuhandanstalt hatte mit dem Bund die Immobilie Heiligendamm zum Verkauf ausgeschrieben. Im ersten Anlauf standen die Objekte einzeln zum Verkauf, auch wenn dies einige heute nicht glauben wollen. Der Einzelverkauf scheiterte. Es wurde ein zweiter Anlauf unternommen, die Immobilie als Gesamtobjekt ausgeschrieben. Die Stadt durfte über das Grundkonzept entscheiden, die Stadtvertreter forderten die Sanierung des ersten deutschen Seebades Heiligendamm auf hohem Niveau. Unter dieser Bedingung erfolgte die Ausschreibung. Vier große Investoren hatten sich beworben, FUNDUS erhielt den Zuschlag zum Kauf. Alle Fraktionen im Landtag stimmten dem Verkauf an FUNDUS zu, was heute nicht alle wahr haben wollen. Das erste städtebauliche Konzept entsprach einer Investitionssumme von ca. 250 Mio Euro. Mit der Erweiterung des Konzeptes durch die B-Pläne 25 u. 26, mit dem Grand-Hotel, Thalasso- Zentrum, Ayurveda-Zentrum und Plastische Chirurgie, erhöhte sich die Investitionssumme auf ca. 750 Mio Euro. Offensichtlich gibt es Menschen die sich über die Investition freuen, sich aus Prinzip ärgern und welche die die Konkurrenz fürchten. Bis 2008 hat Herr Jagdfeld alle vertraglichen Bedingungen erfüllt, soweit die Finanzierung durch ihn gesichert werden konnte. Die Sicherung der Finanzierung der weiteren Bauabschnitte ist schwierig, zumal Herrn Jagdfelds Gegner scheinbar erfolgreich die Auslastung der neuen Hotelanlage, durch entsprechende Meinungsäußerungen, verhindern. Die negativen Äußerungen zur Fundusgruppe verschrecken die Gäste und Anleger. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Gegner bereits den Bau der Median-Klinik bekämpft hatten und vor dem Verkauf der historischen Anlage ein Staatsbad forderten. Die Forderung nach dem Staatsbad wurde, aus Geldmangel, durch die Landesregierung konsequent abgelehnt. Es ist davon auszugehen, dass die jetzige Stadtvertreterversammlung keine Entscheidungen mehr zu Heiligendamm treffen wird. Wir können die Wählerinnen und Wähler nur bitten sehr genau zu überlegen wen Sie im Juni zum Stadtvertreter wählen, um der Gemeinde, unter den internationalen Bedingungen der freien Marktwirtschaft, eine Entwicklungschance in allen Bereichen einzuräumen. Die Tafelrunde besetzt der Wähler in eigener Verantwortung alle vier Jahre neu, mit allen Konsequenzen. Fanatiker werden weiterhin keinen sinnvollen Beitrag zur Entwicklung der Gemeinde leisten. Da einstige Gegner der Median-Klinik diese heute benutzen um Herrn Jagdfeld zu bekämpfen, ist Zeichen und Warnung genug. Es sind Stadtvertreter gefragt, die mit kühlem Kopf Entscheidungen treffen. Ob die Denkmalschutzbehörde bei der Erteilung der Abbruchgenehmigungen fachlich richtig gehandelt hat ist zu prüfen. Für uns steht fest, dass ein Verkauf an einzelne Investoren dem Ensemble Heiligendamms geschadet hätte. Denken Sie bitte nur an die Reklamen an den Gebäuden und die Blechlawine zwischen den Gebäuden. Dies Erscheinungsbild würde keinem gefallen. Natürlich fällt es schwer den größten Teil eines Ortsteiles hinzugeben, aber die Chance für die Gemeinde sollte man nicht bei der persönlichen Abwägung unberücksichtigt lassen. Eine Hotelanlage ist kein Einzelobjekt und muss deshalb den Gästen vorbehalten sein, zumal es sich um unsere Gäste handelt. Wenn alle auf die Wünsche der Hotelgäste Rücksicht nehmen würden, brauchten keine Zäune und Hecken errichtet werden. Wer sich weit genug von der Planwirtschaft in den sozialistischen Staaten entfernt hat kann gutwillig erkennen, dass die Stadtvertreterversammlung und die Stadtverwaltung mit dem neuen Grundstückseigentümer FUNDUS verhandeln muss und diesem nicht vorschreiben kann, wie er sein Geld und das der Anleger zu verwenden hat. Vielleicht helfen Ihnen die Fakten und Hinweise bei Ihrer Entscheidungsfindung, wir sind gerne für Sie da. Die Gemeindemitglieder können nicht erwarten, dass ohne Kompromisse die Entwicklung zu haben ist. Die Schuldenuhr am Finanzministerium sollte uns Warnung genug sein, Leistung ist gefragt um soziale Probleme lösen zu können, nicht der unhöfliche Umgang mit Investoren.
 

14.04.2009 - 19:21:44
Horst Gühler



Liebe Diskutanten,

es freut mich, wie auch Demokratie im Internet funktioniert. Der Austausch von unterschiedlichen Meinungen ist etwas ganz natürliches, so lange die Sachlichkeit und der Respekt nicht verloren gehen. Herr Gühler, der ja von Anfang an das Projekt Heilgendamm begleitet hat, ist wohl der profundeste Kenner der Materie und spricht mir aus dem Herzen. Mir ist nur ein Satz aus dem städtebaulichen Vertrag in Erinnerung: "Die Stadt Bad Doberan und die ECH eintwickeln g e m e i n s a m Heiligendamm zu einem exklusiven Seeheilbad". Dies mag einigen altvorderen Linke-Mitgliedern gegen den Strich gehen, aber warum ausgerechnet Teile der CDU und Herr Ludwig gegen eine positive Entwicklung in Heiligendamm sind, ist nicht nachvollziehbar.
Und dann kommt noch der allwissende Herr Klink, der mit seinen unsinnigen Anträgen nicht zur Klärung von Widersprüchen beiträgt, sondern die SVV nur elendig ausdehnt.
Damit es in Heiligendamm weiter geht, muß eine vertrauensvolle positive Einstellung der Stadtvertreter aufgebaut werden. Denn gerade Vertrauen ist für eine gesicherte Finanzierung der zukünftigen Bauvorhaben besonders wichtig. Haben die Anleger kein Vertrauen, gibt es kein Geld - gibt es kein Geld, kann nicht weiter gebaut werden. Mit einer positiven Entscheidung für den geänderten B-Plan würde der Bauträger ECH nun massiv unter Druck gesetzt werden, denn dann gibt es keine Ausflüchte mehr, warum es nicht weiter geht.

R. Schuchmilsky

 

15.04.2009 - 19:52:30
Ruthilde Schuchmilsky


Frau Schuchmilsky, eigentlich wollte ich nicht mehr schreiben, aber da Sie mich pesönlich angesprochen haben möchte ich doch noch antworten.
Lesen Sie bitte meine bisherigen Beiträge nochmals ausführlich, da können Sie sehen, daß ich überhaupt nicht gegen eine positive Entwicklung von H.damm bin. --Wenn es denn eine für ganz H.damm wäre---u. nicht nur für die Hotelanlage. Ich wohne in hier u. komme nicht nur mal am Wochenende vorbei. Und Sie ?? Ich bin gegen Ausgrenzung u.- Zurückdrängung der H e i l i g e n d a m m m e r. Ich bin auch gg. einen Investor der nicht mit offenen Karten spielt, weil dies irgendwann mal ganz schnell in die Hosen gehen kann.
Auch Herrn Gühler kann ich sagen, nicht jeder der eine gegenteilige Meinung zu Herrn Jagdfeld hat, ist ein --Linker, ein Sozialismus behafteter oder Mitglied irgendeiner Partei, Bündnisses oder wie Sie sagen Fanatiker. Ich bekämpfe nicht Jagdfeld. Dies tun ganz andere Bürger---2006 ( ich weiß, lange her) las ich im Internet im Managermagazin einen Beitrag von Anlegern im Immobilienfonds der Fundus -Gruppe, fragwürdige Projekte. Bis dahin hatte ich einen doch positiven Eindruck von der Fundus -Gruppe ( Herrn Jagfeld) Dann kamen mir Zweifel ob seiner Ehrlichkeit. War sehr, sehr interessant.Wenn ich dann die Äußerungen des Herrn Jagdfeld -begonnen am 24.04.2002 bis zum heutigen Tag sehe, dann befürchte ich sogar, daß eines Tages die Promenade u. der Strandabschnitt auch privatisiert werden, obwohl dies von den Politikern vehement verneint wird. Aber was wurde seit 2002 alles verneint u. dann doch genehmigt. Oder Herr Gühler, liege ich in denn so weit daneben ?? Eine Begründung gibt es immer, oder ? Sie appellieren an die Wähler genau hinzuschauen. Dies tun wir sehr genau Herr Gühler.Ich möchte es Ihnen, den Politiker , Herrn Jagdfeld, dem Bürgermeister u. der Fundus -Gruppe sagen--was schief geraten ist, muß gerade gerückt werden-dann stehen wir alle u. ich auch hinter dieser Sache, ansonsten " Nein"
 

16.04.2009 - 08:54:58
Bernd Ludewig



Hallo Herr Ludewig,

Ihre sachliche Stellungsnahme und Kritik kann ich nachvollziehen. Es ist eben nicht alles Gold, was versprochen wird. Doch ich habe nicht Sie gemeint, sondern Herrn Ullrich Ludwig, der Stadtvertreter des Handwerker und Gewerbevereins. Seine gegen die auftragsuchenden Handwerker gerichtete Einstellung führte wohl zur Nichtnominierung über den HGV, denn nun tritt er als Einzelkandidat an.
Im Sommer werde ich wieder am Kinderstrand liegen und wenn ich heute einen Sapziergang durch Heiligendamm mache, so gönne ich mir auch mal einen Kaffee und ein Stück Kuchen in der Nelson Bar. Ausgrenzung fängt immer im Kopf an und dafür ist jeder selbst verantwortlich.

 

17.04.2009 - 19:01:25
Ruthilde Schuchmilsky

 


Sehr geehrter Herr Ludewig,
Ihre Bedenken kann ich nicht zerstreuen, weil es keine Garantie bezüglich der Erfolgschan-cen geben kann. Jede Investition unterliegt in der freien Marktwirtschaft, durch den Wett-bewerb, einem großen Risiko. Da Sie mich offensichtlich stellenweise falsch verstanden haben, erlaube ich mir zu antworten.
- Mit der Median-Klinik wurden bisher ca. 300 Mio Euro tatsächlich investiert. Davon profitiert ganz Heiligendamm. Das städtebauliche Bild hat sich verbessert. Ich habe schon verstanden, dass viele Einwohner auf die Investitionen verzichten würden, wenn sie sich dafür ungehindert in allen Bereichen frei bewegen könnten. Auch wenn da-durch die Weiße Stadt am Meer ihren Ruf verliert. Dies war abzuwägen.
- Die Stadt hat ein hohes Niveau gefordert. Dazu gehört das Schaffen von Bedingungen, die eine wirtschaftliche Auslastung der Hotelanlage sichern.
- Es ist hinreichend bekannt, dass seit ca. 1993 die Banken Hotelanlagen nur in Ausnahmefällen kreditieren, weshalb Anleger gewonnen werden müssen. Ohne Auslastung keine Rendite, ohne Rendite keine Anleger. Den Teufelskreis muss der Investor durchbrechen, die Verantwortung möchte ich, bei dem Gegenwind, nicht tragen müssen.
- Ich kann nicht natürlich erwarten, dass alle Stadtvertreter und Einwohner sich kritiklos für das Konzept des Investors entscheiden. Wenn sich z.B. die Fraktion Die Linke gegen die Maßnahme ausspricht sind sie keine Fanatiker, sondern folgen offensicht-lich ihren politischen Zielen. Es gibt aber Stadtvertreter die aus Prinzip alles ablehnen und negativ darstellen. Diese Stadtvertreter kennen Sie auch. Sie belassen es nicht bei einer sachlich begründeten Ablehnung von Vorschlägen des Investors, sondern gehen weit über den Rahmen hinaus, weil sie den Investor mit Herzblut bekämpfen. An der Nordseeküste werden sich die Hotelbetreiber über diese Art von Kritik freuen.
- FUNDUS hat die Immobilie nicht von der Stadt erworben. Wir verhandeln also nicht mit einem Bittsteller, sondern mit einem Investor, der sich in einem Wettbewerb durchgesetzt hatte. Wir können gemeinsam (Investor und Stadt) versuchen Vorausset-zungen für schwarze Zahlen zu schaffen, Steuereinnahmen für die Stadt zu sichern und Anleger für die Finanzierung der nächsten Abschnitte zu interessieren.
- Sie haben scheinbar den Verdacht, dass die Hotelanlage ohne eigenen Strandabschnitt nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. Ob Herr Jagdfeld zurzeit gutwillig ver-sucht ohne reservierten Standabschnitt die Auslastung hinzubekommen und einen solchen Wunsch dann zwangsläufig erst später äußern wird, kann ich Ihnen nicht sagen.
- Die Wähler berufen die neuen Stadtvertreter am 07.06.09 und legen damit die poli-tische und wirtschaftliche Ausrichtung in der Stadt fest. Ich will keinen Wähler durch meine Meinungsäußerung beeinflussen. Es besteht die allgemeine Auffassung, ich kann ja doch nichts ändern, Die machen ja doch was sie wollen. Dies stimmt nur gefühlt, tatsächlich wird die Politik von der Gemeindevertretung bis zum Bundestag durch die Gewählten bestimmt, entsprechend der gewählten Mehrheiten. Deshalb sollte jeder am 07.06. bewusst entscheiden - es lohnt sich doch zur Wahl zu gehen.
 

18.04.2009 - 21:07:55
Horst Gühler


Zeit für Gefühle. Zeit für Entscheidungen.

Zeit für Heiligendamm.

Wenn ich mir diese ganze Diskussion ansehe, dann komme ich zu dem Ergebnis, dass es in der Diskussion um Heiligendamm um Gefühle geht:

Mulmige Gefühle, verletzte Gefühle, erhabene Gefühle und verwirrte Gefühle. Es geht um Empfindungen, die wir als Menschen haben und Assoziationen, die ausgelöst wurden.

Da sind die Forderungen der Investorin, die die Gefühle der Menschen nicht verstehen kann, die da andere Vorstellungen von Öffentlichkeit und Eigentum haben. Hier treffen zwei Welten aufeinander, die heute noch zeigen, dass unser Land bis zu einem Punkt zwei Geschichten hat. Das fühlt sich nicht gut an, nicht verstanden zu werden und nicht zu verstehen.

Da sind die Entscheidungen der Stadtvertreter, welche teilweise nur für eine Legislaturperiode geeint sein können und wo sich die Tücken der Demokratie dann immer mal wieder zeigen. Es sind Menschen, wie jeder andere Bürger auch, nur hat das was der Stadtvertreter sagt ein anderes Gewicht, denn es wird anders wahrgenommen. Und seine Verantwortung ist auch eine andere, denn er kann nicht nur kritisieren, sondern muss sich entscheiden. Er hat dabei nicht nur Ruf und Posten zu verlieren, sondern auch die Verantwortung für das, was er entschieden hat. Aus Macht kann schnell Ohnmacht werden und auch das fühlt sich nicht gut an. Für den Stadtvertreter nicht und auch nicht für all jene, die auf ihn setzen: die Wähler und die Investoren der Gegenwart und Zukunft.

Da sind die Wünsche der Bürger nach Öffentlichkeit, die ich "Freizügigkeit" nennen würde - nach Mitbestimmung, nach Verständnis, nach Freiheit. Wünsche, die nicht immer Platz haben in der Ökonomie eines Entwicklungskonzeptes, in der Kompromissfindung einer Stadtvertreterversammlung und in den Entscheidungen derselben. Auch hier sind es negative Gefühle, die hervor keimen: Das Gefühl, nicht wahr- oder ernstgenommen zu werden, nicht verstanden zu werden, verraten oder betrogen zu werden - Hilflosigkeit, Zorn, Resignation oder Aggression. Eine gefährliche Mischung und ein gefundenes Fressen für Stimmenfänger.

Wo bleibt Heiligendamm in diesem Inferno der Gefühle?

Die weiße Stadt am Meer ist der Spiegel unserer mecklenburgischen und deutschen Gesellschaft - von 1796 bis heute. Jedes Bauwerk spiegelt die Gesellschaft seiner Zeit wieder - jede Veränderung - baulich oder in der Nutzung - ist ein Spiegel jener Epoche, in der sie stattfand.

Diese Spiegelung hat nicht aufgehört. Mit den sozialistischen Strukturen zerfiel das Ensemble - mit den neuen Strukturen erstrahlte es. In Teilen. Denn das ist unsere neue Gesellschaftsform: Teilen geht es gut und anderen Teilen nicht. Die großen Gebäude erstrahlen, die kleinen verfallen. FUNDUS ist kein Phänomen, sondern selbst Folge dieser Erscheinung. Sie verursacht nicht das was geschieht, sondern ist selbst schon die Folge dessen, was geschieht.

Heiligendamm steht still und während es das tut, verliert es sein Gesicht. Wer still steht hat aufgehört, zu sein. Heiligendamm wird immer bleiben aber es wird immer sein Gesicht verändern. Denn die Zeit steht nun einmal nicht still. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

Wer sich nicht entscheidet, der wird ausscheiden. Wer sich nach vorn schaut, rennt gegen die Wand. Wer nicht redet, wird nicht gehört. Wer nicht zuhört, versteht das Gesagte nicht. Wer aus Fehlern nicht lernt, wird sie wiederholen. Wer nicht sucht, der wird nicht finden und wer nichts versucht, wird nichts herausfinden. Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen. Wer sich nicht bewegt, kann keinen Fortschritt erreichen. Wer dem Ziel davon läuft. wird es nicht erreichen. Wer den Bogen spannt und den Pfeil nicht los lässt, der wird nicht ins Schwarze treffen. Wer sich treiben lässt, kann nicht davon ausgehen, dass er dort hin gelangt, wo er möchte.

Das Leben ist Veränderung und wenn sich in Heiligendamm etwas verändern soll, dann müssen wir Menschen UNS verändern. Unsere Einstellung zueinander. Unsere Haltungen, unsere Positionen, unsere Vorurteile. Mit den Menschen Bad Doberans und Heiligendamms steht und fällt jedes unsanierte Haus. Weder Stillstand, noch Rückschritt können uns die Perle wiederbringen und den Verfall Heiligendamms verhindern.

Nur ein Miteinander - eine Neuausrichtung der Positionen - ein Zusammentreffen, ein großer Gedankenaustausch - eine Unterredung ohne Zerredung - ein Neuanfang - kann Heiligendamm retten.

Überlassen wir der Investorin die freie Entscheidung, wird Heiligendamm zum Spiegel des Kapitalismus unserer Gesellschaft. Verbieten und reglementieren wir der Investorin sämtliche Konzeptpunkte, wird Heiligendamm zum Spiegel des Sozialismus in unserer Gesellschaft. Es ist beides noch vorhanden. Setzen wir uns aber zusammen - reden, hören zu, versuchen zu verstehen - und entwickeln Heiligendamm gemeinsam - Investorin, Stadtverwaltung, Bürger und Fachleute - entwickeln und verstehen wir Heiligendamm und finden wir Kompromisse, immer im Sinne eines funktionierenden Konzeptes - immer im Sinne des Besten für Heiligendamm - dann wird Heiligendamm zum Spiegel der Demokratie in unserer Gesellschaft. Gelingt uns eine demokratische Lösung, sind wir in Deutschland angekommen.

Heiligendamm wurde in seinen schwersten Tagen immer irgendwie gerettet. Von Herzögen, Räten, Aktionären, Banken und sogar einem Baron. Diesmal sind wir alle es, die Heiligendamm retten müssen. Und können. Und werden?

Mit freundlichen Grüßen

Martin Dostal

www.zeit-am-meer.de

 

20.04.2009 - 11:44:22
Martin Dostal


Lieber Herr Dostal,
ich möchte mich ganz herzlich für Ihren Beitrag bedanken. Ihr Tenor - es muß einfach weiter gehen - steckt voll Zuversicht und Optimismus. Dieses Kleinod Heiligendam wird sicherlich nicht untergehen und in 20 Jahren wird man vielleicht über die oben geführte Diskussion schmunzeln. Doch bis dahin ist es noch weit. Nach dem Besuch der heutigen Stadtverterterversammlung weiß ich, daß das "mit sich selbst beschäftigen" einiger Stadtvertreter zu Nichts führt. Selbsverleibte ironische Bemerkungen, stundenlanges Hickhack zur Tagesordnung, ein ZDF, welches seine Mikrofone immer zu den Schreihalsen hin hält, ehemaliger stellvertretender Stadtvorsteherprofessor, dem seine eigene Argumentation auf die Füße fällt, ein suspendierter Lehrer, der die vorangegangenen Beschlüsse auf Rechtsstaatlichkeit überprüfen will, Wahlkampfgetöse ehemaliger und vorhandener CDU-Mitglieder - was soll man eigentlich von Bad Doberan und seinen Stadtvertretern denken?!
Wieder vergeht Zeit und Heiligendamm bröckelt. Anstatt den Investor mit seinem Bauversprechen ins Wort zu nehmen, wird wieder alles vertagt.
Auf den Beschlußvorlagen steht immer der Hinweis auf mögliche finanzielle Auwirkungen für die Stadt. Durch die weitere Verzögerung der Investitionen hin Heiligendamm entgehen den Handwerkern Aufträge, der Stadt Steuereinnahmen und dem Handel zusätzliche Kundschaft.
Doch daran scheinen die Ignoranten nicht zu denken.

 

22.05.2009 - 17:22:58
Ruthilde Schuchmilsky

 

Hiernach entfernt sich die Diskussion vom Thema.

 

Die komplette Diskussion gibt es hier.

 


Da es sich hier um eine ausgereifte Kommentarfunktion handelt, konnten alle Beteiligten selbst aufeinander eingehen.

Im Gegensatz zum Leserforum der Ostsee-Zeitung können hier also Missverständnisse geklärt werden.

Darum brauche ich hier nichts zu kommentieren - alle Missverständnisse wurden weitestgehend geklärt und am Ende stehen Meinungen und die seien jedem zugestanden.

Sie werden auch feststellen, dass meine Meinung in der Ostsee-Zeitung erheblich von dem abweicht, was ich jetzt sage und schreibe. Mir waren zu dem Zeitpunkt nicht ausreichend Informationen zugänglich und ich bildete meine Meinung allein auf Grund der Berichterstattung, die in erster Linie durch die Ostsee-Zeitung erfolgte.  Da ich die Tatsachen nicht ignorieren konnte, musste ich meine Meinung ändern. Sie können das auch. Niemand muss seine Meinung nur um der Beständigkeit wegen beibehalten.

 

 

 

April 2009: Fernradwanderweg E9: Schwerin hat sich geirrt.

 

Gerade hat die Staatskanzlei der Heiligendammer Familie Friedmann den aktuellen Plan des Fernradwanderweges geschickt, aus dem hervor geht, dass er auf der Promenade entlang und dann hinter der Burg nach Süden und weiter nach Westen verläuft. Verblüffung, Freude und Argwohn vermischten sich mit einer gewissen Schadenfreude einerseits gegen die ECH als mutmaßlicher Radwegversperrer und andererseits gegen Schwerin, weil irgendwie klar war, dass man dort geschlafen hat. So war es auch nur eine Frage der Zeit, dass Schwerin seine Aussagen zurück pfiff. Die Kanzlei weist die Verantwortung von sich:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 08. April 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Staatskanzlei räumt Fehler bei Karten zum Radweg E9 ein

Schwerin/Heiligendamm Die Staatskanzlei in Schwerin hat auf die Veröffentlichung der Karte zum Europäischen Fernrad- und Wanderweg E9 (OZ vom 4./5. April) reagiert. Man habe sich einer Zuarbeit aus dem Landwirtschaftsministerium bedient, die sei veraltet gewesen, sagte Sprecherin Nicolette Otto. Dennoch gelte, dass der Fernwanderweg nach wie vor zu bewandern sei. „Allerdings wurde der ehemalige Pfad im Rahmen einer vorgenommenen Befestigung nicht mehr unmittelbar durch den Hotelkomplex des Grand Hotel Kempinski geführt“, sagte Otto. Im Übrigen verneinte sie eine Mitwirkungsmöglichkeit der Landesregierung bei der Wegführung. Otto: „In Heiligendamm ist die Situation durch zahlreiche Planungsverfahren gekennzeichnet. Dabei sind die Landkreise, die Städte bzw. die Gemeinden für das kommunale Planungsrecht selbst verantwortlich. Insofern unterliegen diese Planungsvorhaben nicht dem Weisungsrecht des Landes.“ Der Europäische Fernwanderweg E9 verbindet als Internationaler Küstenweg „Atlantik – Ostsee“ den Süden der Iberischen Halbinsel mit dem Nordosten Europas. Unterbrochen wir die 4500 Kilometer lange Strecke außer von natürlichen Hindernissen derzeit nur in Heiligendamm.
 

 

Während der Autor die Aussagen richtig wiedergibt, schlussfolgert er falsch: Der Radwanderweg wird in Heiligendamm nicht unterbrochen.

Wenn dem so wäre, wäre es kein Radwanderweg, sondern eine zweiseitige Radwandersackgasse. Das geht schon rein logisch nicht.

So ein Radwanderweg ist kein Trampelpfad, sondern eine von genügend Beteiligten ausgearbeitete Route. Und im Gegensatz zu einer Straße kann eine Route von A nach B einem nicht in die Sackgasse führen. Wenn es eine Route von der iberischen Halbinsel zum Nordosten Europas gibt, dann kann diese nirgendwo unterbrochen sein. Viel mehr kann es so sein, dass ihr Verlauf verlegt wird und genau das ist hier geschehen: Die Route führt um Heiligendamm herum. Dass das noch nicht überall eingezeichnet ist, ist eine andere Sache. Die A20 ist auch noch nicht überall eingezeichnet und trotzdem fährt man nicht mit 180 km/h über den Acker.

 

 

April 2009: Petition an Schwerin.

 

Die Bürgerinitiative hat auf ihre Art alles versucht.
Alles? Nein: Es wurde noch keine Petition nach Schwerin geschickt. Das holt sie nun nach:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 11. April 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Die Behörde und die Villen

Der Petitionsausschuss des Landtages befasst sich derzeit mit Bürgereingaben zum Erhalt der historischen Villen in Heiligendamm. Unklar ist, welche Rolle dabei die Denkmalbehörde des Landes spielt.

Schwerin/Heiligendamm Seit April 2007 beschäftigt sich der Petitionsausschuss des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern mit dem Erhalt des historischen Bauensembles in Heiligendamm. Petent – der Einreicher der Petition – ist die Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“ e.V.

Um es vorweg zu nehmen: Die Petenten fordern nichts für sich; es geht einzig und allein um Erhalt und Sanierung der Villen der Perlenkette – und um Ungereimtheiten im Verhalten der Denkmalschutzbehörde des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die Akten des Ausschusses – sie liegen der Redaktion vor – geben folgende Situation wieder:

Trotz der zum Teil recht unliebsamen Überformung aus DDR-Zeiten bestätigte die Denkmalschutzbehörde 1996 den Denkmalstatus für alle Villen der „Perlenkette“. Als der Investor – die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), hinter der der Geldanlageverkäufer Anno August Jagdfeld aus Düren (NRW) steht – 2004 erstmals den Wunsch äußerte, alle Villen der Perlenkette abzureißen, widersprach die untere Denkmalbehörde (ansässig beim Landkreis).

Das Landesamt für Denkmalpflege in Schwerin entschied 2005 anders: Sie strich die Villen Perle (zu DDR-Zeiten „Maxim Gorki“), Möwe („August Bebel“) und Schwan („Rosa Luxemburg“) aus der Denkmalliste. Als Begründung werden „erhebliche Veränderungen an Fassaden und Eingriffe im Inneren“ angeführt, wodurch die Denkmalwürdigkeit „eingeschränkt“ und „kein öffentliches Interesse am Erhalt“ der Gebäude bestehe.

Dem widerspricht neben vielen weiteren Fachleuten auch Prof. Dr. Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „ . . . das Verhalten der Denkmalfachbehörde ist für mich nicht nachvollziehbar. . . . vermutlich wurde hier politischer Druck ausgeübt“, schreibt Kiesow in einem Brief an den Landkreis Bad Doberan. Das Schicksal der Villa „Perle“ ist bekannt: Im Januar 2007 wird die abgerissen. Das Versprechen der ECH, sie bis Ende 2008 wieder aufzubauen, bleibt unerfüllt. Noch deutlicher werden die Widersprüche in den Entscheidungen der Landesdenkmalpfleger im Falle des Alexandrinen-Cottage, zu DDR-Zeiten „Haus Weimar“. In der Denkmalwertbegründung vom 6. April 2005 kommt dem Gebäude „aufgrund des Seltenheitswertes seiner Architektur in Mecklenburg-Vorpommern . . . für die Architekturgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns und Norddeutschlands im 19. Jahrhundert ein wesentlicher Zeugniswert zu . . .“ Beschrieben wird auch, was den Denkmalwert und die Originalität des Gebäudes „in besonderem Maße“ bestimmen: „Die Gebäudekubatur mit Trauf- und Firsthöhen einschließlich des Dachstuhls; der Kalkputz mit den Zierelementen an der Außenfassade, die originalen Fenster- und Türöffnungen . . . die innere Raumstruktur mit den Wänden und Fußböden aus der Erbauungszeit . . . den Holzbalkendecken sowie die noch erhaltene Erschließungssituation mit den ursprünglichen Treppen.“ 2006 stellt das Landesamt für Denkmalpflege selbst – unter Umgehung der unteren Denkmalpflegebehörde – einen Bauantrag zur „denkmalpflegerischen Zielstellung“. Der steht im eklatanten Widerspruch zur bisherigen Bewertung des Gebäudes. Unter anderem sollen Trauf- und Firsthöhen angehoben, Turmhelme erhöht, ein zusätzliches Geschoss aufgebaut, das Gebäude komplett entkernt und die Innenräume neu aufgeteilt werden.

Geradezu absurd erscheint die Begründung, die die Denkmalschutzbehörde im April 2007 dem Petitionsausschuss des Landtages liefert. Darin heißt es: „Die Nutzung des Alexandrinen-Cottage als Wohnhaus für eine große Familie ist ein berechtigtes Interesse der Eigentümerin. (Familie Jagdfeld; d.Red.) Der Ausbau des Dachgeschosses ist daher erforderlich.“
Verschwiegen wird, dass das Gebäude bereits im jetzigen Zustand eine Wohnfläche von 900 Quadratmetern besitzt – ohne die umschließenden Veranden. Der herzöglichen Familie hatte das jedenfalls genügt.


KLAUS WALTER
 

 


Analyse: Blockieren die Bürger blockieren wichtige Entscheidungen?

 

Die Bürger würden wichtige Entscheidungen blockieren, wenn sie dazu in der Lage wären. Hier mal die Sicht der Bürger:

Die Bürger fordern einen beim Kolloquium als Kompromiss vorgeschlagenen Stichweg.

Die Stadtverwaltung samt Bürgermeister stimmt dem zu und setzt sich dafür 2 Jahre lang ein, um dann im 3. Jahr den Stichweg fallen zu lassen. Die durchaus nachvollziehbaren Gründe dafür werden ein paar Wochen lang genannt und verschwinden dann aus der Berichterstattung und aus den Köpfen der Bürger.

Das Land sieht die Sperrung des Küstenwaldes als unrechtmäßig an aber die Holzzäune und Reisigwälle dürfen bleiben.


Die ECH will die Professor-Vogel-Straße einziehen, die Stadtverwaltung spricht sich laut Berichterstattung dagegen aus, ändert dann seine Meinung und das Hotel darf einen Teil der Straße einziehen und mit Toren verschließen.

Der Bürgermeister Hartmut Polzin ist zuversichtlich, dass der Zaun wieder weg kommt, wenn das Hotel in zwei Jahren nicht läuft.

 

Völlig unverständlich, denn es liegt doch wohl in jedermanns Interesse, dass das Hotel läuft.

Das ist eine Einladung dazu, das Hotel so zu schädigen, dass es nicht läuft und  den Zaun wieder wegnehmen muss.

Ein Scheitern des Hotels bedeutet ein Scheitern des Investors bedeutet ein Scheitern Heiligendamms und ist so ziemlich das Schlimmste, was unserem Landkreis und dem Land Mecklenburg-Vorpommern passieren kann. Es wäre ein totaler Imageverlust und eine Ausladung an alle Investitionswilligen und ein immanenter Schaden für die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn Heiligendamm scheitert, wird es in Mecklenburg-Vorpommern, dem Tourismusland Nummer eins, niemals Fünf-Sterne-Tourismus geben.

 

Tatsache ist, dass die Bürger gar nicht wissen, was sie gegen eine Einziehung der Professor-Vogel-Straße oder eine Absperrung von Wald und Ensemble tun können. Ohne das Engagement der Bürgerinitiative für Öffentlichkeit in Heiligendamm wäre niemals in diesem Maße versucht worden, der Einziehung zu widersprechen. Das Schreiben an den Bundespräsidenten ist ein Hilferuf der Einheimischen, die sich von den von ihnen gewählten Stadtvertretern hintergangen und verraten fühlen.

 

Der Investor hat die Stadtvertreter nach der Eröffnung zu einem Buffet in das Grand Hotel eingeladen.

Das hat bei den Bürgern den Eindruck hinterlassen, der Investor würde die Stadtvertreter zu kaufen versuchen.

Danach wurden einige Entscheidungen getroffen, die im Gegensatz zu den vorherigen Festlegungen standen und das hat den Eindruck erhärtet, dass die Stadtverwaltung bestechlich wäre. Hartmut Polzin wurde zuletzt wiedergewählt, weil kein anderer überzeugen konnte. Er dürfte sich durchaus bewusst sein, dass solange die SPD stärkste Kraft im Rathaus bleibt, die einzige Alternative zu ihm er selbst ist und so schnell keiner an seinem Stuhl rüttelt. Da verwundert es auch nicht, dass er die Belange der Bürger einfach tot reden kann:

 

 

Der Bürgermeister von Bad Doberan, Hartmut Polzin (SPD), will die Abrissgegner am liebsten gar nicht wahrnehmen.

"Bei uns hier gibt es wegen Fundus keine Unruhe", sagt er. "Ein paar Klagen gibt es immer."

(TAZ vom 12.1.2007)

 

 

Wenn man in der Ostsee-Zeitung die Suche in den Leserbriefen nach dem Stichwort "Heiligendamm" betätigt, erhält man für Januar und Februar 2007 ganze 100 Leserbriefe, in denen das Wort "Heiligendamm" vorkam. 25 Treffer gibt es für "Fundus" und 19 für "Jagdfeld". 64 Mal ist der "Zaun" vertreten und 30 Mal die "Perle". "Kempinski" hingegen nur 23 Mal. Natürlich kommen einige Leserbriefe doppelt vor und einige haben auch nichts mit dem Thema zu tun, sondern enthalten nur diese Worte. Aber Heiligendamm ist im Bewusstsein der Bürger vorhanden. Außerdem wurde eine Bürgerinitiative gegründet, die für Öffentlichkeit in Heiligendamm die Pläne von FUNDUS kritisch hinterfragt. Unruhen sind das tatsächlich nicht.

Aber der Mecklenburger schweigt und zieht seine Konsequenzen dann bei der nächsten Wahl. Die Bürger haben schlechte Erfahrungen mit Investoren aus dem Westen - wie es hier so schön heißt - gemacht. Nach von westdeutschen Unternehmen übernommenen Molkereien, Chemiefabriken, Pharmazeutikern und Lebensmittelherstellern, die nach der Übernahme tot gewirtschaftet wurden und nach großmundigen Versprechen neuer Schlossherren, denen der Verfall der Schlösser folgte, ist das Vertrauen in Investoren erschüttert. Und wenn dann ein Investor daher kommt, groß eine Wiederauferstehung einer Legende unter Einschluss der Öffentlichkeit verspricht und sich sechs Jahre später nicht viel verändert hat, dann ist das kritisch. Wer letztlich eigentlich den Stillstand erzeugt, entgeht den Bürgern in diesem Moment: Schuld ist dann immer der Investor.

Nachtrag 2009: Die Analyse würde anders ausfallen, wenn man statt "Die Bürger verhindern..." sagen würde "Der Bürgerbund verhindert..." oder "Die Bürgerinitiative verhindert".
 

Dennoch tun beide nichts Verbotenes und bewegen sich stets im gesetzlichen Rahmen. Viele Leserbriefschreiber distanzieren sich inzwischen von Bürgerinitiative und Bürgerbund und einige kritisieren die Vorstöße oder verurteilen sie sogar. Es ist zu beobachten, dass die Akzeptanz in den vergangenen Monaten etwas gesunken ist.

 

Interessant ist auch eine Aussage des Stadtvertreters Horst Gühler in dieser Angelegenheit:

 


Auszug aus dem Leserbrief Horst Gühlers im "Doberan am Samstag" vom 14.04.2009

...Die Fakten zu Heiligendamm:
Die Treuhandanstalt hatte mit dem Bund die Immobilie Heiligendamm zum Verkauf ausgeschrieben. Im ersten Anlauf standen die Objekte einzeln zum Verkauf, auch wenn dies einige heute nicht glauben wollen. Der Einzelverkauf scheiterte. Es wurde ein zweiter Anlauf unternommen, die Immobilie als Gesamtobjekt ausgeschrieben. Die Stadt durfte über das Grundkonzept entscheiden, die Stadtvertreter forderten die Sanierung des ersten deutschen Seebades Heiligendamm auf hohem Niveau. Unter dieser Bedingung erfolgte die Ausschreibung. Vier große Investoren hatten sich beworben, FUNDUS erhielt den Zuschlag zum Kauf. Alle Fraktionen im Landtag stimmten dem Verkauf an FUNDUS zu, was heute nicht alle wahr haben wollen. Das erste städtebauliche Konzept entsprach einer Investitionssumme von ca. 250 Mio Euro. Mit der Erweiterung des Konzeptes durch die B-Pläne 25 u. 26, mit dem Grand-Hotel, Thalasso- Zentrum, Ayurveda-Zentrum und Plastische Chirurgie, erhöhte sich die Investitionssumme auf ca. 750 Mio Euro. Offensichtlich gibt es Menschen die sich über die Investition freuen, sich aus Prinzip ärgern und welche die die Konkurrenz fürchten. Bis 2008 hat Herr Jagdfeld alle vertraglichen Bedingungen erfüllt, soweit die Finanzierung durch ihn gesichert werden konnte.

 Die Sicherung der Finanzierung der weiteren Bauabschnitte ist schwierig, zumal Herrn Jagdfelds Gegner scheinbar erfolgreich die Auslastung der neuen Hotelanlage, durch entsprechende Meinungsäußerungen, verhindern. Die negativen Äußerungen zur Fundusgruppe verschrecken die Gäste und Anleger. Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Gegner bereits den Bau der Median-Klinik bekämpft hatten und vor dem Verkauf der historischen Anlage ein Staatsbad forderten. Die Forderung nach dem Staatsbad wurde, aus Geldmangel, durch die Landesregierung konsequent abgelehnt. Es ist davon auszugehen, dass die jetzige Stadtvertreterversammlung keine Entscheidungen mehr zu Heiligendamm treffen wird. Wir können die Wählerinnen und Wähler nur bitten sehr genau zu überlegen wen Sie im Juni zum Stadtvertreter wählen, um der Gemeinde, unter den internationalen Bedingungen der freien Marktwirtschaft, eine Entwicklungschance in allen Bereichen einzuräumen. Die Tafelrunde besetzt der Wähler in eigener Verantwortung alle vier Jahre neu, mit allen Konsequenzen. Fanatiker werden weiterhin keinen sinnvollen Beitrag zur Entwicklung der Gemeinde leisten. Da einstige Gegner der Median-Klinik diese heute benutzen um Herrn Jagdfeld zu bekämpfen, ist Zeichen und Warnung genug. Es sind Stadtvertreter gefragt, die mit kühlem Kopf Entscheidungen treffen.

Ob die Denkmalschutzbehörde bei der Erteilung der Abbruchgenehmigungen fachlich richtig gehandelt hat ist zu prüfen. Für uns steht fest, dass ein Verkauf an einzelne Investoren dem Ensemble Heiligendamms geschadet hätte. Denken Sie bitte nur an die Reklamen an den Gebäuden und die Blechlawine zwischen den Gebäuden. Dies Erscheinungsbild würde keinem gefallen. Natürlich fällt es schwer den größten Teil eines Ortsteiles hinzugeben, aber die Chance für die Gemeinde sollte man nicht bei der persönlichen Abwägung unberücksichtigt lassen. Eine Hotelanlage ist kein Einzelobjekt und muss deshalb den Gästen vorbehalten sein, zumal es sich um unsere Gäste handelt. Wenn alle auf die Wünsche der Hotelgäste Rücksicht nehmen würden, brauchten keine Zäune und Hecken errichtet werden. Wer sich weit genug von der Planwirtschaft in den sozialistischen Staaten entfernt hat kann gutwillig erkennen, dass die Stadtvertreterversammlung und die Stadtverwaltung mit dem neuen Grundstückseigentümer FUNDUS verhandeln muss und diesem nicht vorschreiben kann, wie er sein Geld und das der Anleger zu verwenden hat. Vielleicht helfen Ihnen die Fakten und Hinweise bei Ihrer Entscheidungsfindung, wir sind gerne für Sie da. Die Gemeindemitglieder können nicht erwarten, dass ohne Kompromisse die Entwicklung zu haben ist. Die Schuldenuhr am Finanzministerium sollte uns Warnung genug sein, Leistung ist gefragt um soziale Probleme lösen zu können, nicht der unhöfliche Umgang mit Investoren....

Der komplette Leserbrief findet sich hier. (Weit unten)
 

 

 

 

The Show must go on: Neuer Chef im Grand Hotel.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 24. April 2009  |  Mecklenburg-Vorpommern

Neuer Chef von Grand Hotel Heiligendamm berufen

Heiligendamm (dpa) Nach einer gut viermonatigen Interimszeit hat das Grand Hotel in Heiligendamm einen neuen Direktor. Wie das Hotel mitteilte, wird Holger König (38) künftig das Luxushotel an der Ostseeküste leiten. Er folgt dem früheren General Manager Martin Kolb, der Ende 2008 die Leitung abgegeben hatte. König übernimmt das im Jahr 2003 eröffnete Haus in einer Zeit des Umbruchs. Anfang Februar hatte die Kempinski AG das Management im Streit gekündigt, das Haus wird seither von der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG mit Investor Anno August Jagdfeld an der Spitze betrieben. König war zuletzt General Manager beim Kempinski Hotel Bristol in Berlin.
 

 

 

Nicht grundsätzlich "Nein": Die Stadt sorgt sich um die Finanzen in Heiligendamm.

 

Diesmal ist es die FDP, die die weitere Entwicklung in Heiligendamm an eine Bankbürgschaft binden möchte. Das Vertrauen in die Finanzkraft des Investors schwindet. Lassen sich die Stadtvertreter auf den Antrag ein, signalisieren sie zwar einerseits die Bereitschaft für weitere Investitionen aber andererseits auch tiefes Misstrauen in dessen Durchführung. Die Entscheidung fällt Ende Mai. Der Artikel zeigt, dass die Stadtvertreter zwischen den Sitzungen nicht untätig sind.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 29. April 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Stadtvertreter tagen zu Heiligendamm

Bad Doberan Für ihre letzte Sitzung vor der Kommunalwahl haben die Stadtvertreter erste Beschlussvorlagen erhalten. In der öffentlichen Sitzung am 25. Mai um 18.15 Uhr im Doberaner Rathaus geht es erneut auch um Heiligendamm. Zum einen hat der Bürgerbund beantragt, die Gestaltungssatzung für den Kurwald zu modifizieren. Der Weg durch den Kurwald in Richtung Prof.-Vogel-Straße soll bis zu einer eventuellen Bebauung der Ostseite der Straße öffentlich bleiben. Für den Fall, dass erneut auch über Tiefgarage und Sturmflutmauer abgestimmt werden soll, hat die FDP einen Antrag gestellt. Danach soll mit den Baumaßnahmen nur begonnen werden dürfen, wenn die ECH mittels Bankbürgschaft die Fertigstellung garantieren kann.
 

 

 

Neue Wege: FUNDUS versucht, sich zu erklären und bringt eine eigene Zeitung heraus: "Zukunft Heiligendamm".

 

Es ist schon einmalig, dass ein Investor sich im 13. Jahr seines Engagements erklären muss, weil die Zustimmung der Bürger für sein Projekt schwindet. FUNDUS geht diesen Weg in Form einer monatlichen Zeitung, die über das Projekt, die Ziele, die bisherigen und jetzigen Entscheidungen, die Probleme und Reibeflächen berichtet. Die Zeitung informiert darüber hinaus über das Hotel, den Golfplatz, das Gestüt und das Gut und gibt Tipps und Informationen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 02. Mai 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Jagdfeld-Gruppe gibt Zeitung für Heiligendamm heraus

Heiligendamm. Die Jagdfeld-Gruppe gibt eine eigene Zeitung für Heiligendamm heraus. „Zukunft Heiligendamm — Zeitung für Deutschlands ältestes Seebad“ heißt das Blatt, das künftig alle vier Wochen farbig und mit zwölf Seiten erscheinen soll und kostenlos an alle Haushalte Bad Doberans verteilt wird. „Wir wollen die Menschen besser und regelmäßig informieren über das, was wir tun“, erläuterte Anno August Jagdfeld, Chef der Jagdfeld-Gruppe, die Hintergründe. „Wir wollen aufklären und Transparenz schaffen, Missverständnisse und Unklarheiten ausräumen“, sagte der 62-Jährige. Autoren des Blattes sind Mitarbeiter der Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) und des Grand Hotels.
 

 

Die Zeitung erscheint nur im Stadtgebiet Bad Doberans und Heiligendamms. Sie ist digitalisiert auch hier zu finden: www.grandhotelheiligendamm.de.

 

 

Die Ostsee-Zeitung zeigt sich überrascht: Der Weg zur Perlenkette ist dicht.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 08. Mai 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Heiligendamm: Letzter Weg zur Seebrücke ist dicht

Der Bau des Kurparks in Heiligendamm ist deutlich vorangekommen. Damit ist der letzte Weg vom Molli- Bahnhof zur Seebrücke dicht. Das haben Bad Doberans Stadtvertreter so beschlossen.

Heiligendamm Der Weg vom Mollibahnhof führt über die Straße, dann in den Wald, der jetzt ein Kurpark wird. Dort ist der Weg in Richtung Ostsee neu angelegt; die Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) macht Ernst mit der Umsetzung des Kurpark-Konzeptes. Doch auf halber Strecke in Richtung Prof.-Vogel-Straße macht der neue Kiesweg einen scharfen Knick nach rechts – „geradeaus“ gibt es nicht mehr. Noch kann man die Villen der Perlenkette sehen, aber neu gesetzte Buchen und Rollrasen zeigen, dass es hier nicht mehr hindurch geht. Der alte Weg ist verschwunden, der Waldboden frisch umgebrochen.

Damit ist es endgültig: Es gibt keinen öffentlichen Weg mehr, der vom Molli-Bahnhof in Heiligendamm direkt zur Seebrücke führt. Auch vom „Stichweg“, der einst bei Sperrung des Hotelkomplexes als Kompromisslösung vorgeschlagen wurde und zwischen Villen und Hotelkomplex zur Seebrücke führen sollte, ist nichts zu sehen. Weder Einheimische noch Touristen oder Kurpatienten kommen ohne Umweg zu der mit Steuergeldern gebauten Seebrücke, zur Promenade oder zum Strand.

So ärgerlich das für oben Genannte ist: Alles ist offenbar rechtens. Die Bad Doberaner Stadtvertreter haben es mehrheitlich so beschlossen. Auch ein Antrag des Bürgerbundes für die Stadtvertreterversammlung am 25. Mai, der den Zustand ändern will und der in den letzten Tagen in den Ausschüssen behandelt wurde, hat kaum Chancen. „Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage“, sagte Bürgermeister Hartmut Polzin. Der Antrag 060/09 widerspreche der Beschlusslage der Stadtvertreter.

Tatsächlich haben die Stadtvertreter bereits im Dezember 2006 auf den Stichweg „verzichtet“. Die namentliche Abstimmung dazu war knapp – elf Ja- und zehn Nein-Stimmen, eine Enthaltung – aber sie gilt. Auch die Gestaltungssatzung für die Bebauung des Kurparks wurde im Sommer 2008 so beschlossen, wie sie jetzt von der ECH umgesetzt wird. In der Hoffnung, der Stichweg komme noch, habe man dafür gestimmt, heißt es nun von einigen Stadtvertretern. Offen ist nur noch, was FDP-Stadtvertreter Harry Klink in den letzten Sitzungen anhand von Folien von Bundes- und Landesinstitutionen klarzumachen versuchte: der Weg direkt durchs Hotelgelände. Doch dieser ist von Bürgermeister Polzin per „Sondernutzung“ der ECH übertragen – und längst mit Zäunen und Schranken zugemacht. kw
 

 

Nun, dass der Weg durch den Kurpark zur Perlenkette verschwindet und dafür ein etwas längerer Alternativweg entsteht, haben wir schon vor einem Monat in unserem Rundgang berichtet. Inzwischen hat auch die Ostsee-Zeitung das bemerkt, beschreibt anschaulich die Situation vor Ort und nennt auch gleich die Gründe für den Zustand.

 

Der Stichweg wird bis mindestens 2010 nicht gebaut - so lautete der Beschluss der SVV. Den Weg nun wieder hervorzukramen und zu sagen, die SVV hätte die Gestaltungssatzung des Kurparks in der Hoffnung so beschlossen, dass der Stichweg doch noch käme, ist unverständlich und rückt die Stadtvertreter in ein schlechtes Licht. Hinzu kommt, dass einige Stadtvertreter genau das gesagt haben sollen: Sie haben für den Kurpark gestimmt in der Hoffnung, dass der Stichweg doch noch käme.

 

Wo waren denn diese Stadtvertreter, als beschlossen wurde, den Stichweg die nächsten 5 Jahre nicht zu bauen?

Wenn man Stadtvertreter wird und etwas zu beschließen hat, dann muss man sich über diese Sache eingehend informieren.

Unwissenheit ist keine Entschuldigung für eine Beschlussfassung.

 

Jetzt einen Schritt rückwärts zu tun und das Gestaltungskonzept in der Endphase der Bauarbeiten plötzlich zu ändern oder gar zu widerrufen oder Dinge zu beschließen, die gegen das Gestaltungskonzept arbeiten, ist ein falsches Signal. Der Stichweg steht 2009 nicht zur Debatte und da die SVV dieses so beschlossen hat, sollte sie keinen Zickzackkurs veranstalten, sondern zu ihren Beschlüssen stehen.

 

 

Der neue Hoteldirektor bekräftigt die Zäune.

Holger König ist seit Mai neuer Hoteldirektor des Grand Hotel Heiligendamm.

Was will er erreichen? Wie will er das Hotel retten? Wie steht er zu Heiligendamm?

Fragen, die die Ostsee-Zeitung ihm eine Woche nach Antritt des neuen Postens stellte:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 09. Mai 2009  |  Hansestadt Rostock

König: „Ich bin gern ein Rückkehrer“

Seit einer Woche ist Holger König (38) Direktor im Grand Hotel Heiligendamm. Er kennt das Haus und seine Mannschaft.

OSTSEE-ZEITUNG: Was treibt einen 38-jährigen Berliner mitten in einer internationalen Karriere an die Ostseeküste Mecklenburgs?

König:
Es treibt mich nicht, es zieht mich magisch an. Ich kenne Heiligendamm und das Hotel ja gut, habe hier zwischen 2003 und 2005 gelebt und gearbeitet.
Damals haben wir – meine Frau und ich – uns in die Gegend verguckt.

OZ:
Was reizt Sie mehr, die Gegend oder die Aufgabe?

König: Natürlich ist die Aufgabe, das Grand Hotel Heiligendamm zu führen, großartig.
Als waschechter Berliner empfinde ich es aber als Privileg, in dieser fantastischen Umgebung zu leben.
Als Familie kann es wohl nichts Schöneres geben, wenn unser dreijähriger Sohn an der Ostsee groß werden darf.

OZ: Stichwort Berlin: Dort haben Sie ihre Karriere begonnen?

König: Im Kempinski Bristol Hotel am Kudamm, als Page. Ich habe meinen Beruf von der Pike auf erlernt. Später habe ich Betriebswirtschaft studiert und in den verschiedensten Positionen gearbeitet. 1997 war ich Empfangschef im Hotel Adlon, danach kamen Heiligendamm, dann London und wieder Berlin. Zuletzt war ich Generaldirektor – im Bristol in Berlin, wo ich als Page begann.

OZ: Ein Rückkehrer also?

König: Ich bin gern ein Rückkehrer – vor allem nach Heiligendamm.

OZ: Was macht ihre Aufgabe hier so großartig, wie Sie sagten?

König: Ich bin 38 Jahre alt und Direktor eines großen Hauses in bester Lage und weltweit einmaliger Historie. Mir zur Seite stehen 349 hoch qualifizierte Mitarbeiter. Die Aufgabe ist auch wirtschaftlich eine Herausforderung. Es ist ja kein Geheimnis: 50 Prozent Auslastung sind uns nicht genug. Und schließlich: 90 Prozent unserer Gäste sind Deutsche – die kritischsten Gäste weltweit.

OZ: Wie wollen Sie diese Aufgabe meistern?

König: Zuerst die Analyse. Zunächst werde ich mir genau ansehen, wie die Prozesse im Haus ablaufen. Nach einigen Monaten werden die Leitung – als Stellvertreter steht mit Oliver Sembill zur Seite – und die Eigentümer sehen, ob, wo und was wir wie optimieren können.

OZ: Wie lange wollen Sie bleiben?

König: Das entscheidet letztlich der wirtschaftliche Erfolg. Aber für meine Frau – sie steht mir als Assistentin zur Seite – und für mich war sehr entscheidend, dass die Aufgabe nicht an die branchenübliche Zwei-Jahres-Frist gebunden ist. Wir wollen versuchen, das Haus wie ein familiengeführtes Hotel zu betreiben. Wie gesagt: Wir möchten, dass unser Sohn an der Ostsee groß wird.

OZ: Wie sieht ihr Arbeitstag aus?

König: Ich stehe morgens sehr früh auf, schaue nach dem Service, begrüße Gäste, sehe mir an, wie das Frühstück läuft. Achte natürlich auf die Mitarbeiter, was sie leisten und die Freundlichkeit herüberbringen, für die das Grand Hotel schon einen guten Namen bei seinen Gästen hat. Ich lasse mir alles zeigen, hinterfrage Abläufe und Prozesse.

OZ: Das Hotel ist praktisch abgeschottet – Zäune, Schranken, Barrieren.

König: Ich kenne die Problematik und hoffe, dass es bald Lösungen gibt, mit denen alle zufrieden sind. Aber: Wir sind ein Ressort-Hotel, das nicht nur aus einem Haus, sondern einer Anlage besteht. Doch dann sind wir auch ein Gasthaus auf hohem Niveau. Natürlich möchten wir offen sein und freuen uns, wenn die Doberaner zu uns kommen; sei es nur zum Kaffee oder um ihre Feste bei uns feiern. Wir sind allerdings nicht der Strand-Kiosk, wo man eben mal in Badehose und Latschen die Kugel Eis kauft. Wir haben uns für ein hohes Niveau der Gastlichkeit entschieden.

Interview: KLAUS WALTER
 

 

Entscheidend dürfte der Ansatz sein, den die Ostsee-Zeitung sich zum Schluss aufgehoben hat. König ist anders als einige seine Vorgänger lösungsorientiert. Aber auch er diskreditiert die Tagestouristen. Das sind nämlich die in Badehose und Latschen. Ein Einheimischer zieht sich meistens zumindest was über, denn er könnte Bekannte oder seinen Chef oder Kunden treffen. Darum sind die Einheimischen auch nicht das Problem. Zumindest hier nicht. Die Einheimischen wüten eher dort, wo man sie nicht sieht und sorgen dann am Morgen für ein böses Erwachen.

Die Tagesgäste dürfen aber auch nicht das Problem sein, denn das Grand Hotel kann die Einnahmen aus den Tagesgästen nicht kompensieren.
Bad Doberan und Heiligendamm leben nun einmal von den Tagesgästen und nicht vom Grand Hotel. Darum wird das Rathaus diese überaus wichtige Einnahmequelle auch niemals aufgeben und solange keine Lösung gefunden wird, den Tagesgästen Alternativen vor Ort zu bieten, wird eine Zusammenarbeit schwierig bleiben.

 

Tagesgäste in Badehose und Latschen - Hotelgäste in Jogginghose und Latschen.


Jedoch muss ich auch mal eigene Erfahrungen einbringen: Ich habe die Gäste des Hotels - also jene, die aus dem Haus "Mecklenburg" oder dem Grand Hotel heraus kommen und in das Haus "Severin Palais" gehen, um dort den SPA-Bereich zu nutzen - und anders herum welche, die von dort kommen, erstaunlich leger erlebt. Während ich beim Eis (mit Hemd und langer Hose) auf der Kurhaus-Terrasse geschwitzt habe, zogen Männer in kakelbunten Bermuda-Shorts oder Jogginghosen, Frauen in Bikinis mit lässigem Tuchumhang oder eben auch Jogginghosen und Kinder in kurzen Hosen und mit nackten Oberkörpern oder Muskelshirts an uns vorbei. Teilweise in Latschen, teilweise sogar barfuß und selten mit Sandalen. Aus zwei Fenstern über uns drang ein tierischer Kinderlärm, sodass man kaum seinen Tischnachbarn verstand und als Krönung schob eine Frau ihr Fahrrad quer über den Rasen zum Tor, das sie dann mit Chipkarte öffnete. Wo bitte ist da das hohe Niveau, wenn ich das alles schon in nur einer Stunde irgendwann mitten in der Woche erlebe? Zumal ich nicht der einzige bin:

 


Wir waren bereits mehrere Male in diesem Hotel und mussten beim letzten Aufenthalt leider feststellen, dass das Hotel in allen Bereichen stark nachgelassen hat und wir zukünftig von einem erneuten Aufenthalt absehen werden. Die Gästestruktur war gemischt- von jungen Familien bis älteres Publikum war alles vorhanden. Durch extrem günstige Angebote, die anscheinend um jeden Preis eine höhere Auslastung des Hotels erreichen sollen, wird die gewohnte Eleganz, Atmosphäre und Qualität des Services des Hauses gemindert (so traf man auch hier den Jogginganzug beim Frühstück an).
 


Aber die Leute in Jogginganzügen haben auch einen Grund:
 


Schönes Hotel in exponierter Lage, aber sehr einsam. Auto empfehlenswert. Sauberkeit entsprechend dem Hotel, aber auch hier schon mit kleinen Einschränkungen. Dem Hotel fehlt tatsächlich die Seele, bzw. ist es Ansichtssache, ob einem das Essen in einem riesigen Ballsaal vom Ambiente her gefällt. Ein großer Minuspunkt: ob man in den Wellnessbereich, zum Essen oder a. d Rezeption will, alles spielt sich in anderen Häusern ab, man muss sich, besonders im Winter, vollständig anziehen wenn man irgendwo hin will. Besonders nachteilig, wenn man in den Wellnessbereich will.
---
Das Hotel gehört ohne Zweifel zu besten Deutschlands. Der gesamte Komplex ist sehr grosszügig und weitläufig. Daher sind Aussenbereiche und Genbäude nur mit entsprechenden ID-Karten zugänglich. Leider funktionierte das System nicht so richtig, so dass wir nach bereits erfolgtem Kartentausch morgens im Bademantel zwischen Zimmer und Pool im Severin Palias im Niemandsland standen und weder vor noch zurück konnten. Das sehr freundliche Personal hat aber das Problem umgehend und korrekt gelöst.
---
Traumhafte Lage - wenn auch noch nicht alles renoviert - jedoch weit auseinander und ohne Verbindung, wie in Hotels dieser Preisklasse üblich.
So muss man im Mantel über den Hof ns Schwimmbad und zur Sauna - ebenso zum Frühstück

 


Na so was: Die Hotelgäste gehen fremd!

 


Mal wie wir finden ein nützlicher Hinweis: man muss durchaus nicht die 25 EUR Parkvariante in Anspruch nehmen, es gibt auch eine 12 EUR Möglichkeit zum Selbstparken, bzw. kann man kostenfrei in der Umgebung des Hotels parken, man muss bei jeder Variante etwas laufen.
Wer nicht immer Hotel essen möchte, aber auch nicht fahren will, hat die Möglichkeit im Bahnhof Heiligendamm zu Essen, das Restaurant versprüht zwar einen gewissen Ost-Charme, dass Essen ist aber gut und war am Abend mit Gästen aus dem Hotel randvoll...
 


Wenn man kostenfrei in der Umgebung des Hotels parkt, dann kann sich das nur um den Median-Parkplatz, die Anliegerparkplätze oder die Stellflächen in der Professor-Dr.-Vogel-Straße handeln. Jeder Tagesbesucher und Einheimische muss Geld für einen Parkplatz bezahlen. Dass die Hotelgäste dann Patienten- und Anliegerparkplätze zuparken, ist keine gute Idee - es ist unverschämt. Anderswo würde man sein Auto zerkratzt vorfinden. Die Professor-Dr.-Vogel-Straße ist für Autofahrer tabu.
Da hat auch kein Hotelgast-Pkw etwas zu suchen. Dass Pauschalangebot-Hotelgäste die Straße zum kostenlosen Parken benutzen, haben wir in unseren Rundgängen selbst erlebt. Die Häuser bröckeln - es ist also abgesehen vom Verbot auch so eine schlechte Idee, sein Auto unter den baufälligen Villen abzustellen. Das gibt mehr als Kratzer.

Eine kleine Mängelliste der Hotel-Gäste:
 


Um den Frühstücksraum überhaupt betreten zu können, mußten wir 20 Minuten anstehen und weitere nicht annehmbare Wartezeiten hinnehmen. Bestelltes wurde nicht serviert usw.
Das Personal war wirklich sehr nett, redlich bemüht, doch mit der Situation mehr als überfordert.
Wir sind wirklich keine notorischen Meckerer, doch in einem Hotel dieser Kategorie, erwarten wir einen bedeutend besseren Service, wie er in anderen Hotels der Kempinsky Gruppe auch geboten wird.

Check In: Zimmer war bei der Ankunft um 16: 15 Uhr noch nicht bezugsfertig, viele wartende Gäste in der Lobby
Frühstück: An mehreren Tagen 20-30 minütige Wartezeiten vor dem Kurhaus oder der Nelsonbar
Abendessen: Oftmals wegen hoher Auslastung keine Tischreservierung im Kurhaus oder Meldini's möglich, Essen gut aber nicht hervorragend.
Oftmals Eindruck, dass Convenience Produkte eingesetzt werden.


Service: Bemüht, jedoch fehlt den Servicemitarbeitern deutlich Erfahrung und Qualität/Souveränität

Lage: Das ist Geschmackssache, denn rundherum gibt es absolut nichts. Wer Ruhe, Strand und Natur mag, ist hier sicherlich richtig.
Mir wäre ein bisschen Abwechslung rundherum jedoch lieber gewesen. Sommer (Sonne, Strandleben) ist sicherlich die beste Reisezeit.

...wird fortgeführt.
 

 

Die Beiträge stammen von www.holidaycheck.de.
Es gibt durchaus auch positive Meinungen.
Alle Meinungen auf holidaycheck.de gibt es hier.

 

 

Die ECH verspricht:

Wenn Sie am 25. Mai entsprechend abstimmen, fangen wir noch in diesem Jahr an zu bauen.

Darf ein Investor sich in die Lokalpolitik einmischen?

Darf er Abgeordneten Briefe schreiben? Darf er zu einer "Hetze" in den Medien aufrufen?

Fragen im Mai 2009.

 

OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 15. Mai 2009  |  Titelseite Bad Doberan

ECH bestimmt die Tagesordnung

Am 25. Mai treten Bad Doberans Stadtvertreter zu ihrer letzten Sitzung in dieser Legislaturperiode zusammen. Obwohl gerade abgelehnt, sollen nun nochmals die Heiligendamm-Pläne behandelt werden.

Bad Doberan Das Votum war knapp, aber eindeutig: Am 30. März hatten die Stadtvertreter Bad Doberans die Änderungsanträge zu den Bebauungsplänen 25 (Wohnnutzung in Haus Krone und Marien-Cottage) und 30 (u.a. Bau einer Tiefgarage, Bau einer Sturmflutmauer) in Heiligendamm abgelehnt. Jetzt sollen sie am 25. Mai, auf der letzten Sitzung der Stadtvertreter vor der Kommunalwahl, erneut behandelt werden. Das wurde am Mittwoch in der Sitzung des Hauptausschusses bekannt. Mit entscheidend für die Neubehandlung waren offenbar Briefe, die Hans Schlag von der Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) an die Abgeordneten verschickte – den ersten schon kurz nach der Stadtvertretersitzung Ende März. Darin beklagte Schlag, dass „dieses Ergebnis“ nur zustande gekommen sei, „weil einige Stadtvertreter völlig ignorierten, was kontinuierliche und konstruktive Zusammenarbeit (wie sie der Grundlagenvertrag beiden Seiten auferlegt) heißt“. Schlag fordert die „lieben Mitstreiter und Mitglieder des Handwerker- und Gewerbeverbandes“ auf, in Leserbriefen an die OZ „ihren Zorn und ihre Enttäuschung“ zu zeigen. Und als könnten die HGV-Mitstreiter nicht selbst ihre Briefe formulieren, legte Schlag auch gleich zwei Musterbriefe bei (liegen OZ vor). Im zweiten Brief von Anfang Mai bittet Schlag die Stadtvertreter, sich erneut mit den Beschlussvorlagen zu beschäftigen und droht sanft: „Von diesen Vorlagen hängt viel ab: Die Sicherung der Arbeitsplätze im Hotel, aber auch die weitere Entwicklung der Stadt, des Landkreises, der umliegenden Tourismusbetriebe, der regionalen Unternehmer, der Median-Klinik und von Gastronomie und Einzelhandel ist eng damit verknüpft, dass Sie grünes Licht für die Weiterentwicklung Heiligendamms geben.“ Obwohl die Beschlüsse noch längst nicht auf der Tagesordnung standen, verspricht Schlag: „Wenn Sie am 25. Mai entsprechend abstimmen, fangen wir noch in diesem Jahr an zu bauen.“ Am Tage der Hauptausschusssitzung – noch immer standen die Heiligendammbeschlüsse nicht auf der Tagesordnung – versprach dann auch Fundus-Chef Anno August Jagdfeld in der „Bild“-Zeitung, man werde bei Wohlverhalten der Stadtvertreter am 25. Mai die Villa „Perle“ wieder aufbauen. Das Versprechen zum Wiederaufbau der Villa sei „nicht viel wert“, urteilte der CDU-Abgeordnete Andreas Unterfranz währen der Hauptausschusssitzung. Jagdfeld habe bereits beim Abriss der ,Perle‘ versprochen, sie bis Ende 2008 wieder aufzubauen. Dennoch: Die Einflussnahme der ECH auf die Stadtvertreter hatte Erfolg: Wie Bürgermeister Polzin gestern auf Anfrage sagte, haben die Abgeordneten Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos) die Heiligendamm-Vorlagen jetzt nochmals eingereicht.

Auch in einer Beschlussvorlage des Bürgerbundes ging es um Heiligendamm. Danach soll der Weg durch den Kurpark von der Bushaltestelle zur Prof.-Vogel-Straße und zur Seebrücke solange öffentlich zugänglich bleiben, bis die ECH mit der Sanierung der Perlenkette beginnt. Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) hielt das für gegenstandslos. „Das widerspricht der Beschlusslage der Stadtvertreterversammlung“, sagte Polzin. „Die Vogelstraße ist eingezogen und entwidmet“. Das Ansinnen des Bürgerbundes grenze an eine „rechtliche Unmöglichkeit.“ Andreas Unterfranz (CDU) sah das anders: „Entwidmung und Einziehung erfolgen unter der Maßgabe, dass ein geschlossener Hotelkomplex entsteht. Jetzt sollen Eigentumswohnungen entstehen. Dafür braucht es keine Sperrung.“ Eine Vorlage des FDP-Abgeordneten Harry Klink befasste sich ebenfalls mit Heiligendamm. Klink will der ECH eine Bankbürgschaft abringen, falls sie während des Baus einer Tiefgarage im Strandbereich pleite gehe – und die Stadt für die Wiederherstellung des Hochwasserschutzes aufkommen müsste. Polzin verwies auf die Zuständigkeit des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StAUN). Hochwasserschutz sei nicht Angelegenheit der Stadt. Für den nichtöffentlichen Teil der Stadtvertreterversammlung befassten sich der Hauptausschuss u.a. mit einem Antrag, nach dem Bürgermeister Polzin 985,67 Euro aus der Stadtkasse bekommen soll. Es handelt sich um Anwaltskosten, die Polzin entstanden, als er im Zuge der Kammerhof-Affäre staatsanwaltlichen Ermittlungen ausgesetzt war.

