Neues Jahr, neue
Probleme und die ganze Welt schaut zu.
2007. Der
G8-Gipfel steht vor der Tür.
Und damit beginnen auch schon die Probleme in
Heiligendamm:
Der Findling soll weg und die
"Perle" wird abgerissen.
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 04. Januar 2007 | Titelseite Bad Doberan
Findling versperrt Sicht auf G8-Gäste
Weil der Findling auf dem Heiligendammer
Seebrückenvorplatz Kamerateams die Sicht nimmt, soll er für das
Gipfeltreffen verrückt werden.
Heiligendamm Soll er weg, soll er verrückt werden – auf jeden
Fall soll der Findling auf dem Seebrückenvorplatz in Heiligendamm zum
G8-Gipfel nicht mehr da liegen, wo er jetzt liegt. Denn da liegt der
dicke Brocken im Weg. Mitten in der Sichtachse von Fernsehteams, die
die Staatsoberhäupter beim Plausch auf der Terrasse des Kurhauses vor
die Linse bekommen wollen.
Dass der beeindruckende Findling für den
Weltwirtschaftsgipfel im Juni dieses Jahres umziehen soll, bestätigt
Fundus-Pressesprecher Johannes Beermann.
Weit von sich weist er aber
Befürchtungen, der Stein könne dauerhaft von seinem Stammplatz
verbannt werden. „Davon war nie die Rede, das wird definitiv nicht
diskutiert.“
Hintergrund: Für das Treffen der Staatsoberhäupter der
acht bedeutendsten Wirtschaftsnationen wird die Villa „Perle“
abgerissen. Das Gebäude ist eines von dreien der so genannten
Perlenkette, die der Abrissbirne zum Opfer fallen dürfen. Die Villa
würde nach dem Treffen wieder aufgebaut werden, so Johannes Beermann.
An der Stelle des maroden Hauses direkt am
Seebrückenvorplatz soll für das Gipfeltreffen ein Kamerastandort
entstehen. Dabei handele es sich um eine Gerüstkonstruktion, auf der
sich die Fernseh-Teams postieren könnten.
Der Findling allerdings würde genau zwischen
Kamerastandort und Kurhaus liegen, sollte er nicht verrückt werden.
Dies sei verschiedenen Sendern während einer Besichtigung der
örtlichen Gegebenheiten aufgefallen. Der Wunsch, den Findling zu
entfernen, sei nicht von der Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH)
geäußert worden, sondern von einzelnen Sendeanstalten.
Dagegen bezeichnet es der Leiter des Amtes für
Stadtentwicklung der Bad Doberaner Verwaltung, Norbert Sass, sehr wohl
als Wunsch der ECH, dass der Findling seinen Platz zu räumen habe. Das
Argument von versperrter Sichtachse im Zusammenhang mit dem
Weltwirtschaftsgipfel hält der Amtsleiter für vorgeschoben. Der
historische Liegeplatz des Findlings dürfe nicht geopfert werden. Mit
der Stadtverwaltung sei das jedenfalls zurzeit nicht zu machen, sagt
Sass und verweist in einem Atemzug auf einen von den Stadtvertretern
beschlossenen Bebauungsplan, wonach der Liegeplatz des Findlings
festgeschrieben sei. Ein Entfernen ist nach Ansicht von Norbert Sass
ausgeschlossen. Dass sich die Stadtvertreter in dieser Frage plötzlich
anders positionierten, kann sich der Amtschef nicht vorstellen. Sass
vermutet, dass der wuchtige Stein, zu nah am Grand Hotel liege, noch
dazu ein Publikumsmagnet sei und somit erst viele Besucher auf den
Brückenvorplatz locke. Seitens der ECH wird seit Langem eine
Beruhigung des Hotelumfeldes gefordert. Auch ein Gutachter sieht dies
für einen wirtschaftlichen Betrieb als unerlässlich an.
TIMO RICHTER |
Wenn es in Heiligendamm
etwas gibt, das seit seinem ersten Erscheinen nicht überpinselt,
ausgebessert, ver- oder ersetzt wurde, dann ist das dieser Gedenkstein.
Er steht seit seiner Errichtung fest an diesem Platz und nichts und
niemand konnte ihm etwas anhaben. Geschweige denn, dass irgend jemand
jemals auf die Idee gekommen wäre, dem Findling irgend etwas "antun" zu
wollen. Die Sendeanstalten sind die ersten, die sich an diesem Stein
störten und auch die ersten, die Hand
anlegen wollten.
Dieser Findling ist ein Zeichen für Heiligendamm, wie
der Michel für Hamburg und das Brandenburger Tor für Berlin.
Niemand würde
auf die Idee kommen, den Michel abzureißen oder das Brandenburger Tor
umziehen zu lassen.
Der Findling ist auch ein Symbol in der Beziehung,
dass der Umgang mit Denkmälern in der DDR ihn nicht erreicht hat.
In
Rostock musste eine Kirche einer Straße weichen, in Berlin ein Schloss dem
Palast der Republik und diese Liste lässt sich beliebig weiter
führen. FUNDUS baut in Berlin das Adlon wieder auf - an der
geschichtsträchtigsten Stelle der Stadt - und in Heiligendamm will sie ein
Denkmal zerstören.
Das Verrücken dieses alten Steines - dieses nie
angetasteten Urgesteins - wäre ein schlechtes Omen für Heiligendamm.
Mit den verrückten
Verrückungsplänen werden auch die Bürger verrückt, da sie
JagdfeldFundusECH ja eh schon für verrückt hielten.
Nie wurden die Stimmen
so laut - nie der Ton so scharf - wie in diesen Tagen.
Nie gab es so heftige Vorwürfe - selbst aus
der Stadtverwaltung - gegen die ECH.
So ließ man ab von
Stein, entschied sich für eine andere und viel schönere Presse-Tribüne und
wandte sich dem Abriss der Villa "Perle" zu:
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 09. Januar 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Heiligendamm: Abriss der „Perle“ hat begonnen
Heiligendamm (OZ/tri)
Mit der Entkernung der
Villa „Perle“ begannen gestern die Vorbereitungen für den Abriss des
zur sogenannten „Perlenkette“ in Heiligendamm gehörenden Gebäudes.
Fenster, Türen und Geländer wurden ausgebaut. Zwei Bagger bezogen
Stellung, zum Einsatz sollen sie spätestens morgen kommen.
Das Haus
neben dem Grandhotel sei so marode, dass eine Renovierung nicht mehr
möglich sei, sagte der Sprecher der Investorengruppe Fundus, Johannes
Beermann. Das Haus soll nach dem G8-Gipfel im Juni wieder
originalgetreu aufgebaut werden. Bisherigen Informationen zufolge wird
an dieser Stelle eine Pressetribüne für das G8-Treffen errichtet. Die
„Perlenkette“ ist ein Ensemble von sieben, heute leer stehenden
Ferienhäusern entlang der Ostseeküste.
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Natürlich war damit die
Diskussion nicht zu Ende. Sie fing gerade erst an. Unter die Trauer um das
altehrwürdige Gebäude mischte sich Wut, Hass, Trotz und auch Resignation.
Für die G8-Gegner war das ein gefundenes Fressen und sie zogen in diesen
Tagen viele Sympathien auf sich, die ihnen - wie wir später sehen werden -
in der heißen Phase des Gipfeltreffens sehr zu Gute kommen.
Reaktionen auf den
Abriss der "Perle".
Die ganze Welt
schaute zu, wie in Heiligendamm ein Kandidat für das Weltkulturerbe
zerstört wurde.
Das war dann das
nächste gefundene Fressen, zubereitet von der ECH. Hier nur einige Auszüge
aus der Presse:
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 11. Januar
2007 | Titelseite
Heiligendamm: Erste Villa abgerissen
Fünf Monate vor Beginn des G8-Gipfels verliert die Weiße Stadt am
Meer das erste Haus der sogenannten Perlenkette. Dort soll im Juni
eine Pressetribüne stehen.
Heiligendamm (OZ) Für die Villa „Haus Perle“ in Heiligendamm
schlug gestern das letzte Stündchen. Pünktlich um 9.30 Uhr hob sich
der Greifarm des Baggers und hackte sich Stück für Stück in die
klassizistische Fassade.
„In etwa drei Wochen wird von der Villa nichts mehr zu sehen sein“,
kündigte Abrissunternehmer Eckhard Werges (50) aus Kröpelin an.
„Der
Bauschutt wird zu Splitt verarbeitet.“ Drei Mann und einen Fahrer
hatte Werges abgestellt, um das 1854 erbaute Gebäude, das einst den
russischen Zaren als Ferienresidenz diente, zu beseitigen.
Während des Gipfels vom 6. bis 8. Juni soll am Standort der Villa
eine Pressetribüne errichtet werden. Nach dem Treffen werde die
denkmalgeschützte Villa wieder aufgebaut, versicherte der Sprecher der
Investorengruppe Fundus, Johannes Beermann. Einen Termin konnte er
nicht nennen.
Auch zwei weitere Villen der aus sieben Häusern bestehenden
„Perlenkette“ an der Strandpromenade sind für den Abriss freigegeben
und sollen fallen. Es handelt sich um die Häuser „Möwe“ und „Schwan“.
Sie seien in den 60er- und 70er-Jahren so stark verändert worden, dass
eine Erhaltung keinen Sinn mehr mache, erklärte
Landes-Denkmalpflegerin Ewa Prync-Pommerenke (56). Da das
Gesamtensemble unter Schutz stehe, kann der Wiederaufbau nur nach
altem Vorbild erfolgen.
Sehr fraglich ist laut Prync-Pommerenke, ob der große Findling vor
dem benachbarten Grand Hotel Kempinski anlässlich des G8-Gipfels
versetzt werden darf. Es hieß, er behindere Kamerateams in der Sicht
auf den Hotelkomplex. Fundus-Sprecher Beermann wollte die angeblichen
Pläne gestern weder bestätigen noch dementieren.
„Um den Findling zu versetzen, bedarf es keiner Baugenehmigung“,
erläuterte der Bad Doberaner Kreis-Bauamtsleiter Joachim Seehaus (64).
Eine solche Maßnahme müsse aber mit der Landesdenkmalbehörde und der
Stadt abgestimmt werden. Seehaus: „Aus meiner Sicht ist diese ganze
Geschichte grober Unfug.“ Auch Prync-Pommerenke äußerte erhebliche
Bedenken.
Unterdessen begann einen knappen Kilometer von der Weißen Stadt
entfernt der Bau des Sicherheitszaunes. Die knapp 13 Kilometer lange
und 2,50 Meter hohe sowie 12,5 Millionen teure Absperrung soll das
Seebad beim G8-Gipfel im Juni sichern.
MARCUS STÖCKLIN
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Die Zeit - Feuilleton: 11.01.2007 Nr. 03 | Hanno Rauterberg
Ein Land auf Abriss
Auszug »... So fehlt es nicht nur an Geld und Menschen, es
fehlt oft auch an Verstand. Heiligendamm zum Beispiel, ein Seebad,
klar und prächtig, vor der Wende arg heruntergekommen.
Die
Landesherren in Schwerin waren froh, als der Geschäftsmann Anno August
Jagdfeld und sein Immobilienfonds das verrottete Ensemble erwarb, um
es in ein Hotel von Welt zu verwandeln. Er richtete alles her, so
glorreich, dass sich nun selbst Blair, Bush, Merkel und die anderen
G-Achter davon verlocken lassen und im Sommer dort einen Gipfel
abhalten. Im Glanz der schönen Bauten werden sie sich sonnen und die
Traditionsliebe der Deutschen preisen - dabei ist auch Heiligendamm
die Geschichte einer Vernichtung. »So gut wie nichts wurde erhalten«,
sagt der heute pensionierte Denkmalpfleger Dieter Zander, der mit
ansehen musste, wie das Ensemble bis auf die Grundmauern ausgeweidet
wurde. Vieles wurde abgeschlagen, entblättert, ausgeschabt, noch nicht
mal die alten Dächer durften bleiben.
Offenbar ist der Drang vieler Deutscher nach Sauberkeit und Ordnung
unerbittlich. Anders als in Italien oder Frankreich, wo eine Wand auch
mal fleckig, ein Pfeiler mal rissig sein darf, muss hierzulande das
Alte aussehen wie gerade errichtet, so auch in Heiligendamm. »Für
mich«, sagt Zander, »ist das kein Denkmal mehr. Das ist ein Neubau.«
Und was ihn besonders ärgert: Das Hotelprojekt und damit die
Zertrümmerung großer Teile der alten Bausubstanz wurden üppig mit
Fördergeldern bezuschusst - mit 53 Millionen Euro.
Im Gegenzug hätte der Staat zumindest verlangen müssen, sagt Zander,
dass die sieben wunderbaren Cottages erhalten bleiben, kleine Villen,
fast 200 Jahre alt und heute arg zerzaust. Auch die passten dem
Investor Jagdfeld nicht ins Bild, und selbst die finanzielle Hilfe der
Deutschen Stiftung Denkmalschutz schlug er banausisch aus. Drei der
Cottages, so ist's beschlossen, werden abgerissen, ohne Not. Einen
neogotischen Turm hat Jagdfeld hingegen neu errichten lassen, eine
reine Rekonstruktion.
So ist es oft: Der Staat fördert, doch der Erhalt von Denkmalen ist
dabei oft Nebensache.
Manchmal bezahlt er sogar dafür, dass
schützenswerte Häuser zerstört werden, er subventioniert den
Gedächtnisverlust ...«
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'taz Nr. 8173 vom 12.1.2007 Seite 7 | TAZ-Bericht DANIEL SCHULZ
Gipfeltreffen wird zum Villa-Killer
In Heiligendamm muss ein 153 Jahre altes Badehaus weichen, damit eine
Pressetribüne für die G-8-Tagung entstehen kann.
Dem Investor, der beinahe den kompletten Ort aufgekauft hat, kommt der
Polit-Trubel für seine Abrisspläne wohl gelegen
Die alte Villa sieht aus wie ein Zahn mit Karies. Immer weiter bohren
die beiden gelben Bagger ihre Schaufeln in das Innere des Hauses. Weil
es in Heiligendamm regnet, staubt es nicht allzu sehr. Dadurch kann
man in das Loch im Haus hineinsehen. Die alten Holzdecken hängen in
Teilen herunter oder liegen zerstückelt auf dem Boden.
In Deutschlands ältestem Seebad Heiligendamm wird abgerissen. Einst
residierte in der 1854 erbauten "Villa Perle" der russische Zar beim
Badeurlaub, doch nun soll hier eine Pressetribüne hin. Für die zwei
Tage des G-8-Gipfels im Juni dieses Jahres, denn den haben Bund und
Land nach Heiligendamm geholt. Auf den Überresten des klassizistischen
Bungalows kann man vielleicht bald Auto fahren. Der Schutt werde zu
Splitt verarbeitet, sagt der Abrissunternehmer. Splitt lässt sich
hervorragend für den Straßenbau verwenden. Oder zum Streuen im Winter.
"Einen derart unsensiblen Umgang mit Historie gibt es wohl selten",
sagt Hannes Meyer von der Bürgerinitiative Heiligendamm. Der Architekt
mit Büro in der nahen Stadt Bad Doberan, zu der Heiligendamm gehört,
sieht "das städtebauliche Ensemble des Ortes gesprengt". Seine
Initiative kämpft bereits seit vier Jahren gegen die Baupläne der
Fundus-Gruppe, hinter der der Investor Anno August Jagdfeld steht. Die
Gruppe mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Düren hat den
historischen Teil des Seebads nach der Wende fast komplett aufgekauft.
Seither gibt es Zwist, der Abriss ist nur ein weiterer Höhepunkt.
Unter anderem wurde um das 2003 eröffnete Kempinski Grand Hotel herum
die Hälfte des Ortes gesperrt. Die wohlhabenden Gäste störten sich an
schaulustigen Mecklenburgern.
Zwischen die historischen Villen möchte Fundus gern noch ein zweites
Hotel bauen. Da passt der Abriss der "Villa Perle" gut in die Pläne.
Sie soll als moderne Ferienwohnung wieder aufgebaut werden -
"natürlich originalgetreu", sagt Fundus-Sprecher Johannes Beermann.
Man habe die Villa ohnehin abreißen müssen, "in der DDR wurde das Haus
kaputtsaniert".
Für Architekt Meyer ist das Unsinn: "Man hätte das
Haus erhalten können, aber das war wohl zu teuer."
Doch die Ansicht der Fundus-Gruppe wird von der örtlichen
Denkmalbehörde gestützt. Auch die gab grünes Licht für einen Abriss -
ein Erhalt mache keinen Sinn mehr. Im September 2002 sahen das die
Offiziellen noch anders. Damals wurde in einem Grundlagenvertrag
zwischen der Stadt und den Investoren festgehalten, "die Sanierung der
nicht zum Grand Hotel gehörenden Gebäude zeitnah nach Fertigstellung
des Grand-Hotels zu beginnen". Geldgeber Jagdfeld nannte sogar einen
Termin, bis zu dem Häuser wie die Villa Perle wieder in neuem Glanz
erstrahlen sollten: "Er strebt den Abschluss der Sanierung dieser
Gebäude bis zum 31. 12. 2005 an." Stattdessen kamen nun die Bagger.
Die Villa Perle wird nicht das letzte Opfer sein. Für zwei weitere
Häuser hat Fundus ebenfalls eine Abrissgenehmigung. Wann die
Villa-Killer hier wieder anrücken, ist laut Beermann noch nicht klar.
Die Bürgerinitiative wird weiter dagegen kämpfen, doch derzeit steht
sie allein auf weiter Flur. Der Bürgermeister von Bad Doberan, Hartmut
Polzin (SPD), will die Abrissgegner am liebsten gar nicht wahrnehmen.
"Bei uns hier gibt es wegen Fundus keine Unruhe", sagt er. "Ein paar
Klagen gibt es immer." Die wurden von höheren Mächten gestern kurz
erhört - gegen Mittag hatte einer der Bagger plötzlich eine Panne.
Inzwischen jedoch wird weiter abgerissen, in drei Wochen soll von der
"Villa Perle" nichts mehr übrig sein.
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Welt am Sonntag, 21. Januar 2007 | Immobilien | Dirk Böttcher
Eine Perle weniger – Eine denkmalgeschützte Villa wird zu
Straßensplitt
Damit die Presse beim G8-Gipfel freie Sicht auf das Familienfoto der
Weltmächtigen hat, gerät in Heiligendamm – dem ältesten deutschen
Seebad – das berühmteste Gebäude einer klassizistisch-romantischen
Villen-Kette unter die Abrissbirne.
Eine Szenerie wie eine Kino-Kulisse: Der regenschwere Himmel trieft
über einer zerfransten Ruine, deren Mauerreste einen malerischen
Durchblick gestatten: Von der Rückseite hin zur Seefront, in der
entglaste Fenster das Meer zu kleinen Gemälden rahmen. Wie zum Trotz
reckt sich dazwischen eine vergessene Kachelwand, vor die in diesem
Moment ein Bauarbeiter stolpert. Was für eine Villa das sei, weiß er
doch nicht. „Aber die kommt jetzt eh weg“, sagt er und stakst über
aussortiertes Gebäudeeingeweide: Ein Haufen rostiges Leitungsgedärm,
dahinter einer mit kantigem Gebälk.
Die „Villa Perle“ wird seit Jahresbeginn aus der so genannten
„Perlenkette“ in Heiligendamm getilgt. Sieben mondäne Bauten im
klassizistisch-romantischen Stil, die dem ältesten Seebad Deutschlands
einen einzigartigen Charme verleihen, auch wenn sie schon seit über
einem Jahrzehnt ungenutzt und zugenagelt daherstehen. Ein historischer
Ort, der in vollendeter Harmonie über Meer, Strand, die aufgereihten
Villen und den dahinter liegenden Wald gleitet. Der Abriss der unter
Denkmalschutz stehenden „Perle“ – das Anfangsglied der Kette – schafft
Platz für eine Pressetribüne, von der aus Journalisten das
Händeschütteln der Weltmächte beim G8-Gipfel im Juni beobachten
sollen.
Der Reiz des Denkmals mit dem bescheidenen Säulenportal, der
ausgewogenen Kubatur und einer klaren geschoßweiten Staffelung ergibt
– oder besser ergab – sich vor allem aus der Komposition mit den
anderen Villen. Der Star ist das Ensemble, entstanden Anfang bis Mitte
des 19. Jahrhunderts nach den Plänen der Landeskondukteure des
Großherzogs zu Mecklenburg-Schwerin. Der seinerzeit die Bebadbarkeit
der Ostsee entdeckte, dies als der Gesundheit förderlich erachtete und
zu diesem Zweck im Jahre 1793 ein Seebad begründete. Zunächst mit
bloßen „Strandhäuschen“ ohne Übernachtungsabsicht, die später
ausgebaut zur „Weißen Stadt am Meer“ avancierten und fortan Geschichte
wie Geschichten schrieben.
So kolportiert die mit Heiligendamm betraute Entwicklungsgesellschaft
E.C.H. – ein zur Fundus-Gruppe gehörendes Unternehmen – der russische
Zar habe die „Villa Perle“ zum Badeurlaub bezogen. Im vergangenen Jahr
sorgte für Schlagzeilen, dass Wladimir Putin diese Villa angeblich
erwerben wollte. Die vorgesehenen Badezimmer-Armaturen – allesamt aus
purem Gold – waren in den Gazetten bereits zu bestaunen und nun
stieren zwei einfache Bauarbeiter aus einem gähnend leeren Fensterloch
eines halberledigten Hauses. „Am 2. Februar soll das Ding weg sein“,
raunt einer. Zu zweit zerbröseln sie die berühmteste Villa von
Heiligendamm zu Straßensplitt. „Sehr guter Straßensplitt“, wie der
Chef der Abrissfirma in der Lokalzeitung versichert.
Ein Vorgang von rühriger Symbolik: Geschichte zerfällt zu Staub, oder
immerhin Splitt, auf dem die Mächtigen der Gegenwart in ihren
Limousinen dahin gleiten werden, um die Zukunft zu planen. Einige
Anwohner hingegen sehen hier eher zu Staub zerfallen, was sie sich vor
etwas mehr als zehn Jahren erträumten: Da kaufte die Kölner
Fundus-Gruppe in einem bundesweit einmaligen Akt glatt den gesamten
Ort, um ihn zu einem der exklusivsten Seebäder Europas aufzupäppeln.
Die Villen der Perlen-Kette sollten saniert und restauriert werden, so
die Auflagen im Vertragswerk. 192 Millionen Euro sammelte der
Fundus-Fond 34 für das Gesamtkunstwerk Heiligendamm ein, 207 Millionen
wurden investiert, 24 Prozent davon aus Fördermitteln.
Heute, über ein Jahrzehnt später, stehen die Villen stoisch in
traumhafter Kulisse, wie ein welkes Versprechen traumweißer Schönheit.
Eigentlich sollten sie im Jahr 2000 saniert sein, dann zum G8-Gipfel
2007, dann auf jeden Fall danach. Nun fehlt eine Villa. Nach dem
Gipfel zwei weitere.
Der Abriss denkmalgeschützter Bausubstanz induziert auch in
Heiligendamm das übliche Spannungsfeld zwischen Bewahrern und
Investoren. „Wir befürchten, dass in fünf oder sechs Jahren hier gar
nichts mehr steht“, sagt Axel Thiessenhusen von der Bürgerinitiative
Heiligendamm. Die Abriss-Genehmigung verklauselt keine Pflicht zum
Wiederaufbau. Den Traum von der „Weißen Stadt am Meer“ hält er für ein
Luftschloss der Politiker und Investoren.
„Hier wird ein
großfürstlicher Traum geträumt, der jede Menge Geld kostet, das Fundus
nicht hat“, glaubt Thiessenhusen.
Tatsächlich gingen die eingeworbenen Beträge für die
Fundus-Immobilienfonds in den letzten Jahren merklich zurück: Von 200
Mio. Euro im Jahr 1999, auf 25 Mio. im Jahr 2005.
Fundus-Sprecher
Johannes Beerbaum nennt für die baulichen Untätigkeiten aber „2 1/2“
andere Gründe: Erstens bat die Bundesregierung, bis zum G8-Gipfel
keine Baumaßnahmen vorzunehmen. „Damit da niemand eine Bombe
vergräbt“, so Beerbaum. Zweitens würde das Konzept für die Sanierung
der Perlenkette den vorherigen Bau eines zweiten Hotels – die Residenz
„Adlon am Meer“ – voraussetzen. Die Idee dahinter ist, durch ein
klassisches Bauträgergeschäft Eigentumswohnungen in den Villen zu
verkaufen. Die von den Besitzern aber nicht ganzjährig bewohnt,
sondern dem Hotel zu Mitvermietung angeboten werden sollen. Drittens,
der halbe Grund, bliebe ein Detail am Rande: Vor Ort stehen schon 225
Hotel-Zimmer im gediegenen Kempinski zur Verfügung, dessen Auslastung
auf 50 Prozent geschätzt wird. „Ein zweites Hotel macht natürlich erst
Sinn, wenn das Erste läuft“, erklärt Beerbaum.
Den Abriss der „Perle“ begründet Fundus mit dem schlechten Zustand des
Gebäudes. Bürgermeister wie die Landesdenkmalpflege bestätigen dies
und erteilten entsprechende Genehmigungen. Der Fundus-Sprecher sagt
dazu: „Die Villen werden wieder zum Leben erweckt, neu erbaut und zwar
so wie sie waren.“ Der „Reiz der Geschichte“ sei schließlich der
eigentliche Wert der Immobilien.
Was der hiesige Architekt Hannes Meyer, ebenfalls Mitglied der
Bürgerinitiative, für „unmöglich“ hält:
„Ein neues Haus ist immer ein
anderes Haus.“ Vorstellbar sei allenfalls ein „Plagiat, das an
Disneyland, nicht an Heiligendamm erinnert.“ Dass der Abriss nötig
sei, hält Meyer für „ausgemachten Quatsch“ und beruft sich dabei auch
auf den Denkmalpfleger vor Ort. Der will seinen Namen nicht nennen.
Die Unmöglichkeit der Sanierung ist für ihn aber eine Mär wie der
Besuch des Zaren. „Der war nie hier, nur die russische Großfürstin
Marie.“ Die Zaren-Geschichte passt aber besser in das
Investorenkonzept, wie auch der Abriss der Villa Perle, gegen den er
sich vehement aussprach, bis ihn die Schweriner Landesbehörde
zurückpfiff. Für den Denkmalpfleger sind die betreffenden Häuser „voll
sanierungsfähig“. Dass gerade die Häuser 1, 3 und 5 in der
siebenteiligen Kette abgerissen werden, hat für ihn einen tieferen
Grund: Allen Gebäuden fehlen die Keller. Die sind aber als
Versorgungsräume für die zukünftigen Nutzungsvorhaben unabdingbar.
Durch den Abriss können diese nun einfach bis an die angrenzenden
Gebäude gebaut werden und das gesamte Ensemble wäre preiswert
unterkellert. Bleiben die Lücken in der Kette, wie befürchtet,
verfügte das dahinter stehende Severin-Palais endlich über den
Seeblick, um irgendwann den Namen Residenz „Adlon am Meer“ zurecht zu
tragen.
Dirk Böttcher
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Hier möchte ich
mal ein wenig aufräumen:
1.
Der russische Zar war nie in
Heiligendamm. Der machte seinen Badeurlaub noch immer an der Krim
im eigenen Lande und nicht irgendwo im fernen Deutschland. Hohe Mitglieder des
russischen Zarenhauses, wie sein Sohn, der auch mit Mecklenburgs
Großherzogs-Tochter Marie in der Villa "Perle" einige Sommer verbrachte,
sie ehelichte
aber niemals Zar wurde oder seine Schwester waren in Heiligendamm. Der Zar
selbst jedoch nicht. Diese alte Mär wird durch ständige Wiederholung durch
Jagdfeld und einiger leichtgläubiger und schlecht recherchierender
Journalisten nicht wahrer.
2.
Auf den Resten der "Perle" kann
man definitiv nicht Auto fahren, da es sich um Bauschutt handelt
und nicht Splitt.
Was Unternehmer Werges meint - und was von den Medien
sinnfrei weiter gedichtet wurde - ist, dass mit dem sortierten und
entsorgungspflichtfreien Bauschutt Baustraßen angelegt werden können. Dazu
wird eine robuste Fasermatte ausgelegt, der zerkleinerte Bauschutt darauf
verteilt und verdichtet. Das macht man, damit schweres Gerät nicht im
Schlamm versinkt und Spuren hinterlässt.
Zum Streuen ist der
Schutt völlig ungeeignet.
Niemand streut Eisflächen mit bis zu 5
Zentimeter großen Stein- Ziegel- Lehm- oder Betonstücken. Das ist
Medien-Unsinn.
3.
Bauarbeiter sind keine
Villa-Killer.
Wenn überhaupt, gehört dieser "Titel" denen, die den
Abriss geplant und beantragt und denen, die ihn genehmigt haben.
Und zum Inhalt:
"Fundus-Sprecher Johannes Beerbaum
nennt für die baulichen Untätigkeiten aber „2 1/2“ andere Gründe:
Erstens
bat die Bundesregierung, bis zum G8-Gipfel keine Baumaßnahmen vorzunehmen.
„Damit da niemand eine Bombe vergräbt“, so Beerbaum. Zweitens würde das
Konzept für die Sanierung der Perlenkette den vorherigen Bau eines zweiten
Hotels – die Residenz „Adlon am Meer“ – voraussetzen. Die Idee dahinter
ist, durch ein klassisches Bauträgergeschäft Eigentumswohnungen in den
Villen zu verkaufen. Die von den Besitzern aber nicht ganzjährig bewohnt,
sondern dem Hotel zu Mitvermietung angeboten werden sollen. Drittens, der
halbe Grund, bliebe ein Detail am Rande: Vor Ort stehen schon 225
Hotel-Zimmer im gediegenen Kempinski zur Verfügung, dessen Auslastung auf
50 Prozent geschätzt wird. „Ein zweites Hotel macht natürlich erst Sinn,
wenn das Erste läuft“, erklärt Beerbaum."
Das ist natürlich auch ein Argument.
Die Frage ist nur, ob Abrissarbeiten denn keine Bautätigkeiten sind.
Die
"Perle" ist weg und nur noch eine Sandfläche mit einem
heraus ragenden Kabel der Deutschen
Telekom erinnerte zunächst noch an sie. Der Abriss erfolgte nicht unter
ständiger Polizeiaufsicht und unter der Sandfläche ist etwa einen Meter Platz bis zum Boden. Auf diese
Fläche kommt die Pressetribüne. Eine Anfrage bei der KAVALA (Landespolizei
MV) ergab, dass nach der Schließung es Zaunes der Ort gründlich durchkämmt werden
soll. Ob das auch die Baugrube der "Perle" einschließt?
Die KAVALA äußerte
sich nicht dazu.
Das besagte "Adlon am Meer" ist
umstritten.
Es existieren im Internet einige Hinweise darauf, dass bereits
alle Planungen dafür abgeschlossen sind und das Hotel 2007 fertig sein soll(te) aber das Gebäude
taucht auf den Plänen von FUNDUS nicht auf. Im Amtsblatt findet sich ein
Hinweis darauf, dass das "Hotel Adlon am Meer GmbH" umbenannt wurde in "Hotel Residenz
GmbH". Und dieses gab es tatsächlich. Es steht am südöstlichen Ende der
Perlenkette. Daneben befindet sich ein Bürogebäude und daneben die Post und Garagen.
Allerdings gibt es auch das Residenz-Hotel nicht mehr. Das Gebäude gehört
der ECH und beherbergt unter anderem die Mitarbeiter von FUNDUS, der ECH und
dem Grand Hotel, die ihren Erstwohnsitz nicht in Mecklenburg-Vorpommern
haben.
Laut
Plan sollen zwischen ehemaligen Residenz-Hotel (Das wir von nun an "Prinzessin-von-Reuß-Palais"
nennen wollen) und Kolonnaden Neubauten entstehen. Dort nennt es sich nur "Ensemble
Palais". Aber auch hier dürfte es Probleme mit dem Namen gegeben haben, da
das Adlon in Berlin über eine gleichnamige Bar verfügt. Das deckt sich dann auch mit den
Aussagen im folgenden Teil desselben Artikels wie zuvor zitiert. Hier ist
nicht mehr vom Ensemble-Palais als "Adlon am Meer" die Rede:
"Bleiben die Lücken in der Kette, wie
befürchtet, verfügte das dahinter stehende Severin-Palais endlich über den
Seeblick, um irgendwann den Namen Residenz „Adlon am Meer“ zurecht zu
tragen. "
Nachtrag 2009: Um
das "Adlon am Meer" geht es nun vor Gericht Kempinski und Adlon-Erbe Percy
Adlon gegen FUNDUS.
Es soll verhindert
werden, dass der Name "Adlon" außerhalb Berlins verwendet wird. Im
Gewinnfall muss FUNDUS den Begriff "Adlon am Meer" überall entfernen.
Die Denkmalschützer
haben dem Abriss zugestimmt? Der Ober-Denkmalschützer sieht das anders.
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taz Nr. 8205 vom 19.2.2007, Seite 6, 133 Interview DANIEL SCHULZ
»Abriss für G-8-Gipfel ist schändlich«
Der Chef der Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, kritisiert die
Investoren des G-8-Hotels in Heiligendamm
Im Grand Hotel in Heiligendamm treffen sich im Juni die acht
mächtigsten Staatschefs der Welt zum G-8-Gipfel. Das Hotel und die so
genannte Perlenkette - ein Ensemble von sieben historischen
Strandvillen - in dem Ostseebad gehören zum Immobilienimperium des
Investors Anno August Jagdfeld und seiner Fundus-Gruppe. Trotz
Protesten vor Ort lässt Fundus mehrere der klassizistischen Häuser
abreißen. Kürzlich behauptete die Fundus-Gruppe, der Chef der Stiftung
Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, habe das Vorhaben befürwortet.
taz: Herr Kiesow, weil in Heiligendamm eine Pressetribüne für
den G-8-Gipfel entstehen soll, wird dort eine historische Villa
abgerissen. Zwei weitere Häuser sollen folgen.
Die Investoren sagen,
Sie heißen das gut.
Gottfried Kiesow: Falsch. Die Fundus-Gruppe verbreitet
Unwahrheiten. Ich habe dem Abriss einer Villa für den G-8-Gipfel nie
zugestimmt. Auch nicht dem der anderen zwei Häuser, die von der
Denkmalbehörde Mecklenburg-Vorpommerns leider zum Abriss freigegeben
wurden. Ich bin sauer, dass mein Name mit diesen schändlichen Taten in
Verbindung gebracht wird.
taz: Aber Sie haben im Januar 2005 doch mit dem Fundus-Chef
Anno August Jagdfeld über diese Häuser gesprochen, oder?
Gottfried Kiesow: Nein, wir haben über die vier anderen Villen
der so genannten Perlenkette gesprochen. Denn die wollte Herr Jagdfeld
auch noch abreißen lassen.
taz: Tatsächlich? Wieso?
Gottfried Kiesow: Um sie etwas größer wieder aufbauen zu
lassen. Er wollte die Villen nämlich gern unterkellern und sechs
Wohnungen darin unterbringen, und das geht bei den Häusern in der
derzeitigen Größe einfach nicht. Um diese Katastrophe zu verhindern,
habe ich ihm die Hilfe der Stiftung Denkmalschutz angeboten. Unsere
fachmännische Sanierung sollte für ihn nicht teurer werden als ein
Abriss der Häuser.
taz: Und hat er zugestimmt?
Gottfried Kiesow: Das Sanieren der Häuser sollen seine eigenen
Leute übernehmen. Er hat aber versprochen, sich dabei an unsere
Empfehlungen zu halten.
taz: Glauben Sie ihm?
Gottfried Kiesow: Ich habe wohl kaum eine Wahl. Fest steht: Bei
unseren Handwerkern weiß ich, dass sie alte Häuser fachgerecht
restaurieren können. Bei Herrn Jagdfelds Leuten weiß ich es nicht.
Restaurieren ist eine Handwerksarbeit und keine Fabrikarbeit. Mit
Großbetrieben, wie sie viele Bauherren beschäftigen, ist das nicht zu
machen.
taz: Hätte man die abgerissene Villa Perle noch retten können?
Gottfried Kiesow: Natürlich hätte man das können. Ich kann die
Argumentation von Fundus nicht nachvollziehen. Sie sagen, die Villa
hätte abgerissen werden müssen, weil sie zu DDR-Zeiten umgebaut wurde.
Aber wenn Jagdfeld sie originalgetreu wieder aufbauen will, muss er
den alten Grundriss doch ohnehin wiederherstellen. Warum restauriert
er nicht die echte Villa, anstatt eine Kopie zu machen? Da läuft die
Diskussion im Kreis, das ist absurd. Für die anderen zwei Häuser, die
abgerissen werden sollen, gilt das gleiche.
taz: Wenn das für Sie als einer der wichtigsten Denkmalexperten
klar ist, warum hat dann die Landesdenkmalbehörde in Schwerin anders
entschieden?
Gottfried Kiesow: Ich vermute, dass es politischen Druck gab.
Das passiert einem Denkmalschützer dauernd. Ich habe das in meiner
über 50-jährigen Tätigkeit Dutzende Male erlebt. Man darf dann keine
Angst vor den Mächtigen zeigen. Ich hätte mir gewünscht, die Behörde
in Schwerin hätte die Häuser in Heiligendamm nicht aufgegeben. Als
Denkmalschützer ist man der Pflichtverteidiger des Denkmals, den
Richter spielen die Politiker. Sie fällen vernichtende Urteile, aber
nicht wir.
taz: Eine Minderheit der Denkmalschützer in
Mecklenburg-Vorpommern kämpft noch für den Erhalt von Heiligendamm.
Ist das aussichtslos?
Gottfried Kiesow: Auf keinen Fall. Denkmalschutz ist immer
Kampf. Wenn wir uns einfach dem Einfluss der Politik beugen würden,
dürften wir allerhöchstens noch die Fachwerkhäuschen von ein paar
alten Omas in verlassenen Seitenstraßen bewahren.
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Hier werden Träume
zerstört: Die Perlenkette.

