Zeit am Meer


Bad Doberan und Heiligendamm - Geschichte, Werdegang und Zukunft. Chronik, Foto-Rundgaenge, Gebaeudedatenbank, Oeffentliche Diskussion.
Wenn Sie diese Seite nicht direkt aufgerufen, sondern einen Einzelartikel angeklickt haben, bewegt sich die Seite automatisch zum Beitrag, nachdem sie fertig geladen ist.
ACHTUNG: Die Rubrik "Öffentliche Diskussion" ist seit 12/2011 direkt auf www.zeit-am-meer.de zu finden.

Neues Jahr, neue Probleme und die ganze Welt schaut zu.
 

2007. Der G8-Gipfel steht vor der Tür.
Und damit beginnen auch schon die Probleme in Heiligendamm:


 

Der Findling soll weg und die "Perle" wird abgerissen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 04. Januar 2007  |  Titelseite Bad Doberan

Findling versperrt Sicht auf G8-Gäste

Weil der Findling auf dem Heiligendammer Seebrückenvorplatz Kamerateams die Sicht nimmt, soll er für das Gipfeltreffen verrückt werden.

Heiligendamm Soll er weg, soll er verrückt werden – auf jeden Fall soll der Findling auf dem Seebrückenvorplatz in Heiligendamm zum G8-Gipfel nicht mehr da liegen, wo er jetzt liegt. Denn da liegt der dicke Brocken im Weg. Mitten in der Sichtachse von Fernsehteams, die die Staatsoberhäupter beim Plausch auf der Terrasse des Kurhauses vor die Linse bekommen wollen.

Dass der beeindruckende Findling für den Weltwirtschaftsgipfel im Juni dieses Jahres umziehen soll, bestätigt Fundus-Pressesprecher Johannes Beermann.
Weit von sich weist er aber Befürchtungen, der Stein könne dauerhaft von seinem Stammplatz verbannt werden. „Davon war nie die Rede, das wird definitiv nicht diskutiert.“

Hintergrund: Für das Treffen der Staatsoberhäupter der acht bedeutendsten Wirtschaftsnationen wird die Villa „Perle“ abgerissen. Das Gebäude ist eines von dreien der so genannten Perlenkette, die der Abrissbirne zum Opfer fallen dürfen. Die Villa würde nach dem Treffen wieder aufgebaut werden, so Johannes Beermann.

An der Stelle des maroden Hauses direkt am Seebrückenvorplatz soll für das Gipfeltreffen ein Kamerastandort entstehen. Dabei handele es sich um eine Gerüstkonstruktion, auf der sich die Fernseh-Teams postieren könnten.

Der Findling allerdings würde genau zwischen Kamerastandort und Kurhaus liegen, sollte er nicht verrückt werden. Dies sei verschiedenen Sendern während einer Besichtigung der örtlichen Gegebenheiten aufgefallen. Der Wunsch, den Findling zu entfernen, sei nicht von der Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) geäußert worden, sondern von einzelnen Sendeanstalten.

Dagegen bezeichnet es der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung der Bad Doberaner Verwaltung, Norbert Sass, sehr wohl als Wunsch der ECH, dass der Findling seinen Platz zu räumen habe. Das Argument von versperrter Sichtachse im Zusammenhang mit dem Weltwirtschaftsgipfel hält der Amtsleiter für vorgeschoben. Der historische Liegeplatz des Findlings dürfe nicht geopfert werden. Mit der Stadtverwaltung sei das jedenfalls zurzeit nicht zu machen, sagt Sass und verweist in einem Atemzug auf einen von den Stadtvertretern beschlossenen Bebauungsplan, wonach der Liegeplatz des Findlings festgeschrieben sei. Ein Entfernen ist nach Ansicht von Norbert Sass ausgeschlossen. Dass sich die Stadtvertreter in dieser Frage plötzlich anders positionierten, kann sich der Amtschef nicht vorstellen. Sass vermutet, dass der wuchtige Stein, zu nah am Grand Hotel liege, noch dazu ein Publikumsmagnet sei und somit erst viele Besucher auf den Brückenvorplatz locke. Seitens der ECH wird seit Langem eine Beruhigung des Hotelumfeldes gefordert. Auch ein Gutachter sieht dies für einen wirtschaftlichen Betrieb als unerlässlich an.

TIMO RICHTER

 

Wenn es in Heiligendamm etwas gibt, das seit seinem ersten Erscheinen nicht überpinselt, ausgebessert, ver- oder ersetzt wurde, dann ist das dieser Gedenkstein. Er steht seit seiner Errichtung fest an diesem Platz und nichts und niemand konnte ihm etwas anhaben. Geschweige denn, dass irgend jemand jemals auf die Idee gekommen wäre, dem Findling irgend etwas "antun" zu wollen. Die Sendeanstalten sind die ersten, die sich an diesem Stein störten und auch die ersten, die Hand anlegen wollten.

 

Dieser Findling ist ein Zeichen für Heiligendamm, wie  der Michel für Hamburg und das Brandenburger Tor für Berlin.

Niemand würde auf die Idee kommen, den Michel abzureißen oder das Brandenburger Tor umziehen zu lassen.

 

Der Findling ist auch ein Symbol in der Beziehung, dass der Umgang mit Denkmälern in der DDR ihn nicht erreicht hat.

In Rostock musste eine Kirche einer Straße weichen, in Berlin ein Schloss dem Palast der Republik und diese Liste lässt sich beliebig weiter  führen. FUNDUS baut in Berlin das Adlon wieder auf - an der geschichtsträchtigsten Stelle der Stadt - und in Heiligendamm will sie ein Denkmal zerstören.

 

Das Verrücken dieses alten Steines - dieses nie angetasteten Urgesteins - wäre ein schlechtes Omen für Heiligendamm.

 

Mit den verrückten Verrückungsplänen werden auch die Bürger verrückt, da sie JagdfeldFundusECH ja eh schon für verrückt hielten.

Nie wurden die Stimmen so laut - nie der Ton so scharf - wie in diesen Tagen.
Nie gab es so heftige Vorwürfe - selbst aus der Stadtverwaltung - gegen die ECH.
 

So ließ man ab von Stein, entschied sich für eine andere und viel schönere Presse-Tribüne und wandte sich dem Abriss der Villa "Perle" zu:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 09. Januar 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Heiligendamm: Abriss der „Perle“ hat begonnen

Heiligendamm (OZ/tri) Mit der Entkernung der Villa „Perle“ begannen gestern die Vorbereitungen für den Abriss des zur sogenannten „Perlenkette“ in Heiligendamm gehörenden Gebäudes. Fenster, Türen und Geländer wurden ausgebaut. Zwei Bagger bezogen Stellung, zum Einsatz sollen sie spätestens morgen kommen. Das Haus neben dem Grandhotel sei so marode, dass eine Renovierung nicht mehr möglich sei, sagte der Sprecher der Investorengruppe Fundus, Johannes Beermann. Das Haus soll nach dem G8-Gipfel im Juni wieder originalgetreu aufgebaut werden. Bisherigen Informationen zufolge wird an dieser Stelle eine Pressetribüne für das G8-Treffen errichtet. Die „Perlenkette“ ist ein Ensemble von sieben, heute leer stehenden Ferienhäusern entlang der Ostseeküste.
 

 

Natürlich war damit die Diskussion nicht zu Ende. Sie fing gerade erst an. Unter die Trauer um das altehrwürdige Gebäude mischte sich Wut, Hass, Trotz und auch Resignation. Für die G8-Gegner war das ein gefundenes Fressen und sie zogen in diesen Tagen viele Sympathien auf sich, die ihnen - wie wir später sehen werden - in der heißen Phase des Gipfeltreffens sehr zu Gute kommen.


 

Reaktionen auf den Abriss der "Perle".

 

Die ganze Welt schaute zu, wie in Heiligendamm ein Kandidat für das Weltkulturerbe zerstört wurde.

Das war dann das nächste gefundene Fressen, zubereitet von der ECH. Hier nur einige Auszüge aus der Presse:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 11. Januar 2007  |  Titelseite
 

Heiligendamm: Erste Villa abgerissen

Fünf Monate vor Beginn des G8-Gipfels verliert die Weiße Stadt am Meer das erste Haus der sogenannten Perlenkette. Dort soll im Juni eine Pressetribüne stehen.

Heiligendamm (OZ) Für die Villa „Haus Perle“ in Heiligendamm schlug gestern das letzte Stündchen. Pünktlich um 9.30 Uhr hob sich der Greifarm des Baggers und hackte sich Stück für Stück in die klassizistische Fassade.

„In etwa drei Wochen wird von der Villa nichts mehr zu sehen sein“, kündigte Abrissunternehmer Eckhard Werges (50) aus Kröpelin an.
„Der Bauschutt wird zu Splitt verarbeitet.“
Drei Mann und einen Fahrer hatte Werges abgestellt, um das 1854 erbaute Gebäude, das einst den russischen Zaren als Ferienresidenz diente, zu beseitigen.

Während des Gipfels vom 6. bis 8. Juni soll am Standort der Villa eine Pressetribüne errichtet werden. Nach dem Treffen werde die denkmalgeschützte Villa wieder aufgebaut, versicherte der Sprecher der Investorengruppe Fundus, Johannes Beermann. Einen Termin konnte er nicht nennen.

Auch zwei weitere Villen der aus sieben Häusern bestehenden „Perlenkette“ an der Strandpromenade sind für den Abriss freigegeben und sollen fallen. Es handelt sich um die Häuser „Möwe“ und „Schwan“. Sie seien in den 60er- und 70er-Jahren so stark verändert worden, dass eine Erhaltung keinen Sinn mehr mache, erklärte Landes-Denkmalpflegerin Ewa Prync-Pommerenke (56). Da das Gesamtensemble unter Schutz stehe, kann der Wiederaufbau nur nach altem Vorbild erfolgen.

Sehr fraglich ist laut Prync-Pommerenke, ob der große Findling vor dem benachbarten Grand Hotel Kempinski anlässlich des G8-Gipfels versetzt werden darf. Es hieß, er behindere Kamerateams in der Sicht auf den Hotelkomplex. Fundus-Sprecher Beermann wollte die angeblichen Pläne gestern weder bestätigen noch dementieren.

„Um den Findling zu versetzen, bedarf es keiner Baugenehmigung“, erläuterte der Bad Doberaner Kreis-Bauamtsleiter Joachim Seehaus (64). Eine solche Maßnahme müsse aber mit der Landesdenkmalbehörde und der Stadt abgestimmt werden. Seehaus: „Aus meiner Sicht ist diese ganze Geschichte grober Unfug.“ Auch Prync-Pommerenke äußerte erhebliche Bedenken.

Unterdessen begann einen knappen Kilometer von der Weißen Stadt entfernt der Bau des Sicherheitszaunes. Die knapp 13 Kilometer lange und 2,50 Meter hohe sowie 12,5 Millionen teure Absperrung soll das Seebad beim G8-Gipfel im Juni sichern.

MARCUS STÖCKLIN
 

 


Die Zeit - Feuilleton: 11.01.2007 Nr. 03 | Hanno Rauterberg

Ein Land auf Abriss

Auszug »... So fehlt es nicht nur an Geld und Menschen, es fehlt oft auch an Verstand. Heiligendamm zum Beispiel, ein Seebad, klar und prächtig, vor der Wende arg heruntergekommen. Die Landesherren in Schwerin waren froh, als der Geschäftsmann Anno August Jagdfeld und sein Immobilienfonds das verrottete Ensemble erwarb, um es in ein Hotel von Welt zu verwandeln. Er richtete alles her, so glorreich, dass sich nun selbst Blair, Bush, Merkel und die anderen G-Achter davon verlocken lassen und im Sommer dort einen Gipfel abhalten. Im Glanz der schönen Bauten werden sie sich sonnen und die Traditionsliebe der Deutschen preisen - dabei ist auch Heiligendamm die Geschichte einer Vernichtung. »So gut wie nichts wurde erhalten«, sagt der heute pensionierte Denkmalpfleger Dieter Zander, der mit ansehen musste, wie das Ensemble bis auf die Grundmauern ausgeweidet wurde. Vieles wurde abgeschlagen, entblättert, ausgeschabt, noch nicht mal die alten Dächer durften bleiben.

Offenbar ist der Drang vieler Deutscher nach Sauberkeit und Ordnung unerbittlich. Anders als in Italien oder Frankreich, wo eine Wand auch mal fleckig, ein Pfeiler mal rissig sein darf, muss hierzulande das Alte aussehen wie gerade errichtet, so auch in Heiligendamm. »Für mich«, sagt Zander, »ist das kein Denkmal mehr. Das ist ein Neubau.« Und was ihn besonders ärgert: Das Hotelprojekt und damit die Zertrümmerung großer Teile der alten Bausubstanz wurden üppig mit Fördergeldern bezuschusst - mit 53 Millionen Euro.

Im Gegenzug hätte der Staat zumindest verlangen müssen, sagt Zander, dass die sieben wunderbaren Cottages erhalten bleiben, kleine Villen, fast 200 Jahre alt und heute arg zerzaust. Auch die passten dem Investor Jagdfeld nicht ins Bild, und selbst die finanzielle Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz schlug er banausisch aus. Drei der Cottages, so ist's beschlossen, werden abgerissen, ohne Not. Einen neogotischen Turm hat Jagdfeld hingegen neu errichten lassen, eine reine Rekonstruktion.

So ist es oft: Der Staat fördert, doch der Erhalt von Denkmalen ist dabei oft Nebensache.
Manchmal bezahlt er sogar dafür, dass schützenswerte Häuser zerstört werden, er subventioniert den Gedächtnisverlust ...«
 

 


'taz Nr. 8173 vom 12.1.2007 Seite 7 | TAZ-Bericht DANIEL SCHULZ

Gipfeltreffen wird zum Villa-Killer

In Heiligendamm muss ein 153 Jahre altes Badehaus weichen, damit eine Pressetribüne für die G-8-Tagung entstehen kann.
Dem Investor, der beinahe den kompletten Ort aufgekauft hat, kommt der Polit-Trubel für seine Abrisspläne wohl gelegen

Die alte Villa sieht aus wie ein Zahn mit Karies. Immer weiter bohren die beiden gelben Bagger ihre Schaufeln in das Innere des Hauses. Weil es in Heiligendamm regnet, staubt es nicht allzu sehr. Dadurch kann man in das Loch im Haus hineinsehen. Die alten Holzdecken hängen in Teilen herunter oder liegen zerstückelt auf dem Boden.

In Deutschlands ältestem Seebad Heiligendamm wird abgerissen. Einst residierte in der 1854 erbauten "Villa Perle" der russische Zar beim Badeurlaub, doch nun soll hier eine Pressetribüne hin. Für die zwei Tage des G-8-Gipfels im Juni dieses Jahres, denn den haben Bund und Land nach Heiligendamm geholt. Auf den Überresten des klassizistischen Bungalows kann man vielleicht bald Auto fahren. Der Schutt werde zu Splitt verarbeitet, sagt der Abrissunternehmer. Splitt lässt sich hervorragend für den Straßenbau verwenden. Oder zum Streuen im Winter.

"Einen derart unsensiblen Umgang mit Historie gibt es wohl selten", sagt Hannes Meyer von der Bürgerinitiative Heiligendamm. Der Architekt mit Büro in der nahen Stadt Bad Doberan, zu der Heiligendamm gehört, sieht "das städtebauliche Ensemble des Ortes gesprengt". Seine Initiative kämpft bereits seit vier Jahren gegen die Baupläne der Fundus-Gruppe, hinter der der Investor Anno August Jagdfeld steht. Die Gruppe mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Düren hat den historischen Teil des Seebads nach der Wende fast komplett aufgekauft. Seither gibt es Zwist, der Abriss ist nur ein weiterer Höhepunkt. Unter anderem wurde um das 2003 eröffnete Kempinski Grand Hotel herum die Hälfte des Ortes gesperrt. Die wohlhabenden Gäste störten sich an schaulustigen Mecklenburgern.

Zwischen die historischen Villen möchte Fundus gern noch ein zweites Hotel bauen. Da passt der Abriss der "Villa Perle" gut in die Pläne. Sie soll als moderne Ferienwohnung wieder aufgebaut werden - "natürlich originalgetreu", sagt Fundus-Sprecher Johannes Beermann. Man habe die Villa ohnehin abreißen müssen, "in der DDR wurde das Haus kaputtsaniert".
Für Architekt Meyer ist das Unsinn: "Man hätte das Haus erhalten können, aber das war wohl zu teuer."

Doch die Ansicht der Fundus-Gruppe wird von der örtlichen Denkmalbehörde gestützt. Auch die gab grünes Licht für einen Abriss - ein Erhalt mache keinen Sinn mehr. Im September 2002 sahen das die Offiziellen noch anders. Damals wurde in einem Grundlagenvertrag zwischen der Stadt und den Investoren festgehalten, "die Sanierung der nicht zum Grand Hotel gehörenden Gebäude zeitnah nach Fertigstellung des Grand-Hotels zu beginnen". Geldgeber Jagdfeld nannte sogar einen Termin, bis zu dem Häuser wie die Villa Perle wieder in neuem Glanz erstrahlen sollten: "Er strebt den Abschluss der Sanierung dieser Gebäude bis zum 31. 12. 2005 an." Stattdessen kamen nun die Bagger.

Die Villa Perle wird nicht das letzte Opfer sein. Für zwei weitere Häuser hat Fundus ebenfalls eine Abrissgenehmigung. Wann die Villa-Killer hier wieder anrücken, ist laut Beermann noch nicht klar.

Die Bürgerinitiative wird weiter dagegen kämpfen, doch derzeit steht sie allein auf weiter Flur. Der Bürgermeister von Bad Doberan, Hartmut Polzin (SPD), will die Abrissgegner am liebsten gar nicht wahrnehmen. "Bei uns hier gibt es wegen Fundus keine Unruhe", sagt er. "Ein paar Klagen gibt es immer." Die wurden von höheren Mächten gestern kurz erhört - gegen Mittag hatte einer der Bagger plötzlich eine Panne. Inzwischen jedoch wird weiter abgerissen, in drei Wochen soll von der "Villa Perle" nichts mehr übrig sein.
 

 


Welt am Sonntag, 21. Januar 2007 | Immobilien | Dirk Böttcher

Eine Perle weniger – Eine denkmalgeschützte Villa wird zu Straßensplitt

Damit die Presse beim G8-Gipfel freie Sicht auf das Familienfoto der Weltmächtigen hat, gerät in Heiligendamm – dem ältesten deutschen Seebad – das berühmteste Gebäude einer klassizistisch-romantischen Villen-Kette unter die Abrissbirne.

Eine Szenerie wie eine Kino-Kulisse: Der regenschwere Himmel trieft über einer zerfransten Ruine, deren Mauerreste einen malerischen Durchblick gestatten: Von der Rückseite hin zur Seefront, in der entglaste Fenster das Meer zu kleinen Gemälden rahmen. Wie zum Trotz reckt sich dazwischen eine vergessene Kachelwand, vor die in diesem Moment ein Bauarbeiter stolpert. Was für eine Villa das sei, weiß er doch nicht. „Aber die kommt jetzt eh weg“, sagt er und stakst über aussortiertes Gebäudeeingeweide: Ein Haufen rostiges Leitungsgedärm, dahinter einer mit kantigem Gebälk.