KLAUS WALTER
 

 

Über die Art und Weise der Einflussnahme durch die ECH und Jagdfeld zu schreiben, macht für mich keinen Sinn.

Darum analysieren wir lieber die Reaktionen:

 

Zuerst fällt auf, dass niemand die Versprechen ernst nimmt. Das hat die ECH - hat FUNDUS - sich also schon einmal verspielt.

Als nächstes ist auffällig, dass die Beschlussvorlagen durch zwei bisher wenig oder neutral in Erscheinung getretene Stadtvertreter eingebracht wurden.
 

Herbert Baor hatte sich zwar als HGV-Mitglied hinter die ECH gestellt aber sich nicht politisch dafür profiliert. Ebenso hat Frank Pieplow eher dazu ermahnt, zum Punkt zu kommen ("Es war genug Zeit für Diskussionen"), als dass er Stellung zum Gesamtprojekt bezogen hätte. Bisher war von ihm nur zu lesen, dass ihm einige Einzelheiten (Thalassozentrum neben der Perlenkette) nicht gefielen. Aktiv profiliert hat auch er sich nicht.

 

Anders der Bürgerbund. Der will im Prinzip versuchen, einige Geschehnisse wieder rückgängig zu machen.

Die Argumente dafür liefert diesmal nicht die FDP, sondern die CDU. Untätig ist die FDP dennoch nicht.

Harry Klink versucht, was er immer versucht hat: Kurze Wege schaffen. Und wie fast immer steht er damit allein da.
Allerdings gibt es diesmal auch Argumente. Es ist zwar nicht unbedingt kameradschaftlich, mit dem Finger auf das StAUN zu zeigen und zu sagen, dass es deren Problem ist aber inzwischen will man sich auch nicht mehr dem Vorwurf aussetzen, den Prozess zu erschweren.

Die Meinung ist derzeit 50:50 bei der Schuldfrage Stadtvertreter vs. ECH. Weil den Leuten Hintergrundinformationen fehlen.

 

 

Erneut macht sich Entrüstung breit: Die Ereignisse werden als Einmischung und Drohung der ECH interpretiert.

Was eigentlich ein Versprechen sein sollte und vielleicht sogar als Ermutigung geplant war, kommt wie eine Drohung herüber.
Dass zwei Stadtvertreter dann die längst gekippte Beschlussvorlage ein zweites Mal einbringen, ist gefundenes Fressen für die Kritiker. Im Wahlkampf zählen Argumente und die werden den Stadtvertretern knapp. Die erneute Einbringung des abgelehnten Vorschlages ist rechtlich korrekt und demokratisch möglich, erscheint aber so, als wollen zwei Stadtvertreter versuchen, einen demokratisch gefassten Beschluss noch einmal zu revidieren. Dass dies genau nach dem Brief der ECH an die Abgeordneten geschieht, erweckt den Eindruck der Einmischung der ECH in die Politik. Und dann ist da noch ECH-Chefplaner Peter Sähn auf der Kandidatenliste der CDU...

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 18. Mai 2009  |  Titelseite Bad Doberan

Stadtvertreter sollten Interessen aller Bürger vertreten

Zum Artikel „ECH bestimmt die Tagesordnung“(OZ, Freitagausgabe) schreibt Birgit Koch aus Heiligendamm:

„Es darf nicht sein, dass Beschlüsse der Stadtvertreter immer dann gekappt werden, wenn sie nicht in das Konzept von Herrn Jagdfeld passen, ansonsten ein Kippen als rechtliche Unmöglichkeit von Seiten des Bürgermeisters abgetan wird. Mindestens zweimal wöchentlich halten Kaufinteressenten der Villen vor unserem Gästehaus und fragen, wo Sie denn die Häuser kaufen können, die ja offensichtlich keinen Eigentümer haben, da kurz vor dem Verfall etc. . . Man darf Herrn Jagdfeld nicht das Herzstück von Heiligendamm überlassen, die Promenade ist für alle da. Das Argument, Garagen für Autos, ist doch an den Haaren herbeigezogen. Die Arbeitsplätze im Hotel sind nicht gefährdet, nur weil Herr Jagdfeld seine Tiefgarage nicht in die Promenade bauen darf. Den jetzigen Hotelgästen hat der Hotelparkplatz genügt. An keinen anderen Ort in Deutschland wird eine Strandpromenade für ein paar Autos vernichtet. Die Stadtvertreter dürfen nicht nur das Wohl der ECH und Herrn Jagdfeld berücksichtigen, denn sie sind STADTvertreter.“

Mit einer Mitteilung reagierte Hans Schlag von der Heiligendamm Entwicklungs-Compagnie:

„Weder drohen wir sanft noch geht es um Wohlverhalten der Stadtvertreter. Wir haben lediglich darauf hingewiesen, was für Heiligendamm auf dem Spiel steht, wenn die Bebauungspläne am 25. Mai nicht beschlossen werden. Daran ist nichts verwerflich. Die ECH hatte allen Stadtvertretern in einem Brief erläutert, warum es wichtig ist, dass die Bebauungspläne 25 und 30 in der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl noch einmal auf die Tagesordnung kommen. Daraufhin haben sich einige Stadtvertreter entschlossen, die Pläne erneut zur Abstimmung zu stellen. Die Stadtvertreter bestimmen die Tagesordnung und nicht die ECH.“

Zum selben Artikel mailt Ronny Erler aus Düsseldorf:

„Die Stadtvertreter müssen sich fragen lassen, wie sie es mit der Befangenheitsregel halten. Die Kommunalverfassung von Mecklenburg-Vorpommern nennt im § 24 die Mitwirkungsverbote für Gemeindevertreter. Wenn die ECH die Gemeindevertreter vom Handwerker- und Gewerbeverband schon als „liebe Mitstreiter“ anschreibt und ihnen Aufträge verspricht, dürfen sie bei Heiligendammbeschlüssen nicht mit abstimmen. So sind die Regeln, überall in Deutschland. Warum nicht in Doberan? Und wieso wird da nicht die Kommunalaufsicht aktiv?“

Zu „Heiligendamm: Letzter Weg . . . “, OZ v. 8. Mai, schreibt Matthias Burkhardt, Börgerende:

„Ein anderes Wort als ,Schikane‘ fällt mir zu der Beseitigung des ,Stichweges‘ nicht ein. Fußgänger müssen jetzt 500 Meter Umweg auf sich nehmen. Das ist für alte oder behinderte Menschen, die vom Molli-Bahnhof oder vom Parkplatz mal an die Seebrücke wollen, sehr viel. Es fällt mir auch beim besten Willen kein vernünftiger Grund zur Beseitigung des Weges ein, ist doch die reichlich abgeschottete Jagdfeld-Trutzburg weit entfernt. Ich werde den gesperrten Weg so oft wie möglich benutzen. Ziviler Ungehorsam ist ein bewährtes Mittel des Protestes. Dass die Doberaner Stadtvertreter diese Schikane, wenn auch mit knapper Mehrheit ,abgenickt‘ haben, erstaunt mich am meisten. Vielleicht sollte die Bevölkerung bei den bevorstehenden Kommunalwahlen darauf achten, dass einige permanente ,Abnicker‘ mal abgelöst werden.“
 

 

Zeit für ein paar Worte dazu: Niemand hat behauptet, dass die Promenade wegen einer Tiefgarage verschwinden soll.
Sie wird - wenn es denn genehmigt wird - in Teilen ab und dann gleich wieder aufgebaut und bleibt öffentlich.

Der Hotelparkplatz ist nur für die Hotelgäste, während die Tiefgarage für die Mieter der Perlenkette gedacht sein soll.

Auch der Hotelparkplatz muss auf kurz oder lang durch eine Tiefgarage ersetzt werden, denn er ist erstens zu unpraktisch,
zweitens nur ein Provisorium und drittens zu klein, wenn denn das Hotel erst einmal so läuft, wie die Planer es sich vorstellen.

Dem HGV hat Hans Schlag wirklich keinen Gefallen getan. In den Augen der Bürger sind die HGV-Mitglieder Marionetten.

Dass dann auch gerade Herbert Baor den Antrag wieder auf die Tagesordnung setzte, bekräftigt diese Annahme noch.
Man kann über die Gründe Hans Schlags nur spekulieren. Es kann eiserne Berechnung gewesen sein oder ein Hilferuf.

Angesichts der Millionen, die die Pläne gekostet haben und der Millionen, die neue Pläne - so es denn Möglichkeiten zu neuen Plänen gäbe - kosten würden, dürfte es sich schon um einen Hilferuf handeln, dem natürlich auch eine Prise Berechnung eingefügt ist. Herr Schlag hat allerdings nicht einkalkuliert, womit sich die Bürger ihre Meinung bilden: Mit der Ostsee-Zeitung und den Lokalpolitikern, die auch nicht Schuld seien wollen, es teilweise nicht besser wissen und teilweise völlig falsche Aussagen machen.

Zum letzten Brief sei gesagt, dass es im Auge des Betrachters liegt, ob 500 Meter Umweg zu Gunsten eines funktionierenden Hotels Schikane sind.

Fakt ist jedoch, dass schon 1997 fest stand, dass die Professor-Dr.-Vogel-Straße samt den Villen und Neubebauungen zum Hotelgelände gehört.
Es war schon vor 7 Jahren abzusehen, dass es eine Einfriedung des Hotelgeländes geben und dass dieser Teil dazu gehören wird. Jetzt ist es zu spät. Ziviler Ungehorsam wird zu drastischen Gegenmaßnahmen führen. Die Stadt darf gegen jeden vorgehen, der ihr Eigentum schädigt - also Flora und Fauna zerstört. Auch das Land hat hier massive Rechte. Die ECH kann jeden anzeigen, der sich an ihren Zäunen zu schaffen macht oder Hausfriedensbruch begeht. Legale Mittel des Protestes sind Demonstrationen, Petitionen, Meinungsäußerung, eine hohe Wahlbeteiligung oder, selbst zu kandidieren und es besser zu machen.

Die Frage ist jedoch, ob sich die Ostsee-Zeitung mit dem Abdruck eines Leserbriefes, in dem zum zivilen Ungehorsam aufgerufen wird, nicht selbst disqualifiziert. Wie Sie noch sehen werden, blieben weder die indirekte Aufforderung, noch der Abdruck der indirekten Aufforderung ohne Folgen.

 

 

Die Beschlussvorlage wird noch einmal eingebracht und wieder abgelehnt.
Wirklich abgelehnt?

 

Am 25. Mai 2009 wollten die Stadtvertreter Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos) die zuvor gescheiterte Beschlussvorlage erneut einbringen. Wir erinnern uns, dass am 30. März ein Stadtvertreter nicht anwesend war und es so mit 14 Ja-Stimmen und 14 Nein-Stimmen zum Patt kam. Ein Stimmengleichstand, wie er nur möglich ist, wenn die Stadtvertreterversammlung nicht vollzählig ist, ist kein "Ja" und kein "Nein", sodass in diesem Fall einfach kein Beschluss gefasst werden kann. Was auch immer sich die beiden Antragsteller also gedacht haben (Frank Pieplow sagte offiziell, dass er Schaden von der Stadt abwenden wollte) - der erneute Antrag war einerseits fair und andererseits auch logisch. Und er war rechtlich nicht zu beanstanden.

Aber es gibt ein scheinbar gut behütetes Geheimnis. Es ist nämlich nicht so, dass die Herren Baor und Pieplow einfach einen Punkt auf die Tagesordnung setzen können. Sie können dies beantragen und die Stadtvertreter stimmen dann darüber ab, ob der Punkt wirklich auf die Tagesordnung kommt. Im Klartext: Die Herren Baor und Pieplow stellen einen Antrag auf einen Tagesordnungspunkt, der die erneute Abstimmung über die Beschlussvorlage beinhaltet. Ergebnis: Antrag abgelehnt. Die DPA gibt den Sachverhalt also eigentlich falsch wieder: Nicht die Beschlussvorlage wurde erneut abgelehnt, sondern der Antrag, über sie abzustimmen. Die Beschlussvorlage kam gar nicht auf den Plan und wurde auf Grund der Ablehnung einfach gar nicht mehr behandelt. Da zu sagen, dass sie abgelehnt wurde, ist einfach falsch - wenngleich die Konsequenzen dieselben sind: Stillstand in Heiligendamm.     

 


Ostsee-Zeitung 26. Mai 2009
| von dpa

Fundus-Pläne erneut abgelehnt
 

Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen haben Kommunalpolitiker in Bad Doberan dem Ausbau des Ostseebades Heiligendamm eine Absage erteilt. Bei einer Sitzung des Stadtparlaments sprachen sich gestern Abend 14 von 25 Abgeordneten gegen Pläne der Investorengruppe Fundus aus, die historischen Villen am Strand zu sanieren. Nach Angaben von Fundus-Sprecher Christian Plöger konnten sich die Fraktionen nicht auf eine Klärung rechtlicher Details in den Bebauungsplänen verständigen. Bereits Ende März hatten die Parlamentarier das Konzept der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm zum Wiederaufbau der "Perlenkette" abgelehnt.

Plöger reagierte enttäuscht. "Das bedeutet, dass nun erst einmal Stillstand herrscht." Weil die Stadtvertreter sich erst nach den Kommunalwahlen in neuer Zusammensetzung mit dem Thema beschäftigen können, sei selbst bei einem erfolgreichen dritten Anlauf nicht mit einem Baubeginn vor Mitte 2010 zu rechnen.
 



Die letzte Sitzung der Stadtvertreter in dieser Legislaturperiode: Die Stadtvertretervorsteherin soll abgewählt werden. Wird sie aber nicht. Statt dessen fliegt Heiligendamm von der Tagesordnung.
 

Die letzte Chance für diese Stadtvertreterversammlung steht bevor: Heute soll noch einmal über die Tiefgarage und die Wohnnutzung abgestimmt werden. Herbert Baor und Frank Pieplow möchten nach dem Patt im März eine faire Abstimmung bei Vollständigkeit der Stadtvertreter. Doch die haben ganz andere Dinge im Kopf: Einige von ihnen wollen am letzten Tag und quasi als letzte Amtshandlung die Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt abwählen. Die interne CDU-Krise hat die Stadtvertreterversammlung erreicht und wird nun ausgetragen. Caroline Brandt ist die Spitzenkandidatin der CDU für die Stadtvertreterversammlung. Ihr Fall könnte herbe Verluste für die zerstrittene CDU-Ortsfraktion zur Folge haben. Eine Tatsache, die einige möglicherweise gern für sich nutzen möchten.

Nur eine Sache kommt dabei zu kurz: Die Beschlussvorlage für Heiligendamm. Wird sie es auf die Tagesordnung schaffen?
 


/OZ/LOKAL/DBR vom 27.05.2009 12:00


Heiligendamm-Pläne auf Eis

Die Stadtvertreter nahmen zwei B-Pläne für die Weiße Stadt von der Tagesordnung und bestätigten Caroline Brandt im Amt.
 

Bad Doberan Am Montagabend mussten zusätzliche Stühle für Besucher herbeigeschafft werden. Deutliches Zeichen dafür, dass es wieder um Heiligendamm ging. Tatsächlich standen die schon bekannten B-Pläne 25 und 30 erneut auf der Tagesordnung. Sie sehen u.a. die Wohnnutzung in Haus Krone und im Marien-Cottage sowie den Bau einer Tiefgarage vor der sogenannten Perlenkette alter Villen sowie die Errichtung einer festen Sturmschutzmauer vor. Während der letzten Stadtvertretersitzung hatten die Abgeordneten mit knapper Mehrheit beide Pläne abgelehnt. Sodann waren sie auf Initiative von Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos) erneut auf die Tagesordnung gehoben worden. Beide Vorlagen und die Debatte darum führten wenige Minuten nach Beginn der Veranstaltung zur Unterbrechung. Das Präsidium um Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt zog sich zur Beratung zurück. Zuvor war es um den Antrag von Heinz Keuer, Grüne, gegangen, der gefordert hatte, beide B-Pläne von der Tagesordnung zu entfernen, weil es sich exakt um jene Vorlagen handelte, die schon einmal abgelehnt worden waren. „Laut Geschäftsordnung sind diese Punkte nicht absetzbar“, entgegnete Caroline Brandt. Harry Klink, FDP, brachte noch eine Flanke herein. Die Pläne müssten runter, weil die Unterlagen nicht fristgemäß bei den Abgeordneten angekommen wären. Auch dies wurde zurückgewiesen. Dann Pause.

Nach Wiederkehr verkündete Brandt, dass nun beide Punkte als Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung behandelt werden würden — wenn die Abgeordneten zustimmten. Sofort forderte Frank Pieplow, fraktionslos, einer der Einreicher, rechtliche Prüfung des Vorganges. Jochen Arenz, Einzelkandidat, warf in die Debatte, dass er den Plänen, ohne dass diese geändert wurden, seine Zustimmung sowieso versagt hätte. Er war mit einem Änderungsantrag zur Sitzung gekommen. Dieser sah u.a. vor, dass beide Pläne, sofern beschlossen, wieder kassiert werden würden, falls die ECH nicht bis zum 31. Oktober 2009 mit dem Wiederaufbau der „Strandvilla Perle“ beginnt. „Ich bitte sie, beide Punkte auf der Tagesordnung zu belassen“, appellierte Arenz abschließend.

In der Abstimmung votierten die Abgeordneten mehrheitlich gegen die Erweiterung der Tagesordnung um die genannten zwei Punkte. Damit waren die B-Pläne 25 und 30 wieder vom Tisch. Und liegen auf Eis. Es handelte sich bei der Sitzung am Montag um die letzte reguläre vor den Kommunalwahlen am 7. Juni. Fundus-Chef Anno August Jagdfeld hatte im Vorfeld der Sitzung zugesagt, noch in diesem Jahr mit dem Wiederaufbau der „Perle“ beginnen zu wollen — falls die Doberaner Volksvertreter für die Pläne die Hand heben.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war vom Publikum offenbar mit Spannung erwartet worden: Abwahl der Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt (CDU). Der Antrag dazu kam von Horst Gühler von der CDG-Fraktion, die sich vor Monaten von der CDU abgespalten hatte. Der Vorwurf: Brandt wolle „unmoralische Machtansprüche hemmungslos durchsetzen.“ Gühler beruft sich dabei ganz eindeutig auf die Art des Zustandekommens der CDU-Kandidatenliste für die Kommunalwahl (OZ berichtete mehrfach). Weiter heißt es in dem Antrag: „Wir möchten uns nicht mehr von Frau Brandt vertreten lassen, auch wenn es sich um die letzte Stadtvertretersitzung handelt.“ „Ich lasse mich nicht in diese ganzen CDU-Querelen hineinziehen“ empörte sich Herbert Baor (HGV). „Ich lasse mich als Stadtvertreter nicht dazu missbrauchen, die innerparteilichen Probleme der CDU zu lösen.“ Beifall. „Sachlich falsch — wir sind gar nicht mehr CDU“, konterte Dieter Abeling, CDG, lakonisch. Und in Richtung Brandt: „Hier geht es immerhin um Personenkult vor den Wahlen.“ Kleiner Tumult im Saal. Birgit Mersjann (SPD) stellte den Antrag auf sofortige Beendigung der unerquicklichen Debatte. „Ist nicht gut — für uns alle.“ Anwesend waren 25 Stadtvertreter. Für die Abwahl Brandts votierten 12; dagegen 13. Sie bleibt im Amt.

PETER WEISSFLOG
 


Die Ostsee-Zeitung hatte es also schon korrekt wiedergegeben: Nicht die Beschlussvorlage wurde abgelehnt, sondern der Antrag, sich noch einmal mit der Beschlussvorlage zu befassen. Das ist allerdings in der Diskussion um Caroline Brandt untergegangen und so glaubt die Öffentlichkeit nun zumeist, dass die Stadtvertreter die Pläne zweimal nacheinander abgelehnt haben. Eine Analyse:
 


Analyse: Wer ist "Schuld"? Die Suche nach dem Sündenbock.

Es heißt immer "Die Stadtvertreter sind Schuld" oder "Die Stadtvertreter haben abgelehnt".
Ich möchte die Stadtvertreterversammlung an dieser Stelle einmal rehabilitieren. Wer im März gegen die Beschlussvorlage gestimmt hat, konnte ich nicht heraus finden. Das ist aber im Grunde genommen auch egal, denn am 25. Mai hätte die Stadtvertreterversammlung die Chance gehabt, noch einmal über die Beschlussvorlage abzustimmen. Man hatte fast zwei Monate Zeit, um sich zu informieren und sich bei Unklarheiten an die ECH zu wenden und wenn dies geschehen wäre, hätte jedem Stadtvertreter klar werden müssen, dass ohne die Zustimmung der von 21 Ämtern genehmigten Beschlussvorlage eine Sanierung der Perlenkette nicht möglich ist. Wären die Stadtvertreter am 25. Mai gut informiert in die Versammlung gegangen, hätte sich folgendes Bild ergeben: Wer dem Stillstand ein Ende bereiten will, stimmt - ob mit oder ohne Bauchschmerzen - für die Aufnahme  der Abstimmung über die Beschlussvorlage in die Tagesordnung. Wer den Stillstand nicht beenden will oder wem die Situation aus irgend welchen Gründen egal ist oder wer noch immer nicht im Bilde ist oder noch Zweifel hat (was der schlechteste Fall wäre), der stimmt gegen die Aufnahme der Abstimmung in die Tagesordnung. Darum möchte ich Ihnen hier zeigen, wer noch einmal über die Beschlussvorlage stimmen wollte und wer nicht.
 


Für die Aufnahme der Abstimmung
über die Beschlussvorlage haben gestimmt:
 

René Orth, Bürgerbund

Dieter Abeling, CDG

Horst Gühler, CDG

Lutz Pentzien, CDG

Caroline Brandt, CDU

Herbert Baor, HGV

Ulrich Baltzer, SPD

Birgit Mersjann, SPD

Gebhard Zeug, SPD

Frank Pieplow, fraktionslos

Jochen Arenz, fraktionslos


Gegen die Aufnahme der Abstimmung
über die Beschlussvorlage haben gestimmt:
 

Klaus-Peter Behrens, Bürgerbund

Inge Meyer, Bürgerbund

Brigitte Felten, CDU

Katy Hoffmeister, CDU

Andreas Unterfranz, CDU

Lutz Elbrecht, FDP

Harry Klink, FDP

Heinz Keuer, Grüne

Ulrich Ludwig, HGV

Friedrich Keding, Linke

Heinz Paape, Linke

Monika Schneider, Linke

Arnold Scholtz, Linke

Bodo Wiegand-Hoffmeister, SPD
 


Wenn wir uns diese Liste anschauen, erkennen wir, dass die Mitglieder der CDG komplett eine Neuabstimmung wünschten.
Auch die Einzelbewerber wollten noch einmal abstimmen. Von den vier SPD-Kandidaten wollten drei noch einmal abstimmen, von den beiden HGV-Kandidaten einer (der den Antrag ja auch gestellt hat) und von den vier CDU-Kandidaten auch nur einer. Aber auch ein Bürgerbund-Kandidat wollte noch einmal über die Beschlussvorlage abstimmen. Dieser Kandidat ist zu diesem Zeitpunkt auch schon auf der Wahlliste der Grünen zu finden.

 

Die Linke stimmt mit allen vier Kandidaten komplett gegen eine erneute Abstimmung der Beschlussvorlage. Ebenso die FDP und - da nur ein Sitz - auch die Grünen. Die drei CDU-Kandidaten, die nicht mehr zur Wahl in die SVV antreten, stimmen gegen die erneute Abstimmung und entziehen sich damit dieser letzten Entscheidung. Der Bürgerbund stimmt quasi auch komplett gegen die erneute Abstimmung, wenn man den Wechsel eines ihrer Kandidaten berücksichtigt.

Noch einmal zur Erinnerung: Diese Leute haben nicht für oder gegen die Beschlussvorlage gestimmt. Sie stimmten nur dafür oder dagegen, erneut über die Beschlussvorlage abzustimmen. Freilich stimmen sie damit auch für oder gegen den weiteren Stillstand in Heiligendamm aber das hat die ECH in ihrer Zeitung "Zukunft Heiligendamm" etwas falsch herüber gebracht. Dort sieht es nämlich auf dem ersten Blick so aus, als hätten die aufgelisteten Stadtvertreter für oder gegen die Beschlussvorlage selbst gestimmt. Da sich in der Zeitung links daneben ein Bericht mit Bildern dreier erneut kandidierender Stadtvertreter befinden, die allesamt für "Ja" gestimmt haben, darf man da schon ein wenig Beeinflussung hinein interpretieren.
Aber so arbeiten die Medien nun einmal.
 


 

Und "Schuld daran" ist nur...die CDU? ...Jagdfeld selbst?

Auf der Suche nach der Berichterstattung bezüglich der Versammlung vom 25.05.2009 bemühte ich zuerst die Ostsee-Zeitung, welche aber gerade ihre Online-Ausgabe umgestaltet und daher nicht erreichbar war. Also suchte ich in den Google-News und wurde bei der DPA fündig. Aber das war nicht die einzige Zeitung, die von Heiligendamm zu berichten wusste. Ich fand auch einen Artikel einer Zeitung, von der ich gar nicht wusste, dass es sie noch gibt:

Hinter dem CDU-Chaos sehen viele den Einfluss des Heiligendamm-Eigners Anno August Jagdfeld.

 


Neues Deutschland, 25.05.2009 / Inland / Seite 6
 

Die verdoppelten Christdemokraten
Kommunalwahl Nordost: Warum die CDU in Bad Doberan gleich zwei Wahllisten erstellt hat


Von Helmut Lorscheid

Womöglich muss am Ende ein Gericht entscheiden, welche der konkurrierenden Wahllisten der Bad Doberaner Union die gültige ist. Hinter dem CDU-Chaos sehen viele den Einfluss des Heiligendamm-Eigners Anno August Jagdfeld.

Wer in diesen Tagen mit Doberaner Kommunalpolitikern spricht, erfährt merkwürdige Dinge – besonders, wenn es Christdemokraten sind. Die CDU im Landkreis scheint sich nämlich verdoppelt zu haben. In seiner Sitzung am 24. April stand der Doberaner Kreiswahlausschuss vor der seltenen Frage, welche von zwei teilweise konkurrierenden Kandidatenlisten der örtlichen CDU für die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 gültig ist. Pragmatisch entschied sich das Gremium für die zuerst eingereichte Liste – auf der beispielsweise Andreas Unterfranz fehlt, der noch amtierende CDU-Fraktionsvorsitzende in der Stadtvertretung Bad Doberans. Auf einer konkurrierenden Liste, die auf einer Kreismitgliederversammlung der CDU bestimmt wurde, ist Unterfranz dagegen vertreten – wie auch einige andere, die auf der ersten Liste fehlen.

Kreischef gegen Stadt-CDU

Nun werden wohl Gerichte entscheiden müssen, wer in Bad Doberan die legitimen CDU-Kandidaten sind. In einer geharnischten Erklärung des Kreisvorsitzenden Peter Stein heißt es, der Kreiswahlausschuss habe »einen Wahlvorschlag einiger Mitglieder des CDU-Ortsverbandes Bad Doberan gewähren lassen, der gröblich demokratische Wahlgrundsätze verletzt«. Anwesende CDU-Mitglieder seien von der Aufstellung der Kandidaten ausgeschlossen worden. »Das innerparteiliche Demokratieprinzip, das im Grundgesetz verankert ist, wurde mit Füßen getreten.« Der Kreiswahlausschuss, ärgert sich Stein, habe das auch noch legitimiert. Der CDU-Kreisverband behalte sich »weitere rechtliche Schritte« vor.

Hinter dem seltsamen Zerwürfnis sehen viele in Bad Doberan den langen Arm von Anno August Jagdfeld, dem Eigner des durch den G 8-Gipfel bekanntgewordenen Hotelkomplexes in Bad Doberan. Der auf der ersten Wahlliste fehlende Andreas Unterfranz gilt nämlich als Kritiker des Hotelmannes. Er widersetzte sich etwa dem Bau einer Tiefgarage für den Hotelkomplex und der Sperrung weiterer Wege in Heiligendamm, die sich Jagdfeld gewünscht hatte.

Nahrung bekommt die Annahme, dass Unterfranz' Fehlen auf der ersten Liste mit dem Einfluss Jagdfelds zu tun haben könnte, durch ein Schreiben der CDU-Stadtvorsitzenden Caroline Brandt an Kreischef Stein. Es sei »sehr bedauerlich«, heißt es dort offenbar mit Bezug auf Unterfranz, »dass gerade jemand unterstützt wird, der in den letzten Tagen ohne Äußerung von sachlichen und objektiven Gründen Investitionen in Millionenhöhe in M-V als CDU-Mitglied verhindert. (...) Hier ist jedoch eine Blockadehaltung weder aus sachlichen noch aus objektiven Gründen angenommen worden, die zudem auch noch offensiv in der Presse vertreten wurde.«

Unmut über Hoteleigner

Dem aus Düren stammenden Jagdfeld, der das Hotel Anfang des Jahrzehnts übernommen hat und in der Nähe eine Villa bewohnt, schlägt vor Ort derweil immer mehr Unmut entgegen. Die Bürgerinitiative »Pro Heiligendamm« etwa kämpft gegen den vom Investor bereits angekündigten Abriss der Villen »Schwan« und »Möwe« aus dem historischen Bauensemble der »Weißen Stadt«. Im Januar 2007 wurde bereits die 1854 erbaute »Villa Perle« eingerissen. Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, hatte damals schriftlich protestiert und über »politischen Druck« spekuliert, der hier auf die zuständige Denkmalschutzbehörde ausgeübt worden sei. Die Bürgerinitiative sieht sich getäuscht: Jagdfeld habe 2002 zugesichert, auch die Teile des historischen Ensembles zu sanieren, die nicht zur eigentlichen Hotelanlage gehören. Doch dies scheint sich nicht zu rechnen.

Dass der Hotelkomplex trotz des Weltgipfels 2007 schwer unter Besuchermangel leidet, bringen Ortsansässige aber genau damit in Verbindung: Der Luxuskomplex ist von leeren Häusern und Tristesse umstellt. Außer Meer und Wald gibt es nichts – keine Geschäfte, keine Gastronomie. »Hier ist ja Tote Hose«, wunderte sich Anfang Mai einer der wenigen Hotelgäste.
 

 

Kann das wirklich sein? Ich habe hier eine Wahlwerbung der CDU vor mir liegen und in der kandidiert Unterfranz nur für den Kreistag und ohne Bild. Für das Rathaus kandidiert hingegen Peter Sähn, der kaufmännische Leiter der ECH und ECW und Führungspersönlichkeit bei FUNDUS. Die Frage ist nun, ob Sähn auch auf der ersten Liste auftaucht.

Wenn nicht, geht es vielleicht gar nicht um Unterfranz...

(Nachtrag 12.06.2009: Peter Sähn hat es nicht geschafft.

Aber Andreas Unterfranz sitzt nun im Kreistag und nicht mehr in der SVV.)

Eigentlich also nicht nachvollziehbar.

Die Frage sei allerdings erlaubt, warum Jagdfeld denn gerade die CDU auseinander pflücken sollte, wo seine erklärten Gegner doch im Bürgerbund sitzen und wo die Ablehnungen aus immer denselben Fraktionen kommen, die teilweise sogar geschlossen abstimmen.


 

Über die wahren Gründe für die Ablehnung berichtet CDG-Stadtvertreter Horst Gühler:

 


Auszug aus den Kommentaren im Stadtanzeiger am Samstag:

...Die Stadtvertreter, die die Beschlussvorlagen am 30.03. abgelehnt haben fordern, dass der Investor erst mit der Sanierung der Perlenkette nachhaltig beginnen soll, dann würden auch die Beschlussvorlagen positiv beschieden. Dies geht nicht, denn es muss erst die Finanzierung durch den Verkauf gesichert werden, der Verkauf ist aber abhängig von der Bestätigung der Beschlussvorlagen. Man muss dem Investor auch zugestehen, dass zwischen dem Beschluss, Verkauf und Baubeginn ein angemessener Zeitraum liegen muss.
Jetzt sehen sich beide Vertragspartner an und keiner macht den ersten Schritt.
Da Banken nicht kreditieren, wird auch kein Bauunternehmen in Vorkasse gehen können und wollen.
Wir bewegen uns auf dem glatten Parkett der freien Marktwirtschaft, jede Investition ist ein Risiko, auch Heiligendamm ist ein solches für den Investor. Wir sitzen als Stadt nicht in der Loge und können entspannt dem Tun des Investors zusehen, oder gar Wetten abschließen - ob er es wohl schafft? Sein Erfolg würde allerdings sofort viele Väter haben. Erst wenn die fertig gestellte Investition über die Nutzung Gewinn abwirft haben Investor und Stadt eine gute Investition.
Wenn ich den Investor ständig in der Öffentlichkeit infrage stelle, Beschlüsse fasse um Baurecht zu erarbeiten, den Investor die Planungsleistungen dafür bezahlen lasse und am Ende des Prozesses die Herstellung der Rechtskraft der erarbeiteten Pläne zum Baurecht verweigere, dann kann die Investition nicht gehen. Der Investor hat 250 Mio Euro investiert, kommt mit den weiteren Maßnahmen nicht weiter, verliert gemeinsam mit den Anlegern wahrscheinlich erhebliche Einnahmen, da liegen die Nerven blank. Ich kann ECH schon verstehen, dass sie um die erneute Einbringung gebeten haben und die Stadtvertreter sie einbrachten. Die Beschlussvorlagen werden nicht heimlich behandelt. Auch in anderen Fällen müssen Beschlussvorlagen wiederholt eingebracht, manchmal auch dazu Sondersitzungen durchgeführt werden. Für mich kein ungewöhnlicher Vorgang. Sie müssen sehen, dass der Investor erst Ende August mit einem Beschluss rechnen kann, vor der Sommerpause nicht. Dies bedeutet, dass der Investor Ende September mit der Finanzierungssicherung beginnen kann und vielleicht Mitte 2010 mit den nachhaltigen Baumaßnahmen beginnt. Unter diesem Gesichtspunkt sollten Sie auch das Wiederaufbauversprechen zur Ville Perle sehen, dass die Stadtvertreter vielleicht zur Einreichung beflügelt hat. Der Stillstand geht weiter, mit dem berechtigten Vorwurf der fehlenden Handlungsfreiheit durch die SVV....
---
...Am 30.03. wurden die Beschlussvorlagen zu Heiligendamm abgelehnt, sehr knapp.
Am 25.05. konnten die Beschussvorlagen nicht behandelt werden, wegen eines Formfehlers bei der Einladung.
Eigendlich waren es sogar zwei Fehler, es reichte zur Zurückweisung bereits die verspätete Zusendung der in geringem Umfang überarbeiteten "originalen" Beschussvorlagen.


Erst bauen, dann Finanzierung sichern.
Mit dem Thema bin ich wohl zu leichtsinnig umgegangen, ich bitte um Entschuldigung.
Es ist verboten einen Auftrag zu erteilen, ohne die Finanzierung einer beauftragten Leistung gesichert zu haben. Besonders hart werden öffentliche Auftraggeber bestraft wenn dies passiert. Auch bei der Verwendung von Fördermitteln ist dies streng verboten, wer das tut, muss mindestens die Fördermittel zurückgeben und erhält natürlich keine mehr.
Eine Ablehnung der Beschussvorlagen bedeutet, weil sie die Voraussetzung für die Sicherung der Finanzierung durch den Verkauf der Villen darstellen, dass z.Zt. kein Auftrag für die Sanierung der Villen erteilt werden kann und darf. Im übertragenen Sinn bedeutet dies, wenn einige Stadtvertreter erst den Fortschritt sehen und dann die Beschussvorlagen bestätigen wollen, dass eine Auftragserteilung ohne Finanzierung verlangt wird, was nicht möglich ist. Hier beißt sich der Hund in den Schwanz.

Sind die Beschlussvorlagen bestätigt, muss der Investor sehr aktiv werden.
Herr Schlag umschrieb dies in einem Artikel durch den Hinweis, der tatsächlich keine Nötigung darstellt: der Ball liegt dann in unserem Feld.
Jetzt ist Wartezeit angesagt, d.h., weiterhin Stillstand....

---
...Am 30.03.09 wurden die Beschlussvorlagen des Bürgermeisters als Einreicher behandelt, eine durch Stimmgleichheit abgelehnt, eine mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt (ein Stadtvertreter war nicht anwesend, deshalb Gleichstand möglich).
Am 25.05.09 wurden die Beschlussvorlagen nicht behandelt, obwohl sie auf der Tagesordnung standen, weil durch einen Formfehler bei der Einladung diese nicht behandelt werden durften bzw. konnten. Wer den Fehler gemacht hat möchte ich hier nicht feststellen, aber doch ärgerlich, bei dem Zeitdruck. Die Herren Einreicher Baor und Pieplow der Beschlussvorlagen zum 25.05.09 haben mit Sicherheit ohne Zwang gehandelt, wollten nur eine weitere Zeitverzögerung verhindern, auch wenn andere etwas anderes behaupten sollte.

Um fehlende Baugenehmigungen geht es nicht.
Die Stadtvertreter, die sich gegen die Beschlussvorlagen ausgesprochen haben führen eine Reihe von Argumenten an. Dazu gehören vordergründig: Beim Bau der Tiefgarage werden die Villen beschädigt, das Grundwasser kann nicht abfließen, der Hochwasserschutz wird gefährdet (wenn das Vorhaben nicht vollendet wird), der Investor wird die Finanzierung nicht sicherstellen können. Aus meiner Sicht wurden in den Diskussionen mit der Verwaltung, durch die Fachplaner und den Investor die erst genannten Bedenken weitgehend zerstreut.
Das letzte angeführte Argument, bezüglich der Finanzierung, „verhindert“ wohl wirkungsvoll die Bestätigung der Beschussvorlagen....


Hier geht es zur vollständigen Diskussion im Stadtanzeiger am Samstag.

 


Übrigens:
Wenn ich hier von "Schuld" spreche, dann möchte ich damit nur dokumentieren, dass es Leute gibt, die "Schuldige" für dieses oder jenes suchen. Es widerspricht meinem Weltbild, "Schuldige" zu suchen und es widerspricht meiner Weltanschauung, "Schuld" zu suchen.
Die Frage nach der "Schuld" ist eine tiefreligiöse Sache, von der ich mich so gut es geht distanziere.
Mein Weltbild besteht aus Ursache und Wirkung - aus Aktion und Reaktion.
Meiner Meinung nach ist es ein sinnloses Bemühen, nach der "Schuld" zu suchen, während es sinnvoll und aufschlussreich sein kann, nach dem Grund oder philosophisch auch nach dem Sinn einer Sache zu suchen.
Probleme lassen sich nicht lösen, wenn man den "Schuldigen" kennt.
Man kann die Wirkung nur
über die Ursache beeinflussen.
Bitte verstehen Sie die voran gegangenen und folgenden Ausführungen zu "Schuld" und "Unschuld" daher nur in diesem Kontext.
 

 

 

Noch mehr Verschwörungstheorien: Spekuliert FUNDUS nur mit Baugrundstücken in Premium-Lage?

 

Inzwischen liegt mir auch die Wahlwerbung des Bürgerbundes vor. Stand 27.05.2009 haben es erst die CDU, der Bürgerbund und zweimal die NPD geschafft, mir Wahlwerbung in den Briefkasten zu werfen. Die SPD verteilt ihre Flyer gewöhnlich immer erst in den letzten Tagen vor der Wahl, damit sie am Wahltag noch auf dem Küchenschrank liegen und sich so in Erinnerung rufen. CDU und NPD haben mich mit kleinen Hochglanzflyern versorgt und der Bürgerbund mit zwei  Blättern DIN A4. Und da steht etwas drin, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

 


...
Das viel bemühte Argument, die Wegesperrungen seien zum Schutz der Hotelgäste notwendig, ist letztlich nur der billige Trick eines Immobilienmaklers, um günstig erworbene Villengrundstücke auf Kosten der Allgemeinheit aufzuwerten. Und so werden die Vogel-Straße zur Privatstraße und der Kleine Wohld zum Privatpark gemacht. ...

 

... Das historische Gesamtensemble Heiligendamms ist massiv bedroht. Bereits vor Jahren hat die ECH den Wunsch geäußert, alle Villen der Perlenkette abzureißen. Mit Rückendeckung der Landespolitik sind für 3 Villen Abrissgenehmigungen erteilt worden. Nun spielt der "Investor" auf Zeit, legt immer wieder wechselnde Verkaufskonzepte vor und versucht, über Änderungen von Bebauungsplänen eine maximale Wertsteigerung der Grundstücke zu erreichen. Alles deutet darauf hin, dass von Heiligendamm am Ende nichts weiter übrig bleiben soll als das Grandhotel und Bauland in Premiumlage.

 

... Alle Fristen zur Sanierung der Villen sind längst verstrichen und das vertraglich vereinbarte Investitionsvolumen wurde nicht investiert.

 

... Nur der Verkauf an Einzelinvestoren mit unterschiedlichen Nutzungskonzepten und bestätigter Finanzierung bietet eine realistische Chance, die Perlenkette in absehbarer Zeit zu restaurieren und damit vor dem Verfall zu retten.

 

 

Die Werbung habe ich ausgepunktet.

Den vollständigen Text finden Sie hier: http://www.buergerbund.com/html/unsere_ziele.html

 

Zur Information: Was Privatstraße und was öffentliche Straße ist, entscheiden das Land und die Stadt Bad Doberan und die Stadtvertreter haben hierauf einen erheblichen Einfluss. Auch was Privatgrundstück und was öffentliche Fläche ist, entscheidet die Stadt Bad Doberan mit ihren Stadtvertretern.
Und: Auch auf Bauland in Premiumlage dürfen - Stichwort "Wohnnutzung" - nach derzeitigem Stand nur Hotelbauten entstehen.
Die ECH könnte dort also nur eigene Hotelbauten aufstellen oder - worauf der Bürgerbund ja spekuliert - die Grundstücke verkaufen.
An Käufer, die dort auch nur Hotelbauten errichten können. Also an die eigene Konkurrenz. Das wäre alles andere als logisch.
Um die Perlen an Einzelinvestoren zu verkaufen, müsste man sie der ECH erst einmal abkaufen. Das heißt: Millionenschulden.

Oder man nimmt sie der ECH weg. Das heißt: Millionenschulden. Würde die Stadt das machen, wären Millionenklagen gewiss.  

 

Der Bürgerbund führt seine Behauptungen weiter aus:

 


Hierzu bekennt in der lokalen Presse die Hotelgesellschaft des Investors nach dem Rückzug des Betreibers „Kempinski“ ganz offen:
„Wir sind eine abgeschlossene Hotelanlage, noch nicht so abgeschlossen, wie vom Betreiber gewünscht. Doch gemeinsam mit den örtlichen Behörden arbeiten wir daran.“.
Und der Bürgermeister dazu: „ Die Stadt hat immer alles getan, um den Wünschen des Investors zu entsprechen. Wege gesperrt, umgewidmet, Bebauungspläne gestaltet, …“
 Offenbar geht es jetzt um die Promenade.

...

2.) Die Sanierung des historischen Gesamtensembles war Grundlage aller vertraglichen Vereinbarungen zwischen der öffentlichen Hand und dem Investor.
Für die Durchsetzung ihrer vertraglichen Rechte  setzt sich die öffentliche Hand jedoch nicht ein. Der Investor wird nach eigener Aussage  und mit politischer Rückendeckung demnächst weitere Villen der Perlenkette abreißen, nachdem der Abriss der Villa „Perle“ problemlos möglich war und die Öffentlichkeit mit der Lüge über den geplanten Wiederaufbau 2008 getäuscht werden konnte.
 

Nach einer zeitnahen Meldung in der lokalen Presse hat der Investor bereits 2004 erstmals seinen Plan offen gelegt, alle Villen der Perlenkette abzureißen.
Wo war die Entrüstung von Bund, Land und Stadt im Interesse des vertraglich ausbedungenen Erhalts der „Perlenkette“? Der Umstand, dass das Landesamt für Denkmalpflege plötzlich „kein öffentliches Interesse am Erhalt“ der Gebäude sieht, deutet auf politische Rückendeckung für eine planvolle Zerstörung wertvoller, Identität stiftender Bauwerke hin.
 

In der zynisch „Zukunft Heiligendamm“ genannte Postwurfsendung der ECH räumt Jagdfeld das Scheitern seines Villenkonzeptes ein.
Nachdem die Vogelstraße aufgrund eines Hotelkonzeptes für die Öffentlichkeit gesperrt wurde und zahlreichen Bürgern in der Vergangenheit mit der Begründung die Wohnungen gekündigt wurden, dass Wohnen in diesem Bereich nicht mehr zulässig sei, soll der Verkauf von dauerhaft nutzbaren Eigentumswohnungen nun den Erfolg bringen. Nach Aussage Jagdfelds soll die Sanierung erst erfolgen, wenn die nach seinen Vorstellungen gestalteten B-Pläne 25 und 30 doch noch in Kraft treten.
Dabei gibt Jagdfeld zu, dass der Beginn der Sanierung „abhängig vom Verkauf der Wohnungen“ sei, und gesteht damit ein, dass das für die Sanierung erforderliche Kapital fehlt.  

Das Wirken des SPD- Bürgermeisters und einiger seiner Gefolgsleute in der Stadtvertretung, die Jagdfelds „Bebauungspläne“ absegnen  wollten, tun gerade so, als würden sie durch weitere Willfährigkeit gegenüber dem Investor etwas Sinnvolles erreichen können. Hier soll offenbar nur auf Zeit gespielt werden. Die frühzeitig geäußerten Abrisspläne und die ergebnislos verstrichene Zeit machen überdeutlich, dass die Sanierung der Villen der Perlenkette nicht ernst gemeint ist: Es geht in Wirklichkeit nur um eine Wertsteigerung der Grundstücke. Da Baurecht gegeben ist, hindert niemand den Investor daran, seiner vertraglichen Pflicht zur Sanierung der Perlenkette nachzukommen.
 

 

Auch hier ist wieder die Werbung weitestgehend ausgepunktet.

Hier geht es zum vollständigen Text: http://www.buergerbund.com/html/stichwort_heiligendamm.html

 

Die Aussagen spiegeln nicht meine persönliche Meinung wieder. Ich distanziere mich von allen gemachten Aussagen.
Mir ist es nur wichtig, dass Sie diese Theorien kennen.
Lesen Sie unbedingt weiter und scrollen Sie ein Stück herunter - die ECH nimmt Stellung zu jedem einzelnen Punkt.


Wieder das bekannte Spiel:

„Wir sind eine abgeschlossene Hotelanlage, noch nicht so abgeschlossen, wie vom Betreiber gewünscht.
Doch gemeinsam mit den örtlichen Behörden arbeiten wir daran.“.

Die Worte "mit den örtlichen Behören" sprechen nicht gerade dafür, dass die Antwort sich an einen Einheimischen richtet.
Der Bürgerbund nennt keine Quelle. Geschickt gefragt kann man diese Antwort problemlos provozieren.
Als angeblich ruhegestörter Hotelgast zum Beispiel.

Offenbar wurde die Aussage ja vom Grand Hotel selbst gemacht.
Das sei damit nicht unterstellt, sondern soll zeigen, wie einfach es möglich ist, Aussagen zu provozieren.
 Nur weil etwas schwarz auf weiß steht, muss es nichts mit dem Thema zu tun haben.

Und weiter:


Und der Bürgermeister dazu: „ Die Stadt hat immer alles getan, um den Wünschen des Investors zu entsprechen.
Wege gesperrt, umgewidmet, Bebauungspläne gestaltet, …“  Offenbar geht es jetzt um die Promenade.

Die Stadt - das ist auch die Stadtvertreterversammlung, an der der Bürgerbund selbst mit Stadtvertretern beteiligt ist.
Es steht jedem Menschen frei, ob er Stadtvertreter sein möchte oder das Mandat niederlegt, weil er die Entscheidungen nicht mittragen will. Alles, was der Bürgerbund sagt, was Polzin gesagt haben soll, haben die Stadtvertreter des Bürgerbundes mitzutragen - auch wenn sie stets dagegen gestimmt haben. Letztlich trägt jeder Stadtvertreter alle Entscheidungen der SVV mit, denn am Ende hat "die Stadtvertreterversammlung" beschlossen - auch wenn ich mich zu widersprechen scheine.
Es ist belanglos, wer wie gestimmt hat, wenn das Gesamtergebnis zählt. Gewöhnlich muss ein Stadtvertreter, der gegen eine Sache stimmt, das Gesamtergebnis auch dann akzeptieren, wenn es ein "Ja" ist.
Gewöhnlich können Stadtvertreter auch damit leben und beschuldigen nicht die Ja-Abstimmer, nur weil ihnen die Abstimmung nicht passt. Alles andere hat mit Politik nicht viel zu tun.

Und nein: Es geht nicht um die Promenade. Es geht um die Tiefgarage.

Und weiter:

 

Der Investor wird nach eigener Aussage  und mit politischer Rückendeckung demnächst weitere Villen der Perlenkette abreißen, nachdem der Abriss der Villa „Perle“ problemlos möglich war und die Öffentlichkeit mit der Lüge über den geplanten Wiederaufbau 2008 getäuscht werden konnte.


Ja, der Investor wird weitere Villen abreißen: Möwe und Schwan.
Mit "politischer Rückendeckung" aus Schwerin und Bad Doberan seit 2004.


Und weiter:

 

Nach einer zeitnahen Meldung in der lokalen Presse hat der Investor bereits 2004 erstmals seinen Plan offen gelegt, alle Villen der Perlenkette abzureißen.

 

Leider erbringt der Bürgerbund keinen Beleg für diese Behauptung.
Ich habe eine Menge Zeitungsartikel aus der "lokalen Presse" zusammen getragen und konnte so eine Behauptung nicht finden.
Oder meint der Bürgerbund vielleicht den von Jagdfeld geäußerten Wunsch, die Perlen aus Kostengründen allesamt von Grund auf - also per Abriss und Neubau - zu erneuern? Die Ostsee-Zeitung schreibt, dass Herr Kiesow sagte, dass Herr Jagdfeld das sagte.
Über die Zuverlässigkeit dieser Aussagen lässt sich streiten.

 

Und weiter:

 

In der zynisch „Zukunft Heiligendamm“ genannte Postwurfsendung der ECH räumt Jagdfeld das Scheitern seines Villenkonzeptes ein.

Er räumt das Scheitern der Finanzierung über Fonds und Kredite ein. Mehr nicht. Im Gegenteil: Er hält am Konzept fest.
Den Namen einer Zeitung in einer Wahlwerbung anzugreifen, sieht einfach m. E. nur komisch aus.

 

Und weiter:

Nachdem die Vogelstraße aufgrund eines Hotelkonzeptes für die Öffentlichkeit gesperrt wurde und zahlreichen Bürgern in der Vergangenheit mit der Begründung die Wohnungen gekündigt wurden, dass Wohnen in diesem Bereich nicht mehr zulässig sei, soll der Verkauf von dauerhaft nutzbaren Eigentumswohnungen nun den Erfolg bringen.

Die Zeiten ändern sich. Die ECH entwickelt Heiligendamm nach der aktuellen Marktlage und diese beinhaltete 1996 noch keine hohe Nachfrage nach Residenzen zum Wohnen. Der Markt im Segment des Grand Hotels wies eine hohe Nachfrage nach Hotelzimmern, Hotelwohnungen und Konferenzräumen auf. Die ECH hätte also Hotelzimmer und Suiten in die Perlenkette integrieren müssen.
Da aber die Perlenkette ohnehin erst nach dem Ensemble in Angriff genommen werden durfte - oder zeitgleich, wenn sie die Mittel dafür gehabt hätte, was aber niemand ernsthaft erwartete und erwarten konnte - war vor 2004 gar kein Konzept für die Perlenkette nötig. Seit 2004 entwickelt die ECH nun das Residenzkonzept an der Perlenkette und 2008 ging es in die heiße Phase.

Die Entscheidung in diesem Jahr (2009) sollte die Umsetzung des Residenzkonzepts und damit die Sanierung der Villen ermöglichen. Zusammen mit anderen Stadtvertretern hat aber der Bürgerbund - abgesehen von Herrn Orth - den Beschlüssen, die zu einer Sanierung führen sollten und auch können eine Absage erteilt. Es steht jedem Bürger frei, eine Wohnung in der Perlenkette Heiligendamm zu kaufen. Mit 50-100 Euro Miete im Monat (Stand 1996) hätte nach der Sanierung und Vermietung auch niemand mehr rechnen können.

Abgesehen davon hat die Stadt - und nicht die ECH - das Wohnen durch die Erstellung des Sondergebietes "Hotel" verboten.
Die ECH will ja schließlich nichts lieber, als dass die Stadt diesen Beschluss für die Perlenkette aufhebt.

 

Und weiter:
 

Nach Aussage Jagdfelds soll die Sanierung erst erfolgen, wenn die nach seinen Vorstellungen gestalteten B-Pläne 25 und 30 doch noch in Kraft treten. Dabei gibt Jagdfeld zu, dass der Beginn der Sanierung „abhängig vom Verkauf der Wohnungen“ sei, und gesteht damit ein, dass das für die Sanierung erforderliche Kapital fehlt.

 

Ohne gültigen B-Plan-Beschluss darf die ECH gar keine Tiefgarage bauen.
Ohne Tiefgarage keine Käufer, kein Geld, keine Sanierung.
Natürlich fehlt der ECH das erforderliche Kapital.

Das Hotel läuft schlecht und die Gründe dafür sind vielfältig, komplex und nicht ohne Mitschuld einiger Stadtvertreter, sowie Bürger und Tagesgäste. Hat denn jemand ernsthaft erwartet, dass FUNDUS reicher als Bill Gates ist?

 

Und weiter:

 

Das Wirken des SPD- Bürgermeisters und einiger seiner Gefolgsleute in der Stadtvertretung, die Jagdfelds „Bebauungspläne“ absegnen  wollten, tun gerade so, als würden sie durch weitere Willfährigkeit gegenüber dem Investor etwas Sinnvolles erreichen können.

 

Gewöhnlich erreicht man durch Zusammenarbeit mehr, als durch Blockaden. Und gewöhnlich wirft man nicht mit Steinen, wenn man im Glashaus sitzt. Für den Bürger sind auch die Bürgerbund-Stadtvertreter die Mittragenden bei einem "Ja" oder einem "Nein". Zu wissen, wer wie gestimmt hat, ist für die Entscheidung selbst völlig belanglos, wenn das Ergebnis feststeht. Die Bürger wollen nur wissen, wer wie gestimmt hat, um bei der nächsten Wahl jene zu wählen, mit denen sie übereinstimmen. Wenn man also seine Position innerhalb der bestehenden oder zukünftigen SVV hervor hebt, ist das nichts anderes, als Wahlkampf.

 

Und zu guter Letzt:

 

Da Baurecht gegeben ist, hindert niemand den Investor daran, seiner vertraglichen Pflicht zur Sanierung der Perlenkette nachzukommen.

 

Das Baurecht ist nur für den alten Plan gegeben: Keine Tiefgarage, keine Wohnungsnutzung. Das einzige, was den Investor daran hindert, die Sanierung der Perlenkette nicht umzusetzen, ist ein Problem, dessen Lösung in den Händen der Stadtvertreter liegt. Auch der des Bürgerbundes.


 

Der Bürgerbund verspricht "Wir machen den Weg frei" und fordert die Reaktionen heraus.

 

Provokativ wie nie gehen die Parteien 2009 in den Lokalwahlkampf.
Es geht um drei wichtige Punkte: Umgehungsstraße, Weltkulturerbe und Heiligendamm.

Jede Partei muss dazu Stellung nehmen und fast jede tut dies auch. Einige sprechen sich dafür aus, die Pläne der Investorin durchzusetzen, andere möchten gern noch einmal verhandeln, wieder andere sehen das Ende der Fahnenstange erreicht und lehnen weitere Sperrungen ab und der Bürgerbund wirbt offen dafür, bestehende Wegsperrungen wieder rückgängig zu machen.
Das Ergebnis der Wahlen und die Auswirkungen dieser Forderung auf die Wahlergebnisse des Bürgerbundes kann ich heute nicht vorweg nehmen aber die Reaktionen auf die Wahlwerbung des Bürgerbundes trage ich Ihnen hier zusammen.

Diesmal aus dem Doberaner "Am Samstag" des Jütteverlages. Wir erinnern uns: Frank-Andreas Jütte war selbst schon einmal Bürgermeisterkandidat und er war zumindest damals parteilos. Auch heute taucht er in keiner Kandidatenliste auf. Damit zählt zumindest sein Medium für mich als Alternative zur Ostsee-Zeitung, die momentan technisch ein paar Probleme bei den Recherchen macht. Nachtrag 07.06.2009: Ich habe ihn heute auf der FDP-Liste für den Kreistag entdeckt. Aber das soll mir auch egal sein - wenn irgend ein Artikel zu offensichtlich politisch ist, lasse ich ihn eben raus.

Zuerst haben wir da einen Offenen Brief des neuen Hoteldirektors.
Dass sich Hoteldirektoren und die Investorin in die Politik einmischen, ist in Bad Doberan nichts neues.
Mag man davon halten, was man will. Von mir dazu diesmal kein Kommentar - alle Dokumente beider Parteien sind selbstredend.

 


Offener Brief an die Bürgerinnen und Bürger Bad Doberans

Am Samstag | Region Bad Doberan | 05.06.2009 - 08:27:23

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie sind am Sonntag aufgerufen, eine neue Stadtvertretung zu wählen. Sie bestimmt die Geschicke der nächsten fünf Jahre in Bad Doberan in vielen wichtigen Bereichen.
Einer davon ist Heiligendamm – unser schönes Seebad, beliebt bei Doberanern und ihren Gästen. Ein internationales Schmückstück, das seinesgleichen in der Welt sucht.

Mit dem anerkannten Wiederaufbau des historischen Ensembles rund um das Kurhaus erlebt das Seebad nach langem Niedergang seine zweite Blüte.
Das Grand Hotel ist mehr als je zuvor Attraktion für Gäste aus Nah und Fern. Ob von der Kühlungsborner Straße, der Seebrücke oder der Promenade:
Von allen Seiten werden die Häuser bewundert und tausendfach fotografiert. Das gesamte Ensemble ist für jeden erlebbar.

Diese Häuser beherbergen unsere Gäste. Sie möchten sich, wie jeder von uns, im Urlaub erholen. Das ist ausgeschlossen, wenn jeder die Anlage beliebig nutzen kann.
Als Doberaner erinnern Sie sich sicher, dass in den ersten Jahren der Eröffnung des Hotels bis zu 5000 auswärtige Touristen täglich über das Hotelgelände gingen
oder mit dem Rad fuhren. Niemand möchte das in seinem eigenen Vorgarten. Und so sind leider viele unserer Gäste nicht mehr wiedergekommen.
Wir müssen sie wieder mühsam zurückgewinnen.

Einige Kandidaten für die neue Stadtvertretung werben „für offene Wege in Heiligendamm“. Das wäre, um es klar zu sagen, der sichere Ruin für das Grand Hotel.
In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es ohnehin eine große Aufgabe, um jeden Gast zu kämpfen. Ich sage das auch so klar, weil ich mich verantwortlich
fühle für unsere mehr als 300 Beschäftigten, deren Arbeitsplätze verlorengehen.

Es ist aber auch nicht so, dass eine neue Stadtvertretung einfach alle Wege wieder öffnen kann. Wer das behauptet, täuscht die Wähler darüber, was möglich ist.
Denn die Stadtvertreter selbst hatten ihre Entscheidungen demokratisch gefällt, die Stadt und andere Behörden hatten sie sorgfältig geprüft und als rechtmäßig bestätigt.
Der beste Beweis ist eine entsprechende Klage des Bürgerbundes vor Gericht, die dieser im letzten Moment zurückgezogen hat, weil er um die Aussichtslosigkeit wusste.
Leider hat der Bürgerbund darüber nicht informiert.

Ich schreibe Ihnen das so offen, weil sehr viel auf dem Spiel steht – für Bad Doberan und das Grand Hotel Heiligendamm.
Ich bitte Sie sehr herzlich, dies bei Ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüßen

Holger König
Direktor des Grand Hotel Heiligendamm
 


Einen Tag später und damit einen Tag vor der Wahl fand man folgendes Prospekt der ECH in den Briefkästen.
 




(C) Entwicklungscompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG
 


Machen Sie sich bitte ein Bild von allen Aussagen und machen Sie sich bitte eine eigene Meinung.
Ich dokumentiere die Schreiben aller Involvierten aber ich mache mir keinen der Inhalte zu eigen.

 

Übrigens: Mehr ausführliche Erläuterungen gibt es von CDG-Stadtvertreter Horst Gühler.
 


Zeit am Meer fragt - Stadtvertreter Horst Gühler antwortet.
Heiligendamm aus der Sicht eines langjährigen Wegbegleiters.


Im "Am Samstag" stieß ich auf äußerst geduldige und vor allem sachliche Erklärungen eines nicht unbekannten Stadtvertreters.
Horst Gühler von der Christlich Demokratischen Gemeinschaft (CDG) begleitete das Projekt in Heiligendamm in verschiedenen Positionen quasi vom ersten Tag an. Er hat ungeahnte Einblicke in die Entwicklung und besonders in die jetzige Situation. Ich freue mich, auch hier eine Quelle unermüdlicher Erklärungen gefunden zu haben. Horst Gühler steht für mich für das, was Stadt und Investorin die ganze Zeit verpasst haben: Erklärungen für die Öffentlichkeit.
 


"Am Samstag", Kommentar vom 22.05.2009 - 22:47:09 von Herrn Horst Gühler:


Alle sind sehr nervös wenn sie an das erste deutsche Seeheilbad denken- oder denken Sie nicht an eine zügige Entwicklung? Ist es richtig und verständlich, dass sich die Stadtvertreter auf ihrer letzten Sitzung noch einmal mit dem Thema „Handlungsfreiheit für die ECH“ auseinandersetzt?

Eigentlich ist es ganz einfach. Das erste deutsche Seeheilbad soll wieder in altem Glanz erstrahlen und Gäste ziehen. Eine ganzjährige Auslastung muss angestrebt werden, denn Investor, Anleger und die Stadt wollen und müssen Geld verdienen. Damit sich die Gäste nachhaltig für uns entscheiden, ist den heutigen Bedürfnissen der Gäste Rechnung zu tragen. Die Erweiterung der historischen Anlage ist damit nicht vermeidbar, das Ensemble ist zu erhalten. Durch die B-Pläne (19, 25 u. 26) Golfplatz, Grand- Hotel, Thalasso- Zentrum und Ayurveda- Zentrum, sollten die Voraussetzung für die Schaffung eines guten Angebotes, gegenüber den Gästen, baurechtlich gesichert sein.
Seit Anfang 2008 signalisiert die ECH der Stadt, das der Verkauf der Perlenkette nicht läuft, die Anleger einen erhöhten Eigenbedarf anmelden und mehr Komfort bei der Nutzung wünschen (Zufahrt und Stellplätze), denn die Prof.- Dr.- Vogel- Straße ist den Gästen zum Flanieren vorbehalten und nicht den Fahrzeugen. Nur aus diesen Gründen sollten die B-Pläne 25 und 30 geändert und deren Änderung am 30.03.09 rechtskräftig abgeschlossen werden.
Am 30.03.09 sagten im Klartext 50% der Stadtvertreter- erst bauen, dann das Geld für die Baubetriebe durch die Betreibung verdienen und irgendwann die Bauleistung bezahlen, 50% sagten- erst die finanziellen Mittel durch den Verkauf einnehmen, den Baubetrieben den Auftrag geben und anschließend die Bauleistung sofort bezahlen. Das Ergebnis der Abstimmung in der SVV bietet der ECH die Variante eins an, die ECH natürlich nicht umsetzen kann, was jeder wissen sollte.
Zwei Stadtvertreter möchten den unsäglichen Kreislauf am 25.05.09 beenden lassen und reichten die BeschluSVVorlagen erneut ein.
Jetzt liegt es an den Stadtvertretern zu entscheiden, ob die ECH handlungsfähig wird, oder frühestens Ende September 2009, wenn die neue Stadtvertreterversammlung entscheiden muss.

Unsere Fraktionsmitglieder und Kandidaten für die neue Stadtvertreterversammlung verstecken sich nicht bezüglich der Kommunalwahlen am 07.06.09. Uns liegt jedes Taktieren fern. Die Entwicklung der Gemeinde steht im Vordergrund, die Wählerinnen und Wähler sollen sich bewusst entscheiden können. Die Wählerinnen und Wähler geben ganz einfach ca. 27.000 Euro für die Stadtvertreter im Jahr über den Haushalt der Stadt aus und können erwarten, dass alle BeschluSVVorlagen und Themen mindestens sachlich behandelt werden.
Wir freuen uns, wenn im Rahmen der EU die Länder zusammenarbeiten. Trotzdem möchten wir erreichen, dass die Touristen nicht nur über die A 20 abfließen, sondern auch unsere Gewerbetreibenden sich über einen entsprechenden Zuspruch freuen können. Dies müssten sich alle Stadtvertreter auch ganz einfach vorstellen können. Wer nur seinem Ego dienen kann und den Gemeinnutz nicht an erste Stelle setzt, sollte nicht kandidieren.

Ihre CDG- Stadtfraktion Bad Doberan
 


"Am Samstag", Kommentar vom  25.05.2009 - 14:17:43 von Herrn Martin Dostal:

 

Sehr geehrter Herr Gühler,

ich fühlte mich jetzt nicht direkt angesprochen aber wenn Sie "Sie" schreiben, müssen Sie ja mich gemeint haben. Darum hier etwas verspätet meine Antwort:

Ich WÜNSCHE eine zügige Entwicklung aber daran DENKEN fällt mir angesichts der bisherigen Entwicklung schwer. FUNDUS hat viel geschafft, das ist nicht von der Hand zu weisen. Ich traue FUNDUS auch zu, das Ganze erfolgreich zu Ende zu bringen. Nur hat sich seit Jahren baulich in FUNDUS-Heiligendamm außer eh notwendigen Arbeiten und dem Aufbau von Zäunen und Abriss von Häusern nichts mehr getan. Hans Schlags "So können wir doch nicht mit der Sanierung beginnen" klingt geradezu wie Hohn - kaum jemand glaubt, dass eine positive Entscheidung zu einem schnellen Baubeginn geführt hätte. Zumal die Baugenehmigungen ja schon längst vorliegen, wie ich auch Ihren Zeilen entnehme.

Sie haben die Situation "50% zu 50%" wunderbar erklärt. Nun wurden die Pläne jedoch beim zweiten Versuch eindeutig abgelehnt. Haben Sie auch hierfür eine Erklärung, die Sie als SVV-Mitglied geben dürfen? Ich persönlich bin der Meinung, dass die Vertreter der SVV demokratisch gewählt wurden und für die ihnen anvertrauten Sachen nach bestem Wissen und Gewissen abstimmen. Ich vertraue darauf, dass die SVV weiß, was sie tut.

Nur mit dem Verstehen ist es nicht immer so einfach. Aus allen Mündern klingt, dass es in Heiligendamm weiter gehen soll und dann wird eine Entscheidung gefällt, die für den Außenstehenden nicht so aussieht, als ob sie dazu beitrüge. Die Entscheidung selbst kritisiere ich nicht, sondern lediglich das Unvermögen beider Parteien (Investorin und Stadt), die Entscheidungen (und Forderungen) für den Laien verständlich zu begründen. Man kann keine Zustimmung für eine Sache erwarten, die niemand versteht und wenn es Sie nicht gäbe, wären noch mehr offene Fragen. Werden Sie bitte nicht müde, die Angelegenheiten zu erklären - genau das ist es, was eigentlich einen Posten in der Stadtverwaltung Wert wäre: Wir brauchen einen "Erklärbär" ;-)

Was ich nicht so ganz verstehe, ist die Rolle der SVV in wirtschaftlichen Fragen. Sie sschreiben, dass es in der Entscheidung vom 30.03. darum ging, ob die ECH erst bauen und dann finanzieren oder erst finanzieren und dann bauen soll und demnach, ob die Baubetriebe in Vorleistung oder die ECH in Vorkasse geht. Mit Verlaub: Kann das den Politikern nicht egal sein? Wenn der HGV Bedenken hätte, würde ich das verstehen aber ich behaupte, dass niemand mehr hinter jedem Plan der ECH steht, als gerade der HGV. Irgendwann muss man das Kind auch mal erwachsen sein lassen. Oder sieht es so aus, dass wenn die Bauunternehmen in Vorleistung treten und die ECH Pleite geht, zum Schluss etwas an der Stadt hängen bleibt? Hier wären wieder Ihre Erklärungen gut.

