Zeit am Meer


Bad Doberan und Heiligendamm - Geschichte, Werdegang und Zukunft. Chronik, Foto-Rundgaenge, Gebaeudedatenbank, Oeffentliche Diskussion.
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2008: Dieses Jahr wird alles anders.

 

Oder auch nicht: Alte Argumente für überwunden geglaubte Probleme:

 

Kempinski ist frohen Mutes: 2007 war ein gutes Jahr und nun steigen die Einnahmen bis 2012 jedes Jahr um eine Million. Dicke Gewinne sind in Aussicht und vergessen ist der Zwist der letzten Jahre. Das berühmte "Es geht doch!" hat Heiligendamm erreicht und endlich ist das Hotel da, wo es hin gehört. Oder?

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 02. Januar 2008  |  Titelseite Bad Doberan

Kempinski-Chef: Die Leute wollen kein Rambazamba

Heiligendamm In gipfellosen Zeiten kommt es nicht allzu häufig vor, dass Ereignisse und Personen aus dem schönen Kreis Doberan von hochglänzenden überregionalen Medien wahrgenommen werden. Zum Jahreswechsel geschah es wieder. Der „Stern“ sprach unter der Titelzeile „Was macht eigentlich...“ mit Martin Kolb, Direktor des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm. In unserer Rubrik „Bei anderen gelesen“ hier einige Zitate aus dem Interview.

Natürlich geht es in dem Beitrag um den Gipfel. Das Hotel steht im Zentrum weltweiter Aufmerksamkeit stellt der „Stern“ fest. Und Kolb bestätigt: „Wenn ich heute irgendwohin gehe und erzähle, ich sei der Direktor vom Kempinski Grand Hotel, sagen alle: Wow. G-8! Früher haben alle gefragt: Wo soll denn das sein.“ Der Zaun habe wehgetan. Im Vordergrund aber stehe der Gipfel mit wunderschönen TV-Bildern von Heiligendamm unter blauem Himmel. Seit dem Gipfel habe es eine Art Schubumkehr in der Auslastung des Hotels gegeben: Anstieg von 38 auf 54 Prozent. Erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis. Kolb weiter: „Wir haben 100 neue Arbeitsplätze geschaffen, sind jetzt 360 Leute insgesamt, davon 60 Auszubildende.

Der „Stern“ zitiert Fontane, der beklagte, dass in Heiligendamm nicht viel los ist. Martin Kolb entgegnet: „Was sucht der moderne Mensch denn mehr als Ruhe? Auf das Meer hinausschauen. Die Einsamkeit. Die Mystik. Die Alleen. Die Leute wollen kein Rambazamba.“ Und dann geht es noch einmal um den Gipfel. Die Bundesregierung habe eine Aufwandsentschädigung für 14 Tage reguläres Geschäft gezahlt, informiert der Direktor auf Nachfrage. „Hochgerechnet auf prozentuale Auslastung mit durchschnittlichem Zimmerpreis.“ Den Verzehr hätten die Delegationen selbst bezahlt.

Am Schluss plaudert Kolb dann doch noch aus dem Nähkästchen: „Die Russen haben die komplette Rechnung bar bezahlt. Aus dem Aktenkoffer. Cash in de Täsch.“
 

 

Die Leute wollen Ruhe... Auf das Meer hinaus schauen... Einsamkeit... Mystik... Alleen...

Das sind alles Dinge, die man in jedem kleinen Ostsee-Dorf Mecklenburg-Vorpommerns findet.

Und zwar zum Bruchteil des Preises, den man ihn Heiligendamm zahlt.

 

Wenn der Gast all das will, warum bietet man ihm dann auf einen engen Raum konzentrierte Bettenburgen inmitten einer pulsierenden Tourismusregion?

Warum bietet man ihm einen Ort, an dem es möglich sein soll, mit tausend Menschen gleichzeitig im Freien Konferenzen abzuhalten?

Warum bietet man ihm eine auf kleinen Raum zusammenkomprimierte Stadt mit Sport- und Freizeitanlagen, Gestüt, Golfplatz, Gartenstadt, Meeresschwimmhalle, Ayurveda-Zentrum, Klinik, SPA-Zentrum, Restaurants, Bars, Lounges, Einzelhandelsgeschäften, Dienstleistungszentren, Parks, Jagdrevier und Yachthafen?

Bzw. - Januar 2008 - warum bietet man ihm Moder und Verfall inmitten einer zerstörten Infrastruktur?

 


Analyse: Heiligendamm war immer öffentlich zugänglich und es war immer möglich, mit dem Rad durch das Gelände zu fahren.

 

Richtig ist, dass Heiligendamm während der DDR-Zeit weitestgehend öffentlich zugänglich war.

Die Sache ist aber, dass die in der DDR aufgewachsenen Bürger den Begriff "Volkseigentum" kennen und darunter verstehen durften, dass alles, was niemanden direkt gehörte allen gehörte. Zu DDR-Zeiten konnten Wiesen, Wald und Felder frei betreten werden und wenn das nicht so sein sollte, war ein Zaun drum und wenn es absolut nicht sein sollte, war ein Hochsicherheitszaun drum. Nun ist aber Bundeseigentum nicht mit Volkseigentum gleichzusetzen. Das Volk ist nicht gleich der Bund und der Bund nicht gleich das Volk. Der Bund darf also mit seinen Flächen so ziemlich machen, was er will und was den Gesetzen entspricht, auch wenn es das Volk in zumutbarer Weise beeinträchtigt. Andererseits war auch die DDR-Regierung so frei, Wälder für NVA-Objekte abzuholzen und einzuzäunen.

 

Fakt ist aber, dass jeder nach Herzenslust über das Gelände des Sanatoriums spazieren konnte, durch die Fenster schauen, auch mal ins Innere gehen, Bekannte besuchen und über die Promenade schlendern konnte. Diese war zweigeteilt und ein Teil war als Radweg nutzbar und der andere sollte für Fußgänger sein. Es war nicht erlaubt, mit dem Rad zwischen den Häusern hindurch über das Gelände zu fahren aber es wurde auch nicht sonderlich kontrolliert. Vorgesehen war, mit dem Rad die Seedeichstraße und die Promenade zu nutzen und durch den Küstenwald zu fahren. Wenngleich dort laut Karte kein Weg existierte. Auch die Prof.-Vogel-Straße konnte durch Radfahrer benutzt werden und das war auch der in den Karten eingezeichnete Radweg.
Die Gebäude selbst aber waren Einrichtungen des Sanatoriums. Man brauchte eine Einweisung (Überweisung / Rezept), um dort eine Kur oder eine Heilbehandlung mitmachen zu können und man brauchte zumindest jemanden, den man dort besuchen konnte, um ohne Einweisung hinein zu kommen. Nicht davon betroffen waren die westlichen Cottages und alles, was nicht als Unterbringung für Patienten diente, also Behandlungsräume, Praxen und bestimmte Bereiche, in denen sich Hautkranke aufhielten. Dazu gehörte auch ein Stück Strand, der mit einem Sichtschutz umgeben war, um allen Beteiligten den Anblick schlimmer Hauterkrankungen zu ersparen. Diese Bereiche durften von Touristen nicht betreten werden.

Man konnte als Besucher und als Gast die Gastronomie nutzen und die gewerblichen Angebote.
Nur die Kantine war natürlich den Patienten und Mitarbeitern vorbehalten.

 

Gehen wir in der Geschichte weiter zurück, bietet sich ein anderes Bild, als das uns aus DDR-Zeiten bekannte.

Hinten angefangen haben wir da von 1941 bis 1945 Heiligendamm als Reservelazarett. Die Weiße Stadt am Meer wurde zu einer grünen Stadt am Meer und in den Häusern arbeitete das medizinische Personal der Deutschen Wehrmacht. Ein öffentlicher Zugang des Ensembles war nicht möglich. Man konnte wohl durch Heiligendamm spazieren aber in die Gebäude ging man nicht. Was hätte man da auch gewollt, selbst wenn man es gekonnt hätte?

 

Davor - also von 1938-1941 war Heiligendamm ein KdF-Bad. Der Ort selbst war für jeden zugänglich aber die Gebäude waren den KdF-Mitgliedern vorbehalten.Das war kein großes Problem, da sowieso fast jeder Deutsche in der "Kraft durch Freude" organisiert war - wie später fast jeder DDR-Bürger im FDGB. Aber auch hier gilt wieder: Für alle anderen blieben die Gebäude verschlossen.

 

Ebenso verhielt es sich in der Zeit von 1873-1940.
In dieser Zeit war das Ensemble unter ständig wechselnden Eigentümern und Pächtern ein Hotel.

Auch hier galt, dass jeder in Heiligendamm herumspazieren konnte aber wenn er in die Häuser wollte, musste er bezahlen.

Entweder ein Zimmer buchen oder etwas essen oder trinken. Die Situation ist mit der heutigen identisch. Wer sich wo und wie lange aufhielt, regulierte sich über die Preise. Wer es sich nicht leisten konnte, blieb draußen. Auf Bildern von 1938 existieren sogar schon Zäune, die das Haus "Mecklenburg" und die Burg einfrieden, sowie welche, die die Perlenkette einfrieden und sie vom Seebrückenvorplatz bis zum Gedenkstein vom restlichen Ensemble trennen.

 

In der Zeit davor - von der Gründung bis 1873 war Heiligendamm im Prinzip auch ein Hotel.

Aber es war ein Privathotel. Wir würden es "Ferienhaus" nennen.

In ein Ferienhaus kommen Sie nur auf Einladung des Besitzers.

Genau so lief es auch die ersten Jahre. Heiligendamm war ein reines Privatvergnügen.

Das jeder von außen sehen durfte - ohne Zweifel.

 

Im Laufe der Zeit entdeckte der Herzog und später Großherzog aber, dass sein Ferienhaus eine echte Goldgrube ist und lud jeden ein, der es sich leisten konnte. Übernachtet wurde im Haus "Mecklenburg" und später auch im "Grand Hotel" und die familiären Gäste wohnten direkt in den Cottages der Perlenkette. Die herzogliche Familie hingegen hatte feste Ferienhäuser:
Das Alexandrinen-Cottage, das Marien-Cottage, das Kronen-Cottage und die Hohenzollernburg.

Wobei auch Villa "Perle" ein festes Ferienhaus war. Hier wohnten ja "Miechen" und Großfürst Wladimir Alexandrowitsch.

 

Auch das spätere Residenz-Hotel dürfte ein privates Ferienhaus gewesen sein, denn es war nach der Prinzessin von Reuß, einem Familienmitglied der mecklenburg-schwerinschen Großherzogsfamilie, benannt. Ich selbst vermute, dass auch die anderen Cottages Familienmitgliedern vorbehalten waren, suche aber noch nach Namen.

Das Kurhaus war u. a. ein Restaurant und Ballsaal und damit zumindest in diesem Bereich öffentlich. Aber es war nicht so, dass man da hinein ging und etwas zum Essen bestellte. Es gab feste Zeiten zum Essen und das auch nur während der Saison. Außerhalb der Saison ruhte der Badebetrieb.

 

Aber auch hier zeigt sich, dass Heiligendamm nicht so öffentlich war, wie es einige heute gern sehen würden.