Die „Villa Perle“ wird seit Jahresbeginn aus der so genannten „Perlenkette“ in Heiligendamm getilgt. Sieben mondäne Bauten im klassizistisch-romantischen Stil, die dem ältesten Seebad Deutschlands einen einzigartigen Charme verleihen, auch wenn sie schon seit über einem Jahrzehnt ungenutzt und zugenagelt daherstehen. Ein historischer Ort, der in vollendeter Harmonie über Meer, Strand, die aufgereihten Villen und den dahinter liegenden Wald gleitet. Der Abriss der unter Denkmalschutz stehenden „Perle“ – das Anfangsglied der Kette – schafft Platz für eine Pressetribüne, von der aus Journalisten das Händeschütteln der Weltmächte beim G8-Gipfel im Juni beobachten sollen.

Der Reiz des Denkmals mit dem bescheidenen Säulenportal, der ausgewogenen Kubatur und einer klaren geschoßweiten Staffelung ergibt – oder besser ergab – sich vor allem aus der Komposition mit den anderen Villen. Der Star ist das Ensemble, entstanden Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts nach den Plänen der Landeskondukteure des Großherzogs zu Mecklenburg-Schwerin. Der seinerzeit die Bebadbarkeit der Ostsee entdeckte, dies als der Gesundheit förderlich erachtete und zu diesem Zweck im Jahre 1793 ein Seebad begründete. Zunächst mit bloßen „Strandhäuschen“ ohne Übernachtungsabsicht, die später ausgebaut zur „Weißen Stadt am Meer“ avancierten und fortan Geschichte wie Geschichten schrieben.

So kolportiert die mit Heiligendamm betraute Entwicklungsgesellschaft E.C.H. – ein zur Fundus-Gruppe gehörendes Unternehmen – der russische Zar habe die „Villa Perle“ zum Badeurlaub bezogen. Im vergangenen Jahr sorgte für Schlagzeilen, dass Wladimir Putin diese Villa angeblich erwerben wollte. Die vorgesehenen Badezimmer-Armaturen – allesamt aus purem Gold – waren in den Gazetten bereits zu bestaunen und nun stieren zwei einfache Bauarbeiter aus einem gähnend leeren Fensterloch eines halberledigten Hauses. „Am 2. Februar soll das Ding weg sein“, raunt einer. Zu zweit zerbröseln sie die berühmteste Villa von Heiligendamm zu Straßensplitt. „Sehr guter Straßensplitt“, wie der Chef der Abrissfirma in der Lokalzeitung versichert.

Ein Vorgang von rühriger Symbolik: Geschichte zerfällt zu Staub, oder immerhin Splitt, auf dem die Mächtigen der Gegenwart in ihren Limousinen dahin gleiten werden, um die Zukunft zu planen. Einige Anwohner hingegen sehen hier eher zu Staub zerfallen, was sie sich vor etwas mehr als zehn Jahren erträumten: Da kaufte die Kölner Fundus-Gruppe in einem bundesweit einmaligen Akt glatt den gesamten Ort, um ihn zu einem der exklusivsten Seebäder Europas aufzupäppeln. Die Villen der Perlen-Kette sollten saniert und restauriert werden, so die Auflagen im Vertragswerk. 192 Millionen Euro sammelte der Fundus-Fond 34 für das Gesamtkunstwerk Heiligendamm ein, 207 Millionen wurden investiert, 24 Prozent davon aus Fördermitteln.

Heute, über ein Jahrzehnt später, stehen die Villen stoisch in traumhafter Kulisse, wie ein welkes Versprechen traumweißer Schönheit. Eigentlich sollten sie im Jahr 2000 saniert sein, dann zum G8-Gipfel 2007, dann auf jeden Fall danach. Nun fehlt eine Villa. Nach dem Gipfel zwei weitere.

Der Abriss denkmalgeschützter Bausubstanz induziert auch in Heiligendamm das übliche Spannungsfeld zwischen Bewahrern und Investoren. „Wir befürchten, dass in fünf oder sechs Jahren hier gar nichts mehr steht“, sagt Axel Thiessenhusen von der Bürgerinitiative Heiligendamm. Die Abriss-Genehmigung verklauselt keine Pflicht zum Wiederaufbau. Den Traum von der „Weißen Stadt am Meer“ hält er für ein Luftschloss der Politiker und Investoren. „Hier wird ein großfürstlicher Traum geträumt, der jede Menge Geld kostet, das Fundus nicht hat“, glaubt Thiessenhusen.

Tatsächlich gingen die eingeworbenen Beträge für die Fundus-Immobilienfonds in den letzten Jahren merklich zurück: Von 200 Mio. Euro im Jahr 1999, auf 25 Mio. im Jahr 2005.
Fundus-Sprecher Johannes Beerbaum nennt für die baulichen Untätigkeiten aber „2 1/2“ andere Gründe: Erstens bat die Bundesregierung, bis zum G8-Gipfel keine Baumaßnahmen vorzunehmen. „Damit da niemand eine Bombe vergräbt“, so Beerbaum. Zweitens würde das Konzept für die Sanierung der Perlenkette den vorherigen Bau eines zweiten Hotels – die Residenz „Adlon am Meer“ – voraussetzen. Die Idee dahinter ist, durch ein klassisches Bauträgergeschäft Eigentumswohnungen in den Villen zu verkaufen. Die von den Besitzern aber nicht ganzjährig bewohnt, sondern dem Hotel zu Mitvermietung angeboten werden sollen. Drittens, der halbe Grund, bliebe ein Detail am Rande: Vor Ort stehen schon 225 Hotel-Zimmer im gediegenen Kempinski zur Verfügung, dessen Auslastung auf 50 Prozent geschätzt wird. „Ein zweites Hotel macht natürlich erst Sinn, wenn das Erste läuft“, erklärt Beerbaum.

Den Abriss der „Perle“ begründet Fundus mit dem schlechten Zustand des Gebäudes. Bürgermeister wie die Landesdenkmalpflege bestätigen dies und erteilten entsprechende Genehmigungen. Der Fundus-Sprecher sagt dazu: „Die Villen werden wieder zum Leben erweckt, neu erbaut und zwar so wie sie waren.“ Der „Reiz der Geschichte“ sei schließlich der eigentliche Wert der Immobilien.

Was der hiesige Architekt Hannes Meyer, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative, für „unmöglich“ hält: „Ein neues Haus ist immer ein anderes Haus.“ Vorstellbar sei allenfalls ein „Plagiat, das an Disneyland, nicht an Heiligendamm erinnert.“ Dass der Abriss nötig sei, hält Meyer für „ausgemachten Quatsch“ und beruft sich dabei auch auf den Denkmalpfleger vor Ort. Der will seinen Namen nicht nennen. Die Unmöglichkeit der Sanierung ist für ihn aber eine Mär wie der Besuch des Zaren. „Der war nie hier, nur die russische Großfürstin Marie.“ Die Zaren-Geschichte passt aber besser in das Investorenkonzept, wie auch der Abriss der Villa Perle, gegen den er sich vehement aussprach, bis ihn die Schweriner Landesbehörde zurückpfiff. Für den Denkmalpfleger sind die betreffenden Häuser „voll sanierungsfähig“. Dass gerade die Häuser 1, 3 und 5 in der siebenteiligen Kette abgerissen werden, hat für ihn einen tieferen Grund: Allen Gebäuden fehlen die Keller. Die sind aber als Versorgungsräume für die zukünftigen Nutzungsvorhaben unabdingbar. Durch den Abriss können diese nun einfach bis an die angrenzenden Gebäude gebaut werden und das gesamte Ensemble wäre preiswert unterkellert. Bleiben die Lücken in der Kette, wie befürchtet, verfügte das dahinter stehende Severin-Palais endlich über den Seeblick, um irgendwann den Namen Residenz „Adlon am Meer“ zurecht zu tragen.

Dirk Böttcher
 

 

Hier möchte ich mal ein wenig aufräumen:

 

1. Der russische Zar war nie in Heiligendamm. Der machte seinen Badeurlaub noch immer an der Krim im eigenen Lande und nicht irgendwo im fernen Deutschland. Hohe Mitglieder des russischen Zarenhauses, wie sein Sohn, der auch mit Mecklenburgs Großherzogs-Tochter Marie in der Villa "Perle" einige Sommer verbrachte, sie ehelichte aber niemals Zar wurde oder seine Schwester waren in Heiligendamm. Der Zar selbst jedoch nicht. Diese alte Mär wird durch ständige Wiederholung durch Jagdfeld und einiger leichtgläubiger und schlecht recherchierender Journalisten nicht wahrer.

 

2. Auf den Resten der "Perle" kann man definitiv nicht Auto fahren, da es sich um Bauschutt handelt und nicht Splitt.
Was Unternehmer Werges meint - und was von den Medien sinnfrei weiter gedichtet wurde - ist, dass mit dem sortierten und entsorgungspflichtfreien Bauschutt Baustraßen angelegt werden können. Dazu wird eine robuste Fasermatte ausgelegt, der zerkleinerte Bauschutt darauf verteilt und verdichtet. Das macht man, damit schweres Gerät nicht im Schlamm versinkt und Spuren hinterlässt.

Zum Streuen ist der Schutt völlig ungeeignet.
Niemand streut Eisflächen mit bis zu 5 Zentimeter großen Stein- Ziegel- Lehm- oder Betonstücken. Das ist Medien-Unsinn.

 

3. Bauarbeiter sind keine Villa-Killer.
Wenn überhaupt, gehört dieser "Titel" denen, die den Abriss geplant und beantragt und denen, die ihn genehmigt haben.

 

Und zum Inhalt:

 

"Fundus-Sprecher Johannes Beerbaum nennt für die baulichen Untätigkeiten aber „2 1/2“ andere Gründe:
Erstens bat die Bundesregierung, bis zum G8-Gipfel keine Baumaßnahmen vorzunehmen. „Damit da niemand eine Bombe vergräbt“, so Beerbaum. Zweitens würde das Konzept für die Sanierung der Perlenkette den vorherigen Bau eines zweiten Hotels – die Residenz „Adlon am Meer“ – voraussetzen. Die Idee dahinter ist, durch ein klassisches Bauträgergeschäft Eigentumswohnungen in den Villen zu verkaufen. Die von den Besitzern aber nicht ganzjährig bewohnt, sondern dem Hotel zu Mitvermietung angeboten werden sollen. Drittens, der halbe Grund, bliebe ein Detail am Rande: Vor Ort stehen schon 225 Hotel-Zimmer im gediegenen Kempinski zur Verfügung, dessen Auslastung auf 50 Prozent geschätzt wird. „Ein zweites Hotel macht natürlich erst Sinn, wenn das Erste läuft“, erklärt Beerbaum."

 

Das ist natürlich auch ein Argument. Die Frage ist nur, ob Abrissarbeiten denn keine Bautätigkeiten sind.
Die "Perle" ist weg und nur noch eine Sandfläche mit einem  heraus ragenden Kabel der Deutschen Telekom erinnerte zunächst noch an sie. Der Abriss erfolgte nicht unter ständiger Polizeiaufsicht und unter der Sandfläche ist etwa einen Meter Platz bis zum Boden. Auf diese Fläche kommt die Pressetribüne. Eine Anfrage bei der KAVALA (Landespolizei MV) ergab, dass nach der Schließung es Zaunes der Ort gründlich durchkämmt werden soll. Ob das auch die Baugrube der "Perle" einschließt?
Die KAVALA äußerte sich nicht dazu.

 

Das besagte "Adlon am Meer" ist umstritten.
Es existieren im Internet einige Hinweise darauf, dass bereits alle Planungen dafür abgeschlossen sind und das Hotel 2007 fertig sein soll(te) aber das Gebäude taucht auf den Plänen von FUNDUS nicht auf. Im Amtsblatt findet sich ein Hinweis darauf, dass das "Hotel Adlon am Meer GmbH" umbenannt wurde in "Hotel Residenz GmbH". Und dieses gab es tatsächlich. Es steht am südöstlichen Ende der Perlenkette. Daneben befindet sich ein Bürogebäude und daneben die Post und Garagen.
Allerdings gibt es auch das Residenz-Hotel nicht mehr. Das Gebäude gehört der ECH und beherbergt unter anderem die Mitarbeiter von FUNDUS, der ECH und dem Grand Hotel, die ihren Erstwohnsitz nicht in Mecklenburg-Vorpommern haben.
 
Laut Plan sollen zwischen ehemaligen Residenz-Hotel (Das wir von nun an "Prinzessin-von-Reuß-Palais" nennen wollen) und Kolonnaden Neubauten entstehen. Dort nennt es sich nur "Ensemble Palais". Aber auch hier dürfte es Probleme mit dem Namen gegeben haben, da das Adlon in Berlin über eine gleichnamige Bar verfügt. Das deckt sich dann auch mit den Aussagen im folgenden Teil desselben Artikels wie zuvor zitiert. Hier ist nicht mehr vom Ensemble-Palais als "Adlon am Meer" die Rede:

 

"Bleiben die Lücken in der Kette, wie befürchtet, verfügte das dahinter stehende Severin-Palais endlich über den Seeblick, um irgendwann den Namen Residenz „Adlon am Meer“ zurecht zu tragen. "

 

Nachtrag 2009: Um das "Adlon am Meer" geht es nun vor Gericht Kempinski und Adlon-Erbe Percy Adlon gegen FUNDUS.

Es soll verhindert werden, dass der Name "Adlon" außerhalb Berlins verwendet wird. Im Gewinnfall muss FUNDUS den Begriff "Adlon am Meer" überall entfernen.


 

Die Denkmalschützer haben dem Abriss zugestimmt? Der Ober-Denkmalschützer sieht das anders.

 


taz Nr. 8205 vom 19.2.2007, Seite 6, 133 Interview DANIEL SCHULZ

»Abriss für G-8-Gipfel ist schändlich«
Der Chef der Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, kritisiert die Investoren des G-8-Hotels in Heiligendamm

Im Grand Hotel in Heiligendamm treffen sich im Juni die acht mächtigsten Staatschefs der Welt zum G-8-Gipfel. Das Hotel und die so genannte Perlenkette - ein Ensemble von sieben historischen Strandvillen - in dem Ostseebad gehören zum Immobilienimperium des Investors Anno August Jagdfeld und seiner Fundus-Gruppe. Trotz Protesten vor Ort lässt Fundus mehrere der klassizistischen Häuser abreißen. Kürzlich behauptete die Fundus-Gruppe, der Chef der Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, habe das Vorhaben befürwortet.

taz: Herr Kiesow, weil in Heiligendamm eine Pressetribüne für den G-8-Gipfel entstehen soll, wird dort eine historische Villa abgerissen. Zwei weitere Häuser sollen folgen.
Die Investoren sagen, Sie heißen das gut.


Gottfried Kiesow: Falsch. Die Fundus-Gruppe verbreitet Unwahrheiten. Ich habe dem Abriss einer Villa für den G-8-Gipfel nie zugestimmt. Auch nicht dem der anderen zwei Häuser, die von der Denkmalbehörde Mecklenburg-Vorpommerns leider zum Abriss freigegeben wurden. Ich bin sauer, dass mein Name mit diesen schändlichen Taten in Verbindung gebracht wird.

taz: Aber Sie haben im Januar 2005 doch mit dem Fundus-Chef Anno August Jagdfeld über diese Häuser gesprochen, oder?

Gottfried Kiesow: Nein, wir haben über die vier anderen Villen der so genannten Perlenkette gesprochen. Denn die wollte Herr Jagdfeld auch noch abreißen lassen.

taz: Tatsächlich? Wieso?

Gottfried Kiesow: Um sie etwas größer wieder aufbauen zu lassen. Er wollte die Villen nämlich gern unterkellern und sechs Wohnungen darin unterbringen, und das geht bei den Häusern in der derzeitigen Größe einfach nicht. Um diese Katastrophe zu verhindern, habe ich ihm die Hilfe der Stiftung Denkmalschutz angeboten. Unsere fachmännische Sanierung sollte für ihn nicht teurer werden als ein Abriss der Häuser.

taz: Und hat er zugestimmt?

Gottfried Kiesow: Das Sanieren der Häuser sollen seine eigenen Leute übernehmen. Er hat aber versprochen, sich dabei an unsere Empfehlungen zu halten.

taz: Glauben Sie ihm?

Gottfried Kiesow: Ich habe wohl kaum eine Wahl. Fest steht: Bei unseren Handwerkern weiß ich, dass sie alte Häuser fachgerecht restaurieren können. Bei Herrn Jagdfelds Leuten weiß ich es nicht. Restaurieren ist eine Handwerksarbeit und keine Fabrikarbeit. Mit Großbetrieben, wie sie viele Bauherren beschäftigen, ist das nicht zu machen.

taz: Hätte man die abgerissene Villa Perle noch retten können?

Gottfried Kiesow: Natürlich hätte man das können. Ich kann die Argumentation von Fundus nicht nachvollziehen. Sie sagen, die Villa hätte abgerissen werden müssen, weil sie zu DDR-Zeiten umgebaut wurde. Aber wenn Jagdfeld sie originalgetreu wieder aufbauen will, muss er den alten Grundriss doch ohnehin wiederherstellen. Warum restauriert er nicht die echte Villa, anstatt eine Kopie zu machen? Da läuft die Diskussion im Kreis, das ist absurd. Für die anderen zwei Häuser, die abgerissen werden sollen, gilt das gleiche.


taz: Wenn das für Sie als einer der wichtigsten Denkmalexperten klar ist, warum hat dann die Landesdenkmalbehörde in Schwerin anders entschieden?

Gottfried Kiesow: Ich vermute, dass es politischen Druck gab. Das passiert einem Denkmalschützer dauernd.
Ich habe das in meiner über 50-jährigen Tätigkeit Dutzende Male erlebt. Man darf dann keine Angst vor den Mächtigen zeigen. Ich hätte mir gewünscht, die Behörde in Schwerin hätte die Häuser in Heiligendamm nicht aufgegeben. Als Denkmalschützer ist man der Pflichtverteidiger des Denkmals, den Richter spielen die Politiker. Sie fällen vernichtende Urteile, aber nicht wir.

taz: Eine Minderheit der Denkmalschützer in Mecklenburg-Vorpommern kämpft noch für den Erhalt von Heiligendamm. Ist das aussichtslos?

Gottfried Kiesow: Auf keinen Fall. Denkmalschutz ist immer Kampf. Wenn wir uns einfach dem Einfluss der Politik beugen würden, dürften wir allerhöchstens noch die Fachwerkhäuschen von ein paar alten Omas in verlassenen Seitenstraßen bewahren.
 


 

Hier werden Träume zerstört: Die Perlenkette.


 


Hintergrund: Warum musste Villa Perle "sterben"?