Was meinen Sie eigentlich: Wenn man der ECH dauernd abverlangt, die Finanzierung zu beweisen: Stellt man damit nicht öffentlich eine Vertrauensfrage - bekundet also öffentlich das Misstrauen gegenüber denen, mit denen man laut Vertrag zusammen arbeiten sollen? Für mich sieht es nicht sehr kameradschaftlich aus, wenn die ECH in ihrer Zeitung gegen die SVV wettert, den HGV zur Medienhetze auffordert und immer wieder bereits abgelehnte Beschlüsse neu einzubringen initiiert. Ich weiß: Die Beschlüsse wurden von Herrn Baor und Herrn Pieplow wieder eingebracht und nicht von der ECH. Es lässt sich darüber nur spekulieren, ob die beiden das auch getan hätten, wenn die ECH sich nicht oder nicht mit dem Wiederaufbauversprechen wieder zu Wort gemeldet hätte. Mich interessiert aber schon, ob auch Sie im Verhalten der ECH eine Zusammenarbeit sehen, wie sie sich die Initiatoren des Grundlagenvertrages damals vorgestellt haben.

Ihrem letzten Satz stimme ich zu. Nur wiederholen Sie ihn ziemlich oft.
In punkto Heiligendamm kann ich nicht erkennen, wer persönlich - also egostisch - einen Vorteil daraus ziehen könnte, für oder gegen etwas zu stimmen. Der einzige, der direkt in das Bauvorhaben involviert ist, ist Peter Sähn und der sitzt noch gar nicht in der SVV und da ist auch noch gar nichts raus. Meinen Sie, dass sozusagen "Vertriebene" zusammen mit "Hinterbliebenen" einen Rachefeldzug gegen die ECH veranstalten? Der Verdacht wäre ja auch nicht so neu. Oder bezieht sich die Ego-Frage auf etwas anderes?

Mit freundlichen Grüßen

Martin Dostal
 


"Am Samstag", Kommentar vom 03.06.2009 - 22:30:03 von Herrn Horst Gühler:

 

Sehr geehrter Herr Dostal,

Sie haben Recht, ich hätte „Sie“ klein schreiben müssen, trotzdem beantworte ich Ihre Fragen gerne. Gehen Sie aber bitte davon aus, dass ich darauf achten muss, dass ich möglichst sachlich antworte. Ich kann Ihnen auch nur meine Meinung und Auffassung vermitteln, die mit meinen Fraktionskollegen sicherlich übereinstimmt, von anderen Stadtvertretern nicht geteilt werden muss. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich in einigen Punkten weiter aushole um allgemeinverständlich zu sein, auf den Investor muss ich auch in angemessenem Umfang Rücksicht nehmen, denn es gibt nicht ohne Grund den „nicht öffentlichen Teil“ der Stadtvertreterversammlung.

Es ist der Beschluss der SVV von 1996 noch gültig, das erste deutsche Seebad auf hohem Niveau zu sanieren. Dieser Beschluss kann ohne erhebliche finanzielle Schadenersatzforderungen des Investors nicht rückgängig gemacht werden, dafür ist die Investition bereits mit 250 Mio Euro zu weit fortgeschritten. Wir sind gemeinsam zum Erfolg „verdammt“.
Laut Kommunalverfassung und Grundgesetz muss kein Stadtvertreter eine fachliche Vorbildung mitbringen, geht auch nicht, denn es gibt mehr zu behandelnde fachspezifische Bereiche, für die eine größere Anzahl von Fachleuten nicht gewählt werden können. Jeder muss mit seinem Wissen die Probleme behandeln und Entscheidungen treffen. Deshalb ist jeder Stadtvertreter für sich selbst verantwortlich und keinem rechenschaftspflichtig. Wenn eine fachlich gut aufgestellte Verwaltung vorhanden ist, ist dies auch kein Problem. Trotzdem muss nach meinem Verständnis ein Stadtvertreter (die Damen natürlich eingeschlossen und nicht vergessen) in der Lage sein seine persönliche Meinung sachlich zu überprüfen und seine Entscheidung am Gemeinnutz auszurichten. Wenn also Stadtvertreter den Bau der Reha-Klinik nachweisbar mit allen Mitteln bekämpft haben und heute die Reha-Klinik vorschieben um ECH zu bekämpfen, darf ich annehmen, dass man sich nicht am Gemeinnutz orientiert, sondern seinem Ego folgt- der Investor muss weg.
Für die Gemeindemitglieder ist sichtbar ein Stillstand zu verzeichnen. Dieser Stillstand kommt für mich aber nicht von ungefähr. Gestatten Sie mir bitte davon auszugehen, dass das alte Konzept (fertig gestelltes Grand- Hotel, Sanierung der Perlenkette, Golfplatz, Villenbebauung am Ortsausgang Richtung Kühlungsborn), ergänzt durch die geplanten Objekte Hotel Adlon am Meer, Thalasso- Zentrum und Ayurveda- Klinik, ein sinnvolles und wirtschaftlich notwendiges Gesamtkonzept zur ganzjährigen Auslastung der Hotelanlage darstellt. Ohne den Investor in eine Ecke stellen zu wollen können wir davon ausgehen, dass die Umsetzung an zwei entscheidenden Kriterien hängt - Geld und Baurecht. Beim Baurecht sehe ich kein unüberwindliches Problem, auch wenn sich die Gemüter zurzeit an der Tiefgarage und der Entscheidung zum selbst genutzten Wohneigentum an den Villen erhitzen. Zum besseren Verständnis darf ich sagen, dass der ehemalige Stadtvertreter Herr Husar und ich ECH (im Rahmen der Diskussion über das Demler- Palais und der dort vorgesehenen Tiefgarage – auch für die Perlenkette) darauf aufmerksam gemacht haben, dass die Entfernung zu den geplanten Stellplätzen zu groß ist. Im Bereich der Perlenkette können Stellplätze für die einzelnen Gebäude nur auf der Straße oder auf der Seite zur Promenade angeordnet werden, was wohl nicht geht. Damit ist ein Verkauf der Gebäude oder von anteiligem Wohneigentum praktisch nicht möglich. Sollte es eine bessere Lösung als die Tiefgarage unter der Promenadenseite geben, warum nicht. In der Hoffnung, ECH nicht zu beleidigen, nur soviel zum Hauptproblem – Geld. Die Banken kreditieren Hotels und ähnliche Objekte nur in Ausnahmefällen. Von Herrn Jagdfeld zu erhoffen 700 Mio Euro aus dem privaten Vermögen einzusetzen, kann keiner ernsthaft meinen. Damit bleibt wohl, unter anderem, nur noch das Werben um Anleger. Die Erfolgsaussichten dürften, bei der Presse und der Diskussion in der SVV, wohl sehr bescheiden sein.
Ich habe mehrfach gefordert und kritisiert, dass die Stadt, Herr Polzin und ECH, Herr Jagdfeld, keine Öffentlichkeitsarbeit leisten. Diese Unterlassung rächt sich jetzt, denn das erste deutsche Seebad ist zwar eine private Unternehmung, aber doch auch von großem öffentlichem Interesse. Dies haben beide Seiten nicht erkannt, es geht letztlich um die Beeinflussung eines ganzen Ortsteiles, da muss ich versuchen alle mitzunehmen, ohne mich als Investor „auszuziehen“. Man sagt ja, eine Krise kann man nur auf ihrem Höhepunkt lösen, vielleicht ist dieser Punkt jetzt erreicht.

Zu ein paar Details:
Es hängen tatsächlich viele Arbeitsplätze an der Weiterführung des Gesamtvorhabens, auch die der Geschäftsführer. Auch unter dem Stress halte ich es nicht für gut, eine zu große Nähe oder Verbundenheit mit den Fraktionen oder Einzelvertretern zu demonstrieren. Ich halte es auch nicht für gut, solche Schreiben zur Presse zu tragen, weil man ECH nicht mag. Unter Leitung des Vorstandes der SVV kann hier sachlich schnell Abhilfe geschaffen werden.
Lippenbekenntnisse einiger Stadtvertreter: „ich will natürlich das erste deutsche Seeheilbad auf hohem Niveau, aber zu meinen Vorstellungen“ - geht nicht, reine Wahlkampftaktik.

Die Stadtvertretervorsteherin lädt zu einer internen Informationsveranstaltung ein. Der Presse wird das zugespielt, den Einwohnern suggeriert, dass diese Informationsveranstaltung öffentlich sei. Anstatt den interessierten Einwohnern spontan den Zutritt zu gestatten, weil keine nicht öffentlichen Themen auf der Tagesordnung standen, wird dies abgelehnt und die Veranstaltung nicht durchgeführt. Ergebnis, da wird doch wieder etwas hinter unserem Rücken mit dem Investor bekakelt. Vermutlich könnte diese Handlung den Ausschlag zur Ablehnung der BeschluSVVorlagen am 30.03. geführt haben, denn es ging um nur eine Stimme. Zur Behandlung der BeschluSVVorlagen am 25.05.09 gibt es ein scheinbar gut gehütetes „Geheimnis“. Die BeschluSVVorlagen wurden nicht abgelehnt, sondern wegen eines Formfehlers, im Umgang mit der Einladung, nicht behandelt. Dass sich einige Stadtvertreter über die zwangsläufige Verzögerung diebisch gefreut haben, beantwortet Ihre Frage nach dem verantwortungsbewussten Behandeln von Themen durch einige Stadtvertreter in der SVV.

Finanzierung und Bauen oder umgekehrt. Ich wollte nur deutlich machen, was die SVV im Klartext erreicht hat. Die Stadtvertreter, die die BeschluSVVorlagen am 30.03. abgelehnt haben fordern, dass der Investor erst mit der Sanierung der Perlenkette nachhaltig beginnen soll, dann würden auch die BeschluSVVorlagen positiv beschieden. Dies geht nicht, denn es muss erst die Finanzierung durch den Verkauf gesichert werden, der Verkauf ist aber abhängig von der Bestätigung der BeschluSVVorlagen. Man muss dem Investor auch zugestehen, dass zwischen dem Beschluss, Verkauf und Baubeginn ein angemessener Zeitraum liegen muss. Jetzt sehen sich beide Vertragspartner an und keiner macht den ersten Schritt. Da Banken nicht kreditieren, wird auch kein Bauunternehmen in Vorkasse gehen können und wollen.
Wir bewegen uns auf dem glatten Parkett der freien Marktwirtschaft, jede Investition ist ein Risiko, auch Heiligendamm ist ein solches für den Investor.
Wir sitzen als Stadt nicht in der Loge und können entspannt dem Tun des Investors zusehen, oder gar Wetten abschließen - ob er es wohl schafft? Sein Erfolg würde allerdings sofort viele Väter haben. Erst wenn die fertig gestellte Investition über die Nutzung Gewinn abwirft haben Investor und Stadt eine gute Investition.
Wenn ich den Investor ständig in der Öffentlichkeit infrage stelle, Beschlüsse fasse um Baurecht zu erarbeiten, den Investor die Planungsleistungen dafür bezahlen lasse und am Ende des Prozesses die Herstellung der Rechtskraft der erarbeiteten Pläne zum Baurecht verweigere, dann kann die Investition nicht gehen. Der Investor hat 250 Mio Euro investiert, kommt mit den weiteren Maßnahmen nicht weiter, verliert gemeinsam mit den Anlegern wahrscheinlich erhebliche Einnahmen, da liegen die Nerven blank. Ich kann ECH schon verstehen, dass sie um die erneute Einbringung gebeten haben und die Stadtvertreter sie einbrachten. Die BeschluSVVorlagen werden nicht heimlich behandelt. Auch in anderen Fällen müssen BeschluSVVorlagen wiederholt eingebracht, manchmal auch dazu Sondersitzungen durchgeführt werden. Für mich kein ungewöhnlicher Vorgang. Sie müssen sehen, dass der Investor erst Ende August mit einem Beschluss rechnen kann, vor der Sommerpause nicht. Dies bedeutet, dass der Investor Ende September mit der Finanzierungssicherung beginnen kann und vielleicht Mitte 2010 mit den nachhaltigen Baumaßnahmen beginnt. Unter diesem Gesichtspunkt sollten Sie auch das Wiederaufbauversprechen zur Ville Perle sehen, dass die Stadtvertreter vielleicht zur Einreichung beflügelt hat. Der Stillstand geht weiter, mit dem berechtigten Vorwurf der fehlenden Handlungsfreiheit durch die SVV.

Auf den Inhalt des letzten Absatzes möchte ich nicht eingehen, weil es sich um Aspekte handelt, die bis in den persönlichen Bereich gehen.
Ich kann zu den „Vertriebenen“ und „Hinterbliebenen“ nur sagen, beide Verhandlungspartner haben sich nichts geschenkt und wussten sich zu wehren, beinhart.
Für mich ist entscheidend: was will ich, was kann ich, wen brauche ich um zum Ziel zu kommen, im Sinne der Gemeinde, auf der Grundlage des geltenden Rechts.
Wenn Sie genauer hinsehen werden Sie feststellen, dass sich tatsächlich keiner für eine Lösung für alle einsetzt, d.h., auch für die Doberaner. „Wir machen den Weg frei“ ist nur ein geschicktes Schlagwort. Viel wichtiger ist es dafür zu sorgen, dass die Doberaner und Touristen ebenfalls gute Angebote finden. Leider habe ich dafür bisher keine Mitstreiter gefunden.

Mit freundlichen Grüßen
Horst Gühler
 


"Am Samstag", Kommentar vom 06.06.2009 - 11:19:58 von Martin Dostal:

 

Sehr geehrter Herr Gühler!

Ich danke Ihnen vielmals für die umfangreichen Ausführungen. Was soll ich sagen? Mir blieb teilweise der Mund offen stehen. Viele Dinge, die Sie sagen, hätten einfach schon eher gesagt werden müssen und hier teile ich die Kritik an Stadt und Investorin bezüglich der mangelnden Öffentlichkeitsarbeit. Das habe ich auch schon seit Jahren immer wieder geschrieben.

Ich denke, dass die ECH Ihnen eher danken, als sich irgendwo im Text einmal beleidigt fühlen wird, denn heute gerade bekam ich einen Prospekt der ECH, in dem sie auf die Wahlwerbung des BB in gleicher Weise wie Sie reagiert.

Ich würde gern auf Ihre Ausführungen weiter eingehen, um Ihnen zu zeigen, dass ich mich damit beschäftigt habe aber was gibt es dazu noch zu sagen? Sie haben alles gesagt, alles erklärt und ich meine, das sollte hier nicht in Kommentaren versauern. Ich werde wie schon zuvor eine Ihrer Erklärungen diese in meine Dokumentation übernehmen und nun obliegt es uns und den Mitlesern, diese Fakten zu nennen, wenn es wieder heißt "Warum geht es nicht weiter?". Auch haben die neuen Erkenntnisse einige meiner Ansichten geändert. Durch einen Mangel an oder gar durch falsche Informationen kann man ja schnell zu falschen Schlüssen gelangen.

Über den letzten Satz können wir ja noch einmal reden.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Dostal
 


"Am Samstag", Kommentar vom 09.06.2009 - 23:28:42 von Herrn Horst Gühler:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte noch einmal mit meinen Beitrag vom 06.06. vergleichen.
Am 30.03. wurden die Beschlussvorlagen zu Heiligendamm abgelehnt, sehr knapp.
Am 25.05. konnten die Beschussvorlagen nicht behandelt werden, wegen eines Formfehlers bei der Einladung. Eigendlich waren es sogar zwei Fehler, es reichte zur Zurückweisung bereits die verspätete Zusendung der in geringem Umfang überarbeiteten "originalen" Beschussvorlagen.
Erst bauen, dann Finanzierung sichern.
Mit dem Thema bin ich wohl zu leichtsinnig umgegangen, ich bitte um Entschuldigung.
Es ist verboten einen Auftrag zu erteilen, ohne die Finanzierung einer beauftragten Leistung gesichert zu haben. Besonders hart werden öffentliche Auftraggeber bestraft wenn dies passiert. Auch bei der Verwendung von Fördermitteln ist dies streng verboten, wer das tut, muss mindestens die Fördermittel zurückgeben und erhält natürlich keine mehr.
Eine Ablehnung der Beschussvorlagen bedeutet, weil sie die Voraussetzung für die Sicherung der Finanzierung durch den Verkauf der Villen darstellen, dass z.Zt. kein Auftrag für die Sanierung der Villen erteilt werden kann und darf. Im übertragenen Sinn bedeutet dies, wenn einige Stadtvertreter erst den Fortschritt sehen und dann die Beschussvorlagen bestätigen wollen, dass eine Auftragserteilung ohne Finanzierung verlangt wird, was nicht möglich ist. Hier beißt sich der Hund in den Schwanz.
Sind die Beschlussvorlagen bestätigt, muss der Investor sehr aktiv werden.
Herr Schlag umschrieb dies in einem Artikel durch den Hinweis, der tatsächlich keine Nötigung darstellt: der Ball liegt dann in unserem Feld.
Jetzt ist Wartezeit angesagt, d.h., weiterhin Stillstand.


Mit freundlichen Grüßen

Horst Gühler
 


"Am Samstag", Kommentar vom 10.06.2009 - 15:06:20 von Martin Dostal:

 

Hallo Herr Gühler!

Noch einmal danke, dass Sie dran geblieben sind.
Und herzlichen Glückwunsch übrigens auch, dass Sie DRIN geblieben sind.

Ich fasse dann mal zusammen:

Am 25.03. wurden die Beschlussvorlagen gar nicht behandelt, weil es Formfehler gab.

Am 30.03. kam man erneut zusammen und lehnte die Beschlussvorlagen sehr knapp ab - aus den von Ihnen genannten Gründen. (Ich hatte vergessen, dass ein Gleichstand ja bei 25 Stadtvertretern gar nicht geht.)

Am 26.05. wurden die Beschlussvorlagen von den Herren Baor und Pieplow aus ganz persönlichen Gründen - ohne Zwang - wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Herr Pieplow sagte ja selbst, er wollte Schaden für die Stadt abwenden.

Ebenso am 26.05. wurden die Beschlussvorlagen erneut (ich nehme an, aus denselben Gründen, wie am 30.03.) und diesmal klar mehrheitlich abgelehnt.

Damit darf der ECH keine Baugenehmigung erteilt werden.

Verstehe ich das so richtig:
Die Stadtvertreter würden also dem Plan so wie er ist (inkl. Promenadenanhebung, Baumfällung, und Flutschutzmauer, Wiederaufbau der Perlenkette und Wohnungsnutzung) >>>wahrscheinlich<<< zustimmen, wenn die ECH ihnen die Finanzierung garantieren oder garantieren lassen würden?

Es geht also absolut nicht darum, dass man die Tiefgarage nicht an dieser Stelle und in dieser Form haben will und es geht nicht darum, die Wohnnutzung in den Perlen zu verbieten, sondern nur darum, dass man Angst hat, dass die ECH es nicht finanzieren kann?

Anders gefragt: Man würde >>>wahrscheinlich<<< der ECH alles das was sie in diesem Plan angefragt hat erlauben, wenn die Unsicherheit mit der Finanzierung nicht wäre?

Wenn ich das so frage, können Sie es eigentlich nur mit einer Vermutung beantworten, da Sie ja das Anstimmungsverhalten der Stadtvertreter nicht orakeln können. Darum auch >>>wahrscheinlich<<<. Also wenn Sie "Ja" oder "Nein" sagen, verstehe ich das schon in diesem Kontext.

Was muss denn Ihrer Meinung nach jetzt geschehen, damit es weiter geht? Einfach nur ein "Ja" der SSV beim dritten Versuch oder ist der Plan, da nun zweimal abgelehnt endgültig vom Tisch und die ECH muss nachbessern - was auch immer?


Ich glaube, das sind wohl die Fragen, die hinter dem "Warum geht es hier nicht weiter" stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Dostal

 


"Am Samstag", Kommentar vom 10.06.2009 - 17:19:11 von Herrn Horst Gühler:

Sehr geehrter Herr Dostal,

vielen Dank für Ihre Glückwünsche zu meiner Wiederwahl.
Wie vor der Wahl begonnen, möchte ich in den kommenden 5 Jahren den Wählern mehr Informationen geben.

Ich komme nicht umhin mich erneut zu melden, zur Klarstellung.

Da ich bis zum kommenden Montag nicht mit Herrn Schlag sprechen kann, kann ich mich nur im verantwortbaren Umfang äußern. Nach Rücksprache mit ECH werde ich vielleicht eine weitere Klarstellung bezüglich Ihres letzten Kommentars einstellen.
Wenn Sie meine beiden letzten Kommentare durchlesen werden Sie feststellen, dass es nur zwei entscheidende Stadtvertretersitzungen gab, am 30.03. und 25.05.09, auf denen Heiligendamm behandelt wurde. Am 30.03.09 wurden die Beschlussvorlagen des Bürgermeisters als Einreicher behandelt, eine durch Stimmgleichheit abgelehnt, eine mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt (ein Stadtvertreter war nicht anwesend, deshalb Gleichstand möglich).
Am 25.05.09 wurden die Beschlussvorlagen nicht behandelt, obwohl sie auf der Tagesordnung standen, weil durch einen Formfehler bei der Einladung diese nicht behandelt werden durften bzw. konnten. Wer den Fehler gemacht hat möchte ich hier nicht feststellen, aber doch ärgerlich, bei dem Zeitdruck. Die Herren Einreicher Baor und Pieplow der Beschlussvorlagen zum 25.05.09 haben mit Sicherheit ohne Zwang gehandelt, wollten nur eine weitere Zeitverzögerung verhindern, auch wenn andere etwas anderes behaupten sollte.


Um fehlende Baugenehmigungen geht es nicht.
Die Stadtvertreter, die sich gegen die Beschlussvorlagen ausgesprochen haben führen eine Reihe von Argumenten an. Dazu gehören vordergründig: Beim Bau der Tiefgarage werden die Villen beschädigt, das Grundwasser kann nicht abfließen, der Hochwasserschutz wird gefährdet (wenn das Vorhaben nicht vollendet wird), der Investor wird die Finanzierung nicht sicherstellen können. Aus meiner Sicht wurden in den Diskussionen mit der Verwaltung, durch die Fachplaner und den Investor die erst genannten Bedenken weitgehend zerstreut. Das letzte angeführte Argument, bezüglich der Finanzierung, „verhindert“ wohl wirkungsvoll die Bestätigung der Beschussvorlagen.

Sollte Herr Schlag einverstanden sein, würde ich mich noch einmal zu dem Problem Verkauf äußern - Mitte nächster Woche etwa. Ich brauche mir keine Erlaubnis bei ECH zu holen, aber Sie werden verstehen, dass ich mich nicht über den Kopf des Investors hinweg äußern werde. Bisher habe ich nur Klarstellungen vorgenommen, bzw. Fragen beantwortet. Porzellan ist schon genug zerschlagen worden.
Wir Stadtvertreter begleiten seit Jahren das Vorhaben, was zur Folge hat, dass man einiges einfach unbeabsichtigt als selbstverständlich voraussetzt. Deshalb ist es gut dass Sie nachfragen, auch für mich selbst wichtig.


Mit freundlichen Grüßen
Horst Gühler
 


"Am Samstag", Kommentar vom 10.06.2009 - 23:00:43 von Martin Dostal:

 

Sehr geehrter Herr Gühler,

vielen Dank für die abermaligen Ausführungen. Mit jedem Mal versteht man wieder etwas mehr. Ich werde jetzt aber erst auf Ihre nächste Ausführung abwarten, um nicht neue Fragen dazwischen zu streuen. Es ist wichtig, dass die ECH nicht ausgeschlossen wird, wenn es um Erklärungen geht. Ich halte auch die Zeitung und den Flyer der ECH für eine gute Idee. Gut, die Zeitung ist sehr einseitig aber am Flyer konnte ich nichts finden, woraus irgendjemand der ECH Stricke drehen könnte - solche Erklärungen brauchen wir.

Und eben Ihre Erklärungen im weitestmöglichen Spektrum immer gemäß dem, was Sie sagen dürfen. Es ist für alle wichtig.

Mein anonymer Vorredner hat da etwas aufgeworfen, was ich auch schon über die Dr.-Ebel-Gruppe gehört habe, nur dass es da um Schulden gegenüber Unternehmen geht. Ich halte nicht viel von unbegründeten anonymen Aussagen aber wollen wir die im Raum stehen lassen?
Bitte auch erst beim nächsten Mal - nicht hetzen lassen ;-)

Mit freundlichen Grüßen

Martin Dostal
 


"Am Samstag", Kommentar vom 11.06.2009 - 13:40:02 von Herrn Horst Gühler:

 

Sehr geehrter Herr Dostal,

nach Rücksprache mit Herrn Schlag am 16.06. und 19.06.09 unterbreite ich Ihnen folgenden Vorschlag:
Ende Juni 09 erscheint die 3. Ausgabe der Heiligendammer Zeitung, mit einer Erläuterung des Bauträgermodells. Ende Juli 09, in der 4. Ausgabe, wird ECH auf unser Thema eingehen, "warum muss die 2. Änderung der B-Pläne erfolgen". Sollte es nach diesen Artikeln noch Fragen geben, können wir uns Verständigen.
Wir schlagen Ihnen diesen Weg vor, weil die Erläuterungen recht umfangreich sein werden und hier den Rahmen sprengen. Fragen zu den fachlichen Themen können durch ECH, oder, wenn gewünscht, durch mich beantwortet werden.

Ihnen und allen Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende.

Mit freundlichen Grüßen

Horst Gühler

 


"Am Samstag", Kommentar vom 19.06.2009 - 12:11:47 von Martin Dostal:

Sehr geehrter Herr Gühler,

schön, dass Sie dran geblieben sind. Ich hatte nur die erste Ausgabe der Heiligendammer Zeitung bekommen und als danach nichts mehr kam dachte ich, dass die Zeitung wieder eingestellt worden wäre. Ich werde mich mal um die zweite Ausgabe bemühen und bin auch gespannt auf die dritte. Ich nehme das Angebot gern an, bei weiteren Fragen auf die ECH oder Sie zurück zu kommen. Optimalerweise würde es natürlich keine weiteren Fragen geben. Aber irgend etwa ist ja immer...

Ihnen auch ein schönes Wochenende!

Martin Dostal
 


"Am Samstag", Kommentar vom 22.06.2009 - 20:01:18 von Martin Dostal:

 

Sehr geehrter Herr Gühler,

die aktuelle Ausgabe beantwortete in der Tat viele Fragen und den Rest beantworteten die Herren Schlag, Zimmermann und Plöger mir sehr geduldig und ausführlich persönlich. Wenn das nicht von der Arbeit abhalten würde, würde ich jedem Bad Doberaner und Heiligendammer so ein persönliches Gespräch ans Herz legen. Aber da müssen andere Wege gefunden werden und ein paar Vorschläge habe ich Herrn Plöger dazu gemacht.

Was vom Gespräch an Fragen übrig geblieben ist, ist bei Ihnen besser aufgehoben. Das sind nämlich die Fragen, bei denen man zunächst glaubt, dass die ECH für sie zuständig wäre und dann feststellt, dass es Stadt-Land- oder StAUN-Angelegenheiten sind. Ich stelle die Fragen einfach mal, wie sie mir in den Sinn kommen:

Zuerst hätten wir da den Strandabgang ganz im Westen. Da habe ich im B-Plan gesehen, dass dort ein befahrbarer Strandabgang gebaut werden soll, damit die Stadt mit den Unimogs an den Strand kommt. Ist da zeitlich schon etwas festgelegt oder ist das von irgend etws abhängig?

Als zweites hätten wir dann den Steg über das Packwerk unterhalb der Alexandrine. Der wurde ja von der ECH und der Stadt gemeinsam geplant, von der ECH als Ausgleich für den Verzicht des anfangs ja durchaus geplanten Weges auf der Steilküste finanziert und errichtet. Die Stadt hat den Steg so abgenommen, sodass man der ECH keinen Vorwurf machen kann, dass er nicht optimal ist. Der Stadt kann man diesen Vorwurf wohl auch nicht machen - Küsten verändern sich nun einmal. Ist da geplant, den Steg den neuen Bedingungen anzupassen? Ich las mal etwas von einer Verlängerung bis zur Seebrücke (?). Und gibt es dafür ein Zeitfenster? Wenn ich nach Zeitfenstern frage, ist mir schon klar, dass in Bad Doberan eher mit "Geldfenstern" gearbeitet wird und werden muss. Kommt Geld, kommt Baubeginn.

Dritter Punkt: Die Strandversorgung. Die juckt wohl am Meisten. Soweit ich informiert bin, hat das Land das Grundstück am Golfteich verkauft und eigentlich war gedacht, dass die Stadt es kauft. Das hat sie aber aus Gründen, die Sie vielleicht eher wissen, nicht getan oder tun können und so ging das Grundstück an eine Privatperson. Ich weiß nicht, ob deren Name ein Geheimnis ist aber nachzulesen ist er nirgendwo. Diese Privatperson nun hat natürlich Auflagen aus F-Plan und B-Plan, sodass sie dort nicht irgend etwas, sondern eben eine Strandversorgung bauen darf. Aber DARF sie es nur oder MUSS sie es auch? Und gibt es da auch Auflagen, bis wann das zu geschehen hat und wie es auszusehen hat?

Bleiben wir bei der Strandversorgung. Hat die Stadt da nun noch Mitbestimmungsrechte oder ist es der Privatperson allein überlassen, wie sie das Projekt plant und finanziert? Geschosshöhe ist klar - das schreibt der B-Plan ja schon vor. Brandschutz, Leitungen, etc ist auch klar. Form und Farbe des Gebäudes und Anzahl möglicher Gebäude auch?

Und würde es so sein, dass der Eigentümer erst baut und dann vermietet oder soll es über Pacht, Erbpacht oder Verkauf laufen?

Nächste Frage: Ist in Heiligendamm auch mal etwas vorgesehen, wo man sich bei Regen unterstellen kann? Bislang mutiert das Sani-Häuschen bei Regen zum Pilz.Ich finde, zumindest in Strandnähe und am Besten auch zwischen Bahnhof und Perlenkette - vielleicht im Kurwald - wäre schon ein Dach über dem Kopf angebracht. Am Radweg von Bad Doberan aus hat man das ja auch gut gelöst und der Vandalismus hält sich wohl auch in Grenzen.

Und noch ein paar kleine Fragen:
Ist es Absicht, dass die Seebrücke nicht mehr im Kurwald ausgeschildert ist - um z.B. eben diese zu beruhigen?

Ist noch immer eine zweite Seebrücke vorgesehen und was spricht gegen eine Verlängerung oder einen sanften Rechtsknick der jetzigen?

Musste die ECH bzw. das Grand Hotel sich auch an den Straßensanierungen 2006-2007 beteiligen bzw. wer hat die Gelder dafür aufbringen müssen?
(Die Frage hatte ich vergessen zu stellen)

Hier auch mal ein Hinweis: Die hell gepflasterten Wege entlang der Kühlungsborner und Seedeichstraße sehen zwar toll aus aber da sie keine optische Abgrenzung Fußweg-Radweg aufzeigen, kommt es dauernd zu mindestens ärgerlichen und mitunter auch gefährlichen Situationen. Ein dunkler Strich und vielleicht noch links das Fahrradsymbol würde Abhilfe schaffen. Ohne der 2. Ausgabe der Zeitung "Zukunft Heiligendamm" hätte ich nicht einmal gewusst, dass da überhaupt Radfahrer fahren dürfen. Viele wissen das auch nicht - die einen fahren auf der Kombination und die anderen auf der Straße.

Vorletzte Frage: Sind geäußerte Befürchtungen berechtigt - also ideell - dass die Stadt auf Kosten sitzen bleiben könnte, wenn die ECH mit etwas beginnen würde und es nicht zu Ende bringen könnte? Also ohne die Befürchtung mit der Fragestellung und mit der Antwort zu bekräftigen oder sich damit zu identifizieren.

Letzte Frage für heute: Was muss jetzt geschehen, damit es weiter geht - muss die Beschlussvorlage erneut eingebracht und ihr zugestimmt werden? Sind dafür immer zwei Einreicher nötig oder kann auch ein Stadtvertreter allein die Beschlussvorlage erneut auf die Tagesordnung setzen?

Angenommen, dass die Beschlussvorlage immer und immer wieder neu eingebracht und immer wieder abgelehnt wiürde - was bliebe dann noch?

Noch einige Fragen außerhalob des Themas - aber nehmen Sie sich so viel Zeit, wie Sie dafür brauchen:

Ein anonymer Schreiber berichtet ein paar Einträge weiter vorn von 5000 Euro, die die ECH der Stadt angeblich für die Erschließungsstraße schuldet. Das ist vielleicht der Preis von ein paar Begrenzungspfählen und erscheint mir so gering, dass es dafür eine logische Erklärung gibt. Können / dürfen Sie dazu etwas sagen?

Gibt es zum Thema "Altes Moorbad" inzwischen Fortschritte? Ich glaube, das bedarf schon bald einer neuen Erklärungskette.

Kann die Stadt oder überhaupt irgend eine Institution in solchen Fällen eingreifen, wie im Falle des Hauses neben Optiker Gehrke (ehem. Haus der Freundschaft glaube ich) oder auch im Falle der Dauerbaustelle zwischen Turbo und Marktkarree oder im Falle der Ruine am Gorki-Platz-Dreieck? Ich denke ja immer, wenn die Stadt etwas dagegen tun könnte, würde sie es auch tun. Oder irre ich mich da? Natürlich habe ich auch die Optionen schon genannt, dass Schicksalsschläge die Erben oder Bauherren daran hindern könnten, ihr Eigentum zu sanieren.

Ich würde mich freuen, wenn Sie diese vorerst letzten Unklarheiten beseitigen könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Dostal
 


"Am Samstag", Kommentar vom 28.06.2009 - 10:23:46 von Herrn Horst Gühler:

 

Sehr geehrter Herr Dostal,

am 22.06.09 hatten Sie eine Reihe an Fragen an mich gerichtet, mit der Absicht, dass auch weitere interessierte Bürgerinnen und Bürger teilhaben können. Bei der Beantwortung werde ich versuchen deutlich zu machen, ob es sich um Fakten oder meine Auffassung handelt, denn ich bin ein Mitglied der SVV und bei meiner Tätigkeit auf Mehrheiten angewiesen, die aus vielen Gründen nicht erreichbar gewesen sind.

Strandabgang im Bereich Kinderstrand
An der Realisierung des befahrbaren Strandabganges wird durch die Verwaltung aktuell gearbeitet. Wenn über das Konjunkturpaket die beantragten Mittel bereitgestellt werden, soll noch 2009 gebaut werden.
Steg über dem Packwerk, unterhalb der Alexandrine
Im Rahmen des Kolloquiums wurde nicht nur die Hotelanlage mit dem Hotel Adlon am Meer, Thalasso- Zentrum und Ayurveda- Klinik bearbeitet, sondern auch Aussagen zum Zentrum – Ost (mit Seebrücke), Kurwald und Verlegung der Straße zum Kinderstrand erarbeitet. Wie ich Ihnen bereits in einem anderen Zusammenhang mitgeteilt habe, ist bisher weder der Bürgermeister noch die Stadtvertreterversammlung bereit sich intensiv mit den Fragen der Infrastruktur für die Tagesgäste, Touristen und Einwohner in Heiligendamm auseinanderzusetzen. Herr Polzin hat die Stadtvertreterversammlung überzeugt, den B-Plan 31 (Infrastrukturmaßnahmen in Heiligendamm) nicht aufzustellen. Natürlich spielt die Haushaltslage eine Rolle. Eine Gemeinde soll einen B-Plan nur aufstellen, wenn er auch in einem angemessenen Zeitraum umgesetzt werden kann. Andererseits haben wir die Situation, dass wir blind in Verhandlungen mit der ECH eintreten, obwohl es viele Berührungspunkte gibt. Ob der Weg auf dem Packwerk zurückgebaut oder besser ausgebaut werden muss, kann nur entschieden werden, wenn alle Bedingungen und Erfordernisse für die Doberaner, Tagestouristen, Patienten der Ostseeklink und der Hotelanlage zusammengetragen und aufeinander abgestimmt werden. Dem neuen Stadtparlament werde ich dieses Thema wieder vorlegen. Zurzeit kann Ihre Frage nicht beantwortet werden.
Die Strandversorgung in Richtung Börgerende soll durch das „Zentrum- Ost“ (Kurzfassung:
Gastronomie, zweite Seebrücke, Stellplätze für Behinderte)gesichert werden. Dass das entsprechende Grundstück verkauft wurde ist bekannt, den Käufer kenne ich nicht und dürfte ich auch nicht nennen. Dies ist nicht entscheidend. Ich kann nur hoffen, dass die Wünsche der Gemeinde bei den Verkaufsverhandlungen berücksichtigt wurden und sich alles in das zu erarbeitende Gesamtkonzept für die Infrastruktur einfügen wird. Meine wiederholt vorgetragene nervende Forderung, neben dem Grand-Hotel eine Variante mit entsprechendem Niveau entstehen zu lassen, wurde hoffentlich erhört. Ob der Käufer als Bauträger auftritt oder das Objekt selbst bewirtschaftet und was er baut, wird der Öffentlichkeit durch den Käufer erfahrungsgemäß bald mitgeteilt. Ich gehe erfahrungsgemäß davon aus, dass sich der neue Eigentümer mit der Gemeinde abstimmen wird.
Die Abstellmöglichkeit für Fahrräder wurde diskutiert, über eine Unterstellmöglichkeit für Personen wurde bisher nicht diskutiert. Es ist aber ein guter Hinweis, denn der Ostseeradfernweg verläuft durch Heiligendamm, da sollte man ernsthaft darüber nachdenken. Übergebe ich dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt.
Die zweite Seebrücke muss im Zusammenhang mit den Infrastrukturmaßnahmen diskutiert werden, ich halte sie für wichtig. Ein Abknicken der vorhandenen Brücke bietet den Gästen der Hotelanlage und den Tagesgästen keine Vorteile.
Die fehlende Ausschilderung der Seebrücke im Bereich Kurwald ist sicherlich nicht Absicht, das Thema werde ich ebenfalls anschneiden.
Auf Nachfrage habe ich bestätigt bekommen, dass Ihre Frage nach der visuellen Trennung zwischen Geh- und Radweg an der Seedeichstraße berechtigt ist. An der Kühlungsborner Str. ist es wohl kein Problem. Hier muss ich weitere Auskünfte einholen und Sie informieren.
Was passiert der Stadt, wenn eine Investition nicht beendet wird.
Für die Investition ist der Investor allein verantwortlich, insbesondere finanziell. Gibt es Berührungspunkte zwischen Gemeinde und Investor, müssen die Bedingungen in städtebaulichen Verträgen geregelt werden. In Heiligendamm setze ich dies voraus. Auch wenn sich die Gemeinde rechtlich abgesichert hat, können durch einen Abbruch Verluste eintreten, z.B. im Bereich der Steuereinnahmen, Kurtaxe. Wir leben in Symbiose, da wirkt sich auch ein städtebaulicher Missstand negativ aus. Da stehen wir wieder vor der Frage, die Investition unterstützen oder „bekämpfen“.

Der Bürgermeister vertritt die Gemeinde nach außen. Deshalb muss sich eine Privatperson immer an den Bürgermeister wenden, der dann, bei Bedarf und Notwendigkeit, die Wünsche oder Forderungen der SVV zur Bestätigung vorlegt. Was der Bürgermeister selbst entscheiden kann, regelt die Kommunalverfassung, Hauptsatzung und Geschäftsordnung.

Die Beschlussvorlagen zu Heiligendamm müssen erneut behandelt werden, gleichgültig ob in der vorliegenden oder geänderten Form. Beschlussvorlagen können durch den Bürgermeister, einen oder mehrere Stadtvertreter, durch eine Fraktion eingereicht werden. Der Einreicher kann seine Beschlussvorlage auch ersatzlos zurückziehen. Wurde die Beschlussvorlage laut Geschäftsordnung der SVV fristgerecht eingereicht, muss Sie zur Behandlung auf die Tagesordnung der nächsten SVV gesetzt werden. Theoretisch kann eine BV beliebig oft eingereicht werden, praktisch macht dies der Einreicher nicht. Entscheidend sind der Gegenstand und davon abhängig der Inhalt/Aussage (Beschlusstext und die Sach- und Rechtslage). Ob der Inhalt/Aussage so geändert werden kann, dass die Stadtvertreterversammlung zustimmt, ist Verhandlungssache. Im Extremfall, wenn es sich z.B. um eine private Person handelt, die glaubt die BV nicht ändern lassen zu können, muss dann ihr Recht gegenüber der Gemeinde einklagen. Dies sind absolute Ausnahmefälle.

Wenn Straßen ausgebaut werden, greift das sehr strenge Satzungsrecht. Gemeinde und Grundstückseigentümer müssen sich die Kosten auf dieser Grundlage teilen. Handelt es sich um keine Gemeindestraße, tritt der Baulastträger der Straße hinzu, jeder muss seinen Anteil übernehmen. Dies ist auch in Heiligendamm erfolgt. ECH hat der Gemeinde die erforderlichen Grundstücksflächen übertragen und teilweise zusätzlich den Eigenanteil der Gemeinde übernommen.

Ihre Frage zu den 5000 Euro gehört in den nicht öffentlichen Teil, ich bitte um Verständnis.

Der Gesetzgeber hat den Gemeinden das Instrument des Baugebotes und des Sanierungsgebotes an die Hand gegeben. Da die Gebote aber für die Gemeinde schnell zum Bumerang werden können, werden diese nicht angewendet. Da gibt es einschlägige Erfahrungen in den alten Bundesländern. Wenn die Gemeinde ein Gebot ausspricht, muss sie, bei Bedarf, finanzielle Unterstützung leisten. Es darf aber jetzt kein schiefes Bild durch meine Antwort entstehen. Auch wenn jemand Geld hat, wird er nicht investieren, wenn die Sanierung sich nicht rechnet. Können durch Mieten und/oder Pachten die Baukosten nicht refinanziert werden, kann ich nicht verlangen, dass Investiert wird. Auch ungeklärte Eigentumsverhältnisse können eine Rolle spielen. Also Vorsicht bei der Beurteilung eines Eigentümers, der scheinbar kein Interesse an der Sanierung hat. Auf den Einzelfall darf ich nicht eingehen, wäre ungesetzlich und unfair. Sie dürfen aber davon ausgehen, dass der Bürgermeister Kontakte hat.


Ich hoffe einen kleinen Beitrag geleistet zu haben und wünsche Ihnen und allen Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende.

Sehr geehrter Herr Jütte,
sagen Sie uns, wenn es zu umfangreich wird.

Mit freundlichen Grüßen
Horst Gühler
 


"Am Samstag", Kommentar vom 03.07.2009 - 21:41:38 von Martin Dostal:


Nanu - mein letzter Kommentar ist gar nicht angekommen... Ich wiederhole ihn einfach mal.

Sehr geehrter Herr Gühler,

ich danke Ihnen für Ihre abermaligen Erklärungen. Ich habe spontan keine weiteren Fragen, habe aber auch noch nicht alles verarbeitet.

Aber ich möhte die Mitleser hiermit zu weiteren sachlichen Frage ermutigen, wenn es Ihnen und auch Herrn Jütte Recht ist.

Von Herrn Jütte würde ich mir wünschen, dass er diese äußerst wertvollen und von größeren Medien selten so gut recherchierten Informationen irgendwie einer breiteren Öffentlichkeit offenbahrt, als ich es mit der Online-Dokumentation kann.

Denn ich habe gerade in den letzten Wochen bemerkt, wie oft den Lesern minderwertig recherchierte Informationen in Artikeln großer Zeitungen vorgesetzt werden, die er als Leser dann auch glaubt. Ich würde z.B. der bekanntesten Lokalzeitung gar nicht einmal Boshaftigkeit unterstellen (wenngleich ich mir bei einigen Autoren nicht so sicher bin), sondern einfach nur Unkenntnis. Frau Brasche-Sallinger hatte ja selbst moniert, dass besagtes Blatt sich nicht mit ihr in Verbindung gesetzt hat, um sachlich richtige Informationen zu erhalten und es dadurch zu einer Veröffentlichung sachlich falscher und wohl auch schädigender Artikel kam.

Da ich hier im Stadtanzeiger ein gewisses Wohlwollen gegenüber jedem Investor erkennen kann oder zumindest eine gewisse Vorurteilsfreiheit, kann ich mir vorstellen, dass die Redaktion mit den Informationen Herrn Gühlers etwas anfangen kann. Ich werde online zu diesen Kommentaren verlinken.

Wenn noch Fragen sind, melde ich mich - wenn es Herrn Jütte recht ist - den Rahmen sprengen soll es auch nicht. Aber es ist schön, dass es hier - beabsichtigt oder nicht - ein "Forum" gibt, in dem man auch aufeinander eingehen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Dostal

 

 

 

Wahlkampf 2009. Wer steht wie Heiligendamm gegenüber?

 

Ausschlag für diese Recherchen ergab dieser Leserbrief in der Ostsee-Zeitung:

 


Leserbrief von Katharina Müller aus Hamm   |  20.05.2009 13:08 Uhr
 

Aufs Grand Hotel verzichten?
 

Wenn man die Antworten der Politiker so liest, gewinnt man den Eindruck, als könne man gut verzichten auf das Grand Hotel Heiligendamm. Nur die Vertreter der HGV und Einzelbewerber Jochen Arenz bekennen sich klar zum Hotel.
Die meisten Politiker schämen sich offenbar, dass eine der größten Einzelinvestitionen in Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende ausgerechnet in ihrem Ort getätigt wurde.
Und Investor Jagdfeld will ja noch mehr investieren, wie man lesen kann.
Gute Bedingungen dafür zu schaffen, mit denen man arbeiten kann, ist in Bad Doberan wohl verpönt. Man legt lieber immer mehr Steine in den Weg, bis nichts mehr geht.
Und was dann, wenn Arbeitsplätze und Steuereinnahmen futsch sind? Es wird sich schon ein Schuldiger finden, auf den man mit lautem Krawall eindreschen kann.
 

 

Dass sie nicht ausreichend informiert ist, möge man ihr verzeihen.
Sie ist schließlich auf Aussagen angewiesen und kann nicht selbst an den Geschehnissen teil nehmen.
Dennoch spricht sie etwas an, das viele denken: Es geht nur noch um Politik in Heiligendamm.
Sie spricht zwei Namen aus und assoziiert mit diesen ein Bekenntnis zum Hotel.
Ist es so richtig, dass der Rest sich nicht zum Hotel bekennt?



Was sagen die Kandidaten 2009 zu Heiligendamm? Was ist das letzte, was wir von ihnen hörten?

 


1 Christlich Demokratische Union Deutschlands, CDU
1 Brandt, Caroline, Rechtsanwältin (Kanzlei Brandt), geb. 1973 in Rostock
2 Tode, Andre, Unternehmer (AWS Tintenhaus), geb. 1980 in Rostock
3 Losand, Katharina, Unternehmerin (Weißer Schwan), geb. 1963 in Bad Doberan
4 Kuchenbuch, Rolf-Peter, Prof. Dr. (Uni Rostock), geb. 1954 in Eschwege
5 Krauleidis, Stephan Kaufmänn. Angestellter, geb. 1974 in Rostock
6 Zajonc, Stephanie, Angestellte (Anwaltskanzlei), geb. 1978 in Kühlungsborn
7 Seehaus, Joachim Dipl. Ing. (Rentner), geb. 1942 in Berlin
8 Unger, Jörg, Unternehmer (Abwassertechnik Unger), geb 1974 in Kaltenkirchen
9 Krüger, Svea, Unternehmerin (Nagelstudio Secret Nail Art), geb . 1980 in Kühlungsborn
10 Schnippering, Michael, Angestellter, geb. 1963 in Wismar (2004 bis 2009 als sachkundiger Einwohner in der SVV)
11 Tode, Sandra, Einzelhandelskauffrau (AWS Tintenhaus), geb. 1975 Rostock
12 Sähn, Peter, Dipl.-Kaufmann (ECH und ECW), geb. 1937  in Konstadt
13 Schulz, Thomas, Werbekaufmann, geb. 1973 in Rostock

Diese SVV-Mitglieder der CDU treten nicht mehr an:
Andreas Unterfranz (kandidiert für den Kreistag)

Kati Hoffmeister (kandidiert für den Kreistag)

Brigitte Felten


Frage an die CDU: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Aufgrund innerparteilicher Probleme im Zusammenhang mit der Gültigkeit der Kandidatenlisten liegt keine Antwort der CDU vor.

Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Stadtvertretervorsteherin Caroline Brandt (CDU): „Wir haben der ECH Handschellen angelegt.
Ohne unsere Zustimmung kann sie kein Wohneigentum verkaufen, also auch kein Geld einnehmen für die Sanierung der Villen.“

Das Versprechen zum Wiederaufbau der Villa sei „nicht viel wert“, urteilte der CDU-Abgeordnete Andreas Unterfranz währen der Hauptausschusssitzung.
Jagdfeld habe bereits beim Abriss der ,Perle‘ versprochen, sie bis Ende 2008 wieder aufzubauen.
 



2 Die Linke
1 Heimann, Gerlinde, Finanzwirtschaftlerin, geb. 1941 in Labes (Pommern) (2004 bis 2009 als sachkundige Einwohnerin in der SVV)
2 Schneider, Monika, Diplomingenieurin, geb. 1954 in Leipzig
3 Keding, Friedrich, Schiffsingenieur, geb.  1938 in Rostock
4 Grätz, Gunnar Diplomkulturwissenschaftler, deutsch, 1958 in Rostock
5 Scholz, Arnold Schiffbauer, geb. 1937 in Boizenburg


Diese SVV-Mitglieder der Linkspartei treten nicht mehr an:

Heinz Paape

Frage an die Linke: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Wir sind für die Aufhebung der Sperrungen und wollen keine weiteren Wegeeinziehungen.

Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Für Friedrich Keding von der Fraktion Die Linke war diese Reaktion vorhersehbar. „Die suchen doch nur nach einen Vorwand. Angeblich hängt nun alles von der Tiefgarage ab... Das glaubt doch niemand mehr“, sagt Keding. „Es war der größte Fehler von Bund und Land, ganz Heiligendamm an einen Einzelinvestor zu verkaufen. Warnemünde und Kühlungsborn wachsen, Heiligendamm verfällt.“

Bemerkungen:

Reaktion des Landesverbandes:
Der Landesvorstand der Partei DIE LINKE. Mecklenburg-Vorpommern kritisiert den Beschluß über den neuen Grundlagenvertrag zwischen der Stadt Bad Doberan und dem Betreiber der Hotelanlage in Heiligendamm, ECH, als gegen die Interessen der Allgemeinheit gerichtet. Öffentliche Räume zu privatisieren, sie Bürgerinnen und Bürgern und vielen Gästen des Seebades zu entziehen, bedeutet die große Mehrheit der Bevölkerung auszugrenzen, zu Gunsten einiger weniger Personen. Tourismuskonzepte, die auf Ausgrenzung basieren, bringen unser Land nicht voran. Das Agieren und das Abstimmungsverhalten der Stadtvorsteherin Anke Bitter, die Mitglied unserer Partei ist, und weiterer Mitglieder unserer Stadtfraktion in Bad Doberan, bleibt uns unverständlich. Wir stellen nicht die freie Mandatsausübung kommunaler Mandatsträgerinnen und Mandatsträger in Frage. Wir können jedoch nicht erkennen, daß die Entscheidungen, die in Bad Doberan getroffen wurden, mit linker Politik vereinbar sind.

In Folge dieser Reaktion legte Anke Bitter ihr Mandat nieder und verließ die Partei. Wie Sie etwas tiefer sehen, hat sie eine neue Partei gegründet.

 



3 Sozialdemokratische Partei Deutschlands, SPD
1 Mersjann, Birgit, Juristin, geb. 1961 in Münster
2 Baltzer, Ulrich, Bauingenieur, geb.  1954 in Stendal

3 Zeug, Gebhard, Maschinenbauer, geb. 1947 in Stülow
4 Drese, Stefanie, Rechtsanwältin (Kanzlei), geb. 1976 in Rostock
5 Schwarz, Kurt, Rentner, geb. 1928 in Berlin
6 Drese, Matthias, Rechtsanwalt (Kanzlei), geb. 1970 in Nordhausen
7 Weber, Harald, Dipl.-Ingenieur (Rentner), geb. 1954 in Heidenheim
8 Leuchert, Marta, Schülerin, geb. 1991 in Kühlungsborn
9 Wiegand-Hoffmeister, Bodo, Direktor, (Fachhochschule) geb. 1966 in Essen
10 Scheffler, Burkhard, Lehrer, geb. 1955 in Greifswald
11 Wolfgramm, Reinhard, Dipl. Ing., geb. 1949 in Greifswald
12 Witte, Hans-Jürgen, Rentner, geb. 1938 in Waren
13 Eulner, Peter, Rechtsanwalt, geb. 1961 in Hanau
14 Becker, Henning, Jurist, geb. 1961 in Kiel

Frage an die SPD: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Bezüglich Heiligendamm wird unsere Partei die Interessen eines Investors und das Gemeinwohl genau abwägen.
Dazu gehört es auch, Kompromisse im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu finden und zu schließen.

Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Birgit Mersjann, SPD-Fraktionschefin, bedauert die Entscheidung der Stadtvertreter. „Lieber hätte ich die ECH mit einem Ja endlich in Zugzwang gesetzt.
Dass sie uns nun den Schwarzen Peter zuschieben kann, hätten wir so verhindert.“ Nach wie vor aber gebe es einen gültigen B-Plan, die ECH könnte handeln.
 



4 Freie Demokratische Partei, FDP
1 Klink, Harry, Diplomlehrer, geb. 1955 in Zwickau
2 Fritze, Hans-Jürgen Stieler, Dipl.-Ingenieur (Rentner), geb. 1941 in Rostock
3 Stieler, Roman, Student, geb. 1984 in Kühlungsborn
4 Wosar, Tom, Koch, geb. 1965 in Bad Doberan
5 Elbrecht, Lutz-Eckart, Bauingenieur, geb. 1944 Rostock (2004 bis 2009 für die DoM)
6 Stracke, Sylvia, Steuerberaterin, geb. 1948 in Kitzingen
7 Heide, Christine, selbst. Heilpraktikerin, geb. 1962 Bad Doberan
8 Rolfs, Stephan, Gastronom, geb. 1968 in Rostock
9 Giersberg, Stephan, Hotelbetriebswirt, geb. 1979 in Kühlungsborn
10 Weidt, Jan, Versicherungsfachmann, geb. 1961 in Berlin
11 Kolodziej, Uwe, Tierarzt (eig. Praxis), geb. 1943 in Bad Doberan
12 Gläser, Klaus-Dieter, Bauingenieur, geb. 1945 Leipzig
13 Peter, Lothar, Elektromeister (Fa. Lothar Peters), geb. 1946 Herrenburg

Frage an die FDP: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Heiligendamm soll das Seebad von Bad Doberan und Wohnort für Menschen bleiben. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten muss transparent werden.
Zufriedene Gäste, Patienten, Touristen und Einwohner sind Ziel der FDP. Wir werden helfen, Heiligendamm ideologiefrei und rechtsstaatlich für Klinik, Pensionsbetreiber,
Hotel und Einheimische zu entwickeln. Dazu ist die widerrechtliche Sperrung von Wegen - die unmittelbar von den Haltestellen zur Seebrücke führen - nicht notwendig
und demzufolge aufzuheben. Selbstverständlich in einem Seeheilbad müssen eine öffentliche Promenade und ein ganzjährig begehbarer Küstenwanderweg (alternativ)
sowie ein getunnelter Stichweg für einen zumutbaren Weg für eine alternde Gesellschaft von den Haltestellen zur Seebrücke sein. Die FDP spricht sich für einen
geraden Weg der Patienten zum Strand und einen geraden Weg für die Gäste und Doberaner zur Seebrücke aus.

Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Der FDP-Stadtvertreter Harry Klink hält dagegen, dass der ECH das Baurecht für die Villen seit 1997 vorliegt. „Jetzt spielt die ECH – das ist der Immobilienhändler
Jagdfeld – die Unternehmen der Region, Hotel, Anleger und Kommunalpolitiker für private Gewinnziele gegeneinander aus und schürt bewusst Arbeitsplatzängste.“
Klink glaubt, dass Hotel, Klinik und Pensionen eine gemeinsame Zukunft in Heiligendamm haben. Er hofft, dass diesbezügliche Absprachen endlich eingehalten werden.

Zur Debatte um die Sanierung der Villen in Heiligendamm und den Bau von Tiefgarage und Flutmauer schreibt Harry Klink aus Doberan:
„Die ECH ist nicht in der Lage, eine Bankbürgschaft für die geplanten Baumaßnahmen an der Perlenkette zu hinterlegen. Ohne Bürgschaft besteht Gefahr für Leben und Werte bei Nichtfertigstellung einer komplizierten (Hochwasser-)Baumaßnahme, auch für die hoch verschuldete Stadt. Die muss bei Insolvenz des Bauträgers diese Maßnahme beenden. Mit Bürgschaft kein Problem. Ohne Bürgschaft weitere Millionen- Schulden (siehe Kammerhof) durch inkompetente Politiker? Dem darf ein verantwortlicher Abgeordneter nicht zustimmen. Die Grundwasserprobleme in Heiligendamm wurden eingehend beim aktuellen Kurwald (der hier falsch destiniert ist) erläutert. Nach Norden hin gibt es jetzt schon einen Stau, der schwer abzuleiten ist. Die Tiefgarage würde das Problem verstärken. Machbare Lösungen wurden angeboten. Die gesamte Abholzung des in unmittelbarer Nähe liegenden Kleinen Wohlds um die Alexandrine (gegen die sich die Stadtvertreter mit 21 Stimmen schon 20007 ausgesprochen hatten) stellt eine grobe Missachtung der aktuellen Beschlusslage durch Bürgermeister und ECH dar, würde zum unweigerlichen Abrutschen des Kliffs führen. Und der Kurwald für Patienten, Hotel- und Pensionsgäste gehört hierhin, die Promenade und der E9 (welche mit Steuergeldern saniert wurden!) gehören geöffnet, so die Gesetzeslage. Man kann nicht mit Steuermitteln sanieren, dann privatisieren. Das ist Subventionsbetrug. Ein getunnelter Stichweg (so auch Gutachten der ECH) von den öffentlichen Haltestellen zur Seebrücke (nicht über die Liegewiese des Severinpalais) würde die Wegediskussion endlich beenden. Das sind praktikable Vorschläge.“
 



5 Bündnis 90 / Die Grünen, GRÜNE
1 Keuer, Heinz, Dipl.-Mathematiker, geb. 1954 in Neubukow
2 Keueré Gyüre, Gabriella,  Dipl.-Mathematikerin, geb. 1957 in Kisvarda (Ungarn)
3 Will, Rolf, Landwirt, geb. 1953 in Karlsruhe
4 Fehmers, Elisabeth Univ.-Dipl.-Psychologin (eig. Praxis) geb. 1948 in Krefeld
5 Orth, René, Angestellter, geb. 1965 Kühlungsborn (2004 bis 2009 für den Bürgerbund)

Frage an die Grünen: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Unsere Landesdelegiertenkonferenz hat am 4. 12. 2005 in Greifswald folgenden Beschluss gefasst:
„Bündnis 90/Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern sprechen sich gegen die Abschottung von architektonischen, landschaftlichen und kulturellen Schätzen des Landes aus. Heiligendamm ist ein solches herausragendes kulturelles und geschichtliches Erbe unseres Landes und muss daher in allen Teilen öffentlich zugänglich bleiben.“ Zu diesem Beschluss stehen wir, da die Verantwortlichen in Heiligendamm seit dem nicht stichhaltig nachgewiesen haben, dass die Abschottung des Ortes für die Wirtschaft der Region sinnvoll ist. Es ist ein Kompromiss zu suchen, mit dem alle Beteiligten leben können.

Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
René Orth, Bad Doberan: Bei aller Ablehnung, die zum demokratischen Prozess dazugehört, gilt aber Vorsicht! Vorsicht deshalb, weil Vermutungen von Hobbygeologen, Finanz- und Bauträgerexperten und Vertretern, die von der Kunst des negativen Denkens medial beflügelt werden, absolut alternativlos sind. Deshalb: Lösungen im Diskurs zusammen erarbeiten! Doberan hat noch andere Baustellen. Genau dort wäre bürgerliches Interesse und Betroffenheit ebenso gefragt,wie beim Thema Heiligendamm.
 


 

6 Nationaldemokratische Partei Deutschlands, NPD
1 Susemihl, Dirk, Koch, geb. 1974 in Rostock
2 Bethke, Dirk, Koch, deutsch 1969 in Kühlungsborn
3 Dietze, Andreas, Gas-Wasser-Installateur, geb. 1984 in Rostock
4 Zahradnik, Stefan, Dachdecker, geb. 1983 in Kühlungsborn

Die NPD hatte bisher keine Sitze in der Stadtverwaltung und äußerte sich weder offiziell in den Medien, noch in der Wahlwerbung zum Thema "Heiligendamm".
 



7 Bündnis für Bad Doberan
1 Bitter, Anke Finanzkauffrau, geb. 1964 in Kühlungsborn
2 Schürmann, Wolfgang Vermessungstechnischer Angestellter, geb. 1963 in Crivitz
3 Pieplow, Frank Lehrer, geb. 1966 in Rostock (2004 bis 2009 fraktionslos)
4 Paap, Siegfried,Rentner, geb. 1943 in Warnemünde

Frage an das Bündnis für Bad Doberan: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Das Basiskonzept der ECH wurde in den Jahren 2003/2004 mit großer Mehrheit befürwortet. Da es bereits eine Reihe rechtsverbindlicher Vereinbarungen zwischen der Stadt und der ECH gibt, die dem Investor als Grundlage seiner Planungen dienen, kann die Stadt jetzt nicht völlig neue Wege beschreiten. Realistische Kompromisse begrüßen wir.

Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:

Das Bündnis für Bad Doberan tritt das erste Mal zur Wahl an. Anke Bitter, Wolfgang Schürmann und Siegfried Paap sind derzeit keine Stadtvertreter.
Siegfried Paap hatte sich in der Vergangenheit positiv gegenüber der ECH geäußert und Anke Bitter hatte als PDS-Abgeordnete einen Brief an Jagdfeld geschrieben und um eine Stellungnahme gebeten, wie und vor allem wann es mit der Umsetzung des Sanierungsvorhabens (speziell: Perlenkette) weiter geht.

Frank Pieplow ist derzeit fraktionslos. Aber er war einer der beiden Kandidaten, die den gekippten Beschluss noch einnmal auf die Tagesordnung gesetzt haben:
"Dennoch: Die Einflussnahme der ECH auf die Stadtvertreter hatte Erfolg: Wie Bürgermeister Polzin gestern auf Anfrage sagte, haben die Abgeordneten
Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos) die Heiligendamm-Vorlagen jetzt nochmals eingereicht."


Bemerkungen:
Anke Bitter war zuvor Mitglied der Linkspartei und ist dort ausgetreten.
Frank Pieplow war bisher fraktionslos (in einem Artikel der Ostsee-Zeitung erscheint vor 2004 hinter seinem Namen aber auch "(SPD").
 



8 Bürgerbund
1 Meyer, Hannes Architekt, (Meyer Ohde Architekten), geb. 1965 in Kühlungsborn
2 Lex, Guido Vors. Richter am Landgericht, geb. 1956 in Heidelberg
3 Hoinkis, Heinz, Rechtsanwalt, geb. 1949 in Altheide
4 Behrens, Klaus-Peter, Kaufmann, geb. 1962 in Neindorf
5 Roggelin, Hannes, Ausbildung zum Justizfachangestellten geb. 1989 in Kühlungsborn
6 Ohde, Heike, Architektin (Meyer Ohde Architekten), geb. 1972 in Rostock
7 Goldberg, Matthias Dipl.-Ing., geb. 1971 in Rostock
8 Zimmermann, Sabine, Unternehmerin, geb. 1970 in Rostock
9 Meyer, Inge,  Rentnerin, geb. 1937 in Stettin
10 Rehwaldt, Helge, Rentner (u.a. Buchautor), geb.  1937 in Berlin
11 Strebe, Carla, Architektin, geb. 1951 in Minden
12 von Hof, Gerda, Rentnerin, geb. 1936 in Bad Doberan

 

Dieter Rotscheidt stand von 2004-.2009 als sachkundiger Einwohner zur Verfügung.

Frage an den Bürgerbund: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Die aktuelle Sperrung der letzten direkten Wegeverbindung vom Molli-Bahnhof zur Seebrücke zeigt deutlich, dass die bisherige, von den etablierten Parteien getragene Heiligendamm-Politik buchstäblich in eine Sackgasse führt. Ein gut ausgebautes öffentliches Wegenetz ist Grundvoraussetzung für die Entwicklung Heiligendamms zu einem gastfreundlichen und lebendigen Ort, in dem sich auch ein Fünf-Sterne-Hotel dauerhaft etablieren kann. Letztlich ist das viel bemühte Argument, die Wegesperrungen wären zum Schutz der Hotelgäste notwendig, nur der konstruierte Vorwand eines Immobilienmaklers, um günstig erworbene Villengrundstücke auf Kosten der Allgemeinheit aufzuwerten. So wird die Prof.-Dr.-Vogel-Straße zur Privatstraße und der Kleine Wohld zum Privatpark. Gegen diese Politik wird sich der Bürgerbund stark machen.

Frage an das Bündnis für Bad Doberan: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Hannes Meyer vom Bürgerbund. „In den letzten sechs Jahren hat nur Stillstand oder Abbruch in Heiligendamm stattgefunden – obwohl es einen regelrechten ,
B-Plan-Überschuss’ gibt“, sagt Meyer. Bislang hätten die Stadtvertreter allen Plänen der ECH zugestimmt. Es sei „ziemlich witzlos“, wenn Schlag jetzt so tue,
als hätte die ECH morgen mit der Sanierung der Villen begonnen. Das glaubten weder Bürger noch Firmen aus der Region, der Vertrauensvorschuss sei aufgebraucht.
Es sei allgemein bekannt, dass die ECH oder Fundus nirgendwo mehr Kredit bekomme, und auch, dass die Investoren des Hotels ungehalten seien wegen der gebrochenen Rendite-Versprechen. Meyer: „Seebad und Hotel können nur funktionieren, wenn es Leben und Abwechslung gibt. Beides hat die ECH verhindert.“
 



9 Christlich Demokratische Gemeinschaft, CDG
1 Abeling, Dieter,  Kaufmann, geb. 1952 in Barver
2 Pentzien, Lutz, Unternehmer (Fa. Pentzin), geb. 1958 Bad Doberan
3 Gühler, Horst, Bauingenieur (ehem. Bauamtsleiter DBR), geb. 1940 in Ramsau/Allenstein


Frage an die CDG: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?

Seeheilbad Heiligendamm und Rennbahn als wichtigen Wirtschaftsfaktor zügig entwickeln durch die Setzung und Vertretung gemeinsamer Ziele.
 Dazu gehören:

-         Ausbau des Kinderstrandes mit separater Zufahrt zum Schutz der Ostseeklinik

-         Zentrum - Ost errichten für die Tagesgäste und Einwohner

-         Aufbau der Infrastruktur für das Seeheilbad Heiligendamm

-         Mehr Veranstaltungen auf der Rennbahn initiieren

Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:

Horst Gühler, Fraktion Christlich Demokratische Gemeinschaft (CDG), zeigt für die Verärgerung der ECH Verständnis. „Wir haben die ECH vor Jahren gewarnt, Pläne ohne Stellplätze zu machen. An eine Tiefgarage haben wir natürlich nicht gedacht“, sagt Gühler. „Das aber als alleinigen Grund für das Scheitern anzugeben, ist höchst fraglich.“

Bemerkungen:

Alle Mitglieder der CDG waren zuvor Mitglieder der CDU. Auf Grund von Streitigkeiten verließen sie den Ortsverband und gründeten die CDG.
Ihre Mandate durften sie behalten und sind nun halt CDG-Mitglieder statt CDU-Mitglieder.

 


 

10 Handwerker- und Gewerbeverein, HGV
1 Baor, Herbert, Unternehmer (Fa. Baor), geb. 1955 in Neubukow
2 Hensel, Wolfgang, Unternehmer (Fa. Hensel), geb. 1961 in Bad Doberan
3 Ewig, Oliver, Kaufm. Angestellter,  geb. 1963 in Hamburg
4 Kujas, Jörn-Jens, Rechtsanwalt (eig. Kanzlei), geb. 1966 in Sande
5 Hopp, Christine, Ing.-Ökonom, geb. 1963 in Bad Doberan
6 Gehrke, Uta, Augenoptikerin, (Optiker Gehrke) geb. 1969 in Brehna/Bitterfeld
7 Kleinow, Manfred Maurermeister (Fa. Kleinow), deutsch 1959 in Bad Doberan
8 Lange, Gerhard,  Meister für Landtechnik, geb. 1955 in Bad Doberan


Diese SVV-Mitglieder des HGV treten nicht mehr an:

Ulrich Ludwig

Frage an den HGV: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?
Eine Aufhebung von Sperrungen gegen den Willen der ECH kommt nicht in Betracht. Sollte die ECH weitere Einschränkungen für Einheimische und Kurgäste fordern, werden wir weder prinzipiell dafür noch prinzipiell dagegen sein. Wir sind überzeugt, dass ein Kompromiss gefunden werden kann, der der ECH entgegen kommt als auch für Einheimische und Kurgäste von Vorteil ist.

Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Wolfgang Hensel, Mitglied des Handwerker- und Gewerbevereins e.V. Bad Doberan: Als Handwerker sind wir bemüht, die wirtschaftliche Entwicklung in unserer Stadt, einschließlich Heiligendamm, voranzutreiben. Ich meine, dass einige unserer Stadtvertreter ziemlich fahrlässig mit der Zukunft von Heiligendamm umgehen.
Auch die Berichterstattung der OZ ist zu diesem Thema einseitig und ich würde mir wünschen, dass endlich mal sachlich berichtet und argumentiert würde.
Der ECH wird unterstellt, dass sie keine Kredite mehr bekäme und sie verschiedene Institutionen gegeneinander ausspielt. Behauptungen, wo aber sind die Beweise?
So wie wir schon vom Bau des Hotels profitiert haben, so würde uns auch die Sanierung der Perlenkette nutzen, denn da sind wir als gute Handwerker aus vielen Gewerken gefragt. Anderswo würden sich die Leute freuen, wenn bei ihnen investiert wird. Aber bei uns sind manche noch stolz darauf, (auch mit Hilfe der OZ) es dem bösen Investor heimzuzahlen.

Schlag fordert die „lieben Mitstreiter und Mitglieder des Handwerker- und Gewerbeverbandes“ auf, in Leserbriefen an die OZ „ihren Zorn und ihre Enttäuschung“ zu zeigen.
Und als könnten die HGV-Mitstreiter nicht selbst ihre Briefe formulieren, legte Schlag auch gleich zwei Musterbriefe bei (liegen OZ vor).

Herbert Baor war einer der beiden Kandidaten, die den gekippten Beschluss noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt haben:
"Dennoch: Die Einflussnahme der ECH auf die Stadtvertreter hatte Erfolg: Wie Bürgermeister Polzin gestern auf Anfrage sagte, haben die Abgeordneten
Herbert Baor (HGV) und Frank Pieplow (fraktionslos) die Heiligendamm-Vorlagen jetzt nochmals eingereicht."

 



11 Einzelbewerber Arenz
1 Arenz, Jochen, Heimleiter (Johanneshaus), geb. 1965 in Hilden

Frage an Jochen Arenz: Wie soll es in Heiligendamm weiter gehen?

Es geht um den Erhalt von 300 Arbeits- und Ausbildungsplätzen, Kurtaxe und Steuereinnahmen für die Stadt, von denen wir alle, z.B. auch das Kornhaus,
unsere Kindergärten, Sportvereine etc., profitieren. Es geht um Aufträge für Doberaner Gewerbetreibende wie Bäcker, Handwerker und Geschäfte.
Dazu gehört auch die Sperrung der Wege. Wenn endlich Sachlichkeit einziehen würde, wären Kompromisse zum Wohle aller möglich.


Meinung eines Mitglieds und Kandidaten zum Ergebnis der Ablehnung der Beschlussvorlage durch die SVV:
Jochen Arenz hat nicht direkt auf den Beschluss reagiert. Seine Positionen lassen sich dennoch nachlesen:
Wer A sagt, muss auch B sagen. Damit sich der Ortsteil Heiligendamm weiter entwickelt, muss man dem Hotel die Chance geben, dass es schwarze Zahlen
schreiben kann. Das bedeutet, das Parkgelände zwischen Alexandrinen-Cottage, Burg Hohenzollern und Steilufer würde dann nur dem Gast des Grand Hotels
vorbehalten bleiben. Über den eigens errichteten Steg am Meer gibt es den bekannten Ersatzweg am Strand, der das durchgängige Wandern entlang der See erlaubt.
Wir bereiten dem Investor ein gutes Bett. Ich erwarte, dass die 250 Arbeitsplätze im Hotel gesichert bleiben und dass die ECH den Kurwald sowie öffentliche Einrichtungen laut Papier gestaltet. – Und wie vereinbart auch die Villen saniert. Ein Millionen-Projekt.
 



12 Einzelbewerber Gipp
1 Gipp, Thomas, Diplomkaufmann, geb. 1968 in Bad Doberan

 

Dieser Einzelbewerber saß bisher nicht in der SVV und hat sich nicht öffentlich über Heiligendamm geäußert. Wahlwerbung liegt mir nicht votr.
 



13 Einzelbewerber Liermann
1 Liermann, Rainer, Rentner, geb. 1947 in Kröpelin

Dieser Einzelbewerber saß bisher nicht in der SVV und hat sich nicht öffentlich über Heiligendamm geäußert. Wahlwerbung liegt mir nicht votr.
 


 

14 Einzelbewerber Ludwig
1 Ludwig, Ulrich Rentner, geb. 1942 in Heiligendamm

Dieser Einzelbewerber saß bisher nicht in der SVV und hat sich nicht öffentlich über Heiligendamm geäußert. Wahlwerbung liegt mir nicht votr.
 



Diese SVV-Mitglieder scheiden aus:

Peter Husar (DoM) Die "Doberaner Mitte" hat sich aufgelöst.
 


Eigentlich ist damit alles gesagt. Ich erlaube mir dennoch eine kleine statistische Analyse der Kandidaten:

Als erstes fällt auf, dass in der CDU viele Unternehmer organisiert sind.
Nicht nur die auch so bezeichneten Personen sind Unternehmer, sondern auch einige Kaufleute. Jörg Unger z. B. ist nicht nur Kaufmann, sondern auch Chef der Firma.
Sandra Tode ist nicht nur Einzelhandelskauffrau, sondern auch Unternehmerin, denn sie ist die Geschäftsführerin aller Franchise-Unternehmen des Tintenhauses.
Was in der offiziellen Liste (in dieser hier habe ich selbst einiges ergänzt) nicht so deutlich wird: Joachim Seehaus ist zwar Diplomingenieur aber inzwischen ist er in Rente.
Peter Sähn ist der älteste Kandidat der CDU. Er arbeitet für FUNDUS als Kaufmännischer Geschäftsführer der ECH und ECW und ist der erste Kandidat, der direkt involviert ist.

8 der 13 Kandidaten sind Bad Doberaner. Da Bad Doberan bis vor einem Jahrzehnt kein Krankenhaus hatte, heißen die Geburtsorte der nicht in der heimischen Stube entbundenen Bad Doberaner "Kühlungsborn" und "Rostock". Wer  also in einen der beiden Orte geboren wurde, ist nicht unbedingt zugezogen, sondern meistens ein waschechter Münsterstädter. Die CDU hatte Probleme mit ihrer Liste und ist heftig in die Kritik geraten. Caroline Brandt selbst wurde scharf kritisiert, als sie Bürger aus dem Rathaus schmiss. Sie möchte gern den Posten als Stadtvorsteherin abgeben. Die CDU konzentriert ihr Engagement auf Bad Doberan, was der Mehrheit der Unternehmer geschuldet ist.

 

In der Linkspartei finden wir hauptsächlich Denker: Zwei Ingenieure, ein Wissenschaftler, eine Finanzwirtschaftlerin und ein en Schiffbauer.

Hier sollte uns der Geburtsort nicht irritieren: Drei Kandidaten wurden nich vor der deutschen Teilung geboren. Nur Monika Schneider ist "nicht von hier".

Die SPD geht mit den meisten Kandidaten an den Start. Hier finden sich die meisten Rechtsanwälte und Juristen. Von 14 Kandidaten haben gleich 5 etwas mit Jura zu tun.

Drei Kandidaten sind gelernte Diplom-Ingenieure, zwei (eigentlich drei) sind Rentner, einer Lehrer, einer Direktor und nur einer ist angestellt als Maschinenbauer.

Damit ist die SPD längst nicht mehr die Partei des Arbeiters. Marta Leuchert dürfte vom Alter her eine der fünf Töchter des Landrates Thomas Leuchert sein.

Sie ist zugleich auch die jüngste Kandidatin.

 

Die FDP wird in Bad Doberan ihrem Klischee als Partei der Besserverdiener nicht wirklich gerecht. Vom Studenten über den Koch und Tierarzt bis hin zum Steuerberater ist alles vertreten. Auch hier sind es überwiegend Alteingesessene, die sich für Bad Doberan stark machen. Unter ihnen auch Lutz-Eckart Elbrecht, der von der aufgelösten Doberaner Mitte in die FDP gewechselt ist. Zusammen mit Harry Klink sitzt er derzeit noch in der scheidenden Stadtvertreterversammlung. Frontmann und Zugpferd der FDP ist Harry Klink. Was er bisher sagte, wirkte stets wie seine persönliche Meinung. Für die FDP ist das gut, denn sie wird nicht mit seiner Meinung gleich gestellt und wirkt daher neutral. Dennoch hat sie inzwischen ein handfestes Konzept für Heiligendamm - als einzige Partei in diesem Umfang.

 

Von den Grünen gibt es derzeit nur einen Stadtvertreter. Heinz Keuer tritt wieder an. René Orth sitzt im Moment noch für den Bürgerbund im Rathaus, wird nun aber für die Grünen kandidieren. Die Grünen sind die Partei mit den verhältnismäßig meisten Gelehrten und werden damit ihrer bundesweiten Anschauung gerecht. Allerdings haben die Grünen auch die wenigsten Alteingesessenen aufzubieten. Der Einzug in das Rathaus ist den Grünen erst spät und nur mit einem Kandidaten gelungen. Es bleibt spannend.

 

Die NPD hat es bisher nicht ins Rathaus geschafft. Die Kandidaten sind recht glanzlos aber dafür ist die Wahlwerbung recht aggressiv. Neben Plakaten und Veranstaltungen gibt es von der NPD gleich zwei verschiedene Flyer innerhalb von zwei Wochen. Die NPD zielt auf Nichtwähler und Protestwähler ab, führt auch ein Programm auf aber dieses ist sehr allgemein und hat nichts mit Heiligendamm und auch nichts mit Bad Doberan zu tun. Die NPD hat nicht nur Kandidaten aus der arbeitenden Bevölkerung aber die "höheren" hebt sie sich für den Landtag auf. Sie will mit den "einfachen" Kandidaten auch die "einfache" Bevölkerung erreichen. Es geht aber darum, erst einmal drin zu sein.

 

Neu in der Liste ist das Bündnis für Bad Doberan. Wie bei der CDG handelt es sich hier um ein Bündnis, das aus Unzufriedenheit mit der parteiinternen Situation zu Stande gekommen ist. Anke Bitter hat die PDS verlassen und das Bündnis für Bad Doberan gegründet. Der bisher fraktionslose Einzelbewerber Frank Pieplow hat sich ihr angeschlossen und auch Siegfried Paap von der Bürgerinitiative - der sich diesbezüglich ja schon einmal selbst widersprochen hat - ist mit dabei.

Jetzt passt es, dass Paap sich vom Bürgerbund distanziert, obwohl er in der Bürgerinitiative ist. Neu ist auch Wolfgang Schürmann, von dem man nichts hörte.

 

Mit die meisten Kandidaten bringt der Bürgerbund ins Rennen. Auffällig ist sofort, dass sich hier gleich drei Architekten tummeln. Sie sind es auch, die jedes Baugeschehen kritisch beäugen. Öffentlich oft in Erscheinung getreten sind Hannes Meyer, Heike Ode, Klaus-Peter Behrens, Inge Meyer und Gerda von Hof. Auch von Dieter Rothscheid haben wir oft gelesen. Helge Rehwald hat Bücher über Bad Doberan geschrieben und gilt als wandelnde Chronik des Ortes. Interessant sind auch die Berufsgruppen selbst. Vom angehenden Justizfachangestellten über einen Rechtsanwalt bis zum Vorsitzenden Richter des Landgerichts reicht das Spektrum. Auffällig ist auch der hohe Anteil an Bad Doberanern.

 

Die CDG besteht nur aus den drei Mitgliedern, die die CDU verlassen haben. Horst Gühler als Frontmann der CDG war viele Jahre im Bauamt der Stadt tätig und hat die Entwicklung Heiligendamms begleitet. Alle drei Kandidaten sind langjährige Bad Doberaner.

 

Im HGV organisieren sich natürlich Handwerker und Gewerbetreibende. Die meisten sind alteingesessen und führen Familienbetriebe und einige sind von außerhalb hinzu gekommen. Die Interessen des HGV sind rein wirtschaftlich und das kommt auch immer wieder zum Ausdruck. Der HGV ist in den letzten Tagen in die Kritik geraten, weil Hans Schlag die Kandidaten als Freunde bezeichnet und sie zu einer Medienkampagne eingeladen hat. Wie sich das auf die Wahlergebnisse auswirkt, bleibt abzuwarten, zumal Herbert Baor die gekippte Beschlussvorlage erneut auf die Tagesordnung gesetzt hat. Kritiker sehen darin den Versuch, eine demokratische Entscheidung zu revidieren und werfen den Abgeordneten des HGV Befangenheit auf Grund wirtschaftlicher Interessen vor. Darum ist auch der Verhaltenskodex bei Befangenheit wieder im Gespräch.

Weiter oben auf dieser Seite gibt es folgendes zu lesen: Der HGV steht hinter den Absperr-Plänen. Auch der Einzelhandel steht hinter den Abschottungs-Plänen.

 

Die restlichen vier Kandidaten sind Einzelbewerber. Außer von Jochen Arenz hat man von ihnen bisher kaum etwas gehört. Er sitzt auch derzeit im Rathaus.

 

Fazit:

Es kandidieren also 6 Rechtsanwälte, 15 Unternehmer und Gewerbetreibende, ca. 15 Angestellte, 5 Arbeiter, 2 Juristen, 4 Lehrkörper, 8 Rentner, 3 Köche, 3 Architekten, 1 Richter, 1 Tierarzt, 1 Dipl.-Pschychologin, 1 Steuerberaterin, 1 Versicherungsfachmann, 1 Heilpraktikerin, 2 Wissenschaftler, 11 Ingenieure, 2 Mathematiker und 3 Lernende.


So sieht die aktuelle Sitzverteilung aus:


Quelle: Stadt Bad Doberan
 


Die Ostsee-Zeitung befragt die Parteien...

Kurz vor der Wahl ist bis auf Massenplakatierungen mit Gesichtern und Sprüchen von Konzepten noch nichts zu sehen.
Die ersten Flyer treffen ein und hier und da kann man von der einen oder anderen Partei mal ein paar Positionen auf ihren Webseiten finden. Grund genug, sich die Parteien einmal vorzunehmen und die drei wichtigsten Fragen zu stellen:
Umgehungsstraße? Heiligendamm? Ehrenerklärung? Die Ostsee-Zeitung fragt nach:
 


/OZ/LOKAL/DBR vom 19.05.2009 12:00
 

Antworten für Bad Doberan


1. Wie steht Ihre Partei zur Ortsumgehung?
2. Sind die Sperrungen in Heiligendamm nötig, werden Sie weitere Einschränkungen befürworten?
3. Würden Sie sich in einer Ehrenerklärung verpflichten, sich bei Abstimmungen und Gremienarbeit für befangen zu erklären, wenn sie, Angehörige oder ihr Arbeitgeber von einer Entscheidung wirtschaftlich betroffen sind?
 

SPD

1.
Der SPD-Ortsverein Bad Doberan lehnt den Bau einer Umgehungsstraße um Bad Doberan ab. Nach einer intensiven Diskussion ist dieses schon geltende Beschlusslage seit den Juni 2007. An unserer Auffassung dazu hat sich nichts geändert.


2.
Bezüglich Heiligendamm wird unsere Partei die Interessen eines Investors und das Gemeinwohl genau abwägen. Dazu gehört es auch, Kompromisse im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu finden und zu schließen.


3.
Die SPD Bad Doberans ist den Gesetzen der Bundesrepublik und des Landes Mecklenburg-Vorpommern verpflichtet. In der Kommunalverfassung Mecklenburg-Vorpommern sind die Befangenheitsregeln gesetzlich verankert. Eine gesonderte Erklärung ist aus unserer Sicht nicht erforderlich.


CDU

 

Aufgrund innerparteilicher Probleme im Zusammenhang mit der Gültigkeit der Kandidatenlisten liegt keine Antwort der CDU vor.



Die LINKE

 

1. Eine Ortsumgehung ist nicht verzichtbar. Wir bevorzugen die Nordvariante, allerdings ist uns die genaue Trassenführung nicht bekannt.
 

2. Wir sind für die Aufhebung der Sperrungen und wollen keine weiteren Wegeeinziehungen.
 

3. Wir entscheiden auf Grundlage der Kommunalverfassung. Ehrenerklärungen halten wir nicht für notwendig.



FDP

 

1.   Der Ortsverband der FDP hat beschlossen, den Tourismus als Motor der örtlichen Wirtschaft zu fördern. Tourismusförderung beginnt mit einem Konzept für Bad Doberan und Heiligendamm, das sowohl die touristische Entwicklung als auch die Verkehrsplanung umfasst. Es ist erforderlich, dass alle Seiten Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft zeigen, um Kompromisse zur notwendigen Verkehrsberuhigung der B 105 zu erreichen. Dazu benötigen wir belastbare Zahlen, um dann von einer Ortsumgehung reden zu können.


2.
Heiligendamm soll das Seebad von Bad Doberan und Wohnort für Menschen bleiben. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten muss transparent werden. Zufriedene Gäste, Patienten, Touristen und Einwohner sind Ziel der FDP. Wir werden helfen, Heiligendamm ideologiefrei und rechtsstaatlich für Klinik, Pensionsbetreiber, Hotel und Einheimische zu entwickeln. Dazu ist die widerrechtliche Sperrung von Wegen - die unmittelbar von den Haltestellen zur Seebrücke führen - nicht notwendig und demzufolge aufzuheben. Selbstverständlich in einem Seeheilbad müssen eine öffentliche Promenade und ein ganzjährig begehbarer Küstenwanderweg (alternativ) sowie ein getunnelter Stichweg für einen zumutbaren Weg für eine alternde Gesellschaft von den Haltestellen zur Seebrücke sein. Die FDP spricht sich für einen geraden Weg der Patienten zum Strand und einen geraden Weg für die Gäste und Doberaner zur Seebrücke aus.

 

3. Natürlich.


Grüne
 

1. Der Petitionsausschuss des Bundestags wird sich ziemlich scharf gegen die Umgehungsstraße aussprechen. Dieses geschieht auch mit den Stimmen der SPD- und CDU-Abgeordneten. Damit wird nach unserer Auffassung die weitere Planung der Straße zu den Akten gelegt. Die Frage ist jetzt nicht mehr: Straße ja oder nein und wo, sondern: Was können wir tun, um die Attraktivität der Stadt mit der Bundesstraße zu erhöhen? Antwort: Zum Beispiel vom EU-Projekt Shared Space der Stadt Bohmte bei Osnabrück lernen, uns dafür einzusetzen, dass die 105 mautpflichtig wird.

 

2. Unsere Landesdelegiertenkonferenz hat am 4. 12. 2005 in Greifswald folgenden Beschluss gefasst: „Bündnis 90/Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern sprechen sich gegen die Abschottung von architektonischen, landschaftlichen und kulturellen Schätzen des Landes aus. Heiligendamm ist ein solches herausragendes kulturelles und geschichtliches Erbe unseres Landes und muss daher in allen Teilen öffentlich zugänglich bleiben.“ Zu diesem Beschluss stehen wir, da die Verantwortlichen in Heiligendamm seit dem nicht stichhaltig nachgewiesen haben, dass die Abschottung des Ortes für die Wirtschaft der Region sinnvoll ist. Es ist ein Kompromiss zu suchen, mit dem alle Beteiligten leben können.
 

3. Da wir schon in der letzten Wahlperiode nach der Intention einer solchen Erklärung gehandelt haben, haben wir kein Problem, dieses auch aktenkundig zu machen.


Bürgerbund

 

1.   Selbstverständlich ist eine Verkehrsberuhigung für den Kurort Bad Doberan wichtig. Die geplanten Streckenführungen der Umgehungsstraße — egal ob Nord oder Süd — zerschneiden jedoch wertvolle Naturräume und Kulturlandschaften wie Quellental oder Althof, die als Ausflugsziele und Naherholungsgebiete für den Tourismus Bad Doberans unersetzbar sind. Daher haben wir die Initiative zum Verzicht auf die Umgehungsstraße in der Stadtvertreterversammlung unterstützt und werden uns aktiv für verkehrsberuhigende Maßnahmen im innerstädtischen Verkehr einsetzen.

 

2.   Die aktuelle Sperrung der letzten direkten Wegeverbindung vom Molli-Bahnhof zur Seebrücke zeigt deutlich, dass die bisherige, von den etablierten Parteien getragene Heiligendamm-Politik buchstäblich in eine Sackgasse führt. Ein gut ausgebautes öffentliches Wegenetz ist Grundvoraussetzung für die Entwicklung Heiligendamms zu einem gastfreundlichen und lebendigen Ort, in dem sich auch ein Fünf-Sterne-Hotel dauerhaft etablieren kann. Letztlich ist das viel bemühte Argument, die Wegesperrungen wären zum Schutz der Hotelgäste notwendig, nur der konstruierte Vorwand eines Immobilienmaklers, um günstig erworbene Villengrundstücke auf Kosten der Allgemeinheit aufzuwerten. So wird die Prof.-Dr.-Vogel-Straße zur Privatstraße und der Kleine Wohld zum Privatpark. Gegen diese Politik wird sich der Bürgerbund stark machen.
 

3.   Gerade in Hinblick auf die Heiligendamm-Politik der letzten Jahre halten wir eine solche Ehrenerklärung für längst überfällig. Der Bürgerbund ist ein Zusammenschluss engagierter Bürger, der sich unabhängig von Lobby und wirtschaftlichen Interessen Einzelner ausschließlich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Transparenz und Glaubwürdigkeit in der Kommunalpolitik sind uns wichtig. Daher würden unsere Mitglieder eine Initiative zur Ehrenerklärung unterstützen und auf jeden Fall eine solche Erklärung unterschreiben.



Bündnis für Bad Doberan

 

1. Wir lehnen eine Ortsumgehung aufgrund des Missverhältnisses zwischen den enormen Eingriffen in Umwelt und Natur sowie den horrenden Kosten einerseits und dem fraglichen bzw. lediglich spekulativen Nutzen (Beruhigung der B105) andererseits, ab.
 

2. Das Basiskonzept der ECH wurde in den Jahren 2003/2004 mit großer Mehrheit befürwortet. Da es bereits eine Reihe rechtsverbindlicher Vereinbarungen zwischen der Stadt und der ECH gibt, die dem Investor als Grundlage seiner Planungen dienen, kann die Stadt jetzt nicht völlig neue Wege beschreiten. Realistische Kompromisse begrüßen wir.

 

3. Eine derartige Erklärung würden wir aufgrund rechtlicher Bedenken so nicht unterschreiben. Die persönliche Befangenheit regelt die Kommunalverfassung unseres Erachtens eindeutiger und somit besser.



CDG

 

1. Die Stadtvertretung Bad Doberan hat in Bezug auf die geplante Ortsumgehung keine Entscheidungskompetenz. Wir solltes jedoch alles tun, damit eine sachliche und korrekte Planung zur Entscheidungsfindung erfolgt. Wichtig ist, dass die Vorgaben zur Erhaltung des Kurortstatus nicht aus den Augen verloren werden.

 

2. Wir werden uns entsprechend bestehender Verträge für die Weiterentwicklung von Heiligendamm einsetzen. Hier haben auch die Belange der hiesigen Bevölkerung einen sehr hohen Stellenwert.
 

3. Wir würden uns entsprechend der Kommunalverfassung verhalten. Alle weiteren Vereinbarungen oder Erklärungen halten wir rechtlich für bedenklich.



HGV

 

1. Der Handwerker- und Gewerbeverein spricht sich klar für eine Ortsumgehung aus. Wichtig ist, dass sich die Bürger und Besucher vom Fernverkehr unbehindert in Bad Doberan bewegen und erholen können. Die Ortsumgehung ist unverzichtbar. Ob Nord oder Süd bleibt den Umweltverträglichkeitsprüfungen vorbehalten.
 

2. Eine Aufhebung von Sperrungen gegen den Willen der ECH kommt nicht in Betracht. Sollte die ECH weitere Einschränkungen für Einheimische und Kurgäste fordern, werden wir weder prinzipiell dafür noch prinzipiell dagegen sein. Wir sind überzeugt, dass ein Kompromiss gefunden werden kann, der der ECH entgegen kommt als auch für Einheimische und Kurgäste von Vorteil ist.

 

3. Nein. Ein derartiges Ansinnen überhaupt zu diskutieren, verunglimpft sämtliche Kandidaten. Wir werden uns nicht an der beschämenden Diskussion über die Redlichkeit von Kandidaten beteiligen.

 

Einzelbewerber Jochen Arenz
 

1. Ein konsequentes Nein. Die Umgehungsstraße zerstört die Natur und schwächt den Einzelhandel in Bad Doberan. Die Natur ist das Wertvollste, was Mecklenburg- Vorpommern zu bieten hat. Wir sollten uns über jeden freuen, der die Möglichkeit hat, nach Bad Doberan zu kommen und unsere Wirtschaft durch Einkäufe zu stärken. Die Millionen für den Bau lassen sich sinnvoller einsetzen.

 

2. Es geht um den Erhalt von 300 Arbeits- und Ausbildungsplätzen, Kurtaxe und Steuereinnahmen für die Stadt, von denen wir alle, z.B. auch das Kornhaus, unsere Kindergärten, Sportvereine etc., profitieren. Es geht um Aufträge für Doberaner Gewerbetreibende wie Bäcker, Handwerker und Geschäfte. Dazu gehört auch die Sperrung der Wege. Wenn endlich Sachlichkeit einziehen würde, wären Kompromisse zum Wohle aller möglich.
 

3. Diese Erklärung ist ausdrücklich zu begrüßen. Wer gegen die Ehrenerklärung verstößt, müsste sich verpflichten, sein Mandat sofort niederzulegen. Ehrenerklärung und diese Verpflichtung sind für mich bindend, egal ob sie in Bad Doberan kommt oder nicht.

 


 

Und die ECH-Zeitung "Zukunft Heiligendamm" befragt die Kandidaten:

 


Nachgehakt: Die Pläne der Kandidaten zur Zukunft Heiligendamms

VON THOMAS BOLTE UND CHRISTIAN PLÖGER
 

Am 7. Juni wählen die Doberaner ihre neue Stadtvertretung.
Die Redaktion befragte daher die Politiker zu fünf wichtigen Themen für die kommenden fünf Jahre.
Nur der Bürgerbund verweigerte sich.


Die Politikverdrossenheit ist groß. Immer weniger Bürger nutzen ihr Recht, ihre Volksvertreter in freier Wahl zu bestimmen.

Dabei haben gerade Kommunalpolitiker viel zu entscheiden. Vor allem: Was sie tun, spürt jeder unmittelbar vor Ort.

Ob es um Schulen, Kitas oder Straßenberuhigung geht – hier sind die Stadtvertreter gefragt.

Das gilt nicht zuletzt auch für das Baurecht, von dem etwa die Weiterentwicklung von Grand Hotel und Villenensemble abhängt.

Die Redaktion hat daher Spitzenvertreter der Parteien und Einzelbewerber befragt, was sie in der neuen Wahlperiode

tun wollen, um Bad Doberan und Heiligendamm nach vorne zu bringen.

 

Der Bürgerbund war die einzige Gruppierung, die sich den Fragen verweigert

hat. Das ist umso bedauerlicher, weil der Bürgerbund die Weiterentwicklung des Seebades am kritischsten sieht.

Die Einzelkandidaten Thomas Gipp und Ulrich Ludwig haben die Fragen ebenfalls nicht beantwortet.

Soweit nicht Fotos aller Kandidaten veröffentlicht sind, haben diese der Redaktion bis zum Redaktionsschluss kein Bild zugesandt.

Die Bewerber sind in alphabetischer Reihenfolge genannt.


WORIN SEHEN SIE DIE ZUKUNFT HEILIGENDAMMS?

 

➔ Dieter Abeling,
CDG


Die Zukunft Heiligendamms sehe ich in der Erhaltung des Status Seeheilbad und in der Erlebbarkeit für
alle.

➔ Jochen Arenz,
Einzelkandidat


Heiligendamm kann sich nur im Einklang mit Einheimischen, Urlaubern,
Natur und bei wirtschaftlicher
Stabilität der touristischen Anbieter weiterentwickeln.

Dass dies möglich ist, zeigt der wunderschöne, neu geschaffene Kurpark.

Wenn die ewigen, destruktiven Streitereien
enden würden und auch der Investor seine Versprechen einhält, könnte unser Seebad zum Wohle aller endlich einen Aufschwung
nehmen.

➔ Herbert Baor,
HGV


Die Zukunft Heiligendamms sehe ich in einer kontinuierlichen Weiterentwicklung
zum Wohle aller Einwohner, Gäste, Arbeitnehmer des Hotels und der gesamten Region.

Es muss zwingend eine Weiterentwicklung
gefördert werden, die
letztendlich jedem nützt, der hier lebt und arbeitet.

➔ Anke Bitter,
Bündnis für Bad Doberan


Wir hoffen, dass es gelingt, die
Einzigartigkeit der Weißen Stadt am Meer zu erhalten.

Das ist nach unserer Auffassung nur möglich,
wenn sich Stadt und ECH als Partner akzeptieren und gemeinsam die
Entwicklung vorantreiben.

➔ Caroline Brandt,
CDU


Heiligendamm ist ein Erholungsort. Dies gilt es bei der Entwicklung des Ortsteiles immer zu beachten.

Die Zukunft Heiligendamms liegt im Bereich Erholungs- und Freizeitangebote. Gerade letztere sind ordentlich auszubauen, denn nur sie regen die Gäste auf lange Sicht zu längeren Aufenthalten an.

Die Entwicklung Heiligendamms muss
angesichts der Lage nachhaltig und schonend erfolgen, da die Attraktivität des Ortsteiles neben der Lage am
Strand auch auf seiner geringen Ausbaufähigkeit
beruht.
 

➔ Gerlinde Heimann,
Die Linke


Zur Entwicklung Heiligendamms
fehlen mir einige Informationen, insbesondere
aus Beratungen zu dieser
Problematik.

➔ Heinz Keuer,
Bündnis 90 / Die Grünen


Heiligendamm ist ein Ortsteil von Bad Doberan, und seine Bauten sind eine Sehenswürdigkeit der Region
wie auch das Münster, die Schliemanngedenkstätte
in Neubukow oder die Wismarer Altstadt. In Heiligendamm suchen Einheimische und
Gäste Erholung. Der Ort muss für alle zugänglich sein.

➔ Harry Klink,
FDP


Heiligendamm soll das Seebad von Bad Doberan und Wohnort für Menschen bleiben. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten muss transparent werden. Zufriedene Gäste, Patienten, Touristen und Einwohner sind Ziel der FDP. Wir werden helfen, Heiligendamm ideologiefrei
und rechtsstaatlich für Klinik, Pensionsbetreiber, Hotel und Einheimische zu entwickeln.
 

➔ Rainer Liermann,
Einzelkandidat


Ich halte den Verkauf von Heiligendamm an einen Investor für falsch. Dass muss korrigiert werden. Die Entwicklung Heiligendamms vollzieht
sich unabhängig von der Stadt,
nur im Interesse des Investors. Belange der Stadt werden nur in soweit berücksichtigt, wie sie im Interesse des Investors liegen.

➔ Birgit Mersjann,
SPD


In einem sehr schönen Ortsteil von Bad Doberan, der Seeheilbad, gefragter
Hotelstandort und Anziehungspunkt
für Gäste und Bad Doberaner
ist und Heimat der Heiligendammer.

 

WELCHE BEDEUTUNG HAT DAS GRAND HOTEL UND DIE WEITERENTWICKLUNG VON HEILIGENDAMM AUS IHRER SICHT FÜR BAD DOBERAN UND DIE REGION?

 

Dieter Abeling,
CDG
 

Das Grand Hotel hat für mich

eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, aber auch eine große Verantwortung in der Schaffung und Erhaltung

von Arbeitsplätzen. Des

weiteren fördert das Hotel die Bekanntheit von Bad Doberan und Heiligendamm.

 

Jochen Arenz,

Einzelkandidat
 

Es geht um den Erhalt von 300 Arbeits- und  Ausbildungsplätzen, Kurtaxe

und Steuereinnahmen für die

Stadt, von denen wir alle, z.B. auch das Kornhaus, unsere Kindergärten, Sportvereine etc. profitieren. Es geht um Aufträge für Doberaner Gewerbetreibende wie Bäcker, Handwerker und Geschäfte. Es geht um Einnahmen für „Molli“ und „Münster“ durch Fahrgäste und Besucher

des Grand Hotels. Urlauber aus der ganzen Welt sind unsere Gäste, darauf bin ich stolz.

 

Herbert Baor,
HGV
 

Das Grand Hotel und Heiligendamm sind untrennbar mit dem wirtschaftlichen Erfolg einer ganzen Region verbunden. Ohne wirtschaftlichen Erfolg des Hotels gibt es keine Weiterentwicklung in

Heiligendamm. Im Gegenteil, der Niedergang eines einmaligen Resorts wäre vorprogrammiert und eine nicht wiederkehrende Chance vertan!

 

Anke Bitter,

Bündnis für Bad Doberan
 

Ein ausgebuchtes Hotel bedeutet Sicherung

von Arbeitsplätzen, Steuereinnahmen und natürlich Kurtaxe für die Stadt, die dann für freiwillige Aufgaben verwendet werden können. Unsere Region wird als Tourismusstandort

weiter bekannt.

 

Caroline Brandt,
CDU
 

Bad Doberan ist das älteste deutsche Seebad. Tourismus ist ein mehr als nur

wesentlicher Grundpfeiler der Doberaner Wirtschaft. Aus dieser Verantwortung heraus gilt es sowohl das Grand Hotel als auch die weiteren Vorhaben

in Heiligendamm mit dem bereits in Bad Doberan und in der Region vorhandenen

Angebot zu verbinden. Heiligendamm kann ohne das Doberaner Zentrum nicht, andersherum gilt es jedoch

auch. Doberan kann ohne Heiligendamm nicht.

 

Gerlinde Heimann,
Die Linke
 

Ich kann nur darauf verweisen, wie wir uns, falls wir gewählt werden, als Fraktion zum gesamten Tourismus in unserer Region positionieren werden.

 

Heinz Keuer,
Bündnis 90 / Die Grünen
 

Das Hotel ist ein wichtiger Standortfaktor der Region, aber nicht der einzige.
 

Das Hotel sollte nach den Möglichkeiten, die die Stadtvertreterversammlung

hat, unterstützt werden.

Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Hotel ist nur

dann für die Region sinnvoll, wenn nicht gleichzeitig dadurch woanders in der Region Arbeitsplätze abgebaut

werden.

 

Harry Klink,
FDP
 

Das Grand Hotel ist einer der bedeutendsten und bekanntesten touristischen

Angebote in Bad Doberan.

Daher ist eine positive Entwicklung für uns wichtig.

Bedeutend ist das Grand Hotel dabei nicht nur als  Arbeitgeber, sondern auch als touristisches Aushängeschild.

In diesem Zusammenhang muss der Ausbau von Heiligendamm weitergehen, um

das Gesamtbild des Ortes zu verbessern.

 

Rainer Liermann,

Einzelkandidat
 

Das Grand Hotel kann nur eine

wirt schaftliche Komponente im Erholungsensemble des Ostseebades Heiligendamm und der Stadt Bad Doberan sein.

Andere weniger exquisite

Erholungseinrichtungen, müssen noch angesiedelt werden.
 

Erst das breite Tourismusangebot für alle Einkommensschichten garantiert eine Vielzahl von Arbeitsplätzen im örtlichen Dienstleistungsgewerbe.
 

Birgit Mersjann,
SPD
 

Eine große Bedeutung.

Ein florierendes Hotel gibt Bad Doberan und der Region Gäste für die Gastronomie, Kunden für die Geschäfte, Aufträge für die Handwerker und  Gewerbetreibenden

und Arbeitsplätze in den

genannten Branchen.

 

 

WIE WOLLEN SIE DAS GRAND HOTEL UND DIE ECH IN IHRER POLITISCHEN ARBEIT IN DER KOMMENDEN WAHLPERIODE BEGLEITEN?

 

Dieter Abeling,
CDG
 

Wir werden das Projekt entsprechend der vertraglichen

Vorgaben kritisch, aber auch

positiv begleiten.

 

Jochen Arenz,

Einzelkandidat
 

Ich werde das Grand Hotel

und ECH konstruktiv, aber

auch kritisch in die Pflicht

nehmen.

Jede Entwicklung, die Arbeitsplätze sichert und

sich nicht gegen Natur und

Menschen richtet, erhält von

mir die volle Unterstützung.
 

Wichtig ist das Eingehen von

Kompromissen zum Wohle

aller Beteiligten.
Dies ist machbar!

 

Herbert Baor,
HGV


Als Kommunalpolitiker habe

ich Pflichten.

Und dazu gehört auch die Unterstützung von

Unternehmen, die  Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen.
 

Somit ist logisch, dass ich

jederzeit eine Weiterentwicklung des Grand Hotels und der noch umzusetzenden Vorhaben

unterstützen werde.

 

Anke Bitter,
Bündnis für Bad Doberan
 

Durch ehrlichen  vertrauensvollen Umgang miteinander und die Rückbesinnung auf sachliche Diskurse.

 

Caroline Brandt,
CDU
 

Das Grand Hotel an sich

braucht von Seiten der Politik

keine Unterstützung mehr.


Wohl aber die für das Hotel

notwendigen ergänzenden

Angebote.

Diese sollten in verträglicher Zeit realisiert werden.
Dabei ist sowohl die Politik mit der Fassung von Beschlüssen, die die positive Entwicklung in angemessener Zeit und in verträglichem Maße fördern, als auch die ECH als Entwickler der Vorhaben gefragt.

Nur gemeinsam kann ein Erfolg für Doberan und seine Bürger erzielt werden.

 

Gerlinde Heimann,

Die Linke
 

Unsere Ziele sehen wir schon

darin, dass der Kur-,  Gesundheits- und Tourismusbetrieb

verstärkt schwerpunktmäßig

zu entwickeln ist.

 

Heinz Keuer,
Bündnis 90 / Die Grünen
 

Heiligendamm hat sich nicht

so entwickelt, wie es geplant

war und es von den Bad Doberaner Bürgern erwartet

wurde.

In den letzten Jahren standen im Mittelpunkt der  öffentlichen Diskussion eher

Schuldzuweisungen als die

Suche nach Lösungswegen.

Hier will ich Änderungen bewirken.


Gerne helfe ich Hotel und ECH, ihre Auftragsvergabe in der Region zu halten bzw. zurückzuholen
 

Harry Klink,
FDP
 

Alle Seiten müssen Gesprächsbereitschaft zeigen,

um die notwendigen Kompromisse zu erzielen.

Es geht nicht darum, Investoren Steine in den Weg zu legen, sondern Wege zu finden, den Interessen der Beteiligten so gut wie möglich gerecht zu werden.
 

Viele andere Firmen unserer

Stadt arbeiten mit uns ohne

Aufsehen gemeinsam erfolgreich und kompromissbereit.

 

Rainer Liermann,

Einzelkandidat
 

Das Ostseebad Heiligendamm

und die Stadt Bad Doberan

sind als eine sich ergänzende

touristische Einheit zu

betrachten und zu entwickeln.


Grand Hotel und die ECH

sind also nur ein Teil dieser

touristischen Einheit, genauso

wie andere vorhandene

und neu hinzukommende touristische Einrichtungen.

 

Birgit Mersjann,
SPD
 

Konstruktiv, aber auch immer

wieder hinterfragend und kritisch.

 


WIE WOLLEN SIE DIE LOKALE WIRTSCHAFT FÖRDERN UND DABEI HELFEN, NEUE ARBEITSPLÄTZE ZU SCHAFFEN UND BESTEHENDE ZU ERHALTEN?
 

Dieter Abeling,
CDG
 

Wir wollen den Bereich Kurortmanagement fördern und ausbauen.

Ebenso die Weiterentwicklung

des Klosterareals.


Denn in diesen Bereichen liegt

ein wirtschaftlicher Schwerpunkt für Bad Doberan.

 

Jochen Arenz,

Einzelkandidat
 

Unsere lokale Wirtschaft hängt

stark vom Faktor Tourismus

ab.

Auf diesem Gebiet wurde

bereits viel erreicht, aber wir

können noch mehr schaffen,

z.B. die einheitliche Vermarktung des „Produkts Bad Doberan“, ein Ausbau der Kooperationen, z.B. mit Kühlungsborn, „Molli“ und „Münster“.

Ferner ist die Grenze für die Höhe der Gewerbesteuer erreicht, mehr kann der lokalen Wirtschaft nicht zugemutet werden.

 

Herbert Baor,
HGV
 

Ein Unternehmen kann nur

erfolgreich sein, wenn es auch

eine stabile politische Basis

gibt, die sich dem Wohl der

Wirtschaft und somit in der

Konsequenz auch jedes Bürgers verpflichtet.

Daher muss sich gerade auch die Kommunalpolitik für ortsansässige Unternehmen stark machen und vernünftige Grundlagen zur Verfügung stellen!

 

Anke Bitter,
Bündnis für Bad Doberan
 

Indem wir für eine investorenfreundliche

Politik stehen und Kontakt mit Handwerkern und Gewerbetreibenden halten.

 

➔ Caroline Brandt,
CDU
 

Die vorhandenen Firmen sind

zu unterstützen, durch z.B.

Senkung der Gewerbesteuerhebesätze und der Grundsteuer bei nächster Gelegenheit.
 

Zudem ist bei Neuansiedlungen darauf zu achten, dass diese eine Ergänzung der vorhandenen Wirtschaft und nicht eine Konkurrenz darstellen.

Die Infrastruktur, Kitas und Schulen sind als notwenige Rahmenbedingungen

weiter zu verbessern.

 

Heinz Keuer,

Bündnis 90 / Die Grünen
 

Unter anderem durch Förderung regionaler Kreisläufe und Absatzwege.

Beispiel: Im Mittleren Mecklenburg gibt es viele Druckereien, die nicht angefragt wurden, die

Zeitung „Zukunft Heiligendamm“ zu drucken.

Der jetzige Druck in Kiel stärkt nicht die Wirtschaft bei uns und verursacht zusätzlichen Verkehr.
 

Hier gilt es, Einfluss auf

die Verantwortlichen in Heiligendamm zu nehmen.

 

Harry Klink,
FDP


Der Ortsverband der FDP

hat beschlossen, den Tourismus als einen Motor für die örtliche Wirtschaft vorrangig zu fördern.

Tourismusförderung beginnt mit einem Konzept für Bad Doberan und Heiligendamm, das sowohl die touristische Entwicklung als auch die Verkehrsplanung umfasst.
 

Dafür gemeinsam mit den Menschen zu arbeiten, ist immer erfolgreich.

 

Rainer Liermann,

Einzelkandidat
 

Ich bin für umweltverträgliche

Investitionen in der Stadt

und im Kreis und damit für

die Schaffung von Arbeitsplätzen, aber nur unter der Bedingung, das dass Lohnniveau den Arbeitnehmern gestattet,

davon ohne stattliche

Zuschüsse zu leben.

Es muss verhindert werden, dass die kommunalen Abgaben für die Wirtschaft (z.B. Gewerbesteuern,  Grundsteuern, Wasser-

und Abwassergebühren

usw.) steigen.

Birgit Mersjann,
SPD
 

Durch gute und nachhaltige

Beschlüsse der Stadtvertretung.

 

Gerlinde Heimann,
Die Linke
 

Es ist für uns von Bedeutung, dass bis zum Ende der Wahlperiode Sanierungs-

und Rekonstruktions-maßnahmenan den vielen maroden Häusern, insbesondere an der Perlenkette, zum überwiegenden Teil abgeschlossen sind.

Wir werden diese Vorhaben, soweit vertretbar und für die Einwohner sowie die Gäste in unserer Region akzeptierbar,

mit unserer Entscheidungsfindung unterstützen.

 


WAS SOLLTE IN HEILIGENDAMM 2014, AM ENDE DER WAHLPERIODE, KONKRET ERREICHT SEIN?
 

Dieter Abeling,
CDG
 

Es sollten die Bereiche Kinderstrand und der Bereich in Richtung Börgerende für alle erlebbar gemacht sein.

Des weiteren sollten

Freizeitangebote für Einheimische und Gäste in ausreichender Form

vorhanden sein.

Und die Perlenkette sollte fertig gestellt sein.

 

Jochen Arenz,

Einzelkandidat
 

Wenn ich hoffentlich gesund bleibe, bin ich 2014 im 49. Lebensjahr.
 

Dann möchte ich mit meinen beiden Patenkindern „Anna“ und „Moritz“ durch Heiligendamm laufen und

mich an den sanierten Villen und an den glücklichen Urlaubern erfreuen.

Bei „Coco“ werden wir ein

Eis essen, und ich werde den Kindern erzählen, dass vor fünf Jahren, als sie noch ganz klein waren, hier noch vieles

verfallen war.

Träumen ist erlaubt…

 

Herbert Baor,
HGV
 

Das Jahr 2014 sollte für Heiligendamm eine blitzsaubere Bilanz aufweisen.

Die Perlenkette muss fertig gestellt sein, die ganzjährige Erlebbarkeit und der  touristische Wert muss auf Dauer festgemacht werden.

Der internationale Bekanntheitsgrad muss gefestigt sein.

 

Heiligendamm als einzigartiges Kleinod in Mecklenburg Vorpommern muss sich mit seinen sanierten und neuzubauenden

Gebäuden weltweit präsentieren können!

 

Anke Bitter,

Bündnis für Bad Doberan
 

Die Perlenkette sollte vollständig saniert, das Hotel gut besucht sein, eine

Strandoase für unsere Einwohner sollte fertig sein, einige Zäune durch andere

Sichtbarrieren ersetzt werden, und Freizeitangebote für alle sollten bestehen, wie zum Beispiel das Thalassozentrum.

 

Caroline Brandt,
CDU
 

Auf jeden Fall sollte 2014 die Perlenkette komplett saniert sein.

Schön wäre es, wenn sich zudem das Thalassozentrum und der Bereich Ayurveda sowie die Häuser westlich des Grandhotels in der Sanierung befinden würden.

Für die Doberaner wünsche ich mir, dass sich nach Börgerende hin die Strandversorgung  bereits in der Nutzung befindet

und so die Attraktivität des östlichen Strandabschnittes gesteigert worden ist.

 

Heinz Keuer,
Bündnis 90 / Die Grünen

 

Das Versprechen der ECH ist eingelöst: Sieben weiße Perlen sind in Heiligendamm zu sehen.

Es ist eine Wegeführung

gefunden, die von Einheimischen und Gästen der kleinen und großen Beherbergungsbetriebe

akzeptiert wird.

 

Harry Klink,
FDP

 

Perlenkette saniert, Promenade und ganzjährig begehbarer Küstenwanderweg (alternativ) öffentlich, getunnelter  Stichweg für einen zumutbaren Weg für eine alternde Gesellschaft von den

Haltestellen zur Seebrücke.

Einweihungsfeiern bei Ayurveda- und Thalassozentrum,

plastische Chirurgie sowie Demmlerpalais.

Baureife für

den B-Plan 18 und den Golfplatz.

 

➔ Rainer Liermann,

Einzelkandidat
 

Ein Ostseebad, das mit der Stadt Bad Doberan ein breitgefächertes Publikum

anspricht und das die wirtschaftlichen Möglich-keiten der Stadt und des Kreises nutzt und belebt.
 

Heiligendamm darf kein Ostseebad der Luxusklasse werden, das für den

allgemeinen Tourismus und auch für die Bevölkerung von Heiligendamm und Bad Doberan gesperrt wird.

 

Birgit Mersjann,
SPD

 

Die Perlenkette sollte in neuem

Glanz an der Promenade leuchten, die weiteren  Vorhaben sollten fast fertig sein und die Heiligendammer,

Bad Doberaner und Gäste sollten sich wohlfühlen.

 

➔ Gerlinde Heimann,

Die Linke
 

Wir sind für die Standortwerbung

zur Ansiedlung kurortfreundlicher Betriebe, wir sind sehr daran interessiert, dass sich Heiligendamm zu

einem touristischen Zentrum

mit hohem Niveau entwickelt,

aber standortgerecht und ohne

Ausgrenzung.

 


Dieser Beitrag stammt aus der zweiten Ausgabe der Zeitung "Zukunft Heiligendamm.
Auf die Bilder wurde aus urheberrechtlichen Gründen verzichtet.
Hier gelangen Sie zur vollständigen Ausgabe Juni 2009.   
 


 


Der Tag danach: Bad Doberan hat gewählt.

14 alte und 11 neue Gesichter in der SVV.


Die Wahlen liegen nun ein paar Stunden zurück und die vorläufigen amtlichen Wahlergebnisse liegen vor. Die Wähler waren aufgerufen, über die Gemeinderäte bzw. Stadtvertreterversammlungen, Bürgerschaften etc. abzustimmen. Gleichzeitig wurden auch die Kreistage und das Europäische Parlament gewählt. In einigen Gemeinden stand auch die Wahl der Bürgermeister an. In Bad Doberan ging es nur um die Stadtvertreterversammlung (SVV), den Kreistag und das Europäische Parlament. Die vorläufigen amtlichen Ergebnisse - Irrtümer und Änderungen vorbehalten - können Sie nachfolgend entnehmen. 
Gelb markiert sind alle, die es in die SVV geschafft haben. Fett und kursiv markiert sind alle, die schon der alten SVV angehörten. Sind sie also auch gelb markiert, wurden sie wiedergewählt und sind sie nicht gelb markiert, müssen sie die SVV verlassen. Kursiv und normal sind alle Kandidaten markiert, bei denen es nicht für einen Einzug in die SVV gereicht hat.

 


1 Christlich Demokratische Union Deutschlands, CDU

1 Brandt, Caroline, Rechtsanwältin (Kanzlei Brandt), geb. 1973 in Rostock (WIEDERGEWÄHLT MIT 4,93%)
2 Tode, Andre, Unternehmer (AWS Tintenhaus), geb. 1980 in Rostock (KEIN SITZ, DA 0,49%)
3 Losand, Katharina, Unternehmerin (Weißer Schwan), geb. 1963 in Bad Doberan (EIN SITZ MIT 1,39%)
4 Kuchenbuch, Rolf-Peter, Prof. Dr. (Uni Rostock), geb. 1954 in Eschwege (EIN SITZ MIT 1,87%)

5 Krauleidis, Stephan Kaufmänn. Angestellter, geb. 1974 in Rostock (KEIN SITZ, DA 1,21%))
6 Zajonc, Stephanie, Angestellte (Anwaltskanzlei), geb. 1978 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,66%)

7 Seehaus, Joachim Dipl. Ing. (Rentner), geb. 1942 in Berlin (EIN SITZ MIT 1,66%)
8 Unger, Jörg, Unternehmer (Abwassertechnik Unger), geb 1974 in Kaltenkirchen (KEIN SITZ, DA 0,49%)
9 Krüger, Svea, Unternehmerin (Nagelstudio Secret Nail Art), geb . 1980 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,50%)
10 Schnippering, Michael, Angestellter, geb. 1963 in Wismar (2004 bis 2009 als sachkundiger Einwohner in der SVV) (KEIN SITZ, DA 0,84%)
11 Tode, Sandra, Einzelhandelskauffrau (AWS Tintenhaus), geb. 1975 Rostock (KEIN SITZ, DA 0,27%)
12 Sähn, Peter, Dipl.-Kaufmann (ECH und ECW), geb. 1937  in Konstadt (KEIN SITZ, DA 0,88%)
13 Schulz, Thomas, Werbekaufmann, geb. 1973 in Rostock (KEIN SITZ, DA 0,44%)


Diese SVV-Mitglieder der CDU traten nicht mehr an:
Andreas Unterfranz (kandidiert für den Kreistag)

Kati Hoffmeister (kandidiert für den Kreistag)

Brigitte Felten

 



2 Die Linke
1 Heimann, Gerlinde, Finanzwirtschaftlerin, geb. 1941 in Labes (Pommern) (2004 bis 2009 als sachk. Einwohnerin in der SVV) (WIEDERGEWÄHLT MIT 7,20%)
2 Schneider, Monika, Diplomingenieurin, geb. 1954 in Leipzig (WIEDERGEWÄHLT MIT 2,27%)
3 Keding, Friedrich, Schiffsingenieur, geb.  1938 in Rostock (WIEDERGEWÄHLT MIT 2,49%)

4 Grätz, Gunnar Diplomkulturwissenschaftler, deutsch, 1958 in Rostock (KEIN SITZ, DA 1,84%)
5 Scholz, Arnold Schiffbauer, geb. 1937 in Boizenburg (WIEDERGEWÄHLT MIT 2,29%)


Diese SVV-Mitglieder der Linkspartei treten nicht mehr an:

Heinz Paape
 



3 Sozialdemokratische Partei Deutschlands, SPD
1 Mersjann, Birgit, Juristin, geb. 1961 in Münster (WIEDERGEWÄHLT MIT 3,38%)
2 Baltzer, Ulrich, Bauingenieur, geb.  1954 in Stendal (WIEDERGEWÄHLT MIT 3,40%)

3 Zeug, Gebhard, Maschinenbauer, geb. 1947 in Stülow (WIEDERGEWÄHLT MIT 2,26%)

4 Drese, Stefanie, Rechtsanwältin (Kanzlei), geb. 1976 in Rostock  (EIN SITZ MIT 2,14%)

5 Schwarz, Kurt, Rentner, geb. 1928 in Berlin (KEIN SITZ, DA 0,71%)
6 Drese, Matthias, Rechtsanwalt (Kanzlei), geb. 1970 in Nordhausen (KEIN SITZ, DA 0,71%)
7 Weber, Harald, Dipl.-Ingenieur (Rentner), geb. 1954 in Heidenheim (KEIN SITZ, DA 0,44%)
8 Leuchert, Marta, Schülerin, geb. 1991 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,82%)
9 Wiegand-Hoffmeister, Bodo, Direktor, (Fachhochschule) geb. 1966 in Essen (KEIN SITZ, DA 0,65%)
10 Scheffler, Burkhard, Lehrer, geb. 1955 in Greifswald (KEIN SITZ, DA 1,23%)
11 Wolfgramm, Reinhard, Dipl. Ing., geb. 1949 in Greifswald (KEIN SITZ, DA 0,32%)
12 Witte, Hans-Jürgen, Rentner, geb. 1938 in Waren (KEIN SITZ, DA 0,41%)
13 Eulner, Peter, Rechtsanwalt, geb. 1961 in Hanau (KEIN SITZ, DA 0,50%)
14 Becker, Henning, Jurist, geb. 1961 in Kiel (KEIN SITZ, DA 0,19%)

 



4 Freie Demokratische Partei, FDP
1 Klink, Harry, Diplomlehrer, geb. 1955 in Zwickau (WIEDERGEWÄHLT MIT 1,86%)
2 Fritze, Hans-Jürgen Stieler, Dipl.-Ingenieur (Rentner), geb. 1941 in Rostock (KEIN SITZ, DA 0,26%)
3 Stieler, Roman, Student, geb. 1984 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,84%)
4 Wosar, Tom, Koch, geb. 1965 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,
99%)
5 Elbrecht, Lutz-Eckart, Bauingenieur, geb. 1944 Rostock (2004 bis 2009 für die DoM) (KEIN SITZ, DA 0,95%)
6 Stracke, Sylvia, Steuerberaterin, geb. 1948 in Kitzingen (EIN SITZ MIT 1,14%)
7 Heide, Christine, selbst. Heilpraktikerin, geb. 1962 Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,39%)
8 Rolfs, Stephan, Gastronom, geb. 1968 in Rostock (KEIN SITZ, DA 0,09%)
9 Giersberg, Stephan, Hotelbetriebswirt, geb. 1979 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,56%)
10 Weidt, Jan, Versicherungsfachmann, geb. 1961 in Berlin (KEIN SITZ, DA 0,55%)
11 Kolodziej, Uwe, Tierarzt (eig. Praxis), geb. 1943 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,86)
12 Gläser, Klaus-Dieter, Bauingenieur, geb. 1945 Leipzig (KEIN SITZ, DA 0,18%)
13 Peter, Lothar, Elektromeister (Fa. Lothar Peters), geb. 1946 Herrenburg (KEIN SITZ, DA 0,50%)

 



5 Bündnis 90 / Die Grünen, GRÜNE
1 Keuer, Heinz, Dipl.-Mathematiker, geb. 1954 in Neubukow (WIEDERGEWÄHLT MIT 1,49%)
2 Keueré Gyüre, Gabriella,  Dipl.-Mathematikerin, geb. 1957 in Kisvarda (Ungarn) (KEIN SITZ, DA 0,40%)
3 Will, Rolf, Landwirt, geb. 1953 in Karlsruhe (KEIN SITZ, DA 0,56%)
4 Fehmers, Elisabeth Univ.-Dipl.-Psychologin (eig. Praxis) geb. 1948 in Krefeld (KEIN SITZ, DA 0,64%)
5 Orth, René, Angestellter, geb. 1965 Kühlungsborn (2004 bis 2009 für den Bürgerbund) (KEIN SITZ, DA 1,16%)

 


 

6 Nationaldemokratische Partei Deutschlands, NPD
1 Susemihl, Dirk, Koch, geb. 1974 in Rostock (EIN SITZ MIT 2,53%)
2 Bethke, Dirk, Koch, deutsch 1969 in Kühlungsborn (EIN SITZ MIT 1,28%)

3 Dietze, Andreas, Gas-Wasser-Installateur, geb. 1984 in Rostock (KEIN SITZ, DA 0,98%)
4 Zahradnik, Stefan, Dachdecker, geb. 1983 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,85%)

 



7 Bündnis für Bad Doberan
1 Bitter, Anke Finanzkauffrau, geb. 1964 in Kühlungsborn (KEIN SITZ, DA 0,84%)
2 Schürmann, Wolfgang Vermessungstechnischer Angestellter, geb. 1963 in Crivitz (KEIN SITZ, DA 0,31%)

3 Pieplow, Frank Lehrer, geb. 1966 in Rostock (2004 bis 2009 fraktionslos) (WIEDERGEWÄHLT MIT 1,49%)
4 Paap, Siegfried,Rentner, geb. 1943 in Warnemünde (KEIN SITZ, DA 0,44%)
 



8 Bürgerbund
1 Meyer, Hannes Architekt, (Meyer Ohde Architekten), geb. 1965 in Kühlungsborn (EIN SITZ MIT 2,57%)
2 Lex, Guido Vors. Richter am Landgericht, geb. 1956 in Heidelberg (EIN SITZ MIT 2,01%)

3 Hoinkis, Heinz, Rechtsanwalt, geb. 1949 in Altheide 1,11%)
4 Behrens, Klaus-Peter, Kaufmann, geb. 1962 in Neindorf 1,41%)
5 Roggelin, Hannes, Ausbildung zum Justizfachangestellten geb. 1989 in Kühlungsborn (EIN SITZ MIT 1,49%)
6 Ohde, Heike, Architektin (Meyer Ohde Architekten), geb. 1972 in Rostock (KEIN SITZ, DA 1,06%)
7 Goldberg, Matthias Dipl.-Ing., geb. 1971 in Rostock (KEIN SITZ, DA 0,21%)
8 Zimmermann, Sabine, Unternehmerin, geb. 1970 in Rostock (KEIN SITZ, DA 0,14%)
9 Meyer, Inge,  Rentnerin, geb. 1937 in Stettin (KEIN SITZ, DA 0,26%)
10 Rehwaldt, Helge, Rentner (u.a. Buchautor), geb.  1937 in Berlin (KEIN SITZ, DA 0,42%)
11 Strebe, Carla, Architektin, geb. 1951 in Minden (KEIN SITZ, DA 0,39%)
12 von Hof, Gerda, Rentnerin, geb. 1936 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,46%)

 

Dieter Rotscheidt stand von 2004-2009 als sachkundiger Einwohner zur Verfügung.
 



9 Christlich Demokratische Gemeinschaft, CDG
1 Abeling, Dieter,  Kaufmann, geb. 1952 in Barver (KEIN SITZ, DA 0,41%)
2 Pentzien, Lutz, Unternehmer (Fa. Pentzin), geb. 1958 Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,57%)
3 Gühler, Horst, Bauingenieur (ehem. Bauamtsleiter DBR), geb. 1940 in Ramsau/Allenstein (WIEDERGEWÄHLT MIT 0,95%)

 


 

10 Handwerker- und Gewerbeverein, HGV
1 Baor, Herbert, Unternehmer (Fa. Baor), geb. 1955 in Neubukow (WIEDERGEWÄHLT MIT 4,03%)
2 Hensel, Wolfgang, Unternehmer (Fa. Hensel), geb. 1961 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,76%)
3 Ewig, Oliver, Kaufm. Angestellter,  geb. 1963 in Hamburg (KEIN SITZ, DA 0,24%)
4 Kujas, Jörn-Jens, Rechtsanwalt (eig. Kanzlei), geb. 1966 in Sande (KEIN SITZ, DA 0,71%)
5 Hopp, Christine, Ing.-Ökonom, geb. 1963 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,50%)

6 Gehrke, Uta, Augenoptikerin, (Optiker Gehrke) geb. 1969 in Brehna/Bitterfeld (EIN SITZ MIT 1,78%)
7 Kleinow, Manfred Maurermeister (Fa. Kleinow), deutsch 1959 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,86%)
8 Lange, Gerhard,  Meister für Landtechnik, geb. 1955 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 0,56%)


Diese SVV-Mitglieder des HGV treten nicht mehr an:

Ulrich Ludwig
 



11 Einzelbewerber Arenz
1 Arenz, Jochen, Heimleiter (Johanneshaus), geb. 1965 in Hilden (WIEDERGEWÄHLT MIT 2,76%)
 



12 Einzelbewerber Gipp
1 Gipp, Thomas, Diplomkaufmann, geb. 1968 in Bad Doberan (KEIN SITZ, DA 1,56%)

 



13 Einzelbewerber Liermann
1 Liermann, Rainer, Rentner, geb. 1947 in Kröpelin (KEIN SITZ, DA 0,51%)
 


 

14 Einzelbewerber Ludwig
1 Ludwig, Ulrich Rentner, geb. 1942 in Heiligendamm (KEIN SITZ, DA 1,26%)
 



Diese SVV-Mitglieder scheiden aus:

Peter Husar (DoM) Die "Doberaner Mitte" hat sich aufgelöst.
 

 

 

Diese Stadtvertreter müssen die SVV verlassen:

Michael Schnippering (CDU), Bodo Wiegand-Hoffmeister (SPD), Lutz-Eckart Elbrecht (FDP), René Orth (bisher Bürgerbund, jetzt B'90/Grüne), Klaus Peter Behrens (Bürgerbund), Inge Meyer (Bürgerbund), Dieter Abeling (CDG) und Lutz Pentzin (CDG). Außerdem Andreas Unterfranz (CDU), Kati Hoffmeister (CDU), Brigitte Felten (CDU),  Heinz Paape (Die Linke) und Peter Husar, weil sie nicht mehr kandidiert haben und Ulrich Ludwig, (HGV), der als Einzelkandidat antrat und nicht genug Stimmen bekam.

 

Diese Stadtvertreter bleiben in der SVV:

Caroline Brandt (CDU), Gerlinde Heimann (Die Linke), Monika Schneider (Die Linke), Friedrich Keding (Die Linke), Arnold Scholz (Die Linke), Birgit Mersjann (SPD), Ulrich Baltzer (SPD), Gebhard Zeug (SPD), Harry Klink (FDP), Heinz Keuer (Grüne), Frank Pieplow (bisher parteilos, jetzt BFBD), Horst Gühler (CDG), Herbert Baor (HGV) und Jochen Arenz (Einzelkandidat).

 

Diese Stadtvertreter ziehen neu in die SVV ein:

Katharina Losand (CDU), Prof. Dr. Rolf-Peter Kuchenbuch (CDU), Joachim Seehaus (CDU), Stefanie Drese (SPD), Sylvia Stracke (FDP), Dirk Susemihl (NPD), Dirk Bethke (NPD), Hannes Meyer (Bürgerbund), Guido Lex (Bürgerbund), Hannes Roggelin (Bürgerbund), Uta Gehrke (HGV)

 

Die sachkundigen Bürger werden erst später bestimmt. Bis auf weiteres sind alle vorhandenen sachkundigen Bürger nicht mehr im Amt.

 

 


Analyse nach Parteien:

 

Die SPD ist nach Stimmen die stärkste Fraktion mit 2.402 Stimmen (17,15%). Sie stellt 4 Stadtvertreter, von denen drei der alten SVV angehörten und einer neu hinzu kommt.  Ein Stadtvertreter verlässt die SVV, sodass die Ausgangslage der SPD dieselbe ist, wie in der voran gegangenen Legislaturperiode.

 

Die Linke ist nach Stimmen die zweitstärkste Fraktion mit 2.252 Stimmen (16,08%). Sie stellt 4 Stadtvertreter, die allesamt der alten SVV angehörten. Auch hier ist die Ausgangslage dieselbe, wie in der voran gegangenen Legislaturperiode.

 

Die CDU ist nach Stimmen die drittstärkste Fraktion mit 2.188 Stimmen (15,63%). Sie stellt 4 Stadtvertreter, von denen einer der alten SVV angehörte und drei neu hinzu kommen. Drei Stadtvertreter verlassen die SVV, sodass auch hier die Ausgangslage dieselbe ist, wie in der voran gegangenen Legislaturperiode. Trotz Quereleien im Vorfeld.
Nachtrag: Herr Seehaus ist der Fraktion nicht beigetreten. Damit sind es nur drei Fraktionsmitglieder.
 

Der Bürgerbund ist nach Stimmen die viertstärkste Fraktion mit 1.616 Stimmen (11,54%). Er stellt 3 Stadtvertreter, die allesamt neu hinzu kommen.

Die bestehenden drei Stadtvertreter verlassen die SVV, sodass sich in der Ausgangslage gegenüber der voran gegangenen Legislaturperiode nichts ändert. Allerdings waren Pressesprecher und 2. Stellvertreter Klaus-Peter Behrens und Parteimitglied Inge Meyer bisher die am meisten wahrgenommenen Personen neben Heike Ohde und Hannes Meyer. Hier wurden also einzelne Kandidaten abgestraft, während die Partei selbst darunter nicht leidet.

 

Der HGV ist nach Stimmen die Nummer 5 in der SVV mit 1.323 Stimmen (9,45%). Er stellt 2 Stadtvertreter, von denen einer der alten SVV angehörte und einer neu hinzu kommt. Damit hat der HGV nun einen Sitz mehr in der SVV. Die Anbandelung der ECH hat ihm also keinen Schaden zugefügt.

 

Die FDP ist nach Stimmen die Nummer 6 in der SVV mit 1.285 Stimmen (9,16%). Sie stellt 2 Kandidaten, von denen einer der alten SVV angehörte und einer neu hinzu kommt. Ein Stadtvertreter verlässt die SVV, sodass auch hier die Ausgangslage dieselbe ist, wie in der voran gegangenen Legislaturperiode.

 

Die NPD ist nach Stimmen die Nummer 7 in der SVV mit 789 Stimmen (5,63%). Sie zieht mit zwei Kandidaten neu in die SVV ein.

 

Die Grünen sind nach Stimmen die Nummer 8 in der SVV mit 594 Stimmen (4,24%). Sie stellen einen Kandidaten, der auch schon der alten SVV angehörte. Auffällig bei den Grünen ist, dass der vom Bürgerbund übergewechselte René Orth allein fast so viele Stimmen auf sich vereinen konnte, wie die drei restlichen  Kandidaten zusammen. Man sieht auch hier, dass in Bad Doberan nicht nach Partei, sondern nach Kandidat gewählt wird.

Für die Grünen ändert das nichts: Es bleibt bei Stadtvertreter Heinz Keuer in der SVV.

 

Die Nummer 9 der nach Stimmen stärksten Partei ist das Bündnis für Bad Doberan mit 432 Stimmen (3,09%).

Auch hier wurde nach Kandidaten gewählt:
Der bisher fraktionslose Frank Pieplow konnte allein fast die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen: 209 Wahlberechtigte stimmten für ihn und nur 118 für die Parteichefin Anke Bitter. Das Bündnis für Bad Doberan zieht damit gleich nach seiner Gründung erstmals in die SVV ein - mit dem altbekannten Gesicht Frank Pieplows.

 

Nummer 10 ist Einzelkandidat Jochen Arenz, der 386 Wähler überzeugen konnte und mit 2,76% noch den vorletzten Platz erreichen.

Sein Votum für Heiligendamm und seine öffentliche Präsenz machten sich bezahlt.

Er ist damit jetzt der einzige fraktionslose Stadtvertreter in der neuen SVV.

 

Die Nummer 11 der nach Stimmen stärksten Fraktion ist die CDG mit 271 Stimmen (1,94%).

Sie zieht nur noch mit einem Stadtvertreter in die SVV ein. Horst Gühler gehörte auch schon der alten SVV an und konnte 133 Stimmen auf sich vereinigen. Dieter Abeling und Lutz Pentzin konnten nicht überzeugen und verlassen die SVV. Damit bildet die CDG zwar das Schlusslicht nach Stimmen, ist aber nicht die schwächste Fraktion, da auch BFBD und Grüne nur einen Stadtvertreter stellen können.