Ich gebe zu bedenken, dass man auch in den Weißen Pavillon nur hinein geht, wenn man etwas essen möchte. Auch das Friedrich-Franz-Palais und das Prinzen-Palais kann man nicht einfach so von innen besichtigen und selbst das Rathaus, das Palais und der Salon stehen nur an bestimmten Tagen und dann auch nur mit bestimmten Räumen für Besucher offen. An allen anderen Tagen können Sie das Foyer sehen und wenn Sie lieb fragen auch den Ballsaal aber die anderen Räume bleiben Ihnen verschlossen, wenn Sie nicht gerade mit den dort drin arbeitenden Personen etwas zu besprechen haben. Auch die 3 Ms Molli, Münster und Moorbad sind nicht öffentlich. Molli und Münster verlangen Geld und im Neuen Moorbad können Sie bestenfalls über den Dächern Bad Doberans Kaffee trinken aber einfach da baden gehen oder ein Moorbad nehmen, ist nicht drin. Vielleicht gegen Geld aber vermutlich eher gegen Überweisungsschein. Vielleicht sollte man den Begriff "Öffentlichkeit" ersetzen durch "Freizügigkeit"?

 

Freizügig sein heißt - abgesehen von möglichen Hintergedanken - dass man überall durch darf, wo man durch kann und durch darf. Klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Sie können natürlich mein Grundstück (so ich eines hätte) betreten aber wenn ich es nicht möchte, dürfen Sie es nicht. Also stelle ich einen Zaun auf (oder einen Steinwall und Hecken - das habe ich lieber) und vielleicht noch ein Verbotsschild und dann ist es aus mit Ihrer Freizügigkeit. Rechtlich einwandfrei. Ich könnte Sie sogar anzeigen, wenn Sie das Grundstück dennoch betreten.

Ich bin mir sicher, Sie gestehen mir zu, mein fiktives Grundstück einzufrieden und Ihnen das Betreten zu verbieten.
In Heiligendamm gestehen das einige der ECH aber nicht zu.
Immerhin ist Heiligendamm vielleicht interessanter als "mein" Haus aber ob das eine Behinderung des Hotelbetriebs rechtfertigt?

 

Außerdem: Mit dem Rad darf heutzutage auf keiner Promenade mehr gefahren werden und wenn, dann nur zu festgelegten Zeiten. Siehe Kühlungsborn, siehe Warnemünde und siehe auch die Rostocker "Kröpi". Die Strafen für Zuwiderhandlungen sind relativ hoch und es werden teilweise eigens dafür Überwachungsposten eingesetzt. Eine Einfriedung eines vorgegebenen Hotelgeländes ist gutes Recht des Betreibers, allerdings muss er sich in diesem Fall an Vorgaben durch die Stadt halten. Eine Einfriedung mit Hecken ist sogar sinnvoll, um den Rasen vor Austrocknung und Versandung zu schützen. Dass man in den Gebäuden nicht ein- und ausgehen kann, ist selbstverständlich. Selbst wenn aus dem Ensemble ein Museum geworden wäre, hätte man dafür Eintrittsgelder verlangt. Ausnahmen bilden eben Gebäude, die der Öffentlichkeit wegen der Art ihrer Nutzung zur Verfügung stehen, wie Gastronomie- und Gewerbebetriebe. Auch die Reduzierung der Durchgangswege ist nachvollziehbar, gerade im Bereich des Hoteleinganges und neben dem Kurhaus.

 

Nicht so ganz nachzuvollziehen ist da schon eher die Verlegung des Küstenwanderweges und die Sperrung des Küstenwaldes.

Auch das Kapern vieler Süd-Nord-Verbindungen, die für die Kurgäste wichtig sind, ist fraglich. Hier hätten sich Alternativen gefunden. Aber letztlich war es die Stadt, die der Schließung eines Teils der Professor-Vogel-Straße und des Weges neben den Kolonnaden zugestimmt hat. Die ECH hat diese Wege nicht einfach so und schon gar nicht ohne Rechtsgrundlage gesperrt.


 

Investor: Es handelt sich um ein Resort-Hotel, welches nur gut läuft, wenn der Massentourismus aus dem Ort verbannt wird.

 

Richtig ist, dass das Grand Hotel ein Resort-Hotel ist und dies von Anfang an so gesagt wurde. Versäumt wurde lediglich, den Einheimischen zu erklären, was genau ein Resort-Hotel ist. Darum schauen wir uns einmal das Resort-Prinzip genauer an. Resorts sind tatsächlich in sich abgeschlossene Komplexe, die alle möglichen Sport- und Freizeiteinrichtungen und je nach Ausrichtung jegliche Wellness- und SPA-Angebote oder auch Business-Angebote innerhalb des Resorts anbieten.

 

Ein solches Resort ist optimal, wenn der Gast eincheckt und im Resort alles vorfindet, was sein Herz begehrt und bis zum Auschecken das Resort nicht verlassen muss. Solche Resorts sind i.d.R. Neubauten und werden vorzugsweise in arabischen Ländern mitten in die Wüste oder an den Strand oder auf eine Insel gesetzt. Auch die USA, Südamerika und Südostasien, sowie auf die pazifischen Inseln sind sehr begehrte Bauplätze für Resorts. Die Resorts werden mit Vorliebe in strukturschwachen Regionen mit einem Überangebot an billigen Arbeitskräften errichtet. Eine Besonderheit ist hier der geringe Widerstand in der Bevölkerung, sofern  es überhaupt demokratische Grundlagen gibt, die eine Einmischung der Bevölkerung ermöglichen und eine weitere Besonderheit sind die oft sehr willigen Kommunen, die in Anbetracht der zu erwartenden Investitionen einiges erlauben, das anderswo nicht möglich ist. Diese Resorts sind in den betreffenden Ländern sehr erfolgreich.

 

In Deutschland gibt es erst wenige Resort-Hotels und die in Heiligendamm geplante Anlage ist die erste ihrer Art.

Ein Manko ist aber, dass hier kein Neubau möglich und vorgesehen war, sondern die Nutzung eines Ensembles, welches in den letzten 50 Jahren frei zugänglich war und medizinischen Zwecken zur Verfügung stand und somit theoretisch für jedermann nutzbar war. Es war nur eine Einweisung nötig. Die Gastronomie hingegen war in das Ensemble integriert und für jeden nutzbar. Ein reines Resort findet keinen Anklang bei den Bürgern und stößt eher noch auf Widerstand.
Der Investor hätte dies vor dem Kauf überprüfen müssen.

 

Anders wäre es vielleicht auf der Halbinsel Wustrow gewesen, die auch der ECH gehört. Die Halbinsel liegt am Ende von Rerik und war in den letzten acht Jahrzehnten der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Natürlich würde es auch hier Gegner geben aber zumindest weniger Argumente. Andererseits existiert auch ein Video, in dem die Bürger ihre Argumente gegen die touristische Nutzung im von der ECH geplanten Umfang hervor bringen. Aber der Investor könnte den strukturierten, also nicht naturgeschützten Teil einebnen und mit Neubauten versehen. Das wäre die Alternative zur Nichtnutzung. Ebenso resortfähig wäre das ehemalige KdF-Bad in Prora auf Rügen. Viel Wald, ein langer Sandstrand und eine Ecke für sich wären auch hier möglich. Es gab immer wieder Bestrebungen, Prora zu retten aber tragfähige Konzepte gab es nicht. Man könnte sagen, es sei alles versucht worden und man dürfte froh sein, wenn sich nun eine Lösung fände. Auch wenn diese aus einem Abriss und Neubau bestünde. Genug Platz ist vorhanden.

 

Richtig ist, dass ein Resort-Hotel in Heiligendamm nur vernünftig läuft, wenn alles aus dem Ort verbannt wird, was nicht an der Rezeption eincheckt.

Dazu gehören nicht nur die Touristen, sondern auch die Einheimischen. Nur steht dieses entgegen den Zielen der Bürger.
Das Resort-Konzept ist in Reinform in Heiligendamm schlicht und einfach nicht umsetzbar, weil es am Widerstand der Bürger scheitert. Es ist aber in einer abgeänderten Form umsetzungsfähig, wenn man den Tagesgast und die Bürger des Landkreises zumindest soweit Zugeständnisse macht, dass sie die Promenade nebst Seebrücke und Strand nutzen können, auf einem direkten Weg zum Bahnhof gelangen und in Westen nicht in einer Sackgasse landen. Der direkte Weg zum Bahnhof kann auch weiter östlich des jetzigen Weges verlaufen - das ist reine Ansichtssache. Die Sackgasse im Westen wäre auch zu verkraften, wenn sich im Osten massentouristische Angebote befinden würden. Da das nicht der Fall ist, strömen die Massen nach Westen und verweilen dort. Außerdem ist es sinnvoll, das Wellness- und SPA-Angebot für die Öffentlichkeit zugänglich zu lassen.

 

Damit würde das Hotel zwar nicht die angestrebte Exklusivität erlangen aber es würde endlich mehr Einnahmen erzielen.
Hier könnte man dann vom Massentourismus eher noch profitieren. Wenn der Massentourismus aus dem Ensemble verbannt werden soll, muss ihm erst einmal östlich davon eine gleichwertige Alternative geboten werden. Nirgendwo zwischen Warnemünde und Kühlungsborn ist der Strand so beschaffen, wie in Heiligendamm. Also mit einer Flachküste in einer strömungsarmen Süßwasserangereicherten Bucht, einem breiten Sandstrand mit hinter liegenden Parkplätzen und einem etwas entfernten Wald und zudem noch einer Bahnanbindung.
 

Das Hotel reguliert sich über die Preise. Man wird in ihm nur finden, wer es sich leisten kann. So war es vor 2 Jahrhunderten und so ist es auch jetzt.Dass man durch Einfriedungen verhindert, dass die Menschen über den Rasen laufen und in die Fenster zu blicken versuchen, dürfte legitim sein.

 

 

Bürger: Die Yachthafenresidenz in Warnemünde und das Grand Hotel in Graal-Müritz sind auch Resorts und frei zugänglich.

 

Es sind Resorts, die sich den Gepflogenheiten hierzulande angeglichen haben. Die Yachthafenresidenz bietet Übernachtungen, Wellness, Sport und Gastronomie und spezialisiert sich auf maritime Angebote. Die Zielgruppe sind normal verdienende Familien und junge Paare. Die Yachthafenresidenz ist auf Grund ihrer Lage in der größten Stadt des Bundeslandes und deren reichhaltiges Angebot so erfolgreich. Würde man die Residenz nach Börgerende umsiedeln, würde sie nur noch halb so gut laufen, weil sie nicht dem Resort-Prinzip eines All-Inclusive-Komplexes entspricht. Da die wirkliche Resort-Funktion nicht erfüllt ist, schottet sich die YHD auch nicht ab, sondern stellt ihre maritimen und gastronomischen Angebote auch für Nicht-Hotelgäste zur Verfügung. In Graal-Müritz verhält es sich ähnlich, nur dass hier eine langjährige Stammklientel bereits den Erfolg des Hotels sichert und dass es sich ohnehin nur um ein Hotel handelt, das eben noch Gastronomie betreibt. Man kann in fast jedem Stadthotel das Restaurant besuchen, ohne ein Zimmer buchen zu müssen. Kurzum: Mit dem, was der Investor plant, ist keines der Hotels und Resorts an der deutschen Ostseeküste vergleichbar. Heiligendamm dient als Versuchsobjekt. Scheitert es, wird es keine Resorthotelerie an der deutschen Ostseeküste geben.