Die Perle ist weg und mit ihr auch die Geschichte dieses Hauses. Jedoch kennt kaum jemand die wahre Geschichte.
Zweifel kommen auf: Wird am Ende alles abgerissen und nichts wieder aufgebaut? Die Bürgerinitiative nutzt diese Zweifel für ihre Zwecke und macht aus Zweifeln Verzweiflung. Ist es wirklich wahr? Wird die Perlenkette einfach abgerissen und nicht wieder aufgebaut? Und warum war es so einfach für die ECH, drei Abrissgenehmigungen zu bekommen? Warum musste die Perle sterben? Eine Analyse:




Zuerst kann ich Sie beruhigen: Mir liegen sieben dicke Mappen der AMJ GmbH vor, die allesamt voll mit Plänen sind.
Für jede Villa gibt es eine geschichtliche, architektonische und bauliche Analyse, einen Sanierungsplan, sowie Grundrisse und Planzeichnungen. Außerdem gibt es für die "Perle" ein zerlegbares Modell, mit Hilfe dessen sich Interessenten ein genaues Bild von ihrer zukünftigen Wohnung machen können. Diese ganzen Pläne existieren schon seit 2004 - gearbeitet wurde an ihnen seit 1997. Jeder einzelne Plan hat bereits jetzt hunderttausende Euro gekostet. Der ECH zu unterstellen, so viel Geld für sieben dicke Mappen und ein paar Modelle auszugeben - also die Perlen gar nicht sanieren zu wollen - ist ziemlich merkwürdig.

Da aber nicht jeder diese sieben Mappen und damit Fakten schwarz auf weiß hat, ist der Zweifel schon etwas nachvollziehbar. Zumindest bei Leuten, die keinen Zugang zu den Plänen haben. Darum möchte ich eiunen Blick in diese Mappen gewähren.
Genauer gesagt: In die oben liegende. Das ist die Mappe der Villa "Perle" - fast doppelt so dick, wie alle anderen.

Fangen wir von vorn an. Wir sehen auf diesem Bild die ursprüngliche Villa "Perle".
Das Bild ist nicht ganz korrekt - die Perle wurde als letztes gebaut und die anderen Villen links von ihr fehlen.
Aber das kommt, wenn man vor Ort nur Skizzen machen kann und dann in der Ferne daraus Bilder macht.
Fotos waren damals sehr teuer und die Belichtung und Entwicklung dauerte ewig, sodass auf Malerei zurück gegriffen wurde.
Die Erläuterungen unter dem Bild stammen von AMJ und sind selbstredend.



Die Villa "Perle" war eigentlich ein recht einfaches Haus, wie man sieht:
In drei Teile gegliedert, mit Mittelrisalit und gespiegelten Flügeln, ein paar Erkern und Balkonen.
In ihm wohnte Marie von Mecklenburg-Schwerin - eine Tochter des Großherzogs.
Nach deren Vermählung mit Wladimir Alexandrowitsch von Russland und der Geburt des ersten Sohnes
wurde die Villa zu klein. Die russische Zarenfamilie ging hier oft ein und aus und die Schwester des Zarensohnes war oft zu Besuch. Der Zar selbst übrigens nicht. Und Wladimir Alexandrowitsch wurde auch nie Zar und sein Sohn Kyrill ebenfalls nicht.

Man entschied sich, die Perle durch einen Anbau zu vergrößern. Dazu legten die Architekten Stern und Willebrandt zwei Entwürfe vor. Beide ähnelten der Burg und den Cottages in gewisser Weise. Umgesetzt wurde (zum Glück) keiner der beiden Entwürfe.



Letztlich entschied man sich für einen hervor hebenden aber dennoch behutsamen Anbau.
Zweifelsohne war dieser Anbau die Vollendung der Perlenkette. Erst durch die reich verzierten Balkone, die runden Erker und den Turmaufsatz wurde die Perle zur repräsentativen Villa der Kette. Und erst durch diese repräsentative Erscheinung wurde sie zum Namensgeber für die Perlenkette. Der Anbau "Großfürstin Marie" war nicht nur Abschluss, sondern Vollendung der Villenreihe.



Man beachte übrigens den Zaun zur Professor-Vogel-Straße. Freizügigkeit war eben doch nicht immer selbstverständlich.
Während Heiligendamm vom Krieg verschont blieb und nur ein paar kaputte Scheiben zu beklagen hatte, war die anschließende russische Besetzung eine reine Katastrophe für die Gebäude. Die Häuser wurden zwar nicht wie geplant gesprengt aber sie wurden geplündert. Die Russen verweilten gar nicht lange in Heiligendamm aber als sie nach ein paar Tagen weiter zogen, beauftragten sie ein Berliner Unternehmen mit dem Abbau von sanitären Einrichtungen, Elektrik, Leitungen, Lampen, Leuchten, Dielen, Parkett, Zierrat und Türen. Auch die textilen Einrichtungsstücke, sowie Möbel und Einrichtungsgegenstände ließen sie abtransportieren. Teilweise sogar Fenster. Übrig blieb eine Geisterstadt mit gähnend leeren Gebäuden, welche die Schritte widerhallen ließen.
Heiligendamm war so tot, wie nie zuvor in einer Krisensituation. Es war zwar nicht gesprengt worden, weil die Russen es nicht mehr als militärische Einrichtung ansagen (Es war ein Reserve-Lazarett) aber einen Unterschied hätte das kaum gemacht.
Das folgende Bild zeigt den Beginn der Sanierung - die DDR wollte Heiligendamm als Kurbad wieder aufbauen. In Rekordzeit.
 


Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Turm und Balkone wurden entfernt, der Zierrat war ohnehin verschwunden und der Rest wurde ganz gut wieder her gerichtet. Die AMJ und ECH loben diese Leistung des Architekten Lutz Elbrecht sogar.



Die Perle - nun "Maxim-Gorki-Haus" - war auch in diesem Zustand noch der krönende Abschluss der Villenreihe.
Merken Sie sich dieses Bild:



Heiligendamm im Jahre 2005. Und nein: Das hat nicht die ECH verbrochen. So - nur ein wenig weißer und im Sockel nicht  ganz so zerbröckelt, sowie mit gardinenverhangenen Fenstern findet man die Perle auch schon auf Bildern von 1997. Die Fenster wurden einfach ausgetauscht, die Erker entfernt, der Stuck abgeklopft, ganze Säulen ausgetauscht, Balkone verändert, neue Wandöffnungen und Durchbrüche gemacht und der Grundriss verändert. Die Villa "Perle" wurde kaputtsaniert.



Aus runden Erkern wurden eckige, aus Balkonen Anbauten und auf das Dach setzte man einfach Dachausbauten.



In der Mappe heißt es dazu:




Weiterhin wird die Gesamtsituation analysiert:





Die ECH kam zum Ergebnis, dass ein kompletter Neubau billiger, als eine aufwändige Sanierung ist:



Wer es immer noch nicht glaubt: Die ECH will die Perle wieder aufbauen.
Dieses Modell steht im Büro in der ehemaligen Fachhochschule und wartet zwischen Kiste und Keksen auf seine Bestimmung.
Im Kleinen ist die Perle wieder da. Im Großen fehlen noch ein paar Zustimmungen der Stadtvertreter:
Tiefgarage und Wohnrecht. Warum, lesen Sie hier: Hintergrund: Wohnnutzung und Tiefgarage - warum damit alles steht und fällt.


 


 

19.01.2008 - Die Perlenkette soll noch 2008 wieder aufgebaut werden.

 

Am 19.01.2008 war im "Stadtanzeiger" der Stadt Bad Doberan zu lesen, dass Peter Sähn in einer CDU-Ortsverbandsversammlung im Friedrich-Franz-Hotel einen Vertreter der ECH zu den weiteren Plänen zur Perlenkette befragte. Er erhielt die Antwort, dass mit dem Wiederaufbau der "Perle" und dem Abriss und Wiederaufbau der Villen "Schwan" und "Hirsch", sowie der Sanierung und Rekonstruktion der restlichen Perlen noch in diesem Jahr begonnen werden solle. Unabhängig davon ließ ECH-Geschäftsführer Hans Schlag dasselbe verlauten und nannte den März 2008, spätestens aber Ostern 2008 als Baubeginn und den Herbst 2009 als Fertigstellungstermin. Wobei er auch sagte, dass nur durch eine Erkrankung des Verantwortlichen der Baustart erst im März stattfinden kann. Im April wurde dann mit den Entkernungsarbeiten begonnen. Auftragnehmer war wieder die Firma Werges aus Kröpelin, weil diese das günstigste Angebot unterbreitete.


 

Nachtrag 19.05.2009: Der Wiederaufbau ist nicht erfolgt.

Warum, lesen Sie hier:
Hintergrund: Wohnnutzung und Tiefgarage - warum damit alles steht und fällt.


 

Wo bleibt das Service-Center?

 

Mit dieser Frage kommen wir von der aufgeregten Diskussion um die Perlenkette auf andere - in Vergessenheit geratene  "Problemzonen" Heiligendamms zurück. Zur Erinnerung: Östlich der Perlenkette und des neu zu errichtenden Thalasso-Zentrums sollte ein Servicecenter für die Tagesgäste entstehen. Neben den sanitären Anlagen soll dieses Verkaufsstellen, Gastronomie und Serviceeinrichtungen enthalten. Dieses Zentrum soll der neue Ausgangspunkt für die Tagesgäste Heiligendamms werden. Nur: Wo bleibt das Service-Center? Die Ostsee-Zeitung weiß es:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 11. Januar 2007  |  Stadt und Land

Weg durch den Wald erhält kleinen Schlenker

Der Verbindungsweg vom geplanten Waldparkplatz Großer Wohld zum Strand muss um ein Grundstück herumgeführt werden. Für diesen Schlenker ist eine Genehmigung erforderlich.

Bad Doberan/Heiligendamm Der Baustart für den Waldparkplatz Großer Wohld in Heiligendamm steht kurz bevor. Das bestätigte Norbert Sass, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung. Die Vergabe an den günstigsten Anbieter, die sogenannte Submission, sei inzwischen erfolgt, die Mitglieder des Hauptausschusses werde während ihres Treffens am 24. Januar über die Auftragsvergabe entscheiden. Mit dem Ausschreibungsergebnis, so der Amtsleiter, bewege man sich im Rahmen der Förderrichtlinien.

Als Knackpunkt stellte sich im Nachhinein der Weg von dem Parkplatz zum Strand heraus. Ursprünglich sollte der Fußweg auf dem Grundstück des noch zu errichtenden neuen Servicecenters an der Seedeichstraße enden. Das Areal sei aber noch nicht im Besitz der Stadt, das Servicecenter noch nicht fertig.

Um den Weg nicht mitten in der Natur enden zu lassen, musste eine neue Wegeführung gefunden werden. Der jetzige Eigner des betreffenden Grundstücks jedenfalls wolle den Weg nicht über seinen Grund und Boden geführt wissen. Für den kleinen Schwenk entlang des Grundstücks sei allerdings eine Genehmigung der Naturschutzbehörde erforderlich, sagte Norbert Sass.

Inzwischen erfolgte ein Vor-Ort-Termin. Ein Vertreter der Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung sah keine entscheidenden Hindernisse für einen Bau des Weges. Über Ausführung und Streckenverlauf müsse noch im Detail entschieden werden. Grundsätzlich könne die von der Stadtverwaltung geäußerte Vorstellung aber Realität werden.

Baubeginn solle unmittelbar nach der Auftragsvergabe durch den Hauptausschuss sein, sagte Sass. Parkplatz und Weg sollen bis zum G8-Treffen vom 6. bis 8. Juni dieses Jahres fertiggestellt sein. Auf eine unbedingte Einhaltung dieses Termins, nötigenfalls mit der Verstärkung der Arbeitskräfte durch zusätzliche Mitarbeiter, wolle die Stadtverwaltung in Vorgesprächen und vertraglichen Bestimmungen mit dem Baubetrieb hinwirken.

Ebenfalls während der Sitzung des Hauptausschusses wird über die Auftragsvergabe für den Bau einer Containeranlage hinter dem früheren Rathaus am Doberaner Markt entschieden. In den mobilen Räumlichkeiten werden Grundschüler unterrichtet, die während der Sanierung der Kamp-Schule ihr angestammtes Quartier verlassen müssen (OZ berichtete). Gar nicht anfreunden mit dieser Lösung will sich Stadtvertreter Harry Klink (FDP). Trotz entsprechender Beschlüsse plädiert er dafür, die Regionalschüler während der Bauphase in der freien Regionalen Schule in Kröpelin zu unterrichten. Die Beförderung der Schüler dorthin wäre günstiger zu bewerkstelligen, als einen vorübergehenden Schulstandort in Containern hinter dem alten Rathaus zu errichten.

TRI
 


 

FUNDUS in Finanznot - Verwirrung um den Hoteldirektor und die ECH im Hagel der Kritik.

 

Das gerade erst begonnene Jahr 2007 hat es in sich. Heiligendamm kommt nicht zur Ruhe. Erst soll der Findling weg, dann ist die Perle weg, schließlich ist auch noch das liebe Geld weg und zu allem Überfluss ist dann auch noch der Hoteldirektor weg. Dafür sind einige Dinge nun da, die es vorher nicht gab. Was aber auch nicht besser ist.
Die erste Meldung brach wie eine Hiobsbotschaft über die Region ein.
Allen war klar: Wenn der Fonds 34 platzt, ist das das Todesurteil für Heiligendamm.

 

FUNDUS verliert einen 15-Millionen-Euro-Kredit.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 26. Januar 2007  |  Wirtschaft

Fundus braucht frisches Geld

Um den 15-Millionen-Euro-Kredit der HypoVereinsbank zu ersetzen, fordert der Eigner des Kempinski Grand Hotel Heiligendamm seine Investoren zu üppigen Geldzahlungen auf.

Rostock (OZ) Die Kölner Fundus-Gruppe verliert einen millionenschweren Kredit. Die HypoVereinsbank will ihr Darlehen für das Kempinski Grandhotel in Heiligendamm in Höhe von 15 Millionen Euro ab Sommer 2007 nicht weiter verlängern. Stolpert jetzt der Gastgeber des G8-Gipfels über den finanziellen Zustand seines Vorzeigehotels?

Fundus-Sprecher Johannes Beermann wiegelt ab: Der Kredit der HypoVereinsbank mache lediglich einen Bruchteil des Gesamtinvestvolumens in Höhe von rund 205 Millionen Euro aus. „Bei diesen Relationen sind weder Gipfel noch das Hotel gefährdet.“

Laut Beermann hätten die Investoren bereits auf der letzten Gesellschafterversammlung im November beschlossen, künftig „bankenunabhänig“ zu sein. Es gebe neben der HypoVereinsbank nur noch ein weiteres Geldinstitut, dessen Namen der Sprecher nicht nannte, das einen Kredit in Höhe von „drei bis vier Millionen Euro“ bei der Fundus-Gruppe zu laufen habe.

Nach Presseinformationen habe sich Anno August Jagdfeld, Geschäftsführer der Kommanditgesellschaft, in einem „Brandbrief“ an die Gesellschafter gewandt. Er habe den Ausfall des Geldes von der HypoVereinsbank angekündigt und um frisches Geld gebeten, mit dem man das Finanzloch stopfen könne. Entsprechende Darlehensverträge lägen dem der Zeitung vorliegenden Schreiben bei. Mit dem Kreditausfall wäre das Hotel gefährdet.

Das Geld soll schnell fließen, wie es heißt. Bis spätestens 15. Februar wolle Fundus die Darlehensverträge zurückhaben. Jagdfeld wolle „die Fondssicherung im ersten Quartal 2007 vor dem G8-Gipfel abgeschlossen haben“. Das Gipfeltreffen der acht mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt findet vom 6. bis 8. Juni im Kempinski Grand Hotel Heiligendamm statt.

Als Grund für den Rückzug der HypoVereinsbank wird von der „tageszeitung“ angegeben, dass das Hotel derzeit nicht sonderlich gut laufe. Diese Einschätzung wurde unlängst durch ein Gutachten des Rostocker Betriebswirts Professor Martin Benkenstein bestätigt (OZ berichtete). „Die wirtschaftliche Situation des Kempinski Grand Hotels entwickelt sich seit der Eröffnung negativ“, heißt es in dem Gutachten.

Die Nobelherberge war im Juni 2003 mit 225 Zimmern und Suiten eröffnet worden. Auch nach der Anlaufphase und Problemen im Spar-Bereich 2004 habe sich die Auslastung des Hotels in den letzten Monaten nicht verbessert. Die höchste Belegung mit 80 Prozent erreichte das Hotel kurzzeitig im August 2004; die niedrigste mit 15 Prozent im Dezember 2003. Erst mit einer Auslastung von 50 bis 60 Prozent könne der Betrieb kostendeckend arbeiten, erklärte Benkenstein. Sein Urteil: „Das Kempinski Grand Hotel arbeitet derzeit nicht kostendeckend. Es werden dauerhaft negative Ergebnisse erwirtschaftet.“Benkenstein riet in seinem Gutachten unter anderem, dass die Hotelanlage künftig nur noch für Hotelgäste zugängig sein dürfe. Außerdem empfahl der Professor dem Grand Hotel, einen eigenen Strandabschnitt westlich der Seebrücke zu bewirtschaften, der allein von den Hotelgästen genutzt werde. Laut der Benkenstein-Studie stehe bei den Hotelgästen der Wunsch nach größerer Ungestörtheit an erster Stelle.

Auch Jagdfeld räumte laut „tageszeitung“ in seinem Schreiben an die Investoren ein, dass es dem Hotel aus unterschiedlichen Gründen bis heute nicht gelungen sei, Überschüsse zu erwirtschaften. Als Ursachen würden die „Vogelgrippe“ angeführt, und dass „Tagestouristen“ durch die Hotelanlagen spazierten. Obwohl das Areal rund um das Hotel auf Betreiben von Fundus schon weitgehend für Spaziergänger gesperrt sei. Für den Gipfel wird zudem ein Sicherheitszaun weiträumig um den Hotelkomplex gezogen.

Nach Informationen der „taz“ seien einige der Gesellschafter bereits jetzt nicht mehr in der Lage, zahlen zu können oder zu wollen. „Das ist Unsinn“, sagte Beermann dazu. Er bestätigte, dass das Schreiben in der vergangenen Woche an die 2500 Investoren rausgegangen sei. Er sei zuversichtlich, dass die 15 Millionen Euro bei den Investoren eingesammelt werden können. Die „Umfinanzierung“ laufe. „Seit vergangenem Freitag sind bereits eine Million Euro eingegangen.“

AXEL MEYER
 


 

Das Grand Hotel verliert seinen Hotel-Direktor.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 30. Januar 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Heiligendamm: Hoteldirektor gesucht

Verwirrung um den Direktor des Grand Hotels Heiligendamm.
Während die Kempinski-Gruppe den Rückzug von Torsten Dressler dementiert, erklärt dieser, dass er seinen Posten zum 1. Februar abgibt.


Heiligendamm (OZ) Irgendwas ist im Busch, hatte man sich am Wochenende auf den Fluren im Grand Hotel Heiligendamm zugeraunt. Das Teegeschirr aus dem Zimmer des Direktors sei verschwunden, und auch seine kleine Bar sei schon leergeräumt. Hat der Direktor sich aus dem Staub gemacht? Und wenn ja, wo ist er hin?

„Herr Dressler ist auf einer Geschäftsreise und kommt am Freitag wieder“, hieß es noch gestern Mittag aus der Pressestelle des Hotels. Auch Ursula von Platen, PR-Direktorin der Kempinski-AG in München, erklärte: „Wir haben keine Information darüber, dass Herr Dressler das Haus in Heiligendamm verlässt.“

Wenig später allerdings meldet sich der Direktor des Kempinski Grand Hotels selbst zu Wort. Er werde seinen Posten zum 1. Februar abgeben, teilt Torsten Dressler mit. Grund für seinen Rückzug sei die „Mitverantwortung für die mit rund 40 Prozent zu schlechte Auslastung des Hotels“.