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Hintergrund: Warum musste Villa Perle
"sterben"?
Die Perle ist weg und mit ihr auch die Geschichte dieses
Hauses. Jedoch kennt kaum jemand die wahre Geschichte.
Zweifel kommen auf: Wird am Ende alles abgerissen und nichts
wieder aufgebaut? Die Bürgerinitiative nutzt diese Zweifel für
ihre Zwecke und macht aus Zweifeln Verzweiflung. Ist es
wirklich wahr? Wird die Perlenkette einfach abgerissen und
nicht wieder aufgebaut? Und warum war es so einfach für die
ECH, drei Abrissgenehmigungen zu bekommen? Warum musste die
Perle sterben? Eine Analyse:

Zuerst kann ich Sie beruhigen: Mir liegen sieben dicke Mappen
der AMJ GmbH vor, die allesamt voll mit Plänen sind.
Für jede Villa gibt es eine geschichtliche, architektonische
und bauliche Analyse, einen Sanierungsplan, sowie Grundrisse
und Planzeichnungen. Außerdem gibt es für die "Perle" ein
zerlegbares Modell, mit Hilfe dessen sich Interessenten ein
genaues Bild von ihrer zukünftigen Wohnung machen können.
Diese ganzen Pläne existieren schon seit 2004 - gearbeitet
wurde an ihnen seit 1997. Jeder einzelne Plan hat bereits
jetzt hunderttausende Euro gekostet. Der ECH zu unterstellen,
so viel Geld für sieben dicke Mappen und ein paar Modelle
auszugeben - also die Perlen gar nicht sanieren zu wollen -
ist ziemlich merkwürdig.
Da aber nicht jeder diese sieben Mappen und damit Fakten
schwarz auf weiß hat, ist der Zweifel schon etwas
nachvollziehbar. Zumindest bei Leuten, die keinen Zugang zu
den Plänen haben. Darum möchte ich eiunen Blick in diese
Mappen gewähren.
Genauer gesagt: In die oben liegende. Das ist die Mappe der
Villa "Perle" - fast doppelt so dick, wie alle anderen.
Fangen wir von vorn an. Wir sehen auf diesem Bild die
ursprüngliche Villa "Perle".
Das Bild ist nicht ganz korrekt - die Perle wurde als letztes
gebaut und die anderen Villen links von ihr fehlen.
Aber das kommt, wenn man vor Ort nur Skizzen machen kann und
dann in der Ferne daraus Bilder macht.
Fotos waren damals sehr teuer und die Belichtung und
Entwicklung dauerte ewig, sodass auf Malerei zurück gegriffen
wurde.
Die Erläuterungen unter dem Bild stammen von AMJ und sind
selbstredend.

Die Villa "Perle" war eigentlich ein recht einfaches Haus, wie
man sieht:
In drei Teile gegliedert, mit Mittelrisalit und gespiegelten
Flügeln, ein paar Erkern und Balkonen.
In ihm wohnte Marie von Mecklenburg-Schwerin - eine Tochter
des Großherzogs.
Nach deren Vermählung mit Wladimir Alexandrowitsch von
Russland und der Geburt des ersten Sohnes
wurde die Villa zu klein. Die russische Zarenfamilie ging hier
oft ein und aus und die Schwester des Zarensohnes war oft zu
Besuch. Der Zar selbst übrigens nicht. Und Wladimir
Alexandrowitsch wurde auch nie Zar und sein Sohn Kyrill
ebenfalls nicht.
Man entschied sich, die Perle durch einen Anbau zu vergrößern.
Dazu legten die Architekten Stern und Willebrandt zwei
Entwürfe vor. Beide ähnelten der Burg und den Cottages in
gewisser Weise. Umgesetzt wurde (zum Glück) keiner der beiden
Entwürfe.

Letztlich entschied man sich für einen hervor hebenden aber
dennoch behutsamen Anbau.
Zweifelsohne war dieser Anbau die Vollendung der Perlenkette.
Erst durch die reich verzierten Balkone, die runden Erker und
den Turmaufsatz wurde die Perle zur repräsentativen Villa der
Kette. Und erst durch diese repräsentative Erscheinung wurde
sie zum Namensgeber für die Perlenkette. Der Anbau
"Großfürstin Marie" war nicht nur Abschluss, sondern
Vollendung der Villenreihe.

Man beachte übrigens den Zaun zur Professor-Vogel-Straße.
Freizügigkeit war eben doch nicht immer selbstverständlich.
Während Heiligendamm vom Krieg verschont blieb und nur ein
paar kaputte Scheiben zu beklagen hatte, war die anschließende
russische Besetzung eine reine Katastrophe für die Gebäude.
Die Häuser wurden zwar nicht wie geplant gesprengt aber sie
wurden geplündert. Die Russen verweilten gar nicht lange in
Heiligendamm aber als sie nach ein paar Tagen weiter zogen,
beauftragten sie ein Berliner Unternehmen mit dem Abbau von
sanitären Einrichtungen, Elektrik, Leitungen, Lampen,
Leuchten, Dielen, Parkett, Zierrat und Türen. Auch die
textilen Einrichtungsstücke, sowie Möbel und
Einrichtungsgegenstände ließen sie abtransportieren. Teilweise
sogar Fenster. Übrig blieb eine Geisterstadt mit gähnend
leeren Gebäuden, welche die Schritte widerhallen ließen.
Heiligendamm war so tot, wie nie zuvor in einer
Krisensituation. Es war zwar nicht gesprengt worden, weil die
Russen es nicht mehr als militärische Einrichtung ansagen (Es
war ein Reserve-Lazarett) aber einen Unterschied hätte das
kaum gemacht.
Das folgende Bild zeigt den Beginn der Sanierung - die DDR
wollte Heiligendamm als Kurbad wieder aufbauen. In Rekordzeit.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Turm und Balkone wurden
entfernt, der Zierrat war ohnehin verschwunden und der Rest
wurde ganz gut wieder her gerichtet. Die AMJ und ECH loben
diese Leistung des Architekten Lutz Elbrecht sogar.

Die Perle - nun "Maxim-Gorki-Haus" - war auch in diesem
Zustand noch der krönende Abschluss der Villenreihe.
Merken Sie sich dieses Bild:

Heiligendamm im Jahre 2005. Und nein: Das hat nicht die ECH
verbrochen. So - nur ein wenig weißer und im Sockel nicht
ganz so zerbröckelt, sowie mit gardinenverhangenen Fenstern
findet man die Perle auch schon auf Bildern von 1997. Die
Fenster wurden einfach ausgetauscht, die Erker entfernt, der
Stuck abgeklopft, ganze Säulen ausgetauscht, Balkone
verändert, neue Wandöffnungen und Durchbrüche gemacht und der
Grundriss verändert. Die Villa "Perle" wurde kaputtsaniert.

Aus runden Erkern wurden eckige, aus Balkonen Anbauten und auf
das Dach setzte man einfach Dachausbauten.

In der Mappe heißt es dazu:


Weiterhin wird die Gesamtsituation analysiert:



Die ECH kam zum Ergebnis, dass ein kompletter Neubau billiger,
als eine aufwändige Sanierung ist:

Wer es immer noch nicht glaubt: Die ECH will die Perle wieder
aufbauen.
Dieses Modell steht im Büro in der ehemaligen Fachhochschule
und wartet zwischen Kiste und Keksen auf seine Bestimmung.
Im Kleinen ist die Perle wieder da. Im Großen fehlen noch ein
paar Zustimmungen der Stadtvertreter:
Tiefgarage und Wohnrecht. Warum, lesen Sie hier:
Hintergrund: Wohnnutzung und
Tiefgarage - warum damit alles steht und fällt.