 

An dieser Stelle macht sich ein Zitat aus dem Arbeitspapier der Entwicklungs- Compagnie Heiligendamm vom 30.09.2003 gut:

 

 

Die ca. 10 Mio. Einwohner Belgiens teilen ihren 50 km Nordseestrand mit ca. 2 Mio. Feriengästen (überwiegend aus Nordrhein-Westfalen). Der Landkreis Bad Doberan hat rd. 120.000 Einwohner, 62 km Strand, viele hundert km Fahrradmöglichkeit sowie endlose Spazierwege. Da ist es letztlich nicht verständlich und auch schädlich, wenn man die Stimmung in der Region aufheizt mit Themen, die eine Frage der Gastfreundschaft sind und darüber die wirklich wichtigen und für viele Bürger existentiellen Fragen (Arbeitsplätze und wirtschaftliche Zukunft) vergisst. Entgegen den immer wieder zu hörenden Gerüchten stellen wir richtig, dass jeder Einwohner von Bad Doberan und der Region die gastronomischen Einrichtungen des Kempinski Grand Hotel Heiligendamm nutzen kann. Das Hotel steht für jeden Gast offen und wir freuen uns darüber, dass in zunehmendem Maße die Bürger der Stadt Bad Doberan davon Gebrauch machen. Rd. 98 % der auswärtigen Tagesgäste in Heiligendamm kommen mit Bussen, dem PKW, dem Molli oder mit dem Fahrrad, nur 2 % sind aus Bad Doberan. Es sollte bei gutem Willen auf allen Seiten doch gemeinsam gelingen, die große Zahl der auswärtigen Gäste - wie in jedem anderen Seeheilbad auch - geordnet auf die Strandpromenade zu leiten. Östlich des Ensembles sind Parkmöglichkeiten und ein Strandversorgungshaus mit gastronomischen Einrichtungen geplant. Das ist ein idealer Anlandepunkt für die Tagesbesucher. Von dort aus haben sie die Möglichkeit, Heiligendamm in seiner einzigartigen Ensemblewirkung zu erleben, ohne in Kollision mit den Belangen des Hotelbetriebes zu kommen. Niemand - auch nicht die Doberaner - kann ein Interesse daran haben, dass eine Durchdringung des Hotelgeländes durch auswärtigen Tagesbesucherverkehr den nachhaltigen Erfolg des Hotels gefährdet. (Quelle: bad-doberan.com)

 

 

Der Vergleich ist handfest, kann aber auch so verstanden werden, dass die 120.000 Einwohner bitte die restlichen 60 Kilometer Strand und die restlichen Spazierwege und Fahrradmöglichkeiten nehmen und Heiligendamm "von ihrer Anwesenheit verschonen" sollen. Begründet wird das mit der Gastfreundschaft. Das einmal auf den kleinen Mann übertragen heißt, dass wer einen Gast im Haus aufnimmt in der Garage schlafen muss. Schwer vermittelbar. Oder einfach nur ungünstig formuliert?
 

Bad Doberan verdient nichts an den restlichen 60 km Strand. Bad Doberan hat nur diese 2 Kilometer.
Gibt sie diese an FUNDUS ab, verliert sie Gäste, Einnahmen, Ansehen und den Seeheilbadstatus in Heiligendamm.
Natürlich kann FUNDUS dieser Status egal sein, da nur die MEDIAN-Klinik, nicht aber das Hotel von ihm profitiert aber gerade diese Haltung würde sämtlichen Kritikern Recht geben, die da sagen, dass FUNDUS nach Gutsherrenart handelt und ihr Land und Leute egal sind. Eine Verschiebung nach Osten funktioniert für die Stadt nur, wenn Promenade, Seebrücke, Strand und die Verbindung nach Süden, sowie alles südlich der Kühlungsborner Straße öffentlich zugänglich bleiben und der Betrieb der MEDIAN-Klinik zu keiner Zeit eingeschränkt oder auch nur behindert wird.Wirklich wichtig ist aber dieser Punkt, der immer gern außer Acht gelassen wird: Das Hotel ist für jedermann offen. An anderer Stelle wird es noch einmal betont:

 

 

Alle Therapieeinrichtungen (Ayurveda- und Thalasso-Zentrum, Klinik für Plastische Chirurgie, Anti-Aging-Klinik) stehen - wie im Grundlagenvertrag vorgesehen - den Kurgästen der Hotels, der Median-Klinik wie auch jedem sonstigen Besucher Heiligendamms sowie allen Bürgern und Gästen aus der Region Bad Doberan offen.

 

 

Diese Aussage ist von enormer Bedeutung, denn sie sagt aus, dass Sie als Tagesgast oder Einheimischer von einem Winterspaziergang auf der Promenade einen Abstecher in eines der beiden Neubauten machen können, dort Geld auf den Tresen legen, sich einen Bademantel und Badelatschen schnappen und in das beheizte Außenbecken gehen und dort im warmen Ostseewasser baden, nach der Anstrengung vielleicht noch zum Ayurveda-Zentrum gehen, wieder Geld auf den Tresen legen und eine Stunde Yoga machen oder meditieren. Die Kosten liegen nicht viel höher, als wenn Sie dasselbe im ArkonaSPA in Warnemünde machen. Da jeder Bereich im Grand Hotel eine eigene Rezeption hat, müssen Sie auch nicht erst zur Hotelrezeption. Wenn - also WENN - das so umgesetzt wird, können diese beiden Neubauten ein voller Erfolg werden.

 

Das bedingt aber, dass Sie die Promenade als Tagesgast oder Einheimischer auch weiterhin betreten dürfen und sie auch nach Süden verlassen können. Schaut man sich nämlich die Planungen an, werden die beiden Zentren in das abgeschlossene Gelände integriert. Das bedeutet, dass Sie gar nicht bis zur Rezeption eines der Gebäude kommen und es daher entweder ein offenes Tor geben müsste, das dann jeden auf das Gelände lässt oder dass es am Tor ein kleines Empfangshäuschen geben müsste. Beides ist in den Plänen nicht zu finden und im Moment (bis jetzt, 2009) kommt man auch nur auf das geschlossene Hotelgelände, wenn jemand heraus will oder hinein will und eine Chipkarte hat und das macht die großzügige (nicht großzügig - ist ja eine rein ökonomische Sache) Einladung eigentlich schon wieder zunichte.
 

 

 

Freude im Januar: Die Perle wird im Frühjahr 2008 wieder aufgebaut!

 

Endlich kommt die Meldung, auf die alle gewartet haben. Die Villa Perle wird wieder aufgebaut.
Im Frühling diesen Jahres geht es los.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 16. Januar 2008  |  Mecklenburg-Vorpommern

Heiligendamm: Wiederaufbau des Hauses „Perle“ im Frühjahr


Heiligendamm (dpa) In diesem Frühjahr soll auf dem Gelände des Kempinski Grand Hotel Heiligendamm (Landkreis Bad Doberan) der Wiederaufbau des vor dem G8-Gipfel abgerissenen Hauses „Perle“ beginnen. Bis 2009 solle das Haus weitgehend originalgetreu fertig sein, sagte der Sprecher der Investorengruppe Fundus, Johannes Beermann. Das Gebäude ist eines der früher insgesamt sieben Häuser umfassenden so genannten Perlenkette. Der Abriss hatte für viel Aufregung bei Einwohnern von Heiligendamm und Denkmalschützern gesorgt. Auf dem freigewordenen Boden stand während des Gipfels die Pressetribüne.

 

 

Zwei Zwischenmeldungen, die auch wichtig sind:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 16. Januar 2008  |  Titelseite Bad Doberan

Aus dem Gerichtssaal

Freispruch für eine „Wandergruppe“

Bad Doberan Mit einem Freispruch endete gestern am Bad Doberaner Amtsgericht eine Verhandlung gegen zwei Frauen und drei Männer. Ihnen war zur Last gelegt worden, am 20. März vergangenen Jahres auf das umfriedete Gelände des Kempinski Hotels Heiligendamm eingedrungen zu sein, Hausfriedensbruch begangen zu haben. Das Hotel hatte Anzeige erstattet.

Der Saal 101 zeigte sich bis auf den letzten Stuhl besetzt. Heiligendammer waren gekommen, um eine Antwort auf die brennende Frage zu erhalten, welche Gebiete des Ortes noch öffentlich zugänglich sind.

Die fünf Angeklagten hatten kundgetan, sich nicht äußern zu wollen. Stattdessen wurde eine gemeinsame Erklärung verlesen. Darin wiesen sie den Vorwurf des Hausfriedensbruches zurück. Da müsste man ja jeden verfolgen, der eine Abkürzung über eine Kuhweide nehme. Vielmehr argwöhnten die Fünf, Fundus habe einen Präzedenzfall konstruieren wollen, was die Begehbarkeit des Areals betrifft. Und da sei ihr die „Wandergruppe“, alles ausgewiesene G8-Gegner, gerade recht gekommen, zumal man unmittelbar vor dem Gipfel in der Polizeitruppe Kavala einen Verbündeten gefunden habe.

Mit Energie und Akribie versuchte der Richter aufzuklären, ob es zu jener Zeit möglich gewesen ist, das Hotel-Gelände zu betreten, ohne Umfriedungen, also Mauern, Zäune, Schranken, Hecken und verschlossene Tore, zu überwinden.

Der erste Zeuge, ein Polizeibeamter, konnte wenig dazu beitragen. Er hatte die Personalien aufgenommen, nachdem die heutigen Angeklagten das Gelände verlassen hatten. Ja, es habe Hecken und Zäune gegeben. Immer wieder fragten Richter, Staatsanwalt und Verteidiger, wo Zäune und Hecken waren, durchbrochen oder nicht, wo Schilder standen. Viermal mussten die Angeklagten nach vorn, um die Sofort-Skizzen des Richters zu begutachten. Gleichzeitig kursierten im Publikum Handzeichnungen vom Areal. Der Richter selbst gestand, vom Kaffeedurst getrieben, zu eben jener Zeit auf das Gelände gelangt zu sein, und zwar ohne Durchbrüche jedweder Art.

Der zweite Zeuge, ein Wachdienstmitarbeiter, der die fünf Leute unmittelbar an der Hohenzollernburg aufgegriffen hatte, meinte, eben dahin könne man nur gelangen, wenn man Absperrungen überschreite, führte aber auch aus, dass sich im März und April rund 30 bis 50 Personen um Kempinski herum „verirrt“ hatten. Da war die Luft raus aus der Verhandlung. Zeuge drei, ein Sicherheitsmanager des Hotels, räumte noch ein, dass es nahe der Median-Klinik durchaus Zutrittsmöglichkeiten gab. Freispruch, urteilte der Richter. P.W.
 

 

Ich bin selbst zu besagter Zeit über die besagte Stelle ungehindert bis zur Burg gelangt und hätte beliebig weiter laufen können. Dorthin verirrt habe ich mich aber nicht - ich wollte die beiden Cottages von hinten fotografieren und wusste, dass ich dort hin gelange. Dass es nach rechts keine Sperrung gab, bemerkte ich erst, als ich mich umdrehte.

Hier geht es zum betreffenden Rundgang.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 25. Februar 2008  |  Kultur

Muss Günther Uecker gehen?