Ganz freiwillig scheint der 43-Jährige seinen Posten nicht zu räumen. Dressler: „Ich hätte mit meinem Team noch gerne zumindest bis zum Gipfel weitergemacht.“

Der gebürtige Rostocker hatte im Mai 2005 als Geschäftfsführender Direktor die Nachfolge von Thomas Klippstein angetreten, der aus Heiligendamm ins Adlon Kempinski nach Berlin wechselte, dort aber im September vorigen Jahres nach Bekanntwerden seiner Stasi-Mitarbeit zurücktrat.

Dressler begann 1983 als Hoteldiener im Hotel International in Leipzig, wo er auch eine Lehre zum Empfangssekretär absolvierte. Es folgten das Grand Hotel Nürnberg und mehrere Stationen im Ausland. Seine ersten Sporen bei Kempinski verdiente er sich ab 1998 in Budapest, später als stellvertretender Direktor im Adlon Berlin, als General Manager des Kempinski Hotel Shenyang in China und im Kempinski Resort Hotel Bel Air in Binz auf Rügen. Der richtige Mann eigentlich für die Vision vom Lieblingshotel der internationalen Schickeria an der mecklenburgischen Küste.

„Schon jetzt gehört unser Hotel zu den besten Europas. Meine Mitarbeiter und ich werden alles dafür tun, diesen Stand nicht nur zu halten, sondern das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm weltweit noch stärker zu etablieren“, versprach Dressler damals. Daraus ist nichts geworden.

Das 2003 eröffnete Hotel, das der Fundus-Gruppe gehört und von Kempinski bewirtschaftet wird, war zuletzt mehrfach wegen schlechter Belegung in die Schlagzeilen geraten. Im Jahresdurchschnitt 2006 lag die Auslastung nach eigenen Angaben bei 43,5 Prozent. 50 bis 60 Prozent wären nötig, um schwarze Zahlen zu schreiben. „Es werden dauerhaft negative Ergebnisse erwirtschaftet“, resümiert ein Gutachten, das die Fundus-Tochter Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) in Auftrag gab. Was also ist schief gelaufen?
„Es gibt ein ganzes Bündel von Ursachen. Dressler ist nur eine davon. Der muss als Bauernopfer herhalten“, sagt ein Insider und verweist auf eine „gereizte Stimmung im Laden“.

Der klassizistische Gebäudekomplex in Deutschlands ältestem Seebad umfasst 225 Zimmer in sechs Gebäuden. 260 Mitarbeiter betreuen die Gäste. Erst vor wenigen Tagen war das Nobelhotel vom Reisemagazin GEO zum „Besten Strandhotel Europas“ gekürt worden. Im November 2006 verteidigte das Gourmet-Restaurant „Friedrich Franz“ seinen Michelin-Stern. Trotzdem gibt es immer wieder Gerüchte, wonach sich die Kempinski-Gruppe möglicherweise nach dem G8-Gipfel aus Heiligendamm zurückziehen will. Managerin von Platen weist das zurück: „Das Haus passt perfekt in unser Portfolio, es gehört zu unseren Vorzeigehotels.“

Das Ostseebad Binz auf der Insel Rügen hatte die international renommierte Betreibergruppe allerdings im August vorigen Jahres verlassen. Der dortige Eigentümer hatte den Managementvertrag mit der Kempinski-Gruppe nicht verlängert. Fundus-Sprecher Johannes Beermann will die Spekulationen um Heiligendamm nicht kommentieren.
„Wir brauchen keine Treueschwüre. Kempinski macht ein super Management.“


ELKE EHLERS und MANUELA PFOHL


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 03. Februar 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Gegendarstellung

In der Ostsee-Zeitung vom 31. Januar 2007 schreiben Sie auf Seite 6 in dem Artikel mit der Überschrift „Bei Kempinski geben sie sich zugeknöpft, Verunsicherung nach Rücktrittdes Direktors vom Grand Hotel Heiligendamm“ über mich: „Was hat es zu bedeuten, dass Johannes Beermann, Sprecher der Fundus-Gruppe, die Eigentümerin des Hotels ist, erklärt, er wisse nichts von der Personalentscheidung und habe im Übrigen auch keinen Einfluss auf Kempinski-Interna?“

Hierzu stelle ich fest:
Ich habe mich weder wörtlich noch sinngemäß so geäußert.

Berlin, 31. Januar 2007

Dr. Johannes Beermann
 

 

"Wir sagen dazu vorerst gar nichts mehr". Warum es manchmal besser ist, den Mund zu halten.

 

Nachdem der Hotel-Chef Klippstein 2005 wegen der Stasi-Affäre gehen musste, wurde der auch schon im Berliner Adlon-Hotel arbeitende Thorsten Dressler Chef des Hotels in Heiligendamm. In der Ostsee-Zeitung war nun am 30.01.2007 zu lesen, dass Dresslers Büro im Januar um einige Gegenstände erleichtert wurde und die Frage aufkam, wo er sei und ob er nicht wiederkäme. Die PR-Abteilung von Kempinski versicherte daraufhin, dass Herr Dressler auf Geschäftsreise sei und im Februar wieder vor Ort wäre. Dieser aber meldete sich Ende Januar mit der Aussage, dass er zum 01.02.07 den Posten niederlegt und damit Konsequenzen aus den roten Zahlen des Hotels ziehen würde. Weiterhin sagte er, dass er gern bis zum G8-Gipfel mit dem Team weitergearbeitet hätte. Eine unfreiwillige Entscheidung also. Nachfolgerin wird laut Ostsee-Zeitung vom 31.01.2007 die Interimschefin Gudrun Meier - ebenfalls aus dem Adlon.

Inzwischen relativiert Johannes Beermann, Sprecher der FUNDUS-Gruppe, die gegensätzlichen Aussagen damit, dass man bei FUNDUS nichts mit Kempinski-Interna zu tun hätte. Wenig später erklärt dann die Kempinski-Zentrale in München, dass Kempinski und FUNDUS gemeinsam über den Fall von Thorsten Dressler beraten hätten. Die Hotel-Chefin Frauke Müller hingegen "sagt dazu vorerst gar nichts mehr" (OZ, 31.01.2007) und gibt nur noch bekannt, dass Dressler nicht gefeuert ist, sondern innerhalb der Kempinski AG an einem nicht genannten Ort weiterarbeiten wird.
Die Redaktion von hotelblog machte ähnliche Erfahrungen: Bericht vom 09.02.2007

 

 

Die Bürgerinitiative wendet sich an den Bundespräsidenten.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 01. Februar 2007  |  Titelseite Bad Doberan

Initiative wendet sich an Bundespräsidenten

Heiligendamm Ihren Protest gegen den Abriss von Villen der sogenannten Perlenkette in Heiligendamm hat die Initiative für Öffentlichkeit in Heiligendamm in einem Schreiben an den Bundespräsidenten Horst Köhler formuliert. Darin heißt es, die in einem Grundlagenvertrag zugesicherte Sanierung der Villen habe nicht stattgefunden. Vielmehr habe die Investorin ihr Ansinnen, nämlich einen Teil der Villen abzureißen, gegen den Protest der hiesigen Denkmalpflege durchgesetzt. Nach der „Perle“ würden die Villen „Schwan“ und „Möwe“ folgen. „Eine Verpflichtung zum Wiederaufbau gibt es nicht.“ Durch den Abriss werde ein Stück deutscher und Mecklenburger Geschichte unwiederbringlich zerstört. Seitens der Initiative, vertreten unter anderem von den beiden Stadtvertretern des Bürgerbundes, Heike Ohde und Hannes Meyer, wird ein offensichtliches Scheitern des Konzeptes der Fundus-Gruppe konstatiert. Mit Verweis auf ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg würden immer weiter reichende Zugeständnisse abverlangt. Die Initiative sorgt sich, „dass Heiligendamm nicht mit der erforderlichen Sorgfalt und mit Verantwortungsbewusstsein entwickelt wird, sondern die Legende Heiligendamm nur noch zur Immobilien- und Grundstückspekulation genutzt wird“.

TRI
 


 

Die Denkmalschützer fühlen sich von den Politikern übergangen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 01. Februar 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Stiftung kritisiert Abriss in Heiligendamm

Nachdem die alte Villa „Haus Perle“ in Heiligendamm abgerissen wurde, kritisiert Deutschlands oberster Denkmalschützer die Aktion.

Heiligendamm (OZ) Wie ein Häufchen Elend liegen die Reste der Villa Perle da. Nur zerbrochene Ziegelsteine sind von der einstigen Sommerresidenz des russischen Zaren übriggeblieben. Und viele kritische Fragen. Eine lautet: War der Abriss des Gebäudes rechtens und notwendig?

Glaubt man der Fundus-Gruppe, die Eigentümerin des klassizistischen Ensembles rund ums Kempinski Grand Hotel ist, dann war der Abriss unumgänglich. Fundus-Sprecher Johannes Beermann jedenfalls hatte erklärt, eine Renovierung sei wegen der maroden Bausubstanz nicht mehr möglich. Auch zwei weitere der insgesamt sieben Villen der „Perlenkette“ müssten deswegen abgerissen werden. Im Einvernehmen mit den Denkmalschützer, versteht sich.

Doch dem widerspricht der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, energisch. In einem Brief an den Landkreis Bad Doberan schreibt er: „Ich bin der Auffassung, dass es sich bei den Villen um Kulturdenkmäler handelt. Diese sind zwar im Äußeren verändert worden, was sich aber durch rekonstruierende Maßnahmen ohne weiteres wiedergutmachen ließe. Das Verhalten der Denkmalfachbehörde ist für mich nicht nachzuvollziehen, vermutlich wurde hier politischer Druck ausgeübt.“ Ein schwerer Vorwurf.

„Aber es ist was dran“, versichert ein Schweriner Ministerialer. Es sei doch merkwürdig, dass alle Villen seit den 80er-Jahren unter Denkmalschutz standen und auch bei der Aktualisierung 1995 auf der Liste des Landesamtes als Denkmäler geführt wurden. 2004 sei alles nicht mehr wahr gewesen. Plötzlich habe das Landesamt erklärt, „Haus Perle“, „Haus Schwan“ und „Haus Möwe“ seien von der Liste zu streichen. „Da gab es Druck aus dem Wirtschaftsministerium“, sagt der Insider. Minister Otto Ebnet (SPD) persönlich habe darauf gedrungen, die Denkmalschutzbestimmungen im Interesse der Fundus-Gruppe zu „überdenken“. Kiesow erinnert sich an eine Besprechung mit Beamten des Landesamtes für Denkmalpflege im Januar 2005: „. . . die zu meinem Entsetzen den Landeskonservator nicht bei seiner Forderung nach unveränderter Erhaltung unterstützten, sondern den Standpunkt von Herrn Jagdfeld vertraten.“

Ewa Prync-Pommerenke vom Landesamt bleibt dabei: „Die Perle wie die beiden anderen Villen hatten wegen ihrer baulichen Veränderungen keinen Anspruch mehr auf den Status als Einzeldenkmäler.“ Das sei auch schon so gewesen, als Fundus 1996 die Immobilien erwarb. Jetzt müsse man in die Zukunft schauen. Schließlich sei die Genehmigung für den Neubau längst beim Landkreis erteilt worden. Man brauche nur noch loszulegen. Wann es soweit ist, kann Fundus allerdings noch nicht sagen.

MANUELA PFOHL

 


 

Und FUNDUS holt zum nächsten Schlag auf die Perlenkette aus.

Wenn man das so sagt, sollte man natürlich wissen, dass kein Abriss ohne Abrissgenehmigung erfolgen kann.
Wie schon bei der Perle (siehe Infokasten weiter oben) wurden auch bei den Villen "Möwe" und "Schwan" 1997 genaue Analysen vorgenommen, welche 2004 zusammen getragen wurden. Die beiden Villen befinden sich in einem ähnlich schlechten Zustand, wie es bei der "Perle" der Fall war und sie wurden genauso stark verfremdet. Darum bat die ECH darum, die beiden Villen auch abreißen und unterkellert neu bauen zu dürfen. Die Genehmigung wurde erteilt und wer dabei übergangen wurde und wer im Nachhinein Einwände hervor bringt, kann der ECH egal sein, denn genehmigt ist genehmigt. Mehr Informationen zum Zustand der beiden Gebäude finden Sie hier:
Welche Gebäude der Perlenkette werden abgerissen und warum?


 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 13. Februar 2007  |  Stadt und Land

„Möwe“ und „Schwan“ bald tot

Bad Doberan Droht die Stadtmauer einzustürzen ? Für Lothar Peter aus Doberan sieht der augenscheinliche Zustand der historischen Mauer sehr fragwürdig aus: „Die Wand neigt sich bedrohlich in Richtung Gärten, und die Betonbindung zwischen den Steinen scheint auch weg zu sein“, äußert er seine Bedenken.

Gemeint ist der Mauerbereich unweit des Kornhauses. Keine Sorge heißt es aus dem städtischen Bauamt. Die Mauerneigung sehe zwar bedrohlich aus, doch die Standfestigkeit sei gegeben. Kippen könne sie nicht, da beispielsweise große Stützpfeiler angebracht worden sind. Die Mauer werde mehrmals im Jahr während der regelmäßigen Ortsinspektionen durch das Bauamt begutachtet, da auch die angrenzenden Gartenfreunde bereits Bedenken geäußert haben. Eigentlich sollte die Stadtmauer, so die Bauamt-Mitarbeiterin, bereits neu aufgesetzt werden. Die Abtragungs- und Aufbauversuche scheiterten allerdings daran, dass die Denkmalschutzbehörde ein Verfahren erfordert, das zurzeit für die Stadtkasse nicht tragbar ist. Jeder Mauerstein müsse einzeln für sich abgetragen und im Original auch wieder eingesetzt werden und zwar genau dort, wo er einst stand oder lag. Dieses Verfahren setzte eine umfangreiche und intensive Katalogisierung eines jeden einzelnen Originalmauersteins voraus. Dafür gibt es bis dato, wie beschrieben, kein Geld.

Auch die Aktionen in der „Weißen Stadt“ liegen Lothar Peters am Herzen. Besonders die für ihn wunderschönen Villen entlang der Promenade, die sogenannte „Perlenkette“. Was wird nun aus diesen historischen Gebäuden?

Für drei dieser Villen- „Perle“, „Möwe“ und „Schwan“ – gibt es eine Abbruchgenehmigung, mit der Begründung vom zuständigen Landesamt für Denkmalpflege: Die drei Villen haben über die Jahre ihren Denkmalstatus verloren. Zu viele Um-, An,- und Änderungsbauten sowie massive Eingriffe im Innern der Villen hätten die Gebäude so sehr verändert, dass ein Denkmalschutz nicht mehr benötigt wird. Beispielsweise wurden die Fensterformate der Villen stark verändert und zeitgemäß wertvolle Putzelemente abgeschlagen. Die „Perle“, die Villa einst in unmittelbarer Nähe des Grandhotels, ist bereits zurückgebaut worden. Über „Möwe“ und „Schwan“ schwebt zwar das Abbruchschwert, wann das allerdings zuschlägt, weiß keiner. Auch die Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH), als Investor für die Villenkette tätig, will oder kann noch keinen Abrisstermin nennen. „Auf keinen Fall vor dem G 8-Treffen“, informiert Fundus-Pressesprecher Dr. Johannes Beermann und ergänzt: Die Lücken sollen dann mit neuen Hotelgebäuden gefüllt werden.

DORIT WEHMEYER

 

 

Damit ist das Projekt anno 2007 an einem Punkt angekommen, wo seine Akzeptanz gen Null geht.
Da kommt die folgende Meldung erst Recht ungelegen:


 

Während die Perlenkette verfällt, will Jagdfeld das Alexandrinen-Cottage als Privathaus drastisch umbauen.

 

Das Alexandrinen-Cottage wurde als Sommerhäuschen der Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin errichtet. Zunächst sah es fast so aus, wie das Marien-Cottage schräg gegenüber aber unter Willebrandt und Stühler wurde dem Cottage noch ein Turm zusätzlich spendiert. Der Hauptkörper des Hauses umfasst 900 qm Wohnfläche.
Hinzu kommen die Veranden, welche zunächst offen waren und später verglast wurden.

Das Alexandrinen-Cottage diente während des ersten Weltkrieges als Kommandantur und wurde später zum Ärzte- und Behandlungszentrum des Sanatoriums. Zuletzt wohnten Studenten der Fachschule für Angewandte Kunst im Haus "Weimar", bis die 17 Mietverträge 1997 gekündigt wurden.

Christian Ludwig, ein Ahne des Großherzogs der mecklenburgisch-schwerinschen Linie, besuchte kurz vor seinem Tod sein Elternhaus, bevor es dann geschlossen wurde und nur als Filmkulisse, Requisitenlager und Inspirationsort diente. Die Gruppe "Rammstein" schrieb hier ihr Album "Mutter" und entlehnte dem Lied "Nebel" den Spruch über der Tür des altehrwürdigen Cottages: "Wo das Meer das Land berührt." Diese Villa ist neben dem Ensemble, der Burg, der Perle und der Perlenkette das beliebteste Motiv Heiligendamms. Es war zu DDR-Zeiten stets erreichbar und verschwand erst mit der Eröffnung des Grand Hotels hinter Zäunen, wo es bis heute verfällt. Das soll sich jetzt ändern:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 20. März 2007  |  Titelseite Bad Doberan

Cottage-Sanierung umstritten

Das Alexandrinen- Cottage in Heiligendamm soll zum Wohnhaus umgebaut werden. Ein Architekt kritisiert das.

Heiligendamm Das Alexandrinen-Cottage an der westlichsten Stelle des Seebades Heiligendamm soll für Wohnzwecke umgebaut werden. Die Baugenehmigung auf einen entsprechenden Antrag war bereits 2005 erteilt worden. Für Stadtvertreter Hannes Meyer, Mitglied des Bauausschusses und auch der Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“, ist das unverständlich. Er sieht nach dem Verlust der Villa Perle nun die Vorbereitung für den Verlust eines weiteren Denkmals in Heiligendamm. Für das Alexandrinen-Cottage hatte die Landesdenkmalpflege im Jahre 2005 eine Denkmalwertbegründung erarbeitet, verweist Meyer. Darin heißt es: „Aufgrund des Seltenheitswertes seiner Architektur in Mecklenburg-Vorpommern kommt dem Gebäude für die Architekturgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns und Norddeutschlands im 19. Jahrhundert ein wesentlicher Zeugniswert zu.“

Hannes Meyer, selbst Architekt, macht auf die Gebäudekubatur mit Trauf- und Firsthöhen, die originalen Fenster und Türen, Veranden, die innere Raumstruktur und auf die Treppen aufmerksam, die Denkmalwert besitzen. „Mit der Erhöhung des Dachgeschosses, der Aufstockung des südlichen Turmes um ein Geschoss, der Erhöhung der Turmhelme sowie dem Abbruch originaler Bausubstanz im Innern verstößt der Bauantrag gegen die Denkmalwertbegründung der Landesdenkmalpflege“, so Meyer.

Er kann nicht verstehen, was die Stadtverwaltung veranlasst hat, ihr Einvernehmen zu geben. Und er kritisiert, dass die Diskussion in dem politischen Gremium umgangen worden sei.
In der vergangenen Sitzung des Bauausschusses hatte der Bauamtsleiter über den Bauantrag informiert. Zu spät, meint Hannes Meyer.