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19.01.2008 -
Die Perlenkette soll noch 2008 wieder aufgebaut werden.
Am 19.01.2008 war
im "Stadtanzeiger" der Stadt Bad Doberan zu lesen, dass Peter Sähn in einer
CDU-Ortsverbandsversammlung im Friedrich-Franz-Hotel einen Vertreter der ECH
zu den weiteren Plänen zur Perlenkette befragte. Er erhielt die Antwort,
dass mit dem Wiederaufbau der "Perle" und dem Abriss und Wiederaufbau der Villen
"Schwan" und "Hirsch", sowie der Sanierung und Rekonstruktion der restlichen
Perlen noch in diesem Jahr begonnen werden solle. Unabhängig davon ließ
ECH-Geschäftsführer Hans Schlag dasselbe verlauten und nannte den März 2008,
spätestens aber Ostern 2008 als Baubeginn und den Herbst 2009 als
Fertigstellungstermin. Wobei er auch sagte, dass nur durch eine Erkrankung
des Verantwortlichen der Baustart erst im März stattfinden kann. Im April
wurde dann mit den Entkernungsarbeiten begonnen. Auftragnehmer war wieder
die Firma Werges aus Kröpelin, weil diese das günstigste Angebot
unterbreitete.
Nachtrag
19.05.2009: Der
Wiederaufbau ist nicht erfolgt.
Warum, lesen Sie hier:
Hintergrund: Wohnnutzung und Tiefgarage - warum
damit alles steht und fällt.
Wo bleibt das
Service-Center?
Mit dieser Frage
kommen wir von der aufgeregten Diskussion um die Perlenkette auf andere -
in Vergessenheit geratene "Problemzonen" Heiligendamms zurück. Zur
Erinnerung: Östlich der Perlenkette und des neu zu errichtenden
Thalasso-Zentrums sollte ein Servicecenter für die Tagesgäste entstehen.
Neben den sanitären Anlagen soll dieses Verkaufsstellen, Gastronomie und
Serviceeinrichtungen enthalten. Dieses Zentrum soll der neue Ausgangspunkt
für die Tagesgäste Heiligendamms werden. Nur: Wo bleibt das
Service-Center? Die Ostsee-Zeitung weiß es:
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 11. Januar
2007 | Stadt und Land
Weg durch
den Wald erhält kleinen Schlenker
Der Verbindungsweg vom geplanten Waldparkplatz Großer Wohld zum
Strand muss um ein Grundstück herumgeführt werden. Für diesen
Schlenker ist eine Genehmigung erforderlich.
Bad Doberan/Heiligendamm Der Baustart für den Waldparkplatz
Großer Wohld in Heiligendamm steht kurz bevor. Das bestätigte Norbert
Sass, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung. Die Vergabe an den
günstigsten Anbieter, die sogenannte Submission, sei inzwischen
erfolgt, die Mitglieder des Hauptausschusses werde während ihres
Treffens am 24. Januar über die Auftragsvergabe entscheiden. Mit dem
Ausschreibungsergebnis, so der Amtsleiter, bewege man sich im Rahmen
der Förderrichtlinien.
Als Knackpunkt stellte sich im Nachhinein der Weg von dem Parkplatz
zum Strand heraus. Ursprünglich sollte der Fußweg auf dem Grundstück
des noch zu errichtenden neuen Servicecenters an der Seedeichstraße
enden. Das Areal sei aber noch nicht im Besitz der Stadt, das
Servicecenter noch nicht fertig.
Um den Weg nicht mitten in der Natur enden zu lassen, musste eine
neue Wegeführung gefunden werden. Der jetzige Eigner des betreffenden
Grundstücks jedenfalls wolle den Weg nicht über seinen Grund und Boden
geführt wissen. Für den kleinen Schwenk entlang des Grundstücks sei
allerdings eine Genehmigung der Naturschutzbehörde erforderlich, sagte
Norbert Sass.
Inzwischen erfolgte ein Vor-Ort-Termin. Ein Vertreter der
Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung sah keine entscheidenden
Hindernisse für einen Bau des Weges. Über Ausführung und
Streckenverlauf müsse noch im Detail entschieden werden. Grundsätzlich
könne die von der Stadtverwaltung geäußerte Vorstellung aber Realität
werden.
Baubeginn solle unmittelbar nach der Auftragsvergabe durch den
Hauptausschuss sein, sagte Sass. Parkplatz und Weg sollen bis zum
G8-Treffen vom 6. bis 8. Juni dieses Jahres fertiggestellt sein. Auf
eine unbedingte Einhaltung dieses Termins, nötigenfalls mit der
Verstärkung der Arbeitskräfte durch zusätzliche Mitarbeiter, wolle die
Stadtverwaltung in Vorgesprächen und vertraglichen Bestimmungen mit
dem Baubetrieb hinwirken.
Ebenfalls während der Sitzung des Hauptausschusses wird über die
Auftragsvergabe für den Bau einer Containeranlage hinter dem früheren
Rathaus am Doberaner Markt entschieden. In den mobilen Räumlichkeiten
werden Grundschüler unterrichtet, die während der Sanierung der
Kamp-Schule ihr angestammtes Quartier verlassen müssen (OZ
berichtete). Gar nicht anfreunden mit dieser Lösung will sich
Stadtvertreter Harry Klink (FDP). Trotz entsprechender Beschlüsse
plädiert er dafür, die Regionalschüler während der Bauphase in der
freien Regionalen Schule in Kröpelin zu unterrichten. Die Beförderung
der Schüler dorthin wäre günstiger zu bewerkstelligen, als einen
vorübergehenden Schulstandort in Containern hinter dem alten Rathaus
zu errichten.
TRI
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FUNDUS in Finanznot
- Verwirrung um den Hoteldirektor und die ECH im Hagel der Kritik.
Das gerade erst
begonnene Jahr 2007 hat es in sich. Heiligendamm kommt nicht zur Ruhe.
Erst soll der Findling weg, dann ist die Perle weg, schließlich ist auch
noch das liebe Geld weg und zu allem Überfluss ist dann auch noch der
Hoteldirektor weg. Dafür sind einige Dinge nun da, die es vorher nicht
gab.
Was aber auch nicht besser ist.
Die erste Meldung brach wie eine
Hiobsbotschaft über die Region ein.
Allen war klar:
Wenn der Fonds 34
platzt, ist das das Todesurteil für Heiligendamm.
FUNDUS verliert einen
15-Millionen-Euro-Kredit.
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 26. Januar 2007 | Wirtschaft
Fundus braucht frisches Geld
Um den 15-Millionen-Euro-Kredit der
HypoVereinsbank zu ersetzen, fordert der Eigner des Kempinski Grand
Hotel Heiligendamm seine Investoren zu üppigen Geldzahlungen auf.
Rostock (OZ) Die Kölner Fundus-Gruppe verliert einen
millionenschweren Kredit. Die HypoVereinsbank will ihr Darlehen für
das Kempinski Grandhotel in Heiligendamm in Höhe von 15 Millionen Euro
ab Sommer 2007 nicht weiter verlängern. Stolpert jetzt der Gastgeber
des G8-Gipfels über den finanziellen Zustand seines Vorzeigehotels?
Fundus-Sprecher Johannes Beermann wiegelt ab: Der
Kredit der HypoVereinsbank mache lediglich einen Bruchteil des
Gesamtinvestvolumens in Höhe von rund 205 Millionen Euro aus. „Bei
diesen Relationen sind weder Gipfel noch das Hotel gefährdet.“
Laut Beermann hätten die Investoren bereits auf der
letzten Gesellschafterversammlung im November beschlossen, künftig „bankenunabhänig“
zu sein. Es gebe neben der HypoVereinsbank nur noch ein weiteres
Geldinstitut, dessen Namen der Sprecher nicht nannte, das einen Kredit
in Höhe von „drei bis vier Millionen Euro“ bei der Fundus-Gruppe zu
laufen habe.
Nach Presseinformationen habe sich Anno August
Jagdfeld, Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft, in einem
„Brandbrief“ an die Gesellschafter gewandt. Er habe den Ausfall des
Geldes von der HypoVereinsbank angekündigt und um frisches Geld
gebeten, mit dem man das Finanzloch stopfen könne. Entsprechende
Darlehensverträge lägen dem der Zeitung vorliegenden Schreiben bei.
Mit dem Kreditausfall wäre das Hotel gefährdet.
Das Geld soll schnell fließen, wie es heißt. Bis
spätestens 15. Februar wolle Fundus die Darlehensverträge zurückhaben.
Jagdfeld wolle „die Fondssicherung im ersten Quartal 2007 vor dem
G8-Gipfel abgeschlossen haben“. Das Gipfeltreffen der acht mächtigsten
Staats- und Regierungschefs der Welt findet vom 6. bis 8. Juni im
Kempinski Grand Hotel Heiligendamm statt.
Als Grund für den Rückzug der HypoVereinsbank wird
von der „tageszeitung“ angegeben, dass das Hotel derzeit nicht
sonderlich gut laufe. Diese Einschätzung wurde unlängst durch ein
Gutachten des Rostocker Betriebswirts Professor Martin Benkenstein
bestätigt (OZ berichtete). „Die wirtschaftliche Situation des
Kempinski Grand Hotels entwickelt sich seit der Eröffnung negativ“,
heißt es in dem Gutachten.
Die Nobelherberge war im Juni 2003 mit 225 Zimmern
und Suiten eröffnet worden. Auch nach der Anlaufphase und Problemen im
Spar-Bereich 2004 habe sich die Auslastung des Hotels in den letzten
Monaten nicht verbessert. Die höchste Belegung mit 80 Prozent
erreichte das Hotel kurzzeitig im August 2004; die niedrigste mit 15
Prozent im Dezember 2003. Erst mit einer Auslastung von 50 bis 60
Prozent könne der Betrieb kostendeckend arbeiten, erklärte
Benkenstein. Sein Urteil: „Das Kempinski Grand Hotel arbeitet derzeit
nicht kostendeckend. Es werden dauerhaft negative Ergebnisse
erwirtschaftet.“Benkenstein riet in seinem Gutachten unter anderem,
dass die Hotelanlage künftig nur noch für Hotelgäste zugängig sein
dürfe. Außerdem empfahl der Professor dem Grand Hotel, einen eigenen
Strandabschnitt westlich der Seebrücke zu bewirtschaften, der allein
von den Hotelgästen genutzt werde. Laut der Benkenstein-Studie stehe
bei den Hotelgästen der Wunsch nach größerer Ungestörtheit an erster
Stelle.
Auch Jagdfeld räumte laut „tageszeitung“ in seinem
Schreiben an die Investoren ein, dass es dem Hotel aus
unterschiedlichen Gründen bis heute nicht gelungen sei, Überschüsse zu
erwirtschaften. Als Ursachen würden die „Vogelgrippe“ angeführt, und
dass „Tagestouristen“ durch die Hotelanlagen spazierten. Obwohl das
Areal rund um das Hotel auf Betreiben von Fundus schon weitgehend für
Spaziergänger gesperrt sei. Für den Gipfel wird zudem ein
Sicherheitszaun weiträumig um den Hotelkomplex gezogen.
Nach Informationen der „taz“ seien einige der
Gesellschafter bereits jetzt nicht mehr in der Lage, zahlen zu können
oder zu wollen. „Das ist Unsinn“, sagte Beermann dazu. Er bestätigte,
dass das Schreiben in der vergangenen Woche an die 2500 Investoren
rausgegangen sei. Er sei zuversichtlich, dass die 15 Millionen Euro
bei den Investoren eingesammelt werden können. Die „Umfinanzierung“
laufe. „Seit vergangenem Freitag sind bereits eine Million Euro
eingegangen.“
AXEL MEYER
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Das Grand Hotel verliert
seinen Hotel-Direktor.
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 30. Januar 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Heiligendamm: Hoteldirektor gesucht
Verwirrung um den Direktor des Grand Hotels Heiligendamm.
Während die Kempinski-Gruppe den Rückzug von Torsten Dressler
dementiert, erklärt dieser, dass er seinen Posten zum 1. Februar
abgibt.
Heiligendamm (OZ) Irgendwas ist im Busch, hatte man sich am
Wochenende auf den Fluren im Grand Hotel Heiligendamm zugeraunt. Das
Teegeschirr aus dem Zimmer des Direktors sei verschwunden, und auch
seine kleine Bar sei schon leergeräumt. Hat der Direktor sich aus dem
Staub gemacht? Und wenn ja, wo ist er hin?
„Herr Dressler ist auf einer Geschäftsreise und
kommt am Freitag wieder“, hieß es noch gestern Mittag aus der
Pressestelle des Hotels. Auch Ursula von Platen, PR-Direktorin der Kempinski-AG in München, erklärte:
„Wir haben keine Information
darüber, dass Herr Dressler das Haus in Heiligendamm verlässt.“
Wenig später allerdings meldet sich der Direktor des
Kempinski Grand Hotels selbst zu Wort. Er werde seinen Posten zum 1.
Februar abgeben, teilt Torsten Dressler mit. Grund für seinen Rückzug
sei die „Mitverantwortung für die mit rund 40 Prozent zu schlechte
Auslastung des Hotels“.
Ganz freiwillig scheint der 43-Jährige seinen Posten
nicht zu räumen. Dressler: „Ich hätte mit meinem Team noch gerne
zumindest bis zum Gipfel weitergemacht.“
Der gebürtige Rostocker hatte im Mai 2005 als
Geschäftfsführender Direktor die Nachfolge von Thomas Klippstein
angetreten, der aus Heiligendamm ins Adlon Kempinski nach Berlin
wechselte, dort aber im September vorigen Jahres nach Bekanntwerden
seiner Stasi-Mitarbeit zurücktrat.
Dressler begann 1983 als Hoteldiener im Hotel
International in Leipzig, wo er auch eine Lehre zum Empfangssekretär
absolvierte. Es folgten das Grand Hotel Nürnberg und mehrere Stationen
im Ausland. Seine ersten Sporen bei Kempinski verdiente er sich ab
1998 in Budapest, später als stellvertretender Direktor im Adlon
Berlin, als General Manager des Kempinski Hotel Shenyang in China und
im Kempinski Resort Hotel Bel Air in Binz auf Rügen. Der richtige Mann
eigentlich für die Vision vom Lieblingshotel der internationalen
Schickeria an der mecklenburgischen Küste.
„Schon jetzt gehört unser Hotel zu den besten
Europas. Meine Mitarbeiter und ich werden alles dafür tun, diesen
Stand nicht nur zu halten, sondern das Kempinski Grand Hotel
Heiligendamm weltweit noch stärker zu etablieren“, versprach Dressler
damals. Daraus ist nichts geworden.
Das 2003 eröffnete Hotel, das der Fundus-Gruppe
gehört und von Kempinski bewirtschaftet wird, war zuletzt mehrfach
wegen schlechter Belegung in die Schlagzeilen geraten. Im
Jahresdurchschnitt 2006 lag die Auslastung nach eigenen Angaben bei
43,5 Prozent. 50 bis 60 Prozent wären nötig, um schwarze Zahlen zu
schreiben. „Es werden dauerhaft negative Ergebnisse erwirtschaftet“,
resümiert ein Gutachten, das die Fundus-Tochter Entwicklungs Compagnie
Heiligendamm (ECH) in Auftrag gab. Was also ist schief gelaufen?
„Es
gibt ein ganzes Bündel von Ursachen. Dressler ist nur eine davon. Der
muss als Bauernopfer herhalten“, sagt ein Insider und verweist auf
eine „gereizte Stimmung im Laden“.
Der klassizistische Gebäudekomplex in Deutschlands
ältestem Seebad umfasst 225 Zimmer in sechs Gebäuden. 260 Mitarbeiter
betreuen die Gäste. Erst vor wenigen Tagen war das Nobelhotel vom
Reisemagazin GEO zum „Besten Strandhotel Europas“ gekürt worden. Im
November 2006 verteidigte das Gourmet-Restaurant „Friedrich Franz“
seinen Michelin-Stern. Trotzdem gibt es immer wieder Gerüchte, wonach
sich die Kempinski-Gruppe möglicherweise nach dem G8-Gipfel aus
Heiligendamm zurückziehen will. Managerin von Platen weist das zurück:
„Das Haus passt perfekt in unser Portfolio, es gehört zu unseren
Vorzeigehotels.“
Das Ostseebad Binz auf der Insel Rügen hatte die
international renommierte Betreibergruppe allerdings im August vorigen
Jahres verlassen. Der dortige Eigentümer hatte den Managementvertrag
mit der Kempinski-Gruppe nicht verlängert. Fundus-Sprecher Johannes
Beermann will die Spekulationen um Heiligendamm nicht kommentieren.
„Wir brauchen keine Treueschwüre. Kempinski macht ein super
Management.“
ELKE EHLERS und MANUELA PFOHL
OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 03. Februar
2007 | Mecklenburg-Vorpommern
In der Ostsee-Zeitung vom 31. Januar 2007
schreiben Sie auf Seite 6 in dem Artikel mit der Überschrift
„Bei Kempinski geben sie sich zugeknöpft, Verunsicherung nach
Rücktrittdes Direktors vom Grand Hotel Heiligendamm“ über mich: „Was
hat es zu bedeuten, dass Johannes Beermann, Sprecher der
Fundus-Gruppe, die Eigentümerin des Hotels ist, erklärt, er wisse
nichts von der Personalentscheidung und habe im Übrigen auch keinen
Einfluss auf Kempinski-Interna?“
Hierzu stelle ich fest:
Ich habe mich weder wörtlich noch sinngemäß so geäußert.
Berlin, 31. Januar 2007
Dr. Johannes Beermann
|
"Wir sagen dazu vorerst gar nichts
mehr". Warum es manchmal besser ist, den Mund zu halten.
Nachdem der Hotel-Chef
Klippstein 2005 wegen der Stasi-Affäre gehen musste, wurde der auch schon im Berliner Adlon-Hotel
arbeitende Thorsten Dressler Chef des Hotels in
Heiligendamm. In der Ostsee-Zeitung war nun am 30.01.2007 zu lesen, dass
Dresslers Büro im Januar um einige Gegenstände erleichtert wurde und die Frage aufkam, wo er
sei und ob er nicht wiederkäme. Die PR-Abteilung von Kempinski versicherte
daraufhin, dass Herr Dressler auf Geschäftsreise sei und im Februar wieder vor Ort
wäre. Dieser aber meldete sich Ende Januar mit der Aussage, dass er zum
01.02.07 den Posten niederlegt und damit
Konsequenzen aus den roten Zahlen des Hotels ziehen würde. Weiterhin sagte
er, dass er gern bis zum G8-Gipfel mit dem Team weitergearbeitet hätte. Eine unfreiwillige
Entscheidung also. Nachfolgerin wird laut Ostsee-Zeitung vom 31.01.2007 die
Interimschefin Gudrun Meier - ebenfalls aus dem Adlon.
Inzwischen relativiert Johannes
Beermann, Sprecher der FUNDUS-Gruppe, die
gegensätzlichen Aussagen damit, dass man bei FUNDUS nichts mit
Kempinski-Interna zu tun hätte. Wenig später erklärt dann die Kempinski-Zentrale in München, dass
Kempinski und FUNDUS gemeinsam über den Fall von Thorsten Dressler beraten
hätten. Die Hotel-Chefin Frauke Müller hingegen "sagt dazu vorerst gar nichts mehr"
(OZ, 31.01.2007) und gibt nur noch bekannt, dass Dressler nicht gefeuert
ist, sondern innerhalb der Kempinski AG an einem nicht genannten Ort weiterarbeiten wird.
Die
Redaktion von hotelblog machte ähnliche Erfahrungen:
Bericht vom 09.02.2007
Die Bürgerinitiative wendet
sich an den Bundespräsidenten.
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 01. Februar 2007 | Titelseite Bad Doberan
Initiative wendet sich an Bundespräsidenten
Heiligendamm
Ihren Protest gegen den Abriss
von Villen der sogenannten Perlenkette in Heiligendamm hat die
Initiative für Öffentlichkeit in Heiligendamm in einem Schreiben an
den Bundespräsidenten Horst Köhler formuliert. Darin heißt es, die in
einem Grundlagenvertrag zugesicherte Sanierung der Villen habe nicht
stattgefunden. Vielmehr habe die Investorin ihr Ansinnen, nämlich
einen Teil der Villen abzureißen, gegen den Protest der hiesigen
Denkmalpflege durchgesetzt. Nach der „Perle“ würden die Villen
„Schwan“ und „Möwe“ folgen. „Eine Verpflichtung zum Wiederaufbau gibt
es nicht.“ Durch den Abriss werde ein Stück deutscher und
Mecklenburger Geschichte unwiederbringlich zerstört. Seitens der
Initiative, vertreten unter anderem von den beiden Stadtvertretern des
Bürgerbundes, Heike Ohde und Hannes Meyer, wird ein offensichtliches
Scheitern des Konzeptes der Fundus-Gruppe konstatiert. Mit Verweis auf
ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg würden immer weiter reichende
Zugeständnisse abverlangt. Die Initiative sorgt sich, „dass
Heiligendamm nicht mit der erforderlichen Sorgfalt und mit
Verantwortungsbewusstsein entwickelt wird, sondern die Legende
Heiligendamm nur noch zur Immobilien- und Grundstückspekulation
genutzt wird“.
TRI
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Die Denkmalschützer fühlen
sich von den Politikern übergangen.
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 01. Februar
2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Stiftung
kritisiert Abriss in Heiligendamm
Nachdem die alte Villa „Haus Perle“ in Heiligendamm abgerissen
wurde, kritisiert Deutschlands oberster Denkmalschützer die Aktion.
Heiligendamm (OZ) Wie ein Häufchen Elend liegen die Reste der
Villa Perle da. Nur zerbrochene Ziegelsteine sind von der einstigen
Sommerresidenz des russischen Zaren übriggeblieben. Und viele
kritische Fragen. Eine lautet: War der Abriss des Gebäudes rechtens
und notwendig?
Glaubt man der Fundus-Gruppe, die Eigentümerin des klassizistischen
Ensembles rund ums Kempinski Grand Hotel ist, dann war der Abriss
unumgänglich. Fundus-Sprecher Johannes Beermann jedenfalls hatte
erklärt, eine Renovierung sei wegen der maroden Bausubstanz nicht mehr
möglich. Auch zwei weitere der insgesamt sieben Villen der
„Perlenkette“ müssten deswegen abgerissen werden.
Im Einvernehmen mit
den Denkmalschützer, versteht sich.
Doch dem widerspricht der Vorsitzende der Deutschen Stiftung
Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, energisch. In einem Brief an den
Landkreis Bad Doberan schreibt er: „Ich bin der Auffassung, dass es
sich bei den Villen um Kulturdenkmäler handelt. Diese sind zwar im
Äußeren verändert worden, was sich aber durch rekonstruierende
Maßnahmen ohne weiteres wiedergutmachen ließe. Das Verhalten der
Denkmalfachbehörde ist für mich nicht nachzuvollziehen, vermutlich
wurde hier politischer Druck ausgeübt.“ Ein schwerer Vorwurf.
„Aber es ist was dran“, versichert ein Schweriner Ministerialer.
Es
sei doch merkwürdig, dass alle Villen seit den 80er-Jahren unter
Denkmalschutz standen und auch bei der Aktualisierung 1995 auf der
Liste des Landesamtes als Denkmäler geführt wurden. 2004 sei alles
nicht mehr wahr gewesen. Plötzlich habe das Landesamt erklärt, „Haus
Perle“, „Haus Schwan“ und „Haus Möwe“ seien von der Liste zu
streichen. „Da gab es Druck aus dem Wirtschaftsministerium“, sagt der
Insider. Minister Otto Ebnet (SPD) persönlich habe darauf gedrungen,
die Denkmalschutzbestimmungen im Interesse der Fundus-Gruppe zu
„überdenken“. Kiesow erinnert sich an eine Besprechung mit Beamten des
Landesamtes für Denkmalpflege im Januar 2005: „. . . die zu meinem
Entsetzen den Landeskonservator nicht bei seiner Forderung nach
unveränderter Erhaltung unterstützten, sondern den Standpunkt von
Herrn Jagdfeld vertraten.“
Ewa Prync-Pommerenke vom Landesamt bleibt dabei: „Die Perle wie die
beiden anderen Villen hatten wegen ihrer baulichen Veränderungen
keinen Anspruch mehr auf den Status als Einzeldenkmäler.“ Das sei auch
schon so gewesen, als Fundus 1996 die Immobilien erwarb. Jetzt müsse
man in die Zukunft schauen. Schließlich sei die Genehmigung für den
Neubau längst beim Landkreis erteilt worden. Man brauche nur noch
loszulegen. Wann es soweit ist, kann Fundus allerdings noch nicht
sagen.
MANUELA PFOHL
|
Und FUNDUS holt zum nächsten
Schlag auf die Perlenkette aus.
Wenn man das so sagt, sollte man natürlich
wissen, dass kein Abriss ohne Abrissgenehmigung erfolgen kann.
Wie schon bei der Perle (siehe Infokasten weiter oben) wurden auch bei den
Villen "Möwe" und "Schwan" 1997 genaue Analysen vorgenommen, welche 2004
zusammen getragen wurden. Die beiden Villen befinden sich in einem ähnlich
schlechten Zustand, wie es bei der "Perle" der Fall war und sie wurden
genauso stark verfremdet. Darum bat die ECH darum, die beiden Villen auch
abreißen und unterkellert neu bauen zu dürfen. Die Genehmigung wurde
erteilt und wer dabei übergangen wurde und wer im Nachhinein Einwände
hervor bringt, kann der ECH egal sein, denn genehmigt ist genehmigt. Mehr
Informationen zum Zustand der beiden Gebäude finden Sie hier:
Welche Gebäude der Perlenkette werden abgerissen
und warum?
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 13. Februar 2007 | Stadt und
Land
„Möwe“ und
„Schwan“ bald tot
Bad Doberan Droht die Stadtmauer einzustürzen ? Für Lothar
Peter aus Doberan sieht der augenscheinliche Zustand der
historischen Mauer sehr fragwürdig aus: „Die Wand neigt sich
bedrohlich in Richtung Gärten, und die Betonbindung zwischen den
Steinen scheint auch weg zu sein“, äußert er seine Bedenken.
Gemeint ist der Mauerbereich unweit des Kornhauses. Keine Sorge
heißt es aus dem städtischen Bauamt. Die Mauerneigung sehe zwar
bedrohlich aus, doch die Standfestigkeit sei gegeben. Kippen könne sie
nicht, da beispielsweise große Stützpfeiler angebracht worden sind.
Die Mauer werde mehrmals im Jahr während der regelmäßigen
Ortsinspektionen durch das Bauamt begutachtet, da auch die
angrenzenden Gartenfreunde bereits Bedenken geäußert haben. Eigentlich
sollte die Stadtmauer, so die Bauamt-Mitarbeiterin, bereits neu
aufgesetzt werden. Die Abtragungs- und Aufbauversuche scheiterten
allerdings daran, dass die Denkmalschutzbehörde ein Verfahren
erfordert, das zurzeit für die Stadtkasse nicht tragbar ist. Jeder
Mauerstein müsse einzeln für sich abgetragen und im Original auch
wieder eingesetzt werden und zwar genau dort, wo er einst stand oder
lag. Dieses Verfahren setzte eine umfangreiche und intensive
Katalogisierung eines jeden einzelnen Originalmauersteins voraus.
Dafür gibt es bis dato, wie beschrieben, kein Geld.
Auch die Aktionen in der „Weißen Stadt“ liegen Lothar Peters am
Herzen. Besonders die für ihn wunderschönen Villen entlang der
Promenade, die sogenannte „Perlenkette“. Was wird nun aus diesen
historischen Gebäuden?
Für drei dieser Villen- „Perle“, „Möwe“ und „Schwan“ – gibt es eine
Abbruchgenehmigung, mit der Begründung vom zuständigen Landesamt für
Denkmalpflege: Die drei Villen haben über die Jahre ihren
Denkmalstatus verloren. Zu viele Um-, An,- und Änderungsbauten sowie
massive Eingriffe im Innern der Villen hätten die Gebäude so sehr
verändert, dass ein Denkmalschutz nicht mehr benötigt wird.
Beispielsweise wurden die Fensterformate der Villen stark verändert
und zeitgemäß wertvolle Putzelemente abgeschlagen. Die „Perle“, die
Villa einst in unmittelbarer Nähe des Grandhotels, ist bereits
zurückgebaut worden. Über „Möwe“ und „Schwan“ schwebt zwar das
Abbruchschwert, wann das allerdings zuschlägt, weiß keiner. Auch die
Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH), als Investor für die
Villenkette tätig, will oder kann noch keinen Abrisstermin nennen.
„Auf keinen Fall vor dem G 8-Treffen“, informiert
Fundus-Pressesprecher Dr. Johannes Beermann und ergänzt: Die Lücken
sollen dann mit neuen Hotelgebäuden gefüllt werden.
DORIT WEHMEYER
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Damit ist das
Projekt anno 2007 an einem Punkt angekommen, wo seine Akzeptanz gen Null
geht.
Da kommt die folgende Meldung erst Recht ungelegen:
Während die
Perlenkette verfällt, will Jagdfeld das Alexandrinen-Cottage als