Rerik (OZ) Die kleine Holzhütte ist spartanisch eingerichtet: Holzregale, ein Tisch mit vier Stühlen, eine japanische Tatami-Matte, die, bedeckt mit einem Futon, zur einfachen Schlafstatt wird. Kein Strom, kein Licht, kein Wasser. Günther Uecker hängt an dieser Hütte – und an dem Boden, auf dem sie steht. Die Halbinsel Wustrow, gelegen vor Rerik. „Das ist der Ort meiner Sehnsucht. Meine Arche Noah, das Paradies.“ Dieses Paradies soll er nun verlassen. Der Landkreis Bad Doberan hatte dem berühmten Künstler eine auf drei Jahre befristete Ausnahmegenehmigung für den Bau der Hütte erteilt. Die ist vor zwei Jahren abgelaufen – und Uecker hatte weder Verlängerung beantragt noch die Hütte abgebaut.

„Ich wusste natürlich, dass die Zeit abgelaufen war. Aber man verdrängt und hofft, dass sich das im Lauf der Zeit regeln wird.“ Der 77-Jährige mag sich nicht damit abfinden, seine Heimat verlassen zu müssen. So wie schon einmal, mit 19. Als die Sowjetarmee die Insel okkupierte, wurde seiner Familie neues Land im Klützer Winkel zugewiesen. Der Bauernsohn studierte Kunst, ging in den Westen und wurde einer der berühmtesten deutschen Nachkriegskünstler, bekannt vor allem durch seine Nagel-Reliefs. Doch die wild-schöne Halbinsel Wustrow vergaß er nie. So kämpfte er beharrlich darum, zurückkehren zu können. Nach dem Abzug der Russen 1993 sprach er bei der Treuhand vor und schließlich beim neuen Eigentümer, der Fundus-Gruppe. Er überzeugte schließlich auch die Kreisverwaltung, die ihm 2002 die Baugenehmigung für das ökologisch sensible Gebiet erteilte.

Uecker lässt ein Holzhäuschen auf dem ihm zugewiesenen Platz aufstellen. Er kommt drei- bis fünfmal im Jahr, um in der Hütte zu arbeiten. Doch Mitte 2007 verfügt die Kreisverwaltung die Beseitigung der Hütte. Uecker klagt – und verliert in erster Instanz. Die Hütte sei „formell und materiell illegal“, unterstützte die Richterin in der Urteilsbegründung den Landkreis. „Ich weiß, dass dies rein rechtlich korrekt ist“, räumt Uecker ein. „Ich habe eine hohe Geldstrafe bezahlt für mein Versäumnis. Aber ich störe doch niemanden. Auch nicht die Natur.“ Er habe extra ein Haus auf Stelzen gekauft, um keinen Grashalm zu knicken.

„Das ist stures Baurecht und gilt für jeden“, heißt es bei der Kreisverwaltung. Die Reriker haben nichts dagegen, dass der Künstler auf Wustrow bleibt. „Er ist bekennender Reriker und Wustrower. Und er wirbt natürlich für die Region“, sagt Bürgermeister Wolfgang Gulbis. Er hat versucht, beim Landrat ein gutes Wort für Uecker einzulegen – vergeblich. Auch Fundus spricht sich für den Künstler aus: „Wir freuen uns, dass er da ist, und wollen, dass er so lange wie möglich bleibt“, so Sprecher Johannes Beermann. Sich außerhalb der Halbinsel anzusiedeln, kommt für Uecker nicht in Frage. Er hofft auf ein anderes Urteil in zweiter Instanz.

RENATE GUNDLACH
 


 

März 2008: Die Promenade wird um 60 Meter verkürzt: Das endgültige Aus für einen öffentlichen Küstenwald.

 


Promenade wird um 60 Meter verkürzt

Mehr Ruhe für Hotelgäste: Liguster kommt an der Westseite des Brückenvorplatzes in die Erde. Der Weg dahinter wird eingezogen.

Heiligendamm Die Realität holt Heiligendamm ein.

Ab nächster Woche wird am Vorplatz der Seebrücke in westlicher Richtung eine vierreihige Ligusterhecke gepflanzt,

teilten gestern Bürgermeister Hartmut Polzin und Hans Schlag, Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), mit.
Damit wird ein etwa 60 Meter langes Stück der Promenade entlang des Hauses Mecklenburg für die Öffentlichkeit dichtgemacht. Grundlage dafür seien die Festsetzungen der mittlerweile rechtskräftigen Bebauungpläne Nummer 25 und 30 zur Entwicklung des Hotel-Sondergebietes. Der Weg wird eingezogen und dem Hotel zugeschrieben. Zwei geplante Barockgärten und  ein Pinien-Areal an diesem Zipfel sollen den Hotelgästen Ruhe und Erholung bieten, hieß es.
 

Urlauber und Hiesige müssten künftig schon an den Treppen links und rechts der Seebrücke zum Strand ausweichen, um weiter gen Kühlungsborn zu wandern, können dazu den Steg übers Packwerk nutzen. Seebrücke und Vorplatz bleiben für die Allgemeinheit zugänglich, versicherte man.

Jana Konczak aus Thüringen, die zurzeit in der Median-Klinik kurt, findet die Aktion übertrieben.
Die Kempinski-Gäste residierten dann wie in einer Burg, abgeschottet.
Dass man im Hotel Privatsphäre liebt, kann Peter Schönemann aus Lüneburg einerseits nachvollziehen. Andererseits stellt er die Frage: Was war zuerst da? Wohl eher das Meer, der Strand, der Pfad.
Ein Passant aus hiesigen Breiten, der gestern einen Kinderwagen durch den Sand schob, sah dies gelassen:

„Wir kommen wegen der Ostsee her und nicht wegen des Weges.“ Im Rathaus versuchte man gestern, die Maßnahme sachlich zu erklären. Basis wären die Beschlüsse der Stadtvertreter, die bereits von März 2006 datieren, und die Genehmigungen der Behörden zur so genannten Entwidmung des Promenadenabschnitts. Im ersten Teil wird die zehn Meter lange Hecke gen Westen gepflanzt. 500 bis 600 Sträucher von 1,20 Metern Höhe werden dazu in vier Reihen in die Erde gebracht, erzählt der ECH-Vertreter. In einem zweiten und dritten Schritt soll weiterer Liguster gesetzt werden, sodass der gesamte Brückenvorplatz von Grün umsäumt würde. Zur Erinnerung: Die Stadt ließ das Areal an der Seebrücke mit zwei neuen Strandtreppen erst im Oktober 2006 völlig neu gestalten. Granit wurde verlegt, neue Lampen aufgestellt. Dafür flossen auch Fördermittel.
 

Gelb ist der Seebrückenvorplatz, an dessen westlicher Seite ab nächster Woche Liguster gepflanzt wird.

Endstation für die Promenade (oben in Orange). Der Weg wird eingezogen, ist laut B-Plan Hotelgelände.


Quelle: Ostsee-Zeitung.

 

ANETT JONUSCHAT
 

 


Die Promenade wird um 60 Meter verkürzt. Das ist das Aus für den Weg zum Küstenwald.

Bisher konnte man von Osten her das Ensemble in seiner einzigartigen Öffnung von Ost nach West erleben. Letzter Punkt der Öffnung war die Burg "Hohenzollern", die man erst zu Gesicht bekam, wenn man das Haus "Mecklenburg" gen Westen passiert hat.

Hier aber war der Weg zu Ende: Dieses Tor machte ihn zur Sackgasse und verursachte stets einen Stau von Menschen mit ratlosen und suchenden Gesichtern. Wo geht es weiter?

Später dann wurde das Holztor durch ein massives Tor ersetzt.
Durch dieses Tor hindurch geht es nur mit einer Karte des Hotels und diese haben nur Hotelgäste und Hotelpersonal.
Bleibt also nur: Runter zum Strand oder zurück zum Seebrückenplatz.



Seit März 2008 ist nun dieser Teil der Promenade eingezogen und mit einer Hecke
und einem Zaun gesperrt. Für die Öffentlichkeit ist hier Schluss.



Damit bekräftigen die beiden Vertragspartner (Stadt und ECH) die Umwandlung
des Küstenwaldes (Kleiner Wohld) bis hin zum Bach am Liegnitz-Steg zu einem

Privatpark. Der Strandaufgang fällt damit an das Grand Hotel und ist auch privat.
Das Tor und der Zaun zwischen Hotel-Rasen und Waldstück wurde entfernt und
das Areal optisch angeglichen, um einen sauberen Übergang zu bekommen.
Das Tor samt Schließanlage wurde am Strandaufgang neu errichtet und ist wieder
nur mit Hotelkarte zu öffnen. Auf dem Plateau befindet sich im Sommer ein Servicepoint,
an dem Getränke und Snacks gekauft werden können. Luxus pur - das neue Heiligendamm.




Der Hotelpark selbst wurde neu angelegt, nutzt aber weitestgehend die bestehenden Strukturen.
Die Logistik kann nun ohne Umweg über die Kühlungsborner Straße hier entlang.
Wenngleich das nicht übermäßig gehandhabt wird, um nicht mit den Hotelgästen zu kollidieren.
Man gelangt nun von der Kurhausterrasse und vom Grand Hotel aus zur Burg und in den Park.
Bisher musste man dafür aus- und wieder einchecken oder den schmalen Weg hinter dem
Kurhaus nutzen, den auch die Elektromobile nutzen müssen. Alles in allem ist das hier mehr Komfort.




Und genau darum ging es: Um mehr Komfort.

Was nicht in der Zeitung steht: Diese Fläche wurde mit der Stadt getauscht.
Nämlich so:



Die grüne Fläche auf dem Seebrückenplatz gehörte FUNDUS und die rote Fläche der Stadt Bad Doberan.
Die Stadt wollte nicht auf den geräumigen Platz vor der Seebrücke verzichten und FUNDUS wollte gern eine zusammenhängende Fläche vor dem Ensemble, damit die Gäste um nach Westen zu gelangen nicht aus- und wieder einchecken und nicht den schmalen Pfad hinter dem Ensemble mit der Logistik teilen müssen. So waren sich Stadt und ECH schnell einig, die Flächen einfach zu tauschen. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass es keinen öffentlichen Zugang zum Kleinen Wohld von der Promenade aus geben wird. Um dennoch eine Verbindung nach Westen gewährleisten zu können, musste die ECH auf eigene Kosten einen Steg über das Packwerk errichten und der Stadt überlassen. Neben der Seebrücke wurden als Ersatz für den weggefallenen öffentlichen Strandabgang zwei neue Treppen als Strandabgang errichtet. Im Gegensatz zum alten Strandabgang sogar mit zwei Rampen.

 


Nicht jedem ist klar, warum viele dem Küstenwald hinterher trauern. Hier scheiden sich die Geister der Einheimischen und einiger - besonders langjähriger - Gäste. Was es mit dem Küstenwald (der eigentlich "Kleiner Wohld" heißt) auf sich hat, erkläre ich hier:

 


Hintergrund: Mit dem Kleinen Wohld fällt eine wichtige Drehscheibe zwischen Ost und West und Nord und Süd weg.