Es handelt sich um ein Einzeldenkmal. „Wir haben als Verwaltung unser Einvernehmen nur aus planungsrechtlicher Sicht gegeben“, so Bauamtsleiter Norbert Sass. Der Kreis erteilte sein Einvernehmen nach „Abwägung des Erhaltungsinteresses“, so Sass. Entscheidend war Schwerin. Und das Landesamt für Denkmalpflege habe es sich nicht leicht gemacht. Es sei ein Kompromiss zwischen Denkmalpflege und Nutzung durch den privaten Eigentümer gefunden. Das Haus stand etwa zehn Jahre leer. In Schwerin wurde abgewogen: „Ein Denkmalwert besteht aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen, darin begründet sich auch das öffentliche Interesse an seinem Erhalt und der sinnvollen Nutzung“, heißt es vom Landesamt.

Dem kann Norbert Sass folgen. Äußerlich werde sich nicht viel verändern, und so verfalle das Gebäude nicht weiter.
Ob es das Wohnhaus für Fundus-Chef Jagdfeld wird, wurde im Rathaus nicht bestätigt.


RENATE PETER

 

 

Ob sich äußerlich nicht viel verändern wird, sei dahin gestellt.

 


Nehmen wir mal den linken Turm. Der wurde zuerst erbaut.
Da haben wir im Hochparterre ein kleineres und im Obergeschoss ein größeres Rundbogenfenster. Der Turm steht über das Hausdach über. Die Oberkante des obersten Rundbogenfensters ist vom Dachansatz optisch genau so weit entfernt, wie die Unterkante des unteren Rundbogenfensters vom Boden.
 

Jagdfelds Planung geht nun dahin, das Dach des Hauses anzuheben, sodass die Hauswände dort abschließen, wo jetzt die Wände des linken Turmes abschließen.

Das heißt, dass der Turm erhöht werden muss, wenn er nicht seine Geltung verlieren soll. Damit haben wir dann über den großen Rundbogenfenstern einen Freiraum, der asymmetrisch ist. Um dem entgegen zu wirken, muss man also entweder die Fensteraussparungen verlängern und größere Fenster einbauen oder eine Reihe kleiner Fenster zusätzlich über den großen platzieren. Während die erste Variante noch optisch gerade so funktioniert, verändert die zweite das Aussehen massiv.

 

Mit dem Turm ist es aber noch nicht getan: Auch die Wände des Hauptkörpers werden aufgemauert. Die Fensterfronten sind momentan optisch genau so hoch, wie der Abstand zwischen Verandendach und Hauptdach es zulässt. Erhöht man die Mauern, müssen auch höhere Fenster sein. Diese sind dann sichtbar gestreckt oder man muss weniger Fenster nehmen. Beides verändert das Aussehen massiv.

 

Da Jagdfeld aber offenbar keine Erhöhung der Zimmerdecken, sondern eine begehbare Dachetage ohne die jetzigen Schrägen plant, ist davon auszugehen, dass über die jetzigen Fenster weitere Fenster eingebaut werden. Schließlich baut man ja keine Fenster über zwei Etagen - dann lüftet man nämlich zwei Zimmer gleichzeitig. Mit der Anhebung des Daches sind dann die beiden Horizontalen (Veranda inkl. Souterrain) und Obergeschoss inkl. Dach) nicht mehr gleich groß. Es sitzt also dann ein großes Oberteil auf einem kleineren Unterteil.


Um das zu verhindern, müssten die ganzen Decken innen angehoben und die Veranden erhöht werden. Beim rechten Turm ergibt sich dann wieder dasselbe Szenario wie beim linken.


Man kann es also drehen und wenden, wie man möchte:

Es wird sichtbare Veränderungen geben und die geringsten Veränderungen erreicht man nur, indem man das Dach abnimmt, das Haus entkernt, die Veranden, Fenster und Türen entfernt, die Aussparungen vergrößert, größere Fenster und Türen und eine größere Veranda einbaut, neue Decken einzieht und auch den Zierrat den neuen Proportionen anpasst.
Das kommt dann einem Neubau gleich aber die Denkmalsubstanz bleibt erhalten.

 

Dann wohnt Jagdfeld allerdings nicht mehr in dem Haus, in dem Alexandrine wohnte, sondern nur an der Stelle, wo sie ihr Haus hatte. Sein Haus ist dann bestenfalls ein Recycling ihrer Baumaterialien.

 

Vielleicht sollte man die Funktion des Denkmalschutzes überdenken:

Möglicherweise ist auch schon ein Denkmal, was nur so ähnlich aussieht, wie das ursprüngliche Gebäude aber eigentlich ein Neubau oder Recycling ist. Vielleicht sollte man den Begriff ändern in "Aussehensschutz".

 

 

Im Falle des Alexandrinen-Cottages  muss man sich dann fragen, ob dieser Aufwand bei den anderen vier Abrisskandidaten nicht auch möglich gewesen wäre.
 

Fakt ist jedoch, dass das Alexandrinencottage im derzeitigen Zustand 900 qm Wohnfläche allein im Baukörper besitzt.

Die Veranden sind da noch nicht eingerechnet. Zuletzt wohnten 17 Mietpartien in diesem Haus, also mindestens 17 Leute.

 

Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, die Erstbewohnerin und Namensgeberin des Hauses hatte zusammen mit Christian X. zwei Kinder: Friedrich IX und Knut Christian. Knut Christian wiederum hatte drei Kinder, die viel Zeit in Heiligendamm bei Oma Alexandrine verbrachten: Elisabeth von Dänemark, Ingolf von Dänemark und Christian von Dänemark.

 

Später wurde das Cottage von Großherzog Friedrich Franz IV. und Großherzogin Alexandra (Prinzessin von Hannover und Cumberland) bewohnt. Sie hatten auch fünf Kinder: Friedrich Franz, Christian Ludwig, Olga, Thyra und Anastasia.
Den eigentlich verwöhnten Großherzögen reichte das Cottage.

 

Auch den Ärzten des Sanatoriums und der Ostsee-Klinik war das Haus groß genug.

Auch lebt Jagdfeld momentan in einem bedeutend kleineren aber offenbar auch neuen Haus.


 

Das Rathaus sagt nicht, dass es das Wohnhaus Jagdfelds wird.
Braucht es auch nicht. Das hat er schon selbst getan:

 


Die Strandpromenade geht über in einen Wanderweg, der 20 Kilometer die Küste entlangführt. Wo am Steilufer der hohe, alte Buchenwald beginnt, steht das Haus Weimar. Die weiße Fassade hat Wasserflecken, die Scheiben des großzügigen Wintergartens hängen in morschen Rahmen, zwei verspielte Türmchen krönen dieses Dornröschenschloss. »Das wird mein Ferienhaus«, sagt Jagdfeld. »Ich bin eine kinderreiche Familie«, schiebt er hinterher, damit das nicht protzig daherkommt. Bislang macht er mit seinen fünf Kindern an der belgischen Nordsee Urlaub, im Nobelseebad Knokke. »Ich akzeptiere es, wenn Leute sich in Lloret de Mar bei 36 Grad um die Handtücher prügeln«, lästert er leise, »aber ich liebe unsere frische Luft.« Wandern, radfahren, sich in ein Café setzen und ausgiebig Zeitungen lesen - das versteht er unter Luxus im Urlaub. (Quelle: Die Zeit 42/2000)
 

 

An dieser Stelle sehen wir uns noch einmal die Drucksache 1/1542 des Landtages Mecklenburg-Vorpommern an, der die u.a. von Sigrid Keler gestellte Frage,

ob das Haus "Weimar" zum Gesamtkonzept des Investor gehöre folgendermaßen beantwortete:

 

 

LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 1/1542 1. Wahlperiode 10.03.92 ANTWORT auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Frau Keler, Fraktion der SPD - Drucksache 1/1391 - Ostsee-Klinik Heiligendamm

 

Die Landesregierung erwartet von einem Gesamtkonzept eine privatwirtschaftliche Sanierung sämtlicher auszuschreibender Häuser und wirtschaftlich tragbare neue Funktionen für alle Gebäude. Sie bevorzugt daher weiterhin ein Gesamtkonzept unter Einschluß des Hauses "Weimar".

 

 

Zu diesem Zeitpunkt war also nicht angedacht, das Alexandrinencottage herauszulösen oder auch nur anders zu bewirtschaften. Jagdfeld wird auch unterstellt, bestimmte Häuser absichtlich verfallen zu lassen, damit quasi in letzter Sekunde ein gewisser Druck erzeugt wird und damit eine gewisse Nachgiebigkeit erfolgt. Im Falle des Alexandrinencottages wog man schließlich ab, es baulich total verändern zu lassen, damit es nicht weiter verfällt. Das beziehen Kritiker auch auf andere Gebäude.

Fakt ist aber, dass jeder mit der ECH über den Erwerb einer Villa der Perlenkette, eines Cottages im Kleinen Wohld oder einer der Villen in der Seedeichstraße verhandeln kann. Das Cottage "Krone" (später Haus "Magdeburg") wird 2009 an einen Hamburger Versandhändler verkauft. So darf jeder eine der leer stehenden Villen kaufen - selbstverständlich auch Anno August Jagdfeld.

Im Moment (Juli 2009) wird Jagdfeld sich hüten, das Alexandrinencottage zu sanieren. Die Bürger verstehen nicht, dass hinter dem Stillstand bei der Sanierung der Perlenkette eine politische Entscheidung steht, die der ECH die Hände bindet. Würde Jagdfeld nun daher kommen und sein Sommerhaus sanieren, wäre dies das falsche Zeichen. Es würde missverstanden werden und die ECH in Bedrängnis bringen. Dennoch: Für das Alexandrinen-Cottage gibt es Dauerwohnrecht und Jagdfeld benötigt für sich allein auch keine Tiefgarage. Er kann also mit der Sanierung des Alexandrinencorttages beginnen, einziehen und es sich gemütlich machen und warten, bis die SVV der Tiefgarage und dem Dauerwohnrecht für die Perlenkette zustimmt und dann mit der Sanierung derselbigen beginnen. Dass er es nicht tut, ist den vorhersehbaren Reaktionen der Öffentlichkeit geschuldet. Jagdfeld hätte keine Freude an eines sanierten Alexandrinencottages, solange die Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild von den Ursachen des Perlen-Stillstandes hat.
 

 

Doch noch ist die "Perlen-Diskussion" nicht ausgesessen:

 

Der Abriss der "Perle" und seine Folgen: Der NABU zeigt den Landkreis Bad Doberan an.

 


Ostsee-Zeitung | Wochenendausgabe, 07. April 2007

Anzeige wegen Abriss der »Villa Perle«

Rostock (OZ/mcp) Der Naturschutzbund (NABU) hat bei der Rostocker Staatsanwaltschaft Anzeige wegen der vorsätzlichen Zerstörung von Fledermausquartieren in Heiligendamm erstattet. Anlass der Anzeige gegen „Verantwortliche des Landkreises Bad Doberan“ ist der Abriss der „Villa Perle“. Dort habe sich, laut NABU, die Kolonie einer geschützten Fledermausart befunden. Gleiches gelte für weitere Gebäude in Heiligendamm, die abgerissen wurden oder abgerissen werden sollen. Die Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz wurden aufgenommen. Das Gesetz verbietet, Nist, Brut und Wohnstätten von Fledermäusen zu zerstören.
 

 

 

Alte Argumente für neue Probleme:
Der FUNDUS Fonds 34 ist in akuter Finanznot und Schuld sind die Tagesgäste.

 

Inzwischen wird die Finanznot des Fonds 34 akut.
15 Millionen Euro müssen zurück gezahlt werden und dieses Geld hat FUNDUS nicht mal eben zur Verfügung:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 20. April 2007  |  Deutschland

Verbotenes Darlehen: Bundesbank stoppt Fundus

Die Bundesbank hat der Fundus-Gruppe untersagt, bei den Gesellschaftern des Fonds Heiligendamm 15 Millionen Euro zu leihen.

Rostock (OZ) Die Grand Hotel Heiligendamm GmbH&CoKG, die das Grand Hotel Heiligendamm verwaltet, in dem der G8-Gipfel stattfindet, hat offenbar ein Finanzproblem.
Das zur Kölner Fundus-Gruppe gehörende Unternehmen darf von den Gesellschaftern des Fundus-Fonds Heiligendamm nicht, wie beabsichtigt, 15 Millionen Euro leihen.

Die Deutsche Bundesbank untersagte das Geschäft mit der Begründung, dabei handele es sich um ein „erlaubnispflichtiges Bankgeschäft“. Nach der Kündigung eines 15-Millionen-Euro-Kredites durch die HypoVereinsbank (HVB) im vergangenen Jahr wollte Fundus das Geld bei den Gesellschaftern des Fonds' als Darlehen einwerben.

Mit dem Fundus-Fonds Nummer 34 war Kapital für den Wiederaufbau des aus mehreren Gebäuden bestehenden Grand Hotels Heiligendamm gesammelt worden. Das Hotel öffnete 2003 und hatte von Anfang an Probleme mit der Auslastung.

In einem Schreiben an die Gesellschafter des Fonds' teilte Fundus-Geschäftsführer Anno August Jagdfeld am 12. April mit, dass die HVB den bislang gewährten Kredit definitiv nicht über den 30. Juni hinaus verlängern wird.

Jagdfeld, der gleichzeitig auch Geschäftsführer der Grand Hotel Heiligendamm GmbH &CoKG ist, kündigte in seinem Schreiben an die Gesellschafter an: „An einem neuen Konzept zur Ablösung der Darlehen nach dem 1.7.2007 wird zur Zeit gearbeitet.“

Fundus-Sprecher Johannes Beermann erklärte der Nachrichtenagentur dpa gestern, dass die Finanzierung Heiligendamms weiter auf sicheren Füßen stehe. Die 15 Millionen Euro machten lediglich acht Prozent der Gesamtinvestitionen aus, die restlichen 92 Prozent seien Eigenkapital.

Die HypoVereinsbank (HVB) wollte sich mit dem Hinweis auf das Bankengeheimnis nicht zu dem Vorgang äußern. Eine Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG bei Fundus blieb unbeantwortet. Die Deutsche Bundesbank bestätigte in der vergangenen Woche, dass Ermittlungen der Bankenaufsicht dazu geführt haben, Fundus das beabsichtigte Darlehensgeschäft zu untersagen.

Laut einem Schreiben der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & CoKG vom 10. Januar 2007 an die Gesellschafter sei die HVB unter anderem deswegen nicht mehr bereit, den Kredit zu verlängern, weil es dem Hotel „bis heute nicht gelungen (ist), Überschüsse zu erzielen.“

Ursache dafür seien, laut Fundus, „unterschiedliche Gründe – Tagestouristen durchlaufen die Hotelanlage, Schließung Wellnessbereich im Haus Severin, Vogelgrippe, Baustellen in Heiligendamm, fehlende saisonverlängernde Maßnahmen“.

Tatsächlich hatte eine von der Fundus-Tochter „EntwicklungsCompagnie Heiligendamm“ (ECH) in Auftrag gegebene Studie des Rostocker Institutes für Marketing und Dienstleistungsforschung im vergangenen Jahr bestätigt, dass das Grand Hotel Heiligendamm seit seiner Eröffnung im Jahr 2003 „dauerhaft negative Ergebnisse erwirtschaftet“.

MANUELA PFOHL

 

 

FUNDUS hat auch gleich den Sündenbock für seine Misere gefunden. Wir analysieren:

 

Tagestouristen durchlaufen die Hotelanlage.

Die Hotelanlage beginnt derzeit kurz vor dem Severin-Palais und endet kurz hinter dem Alexandrinen-Cottage. Von Nord nach Süd beginnt sie an der Median-Klinik und hinter den Häusern "Grand Hotel" und "Severin-Palais" und endet am Seebrückenplatz und der Promenade. Dieser Bereich ist eingezäunt und mit automatischen Toren versehen, die sich nur mit Chipkarte öffnen lassen. Es gibt Lücken in der Absperrung aber die kennt kaum ein Tagesgast und die sind ja auch von der ECH selbst dort belassen worden, damit die Logistik vom Wirtschaftshaus ungehindert agieren kann. Es wurde schlicht versäumt, den Weg vom Gelände der MEDIAN-Klinik abzugrenzen.
 

Die Tagesgäste kommen also gar nicht auf die Hotelanlage. Wenn FUNDUS aber auch die verfallenen Villen und Kolonnaden, die Professor-Dr.-Vogel-Straße samt dem Parkplatz und den Bebauungen als Hotelgelände ansieht, dann stimmt die Aussage.
Nur ist dieses Hotelgelände völlig unattraktiv für die Hotelgäste und sie werden ganz sicher kein Problem damit haben, Moder und Verfall mit Tagesgästen zu teilen, sofern sie diesen Schandflecken nicht ohnehin schon aus dem Weg gehen.
 

Die Stadt hat beschlossen, dass die Professor-Vogel-Straße eingezogen werden darf, dass kein Stichweg gebaut wird und dass das Hotel sich einzäunen darf, wie es derzeit möchte. Die ECH aber hat weder die Professor-Vogel-Straße, noch die Perlenkette eingezäunt und hat auch nicht mit dem Bau der geplanten Neubauten beginnen können, die eine Umzäunung der Gebiete, auf denen sie stehen gerechtfertigt hätte. Sofern die Tagesgäste in der Professor-Vogel-Straße also wirklich eine Ursache sind, hat die ECH sie trotz Möglichkeiten nicht verhindert.

Natürlich ist es nicht abzustreiten, dass zwischen 2003 und 2004, sowie im Jahre 2007 hunderte - anfangs sogar bis zu 5000 - Tagesgäste täglich nach Heiligendamm strömten. Jedoch hatte das Hotel dazwischen genug Zeit, sich mit der normalen Anzahl an Tagesgästen zu arrangieren. Das Argument war also durchaus mal richtig, ist aber schon ziemlich abgedroschen.

Man kann nicht die Tagesgäste komplett aussperren - Bad Doberan kann an Kurtaxe durch die Tagesgäste nur auf diesen paar hundert Metern Strand Geld verdienen und auch Heiligendamm selbst lebt von den Tagesgästen - zumindest das, was derzeit davon übrig geblieben ist.

Die Kritik Jagdfelds ist eigentlich an die Stadt weiterzugeben: Diese hat es bis dato versäumt, östlich des Ensembles einen attraktiven Ort zum verweilen zu schaffen. Dennoch wird auch dieser nicht verhindern, dass der Gast über die Promenade und die Seebrücke läuft, um das was er mit Heiligendamm verbindet sehen zu können: Ensemble und Perlenkette. Man muss lediglich dafür sorgen, dass er dann nicht davor steht und nicht weiß, was er machen soll, sondern Richtung Osten zurück geht und dort den Rest seines Aufenthaltes verbringt. Im Moment ergibt sich eine gegenteilige Situation: Anlandepunkt im Osten, Attraktion im Westen - also fließt der Besucherstrom von Ost nach West. Und dort dann auf der Suche nach weiteren Attraktionen durch die Professor-Vogel-Straße zurück.

Dass das Hotel ein beliebtes Fotomotiv ist, war schon immer so - auch alles es noch gar kein Hotel war - und wird sich nie ändern. Mit dieser Besonderheit - in einem gern fotografierten Hotel zu wohnen - müssen die Hotelgäste einfach leben.