Privathaus drastisch umbauen.
Das
Alexandrinen-Cottage wurde als Sommerhäuschen der Großherzogin Alexandrine
von Mecklenburg-Schwerin errichtet. Zunächst sah es fast
so aus, wie das Marien-Cottage schräg gegenüber aber unter Willebrandt und
Stühler wurde dem Cottage noch ein Turm zusätzlich spendiert. Der
Hauptkörper des Hauses umfasst 900 qm Wohnfläche.
Hinzu kommen die
Veranden, welche zunächst offen waren und später verglast wurden.
Das
Alexandrinen-Cottage diente während des ersten Weltkrieges als
Kommandantur und wurde später zum Ärzte- und Behandlungszentrum des
Sanatoriums. Zuletzt wohnten
Studenten der Fachschule für Angewandte Kunst im Haus "Weimar", bis die 17
Mietverträge 1997 gekündigt wurden.
Christian Ludwig, ein Ahne des
Großherzogs der mecklenburgisch-schwerinschen Linie, besuchte kurz vor
seinem Tod sein Elternhaus, bevor es dann geschlossen wurde und nur als
Filmkulisse, Requisitenlager und Inspirationsort diente. Die Gruppe
"Rammstein" schrieb hier ihr Album "Mutter" und entlehnte dem Lied "Nebel"
den Spruch über der Tür des altehrwürdigen Cottages: "Wo das Meer das Land
berührt." Diese Villa ist neben dem Ensemble, der Burg, der Perle und der
Perlenkette das beliebteste Motiv Heiligendamms. Es war zu DDR-Zeiten
stets erreichbar und verschwand erst mit der Eröffnung des Grand Hotels
hinter Zäunen, wo es bis heute verfällt. Das soll sich jetzt ändern:
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 20. März 2007 | Titelseite Bad Doberan
Cottage-Sanierung umstritten
Das Alexandrinen- Cottage in Heiligendamm soll zum Wohnhaus
umgebaut werden. Ein Architekt kritisiert das.
Heiligendamm Das Alexandrinen-Cottage an der westlichsten
Stelle des Seebades Heiligendamm soll für Wohnzwecke umgebaut werden.
Die Baugenehmigung auf einen entsprechenden Antrag war bereits 2005
erteilt worden. Für Stadtvertreter Hannes Meyer, Mitglied des
Bauausschusses und auch der Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für
Heiligendamm“, ist das unverständlich.
Er sieht nach dem Verlust der
Villa Perle nun die Vorbereitung für den Verlust eines weiteren
Denkmals in Heiligendamm. Für das Alexandrinen-Cottage hatte die
Landesdenkmalpflege im Jahre 2005 eine Denkmalwertbegründung
erarbeitet, verweist Meyer. Darin heißt es: „Aufgrund des
Seltenheitswertes seiner Architektur in Mecklenburg-Vorpommern kommt
dem Gebäude für die Architekturgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns und
Norddeutschlands im 19. Jahrhundert ein wesentlicher Zeugniswert zu.“
Hannes Meyer, selbst Architekt, macht auf die
Gebäudekubatur mit Trauf- und Firsthöhen, die originalen Fenster und
Türen, Veranden, die innere Raumstruktur und auf die Treppen
aufmerksam, die Denkmalwert besitzen. „Mit der Erhöhung des
Dachgeschosses, der Aufstockung des südlichen Turmes um ein Geschoss,
der Erhöhung der Turmhelme sowie dem Abbruch originaler Bausubstanz im
Innern verstößt der Bauantrag gegen die Denkmalwertbegründung der
Landesdenkmalpflege“, so Meyer.
Er kann nicht verstehen, was die Stadtverwaltung
veranlasst hat, ihr Einvernehmen zu geben. Und er kritisiert, dass die
Diskussion in dem politischen Gremium umgangen worden sei.
In der
vergangenen Sitzung des Bauausschusses hatte der Bauamtsleiter über
den Bauantrag informiert. Zu spät, meint Hannes Meyer.
Es handelt sich um ein Einzeldenkmal. „Wir haben als
Verwaltung unser Einvernehmen nur aus planungsrechtlicher Sicht
gegeben“, so Bauamtsleiter Norbert Sass. Der Kreis erteilte sein
Einvernehmen nach „Abwägung des Erhaltungsinteresses“, so Sass.
Entscheidend war Schwerin. Und das Landesamt für Denkmalpflege habe es
sich nicht leicht gemacht. Es sei ein Kompromiss zwischen
Denkmalpflege und Nutzung durch den privaten Eigentümer gefunden. Das
Haus stand etwa zehn Jahre leer. In Schwerin wurde abgewogen: „Ein
Denkmalwert besteht aus geschichtlichen, künstlerischen und
städtebaulichen Gründen, darin begründet sich auch das öffentliche
Interesse an seinem Erhalt und der sinnvollen Nutzung“, heißt es vom
Landesamt.
Dem kann Norbert Sass folgen. Äußerlich werde sich
nicht viel verändern, und so verfalle das Gebäude nicht weiter.
Ob es das Wohnhaus für Fundus-Chef Jagdfeld wird, wurde im Rathaus
nicht bestätigt.
RENATE PETER
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Ob sich äußerlich nicht
viel verändern wird, sei dahin gestellt.
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Nehmen wir mal den linken Turm. Der wurde zuerst erbaut.
Da haben wir im Hochparterre ein kleineres und im Obergeschoss ein größeres
Rundbogenfenster. Der Turm steht über das Hausdach über. Die Oberkante des
obersten Rundbogenfensters ist vom Dachansatz optisch genau so weit
entfernt, wie die Unterkante des unteren Rundbogenfensters vom Boden.
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Jagdfelds Planung geht
nun dahin, das Dach des Hauses anzuheben, sodass die Hauswände dort
abschließen, wo jetzt die Wände des linken Turmes abschließen.
Das heißt, dass der
Turm erhöht werden muss, wenn er nicht seine Geltung verlieren soll. Damit
haben wir dann über den großen Rundbogenfenstern einen Freiraum, der
asymmetrisch ist. Um dem entgegen zu wirken, muss man also entweder die
Fensteraussparungen verlängern und größere Fenster einbauen oder eine
Reihe kleiner Fenster zusätzlich über den großen platzieren. Während die
erste Variante noch optisch gerade so funktioniert, verändert die zweite
das Aussehen massiv.
Mit dem Turm ist es
aber noch nicht getan: Auch die Wände des Hauptkörpers werden aufgemauert.
Die Fensterfronten sind momentan optisch genau so hoch, wie der Abstand
zwischen Verandendach und Hauptdach es zulässt. Erhöht man die Mauern,
müssen auch höhere Fenster sein. Diese sind dann sichtbar gestreckt oder
man muss weniger Fenster nehmen. Beides verändert das Aussehen massiv.
Da Jagdfeld aber
offenbar keine Erhöhung der Zimmerdecken, sondern eine
begehbare Dachetage ohne die jetzigen Schrägen plant, ist davon
auszugehen, dass über die jetzigen Fenster weitere Fenster eingebaut
werden. Schließlich baut man ja keine Fenster über zwei Etagen - dann
lüftet man nämlich zwei Zimmer gleichzeitig. Mit der Anhebung des Daches
sind dann die beiden Horizontalen (Veranda inkl. Souterrain) und
Obergeschoss inkl. Dach) nicht mehr gleich groß. Es sitzt also dann ein
großes Oberteil auf einem kleineren Unterteil.
Um das zu verhindern,
müssten die ganzen Decken innen angehoben und die Veranden erhöht werden.
Beim rechten Turm ergibt sich dann wieder dasselbe Szenario wie beim
linken.
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Man kann es also
drehen und wenden, wie man möchte:
Es wird sichtbare
Veränderungen geben und die geringsten Veränderungen erreicht man nur,
indem man das Dach abnimmt, das Haus entkernt, die Veranden, Fenster und
Türen entfernt, die Aussparungen vergrößert, größere Fenster und Türen und
eine größere Veranda einbaut, neue Decken einzieht und auch den Zierrat
den neuen Proportionen anpasst.
Das kommt dann einem Neubau gleich aber die Denkmalsubstanz bleibt
erhalten.
Dann wohnt Jagdfeld
allerdings nicht mehr in dem Haus, in dem Alexandrine wohnte, sondern nur
an der Stelle, wo sie ihr Haus hatte. Sein Haus ist dann bestenfalls ein
Recycling ihrer Baumaterialien.
Vielleicht sollte man
die Funktion des Denkmalschutzes überdenken:
Möglicherweise ist auch
schon ein Denkmal, was nur so ähnlich aussieht, wie das ursprüngliche
Gebäude aber eigentlich ein Neubau oder Recycling ist.
Vielleicht sollte
man den Begriff ändern in "Aussehensschutz".
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Im Falle des
Alexandrinen-Cottages muss man sich dann fragen, ob dieser Aufwand
bei den anderen vier Abrisskandidaten nicht auch möglich gewesen wäre.
Fakt ist jedoch, dass das
Alexandrinencottage im derzeitigen Zustand 900 qm Wohnfläche allein im
Baukörper besitzt.
Die Veranden sind da noch
nicht eingerechnet. Zuletzt wohnten 17 Mietpartien in diesem Haus, also
mindestens 17 Leute.
Alexandrine von
Mecklenburg-Schwerin, die Erstbewohnerin und Namensgeberin des Hauses hatte
zusammen mit Christian X. zwei Kinder: Friedrich IX und Knut
Christian. Knut Christian wiederum hatte drei Kinder, die viel Zeit in
Heiligendamm bei Oma Alexandrine verbrachten: Elisabeth von Dänemark,
Ingolf von Dänemark und Christian von Dänemark.
Später wurde das Cottage
von Großherzog Friedrich Franz IV. und Großherzogin Alexandra (Prinzessin
von Hannover und Cumberland) bewohnt. Sie hatten auch fünf
Kinder: Friedrich Franz, Christian Ludwig, Olga, Thyra und Anastasia.
Den eigentlich verwöhnten
Großherzögen reichte das Cottage.
Auch den Ärzten des
Sanatoriums und der Ostsee-Klinik war das Haus groß genug.
Auch lebt Jagdfeld
momentan in einem bedeutend kleineren aber offenbar auch neuen Haus.
Das Rathaus sagt nicht,
dass es das Wohnhaus Jagdfelds wird.
Braucht es auch nicht. Das hat er
schon selbst getan:
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Die Strandpromenade geht
über in einen Wanderweg, der 20 Kilometer die Küste
entlangführt. Wo am Steilufer der hohe, alte Buchenwald beginnt,
steht das Haus Weimar. Die weiße Fassade hat Wasserflecken, die
Scheiben des großzügigen Wintergartens hängen in morschen
Rahmen, zwei verspielte Türmchen krönen dieses
Dornröschenschloss. »Das wird mein Ferienhaus«, sagt Jagdfeld.
»Ich bin eine kinderreiche Familie«, schiebt er hinterher, damit
das nicht protzig daherkommt. Bislang macht er mit seinen
fünf
Kindern an der belgischen Nordsee Urlaub, im Nobelseebad Knokke.
»Ich akzeptiere es, wenn Leute sich in Lloret de Mar bei 36 Grad
um die Handtücher prügeln«, lästert er leise, »aber ich liebe
unsere frische Luft.« Wandern, radfahren, sich in ein Café
setzen und ausgiebig Zeitungen lesen - das versteht er unter
Luxus im Urlaub. (Quelle:
Die Zeit 42/2000)
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An dieser Stelle sehen
wir uns noch einmal die Drucksache 1/1542 des Landtages
Mecklenburg-Vorpommern an, der die u.a. von Sigrid Keler gestellte Frage,
ob das Haus "Weimar" zum
Gesamtkonzept des Investor gehöre folgendermaßen beantwortete:
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LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 1/1542 1. Wahlperiode 10.03.92
ANTWORT auf die
Kleine Anfrage der Abgeordneten Frau Keler, Fraktion der SPD -
Drucksache 1/1391 - Ostsee-Klinik Heiligendamm
Die Landesregierung erwartet von einem Gesamtkonzept eine
privatwirtschaftliche Sanierung sämtlicher auszuschreibender Häuser und
wirtschaftlich tragbare neue Funktionen für alle Gebäude. Sie bevorzugt
daher weiterhin ein Gesamtkonzept unter Einschluß des Hauses "Weimar".
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Zu diesem Zeitpunkt war
also nicht angedacht, das Alexandrinencottage herauszulösen oder auch nur
anders zu bewirtschaften. Jagdfeld wird auch unterstellt, bestimmte
Häuser absichtlich verfallen zu lassen, damit quasi in letzter Sekunde ein
gewisser Druck erzeugt wird und damit eine gewisse Nachgiebigkeit erfolgt. Im Falle des
Alexandrinencottages wog man schließlich ab, es baulich total verändern zu
lassen, damit es nicht weiter verfällt. Das beziehen Kritiker auch auf
andere Gebäude.
Fakt ist aber, dass jeder mit der ECH über den Erwerb einer Villa der
Perlenkette, eines Cottages im Kleinen Wohld oder einer der Villen in der
Seedeichstraße verhandeln kann. Das Cottage "Krone" (später Haus
"Magdeburg") wird 2009 an einen Hamburger Versandhändler verkauft. So darf
jeder eine der leer stehenden Villen kaufen - selbstverständlich auch Anno
August Jagdfeld.
Im Moment (Juli 2009) wird Jagdfeld sich hüten, das Alexandrinencottage zu
sanieren. Die Bürger verstehen nicht, dass hinter dem Stillstand bei der
Sanierung der Perlenkette eine politische Entscheidung steht, die der ECH
die Hände bindet. Würde Jagdfeld nun daher kommen und sein Sommerhaus
sanieren, wäre dies das falsche Zeichen. Es würde missverstanden werden
und die ECH in Bedrängnis bringen. Dennoch: Für das Alexandrinen-Cottage
gibt es Dauerwohnrecht und Jagdfeld benötigt für sich allein auch keine
Tiefgarage. Er kann also mit der Sanierung des Alexandrinencorttages
beginnen, einziehen und es sich gemütlich machen und warten, bis die SVV
der Tiefgarage und dem Dauerwohnrecht für die Perlenkette zustimmt und
dann mit der Sanierung derselbigen beginnen. Dass er es nicht tut, ist den
vorhersehbaren Reaktionen der Öffentlichkeit geschuldet. Jagdfeld hätte
keine Freude an eines sanierten Alexandrinencottages, solange die
Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild von den Ursachen des
Perlen-Stillstandes hat.
Doch noch ist die
"Perlen-Diskussion" nicht ausgesessen:
Der Abriss der
"Perle" und seine Folgen: Der NABU zeigt den Landkreis Bad Doberan an.
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Ostsee-Zeitung
| Wochenendausgabe, 07. April 2007
Anzeige wegen Abriss der »Villa Perle«
Rostock (OZ/mcp)
Der Naturschutzbund (NABU)
hat bei der Rostocker Staatsanwaltschaft Anzeige wegen der
vorsätzlichen Zerstörung von Fledermausquartieren in Heiligendamm
erstattet. Anlass der Anzeige gegen „Verantwortliche des Landkreises
Bad Doberan“ ist der Abriss der „Villa Perle“. Dort habe sich, laut
NABU, die Kolonie einer geschützten Fledermausart befunden.
Gleiches
gelte für weitere Gebäude in Heiligendamm, die abgerissen wurden oder
abgerissen werden sollen. Die Ermittlungen wegen eines möglichen
Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz wurden aufgenommen.
Das
Gesetz verbietet, Nist, Brut und Wohnstätten von Fledermäusen zu
zerstören.
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Alte Argumente für
neue Probleme:
Der FUNDUS Fonds 34 ist in akuter Finanznot und Schuld sind
die Tagesgäste.
Inzwischen wird die
Finanznot des Fonds 34 akut.
15 Millionen Euro müssen zurück gezahlt
werden und dieses Geld hat FUNDUS nicht mal eben zur Verfügung:
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 20. April 2007 | Deutschland
Verbotenes Darlehen: Bundesbank stoppt Fundus
Die Bundesbank hat der Fundus-Gruppe untersagt,
bei den Gesellschaftern des Fonds Heiligendamm 15 Millionen Euro zu
leihen.
Rostock (OZ) Die Grand Hotel Heiligendamm GmbH&CoKG, die das
Grand Hotel Heiligendamm verwaltet, in dem der G8-Gipfel stattfindet,
hat offenbar ein Finanzproblem.
Das zur Kölner Fundus-Gruppe gehörende
Unternehmen darf von den Gesellschaftern des Fundus-Fonds Heiligendamm
nicht, wie beabsichtigt, 15 Millionen Euro leihen.
Die Deutsche Bundesbank untersagte das Geschäft mit
der Begründung, dabei handele es sich um ein „erlaubnispflichtiges
Bankgeschäft“. Nach der Kündigung eines 15-Millionen-Euro-Kredites
durch die HypoVereinsbank (HVB) im vergangenen Jahr wollte Fundus das
Geld bei den Gesellschaftern des Fonds' als Darlehen einwerben.
Mit dem Fundus-Fonds Nummer 34 war Kapital für den
Wiederaufbau des aus mehreren Gebäuden bestehenden Grand Hotels
Heiligendamm gesammelt worden. Das Hotel öffnete 2003 und hatte von
Anfang an Probleme mit der Auslastung.
In einem Schreiben an die Gesellschafter des Fonds'
teilte Fundus-Geschäftsführer Anno August Jagdfeld am 12. April mit,
dass die HVB den bislang gewährten Kredit definitiv nicht über den 30.
Juni hinaus verlängern wird.
Jagdfeld, der gleichzeitig auch Geschäftsführer der
Grand Hotel Heiligendamm GmbH &CoKG ist, kündigte in seinem Schreiben
an die Gesellschafter an: „An einem neuen Konzept zur Ablösung der
Darlehen nach dem 1.7.2007 wird zur Zeit gearbeitet.“
Fundus-Sprecher Johannes Beermann erklärte der
Nachrichtenagentur dpa gestern, dass die Finanzierung Heiligendamms
weiter auf sicheren Füßen stehe. Die 15 Millionen Euro machten
lediglich acht Prozent der Gesamtinvestitionen aus, die restlichen 92
Prozent seien Eigenkapital.
Die HypoVereinsbank (HVB) wollte sich mit dem
Hinweis auf das Bankengeheimnis nicht zu dem Vorgang äußern. Eine
Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG bei Fundus blieb unbeantwortet. Die
Deutsche Bundesbank bestätigte in der vergangenen Woche, dass
Ermittlungen der Bankenaufsicht dazu geführt haben, Fundus das
beabsichtigte Darlehensgeschäft zu untersagen.
Laut einem Schreiben der Grand Hotel Heiligendamm
GmbH & CoKG vom 10. Januar 2007 an die Gesellschafter sei die HVB
unter anderem deswegen nicht mehr bereit, den Kredit zu verlängern,
weil es dem Hotel „bis heute nicht gelungen (ist), Überschüsse zu
erzielen.“
Ursache dafür seien, laut Fundus, „unterschiedliche
Gründe – Tagestouristen durchlaufen die Hotelanlage, Schließung
Wellnessbereich im Haus Severin, Vogelgrippe, Baustellen in
Heiligendamm, fehlende saisonverlängernde Maßnahmen“.
Tatsächlich hatte eine von der Fundus-Tochter „EntwicklungsCompagnie
Heiligendamm“ (ECH) in Auftrag gegebene Studie des Rostocker
Institutes für Marketing und Dienstleistungsforschung im vergangenen
Jahr bestätigt, dass das Grand Hotel Heiligendamm seit seiner
Eröffnung im Jahr 2003 „dauerhaft negative Ergebnisse erwirtschaftet“.
MANUELA PFOHL
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FUNDUS hat auch
gleich den Sündenbock für seine Misere gefunden. Wir analysieren:
Tagestouristen
durchlaufen die Hotelanlage.
Die Hotelanlage beginnt
derzeit kurz vor dem Severin-Palais und endet kurz hinter dem
Alexandrinen-Cottage. Von Nord nach Süd beginnt sie an der Median-Klinik
und hinter den Häusern "Grand Hotel" und "Severin-Palais" und endet am
Seebrückenplatz und der Promenade. Dieser Bereich ist eingezäunt und mit
automatischen Toren versehen, die sich nur mit Chipkarte öffnen lassen. Es
gibt Lücken in der Absperrung aber die kennt kaum ein Tagesgast und die
sind ja auch von der ECH selbst dort belassen worden, damit die Logistik
vom Wirtschaftshaus ungehindert agieren kann. Es wurde schlicht versäumt,
den Weg vom Gelände der MEDIAN-Klinik abzugrenzen.
Die Tagesgäste kommen
also gar nicht auf die Hotelanlage. Wenn FUNDUS aber auch die verfallenen
Villen und Kolonnaden, die Professor-Dr.-Vogel-Straße
samt dem Parkplatz und den Bebauungen als Hotelgelände ansieht, dann
stimmt die Aussage.
Nur ist dieses Hotelgelände völlig unattraktiv für die
Hotelgäste und sie werden ganz sicher kein Problem damit haben, Moder und
Verfall mit Tagesgästen zu teilen, sofern sie diesen Schandflecken nicht
ohnehin schon aus dem Weg gehen.
Die Stadt hat
beschlossen, dass die Professor-Vogel-Straße eingezogen werden darf, dass
kein Stichweg gebaut wird und dass das Hotel sich einzäunen darf, wie es
derzeit möchte. Die ECH aber hat weder die Professor-Vogel-Straße, noch die
Perlenkette eingezäunt und hat auch nicht mit dem Bau der geplanten
Neubauten beginnen können, die eine Umzäunung der Gebiete, auf denen sie stehen
gerechtfertigt hätte. Sofern die Tagesgäste in der Professor-Vogel-Straße also wirklich eine Ursache
sind, hat die ECH sie trotz Möglichkeiten nicht verhindert.
Natürlich ist es nicht abzustreiten, dass zwischen 2003 und 2004, sowie im
Jahre 2007 hunderte - anfangs sogar bis zu 5000 - Tagesgäste täglich
nach Heiligendamm strömten. Jedoch hatte das Hotel dazwischen genug Zeit,
sich mit der normalen Anzahl an Tagesgästen zu arrangieren. Das Argument
war also durchaus mal richtig, ist aber schon ziemlich abgedroschen.
Man kann nicht die Tagesgäste komplett aussperren - Bad Doberan kann an
Kurtaxe durch die Tagesgäste nur auf diesen paar hundert Metern Strand
Geld verdienen und auch Heiligendamm selbst lebt von den Tagesgästen -
zumindest das, was derzeit davon übrig geblieben ist.
Die Kritik Jagdfelds ist eigentlich an die Stadt weiterzugeben: Diese hat
es bis dato versäumt, östlich des Ensembles einen attraktiven Ort zum
verweilen zu schaffen. Dennoch wird auch dieser nicht verhindern, dass der
Gast über die Promenade und die Seebrücke läuft, um das was er mit
Heiligendamm verbindet sehen zu können: Ensemble und Perlenkette. Man muss
lediglich dafür sorgen, dass er dann nicht davor steht und nicht weiß, was
er machen soll, sondern Richtung Osten zurück geht und dort den Rest
seines Aufenthaltes verbringt. Im Moment ergibt sich eine gegenteilige
Situation: Anlandepunkt im Osten, Attraktion im Westen - also fließt der
Besucherstrom von Ost nach West. Und dort dann auf der Suche nach weiteren
Attraktionen durch die Professor-Vogel-Straße zurück.
Dass das Hotel ein beliebtes Fotomotiv ist, war schon immer so - auch
alles es noch gar kein Hotel war - und wird sich nie ändern. Mit dieser
Besonderheit - in einem gern fotografierten Hotel zu wohnen - müssen die
Hotelgäste einfach leben.
Schließung
Wellnessbereich im Haus Severin, fehlende saisonverlängernde Maßnahmen und
Baustellen in Heiligendamm.
Das sind alles
selbstgemachte Probleme. Die saisonverlängernden Maßnahmen wären das
Thalasso- und das Ayurveda-Zentrum, SPA und Freizeitangebote. Die ECH hat aber
bislang nicht darin investiert, weil die Stadt die Bebauungspläne nicht
akzeptieren mag. Die Stadt
hat die Baufläche für das Thalasso-Zentrum schon 2006 vorbereitet aber
noch kein grünes Licht für die B-Pläne 25 und 30 gegeben. Die Baustellen in
Heiligendamm beziehen sich allesamt auf die Straßen und auf
Verschönerungsarbeiten.
Das kommt alles dem Hotel letztlich zu Gute.
Vogelgrippe.
Die Ausfälle im
Tourismus des Landes waren spürbar aber nicht dramatisch.
Für ein sehr
schlecht ausgelastetes Hotel ist aber ein spürbarer Einbruch schon
dramatisch.
Jagdfeld hält aber
an seiner Variante ebenso fest, wie die ECH und FUNDUS:
Es gibt 30% Storno wegen des
Wandertourismus.
Diese Aussage machte Anno
August Jagdfeld vor Gästen der Ausstellung Frank Mohrs im Roten Pavillon in
Bad Doberan im April 2007.
Und man darf davon
ausgehen, dass die Zahl richtig aber der Grund falsch ist. Heiligendamm ist
seit 2004 eine riesige Baustelle. Zuerst wurde die Straße abgetragen, dann wurde die "Perle"
abgerissen und danach gleich "Tabea" und ein Teil der FaK.
Am Forsthaus wird
gebaut, die Kühlungsborner Straße wurde neu gemacht, die Seedeichstraße neu
gestaltet, an der Promenade, der Seebrücke und dem Seebrückenplatz gebaut
und seit Januar ist Heiligendamm ein Ort, der mehr Polizisten als Einwohner und Gäste hat.
Ein riesiger Zaun umgab den Nobelort
und im Angesicht des Hotels verfallen graue Villen, die auf den Prospekten
etwas weißer und bewohnter wirkten. In den Prospekten wird
mit Ruhe und Entspannung geworben und Heiligendamm ist alles andere als
ruhig und entspannt. Der Ort wurde von den
Medien und der Presse überrannt, von Aktivisten und G8-Gegnern abgecheckt
und es gab Demonstrationen. Täglich kamen neue
Meldungen hinzu von AWACS-Aufklärern, der GSG-9, Kriegsschiffen und 1100
Soldaten zur Sicherung des Gipfels.
Das alles hat sich Kempinski
(FUNDUS) selbst zuzuschreiben, denn es hat zum G8-Gipfel eingeladen.
Und dies dürften auch die wahren
Gründe für die 30% Storno sein.
Das aber übersieht der Investor.
Nachtrag 2009: Ich
werde mich - da der G8-Gipfel und die größten Bauarbeiten nun 2 Jahre zurück
liegen demnächst um aktuelle Zahlen bemühen.
So bringt es dann
Bürgerinitiativen-Chef Thiessenhusen auf den Punkt:
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 24. April 2007 | Leserforum
Schuld liegt nicht bei Tagesgästen
Axel Thiessenhusen, Rostock, zu „Verbotenes
Darlehen: Bundesbank stoppt Fundus“ (OZ, 20. 4.):
Die Ausreden, warum das Grand-Hotel negative
Ergebnisse erwirtschaftete, können keinesfalls überzeugen. Wirken sie
doch wie der Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken.
Das Blendwerk,
das Fundus in Heiligendamm geschaffen hat, hat Widersprüche. Kaum
kulturelle und gastronomische Angebote, überall Zäune, gesperrte Wege
und eine mehr und mehr verfallende Perlenkette. Die Besucher des
Hotels werden mit diesen Zuständen konfrontiert und kaum geneigt sein,
darüber hinwegzusehen. Da wirkt es geradezu lächerlich, den wenigen
Tagesgästen die Schuld an dieser Misere zuzuschreiben.
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Für die ECH sind die
Probleme der FUNDUS-Gruppe verheerend, denn die Verhandlungsposition
verschlechtert sich.
Dennoch sind die
Stadtvertreter sich einig darin, die saisonverlängernden Maßnahmen, deren
Fehlen FUNDUS moniert hat, mit den ihnen zur
Verfügung stehenden Mitteln voll zu unterstützen. Jeder Vorwurf der
Behinderung ist damit vom Tisch:
Die Änderungen an
den Plänen "Sondergebiet Hotel" und "Ayurveda-Zentrum, Plastische Chirurgie"
werden genehmigt.
Damit kann die ECH nun
die nötigen Maßnahmen für den Bau des Ayurveda-Zentrums und der
Plastischen Chirurgie am Golfteich beginnen und endlich für eine
bessere Auslastung des Grand Hotels und eine Verlängerung der Verweildauer
und der Saison an sich sorgen.
Dafür ist der
Hotelpark ist vom Tisch - und mit ihm auch wieder der B-Plan 30.
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OSTSEE-ZEITUNG |
Mittwoch, 25. April 2007 | Titelseite Bad Doberan
Kleiner
Wohld kein Hotelpark
Der Bürgerbund setzt sich dafür ein, dass der Kleine Wohld für alle
zugänglich bleibt. Dadurch kippte der Flächen- nutzungsplan.
Bad Doberan Es war schon eine Überraschung, dass Bürgermeister