 

Der Kleine Wohld war stets die Verbindung von der Promenade zum Kinderstrand und weiter nach Wittenbeck und Kühlungsborn. Der Wanderweg und Radweg führte direkt an der Steilküste entlang. Teilweise reichte der Weg so nah an die Kliffkante heran, dass man neben sich den Wald und auf der anderen Seite neben sich das Meer hatte. Fast durchgehend konnte man Seeblick durch die Bäume hindurch genießen. Dieses Stück Wald ist nicht groß aber sein unverwechselbarer Charakter ist ein Stück Lebensqualität. Der Marsch oder die Fahrt durch den Wald bringt frische Luft in die Lunge. Das Gemisch von aerosolhaltiger Waldluft und salzhaltiger Seeluft ist einmalig und kann nur auf wenigen Kilometern der deutschen Ostseeküste genossen werden.

 

Seit 2003 ist der Zugang zum Wald versperrt und an brauchbaren Alternativen mangelt es.

Durch schlechtes Management finden die Radfahrer und Wanderer die Route nicht wieder und es kommt zu Missmut.

Aber nicht nur die Radler und Wanderer sind die Leidtragenden der Sperrung:  Die Kurgäste der MEDIAN-Klinik haben nun weite Wege zum Strand.  

 

Zum Thema "Wald" gibt es seitens des Landtages Mecklenburg-Vorpommern eine interessante Unterrichtung, die wir als Definitionshilfe nutzen können:

 

 

LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 4/2414 4. Wahlperiode 19.09.2006

UNTERRICHTUNG durch die Landesregierung

Vierter Forstbericht

Bericht über den Zustand der Wälder und die Lage der Forstwirtschaft

 

Wald kann nach § 22 Landeswaldgesetz zu Erholungswald erklärt werden, wenn es das Wohl der Allgemeinheit erfordert, ihn für Zwecke der Erholung zu schützen, zu pflegen oder zu gestalten. Die Erklärung zu Erholungswald kommt insbesondere in Betracht für Wald in Verdichtungsräumen bzw. in der Nähe von Heilbädern, Kur- und Erholungsorten. Bislang wurde in Mecklenburg-Vorpommern von der rechtsförmlichen Ausweisung von Erholungswäldern kein Gebrauch gemacht, da die Wälder auch ohne zusätzliche Beschränkungen und Verpflichtungen für die Waldbesitzer die Ansprüche der Naherholung und des Fremdenverkehrs voll erfüllten.

Für das Seebad Heiligendamm an der Ostseeküste wird derzeit die erste Erholungswaldverordnung vorbereitet, um für diesen hoch frequentierten Küstenwald die Erhaltung, die Besucherlenkung und den Kurwaldstatus zu regeln.

 

 

Im Klartext bedeutet das, dass es in Mecklenburg-Vorpommern keine ausgewiesenen Erholungswälder gibt, weil es noch keinem Waldbesitzer gestört hat, dass Leute durch seinen Wald laufen. Anders gesagt: Die Fundus-Gruppe nebst Anno August Jagdfeld sind die ersten in diesem Bundesland denen es stört, dass Leute durch das von ihnen erworbene Stück Wald laufen.
Aber sie sind ja auch die ersten, die vor dem Problem stehen, einen Wald gekauft zu haben, der stark frequentiert ist.

 

Für Heiligendamm wird nun also eine Erholungswaldverordnung vorbereitet. Allerdings sieht es komisch aus, mit einem hoch frequentierten Küstenwald kaum die Umgebung des Alexandrinen-Cottages zu titulieren, denn diese ist ja bekanntlich gar nicht erreichbar. Man kommt da nicht zufällig hin, sondern muss ganz bewusst Hindernisse überwinden. Wenn dieses Stück Wald tatsächlich hoch frequentiert sein sollte, dann kann das nur die Gäste und das Personal des Hotels betreffen und dann wäre die logische Konsequenz eine Sperrung dieses Waldstückes für diese. Vorsicht: Ironie! Natürlich ist jedem klar, dass eine Öffnung des Tores sogleich einen Run auf den Wald zur Folge hätte. Es waren immer Menschenmassen, die zur Aussichtsplattform gelangen wollten. Nicht alle gingen dann weiter bis zum Kinderstrand. Viele kamen nur wegen der Plattform vor der Alexandrine.


Ohne diese Verordnung jedenfalls hat die ECH keine rechtliche Handhabe, um dieses Gelände zu sperren.
Darum gibt es derzeit auch bis auf einen Reisigwall um das Alexandrinencottage keine Einfriedung.
Die ECH darf das Gelände nicht einfach einzäunen, auch wenn es ihr gehört. Sie darf lediglich die Grundstücke der Cottages einzäunen aber das wäre ein großes Durcheinander an Zäunen, sodass derzeit darauf verzichtet wird. Mit der entsprechenden Verordnung wäre es der ECH rechtlich erlaubt, den Wald vom Haus "Brahn" (Kids Club) bis zum Bach, der zum Kinderstrand führt, sowie im Norden bis zur Küstenkante zu sperren. Abholzen darf sie nur alles, was 10 Meter von der Küstenkante entfernt steht aber an Abholzungen hat sie gar kein Interesse, denn es soll ja ein Wald mit Parkcharakter sein. Einen Park hat das Hotel schon.
 

 

Wo ist eigentlich das Problem?

 

Wer noch nicht vor Ort war oder Heiligendamm nur von der Promenade aus kennt, versteht die Verärgerung der Bürger natürlich nicht. Darum erkläre ich einmal, worum es - neben dem "Gewohnheitsrecht" - eigentlich geht: Der Gast erlebt Heiligendamm auf der Promenade. Der Besucherstrom ergießt sich stets von Osten her auf die Promenade und auf die Seebrücke und das Ensemble. Da das Haus "Mecklenburg" einen Knick in der Promenade verursacht, sieht der Besucher nicht schon von Weitem das Tor zum Küstenwald oder zumindest nimmt er dies nicht als Barriere wahr. Außerdem will der Besucher auch die Burg "Hohenzollern" ganz sehen und geht darum am Haus "Mecklenburg" vorbei. Nun endet sein Spaziergang an jenen Zaun und er blickt dort hinüber und sieht einen Park und weitere Gebäude, die er gern aus der Nähe betrachten möchte.  Der Gast dreht also um und geht zur Treppe, die zum Strand führt.
(Das ist Stand 2009 schon wieder hinfällig, da er gar nicht mehr bis zu diesem Zaun kommt. Siehe etwas weiter unten.)

Wenn Heiligendamm viele Besucher hat, bildet sich auf dieser Ecke (bzw. seit 2009 nun auf dem Seebrückenplatz) eine regelrechte Menschentraube, die ratlos einen Weg nach Westen oder in den Wald sucht. Unten am Strand wird der Gast fündig und sieht als erstes das Alexandrinen-Cottage und dann auch die Brücke über das Packwerk. Der Gast nimmt nun an, dass sich hinter der Brücke eine Treppe nach oben zum Cottage befinden würde, was die seitlich schräg zulaufende Küstenschutzmauer auch vermuten lässt. Der Gast macht sich also auf den beschwerlichen Weg durch den Seesand und läuft etwa 200 Meter bis zur Brücke, überquert die und findet keinen Zugang zum Wald vor. Der nächste Zugang befindet sich in etwa 500 Meter Entfernung, sodass der Gast dann etwa 800 Meter gelaufen ist, bevor er das erste Gebäude antrifft: einen Imbiss. Nun kann der Gast etwa 20 Meter nach Süden laufen und trifft dort auf einen großen Parkplatz mitten im Wald. Geht er nun die Straße entlang in Richtung Osten, gelangt er nach 600 Metern an das nächste Gebäude: Das Versorgungsgebäude des Grand Hotel. Der Gast hat vorher keine Möglichkeit, den Weg nach Osten - also in Richtung des Alexandrinen-Cottages - zu verlassen.
Hinter dem Versorgungsgebäude führt erstmals ein Weg nach Norden, vorbei am Haus "Brahn" bis hinter das Haus "Magdeburg", der aber an einem Tor endet. (Inzwischen steht das Tor schon am Wegeingang). Über das Gelände der MEDIAN-Klinik darf man nicht laufen, sodass man vorn an der MEDIAN-Klinik vorbei muss und dann hinter dem Ensemble landet. In Anbetracht dessen, dass die Stadt eine Anlandestation östlich des Ensembles errichten will, müsste der Gast nun also nach den bereits zurück gelegten 1.800 Metern noch 800 Meter bis zur Anlandestation zurücklegen. Er legt also an diesem Tag einen Weg von 2.600 Metern zurück, wovon 300 340 Meter auf der kurtaxenpflichtigen Promenade verlaufen, 700 760 Meter durch den Seesand, 600 Meter auf einen Weg, den er sich mit Autos und Radfahrern teilen muss, 800 Meter über einen Bürgersteig und 100 Meter entweder über den Teil der Promenade oder einen Bürgersteig. Ist eines Tages die Seedeichstraße nicht mehr passierbar, verlängert sich der Weg noch einmal um etwa 200 Meter.

 

Im Klartext: Der Gast läuft 2.600 Meter, um ein Haus nicht sehen zu können, dass er vor einem Jahrzehnt nach 600 Metern in einer direkten Geraden vom Parkplatz an der Seedeichstraße oder auf dem kürzesten Weg von Parkplatz am Kinderstrand aus nach 200 Metern erreichte. Mit dem Unterschied noch, dass er als Tagesgast damals nichts bezahlen musste. Dieser von Fahrzeugen ver(ab)gaste Wald mit Großstellplatz soll nun also einen Kurwald darstellen, während das weniger belastete Terrain zwischen Kinderstrand-Zufahrt und Uferkante ein Privatgrundstück darstellt.

 

Und dann gibt es da noch diesen Bericht auf den Seiten der Bürgerinitiative für Öffentlichkeit in Heiligendamm e.V. darüber,

wie Kurgäste der MEDIAN-Klinik von Kempinski behandelt werden:

 

 

W.A. via Mail | 21.01.2007

 

Moin, moin, im August/September 2006 war ich in der Median-Klinik zur Reha.

 

Die Klinik war TOP ! ! !.

Wie die Kurgäste vom Kempinski behandelt wurden, spottet jeder Beschreibung. Erst nach langen Interventionen der Klinikleitung durften wir den (öffentlichen) Weg

zum Strand über das Kempinski-Gelände wieder benutzen. Die Wachleute konnten nichts für diese Schikanen – sie haben nur auf Anweisung der ECH gehandelt.

Jetzt hatte ich einen Wellnes-Urlaub für eine Gruppe von 40 Personen zu planen. Zur Diskussion stand u.a. das Kempinski.

Meine Meinung gab den Ausschlag: Wer seine Gäste so behandelt, muss nicht auch noch unterstützt werden.

 

 

Im August 2006 musste man bereits von der MEDIAN-Klinik einem Umweg von etwa 300 Metern in Kauf nehmen, um zum Strand zu gelangen. Der Strand liegt aber nur etwa 150 Meter von der MEDIAN-Klinik entfernt. Man bedenke, dass es sich hier um Kurgäste handelt, für die mitunter 150 Meter schon beschwerlich genug sind. Inzwischen müssten sie sogar 500 Meter weit laufen und dabei einen unwegsamen Waldweg durchqueren. Dieser wird aber in Zukunft auch geschlossen und so müssen sie dann auch diese 800 Meter laufen, nur um zum Strand zu gelangen. Rollstuhlfahrer müssen schon jetzt von der MEDIAN-Klinik 800 Meter bis zum Strand fahren. Macht für so einen Ausflug dann 1.600 Meter. Heiligendamm ist damit als Kurort nicht mehr geeignet.