 

Schließung Wellnessbereich im Haus Severin, fehlende saisonverlängernde Maßnahmen und Baustellen in Heiligendamm.

Das sind alles selbstgemachte Probleme. Die saisonverlängernden Maßnahmen wären das Thalasso- und das Ayurveda-Zentrum, SPA und Freizeitangebote. Die ECH hat aber bislang nicht darin investiert, weil die Stadt die Bebauungspläne nicht akzeptieren mag. Die Stadt hat die Baufläche für das Thalasso-Zentrum schon 2006 vorbereitet aber noch kein grünes Licht für die B-Pläne 25 und 30 gegeben. Die Baustellen in Heiligendamm beziehen sich allesamt auf die Straßen und auf Verschönerungsarbeiten.
Das  kommt alles dem Hotel letztlich zu Gute.

 

Vogelgrippe.

Die Ausfälle im Tourismus des Landes waren spürbar aber nicht dramatisch.
Für ein sehr schlecht ausgelastetes Hotel ist aber ein spürbarer Einbruch schon dramatisch.

 

Jagdfeld hält aber an seiner Variante ebenso fest, wie die ECH und FUNDUS:

 

Es gibt 30% Storno wegen des Wandertourismus.

 

Diese Aussage machte Anno August Jagdfeld vor Gästen der Ausstellung Frank Mohrs im Roten Pavillon in Bad Doberan im April 2007.

Und man darf davon ausgehen, dass die Zahl richtig aber der Grund falsch ist. Heiligendamm ist seit 2004 eine riesige Baustelle. Zuerst wurde die Straße abgetragen, dann wurde die "Perle" abgerissen und danach gleich "Tabea" und ein Teil der FaK.
Am Forsthaus wird gebaut, die Kühlungsborner Straße wurde neu gemacht, die Seedeichstraße neu gestaltet, an der Promenade, der Seebrücke und dem Seebrückenplatz gebaut und seit Januar ist Heiligendamm ein Ort, der mehr Polizisten als Einwohner und Gäste hat.

 

Ein riesiger Zaun umgab den Nobelort und im Angesicht des Hotels verfallen graue Villen, die auf den Prospekten etwas weißer und bewohnter wirkten. In den Prospekten wird mit Ruhe und Entspannung geworben und Heiligendamm ist alles andere als ruhig und entspannt. Der Ort wurde von den Medien und der Presse überrannt, von Aktivisten und G8-Gegnern abgecheckt und es gab Demonstrationen. Täglich kamen neue Meldungen hinzu von AWACS-Aufklärern, der GSG-9, Kriegsschiffen und 1100 Soldaten zur Sicherung des Gipfels.

 

Das alles hat sich Kempinski (FUNDUS) selbst zuzuschreiben, denn es hat zum G8-Gipfel eingeladen.

Und dies dürften auch die wahren Gründe für die 30% Storno sein.

Das aber übersieht der Investor.

 

Nachtrag 2009: Ich werde mich - da der G8-Gipfel und die größten Bauarbeiten nun 2 Jahre zurück liegen demnächst um aktuelle Zahlen bemühen.

 

So bringt es dann Bürgerinitiativen-Chef Thiessenhusen auf den Punkt:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 24. April 2007  |  Leserforum

Schuld liegt nicht bei Tagesgästen

Axel Thiessenhusen, Rostock, zu „Verbotenes Darlehen: Bundesbank stoppt Fundus“ (OZ, 20. 4.):

Die Ausreden, warum das Grand-Hotel negative Ergebnisse erwirtschaftete, können keinesfalls überzeugen. Wirken sie doch wie der Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken.
Das Blendwerk, das Fundus in Heiligendamm geschaffen hat, hat Widersprüche. Kaum kulturelle und gastronomische Angebote, überall Zäune, gesperrte Wege und eine mehr und mehr verfallende Perlenkette. Die Besucher des Hotels werden mit diesen Zuständen konfrontiert und kaum geneigt sein, darüber hinwegzusehen. Da wirkt es geradezu lächerlich, den wenigen Tagesgästen die Schuld an dieser Misere zuzuschreiben.
 

 

Für die ECH sind die Probleme der FUNDUS-Gruppe verheerend, denn die Verhandlungsposition verschlechtert sich.

Dennoch sind die Stadtvertreter sich einig darin, die saisonverlängernden Maßnahmen, deren Fehlen FUNDUS moniert hat, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln voll zu unterstützen. Jeder Vorwurf der Behinderung ist damit vom Tisch:


 

Die Änderungen an den Plänen "Sondergebiet Hotel" und "Ayurveda-Zentrum, Plastische Chirurgie" werden genehmigt.

 

Damit kann die ECH nun die nötigen Maßnahmen für den Bau des Ayurveda-Zentrums und der Plastischen Chirurgie am Golfteich beginnen und endlich für eine bessere Auslastung des Grand Hotels und eine Verlängerung der Verweildauer und der Saison an sich sorgen.

 

Dafür ist der Hotelpark ist vom Tisch - und mit ihm auch wieder der B-Plan 30.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 25. April 2007  |  Titelseite Bad Doberan
 

Kleiner Wohld kein Hotelpark

Der Bürgerbund setzt sich dafür ein, dass der Kleine Wohld für alle zugänglich bleibt. Dadurch kippte der Flächen- nutzungsplan.

Bad Doberan Es war schon eine Überraschung, dass Bürgermeister Hartmut Polzin am Montagabend die Beschlussvorlage zur zweiten Änderung des Flächennutzungsplanes zurückzog.
Vorangegangen war ein Änderungsantrag des Bürgerbundes.
 Die Waldfläche „Kleiner Wohld“ in Heiligendamm solle nicht in eine Grünfläche mit der Zweckbestimmung „private Grünanlage“ umgewandelt werden, forderte Hannes Meyer im Auftrag des Bürgerbundes. Die bisherige Zweckbestimmung „Erholungswald“ sollte erhalten bleiben.
„Mit der Umwandlung des Waldes in einen für die Allgemeinheit nicht mehr zugänglichen Privatpark wird gegen Anordnungen des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Mittleres Mecklenburg verstoßen“, begründet Meyer.

Sein Änderungsantrag fand die Mehrheit. 14 Stadtvertreter stimmten mit Ja, acht mit Nein. Unruhe im Sitzungssaal. Auszeit von zwei Minuten. Beratung mit dem Planer. Bürgermeister Polzin zog die Beschlussvorlage zurück. Durch diese Änderung sei der Flächennutzungsplan nicht mehr aktuell, begründet er. Der Plan müsse überarbeitet werden und dann erneut in die Stadtvertretung.

Wenn die 4,1 Hektar große Waldfläche in eine Grünfläche mit der Zweckbestimmung „privater Hotelpark“ umgewandelt würde, muss dies aufgrund der Größe im Flächennutzungsplan dargestellt werden.

Meyer zeigt sich erleichtert. Vorübergehend. „Relativ lange schon haben wir uns dafür eingesetzt, dass das Naherholungsgebiet in Heiligendamm für alle Gäste zugänglich bleibt, sagt er.
Dem Hotel stünden ausreichend Parkflächen im Bereich zwischen Haus Mecklenburg und Alexandrinencottage zur Verfügung. Den Kleinen Wohld sollte man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Er sollte erlebbar bleiben. Seit vier Jahren ist er eingezäunt.

Der „Kleine Wohld“ ist Landeswald. „Mit welchem Recht soll er der Öffentlichkeit vorenthalten werden“, so fragt Meyer. Außerdem habe er auch Küstenschutzfunktion. „Wir sollten für Doberaner und Gäste ein Stück Heiligendamm bewahren“, vertritt Hannes Meyer den Standpunkt. Er wünscht sich eine differenzierte Politik, die beiden Seiten zugute kommt.

Von der ECH war gestern leider keine Stellungnahme zum zurückgezogenen Flächennutzungsplan zu bekommen.

Bürgermeister Polzin zog auch den Entwurf des Bebauungsplanes Nr. 30, Sondergebiete Hotel und Klinik, in Heiligendamm zurück.
Er steht im Zusammenhang mit dem Flächennutzungsplan.

Klaus-Peter Behrens stellte den Antrag, die B-Pläne zu Heiligendamm – Sondergebiet Hotel, Thalasso-Zentrum, öffentlicher Servicebereich sowie Sondergebiete Ayurveda-Zentrum und Klinik für Plastische Chirurgie – zurückzuziehen. „So lange, bis die finanzielle Durchführbarkeit nachgewiesen werden kann“, begründet Behrens. Seine Anträge fanden keine Mehrheit. Beide Beschlussentwürfe fanden Zustimmung.

RENATE PETER
 

 

Wie wir hier sehen, geht es bei der Diskussion um den Kleinen Wohld nicht um die Fläche bis zum Alexandrinencottage, sondern um den ganzen Wald bis zum Kinderstand heran. Das war bisher nicht so deutlich geworden. Die SVV bekräftigt mit ihrer Ablehnung des Antrag von Klaus-Peter Behrens (Bürgerbund) die gerade beschlossenen Bebauungspläne und signalisiert damit, dass die ECH mit den Maßnahmen beginnen kann. Der B-Plan 30, welcher aus rein formalen Gründen zurück gezogen werden musste, betrifft eine Fläche an der Kühlungsborner Straße. Dadurch ändert sich nicht viel, da die Fläche ja schon bebaut ist.
Das sind rein formale Angelegenheiten.

 

Nun ist die ECH gefragt, endlich die geebneten Wege zu betreten und wieder zu investieren.

Doch statt positiver Nachrichten gibt es wieder nur Hiobsbotschaften:


 

Grand Hotel fast pleite, Ex-ECH-Geschäftsführer vor Gericht und nichts sagende Aussagen aus Berlin.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 07. Mai 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Kempinski-Hotel Heiligendamm in „tiefroten Zahlen“

Heiligendamm (ddp) Das Grand Hotel Heiligendamm steckt trotz Werbung als G8-Tagungsstätte nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ in „tiefroten Zahlen“. Die Fundus-Gruppe als Eigentümerin habe nicht genug Anleger gefunden, die sich am Hotel beteiligen wollen. Neun Jahre nach Vermarktungsstart seien Anteile für 30 Millionen Euro nicht verkauft.
Damit die Anleger eine Ausschüttung von 0,07 Prozent pro Jahr erhielten, müsste das Hotel zu 50 Prozent ausgelastet sein beim durchschnittlichen Zimmerpreis von 200 Euro. 2006 lag die Auslastung bei 43,3 Prozent zum Durchschnittspreis von 186 Euro pro Zimmer.

 

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 11. Mai 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Anklage gegen Millionenbetrüger von Heiligendamm

Rostock (OZ) Mehrere Jahre haben die Ermittlungen gedauert. Gestern konnte Oberstaatsanwalt Peter Lückemann am Rostocker Landgericht seine mehr als 100-seitige Anklage verlesen.
 Es geht um Millionenbetrug bei der Sanierung des späteren Kempinski Grand Hotels in Heiligendamm, in dem Anfang Juni das G8-Treffen sein wird.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 55-jährigen Ex-Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) und zwei Mitgliedern einer Düsseldorfer Architektengemeinschaft vor, die Investoren-Gruppe Fundus zwischen 1996 und 1998 um umgerechnet fast neun Millionen Euro betrogen zu haben. Sie sollen überhöhte Honorare vereinbart und abgerechnet haben. Von dem gezahlten Geld soll rund eine Million Mark als Bestechung an den ECH-Geschäftsführer zurückgeflossen sein.

Laut Anklage hatte er Verträge mit der Architektengruppe über Leistungen in Höhe von 33 Millionen Mark abgeschlossen, von denen allerdings nur 17,5 Millionen ausgezahlt wurden. Trotzdem ein schlechtes Geschäft. Denn, wie sich später herausstellte, betrug der tatsächliche Wert der Arbeit lediglich 500 000 Mark. Vielleicht lag die „Fehlkalkulation“ ja daran, dass einer der Angeklagten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft überhaupt kein Architekt ist.

Aufgeflogen war das Ganze Anfang 1999, weil das prominente New Yorker Architektenbüro „Stern“, das als Subunternehmer der Düsseldorfer Architektengruppe beauftragt war, eine Überweisung nicht erhalten hatte. Die ECH erstattete Anzeige. Bei der Suche nach dem verschwundenen Geld stieß die Staatsanwaltschaft auf ein Konto bei der Chase Manhattan Bank in New York. Das gehörte einem der Angeklagten – und war längst leergeräumt.

169 Betrugsfälle plus Bestechung und Bestechlichkeit hat Lückemann aufgelistet. Der falsche Architekt muss sich zudem wegen unrechtmäßigen Führens eines akademischen Titels verantworten.

Die ECH hatte schon 2001 gegen einen der beiden Ex-Geschäftsführer geklagt. Um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, hatte das Landeskriminalamt MV daraufhin bei den Architekten in Düsseldorf wertvolle Gemälde und Grafiken beschlagnahmt. Das meiste Geld allerdings blieb verschwunden.

Zu Prozessauftakt stellten die Verteidiger gestern Antrag auf Einstellung des Verfahrens, weil eine zu lange Zeit zwischen dem möglichen Tatzeitraum und dem zu erwartenden Urteil liege.
Das Gericht hat noch nicht entschieden, ob der Prozess weitergeführt wird.

MANUELA PFOHL

 


Diese Artikel zitiere ich aus dem einfachen Grund, weil sie zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Die Leser nehmen diese Meldungen wahr und bilden sich auch mit diesen Informationen ihre Meinung über die Investorengruppe und ihre Mitarbeiter.
Solche Vorkommnisse werden selten als Argument gegen die Investorengruppe genutzt aber wenn, dann kennen Sie den Hintergrund.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 18. Mai 2007  |  Titelseite Bad Doberan

Villa „Perle“: Doberanerin erhielt Antwort aus dem Kanzleramt

Bad Doberan Die Villa „Perle“ in Heiligendamm ist abgerissen. Zu denen, die über den Abriss empört waren und sind, gehört Gerda von Hof. „Die Fundusgruppe wollte der Öffentlichkeit glauben machen, der Abriss sei auf Wunsch der Bundesregierung vollzogen worden. Ich habe mir erlaubt, bei der Bundeskanzlerin nachzufragen“, so die Bad Doberanerin.
Die antwortete zwar nicht persönlich, doch in ihrem Auftrag erhielt Gerda von Hof eine Antwort von Dr. Frank Nägele aus dem Kanzleramt.

In dem Schreiben heißt es unter anderem: „Auch die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung in der ,weißen Stadt', deren Charme vor allem aus dem historischen Ensemble erwächst. Jedes verlorene Gebäude ist deshalb unwiderbringlich. Investor und Denkmalschutz sollten daher gemeinsam dafür sorgen, das einmalige Ensemble möglichst vollständig zu erhalten.“

R. P.

 


 

Und wieder: Nichts los auf Wustrow.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 18. Mai 2007  |  Kühlungsborn und Rerik

Weiter Rätselraten um Wustrow

Wann und ob überhaupt die Fundus-Gruppe ihre ehrgeizigen Pläne auf der Halbinsel in die Tat umsetzt, steht weiter in den Sternen.

Rerik Eine Pressemeldung aus der Schweiz versetzte so manchen Mecklenburger jetzt in Erstaunen: „Fundus gibt Pläne für Wustrow auf“ hieß es darin. Die Kölner Fundus-Gruppe, bekannt durch ihr Engagement im 20 Kilometer östlich gelegenen Heiligendamm, kaufte die bebaubare Fläche Wustrows 1998 und stellte damals noch mit ihrer Tochter Entwicklungs-Compagnie-Wustrow (ECW) ehrgeizige Pläne vor. Auf 99 der 967 Hektar großen Halbinsel sollte mit 150 Millionen Euro ein Sommertraum für den pensionierten Beamten aus Süddeutschland entstehen: Wohnen, Tennisanlagen, Reitstall, Golfplatz und Marina.

Reriks Bürgermeister Wolfgang Gulbis ist über die Aufgabe-Meldung ebenfalls überrascht. Auf OZ-Nachfrage erzählt er: „Noch im März saßen wir mit einem Fundus-Vertreter zusammen, weil wir den Flächennutzungsplan möglichst schnell zur Rechtskraft bringen wollten.“ Nach einer weiteren Abstimmung wollten sich Bauausschuss und Stadtvertretung weiter damit beschäftigen, um den Flächennutzungsplan nach Vorstellungen von Kommune und Fundus weiter voranzutreiben. Gulbis sagt: „Als dann die Mitteilung herauskam, Heiligendamm hätte oberste Priorität und von Wustrow und anderen Projekten keine Rede mehr war, überraschte mich das.“ Die Weiße Stadt und Wustrow mit einem ähnlichen Invest-Volumen parallel auf Vordermann zu bringen – das erschien ihm allerdings von vorneherein als „wenig realistisch“.

Viel unternehmen, um einen Fortschritt zu forcieren, kann Reriks Bürgermeister kaum. „Wir arbeiten weiter daran, das Baurecht herzustellen – ohne den Investor ist das aber relativ schwierig. Wir können ja nicht irgendetwas planen, was am Ende nicht zu verkaufen ist“, erklärt er. Auf der derzeitigen Planungsebene der Flächennutzung sei es noch möglich, weil es nicht um konkrete Posten ginge. Drängen könne er Fundus nicht: „Auf der einen Seite steht das Eigentum, auf der anderen die Planungshoheit der Stadt. Keiner kann ohne den anderen.“
Gulbis gesteht: „Ich hoffe, dass sich die Fronten nach dem Gipfel klären.“ Die Kölner Gruppe scheint einen langen Atem zu besitzen. Bereits im Jahr 2002 sprach Reinhard Stolle, Technischer Leiter der ECW, von einem „schrittweisen Projekt“, das „auf 10 bis 15 Jahre angelegt“ ist.

Fundus-Sprecher Dr. Johannes Beermann dementiert die Negativ-Nachricht, weiß davon nach eigenen Angaben nichts: „Wir haben unsere Position nicht geändert.“

Die Gruppe habe nach wie vor die Halbinsel Wustrow auf der Agenda, allerdings fehle die notwendige Unterstützung von Seiten der Stadt Rerik.
Vor allem die Schließung des Wustrower Halses für den Autoverkehr sei ein Problem.


JENNY KATZ

 


 


Hintergrund: Nicht nur Heiligendamm. Auch Wustrow verfällt.


 

FUNDUS gründet für jedes seiner Projekte eigenständige Gesellschaften.
In Heiligendamm ist das die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG (ECH). Diese Gesellschaft entwickelt Heiligendamm im Rahmen eines Masterplanes, der aber keinen Bauplan darstellt, sondern nur die Möglichkeiten aufzeigt.
Die Entwicklung erfolgt über viele Jahrzehnte hinweg und richtet sich stets nach dem Markt. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und dieses wird ständig weiter entwickelt. Darum werden auch nicht sofort alle Freiflächen bebaut. Hingegen wird aber abgerissen, was nicht erhalten werden soll, um keine Erhaltungskosten zu haben. So geschehen in der Kühlungsborner Straße in Heiligendamm. In Mecklenburg-Vorpommern ist die FUNDUS-Gruppe mit mehreren Großinvestitionen präsent.
So ist sie nicht nur Eigentümerin eines Großteils Heiligendamms, sondern auch Investor und Bauherr des
Steigenberger Strandhotel Zingst in Zingst auf dem Darß. Hier hat FUNDUS mit dem Fonds 36 den Neubau eines Hotels direkt an der Strandpromenade von Zingst erfolgreich realisieren können.