 

Ergebnisse Bad Doberan gesamt im ÜberblichK:

 

1. SPD (17,15%)

2. Die Linke (16,08%)

3. CDU (15,63%)

4. Bürgerbund (11,54%)

5. HGV (9,45%)

6. FDP (9,16%)

7. NPD (5,63%)

8. Grüne (4,24%)

9. BFBD (3,09%)

10. Jochen Arenz (2,76%)

11. CDG (1,94%)

12. Sonstige (2,09%)

 

 

Wie hat Heiligendamm und wie Vorder Bollhagen gewählt?

 

Zuerst sei gesagt, dass jeder Wähler drei Kreuze machen durfte.

Das bedeutet, dass die Gesamtsumme der abgegebenen Stimmen nicht der Zahl der Wähler entspricht.

 

In Heiligendamm wurden 275 Kreuze gemacht. 114 gingen an den Bürgerbund, 39 an die SPD, 30 an die Linke, 20 an die FDP, 19 an die CDU, 16 an das BFBD, 11 an die Grünen, 9 an die NPD, 7 an Ulrich Ludwig, 6 an den HGV und 4 an Jochen Arenz. Die CDG, Thomas Gipp und Rainer Liermann erhielten keine Stimmen.Die meisten Stimmen überhaupt bekam Hannes Meyer vom Bürgerbund mit 47 Stimmen, gefolgt von seinem Parteikollegen Klaus Peter Behrens mit 29 Stimmen. Heiligendamm votierte also eindeutig für den Bürgerbund und gegen die Pläne der ECH. Der dritte Platz geht an Gerlinde Heimann (Die Linke) mit 16 Stimmen. Die 9 Stimmen für die NPD gingen an Dirk Susemihl (7 Stimmen) und Andreas Dietze und Stefan Zahradnik mit je einer Stimme. Das Wahllokal war in der Median-Klinik.

 

Ergebnisse in Heiligendamm im Überblick:

 

1. Bürgerbund (41,45%)

2. SPD (14,18 %)

3. Die Linke (10,91%)

4. FDP (7,27%)

5. CDU (6,91%)

6. BFBD (5,82%)

7. Grüne (4,00%)

8. NPD (3,27%)

9. Ulrich Ludwig (2,55%)

10. HGV (2,18%)

11. Jochen Arenz (1,45%)

12. Sonstige (0,00%)

 

In Vorder Bollhagen wurden 223 Kreuze gemacht . 93 von ihnen gingen an die CDU, 41 an die SPD, 31 an die Linke, 15 an den Bürgerbund, 13 an die FDP, 10 an das BFBD, 9 an die NPD, 8 die Grünen und 3 an den HGV. Die CDG und die drei Einzelkandidaten erhielten keine Stimmen. Die meisten Stimmen überhaupt erhielt Peter Sähn von der CDU, der auch kaufmännischer Leiter der ECH ist. Anno August Jagdfeld und seine Familie allein dürften das nicht hinbekommen haben - Sähn genießt auf dem Landgut des Grand Hotels scheinbar hohes Ansehen. Ihm folgen Gerlinde Heimann (Die Linke) mit 20 Stimmen, sowie Ulrich Baltzer (SPD und Caroline Brandt (CDU) mit je 12 Stimmen.

Die 9 Stimmen für die NPD konnte Spitzenkandidat Dirk Susemihl ganz auf sich vereinigen. Das Wahllokal befand sich im Gutshaus.

 

Ergebnisse in Vorder Bollhagen im Überblick:

 

1. CDU (41,70%)

2. SPD (18,39%)

3. Die Linke (13,90%)

4. Bürgerbund (6,73%)

6. FDP (5,83%)

7. BFBD (4,48%)

8. NPD (4,04%)

9. Grüne (3,59%)

10. HGV (1,35%)

11. Sonstige (0,00%)

 

Zwei Statistiken, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im kleinen Dorf Vorder-Bollhagen zeigt sich das klassische Gewinnermodell - es gewinnt die CDU oder die SPD - in dem Fall eben die CDU. An dritter Stelle ist dann immer die Linke oder der von den beiden, der nicht erster ist - in diesem Fall ist es die Linke. Der Bürgerbund kommt erst an vierter Stelle und die Einzelkandidaten spielen gar keine Rolle. Vorder Bollhagen ist konservativ mit einer leichten Tendenz nach links. So wählen Menschen, die zufrieden sind. Aber es darf nicht vergessen werden, dass die Führungspartei in der Stadtverwaltung die SPD war und die vielen CDU-Stimmen auch ein leiser Protest gegen die Politik des Bürgermeisters sein kann. In Heiligendamm bietet sich ein gänzlich anderes Bild. Der Bürgerbund gewinnt haushoch, vereint sogar auf zwei seiner Kandidaten die meisten Stimmen und drängt die Konservativen in die Ecke. Die SPD ist mit großem Abstand die Nummer zwei, gefolgt von der Linken und der FDP, die beide dafür stehen, dass es nicht noch mehr Sperrungen und Entwidmungen gibt. Die Heiligendammer stimmten eindeutig gegen das, was der ECH wichtig ist. Spätenstens jetzt dürfte klar sein, dass es nicht gut war, die Heiligendammer nicht in die Planungen einzubeziehen. Selbst die CDU - in Vorder Bollhagen noch klarer Sieger - schafft es nur auf den 5. Platz, gefolgt vom Bündnis für Bad Doberan, den Grünen und der NPD, die hier alle Stimmen auf einen Kandidaten vereinigen konnte. Gemeinsam haben beide Statistiken nur Platz 9 bei je 9 Stimmen für die NPD. Auffällig in Heiligendamm ist auch, dass hier die beiden Einzelkandidaten Ludwig und Arenz. Arenz' Engagement zahlt sich also aus.

Der HGV mit seiner Pro-ECH-Einstellung spielt in beiden Orten keine große Rolle.

In Heiligendamm wurden ihm mehr Stimmen als in Vorder Bollhagen gegeben.

 

 

Was bedeutet das für die nächsten 4 Jahre für Heiligendamm?

 

Das ist wohl die Hauptfrage nach der Wahl. An der Sitzverteilung ändert sich zunächst nicht viel:
Es bleibt bei 4 Sitzen für die SPD, für die Linke und für die CDU.

Auch die FDP und die Grünen bleiben mit je einem Sitz und mit den alten Gesichtern im Rathaus.
Der Bürgerbund stellt weiterhin drei Stadtvertreter, die aber allesamt neu in der SVV sind.
Jedoch ist kaum zu erwarten, dass sich deren Abstimmungsverhalten gegenüber ihren Vorgängern ändert.

Die CDG verliert zwei Sitze und damit zwei Leute, die hin und wieder mal für die Vorlagen der ECH gestimmt haben.
Dafür gewinnt der HGV einen Sitz hinzu, womit er einen weggefallenen Sitz der CDG kompensieren könnte, denn der HGV ist mehrheitlich Pro-ECH gestimmt. Inwieweit das auf die neue Kandidatin auch zutrifft, muss sich erst zeigen. Ebenso offen ist das Abstimmungsverhalten des BFBD (Bündnis für Bad Doberan). Wird Frank Pieplow weiterhin so stimmen, wie bisher oder ordnet er sich der Mehrheit seiner Partei unter?
Völlig offen ist auch das Verhalten der NPD. Sie hat sich bisher überhaupt nicht zu Heiligendamm geäußert. Da die NPD aber Kapital und Privateigentum nicht gerade unterstützt, könnten hier zwei neue Gegner der ECH sitzen. Jochen Arenz ist als einziger fraktionsloser Stadtvertreter nun auf sich allein gestellt. Seine Positionen haben sich ein wenig während der letzten vier Jahre geändert, sodass er sowohl bei Pro, als auch bei Contra das Zünglein an der Waage sein könnte. Peter Sähn - das sichere Pro für die ECH - hat es nicht in die SVV geschafft.
Es bleibt also alles offen.

 

Jedoch möchte ich zum Schluss noch einmal ein paar Anmerkungen zu den Kandidaten machen.

Wir haben gesehen, dass Caroline Brandt den Unmut der Bürger hervor rief, als sie diese von einer Versammlung ausschloss. In Folge kam es zu einer heftigen Diskussion, in der auch das Kandidatenlisten- Debakel der CDU wieder aufgepuscht wurde. Die CDU ging mit vielen neuen Kandidaten ins Rennen und die Spitzenkandidaten kandidierten nicht mehr für die SVV, sondern für den Kreistag. Auf der letzten Sitzung der SVV wollten Brandts Gegner eine Amtsenthebung erreichen, die aber scheiterte: Die SVV schenkte Caroline Brandt mehrheitlich das Vertrauen für diesen letzten Tag. Auch die Wähler schenkten ihr das Vertrauen: 690 Stimmen konnte sie auf sich vereinigen. Nur Gerlinde Heimann von der Linken hatte mehr Stimmen. Caroline Brandt haben also weder die CDU-Affäre, noch der Rauswurf der Bürger etwas geschadet.

 

Hingegen wurden Klaus-Peter Behrens und Inge Meyer vom Bürgerbund abgestraft. Insgesamt hat die Partei aber gewonnen, denn sie stellt nun auch ohne den sachkundigen Bürger drei Stadtvertreter. Trotz Aufklärungskampagne der ECH gab es immer noch 1.616 Kreuze für den Bürgerbund. Dem Handwerber- und Gewerbeverein hat die "Kuschel-Aktion" der ECH ebenfalls nicht geschadet. Kandidat Ulrich Ludwig trat ohnehin nicht mehr für den HGV an, sodass Uta Gehrke im Prinzip seine Nachfolgerin wurde.

Der Versuch, auch ohne das HGV-Mandat in die SVV zu kommen, scheiterte für Ulrich allerdings. Er muss die SVV verlassen.

 

Gipp und Liermann konnten sich nicht behaupten. Sie waren auch recht unbekannt und nur Gipp hat überhaupt einigermaßen flächendeckend Wahlwerbung verbreitet.

Er warb mit einem weitestgehend offenen Heiligendamm aber war auch für die Umgehungsstraße, wenngleich er eine umweltfreundliche wollte. Wie die aussehen soll, war in seiner Werbung nicht zu lesen und so konnte er auch bei den Umgehungsstraßen-Zweiflern nicht punkten.

 

Bei Frank Pieplow und René Orth wird deutlich, dass die Bad Doberaner nicht grundsätzlich für Parteien stimmen, sondern sich auf Kandidaten festlegen. Beide sind neu in ihren Parteien und konnten dort sehr gute Ergebnisse erzielen. Bei René Orth hat es nicht dazu gereicht, Fraktionschef Heinz Keuer zu übertrumpfen aber Frank Pieplow konnte sogar mehr Stimmen auf sich vereinen, als drei von vier seiner Parteifreunde zusammen. Damit sitzt hier nicht Parteichefin Anke Bitter in der SVV, sondern der bisherige Einzelkandidat und nun BFBD-Mitglied Pieplow. Es ist also nicht wichtig, welcher Fraktion die Leute angehören, solange sie in den Augen der Wähler gute Arbeit machen. Auch ein Wechsel der Fraktion hat kaum Auswirkungen auf die Bewertung durch die Wähler. So hat auch Anke Bitter sicherlich die Stimmen vieler Anhänger, die sie schon zu Zeiten ihrer Kandidatur für die Linke hatte. Anders sind die 118 Stimmen kaum zu erklären. Abgestraft wurden neben Behrens und Meyer auch Pentzin und Abeling. Sie konnten die Wähler nicht überzeugen. Für die 'CDG bedeutet das einen herben Verlust von zwei Sitzen.

 

Belohnt für ihr Engagement in Heiligendamm wurden Harry Klink (FDP), Jochen Arenz (fraktionslos) und Friedrich Käding (Die Linke). Sie dürfen in der SVV bleiben.

Die klaren Sieger der Kommunalwahlen sind jedoch die Nationaldemokraten um Dirk Susemihl. Ist Bad Doberan nun rechts? Schauen wir uns das einmal näher an:

 

 

Die NPD zieht mit zwei Stadtvertretern in die Stadtvertreterversammlung ein. Eine Analyse.

 

Zunächst einmal müssen wir die Zahlen auseinander nehmen.

 

Die NPD hat 789 Kreuze auf sich vereinigen können. 354 davon hat Dirk Susemihl bekommen, 179 gingen an Dirk Bethke, 137 an Andreas Dietze, 119 an Stefan Zahradnik.
Es wurden insgesamt 14.003 gültige Kreuze gemacht. Wie viele Wahlberechtigte es gab und wie viele von ihnen gewählt haben, trage ich an dieser Stelle noch nach.

 

Wichtig ist, dass wir uns die Wahlkreise anschauen:

 

Auf dem Buchenberg (WBZ 1 und 2 - KITA (123) und Sporthalle (77)) hat die NPD genau 200 Stimmen bekommen.

Der Buchenberg ist ein Plattenbaugebiet mit mittelmäßigem Sanierungsstand und eher tristem Umfeld.
Mehrheitlich wohnen hier ältere Leute aber es gibt auch junge Familien und Alleinstehende.
Eine Schule, ein Kindergarten, eine Kaufhalle und medizinische Angebote sind vorhanden.

Die Wohnungen auf dem Buchenberg gehören mit zu den preisgünstigsten der Stadt, sodass hier traditionell eher Gering- und Durchschnittsverdiener anzutreffen sind. Stärkste Kraft auf dem Buchenberg ist die Linke, gefolgt von der SPD und danach der CDU. Stärkste Kandidatin ist Gerlinde Heimann (Die Linke) mit 208 Stimmen.

 

In der Randlage zwischen Bahnhof und Buchenberg (WBZ 3 und 4 - KITA (70) und Kirchengemeindehaus (76)) erreichte die NPD nur noch 146 Stimmen für die NPD. An den Buchenberg grenzen die Wohngebiete "Hasenberg" und "Fuchsberg", die überwiegend as Einfamilienhäusern und einigen Mehrfamilienhäusern bestehen. Das Wohnumfeld hier ist umso weiter man nach Süden kommt umso gehobener aber auch umso abgelegener von der Infrastruktur. Die Mieten sind nur in den wenigen Mehrfamilienhäusern günstig. Die breite Masse der Häuser sind Einfamilienhäuser. Traditionell findet sich hier also der Mittelstand und nach Süden hin die lokale Oberklasse.

So dominiert in diesem Gebiet auch die SPD, gefolgt von der Linken und dann der CDU. Stärkste Kandidatin ist aber auch hier Gerlinde Heimann (Die Linke).

 

In der  Innenstadt (WBZ 9, 5 und 8 - Lessingschule (59), Gymnasium (57), Kampschule (49)) sind es gemessen an der Größe nur noch 165 Stimmen für die NPD. Der größte Teil der Stadt ist nicht umsonst in drei Wahlbezirke eingeteilt. Der Wahlbezirk 9 umfasst das Wohngebiet zwischen Dammchaussee und nordwestlichem Stadtrand und besteht aus vielen Villen, einigen Mehrfamilienhäusern. und vielen nicht zu Wohnzwecken genutzten Gebäudeeinheiten. Traditionell wohnt in den innerstädtischen Villenvierteln die lokale Oberklasse und die Mittelklasse. Erst zum Rand hin finden sich Geringverdiener. So hat der Wahlbezirk 9 dann auch der CDU die meisten Stimmen gegeben. Zweitstärkste Kraft ist die SPD, gefolgt vom Bürgerbund, der FDP und dann erst kommt die Linke. Die meisten Stimmen bekam hier Caroline Brandt.

Die NPD kam in diesem Wahlbezirk auch nur auf 59 Stimmen.

 

Im Wahlbezirk 5 sieht es schon wieder ganz anders aus. Das ist die Region um den Alexandrinenplatz herum. Dazu gehören alle Häuser zwischen Kamp und Wasserturm. Hier wohnen meistens Angestellte und Arbeiter, ein paar Selbstständige und nur wenig Geringverdiener. Stärkste Kraft ist hier die SPD, gefolgt von der CDU, dem Bürgerbund und dann kommt die Linke, gefolgt von der FDP. Stärkste Kandidaten sind hier Gerline Heimann (Die Linke) und Herbert Baor (HGV) mit jeweils 64 Stimmen. Die vielen  Gewerbetreibenden, die hier nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen, fühlen sich also durch den HGV gut vertreten. Die NPD erreichte hier nur 57 Stimmen.

 

Zum Wahlbezirk 8 gehören die Häuser um die Dammchaussee und um die Nordseite des Kamps. Hier finden sich wieder viele Villen in Privathand aber auch Villen mit mehreren Wohneinheiten. Der Standard ist hier gehoben und hier finden sich wieder die lokale Oberklasse aber auch die Durchschnittsverdiener und einige Geringverdiener.

Arbeiter und Angestellte sind hier weniger anzutreffen und wenn, dann meistens in leitender Position. Freiberufler findet man hier jedoch viele. Stärkste Kraft ist ganz traditionell die CDU, hier aber gefolgt vom Bürgerbund, dem dann die SPD folgt. Danach folgt die Linke und dann die FDP. Stärkste Kandidatin ist Gerlinde Heimann (Die Linke) mit drei Stimmen Vorsprung vor Caroline Brandt (CDU). Die NPD kam auf 49 Stimmen.

 

In der Randlage um den Stülower Weg (WBZ 7 - Musikschule) bekam die NPD 50 Stimmen.

Die Randlage ist bunt gemischt mit Leuten aller Schichten, das Wohnumfeld ist meistens gut aber die Infrastruktur - besonders die Straßen - werden vernachlässigt. Die Bewohner der Randlage sind überwiegend liberal und links. Hier gewann die FDP, gefolgt von Die Linke. Dann erst kommt die SPD und danach die CDU, gefolgt vom BB.

 

In Vorder-Bollhagen (WBZ 12 - Gutshaus) und Heiligendamm (WBZ 6 - Median-Klinik) sind es nur noch je 9, also 18 Stimmen.

Wie schon erwähnt, war in Vorder Bollhagen die CDU der klare Gewinner mit Peter Sähn als beliebtester Kandidat und in Heiligendamm der Bürgerbund mit Hannes Meyer.

 

Auf dem Kammerhof hingegen (WBZ 10 und 11 - KITA (75) und Johanneshaus(70)) sind es wieder 145 Stimmen für die NPD

Der Kammerhof ist nach Süden hin Bad Doberans preiswertestes Wohngebiet. Allerdings lassen Infrastruktur und Wohnumfeld zu wünschen übrig. Der Kammerhof ist auch der soziale Brennpunkt der Stadt, denn hier finden sich im Südteil nicht nur die Ärmsten der Stadt, sondern auch viele Ausländer und Arbeitslose. Der Kammerhof verfügt über Sozialwohnraum und hier landet sozusagen, wer sich seine Wohnung nicht mehr leisten kann. Die Gegner der NPD wissen darum und so verlaufen Demonstrationen gegen die NPD auch stets über den Kammerhof. Sehr auffällig ist in diesem Viertel auch der Kampf zwischen NPD und Linke, der darin ausartet, dann sich die beiden Parteien gegenseitig die Wahlplakate beschädigen. Stärkste Kraft im Südteil des Kammerhofes ist dann auch die Linke, gefolgt von der SPD, der CDU und dem Bürgerbund.
Danach jedoch kommt auch schon die NPD, die damit die Liberalen und Grünen abhängt.

 

Im Norden sieht es ganz anders aus. Hier stehen viele Einfamilienhäuser, wenige Wohnblöcke und eine Menge Wohnheime für betreutes Wohnen und Seniorenwohnen. Gewählt wurde hier im Johanneshaus, dessen Heimleiter Jochen Arenz ist. Er bekam hier auch 117 Stimmen und war damit mit Abstand meist gewählter Kandidat.Gewonnen hat im südlichen Kammerhofgebiet die SPD, gefolgt von der Linkspartei. Drittstärkste Kraft war die CDU, Nummer vier dann Jochen Arenz mit über 12%, der dann auch die NPD hinter sich ließ und in dieser Reihenfolge auch den HGV, die FDP und den Bürgerbund.

 

65 Stimmen sind per Briefwahl für die NPD eingegangen und müssen wohl auf alle Wahlbezirke verteilt werden.

 

 

Gründe für die Stimmen.

 

Die NPD hat in zwei Wochen vier Flyer in die Briefkästen verteilt.
 

Der erste handelte allgemein davon, wofür die NPD in Deutschland und in Mecklenburg-Vorpommern steht und was sie dort wo sie mitregieren darf schon erreicht haben will.

Der zweite Flyer stellte die Kandidaten für Bad Doberan, Ihre Ansichten und Ziele vor und der dritte und vierte Flyer wandte sich auf Plattdeutsch an die Bevölkerung und nannte ganz konkrete Missstände und Ziele: Keine Kreisgebietsreform, Entwicklung und Etablierung Bad Doberans, das Münster als Weltkulturerbe, Verzicht auf jegliche Form von Umgehungsstraßen, eine saubere und hundekotfreie Innenstadt, härteres Vorgehen gegen Schmierereien und Vandalismus und Alkoholverbot auf dem Kamp. Sie spricht in diesem Flyer noch einmal explizit die Wähler an, die mit der Verantwortungs-Zerstreuung bzgl. der Kammerhofpleite und mit dem Filz nicht einverstanden sind und wendet sich im letzten Satz an alle, die jeden Tag ihre Arbeit machen und auf ihrem Posten stehen.  

 

Die NPD konnte damit Wähler ansprechen und in einigen Gebieten konnten sich mehr und in anderen weniger Leute damit identifizieren.

Dennoch ist nicht jede Stimme ein Wähler - es waren drei Kreuze zu machen und manche haben der NPD ein Kreuz gegeben, manche zwei und manche eben auch drei.

Die Zahl der reinen NPD-Wähler liegt also irgendwo zwischen 263 und 789. Würde jedes Kreuz für die NPD nur eines von drei vergebenen sein, hätten also nur 789 Wähler die NPD gewählt, bei zwei Kreuzen pro Wähler wären es 394 Wähler und bei drei Kreuzen nur 263 Wähler. Da man aber die drei Kreuze auf einen Kandidaten vereinigen, auf zwei verteilen oder auf drei aufteilen konnte, werden wir nie erfahren, wie viele Wähler reine NPD-Wähler sind. Wir haben gesehen, dass Bad Doberan eher nach Kandidaten als nach Parteien wählt und man muss auch sehen, dass Dirk Susemihl allein schon fast die Hälfte aller NPD-Stimmen bekommen hat. Vielleicht hätte er die auch bekommen, wenn er in irgend einer anderen Partei angetreten wäre. Wir haben es bei René Orth, bei Anke Bitter und bei Frank Pieplow ja gesehen: Das Parteibuch spielt in Bad Doberan nur eine untergeordnete Rolle. Die Bad Doberaner wollen gute Arbeit und gute Ergebnisse sehen, sich vertreten und verstanden fühlen und nichts versprochen kriegen, das dann nicht gehalten wird.

Fazit:

 

Bad Doberan ist also nicht grundsätzlich braun. Die Zahl der reinen NPD-Wähler dürfte gering sein und die meisten Kreuze könnten durch Verteilung der Kreuze zu Stande gekommen sein. Allgemein war das Votum eher ein Kandidatenvotum - wenn, dann hat Dirk Susemihl gewonnen. Dennoch gehört er stimmenmäßig zu den am wenigsten gewichtigen Kandidaten, was aber als Sitz in der SVV keine Auswirkungen hat. Die NPD stellt zwei Stadtvertreter und das wäre vermeidbar gewesen, so es denn vermieden hätte werden sollen, wenn einfach mehr Leute wählen gegangen wären.

Die wahren NPD-Wähler sind all jene, die am 07.06.2009 zu Hause geblieben sind. Sie haben die NPD in die SVV gebracht - nicht die 789 Kreuze auf den Wahlzetteln allein.

Nachtrag 10.06.2009: Ich habe mir einmal die Zahlen zur Europawahl angesehen und hier hat die Stadt Bad Doberan den beiden am eindeutigsten rechtsgesinnten Parteien REP (Republikaner) und DVU (Deutsche Volksunion) nur 84 und 77 Stimmen gegeben. Bei 4.623 gültigen Stimmen sind das 1,82% und 1,67%. 5.070 Wähler haben gar nicht gewählt, 173 Stimmen waren ungültig. Gewonnen hat die CDU, gefolgt von der Partei "Die Linke" und der SPD und die Ergebnisse der beiden rechten Parteien lag auf derselben Ebene, wie die Parteien "Rentner" (1,64%), "Tierschutzpartei" (1,19%) und "Familie" (2,99%). Schwächste Kraft der fünf Bundesparteien war die FDP mit 8,59%.
Die Grünen kamen auf 6,25%. Ich würde also angesichts der Zahlen  nicht sagen, dass es sich um viele Rechts-Wähler handelt.

 

Meine Meinung:
 

Ich halte nicht viel davon, für jeden Anlass eine Partei zu gründen.
Wir haben jetzt eine Vielzahl kleiner Fraktionen in der Stadtvertreterversammlung, die nur etwas bewirken können, wenn sie sich einig sind.
Das Problem ist jedoch, dass einige dieser Kleinparteien sich aus der Unzufriedenheit mit den großen heraus gegründet haben.
Wer in seiner Partei nicht mehr klar kommt, gründet einfach eine neue, schart zwei, drei Leute um sich herum, tritt zur Wahl an, sitzt dann in der SVV und ist nicht mehr an die Positionen seiner bisherigen Parteifreunde gebunden. Er kann wenn er will gegen sie arbeiten. Ich würde in diesem Fall lieber als Einzelkandidat antreten, statt mich hinter einem Programm und zwei oder drei angesehenen Leuten als Neumensch zu tarnen. Haben die Bürger mich gemocht, wählen sie mich auch als Einzelkandidat.

Natürlich ist das ein Risiko und Ulrich Ludwig ist z.B. daran gescheitert.
Aber es ist aufrichtig, denn er hat nicht einfach eine Partei gegründet, die die Defizite der bisherigen Partei kitten soll, sondern sich allein aufgestellt.
Etwas anderes wäre es gewesen, wenn mit ihm weitere Mitglieder ausgetreten wären - drei sich einige Einzelkandidaten sind auch nicht besser.

Da kann man dann schon wieder eine Partei gründen. Aber die Arbeit muss ehrlich und aufrichtig sein - extern und auch intern.

Irgendwann erkennen sonst die Freunde des neuen Parteichefs, dass es in der ganzen Sache gar nicht um sie geht, sondern nur um die Unabgängigkeit eben des neuen Parteichefs. Sie verlassen die Partei und sie löst sich noch vor Ende der Wahlperiode auf. In den Augen der Bürger ist das Schwäche oder gar Verrat. Das Gleichgewicht verschiebt sich, Kleinstparteien verlieren das Vertrauen und eine andere Partei wird stärker.

 

In dem Fall die NPD. 
Nun liegt es an den Parteien der SVV, sich der Kritikpunkte der NPD anzunehmen und sie schnellstmöglich und konsequent zu behandeln.
Es liegt an den Parteien der SVV, ein Alkoholverbot auf dem Kamp umzusetzen, hart gegen Hundekot, Schmierereien und Vandalismus vorzugehen, auf die Umgehungsstraße und die Kreisgebietsreform zu verzichten, die Innenstadt zu entwickeln, das Münster zum Weltkulturerbe zu begleiten und die Schuldigen für die Kammerhofpleite klar zu benennen und zur Rechenschaft zu ziehen. All dies muss schnell geschehen und noch, bevor die NPD selbst Hand anlegen und sich den Erfolg in die Tasche stecken kann, wenn die SVV möchte, dass die NPD das erste und letzte Mal in der SVV sitzt. Sollte jedoch die NPD diese Dinge regeln und der Rest der SVV schlafen, werden die Wähler sich fragen, ob die NPD denn wirklich der falsche Kandidat war.

 


 


Der Wahlkampf ist vorbei und nun liegt es an der neuen SVV, Heiligendamm zum Erfolg zu führen.

 

Viel Wahlkampfgetose liegt hinter uns. Der Kampf um Posten und Positionen war in den letzten Wochen voll entbrannt.
Die ECH brachte sich in den Wahlkampf ein und musste sich dafür rechtfertigen. Sie klärte in einem Flyer auf, druckte sogar eine eigene Zeitung und tat all dies, was sie jahrelang verpasst hatte.
 

Das gab Anlass zu neuen Hoffnungen, auch wenn nach der Wahl nun wieder alles offen ist.
Zumindest ist damit auch die Option offen, dass es in Heiligendamm weiter geht.
Denn genau das tat es während des Wahlkampfes nicht.

Wir alle dürfen nun gespannt sein, ob es bei einer Provinzposse bleibt oder man das erste deutsche Seebad so behandelt, wie es es verdient. Hier noch einmal die aktuelle Grafik der Sitzverteilung in der neuen SVV:

 

 

Eines zeigt uns diese Grafik deutlich:
Der Bürgerbund allein kann auch keinen Stillstand herbei rufen. Es gibt 25 Stadtvertreter und nur drei davon stellt der Bürgerbund.

Um eine Mehrheit zu erlangen, müssen bei vollständiger Anwesenheit 13 Stadtvertreter für oder eben gegen etwas stimmen. Selbst wenn also der Bürgerbund mit seinen 3 Stadtvertretern einen Entwurf ablehnt, ist er damit in der Minderheit. Alle mehrheitlich abgelehnten Entwürfe der Vergangenheit, an denen der Bürgerbund mit seinen Kandidaten beteiligt war, bedingten also noch ganze 10 weitere Stadtvertreter, die genauso wie der Bürgerbund stimmten. Zehn Vertreter hat keine Fraktion allein. Die drei stärksten Fraktionen (SPD. Linke, CDU)  stellen jeweils 4 Stadtvertreter. Würden diese drei Fraktionen komplett gleich abstimmen, wären das 12 Stimmen. Um also eine Mehrheit zu erreichen, bedarf es nur der drei stärksten Fraktionen plus einen einzigen Stadtvertreter einer anderen Fraktion oder eben einen fraktionslosen Stadtvertreter. Es müssen also überhaupt mindestens zwei Fraktionen komplett mit der Entscheidung des Bürgerbundes überein gestimmt haben, um einen Mehrheitsbeschluss im Interesse des Bürgerbundes erzielt zu haben.

 

Oder aber SPD, CDU und Linkspartei haben komplett gegen etwas entschieden und die restlichen Fraktionen und Einzelbewerber sich dafür.

Wahrscheinlicher halte ich, dass jeder Stadtvertreter so wie es sein sollte so gestimmt hat, wie er es für sich persönlich richtig hält und dass die Beschlüsse, an denen der Bürgerbund mit drei Stimmen beteiligt war, quer durch alle Fraktionen hindurch gefasst worden sind. Darum halte ich nichts davon, nach solchen Beschlüssen mit dem Finger auf den Bürgerbund zu zeigen. Es haben auch noch andere Stadtvertreter quer durch alle Fraktionen genauso gestimmt, wie der Bürgerbund. Das sollten wir nicht ignorieren. Dieses Szenario gilt auch für jede andere Partei, der man irgend eine Blockade oder Bevorzugung nachsagt. Bei 25 Stadtvertretern in zehn Fraktionen plus Einzelposten kann schon rechnerisch keine Fraktion, keine Partei und kein Einzelkandidat allein für irgend etwas von der SVV beschlossenem in dieser Stadt verantwortlich gemacht werden.

 

In der neuen Konstellation muss sich zeigen, wohin die Mehrheiten gehen.
Es muss sich zeigen, wie das Bündnis für Bad Doberan in Zukunft abstimmt.
Bleibt Frank Pieplow sich selbst treu oder stimmt er nach Parteiinteressen ab?

 

Wird es Abstimmungsfreundschaften mit der NPD geben? Wie werden die beiden NPDler überhaupt abstimmen?

Bis heute weiß ja keiner, wie die NPD in der Frage um Heiligendamm positioniert ist - werden sie so stimmen, wie die "Etablierten", gegen die sie angetreten sind oder werden sie so stimmen, wie der Bürgerbund oder werden sie sich enthalten, da sie in der Wahlwerbung auch gegen die in ihren Augen inkompetenten Lokalparteien gewettert haben?

 

Wie auch immer: Auch 5 Stimmen sind noch keine Mehrheit und auch mit den beiden Stimmen der NPD wird keine Partei allein eine Mehrheit erzielen.
Nach wie vor sind alle Stadtvertreter als Menschen gefragt. Wie also wird es weitergehen in Heiligendamm? Und wie wird die ECH auf die neuen Umstände reagieren? Wir werden es sehen. Hier auf dieser Seite. Hier auf Zeit am Meer. 

    

Nachtrag 12.06.2009:

Jetzt werden Sie sich fragen, warum dann im März bei der Abstimmung ein Patt durch Stimmgleichheit entstanden ist.

Nun, daran haben die Eltern der Demokratie nicht gedacht: Ein Stadtvertreter war bei der Abstimmung nicht anwesend. Daran sieht man dann, welche Macht der einzelne haben kann - auch wenn er "nur" ehrenamtlich in einer Stadtvertreterversammlung sitzt. Wenn Sie also schon immer mal damit geliebäugelt haben, Demokratie aktiv mitzugestalten und bisher glaubten, nichts bewirken zu können, dann haben Sie jetzt ein paar Jahre Zeit, um diese Einstellung zu überdenken.

Nachtrag 21.07.2009:
Wie Sie in der  Grafik sehen, hat die CDU nur drei Sitze, obwohl sie vier haben müsste.
Joachim Seehaus ist der Fraktion nicht beigetreten.
Wie genau das zusammen hängt und was es bedeutet, erfahren Sie in Kürze hier.
 


Oder doch nicht? Die Wahl wird angefochten!

Das hat es noch nicht gegeben in der Geschichte Bad Doberans. Ein Einwohner ficht die Wahl an.
Nun muss die Stadtvertreterversammlung entscheiden, ob sie die Wahl für gültig erklärt und die Arbeit aufnimmt oder sie für ungültig erklärt und Neuwahlen ansetzt. Tritt das zweite ein, dauert es sehr lange, bis wieder Entscheidungen getroffen werden können.
 


OZ/LOKAL/DBR vom 17.06.2009 12:00


Wahl in Doberan angefochten
 

Der Doberaner Martin Lemke will die Wahl zum Stadtparlament so nicht hinnehmen. Er sieht Verstöße gegen die Demokratie.
 

Bad Doberan Seine schriftlich formulierte Anfechtung der Wahl zur Stadtvertreterversammlung hat gestern Vormittag der Doberaner Martin Lemke bei Michael Zöllkau, Chef des städtischen Wahlausschusses, abgeben. Der junge Mann begründet seinen Schritt in einem mehrseitigen Papier. Kurzform: Es habe Unregelmäßigkeiten bei der Vorbereitung der Wahl durch den Ortsverband der CDU und die Wahlausschüsse gegeben. Beim Zustandekommen des Wahlvorschlages seien demokratische Prinzipien der Partei verletzt worden.

Rückblick: Als die Wahlliste Nr.1, auf der Caroline Brandt ganz oben stand, beschlossen wurde, waren einige Mitglieder vom Votum ausgeschlossen worden. Angeblich säumige Beitragszahler. Die „Ausgegrenzten“ beschlossen daraufhin, wohl auch mit Rückenwind vom Kreisvorstand, eine zweite Liste, die gleichfalls eingereicht wurde. Bizarre Situation. Zwei Listen einer Partei lässt das Gesetz nicht zu. Die Wahlausschüsse ließen die Brandtsche Fassung passieren, die zuerst eingereichte. Und die Anwältin erhielt während der Wahl sagenhafte 690 Stimmen. Auf die Anfechtung angesprochen, reagiert sie kühl: „Unsere Liste ist natürlich auf demokratische Weise zustande gekommen. Aber es hat auch jeder das Recht, dies anders zu sehen. Letztlich entscheiden die Gerichte.“ „Das gemeinsame Kreisparteigericht der CDU hatte die Liste von Frau Brandt für nichtig erklärt“ sagt kurz angebunden Henning von Storch, stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU. Und er wolle sich in dieser Sache nicht groß aus dem Fenster lehnen.

Michael Zöllkau leitet seit 1994 jeweils den Wahlausschuss, und hat eine Anfechtung noch nicht erlebt. „Auch wenn es manchmal so aussah, dass es dazu kommen könne. Weil die Ergebnisse knapp ausfielen.“ Aber im Allgemeinen richten sich Einwände gegen den Verlauf der Wahl selbst. Dieser Fall jetzt liegt ganz anders. Michael Zöllkau skizziert den weiteren Verlauf so: Zunächst muss die neue Stadtvertretung selbst über die Anfechtung entscheiden. Sagen die Abgeordneten mehrheitlich: ja, was der Herr Lemke da ins Feld führt, ist zutreffend, löst sich das Parlament faktisch selbst auf. Wird die Anfechtung abgelehnt, erhält der Einreicher eine Wahlprüfungsentscheidung, mit der er dann innerhalb eines Monates vor einem Verwaltungsgericht klagen kann. Das Stadtparlament tagt am 29. Juni.
 

PETER WEISSFLOG
 


Die Begründung des Anfechters (dessen Lebensgefährtin selbst für die CDU kandidiert hat):
 


OZ/LOKAL/DBR vom 23.06.2009 12:00


Lemke: „Demokratie ist in Gefahr“

 

Martin Lemke aus Bad Doberan hat die Kommunalwahl angefochten. Er sieht die Demokratie in Gefahr und kritisiert den Wahlausschuss.


Bad Doberan
Die Kommunalwahl in Bad Doberan ist Vergangenheit. In wenigen Tagen wird sich die neue Stadtvertreterversammlung konstituieren. Martin Lemke (28) aus Bad Doberan, Mitglied des CDU-Ortsverbandes und von Beruf Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock, hat die Wahl angefochten. Die OZ sprach mit ihm über seine Motive.


Ostsee-Zeitung:
Herr Lemke, die Spitzenkandidatin Ihrer Partei, Caroline Brandt, hat mit 690 Stimmen ein überzeugendes Ergebnis erzielt. Nur noch Gerlinde Heimann, Linke, hat mit 1008 Stimmen mehr Rückhalt in der Bevölkerung. Warum fechten Sie als CDU-Mitglied die Wahl an?


Martin Lemke:
Das Wahlergebnis spricht für Frau Brandt und zeigt, dass sie großen Rückhalt bei den Doberanern hat. Das ist in Ordnung und spricht auch für die CDU. Die Wahl wäre wohl aber noch wesentlich besser ausgefallen, wenn der Ortsverband eine Liste gefunden hätte, die von allen seinen Mitgliedern getragen wird. Und trotzdem muss die Wahl angefochten werden.


OZ:
Warum?


Lemke:
Weil die Parteien sich an die demokratischen Spielregeln halten müssen. Einerseits ist die Wahlliste der CDU unter Verletzung der innerparteilichen Demokratie zustande gekommen, und andererseits sind die Entscheidungen des Gemeindewahlausschusses und des Kreiswahlausschusses zu den Wahlvorschlägen der CDU aus meiner Sicht — und aus Sicht anderer Unionsmitglieder — nicht mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik vereinbar.

OZ:
Das sind schwere Vorwürfe. Erläutern Sie das bitte.


Lemke:
Frau Brandt hat bei der Versammlung zur Aufstellung der Kandidatenliste mehreren CDU- Mitgliedern das Stimmrecht entzogen, auch meiner Lebensgefährtin. Der Begründung nach, weil es sich bei den kurz zuvor in die CDU Aufgenommenen nicht um ,ordentliche Parteimitglieder‘ gehandelt hätte. Das ist schlichtweg falsch: Ich selbst bin erst im März Mitglied der CDU geworden, wurde aber schon lange vor der genannten Versammlung zur Kommunalwahl sogar vom Bundesvorstand der CDU schriftlich als Mitglied begrüßt. Damit habe selbst ich unstrittig über alle Rechte und Pflichten eines Partei-Mitgliedes verfügt.

OZ:
Sie sind also sauer, weil Ihre Lebensgefährtin nicht mit abstimmen durften?


Lemke:
Ich bin sauer, weil unsere Demokratie aus persönlicher Eitelkeit mit Füßen getreten wurde, und der Gang zur Wahl damit lächerlich gemacht wird. Mein persönlicher Ärger spielt aber gar keine Rolle. Viel problematischer ist: Am Ende dieser Sitzung gab es eine Wahlliste des CDU-Ortsverbandes, die wegen des Stimmrechtsentzugs nicht der Satzung der CDU entsprechend zustande gekommen war und damit keine Gültigkeit besaß.


OZ:
Dies wird sicher zuerst innerparteilich zu klären sein.

Lemke:
Innerparteilich ist das bereits geklärt. Es gibt ein Parteiurteil: Frau Brandts Liste wurde klar für ungültig erklärt. Das ist bindend. Doch trotz dieses Urteils war der Vertrauensmann nicht bereit, die ungültige Liste zurückzuziehen. Er hat das Urteil ignoriert, weswegen ihm jetzt der Parteiausschluss droht.


OZ:
Sie haben auch den Kreiswahlausschuss kritisiert.


Lemke:
Der Kreiswahlausschuss hat mit der Zulassung von Frau Brandts Liste falsch entschieden. Das muss ich erläutern: Nachdem sich einige Parteimitglieder über den Stimm-Entzug beim Kreisvorstand beschwert hatten, gab es zur Klärung eine zweite Versammlung des Ortsverbandes mit dem Ziel, eine gültige Liste aufzustellen. Auch hier wurde Frau Brandt für einen vorderen Listenplatz vorgeschlagen. Sie selbst lehnte aber ab. Was wir nicht wussten: Frau Brandt hatte ihre Liste zu diesem Zeitpunkt offenbar schon beim Gemeindewahlleiter namens des CDU-Ortsverbandes abgegeben.


OZ:
Und als der Rest des Ortsverbandes dann die zweite, Ihrer Auffassung nach satzungsgemäße Liste abgab, hatte der Wahlleiter ein Problem.


Lemke:
Richtig. Laut Kommunalwahlgesetz musste der Kreiswahlausschuss über die Gültigkeit der beiden eingereichten CDU-Wahlvorschläge entscheiden.


OZ:
Der Ausschuss hat die Liste Frau Brandts gültig erklärt.


Lemke:
Mit der Begründung — sinngemäß —, dass die Liste von Frau Brandt als erste eingereicht wurde. Ich habe sogar ein gewisses Verständnis für diese Entscheidung. Tatsächlich regelt das Kommunalwahlgesetz ja nicht den Umstand, dass eine Partei zwei Listen einreicht. Damit kommt dem Ausschuss ein gewisser Entscheidungsspielraum zu. Es kann aber nicht sein, dass nur nach dem Zeitpunkt des Eingangs entschieden wird. Dann könnte jedes Parteimitglied jeder Partei irgendwo im Hinterzimmer eine Liste aufstellen. Sie würde gültig werden, wenn sie nur zuerst eingereicht wird. Wenn das gültige Rechtspraxis wird, dann hört Demokratie auf zu funktionieren. Wir bräuchten schlichtweg nicht mehr zu wählen, wenn das, was uns zur Auswahl steht, nicht demokratisch zustande gekommen ist.
 

Interwiev: KLAUS WALTER

 


Die Reaktion der CDU auf die Anschuldigungen:
 


OZ/LOKAL/DBR vom 24.06.2009 12:00
 

Demokratie heißt nicht „wählen, bis es passt“


Bad Doberan Die Kommunalwahl in Bad Doberan ist mehrfach angefochten worden (OZ berichtete). Es geht um die Wahlliste des Ortsverbandes der CDU, die „unter Verletzung der Prinzipien der innerparteilichen Demokratie“ zustande gekommen sein soll. OZ sprach mit Stephan Krauleidis, Sprecher des CDU-Ortsverbandes, über die Vorwürfe.


Ostsee-Zeitung:
Herr Krauleidis, der Hauptvorwurf lautet, bei der Aufstellung der Kandidatenliste sei Mitgliedern der CDU das Stimmrecht entzogen worden.


Stephan Krauleidis:
Das stimmt so nicht. Richtig ist, dass am 11. März eine ordnungsgemäße Sitzung des Ortsverbandes stattgefunden hat, auf der eine Kandidatenlisten aufgestellt und darüber gestimmt wurde.


OZ:
Mit Frau Brandt als Spitzenkandidatin?


Krauleidis:
Richtig. Aber: Nicht sie hat sich auf den Spitzenplatz gesetzt, wie es jetzt behauptet wird, sondern sie wurde von den Mitgliedern des Ortsverbandes dafür vorgeschlagen und durch Abstimmung bestätigt.

OZ:
Trotzdem gab es dann einen Streit. Warum?


Krauleidis:
Erst bei der Abstimmung des Protokolls bemerkten wir einen Fehler. Beim Listenplatz IV hatte es zwischen Ja- und Nein-Stimmen eine Pattsituation gegeben, die aber falsch bewertet worden war. Daher wurde für Listenplatz IV eine Nachwahl nötig, zu der wir — um die Fristen zur Abgabe der Wahlvorschläge zu wahren — zum 25. März einluden. Zu dieser Versammlung kam dann eine Reihe neuer Gesichter, die zuvor keinen Kontakt zum Ortsverband hatten.

OZ:
Und diese Mitgliedschaft hat Frau Brandt bezweifelt und den „neuen Gesichtern“ das Stimmrecht entzogen?


Krauleidis:
Das stimmt nicht. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied. Nur erfolgt in der Regel die Neuaufnahme über den Ortsverband; insofern waren wir schon überrascht. Tatsächlich wurden die neuen Mitglieder über den Kreisverband aufgenommen, was eigentlich unüblich ist. Der Ortsverband hatte lediglich ein Fax mit den Namen bekommen, und sollte zwischen einem Freitagabend und Sonntag zustimmen — also ohne Chance, eine ordentliche Sitzung abzuhalten. Trotzdem hat den Neuen niemand das Stimmrecht entzogen.


OZ:
Sondern?

Krauleidis:
Die Versammlung am 25. März hat ordnungsgemäß mit der Abstimmung über die Tagesordnung begonnen. Es gab nur den einen Punkt: Nachwahl zum Listenplatz IV. Hier gab es keinerlei Widersprüche. Und als die neuen Mitglieder bemerkten, dass es nur um diesen einen Listenplatz geht, verließen die ersten die Versammlung.


OZ:
Was glauben Sie, steckt dahinter?


Krauleidis:
Das wird mit Sicherheit innerparteilich geklärt werden müssen. Offenbar ist es aber so, dass sich der Kreisverband mehr Einflussnahme auf den Ortsverband wünscht, und die über die Neuaufnahmen zu realisieren versuchte. Aber Demokratie heißt nicht, Mehrheiten verändern und wählen, bis es passt.


Interview: KLAUS WALTER

 


Zwei weitere Anfechtungen folgen:
 


OZ/LOKAL/DBR vom 23.06.2009 12:00
 

Schon drei Anfechtungen zur Wahl
 

Bad Doberan Martin Lemke aus Bad Doberan ist nicht der einzige, der die Kommunalwahl in der Münsterstadt angefochten hat. „Es liegen inzwischen zwei weitere Anfechtungen vor“, sagt Gemeindewahlleiter Michael Zöllkau. „Alle beziehen sich auf den selben Sachverhalt.“ Mit den Anfechtungen ist die Wahl nicht automatisch ungültig, erläutert Zöllkau. Zunächst hat die neue Stadtvertreterversammlung die Möglichkeit, über die Gültigkeit der Anfechtungen zu entscheiden. Stimmt sie zu, muss neu gewählt werden. Stimmt sie nicht zu, entscheidet der Wahlprüfungsausschuss und berichtet darüber in der folgenden Stadtvertretersitzung. Erklärt auch der Prüfungsausschuss die Wahl für gültig, müssen die Beschwerdeführer Klage beim Verwaltungsgericht einreichen. Dann haben aber auch die gewählten Stadtvertreter das Recht auf Gegenklage.

 


 


OZ/LOKAL/DBR vom 24.06.2009 12:00


Neue Stadtvertretung konstituiert sich am Montag

 

Am Montag tritt die neue Stadtvertreterversammlung zur konstituierenden Sitzung zusammen.
Doch vor den Wahlen der einzelnen Gremien steht die Abstimmung über die Gültigkeit der Wahl.

 

Bad Doberan Montag, 29. Juni, 18.15 Uhr: Das ist der wohl wichtigste Termin in den kommenden fünf Jahren der Bad Doberaner Kommunalpolitik. Auf der konstituierenden Sitzung der neu gewählten Stadtvertreterversammlung werden buchstäblich die Weichen gestellt. Ziemlich oben auf der Tagesordnung steht die Wahl der Stadtvertretervorsteherin sowie ihrer beiden Stellvertreter. Namen nennen die Sitzungsunterlagen nicht, sie sollen erst in der laufenden Sitzung bekanntgegeben werden. In der vergangenen Legislaturperiode hatte zuerst Anke Bitter (ehemals Linke) das Amt der Parlaments-Chefin inne. Sie trat zum Jahreswechsel 2008/09 zurück, und kam damit einem Abwahlantrag zuvor. Ihren Platz nahm Caroline Brandt (CDU) ein. Auch sie musste in der letzten Sitzung einen Abwahlantrag hinnehmen, der jedoch keine Mehrheit fand.

Gewählt werden sollen auch die Stellvertreter des Bürgermeisters. Für den 1. Stellvertreter gibt es bislang nur einen Kandidaten: Norbert Sass.
Als 2. Stellvertreter wird Gerhart Kukla gehandelt.

 

Ebenfalls durch Wahl bestimmt wird die Besetzung der verschiedenen Ausschüsse, die — je nach Zuständigkeit — wesentlichen Einfluss auf die Beschlüsse der Stadtvertreterversammlung haben: Hauptausschuss (8 Mitglieder), Finanzausschuss (7), Rechnungsprüfungsausschuss (3) sowie die Ausschüsse für Stadtentwicklung (7), Wirtschaft (7), Bildung, Soziales, Kultur, Sport, Jugend und Senioren (7), wobei neben den gewählten Stadtvertretern auch „sachkundige Bürger“ in die Ausschüsse gewählt werden können. Bestimmen müssen die neuen Stadtvertreter auch die Mitglieder des Aufsichtsrates für die kommunale Wohnungsbau- und Investitionsgesellschaft (WIG). Der Aufsichtsrat hat fünf Mitglieder. Vor allem aber steht die Abstimmung über die Gültigkeit der Kommunalwahl. Bislang gibt es drei Anfechtungen. Alle drei wenden sich gegen das Zustandekommen der CDU-Wahlliste (siehe auch Interview oben und OZ von gestern). Eine der Einwendungen wendet sich zusätzlich gegen eine „Diffamierungskampagne bis in den persönlichen Schutzbereich gegen die Liste des Bürgerbundes durch das Privatunternehmen ECH“. Der Einwender beklagt, dass durch die ECH falsche Tatsachen verbreitet worden seien, die das Wahlverhalten beeinflusst hätten.

kw

 


Was sind eigentlich "falsche Tatsachen"? Tatsachen sind doch eigentlich immer tatsächlich, also eine sachlich richtige Beschreibung der Tat.
Möglicherweise bezieht sich der Antragsteller hier auf die "Fakten zu Heiligendamm", in der die ECH mit gleichermaßen persönlichen Mitteln arbeitete, wie der Bürgerbund in der Wahlwerbung. Ganz offensichtlich kommt dieser Antrag also vom Bürgerbund. Und da gesagt wird, dass sich eine der Einwendungen gegen die Wahl zusätzlich gegen die "Diffamierung" wendet, wissen wir nun auch, woher Wahlanfechtung Nummer zwei kommt: Vom Bürgerbund. Da die ECH persönlich nur Klaus-Peter-Behrens in ihrem Flyer erwähnt hat, kann man auch denken, von welchem Bürgerbund-Vertreter genau die Anfechtung kommt. Klaus-Peter Behrens hat es knapp nicht mehr in die neue SVV geschafft. Eine Neuwahl könnte das ändern und könnte zugleich andere Kandidaten, die den Plänen der ECH aufgeschlossener gegenüber stehen aber nur knapp in die SVV gekommen sind, wieder heraus fegen. Geht es also gar nicht um die CDU? Das muss sich dann zeigen.
Der Termin jedenfalls wurde wegen eines Formfehlers auf den 06.07.2009 verschoben.


Der Bürgerbund bekommt seine Chance zur Erhaltung der Bausubstanz.

Heiligendamm hat zwei Waldkirchen, von denen eine dringend saniert werden müsste. Die ECH hat sie zwar für 60 Jahre gepachtet und die Umgebung und Teile des Kirchbaus in Ordnung gebracht aber das Geld für eine Sanierung kann auch sie nicht aufbringen. Darum hat sich ein Verein gegründet, dem auch hochrangige Mitglieder der ECH bzw. FUNDUS angehören und der Geld für die Sanierungen sammelt und auf den Zustand aufmerksam macht. Siegfried Paap aus Heiligendamm ist einer von ihnen.
Der Bürgerbund wirbt für den Erhalt der Bausubstanz in Heiligendamm und Paap erkennt seine Chance und greift zur Klingelbüchse:

 


OZ/LOKAL/DBR vom 26.06.2009 12:00
 

Paap fordert Hilfe für Kirche
 

Heiligendamm Einen Offenen Brief an die Mitglieder der Bürgerbundes schrieb Siegfried Paap, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Waldkirchen im Ostseebad Heiligendamm. Darin heißt es „... in ihren Wahlversprechen haben Sie unter anderem proklamiert, dass Sie sich gegen die weitere Zerstörung der wertvollen Bausubstanz in Heiligendamm stellen wollen.“ Paap fordert nun vom Bürgerbund Unterstützung bei der Erhaltung der Waldkirchen ein.

Der Verein habe sich im Jahre 2004 gegründet, um den weiteren Verfall der damals schon zum Abriss freigebenen katholischen Waldkapelle zu verhindern. Dies sei bislang durch privates Engagement gelungen. Dennoch: „Leider ist sie aber nach wie vor einsturzgefährdet und kann deshalb nicht genutzt werden.“ Laut Gutachten würde die Sanierung des katholischen Gotteshauses 350 000 Euro kosten — Spendengelder sind nötig, Zuschüsse und Fördermittel. An den Bürgerbund gewandt, formuliert Paap: „Bitte unterstützen Sie unseren Verein durch finanzielle Zugaben und Spendenaufrufe an Ihre Wähler, damit dieses Bauwerk von Möckel im öffentlichen Kurwald für alle Heiligendammer, Doberaner und Gäste erhalten und möglichst auch wieder nutzbar wird.“ Damit würde in Heiligendamm eine Begegnungsstätte geschaffen, die allen Generationen und Bevölkerungsgruppen offen stünde. Und einen friedvollen Umgang „hoffentlich wieder“ möglich macht.
 

Vertreter des Doberaner Bürgerbundes waren für eine Stellungnahme gestern für OZ nicht erreichbar.

P.W.

 



Und lehnt ab.

Natürlich ist die Geschichte mit der Klingelbüchse vielleicht etwas zu kurz gedacht. Herr Paap ist außer Vereinsmitglied auch Kandidat des Bündnisses für Bad Doberan und hat sich oft positiv über die Pläne der ECH geäußert. Da es in Heiligendamm ja nur schwarz und weiß gibt, steht er damit auf der Seite der Befürworter, welche sich selbst als weiß, vom Bürgerbund aber als schwarz angesehen werden. So ist der offene Brief nicht nur ein Spendenaufruf, sondern auch ein kleines Politikum. Der Bürgerbund reagiert:
 


OZ/LOKAL/DBR vom 01.07.2009 12:00


Am Nasenring durch die Arena gezogen


Der Bürgerbund antwortete auf einen Offenen Brief von Siegfried Paap, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Waldkirchen in Heiligendamm. Dieser hatte vom Bürgerbund Hilfe zur Rettung der Gotteshäuser eingefordert. In der Antwort von Pressesprecher Klaus-Peter Behrens heißt es:

„Als uns der Brief von Herrn Paap vor einigen Tagen erreichte, prüften wir die Möglichkeiten eines Engagements, wohl wissend, dass Herr Paap dem Bürgerbund eher ablehnend gegenüber steht. Nach der öffentlichen Aufforderung in der OZ waren wir jedoch enttäuscht. Es zeugt von schlechtem Stil, wenn ein potentieller Sponsor öffentlich unter Druck gesetzt, und, bildlich ausgedrückt, am Nasenring durch die Arena gezogen wird. Die Sanierung der Waldkirchen ist eine ernste Angelegenheit und sollte nicht als politische Klamaukveranstaltung missbraucht werden. Herr Paap hat der Sache damit einen Bärendienst erwiesen; mir ist kein Fall bekannt, wo Sponsorenwerbung so funktioniert hätte. Ein Hinweis darauf, dass die ECH nach Informationen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche die katholische Waldkirche 2006 für 60 Jahre gepachtet hat, hält Herr Paap für nicht notwendig.“

 


Zwischen dem Artikel der Ostsee-Zeitung und der Veröffentlichung des Leserbriefes liegen vier Tage. Der 26. Juni war ein Freitag und der 01. Juli ein Mittwoch. Die Ostsee-Zeitung hat also allerspätestens am 25. Juni (Donnerstag) Kenntnis bekommen und den Bürgerbund zu erreichen versucht.
Am Freitag war dann die Veröffentlichung und frühestens am Freitag kann Herr Behrens dann auch erst reagiert haben. Aber auch spätestens am Dienstag, denn Mittwoch war sein Leserbrief ja schon abgedruckt. Das heißt - und darauf will ich hinaus - dass die Ostsee-Zeitung nur vier Tage Zeit hatte, um den Bürgerbund am Nasenring durch die Arena zu ziehen: Freitag, Samstag, Montag und Dienstag. Da Samstag, Montag und Dienstag nach meinen Recherchen überhaupt nichts zum Thema in der Ostsee-Zeitung zu lesen stand, muss sich Herr Behrens also auf den Artikel vom Freitag - den ersten der beiden hier - beziehen. Dieser erste und einzig Artikel ist also offenbar das, was Herr Behrens als "am Nasenring durch die Arena ziehen" ansieht und für den Bürgerbund ein Grund, das Sponsoring offenbar abzusagen. Die ECH hat die Kirche tatsächlich gepachtet.
Sie steht schließlich auf ihrem Grundstück und hätte sonst ausgeschlossen werden müssen. Ein anderer wollte die Kirche auch nicht haben, sodass die ECH sie genauso gut hätte abreißen können - wofür ja seit 2004 eine Genehmigung vorliegt.


Meiner Meinung nach ist es manchmal klüger, etwas unerwartetes zu tun, statt sich als Opfer darzustellen. Wer sich selbst als Opfer darstellt, wird sich mit dieser Rolle immer mehr identifizieren und schließlich wirklich zum Opfer werden. Der Bürgerbund hätte hier die Chance gehabt, sein gerade erst gegebenes Wahlversprechen wider Erwarten vieler prompt umzusetzen. Dazu hätte er nicht unbedingt Geld als der Parteikasse nehmen oder bei den Mitgliedern sammeln brauchen, sondern er hätte über die Partei und die Kooperationen (Bürgerinitiative, Aktionsbündnis) Geld bei den Bürgern einsammeln und Leistungen bei den Unternehmern einwerben können, um die Kirche zu sanieren. Das Ergebnis wäre wirkungsvoll und bei den kommenden Wahlen hätte der Bürgerbund ein Argument, auf das er sogar mit dem Finger zeigen könnte. Nebenbei wäre das Politikum entschärft.     


 

Erste Positionen der neuen Stadtvertreter.

 

Nachgefragt bei Hannes Roggelin (Bürgerbund)

Nach der Wahl müssen die Gewählten beweisen, dass sie ihre Wahlversprechen auch einhalten können. Oft werden aus reißerischen Parolen schnell kleinere Brötchen. Grund genug, jetzt die gewählten Stadtvertreter genauer zu ihren Positionen zu befragen.

Das dachte sich auch die Ostsee-Zeitung und interviewte den jüngsten Stadtvertreter als erstes:
 


Ostsee-Zeitung | 3. Juli 2009 | Bad Doberan 
 

„Immer nur meckern bringt nichts“

Hannes Roggelin, der jüngste Abgeordnete im Doberaner Parlament, will sich in den nächsten Jahren vor allem für

junge Leute und alte Häuser in seiner Heimatstadt einsetzen.


Bad Doberan.
Er ist in Bad Doberan geboren.Mag Pferde, spielt Tenorhorn. Kennt viele Leute hier. Viele Leute kennen ihn:
Hannes Roggelin, seit der Kommunalwahl Abgeordneter – mit 19 der jüngste im Stadtparlament. Der Entschluss, sich der Wahl zu stellen, festigte sich am Jahresanfang. „Ich war ein paar Mal auf Stadtvertretersitzungen, als Zuhörer.“ Da fand er, dass einiges zu tun ist. „Immer nur meckern nichts bringt.“

Und also ging der kleine Hannes zum großen Hannes. Roggelin zu Meyer von Bürgerbund. „Ich kannte ihn, so aus dem Alltag in der Stadt.“
Und die Sache ward abgemacht. Hannes Roggelin: „Mit dem Programm des Bürgerbundes kann ich etwas anfangen. Zum Beispiel, was öffentliche Wege in Heiligendamm betrifft. Da ist in letzter Zeit einiges schief gelaufen.“
Eigentlich hatte er Polizist werden wollen. War aber krank zur Zeit der Aufnahmeprüfungen.

Lernt jetzt im zweiten Jahr den Job eines Justizfachangestellten. Schule in Güstrow, Praktikum am Amtsgericht Ribnitz-Damgarten – Abteilung Zwangsversteigerungen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und dass Doberans Parlament so einen brauchen könnte.

Manchmal sieht man ihn durch die Straßen der Münsterstadt fahren. Oben auf dem Kutschbock. Er fährt Brautpaare. Oder einfach Freunde.
Drei Pferde gehören ihm. „Hobby, Ausgleich“, sagt er. Und er musiziert. Im Bläserchor der Kirche, seit zwei Jahren. Am Wahltag war er lange auf.

Bis in die Wahlnacht. Hatte dann um 0.30 Uhr im Rathaus die endgültige Bestätigung: Ich bin drin. Glückwünsche kamen per SMS und Telefon. 

„Auch von Leuten, die ich gar nicht kenne.“ Und was, wenn nicht?! „Ja“, sagt er, „ja, ich wäre vielleicht enttäuscht gewesen.“ Überlegt einen Moment.

„Aber es wäre eine Erfahrung. Wie auch das Ergebnis eine war.“ Klingt politisch korrekt. Provoziert Konkretheit.

 

Wofür stehen Sie künftig ein, im großen Sitzungssaal des Rathauses, Herr Roggelin? „Für die Weiterführung der Bauarbeiten am Schulkomplex Kamp“, sagt er schlicht. Zweitens: Für die Erhaltung der Bausubstanz Doberans. Stichwort: Altes Moorbad. Und drittens möchte er für die Jugend der Münsterstadt einen

festen Platz. „Eine dauerhafte Einrichtung.“ Hannes Roggelin mag seine Heimatstadt sehr; das spürt man. „Die Stadt ist wunderschönmit ihren alten

Bauwerken.“ Hier das Gymnasium, dort das Münster. Und der nachfolgende Satz stellt dazu absolut keinen Gegensatz dar: „Es wäre gut gewesen, wenn noch mehr

Jugendliche in das Stadtparlament eingezogen wären.“ Und Roggelin meint das parteiübergreifend. Zweifelsfrei.

 

PETER WEISSFLOG

 


Nachgefragt bei Guido Lex (Bürgerbund)

Nun hättre die Ostsee-Zeitung nach dem jüngsten auch jeden anderen Stadtvertreter fragen können. Logisch ist, dass die neuen Stadtvertreter erst einmal am interessantesten für die Journalisten sind. Guido Lex ist einer dieser neuen.
 


/OZ/LOKAL/DBR vom 15.07.2009 12:00


Diese Stadt hat etwas Besonderes


Bad Doberan Guido Lex, Jahrgang 56. Gerade für den Bürgerbund in das Bad Doberaner Stadtparlament gewählt und während der ersten Sitzung schon das Vertrauen als Stadtvertretervorsteher erhalten. Wer ist Guido Lex?
 

In Heidelberg geboren, studierte er hier an der ältesten Universität Deutschlands Jura. Dann zog es Lex nach München, wo er eine Zeit lang als Rechtsanwalt in einer Kanzlei arbeitete, die sich auf italienische Mandanten spezialisiert hatte. Dann kam im Osten die Wende und für den Juristen der persönliche Umbruch. Er ging an die Küste. „Es hatte einen großen Reiz, in den neuen Bundesländern zu arbeiten.

Dem konnte ich mich nicht entziehen“, sagt der Vorsitzende Richter am Landgericht Rostock heute. Und dass es die Küste sein musste, hatte auch etwas damit zu tun, dass die Gattin von der See stammte, in Kiel aufwuchs.


Zunächst Wohnung in Rostock, dann lockte Bad Doberan. „Diese Stadt hat etwas Besonderes. Da ist die Nähe zum Meer, das Münster, die alte Gebäudesubstanz — nicht zu vergleichen mit vielen Kleinstädten des Westens.“ Die Sorge um Stadt und Seebad war es wohl auch, die Lex zum Bürgerbund gehen ließ. „Uns allen ist klar, dass die Problematik Heiligendamm im Vordergrund steht.“

Die Vorgänge um Deutschlands ältestes Seebad habe er schon sehr lange aufmerksam verfolgt. Und irgendwann sei ihm klar geworden, „dass es nicht ausreicht, Politik einfach nur passiv zu konsumieren.“ Es sei nicht genug, die negative Entwicklung lediglich festzustellen. „Sie muss gestoppt werden“, sagt Lex. Und da sei er beim Bürgerbund gut aufgehoben.


Zwei Söhne haben die Lex‘, 10 und 14 Jahre alt, und darüber hinaus ein gemeinsames Hobby: die Musik. Sie spielt Flöte und er freut sich, wenn er „mal den Organisten im Münster vertreten darf.“

P.W.

 


Ich denke, Sorgen brauchen wir uns erst um die Neutralität der OZ machen, wenn das dritte Interview auch einem Bürgerbund-Kandidaten gewidmet ist. Viele warten nur noch darauf.
 

 

Die Eskalation: In der Zeitung wird zum "zivilen Ungehorsam" aufgerufen.Die Folgen: Sachbeschädigung, Landesfriedensbruch und neue Zäune.

 

Manchmal sind es Dummheiten, die zur Eskalation eines Konfliktes führen. Manchmal sind es aber auch Vorsätzlichkeiten.

Möglicherweise ist in Heiligendamm eine Mischung aus beidem de Ursache: Der Vorsatz eines Leserbriefschreibers, Schaden anzurichten und die Dummheit eines Zeitungs-Mitarbeiters, diesen Aufruf zu veröffentlichen. Die Folgen jedoch sind schlimm:

 

Ausgerechnet im gerade erst fertig gestellten Kurwald - einem Kleinod der Erholung für alle Gäste des Seebades - treiben es die Gegner des Projektes auf die Spitze - und damit zu weit. Eine Bank wird mitsamt Fundament aus dem Boden gerissen und versetzt, Pflanzen ausgegraben oder zerstört und Trampelpfade getreten. Zäune und Sperren werden umgangen und ein Pressefotograf begeht Landesfriedensbruch. Eine Zeitung hetzt gegen die ECH und diese wehrt sich. Ist Heiligendamm im Krieg?

Angefangen hat alles mit diesem kleinen Leserbrief, den Sie weiter oben auch schon gelesen haben:

 


OZ/LOKAL/DBR vom 18.05.2009 12:00

Zu „Heiligendamm: Letzter Weg . . . “, OZ v. 8. Mai, schreibt Matthias Burkhardt, Börgerende:

„Ein anderes Wort als ,Schikane‘ fällt mir zu der Beseitigung des ,Stichweges‘ nicht ein. Fußgänger müssen jetzt 500 Meter Umweg auf sich nehmen. Das ist für alte oder behinderte Menschen, die vom Molli-Bahnhof oder vom Parkplatz mal an die Seebrücke wollen, sehr viel. Es fällt mir auch beim besten Willen kein vernünftiger Grund zur Beseitigung des Weges ein, ist doch die reichlich abgeschottete Jagdfeld-Trutzburg weit entfernt. Ich werde den gesperrten Weg so oft wie möglich benutzen. Ziviler Ungehorsam ist ein bewährtes Mittel des Protestes. Dass die Doberaner Stadtvertreter diese Schikane, wenn auch mit knapper Mehrheit ,abgenickt‘ haben, erstaunt mich am meisten. Vielleicht sollte die Bevölkerung bei den bevorstehenden Kommunalwahlen darauf achten, dass einige permanente ,Abnicker‘ mal abgelöst werden.“
 


Zu der Zeit war der Kurwald noch nicht fertig und der Weg noch nicht gesperrt. Vom Bahnhof aus kommend endete der alte Weg an einem Sitzrondell, auf dem Bänke stehen. Hinter den Bänken gibt es ein Beet mit Blumen und Büschen. Der Rest des Weges ab hier ist umgepflügt und mit Büschen bepflanzt. Da der neue Weg nach Osten führt und auch die Wegweiser dort hin zeigen, bestand für die ECH zunächst kein Grund, hässliche Zäune aufzustellen. Wie schon beim Bau des Hotels verließ man sich auf die Gutartigkeit der Menschen und verzichtete auf Zäune.