 

Nachtrag 2009: Seit mindestens 2007 hat die Median-Klinik einen eigenen Strand außerhalb Heiligendamms im Osten.

Macht dann auf dem derzeit kürzesten Weg mit Abkürzung durch den Kurwald 1,18 km Fußweg.

Die MEDIAN-Klinik bringt und holt aber die Gäste auch bei Bedarf mit einem Fahrzeug.

 

Allerdings macht Anno August Jagdfeld auch keinen Hehl daraus, dass Kassenpatienten in Heiligendamm unerwünscht sind:

 

 

Auf der Strandpromenade geht Jagdfeld an der Seebrücke vorbei. Obwohl die Temperatur noch sommerliche Werte zeigt, trägt er lammfellgefütterte Stiefel, weil ein Tief

über der Ostsee angekündigt ist. Seine langsamen Schritte deuten nicht auf einen kraftstrotzenden Großinvestor. Hier geht ein schmaler Mann, der seiner Gesundheit

nicht recht traut. Nachher will er noch zum Inhalieren in die benachbarte Klinik. Sie gehört nicht mehr zu seinem Besitz. »Wenn das Grand Hotel eröffnet, werden die

sich wohl auf die neue Klientel einstellen - weg vom Kassenpatienten.« Die Klinik könne zum Beispiel die Schönheitsoperationen anbieten, die für Jagdfeld genauso

zum Angebot von Heiligendamm gehören sollen wie zwei Golfplätze und ein Reitergut, zwei Yachthäfen und eigene Jagd. Radfahrer klingeln, Jagdfeld weicht geduldig aus.

(Quelle: Die Zeit 42/2000).

 

 

Natürlich besteht immer die Möglichkeit, dass man sich in einem vertrauten zweisamen Gespräch mit einem Journalisten verplappert oder einmal im Eifer des Imponierens über die Stränge schlägt aber wenn man den Journalisten glauben darf, die Jagfdeld persönlich kennen gelernt haben, dann ist dieser ein Mann, der seine Worte bedächtig wählt. Dazu passt dann nicht, dass er sich verplappert und darum müssen wir es wohl als ernsthaftes Ziel ansehen, dass Heiligendamm seine Kurgäste aufgeben soll.
 

Vermutlich würde sich dann auch eine Lösung bezüglich des Seezugangs für Klinik-Gäste finden lassen, wenn die MEDIAN-Klinik sich auf das Niveau des Grand-Hotels "erheben" würde. Denn die Klientel, die sich das gehobene Leistungsangebot leisten kann, ist auch ein potenzieller Hotelgast.

 

Gibt es denn gar keine Lösung?

 

Für die Sache mit der MEDIAN-Klinik wohl nicht. Einen Stichweg wird es nicht geben, Kassenpatienten haben nach Ansicht des Investors  in der Nähe von zahlenden Gästen nichts verloren und andere Abkürzungen gibt es nicht. Die MEDIAN-Klinik kann das Wort "Strand" bald mangels Erreichbarkeit aus ihren Prospekten streichen oder muss sich tatsächlich "auf die neue Klientel" einstellen, weil ihr die alte Klientel möglicherweise wegläuft.

 

Eine Lösung wäre zumindest eine Treppe hinter der Brücke über das Packwerk hinauf zum Wald, die auf einem Weg endet, der einmal nach Westen zum Kinderstrand und einmal nach Süden zur Zufahrt desselben führt und den Blick zum Alexandrinen-Cottage freigibt, um sie auch mit Einfriedung erlebbar zu machen. Hierbei würde es sich sogar anbieten, die Brücke bis hin zum Aufgang auf die Promenade zu verlängern und den vorgelagerten Strand abzusperren und den Gästen des Hotels zur Verfügung zu stellen.

 

So würden die Nicht-Hotelgäste hinter dem Strandabschnitt der Hotelgäste entlang laufen und das Stück zwischen Seebrücke und Strandbrücke eben nicht nutzen können. Das ist ein Kompromiss einerseits und lehnt andererseits an den Gepflogenheiten eines See-Hotels an und ist nichts anderes, als der Extra-Strandabschnitt für die Hautkranken zu DDR-Zeiten, der auch von den Einwohnern und Gästen akzeptiert wurde. Eine Treppe zum Alexandrinencottage soll es vor 1900 noch gegeben haben.

 

Allerdings müssen öffentliche Wege rollstuhltauglich sein, sodass aus Platzmangel wohl ein Lift neben dem Zugang zum Küstenwald notwendig werden würde. Eine andere Lösung wäre eine Einrichtung eines Weges vom Ende der Promenade am Park vorbei und ein Schwenk nach links mit rechtsseitigen freien Blick auf das Alexandrinencottage und eben die besagte Aufziehung des linksseitig mit einem Zaun versehenen Weges auf die Zufahrt zum Kinderstrand als Fußweg.

Man könnte hier Radfahrer über die ganze Strecke das Rad schieben lassen und so würden sie wie früher zum Kinderstrand gelangen, müssten nur eben schieben.

 

Beide Möglichkeiten würden auch den oben erwähnten Kurgästen der MEDIAN-Klinik entgegen kommen.

Heiligendamm ist nach wie vor erklärtes Kurgebiet und darum sollten die Kurgäste auch eine gewisse Priorität haben.

Ein Seeheilbad ohne Seezugang verliert seinen Status, denn die Gäste des Grand-Hotel sind keine Kurgäste.

 

Das Alexandrinen-Cottage würde in diesem Fall vom Hotelgelände abgeschnitten werden aber für ein privates Ferienhaus sollte das kein Problem darstellen. Jedoch ist es beschlossene Sache: Der Küstenwald bleibt bis zum Alexandrinencottage gesperrt und die Alternative ist der Holzsteg am - oder im - Wasser.
 

 

 

Verhaltene Freunde im März: Die Perle wird wieder aufgebaut (?!)

 

Es ist schon März - der Frühling ist im vollen Gange. An der "Perle" tut sich nichts. Aber noch steht das Versprechen:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 13. März 2008  |  Titelseite Bad Doberan

„Perle“ ab Mai neu aufgebaut

Heiligendamm Stein auf Stein soll die Villa „Perle“ nach dem alten Erscheinungsbild wieder aufgebaut werden. Dort, wo jetzt noch Buchsbäume stehen. Ab Mai soll das Projekt starten, erklärte jetzt Hans Schlag, Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH). Das unterkellerte Domizil erhalte einen weißen Anstrich, soll sich auf drei Etagen erstrecken. Neun Ferienwohnungen für Hotelgäste sind avisiert. Die Bauzeit betrage etwa 18 Monate. Derzeit werden einzelne Gewerke ausgeschrieben und vergeben. Das sei der erste Schritt zur Restaurierung der historischen Perlenkette in der Weißen Stadt, versicherte Schlag.

Zur Erinnerung: Die „Perle“ fiel im Januar 2007 kurz vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm dem Abrissbagger zum Opfer. Laut Aussagen der Investorengruppe Fundus war das Domizil neben dem Grand-Hotel derart marode gewesen, dass eine Renovierung nicht in Frage kam. Das Einvernehmen der Denkmalpflege habe vorgelegen. Der Abriss wurde von Bürgern kritisch begleitet. Denn die Villa „Perle“ blickte auf eine lange Geschichte zurück.

Sie entstand als „Neues Logierhaus“ im Jahre 1845, um dem Ansturm von Badegästen stand zu halten. Vom Großherzog wurde das Domizil später in „Perle“ umbenannt. Die Tochter des Großherzogs feierte ihre Hochzeit 1874 mit dem Großfürsten Wladimir von Russland in Heiligendamm. Dabei bezogen sie Quartier in einem neuen Anbau an die Villa „Perle“. Dieses Objekt hieß anschließend „Großfürstin Maria“. JO
 

 

 

Perle oder Alexandrine - wer ist eher fertig?

 

Es ist April. Im Mai soll es mit dem Wiederaufbau der "Perle" losgehen. Zwischenzeitlich aber tauchen Pläne für das Alexandrinencottage als Wohnhaus auf:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 07. April 2008  |  Titelseite Bad Doberan

Alexandrine mit Spielraum und Sauna

Heiligendamm . Unterlagen weisen jetzt auf die geplante Nutzung des Alexandrinen-Cottage hin. Demnach sollen im Keller ein kleines Schwimmbad, ein Kinoraum, ein Hauswirtschaftsraum, ein Lager, Weinkeller sowie Räumlichkeiten für Sauna und Massage entstehen. Für das Erdgeschoss sieht das Projekt einen Salon, ein Büro, Wohnraum, Essenraum, Küche, Bibliothek und Terrasse vor. Im Obergeschoss sollen aller Wahrscheinlichkeit nach drei Schlafräume, drei Bäder und ein Spielraum eingerichtet werden. Unterm Dach schließlich sehen Planer vier Schlafräume und zwei Bäder vor.

Die vorliegenden Bauzeichnungen deuten in ihren Details auf eine Nutzung des Alexandrinen-Cottage als privates Wohnhaus hin.

Das Gebäude war dereinst Sommersitz der preußischen Großherzogin Alexandrine. Im Jahr 1996 erwarb es die Kölner Fundus-Gruppe zusammen mit den anderen herzoglichen Großbauten des Seebades und 520 Hektar Land. In der Vergangenheit gab es immer wieder Proteste gegen die Sperrung des Waldstückes „Kleiner Wohld“, der das Alexandrinen-Cottage umgibt. P.W.
 


Ich gebe es so wieder, wie es Herr Schlag mir erzählt hat: Das Alexandrinen-Cottage ist derzeit (2009) für die ECH ohne Nutzungskonzept. Ihm ist aber bekannt, dass Herr Jagdfeld es gern als Sommerhaus nutzen würde. Allerdings wäre es verheerend, diese Villa zur Privatnutzung aufzubauen, bevor wenigstens eine Villa der Perlenkette saniert ist. Das wäre das falsche Signal und darum wird das Alexandrinen-Cottage nach wie vor ungenutzt bleiben.

Dass dennoch im  April 2008 Pläne für die Alexandrine vorgelegt wurden, kann ich Ihnen auch selbst erklären:
Die ECH hat die Perle wieder aufbauen wollen und wenn die Perle wieder aufgebaut wird, hätte auch kaum jemand etwas dagegen, dass Jagdfeld die Alexandrine als Sommerhaus nutzt. Die ECH glaubte anno 2008, die Perle wieder aufbauen zu können und würde dann zeitnah auch mit dem Wiederaufbau der Alexandrine beginnen, damit Jagdfeld nicht länger auf sein Sommerhaus warten muss.
Dass dann alles anders kommt, konnte die ECH nicht wissen.
 

 

Freude im April: Endlich mehr Gäste.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 09. April 2008  |  Titelseite Bad Doberan

Zustrom der Gäste hält weiter an

Bad Doberan Bad Doberan und Heiligendamm erweisen sich zunehmend als Touristenmagnete und werden ihrem Ruf als Badeorte immer besser gerecht. In seinem Bericht an die Stadtvertreter nannte Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) die aktuellen Zahlen. So stieg die Zahl der Übernachtungen im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent auf 290 639 an. Die Zahl der Gästeankünfte wuchs im gleichen Zeitraum um 6,3 Prozent auf insgesamt 55 796.