Hartmut Polzin am Montagabend die Beschlussvorlage zur zweiten
Änderung des Flächennutzungsplanes zurückzog. Vorangegangen war ein Änderungsantrag des Bürgerbundes.
Die
Waldfläche „Kleiner Wohld“ in Heiligendamm solle nicht in eine
Grünfläche mit der Zweckbestimmung „private Grünanlage“ umgewandelt
werden, forderte Hannes Meyer im Auftrag des Bürgerbundes. Die
bisherige Zweckbestimmung „Erholungswald“ sollte erhalten bleiben.
„Mit der Umwandlung des Waldes in einen für die Allgemeinheit nicht
mehr zugänglichen Privatpark wird gegen Anordnungen des Amtes für
Raumordnung und Landesplanung Mittleres Mecklenburg verstoßen“,
begründet Meyer.
Sein Änderungsantrag fand die Mehrheit. 14 Stadtvertreter stimmten
mit Ja, acht mit Nein. Unruhe im Sitzungssaal. Auszeit von zwei
Minuten. Beratung mit dem Planer. Bürgermeister Polzin zog die
Beschlussvorlage zurück. Durch diese Änderung sei der
Flächennutzungsplan nicht mehr aktuell, begründet er. Der Plan müsse
überarbeitet werden und dann erneut in die Stadtvertretung.
Wenn die 4,1 Hektar große Waldfläche in eine Grünfläche mit der
Zweckbestimmung „privater Hotelpark“ umgewandelt würde, muss dies
aufgrund der Größe im Flächennutzungsplan dargestellt werden.
Meyer zeigt
sich erleichtert. Vorübergehend. „Relativ lange schon haben wir uns
dafür eingesetzt, dass das Naherholungsgebiet in Heiligendamm für alle
Gäste zugänglich bleibt, sagt er.
Dem Hotel stünden ausreichend
Parkflächen im Bereich zwischen Haus Mecklenburg und
Alexandrinencottage zur Verfügung. Den Kleinen Wohld sollte man der
Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Er sollte erlebbar bleiben. Seit
vier Jahren ist er eingezäunt.
Der „Kleine Wohld“ ist Landeswald. „Mit welchem Recht soll er der
Öffentlichkeit vorenthalten werden“, so fragt Meyer. Außerdem habe er
auch Küstenschutzfunktion.
„Wir sollten für Doberaner und Gäste ein
Stück Heiligendamm bewahren“, vertritt Hannes Meyer den Standpunkt. Er
wünscht sich eine differenzierte Politik, die beiden Seiten zugute
kommt.
Von der ECH war gestern leider keine Stellungnahme zum
zurückgezogenen Flächennutzungsplan zu bekommen.
Bürgermeister Polzin zog auch den Entwurf des Bebauungsplanes Nr.
30, Sondergebiete Hotel und Klinik, in Heiligendamm zurück.
Er steht
im Zusammenhang mit dem Flächennutzungsplan.
Klaus-Peter Behrens stellte den Antrag, die B-Pläne zu Heiligendamm
– Sondergebiet Hotel, Thalasso-Zentrum, öffentlicher Servicebereich
sowie Sondergebiete Ayurveda-Zentrum und Klinik für Plastische
Chirurgie – zurückzuziehen. „So lange, bis die finanzielle
Durchführbarkeit nachgewiesen werden kann“, begründet Behrens. Seine
Anträge fanden keine Mehrheit. Beide Beschlussentwürfe fanden
Zustimmung.
RENATE PETER
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Wie wir hier sehen,
geht es bei der Diskussion um den Kleinen Wohld nicht um die Fläche bis
zum Alexandrinencottage, sondern um den ganzen Wald bis zum Kinderstand
heran. Das war bisher nicht so deutlich geworden.
Die SVV bekräftigt mit
ihrer Ablehnung des Antrag von Klaus-Peter Behrens (Bürgerbund) die gerade
beschlossenen Bebauungspläne und signalisiert damit, dass die ECH mit den
Maßnahmen beginnen kann. Der B-Plan 30, welcher aus rein formalen Gründen
zurück gezogen werden musste, betrifft eine Fläche an der Kühlungsborner
Straße. Dadurch ändert sich nicht viel, da die Fläche ja schon bebaut ist.
Das sind rein formale Angelegenheiten.
Nun ist die ECH
gefragt, endlich die geebneten Wege zu betreten und wieder zu investieren.
Doch statt positiver
Nachrichten gibt es wieder nur Hiobsbotschaften:
Grand Hotel fast
pleite, Ex-ECH-Geschäftsführer vor Gericht und nichts sagende Aussagen aus
Berlin.
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OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 07. Mai 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Kempinski-Hotel Heiligendamm in „tiefroten Zahlen“
Heiligendamm (ddp)
Das
Grand Hotel Heiligendamm steckt trotz Werbung als G8-Tagungsstätte
nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ in „tiefroten Zahlen“. Die
Fundus-Gruppe als Eigentümerin habe nicht genug Anleger gefunden, die
sich am Hotel beteiligen wollen. Neun Jahre nach Vermarktungsstart
seien Anteile für 30 Millionen Euro nicht verkauft.
Damit die Anleger
eine Ausschüttung von 0,07 Prozent pro Jahr erhielten, müsste das
Hotel zu 50 Prozent ausgelastet sein beim durchschnittlichen
Zimmerpreis von 200 Euro. 2006 lag die Auslastung bei 43,3 Prozent zum
Durchschnittspreis von 186 Euro pro Zimmer.
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 11. Mai 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Anklage gegen Millionenbetrüger von Heiligendamm
Rostock (OZ) Mehrere Jahre haben die
Ermittlungen gedauert. Gestern konnte Oberstaatsanwalt Peter Lückemann
am Rostocker Landgericht seine mehr als 100-seitige Anklage verlesen.
Es geht um Millionenbetrug bei der Sanierung des späteren Kempinski
Grand Hotels in Heiligendamm, in dem Anfang Juni das G8-Treffen sein
wird.
Die Staatsanwaltschaft wirft einem 55-jährigen
Ex-Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) und
zwei Mitgliedern einer Düsseldorfer Architektengemeinschaft vor, die
Investoren-Gruppe Fundus zwischen 1996 und 1998 um umgerechnet fast
neun Millionen Euro betrogen zu haben. Sie sollen überhöhte Honorare
vereinbart und abgerechnet haben. Von dem gezahlten Geld soll rund
eine Million Mark als Bestechung an den ECH-Geschäftsführer
zurückgeflossen sein.
Laut Anklage hatte er Verträge mit der
Architektengruppe über Leistungen in Höhe von 33 Millionen Mark
abgeschlossen, von denen allerdings nur 17,5 Millionen ausgezahlt
wurden. Trotzdem ein schlechtes Geschäft. Denn, wie sich später
herausstellte, betrug der tatsächliche Wert der Arbeit lediglich 500
000 Mark. Vielleicht lag die „Fehlkalkulation“ ja daran, dass einer
der Angeklagten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft überhaupt
kein Architekt ist.
Aufgeflogen war das Ganze Anfang 1999, weil das
prominente New Yorker Architektenbüro „Stern“, das als Subunternehmer
der Düsseldorfer Architektengruppe beauftragt war, eine Überweisung
nicht erhalten hatte. Die ECH erstattete Anzeige. Bei der Suche nach
dem verschwundenen Geld stieß die Staatsanwaltschaft auf ein Konto bei
der Chase Manhattan Bank in New York. Das gehörte einem der
Angeklagten – und war längst leergeräumt.
169 Betrugsfälle plus Bestechung und Bestechlichkeit
hat Lückemann aufgelistet. Der falsche Architekt muss sich zudem wegen
unrechtmäßigen Führens eines akademischen Titels verantworten.
Die ECH hatte schon 2001 gegen einen der beiden
Ex-Geschäftsführer geklagt. Um den wirtschaftlichen Schaden zu
begrenzen, hatte das Landeskriminalamt MV daraufhin bei den
Architekten in Düsseldorf wertvolle Gemälde und Grafiken
beschlagnahmt. Das meiste Geld allerdings blieb verschwunden.
Zu Prozessauftakt stellten die Verteidiger gestern
Antrag auf Einstellung des Verfahrens, weil eine zu lange Zeit
zwischen dem möglichen Tatzeitraum und dem zu erwartenden Urteil
liege.
Das Gericht hat noch nicht entschieden, ob der Prozess
weitergeführt wird.
MANUELA PFOHL
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Diese Artikel zitiere ich aus dem einfachen
Grund, weil sie zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Die Leser
nehmen diese Meldungen wahr und bilden sich auch mit diesen Informationen
ihre Meinung über die Investorengruppe und ihre Mitarbeiter.
Solche Vorkommnisse werden selten als Argument gegen die Investorengruppe
genutzt aber wenn, dann kennen Sie den Hintergrund.
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 18. Mai 2007 | Titelseite Bad Doberan
Villa „Perle“: Doberanerin erhielt Antwort aus dem Kanzleramt
Bad Doberan Die Villa
„Perle“ in Heiligendamm ist abgerissen. Zu denen, die über den Abriss
empört waren und sind, gehört Gerda von Hof. „Die Fundusgruppe wollte
der Öffentlichkeit glauben machen, der Abriss sei auf Wunsch der
Bundesregierung vollzogen worden. Ich habe mir erlaubt, bei der
Bundeskanzlerin nachzufragen“, so die Bad Doberanerin.
Die antwortete
zwar nicht persönlich, doch in ihrem Auftrag erhielt Gerda von Hof
eine Antwort von Dr. Frank Nägele aus dem Kanzleramt.
In dem Schreiben heißt es unter anderem: „Auch die
Bundesregierung beobachtet die Entwicklung in der ,weißen Stadt',
deren Charme vor allem aus dem historischen Ensemble erwächst. Jedes
verlorene Gebäude ist deshalb unwiderbringlich. Investor und
Denkmalschutz sollten daher gemeinsam dafür sorgen, das einmalige
Ensemble möglichst vollständig zu erhalten.“
R. P.
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Und wieder: Nichts
los auf Wustrow.
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 18. Mai 2007 | Kühlungsborn und Rerik
Weiter Rätselraten um Wustrow
Wann und ob überhaupt die Fundus-Gruppe ihre
ehrgeizigen Pläne auf der Halbinsel in die Tat umsetzt, steht weiter
in den Sternen.
Rerik Eine Pressemeldung aus der Schweiz versetzte so manchen
Mecklenburger jetzt in Erstaunen: „Fundus gibt Pläne für Wustrow auf“
hieß es darin. Die Kölner Fundus-Gruppe, bekannt durch ihr Engagement
im 20 Kilometer östlich gelegenen Heiligendamm, kaufte die bebaubare
Fläche Wustrows 1998 und stellte damals noch mit ihrer Tochter Entwicklungs-Compagnie-Wustrow (ECW) ehrgeizige Pläne vor. Auf 99 der
967 Hektar großen Halbinsel sollte mit 150 Millionen Euro ein
Sommertraum für den pensionierten Beamten aus Süddeutschland
entstehen: Wohnen, Tennisanlagen, Reitstall, Golfplatz und Marina.
Reriks Bürgermeister Wolfgang Gulbis ist über die
Aufgabe-Meldung ebenfalls überrascht. Auf OZ-Nachfrage erzählt er:
„Noch im März saßen wir mit einem Fundus-Vertreter zusammen, weil wir
den Flächennutzungsplan möglichst schnell zur Rechtskraft bringen
wollten.“ Nach einer weiteren Abstimmung wollten sich Bauausschuss und
Stadtvertretung weiter damit beschäftigen, um den Flächennutzungsplan
nach Vorstellungen von Kommune und Fundus weiter voranzutreiben.
Gulbis sagt: „Als dann die Mitteilung herauskam, Heiligendamm hätte
oberste Priorität und von Wustrow und anderen Projekten keine Rede
mehr war, überraschte mich das.“ Die Weiße Stadt und Wustrow mit einem
ähnlichen Invest-Volumen parallel auf Vordermann zu bringen – das
erschien ihm allerdings von vorneherein als „wenig realistisch“.
Viel unternehmen, um einen Fortschritt zu forcieren,
kann Reriks Bürgermeister kaum. „Wir arbeiten weiter daran, das
Baurecht herzustellen – ohne den Investor ist das aber relativ
schwierig. Wir können ja nicht irgendetwas planen, was am Ende nicht
zu verkaufen ist“, erklärt er. Auf der derzeitigen Planungsebene der
Flächennutzung sei es noch möglich, weil es nicht um konkrete Posten
ginge. Drängen könne er Fundus nicht: „Auf der einen Seite steht das
Eigentum, auf der anderen die Planungshoheit der Stadt. Keiner kann
ohne den anderen.“
Gulbis gesteht: „Ich hoffe, dass sich die Fronten
nach dem Gipfel klären.“ Die Kölner Gruppe scheint einen langen Atem
zu besitzen. Bereits im Jahr 2002 sprach Reinhard Stolle, Technischer
Leiter der ECW, von einem „schrittweisen Projekt“, das „auf 10 bis 15
Jahre angelegt“ ist.
Fundus-Sprecher Dr. Johannes Beermann dementiert die
Negativ-Nachricht, weiß davon nach eigenen Angaben nichts: „Wir haben
unsere Position nicht geändert.“
Die Gruppe habe nach wie vor die Halbinsel Wustrow
auf der Agenda, allerdings fehle die notwendige Unterstützung von
Seiten der Stadt Rerik.
Vor allem die Schließung des Wustrower Halses
für den Autoverkehr sei ein Problem.
JENNY KATZ
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Hintergrund:
Nicht nur Heiligendamm. Auch Wustrow verfällt.
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FUNDUS gründet
für jedes seiner Projekte eigenständige Gesellschaften.
In Heiligendamm ist das die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm GmbH &
Co. KG (ECH). Diese Gesellschaft entwickelt Heiligendamm im Rahmen
eines Masterplanes, der aber keinen Bauplan darstellt, sondern nur die
Möglichkeiten aufzeigt.
Die Entwicklung erfolgt über viele Jahrzehnte
hinweg und richtet sich stets nach dem Markt. Die Nachfrage bestimmt
das Angebot und dieses wird ständig weiter entwickelt. Darum werden
auch nicht sofort alle Freiflächen bebaut. Hingegen wird aber
abgerissen, was nicht erhalten werden soll, um keine Erhaltungskosten
zu haben. So geschehen in der Kühlungsborner Straße in Heiligendamm. In Mecklenburg-Vorpommern ist die FUNDUS-Gruppe mit mehreren
Großinvestitionen präsent.
So ist sie nicht nur Eigentümerin eines Großteils Heiligendamms,
sondern auch Investor und Bauherr des
Steigenberger Strandhotel Zingst in Zingst auf dem Darß. Hier hat FUNDUS
mit dem Fonds 36 den Neubau eines Hotels direkt an der Strandpromenade
von Zingst erfolgreich realisieren können. |
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Anders sieht es auf Wustrow aus. Die Halbinsel liegt bei Rerik
und gehört administrativ zur Stadt Rerik.
Ursprünglich war
das Fast-Eiland ein landwirtschaftliches Gut. Die Ruine des Gutshauses
zeugt heute noch von der alten Geschichte Wustrows. Später wurde die
Halbinsel militärisch genutzt und zur FlaK-Schule der Wehrmacht
ausgebaut.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden die militärischen
Einrichtungen gesprengt und die Halbinsel wurden von der Westgruppe
der Roten Armee übernommen, militärisch wieder aufgebaut und als
Außenposten gen Westen genutzt. Während der ganzen Zeit von der
Übernahme durch die Wehrmacht bis zum Abzug der Sowjetarmee war die
Halbinsel für Zivilisten gesperrt und vermint. Zwischen 1993 und 1997
war die zum Großteil als Naturschutzgebiet deklarierte Insel von
Munition und Minen bereinigt und Stück für Stück der Öffentlichkeit in
Form von Führungen durch den Heimatverein wieder zugänglich gemacht
worden.
1998 kaufte die
FUNDUS-Gruppe die Halbinsel vom Bund und gründete die
Entwicklungs-Compagnie Wustrow (ECW) mit Sitz in Heiligendamm.
Auf der Halbinsel sollen 230.000 qm Bruttogeschossfläche verbaut werden und
2100 Menschen
Platz zum Wohnen und zur Erholung finden. Ein 27-Loch-Golfplatz mit
Golfhotel soll auf das
gesamte Areal des Landschaftsschutzgebietes gebaut werden, ein Reiterhof,
eine Marina für
240 Boote, ein Naturlehrpfad mit Infozentrum und Aussichtsturm und mehrere
"Hamlet".
Das sind Gebäude-Gruppen und
Rundweiler, die auf die Ostsee gerichtet sein werden. Die bestehenden 100 Bauwerke der Gartenstadt sollen
restauriert werden und 100
neue
Gebäude in
einer weiteren Gartenstadt entstehen.
Als sich über
Jahre seitens der ECW auf Wustrow nichts tat, wurden die Reriker
ungeduldig. Auch hier existieren mehr Halbwahrheiten, als Fakten.
Heiner Zimmermann, Chef der ECW, hat auf meine Nachfrage sinngemäß
folgenden Sachverhalt geschildert:
Die ECW hat Pläne vorgelegt, wie Wustrow zukünftig genutzt und
aussehen soll. Ein Problem für
die Planer der ECW und die Stadt Rerik gleichermaßen war das durch die
Bebauung zu erwartende hohe Verkehrsaufkommen am Wustrower Hals.
Beide Parteien wollten daher durch eine Zählung den aktuellen Verkehr
statistisch erfassen und gemeinsam ein Konzept ausarbeiten.
Die Zählung wurde vorgenommen
und kurz darauf wurde eine Sitzung geplant, um die Ergebnisse
auszuwerten und über ein Verkehrskonzept zu beraten. Noch bevor es zu
dieser Sitzung kam, hat die Stadt Rerik lt. Herrn Zimmermann den
Wustrower Hals für den Straßenverkehr gesperrt.
Die Stadt wollte Planungssicherheit bei der Bebauung des Wustrower
Halses, der künstlichen Landzunge, die die Stadt mit der Halbinsel
verbindet.
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Der Wustrower Hals wurde nie
bebaut, da er die einzige Landverbindung zur Halbinsel darstellte und
daher von den Militärs beansprucht wurde.
Da sich aber auf der einen
Seite die Ostsee und der Strand und auf der anderen Seite das Salzhaff
und der Hafen befanden, wollte die Stadt dieses Areal touristisch
nutzen und seine Pläne zur Bebauung an den Plänen der ECW ausrichten.
Die Sperrung der Halbinselzufahrt für den Durchgangsverkehr vereitelte
aber die Pläne der ECW, denn so müssten die Bewohner und Gäste
Wustrows ihre Fahrzeuge vor Wustrow abstellen.
Durch diesen Beschluss waren
der ECW die Hände gebunden. Eine Alternative zur Durchfahrt nach
Wustrow wenigstens für Anlieger gibt es kaum. Die ECW probierte
trotzdem mehrere Szenarien durch - eine davon ist ein Shuttle-Service
vom Stadtrand nach Wustrow. Da das alles aber mit zusätzlichen Kosten
verbunden ist, ließ die ECW die einfachste Variante - den
Durchgangsverkehr - nicht fallen.
Weil nun einer auf den anderen
wartete und keiner den Anfang machte und Wustrow ungenutzt da lag, begann die Stadt mit der
touristischen Bebauung des Wustrower Halses. Dadurch erhöhte sich auch
das Interesse an die nun direkt an die Stadt grenzenden Halbinsel und
damit auch die Zahl der Führungen. Der ECW kostete die Sicherung der
Insel nach eigenen Angaben 100.000 Euro jährlich und während der
Heimatverein an den Führungen verdiente, hatte die ECW nur Kosten und
keine Einnahmen.
So schloss die ECW am 02.09.2004 ist die Halbinsel und verbot das
Betreten.
Seitdem ist Wustrow
wieder eine verbotene Insel und die architektonisch wertvolle
Gartenstadt verrottet. Die Wege und Plätze
sind längst der Natur zum Opfer gefallen.
Die Stadt Rerik hat
daraufhin die ganze Insel unter Naturschutz gestellt. Das wiederum
hindert die ECW erst recht, denn in Naturschutzgebieten darf man
nicht bauen. Streitpunkte sind auch die Anzahl der Betten und eben der
Verkehr am Wustrower Hals. Die Stadt
befürchtet, dass es mehr Touristen als Einheimische geben wird und
dass die problematische Verkehrssituation verschärft wird. Die ECW
äußerte daraufhin weiterhin Ideen, wie eben den Shuttleservice. Allerdings
weiß Bürgermeister Gulbis davon nichts.
Die Fronten sind verhärtet und die Stadt Rerik entwickelt sich ohne
Wustrow weiter, ist aber nach eigenen Angaben jederzeit für Verhandlungen bereit.
Auch die ECW würde jederzeit an den Verhandlungstisch zurück kehren,
wie Herr Zimmermann versichert. Allerdings relativiert er sogleich die
Hoffnung in Hinblick auf die derzeitige Situation:
"Auf Wustrow wird sich die nächsten 40 Jahre nichts tun."
Es gab Überlegungen, der ECW Wustrow wieder wegzunehmen aber die
Initiatoren haben übersehen, dass die ECW Wustrow nicht wie üblich per
Erbpacht oder auf Raten erworben, sondern in einem Stück vom Bund
gekauft und bezahlt hat. Die
ECW ist damit rechtlich korrekt Eigentümer der Halbinsel Wustrow und
kann die Insel zwar ohne Zustimmung der Stadt Rerik nicht bebauen aber
da sie darf den Zugang sperren. Damit erübrigt sich dann auch die
Pflicht zur Gebäudesicherung: Wo keine Menschen, da keine
Lebensgefahr. So hat die ECW alle Zeit der Welt. Wie in Bad
Doberan anno 2008 (und auch 2009 noch) liegt der Ball im Feld der
Stadt. Während der Stillstand in Bad Doberan Heiligendamm enorm
schadet, berührt der Stillstand in Rerik
Wustrow überhaupt nicht. Die
ECW hat alle Zeit der Welt und wenn die Stadt Rerik den Ball nicht
tritt, wird er verrotten - wie die Häuser Wustrows.
Auch dies gab Heiner Zimmermann zu Bedenken: Anno August
Jagdfeld ist Inhaber von FUNDUS und solange FUNDUS ein Objekt aus
Eigenmitteln und nicht über Fonds erwirbt, ist Jagdfeld auch
Eigentümer dieses Objektes. Während Jagdfeld den größten Teil des von
FUNDUS erworbenen Teils Heiligendamms also mit ca. 2000 Anlegern
teilen muss, gehört ihm Wustrow quasi ganz allein.
Jagdfeld hat fünf Söhne - und damit bleibt Wustrow über Jahrzehnte im
Besitz
Dabei wäre das absolut nicht nötig gewesen: Das ist das Wustrow nach
Vorstellungen der ECW. Wir werden es nicht mehr erleben:
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Umfangreiches Bildmaterial aus mehreren Jahren, sowie weitere
Informationen gibt es
hier.
Von dort stammen auch unsere beiden ersten
Fotos. Vielen Dank an I. und A. Herrmann aus Rerik mit ihrer Seite
www.ferienhaus-herrmann.com.
Die Entwürfe oben habe ich über eine Bildersuche gefunden. Vermutlich
stammen sie von
dpz.com.
Das letzte Bild habe ich per Zoom von der Seebrücke aus
gemacht.
Das soll es zu Wustrow gewesen sein. Damit ist alles gesagt.
Führungen gibt es inzwischen auch wieder: Vom Wasser aus.
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Gäste-Statistik
2007: Mehr Gäste seit 2005 aber weniger Übernachtungen.
Jedes Jahr wertet
die Stadt die Gästezahlen aus. Als Kurort lebt sie von den Gästen und muss
alles dafür tun, das sie sich wohl fühlen und bleiben und gern wieder
kommen. In den Jahren 2005 und 2006 ist es gelungen, mehr Gäste anzulocken
aber die Gäste bleiben dafür kürzer. Das bestätigt indirekt die These der
ECH und FUNDUS von der Zunahme der Tagesgäste. Erstmals werden aber die
eigentlichen Ursachen genannt:
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 15. Juni 2007 | Titelseite
Bad Doberan
Mehr Gäste
blieben kürzer
Die Zahl der Übernachtungen und der Betten ist in Bad Doberan und
Heiligendamm gesunken. Es kamen mehr Gäste. Die blieben aber weniger
Tage. Jetzt hoffen Touristiker auf gute G 8-Resonanz.
Bad Doberan In Bad Doberan und Heiligendamm ging von 2005 zu
2006 die Zahl der Übernachtungen von Gästen zurück. Auch die Zahl der
Betten ist gesunken. Im Jahre 2005 übernachteten in Bad Doberan und
Heiligendamm 279 005 Gäste. Das waren 4,5 Prozent mehr als im vorigen
Jahr. „Ja, wir hatten 2006 generell weniger Übernachtungen“, bestätigt
Eva Schürmann, Leiterin der Bad Doberaner Tourist-Information. Das
Jahr sei aber auch sehr spät losgegangen, wettermäßig gesehen,
begründet sie. Aber: Die Gästeankünfte sind im vorigen Jahr im
Vergleich zu 2005 um 4,2 Prozent gestiegen. Da waren es 53 019 Gäste,
im vorigen Jahr 55 298. Das ist einem geänderten Verhalten der Gäste
geschuldet. Die Verweildauer ist geringer. „Es sind mehr Gäste
gekommen, aber kürzer geblieben“, sagt Eva Schürmann. Die Verweildauer
im Jahre 2005 lag durchschnittlich bei 5,2 Tagen. Im vorigen Jahr
blieben die Gäste nur noch 4,8 Tage.
Das habe auch etwas mit dem Geld zu tun. Viele Leute hätten nicht
so viel Geld, um mit Familie länger zu bleiben. Andere kämen auch
öfter. „Schnell mal drei/vier Tage ans Meer“, begründet die
Tourismus-Chefin der Stadt.
In Bad Doberan weilten im vergangenen Jahr 20 545 Gäste in
gewerblichen Unterkünften. Dazu zählen Hotels und Pensionen ab acht
Betten. Dort wurden 114 847 Übernachtungen gezählt. In privaten
Unterkünften mit bis zu acht Betten wurden in Bad Doberan voriges Jahr
4784 Gäste und 16 972 Übernachtungen gezählt.
In Heiligendamm weilten im vorigen Jahr 28 773 Gäste in
gewerblichen und 1196 in privaten Unterkünften. Sie machten 133 256
Übernachtungen in Pensionen und Hotels sowie 4243 in kleinen
Privatunterkünften aus. Heiligendamm hat also Bad Doberan überholt.
„Eigentlich klar. Denn die Leute wollen dichter ans Meer, an den
Strand“, begründet Eva Schürmann.
Bad Doberan bietet Gästen insgesamt 990 Betten an, darunter 230 in
der Moorbad-Klinik. In Heiligendamm sind es insgesamt 871 Betten,
darunter 241 in der Median-Klinik und natürlich die 450 Betten im
Grand Hotel, in beiden Orten also 1861 Gästebetten. Im Jahre 2005
waren es noch 1910. Unter anderem wurde aber die Bungalowsiedlung in
Heiligendamm abgerissen, wurde das Ferienobjekt der Grünen Liga in Bad
Doberan geschlossen.
Wie sich die Urlauberzahlen in diesem Jahr entwickeln, bleibt
abzuwarten. Hoteliers, Pensionsbesitzer, Zimmervermittler und
Tourismus-Verantwortliche hoffen dass der G 8-Gipfel eine positive
Resonanz haben wird. Allerdings fehlen in diesem Jahr die
Übernachtungen in der Jugendherberge. Die Einrichtung auf dem
Tempelberg ist zu.
RENATE PETER
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Die Stadt will handeln.
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 22. Juni 2007 | Stadt und
Land
Arbeitsgruppe Kurortmanagment gebildet
Bad Doberan Für Bad Doberan/Heiligendamm wurde jetzt eine
Arbeitsgruppe Kurortmanagement gebildet. Sie will notwendige
tourismusfördernde Maßnahmen initiieren und umsetzen.
Teilnehmer der Arbeitsgruppe sind derzeit: Tourismusförderverein,
Tourist-Information der Stadt Bad Doberan, Kunstverein Roter Pavillon,
Rehabilitationsklinik „Moorbad“, Zimmervermittlung Marten, Hotel
Friedrich-Franz-Palais, Dehoga-Regionalverband Bad Doberan,
Klosterverein, Grand-Hotel Heiligendamm, Doberaner Münster,
Median-Klinik Heiligendamm und Mecklenburgische Bäderbahn
Molli/Küstenbus.
Im Fokus der aktuellen Aktivitäten steht die Initiierung und
Entwicklung eines funktionierenden Netzwerkes der lokalen und
regionalen Leistungsträger. Auf erste Maßnahmen hat sich die
Arbeitsgruppe bereits verständigt. Hierzu gehören eine Verbesserung
der Veranstaltungskoordination und Überarbeitung des
Veranstaltungskalenders, gemeinsame Messeplanung und -auftritte,
Erarbeitung von Pauschal-Arrangements, Leistungsaufwertung der
Kurkarte, Optimierung des Online-Vertriebes sowie generelle Maßnahmen
im Sinne einer gastfreundlichen Stadt Bad Doberan-Heiligendamm.