Von der Professor-Vogel-Straße aus wurde eine Hecke gepflanzt, damit niemand von dort aus in eine Sackgasse läuft. Die alte Beschilderung wurde entfernt. sodass es keine Irritationen gibt. In diesem Zustand wurde der Kurwald dann von der ECH an die Stadt Bad Doberan übergeben: 
 


OZ/LOKAL/DBR vom 26.05.2009 12:00
 

Kurwald übergeben


Heiligendamm
. Zwei Winter lang wurde gearbeitet, jetzt ist er fertig: Die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) meldet die Übergabe des Kurwaldes an die Stadt. Er stehe nun Heiligendammern, Bad Doberanern und ihren Gästen wieder für Spaziergänge offen. „Trotz des harten und langen Winters konnten wir die Arbeiten rechtzeitig abschließen. Bis auf die Lampen, die auf den drei Hauptwegen noch installiert werden, ist alles fertig geworden“, freut sich ECH-Geschäftsführer Hans Schlag, heißt es in der Mitteilung.

Mit der Fertigstellung des Kurwaldes erfüllte die ECH einen weiteren wesentlichen Teil des Grundlagenvertrages mit der Stadt. Die Wegeflächen werden ihr demnach kostenfrei übereignet, die gesamte Waldfläche verbleibt im Eigentum der ECH. Sie habe, so heißt es weiter, die gesamten Kosten der aufwändigen Neugestaltung übernommen. Norbert Sass, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, zeigte sich laut ECH-Darstellung bei der Übergabe sehr zufrieden mit den Arbeiten der Compagnie: „Der Kurwald ist sehr wichtig für Bad Doberan. Er ist eine wesentliche Voraussetzung für den Antrag auf dauerhafte Anerkennung als Seeheilbad. Daher sind wir sehr froh, dass er jetzt fertig gestellt ist.“ Die Wege liegen vollständig auf den historischen Trassen, wurden aber sorgfältig verbreitert, um Spaziergängern einen ungehinderten Aufenthalt zu ermöglichen. Erholungssuchenden stehen nun deutlich mehr Sitzmöglichkeiten längs der Wege zur Verfügung. Vor allem Besuchergruppen werden davon profitieren. Auf der Waldwiese nahe der katholischen Kirche ist ein Platz für öffentliche Kurveranstaltungen entstanden, der aufwändig gestaltet ist. Der Weg zum Strand, der durch den Kurwald führt, hat durch die Maßnahmen an Attraktivität gewonnen, betont die ECH.

Auf der 74 000 Quadratmetern Waldfläche wurden bereits im Herbst/Winter 2007 Rodungsarbeiten und forstliche Pflegemaßnahmen vorgenommen. Im abschließenden Arbeitszeitraum wurden nun 1 200 m Wege vollständig neu gebaut, acht Brücken über die Bachläufe geschaffen, zahlreiche Parkbänke aufgestellt, 2000 Quadratmeter Aufforstung mit Buchensetzlingen vorgenommen, zehn Solitärbäume neu sowie 550 Heckenpflanzen und 6 000 sonstige Waldstauden gepflanzt. Im Herbst werden noch 3000 Blumenzwiebeln in die Erde gebracht. An der Neugestaltung des Kurwaldes waren ausschließlich regionale Firmen beteiligt. Die Planung lag in den Händen des Büros Webersinke aus Rostock, verantwortlich für die Fertigstellung zeichneten die Landschaftsplaner der Firma Adolphi & Rose aus Wismar, deren Kompetenz etwa auch die Bundesgartenschau in Schwerin genutzt hat.
 


Über eine halbe Million Euro hat die ECH für den Kurwald ausgegeben. Er ist ein Ausgleich für den Wegfall des Waldes, der jetzt Hotelpark ist und ist fast doppelt so groß, wie der Hotelpark. Im Moment sieht er sogar noch besser als der Hotelpark aus, da der Hotelpark zur zur Hälfte gestaltet und der Rest noch nicht angelegt ist. Der Kurwald gehört zwar der ECH aber die Wegflächen werden der Stadt übereignet, damit sie öffentlich bleiben können. Das ist eine Besonderheit, die auch gleich ein neues Gesetz erforderte. Bisher gab es nämlich nur rein private oder rein öffentliche Wälder.

 

Weil aber in Heiligendamm alles irgendwie besonders ist, gibt es nun ein eigenes Gesetz, das den Kurwaldstatus genau regelt.
 

Gesetzestext folgt.


Die Freude am Kurwald wurde der ECH und der Stadt allerdings schnell wieder vermiest. Schon bei der Feierlichkeit, bei der Bürgermeister Polzin anwesend war, zeigte sich nach Augenzeugenberichten, dass der Verzicht auf Zäune nicht lange halten wird.
Ein Radfahrer quälte sich schon fast demonstrativ durch den umgepflügten Teil des alten Weges und kam der Aufforderung des Bürgermeisters, abzusteigen und den Weg zu benutzen, nicht nach. Schon bald hatte der zivile Ungehorsam ein Ausmaß erreicht, das eigentlich nicht vorstellbar ist:

 


Zukunft Heiligendamm | Ausgabe Juli 2009

Vandalismus im Kurwald


Bereits wenige Tage nach seiner Wiedereröffnung muss die Stadt im Kurwald Sachbeschädigungen verzeichnen.
Und dies leider nicht zum ersten Mal. Die Kosten trägt der Steuerzahler.

 

Die Freude aller Beteiligten war groß, als die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) am 4. Juni den neu gestalteten Kurwald in einem feierlichen Festakt

der Öffentlichkeit übergeben hat. Ob Stadtvertreter der verschiedenen Parteien oder die Repräsentanten der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) an der Spitze: Das Lob für das neue Schmuckstück Heiligendamms war einhellig.

Es dauerte jedoch nur wenige Tage, bis Vandalen die neue Landschaftsarchitektur vorsätzlich beschädigten:
Im Schutz der Dunkelheit rissen sie eine Parkbank (s. Foto) samt ihrer beiden Sockel aus dem Boden und versetzten sie.
„Da müssen mehrere am Werk gewesen sein. Denn dafür braucht man viel Kraft“, zeigt sich ECH-Geschäftsführer Hans Schlag entsetzt.

Den Schaden schätzt er auf 500 Euro, zu tragen von der Stadt Bad Doberan.
Denn die ECH hat auf ihre Kosten den Kurwald neu errichtet; für Pflege und Unterhalt ist vereinbarungsgemäß die Münster-Stadt zuständig.

Auch von Seiten der Stadtverwaltung zeigt man sich enttäuscht über die Zerstörungswut.
Ihr Hintergrund ist vielen Doberanern aber bekannt: Einige Heiligendammer kündigten jüngst öffentlich Aktionen an, die den Kurwald beschädigen.
Denn sie wollen auf einem Trampelpfad auf dem kürzesten Weg zur Professor-Vogel-Straße gelangen – gleich was ihnen dort im Weg steht, wie hier etwa die Parkbank.

„Ziviler Ungehorsam“ nennen einige diese Sachbeschädigung, die übrigens auch ein Schlag ins Gesicht der Stadtvertreter ist.

Denn sie hatten sich für die jetzige Gestaltung der Grünfläche entschieden. Im Interesse des Erhalts des Kurwaldes für Doberaner und auswärtige Gäste hat die ECH daher an der entsprechenden Stelle einen kleinen  Zaun angebracht, um weiteren Vandalismus zu verhindern. Aber bereits im Frühjahr waren dunkle Gestalten im Kurwald unterwegs. Und gruben nach Einbruch der Dämmerung frisch gesetzte Pflanzen aus. Die Suche nach den Tätern verlief, wie auch im Falle der Parkbank, bislang leider ergebnislos. ECH-Geschäftsführer Schlag schüttelt den Kopf: „Es ist sehr schade, dass dieser Wald, den wir für die Allgemeinheit errichtet haben,

von einigen wenigen mutwillig beschädigt wird.“
 

 

 

Dieser Sockel sicherte die Bank.
Vandalen haben ihn nachts aus der Verankerung im Boden gerissen.


Von Christian Plöger
 

 

Die ECH musste reagieren und errichtete einen jeweils einen Zaun am Ende des ehemaligen Weges, um die Aufforstung zu schützen und Straftaten, wie es das Betreten des Waldes außerhalb der Wege ist. Wir erinnern uns: Die Wege und Plätze sind öffentlich - der Rest ist Privatgrundstück der ECH. Das neue extra dafür gefertigte Gesetz regelt dies und bezeichnet auch das Verlassen der Wege eindeutig: Landesfriedensbruch.

Während bisher keiner so dumm war, sich bei seiner Straftat erwischen zu lassen, hatte ein Fotograf auf der Suche nach dem Fotomotiv keinen besseren Einfall, als hinter den Zaun zu kriechen und so nicht nur ein schlechtes Beispiel zu sein, sondern auch Landesfriedensbruch zu begehen:

Bildbeitrag in der Ostsee-Zeitung vom 19.06.2009 (Bildschirmfoto):


Die "Rechnung" für diese Straftat kam prompt, wurde aber erst drei Redaktionsarbeitstage später abgedruckt und erschien im Gegensatz zum fast viertelseitigen Bild nur als Leserbrief unter mehreren. Eine Reaktion darauf seitens der Ostsee-Zeitung oder des Täters erfolgte m. W. nicht.
 

/OZ/LOKAL/DBR vom 23.06.2009 12:00
 

ECH sieht keine Alternative zum Zaun
 

Zum Foto vom Zaun am gesperrten Weg zwischen dem Bahnhof Heiligendamm und der Seebrücke (OZ vom 19. 6.) schreibt Kirsten Brasche-Salinger, Pressesprecherin der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH):
 

„In der heutigen Ausgabe der Ostsee-Zeitung haben Sie einmal mehr einen einseitigen Bericht zum Thema Kurwald mit einem propagandistisch aufgemachten Foto abgedruckt, das wir so nicht stehen lassen möchten.

In Ihrer Zeitung haben Sie vor nur wenigen Wochen, nach Fertigstellung des Kurwaldes, durch den Abdruck eines Leserbriefes indirekt zum zivilen Ungehorsam durch Nichtbeachtung der neuen Wegeführung im Kurwald aufgerufen. Diesem wurde stark Folge geleistet. Täglich wurden Pflanzen zertreten und ausgerissen und sogar eine neu aufgestellte Bank aus dem Fundament gerissen, so dass ein beachtlicher Sachschaden entstanden ist. Darüber haben Sie indes leider nicht berichtet.

Die einzige Möglichkeit, diese Schäden in der Zukunft zu vermeiden, war die Errichtung des Zaunes, über den Sie berichten und dessen Aufstellung mit der Stadt sehr wohl abgestimmt ist. Wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass es sich hier nicht um eine willkürliche neue Wegeführung unsererseits handelt, sondern Wege so geschaffen wurden, wie sie durch die SVV von Bad Doberan festgelegt wurden. Überdies gibt es die Verordnung über den „Kur- und Erholungswald Heiligendamm“ des Landes MV, die in § 4 u. a. gesetzlich regelt, dass es verboten ist, die gekennzeichneten Wege zu verlassen.

Ihr Fotograf, Herr Söllner, hat für diese Aufnahme Landfriedensbruch begangen, wozu wir uns rechtliche Schritte vorbehalten. Um eine solche Perspektive zu erzielen, muss man sich schon sehr anstrengen, denn der Zaun ist nur wenige Meter breit und keine zwei Meter hoch. Ein Tourist, der durch die Prof-Vogel-Straße radelt, bemerkt den Zaun kaum, da muss ihm schon genaue Anweisung gegeben werden, wo er sich hinstellen soll. Dass jemand daran rüttelt oder wie im Gefängnis durchschaut, ist auf schlimme Art von Ihrer Seite konstruiert. Nach wie vor ist mir unverständlich, warum Sie mit allen Mitteln diese Anti-ECH-Stimmung im Doberaner Teil Ihrer Zeitung aufbauen. Warum berichten Sie nicht aus beiden Sichtweisen und kontaktieren uns/mich vor einer solchen Geschichte, damit auch unsere Sicht der Dinge in einem Beitrag zur Sprache kommt?“
 


Schauen wir uns das einmal genauer an:
 


Das ist der Zaun von der Professor-Vogel-Straße aus.

Er ist so hoch, wie links und rechts die Hecke und hinter ihm gibt es ebenfalls eine Hecke.
Das ganze macht den Eindruck, als würde es schon länger dort stehen.
Nur der abgesenkte Bordstein verrät uns, dass es nicht immer so war.



Die Spuren des zivilen Ungehorsams sind nicht zu übersehen.
Die Täter haben den recht frischen Rasen zertrampelt und steigen dann über den kniehohen Holzzaun in die Professor-Vogel-Straße. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ECH das mit einem ebenso hohen Zaun bis an die Kolonnaden heran unterbinden muss. Das was die Täter eigentlich beabsichtigen - dass die Zäune verschwinden - werden sie so nicht erreichen.



Hier auch noch einmal von der anderen Seite des ehemaligen Weges aus.
Man gelangt auf einen Platz mit Sitzmöglichkeiten, der sich nach rechts in zwei Wege gabelt.



Erst wenn man davor steht, bemerkt man die freie Fläche hinter dem Zaun.



Und erst, wenn man fast auf dem Blumenbeet steht, erkennt man hier eine durchgehende Lichtung.



Aber warum sollte man überhaupt hinter die Bänke gehen und auf das Blumenbeet latschen?
Der Wegweiser zeigt schließlich deutlich, wo es entlang geht: nach rechts.
Jeder Ortsunkundige- also jeder Urlauber, Kurgast, Hotelgast und Tagesgast - wird dem folgen.





Damit dürfte klar sein, dass solche Unsitten oder auch Straftaten wie diese und die aus dem
zweiten Bild zu 99% nur von Einheimischen gepflegt werden: Von Heiligendammern und Bad Doberanern.
Eben von jenen, die die ECH bisher in Schutz nahm, als es um die Verteidigung von Zäunen ging.
Von jenen, von denen die ECH sagte, dass nicht die paar Leute das Problem sind,
sondern die tausenden Tagesgäste, von denen man sich gestört oder belästigt fühlt..

Diese Heiligendammer und Bad Doberaner sind es letztlich,
die durch ihre Torheit für immer neue und immer höhere Zäune sorgen und dafür,
dass die ECH ihr Entgegenkommen reduziert und ihr gehörende Flächen vorzeitig sperrt.




 


Die Einheimischen jedoch begreifen nicht, was sie mit ihren fragwürdigen Taten anrichten. Sie kapieren nicht, dass letztlich sie aus ihren Abgaben und Steuergeldern die Reparaturen bezahlen, die der Vandalismus nach sich zieht. Sie begreifen nicht, dass sie mit ihrem Tun genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie erreichen wollen. Sie sehen nicht, dass der Unfug einiger weniger letztlich alle Heiligendammer und Bad Doberaner bestraft, dass er die eigenen Stadtvertreter und im Grunde die Demokratie und damit die Wähler - also sich selbst - in Frage stellt.

Sie sehen nicht, dass das Geld, das hier seitens des Investors in von ihm ursprünglich nicht gewollte Zäune gesteckt wird, bei sinnvollen Investitionen wieder fehlt. Sie begreifen ebenfalls nicht, dass jeder Reparaturaufwand, den die Stadt mit Personal und Geld bewältigen muss, zu einem Mangel an anderer Stelle führt. Diejenigen, die eigentlich dazu da sind, Bad Doberan attraktiver zu gestalten und die Attraktivität ständig zu erhalten, müssen sich nun damit beschäftigen, die Folgen von Vandalismus zu beseitigen. Die Gelder, die dafür benötigt werden, fehlen bei so wichtigen anderen Dingen, wie der Schulsanierung, dem Straßenbau, der Kultur und den Sozialausgaben. Dennoch verteidigen tatsächlich Personen öffentlich das Tun: 
 


OZ/LOKAL/DBR vom 25.06.2009 12:00

Zum Thema „Absperrung in Heiligendamm“ schreibt Birgit Koch aus Heiligendamm:
„Die ECH sollte sich auf den Ortscharakter Heiligendamms besinnen, anstatt den „55. Zaun“ wortreich zu verteidigen. Wer Hauptwege bepflanzt und absperrt, muss sich doch nicht über „zivilen Ungehorsam“ wundern. Der letzte Hauptweg vom Bahnhof Heiligendamm zur Seebrücke muss für jeden begehbar sein, der Zwangsumweg ist besucher- und anwohnerfeindlich.“
Erika Wenzel aus Bad Doberan
 


Dazu kann man dann nichts weiter tun als sich zu fragen: Sind wir in Heiligendamm im Krieg?
Jede Gelegenheit wird genutzt, um mit immer den gleichen Argumenten wider aller Erklärungen und wider besserem Wissen gegen den Investor zu wettern.

Hauptwege? Welche Hauptwege? DA IST KEIN WEG!

Der einzige Trost der ECH: Sie ist nicht das erste Opfer.
Die MEDIAN-Klinik hat diese Fehde auch schon durch. Allerdings nicht so heftig.


 

Zündstoff für neue Diskussionen: Eine Bürgschaft für Heiligendamm.


Der abrupte Ausstieg Kempinskis hat ein großes Loch in die Kasse des Grand Hotels gerissen. Die Verweigerung einiger Stadtvertreter, die letzte Beschlussvorlage erneut abzustimmen und mit einem "Ja" den Weg für die Sanierung der Perlenkette frei zu machen, macht es nicht leichter, an frisches Geld zu kommen. Die ECH braucht Geld und da der Weg über den Verkauf der Wohnungen in der Perlen derzeit durch die Stadtvertreter versperrt ist, muss das Geld aus anderen Quellen fließen. Die Banken jedoch gewähren FUNDUS keine Kredite, da die nötigen Sicherheiten - in der Regel ist ein gut laufendes Hotel ausreichend - nicht nachgewiesen werden können.

 

FUNDUS hat daher in Schwerin um eine Bürgschaft gebeten, um für die Banken kreditwürdig zu bleiben. Irgendwo ist dies auch ein Hilferuf nach Schwerin ob der verfahrenen Situation in Bad Doberan und Heiligendamm. Schwerin bürgt bis zu 4 Millionen Euro und damit entfacht eine Diskussion, die alles wieder hervor holt, was längst überwunden schien. Die Bürger verwechseln eine Bürgschaft mit einem Kredit und denken, dass Geld aus Schwerin nach Heiligendamm fließt. Das ruft Unverständnis hervor, denn Geld wird im Land derzeit in Wismar (Wadan-Werft) nötiger gebraucht. Aber es gibt auch Stimmen, die zu erklären versuchen, dass eine Bürgschaft erst dann Geld kostet, wenn der, für den gebürgt wird, die Kredite, für die gebürgt wird nicht mehr zurück zahlen kann. Doch diese Stimmen gehen unter in der Diskussion um Wege, Zäune und verletzte Gefühle.

 

Hier die erste Meldung zur Bankbürgschaft:

 


Region Bad Doberan | 01.07.2009 - 12:19:36 Stadtanzeiger am Samstag


Grand Hotel Heiligendamm: Landesbürgschaft sichert Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise

Bad Doberan/Heiligendamm. Das Grand Hotel Heiligendamm nimmt eine Bürgschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern über vier Millionen Euro in Anspruch. Damit ist sichergestellt, dass das Grand Hotel die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise bewältigen kann, die auch an ihm nicht spurlos vorübergehen. „Ich freue mich, dass das Land zu unserer gemeinsamen Verantwortung steht, das Grand Hotel als touristisches Aushängeschild des Landes und bedeutender Arbeitgeber von über 300 Beschäftigten zu unterstützen“, erklärte Anno August Jagdfeld, Geschäftsführer der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG. 

Hintergrund sind die unbefriedigenden wirtschaftlichen Ergebnisse in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise. Von ihr ist die gehobene Hotellerie landesweit in besonderem Maße betroffen. Noch bis Mitte 2008 hatte die damalige Managementgesellschaft Kempinski einen Gewinn von eineinhalb Millionen Euro für das Grand Hotel Heiligendamm prognostiziert. Stattdessen wurde ein Verlust von zwei Millionen Euro erwirtschaftet. 

Überdies entgingen dem Grand Hotel erhebliche Einnahmen durch den abrupten Ausstieg der Managementgesellschaft im Februar 2009, mit dem Buchungssystem und Internet-Auftritt von jetzt auf gleich abgeschaltet wurden. Die nunmehr notwendigen Ausgaben für neues Buchungssystem, Internet-Auftritt und Neupositionierung (Werbung und Marketing) sind zwingende Folge dieser Altlasten und haben das Ergebnis im ersten Halbjahr 2009 daher belastet. 

Das Grand Hotel Heiligendamm ist aber dennoch ein strukturell gesundes Unternehmen. Einschließlich der Bürgschaft belaufen sich die Bankkredite mit etwa 22 Millionen Euro auf lediglich 11 Prozent des gesamten Investitionsvolumens von etwa 200 Millionen Euro. Damit verfügt die Hotel-Gesellschaft über eine auch im Vergleich solide Eigenkapitalausstattung. „Wir sind daher zuversichtlich, die Durststrecke gut zu überwinden. Für unsere Gäste, Mitarbeiter und Lieferanten ändert sich nichts“, so Jagdfeld.
 


 

Reaktionen auf die Bürgschaft: Unverständnis und Zorn.
 

 


 


Stadtanzeiger Region Bad Doberan | 01.07.2009 - 14:44:49


Birgit Schwebs (DIE LINKE): „Bürgschaft für Nobelhotel in Heiligendamm ist das falsche Zeichen“
 

Schwerin/Bad Doberan. Die finanzpolitische Sprecherin der Linksfraktion in Mecklenburg-Vorpommern, Birgit Schwebs,
kritisiert die 4-Millionen-Euro-Bürgschaft des Landes für die angeschlagene Fundus-Gruppe des Unternehmers Anno August Jagdfeld.

„Es ist doch kein Geheimnis, dass das Nobelhotel in Heiligendamm weit unter der erforderlichen Auslastung liegt“, erklärte sie am
Mittwoch in einer Mitteilung an die Medien. In Zeiten, in denen Tausende von Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz bangen, sei es das falsche Zeichen, den Betrieb eines Luxushotels mit staatlicher Unterstützung am Laufen zu halten.

„Für den erfolgreichen Betrieb eines Hotels bedarf es eben mehr als eines dubiosen Geschäftsgebarens und eines Weltwirtschaftsgipfels“, so Frau Schwebs.
„Es besteht die Gefahr, dass die Landesbürgschaft in den Sand des Ostseebades gesetzt ist.“

 


Birgit Schwebs gehört ja zu der Partei, die komplett gegen eine erneute Abstimmung über die Beschlussvorlage
zum Bau der Tiefgarage und der Erteilung des Dauerwohnrechts gestimmt hat. 11 Stadtvertreter haben für eine
erneute Behandlung der Beschlussvorlage gestimmt und 14 dagegen.

Schon die komplette Fraktion der Linken hätte dieses erneute Desaster verhindern können, indem sie geschlossen
für statt gegen den weg aus der Stillstandsituation gestimmt hätte. Dann wären es 15 Befürworter und 10 Gegner
gewesen und die SVV hätte noch einmal abstimmen müssen.
Hätte dann die Linke auch noch geschlossen wie sie sich immer gibt für die Beschlussvorlage gestimmt,
könnten im Juni 2010 die Bagger anrollen.
Hat sie aber nicht und damit werden 2010 wohl keine Bagger mehr anrollen.
Statt dessen beschwert sich nun die finanzpolitische Sprecherin der Linken darüber, dass das Land für das Grand Hotel bürgt,
damit es Kredite gibt. Als Finanzexpertin wird sie wissen, dass man keine Kredite aufnimmt, um sein Konto ins Plus zu bringen,
sondern um Rechnungen bezahlen und Investitionen tätigen zu können. Wenn FUNDUS also für das Grand Hotel Kredite aufnehmen und dafür das Land als Bürgen haben möchte, dann nicht, um ein Plus auf dem Konto zu haben, das eh in de Bilanz keines ist, sondern um einen anderen Weg der Finanzierung zu gehen. Wofür genau das Hotel die Bürgschaft benötigt, steht ja nirgendwo zu lesen.

 

Birgit Schwebs - übrigens selbst Heiligendammerin - ist die einzige Lokalpolitikerin, die sich zu diesem Thema zu Wort meldet. Aber zumindest weiß Birgit Schwebs, was eine Bürgschaft ist. Schauen Sie sich einmal die öffentliche Diskussion an: 
 

Ostsee-Zeitung | 01.07.2009 bis heute |

Heiligendamm. Vier Millionen Euro für das Grand Hotel in Heiligendamm. Mecklenburg-Vorpommern stellt eine Bürgschaft für das finanziell angeschlagene Luxus- Resort aus. „Ich freue mich, dass das Land zu unserer gemeinsamen Verantwortung steht, das Hotel als touristisches Aushängeschild und als Arbeitgeber für über 300 Beschäftigte zu unterstützen“, hatte Geschäftsführer Anno August Jagdfeld verkündet. In Doberan und Umgebung schlug die Nachricht hingegen wie die sprichwörtliche Bombe ein. Mehr Sorge als Freude über die kulante Geste aus Schwerin war gestern auf den Straßen zu spüren.
 

„Es ist schön, dass es in der Weißen Stadt weitergehen soll. Doch muss dafür diese Bürgschaft herhalten?“, fragt Einzelhändler Lutz Hinze von der „Kaffeetante“, einem Geschäft in der Mollistraße. Der 47-Jährige hätte es allemal besser gefunden, wenn der Investor einen anderen Weg aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gefunden hätte. Und nicht den Steuerzahler belastet. „Das Ganze ist eine Schweinerei“, macht Klaus Grollmisch (69) seinem Herzen Luft. Die Großen würden um Hilfe schreien und bekämen sie. „Die Kleinen dagegen fallen durchs Sieb.“ Auch Volker Thüne vom Fotogeschäft glaubt, dass die Millionen woanders besser angelegt wären. Beispielsweise bei den Werften im Nordosten, wo 2400 Arbeitsplätze vor dem Aus stehen. Der 67-Jährige erkennt zudem Fehlentwicklungen,

die es in Heiligendamm gab. Alles Leben außerhalb der Hotelmauern wurde faktisch lahmgelegt. Er erinnert an die Geschäfte unter den Arkaden und das Café.

Das beklagen heute Besucher der Weißen Stadt oder der Median-Klinik. Mit verhältnismäßig wenig Geld, könnte man die Attraktivität von Heiligendamm wieder erhöhen, wenn man Initiativen Einzelner zuließe. Irene Möhler (72), Seniorin aus Bad Doberan, hat kein Verständnis, dass wieder mal die Reichen unterstützt würden. „Uns Rentnern gibt man jetzt eine kleine Erhöhung, die man uns nach der Bundestagswahl am liebsten wieder aus der Tasche ziehen würde.“ Ein Plus von 64 Euro erhalten Eberhard Imker und seine Frau seit 1. Juli. „Damit würden sich Bankenchefs wie Ackermann nicht abspeisen lassen. Die Reichen haben eben eine große Lobby. Überall. Das sieht man auch bei der Landesgarantie für Herrn Jagdfeld.“ Ob die fruchtet, letztlichd em Hotel hilft, mag der Börgerender aber nicht beurteilen. Ingrid Bade, Chefin vom Blumenhaus am Markt, freut sich für die „jungen Leute im Grand Hotel“, die ihren Arbeitsplatz behalten. „Etliche kenne ich persönlich. Ihr Schicksal liegt mir schon am Herzen.“ Doch die Zeiten seien einfach härter geworden. „Wir müssen uns alle sehr anstrengen, um die Krise zu überstehen. Meine Tochter betreibt große Akquise, läuft zu Messen, zu Kunden, wirbt, macht und tut. Jeder muss heute ums Überleben kämpfen.“ Vor allem die Kleinen haben es schwerer, weiß Elke Lembke von der Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes und der Awo. Die Talsohle ist noch nicht erreicht.

„Täglich habe ich mit Insolvenzen zu tun. Da haften Einzelne für die Pleite ihres Unternehmens.“ Und sie fügt an: „Wie wär’s, wenn wir die alle als Bittsteller

nach Schwerin schicken?“
 

„Millionen besser anlegen“

 

Volker Thüne (67), Geschäftsmann:

„Heiligendamm sollte man wieder beleben. Auch außerhalb des Hotels. Und: Die Millionen könnte man woanders viel besser anlegen.“

 

Irene Möhler (72), Renterin:

 „Die Landesbürgschaft fürs Hotel ist für mich ein Witz.  Unverständlich. Mit den Millionen könnten wir in Bad Doberan ganz andere Probleme lösen.“

 

Helga Zunker (59), Doberan:

„Nicht dem Luxus-Hotel, sondern den Wadan-Werften und dem Mittelstand sollte man helfen. Dort schlägt das Herz der Region.“

 

Ingrid Bade, Geschäftsfrau:

„Ich freue mich für die jungen Leute, die ihren Arbeitsplatz behalten.

 Das ist wichtig. Für die Region, für unsere Zukunft.“

 

Eberhard Imker (73), Börgerende:

„Die Reichen haben immer eine Lobby. Finden Gehör.

Der Steuerzahler soll die Zeche zahlen. Das schafft Unfrieden.“

 


Aufregung in Bad Doberan und Heiligendamm. Die Finanzspritze des Landes fürs Grand Hotel stößt eher auf Unverständnis als auf Jubel.

Die Residenz in Heiligendamm hat eine 4-Millionen-Bürgschaft vom Land erhalten. Das ist nicht nachzuvollziehen. Jeder weiß, dass dieses Objekt seit Jahren in der Insolvenz schwebt und nur durch den G8-Gipfel erst mal gerettet wurde. Es ist anderen Unternehmen in der gleichen Branche gegenüber nicht zu verantworten, wie hier Steuermittel in den Sand gesetzt werden. Warum gehen die Betreiber nicht zur Bank und erhalten dort die Finanzierung, wie jedes andere Unternehmen?

Gerd Stranghöner, Rostock


Unsere Landesregierung bürgt mit vier Millionen für die Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH). Habe ich das richtig verstanden? Für eine Gesellschaft, die 1 Million Gewinn und so einiges mehr verspricht und ein Jahr später 2 Millionen Verlust ausweist? Die millionenschwere Immobilien besitzt, nicht nur das Grand Hotel im eingezäunten Heiligendamm, auch die gesamte Perlenkette. Warum muss die ECH nicht zuerst ihr Eigentum verkaufen, um an frisches Geld zu kommen?

Simona Warmuth, Rethwisch
 

Dutzende rechtschaffende Hoteliers im Land, denen durch teilweise abenteuerliche Forderungen und Vorgaben der Geldhahn zugedreht wurde und  investitionswillige Existenzgründer, denen selbst bei bester Bonität eine Finanzierung verweigert wird, staunen angesichts des Engagements und der Finanzierungsbereitschaft der Landesregierung für diese Investitionsruine. Ist Herr Jagdfeld pleite, ist Fundus pleite, mögen sie bitte Insolvenz anmelden.

Roland F.W. Manke, Strande
 

Nur wenn man groß oder bekannt ist, kann man mit Krediten oder Bürgschaften rechnen. Kein Politiker interessiert sich für die vielen kleinen Betriebe, die wirtschaftliche Probleme haben. Obwohl der Leitzins mehrmals gesenkt wurde, geben die Banken nur Kredite, wenn man genügend Sicherheiten hat.

Norbert Liebeskind, Stralsund

 

Die Heiligendammer Blase hat bereits 50 Millionen Euro Steuergeld vertilgt, nun kommen noch 4 Millionen hinzu. Finanzministerin Heike Polzin (SPD) zögert mit einer irrwitzigen Eilaktion das Ende dieses Bananenprojektes noch einmal hinaus. Es ist ja auch das Steuergeld derer, die in Heiligendamm nicht willkommen sind. Nach der Wahl überlässt man es anderen, den Scherbenhaufen zusammenzufegen.

Axel Thiessenhusen, Rostock

 

Die alten Villen verkommen und niemand zwingt die Fundus-Gruppe, die Villen an private Bürger zu verkaufen.
Außer, dass eine Villa abgerissen wurde, hat die Gruppe nichts an den herrlichen alten Villen getan. Ein Skandal!
Klaus Saugeon, Dierhagen

Wieder einmal kann man an der wirtschaftspolitischen Kompetenz unserer Politiker zweifeln. Da werden wiederholt Millionen Euro verschleudert.
Die Fundus-Gruppe muss schon seit Jahren in den geschlossenen Immobilienfonds nachschießen, um die Pleite zu vermeiden. Nun können oder wollen die Fondsinhaber nicht mehr, und der Steuerzahler soll es richten. Laut Guttenberg müsste Insolvenz angemeldet werden.

Benno Thiel, Berlin

 

Ein Resort-Hotel für Superreiche und Prominente, die unter sich sein wollen, mit einem öffentlichen Strand. Ein deplatzierter Zaun, der Eingezäunten wie Ausgegrenzten gleichermaßen unangenehm sein dürfte. Im Grunde sagt der gesunde Menschenverstand: Das kann doch nicht funktionieren, war irgendwie

zum Scheitern verurteilt. Die Landesregierung verfügt über den genannten Verstand anscheinend nicht und riskiert noch vier Millionen Steuermittel in Form

einer Bürgschaft.

Uwe Ritschel, Zweedorf

 

Es ist nicht zu verstehen, vofür der Steuerzahler hierzulande überall zur Kasse gebeten wird. Wer denkt eigentlich an die ganzen mittelständischen Unternehmen, die unverschuldet von der Wirtschaftskrise gebeutelt werden? Was in Heiligendam passiert ist, ist ohnehin nicht verantwortbar. Vollmundig wurde die Sanierung des Seebades versprochen, und was ist geschehen? Eine Promenade von Ruinen rottet weiter vor sich hin. Wer soll den hier Urlaub machen wollen? Schöne und Reiche, auf die man gesetzt hatte, verirren sich nicht nach Heiligendam und der G8 - Bonus, so es wirklich einen gab, ist lange aufgebraucht. Hier hilft nur ein tragfähiges Konzept, wie es in anderen Seebädern mit seriösen Investoren verwirklicht wurde - man schaue mal nach Kühlungsborn. Aber der maroden Fundus-Gruppe, die hier jahrelang genug Schaum geschlagen hat, noch finanzielle Unterstützung aus dem Landeshaushalt zu gewähren, ist mehr als verantwortungslos.

schreibt Peter Thiemann aus Ostseebad Nienhagen


Die Zahlung an die Fundus-Gruppe in Höhe von vier Millionen Euro war absolut überflüssig! Jeder normale Bürger würde versuchen, seine Schulden in irgendeiner Form zu begleichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Fundus-Gruppe keine weiteren Vermögenswerte gibt, die beliehen oder auch verkauft

werden können! Wenn nun wirklich kein Geld mehr da ist, kann Herr Jagdfeld ja seine Besitztümer in Vorder-Bollhagen abstoßen.
Wilfried Putzmann, Rostock

Die Empörung der Bauern ist verständlich. Ihnen wird ständig Hilfe versprochen, aber nichts passiert.
Nicht nachzuvollziehen ist da die sofortige unbürokratische Förderung des Grand Hotels Heiligendamm.

Margrit Reimann, per E-mail


Es war doch klar, dass Fundus Geld sammeln und die ECH Konzepte entwickeln muss. Und dass Heiligendamm mit dem Geld der Anleger, Banken und Hotelgäste wächst. Dass Heiligendamm sich nicht so entwickelt hat, wie es sollte, ist nicht allein der ECH zuzuschreiben. Die hat wie vereinbart das Ensemble saniert und man darf wohl behaupten, dass sie das spitzenmäßig gemacht hat. Darf das Land für das Grand Hotel bürgen? Wenn es für jedes andere Hotel in gleicher Situation in gleichem Umfang auch bürgt – ja. Das Land hat in Heiligendamm ordentlich zugebuttert. Lässt es Heiligendamm fallen, ist das Geld futsch. In diesem Kontext sollte man die Bürgschaft sehen. Allerdings sollte man auch die Industrie unterstützen. Die Werften haben viel unmittelbarer mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen – in Heiligendamm ist ja nicht die Wirtschaftskrise Hauptgrund, sondern die nicht funktionierende Zusammenarbeit aller.

Martin Dostal, Bad Doberan
 


Schauen wir uns dieses Armutszeugnis einmal genauer an:

Was haben die Menschen, die diese Aussagen gemacht haben gemeinsam?


- Die Zahlung an die Fundus-Gruppe in Höhe von vier Millionen Euro war absolut überflüssig!
- Es ist nicht zu verstehen, wofür der Steuerzahler hierzulande überall zur Kasse gebeten wird.
- Da werden wiederholt Millionen Euro verschleudert.
- Die Heiligendammer Blase hat bereits 50 Millionen Euro Steuergeld vertilgt, nun kommen noch 4 Millionen hinzu.
- Die Finanzspritze des Landes fürs Grand Hotel stößt eher auf Unverständnis als auf Jubel.
- Mit den Millionen könnten wir in Bad Doberan ganz andere Probleme lösen.
- Die Millionen könnte man woanders viel besser anlegen.
- Der Steuerzahler soll die Zeche zahlen.
- Warum muss die ECH nicht zuerst ihr Eigentum verkaufen, um an frisches Geld zu kommen?
- Aber der maroden Fundus-Gruppe, .... noch finanzielle Unterstützung aus dem Landeshaushalt zu gewähren...

oder die Krönung:

- Warum gehen die Betreiber nicht zur Bank und erhalten dort die Finanzierung, wie jedes andere Unternehmen?

 

Antwort: Sie haben keine Ahnung. Sie kritisieren Dinge, mit denen sie sich kein bisschen auseinander gesetzt haben.
Ihre Aussagen sind allesamt sachlich falsch. Die Ostsee-Zeitung hat - wenn ich richtig gezählt habe -
17 Lesermeinungen gegen die Bürgschaft veröffentlicht und 10 der Befragten und Leserbriefschreiber wissen gar nicht,
was eine Bürgschaft ist. Selbst der Autor des Beitrages gibt einen falschen Sachverhalt wieder und suggeriert damit,
dass vier Millionen Euro nach Heiligendamm geflossen sind.

 

Über die Hälfte der Veröffentlichungen und der Beitrag selbst wurden also von Personen verfasst, die keine Ahnung
von dem haben, was sie da von sich geben. Diese Personen schaden dem Image der ECH und des Landes
Mecklenburg-Vorpommern nur allein durch die Dummheit, über Dinge zu reden oder zu schreiben, zu denen
sie keine Kenntnisse oder Informationen haben. Statt dessen vermischen sie ihre sinnlosen Aussagen noch
mit uralter Kritik am Hotel selbst. Schlimmer noch: Ein Volker Thüne ist kein Dummkopf, der nicht weiß, was
eine Bürgschaft ist - seine Aussage kann eigentlich nur durch eine falsche Information oder eine falsche
Fragestellung zu Stande gekommen sein. Offenbar - und das wird beim Lesen des Zeitungsartikels ja
auch deutlich - hat selbst der Redakteur der Ostsee-Zeitung keine Ahnung von dem, was er da schreibt oder falsch recherchiert.

 

 

Pisa lässt grüßen. Und das ist nur die Spitze des Eisberges.


Die "Dummheit" geht weiter - die Medien schaffen gar nicht, so viel "Unsinn" zu veröffentlichen:

 


Man kann einfach nur noch entsetzt sein wenn man den Artikel über das Grandhotel Heiligendamm liest.
Wie kommen unsere Landespolitiker eigentlich dazu so mit unseren Steuergeldern umzugehen?
Man liest nur noch negative Dinge über dieses Hotel und der Tourismusverband M/V nennt es auch noch ein "Glanzstück".
Unsere Finanzexperten können nur froh sein das wir pünktlich unsere Steuern zahlen!

schreibt Andreas Callies aus Wittenbeck


Steuergelder für Spekulanten, das ist eine weitere Fehlleistung des Wirtschaftsministers.
Wenn der MP und auch die CDU nicht endlich Seidel verabschieden, richtet dieser fortgesetzt Schaden an.
schreibt ein/e Herr/Frau Meissner aus Greifswald im Stadtanzeiger
 

Wir als Heiligendammer stellen uns die Frage, warum die Stadt Bad Doberan, der Landkreis und die Landesregierung einen Immobilienhändler hofiert, dessen herausragenste Leistung der vergangenen sechs Jahre war, die Bevölkerung zu spalten und die Weiterentwicklung (Zukunft) Heiligendamm`s zu blockieren. Der Wahnsinn hat Methode, zur Zeit gipfelt er in einem Propagandablättchen namens - Zukunft Heiligendamm -, die Lektüre beabsichtigt auf subtilste Art und Weise zu polarisieren - warum nur? Ist es vielleicht doch so, dass es hier um hoch spekulative Immobiliengeschäfte geht, dessen Feigenblatt und Rechtfertigung die Schaffung von Arbeitsplätzen ist? Warum wird immer wieder der Versuch unternommen, die Bevölkerung zu spalten? Wer profitiert von dieser Strategie?

Wir alle wissen doch, dass außer dem Investor selber, niemand für dessen Mißwirtschaft verantwortlich zu machen ist. Wir alle wissen auch, dass genügend Investoren für die Sanierung der Villen bereit wären, Geld in die Hand zu nehmen und Handwerker mit der Sanierung zu beauftragen. Was wir nicht wissen ist, wie werden die Auflagen bezüglich der Landesbürgschaft, der Landesregierung erfüllt. Wer kauft die Orangerie? Wer betreibt das Hotel? Wir glauben, dass an den Ergebnissen dieser beiden Beauflagungen für jedermann klar erkennbar sein wird, von welchem Geist die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Landkreis, Landesregierung und dem Immobilienhändler geprägt ist.

schreibt Kira Goedeke aus Heiligendamm


 


Zumindest Frau Goedecke hat sich mit dem Thema auseinander gesetzt. Allerdings muss man den Text mehrmals lesen, um ihn zu verstehen. Auf die Gefahr hin, ihn nicht richtig verstanden zu haben, versuche ich mal eine Antwort:

Erstens: Die Bevölkerung hat sich selbst gespalten, denn die einen haben sich am Investor orientiert, die anderen an der Bürgerinitiative und dem Bürgerbund und wieder andere an den Stadtvertretern. Natürlich gibt es in dieser vielfachen Spaltung auch Leute, die sich an keiner dieser Pole festhalten, sondern ihre eigene Meinung bilden. Ich kann keine außergewöhnliche Spaltung beobachten. Es gibt Befürworter und Gegner, sowie Leute, die sich nicht beteiligen aber immer nur pro Angelegenheit, nicht als Ganzes. Beispiel: Jemand ist begeistert von dem, was die ECH vollbracht hat (was ja immer wieder vergessen wird) aber nicht einverstanden mit der Tiefgarage. Dadurch ist er nicht für oder gegen das Projekt an sich oder FUNDUS oder die ECH oder das Hotel oder Jagdfeld. Dennoch zählt in Bad Doberan und Heiligendamm nur noch schwarz und weiß und wer sich zu keiner dieser Farben bekennt - wie ich - wird von allen Seiten beharkt. Aber es ist auszuhalten. Am Ende siegt nicht irgend eine Farbe, sondern die Wahrheit.

Zweitens: Das "Propagandablättchen" ist eine Antwort auf ganz andere und viel wirkungsvollere "Propagandablättchen".
Die Aussagen hier stammen aus erster Hand - man kann also mit dem Finger drauf zeigen und der ECH sagen "Ihr habt gesagt...".
Besser können es die Zweifler und Pessimisten gar nicht haben. Warum versucht die Zeitung, auf - naja "subtiliste? - Art und Weise zu polarisieren? Vielleicht, weil die ECH endlich weiter machen will, weil sie erfolgreich das Projekt zum Abschluss bringen will - und zwar noch zu Lebzeiten der Mitarbeiter? Vielleicht auch einfach nur, weil Werbung nun einmal polarisieren möchte und man natürlich diese Zeitung als Werbung ansehen darf. Im besten Sinne, denn Werbung heißt, etwas schmackhaft zu machen und ganz offensichtlich sind viele Bürger noch nicht auf den Geschmack gekommen, den die ECH im Munde hat.

Drittens: Ist es so, dass hochspekulative Geschäfte mit Immobilien betrieben werden? Der Bürgerbund behauptet genau dies.
Und zwar nur der. Ist der Bürgerbund ein Garant für sachlich richtige Informationen oder ist er auch nur eine Partei und damit parteilich?


Viertens: Ich wusste noch nicht, dass man nur den Investor für die Misswirtschaft verantwortlich machen kann.
Der Investor - das sind 2000 Anleger, die jeder für sich eine Menge Geld in einen Fonds investiert haben und denen das Hotel gehört. Sie haben der ECH den Auftrag gegeben, Heiligendamm zu entwickeln und die ECH täte schlecht daran, den Auftrag nicht oder nur halbherzig zu erfüllen. Die ECH plant die Dinge nicht zum Spaß und gibt nicht aus Lust und Laune Millionen für die Planung aus. Sie muss Heiligendamm entwickeln. Tut sie das nicht, verliert sie den Auftrag und ihre Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Entwickelt sie Heiligendamm nicht stets optimal, gibt es kein Geld und der Fonds kann dicht machen. Die Folge sind Klagen und Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe. Das erübrigt eigentlich auch die Frage nach hochspekulativen Geschäften.

 

Natürlich gibt es Faktoren, die an der Misswirtschaft Schuld sind. So hat das Hotel in meinen Augen viel zu viele Angestellte. Wenn es aber massenhaft Leute entlässt, wird man ihm gerade daraus wieder einen Strick drehen. Und es gibt weitere Faktoren: Faktor Nummer eins dürfte Kempinski selbst sein, das das Hotel über Tchibo und TUI vermarktet und damit die Exklusivität heruntergeschraubt hat. Der schlechte Service wurde auch bemängelt. Allerdings sind das für mich auch wieder eher Folgen, als Ursachen. Die Hauptursachen sind die verstreuten Gebäude, von denen ein Teil nicht saniert werden kann und daher das Ambiente stören. Aber auch der öffentliche Durchgangsverkehr bisher war ein Problem. Das man ja eingedämmt hat. Doch auch die fehlenden freizeitlichen Angebote, die derzeit noch hinten anstehen, weil erst die Perlenkette saniert werden muss, ist ein Faktor für den Misserfolg. Und der vorerst letzte Faktor, der mir spontan einfällt, ist die schlechte Publicity. Man liest nur schlechtes über Heiligendamm. Einen Teil dazu trägt Frau Goedecke selbst bei - auch wenn sie das vielleicht gar nicht will.

Kommen wir zu den letzten Fragen: Wer kauft die Orangerie? Wer betreibt das Hotel? Ich habe lange überlegt, warum diese Fragen gestellt werden und habe es nicht herausgefunden. Darum beantworte ich sie einfach so, wie sie da stehen:

Niemand kauft die Orangerie. Sie gehört zum Hotel und enthält neben den Dienstleistungsangeboten Hotelsuiten. Warum sollte sie überhaupt verkauft werden? Das macht keinen Sinn. Und wer betreibt das Hotel? Die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG. Aber die betreibt es nur. Gesellschafter und damit Geldgeber und damit auch der, für den gebürgt wird, ist die Grand Hotel Heiligendamm GmbH mit Jagdfels als Geschäftsführer. Eigentümer des Hotels sind aber die 2000 Anleger des Fonds 34.

Zu guter Letzt: "Wir alle wissen, dass genug Investoren bereit wären, die Perlenkette zu sanieren."
Davon weiß offenbar nicht einmal die ECH etwas. Bis auf Villa "Krone" war keine der Villen von Interesse. Wenn es tatsächlich Investoren gibt, die die eine oder andere Perle sanieren wollen, dann müssen sie nichts anders tun, als sich bei der ECH zu melden. Ich kann mir vorstellen, dass man sie mit Küsschen begrüßen wird, denn dann darf sich dieser neue Investor mit der Stadt herum schlagen und die ECH bräuchte nicht ewig auf Beschlüsse warten, die zur Sanierung der Perlenkette führen sollen. Die Frage ist aber, ob diese neuen Investoren dann ohne Dauerwohnrecht und Stellplätze auskommen und wenn nicht, ob die Stadt ihnen dann alles das genehmigt, worauf die ECH noch heute wartet. Ich würde sagen, dass Herr und Frau Goedecke die Situation da etwas falsch eingeschätzt hat oder ihr typischerweise wichtige Informationen fehlen. Noch einmal:
Wollen Sie eine Perle kaufen? (indisch: Du wolle Perle kaufe?) - Dann wenden Sie sich an die ECH!


Nachtrag: Da ich nicht gern ÜBER Leute rede, sondern lieber MIT ihnen, habe ich Herrn Goedecke und zuvor auch Herrn Stranghöner per E-Mail kontaktiert und neben ein paar gestellten Fragen auch einige Ausführungen gegeben.
Über Antworten halte ich Sie - falls nötig und gewünscht - auf dem Laufenden.
 


Und da haben wir ihn auch schon: Noch mehr "Bürgschafts-Unsinn":

Die Ostsee-Zeitung hat es bis heute nicht geschafft ihre größtenteils unwissenden Leser aufzuklären, was eine Bürgschaft ist. Statt dessen veröffentlicht sie weiterhin sachlich falsche Leserbriefe - auch "Unsinn" genannt. Ebenfalls stand bis jetzt in keiner Zeitung zu lesen, wofür das Hotel die Bürgschaft benötigt und dass im Falle des Falles der Steuerzahler gar nicht belastet wird. Diese Internetseite hier ist damit aktueller, als jedes Medium unseres Landes. Und das macht mich nicht froh!
 


Ostsee-Zeitung | 09.07.2009

Zum Thema „Bürgschaft für Grand Hotel Heiligendamm“ meldete sich Karlheinz Tietze aus Wackerow zu Wort:
... lange habe ich überlegt, ob man sich dazu äußern sollte. Aber ich glaube, man sollte den Frust auch mal öffentlich machen.

Unsere Regierung vergibt mal soeben vier Millionen an Hilfe für ein hermetisch abgeschirmtes Hotel. Wir, die Steuerzahler, sehen

das Hotel nicht einmal von außen, da man gar nicht rankommt, weil es Absperrungen gibt. ...Dann sollen die, die das Hotel nutzen, auch dafür bezahlen. Aber wenn es um das Bezahlen geht, erinnert man sich auch an die kleinen Steuerzahler. Und die Regierung

spielt da richtig mit. Ich kann auch den Unmut der Hoteliers aus den „alten Ländern“ verstehen. Wieso wird bei uns in ein Hotel, welches anscheinend nicht läuft oder das Management nicht stimmt, so viel Geld gepumpt und die Steuerzahler müssen es berappen?

Wenn ich meine Arbeit so schlecht mache, bekomme ich auch keinen Finanzanschub, sondern werde entlassen

 

 

Was hier gleich doppelt schlimm ist: Der Schreiber erspinnt ein Szenario eines selbst von außen nicht sichtbaren Hotels.
Das ist entweder Unwissenheit (Der Herr wohnt auf dem Lande, weit weg von Heiligendamm) oder billiges Nachplappern von irgendwo aufgeschnappten Halbwahrheiten oder einfach eine sehr dreiste Lüge. Die wieder mehr als nur dem Hotel schadet.

 


Aber ein Hamburger klärt die Mecklenburger auf, was eine Bürgschaft ist:

 

oz vom 03.07.2009 11:07
 

Gabs in der DDR nicht den Vertragstyp "Bürgschaft
 

Es stellt sich mir die Frage, ob unsere Ostdeutschen die "Bürgschaft" nicht kennen? Ich kenne den Vorgang mit dem Grandhotel in Heiligendamm nicht, aber wenn die OZ selbst schreibt, es wird eine Bürgschaft gegeben, dann heißt es im Umkehrschluss noch lange nicht, dass hier 4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Der Fiskus und damit die steuerzahlenden Bürger müssen hier erst einmal kein Geld ausgeben, vielleicht später einmal und es ist keineswegs sicher, dass die Bürgschaft auch tatsächlich in Anspruch genommen wird. Vor diesem Hintergrund im Gestern verhaftete Ostrentner (mit Westrente) suggestiv zu befragen, naja... Und auch Bad Doberander "Geschäftstreibende" die Meinung zu entlocken, dass Geld sei bei den Wadan-Werften besser angelegt. Da gab es doch auch Bürgschaften und was haben die letztendlich genutzt? Ich frage mich, wie es um das unternehmerische, rechtliche und wirtschaftliche Grundwissen in der Region Bad Doberan steht?

schreibt Martin Nitsch aus Hamburg
 


Dem gibt es nichts hinzu zu fügen. Danke nach Hamburg für die - bisher leider unveröffentlichte - Aufklärung.

Es gibt aber auch positive Stimmen:
 


Wieder die Neiddiskussion, die zu nichts führt.
Die PDS sollte sich auch für die 300 Arbeitsplätze im Hotel einsetzen, oder zählen diese nicht?

Ruthilde Schuchmilsky

Bürgschaft für Heiligendamm- das passt für all jene
- die gar nicht wissen können, was es heißt, den Kopf für Arbeitnehmer hinzuhalten. Gerade diese (noch) Bezahlten protestieren jetzt laut. Abwarten!
- die sich lieber um die Hochzeit von Boris Becker kümmern als um das, was mit dem Geld der Steuerzahler passiert. Wo waren sie, als der ausländische Investor für die Werft 160 Mio. und darunter nicht nur Bürgschaften bekam? Wo waren sie, als der Rechnungshof zig Mio. offenlegte, die von den Politikern verschwendet wurden. Wo waren sie, als Quelle, Opel,… Hilfe bekamen?

Wieso bekommen manche Unternehmen bares Geld, andere nur Bürgschaften (wie Heiligendamm) und andere wie der Mittelstand gar nichts?
Unbegreiflich, warum Herr Jadgfeld nur diese kleine Bürgschaft beantragt hat. Andere, die nichts mit Mecklenburg-Vorpommern zu tun haben, langen kräftiger zu. Der Staat verteilt, das wissen wir alle. Weder IHK, noch Handwerkskammer, noch Unternehmerverbände stoppen ihn. Sie sorgen auch nicht dafür, dass die nicht so großen wieder mit Krediten versorgt werden. Das Volk stoppt und protestiert schon gar nicht. Ein Teil wird jetzt erst munter. Statt das Unternehmen aus unserer Region zu unterstützen, wird die Gerüchteküche wieder ordentlich angeheizt. Offene Rechnungen? Fragen Sie mal in den Firmen nach.
Wir haben Wirtschaftflaute und wenn es regnet, werden alle nass.

Christel Fründt
 


Übrigens: Mein Leserbrief war der Ostsee-Zeitung zu lang. Da er aber selbst erklärend ist, veröffentliche ich ihn hier.
 


OZ vom 04.07.2009 08:07

Fakten, Fakten, Fakten.

In der ganzen Diskussion geht es nicht um die Bürgschaft, sondern um das, was Jagdfeld, FUNDUS, die ECH und das Grand Hotel vermeintlich versäumt haben. "Vermeintlich", da immer wieder übersehen oder einfach nur verschwiegen wird, wo eigentlich die Ursachen dafür sind, dass das Hotel keinen Gewinn erwirtschaftet.
 

Wir erinnern uns: Jagdfeld hat mit seiner FUNDUS-Gruppe ca. 80% Heiligendamms seit 1996 stückweise erworben, nachdem der Einzelverkauf der Objekte gescheitert war. Keiner wollte das Ensemble haben, die Villen hingegen schon. Die Dr.-Marx-Gruppe hätte alles genommen, wollte aber eine Klinik daneben bauen. Eine Bürgerinitiative wehrte sich erfolgreich dagegen, sodass die Verhandlungen scheiterten. FUNDUS war Kandidat Nummer zwei, der das Gesamtobjekt erwerben wollte und bekam schließlich den Zuschlag.

Die Sanierung begann auf Grund von Problemen mit dem Fonds erst vier Jahre nach dem Erwerb. Vertraglich vereinbart hatten die Stadt und die ECH, dass das Ensemble Vorrang hat, die Perlenkette mit oder nach dem Ensemble zu sanieren ist und dann erst Neubauten und Sanierungen östlich, westlich und südlich des Ensembles erfolgen dürfen. Das Ensemble wurde 2003 nach nur drei Jahren Bauzeit übergeben.
 

Im Jahre 2004 bereitete die ECH, die Sanierung der Villen vor. Da die ECH Heiligendamm nach der Marktlage entwickelt, macht es keinen Sinn, sieben Jahre vor Baubeginn Konzepte auszuarbeiten. Die ECH entschloss sich, in den Perlen Wohnungen anzubieten. Die Finanzierung sollte wie beim Ensemble über einen geschlossenen Immobilienfond laufen, was eine Änderung der Gesetze in 2005 aber vereitelte. Also versuchte die ECH, die Finanzierung zumindest teilweise über Banken zu realisieren, was wie wir alle wissen auch scheiterte. Wenn die ECH nicht über Anleger Geld sammeln und sich kein Geld leihen kann, bleibt nur der klassische Weg: Man verkauft die Wohnungen und wenn die Hälfte der Wohnungen eines Hauses verkauft ist, beginnt man mit der Sanierung. Der Rest läuft dann über Kredite, die immer pro Bauabschnitt gezahlt werden. Die Kredite zahlt man dann aus den restlichen Verkäufen und aus anderen Einnahmen zurück.

Dieses Konzept wird in Heiligendamm auch von der JHI Immobilien im Falle der "Residenz von Flotow" (ehem. Haus Waldfriede) angewandt.

Das Problem der ECH ist aber, dass es sich bei der Perlenkette um ein Sondergebiet "Hotel" handelt und damit die Käufer der Wohnungen nicht dauerhaft und jederzeit in ihren Wohnungen wohnen dürften. Da so etwas unhaltbar ist, bat die ECH um Genehmigung der Wohnnutzung auf diesem Gebiet.

Die Villa "Krone" im Westen des Ensembles, die nicht zum Sondergebiet gehört, konnte die ECH erfolgreich verkaufen. Bei den Villen fanden sich viele Interessenten aber auf Grund der ungünstigen Regelung keine Käufer.
 

Die Stadtvertreter müssen also Dauerwohnrecht erteilen. Das haben sie aber nicht getan. Das zweite Problem ist, dass die ECH gesetzlich verpflichtet ist, zu jeder Wohnung einen Stellplatz anzubieten. Da in der Vogel-Straße kein Platz für mindestens 35 Stellplätze ist, die östlichen Parkplätze öffentlich sind und auf der Oberfläche auf Wunsch der Stadt keine neuen Parkplätze errichtet werden dürfen, bleibt nur der Parkplatz am Fürstenhof.

Keiner der Interessenten möchte mehrere hundert Meter zu seinem Auto laufen, sodass die ECH eine Tiefgarage vor (nicht unter!) der Perlenkette konzipierte und eine Genehmigung beantragte. Mit der Tiefgarage werden aus den Interessenten Käufer.

Die Stadtvertreterversammlung jedoch lehnte gleichzeitig mit dem Dauerwohnrecht auch die Tiefgarage ab. Damit ist keine der 35 Wohnungen verkäuflich und da kein Geld fließt, kann keine der sieben Villen saniert werden. Das ist Punkt eins.
 

Punkt zwei ist, dass die ECH gutgläubig ein Hotel auf grüner Wiese anbot, das wegen seiner Schönheit zum Ausflugsziel für tausende Tagesgäste wurde, die nicht nur die Hotelgäste, sondern auch den Hotelbetrieb störten. Darum entschied man sich für eine Einfriedung, die aber zu allem anderen als Frieden führte. Gestärkt von der Öffentlichkeit formierten ich dieselben Bürger, die damals die Dr.-Marx-Gruppe vertrieben (auch wenn die Median-Klinik letztlich trotzdem gebaut wurde) gegen die ECH und FUNDUS.

Was genau geschah wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, ist aber im Internet nachzulesen. Zuletzt gab es einen Aufruf zu zivilem Ungehorsam, der zur Folge hatte, dass sich Bürger - ortskundige Bürger - über die neue Wegführung hinweg setzten und Eigentum der Stadt beschädigten.

Da die neue Wegführung, die von der SVV im Jahre 2006 rechtlich einwandfrei beschlossen wurde, durch diese Störer vereitelt wurde, setzte die ECH dem Treiben mit Zäunen ein Ende. Das Hotelgelände hatte viele zaunlose Lücken, die immer dann geschlossen wurden, wenn sie missbraucht wurden. Jeder Zaun in Heiligendamm ist letztlich eine Reaktion auf das, was geschehen ist.


Allerdings will das was geschehen ist keiner sehen.
 

Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen die Ostsee-Zeitung jubilierte und schwärmte - sogar ein eigenes Bautagebuch und Sonderseiten veröffentlichte und sich nicht zu schade war, die Investoren immer wieder zu befragen und regelrecht auszuquetschen. Was zum Fuchs ist bur geschehen, dass die Stimmung so kippen konnte?

Haben wir alle geglaubt, Jagdfeld wäre so reich wie Bill Gates und würde sein Privatvermögen investieren? Es war doch von Anfang an klar, dass FUNDUS Geld sammeln und die ECH Konzepte entwickeln muss und dass Heiligendamm mit dem Geld der Anleger, Banken und Hotelgäste wächst. Nur eine positive Stimmung und eine positive Einstellung der Region ermutigt Anleger und Banken zu Investitionen und nur unsere Herzlichkeit und Gastfreundschaft animiert die Hotelgäste zum Kommen und Wiederkommen.

Dass Heiligendamm sich nicht so entwickelt hat, wie es sollte, ist nicht allein der ECH zuzuschreiben. Die ECH hat wie vereinbart das Ensemble saniert und man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, dass sie das spitzenmäßig gemacht hat. Die ECH hat die Sanierung der Perlenkette an neue Merkmale geknüpft. Nicht, weil sie Lust hat, Millionen für eine unnötige Tiefgarage auszugeben, sondern weil die Tiefgarage nötig ist. Die ECH hat Pläne entwickelt, die allein sechsstellige Beträge gekostet haben und 21 Ämter haben die Pläne genehmigt. Nur die Stadtvertretung hat sie abgelehnt und da liegt der Ball nun und wird nicht getreten.

Im Gegenteil: Mit der "Versündenbockung" Polzins und den irrwitzigen Überlegungen, der ECH die von ihr teuer gekauften Perlen wieder wegzunehmen, schießt man ein Eigentor. 250.000.000 Euro hat die ECH investiert. Das Land hat sich auch beteiligt. Die beiden Vertragspartner Stadt und ECH sind dazu verdammt, zusammenzuarbeiten. Scheitert das Projekt, sind Rückzahlungs- und Schadenersatzforderungen in ungeahnter Höhe vorprogrammiert.

Darum bleibt nur, der ECH die Chance zu geben, die Perlen zu sanieren - auch wenn die Unsicherheit und das Misstrauen groß sind und Bauchschmerzen bei der Abstimmung bereiten. Ob ein "Ja" zu Tiefgarage und Wohnnutzung den Erfolg bringt, den sich die ECH erhofft und an den sie auch glaubt, wissen wir nicht. Aber ein "Nein" führt nicht zum Verkauf der Wohnungen, zu Einnahmen und zur Sanierung.

Auf die Gefahr hin, dass man sich damit lächerlich macht, muss erneut über die Bschlussvorlge abgestimmt werden und zwar so lange, bis das Ergebnis ein "Ja" ist.
 

Die einzige Alternative, die die Stadt hat ist, Experten ein paar Millionen für ein Alternativkonzept zu geben und die ECH dann davon zu überzeugen. Solange die Stadtverteter "Nein" sagen aber keine brauchbaren Alternativen vorlegen können, müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, die ECH zu blockieren und den Stillstand in Heiligendamm zu verschulden.

Man führe sich vor Augen: Die ECH hat fünf Jahre lang viel Zeit, Geld und Herzblut in die Entwicklung eines Konzeptes gesteckt, das von 21 Experten aus Land, Kreis und Stadt abgesegnet wurde und nun soll dieses Konzept umgesetzt und die Sanierung ermöglicht werden und die Stadtvertreterversammlung sagt "Nein".

Kurz etwas zur Attrakltivität Heiligendamms: Die gemeinsamen Planungen der Stadt und der ECH haben vorgesehen, eine Strandversorgung und Sportangebote im Osten neben dem Golfteich anzusiedeln. Das Land verkaufte dafür ein Grundstück und die Stadt hätte dieses erwerben und darauf die Strandversorgung entwickeln können. Stattdessen erwirbt eine Privatperson das Grundstück und nichts geschieht damit. Das alles ist aber nicht das Problem der ECH. Die ECH hat alles was weg soll geräumt und dann später abgerissen.

Dass es für die Betreiber keinen alternativen Standort in Heiligendamm gibt, ist der ECH nicht anzukreiden. Durch das Versäumnis der Stadt, Heiligendamm um das Hotel herum touristisch attraktiv zu gestalten und den Gastronomen eine neue Bleibe zu bieten, hat Heiligendamm sehr an Attraktivität eingebüßt. Es ist absehbar, dass Herr Butze mit dem Bau der Tiefgarage oder spätenstens des Thalassozentrums sein Bistro aufgeben muss und dann nicht weiß, wo er hin soll. Würde es ein entsprechendes Gebäude zur Strandversorgung bereits geben, hätte er wenigstens eine Wahl zwischen Weitermachen oder Aufhören. Dasselbe war es mit dem Schwanen-Café. Zwar ist ein Schwanen-Café ohne Kolonnaden quasi undenkbar aber zumindest hätte der Betreiber die Chance gehabt, in einer neuen Bleibe weiter zu machen. Spätestens mit der vollständigen Einfriedung des Hotelareals - zu dem ja auch die Perlenkette gehört und irgendwann auch die Professor-Vogel-Straße - wäre ein Auszug aus den Kolonnaden oder eine Neuausrichtung sowieso nötig gewesen.

Die einzige Chance, Heiligendamm für den konventionellen Tourismus attraktiv zu entwickeln, ist eine Entwicklung des Areals östlich des Ensembles und das liegt allein in der Hand der Stadt, die ja sogar eine zweite Seebrücke im Kopf hatte, von der man auch nichts mehr hört. Die Stadt muss die Stadt entwickeln, nicht die ECH. Und man sollte der ECH auch gar nicht großartig Stadtentwicklung in die Hände geben, denn damit gibt man etwas aus der Hand, womit man in Heiligendamm noch Geld verdienen kann.
 

Die ECH soll das Resort entwickeln und die Stadt muss den Rest so entwickeln, dass es für Touristen, Urlauber, Kurgäste, Hotelgäste und Einwohner gleichermaßen attraktiv und nutzbar ist. Der Kurwald ist ein guter Anfang. Nun muss es weiter gehen. Und statt teurer Straßenkreisel oder Umgehungen sollte man lieber eine Strandversorgung bauen und - nicht zu vergessen - die Schulen und KITAs sanieren.

Zu guter Letzt: Darf das Land für das Grand Hotel bürgen? Wenn es für jedes andere Hotel in gleicher Situation im gleichem Umfang auch bürgt - ja.

Das Land hst in Heiligendamm ordentlich dazu gebuttert. Lässt es Heiligendamm fallen, ist das Geld pfutsch. In diesem Kontext sollte man die Bürgschaft sehen. Allerdings sollte man sich nicht nur auf die Hotels konzentrieren, sondern auch die Industrie, von der wir nicht viel haben, unterstützen.

Die Werft hat viel unmittelbarer mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen - in Heiligendamm ist ja nicht die Wirtschaftskrise Hauptgrund, sondern die nicht funktionierende Zusammenarbeit aller.

Jagdfeld hat einmal gesagt, dass Luxus-Gäste eine krisensichere Klientel sind. Wenn das stimmt, sind also nicht die Gäste Schuld, die nicht kommen, weil sie nicht mehr genug Geld haben, sondern die Umstände, die die Gäste mit Geld vergraulen.

schreibt Martin Dostal aus Bad Doberan (bisher von der Ostsee-Zeitung nicht veröffentlicht)
 


Ich habe die Ostsee-Zeitung übrigens heute (06.07.2009) gebeten, in der Zeitung zu erklären,
was eine Bürgschaft ist und vorgeschlagen, mal Frau Brasche-Sallingers Gesprächsangebot wahrzunehmen
und sich zu erkundigen, wofür die Kredite sein sollen, für die gebürgt wird. Außerdem habe ich den Vorschlag gemacht,
sich von der ECH mal in Ruhe alles erklären zu lassen, wie ich es für diese Dokumentation getan habe.

Und da geht es auch schon weiter:
 


Man kann getrost davon ausgehen, dass diese Bürgschaft auch eingesetzt wird. Das Geld wird so sinnlos verbrannt, wie bei einem amerikanischen Jeep das Benzin. Das Modell Heiligendamm läuft nicht nach dem Prinzip Marktwirtschaft - es folgt der Planwirtschaft, wie zu DDR-Zeiten.

Ohne öffentliche Gelder und viel Wohlwollen der Regionalpolitik würde definitiv nichts laufen. Ein Fundus-Beton-Hotel gäbe es gar nicht, und die großspurigen »Entwicklungspläne« wären längst Schnee von gestern. Die zarten Pflanzen der Marktwirtschaft, die es in Heiligendamm gegeben hat, sind allesamt dem Großinvestor zum Opfer gefallen.