Den Zuwachs in den Torusimuswerten führte Polzin im Wesentlichen auf die weitere Stabilisierung der Gästezahlen im Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm zurück.
Das Hotel entwickele sich zunehmend zum Wirtschaftsfaktor für die Region, sagte der Bürgermeister.

 


 

Freude im Juni: Endlich mehr Umsätze.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 27. Juni 2008  |  Wirtschaft

Kempinski peilt 1,5 Millionen Euro Gewin an

Das Kempinski-Hotel in Heiligendamm will 2008, fünf Jahre nach seiner Eröffnung, erstmals Gewinn machen. Ohne G8-Gipfel 2007 hätte es länger gedauert, sagt der Direktor.

Heiligendamm (OZ/gkw) Fünf Jahre nach seiner Eröffnung ist das Hotel in der weißen Stadt am Meer angekommen. „Wir haben unseren Platz gefunden“, sagt Martin H. Kolb (48), Direktor des Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm. Erstmals will das Haus, das als Kulisse des G8-Gipfels 2007 weltweit bekannt wurde und jahrelang Verluste verbuchen musste, dieses Jahr Gewinn erwirtschaften: Kolb rechnet für 2008 mit einem Plus von 1,5 Millionen Euro. 2007 habe man mit einer „schwarzen Null“ abgeschlossen. Die Auslastung soll dieses Jahr durchschnittlich 65 Prozent erreichen, nach weniger als 40 Prozent vor dem G8-Gipfel.

Befragt nach seinem Erfolgskonzept, sagt Kolb: „Wir haben einen Management-Change vorgenommen.“ Nach dem Wechsel in der Führungsriege seien Service und Qualität verbessert worden, was sich herumgesprochen habe. Gäste, die am Anfang gekommen wären, dann aber nicht mehr, seien nun wieder da.

Die wichtigste Zielgruppe wohnt in Berlin und Hamburg und ist bereit, mindestens 260 Euro für ein Einzelzimmer in der Saison hinzulegen. 95 Prozent der Gäste kommen aus Deutschland.

Die Trendwende wäre auch ohne den Gipfel gelungen, ist Kolb überzeugt. „Es hätte nur länger gedauert.“ Während das Haus vorher bei manchen potenziellen Besuchern unter den Kategorien „Ostsee“ und „Ostdeutschland“ einsortiert worden sei, habe es nun den Ruf des G8-Hotels, in dem sich Merkel, Bush und Putin gute Nacht sagten. Anfragen, in deren Zimmer blicken zu dürfen, seien allerdings selten, erläutert Kolb. „So genau interessiert die meisten Gäste das gar nicht.“ Aber er habe schon den Eindruck, so Kolb, dass die Bilder vom G8-Gipfel die Bad Doberaner stolz gemacht haben auf ihren Stadtteil mit dem ältesten Seebad Deutschlands und dem Luxushotel. Der Managementvertrag mit der Fundus-Gruppe, der das Hotel mit sechs verschiedenen Gebäuden gehört, läuft noch bis 2013. Kolb geht fest davon aus, dass Kempinski auch danach das Hotel betreiben wird.

Allerdings nicht mehr mit ihm an der Spitze. Voraussichtlich Ende nächsten Jahres werde seine Arbeit hier beendet sein, schätzt der 48-Jährige, dessen Frau und Sohn in Wien leben.
Dann wird auf ihn ein neues Hotel warten, irgendwo auf der Welt. Vor seinem Engagement in Heiligendamm war Kolb für verschiedene Hotelketten tätig, unter anderem in Dubai, China, Südafrika und im Libanon.
 


 

Freude im August: Endlich Treffen mit Stadtführern.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 08. August 2008  |  Titelseite Bad Doberan

Stadtführer erkundeten Nobelherberge

Bad Doberan Auf Einladung von PR-Managerin Kirsten Brasche-Salinger trafen sich die Leitung des Grand Hotels Heiligendamm und zwölf Doberaner Stadtführer. Die Hotelverantwortlichen wie auch die Stadtführer gingen gut vorbereitet und mit konkreten Vorstellungen und Wünschen in die Veranstaltung. Eine fast dreistündige Gesprächsrunde fand im Konferenzraum mit Blick auf die strahlend blaue Ostsee statt. Von einem „längst überfälligen Treffen“ sprach Frau Brasche-Salinger.

Die Stadtführer haben mit den regelmäßigen Führungen, die in der Saison immer mittwochs und sonntags um 10.30 Uhr am Eiscafe „Coco“ beginnen durchaus Anteil am äußeren Image der Luxusherberge. Heribert Koth, seit zwei Jahren mit Touristen in Bad Doberan und Heiligendamm unterwegs, betont: „Wir Stadtführer haben das Ziel und den Ansporn, bei unseren Rundgängen ein realistisches Bild von Ort und Hotel zu vermitteln und die teilweise auch kritischen Fragen ehrlich und kompetent zu beantworten.“ Andererseits wünschten sich die Stadtführer, ihr Publikum auch durch eingeschränkte Hotelbereiche, wie der Professor-Doktor-Vogel-Straße, führen zu können. Selbst wenn sich die Hotelleitung um Martin Kolb dies aufmerksam anhörte, gab es doch keine schnelle Lösung. Die Ruhe für Hotelgäste stünde im Vordergrund.

Die gemeinsame Hotelbesichtigung und eine abschließende Gesprächsrunde in der Davidoff-Lounge rundeten die Veranstaltung ab.

Einziger Wermutstropfen des Tages: Es konnte kein Hotelzimmer besichtigt werden. Der Grund hierfür war ein guter. Mit einem Lächeln gab Frau Brasche-Salinger bekannt:
 „Ausgebucht. Alle 215 Zimmer belegt.“ Hotel-Chef Kolb lud abschließend Doberaner und ihre Gäste ein, sich selbst im Hotel ein Bild vom Ambiente zu machen und die Einrichtungen – nach vorheriger Anmeldung – zu besuchen, um einmal in Ruhe zu „entschleunigen“.

Beide Seiten wollen gern diese Treffen in regelmäßigen Abständen wiederholen.

A. KLEIN
 


 

Ärger im September: Die Perle ist noch immer nicht aufgebaut. Statt dessen neue Wünsche: Eine Tiefgarage.

 

Sie merken schon: Freude in allen Monaten und von der Perle war nichts mehr zu lesen.
Der PDS-Abgeordneten Anke Bitter war das suspekt und sie fragte bei Jagdfeld nach:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 06. September 2008  |  Titelseite Bad Doberan

„Voreilig angekündigt“

Die Villa „Perle“ in Heiligendamm wird wieder aufgebaut, hieß es am Jahresanfang. Seitdem herrscht Stille. Jetzt tauchte ein Briefwechsel zwischen Stadtvertretung und Fundus-Chef auf.

Bad Doberan Am 15. Januar 2008 verbreitete die Fundus-Gruppe über die Nachrichtenagentur DPA folgende gute Nachricht: „In diesem Frühjahr soll auf dem Gelände des Kempinski Grand Hotel Heiligendamm (Landkreis Bad Doberan) der Wiederaufbau des vor dem G8-Gipfel abgerissenen Hauses ,Perle’ beginnen. Bis 2009 solle das Haus weitgehend fertig sein, sagte der Sprecher der Investorengruppe Fundus, Johannes Beermann. Das Gebäude ist eines der insgesamt sieben Häuser umfassenden so genannten Perlenkette.“ So weit, so gut.

Verbaler Nachschlag folgte sogleich. Am 12. Februar vertiefte Hans Schlag, Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), vor Bad Doberans Stadtvertretern die frohe Kunde in Sachen „Perle“: „Ende März geht es los, wird die Baumaßnahme für die Wiedererrichtung begonnen . . . 18 Monate werden wir brauchen, um die Perle wieder so schön hinzustellen.“ Schön hingestellt. Die Monate gingen ins Land. Kein Wort mehr von der Villa. Stattdessen offerierte die ECH, nun eine Tiefgarage vor die „Perlenkette“ in die Erde bringen zu wollen. Mitten im Sommer dann setzte sich Stadtvorsteherin Anke Bitter (Linke) hin und schrieb einen langen Brief an Fundus-Chef Anno August Jagdfeld. Sie spricht darin von Klärungsbedarf. „Bitte erläutern Sie mir und natürlich auch unseren Wählern und den Bürgern unserer Stadt, warum nach den Ankündigungen Ihres Hauses, im Frühjahr 2008 solle Baubeginn sein, noch nichts passiert ist.“ Im Brief legt die Schreiberin dar, dass man als Stadtvertretung immerhin stets alle Voraussetzungen geschaffen habe, dass die ECH-Projekte verwirklicht werden können. Und dass man auf der anderen Seite auch wohl wisse, dass sich ein solch komplexes Projekt nicht auf Abruf umsetzen lässt. Und dann dieser Satz, der nicht nur arg verschachtelt ist: „Und wir möchten auch ihr Bewusstsein dafür schärfen, dass wir 2009 Kommunalwahlen haben werden, in deren Vorbereitungszeit Antworten, die wir nicht geben können, von den Kräften, die gegen Sie und uns arbeiten, ausgenutzt werden könnten, was unter Umständen zu einer dem Projekt insgesamt schädlichen Veränderung der augenblicklichen politischen Situation führen könnte. Dies wäre weder in Ihrem noch in unserem Interesse.“ Anno August Jagdfeld antwortet. Er verstehe die Enttäuschung der Menschen. „Niemand wünscht sich seit 5 Jahren mehr als ECH bzw. ich, dass es in Heiligendamm weitergeht.“ Auf das Kempinski Grand Hotel eingehend, spricht er von einem „selbst im fünften Jahr ausgebliebenen Erfolg“, was im schroffen Widerspruch zu den Erfolgsmeldungen steht, die ab Frühjahr aus der Edel-Herberge kommend, in schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht wurden.

Und ein wenig süffisant klingen danach folgende Sätze, an Frau Bitter und Doberans Stadtvertreter gerichtet: „Wir unterscheiden uns geringfügig darin, dass Sie den Blick auf die Villa Perle fokussieren, den wir voreilig angekündigt hatten.“ Dann geschmeidig weiter: „Uns geht es aber nicht um den Bau und Verkauf dieser 9 Eigentumswohnungen im Haus Perle, sondern um eine stimmige und erfolgreiche Entwicklung im B-Plan 25 insgesamt.“ Es folgen weitere focusierende Erläuterungen zum ruhenden und fließenden Verkehr, so wie die indirekt geäußerte Forderung, Doberan möge doch die Pläne für die Tiefgarage begrüßen, zunächst gesprächsweise freilich. Und immer über den Passagen schwebend, der selbstredend nie ganz ausformulierte Vorschlag, man könne dann letzten Endes auch noch über die „Perle“ reden. Wenn die Stadt ihre weiterführende Hausaufgaben gemacht hat.

Anke Bitters letzter Satz vor den freundlichen Grüßen lautet: „Dieser Brief ist mit den Fraktionsvorsitzenden der Linken, SPD, CDU und HGV abgestimmt.“ Der Bürgerbund fehlt in der Aufzählung unter dem offiziellen Kopfbogen der Stadt Bad Doberan.