Anders sieht es auf Wustrow aus. Die Halbinsel liegt bei Rerik und gehört administrativ zur Stadt Rerik.

Ursprünglich war das Fast-Eiland ein landwirtschaftliches Gut. Die Ruine des Gutshauses zeugt heute noch von der alten Geschichte Wustrows. Später wurde die Halbinsel militärisch genutzt und zur FlaK-Schule der Wehrmacht ausgebaut.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden die militärischen Einrichtungen gesprengt und die Halbinsel wurden von der Westgruppe der Roten Armee übernommen, militärisch wieder aufgebaut und als Außenposten gen Westen genutzt. Während der ganzen Zeit von der Übernahme durch die Wehrmacht bis zum Abzug der Sowjetarmee war die Halbinsel für Zivilisten gesperrt und vermint. Zwischen 1993 und 1997 war die zum Großteil als Naturschutzgebiet deklarierte Insel von Munition und Minen bereinigt und Stück für Stück der Öffentlichkeit in Form von Führungen durch den Heimatverein wieder zugänglich gemacht worden.

 

1998 kaufte die FUNDUS-Gruppe die Halbinsel vom Bund und gründete die Entwicklungs-Compagnie Wustrow (ECW) mit Sitz in Heiligendamm.  Auf der Halbinsel sollen 230.000 qm Bruttogeschossfläche verbaut werden und 2100 Menschen Platz zum Wohnen und zur Erholung finden. Ein 27-Loch-Golfplatz mit Golfhotel soll auf das gesamte Areal des Landschaftsschutzgebietes gebaut werden, ein Reiterhof, eine Marina für 240 Boote, ein Naturlehrpfad mit Infozentrum und Aussichtsturm und mehrere "Hamlet". Das sind Gebäude-Gruppen und Rundweiler, die auf die Ostsee gerichtet sein werden. Die bestehenden 100 Bauwerke der Gartenstadt sollen restauriert werden und 100 neue Gebäude in einer weiteren Gartenstadt entstehen.

 

Als sich über Jahre seitens der ECW auf Wustrow nichts tat, wurden die Reriker ungeduldig. Auch hier existieren mehr Halbwahrheiten, als Fakten. Heiner Zimmermann, Chef der ECW, hat auf meine Nachfrage sinngemäß folgenden Sachverhalt geschildert:

Die ECW hat Pläne vorgelegt, wie Wustrow zukünftig genutzt und aussehen soll. Ein Problem für die Planer der ECW und die Stadt Rerik gleichermaßen war das durch die Bebauung zu erwartende hohe Verkehrsaufkommen am Wustrower Hals.
Beide Parteien wollten daher durch eine Zählung den aktuellen Verkehr statistisch erfassen und gemeinsam ein Konzept ausarbeiten. Die Zählung wurde vorgenommen und kurz darauf wurde eine Sitzung geplant, um die Ergebnisse auszuwerten und über ein Verkehrskonzept zu beraten. Noch bevor es zu dieser Sitzung kam, hat die Stadt Rerik lt. Herrn Zimmermann den Wustrower Hals für den Straßenverkehr gesperrt.  

Die Stadt wollte Planungssicherheit bei der Bebauung des Wustrower Halses, der künstlichen Landzunge, die die Stadt mit der Halbinsel verbindet.


Der Wustrower Hals wurde nie bebaut, da er die einzige Landverbindung zur Halbinsel darstellte und daher von den Militärs beansprucht wurde. Da sich aber auf der einen Seite die Ostsee und der Strand und auf der anderen Seite das Salzhaff und der Hafen befanden, wollte die Stadt dieses Areal touristisch nutzen und seine Pläne zur Bebauung an den Plänen der ECW ausrichten.

Die Sperrung der Halbinselzufahrt für den Durchgangsverkehr vereitelte aber die Pläne der ECW
, denn so müssten die Bewohner und Gäste Wustrows ihre Fahrzeuge vor Wustrow abstellen. Durch diesen Beschluss waren der ECW die Hände gebunden. Eine Alternative zur Durchfahrt nach Wustrow wenigstens für Anlieger gibt es kaum. Die ECW probierte trotzdem mehrere Szenarien durch - eine davon ist ein Shuttle-Service vom Stadtrand nach Wustrow. Da das alles aber mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, ließ die ECW die einfachste Variante - den Durchgangsverkehr - nicht fallen.

Weil nun einer auf den anderen wartete und keiner den Anfang machte und Wustrow ungenutzt da lag, begann die Stadt mit der touristischen Bebauung des Wustrower Halses. Dadurch erhöhte sich auch das Interesse an die nun direkt an die Stadt grenzenden Halbinsel und damit auch die Zahl der Führungen. Der ECW kostete die Sicherung der Insel nach eigenen Angaben 100.000 Euro jährlich und während der Heimatverein an den Führungen verdiente, hatte die ECW nur Kosten und keine Einnahmen.

So
schloss die ECW am 02.09.2004 ist die Halbinsel und verbot das Betreten.

Seitdem ist Wustrow wieder eine verbotene Insel und die architektonisch wertvolle Gartenstadt verrottet. Die Wege und Plätze sind längst der Natur zum Opfer gefallen. Die Stadt Rerik hat daraufhin die ganze Insel unter Naturschutz gestellt. Das wiederum hindert die ECW erst recht, denn in Naturschutzgebieten darf man nicht bauen. Streitpunkte sind auch die Anzahl der Betten und eben der Verkehr am Wustrower Hals. Die Stadt befürchtet, dass es mehr Touristen als Einheimische geben wird und dass die problematische Verkehrssituation verschärft wird. Die ECW äußerte daraufhin weiterhin Ideen, wie eben den Shuttleservice. Allerdings weiß Bürgermeister Gulbis davon nichts. Die Fronten sind verhärtet und die Stadt Rerik entwickelt sich ohne Wustrow weiter, ist aber nach eigenen Angaben jederzeit für Verhandlungen bereit. Auch die ECW würde jederzeit an den Verhandlungstisch zurück kehren, wie Herr Zimmermann versichert. Allerdings relativiert er sogleich die Hoffnung in Hinblick auf die derzeitige Situation:


"Auf Wustrow wird sich die nächsten 40 Jahre nichts tun."

Es gab Überlegungen, der ECW Wustrow wieder wegzunehmen aber die Initiatoren haben übersehen, dass die ECW Wustrow nicht wie üblich per Erbpacht oder auf Raten erworben, sondern in einem Stück vom Bund gekauft und bezahlt hat. Die ECW ist damit rechtlich korrekt Eigentümer der Halbinsel Wustrow und kann die Insel zwar ohne Zustimmung der Stadt Rerik nicht bebauen aber da sie darf den Zugang sperren. Damit erübrigt sich dann auch die Pflicht zur Gebäudesicherung: Wo keine Menschen, da keine Lebensgefahr. So hat die ECW alle Zeit der Welt. Wie in Bad Doberan anno 2008 (und auch 2009 noch) liegt der Ball im Feld der Stadt. Während der Stillstand in Bad Doberan Heiligendamm enorm schadet, berührt der Stillstand in Rerik Wustrow überhaupt nicht. Die ECW hat alle Zeit der Welt und wenn die Stadt Rerik den Ball nicht tritt, wird er verrotten - wie die Häuser Wustrows.
Auch dies gab Heiner Zimmermann zu Bedenken: Anno August Jagdfeld ist Inhaber von FUNDUS und solange FUNDUS ein Objekt aus Eigenmitteln und nicht über Fonds erwirbt, ist Jagdfeld auch Eigentümer dieses Objektes. Während Jagdfeld den größten Teil des von FUNDUS erworbenen Teils Heiligendamms also mit ca. 2000 Anlegern teilen muss, gehört ihm Wustrow quasi ganz allein.
Jagdfeld hat fünf Söhne - und damit bleibt Wustrow über Jahrzehnte im Besitz

Dabei wäre das absolut nicht nötig gewesen: Das ist das Wustrow nach Vorstellungen der ECW. Wir werden es nicht mehr erleben:
 



 

Umfangreiches Bildmaterial aus mehreren Jahren, sowie weitere Informationen gibt es hier.
Von dort stammen auch unsere beiden ersten Fotos. Vielen Dank an I. und A. Herrmann aus Rerik mit ihrer Seite www.ferienhaus-herrmann.com. Die Entwürfe oben habe ich über eine Bildersuche gefunden. Vermutlich stammen sie von dpz.com.
Das letzte Bild habe ich per Zoom von der Seebrücke aus gemacht.

Das soll es zu Wustrow gewesen sein. Damit ist alles gesagt.
Führungen gibt es inzwischen auch wieder: Vom Wasser aus.
 



Gäste-Statistik 2007: Mehr Gäste seit 2005 aber weniger Übernachtungen.

 

Jedes Jahr wertet die Stadt die Gästezahlen aus. Als Kurort lebt sie von den Gästen und muss alles dafür tun, das sie sich wohl fühlen und bleiben und gern wieder kommen. In den Jahren 2005 und 2006 ist es gelungen, mehr Gäste anzulocken aber die Gäste bleiben dafür kürzer. Das bestätigt indirekt die These der ECH und FUNDUS von der Zunahme der Tagesgäste. Erstmals werden aber die eigentlichen Ursachen genannt:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 15. Juni 2007  |  Titelseite Bad Doberan
 

Mehr Gäste blieben kürzer
 

Die Zahl der Übernachtungen und der Betten ist in Bad Doberan und Heiligendamm gesunken. Es kamen mehr Gäste. Die blieben aber weniger Tage. Jetzt hoffen Touristiker auf gute G 8-Resonanz.

Bad Doberan In Bad Doberan und Heiligendamm ging von 2005 zu 2006 die Zahl der Übernachtungen von Gästen zurück. Auch die Zahl der Betten ist gesunken. Im Jahre 2005 übernachteten in Bad Doberan und Heiligendamm 279 005 Gäste. Das waren 4,5 Prozent mehr als im vorigen Jahr. „Ja, wir hatten 2006 generell weniger Übernachtungen“, bestätigt Eva Schürmann, Leiterin der Bad Doberaner Tourist-Information. Das Jahr sei aber auch sehr spät losgegangen, wettermäßig gesehen, begründet sie. Aber: Die Gästeankünfte sind im vorigen Jahr im Vergleich zu 2005 um 4,2 Prozent gestiegen. Da waren es 53 019 Gäste, im vorigen Jahr 55 298. Das ist einem geänderten Verhalten der Gäste geschuldet. Die Verweildauer ist geringer. „Es sind mehr Gäste gekommen, aber kürzer geblieben“, sagt Eva Schürmann. Die Verweildauer im Jahre 2005 lag durchschnittlich bei 5,2 Tagen. Im vorigen Jahr blieben die Gäste nur noch 4,8 Tage.

Das habe auch etwas mit dem Geld zu tun. Viele Leute hätten nicht so viel Geld, um mit Familie länger zu bleiben. Andere kämen auch öfter. „Schnell mal drei/vier Tage ans Meer“, begründet die Tourismus-Chefin der Stadt.

In Bad Doberan weilten im vergangenen Jahr 20 545 Gäste in gewerblichen Unterkünften. Dazu zählen Hotels und Pensionen ab acht Betten. Dort wurden 114 847 Übernachtungen gezählt. In privaten Unterkünften mit bis zu acht Betten wurden in Bad Doberan voriges Jahr 4784 Gäste und 16 972 Übernachtungen gezählt.

In Heiligendamm weilten im vorigen Jahr 28 773 Gäste in gewerblichen und 1196 in privaten Unterkünften. Sie machten 133 256 Übernachtungen in Pensionen und Hotels sowie 4243 in kleinen Privatunterkünften aus. Heiligendamm hat also Bad Doberan überholt. „Eigentlich klar. Denn die Leute wollen dichter ans Meer, an den Strand“, begründet Eva Schürmann.

Bad Doberan bietet Gästen insgesamt 990 Betten an, darunter 230 in der Moorbad-Klinik. In Heiligendamm sind es insgesamt 871 Betten, darunter 241 in der Median-Klinik und natürlich die 450 Betten im Grand Hotel, in beiden Orten also 1861 Gästebetten. Im Jahre 2005 waren es noch 1910. Unter anderem wurde aber die Bungalowsiedlung in Heiligendamm abgerissen, wurde das Ferienobjekt der Grünen Liga in Bad Doberan geschlossen.

Wie sich die Urlauberzahlen in diesem Jahr entwickeln, bleibt abzuwarten. Hoteliers, Pensionsbesitzer, Zimmervermittler und Tourismus-Verantwortliche hoffen dass der G 8-Gipfel eine positive Resonanz haben wird. Allerdings fehlen in diesem Jahr die Übernachtungen in der Jugendherberge. Die Einrichtung auf dem Tempelberg ist zu.

RENATE PETER

 

 

Die Stadt will handeln.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 22. Juni 2007  |  Stadt und Land
 

Arbeitsgruppe Kurortmanagment gebildet
 

Bad Doberan Für Bad Doberan/Heiligendamm wurde jetzt eine Arbeitsgruppe Kurortmanagement gebildet. Sie will notwendige tourismusfördernde Maßnahmen initiieren und umsetzen.

Teilnehmer der Arbeitsgruppe sind derzeit: Tourismusförderverein, Tourist-Information der Stadt Bad Doberan, Kunstverein Roter Pavillon, Rehabilitationsklinik „Moorbad“, Zimmervermittlung Marten, Hotel Friedrich-Franz-Palais, Dehoga-Regionalverband Bad Doberan, Klosterverein, Grand-Hotel Heiligendamm, Doberaner Münster, Median-Klinik Heiligendamm und Mecklenburgische Bäderbahn Molli/Küstenbus.

Im Fokus der aktuellen Aktivitäten steht die Initiierung und Entwicklung eines funktionierenden Netzwerkes der lokalen und regionalen Leistungsträger. Auf erste Maßnahmen hat sich die Arbeitsgruppe bereits verständigt. Hierzu gehören eine Verbesserung der Veranstaltungskoordination und Überarbeitung des Veranstaltungskalenders, gemeinsame Messeplanung und -auftritte, Erarbeitung von Pauschal-Arrangements, Leistungsaufwertung der Kurkarte, Optimierung des Online-Vertriebes sowie generelle Maßnahmen im Sinne einer gastfreundlichen Stadt Bad Doberan-Heiligendamm.
 


 

Nach G8: FUNDUS hat noch immer Finanzprobleme im Fonds 34.

Der G8-Gipfel ist vorbei und es kommt zum Run auf Heiligendamm.

Wie LAG Rock & Pop es in seinem Lied "Scheinheiligendamm" vorausgesehen hat:
"Und sie komm' in Schar'n - dahin, wo die Promis war'n."

 

Viele der Organisationen gegen G8 haben im Vorfeld Stellung bezogen zum Abriss der Villa "Perle", zur Sperrung des Küstenwaldes, zu Zäunen und Hecken und zum Umgang Jagdfelds, FUNDUS' und der ECH mit den Bürgern, der Stadtvertreterversammlung und vor allem Heiligendamm. Sie haben sich viele Sympathien aufbauen können, die ihnen während der Protestaktionen und besonders während der Blockade zu Gute kamen. Die BILD-Zeitung titulierte nach Rostock gerichtet "Ihr Chaoten - wollt Ihr Tote?" und in Bad Doberan zeigte sich ein ganz anderes Bild: Anwohner versorgten die Demonstranten mit Decken, Getränken, Brot, Kuchen, Keksen, Eintopf und Hygieneartikeln. Während die Staatsmacht die Polizisten nicht ausreichend versorgte, hatten die Demonstranten die Bürger Bad Doberans hinter sich.

Auch die Bad Doberaner verurteilten die Gewalt am 02. Juni in Rostock und auch sie hatten Angst vor einer Eskalation.

Aber die Demonstranten um Heiligendamm waren organisiert und klug - sie überlisteten die Polizei und schafften es bis an den Hochsicherheitszaun. Natürlich hielt man in Bad Doberan die Luft an aber die Mehrheit der Bürger zollte den mutigen Demonstranten stille Bewunderung. Ein wenig Schadenfreude war auch zu spüren, dass nun die Aussperrer zu Eingesperrten geworden sind. In Heiligendamm und Rostock hat sich die Staatsmacht die Blöße gegeben.

 

Das war G8 und darüber wird man noch lange Zeit reden.
Die Bad Doberaner, Heiligendammer und Rostocker werden dieses Ereignis nie vergessen.

Doch in diesen Tagen wurde klar, dass wenn Heiligendamm Petersberg ersetzen soll, das nicht so einfach werden würde, wie Jagdfeld es sich erträumt hat. Wie sich aber zeigt, wird vieles nicht so einfach, wie Jagdfeld es sich erträumt hat:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 30. Juni 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Finanzloch bei Fundus bleibt offen

Bis heute sollte ein Millionenkredit für das Heiligendammer Luxushotel ablöst sein. Die Fondsmanager suchen nach Auswegen.

Heiligendamm (OZ) Schlechte Nachrichten für am Grand Hotel Heiligendamm beteiligte Investoren: Der Kölner Fundus-Gruppe, zu der das Hotel gehört, ist es nicht fristgerecht zu heute gelungen, bei der HypoVereinsbank (HBV) einen Kredit über 15 Millionen Euro abzulösen. „Wir befinden uns in der Endphase zur Umfinanzierung“, sagte Fundus-Sprecher Johannes Beermann gestern lediglich.

Im Januar war bekannt geworden, dass die HypoVereinsbank den Kredit mit der Fundus-Gruppe nicht verlängere. In einem Brief an die Gesellschafter nannte Fundus als Grund für den Ausstieg der Bank, dass das Hotel in Heiligendamm „nicht sonderlich gut läuft“. Mit der ersten Idee zur Umfinanzierung war Fundus früh gescheitert: Die Bundesbank untersagte im April der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG, die das Grand Hotel Heiligendamm verwaltet, die 15 Millionen als Darlehen bei den Gesellschaftern des Fonds einzuwerben.

Auf welchem Weg die Fundus-Gruppe das Geld nun beschaffen will und mit wem man verhandelt, mochte Sprecher Beermann gestern nicht sagen. Auch nannte er keinen Termin, zu dem die „Umfinanzierungsverhandlungen“ abgeschlossen sein könnten. „Zum 30. Juni passiert jedenfalls nichts“, sagte er mit Blick auf den Termin für das Ende der Kredit-Laufzeit. Konsequenzen hätte das laut Beermann zunächst nicht: „Die Zinsen laufen wohl normal weiter, vermute ich“, sagte er. Die HypoVereinsbank wollte dazu unter Berufung auf das Bankgeheimnis nichts sagen.

Das Nobelhotel, das im Juni die G 8-Politiker beherbergte, war im Jahr 2003 eröffnet worden und konnte bisher noch keine Überschüsse erwirtschaften. Noch vor dem Gipfel meldete die „Wirtschaftswoche“, das Hotel stecke in „tiefroten Zahlen“. Anteile für 30 Millionen Euro seien Jahre nach Vermarktungsstart immer noch nicht verkauft. Nach einem Verlust von 1,5 Millionen Euro im Vorjahr hoffen die Betreiber jetzt allerdings auf den Aufschwung – und zumindest auf ein ausgeglichenes Ergebnis in diesem Jahr.