Wenn sich ein Hamburger an dieser Stelle aufregt, das Ostdeutsche Rentner Westgeld beziehen, ohne Ahnung von Bürgschaften zu haben, so ist das nur bedauerlich. An westdeutschen Oberlehrern mangelt es hier in der Region wahrlich nicht. Dem gescheiterten Prestige-Objekt Heiligendamm hat das allerdings nichts genützt, wie man sieht.

schreibt Axel Thiessenhusen aus Rostock
 


Googlen Sie selbst nach diesem Namen oder vielleicht dem Namen in Verbindung mit Heiligendamm.

Und weiter:
 


Es ist schon lange zu sehen, das diese Unternehmen gescheitert ist. Nur durch den G8-Gippfel und Bush konnten noch Gelder eingespielt werden. Hier ist die Umgebung und da Angebot sehr fragwürdig. Daduch, das die einstmaligen Bauvorhaben nie bendet wurden, ist die Anzahl der Gäste auch nicht gestiegen. Es gibt weit andere Hotels, die stets um ihre Existenz kämpfen müssen und weit mehr zu bieten haben.

Der Erhalt von 4 Millionen ist eine Wettbewerbsverzerrung in der Gastronoimie.Während andere um Kredite betteln müssen und erhebliche Hürden überspringen, um diese Kredite zu erlangen, wird hier wie bei der Wadan Werft Geld bereitsgestllt, ohne genau Prüfung.

Die Verursacher des Wadan Verkaufs haben wohl nichts dazu gelernt. Das Geld hätte man für die vielen Zuliefererbetriebe mit ihren tausenden Beschäftigten wegen des Zahlungsausfalls seitens der Werft bereitstellen sollen, dann wären mehr Arbeitsplätze für immer gerettet worden. Hier aber ist es eine Zeitverschiebung, und das Geld ist verbraucht wegen schlechtem Managment und Wirtschaftlichkeit.
 

schreibt Gerd Stranghöner aus
 


Hatten wir den Herrn Stranghöner nicht schon einmal? Ja, hatten wir - und den Herrn Thiessenhusen auch.
Das bestätigt die Annahme derer, die sagen, dass es immer dieselben Leute sind, die sich ins Bild rücken wollen.
Wenn das allerdings der Herr Stranghöner hier ist, dann ist seine Unwissenheit peinlich.

Auf meine Frage, woher er seine Informationen bezieht, kam nur eine ausweichende Antwort.

Zum Schluss (für heute) eine Reaktion auf meinen Leserbrief. Leider ist nicht erkennbar, ob der Schreiber die
von der Ostsee-Zeitung gekürzte abgedruckte Version gelesen hat oder die im Forum vorhandene "Vollversion".
 


Und nun Herr Dostal geben Sie den Bürgern die Schuld. Haltet den Dieb. Wenn die Bürger nicht Schuld sind, dann ist es die Stadtvertretung - zum Schluss sind es die Gesetze. Irgend jemand wird sich schon finden, der die Schuld dafür bekommt. Sie bemühen im Übrigen die Uraltargumente von den »bösen Schaulustigen«.

Ich erinnere daran, dass die ECH viel Werbung in den Massenmedien gemacht hat. Und es ist das passiert, was die ECH haben wollte. Und dann musste die »arme« ECH alles einfrieden. Ich bezweifle, dass ein Schild am Eingang Heiligendamms mit der Aufschrift »Bürgerfreie Zone« mehr Übernachtungsgäste anzieht. Schließlich haben die Bürger öffentliches Waldgelände - völlig legal - betreten, um zu demonstrieren, dass sie nicht in einer Bananenrepublik leben.

Und jetzt kommen nämlich die harten Fakten: Mißmanagement, Selbstverliebtheit, Unehrlichkeit und Selbstüberschätzung. Heiligendamm ist heute nicht konkurrenzfähig. Das nahe Kühlungsborn hat einfach überholt. Dort gibt es die Angebote, die in Heiligendamm fehlen. Dort trifft man auch nicht auf eine Ruinenlandschaft wie die Perlenkette. Oder wie erklären sich die außerordentlich schlechten Auslastungszahlen? Sind eventuell die Übernachtungsgäste schuld??


schreibt Axel Thiessenhusen aus Rostock
 


Wieder Herr Thiessenhusen. Ich bin gespannt, ob die Ostsee-Zeitung zu seinem ersten abgedruckten Kommentar
auch die anderen beiden abdruckt. Wenn es um Heiligendamm geht, gibt es nur Schwarz oder Weiß.
Dass es Leute gibt, die weder für die ECH, FUNDUS, das Grand Hotel und Jagdfeld auf der einen Seite,
noch für die Bürgerinitiative, den Bürgerbund und dem Aktionsbündnis Heiligendamm sind, begreifen viele Leute nicht.
Hier werde ich von Herrn Tiessenhusen gerade in die Ecke der Befürworter (von allem, was FUNDUS nützt) gestellt.
Dabei ist es gerade erst einen Monat her, als ich im Stadtanzeiger von Herrn Jütte in die Ecke der Gegner 
(von allem, was FUNDUS nützt) gestellt wurde. Ich wurde sogar schon offen gefragt, auf wessen Seite ich mich befinde.
Das hat mich erst recht erschüttert. Es widerspricht meiner Weltanschauung, in den Farben schwarz oder weiß
zu denken und es widerspricht meinem Weltbild, für irgend etwas die Schuld oder Schuldigen zu suchen.
Die Suche nach dem Schuldigen einer Situation hat noch nie etwas an der Situation geändert.
Kein Problem dieser Welt lässt sich lösen, indem man die Schuldfrage stellt. Alles im Leben ist
eine endlose Kette von Ursache und Wirkung - von Aktion und Reaktion. Für mich macht es absolut keinen Sinn,
nach Schuldfaktoren zu suchen. Für mich zählt, was geschieht und was es bewirkt. Man kann den GRUND
einer Sache suchen und das ist in der Tat ein sehr ergiebiges Unterfangen aber die SCHULD zu suchen,
ist ein sinnloses Bemühen.

Was klingt besser?

"Herr Thiessenhusens Mutter ist Schuld daran, dass ihr Sohn diesen Beitrag geschrieben hat."
oder
 "Der Grund dafür, dass Herr Thiessenhusen diesen Beitrag geschrieben hat, ist in kurzer Linie
einer schönen Liebesnacht seiner Eltern zu finden."?

Dennoch habe ich auf eine philosophische Abhandlung verzichtet und eine menschliche Antwort verfasst.
Auf weitere Diskussionen werde ich mich aber nicht einlassen.
Die Art der Argumentation Herr Tiessenhusens ist für mich nicht attraktiv genug. 
 


Ja, ich muss mich dazu als Angesprochener ja äußern. Ich weiß nicht, ob Sie die von der OZ gekürzte Version gelesen haben oder die Vollversion im Forum.

Aber eigentlich ist das auch egal, denn Ihre Antwort streift ganz knapp am Thema vorbei.

Die Schuldfrage habe ich nämlich nie gestellt.
Die Schuldfrage stellen nur die Hoteldirektoren, Jagdfeld selbst, einige ECH-Mitarbeiter, sowie anders herum die Bürgerinitiative und der Bürgerbund und einzelne Stadtvertreter und Privatpersonen. Zu solchem Blödsinn  lasse ich mich nicht hinreißen. Das löst kein Problem dieser Welt.

Ah ich sehe: Sie haben nur den gekürzten Beitrag gelesen. Dann sei Ihnen verziehen.
Sonst hätte ich gesagt, dass ich mich nicht auf eine Diskussion wegen des niveauarmen letzten Teils einlassen will.
Aber da reden wir vermutlich nur aneinander vorbei.
 


Irgend jemand hat übrigens über die Gegner (Schwarz/Weiß) einmal gesagt,
dass sie resistent gegen Argumente und Fakten sind.

 

 

 

Auch Schleswig-Holsteins Hoteliers sind empört über die Bürgschaft:


 


Ostsee-Zeitung | 04.07.2009 |


Empörung über Staatshilfen für Luxushotel


Rostock
(OZ) Empörung bei Schleswig-Holsteins Hotellerie:

Die Nachricht, wonach das Land Mecklenburg-Vorpommern dem finanziell angeschlagenen Grand Hotel Heiligendamm mit einer Bürgschaft von vier Millionen Euro unter die Arme greift, sorgt bei Politikern und Gastronomen im Nachbarland für einen Aufschrei: „Das ist unglaublich, das hat mit ordentlichem Wettbewerb zwischen den Tourismusregionen nichts mehr zu tun“, schimpft der Wirtschaftsexperte der Kieler Landtags-CDU, Hans-Jörn Arp. Es müsse geprüft werden, ob eine solche Förderung überhaupt mit dem EU-Rech  vereinbar sei. Regina Poersch (SPD) fordert im Gegenzug Hilfen für den Ausbau der Tourismus-Infrastruktur Schleswig-Holsteins. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki erklärt bitter: „Vier Millionen Euro für ein Luxus-Hotel – das ist für die Schweriner Regierung also soziale Gerechtigkeit.“

 

Das Grand Hotel Heiligendamm gehört ebenso wie das noble Berliner Hotel Adlon oder das Deutscher Kaiser in München zur Fundus-Gruppe des Investors Anno August Jagdfeld. Es war bereits Anfang des Jahres in die Schlagzeilen geraten, als der Betreiber Kempinski im Streit mit Fundus hinwarf. Die Auslastung des Hauses: gerade mal 50 Prozent. Bei Hoteliers wie dem Timmendorfer Grandhotel-Seeschlösschen-Juniorchef Christian von Oven rennen die Politiker offene Türen ein. „Das ist doch eine klare Wettbewerbsverzerrung“, sagt von Oven. Konkurrenz sei gut, dass man dem Tourismus im Osten nach der Wiedervereinigung auf die Beine geholfen habe, sei in Ordnung, „aber mittlerweile könnte man die Subventionierung einstellen“. „Wir haben alle zu kämpfen. Es kann nicht sein, dass ein einzelnes Haus derart unterstützt wird“, empört sich auch Belveder-Geschäftsführer Robin Stork (Scharbeutz). „Wie sollen ordentlich wirtschaftende

Familienbetriebe dagegen ankommen?“, fragt Schleswig-Holsteins Dehoga-Chef Peter Bartsch. Wenn schon Hilfen für die Gastronomie, dann sollte für sie lieber bundeseinheitlich der Mehrwertsteuersatz auf sieben Prozent gesenkt werden, fordert er.

 

W. HAMMER

 


Der Artikel spricht ja für sich.


Rückendeckung vom DEHOGA: Heiligendamm hat eine Chance verdient.
 


dpa vom 11.07.2009 11:05

Verband: Heiligendamm hat eine Chance verdient

Heiligendamm
(dpa/mv) - Die umstrittene Millionenbürgschaft für das angeschlagene Grand Hotel im Ostseebad Heiligendamm ist aus Sicht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) berechtigt. Das Haus habe einen prominenten Namen und sei als Aushängeschild für die Region wichtig. «Zudem sind dort eine Menge Mitarbeiter beschäftigt, das sollte man nicht vergessen», sagte DEHOGA-Landeschef Guido Zöllick in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Am 1. Juli hatte das Schweriner Kabinett grünes Licht für die Absicherung eines Vier-Millionen-Euro-Darlehens gegeben. Die Opposition kritisierte die Staatshilfe für das Luxushotel als falsches Signal.
 

 


Natürlich melden sich auch hier wieder Kritiker zu Wort:
 


oz vom 11.07.2009 11:07
 

Ja! Jeder hat eine Chance verdient. Aber was verändert sich in Heiligendamm um diese Chance zu nutzen? Zäune noch höher bauen? Mehr Fläche für die Einsamkeit sperren? Vor vier Wochen wolllten die Herrren "ich hab ja Ahnung und ihr sied doof" noch Heiligendamm unterhölen, die Ruinen im schönsten Glanz erstrahlen lassen und heute brauchen Sie Bürgschaften um Butter, Milch und Radies einzukaufen.

Der grösste Fehler war, Heiligendamm an einen "ich brauch nur Euer Fördergeld"-Investor zu verschenken! Wenn ich Kühlungsborn sehe,weiss ich,ein Urlaub in Heiligendamm ist eine Bestrafung für böse Schwiegermütter!


schreibt Thomas Schütt aus Rostock

 

oz vom 11.07.2009 08:07


Diese Ansicht wird aber nicht von den kleinen mittelständischen Unternehmen vertreten.Warum wird nicht das Geld durch die Hotelkette bereitgestellt, der Heiligendamm anghört? Andere Unternehmen beschäftigen tausende von Arbeitskräften, gehen auf Kurzarbeit und müssen auf eigene Rücklagen wenn vorhanden zurückgreifen. Hier aber wird Geld regelrecht zum "Versenken" angeboten. Es gibt auch andere Hotels, die ebenbürtig sind, aber auf sich gestellt sind.

Das sogenannte Flagschiff liegt schon seit Jahren auf Schlagseite und konnte sich wohl nur durch die beiden großen Veranstaltungen retten (G8, Bush). Spätestens zum Jahresende wird wieder Geld gebraucht!
 

schreibt Rolf Stranghöner aus Rostock
 


Am Besten macht sich hier wieder ein selbsterklärender Leserbrief von mir:
 

 

oz vom 13.07.2009 11:07


Bürgschafts-Diskussion: Erschreckende Reaktionen


Ich bin erschrocken über die vielen Reaktionen, die sachlich völlig falsche Aussagen beinhalten. Offenbar glauben viele Menschen tatsächlich, dass 4 Millionen Euro an Geld nach Heiligendamm fließen.

Kein Wunder: 90% derer, die sich geäußert haben wissen gar nicht, was eine Bürgschaft ist und dass bei einer Bürgschaft kein Cent Geld fließt. Unklar bleibt vielen zudem, wofür die Betreibergesellschaft die Bürgschaft braucht. Sie möchte nämlich einen ganz bestimmten und ganz alltäglichen Kredit aufnehmen. Dieser Kredit wird in guten Zeiten problemlos gewährt und im Moment haben viele Unternehmen Probleme damit, ihn zu kriegen. Aber es ist kein Geldkredit in dem Sinne, sondern nur eine Kreditlinie, die in wirtschaftlich schlechten Zeiten genutzt und in guten Zeiten wieder ausgeglichen wird. Und die Bürgen haben sich lt. FUNDUS so abgesichert, dass selbst im Falle des Falles dem Steuerzahler keine Kosten entstehen. Steht nirgendwo nachzulesen, außer auf einer Internetseite. Auch wurde hier davon gesprochen, dass die Betreibergesellschaft doch das Geld zur Verfügung stellen möge. Gerade die hat doch aber die Bürgschaft beantragt! Oder dass man doch einen Kredit aufnehmen könnte (?!) Wie gesagt: Alles sehr erschreckend.

Zum Thema Betreibergesellschaft möchte ich das einfach mal erklären. Vielleicht liest es ja jemand: Die Betreibergesellschaft ist die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG derzeit mit Holger König als Geschäftsführer. Gesellschafterin ist die Grand Hotel Heiligendamm GmbH mit Jagdfeld als Geschäftsführer. Darum ist es auch Jagdfeld, der die Bürgschaft beantragt hat. Von hier kommt nämlich das Geld. Die Kommanditgesellschaft (KG) betreibt das Hotel nur.

Die EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co KG hat rein gar nichts mit dem Hotel zu tun. Hierbei handelt es sich um eine FUNDUS-Tochter, die nur den Zweck hat, den Markt zu analysieren und das von FUNDUS erworbene Areal in Heiligendamm marktgerecht zu entwickeln. Darum ja auch "Entwicklungs"-Compagnie. Das ist ungefähr so, wie die WIRO zur Stadt Rostock oder die WIG zur Stadt Bad Doberan gehört und doch eigenständig ist. Diese EntwicklungsCompagnie - kurz "ECH" genannt - plant und verwirklicht die Sanierung der vertraglich zu sanierenden Gebäude, sowie die Neubauten und Außenanlagen. Sie ist auch für die Vermarktung der Villen zuständig. Die ECH bedient sich dabei einem von FUNDUS aufgelegten Immobilienfonds, in den Anleger Geld einzahlen. Die Anleger sind damit auch Miteigentümer von all dem, was die ECH mit dem Geld aus dem Fonds saniert und baut. Das Hotel - quasi 80% von Heiligendamm - gehört also den ca. 2000 Anlegern des FUNDUS Fonds 34.

Die Perlenkette jedoch wird klassisch finanziert, weil der Fonds nicht mehr am Markt ist. Das bedeutet: Erst die Wohnungen planen (was bereits abgeschlossen ist) , dann die Wohnungen einzeln an Interessenten verkaufen (was noch läuft aber wegen u. g. Gründen stockt) und dann mit dem Geld aus den Verkäufen plus Kredite die Perlen sanieren.

Die Käufer verlangen Parkmöglichkeiten am Haus und da die Stadt weitere Parkplätze an der Oberfläche sinnigerweise verbietet und die nächsten Oberflächenparkplätze 400 Meter entfernt sind, möchte die ECH Parkplätze unter der Erde haben.

Unterhöhlungen sind dazu nicht nötig: Der Tunnelparkplatz soll VOR der Perlenkette zur Seeseite hin gebaut werden. Ein Teil davon befindet sich unter der Promenade, die für diese Zwecke auf Kosten der ECH abgetragen, auf das Niveau östlich und westlich der Senke angehoben und wieder neu gebaut wird. Nicht ohne Grund hat das StAUN diesen Promenadenabschnitt nur provisorisch fertig gestellt und nicht gepflastert. Die Verbindungen zu den Häusern erfolgen über die bestehenden Keller bzw. bei den Neubauten (Perle, Möwe, Schwan, Ensemble-Palais, Ensemble-Villa, Thalassozentrum) über die sowieso neu eingebauten Kellerräume.

Der Tunnelparkplatz ist auch nicht nur ein Stellplatz, sondern enthält auch Lager- und Versorgungseinrichtungen und lässt die Hotellogistik (E-Autos) in diesem Bereich unter der Erde verschwinden. Die Tiefgarage unter dem Thalasso-Zentrum wird öffentlich und von dort aus (Seedeichstraße) erfolgt dann auch die Zu- und Ausfahrt.

Mit dem Hotel hat das ganze nicht sehr viel zu tun. Die Wohnungen gehören den Käufern (die sie aber nur kaufen, wenn dier Tunnelparkplatz kommt), Ensemble-Palais und Ensemble-Villa sind eigene Angebote und die Meereswasserschwimmhalle (Thalasso-Zentrum) wird öffentlich, wie auch schon die Restaurants und Cafés, sowie der SPA-Bereich des Grand Hotel. Das alles entwickelt die ECH und dafür bekommt sie eigene Baukredite - nämlich in dem Moment, wo die Wohnungen verkauft sind und die ECH mit dem Bau beginnen kann. Darum gibt es auch keine Finanzierungsgarantie.

Die einzige Alternative zur klassischen Immobilienfinanzierung ist der weitere Verfall und für den hat sich die alte Stadtvertreterversammlung zunächst - wenn auch nicht wörtlich - entschieden. Die ECH kann ohne Tunnelparkplatz die Wohnungen nicht verkaufen und ohne Geld nicht mit der Sanierung anfangen. Eigentlich ganz einfach - wenn man den Zusammenhang kennt. Die ECH hat sehr spät damit begonnen, diesen Zusammenhang zu erklären und die hauseigene Zeitung erreicht nur die Bad Doberaner und Heiligendammer. Da gibt es halt große Defizite und das muss man der ECH schon vorwerfen.

Ihr aber vorzuwerfen, erst Pläne zu schmieden und dann eine Bürgschaft für einen alltäglichen Kredit zu beantragen, ist blanker Unsinn. Die Bürgschaft wurde vom Hotel beantragt und wird auch nur vom Hotel beansprucht. Anders geht das gar nicht. Es kann ja auch nicht Skoda eine Bürgschaft beantragen und Seat diese Bürgschaft bei Kreditaufnahme vorlegen. Es sind beides Volkswagen-Töchter, wie GHH und ECH FUNDUS-Töchter sind - unter einem Hut aber völlig eigenständige Unternehmen. So viel zum Verständnis "Betreiber und Entwickler". Vielleicht ist der eine oder andere jetzt schlauer.

schreibt Martin Dostal aus Bad Doberan (bisher von der Ostsee-Zeitung nicht veröffentlicht)


 


Die Ostsee-Zeitung hat sich übrigens erlaubt, sämtliche Kritik an sich selbst im Text penibel zu entfernen. So ist dann nicht nachzulesen, dass ich moniere, in der Ostsee-Zeitung noch keine Info gefunden zu haben, was eine Bürgschaft eigentlich ist und wozu sie gebraucht wird. Auch der Hinweis darauf, dass man mir prompt sagte, wozu die Bürgschaft benötigt wird und dass die OZ doch selbst mal recherchieren möge fehlt. Da standen auch noch ganze drei bis vier Zeilen mehr am Ende, die sich ebenfalls auf die Ostsee-Zeitung beziehen und die die Redakteure einfach weggeschnippt haben. Langsam wird das m. E. kriminell.

Eine weitere Leserin hat die Tatsachen erkannt:
 


oz vom 13.07.2009 12:07
 

Bürgschaft ist kein Bargeld
 

Die Wadan Werften bekommen 190 Mio € vom Bund und haben nur Arbeit bis September. Das Grand Hotel Heiligendamm erhält nur 4 Mio € vom Land. Das sind ca. 13.000 € pro Arbeitsplatz im Gegensatz zu 76.000 € bei den Werften. Es handelt sich dabei um Bürgschaften. Das ist kein Bargeld und kein Geschenk an Reiche.

Das Grand Hotel gehört übirgens 1800 Kleinanlegern. Das sind Mitmenschen, die ihr Erspartes gewinnbringend anlegen wollten wie bei der Volkssolidarität.

Aber vor allem geht es um den Erhalt der Arbeitsplätze nicht nur der Angestellten des Hotels sondern auch der Handwerker und der Lieferanten, die für den Betrieb des Hotels sorgen. Auch Kühlungsborn und Umgebung profitiert von diesem Haus. Es setzt den Maßstab bester Gastronomie in der Region.

schreibt Esther Appuhn aus Kühlungsborn

 


Zwei Leute - ein Gedanke. Und Frau Appuhn hat sogar noch nachgerechnet. Und sie kennt die aktuelle Zahl der Anleger.
Und: Frau Appuhn arbeitet in derselben Branche - sie ist Chefin des Hauses "Riedenrohr" in Kühlungsborn.

Wichtiger als die Frage "Warum macht die Landesregierung das?" ist aber die Frage:
 


Wozu braucht FUNDUS die Bürgschaft überhaupt?

Haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt? Nun, die Ostsee-Zeitung hat sie weder sich, noch laut FUNDUS der FUNDUS-Gruppe gestellt. Zumindest bis zum heutigen 06.07.2009 um 14:00 Uhr. Ich habe Herrn Plöger von FUNDUS per E-Mail gefragt und er hat prompt - binnen Minuten - eine Antwort geschickt, die ich mit eigenen Worten - da sie stichpunktartig war - wiedergeben möchte:
 





Das Grand Hotel benötigt einen klassischen Betriebsmittelkredit. 
Es handelt sich hierbei um einen Kredit zur Finanzierung der Betriebsmittel 
(siehe Infokasten rechts)

In  "normalen" Zeiten bekommt die Betreibergesellschaft diesen Kredit
von jeder Bank auch ohne Bürgschaft.

Doch der Bankensektor funktioniert leider weiterhin noch nicht, 
wie uns die aktuellen Äußerungen der Bundesregierung zeigen. 
Daher bekommt die Betreibergesellschaft  trotz sehr guter 
Eigenkapitalquote des Hotels nicht einmal die diskutierten vier Millionen. 

Bank und Bürgschaftsgeber haben sich indes hervorragend abgesichert.
Im"Fall der Fälle" würde der Steuerzahler also keinesfalls belastet.

Im Infofenster auf der rechten Seite ist der Betriebsmittelkredit 
genau erklärt. Hier bezieht er sich auf einen Produktionsbetrieb,
sodass der Sinn für das Grand Hotel nicht gleich offensichtlich wird.

Darum ein paar Beispiele: 
Das Grand Hotel muss für die Restaurants und Bars Lebensmittel
und Getränke einkaufen, sowie Reinigungsmittel und Textilien für das
Hotel. Viele Firmen arbeiten für das Hotel. Sie kümmern sich um die
Pflege der Außenanlagen, die Reinigungsarbeiten, die Instandhaltung,
die Dekoration und Innenausstattung, nur um einige zu nennen.

Das Grand Hotel ist darauf angewiesen, kurzfristig auf Angebote
reagieren zu können, um so gute Preise zu bezahlen und Geld zu sparen.
Wenn die Eigenmittel dazu nicht reichen oder einfach nicht schnell genug 
liquide sind (Ein Hotel hat ja kein Geld im Schrank herum liegen), hilft
der Betriebsmittelkredit.  


Info: Betriebsmittelkredit

Betriebsmittelkredit − damit das Eigenkapital nicht im Lager verstaubt

Mittelständische Betriebe sind zur Finanzierung ihrer Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe sowie Halbwaren oft auf einen Betriebsmittelkredit angewiesen.
 

In Zeiten von zunehmend schlechter Zahlungsmoral haben viele, auch gerade junge Unternehmen Schwierigkeiten bei der Finanzierung ihrer Betriebsmittel zu bewältigen. Einen gewissen Vorrat an Betriebsmitteln muss jedes Unternehmen haben, das Guter produziert oder weiterverarbeitet.

Natürlich darf die dafür vorgesehene Lagerhaltung nicht zu groß angelegt sein, damit notwendiges Kapital nicht unnötigerweise gebunden wird und nicht anderweitig eingesetzt werden kann, wo es eher benötigt wird. Daher ist es auch erstrebenswert, die produzierten Waren möglichst schnell wieder zu verkaufen, denn je eher sie das Werk verlassen, desto besser läuft das Geschäft.


Vorausgesetzt die dann ausstehenden Beträge werden zügig und fristgerecht bezahlt, kann der Unternehmer entsprechenden Nachschub an Betriebsmitteln ordern. Doch leider zahlen nicht alle Kunden pünktlich, das Geld fehlt einfach und kann nicht sofort wieder in die Produktion laufen. Und wenn der Unternehmer in diesem Augenblick ein besonders gutes Angebot über Rohstoffe usw. erhält, tut das Fehlen des Geldes doppelt weh. Gut, wenn man dann einen Betriebsmittelkredit in Anspruch nehmen kann und somit unabhängig von Eingang der ausstehenden Zahlungen handeln kann.


Bei diesem Kredit handelt es sich im Allgemeinen um einen Kontokorrentkredit, der wegen dem Bezug auf das Umlaufvermögen kurzfristigen Charakter hat. Die Bank räumt ihrem Kunden einen Maximalbetrag, also eine Kreditlinie ein, bis zu der er ohne große Formalien verfügen kann. Wesentlich ist dabei, dass die in Anspruch genommene Kredithöhe so weit schwanken kann, dass auch zwischenzeitlich ein Kontoguthaben möglich ist. (...)


Quelle: news-und-trends.de

 

 

 

"ZUKUNFT HEILIGENDAMM" klärt über die Bürgschaft auf:

 


Hier geht es zur vollständigen Ausgabe der August-Auflage.



Zum Abschluss noch eine Reaktion, die ich erst später entdeckte, die aber bemerkenswert ist:

Ich fand diesen Leserbrief bei einer Recherche zu einem ganz anderen Thema am 08.09.2009.
Es ist eine Reaktion auf meinen Leserbrief "Erschreckende Reaktionen.
Zunächst stolperte ich über diesen Verweis unter meinem Leserbrief:



Ich habe ihn gelb markiert. Was der Verfasser meint ist klar: Er unterstellt mir, von Jagdfeld bezahlt zu werden. Ich kenne Herrn Jagdfeld nicht persönlich und habe noch nie mit ihm geredet oder geschrieben. Es hat sich nicht ergeben und war auch nicht nötig, denn alle Fragen zum Projekt beantwortet mir Hans Schlag von der ECH und Fragen zu FUNDUS selbst hatte ich bislang noch nicht.

Wenn ich nun auf den Link klicke, präsentiert sich mir eine ganz andere Überschrift. Die Ostsee-Zeitung hat also die Überschrift - sagen wir: neutralisiert:





Die Kleinschrift, die Ausdrucksweise und der Verweis auf das Schwarzbuch (Welches übrigens nur ein Sammelsorium von Artikelüberschriften verschiedener Medien zu Lasten FUNDUS' ist) erinnern an die unzähligen Kommentare von "max meer"
Das sagt Google zu "max meer" und das sagt Google zu "Martin Reiter Berlin"  (Es öffnet sich ein neues Fenster).
Ist es Zufall, dass ein Martin Reiter Vorsitzender des Tacheles in Berlin ist und im Leserbrief darauf verweist und zugleich ein "Max Meer" im selbenb Stil zum selben Thema Kommentare und Leserbriefe verfasst? Zumindest "Max Meer" wurde vom Stadtanzeiger "am Samstag in die Schranken gewiesen, als er einen Kommentar gegen mich verfasste. Der Inhalt ist mir nicht bekannt und interessiert mich auch nicht. Herr Jütte hat den Kommentar entfernt. Hier können Sie das nachvollziehen. (öffnet neues Fenster)

Was die Argumentation Herrn Reiters betrifft: Der Staat unterstützt auch Nokia, Opel und Volkswagen, sowie Arcandor,.
Das sind Unternehmen, von denen man auch sagen würde, dass sie es eigentlich nicht nötig hätten - ganz zu schweigen, von den Banken, deren Manager trotzdem Bonuszahlungen in Millionenhöhe kassieren. Darüber mag man denken, was man will, ohne sich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, dass seine Gedanken falsch sind. Denn es bleibe dabei: Die Gedanken sind frei.


Nächstes Thema:

 

Es kommt noch schlimmer: Laut Medien schuldet die ECH der Stadt Geld.
 


Immer wieder war in Zeitungen und Foren zu lesen, dass die Firmen, die am Bau des Grand Hotels beteiligt waren oder sonst wie für die ECH arbeiteten und arbeiten, sehr zufrieden mit der auffallend guten Zahlungsmoral der ECH sind. "Es wurde immer alle Rechnungen bezahlt und das ist heutzutage leider nicht selbstverständlich" ließ ein Mitglied des HGV einmal verlauten.

Nun aber steht in der Zeitung zu lesen. dass die ECH der Stadt Geld schuldet. Von Pachtzahlungen ist die Rede und von Zahlungen für die Erschließung der Touristischen Erschließungsstraße. Ein erster Hinweis fand sich von einem anonymen Schreiber im Stadtanzeiger in den Kommentaren zum Thema "Wiederaufbau der Perle":

Ein anonymer Schreiber behauptet, die ECH hätte 500.000 Euro Schulden bei der Stadt.
 


Stadtanzeiger am Samstag | 10.06.2009 - 16:34:28


senor anonym


vertrauen vertan

schad dass die entwicklung des seebades heiligendamm so voller unwahrheiten und lügen behindert wird!
ich schreib anonym weil ich respekt vor fundus habe und nicht möchte dass sie mir in meinem beruflichen und privaten leben schwierigkeiten machen.
eine wichtige information: fundus schuldet der stadt bad doberan ca 500000&#8364; zu deren zahlung sie sich im rahmen der erstellung der randstrasse heiligendamm verpflichtet hatten..., was nun herr bürgermeister? wissen das die stadtvertreter???
klarheit und wahrheit!
 


Der Verfasser dieses Beitrages sollte nicht ernst genommen werden, denn wer anonym andere Leute der Lüge und der Nötigung bezichtigt, entbehrt damit jeder Grundlage einer Anerkennung. Ich zeige Ihnen diesen Schrieb, damit Sie sehen, auf welchem Niveau sich einige Menschen in der Diskussion um Heiligendamm bewegen. Ich meine, den Spruch "Klarheit und Wahrheit" schon einmal in der Bad Doberaner Politik gehört zu haben. Tatsache dürfte sein, dass der Schreiber diese Informationen gar nicht haben dürfte und sich nicht aus Angst vor FUNDUS, sondern aus Angst vor der Stadt nicht zeigen will. Wenngleich er sich mit seiner scheinbaren Anonymität in falscher Sicherheit wiegt - die IP-Adresse liegt dem Stadtanzeiger mit Sicherheit vor und im Falle einer Straftat lässt sich darüber der Urheber ganz einfach herausfinden. Die Formulierung "zu deren zahlung sie sich im rahmen der erstellung der randstrasse heiligendamm verpflichtet hatten" klingt eigentlich recht bürokratisch. Möglicherweise ist da was nach außen gedrungen, das nicht nach außen gehört. Einmal, weil Vertragsangelegenheiten unter den Vertragspartnern und nicht in der Öffentlichkeit zu regeln sind und zum anderen, weil Mitarbeiter der Stadt einer gewissen Verschwiegenheitspflicht unterliegen, die hier gebrochen zu worden scheint. Was kann der anonyme Schreiber mit seiner Veröffentlichung beabsichtigen? Sie kann dem Image der ECH und auch der Stadt Schaden zufügen.

Nachtrag: Wohl derselbe Schreiber hat im gleichen Stil einen weiteren Beitrag verfasst, der sich offenbar gegen mich richtete - zumindest aber in Bezug auf meinen Kommentar stand. Allerdings wurde der Beitrag von der Redaktion gelöscht, ehe ich ihn zu Gesicht bekam. Als Begründung nannte der Redakteur Beleidigungen und Angriffe. Wie wir also sehen, ist das Niveau bei einigen Menschen ganz unten angekommen.


Kurz darauf wird die Sache öffentlich:
 


Ostsee-Zeitung | 04.07.2009 | Titelseite

G8-Hotel: Stadt sitzt auf offenen Rechnungen

 

Schwerin (OZ) - Die finanzielle Lage des angeschlagenen Grand Hotels Heiligendamm ist offenbar weitaus dramatischer als bislang bekannt. Nachdem das weltbekannte G8-Hotel erst vor wenigen Tagen eine Bürgschaft des Landes in Höhe von vier Millionen Euro in Anspruch nehmen musste (OZ berichtete), drängt die Stadt Bad Doberan die Betreibergesellschaft Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), Schulden in Höhe von fast einer halben Million Euro an die Gemeinde zurückzuzahlen.
 

Wie Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) der OSTSEE-ZEITUNG bestätigte, habe ECH unter anderem Erschließungskosten für die zum Luxushotel führende öffentliche Straße seit über sechs Monaten nicht bezahlt. Dazu zählten auch Rechnungen für Reparaturen. Im April habe ECH bei Polzin eine Ratenzahlung über den Betrag von 458 430 Euro beantragt. Ein entsprechendes Protokoll liege dem Rechnungsprüfungsausschuss der Doberaner Stadtvertretung vor, erklärte der Verwaltungschef. Nach Angaben des FDP-Abgeordneten Harry Klink schuldet ECH, die zum Imperium des Kölner Immobilienmagnaten Anno August Jagdfeld (62) zählt, der Kommune außerdem noch Pachtzinsen und Grundsteuern. In beiden Fällen habe Jagdfeld Stundung beantragt. Klink warf Polzin vor, dem Stadtparlament die Wahrheit viel zu lange verschwiegen zu haben. „Wir denken darüber nach, Polzins Rücktritt zu fordern“, sagte Klink.

Jagdfelds Sprecher Christian Plöger bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung. Plöger sprach von „einigen offenen Fragen und abweichenden Vorstellungen“. ECH-Geschäftsführer Hans Schlag räumte ein, dass es mit der Gemeinde Gespräche über Pachtzahlungen gebe. Bei den Erschließungskosten hätten beide Seiten „unterschiedliche rechtliche Auffassungen“. Dass es viele offene Rechnungen gebe, sei „absolut falsch“. Die ECH habe mit zwei Millionen Euro den Löwenanteil der Erschließungskosten längst gezahlt, ließ Schlag in einer offiziellen Pressemitteilung verlauten.
 

Jagdfeld selbst verteidigte erstmals öffentlich die Inanspruchnahme der staatlichen Millionen-Bürgschaft. Jagdfeld wörtlich: „Heiligendamm ist, glaube ich, genauso wichtig wie die Werften. Es ist eines der Flaggschiffe des Landes. Die Bürgschaft war eine vernünftige Entscheidung.“

Die Opposition im Landtag schlägt indes Alarm. Sowohl FDP-Fraktionschef Michael Roolf als auch Amtskollege Helmut Holter (Linke) verlangten Aufklärung darüber, ob das Land vor der Bewilligung der Bürgschaft von den Schulden der ECH wusste. Die Landesregierung verteidigte dagegen ihr Vorgehen. ECH habe juristisch mit dem Bürgschaftsnehmer, der Fundus 34, nichts zu tun, hieß es aus Regierungskreisen.
 

Seite 2: Kommentar/Leserbriefe

JÖRG KÖPKE
 


Fassen wir also zusammen:
Die ECH hat seit über 6 Monaten eine Rechnung für die Erschließungsstraße nicht bezahlt.
In Behörden ist es üblich, halb- oder ganzjährig abzubuchen. Es kann sich also nur um eine oder um zwei Raten handeln.

Wir haben gerade erst Juli, das halbe Jahr liegt im Juni, Zahlungsziel bei Überweisungen sind im öffentlichen Bereich um die 20 Arbeitstage.

Das heißt, dass es vermutlich eine Rechnung gibt, die am 30.06.2009 fällig war und am 01.07.2009 noch nicht bezahlt, sodass man da gleich ein Fass aufmachen muss. Dann ist da noch die Sache mit dem Antrag auf Ratenzahlung. Ob dem stattgegeben wurde, steht im Artikel nicht zu lesen.

Der FDP-Abgeordnete Harry Klink kennt genaue Zahlen und ist damit scheinbar der einzige. Und er will den Bürgermeister absetzen.
Harry Klink ist auch der erste, der als Stadtvertreter den Bürgermeister - damals auch schon Polzin - verklagte und er ist derjenige, der in einer kleinen Anfrage die Offenlegung aller Beschäftigungen und Einkünfte des Polzins verlangte. 



Die Ostsee-Zeitung kommentiert und holt alles wieder hoch:
 


Ostsee-Zeitung | 04.07.2009 | Kommentar


Verrechnet


E
s lässt sich darüber streiten, ob der Staat in Millionenhöhe für ein Hotel bürgen sollte, das von Anfang an nicht genügend gern und gut zahlende Gäste anzog. Dafür spricht, dass auch in Heiligendamm rund 300 Arbeitsplätze entstanden sind und Menschen genau wie auf den Werften nun um ihren Job bangen.

Dagegen spricht, dass sich hier ein Immobilienmogul – übrigens mit Millionen aus Steuertöpfen – quasi eine kleine Spielzeugeisenbahn geschaffen und darüber offenbar jegliches wirtschaftliches Gespür verloren hat. Dabei mangelte es auch in der jüngeren Vergangenheit jenseits pekuniärer Stützen nicht an staatlicher

Fürsorge. Stadt und Stadtvertretung sind Eigentümer Anno August Jagdfeld seit Inbetriebnahme des Hotels großzügig entgegengekommen – mit  Wegesperrungen, Zäunen, Umleitungen. Und mit dem Zuschlag für die Ausrichtung des G8-Gipfels 2007 in seinem Hotel durch die Bundesregierung erhielt er monatelang kostenlose PR weltweit. Andere Unternehmen hätten dafür millionenschwere Werbeetats planen müssen.
 

Jagdfeld gibt es noch nicht zu – seine Rechnungen gehen trotz allem nicht auf. Anscheinend stecken seine Gruppe oder Teile in ernsten finanziellen  Schwierigkeiten: Erst kündigte „Kempinski“ als Betreiberin des Grand Hotels Heiligendamm im Februar, u.a. auch weil Jagdfeld Managementgebühren in Millionenhöhe nicht gezahlt hatte. Dann gab’s Probleme im Berliner Luxushotel „Adlon“, das ihm ebenfalls gehört. Nun die bislang in der deutschen Hotellerie

einmalige Staatsbürgschaft in Höhe von vier Millionen Euro vom Land für das Haus in Heiligendamm. Und es kommt heraus, dass er der Stadt Bad Doberan fast noch eine halbe Million schuldet.

S
pätestens an diesem Punkt wird der Fall Heiligendamm zum Politikum. Es stellt sich zwingend die Frage, ob das Land vor Ausreichung der Bürgschaft von den Schulden gegenüber der öffentlichen Hand wusste. Wenn nicht, hat sich das zuständige Wirtschaftsministerium offenbar nicht bei der Kommune informiert,

oder die Stadt hat gemauert. Wenn Schwerin doch die Unregelmäßigkeiten kannte, hätte es jedenfalls anders reagieren müssen. Merkwürdig bleibt auch das Verhalten von Bürgermeister und Stadtvertretern Bad Doberans. Statt Probleme zu besprechen, wurden sie offenbar gedeckelt. Es sieht ganz so aus, als hätte sich in Heiligendamm nicht nur ein Investor verrechnet. . .

 

Von THORALF CLEVEN
 


Da sind sie wieder, die alten Probleme: Ein Redakteur wettert auf dem Rücken der Ostsee-Zeitung gegen alles, was sich bewegt. Jagdfeld ist Schuld, die FUNDUS-Gruppe, damit dann auch die ECH und das Grand Hotel, die Bundesregierung ist auch Schuld, die Landesregierung ebenso, natürlich auch die Finanzministerin, wie auch die Stadtverwaltung, die Stadtvertreter und natürlich der Bürgermeister. Alle sind Schuld daran, dass das Grand Hotel nicht läuft. Kein Wort von Rasenlatschern und Heckenübersteigern. Kein Wort von negativer Publicity durch die Medien. Kein Wort von Gesetzesänderungen zu Ungunsten von Fonds. Kein Wort von Missmanagement durch Kempinskis Tchibo- und TUI-Offerten. Kein Wort über zivilen Ungehorsam, über Anfeindungen und Lügen. Kein Wort über einseitige Berichterstattung und Diskussionsverweigerung. Kein Wort über Straftaten nur für ein Sensationsfoto. Kein Wort darüber, dass sachlich völlig falsche Aussagen in der eigenen Zeitung abgedruckt werden. Auch kein Wort darüber, dass die ECH eine Tiefgarage und Dauerwohnrecht braucht und beides nicht bekommt. Kein Wort darüber, dass durch klassische Finanzierung wenigstens die reelle Chance besteht, dass in einem Jahr die Bagger rollen können - ohne sie aber nur die Sicherheit, dass der Stillstand weiter geht.

Geht es hier eigentlich um die Gunst der Leser, für die man dann unter dem Deckmantel der Pressefreiheit allen anderen auf die Füße tritt? Was will die Ostsee-Zeitung - was wollen ihre Redakteure - mit ihrer Berichterstattung über Heiligendamm erreichen?

Es wird ja nicht besser:


Einen Tag später wird kräftig nachgelegt:


 


Samstag, 4. Juli 2009 | OSTSEE-ZEITUNG | Aus der Region Mecklenburg | dpa vom 03.07.2009 01:15

 

Heiligendamm: Finanzstreit um Erschließungsstraße


Bad Doberan (dpa/mv) - Im Streit um die Zukunft des Ostseebads Heiligendamm gibt es neuen Zündstoff: Nach den vorerst gescheiterten Plänen der Entwicklungs-Compagnie ECH zur Sanierung der Strandvillen und der Gewährung einer Landesbürgschaft über vier Millionen Euro drängt die Stadt Bad Doberan den Betreiber des angeschlagenen Grand Hotels, seinen Anteil an den Kosten für eine Erschließungsstraße zu zahlen. Seit sechs Monaten schulde die ECH der Kommune fast eine halbe Million Euro, berichtete der Sender NDR 1 Radio MV am Freitag. Ein Sprecher der Jagdfeld-Gruppe, zu der das Grand Hotel gehört, sagte, entsprechende Verhandlungen mit der Stadt liefen derzeit noch.

 


Die DPA hat es schon einmal richtig erkannt:
Es sind die Pläne zur Sanierung der Perlenkette, die da gescheitert sind und nicht der Bau einer Tiefgarage und das Dauernutzungsrecht allein.
Und sie gibt auch korrekt das wieder, was hundertfach jeden Tag in Deutschland stattfindet: Schuldner und Gläubiger verhandeln miteinander.


Die Ostsee-Zeitung jedoch gab den Artikel der DPA wieder und machte sich dann wieder selbst ans Werk.
Abgedruckt wurde auf der Bad Doberaner Titelseite nämlich reich bebildert mit Stadtvertreter-Gesichtern das hier: 

 


Ostsee-Zeitung | 04.07.2009 | Lokalseiten Bad Doberan
 

Von PETER WEISSFLOG


Bad Doberan.
„Von Schulden der ECH war mal am Rande einer Sitzung die Rede“, meint Harry Klink, FDP, und bezieht sich auf Meldungen, wonach die Entwicklungscompagnie Heiligendamm bei der Stadt tief in der Kreide steht. Rechnungen aus der Bewirtschaftung einer Straße wurden nicht bezahlt – 500 000 Euro –, Pachten nicht ausreichend bedient; die Rede war auch von Stundungen. Dass die Abgeordneten nicht immer ausreichend informiert werden, sei nichts Neues. „Zehn Jahre lang hat Bürgermeister Polzin verschwiegen, dass Wege in der Weißen Stadt laut Übereignungsvertrag des Bundesvermögensamtes öffentlich waren.“ Ja, es gebe schon in seiner Partei Überlegungen, Polzins Rücktritt zu fordern.

„Nein, nichts gewusst von Schulden und Pachten“, sagt Klaus-Peter Behrens, Pressesprecher des Bürgerbundes.
 „Uns wurde immer gesagt: Fundus ist einer der größten Zahler. Die haben uns hinters Licht geführt.“

 

Sie wüsste durchaus, dass es Verträge zwischen Stadt und ECH gibt, sagt Caroline Brandt, CDU. „Aber nichts Konkretes.“ Und außerdem: „Die ECH muss die Möglichkeit haben, Geld zu machen. Und wenn dies die Stadtvertretung durch das Nichtfassen von Beschlüssen verhindert, darf man sich doch nicht wundern, wenn die ECH kein Geld hat.“
 

„Wenn die Gesellschaft nicht mal Pachten bedienen kann, fände ich das schon ziemlich heftig“, sagt Einzelbewerber Jochen Arenz.

Und immer wieder kocht in den Gesprächen das Thema Bürgschaft hoch. „Das ist für mich ein Skandal. Die pumpen unsere Steuern in ein Hotel!“
 

„Bürgschaft ist noch kein bares Geld“, wiegelt Gerlinde Heimann, Linke, ab und man hört die einstige Kämmerin heraus.
Es gehe doch zunächst nur um die Kreditwürdigkeit des Hotels.
Was die Schulden betrifft, so sei sie neu als Abgeordnete und müsse sich erst einmal sicher machen.


„Das mit der so genannten Erschließungsstraße Süd ist bekannt“, sagt Birgit Mersjann, die für die SPD im Parlament sitzt.
„Man braucht nur den Bericht der Rechnungsprüfung zu lesen.“


Heinz Keuer, Grüne, ärgert vor allem die Bürgschaft. Von wegen Finanzkrise.
„Dem Hotel ging es doch schon vorher nicht gut.“
Und stets habe man versucht, den Schwarzen Peter den Stadtvertretern zuzuschieben.

„Wenn es tatsächlich Stundungen bei Pachten gegeben hat, dann ist dies an der Stadtvertretung vorbei gelaufen“, befürchtet Hannes Meyer vom Bürgerbund.

Das werde Konsequenzen haben. Davon abgesehen: „Man überlege mal – da verlangt eine Gesellschaft einen B-Plan nach dem anderen, hat Riesenprojekte vor und auf der anderen Seite nicht mal das Geld, für die Bewirtschaftung einer Straße zu zahlen.“


Zu den ECH-Schulden´befragte OZ Hartmut Polzin (SPD), Bürgermeister von Doberan.
 

OZ: Was ist dran an der Straßen-Geschichte?


Polzin:
Tatsächlich hat die ECH den Ablösebeitrag für die Bewirtschaftung der Straße, dazu gehören Reparaturen, bislang nicht gezahlt.


OZ:
Wissen das die Abgeordneten?


Polzin:
Ja, auf einer Stadtvertretersitzung ging es um den Rechnungsprüfungsausschuss und ich wurde konkret befragt, ob im öffentlichen oder nichtöffentlichen

Teil, kann ich nicht sagen.


OZ:
Reißt die Straßen-Schuld nun ein Loch in den Haushalt?
 

Polzin: In den laufenden nicht. Das Geld ist dafür bestimmt, die Straße in Zukunft in Schuss zu halten. Ja, und irgendwann würde es sicher einmal fehlen.


OZ:
EinWort zu den Pachten.


Polzin:
Die ECH behauptet, alle Rechnungen bezahlt zu haben. Ich kann das im Moment nicht überprüfen. Am Freitagnachmittag ist die Kämmerei leer.

OZ: Was ist mit Stundungen?


Polzin:
Auch das wird am Montag geprüft. Aber selbst wenn es da etwas gäbe, dürfte ich mich nicht äußern. Es existiert ein Abgabe- und Steuergeheimnis.


Interview:P. W.



 


Am Meisten geredet hat Harry Klink. Während er einen Tag zuvor noch genaue Zahlen kannte, erinnerte er sich nun nur noch daran, dass mal am Rande einer Sitzung die Rede von den Schulden war. Möglicherweise war das die Sitzung, als es um den Rechnungsprüfungsausschuss ging.
In dem geht es aber nicht am Rande um Finanzen, sondern hauptsächlich. Hier müssen wir einfach weitere Informationen abwarten.

Interessant jedoch ist, dass einerseits ein Abgabe- und Steuergeheimnis existiert und andererseits gerade Harry Klink eine Summe nennt.
Alle anderen sagen wenigstens, dass sie nicht ausreichend informiert sind. Merkwürdig ist dabei jedoch, dass laut Polzin konkrete Fragen gestellt worden sind. Da müsste eine ganze Handvoll Stadtvertreter nicht anwesend gewesen sein oder sich nicht mehr daran erinnern können.

Nun gibt es dann aber wie wir sehen auch einen Rechnungsprüfungsbericht, der offenbar den Stadtvertretern zugänglich ist. Wenn dem so ist, besteht eigentlich gar keine Notwendigkeit, dass der Bürgermeister die Stadtvertreter über ausstehende Forderungen informiert. Es besteht ja auch keine Notwendigkeit, dass ein Telefonanbieter seine Kunden über Preisänderungen oder der Staat seine Bürger über Gesetzesänderungen informiert.
Dazu gibt es öffentlich zugängliche Listen und im Falle der Stadtvertreter scheint der Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses diesen Zweck zu erfüllen.

Hartmut Polzin vermeidet voreilige Aussagen und muss erst den nächsten Arbeitstag der Kämmerei abwarten.
 


Die ECH kommt den Gerüchten hingegen gleich zuvor und stellt in einer Pressemitteilung klar:
 


Stadtanzeiger | 04.07.2009 - 01:47:20

Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm: Keine ausstehenden Zahlungen an die Stadt Bad Doberan

Heiligendamm. Als „absolut nicht nachvollziehbar“ bezeichnet Hans Schlag, Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), Medienberichte über ausstehende Zahlungen der ECH an die Stadt Bad Doberan. „Wir sind all unseren Verpflichtungen gegenüber der Stadt nachgekommen. Bad Doberan hat in der ECH über all die Jahre stets einen zuverlässigen Vertragspartner“, so Schlag. Der in Medienberichten erhobene Vorwurf, es gebe viele offene Rechnungen, ist absolut falsch. Ebenso hat die ECH die Grundsteuer beglichen. 

 

Was die Pacht betrifft, die die ECH gegenüber der Stadt Bad Doberan für gepachtete landwirtschaftliche Flächen in Heiligendamm zu leisten hat, so gibt es aktuell ein Erhöhungsverlangen der Stadt. „Ob als Privatmann oder Unternehmen: Es ist absolut üblich, dass jeder für sich zunächst prüft, ob die geforderte höhere Miete oder Pacht gerechtfertigt ist. Das macht die Stadt, wenn sie Mieter ist, ebenfalls. Und genau das tun wir gerade. Darüber gibt es Gespräche mit der Stadt“, erläutert Schlag. 

 

Die Behauptung, Pachtzahlungen stünden aus, ist für den ECH-Geschäftsführer umso unverständlicher, als dass die Stadt die Pacht zum 01.07.2009 erhöhen möchte. Seither sind also erst zwei Tage vergangen. Überdies zieht die Stadt die Pacht in bisheriger Höhe halbjährig, so auch aktuell zum 01.07., ein. „Von ausstehenden Forderungen kann also auch hier nicht die Rede sein“, erläutert Schlag. 

 

Was die Kosten für die Erschließungsstraße angeht, so gibt es unterschiedliche rechtliche Auffassungen über die letzte Rate. „Auch darüber gibt es laufende Gespräche zwischen ECH und Stadt. Auch das ist ein vollkommen normaler Vorgang, wie er jeden Tag hundertfach in Deutschland vorkommt. Absolut unüblich aber ist, dass diese Dinge, die Sache der beiden Vertragsparteien ECH und Stadt sind, in der Öffentlichkeit diskutiert werden“, empört sich Schlag. 

 

Dies ist umso ärgerlicher, als dass die ECH mit zwei Millionen Euro den Löwenanteil für die Erschließungsstraße längst gezahlt hat. Sie hat der Stadt Bad Doberan für den Bau der Straße nicht nur kostenlos Grundstücke zur Verfügung gestellt, sondern den Finanzierungsanteil der Gemeinde komplett übernommen. „Die Stadt hat keinen einzigen Cent dafür ausgegeben. Ohne die ECH gäbe es die Straße heute nicht. Ich würde mich freuen, wenn das ebenfalls gesehen und durch Politik und Verwaltung aktiv öffentlich vertreten würde“, ergänzt Schlag.  

 

Der ECH-Geschäftsführer zeigt sich vor allem über das Verfahren verärgert: „ECH und Stadt sind seit vielen Jahren Vertragspartner, wenn es um die Entwicklung von Heiligendamm geht. Immer wurden Lösungen gefunden, die beiderlei Interessen gerecht werden. Solche Lösungen erarbeitet man aber gemeinsam am Tisch und nicht in der Öffentlichkeit. Das ist schlechter Stil“, so Schlag.

 


Damit sollte eigentlich alles geklärt sein. Bisher hat aber nur der Stadtanzeiger diesen Text aufgenommen und auch erst nur online, denn er kommt erst in ein paar Tagen in den Briefkasten. Genug Zeit also, schlimmes noch schlimmer zu machen. Ich bleibe dran!
 



Der Pastor mahnt die Stadtvertreter.

Es gehört einfach zu einer kleinen Gemeinde, dass der Pastor immer mal wieder an die eigentlichen Werte erinnert. Bisher war das in der größeren Gemeinde Bad Doberan kaum nötig und so machten Pastoren ihre Sache und Stadtvertreter ihre. Aber ein Pastor hat immer ein offenes Ohr und ist den Bürgern seiner Stadt damit oft näher, als es ein Stadtvertreter sein kann. Man schimpft ja nicht in Gegenwart eines Stadtvertreters über die Stadtvertreterversammlung. Pastor Jax fühlte sich dazu verpflichtet, die Stadtvertreter an die Werte zu erinnern.
 


Ostsee-Zeitung | 09.07.2009

Brief an Abgeordnete


Der Stadt Bestes suchen
 

Albrecht Jax, Pastor in Doberan


Vor der konstituierenden Sitzung erhielten Abgeordnete Post von Pastor Albrecht Jax.

Im Schreiben heißt es u.a.:
 

„Viel ist in den vergangenen Tagen über den demokratischen Prozess der Wahl hier in unserer Stadt debattiert worden.
Manche Frage steht im Raum. Mitunter entsteht der Eindruck, dass die Sache in den Hintergrund tritt und persönliche Befindlichkeiten uns bestimmen.

Von welchem Geist sind wir beseelt? Einige mir sehr eindrückliche Sätze von Phil Bosmans möchte ich mit Ihnen teilen:

"Verschmutzung von Geist ist für das Glück der Menschen noch viel tödlicher als Verschmutzung von Wasser und Luft.

Wenn der menschliche Geist verpestet und zerfressen ist von Habgier, Profitjagd, Machthunger, Prestigesucht, dann ist es

ihm auch völlig gleichgültig, ob auch in Zukunft diese Welt noch zu bewohnen ist, ob auch in Zukunft noch Menschen hier

leben können. Alles, selbst Wasser und Luft und die ganze Schöpfung, wird der Gier und dem Größenwahn einiger weniger

geopfert...."

Es sollte unser  gemeinsames Anliegen sein, die Verantwortung, in die wir gestellt sind ernst- und wahrzunehmen und in der konstruktiven Auseinandersetzung der Stadt Bestes zu suchen... .

Gottes Segen für Ihren Dienst.“

 


Zwei Nachteile machen den Brief etwas unverständlich: Der erste ist, dass die Ostsee-Zeitung allein bestimmt, was sie aus dem Brief veröffentlicht und der zweite ist, dass ein Geistlicher stets zu Umschreibungen angehalten ist und nicht direkt ins Gesicht der Stadtvertreter sagen kann, was er eigentlich meint. So ist es dann reine Interpretationssache, ob er mit seinen Worten auf bestimmte Personen zielt und ihnen Habgier, Profitjagd, Machthunger und Prestigesucht vorwirft oder ob er sagen will, dass der Investor diese Eigenschaften hat und man sich ihm nicht verschreiben soll. Um das herauszufinden, frage ich am Besten Herrn Jax selbst. Nächste Woche. An dieser Stelle.
 


Nach langem Bangen: Die Wahl ist gültig.

Einmal musste die Stadtvertreterversammlung ihre konstituierende Sitzung verschieben aber nun hat es geklappt. Es ging um Ausschüsse und Posten und um die wichtigste Frage: Wird die Wahl für gültig erklärt?
Ja, wird sie. Die neue SVV steht damit und die Arbeit kann beginnen.

 


Ostsee-Zeitung | 07.07.2009 | Titelseite Bad Doberan


Doberan:Wahl für gültig erklärt


Bad Doberan.
Die erste Stadtvertreterversammlung nach der Kommunalwahl erwies sich gestern im Bad Doberaner Rathaus als äußerst langwierige Prozedur. Etliche Funktionen innerhalb dieses ehrenamtlichen Gremiums waren zu besetzen; die Mitglieder der Ausschüsse mussten bestimmt werden. Und alles in geheimer

und deshalb zeitaufwändiger Wahl. Die wichtigste Nachricht des Abends: Die Abgeordneten erklärten das Ergebnis der Kommunalwahl für gültig.

Von den 25 Abgeordneten sahen dies jedenfalls 22 so. Drei stimmten dagegen. Zum Stadtvertretervorsteher wurde Guido Lex, Bürgerbund, Neuling im Parlament, mit der denkbar knappsten Mehrheit von 13 Stimmen gewählt. Birgit Mersjann, SPD, die von der HGV für den Posten vorgeschlagen worden war, erhielt 12 Stimmen. Als ersten Stellvertreter des Stadtvertretervorstehers hatte dann Harry Klink, FDP, Gerlinde Heimann, Linke, vorgeschlagen. Andere Namen standen nicht zur Debatte. Die einstige Kämmerin der Stadt wurde dann von 22 Abgeordneten gewählt, drei lehnten sie per Stimmzettel ab. Als zweiten Stellvertreter

schlug dann Einzelbewerber Jochen Arenz Heinz Keuer von den Grünen vor. Auch hier gab es keinen anderen Mitwettbewerber. Keuer kam auf eine Mehrheit von

21 Stimmen. Vier Abgeordnete dagegen wollten ihn auch künftig nicht im Präsidium des Gremiums wissen.
 

Der „neubestallte“ Stadtvertretervorsteher Guido Lex, im Job Vorsitzender Richter am Landgericht Rostock, verpflichtete die Mitglieder der Stadtvertreterversammlung kurz und bündig per Handschlag.

(Mehr morgen.) P.W.

 


Wenn man es geschafft hat, ist man ja nicht dumm und riskiert, bei einer Neuwahl wieder herauszufliegen. Lediglich wenn man mit einem sehr guten Ergebnis gewählt wurde, kann man das Risiko eingehen. Zum Beispiel, wenn man einen ungeliebten Stadtvertreter, der es nur knapp geschafft hat, wieder los werden will oder wenn ein Kollege es nur knapp nicht geschafft hat und die Chance besteht, dass er bei einer Neuwahl auch mit hinein kommt. Was die wahren Gründe der drei Ablehner waren - und vor allem, wer sie waren - werden wir vielleicht morgen erfahren.


Erste Amtshandlung: Alles wieder rückgängig machen.

Für die ältere Generation muss es sein, wie ein böser Traum: Neue Politiker kommen an die Macht und als erste Amtshandlung steht auf dem Plan, die Beschlüsse der bisherigen Politiker wieder rückgängig zu machen.
Was im großen der Grundgedanke der Revolution ist, wurde von Diktatoren missbraucht. Während die Aufhebung alter Gesetze und Beschlüsse mit der Gründung der Weimarer Republik dem Volk Vorteile brachte, tat es dasselbe nach der Machtergreifung Hitlers nicht. Auch nach der Gründung der DDR wurden viele Beschlüsse und Gesetze einfach ausradiert. Besonders, wenn es um Privateigentum ging. Die Folge war eine Massenflucht der Enteigneten und ein Ausbluten der DDR. Das Ergebnis war eine Mauer und eine unüberwindbare Grenze, um ein weiteres Ausbluten zu verhindern. Und nun zu Bad Doberan:
 


Ostsee-Zeitung | 09.07.2009
 

Bürgerbund fordert Abriss der Personensperranlage


Bad Doberan.
„Ich wurde 1937 geboren. Ist hier jemand älter als ich?“, fragte Arnold Scholz von den Linken am Montagabend in

die Stadtvertreterrunde. Das Alter war in diesem Kreise nicht zu toppen, und also fungierte Scholz in den ersten Minuten der ersten Versammlung nach der Wahl als Altersvorsitzender. In seiner Begrüßungsrede zitierte er aus einem Brief, den Albrecht Jax, Pastor der

evangelischen Kirchgemeinde Bad Doberan, an alle Abgeordneten, außer jenen der NPD, gesandt hatte. Jax wandte sich in Sorge an

das Gremium. „Manche Frage steht im Raum. Mitunter entsteht der Eindruck, dass die Sache in den Hintergrund tritt und persönliche

Befindlichkeiten uns bestimmen.“ (Siehe auch nebenstehenden Beitrag „Der Stadt Bestes ...“)

 

Die Veranstaltung kam dann gleich zu Beginn wieder ins Stocken, als Guido Lex vom Bürgerbund, neu im Parlament, forderte, die Tagesordnung zu verändern, die Abgeordneten erst zu verpflichten und dann über die Gültigkeit der Kommunalwahl zu befinden,

um so diesen Beschluss rechtlich sicherer zu machen. Was nach einigen Diskussionen auch angenommen wurde.

Dann holte der Richter am Landgericht Rostock noch einmal verbal aus und brachte gleich zwei Tischvorlagen ein.
Die eine: „Der Bürgermeister wird beauftragt, durch Erlass einer Beseitigungsverfügung oder in sonst einer Weise unverzüglich

sicherzustellen, dass die von der ECH im öffentlichen Kurwald Heiligendamms errichtete Metallzaun-Personensperranlage abgerissen

wird, die sich an der Kreuzung zwischen dem Weg zum Bahnhof, dem Schikane-Umweg zum Strand und dem künftigen Stichweg befindet.“ Von den 25 Abgeordneten signalisierten 23, dass sie diese Vorlage auf der aktuellen Tagesordnung sehen wollen.

Einer stimmte dagegen, einer enthielt sich.
 

Die zweite Bürgerbundbeschlussvorlage sieht vor, den Bürgermeister zu beauftragen, Auskunft zu erteilen, ob es eine schriftliche

Vereinbarung zwischen dem Grand Hotel und der Medianklinik über eine so genannte Zuwegung für die Kurpatienten zum

Strandbereich gibt. Vor drei Jahren sei der Bau des Stichweges zurückgestellt worden, unter der Bedingung, dass Klinikpatienten Zugang zum Strand erhalten und dies als Vereinbarung schriftlich fixiert wird. Für die Aufnahme dieser Vorlage in die Tagesordnung

stimmten 23 Stadtvertreter, einer war dagegen, einer enthielt sich.

Doch zu einer Behandlung sollte es an diesem Abend nicht mehr kommen. Herbert Baor, HGV, hatte den Antrag eingebracht, alle anstehenden Wahlen dieser konstituierenden Sitzung geheim zu absolvieren, was Aufwand mit sich brachte, auch ganze Perioden des

Stillstandes. Und die Tagesordnung sah fast ausschließlich Urnengänge vor.
 

Bekannt gegeben wurde die Bildung von Fraktionen. Hier nichts Neues: SPD 4 Sitze, Linke 4, CDU 4, FDP 2, NPD 2. Daneben schloss

sich eine bunte Zählgemeinschaft zusammen aus HGV, Jochen Arenz (Einzelbewerber), Heinz Keuer (Grüne), Horst Gühler (CDG) und Frank Pieplow (BfBD). Sechs Sitze, sechs Stimmen – bei Einigkeit eine kleine Hausmacht. Die Gültigkeit der Kommunalwahl wurde beschlossen, Guido Lex vom Bürgerbund erhielt mehrheitlich das Vertrauen als Stadtvertretervorsteher, Gerlinde Heimann, Linke, wurde 1. Stellvertreterin, Heinz Keuer,Grüne, 2. Stellvertreter (OZ berichtete). Anschließend wurden in einer aufwendigen  Prozedur die Mitglieder von sechs Ausschüssen gewählt. Ein wenig spannend wurde dann die Wahl des 1. Stellvertreters des Bürgermeisters. Norbert Sass, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, stellte sich dem Votum. Hannes Meyer, Bürgerbund, brachte als weiteren Kandidaten Edgar Schmidt ins Spiel, der Kämmerer der Stadt, der bislang diese Funktion innehatte. Bei der Abstimmung bekam Sass 17 Stimmen, Schmidt acht. Sass leistete gleich an Ort und Stelle den Eid, Bürgermeister Hartmut Polzin überreichte  Ernennungsurkunde und Blumen. Für Gerhart Kukla, Bürgeramtsleiter, als künftigen 2. Stellvertreter stimmten 24 Abgeordnete,

einer enthielt sich. Einen weiteren Kandidaten hatte nicht gegeben. Gegen 22.30 Uhr war die reguläre Sitzungszeit überschritten und

die Luft raus. Man einigte sich auf Vertagung. Termin: Donnerstag, 16. Juli, 18.30 Uhr, Rathaus.

 



Der Zaun kommt weg aber die Sperre bleibt.
Der Stichweg ist wieder in der Diskussion.


Wieder einmal wird Heiligendamm auf Zäune reduziert. Als gäbe es nichts anderes zu beschließen, beschließt man, dass der Zaun weg soll. Welcher genau, ist zunächst einmal gar nicht so offensichtlich: Es gibt ja einen hohen im Norden und einen flachen im Süden. Auch die Frage, wie denn dann die Sperre vollzogen wird und ob sie rechtens ist, bleibt offen. Wieder in den Mündern ist aber der längst abgeschriebene Stichweg.
 


Ostsee-Zeitung | 18.07.2009 |

Lex: „ECH ist keine Ordnungsmacht“
 

Der Metallzaun im Kurwald von Heiligedamm ist widerrechtlich von der ECH errichtet worden und muss abgerissen werden.
Das haben Bad Doberans Stadtvertreter mehrheitlich beschlossen.


Von KLAUS WALTER


Bad Doberan.
Die Beschlussvorlage des Bürgerbundes, eingebracht vom Abgeordneten Hannes Meyer, war deutlich formuliert:
Die von der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) im Kurwald errichtete „Metallzaun-Personensperranlage“, die sich „an der

Kreuzung auf dem Weg zum Bahnhof, dem Schikane-Umweg zum Strand und dem künftigen Stichweg befindet“, soll weg.
 

Dennoch diskutierten Doberans Stadtvertreter in ihrer Sitzung am Donnerstagabend – eine Fortsetzung der Sitzung vom 6. Juli und die letzte Zusammenkunft vor der Sommerpause – eine gute Stunde um das Problem herum. Einige Abgeordnete – Jochen Arenz (parteilos), Horst Gühler (CDG) – distanzierten sich von der „Schärfe der Formulierung“.

Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) erinnerte an frühere Beschlüsse der Stadtvertreter. Die Wegeführung, wie sie jetzt im Kurwald durch die ECH umgesetzt sei, sei genehmigt, und es bestehe eine „Unmöglichkeit, die ECH zu zwingen, eine Wegeverbindung zu ermöglichen“.
Erst auf deutliche Nachfrage bestätigte Polzin: „Der Zaun befindet sich auf öffentlichem Grund und ist ohne Genehmigung errichtet worden.“


Plötzlich waren die Stadtvertreter wieder bei der Stichweg-Problematik – ein Weg, der als Verbindung zwischen Bahnhof und Seebrücke

zwischen Hotelkomplex und Prof.-Vogel-Straße geschaffen werden sollte, dessen Bau aber immer wieder aus unterschiedlichsten Gründen verschoben wurde.
 