PETER WEISSFLOG
 

 

Darin sehen die Kritiker einen Hinweis darauf, dass der Wiederaufbau der Perlenkette nicht erfolgt, bevor die Stadtvertreter allem zugestimmt haben, was die ECH an den Wiederaufbau hängt. Das ist nicht nur die Tiefgarage, das sind auch Straßenführungen, Außenparkplätze, besucherlenkende Maßnahmen, der Hotelpark und alles, was ihr noch kurzfristig einfällt.


 

Die Tiefgarage muss warten.

 

Jahresendzeitstimmung 2008: Stillstand in Heiligendamm. Ex-ECH-Geschäftsführer gehen in den Knast.

 


Dienstag, 23. September 2008  |  Mecklenburg-Vorpommern

Im Heiligendamm-Prozess hohe Haftstrafen beantragt

Rostock (dpa) Im Prozess um den Millionenbetrug bei der Sanierung des Kempinski Grand Hotels in Heiligendamm hat die Staatsanwaltschaft gestern vor dem Rostocker Landgericht eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren für einen 57-jährigen Angeklagten gefordert. Der Anklagevertreter wirft dem Ex-Geschäftsführer der Entwicklungs- Compagnie Heiligendamm Untreue, Betrug und Bestechlichkeit vor. Die Verteidigung soll am nächsten Prozesstag, dem 6. Oktober, plädieren. Das Verfahren läuft seit Mai 2007.

Angeklagt sind insgesamt drei Männer, der 57-Jährige und zwei Mitglieder einer Düsseldorfer Architekten-Gemeinschaft. Im April war das Verfahren gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie abgetrennt worden, nachdem dieser an zwei Verhandlungstagen nicht im Gericht erschienen war.

Die Männer sollen die Investoren-Gruppe Fundus zwischen 1996 und 1998 um umgerechnet knapp neun Millionen Euro betrogen haben. Laut Anklage wurden Rechnungen der Architekten auf Veranlassung des heute 57-Jährigen trotz nicht erbrachter Leistungen bezahlt. Anfang 1999 war dies aufgeflogen. Der Großteil des Geldes blieb verschwunden. Der Anklage zufolge flossen rund 1,5 Million Euro in bar oder in Form von Geschenken an den Geschäftsführer.
 

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 07. Oktober 2008  |  Mecklenburg-Vorpommern

Heiligendamm-Prozess: Freispruch gefordert

Rostock (dpa) Im Prozess um den Millionenbetrug bei der Sanierung des Kempinski Grand Hotels in Heiligendamm hat die Verteidigung im Rostocker Landgericht einen Freispruch gefordert. Dies teilte das Gericht gestern mit. Angeklagt ist ein 57-jähriger ehemaliger Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm wegen des Vorwurfs der Untreue, des Betrugs und der Bestechlichkeit. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit zwei Mitgliedern einer Düsseldorfer Architekten-Gemeinschaft die Investorengruppe Fundus zwischen 1996 und 1998 um umgerechnet knapp neun Millionen Euro betrogen haben. Die Anklage hatte siebeneinhalb Jahren Haft für den 57-Jährigen gefordert. Das Urteil wird am Dienstag kommender Woche erwartet. Im April war das Verfahren gegen den ehemaligen Geschäftsführer abgetrennt worden.
 

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 18. Oktober 2008  |  Mecklenburg-Vorpommern

Heiligendamm-Prozess: Drei Jahre Haft für Architekten

Rostock (dpa) Im Prozess um den Millionenbetrug bei der Sanierung des Kempinski Grand Hotels in Heiligendamm ist ein Düsseldorfer Architekt vom Landgericht Rostock zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Wegen der langen Prozessdauer von rund eineinhalb Jahren gelten ein Jahr und sechs Monate Haft bereits als abgeleistet, teilte das Gericht gestern mit. Laut Urteil hat der 52-jährige Architekt zusammen mit einem früheren Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm GmbH (ECH) und einem weiteren Mitglied der Architekten-Gemeinschaft die Investorengruppe Fundus zwischen 1996 und 1998 um mehrere Millionen Mark betrogen. Der 52-Jährige habe an der Bezahlung von überhöhten Architektenrechnungen mitgewirkt. Die abgerechneten Leistungen seien nur teilweise erbracht worden.
 


 

Resümee 2008: Viel gesagt. Nichts geschehen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 31. Dezember 2008  |  Titelseite Bad Doberan

Der Perle schöner Glanz

Die Worte des Jahres 2008 in der Region: Kreisgebietsreform, Umgehungsstraße und Tiefgarage. Sie brachten die Kreisdoberaner in Wallung. Eine Betrachtung ganz am Schluss.

Bad Doberan Das Wort des Jahres in Deutschland 2008 ist „Finanzkrise“. Danach folgen in den Charts „Verzockt“ und „Datenklau“.

Die regionale Hitparade der verbalen Aufreger unterscheidet sich davon grundsätzlich. Im Landkreis Bad Doberan und speziell in der Münsterstadt stehen „Kreisgebietsreform“, „Umgehungsstraße“ und „Tiefgarage“ ganz oben auf der Skala jener Worte, die körperliches Unvergnügen und Schnappatmung hervorrufen. Näheres und Fragen an Arzt und Apotheker und die schwermütige Radio-Tante, die so aufopferungsvoll für ihre Familie sorgt, unter www.apotheker-zeitung.de.

Monopoly für übelgelaunte Landräte

Dabei hat „Kreisgebietsreform“noch die geringsten Haupt- und Nebenwirkungen auf das allgemeine Schlechtempfinden der Bevölkerung. Es handelt sich doch nur um eine Art Monopoly vorderhand für übelgelaunte Landräte, nach dem Spielmotto: Ich kauf mir deinen Kreis! Und die Schlossallee in Schwerin macht kräftig mit, haut ein Modell nach dem anderen über die Zinnen des alten Herrschaftssitzes in das Land hinein. Allen voran jener wehrhafte Mann, dessen Kriegsname „K 4“ lautet. Da geht es um Codes, wie 6+1, 7+3 und 5 plus denk dir was. Experten befürchten eine Art Glücksspiel a la „17 und 4“. Dem Bürger ist dies alles ziemlich Wurst. Bis Normalotto aus Brodhagen seine Müllmarken persönlich im Wolgaster Hafenhaus kaufen muss, und dies nicht, da wollen wir schon mal Service leisten, nicht durch den Haupteingang. Dieser ist, auch das dann neu, als Allergieschleuse den Komoranschützern vorbehalten. Speziell jenen aus Parchim, untere Bahnhofstraße.

Umgehungsstraße erfolgreich umgangen

Deftiger im allgemeinen Sprachbewusstsein rührte der Begriff „Umgehungsstraße“ herum. Im letzten Jahr schwor Doberans Stadtvertretung ab. Nein, wir wollen nicht umgangen werden. Jetzt nun kam eine Vorlage durch, die den Kurortstatus der Münsterstadt aufwertet. Der Begriff Umgehungsstraße war umgangen worden. Und so stimmten Doberans Stadtvertreter für die Kurstadt, ohne aber das Votum gegen die Umgehungsstraße aufheben zu wollen. Den Bauern ihr Land. Und die Ruhe. Und den Städtern die Urlauber. Und auch denen die Ruhe. Vor allem den Klinik-Patienten. Vielleicht der Super-Kompromiss des Jahres. Das eierlegende Wollmilchschwein. Es lebt. Jeder füttert es mal.

Statt Perle Spitzwegerich

Jetzt die Nummer 1. Der Renner. Das absolute Wort des Jahres, hier in der Region: „Tiefgarage“. Ein wahrhaft unterirdisches Wort. Begonnen aber hatte alles ganz oben. Im Rathaus, 11. Januar 2008. Gegen 18.32 Uhr platzte es mit brutaler Fröhlichkeit aus Bürgermeister Hartmut Polzin heraus: Jede Wette, im Frühjahr wird mit dem Wiederaufbau der Perle begonnen! Klammer auf, starker Beifall, Ausrufezeichen, Klammer zu. Die ECH (lautsprl: äch!) bemühte gar die Nachrichtenagenturen dieser Welt, sprach von der Perle im alten Glanz, im neuen Glanz, von Glanz, Perlenglanz, Glanzperle. Alles glänzte. Danach monatelang bedrückende Stille. An der Stelle, wo die „Perle“ neu entstehen sollte, mühte sich ein Pflänzchen Spitzwegerich aus dem harten, verdichteten Boden. Stadtvertretervorarbeiterwohlfahrtfürsorgerin Bitter nahm's auf sich und schrieb klagend – per Hauspost? – einen Brief an den Fundus-Chef. Der antwortete. Eigentlich nicht. Ihm war, mhäm, die Kleinigkeit der Notwendigkeit zur Schaffung einer Tiefgarage momentan wohl völlig entfallen gewesen. Sorry. Spitzpfadfindige aus Heiligendamm vermuten, dass nur der offenkundige Beleg für die Auslastung des Hotels unter die Erde soll. Muss.

Heiligendamm braucht einen Yachthafen

Während auf dem europäischen Küstenwanderweg immer mal vorübereilende Hoteldirektoren ab und zu davon sprechen, dass selbst die letzte Besenkammer bedrückend voll ist, stehen oben am Molli-Bahnhof 14 mittelschwere Autos, zehn vom Personal. Die Hälfte der Verordneten dieser Stadt verweigerte der tiefen Unterstellung ihre Zustimmung. Visionen, immer wieder Visionen, sagte einer. (engl/dt: „Wischen, immer wieder wischen“ said one). Aber da war der Fatalismus schon zu ausgereift. Wie es nur Leute trifft, die tagelang ohne Wasser durch die Wüste irren, sagen Experten.

Die haben plötzlich Visionen. Und die Hoffnung, dass alles am Ende noch gut ausgeht. Und also Hand heben und zustimmen. Bis zum nächsten Mal. Bis bei Fundus erneut einer aus der vorpommerschen Rauhwollschafschlafdecke emporschrickt, weil ihm gerade eingefallen ist, dass Heiligendamm noch vor dem Wideraufbau der alten Villa eigentlich einen wunderhübschen Yachhafen braucht. Und den könnte man in Erinnerung an die untergegangene Perle dann durchaus „Pearl Habor“ nennen.

PETER WEISSFLOG
 


Es ist die Wut über ein nicht eingehaltenes Versprechen, die hier mitspielt. Die ECH hat gesagt, dass ihr "etwas auf die Füße gefallen" ist, das die Ankündigung vom Wiederaufbau der Perle zunichte machte. Sie hat aber versäumt, deutlich zu sagen, dass dieses Etwas die Tiefgarage ist und warum die Tiefgarage sein muss.
Lesen Sie hier: Hintergrund: Wohnnutzung und Tiefgarage - warum damit alles steht und fällt.


 

Fazit 2008: Visionen. Nichts als Visionen.

 

Es hätte Heiligendamm gut getan.
Es hätte ein Zeichen gesetzt.
Es wäre gut für FUNDUS und die ECH gewesen.

Es hat nicht sollen sein:
Der Wiederaufbau der Perle wurde zweimal mit Pauken und Trompeten angekündigt.
Und verschwand still und fast vergessen in der Versenkung. Die Akzeptanz geht gegen Null.

 

Hier geht es weiter:
 2009: Das verflixte 13. Jahr: Kempinski geht. Das Gesamtkonzept fällt. Der B-Plan kippt. Die Bürger laufen Sturm.