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Nach G8: FUNDUS hat
noch immer Finanzprobleme im Fonds 34.
Der G8-Gipfel ist vorbei und es kommt
zum Run auf Heiligendamm.
Wie LAG Rock & Pop
es in seinem Lied "Scheinheiligendamm" vorausgesehen hat:
"Und sie komm'
in Schar'n - dahin, wo die Promis war'n."
Viele der
Organisationen gegen G8 haben im Vorfeld Stellung bezogen zum Abriss der
Villa "Perle", zur Sperrung des Küstenwaldes, zu Zäunen und Hecken und zum
Umgang Jagdfelds, FUNDUS' und der ECH mit den Bürgern, der
Stadtvertreterversammlung und vor allem Heiligendamm. Sie haben sich viele
Sympathien aufbauen können, die ihnen während der Protestaktionen und
besonders während der Blockade zu Gute kamen. Die BILD-Zeitung titulierte
nach Rostock gerichtet "Ihr Chaoten - wollt Ihr Tote?" und in Bad Doberan
zeigte sich ein ganz anderes Bild: Anwohner versorgten die Demonstranten
mit Decken, Getränken, Brot, Kuchen, Keksen, Eintopf und Hygieneartikeln.
Während die Staatsmacht die Polizisten nicht ausreichend versorgte, hatten
die Demonstranten die Bürger Bad Doberans hinter sich.
Auch die Bad
Doberaner verurteilten die Gewalt am 02. Juni in Rostock und auch sie
hatten Angst vor einer Eskalation.
Aber die
Demonstranten um Heiligendamm waren organisiert und klug - sie
überlisteten die Polizei und schafften es bis an den Hochsicherheitszaun. Natürlich hielt man
in Bad Doberan die Luft an aber die Mehrheit der Bürger zollte den mutigen
Demonstranten stille Bewunderung. Ein wenig Schadenfreude war auch zu
spüren, dass nun die Aussperrer zu Eingesperrten geworden sind. In
Heiligendamm und Rostock hat sich die Staatsmacht die Blöße gegeben.
Das war G8 und
darüber wird man noch lange Zeit reden.
Die Bad Doberaner, Heiligendammer
und Rostocker werden dieses Ereignis nie vergessen.
Doch in diesen Tagen wurde klar,
dass wenn Heiligendamm Petersberg ersetzen soll, das nicht so einfach
werden würde, wie Jagdfeld es sich erträumt hat. Wie sich aber zeigt, wird
vieles nicht so einfach, wie Jagdfeld es sich erträumt hat:
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OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 30. Juni
2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Finanzloch bei Fundus bleibt offen
Bis heute sollte ein Millionenkredit für das
Heiligendammer Luxushotel ablöst sein. Die Fondsmanager suchen nach
Auswegen.
Heiligendamm (OZ) Schlechte Nachrichten für am Grand Hotel
Heiligendamm beteiligte Investoren: Der Kölner Fundus-Gruppe, zu der
das Hotel gehört, ist es nicht fristgerecht zu heute gelungen, bei der
HypoVereinsbank (HBV) einen Kredit über 15 Millionen Euro abzulösen.
„Wir befinden uns in der Endphase zur Umfinanzierung“, sagte
Fundus-Sprecher Johannes Beermann gestern lediglich.
Im Januar war bekannt geworden, dass die
HypoVereinsbank den Kredit mit der Fundus-Gruppe nicht verlängere. In
einem Brief an die Gesellschafter nannte Fundus als Grund für den
Ausstieg der Bank, dass das Hotel in Heiligendamm „nicht sonderlich
gut läuft“. Mit der ersten Idee zur Umfinanzierung war Fundus früh
gescheitert: Die Bundesbank untersagte im April der Grand Hotel
Heiligendamm GmbH & Co KG, die das Grand Hotel Heiligendamm verwaltet,
die 15 Millionen als Darlehen bei den Gesellschaftern des Fonds
einzuwerben.
Auf welchem Weg die Fundus-Gruppe das Geld nun
beschaffen will und mit wem man verhandelt, mochte Sprecher Beermann
gestern nicht sagen. Auch nannte er keinen Termin, zu dem die
„Umfinanzierungsverhandlungen“ abgeschlossen sein könnten. „Zum 30.
Juni passiert jedenfalls nichts“, sagte er mit Blick auf den Termin
für das Ende der Kredit-Laufzeit. Konsequenzen hätte das laut Beermann
zunächst nicht: „Die Zinsen laufen wohl normal weiter, vermute ich“,
sagte er. Die HypoVereinsbank wollte dazu unter Berufung auf das
Bankgeheimnis nichts sagen.
Das Nobelhotel, das im Juni die G 8-Politiker
beherbergte, war im Jahr 2003 eröffnet worden und konnte bisher noch
keine Überschüsse erwirtschaften. Noch vor dem Gipfel meldete die
„Wirtschaftswoche“, das Hotel stecke in „tiefroten Zahlen“. Anteile
für 30 Millionen Euro seien Jahre nach Vermarktungsstart immer noch
nicht verkauft. Nach einem Verlust von 1,5 Millionen Euro im Vorjahr
hoffen die Betreiber jetzt allerdings auf den Aufschwung – und
zumindest auf ein ausgeglichenes Ergebnis in diesem Jahr.
Die Nachricht, dass sich die Umfinanzierung des
HBV-Kredits verschiebt, hatten Fonds-Anleger gestern noch nicht
erhalten. „Für uns stellt sich nun die Frage, wie es weiter geht“,
sagten Investoren, die nicht namentlich genannt werden wollen, der OZ.
Entscheidend sei, welche Lösung die Fundus-Gruppe nun aushandele. „Es
muss endlich was passieren, von leeren Versprechungen haben wir
genug.“
NICK VOGLER und MANUELA PFOHL
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Und Image-Probleme
bei den Bürgern.
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 03. Juli 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Gutsherr will Stimmung im Dorf heben
Das Gut Vorder Bollhagen bedankt sich mit einem
Grillfest bei den Einwohnern, die zum G8-Gipfel einiges auf sich
nehmen mussten.
Bad Doberan (OZ) Im Gestüt Vorder Bollhagen sind die
einheimischen Vierbeiner wieder unter sich. 80 „Gast“-Pferde der
berittenen Polizisten sind abgerückt, die während des G8-Gipfels auf
dem nur wenige Kilometer vom Heiligendammer Kempinski-Hotel entfernten
Gestüt Quartier bezogen hatten. Neben Pferden gehören Rinder, Schafe
und Ziegen zu dem Gut, das die Berliner Fundus-Gruppe 1995 zusammen
mit den klassizistischen Villen an der See erworben hatte. Gut
betuchte Hotelgäste wollen schließlich nicht nur segeln, golfen und
Tennis spielen, sondern auch ausreiten.
Bis auf ein paar Hektar zertrampeltem Hafer hat das
Gut den Gipfel gut überstanden. Absperrungen, Polizeipräsenz,
Sirenengeheul – alles vergessen. Als Dank an die Einwohner, „die ja
einiges auf sich nehmen mussten“, wie Gestütschef Horst Schüssler
meint, will das Gut Anfang August ein Sommerfest veranstalten.
Schüssler: „Wir schlachten einen Bullen, der wird gegrillt.“
Dem gebürtigen Hessen ist offensichtlich an einer
besseren Stimmung im Dorf gelegen. „Wir haben in der Vergangenheit
manches falsch gemacht, die Leute zu wenig in unsere Pläne
einbezogen“, räumt der frühere Springreiter ein, der kein Geheimnis
daraus macht, dass er ein Cousin von Fundus-Geschäftsführer Anno
August Jagdfeld ist. Zu DDR-Zeiten habe das ganze Dorf im Gut
gearbeitet, heute sind noch zwölf Mitarbeiter beschäftigt. 20
Angestellte sollen es künftig wieder sein. Seit 2006 bildet der
Betrieb wieder Lehrlinge aus. Neben einem Landwirt-Azubi wird ein
Sattlerlehrling gesucht. Auf 1000 Hektar werden Ackerbau und
Tierhaltung auf Ökolandbau umgestellt – damit es auf der
Kempinski-Speisekarte künftig Biofleisch vom eigenen Hof gibt.
Seit fast 80 Jahren werden in Vorder Bollhagen
Pferde gezüchtet. Im Unterschied zu den früher dort gehaltenen
Vollblütern für die Bad Doberaner Galopp-Rennbahn und der Zucht
Mecklenburger Pferde spezialisiert sich das Gestüt heute auf
Holsteiner Springpferde. „Die lassen sich besser verkaufen“, meint
Schüssler. Dass der 58-Jährige diese Rasse bevorzugt, hängt aber auch
damit zusammen, dass er früher selbst gern Holsteiner ritt. Bewährt
habe sich aber, „gute Mecklenburger Stuten mit unserem Holsteiner
Spitzenhengst zu decken“. Insgesamt stehen 87 Rösser in den Ställen.
Zu den Kunden gehören laut Schüssler Reiterdynastien wie Schockemöhle
und Beerbaum, die es zu Weltmeister- und Olympiasieger-Ehren brachten.
Vorder Bollhagens Spitzenhengst Cefalo wird seit Mai von
Mecklenburg-Vorpommerns erfolgreichstem Reiter, Holger Wulschner, in
Groß Viegeln bei Rostock für Turniere vorbereitet.
Auf dem Gut hat sich einiges getan. Alte Ställe
wurden abgerissen, Betonflächen entsiegelt, gerade wurde das Dach des
denkmalgeschützten Kartoffellagers neu eingedeckt. „Demnächst wird
weiter gebaut“, kündigt Schüssler an. Angelehnt an die
klassizistischen Bauten in Heiligendamm sollen in Vorder Bollhagen
neue Pferdeställe entstehen. Schüssler: „Die Bauvoranfrage ist positiv
beschieden.“
„Die haben viel vor“, bestätigt Uwe Witt vom
Pferdezuchtverband MV, bei dem in jüngster Zeit wieder Junghengste aus
Vorder Bollhagen für die Zucht angemeldet wurden. Hinter den Kulissen
heißt es in der Branche jedoch, dass auf dem Gut bisher wohl längst
nicht alle Blütenträume reiften – ebenso wie in Heiligendamm.
„Manches dauert eben etwas länger“, räumt Schüssler
ein. „Doch der Anfang ist gemacht.“ Am Ortseingang von Vorder
Bollhagen entsteht gerade ein Spielplatz. Eine Idee, die bei einem
Osterfeuer entstand. „Da haben uns die Einwohner erzählt, dass es im
Dorf viele Kinder gibt, aber keinen Spielplatz.“ Schüssler ist
gespannt, was beim Sommerfest alles zur Sprache kommt.
ELKE EHLERS
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Fettnäpfchenwetthüpfen:
FUNDUS eckt überall an.
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OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 18. Juli 2007 | Stadt und Land
Plattenweg-Sperrung erregt die Gemüter
Die baldige Sperrung des Plattenweges hat nichts
mit Abschottung zu tun. Gut und Gestüt Vorder Bollhagen freuen sich
über viele Besucher, so Gestütschef Schüssler.
Vorder Bollhagen Der Plattenweg zwischen Steffenshagen und
Vorder Bollhagen ist ein beliebter, kurzer Schleichweg – für die
Vorder Bollhäger Richtung Kröpelin, für die Steffenshäger Richtung Bad
Doberan. In absehbarer Zeit – je nachdem, wie lange das bürokratische
Verfahren dauert – soll er jedoch für den Autoverkehr gesperrt werden,
dann nur noch Wanderern, Radlern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen
zur Verfügung stehen.
Die Steffenshäger Gemeindevertretung stimmte einem
entsprechenden Antrag der Stadt Bad Doberan bereits zu – Vorder
Bollhagen ist ein Ortsteil der Kreisstadt. Weil der Weg in einem
schlechten baulichen Zustand ist und weil man Radwanderern eine
zusätzliche Strecke anbieten möchte, auf der sie sich unbehindert vom
Autoverkehr bewegen können. Auch, weil durch die neue Umgehungsstraße
um Heiligendamm der Weg eigentlich entbehrlich geworden ist (OZ vom
28. Juni, Seite 15).
Der Beschluss der Steffenshäger Gemeindevertretung
fand nicht nur Zustimmung. Fundus, Eigentümer von Heiligendamm sowie
von Gut und Gestüt Vorder Bollhagen, wolle das kleine Dorf von der
Außenwelt abschotten, wurde geargwöhnt. „Das ist absoluter Nonsens. Im
Gegenteil, wir freuen uns über möglichst viele Besucher auf unserem
Bio-Gut und dem Gestüt. Gehen schon lange mit unseren Angeboten für
die Bevölkerung und die vielen Urlauber – wie dem therapeutischen
Reiten, Führungen durch den Betrieb und vieles mehr – gezielt in die
Öffentlichkeit“, weist Gestütschef Horst Schüssler diese Vermutung
zurück.
Spricht dann aber sehr nachdrücklich über die
Verkehrssituation im Dorf, die aus Vorder Bollhäger Sicht die Sperrung
des Weges sinnvoll erscheinen lässt. Denn die Betonstraße kurz vor der
Einmündung des Plattenweges verläuft über das Gutsgelände. „Das ist
auf Dauer schon allein aus rechtlichen und sicherheitsrelevanten
Gründen unhaltbar“, so Schüssler. „Sobald das Gut diesen Weg sperrt –
und das muss es – läuft der ganze Durchgangsverkehr einschließlich
vieler Lkw durch den schmalen, dafür gar nicht ausgelegten
Kühlungsborner Landweg, in dem viele Kinder spielen“, sorgt sich
beispielsweise Anwohner Thomas Bottin.
LUTZ WERNER
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Wie gut, dass die
schlechte Nachricht noch vor dem Grillfest kommt.
So kann man die
schlechte Stimmung wenigstens damit wieder gut machen.
Der Heiligendamm-Prozess: Jagdfeld sagt vor Gericht
aus.
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 17. Juli 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Betrugsprozess: Fundus-Chef Jagdfeld räumt Fehler ein
Rostock (dpa)
Im
Prozess um einen Millionenbetrug bei der Sanierung Heiligendamms hat
der als Zeuge geladene Chef der Investorengruppe Fundus, Anno August
Jagdfeld, mangelnde Kontrolle eingeräumt. „Ich hätte eher reagieren
sollen“, sagte Jagdfeld gestern im Landgericht Rostock. Verhandelt
wird gegen einen 55-jährigen Ex-Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) und zwei 57 und 51 Jahre
alte Mitglieder einer Düsseldorfer Architektengemeinschaft. Sie sollen
zwischen 1996 und 1998 Fundus mit überhöhten Honoraren um fast neun
Millionen Euro betrogen haben.
Die ECH war laut Jagdfeld 1996 gegründet worden, der
55-jährige Ex-Geschäftsführer sei der Mann der ersten Stunde gewesen.
Laut Anklage hatte dieser Rahmenverträge mit der Architektengruppe
über Leistungen in Höhe von 33 Millionen Mark abgeschlossen. Gezahlt
wurden 17,5 Millionen Mark. Der tatsächliche Wert der Arbeit wurde
später auf 500 000 Mark geschätzt.
Der Geschäftsführer habe bei seinen Handlungen kein
finanzielles Limit gehabt. „Das muss ich mir anrechnen lassen als
Patron“, sagte Jagdfeld. Aufgeflogen war der Betrug, als ein New
Yorker Architektenbüro, das als Subunternehmer tätig war, eine
Überweisung in Höhe von 850 000 Mark nicht erhalten hatte. Die
Anhörung Jagdfelds soll morgen fortgesetzt werden.
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 19. Juli 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Betrugsprozess: Jagdfeld fühlt sich hinters Licht geführt
Rostock (dpa) Der Chef der Investorengruppe
Fundus, Anno August Jagdfeld, hat gestern im Rostocker Prozess um
einen Millionenbetrug bei der Sanierung Heiligendamms sein getäuschtes
Vertrauen zur Ex-Führung der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH)
geschildert. „Ich habe nicht davon ausgehen können, dass gleich drei
Verantwortliche unter einer Decke stecken“, sagte er im Landgericht.
„Auch ein gutgläubiger Mensch muss sich in Deutschland nicht betrügen
lassen.“
Angeklagt sind ein 55-jähriger ehemaliger
ECH-Geschäftsführer und zwei 57 und 51 Jahre alte Mitglieder einer
Düsseldorfer Architektengemeinschaft. Sie sollen zwischen 1996 und
1998 Fundus mit überhöhten Honoraren um umgerechnet fast neun
Millionen Euro betrogen haben.
Es sei übliche Praxis bei den vielen Baustellen des
Unternehmens, dass Rechnungsbeträge auch in Millionenhöhe nach
Abzeichnen von zwei Geschäftsführern ohne weitere Kontrolle angewiesen
wurden, sagte Jagdfeld. Man habe längere Zeit gebraucht, das Vorgehen
der ECH-Geschäftsführung zu durchschauen. Jagdfeld hatte bereits am
Montag eingeräumt, zu wenig Kontrolle ausgeübt zu haben.
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Trotz in Heiligendamm: Es
kommt zu Demonstrationen.
G8 hat den Bad
Doberanern gelehrt, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss.
Nun
probieren sie es selbst aus. Allerdings ganz leise:
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OSTSEE-ZEITUNG |
Montag, 17. September 2007 | Titelseite Bad Doberan
Stille
Demonstration im Unterholz
Doberaner und Heiligendammer spazierten gestern gemeinsam durch den
„Kleinen Wohld“. Damit dieser offen bleibt.
Heiligendamm „Hier geht's rein. Der Zaun ist offen.“ Hannes
Meyer steht auf der Straße hinter der Median-Klinik und weist den Weg
in den „Kleinen Wohld“. „Gehen sie ruhig. Es kann nichts passieren.
Sie zeigen damit, dass sie den Wald lieben.“ Es klingt ein wenig
pathetisch. Meyer gehört zur Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für
Heiligendamm“, die den Herbstspaziergang organisiert hat. Und die
alles daransetzt, dass dieses Stück Grün für jedermann begehbar bleibt
und nicht zum Park des Hotels Kempinski wird.
Viele waren gestern
gekommen, vor allem ältere Einwohner. Aber auch junge Mütter wandelten
Kinderwagen schiebend auf verschlungenen Pfaden durch das Unterholz.
Und die Polizei war gleich mit mehreren Wagen zum Naturkunde-Einsatz
gestartet.
Seit 2003, mit Eröffnung des Kempinski, ist der kleine Wohld
faktisch gesperrt. Zäune wurden errichtet. Im Januar 2007 übereignet
die Landesforst der Entwicklungscompagnie Heiligendamm den Landeswald
„Kleiner Wohld“ im Tausch gegen Aufforstungsflächen in Vorder
Bollhagen. Das Areal wird zum Privatwald, das öffentliche
Betretungsrecht aber bleibt erhalten – meint jedenfalls die
Initiative. Nach deren Ansicht sollte dann ein neuer B-Plan die
Umwandlung in einen privaten Park zementieren. So bliebe die
Öffentlichkeit draußen. Die Stadtvertretung stimmte aber im April
mehrheitlich einem Antrag des Bürgerbundes zu, der die Umwandlung
verhindern will. Am 1. Oktober nun wird auf Initiative der
Stadtvertretervorsteherin Anke Bitter, Die Linke, sich das Gremium auf
einer Sondersitzung erneut mit dem Thema beschäftigen. Die
Bürgerinitiative befürchtet jetzt, dass der Privatisierungsversuch
diesmal gelingt. Deshalb der Herbstspaziergang.
Ein aus Gipfelzeiten bekanntes Gesicht war gestern unter den
Wald-Demonstranten. Dieter Rahmann, vor dem Weltereignis zuständig für
die Unterbringung von Gipfelgegnern in Camps, hat ein besonderes
Verhältnis zu diesem Stück Buschwerk. Es brachte ihm eine Anzeige
wegen Hausfriedensbruch ein. Er war am 16. März durch den Wald
spaziert. In den Akten sei dies zum „Ausspionieren der Hotelanlagen“
umgedeutet worden. Der Prozess findet am 16. Oktober am Doberaner
Amtsgericht statt. Sollte dies feststellen, dass Rahmann nicht Unrecht
mit seinem Spaziergang begangen hat, würde das auch den Wald-Freunde
Freude bereiten. Sie bekämen gerichtlich Recht.
„Das wäre natürlich optimal“, sagte Rahmann, der Spion aus dem
Unterholz, gestern vor dem erneuten Waldspaziergang.
PETER WEISSFLOG
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Und Polizei-Aktionen.
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OSTSEE-ZEITUNG |
Donnerstag, 20. September 2007 | Titelseite Bad Doberan
Nach
Waldspaziergang Beschwerde gegen Polizei
Heiligendamm Der herbstliche Spaziergang, zu dem die
Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“ am vergangenen
Sonntag aufgerufen hatte, hat nun ein Nachspiel. Einer der zahlreichen
Teilnehmer, die für die öffentliche Begehbarkeit des am Kempinski
Hotel gelegenen Waldstückes demonstrierten, legte gegen den vor Ort
handelnden Polizeiführer eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim
Innenminister ein.
Im Vorfeld auf den Aktionstag waren von dessen Organisatoren zwei
Sperren im „Kleinen Wohld“ geöffnet worden, damit die Bürger freien
Zutritt zum Wald erhalten. Zunächst verlief der Protesttag ohne
Störungen. Als aber einige Leute sich anschickten, die noch nicht
geöffneten Zäune zu überwinden, schritt die Polizei ein. Sie drohte,
beschreibt eine Mail, „Ingewahrsamnahme und Personalienfeststellung“
an, wie es amtsdeutsch heißt, falls die Demonstranten nicht vom Zaun
ließen. Die Polizisten zeigten sich unbeindruckt von einem zwei Jahre
alten Schreiben des Landwirtschaftsministers Backhaus, der damals
erklärte, das Betretungsrecht sei weiter gewährleistet und die Zäune
nur als „Besucherleiteinrichtung“ gedacht.
Deshalb empfanden die
Demonstranten ihr Tun als rechtmäßig und das Eingreifen der Polizei
als Fehlverhalten.
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Beratung hinter
verschlossenen Türen:
Ein Stadtvertreter plaudert aus dem Nähkästchen.
Ungeachtet der
ganzen Geschehnisse hat die Stadtvertreterversammlung Entscheidungen zu
treffen.
Erstmals versucht
man, sich vor den Entscheidungen zu verständigen.
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OSTSEE-ZEITUNG |
Donnerstag, 20. September 2007 | Titelseite Bad Doberan
Kurwald soll
bis 2009 stehen
In einer internen Beratung diskutierten Stadtvertreter und
Investor. Thema: Heiligendamm, Vorder Bollhagen – die Perspektiven.
OZ
sprach mit Jochen Arenz, Einzelkandidat.
OZ: Gespräche hinter geschlossenen Türen über die Zukunft
Heiligendamms. Warum? War das notwendig?
Arenz: Ja.
Seit mehr als drei Jahren sitze ich als
unabhängiger Einzelkandidat im Stadtparlament. Die Absicht der Runde
war es, sich in Ruhe – ohne große Bühne und Publikum – über ein
schwieriges Thema zu verständigen. Der Entwurf des neuen
Grundlagenvertrages über die Entwicklung Heiligendamms und Vorder Bollhagens stand im Mittelpunkt. Genauer gesagt die Fortschreibung des
Papiers. Die Perspektiven dieser Doberaner Ortsteile für die nächsten
Jahre stehen am 1. Oktober auf der Stadtvertreterversammlung mit dem
Entwurfs-Dokument zur Abstimmung. Wir haben am Dienstagabend über
wichtige Eckpunkte diskutiert.
OZ: Wer ist „wir“?
Arenz:
Die Verwaltung und Vertreter aller Frahktionen von
SPD, CDU, Linke, Doberaner Mitte oder überparteiliche Einzelkandidaten
wie ich es bin sowie der Investor und der Planer.
Ein Vertreter des
Bürgerbundes war präsent, ein anderer hat die Veranstaltung
boykottiert, weil er sie als undemokratisch ansah. Diese Ansicht teile
ich nicht. Ich empfand die Beratung als wertvoll, sachlich und
konstruktiv. Es entstand dabei ein breiter Konsens einer über Jahre
geführten Diskussion. Wir haben lange gerungen, keiner hat es sich
leicht gemacht.
OZ: Was kam heraus? Welche Kompromisse erachten Sie als
wichtig?
Arenz:
Für mich herausragend: ein Kurwald entsteht, den der
Vorhabensträger und Investor, sprich die Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH), laut Vertrag bis zum Jahre 2009 zu gestalten hat.
Dieser Kurwald ist Prämisse für die dauerhafte Anerkennung
Heiligendamms als Seeheilbad. Entwickelt werden soll der Kurwald
zwischen Kühlungsborner und Prof.-Dr.-Vogel-Straße sowie
Seedeichstraße. Dieses Areal mit hergerichteten Wegen, Bänken und
Beleuchtung bleibt öffentlich, lädt Kurgäste und Hiesige zum Verweilen
ein. Und: Die Promenade ist in das öffentliche Wegennetz des
Kurbereiches einzubeziehen.
OZ: Der Pferdefuß?
Arenz: Den gibt es für mich nicht.
Wer A sagt, muss auch B
sagen. Damit sich der Ortsteil Heiligendamm weiter entwickelt, muss
man dem Hotel die Chance geben, dass es schwarze Zahlen schreiben
kann. Das bedeutet, das Parkgelände zwischen Alexandrinen-Cottage,
Burg Hohenzollern und Steilufer würde dann nur dem Gast des Grand
Hotels vorbehalten bleiben.
Über den eigens errichteten Steg am Meer
gibt es den bekannten Ersatzweg am Strand, der das durchgängige
Wandern entlang der See erlaubt.
OZ:
Das heißt, ein Teil des Kleinen Wohlds hinter der Median
Klinik ist Hotelpark und damit nicht öffentlich?
Arenz:
Das würde dann festgeschrieben. Ein solch großes
Hotel braucht ein beruhigtes Areal für den Gast. Im Urlaub wünschen
wir uns doch auch geschützte Ressorts zum Erholen. Oder? Wichtig: Der
Weg zum Kinderstrand und der Parkplatz stehen allen offen.
OZ: Das Grundlagen-Papier sagt doch noch mehr aus?
Arenz:
Entscheidend mehr. Beispielsweise, dass die Villen
Perle, Schwan und Möwe nach historischem Vorbild neu errichtet werden.
Die Silhouette der weißen Stadt soll neu erstrahlen.
Dazu braucht ECH
Geld, denn sie will das Ganze auch aus den Einnahmen des Hotels
realisieren.
OZ: Welche Pläne gibt es noch?
Arenz:
Das Angebot für den Gast will der Investor durch
weitere Vorhaben erweitern, wie den Bau eines öffentlich zugänglichen
Thalasso-Zentrums östlich vom Haus Bischofsstab. Oder: die Errichtung
des Ayurveda-Zentrums und einer Klinik für Plastische Chirurgie, die
Sanierung der Villen Sporn und Adler. Oder der Bau des Demmler-Palais'
mit Wohnungen, Läden und Restaurants, um einiges zu nennen.
OZ: Was muss im Gegenzug passieren?
Arenz:
Wir bereiten dem Investor ein gutes Bett. Ich
erwarte, dass die 250 Arbeitsplätze im Hotel gesichert bleiben und
dass die ECH den Kurwald sowie öffentliche Einrichtungen laut Papier
gestaltet. – Und wie vereinbart auch die Villen saniert. Ein
Millionen-Projekt.
Interview: ANETT JONUSCHAT
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Berthold Brecht hat
einmal gesagt: Wer A sagt, muss nicht auch B sagen. Er kann erkennen, dass
A falsch war.
Während Jochen Arenz also meint, dass wer A sagt, auch B
sagen muss, tut er selbst das, was Brecht schon wusste:
Jochen Arenz
brachte sich bis hier her aktiv für Heiligendamm ein. Dabei bezog er
Positionen, die der ECH entgegen standen.
Nun vertritt er plötzlich eine
Meinung die - wenn die Ostsee-Zeitung ihn bisher richtig wiedergegeben hat
- von seiner bisherigen stark abweicht.
Das ist wohl auch der Grund für den Boykott: Ein Stadtvertreter mehr
schließt sich der Pro-Investor-Fraktion in der Stadtvertreterversammlung
an.
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Kurpark? Kurwald? Hotelpark? Küstenwald?
Kleiner Wohld? Großer Wohld? Eine kleine Ortskunde.
Obwohl Heiligendamm eigentlich
gar nicht so viele Bäume hat, reichen die paar Hektar Wald
aus, um Verwirrung zu stiften. Da ist vom Kleinen Wohld die
Rede, der da auch Küstenwald ist aber Kurwald werden soll oder
auch Hotelpark oder Kurpark wird oder doch gar nichts von alledem.
Und dann ist da noch der Große Wohld, der irgendwie auch
Kurwald werden soll aber dann wieder nicht und im nächsten
Moment dann Kurpark. Man kann den Wald vor lauter Bäumen nicht
mehr sehen. Bringen wir mal Klarheit in das sonst eigentlich
spärliche Heiligendammer Dickicht .