Gerlinde Heimann (Linke) verlangte ob der verwirrenden Vielzahl der Fakten eine Aufstellung früherer Beschlüsse, damit die neuen

Abgeordneten folgen könnten, und Stadtvertretervorsteher Guido Lex (Bürgerbund) stellte klar, dass all dies nichts mit der eigentlichen

Problematik „Metallzaun“ zu tun habe. Der müsse weg, weil widerrechtlich errichtet. „Die ECH ist keine Ordnungsbehörde“, betonte Lex, sie könne nicht beliebig Zäune auf städtischen Boden stellen, egal, aus welchem Grund.
 

Nach weiteren Wortmeldungen stellte Jochen Arenz einen Ergänzungsantrag: Danach soll Bürgermeister Polzin gemeinsam mit der ECH eine Lösung finden, die bewirkt, dass Kurgäste nach Abriss des Zaunes „nicht in eine Sackgasse laufen“. Der geänderte Antrag wurde mit zehn Ja- und acht Nein- Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen. Dass dieser Beschluss verschiedene Auslegungen zulässt, ist den Stadtvertretern offenbar nicht aufgefallen.

Unklar ist nun, ob die Sackgasse durch Öffnung des Weges zur Seebrücke verschwinden soll, wie es der Bürgerbund beabsichtigt, oder ob die

Sackgasse bestehen bleibt und lediglich eine andere Sperreinrichtung errichtet werden soll.

Ein zweiter Antrag des Bürgerbundes, der Akteneinsicht in eine Vereinbarung zwischen ECH und Medianklinik über das Wegerecht der Patienten verlangte, wurde abgelehnt. Grund: Es sei ein Vertrag zwischen „privaten Dritten“.


Info:
Die nächste Stadtvertretersitzung

findet am 21. September statt.
 

Aus dem nichtöffentlichen Teil
Im nichtöffentlichen Teil der Stadtvertretersitzung – die Öffentlichkeit wurde zum Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen“

ausgeschlossen – bemühten sich die Abgeordneten offenbar um eine grundsätzliche Strategie im Umgang mit der ECH. Dazu sollen

zunächst die drei Grundlagenverträge zwischen Stadt und ECH, alle bisherigen Beschlüsse zum Wegerecht und zu Grundstücksverkäufen

analysiert werden. Der Ortsverband der FDP hatte im Vorfeld der Sitzung erklärt, die FDP-Fraktion werde keine Heiligendamm-Beschlüsse mehr mitentscheiden, solange nicht ein öffentlicher Weg zwischen Bahnhof und Seebrücke sowie ein gefahrlos von Alten und Behinderten benutzbarer Weg um den Hotelkomplex herum – auch unterhalb des Alexandrinen-Cottages – angelegt sei. Zum Wegeverlauf kursiert bereits

ein Plan (liegt OZ vor).

kw

 


Während man sich also mit Kurzsichtigkeiten aufhält, kommen die Langfristigkeiten zu kurz. Man hätte genauso gut in dieser letzten Sitzung vor der Sommerpause noch einmal über die Beschlussvorlage zum Bau der Tiefgarage und der Gewährung des Dauerwohnrechts abstimmen können. Damit hätte man möglicherweise den Weg für die Sanierung der Perlenkette geebnet und im besten Fall hätten im August 2010 die Bagger anrücken können. Oder man hätte mit der ECH einen Termin gemacht, um sich alles noch einmal genau erklären zu lassen und dann nach der Sommerpause abgestimmt. So verschiebt sich alles wieder.

Aber man hat die ECH dazu gezwungen, einen Zaun wieder abzubauen. Diesen Zaun hat die ECH wie schon erwähnt nicht aus Lust am Geldausgeben dorthin stellen lassen, sondern als Reaktion auf den zivilen Ungehorsam. Dieser konnte zwar mit dem Zaun auch nicht ganz verhindert werden aber er wurde reduziert.

 

Wenn der Zaun sich auf öffentlichem Grund befindet, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Vermutlich ist es aber so, dass wenn man ihn nur ein paar Meter in den Wald hinein setzt, er auf dem Grund der ECH steht und dort dann rechtlich keine Einwände möglich sind. Auch gibt es hinter dem Zaun eine Hecke, die überhaupt nicht diskutiert wurde. Wenn diese nicht weg muss, weil sie nicht auf öffentlichem Grund steht, würde schon eine Versetzung des Zaunes hinter diese Hecke genügen. Die Notwendigkeit der Sperrung betont das Papier der SVV ja noch einmal, in dem es den Bürgermeister beauftragt, nach einer alternativen Sperrmethode zu suchen.

 

Die ganze Diskussion um 10 qm Zaun kann Folgen haben, die der Bürgerbund damit ganz sicher nicht erreichen wollte.

Zuerst sei erwähnt, dass die ECH im Jahre 2008 von der Bordsteinkante der Professor-Vogel-Straße ausgehend nach Süden etwa 30 Meter tief in den Kurwald hinein ein Grundstück erworben hat. Für dieses Grundstück liegt bereits eine Baugenehmigung vor.
Wenn wir uns die Pläne der ECH ansehen, finden wir den ehemaligen Weg überbaut von zwei Gebäuden. Zeitgleich mit dem Kauf dieses Grundstücks wurde auch ein Erbpachtvertrag für die Professor-Vogel-Straße geschlossen. Diese wird entwidmet, weil durch sie ohnehin kein öffentlicher Verkehr mehr fließt. Das gekaufte und geerbpachtete Grundstück der ECH sieht also in diesem Bereich so aus:

 

 

Die ECH ist berechtigt, diesen Bereich einzuzäunen. Genau das könnte der Vorstoß des Bürgerbundes nun bewirken.


 

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. ECH und Bürgermeister erklärten auf meine Nachfrage, für diese in ihren Augen sinnfreie Forderung eine gemeinsame Lösung zu suchen und jeder seinen Teil zur Umsetzung beizutragen. Sie waren sich dabei einig, dass jede Aktion in Hinblick auf die zukünftige Bebauung nur ein Provisorium sein kann und dass nur die Umsetzung der B-Pläne die Situation beenden kann. Hier zunächst zwei Reaktionen aus der Ostsee-Zeitung:

 


OSTSEE-ZEITUNG | 22.07.2009

Vernünftige Lösungen für Heiligendamm gefordert


Zur Stadtvertretersitzung zu Heiligendamm – OZ vom 18./19. Juli – schreibt E. Müller-Wendfeld aus Bad Doberan:

Der Doberaner Bürgerbund hat scheinbar für Heiligendamm nichts weiter einzubringen als endlose Wegediskussionen, bereits gefasste
Beschlüsse rückgängig zu machen und damit das bauliche Geschehen in Heiligendamm zu blockieren. Was heißt hier Schikaneweg?
Ebenso kann man von Wegebelagerung sprechen! Ja, es wäre klüger gewesen, den umstrittenen Zaun erst mit Beginn des Baugeschehens
in der Vogelstraße zu setzen. Nun ist er gesetzt, und er ist nur 1,23 Meter hoch. Im Übrigen sind die Wege vom Bahnhof Warnemünde, Kühlungsborn und der Bushaltestelle Nienhagen zum jeweiligen Strand wesentlich länger, und es hat sich noch niemand beschwert.
Heiligendamm kann nur wiederbelebt werden, wenn alle Abgeordneten und Beteiligten gemeinsam nach vernünftigen Lösungswegen suchen und sich nicht laufend in schon peinlicher Weise gegenseitig öffentlich behacken.

Zur selben Stadtvertretersitzung schreibt Martin Dostal aus Bad Doberan:

Zunächst fiel es mir schwer, eine Orientierung zu finden. Ein „Schikane-Umweg“ und ein „zukünftiger Stichweg“ sind ja in keinem der Pläne zu finden. Und es gibt im ganzen Kurwald nur eine Kreuzung und die befindet sich an der Waldkapelle. Alles andere sind Weggabelungen oder Kurven oder Abzweige. Aber letztlich habe ich gefunden, was Herr Meyer umständlich beschreibt: Er meint das Zäunchen in der Rechtskurve
des Hauptweges, von Süden aus kommend. Nur ist im nächsten Moment dann die Rede von dem Zaun, der von der Professor-Vogel-Straße aus den Zugang zum Kurwald verbietet. Ich frage mich, ob alle vom selben Zaun geredet haben: Wir haben da einen kleinen Zaun, der regelmäßig umlaufen wird. Der befindet sich hinter der besagten Kurve hinter Bänken, Laternen und einem Beet. Hinter dem Zaun steht eine Hecke und die darf bleiben? Um die Hecke gibt es komischerweise keine Diskussion. Dabei hat auch diese Sperrwirkung. Man läuft ja als anständiger Mensch nicht durch Hecken hindurch. Da würde ich die Entscheidung also so sehen, dass man grundsätzlich der Sperrung zustimmt, nur keinen Zaun vor der Hecke will. Dann ist die Lösung ganz einfach: Zaun hinter die Hecke versetzen. Ist es das, was der Bürgerbund wollte? Wohl kaum, denn im nächsten Moment ging es wieder um den Stichweg, der eigentlich schon vom Tisch war. Ich frage mich nur, wo denn dieser Weg entstehen soll. Die Stadt hat den Kurwald so wie er ist abgenommen und war ja auch an der Planung beteiligt. Ein Stichweg wurde da nicht berücksichtigt. Man muss sich auch einmal ansehen, wo die öffentlichen und wo die privaten Grundstücke derzeit liegen und in Zukunft liegen werden. Zurzeit ist es so, dass die ECH, wenn sie denn wollte, einen im Gegensatz zu jetzt richtigen Zaun ziehen könnte, der am Haus „Bischofsstab“ beginnt und am Tor des Grand Hotel endet.

 


Am Abend der Veröffentlichung meines Leserbriefes erhielt ich einen Anruf von einem Mitglied der Bürgerinitiative, das sich sehr herzlich für diese klaren Worte bedankte und mir erzählte, dass er auch in der PR-Abteilung des Grand Hotels ein Thema war.


Polit-Comedy zur Sommerpause: Die Quadratur des Kreises.

Soll man nun lachen oder soll man weinen über das, was die frisch gewählten Stadtvertreter als erste Amtshandlung verzapft haben? Darüber ist man sich noch nicht einig. Sicher ist nur, dass auch unsinnige Beschlüsse rechtskräftig sein können und man umzusetzen hat, was einem aufgetragen wird. Was dabei heraus kommt - und ob dabei überhaupt etwas heraus kommt - ist eine andere Sache. Die ECH muss den Zaun am Rondell entfernen und der Bürgermeister hat nun die schwierige Mission, einen Weg zu finden, um einen Weg zu sperren, ohne ihn zu sperren und eine Sackgasse zu erschaffen, die keine Sackgassenwirkung hat. Kurz gesagt: Er muss den Kreis quadratisieren.

 


OSTSEE-ZEITUNG | 24.07.2009
 

Teil des widerrechtlichen ECH-Zaunes ist entfernt
 

Der Zaun im Kurwald von Heiligendamm ist von der ECH geöffnet worden. Der darauf folgende Weg ist aber eine Sackgasse geblieben.
Hier steht eine Lösung des Problems noch aus. Zwei Zaunfelder wurden abmontiert, doch einen Weg von der Bushaltestelle zur Seebrücke gibt es immer noch nicht. Die ECH hatte einen Zaun ohne Genehmigung der Stadt im Kurwald errichtet und muss ihn laut Stadtvertreter-Beschluss abreißen.


Heiligendamm.
Die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) hat einen Teil des widerrechtlich auf städtischem Grund errichteten

Zaunes im Kurwald von Heiligendamm entfernt. Zwei Zaunfelder der Barriere, die den Durchgang von Bahnhof und Bushaltestelle zur Prof.-Vogel-Straße blockierten, wurden jetzt abgebaut. Das war in einem Beschluss der Stadtvertreterversammlung vom 16. Juli gefordert worden.

Der hinter dem Zaun liegende Waldweg, der von der ECH aufgebrochen wurde, ist theoretisch wieder begehbar – allerdings nur bis zu dem rund zwei Meter hohen Zaun direkt an der Prof.-Vogel-Straße. Damit steht die Umsetzung des zweiten Teils des Forderung der Stadtvertreter, mit einer „geeigneten Lösung“ zu verhindern, dass Kurgäste und Urlauber „in eine Sackgasse laufen müssen/können“, noch aus.

ECH-Sprecherin Kirsten Brasche-Salinger bestätigte, dass die beiden Zaunfelder auf Bitten von Bürgermeister Hartmut Polzin abgebaut

wurden. „Wir waren ja bei besagter Stadtvertretersitzung dabei“, sagte Brasche-Salinger. „Daher kam der Besuch des Bürgermeisters nicht überraschend für uns.“ Wie die zweite Teilforderung erfüllt werden könne, wisse sie aber nicht, sagte die Pressesprecherin. „Wir haben keine Vorschläge dazu. “Der Bürgermeister sei am Zuge. Bad Doberans Stadtvertreter hatten in der Vorwoche auf Antrag des Bürgerbundes und nach kontroverser Debatte von Bürgermeister Hartmut Polzin verlangt, eine Abrissverfügung für den Zaun zu erlassen. Die damit vom Bürgerbund beabsichtigte Öffnung eines geraden Weges vom Bahnhof bzw. von der Bushaltestelle zur Seebrücke ist allerdings noch nicht erreicht. Ein Ergänzungsantrag des parteilosen Abgeordneten Jochen Arenz fordert den Bürgermeister außerdem auf, mit der ECH eine

Lösung für die Sackgassen-Problematik zu suchen. Der wenig präzise formulierte Beschluss lässt nun verschiedene Auslegungen zu.

Zum einen könnte die Sackgasse an ihrem Ende geöffnet werden. Dazu müsste die ECH auch den Zaun an der Prof.-Vogel-Straße abbauen

und das Betreten des Grundstückes, das sich inzwischen in ihrem Besitz befindet, zulassen. Zum anderen könnte auch mit einer neuen Sperre verhindert werden, dass Urlauber „in eine Sackgasse laufen können/müssen“, wie es der Wortlaut des Beschlusses verlangt.

Von Seiten der Stadt Bad Doberan gibt es dazu noch keine Information. Die Stadtvertreter tagen erst wieder am 21. September.

kw
 


Ich habe dem Bürgermeister ein paar Vorschläge gemacht. Mal sehen, was umgesetzt wird.


 

Man profiliert sich an Zaunprofilen.

Wie einst Helmut Kohl den Abriss der Berliner Mauer nutzte, um den DR-Bürgern seine legendären blühenden Landschaften zu versprechen, nahmen auch einige Leute den Abriss des Begrenzungszaunes zum Anlass für ein wenig Profilierung:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 24.07.2009

Wer profitiert von Spaltungs-Strategie?
 

Prof. Leopold Anton aus Berlin schrieb zu Heiligendamm:

„Wesen eines jeden Putsches ist ’Verwirrung’ und ’Dynamik’. Die verwirrende Dynamik von Jagdfelds Praktiken scheint auch in Heiligendamm
zum Erfolg zu führen. Sogar der Bürgemeister kennt sich nicht mehr aus. . . . Hut ab vorm Handwerk, Frechheit siegt . . . .
Letztlich ein Armutszeugnis für die Stadtparlamentarier, sich von ECH so an der Nase herumführen zu lassen. So wird das nichts mit  Heiligendamm, am besten wäre es, den Ort in Jagdfeldiendamm umzubenennen, den Zaun rundherum zu bauen und von außen zuzusperren.“

Kira und Ralf Goedeke aus Heiligendamm schrieben:

„Wir als Heiligendammer stellen uns die Frage, warum die Stadt Bad Doberan, der Landkreis und die Landesregierung einen Immobilienhändler
hofiert, dessen herausragendste Leistung der vergangenen sechs Jahre war, die Bevölkerung zu spalten und die Weiterentwicklung (Zukunft) Heiligendamms zu blockieren. Der Wahnsinn hat Methode, zur Zeit gipfelt er in einem Propagandablättchen namens „Zukunft Heiligendamm“
– die Lektüre beabsichtigt auf subtilste Art und Weise zu polarisieren – warum nur? Ist es vielleicht doch so, dass es hier um hoch spekulative Immobiliengeschäfte geht, dessen Feigenblatt und Rechtfertigung die Schaffung von Arbeitsplätzen ist? Warum wird immer wieder der
Versuch unternommen, die Bevölkerung zu spalten? Wer profitiert von dieser Strategie? Wir alle wissen doch, dass außer dem Investor
selber niemand für dessen Misswirtschaft verantwortlich zu machen ist. Wir alle wissen auch, dass genügend Investoren für die Sanierung
der Villen bereit wären, Geld in die Hand zu nehmen und Handwerker mit der Sanierung zu beauftragen. Was wir nicht wissen ist, wie werden die Auflagen der Landesregierung bezüglich der Landesbürgschaft erfüllt? Wer kauft die Orangerie? Wer betreibt das Hotel? Wir glauben,
dass an den Ergebnissen dieser beiden Beauflagungen für jedermann klar erkennbar sein wird, von welchem Geist die Zusammenarbeit
zwischen Stadt, Landkreis, Landesregierung und dem Immobilienhändler geprägt ist.“

Der Lehrer Peter Schönfeldt aus Kiel schreibt zum selben Thema:

„Ich bin 1957 in Rostock geboren und habe meine Kindheit bei meinen Großeltern im damaligen Kreis Bad Doberan verbracht. Bis zu meiner Ausreise aus der DDR war ich oft in Heiligendamm, Börgerende oder Wittenbeck am Strand. Und so manchen Eisbecher habe ich in Begleitung meinerGroßeltern in den Sommerferien in Heiligendamm verdrückt. Mit einigem Entsetzen sah ich Heiligendamm bei meinem ersten Urlaub in der alten Heimat in diesem Sommerwieder: Zäune auf öffentlichen Wegen, Sperrungen, verfallene Gebäude, aufgerissene Straßen und  Waldwege. Wie mag es den Menschen gehen, die in Heiligendamm leben, aber ausgesperrt worden sind? Nicht einmal mehr zur Promenade gehen können? Doberans Stadtvertreter sollten einfach mal im Internet recherchieren, wer Anno August Jagdfeld ist, und sich über sein Ansehen und seine Geldgeschäfte informieren. Das gleiche gilt für den Landtag und die Landesregierung, die, wie ich las, dem Hotel mit einer Millionenschweren Landesbürgschaft – und damit mit Steuergeldern – unter die Arme gegriffen haben.“
 


Das alte Spiel:

Der erste Leserbrief lässt sich am Besten mit einem Leserbrief von mir beantworten, der nicht veröffentlicht wurde:
 


Jagdfeld hat oft mehr gesagt, als es für ihn gut gewesen wäre.
Den festen Zaun um das Hotel hat er schon 2003 nach der Eröffnung angesprochen
und 2005 beim Bush-Besuch ausdrücklich vor der Presse gefordert.


Die ECH hat zwei eigene Flyer und inzwischen schon die dritte Auflage der Zeitung "Zukunft Heiligendamm" herausgebracht.
Das ist mehr als ungewöhnlich, dass ein Investor sich auf so umfangreiche Art erklären muss. Das liegt aber daran, dass die ECH es bisher versäumt hatte, sich von sich aus zu erklären (wenngleich es wie gesagt auch nicht gewöhnlich ist, dass ein Investor sein Projekt öffentlich bis
ins Detail vorstellt aber Heiligendamm ist eben eine Besonderheit) und zweitens, weil der ECH resp. FUNDUS, Jagdfeld und dem Grand Hotel entweder keiner zuhört oder keiner glaubt.

Die Menschen werden Gründe dafür haben, sich so zu verhalten, dürfen sich dann aber auch nicht wundern, wenn es ihnen an Informationen mangelt und sie falsche Schlüsse ziehen und Dinge schreiben, die andere zu Gelächter oder Verzweiflung treiben. Die ECH erklärt sogar Privatpersonen ihr Projekt und das nicht erst im Jahre 2009. Man muss nur um einen Termin bitten. Ich habe es selbst erlebt und war angenehm überrascht.

Wenn Sie sagen, dass das Wesen eines Putsches ist, Verwirrung zu stiften, dann erkenne ich diese Tendenzen eher beim Bürgerbund, als bei Jagdfeld. Gewöhnlich putscht ja auch nicht ein Wirtschaftsbetrieb, sondern eine Opposition oder ein Koalitionspartner oder ein Verwaltungsorgan oder das Militär. Demokratische Beschlüsse immer wieder in Frage zu stellen und im Nachhinein sogar revidieren zu wollen, Wahrheit und Dichtung miteinander zu vermischen und Stimmung gegen das Gremium zu machen, in dem man selbst sitzt - ja, sogar den Bürgermeister zum xten Mal abwählen zu wollen - das sieht durchaus nach Putsch aus, wo Sie schon davon reden.

Aber das betrifft gar nicht mal nur den Bürgerbund, der ja nur drei Stimmen hat und damit keine Mehrheiten erzielt. Es geht quer durch alle Parteien. Die FDP - was ja eigentlich nur zwei Menschen in der SVV sind - möchte sich an Abstimmungen nicht mehr beteiligen, bis ihre
Forderungen (die an sich gar nicht zu verachten sind) efüllt werden. Auch das sieht nach Putsch aus - und auch von dort kommen Abwahl-Forderungen. Letztlich muss man sich fragen, wie viele der Stadtvertreter sich jemals alle ihre Fragen von der ECH in einem persönlichen Gespräch beantworten lassen haben. Möglicherweise sind es gerade die (wenigen), die sich von der Schärfe distanzieren oder die, die sich enthalten oder die, denen man vorwirft, mit dem Investor zu kuscheln.


Der Wahrheit ist es doch egal, wer sie erkennt.
Den Schaden hat letztlich Heiligendamm mit seinen wertvollen Gebäuden in einmaliger Lage.
Also: Nicht den Schuldigen suchen (das will ich auch nicht damit getan haben, Bürgerbund und FDP angesprochen zu haben - das sind noch immer 7 Stimmen zu wenig für eine Mehrheit), sondern den Dialog und langfristig Lösungen.


Zaun rum ist keine gute - genau das ist es doch, was die Leute NICHT wollen.
"Zaun rum" würde Herr Jagdfeld begrüßen und vielleicht ist das eine Lösung.
Ich würde mir aber wünschen, vorher andere probiert zu haben.
Ein Zaun kann die Ursachen seiner Existenz nicht beseitigen.

schreibt Martin Dostal aus Bad Doberan (bisher von der Ostsee-Zeitung nicht veröffentlicht)
 


Auch zum Leserbrief der Goedeckes macht sich ein Schreiben von mir selbst ganz gut:
 



 



Zuletzt zum Leserbrief aus Kiel:


Zäune auf öffentlichen Wegen, Sperrungen,

Es gibt keine Zäune auf öffentlichen Wegen. Zumindest nicht in Heiligendamm. Das ist rechtlich nämlich gar nicht möglich und der letzte Zaun, den die ECH zum Schutz der Fußgänger entlang (nicht quer drüber) eines öffentlichen Weges stellte, war nach nicht einmal einer Woche wieder verschwunden - auf Weisung der Stadt. Diese würde also wirkungsvoll verhindern, dass Zäune auf öffentlichen Wegen oder auch nur daran gebaut werden. Schließlich würden schon allein Bürgerbund und FDP jede Gelegenheit nutzen, einen auch nur ein paar Zentimeter auf öffentlichem Gelände stehenden Zaun beseitigen zu lassen. Darauf ist Verlass.

verfallene Gebäude,

Das ist nicht zu leugnen. Nur die Ursachen werden oft falsch benannt.

aufgerissene Straßen und  Waldwege.

Anno 2007 gab es das wirklich. 2009 allerdings war keine Straße aufgerissen.
Wohl aber die Wege im Kurwald, der gerade umgestaltet wurde.

Ein Blick auf das Bauausführungsinformationsschild hätte das schnell geklärt.

Wie mag es den Menschen gehen, die in Heiligendamm leben, aber ausgesperrt worden sind?

In Heiligendamm wohnen ca. 200 Menschen in der Gartenstraße, der Kortüm-Straße, der Kühlungsborner Straße, der Seedeichstraße und in einigen Nebenstraßen. Diese Leute können sich frei bewegen und es ist eine Beleidigung für die Demokratie und für die Politik in Bad Doberan und Heiligendamm, sie als ausgesperrt zu bezeichnen. Die Heiligendammer können wie jeder andere Mensch auch das Hotelgelände betreten, dort Essen und Trinken, Sport machen, schwimmen, sich massieren lassen, verschiedenartig schwitzen, duschen und baden und allerhand Anwendungen mitmachen. Natürlich gibt es das alles nicht kostenlos - auch die Gäste des Hotels müssen dafür bezahlen. Jedem Heiligendammer steht es außerdem frei, ein Zimmer oder eine Suite im Grand Hotel zu mieten. Zu Zeiten des Sanatoriums war es hingegen gar nicht möglich, als Heiligendammer die Häuser zu betreten, wenn man nicht gerade Mitarbeiter oder Patient war. Heute kann man sich sogar vom Vize-Hoteldirektor das ganze Hotel in einer zweiständigen Führung genau zeigen und erklären lassen. Von Aussperrung kann also keine Rede sein.

Nicht einmal mehr zur Promenade gehen können?

Entweder fiel  der erste Besuch in der alten Heimat mit dem Bush-Besuch 2006 zusammen (da war die Promenade gesperrt) oder Herr Schönfeld ist einigermaßen blind durch Heiligendamm geirrt. Oder er hat irgend einen Grund dazu, Lügen zu verbreiten.

Doberans Stadtvertreter sollten einfach mal im Internet recherchieren, wer Anno August Jagdfeld ist, und sich über sein Ansehen und seine Geldgeschäfte informieren.

Angenommen, sie hätten es nicht längst schon getan und würden es nun tun: Was soll das bringen?
Sollen sie begeistert sein und sich freuen, alles richtig gemacht zu haben oder sollen sie erschrocken sein, alles falsch gemacht zu haben? Und wie soll es dann weiter gehen? Sollen sie im hypotetischen zweiten Fall Jagdfeld verstoßen und damit wieder dort sein, wo sie 1993 nicht sein wollten?

Das gleiche gilt für den Landtag und die Landesregierung, die, wie ich las, dem Hotel mit einer Millionenschweren Landesbürgschaft – und damit mit Steuergeldern – unter die Arme gegriffen haben.“

Richtig - Bund und Land hatten sich über den Investor zu informieren, denn die haben ja Heiligendamm verkauft.
Nur ist davon auszugehen, dass sie auch recherchiert haben, denn es dauerte mehrere Jahre, bis der Verkauf abgewickelt wurde.

Der Satz zeigt aber, worum es geht: Bürgeschafts-Unverständnis. Siehe weiter oben.

Abschließend möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, was die Ostsee-Zeitung lieber nicht veröffentlichte:
 


OSTSEE-ZEITUNG | 24.07.2009 10:57 - Leserbriefforum
 

Wegerecht
 

Es entsteht der Eindruck, dass es einen geraden Weg vom Bahnhof zur Prof.-Vogel-Straße gibt und dieser nur versperrt wurde.
Das ist nicht richtig: Der Weg vom Bahnhof zur Prof.-Vogel-Straße führt an der Kühlungsborner Straße entlang nach Osten und dann über die

Seedeichstraße zur Prof.-Vogel-Straße. Alternativ kann man auch durch den Kurwald gehen, wo einem dann mehrere Wegmöglichkeiten zur Verfügung stehen - die aber allesamt letztlich nach Osten führen und auf der Seedeichstraße münden.
Von hier aus geht es dann auch zur Prof.-Vogel-Straße.


Jedoch: Die Prof.-Vogel-Straße ist "im Besitz" (sie ist geerbpachtet) der ECH.
Das bedeutet, dass das Betreten dieser Straße derzeit nur geduldet wird.

Ein Weg zu dieser Straße von Süden aus erübrigt sich aus mehreren Gründen:
Zum ersten gehört der ECH nicht nur per Erbpacht die Professor-Vogel-Straße, sondern auch per Kaufvertrag ein ca. 30 Meter breiter Streifen südlich der Straße. Auf diesem Streifen entstehen das Ensemble-Palais und die Ensemble-Villa. Für eines der Gebäude gibt es lt. ECH

bereits die nötigen Genehmigungen und dieses wird auf der umgepflügten Schneise quer stehen. Dieser ca. 30 Meter breite Streifen ECH-Grundstück zieht sich von Westen nach Osten und jede öffentliche Wegführung müsste das berücksichtigen - also entlang der Grundstücksgrenze nach Osten verlaufen. Damit würde ein eventueller Stichweg ebenfalls auf der Seedeichstraße münden und seine besondere Wirkung verfehlen.
 

Machen wir uns nichts vor:
Es wird keinen öffentlichen Stichweg geben, solange die ECH dafür nicht einen Teil ihres Grundeigentums zur Verfügung stellt.
Und nach dem Gutachten Prof. Behnkensteins wird sie das nicht tun.

Dass sie eine Schneise gelassen hat, halte ich persönlich für einen Fehler, der erst zu den Problemen die wir da jetzt vorfinden führte.

Andererseits erinnere ich mich, dass einmal die Rede davon war, den Stichweg auf die nächsten 5 Jahre nicht zu bauen und dann noch einmal darüber abzustimmen. Sollte dieser Beschluss rechtskräftig sein (Wenn Frau Heimann da schon nicht durchblickt, versteife ich mich nicht darauf), könnte man vermuten, dass die offen gelassene Schneise eine offen gelassene Option für einen Stichweg darstellt. Aber wie gesagt: Ich weiß nicht, ob es einen rechtskräftigen Beschluss gibt, noch einmal über einen Stichweg abzustimmen und ich möchte keine falschen Hoffnungen aufkeimen lassen.

 
Praktisch wird so ein Stichweg nicht ohne ein enormes Entgegenkommen der ECH möglich sein und durch das Gutachten der Uni Rostock dürfte es schon im theoretischen Bereich Probleme genug geben. Zum zweiten gehört (im Sinne von Kauf und Erbpacht) auch die Perlenkette selbst bis auf einige Ausnahmen innerhalb des Hauses "Bischofsstab" der ECH - und zwar bis zur Seedeichstraße heran.

Mit Beginn der Bauarbeiten für die Sanierung der Perlenkette - so die SVV Dauerwohnrecht und Tunnelparkplatz zustimmt - wird es natürlich einen Bauzaun geben, der für den ganzen Sanierungszeitraum die Perlenkette und die Prof.-Vogel-Straße umgibt. Nach Fertigstellung könnte man die Zaunkonstruktion an der Promenade durch einen schöneren Zaun ersetzen und die Einfriedung auch im Süden fortsetzen.


Im Sinne eines zusammen hängenden Geländes sollte dabei m. E. an das bestehende eingezäunte Hotelgelände angeschlossen werden, sodass sich jeder Versuch einer öffentlichen Wegführung durch die Prof.-Vogel-Straße hindurch nach Norden oder Westen erübrigt.
Man muss über ECH-Grundstück. So wie man derzeit mit der ECH umspringt, ist die Verhandlungsbasis dafür denkbar schlecht.
 

Der "Weg", von dem Sie reden, ist nur noch eine Schneise im Wald, wie jede andere auch.
Wer durch diese Scheise läuft, begibt sich in eine Sackgasse, da am Ende der Scheise eine Hecke und ein Zaun stehen.
 Jedoch hat er, wenn er dort angelangt ist, schon fast 30 Meter auf Privatgrund zurück gelegt und abgesehen davon gegen die neue Kurwaldverordnung für Heiligendamm verstoßen.
 

Abgesehen davon besteht für Urlauber und Gäste, um die sich hier so bemerkenswert gesorgt wird, kein Grund, zwischen Weigweise, Laterne und zwei Bänken hindurch zu gehen, über ein Beet zu trampeln, sich dann in diese umgepflügte Schneise zu begeben und in ihr einen Weg

nach Norden zu vermuten. Die Wegweiser sprechen klare Worte: Alle Wege führen nach Osten oder zurück.

Kein Ortsunkundiger würde auf die Idee kommen, quer durch einen Wald zu laufen.
Und wenn, dann ist das anstandslos und berechtigt erst recht zu Maßnahmen, wie einem Zaun.


Wenn also die bösen Gäste und Urlauber hier Wege durch den Wald trampeln, Pflanzen ausreißen oder zerstören und Bänke beschädigen, dann sollten wir Einheimischen gerade deshalb diese Menschen in die Schranken - oder eben Zäune - weisen.
Sie zerstören schließlich ein Stück unserer Heimat.

Oder sind es etwa gar nicht die Ortsunkundigen, die solche Frevel begehen, sondern jene einheimischen ortskundigen Zeitungsleser,
die sich durch gewisse Leserbriefe dazu hinreißen lassen, im Namen "zivilen Ungehorsams" Straftaten zu begehen?
 

Dann sollte es im Interesse jedes Stadtvertreters sein, das Eigentum der Stadt zu schützen -
notfalls mit Zäunen, Wällen, Steinhaufen oder - daran hat wohl auch noch keiner gedacht - breiten Wasserläufen.

Wem solche überwunden geglaubten Bezeichnungen, wie "Personensperranlage" einfallen,
der mag sogar noch wirkungsvollere Methoden finden - die wir dann wohl eher nicht wieder haben wollen.

 

Wo es nun also definitiv keinen geradlinigen öffentlichen Weg von Norden nach Süden und anders herum geben wird, ist der Versuch,
eine Sackgasse zu vermeiden, wie die Quadratur des Kreises. Ich persönlich sehe nur die Möglichkeit, die Schneise mit teueren bereits hochgewachsenen Bäumen und Büschen aufzuforsten und einen Zaun entlang der Grundstücksgrenze ECH - Stadt ganz von Westen
bis ganz nach Osten zu ziehen, sodass, wer meint, durch den Wald latschen zu müssen, am Zaun entlang nach Osten laufen muss.

Allerdings müsste dennoch im Süden am Rondell eine natürliche Barriere errichtet werden, um die Pflanzen wirklich wirkungsvoll vor "ungehorsamen Zivilisten" zu schützen. Ein breiter und relativ tiefer Bachlauf oder ein stehendes Gewässer von West nach Ost mit Verbindung zu den bestehenden Wasserläufen könnte so eine natürliche Barriere sein. Die Stadt müsste das dann aber auch

pflegen - egal, was die Haushaltskasse gerade sagt. Sonst sieht es im Kurwald wieder so aus, wie bis 2009.
 

schreibt Martin Dostal aus Bad Doberan (bisher von der Ostsee-Zeitung nicht veröffentlicht)
 



Sommerpause - Sommerlaunen.

Die Stadtvertreterversammlung macht Sommerpause, das Grand Hotel hat Sommersaison und Heiligendamm füllt sich mit Sommerurlaubern. Endlich ist in den Zeitungen Platz für Leserbriefe, die nichts mit Bürgschaften und Zäunen zu tun haben.
 


OSTSEE-ZEITUNG | 30.07.2009

„Im Ausland wäre man stolz auf ein solches Projekt“


Folgende Mail erhielt Doberans Bürgermeister und die Redaktion gleichmaßen:


„Sehr geehrter Herr Polzin;wir kommen gerade von einer wunderbaren Ferienwoche in Heiligendamm zurück!
Wir sind voller Bewunderung für die Initiatoren dieses gewaltigen Projekts; was für eine Vision, wieviel Mut und Engagement, welch finanzielles

Engagement sind in dieses Projekt geflossen! Wir hoffen, dass die Entwicklung weitergeht, dass Barrieren und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden können, um auch die verbleibenden Objekte zu sanieren.
 

Ferien in Heiligendamm bedeuten nicht nur Erholung in luxuriösem Ambiente, in wunderbarer Landschaft; gleichzeitig umfängt einen eine ganz spezielle Atmosphäre: Historie, Zeugnis deutscher Kultur, das gelungene Resultat einer gewaltigen Aufbauleistung!
 

Im Ausland wäre man stolz auf ein solches Projekt – wir hoffen, dass auch die Bürger in Bad Doberan dies in Zukunft so sehen werden!
 

Ulla Bengs, Oberstudienrätin,

Bad Homburg“


Johanna Jawinsky aus Roggentin schrieb zum gleichen Thema:
 

„Schon mehrfach habe ich davon gelesen, dass sich Kühlungsborn im Aufwind befindet. Davon konnte ich mich auch schon überzeugen.

Unheiligendamm, wie wir es inzwischen nennen, dagegen kann mit halbherzigen Maßnahmen seine Situation nicht verbessern.

Wer aussperrt, sperrt auch ein. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Zimmer gebucht. Rundum ist alles verschlossen, die Bevölkerung und die Touristen reagieren sauer auf die verbotenen Wege. Das Umfeld ist auch nicht gerade anziehend….
 

Mit der Beseitigung von zwei Zaunfeldern (Ostsee-Zeitung vom 24. Juli) ist es nicht getan. Fröhliche promenierende Menschen müssen her! Kulturangebote sind erforderlich. Anlässlich des deutschlandweiten Wandertreffens mit Zentrum in Kühlungsborn waren viele Wanderer

von dem verschlossenen Heiligendamm entsetzt. Der Europäische Fernwanderweg versperrt!
 

Unter den Wanderern aus Süddeutschland befinden sich sehr wohl auch einige, die nicht auf den Euro schauen müssen, denen würde es doch niemals einfallen – und das haben sie auch gesagt – dort Quartier zu beziehen. Aufwachen und Aufmachen!
 

Übrigens, das Landesnaturschutzgesetz fördert das Betreten der Wälder und Landschaft – Ausnahmen müssen ausführlich begründet werden und sollen nur kurzfristig gelten.“
 


Unterschiedlicher könnten die Meinungen nicht sein.

Die Gäste des Grand Hotels kommen nicht so sehr aus der näheren Umgebung, sondern in erster Linie von dort, wo man gar nichts von der öffentlichen lokalen Diskussion weiß. Sie gehen ganz unvoreingenommen da rein und kriegen dementsprechend auch nicht viel von grimmigen Einheimischen und Touristen mit. Die Gäste des Grand Hotels hatten sich ja gerade darüber aufgeregt, dass zu viele Touristen über das Hotelgelände laufen. Durch die Pufferzonen sind diese Touristen nun weit genug weg vom Hotel.
Die Hotelgäste monieren außerdem, immer die Zimmerkarte dabei haben zu müssen, um die verschiedenen Bereiche betreten zu können. Ohne ein zusammen hängendes Hotelgelände müssten sie beim Gang vom Kurhaus zum Severin-Palais ganze vier und beim Gang von der Burg zum Severin-Palais sogar sechs Tore passieren. Wahrscheinlich würde eher das Gäste kosten.

Die Umgebung des Hotels zu gestalten, ist eine Aufgabe, die die Stadt tatsächlich vernachlässigt hat. Das liegt in erster Linie daran, dass es keine klare Linie der SVV gibt. Dadurch, dass einige Beschlüsse nicht gefasst werden konnten und andere durch einzelne Fraktionen im Nachhinein wieder angefochten wurden, gibt es nicht ausreichend Sicherheit. Die Stadt kann aber nur dort investieren, wo die Investition auch etwas bringt. So konnte sie an der Kühlungsborner Straße nachhaltige Investitionen vornehmen, musste aber an der Seedeichstraße auf Provisorien zurück greifen, weil das Baugebiet der ECH bis an diie Straße heran reicht. Es macht keinen Sinn, etwas aufzubauen, das wieder abgerissen werden muss, wenn die Bauarbeiten beginnen. Und der Beginn der Bauarbeiten ist wiederum von den Beschlüssen der Stadtvertreter abhängig. So verfällt auch die Perlenkette weiter, bis die Stadtvertreter dem Bau des Tunnelparkplatzes zustimmen und Dauerwohnrecht für die Perlenkette genehmigen.

Der Fernradwanderweg E9 ist in Heiligendamm nicht versperrt, sondern führt außen um den Ort herum.
Die alte Route führte offenbar bis zum Seebrückenplatz und dann durch die Professor-Vogel-Straße zur Kühlungsborner Straße.
Diese Route ist nach wie vor nutzbar aber Radfahrer müssen auf der Promenade absteigen.
Es steht also jedem Radwanderer frei, die alte Route zu nutzen bzw. den Fernradwanderweg an einem der beiden Kreisel der Touristischen Erschließungsstraße zu verlassen und durch Heiligendamm zu fahren und dann wieder am anderen Kreisel auf den Fernradwanderweg zu fahren.
Es ist nur eine Frage der Ausschilderung und dafür liegen die Verantwortlichkeiten außerhalb Heiligendamms.

Bei meinen Rundgängen nehme ich noch immer genug Radfahrer wahr, die die öffentlichen und öffentlich zugänglichen Wege Heiligendamms nutzen - unter anderem auch fahrend, wo sie eigentlich schieben sollen (Kurwald, Promenade).
Auch ganze Gruppen habe ich mehrmals gesehen und diese haben die gastronomischen Einrichtungen regelrecht belagert.
Dass Kempinski diesen Gästen den Zugang unnötig erschwerte, war deren Sache - die anderen Gastronomen haben in der Zeit gut verdient. Seit Mai 2009 gibt es tagsüber einen Posten, der das Tor neben dem Findling für jeden öffnet, der die Gastronomie des Hotels nutzen möchte. Das Restaurant "Medinis" im Haus "Bischofsstab" gehört übrigens auch zum Grand Hotel.

Irrtümlicherweise wird der Pfad durch den Wald am Alexandrinenplatz auch als Radwanderweg angesehen.
Bisher konnte aber nicht belegt werden, dass es dort überhaupt einen öffentlichen Weg gibt - er ist in keiner Karte verzeichnet.

Das Betreten des Kleinen und Großen Wohldes ist weiterhin möglich. Lediglich wurden vom Forstamt einige Einfriedungen vorgenommen und der Park des Hotels ist eingefriedet. Ein Park ist aber auch kein Wald, sodass das Landeswaldgesetz weder für den Hotelpark, noch für den Kurwald gilt. Das Landesnaturschutzgesetz hingegen regelt Naturschutzgebiete und darunter fallen innerhalb Heiligendamms nur der Golfteich mit seiner Umrandung und der ehemalige Golfplatz.

 


OSTSEE-ZEITUNG | 31.07.2009


Eine Lanze für die ECH und Herrn Jagdfeld


Zur Situation in Heiligendamms schreibtUwe Eggenstein aus Berlin:
 

„Ich bin ein Freund des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und lese deshalb regelmäßig die Ostsee-Zeitung.
Dabei ist mir aufgefallen, dass es eine heftige Kritik an Heiligendamm gibt und dass in diesem Zusammenhang Herr Jagdfeld und die ECH häufig angegriffen werden. Ich finde, diese Kritik ist nicht berechtigt und ich will deshalb heute einmal eine Lanze für Herrn Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger brechen, die mit ihrem Engagement die Entwicklung in Heiligendamm ermöglicht haben.


Dazu möchte ich einige Fragen stellen:
Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu verantworten, dass in Heiligendamm das erste deutsche Seebad errichtet wurde?
Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu verantworten, dass sich in der Nähe des Standortes Heiligendamm kein internationaler Flughafen befindet?

Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu verantworten, dass die Elbe nicht bei Rostock in die Ostsee fließt?
Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu verantworten, dass Rostock im Vergleich zu Hamburg kein Ballungszentrum ist?
Haben es Herr Jagdfeld, die ECH und die Kapitalanleger zu verantworten, dass der Strand von Heiligendamm nicht die gleiche Qualität aufweist, wie der von Ahlbeck oder Binz?

Haben es Herr Jagdfeld, die ECHund die Kapitalanleger zu verantworten, dass am Standort Heiligendamm keine Seebrücke gebaut wurde, die das Anlegen von Schiffen erlaubt?

 Nach der Wiedervereinigung waren die Standortnachteile alle bekannt.
Trotzdem haben sich Herr Jagdfeld und mit ihm die Kapitalanleger für die Entwicklung Heiligendamms entschieden.“

 


Ich hatte dazu einen Leserbrief geschrieben, der auch einen Tag lang im Leserbriefforum war und plötzlich verschwand und über die Suchfunktion zwar zu finden aber nicht aufrufbar war. Eine Nachfrage bei der Ostsee-Zeitung nach möglichen Gründen blieb unbeantwortet. Zensur? Ich gebe den Inhalt an dieser Stelle noch einmal wieder, weil er sehr wichtig ist:

Ein internationaler Flughafen in der Nähe Heiligendamms ist nicht notwendig.
Ebenso irrelevant ist für Heiligendamm die Nähe zu einem Ballungszentrum.

Heiligendamm wurde extra separat und fernab von der Stadt an der Ostsee angelegt.
Mit Heiligendamm verbindet man seit 200 Jahren einen beschaulichen aber überschaubaren Ort an der Ostsee, der nur den Zweck erfüllt, für den er gegründet wurde: Ruhe, Erholzung und Gesundheit. Der Massentourismus stand bis einen kurzen Zeitraum im Dritten Reich und auf den Papieren einiger überehrgeiziger DDR-Chefplaner nie zur Debatte. Heiligendamm sollte und hat stets seine Exklusivität behalten. Nie wurde das fertige Ensemble großartig umgebaut oder durch Bauten ergänzt. Auch die jetzigen Planungen beziehen sich nur auf die zweite und dritte Reihe, sowie den Ortsrand. Heiligendamm lebt von der Mystik, von der Legende und von der einmaligen Lage. Heiligendamm als Bad der Hamburger an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste hätte einen gänzlich anderen Charakter und auch Heiligendamm weiter östlich wäre nicht mit dem vergleichbar, was Heiligendamm war, ist und sein kann.


Die Abgeschiedenheit ist das Besondere. Man fährt mal eben nach Warnemünde oder Sylt aber man fährt nicht mal eben nach Heiligendamm. Heiligendamm ist stets das Ziel. Man fährt dort nicht hin, um sich zu vergnügen oder um zu bummeln, sondern um ganz bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen - sei es das Bedürfnis nach absoluter Ruhe oder nach einer speziellen Anwendung im Severin-Palais. Heiligendamm war immer schon das Ziel. Heiligendamm ist anders und unvergleichbar.

Insofern gibt es keinen Standortnachteil. Man fährt nach Heiligendamm mit dem Auto und bleibt so mobil.
Oder man nimmt Bus und Bahn oder ein Taxi - es gibt übrigens auch einen Transfer vom Flughafen Rostock-Laage zum Grand Hotel.
 

Der Strand in Heiligendamm ist zum Baden gut geeignet. Alles andere ist sicherlich Ansichtssache oder Geschmackssache.
Die Seebrücke wurde extra so gebaut, dass keine touristischen Linien anlegen und Heiligendamm mit Touristen überschwemmen können. Per Verordnung wurde eine Wassertiefe von maximal 3 Metern vorgeschrieben - 2,70 Meter sind es derzeit.
Die Küstenlinien ändern sich ja ständig.


Vorgesehen ist das Anlegen privater Wasserfahrzeuge.
Dass das nur eingeschränkt möglich ist liegt daran, dass vor Jahren einer der Anleger beim Sturm abgegrochen und in die See gefallen ist und für eine derart komplizierte Bergung und Reparatur keine Mittel zur Verfügung stehen.

Wichtig ist aber:
Jagdfeld hat sich nicht trotz den Gegebenheiten für diese Investition entschieden, sondern wegen den Gegebenheiten.
Es gibt also in Heiligendamm keinen Standortnachteil. Viele Mitbestimmer erkennen lediglich den Standortvorteil nicht.


 


Analyse: Wäre ein Einzelverkauf besser gewesen?

In den letzten Wochen wurde vieles wieder hervor geholt. Alte Argumente, alte Gedanken und alte Wünsche.
Einer dieser alten Gedanken war, ob es vielleicht besser gewesen wäre, Heiligendamm nicht als Gesamtobjekt an nur einen Investor zu verkaufen. Diese Äußerung wurde auch mehrmals in Leserbriefen gemacht. Wäre das die Lösung gewesen - ein Einzelverkauf von 26 Gebäuden an einzelne Investoren?


Es klingt verlockend: Jeder kauft sich sein Gebäude, saniert es und bringt darin unter, was er will.
Ein bunter Mix aus vielfältigen Angeboten könnte entstehen und Heiligendamm als Ganzes könnte nicht pleite gehen.

Es ist nicht so, dass dieses Szenario 1993 nicht probiert worden wäre.
Nach der Schließung der Ostsee-Klinik wurden die Gebäude alle einzeln ausgeschrieben. Es meldeten sich mehrere Interessenten aber schnell wurde klar, dass die weißen Riesen übrig bleiben würden. Die Perlen wollte jeder haben, die Cottages erst Recht.
Das Kurhaus aber und Haus "Mecklenburg", sowie die Häuser "Berlin" und "Glück auf" warteten vergebens auf Interessenten.

So entschloss sich das Land 1996, die Ausschreibung zurück zu nehmen und das Objekt als Gesamtobjekt auszuschreiben.
Wer ein Haus haben wollte, musste die anderen 25 auch nehmen.


Die Dr.-Marx-Gruppe war dazu bereit, wollte aber dennoch eine moderne Klinik daneben errichten.
Es begann ein Kampf um Bäume - angeführt von einer Bürgerinitiative - und die Dr.-Marx-Gruppe verlor das Interesse.

Anno August Jagdfeld las im FOKUS eine Anzeige "Wer küsst die Prinzessin wach?" und dachte sich, dass das nicht wahr sein kann. Er sagt sinngemäß, dass er glaubte, dass da jemand vergessen hat, eine Hollywood-Kulisse abzubauen. Er wollte die Prinzessin wach küssen und sein Konzept - ein 5-Sterne-Resort - überzeugte das Land. Das Gesamtobjekt ging an die FUNDUS-Gruppe. Dr. Marx kam trotzdem und baute die MEDIAN-Klinik, ohne das Ensemble kaufen zu müssen.

Doch was wäre gewesen, wenn? Wie hätte sich Heiligendamm ohne FUNDUS entwickelt?
Dies soll keine Weissagung werden. Viele Sachen entwickeln sich nach logischen Aspekten.


Zunächst hätte es natürlich Käufer für einzelne oder mehrere Villen gegeben.
Der Zustand der Villen "Perle", "Möwe" und "Schwan" hätte möglicherweise auch schon damals eine Sanierung verteuert und den Wunsch nach einem Abriss aufkommen lassen. Die Sanierung einer Perle nach denkmalschützerischen Vorgaben würde inklusive Planung einen sechsstelligen Betrag kosten.

Wenn Sie zum Beispiel in der Dammchaussee das vorletzte Haus von Bad Doberan aus kommend kaufen, kostet Sie die Sanierung schätzungsweise 450.000 Euro. Hinzu kommen die Planungskosten, Nebenkosten etc. und das Haus soll ja auch ein wenig ausgestattet werden. 1-2 Millionen Euro müssen Sie also für die Sanierung einrechnen.

 

Sagen wir, die Sanierung einer einzigen Perle kostet - da der Zustand 1994 nicht so schlecht wie 2010 ist - eine Million Euro.

Was kann man darin unterbringen, das diese Million innerhalb von 10 Jahren wieder erwirtschaftet? Vermietet man das ganze Haus, muss der Mieter schon monatlich 8.400 Euro Kaltmiete zahlen. Das ist eigentlich noch ein Schnäppchen, denn bei Objekten dieser Größe wären 15.000 Euro Warmmiete noch angemessen.

Kein Vermieter wird also weniger verlangen - schon gar nicht in der ersten Reihe an der Ostsee.
Und wenn, dann kommen noch immer Nebenkosten dazu: 4000 Euro sind das mindestens.
Macht also so oder so um die 13.000 Euro Miete im Monat. Wer kann so etwas zahlen? Niemand. Zumindest werden sich keine sieben Leute finden lassen, die das können.

Bleibt also die Aufsplittung. Teilt man die Villen in Etagen auf, teilt man die Kosten durch 3,5, denn das Dachgeschoss hat nach DIN weniger Quadratmeter. Macht also noch immer zwischen 3.700 und 4.300 Euro Miete pro Monat.

Auch wenn es die erste Reihe ist: Für 4.500 Euro im Monat kann eine Einzelperson auch in einem Hotel leben und wird rund um die Uhr von vorn bis hinten bedient. Es gibt keinen Grund, so viel Geld zu bezahlen, nur um in der ersten Reihe wohnen - und zwar nur wohnen - zu können.

Also muss die Miete weiter gedrückt werden. Das erreicht man durch einen Ausbau auf 6 Wohnungen. pro Villa.
Macht also 2.000 - 3.000 Euro Miete. Das ist viel aber es würden sich Leute finden, die sich das leisten können und wollen.

Eine Alternative wäre der Verkauf von Wohnungen durch den Sanierungsträger.
Bei 6 Wohnungen sind das dann ungefähr 200.000 Euro pro Wohnung und Käufer.


Nun wollen die Mieter oder Käufer natürlich auch in den Wohnungen dauerhaft wohnen.
Die SVV muss Dauerwohnrecht erteilen. Der Wunsch der ECH nach Genehmigung des Dauerwohnrechts blieb bis heute unerfüllt.
Würde die SVV jedem anderen Investor Dauerwohnrecht einräumen? Nach aktuellem Stand können wir davon nicht ausgehen.
Damit ist eine Vermietung und ein Verkauf nicht möglich. Die sieben Perlen könnten also - wie heute - nicht saniert werden.


Bleibt eine Umwandlung zu Hotelwohnungen oder Hotelzimmern. Bei 6 Wohnungen zum Durchschnittspreis von 300 Euro am Tag (das sind p. P. 150 Euro) bei Abzug von 60% Nebenkosten wären bei 60% Belegung nach 9 Jahren die Sanierungskosten wieder eingespielt. Das ist auch nicht gerade ein viel versprechendes Anlageobjekt - zumal daneben von 6 gleiche Objekte stehen, für die sich der Tourist entscheiden kann.

Hotelnutzung für die Perlen ist also nicht unproblematisch. Logistisch ist es sogar noch schwieriger:
Wo soll der Gast essen, wo sollen die Mitarbeiter hin, wo die Versorgungseinrichtungen? Die Perlen als Hotel würden nur als Ergänzung funktionieren und gerade diese DDR-typische Art, sich zum Essen zu festen Zeiten in Haus Soundso einzufinden, findet keinen Zuspruch mehr. Bleibt also letztlich nur die Wohnnutzung und hier in erster Linie die Sanierung mit Verkauf der Wohnungen - sechs pro Villa.

Doch wo sollen die mindestens sechs Autos hin, die es dann pro Villa gibt? Soll ein Parkplatz für 50 Autos in der Professor-Vogel-Straße entstehen? Oder soll - wie von einem Planungsbüro vorgeschlagen - eine Parkpalette in den Kurwald gesetzt werden?
Oder sollen die Einzelinvestoren zusammen legen und eine Tiefgarage bauen? Die ECH möchte eine Tiefgarage bauen.
Die SVV hat dies abgelehnt. Würde sie es Einzelinvestoren erlauben? Davon können wir derzeit nicht ausgehen.

Für die Villen hätten sich also bis zu sieben Investoren finden müssen, die alle dasselbe entwickeln: Eigentumswohnungen. Sie hätten alle zusammen arbeiten und gemeinsam eine Tiefgarage konzipieren müssen und es hätte für alle Villen Dauerwohnrecht genehmigt werden müssen.

Trotzdem wäre damit Heiligendamm noch nicht gerettet: In der Seedeichstraße stehen zwei weitere Villen und auch im Kleinen Wohld gibt es drei Villen. Sicherlich hätten sich dort Investoren gefunden, die sich die Häuser als Wohn- oder Ferienhäuser hergerichtet hätten. Doch nichts anderes hat die ECH damit vor. Wo ist also der Unterschied?

Nachdem nun die Villen an den Mann gebracht worden wären, hätten sich bestimmt auch Käufer für die beiden Häuser in der Gartenstraße gefunden. Auch hier eignen sich die Häuser fast nur zum Wohnen und Vermieten. Das große Haus gegenüber wäre schon schwerer an den Mann zu bringen gewesen. Genauso wie das Haus "Tabea", der Fürstenhof und die Fachschule. Wenngleich die Fachschule vielleicht einfach noch ein wenig geblieben wäre, bis die Fachschule in Wismar das Gebäude von selbst abgestoßen hätte.

Vielleicht hätten sich Interessenten für die Orangerie gefunden und es wäre wieder eine Verkaufsstelle geworden.
Doch ohne das Sanatorium hatten es die Händler ohnehin schon schwer - wie lange hätte es gedauert, bis Heiligendamm wieder vollständig saniert ist? Hätten sich für alle Gebäude gleichzeitig Käufer gefunden und hätten die alle zugleich mit der Sanierung begonnen und sie zugleich abgeschlossen? Oder wäre Heiligendamm zur Dauerbaustelle geworden, in der gar keiner Urlaub machen will?

Was hätte aus dem Kurhaus, dem Haus "Berlin", dem Haus "Mecklenburg" und der ehemaligen Burg werden sollen? Für Wohnhäuser sind sie zu groß und ungeeignet. Hätten dort drei Hotels dreier unterschiedlicher Besitzer entstehen sollen oder hätte sie sich einer gekauft und einen Hotelkomplex daraus gemacht? Wäre die Burg wieder eine solche geworden oder hätte man die Form so belassen? Überhaupt: Hätten alle möglichen 29 Investoren mit der gleichen Liebe zum Detail und mit derselben Hochwertigkeit saniert und rekonstruiert?

Hätte das neu erstrahlende Heiligendamm als Hotel- und Wohn-Mischgebiet keine Besucher angezogen, die es nur sehen wollten?
Wer kann garantieren, dass nicht letztlich auch Zäune aufgestellt worden wären oder dass von vornherein jeder Eigentümer sein Grundstück eingezäunt hätte - wie man es nun einmal so macht?


Was wäre denn so definitiv anders an einem Heiligendamm ohne FUNDUS?

Wären die Villen heute alle saniert und restauriert?
Das können wir nicht wissen. Heute aber ist es so, dass laut ECH die Sanierung beginnen würde, wenn die SVV der Tiefgarage und dem Dauerwohnrecht zustimmen und Baugenehmigung erteilt würde. Ein Jahr nach dem "Ja" der SVV würden die Bagger anrücken.

Wäre das Ensemble vollständig saniert und restauriert?
Auch das steht in den Sternen. Fakt ist: FUNDUS hat die Häuser "Grand Hotel"; "Kurhaus" und "Mecklenburg", das Haus "Brahn", sowie die Orangerie und die Burg saniert und aufwändig restauriert. Auch die ehemalige Fachschule und das Prinzessin-von-Reuss-Palais werden von der ECH unterhalten.

Wären die Häuser der Kühlungsborner Straße saniert?
Eher nicht. Vielleicht wären Neubauten entstanden. So sind da Leerflächen.

Wären die Villen im Kleinen Wohld saniert?
Sicherlich.  Aber bis auf die "Marie" sind derzeit sowieso für alle Sanierungen in Planung. Sie wären vielleicht nur schon eher fertig.

Gäbe es die alten Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen noch?
Bei den Nord-Süd-Verbindungen wären mindestens die zwischen den Häusern "Berlin", "Mecklenburg" und der Burg weggefallen.
Da wären wahrscheinlich Parkplätze. Die Professor-Vogel-Straße wäre sicherlich öffentlich geblieben aber man hätte sie verkehrsberuhigt. Der Kurwald - tja, den hätte die Stadt selbst sanieren müssen. Ob das in der Qualität realisiert worden wäre, ist auf Grund der Haushaltslage zu bezweifeln. Der Weg vom Bahnhof wäre sicherlich geblieben. Zumindest, solange die Touristen nicht zu zahlreich werden.

Die Ost-West-Verbindung wäre sicherlich oberhalb der Küste geblieben. Was auch immer in Heiligendamm entstanden wäre - es wäre kein 5-Sterne-Plus-Resort gewesen und würde daher auch nicht einen großen Hotelpark für sich beanspruchen müssen.
Außerdem würden durch die Einzelverkäufe sowieso im Westen andere Eigentümer sein. Es ist anzunehmen, dass die Eigentümer der Cottages vor den Häusern eine Grünfläche mit erworben hätten und diese dann auch einfrieden würden. Vielleicht also wäre es beim Weg an der Küstenkante geblieben aber ohne den Park. Wer auch immer das Alexandrinen-Cottage gekauft hätte, der hätte sicherlich nicht zugelassen, dass die Leute sich vor seiner Haustür versammeln und auf das Meer hinaus blicken. Sofern hier nicht gerade ein Café (das wäre das Optimum gewesen) entstanden wäre, hätte der Bewohner schon dafür gesorgt, dass die Menschen hinter seinem Haus entlang wandern. Änderungen hätte es also schon gegeben - nur eben nicht so sehr. Wenn allerdings nur ein Investor alle drei Cottages erworben hätte, wäre die Verbindung höchstwahrscheinlich auch abgeschnitten worden.

Hätten die Tagesgäste mehr Platz in Heiligendamm?
Wenn die Perlen einzelnen Investoren gehören würden, würden diese sie auch einzeln einzäunen, damit niemand über die Grundstücke läuft. Man hätte also einen zusammen hängend eingezäunten Komplex vom Haus "Bischofsstab" bis zur "Perle".
Anders herum wäre die Perlenkette auch von der Promenade bis zur Professor-Vogel-Straße umzäunt.
Die Professor-Vogel-Straße wäre mit Sicherheit öffentlich geblieben, solange nicht ein einzelner Investor die Perlenkette gekauft hätte.

Der Seebrückenplatz wäre rein rechtlich so nicht vorhanden, da das Grundstück nicht der Stadt gehört.
Die Linie Haus "Mecklenburg" - "Villa "Perle" ist eigentlich die Grenze zwischen Privatgrund und öffentlichem Grund.
Ausnahme bildet eine Aussparung bis zum Findling - die ist öffentlich und wäre es auch so geblieben.

Zwischen Burg und Promenade und zwischen Cottages und Küstenweg existierte damals auch nur ein öffentlicher Weg aber kein öffentlicher Grund. Also wäre auch hier nicht viel mehr Platz, als heute. Der Kurwald ist auch heute öffentlich und die Grundstücke an der Seedeichstraße und in der Gartenstraße sind so oder so nicht öffentlich.

Der Küstenwald wäre in größeren Teilen öffentlich - das wäre auch der einzige Gewinn gewesen.
Das Golfteich-Areal hätte öffentlich sein können oder auch privat. Es wäre ein wenig mehr Platz durch unbebaute Grundstücke:
Das Severin-Palais wäre nicht entstanden, das Thalasso-Zentrum, der Ayurveda-Tempel samt Vorhaus, das Ensemble-Palais, die Ensemble-Villa, der Demmler-Park und das Villenviertel würden nicht entstehen und auch einige kleinere Bauten wären nicht entstanden. Aber inwiefern man dann auf den freien Flächen touristische Aktivitäten hätte nutzen können, sei dahin gestellt.
Durch ein Abfließen der Besucherströme nach Westen wäre ein touristischer Schwerpunkt im Osten hinfällig und damit hätte sich die Strandversorgung dann bestenfalls erledigt.

Wägt man die Vor- und Nachteile gegeneinander ab, hätte man ohne FUNDUS nichts nennenswertes gewonnen.


Wäre Heiligendamm erfolgreicher, als jetzt?
Erfolg ist relativ. Wenn es ein Erfolg war, die Gruppe der großen Acht nach Heiligendamm zu holen - dieser Erfolg wäre ohne FUNDUS verwehrt geblieben. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgend etwas anderes die G8 dazu bewegt hätte, in Heiligendamm zu tagen, ist verschwindend gering. Wenn es hingegen ein Erfolg ist, in Heiligendamm gut ausgelastete touristische Angebote vorzufinden, so wäre ein Einzelverkauf eine Mischkalkulation. Man weiß nicht, ob jedes Angebot dieselbe Zielgruppe und dieselbe Qualität gehabt hätte. Ganz sicher hätte Heiligendamm ein buntes Gemisch aus Pauschalurlaubern, Tagesgästen, Pensions-Gästen und Luxusurlaubern beherbergt - neben Einheimischen und Kurgästen. Diese Möglichkeiten jedoch wurden Heiligendamm durch FUNDUS nicht zwangsweise genommen.

Neben den Luxus-Touristen, den Einheimischen, Patienten und Tagesgästen gibt es auch heute Pensions-Urlauber. Lediglich für Camper und Pauschalurlauber ist nicht wirklich Platz. Aber es ist Sache Bad Doberans, Heiligendamm um das FUNDUS-Areal herum zu entwickeln. Dass das Grand Hotel nicht vom Erfolg gekrönt ist, liegt sehr stark am Umfeld, welches die ECH entwickeln und verschönern möchte aber teilweise wegen fehlender Beschlüsse nicht kann.

Hier beißt sich natürlich der Hund in den Schwanz:
Ohne Hotel-Erfolg nicht genug Geld für die Entwicklung und ohne Entwicklung kein Hotel-Erfolg.
Die einzige Chance ist, es dem Investor nicht unnötig schwer zu machen.


Wäre Heiligendamm attraktiver als jetzt?
Die Sanierung der Promenade, die Strandaufspülung und die Küstenschutzarbeiten wären sicherlich auch ohne Gesamtinvestor realisiert worden. Der Kurwald jedoch wäre sicherlich nicht von dieser Qualität. Einen Waldparkplatz hätte es nicht gegeben - dafür wären die Schotterparkplätze dann vielleicht befestigt worden.

Im Moment stellt es sich so dar, dass ein Teil Heiligendamms saniert ist und ein anderer Teil nicht.
Da nicht alle Einzelinvestoren zur gleichen Zeit angefangen und aufgehört hätten, wäre Heiligendamm lange Zeit so geblieben:
Teile sind saniert und andere nicht. Wie lange, steht in den Sternen.


In Bad Doberan gibt es auch 19 Jahre nach der Wende noch seit 1990 nicht mehr genutzte Gebäude, die verfallen.
Man kann also sagen, dass Heiligendamm vermutlich genauso attraktiv wäre, wie Bad Doberan. Schaut man sich jedoch 2009 einmal in Bad Doberan um, findet man hier genauso zusammenhängende große Gebiete, dfie vom Verfall betroffen sind, wie in Heiligendamm. Der Klosterhof zum Beispiel oder auch die Häuserzeile am Maxim-Gorki-Platz und die in der Marktstraße.
Wie in Heiligendamm gibt es aber auch Einzelstücke, die verfallen, in der Dammchaussee, in der Goethestraße und auch in der Severinstraße. In Heiligendamm fällt das nur mehr auf, weil der Ort kleiner ist.


Man sollte jedoch nicht vergessen, was allein der G8-Gipfel für Heiligendamm und auch für das ganze Land bewirkt hat.
Die Kühlungsborner Straße wurde saniert, die Seedeichstraße ebenso, die Kortüm-Straße und auch die Gartenstraße. Heiligendamm wurde aufgeräumt und entrümpelt, die leer stehenden und nicht mehr benötigten Häuser wurden abgerissen, die Parkwege neu gemacht und die Ausstattung verbessert. Moderne Bushaltestellen sind entstanden - man kann sagen, Heiligendamm hat sich herausgeputzt. Davon hat auch Bad Doberan profitiert: Die Rostocker Straße wurde neu gemacht, die Kröpeliner Straße, die Schwaaner Chaussee bis hin zur Autobahn wurde mit Radwegen und allem drum und dran neu gemacht.
Die Nienhäger Chaussee, die Deichstraße und allerhand innenstädtische Straßen wurden saniert.

Vieles geschah im Rahmen des Stadtsanierungsprogramms aber noch mehr im Rahmen der Gipfel-Vorbereitung.
Dass der G8-Gipfel überhaupt nach Mecklenburg-Vorpommern oder zumindest in diese Region kam, ist dem Grand Hotel zu verdanken. Wo sonst hätten sie in Bad Doberan unterkommen können, wenn es das Grand Hotel nicht gegeben hätte?


Niemand kann mit Gewissheit sagen, wie Heiligendamm sich in den Händen einzelner Investoren entwickelt hätte.
Sicher ist nur, dass es mit der ECH eine Entwicklungsgesellschaft gibt, die Heiligendamm nach Plänen entwickelt, von denen wir Kenntnis haben. Somit ist die Zukunft Heiligendamms kalkulierbar, wohingegen die Vergangenheit Geschichte ist.


Heiligendamm ist der Spiegel der mecklenburgischen Gesellschaft.
In Heiligendamm finden sich sämtliche Epochen wieder und die Geschichte Heiligendamms liest sich wie ein Geschichtsbuch unseres Bundeslandes. Herzöge kamen und gingen, Revolutionen brachten Veränderungen mit sich und immer kam Heiligendamm irgendwie mit einem blauen Auge davon. Wir schreiben Geschichte. Wenn die Menschen an Heiligendamm denken, wird facettenreich klar, was sie in diesen Tagen bewegt: Angst vor Veränderung. Angst vor Verdrängung, Angst vor Mangel, Angst vor Versagen, Angst vor dem Erfolg anderer. Und es bringt genau die Reaktionen hervor, die sich so zahlreich finden lassen: Hass, Trotz, Neid und Aggression oder auch Mutlosigkeit und Resignation.
Heiligendamm 2009 - das ist, was die Menschen bewegt.
 

 


Hier geht es weiter: Sommer-Launen in Heiligendamm.