Also zuerst: "Wohld" bedeutet nichts anderes, als "Wald". Es
gibt einen Kleinen Wohld und einen Großen Wohld.
Der Kleine Wohld reicht von der Linie Burg - Median-Klinik - Kortüm-Straße Richtung Westen bis an die Mollischienen.
In ihm befinden sich die drei Cottages, sowie ein großer
Parkplatz und der Zugang zum Kinderstrand.
Der Kleine Wohld befindet sich direkt auf der Steilküste und
ist daher ein Küstenwald.
Da er nicht nur auf der Steilküste steht, sondern sie auch vor
Erosion schützt, ist er auch ein Küstenschutzwald.
Weiterhin gibt es im Kleinen Wohld einen Abschnitt zwischen
Küstenkante und derzeitiger Straße, der zum
Hotelpark werden soll.
Nämlich dieser:

Im Osten kann die Form etwas variieren. Noch ist nicht klar,
ob der Hotelpark die Cottages einschließt oder sie nur
tangiert.
Auch der Status des Alexandrinen-Cottages innerhalb dieses
Parks ist noch nicht klar. Anzunehmen wäre aber, dass die
jetzigen Reisigwälle auch die zukünftige Grundstücksgrenze des
Alexandrinen-Cottages sein werden und dass das Cottage
innerhalb des Hotelparks auch für die Hotelgäste nicht
zugänglich sein wird. Unklar ist auch noch, ob Jagdfeld den
Weg von den beiden anderen Cottages zum Alexandrinen-Cottage
als Zufahrt nutzen wird und ob dieser dann Teil des Hotelparks
oder auch nur von ihm tangiert wird.
Was ich auch noch nicht genau weiß ist, ob das
Wirtschaftsgebäude sich im oder neben dem Hotelpark befinden
wird und ob das Hotelgelände um die Burg herum an sich auch
schon ein Hotelpark ist. Darum mag es im Osten eine ganz
andere Linie geben.
Im Westen jedoch ändert sich an den Plänen nichts: Der
Hotelpark soll genau zwischen Steilküstenkante und der
derzeitigen Straße zum Kinderstrand entlang verlaufen und im
Westen genau am Bach enden. Damit geht der Öffentlichkeit
natürlich ein gewaltiges Stück Küstenlinie von oben verloren.
Unten darf jeder entlang, oben hingegen nur, wer im Hotel Gast
ist - und sei es nur auf eine Tasse Kaffee.
Der Rest des Kleinen Wohldes bleibt der Öffentlichkeit
zugänglich - ohne Zäune und Barrieren.
Natürlich ist es den Einheimischen schwer zu vermitteln, nur
durch dieses Stück Wal laufen zu dürfen, wenn man sich im
Hotel eincheckt (Und sei es nur zum Kaffee). Etwas
vergleichbares gibt es in der Region ja nicht: Durch die
Yachthafenresidenz in Warnemünde kann man jederzeit hindurch
laufen, der Kamp ist öffentlich und es gibt auch keinen Wald
in Bad Doberan, in den man nicht ohne weiteres hinein gelangt.
Das Seeland in Göldenitz ist ein etwas hinkendes Beispiel,
weil es ja als Ausstellung angesehen wird und auch der
IGA-Park in Rostock ist kein so guter Vergleich. Dennoch ist
es nicht verboten, sich ein Stück Wald zu kaufen oder zu
pachten und einen Zaun drum zu ziehen. Die Gesetzeslage dazu
werden wir gleich kennen lernen.
Zunächst aber zum Großen Wohld.
Der Große Wohld hingegen beginnt hinter dem Severin-Palais und
zieht sich die Kühlungsborner Straße und Dammchaussee entlang
bis nach Bad Doberan. Im Großen Wohld befindet sich ebenfalls
ein großer Parkplatz, außerdem das Jagdhaus und der Golfteich.
Auch das Ayurveda-Zentrum soll im Großen Wohld entstehen. Ein
Teil des Großen Wohldes ist ein Kurwald.
Das ist dieser Teil:

Der Kurwald - und nur der - gehört der ECH aber die Wegflächen gehören der
Stadt Bad Doberan, die sie auch mitsamt der Waldausstattung zu
pflegen hat. Für diesen Kurwald gibt es ein eigenes Gesetz,
weil es eine Besonderheit ist, dass Wald und Waldwege
verschiedene Eigentümer haben. Das Gesetz regelt nicht nur,
wer wofür zuständig ist, sondern insbesondere auch, was
betreten werden darf. Der Kurwald ist öffentlich und darf von allen genutzt werden.
Nur die Wege dürfen nicht verlassen werden.
Da es sich um
einen Kurwald handelt, ist dieser Bereich nicht
kurtaxenpflichtig.
Ein Kurpark wäre etwas ganz anderes: Kurparks gehören meistens
zu einer Kureinrichtung aber in einigen Gegenden auch der
Stadt selbst. Entweder darf man diesen Kurpark also nur als
Patient oder Besucher der Kureinrichtung nutzen (wie es beim
Park der MEDIAN-Klinik der Fall ist) oder - wenn er der Stadt
gehört und diese ein anerkannter Kurort ist - man muss Kurtaxe
zahlen, um ihn nutzen zu dürfen.
In Heiligendamm kam es zu
Missverständnissen diesbezüglich, sodass Sie abwechselnd vom
"Kurwald" und "Kurpark" lesen. Gemeint ist immer der "Kurwald"
- an der Kühlungsborner Straße. Auch hier gab es viele
Verwechslungen.
Einige Medien verwechselten den Kurwald an der Kühlungsborner
Straße mit dem Hotelpark an den Cottages.
Der Kleine Wohld ist jedoch kein
Kurwald, sondern nur ein
Küsten(schutz)wald.
Für ihn gilt also nicht das Kurwald-Gesetz,
sondern das Landeswaldgesetz.
Hier einmal die einzelnen
Gesetze:
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Zieht sich Kempinski
zurück?
Es gibt seit einiger
Zeit Gerüchte, dass sich die Kempinski-Gruppe, die in Heiligendamm das
Grand Hotel betreibt, aus Mecklenburg-Vorpommern zurück ziehen will. Das
würde für Heiligendamm bedeuten, dass das Hotel ohne Betreiber da stehen
würde und damit auch ohne das gute Image und die großen Strukturen einer
internationalen Hotelkette.
Was ist dran an den Gerüchten vom Rückzug
Kempinskis?
Die Ostsee-Zeitung will es wissen und fragt Kempinski-Chef
Wittwer:
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OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 26. September 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Nach dem Gipfel ging’s bergauf
Gute Nachrichten für Heiligendamm: Kempinski will das Grand
Hotel mindestens bis 2023 führen.
Heiligendamm (OZ) Reto Wittwer ist Präsident und Chief
Executive Officer der Kempinski Hotels, der ältesten Luxushotelkette
Europas. Der Schweizer widerspricht Gerüchten, dass sich Kempinski aus
MV zurückziehen wolle.
OZ: Trotz des erfolgreichen G8-Gipfels gibt es
Gerüchte, dass sich Kempinski aus Heiligendamm zurückziehen will.
Wittwer: Wir sind eine Betriebsführungsgesellschaft.
Die Verträge laufen 15 bis 20 Jahre. Das ist wie in einer Ehe.
Wir
verbringen viel Zeit mit dem Besitzer und viel Zeit damit,
herauszufinden, ob wir auf einer Wellenlänge sind.
An den Gerüchten
ist nichts dran.
OZ: Welche Laufzeit hat ihr Vertrag von 2003 in
Heiligendamm?
Wittwer: 20 Jahre.
OZ: Haben Sie direkte Effekte durch den G8-Gipfel
bemerkt?
Wittwer: Das Hotel kann seit Ende des Gipfels
beachtliche Buchungsumsätze verzeichnen, die mehrheitlich auf die
starke Medienpräsenz des Hotels zurückzuführen sind.
Für die zweite
Jahreshälfte 2007 ergibt sich ein Buchungszuwachs von 55 Prozent im
Vergleich zum Vorjahr.
OZ: Sind weitere Einstellungen in Heiligendamm
geplant?
Wittwer: Zwischen Juli und September hat das Hotel
66 neue Mitarbeiter eingestellt. Vor allem die Zahl der Auszubildenden
hat sich erhöht. Insgesamt haben wir ein junges Team mit einem
Altersdurchschnitt von 28,3 Jahren.
OZ: Die Azubis durften unlängst zwei Tage als Gäste
im Hotel verbringen. Ist das Tradition?
Wittwer: Dass die Auszubildenden die ersten Nächte
im Hotel schlafen, ist eine Kempinski-Tradition, die wir in
Heiligendamm wiederbelebt haben.
Ein Azubi investiert drei Jahre bei
uns in seine Zukunft. Dieser erste Tag ist wichtig und emotional. Wir
wollen, dass die jungen Leute verstehen, für wen sie arbeiten.
Wenn
einer unser Essen nie probiert hat, kann er es auch nicht servieren.
OZ: Sie hatten Probleme am Standort. Wie sieht der künftige Kurs des
Kempinski Grand Hotels Heiligendamm aus?
Sind weitere Investitionen
der Fundus-Gruppe nötig, um die unternehmerischen Ziele realisieren zu
können?
Wittwer: Wir gehen 2007 von einem ausgeglichenen
Betriebsergebnis für die Eigentümer aus, und sind bezüglich des
Geschäftsjahres 2008 zuversichtlich, dass wir sowohl Umsätze und
Belegung sowie Betriebsergebnis für die Management Company und die
Eigentümer steigern können.
OZ: Haben Sie vertraglich die Möglichkeit, auf
weitere Investitionen hinzuwirken?
Wittwer: Es ist die Absicht der Fundus-Gruppe, den
Ausbau des Resorts Heiligendamm voran zu treiben. Das ist im Sinne des
Betreibers Kempinski.
Auf eine Realisierung haben wir
vertragsrechtlich keinen Anspruch.
OZ: Planen Sie neue Hotels in MV?
Wittwer: Kempinski
ist an weiteren Projekten interessiert. Im Moment gibt es aber keine
konkreten Angebote.
OZ: Ihr Engagement in Binz war kurz. Warum der
Ausstieg?
Wittwer: Aufgrund der Insolvenz der Gesellschafter
der Eigentümergesellschaft (Strandhotel Binz GbR) kam es im Juli 2006
zur Versteigerung der Immobilie Hotel Bel Air in Binz.
Die Kempinski
AG war seit 2000 im Auftrag der Pächterin Betreiber des Hotels. Durch
den Eigentümerwechsel wurde der Managementvertrag abgegeben.
Sollte
sich ein Projekt ergeben, würde Kempinski wieder auf die Insel
zurückkehren.
OZ: Weltweit agieren fast 60 Edelhotels unter Ihrem
Logo. Gibt es Expansionspläne?
Wittwer: Bis 2010 werden wir auf 110 Hotels wachsen.
Damit soll eine Grenze gesetzt werden. Luxus kann nicht unendlich
kopiert werden.
Der Fokus der Expansion liegt auf Europa, dem Nahen
Osten und China. Unser Ziel ist es, den Wert der Marke Kempinski
weiter zu steigern.
OZ: Lässt sich Ihre Philosophie in einem Satz
zusammenfassen?
Wittwer: Unser Ziel ist es, als Synonym für
individuellen Luxus zu stehen.
Der Präsident und Chief Executive Officer der
Kempinski-Gruppe, Reto Wittwer (58), wurde in St. Moritz in der
Schweiz geboren.
Seine Ausbildung zum Hotelfachangestellten
absolvierte er in Lausanne. Später arbeitete Wittwer in Madrid,
Paris, Frankfurt, Genf und Teheran.
1976 wechselte er ins
„Mandarin Oriental“ nach Singapur. Dann folgten Stationen in
Hongkong, New York, Montreal, Acapulco, Surabaya (Ostjava) und
Paris.
1982 wurde Wittwer Präsident Kempinski-Gruppe. Unter seiner Regie stieg die Zahl der
Kempinski-Hotels von weltweit 19 auf 75.
Zwischenzeitlich trennte
sich die Kette, die Hotels nur betreibt, nicht kauft, von 15
Häusern.
Mittelfristig strebt Wittwer jedoch die Zahl von 100
Hotels weltweit unter dem Kempinski-Logo an.
Ziel ist es, an jedem
Standort die Top-Adresse zu sein.
MICHAEL MEYER
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Konzepte für die
Öffentlichkeit.
Das größte Manko an
Bebauungsplänen und Entwicklungskonzepten ist, dass der Normalbürger sie
nicht versteht.
Die Ostsee-Zeitung sah sich deshalb in der Pflicht, die
aktuellen Pläne und Konzepte zu studieren und sie dem Bürger in seiner
Sprache zu erklären. Zwei Ausgaben widmete sie diesem Unterfangen.
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Donnerstag, 27. September 2007 | Titelseite Bad Doberan
Bauboom
steht noch bevor
Am Montag beraten Doberans Stadtvertreter über die Zukunft
Heiligendamms. OZ stellt das Konzept vor.
Bad Doberan. In Heiligendamm wurde in den letzten Jahren umfassend
restauriert, rekonstruiert, unter Aspekten des Denkmalschutzes. Der
Grundlagenvertrag, um den es am Montag geht, nennt an erster Stelle
dabei den Gebäudekomplex des Kempinski Grand Hotel, wozu das Haus des
ehemaligen Grandhotels ebenso gehören wie das Kurhaus, das Haus
Mecklenburg, die Burg Hohenzollern sowie die Orangerie. Ergänzend
wurden das Severinpalais und das Wirtschaftsgebäude des Grand Hotels
als Neubauten errichtet.
Der Vertrag beschreibt als Gegenstand die Schaffung eines weiteren
zum Kempinski gehörenden Hotel-Komplexes, „Residenzen Heiligendamm“
genannt. Dieses Ensemble umfasst neben den östlichen Logierhäusern
auch das Prinzessin-Reuss-Palais und die historischen Kolonaden sowie
zwei ergänzende Neubauten – Ensemble Palais und Ensemble Villa. Weiter
heißt es:
„Die Villen Perle, Schwan und Möwe dürfen aufgrund
vorliegender Baugenehmigungen durch Neubauten ersetzt werden.“ Dieses
Plangebiet 1 will der sogenannte Vorhabensträger, also die ECH,
ergänzen durch: ein öffentlich zugängliches Thalasso-Zentrum östlich
des Hauses Bischofstab, ein Ayur-Veda-Zentrum östlich der
Seedeichstraße und durch eine Klinik für Plastische Chirurgie
südwestlich des Golfteiches.
Saniert und rekonstruiert werden sollen die beiden Villen Adler und
Sporn. Nördlich der Molli-Gleise soll das Demmler-Palais mit
Wohnungen, Läden und Restaurants entstehen, zudem ein Demmler-Park
südlich der Molli-Gleise – mit gleicher Nutzung. Unter beide
Gebäudekomplexe kommt eine Tiefgarage. Weiter schreibt der Vertrag die
„Schaffung eines Hotelparks in einem Teilbereich des Kleinen Wohldes
als Rückzugsbereich für die Gäste der Hotels“ fest.
Im Plangebiet 2 will die ECH im Fürstenhof weitere Hotelzimmer
schaffen. Westlich davon soll ein Konferenzzentrum entstehen –
ausgelegt für 500 Teilnehmer. Für das Areal des ehemaligen Forsthauses
ist eine Gartenwirtschaft mit Festscheune geplant, auch ein
Abenteuerspielplatz, Tennisplätze, Stellplätze. Ostseitig der
Kühlungsborner Straße will die ECH ihr Areal zu Wohngebieten
entwickeln.
Im Plangebiet 3 zwischen Ortslage Heiligendamm und
Erschließungsstraße sollen Wohngebäude in Form von Stadtvillen
errichtet werden. Beide Parteien sehen hier die Basis für die
Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes.
Die Gebiete 4 und 5 – Vorder Bollhagen – werden touristische
Zentren mit Golf, Clubhaus, Hotel, Reitsportanlagen, Markt für
landwirtschaftliche Produkte. Morgen: Das Seeheilbad.
PETER WEISSFLOG
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Und der zweite Teil der Serie:
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OSTSEE-ZEITUNG |
Freitag, 28. September 2007 | Titelseite Bad Doberan
Hotelpark
für die Gäste
Am Montag geht es in der Stadtvertretersitzung um die Entwicklung
Heiligendamms. Die OZ blätterte für die Leser im Konzept.
Bad Doberan. Seit 1998 schon gibt es einen Grundlagenvertrag zwischen
der Stadt Doberan und der ECH Entwicklungs-Compagnie. In dem Werk geht
es um die Zukunft Heiligendamms und Vorder Bollhagens. Es wurde im
Laufe der Jahre immer wieder fortgeschrieben. Am Montag geht es in der
Stadtvertretersitzung erneut darum, das Konzept veränderten
Bedingungen anzugleichen. OZ blätterte schon mal im Grundlagenvertrag.
Ein Kapitel ist mit „Seeheilbad Heiligendamm“ überschrieben. Dieses
Prädikat wurde dem Doberaner Ortsteil bis zum Frühjahr 2009 nur
vorläufig zuerkannt. Im Vertragswerk heißt es dazu in unkonkreter
Formulierung: „Die Stadt wird sich bemühen, bis zu diesem Termin
sicherzustellen, dass die wesentlichen Voraussetzungen für die
dauerhafte und abschließende Anerkennung als Seeheilbad geschaffen
sind. Der Vorhabensträger wird die Stadt bei der Umsetzung der
erforderlichen Maßnahmen unterstützen.“ Die ECH wird zudem in ihren
Wellness- und Fitnessbereichen Angebote für Kurgäste schaffen. Auch
die Etablierung von Badeärzten gehöre dazu.
Im Punkt 3 geht es um den Kurwald. Er werde bis 2009 auf dem
Gelände des jetzigen Waldes zwischen Kühlungsborner Straße,
Prof.-Dr.-Vogel-Straße und Seedeichstraße geschaffen. Und soll, so
steht’s im Vertrag, öffentlich zugänglich sein. Neu scheint folgende
Formulierung zu sein: „Die Schaffung des öffentlichen Kurwaldes steht
im unmittelbaren städtebaulichen Zusammenhang mit der beabsichtigten
Festsetzung eines Teilbereiches des Kleinen Wohldes als private
Grünfläche mit der Zweckbestimmung Hotelpark im Bebauungsplan Nr. 30,
mit der ein Rückzugsbereich für die Gäste der Hotels geschaffen werden
soll. Die Parteien sind sich deshalb darüber einig, dass der
Vorhabensträger die Herstellung des Kurwaldes auf eigene Kosten
übernehmen und der Stadt Wegeflächen innerhalb des Kurwaldes
kostenfrei übereignen wird.“ (Schluss)
PETER WEISSFLOG
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Gut erklärt ist halb
gewonnen:
Der Vertrag ist unter Dach und Fach und die ECH bekommt endlich
ihren Hotel-Park.
Geschenkt haben sich die beiden
Vertragspartner nichts: Die ECH darf zwischen Kinderstrand-Zufahrt und
Küstenlinie, bzw. Kinderstrand-Abgang und Hotel einen privaten Hotelpark
einrichten aber dafür muss sie auf eigene Kosten einen Ersatz zwischen
Kühlungsborner Straße und Perlenkette, sowie Severin-Palais und
Seedeichstraße schaffen. Die kompletten Kosten für den Bau (ca. 1 Mio.
Euro) trägt die ECH ganz allein. Der Wald gehört zwar der ECH aber die
Wege und die Waldeinrichtung (Bänke, Beleuchtung, Abfalleimer, Beete etc.)
muss die ECH der Stadt kostenlos übertragen.
Diese verpflichtet sich im Gegenzug zur Pflege der Flächen und zur
Einhaltung der Gesetze. Damit entsteht eine Ausgleichfläche, die
eigentlich sogar größer ist, als die Waldfläche des Hotelparks. Grund
genug, "Ja" zu sagen.
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OSTSEE-ZEITUNG |
Dienstag, 02. Oktober 2007 | Titelseite Bad Doberan
Stadtparlament beschloss Heiligendamm-Vertrag
ECH bekommt
Hotel-Park
Nach zwei Stunden heftiger Debatte war das Ergebnis da: Die Stadt
setzt den eingeschlagenen Weg mit ECH fort.
Proteste dagegen
verhallten.
Bad Doberan.
15 Ja-Stimmen, viermal nein, vier Enthaltungen – mit
diesem Ergebnis, erzielt in namentlicher Abstimmung, beschloss die
Doberaner Stadtvertretung gestern Abend die Aktualisierung des
Grundlagenvertrages über die städtebauliche Entwicklung von
Heiligendamm und Vorder Bollhagen. Die erste Fassung des
Vertragswerkes geht auf das Jahr 1998 zurück. Seine neuerliche
Fortschreibung wurde im Vorfeld der Sitzung und auch während ihres
Verlaufs sehr kontrovers und emotional diskutiert.
Birgit Mersjann (SPD) warb in einer Grundsatzerklärung im Namen
ihrer Fraktion, der CDU, der Linken und der Stadtvertreter Jochen
Arenz, Frank Pieplow und Peter Husar eindringlich für den Vertrag mit
der ECH, „der dem Investor Planungssicherheit für weitere Vorhaben
gibt, ihn aber auch in die Pflicht nimmt. Wir sind heute hier, um die
Zukunft von Bad Doberan und Heiligendamm zu sichern und brauchen dafür
eine breite Mehrheit“, so Mersjann.
Gemeint waren damit vor allem
solche ECH-Vorhaben wie das Thalasso-Zentrum, die Klinik für
plastische Chirurgie, das Ayurveda-Zentrum und die Villen-Bebauung.
Stadtvertretervorsteherin Anke Bitter (Linke) hatte zuvor bereits
auf die positiven Auswirkungen der ECH-Vorhaben auf den Arbeitsmarkt
und den ganzen Tourismus der Region hingewiesen und Konsequenz in der
Beschlussfassung angemahnt: „Seit 1998 stimmte die Stadtvertretung dem
Konzept des Investors mit immer wieder neuen Beschlüssen zu. Nach dem
Expertenkolloquium 2004 war klar, dass es nur noch in diese Richtung
gehen kann.“ Die Vorhaben im aktuellen Vertrag seien nicht neu, auch
die Umwandlung eines vier Hektar großen Teilstücks des Kleinen Wohlds
in einen geschlossenen Hotel-Park sei schon seit Juni 2006 in der
Diskussion. Gegen diese Sicht der Dinge machten vor allem Hannes Meyer
und Klaus-Peter Behrens vom Bürgerbund, Harry Klink (FDP) und Heinz Keuer (Grüne) energisch Front.
Mit immer wieder neuen
Änderungsanträgen versuchten sie, allerdings vergeblich, die
Abstimmung über den Vertrag zu verhindern und ihn in die Ausschüsse
der Stadtvertretung zu verweisen. Dabei kam es zu scharfen verbalen
Auseinandersetzungen zwischen Anke Bitter und Harry Klink.
Wichtige Argumente der Opponenten in der Stadtvertretung wie auch
vieler Bürger in der Einwohnerfragestunde: Die Sperrung eines Teils
des Kleinen Wohldes schotte Heiligendamm von der Öffentlichkeit noch
mehr ab und bedrohe die Existenz der Median-Klinik. Und die gesamte
Behandlung des Vertragsentwurfes im Vorfeld der
Stadtvertreterversammlung war undemokratisch und habe jede Transparenz
vermissen lassen. Die Ausschüsse der Stadtvertretung wurden dabei
außen vor gelassen. Das wies Anke Bitter scharf zurück, verwies auf
eine gemeinsame nichtöffentliche Sitzung der Stadtvertreter zu diesem
Thema.
ANETT JONUSCHAT und LUTZ WERNER
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Und freie Hand in
Heiligendamm?
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OSTSEE-ZEITUNG |
Donnerstag, 04. Oktober 2007 | Titelseite Bad Doberan
Freie Hand
für den Investor
Die Einwürfe der Kritiker verrauchten. Die auf den
Grundlagenvertrag aufbauenden Pläne gingen durch, im Seeheilbad
wird’s eng.
Bad Doberan. „Wir, die Stadtvertreter von Bad Doberan, bitten die
ECH untertänigst um Entschuldigung für unseren dreisten Versuch, die
Begehbarkeit unserer einmaligen Kulturlandschaft für das gemeine Volk
zu erhalten. Schande soll über uns kommen, denn wir sind es nicht
wert, im Glanze der Fundusgruppe zu wandeln“, formulierte Klaus-Peter
Behrens (Bürgerbund) ironisch einen Einschub zum geänderten
Flächennutzungsplan. Antrag: abgelehnt. Dem war Montag die
Aktualisierung des Grundlagenvertrages vorangegangen. Bürgermeister
Hartmut Polzin (SPD) sprach am Tage danach von einem klaren Votum der
Stadtvertreter für die künftige Entwicklung in Heiligendamm, jetzt sei
der Investor in der Pflicht. Anders die Haltung der Kritiker:
Das
Vertragswerk zeuge von einer Selbstaufgabe der Stadt. Alte Positionen
zum Kleinen Wohld, zu Wegebeziehungen in Heiligendamm, Termine zur
Restaurierung der historischen Villen hätte die Stadt nach Ansicht von
Bürgerbund und Grünen völlig aufgegeben. Der Investor habe freie Hand,
die Interessen der Menschen bleiben unberücksichtigt, wie in der Frage
des Stichweges, so Hannes Meyer (Bürgerbund). Mit der Absegnung des
F-Planes sind vier Hektar vom Kleinen Wohld geschlossen, für
Hotelgäste reserviert und 1,2 Kilometer Strandabschnitt de facto nicht
mehr vom Wald aus zugänglich, so Abgeordneter Behrens.
Mit der Einfügung einer Änderung von Friedrich Keding (Linke)
passierte der B-Plan 30 das Parlament. Seine Formulierungen, im Park
Kleiner Wohld dürfen keine Bäume gefällt werden und an der Kliffkante
ist ein mindestens zehn Meter breiter Streifen des Unterholzes stehen
zu lassen, fanden eine Mehrheit. Bei der Änderung des B-Planes 25 zum
Hotel, Thalasso-Zentrum und öffentlicher Servicebereich meldeten sich
die selben Abgeordnete kritisch zu Wort wie zuvor, darunter Heinz
Keuer (Grüne). Harry Klink (FDP) fragte nach dem Wegerecht für
Anwohner und Eiscafé-Inhaber im künftig geschlossenen Bereich. Peter
Husar (Doberaner Mitte): Das Wegerecht sei im Grundbuch fixiert. Mit
14 Ja-Stimmen, drei nein und sechs Enthaltungen ging die Vorlage
durch. Ähnlich das Ergebnis zum B-Plan 26 (geplantes Ayurveda-Zentrum,
Klinik für Plastische Chirurgie). In beiden Fällen versuchte Behrens
einfügen zu lassen, dass die wirtschaftliche Durchführbarkeit vom
Investor nachgewiesen wird. Einwurf: abgelehnt.
ANETT JONUSCHAT und LUTZ WERNER
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Die Frontlinien fallen
anno 2007 auseinander.
Einst hatte Anke Bitter Anno August Jagdfeld
schriftlich in die Mangel genommen und nun wirbt sie für die Vorhaben der ECH.
Die in der Tat keine
anderen als damals sind. Jedoch ist nicht zu übersehen, dass im Bad
Doberaner Rathaus bezüglich Heiligendamm nicht in Fraktionen gearbeitet
wird, sondern jeder Stadtvertreter seine eigene und persönliche Position
vertritt. Lediglich der Bürgerbund arbeitet als Fraktion. Außer ihm haben
die Kandidaten der FDP, der Doberaner Mitte, der Grünen und der Linken
Einwände formuliert. Von SPD und CDU und den Einzelkandidaten gibt es
offenbar keine Einwürfe.
Die von de Ostsee-Zeitung genannte
"Freie Hand" ist allerdings relativ:
Die ECH darf ein Stück momentan ohnehin nicht mühelos zugänglichen Wald
einzäunen. In diesem Wald darf kein Baum gefällt werden und auf ca. 10
Quadratkilometern Fläche nicht einmal das Unterholz anrühren. Sie muss den
Wald in diesem Bereich erst einmal herrichten, um ihn als Park nutzen zu
können und muss einen viel größeren Wald, der nur aus Wildwuchs und
Trampelpfaden besteht nach den Wünschen der Stadt voll auf eigene Kosten
herrichten lassen.
Der Stichweg und die Sanierung der
Perlenkette standen an diesem Tag gar nicht zur Debatte.
Dass es durch die Umwandlung zum Hotelpark keinen Zugang mehr vom Wald zum
Strand gibt, ist nicht nachvollziehbar.
Der Zugang "Kinderstrand" bleibt und zwischen Seebrücke und Kinderstrand
gibt es offiziell keinen Strandzugang.
Hingegen gibt es viele illegale und gefährliche Trampelpfade, die
eigentlich eher noch ein Grund sind, die Küstenkante zu sperren.
So gestärkt und voller
Selbstvertrauen verklagt FUNDUS seine Bank.
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OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 17. Oktober 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Fundus-Gruppe will gegen ihre Bank klagen
Der Eigner des Kempinski Grand Hotels
Heiligendamm strebt einen Prozess gegen die HypoVereinsbank an. Die
hatte der Fundus Fondsgesellschaft zur Jahresmitte die Verlängerung
eines Kredits verwehrt.
Rostock (OZ) Trotz eines monatelangen Aufschubs der
Kreditrückzahlung kann die Fundus-Gruppe noch immer nicht die 15
Millionen Euro aufbringen, die die HypoVereinsbank dem Eigner des
Kempinski Grand Hotels Heiligendamm vorgeschossen hat. Stattdessen
will Fundus jetzt gegen die Bank gerichtlich vorgehen. In seinem
jüngsten Brief an die Anleger des Fundus Fonds 34 (Heiligendamm)
schreibt Anno August Jagdfeld, Geschäftsführer der Grand Hotel
Heiligendamm GmbH & Co. Kommanditgesellschaft: „Wie Sie wissen, hat
die HypoVereinsbank die bislang gewährten Finanzierungsdarlehen nicht
über den 30.06. 2007 hinaus prolongiert. Die Geschäftsführung unserer
Gesellschaft erachtet das Vorgehen der Bank als rechtlich zweifelhaft
und hat die hierfür maßgeblichen Gründe gegenüber der Bank
vorgetragen. Die Vertragsparteien haben sich deshalb entschlossen, die
Rechtswirksamkeit der Kreditkündigung gerichtlich klären zu lassen.
Dies wird nach Einschätzung der Anwälte nicht vor Frühjahr 2008
erfolgen.“ Fundus will derweil versuchen, die Fondsgesellschaft
vorrangig mit zusätzlichem Eigenkapital der Gesellschafter zu
finanzieren. Einen entsprechenden Beschluss soll die
Gesellschafterversammlung fassen, die in der kommenden Woche in
Heiligendamm tagt. Jagdfeld wirbt für das Finanzierungsprojekt mit
einer so genannten „bevorrechtigten Ausschüttung“, die zugleich die
Möglichkeit eröffne, wieder Kapitalanteile am Markt zu platzieren.
Dazu bedürfe es allerdings einer Prospektergänzung, die eine breite
Zustimmung auf der Gesellschafterversammlung erfordert.
Aus
Gesellschafterkreisen ist indes zu hören, dass es „kaum Interesse an
einem solchen Projekt“ gibt.
Bereits Anfang 2007 hatte Fundus vergeblich
versucht, Geld von den Anlegern zu bekommen, um besagten
15-Millionen-Kredit zurückzahlen zu können. Das Geld sollte mittels
Gesellschafterdarlehen aufgebracht werden. Die Bundesbank untersagte
das: Bei einer solchen Vereinbarung handele es sich um ein
erlaubnispflichtiges Bankgeschäft, und die Fondsgesellschaft sei kein
Kreditinstitut.
Auch der anschließende Versuch einer
Fremdfinanzierung scheiterte. Jagdfeld schreibt: „Die Banken haben
wegen der bekannten Turbulenzen auf dem Kreditmarkt die Fortführung
der Kreditgespräche zurückgestellt, bis sich der Markt wieder beruhigt
hat.“ Einige Gesellschafter wundert es nicht, dass sich keine
Geldgeber für das Fundus-Prestigeobjekt finden. „Heiligendamm und das
Hotel hatten alle Chancen der Welt. Jagdfeld hat die meisten
verspielt“, heißt es in Insiderkreisen. So habe der Immobilienmogul
die Einwohner des Ortes mit einer „restriktiven Ausschlusspolitik“
verprellt und auch verhindert, dass sich weitere Firmen ansiedeln und
das Umfeld beleben.
Tatsächlich hatte ein Gutachten im vorigen Jahr
bestätigt, dass die Nobelherberge seit Eröffnung im Juni 2003 rote
Zahlen schreibt und die wirtschaftliche Situation sich negativ
entwickelt habe. Investitionen in die Infrastruktur seien dringend
notwendig. Bisher fehlte dafür offenbar das Geld.
Jagdfeld geht davon aus, dass mit dem G8-Gipfel im
Juni eine Trendwende eingetreten ist und das Hotel „vor einer
erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung“ stehe. Der aktuelle
Buchungsvorlauf liege deutlich über dem des Vorjahres. Die
Ergebnisvorschau der Kempinski AG bis 2012 sagt aus, dass die jetzigen
Ergebnisse jährlich um etwa eine Million Euro gesteigert werden
könnten.
MANUELA PFOHL
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Wichtig ist hier
wohl die Aussage der Gesellschafter:
“ Einige Gesellschafter wundert es
nicht, dass sich keine Geldgeber für das Fundus-Prestigeobjekt finden.
„Heiligendamm und das Hotel hatten alle Chancen der Welt. Jagdfeld hat die meisten
verspielt“, heißt es in Insiderkreisen.
So habe der Immobilienmogul die
Einwohner des Ortes mit einer „restriktiven Ausschlusspolitik“ verprellt
und auch verhindert, dass sich weitere Firmen ansiedeln und das Umfeld
beleben.
Nun, das eine ergibt das andere: Mit der Eröffnung kamen viele
Menschen nach Heiligendamm und Jagdfeld entschied sich, diese
auszuschließen. Mit jedem Zaun entfernte man sich weiter voneinander.
Letztlich verweigerten immer mehr Stadtvertreter die Zustimmung zu
wichtigen Beschlüssen oder versuchten, die Entscheidungen an Bedingungen
zu binden, die teilweise entgegen den Plänen Jagdfelds und manchmal auch
entgegen dem Erfolg des Hotels standen.
Letztlich rührt der Stillstand von
der Unfähigkeit der beiden Vertragspartner zur konstruktiven und vor allem
transparenten, sachlichen und ehrlichen Zusammenarbeit her.
Jagdfeld hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen - jedoch stets in
bester Absicht für das Projekt - also für die Anleger.
Dass er dabei Chancen verspielt
hat, ist schon richtig. Aber viele der Dinge, wo man denkt, dass es
Chancen waren, waren eigentlich keine. Der Kompromiss "Stichweg" würde das
Hotel zerschneiden, der Kompromiss "Radwanderweg" würde den Park - die
Grundidee des Großherzogs war ein Park und nicht ein Wald - zerschneiden
und auch noch andere Probleme mit sich bringen.
Beides waren Chancen, die Bürger zu besänftigen und auf seine Seite zu
bringen aber diese Chancen hätten dem Hotel geschadet.
Stilblüten 2007:
Misslungener Prozessauftakt gegen "Waldspione" und der Verkauf eines
abgerissenen Hauses.
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OSTSEE-ZEITUNG |
Mittwoch, 17. Oktober 2007 | Titelseite Bad Doberan
Prozess
gegen „Waldspione“ verschoben
Bad Doberan.
Gestern sollte am Amtsgericht Doberan der Prozess gegen
fünf Personen stattfinden, die im März diesen Jahres in der näheren
Umgebung des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm aufgegriffen worden
waren und sich jetzt vor Gericht wegen Hausfriedensbruch hätten
verantworten müssen.
Nach einer Darstellung des Sprechers eines Aktionsbündnisses, das
sich „Prozessgruppe Kempinski deprivatisieren“ nennt, sei die
Gerichtsverhandlung in Bad Doberan plötzlich ohne Angabe von Gründen
auf den 15. Januar 2008 vertagt worden. Kurios dabei: „Zudem wurde
einem der fünf Angeklagten erst am Morgen des Samstages eine Ladung
für den Prozess am 16. Oktober zugestellt; am Nachmittag des gleichen
Tages jedoch schon wieder die Ladung zum neuen Termin.“ Bei diesen
kurzen Fristen sei ein Urteil am gestrigen Tag sowieso niemals
rechtskräftig geworden.
Den Angeklagten wird vorgeworfen, im März diesen Jahres die sich
angeblich im Besitz der Fundus-Gruppe befindlichen Wanderwege betreten
zu haben. Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass man den dort
aufgegriffenen Leuten vorwirft, das Tagungsgelände des G8-Gipfels
auspioniert und deshalb Hausfriedensbruch begangen zu haben.
Diesen Vorwurf weisen die fünf Personen, die aus ihrer Gegnerschaft
dem Gipfel gegenüber keinen Hehl machen, eindeutig zurück. Der Vorwurf
des Hausfriedensbruchs sei juristisch äußerst streitbar, da „die
streitbefindlichen Flächen im März noch der Öffentlichkeit gewidmet
waren“.
Weiter heißt es: „Zurzeit kochen die Emotionen in Heiligendamm
wegen dieses Themas sowieso sehr hoch, da am 2. Oktober der Rat von
Bad Doberan die öffentliche Widmung aufgehoben und damit den
historischen Kern von Heiligendamm für die Öffentlichkeit und die
Bewohner gesperrt hat.“ Zumindest einer der angeklagten „Waldspione“
hatte in jenem Gebiet am 16. September an einer Demonstration für die
Offenhaltung des Kleinen Wohldes teilgenommen. Die Polizei schritt
erst ein, als man versuchte, Zäune zu überwinden.
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 19. Oktober 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Land verkauft Geister-Villa
In Heiligendamm soll „Haus Tabea“ verkauft werden.
Das aber wurde vor dem G8-Gipfel abgerissen. Ein peinlicher Irrtum.
Heiligendamm (OZ) Kleine Anzeige. Große Wirkung. In
Heiligendamm (Landkreis Bad Doberan) sorgte die Offerte vom 6. Oktober
im Immobilienteil der OZ für Verwirrung:
„Das Land
Mecklenburg-Vorpommern verkauft gegen Gebot "Haus Tabea"",
Wohngebäude in Heiligendamm, Kühlungsborner Straße 14, leer stehend,
stark sanierungsbedürftig“.
Ein Angebot des landeseigenen Betriebs für
Bau und Liegenschaften MV (BBL) in Rostock.
Nur leider existiert „Haus Tabea“ in Heiligendamm
gar nicht mehr. „Das ist doch längst abgerissen“, sagt eine Anwohnerin
in der Kühlungsborner Straße. In der Tat: Die Bauaufsichtsbehörde im
Kreis Bad Doberan teilte gestern mit, dass das von Zerfall bedrohte
„Haus Tabea“ vom Eigentümer abgerissen worden sei.
Im Besitz des
Landes war das Haus auch nie.
Der frühere Eigentümer, die WIG
Wohnungsbau und Investitionsgesellschaft mbH Bad Doberan hatte das
Gebäude vor Jahren an die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH),
eine Tochter der Fundus Gruppe, verkauft. ECH hatte im Januar 2007
eine Abrissgenehmigung beim Kreis eingereicht. Da das Haus nicht unter
Denkmalschutz stand, konnte es laut Landesbauordnung ohne Genehmigung
abgerissen werden. Das geschah noch vor dem G8-Gipfel. Dort, wo „Haus Tabea“einmal stand, wächst nun grüner Rasen. ECH-Sprecher Johannes
Beermann wundert sich über die Anzeige:
„Wie können die denn etwas
verkaufen, das uns gehört und das es so gar nicht mehr gibt?“ Gute
Frage! Was aber verkauft die BBL nun eigentlich? Die Einsicht des
Verkaufsexposés gestaltet sich schwierig. Die zuständige Mitarbeiterin
sei im Urlaub, und Unterlagen seien nur auf ihrem PC verfügbar, heißt
es. Man solle sich mal drei Tage gedulden. Konkret darauf
angesprochen, dass die Immobilie doch längst nicht mehr existiere,
sagt eine Abteilungsleiterin: „Wenn wir das verkaufen, gibt es das.
Das steht auch auf einem Schild am Haus.“ Leider falsch! Auf dem
Schild am Haus steht zwar, dass die BBL die Immobilie anbiete. Aber
daneben ist in verblichener Schrift zu lesen: „Haus Waldfrieden.“ Und
exakt um dieses Haus geht es auch. Auf offizielle Presseanfrage der OZ
lässt BBL-Sprecher Christian Hoffmann wissen: „Der landeseigene
Betrieb für Bau und Liegenschaften hat am 6. Oktober das im Eigentum
des Landes befindliche Flurstück 73, Flur 2 der Gemarkung Heiligendamm
in der Kühlungsborner Straße 14 zum Verkauf gegen Höchstgebot
ausgeschrieben. Dem Objekt ist – zu unserem Bedauern – in der
Ausschreibung ein falscher Name verpasst worden. Das richtige ,Haus
TabeaÂ’ war ein Gebäude, das unmittelbar neben der zu veräußernden
Liegenschaft stand und inzwischen abgerissen worden ist.“ Auf exakt
diesen Wortlaut legt Hoffmann großen Wert.
In Heiligendamm indes sind Zweifel genährt. Es geht
das Gerücht, die Immobilie „Haus Waldfrieden“, die hier unter falschem
Namen angeboten wird, sei unter der Hand längst verkauft. Und zwar an
die ECH, die sich für die Fläche interessiere. Das geschlossene
Bieterverfahren sei nur eine Farce. Von BBL-Sprecher Hoffmann heißt es
dazu: „Die Frist zur Gebotsabgabe läuft bis 30. November. Angaben zu
den Bietern können aus Gründen des Bieterschutzes nicht gemacht
werden.“ Beermann konnte ein Interesse an der Immobilie gestern nicht
bestätigen.
Ina-Maria Ulbrich, Sprecherin im Bauministerium, dem
der BBL untersteht, sagt zu dem Vorgang:
„Wir lassen das prüfen, wie
es dazu kommen konnte, dass wir ein Haus anbieten, das uns nicht
gehört und nicht mal existiert.“ Peinlich sei das schon.
MICHAEL MEYER
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Das Jahr geht. Die
Hoffnung kommt. Euros für FUNDUS und Kronen für Kempinski.
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OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 24. Oktober 2007 | Mecklenburg-Vorpommern
Fundus will von Anlegern 30 Millionen Euro für Heiligendamm
Rostock (OZ)
Neue Hoffnung für Fundus: Auf
der Gesellschafterversammlung der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co.
Kommanditgesellschaft haben 91,86 Prozent der Anleger gestern dafür
gestimmt, einen 15 Millionen- Euro-Kredit der Hypo Vereinsbank (HVB)
mit frischem Eigenkapital zurückzuzahlen. Darüber hinaus sollen
weitere 15 Millionen Euro für die Finanzierung des Fundus Fonds 34
(Heiligendamm) eingeworben werden.
Das neue Finanzierungsprojekt war nötig geworden,
nachdem die HVB einen Aufschub der längst fälligen Kreditrückzahlung
über den 30. Juni 2007 hinaus abgelehnt hatte. Fundus als Eigner des
Kempinski Grand Hotels Heiligendamm benötigt das Geld der
Gesellschafter dringend, weil auch andere Banken wegen des „dauerhaft
negativen Betriebsergebnisses“ des Hotels nicht bereit waren
einzuspringen. Um die Investitionsbereitschaft der neuen
Kapitalanleger zu fördern, hat Geschäftsführer Anno August Jagdfeld
eine „bevorrechtigte Ausschüttung“ von sechs Prozent auf die jeweilige
Einzahlungssumme in Aussicht gestellt. „Ohne Gewähr“, wie er gestern
in Heiligendamm allerdings zugeben musste. Denn zunächst einmal muss
überhaupt ein Überschuss erwirtschaftet werden. Das jedoch war in den
vergangenen vier Jahren nicht der Fall.
Jagdfeld versprach, dass es bereits für 2007 ein
„ausgeglichenes Hotelergebnis“ geben werde. Grund dafür sei unter
anderem die „exzellente Werbung durch den G8-Gipfel“. Auch die
Abschottung des Hotelareals vor neugierigen Tagestouristen habe ein
Plus an Buchungen gebracht. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die
Belegung von 43,5 Prozent auf fast 52 Prozent gesteigert werden. Die
Ergebnisvorschau der Kempinski AG gehe bis 2012 davon aus, dass die
jetzigen Hotel-Ergebnisse jährlich um etwa eine Million gesteigert
werden können. Vier unabhängige Consultingunternehmen hätten das
bestätigt.
Offen blieb gestern die Frage, bis wann die
Gesellschafter spätestens die 15 Millionen Euro für die HVB eingezahlt
haben müssen und welche Konsequenzen es hat, wenn das benötigte Geld
nicht zusammen kommt.
MANUELA PFOHL
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 02. November
2007 | Titelseite Bad Doberan
Heiligendamm/Kühlungsborn. Vor allem Hotels in
Heiligendamm und Kühlungsborn haben die Tester des jetzt erstmalig
erschienenen Hotelführers „Der StilGuide Deutschland 2008 - Die 500
schönsten Hotels“ überzeugt. Die beste Prämierung in dieser Region
vergaben sie für das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm (Kategorie Spa
und Wellness), das auf viereinhalb von fünf möglichen Kronen kam. Wie
der Verlag weiter mitteilte, erhielt kein anderes Hotel Deutschlands
eine höhere Wertung.
Sehr gut schnitten bei der Prämierung der bundesweit
500 schönsten Hotels auch das Travel Charme Ostseehotel sowie das Vier
Jahreszeiten in Kühlungsborn ab. Beide Häuser erhielten jeweils
dreieinhalb von fünf möglichen Kronen – ebenfalls in der Kategorie Spa
und Wellness.
Für den Hotelführer wurden bundesweit mehr als 2500
Hotels in Augenschein genommen. Die Tester gaben dabei vor allem in
den Bereichen Umgebung und Lage, Ambiente, Spa und Wellness,
Tagungsmöglichkeiten sowie Essen und Trinken ihr Urteil ab.
Unterdessen meldet das Kempinski eine personelle
Veränderung. Pressesprecherin Frauke Müller verabschiedet sich aus
Heiligendamm nach eineinhalb Jahren Öffentlichkeitsarbeit. Ab 1.
Dezember stellt sie sich in Hamburg neuen beruflichen
Herausforderungen, wie es in einer Mitteilung aus dem Hotel heißt.
Die Nachfolge tritt ab heute Kirsten
Brasche-Salinger an, die bislang für die Fundus-Gruppe tätig war und
im Hause Anteilseigner betreute.
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Adieu 2007: Die
Ostsee-Zeitung erlaubt sich einen Spaß
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OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 31. Dezember 2007 | Titelseite Bad Doberan
Visionen in Blei: Was bringt 2008 ?
Bad Doberan Es ist schon Kult. An jedem
letzten Tag des Jahres versammelt sich die Redaktion, zündelt vergnügt
ein Feuerchen und hält ein Tiegelchen drüber. Drinnen Blei. Kann auch
Zinn sein. Das auf jeden Fall dünn wird, flüssig. Schließlich in ein
Schälchen Wassers plumpst und die seltsamsten Figuren produziert. Blei
gießen – eine legitime Form der Recherche, wenn das Jahr sich neigt.
Und nur dann. Was bringt 2008?
14. Januar: Zisch,
brodel. Könnten die Umrisse von Heiligendamm sein. Tatsächlich.
Sicherheitshalber kippen wir noch ein wenig Kaffeesatz dazu. Ein gutes
Jahr für die weiße Stadt, ist da herauszulesen. Alle Wege sind nun
offen, wie im Schengener Abkommen vorgesehen. Statt in Heiligendamm
entsteht nun am Doberaner Walkmüller Holz ein Kurpark. Die Kosten für
den Shuttle-Dienst dorthin übernimmt die Münsterstadt. Das
Alexandrinen-Palais im Heiligendammer Wäldchen wird Erholungsheim für
werdende Mütter aus der Fortswirtschaft. Auf der Seebrücke gibt es ein
bewegendes Friedensfest. Fundus-Mitarbeiter, Hoteliers und Einwohner
liegen sich in den Armen. Nicht in den Ohren. Polizisten, wieder in
großer Zahl erschienen, weinen sich bewegt die Protektoren nass.
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Fazit 2007:
Viel Lärm um nichts..
Die
Perle ging - der Ärger kam. Einige fühlten sich über- andere hintergangen
und während alle heftig debattierten, verfiel die Perlenkette im Angesicht
des Glanzes des herausgeputzten Heiligendamms weiter vor sich hin.
Dann dieser Sommer: Heiligendamm war so richtig schön voll mit Menschen.
Hätten die alle ein Zimmer im Grand Hotel gebucht - alle Probleme wären
auf Schlag aus der Welt.
Der Gipfel kam. Der Gipfel ging. Die Probleme blieben: Uneinigkeit,
gegensätzliche Interessen, Blockade.
Beschlüsse wurden gefasst und teilweise wieder aufgehoben, neue Beschlüsse
eingebracht und teilweise abgelehnt.
Am Ende sah man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und entschied sich,
mit den Waldflächen aufzuräumen.
Es wurde viel geredet und wenig beschlossen. Zäune gehen - Zäune kommen.
Und die Perlenkette verfällt weiter.

Hier geht es weiter:
2008: Dieses Jahr wird alles anders. Oder auch nicht....
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