Die Nachricht, dass sich die Umfinanzierung des HBV-Kredits verschiebt, hatten Fonds-Anleger gestern noch nicht erhalten. „Für uns stellt sich nun die Frage, wie es weiter geht“, sagten Investoren, die nicht namentlich genannt werden wollen, der OZ. Entscheidend sei, welche Lösung die Fundus-Gruppe nun aushandele. „Es muss endlich was passieren, von leeren Versprechungen haben wir genug.“

NICK VOGLER und MANUELA PFOHL

 


 

Und Image-Probleme bei den Bürgern.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 03. Juli 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Gutsherr will Stimmung im Dorf heben

Das Gut Vorder Bollhagen bedankt sich mit einem Grillfest bei den Einwohnern, die zum G8-Gipfel einiges auf sich nehmen mussten.

Bad Doberan (OZ) Im Gestüt Vorder Bollhagen sind die einheimischen Vierbeiner wieder unter sich. 80 „Gast“-Pferde der berittenen Polizisten sind abgerückt, die während des G8-Gipfels auf dem nur wenige Kilometer vom Heiligendammer Kempinski-Hotel entfernten Gestüt Quartier bezogen hatten. Neben Pferden gehören Rinder, Schafe und Ziegen zu dem Gut, das die Berliner Fundus-Gruppe 1995 zusammen mit den klassizistischen Villen an der See erworben hatte. Gut betuchte Hotelgäste wollen schließlich nicht nur segeln, golfen und Tennis spielen, sondern auch ausreiten.

Bis auf ein paar Hektar zertrampeltem Hafer hat das Gut den Gipfel gut überstanden. Absperrungen, Polizeipräsenz, Sirenengeheul – alles vergessen. Als Dank an die Einwohner, „die ja einiges auf sich nehmen mussten“, wie Gestütschef Horst Schüssler meint, will das Gut Anfang August ein Sommerfest veranstalten. Schüssler: „Wir schlachten einen Bullen, der wird gegrillt.“

Dem gebürtigen Hessen ist offensichtlich an einer besseren Stimmung im Dorf gelegen. „Wir haben in der Vergangenheit manches falsch gemacht, die Leute zu wenig in unsere Pläne einbezogen“, räumt der frühere Springreiter ein, der kein Geheimnis daraus macht, dass er ein Cousin von Fundus-Geschäftsführer Anno August Jagdfeld ist. Zu DDR-Zeiten habe das ganze Dorf im Gut gearbeitet, heute sind noch zwölf Mitarbeiter beschäftigt. 20 Angestellte sollen es künftig wieder sein. Seit 2006 bildet der Betrieb wieder Lehrlinge aus. Neben einem Landwirt-Azubi wird ein Sattlerlehrling gesucht. Auf 1000 Hektar werden Ackerbau und Tierhaltung auf Ökolandbau umgestellt – damit es auf der Kempinski-Speisekarte künftig Biofleisch vom eigenen Hof gibt.

Seit fast 80 Jahren werden in Vorder Bollhagen Pferde gezüchtet. Im Unterschied zu den früher dort gehaltenen Vollblütern für die Bad Doberaner Galopp-Rennbahn und der Zucht Mecklenburger Pferde spezialisiert sich das Gestüt heute auf Holsteiner Springpferde. „Die lassen sich besser verkaufen“, meint Schüssler. Dass der 58-Jährige diese Rasse bevorzugt, hängt aber auch damit zusammen, dass er früher selbst gern Holsteiner ritt. Bewährt habe sich aber, „gute Mecklenburger Stuten mit unserem Holsteiner Spitzenhengst zu decken“. Insgesamt stehen 87 Rösser in den Ställen. Zu den Kunden gehören laut Schüssler Reiterdynastien wie Schockemöhle und Beerbaum, die es zu Weltmeister- und Olympiasieger-Ehren brachten. Vorder Bollhagens Spitzenhengst Cefalo wird seit Mai von Mecklenburg-Vorpommerns erfolgreichstem Reiter, Holger Wulschner, in Groß Viegeln bei Rostock für Turniere vorbereitet.

Auf dem Gut hat sich einiges getan. Alte Ställe wurden abgerissen, Betonflächen entsiegelt, gerade wurde das Dach des denkmalgeschützten Kartoffellagers neu eingedeckt. „Demnächst wird weiter gebaut“, kündigt Schüssler an. Angelehnt an die klassizistischen Bauten in Heiligendamm sollen in Vorder Bollhagen neue Pferdeställe entstehen. Schüssler: „Die Bauvoranfrage ist positiv beschieden.“

„Die haben viel vor“, bestätigt Uwe Witt vom Pferdezuchtverband MV, bei dem in jüngster Zeit wieder Junghengste aus Vorder Bollhagen für die Zucht angemeldet wurden. Hinter den Kulissen heißt es in der Branche jedoch, dass auf dem Gut bisher wohl längst nicht alle Blütenträume reiften – ebenso wie in Heiligendamm.

„Manches dauert eben etwas länger“, räumt Schüssler ein. „Doch der Anfang ist gemacht.“ Am Ortseingang von Vorder Bollhagen entsteht gerade ein Spielplatz. Eine Idee, die bei einem Osterfeuer entstand. „Da haben uns die Einwohner erzählt, dass es im Dorf viele Kinder gibt, aber keinen Spielplatz.“ Schüssler ist gespannt, was beim Sommerfest alles zur Sprache kommt.

ELKE EHLERS
 


 

Fettnäpfchenwetthüpfen: FUNDUS eckt überall an.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 18. Juli 2007  |  Stadt und Land

Plattenweg-Sperrung erregt die Gemüter

Die baldige Sperrung des Plattenweges hat nichts mit Abschottung zu tun. Gut und Gestüt Vorder Bollhagen freuen sich über viele Besucher, so Gestütschef Schüssler.

Vorder Bollhagen Der Plattenweg zwischen Steffenshagen und Vorder Bollhagen ist ein beliebter, kurzer Schleichweg – für die Vorder Bollhäger Richtung Kröpelin, für die Steffenshäger Richtung Bad Doberan. In absehbarer Zeit – je nachdem, wie lange das bürokratische Verfahren dauert – soll er jedoch für den Autoverkehr gesperrt werden, dann nur noch Wanderern, Radlern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen zur Verfügung stehen.

Die Steffenshäger Gemeindevertretung stimmte einem entsprechenden Antrag der Stadt Bad Doberan bereits zu – Vorder Bollhagen ist ein Ortsteil der Kreisstadt. Weil der Weg in einem schlechten baulichen Zustand ist und weil man Radwanderern eine zusätzliche Strecke anbieten möchte, auf der sie sich unbehindert vom Autoverkehr bewegen können. Auch, weil durch die neue Umgehungsstraße um Heiligendamm der Weg eigentlich entbehrlich geworden ist (OZ vom 28. Juni, Seite 15).

Der Beschluss der Steffenshäger Gemeindevertretung fand nicht nur Zustimmung. Fundus, Eigentümer von Heiligendamm sowie von Gut und Gestüt Vorder Bollhagen, wolle das kleine Dorf von der Außenwelt abschotten, wurde geargwöhnt. „Das ist absoluter Nonsens. Im Gegenteil, wir freuen uns über möglichst viele Besucher auf unserem Bio-Gut und dem Gestüt. Gehen schon lange mit unseren Angeboten für die Bevölkerung und die vielen Urlauber – wie dem therapeutischen Reiten, Führungen durch den Betrieb und vieles mehr – gezielt in die Öffentlichkeit“, weist Gestütschef Horst Schüssler diese Vermutung zurück.

Spricht dann aber sehr nachdrücklich über die Verkehrssituation im Dorf, die aus Vorder Bollhäger Sicht die Sperrung des Weges sinnvoll erscheinen lässt. Denn die Betonstraße kurz vor der Einmündung des Plattenweges verläuft über das Gutsgelände. „Das ist auf Dauer schon allein aus rechtlichen und sicherheitsrelevanten Gründen unhaltbar“, so Schüssler. „Sobald das Gut diesen Weg sperrt – und das muss es – läuft der ganze Durchgangsverkehr einschließlich vieler Lkw durch den schmalen, dafür gar nicht ausgelegten Kühlungsborner Landweg, in dem viele Kinder spielen“, sorgt sich beispielsweise Anwohner Thomas Bottin.

LUTZ WERNER

 

 

Wie gut, dass die schlechte Nachricht noch vor dem Grillfest kommt.
So kann man die schlechte Stimmung wenigstens damit wieder gut machen.


 

Der Heiligendamm-Prozess: Jagdfeld sagt vor Gericht aus.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 17. Juli 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Betrugsprozess: Fundus-Chef Jagdfeld räumt Fehler ein

Rostock (dpa) Im Prozess um einen Millionenbetrug bei der Sanierung Heiligendamms hat der als Zeuge geladene Chef der Investorengruppe Fundus, Anno August Jagdfeld, mangelnde Kontrolle eingeräumt. „Ich hätte eher reagieren sollen“, sagte Jagdfeld gestern im Landgericht Rostock. Verhandelt wird gegen einen 55-jährigen Ex-Geschäftsführer der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) und zwei 57 und 51 Jahre alte Mitglieder einer Düsseldorfer Architektengemeinschaft. Sie sollen zwischen 1996 und 1998 Fundus mit überhöhten Honoraren um fast neun Millionen Euro betrogen haben.

Die ECH war laut Jagdfeld 1996 gegründet worden, der 55-jährige Ex-Geschäftsführer sei der Mann der ersten Stunde gewesen. Laut Anklage hatte dieser Rahmenverträge mit der Architektengruppe über Leistungen in Höhe von 33 Millionen Mark abgeschlossen. Gezahlt wurden 17,5 Millionen Mark. Der tatsächliche Wert der Arbeit wurde später auf 500 000 Mark geschätzt.

Der Geschäftsführer habe bei seinen Handlungen kein finanzielles Limit gehabt. „Das muss ich mir anrechnen lassen als Patron“, sagte Jagdfeld. Aufgeflogen war der Betrug, als ein New Yorker Architektenbüro, das als Subunternehmer tätig war, eine Überweisung in Höhe von 850 000 Mark nicht erhalten hatte. Die Anhörung Jagdfelds soll morgen fortgesetzt werden.
 

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 19. Juli 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Betrugsprozess: Jagdfeld fühlt sich hinters Licht geführt

Rostock (dpa) Der Chef der Investorengruppe Fundus, Anno August Jagdfeld, hat gestern im Rostocker Prozess um einen Millionenbetrug bei der Sanierung Heiligendamms sein getäuschtes Vertrauen zur Ex-Führung der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) geschildert. „Ich habe nicht davon ausgehen können, dass gleich drei Verantwortliche unter einer Decke stecken“, sagte er im Landgericht. „Auch ein gutgläubiger Mensch muss sich in Deutschland nicht betrügen lassen.“

Angeklagt sind ein 55-jähriger ehemaliger ECH-Geschäftsführer und zwei 57 und 51 Jahre alte Mitglieder einer Düsseldorfer Architektengemeinschaft. Sie sollen zwischen 1996 und 1998 Fundus mit überhöhten Honoraren um umgerechnet fast neun Millionen Euro betrogen haben.

Es sei übliche Praxis bei den vielen Baustellen des Unternehmens, dass Rechnungsbeträge auch in Millionenhöhe nach Abzeichnen von zwei Geschäftsführern ohne weitere Kontrolle angewiesen wurden, sagte Jagdfeld. Man habe längere Zeit gebraucht, das Vorgehen der ECH-Geschäftsführung zu durchschauen. Jagdfeld hatte bereits am Montag eingeräumt, zu wenig Kontrolle ausgeübt zu haben.
 


 

Trotz in Heiligendamm: Es kommt zu Demonstrationen.

 

G8 hat den Bad Doberanern gelehrt, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss.
Nun probieren sie es selbst aus. Allerdings ganz leise:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 17. September 2007  |  Titelseite Bad Doberan
 

Stille Demonstration im Unterholz

Doberaner und Heiligendammer spazierten gestern gemeinsam durch den „Kleinen Wohld“. Damit dieser offen bleibt.

Heiligendamm „Hier geht's rein. Der Zaun ist offen.“ Hannes Meyer steht auf der Straße hinter der Median-Klinik und weist den Weg in den „Kleinen Wohld“. „Gehen sie ruhig. Es kann nichts passieren. Sie zeigen damit, dass sie den Wald lieben.“ Es klingt ein wenig pathetisch. Meyer gehört zur Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“, die den Herbstspaziergang organisiert hat. Und die alles daransetzt, dass dieses Stück Grün für jedermann begehbar bleibt und nicht zum Park des Hotels Kempinski wird. Viele waren gestern gekommen, vor allem ältere Einwohner. Aber auch junge Mütter wandelten Kinderwagen schiebend auf verschlungenen Pfaden durch das Unterholz. Und die Polizei war gleich mit mehreren Wagen zum Naturkunde-Einsatz gestartet.

Seit 2003, mit Eröffnung des Kempinski, ist der kleine Wohld faktisch gesperrt. Zäune wurden errichtet. Im Januar 2007 übereignet die Landesforst der Entwicklungscompagnie Heiligendamm den Landeswald „Kleiner Wohld“ im Tausch gegen Aufforstungsflächen in Vorder Bollhagen. Das Areal wird zum Privatwald, das öffentliche Betretungsrecht aber bleibt erhalten – meint jedenfalls die Initiative. Nach deren Ansicht sollte dann ein neuer B-Plan die Umwandlung in einen privaten Park zementieren. So bliebe die Öffentlichkeit draußen. Die Stadtvertretung stimmte aber im April mehrheitlich einem Antrag des Bürgerbundes zu, der die Umwandlung verhindern will. Am 1. Oktober nun wird auf Initiative der Stadtvertretervorsteherin Anke Bitter, Die Linke, sich das Gremium auf einer Sondersitzung erneut mit dem Thema beschäftigen. Die Bürgerinitiative befürchtet jetzt, dass der Privatisierungsversuch diesmal gelingt. Deshalb der Herbstspaziergang.

Ein aus Gipfelzeiten bekanntes Gesicht war gestern unter den Wald-Demonstranten. Dieter Rahmann, vor dem Weltereignis zuständig für die Unterbringung von Gipfelgegnern in Camps, hat ein besonderes Verhältnis zu diesem Stück Buschwerk. Es brachte ihm eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch ein. Er war am 16. März durch den Wald spaziert. In den Akten sei dies zum „Ausspionieren der Hotelanlagen“ umgedeutet worden. Der Prozess findet am 16. Oktober am Doberaner Amtsgericht statt. Sollte dies feststellen, dass Rahmann nicht Unrecht mit seinem Spaziergang begangen hat, würde das auch den Wald-Freunde Freude bereiten. Sie bekämen gerichtlich Recht.

„Das wäre natürlich optimal“, sagte Rahmann, der Spion aus dem Unterholz, gestern vor dem erneuten Waldspaziergang.

PETER WEISSFLOG

 



Und Polizei-Aktionen.
 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 20. September 2007  |  Titelseite Bad Doberan

Nach Waldspaziergang Beschwerde gegen Polizei

Heiligendamm Der herbstliche Spaziergang, zu dem die Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“ am vergangenen Sonntag aufgerufen hatte, hat nun ein Nachspiel. Einer der zahlreichen Teilnehmer, die für die öffentliche Begehbarkeit des am Kempinski Hotel gelegenen Waldstückes demonstrierten, legte gegen den vor Ort handelnden Polizeiführer eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Innenminister ein.

Im Vorfeld auf den Aktionstag waren von dessen Organisatoren zwei Sperren im „Kleinen Wohld“ geöffnet worden, damit die Bürger freien Zutritt zum Wald erhalten. Zunächst verlief der Protesttag ohne Störungen. Als aber einige Leute sich anschickten, die noch nicht geöffneten Zäune zu überwinden, schritt die Polizei ein. Sie drohte, beschreibt eine Mail, „Ingewahrsamnahme und Personalienfeststellung“ an, wie es amtsdeutsch heißt, falls die Demonstranten nicht vom Zaun ließen. Die Polizisten zeigten sich unbeindruckt von einem zwei Jahre alten Schreiben des Landwirtschaftsministers Backhaus, der damals erklärte, das Betretungsrecht sei weiter gewährleistet und die Zäune nur als „Besucherleiteinrichtung“ gedacht.
 Deshalb empfanden die Demonstranten ihr Tun als rechtmäßig und das Eingreifen der Polizei als Fehlverhalten.

 

 

 

Beratung hinter verschlossenen Türen:
Ein Stadtvertreter plaudert aus dem Nähkästchen.

 

Ungeachtet der ganzen Geschehnisse hat die Stadtvertreterversammlung Entscheidungen zu treffen.

Erstmals versucht man, sich vor den Entscheidungen zu verständigen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 20. September 2007  |  Titelseite Bad Doberan

Kurwald soll bis 2009 stehen

In einer internen Beratung diskutierten Stadtvertreter und Investor. Thema: Heiligendamm, Vorder Bollhagen – die Perspektiven. OZ sprach mit Jochen Arenz, Einzelkandidat.

OZ: Gespräche hinter geschlossenen Türen über die Zukunft Heiligendamms. Warum? War das notwendig?

Arenz: Ja. Seit mehr als drei Jahren sitze ich als unabhängiger Einzelkandidat im Stadtparlament. Die Absicht der Runde war es, sich in Ruhe – ohne große Bühne und Publikum – über ein schwieriges Thema zu verständigen. Der Entwurf des neuen Grundlagenvertrages über die Entwicklung Heiligendamms und Vorder Bollhagens stand im Mittelpunkt. Genauer gesagt die Fortschreibung des Papiers. Die Perspektiven dieser Doberaner Ortsteile für die nächsten Jahre stehen am 1. Oktober auf der Stadtvertreterversammlung mit dem Entwurfs-Dokument zur Abstimmung. Wir haben am Dienstagabend über wichtige Eckpunkte diskutiert.

OZ: Wer ist „wir“?

Arenz: Die Verwaltung und Vertreter aller Frahktionen von SPD, CDU, Linke, Doberaner Mitte oder überparteiliche Einzelkandidaten wie ich es bin sowie der Investor und der Planer.
Ein Vertreter des Bürgerbundes war präsent, ein anderer hat die Veranstaltung boykottiert, weil er sie als undemokratisch ansah.
Diese Ansicht teile ich nicht. Ich empfand die Beratung als wertvoll, sachlich und konstruktiv. Es entstand dabei ein breiter Konsens einer über Jahre geführten Diskussion. Wir haben lange gerungen, keiner hat es sich leicht gemacht.

OZ: Was kam heraus? Welche Kompromisse erachten Sie als wichtig?

Arenz: Für mich herausragend: ein Kurwald entsteht, den der Vorhabensträger und Investor, sprich die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), laut Vertrag bis zum Jahre 2009 zu gestalten hat. Dieser Kurwald ist Prämisse für die dauerhafte Anerkennung Heiligendamms als Seeheilbad. Entwickelt werden soll der Kurwald zwischen Kühlungsborner und Prof.-Dr.-Vogel-Straße sowie Seedeichstraße. Dieses Areal mit hergerichteten Wegen, Bänken und Beleuchtung bleibt öffentlich, lädt Kurgäste und Hiesige zum Verweilen ein. Und: Die Promenade ist in das öffentliche Wegennetz des Kurbereiches einzubeziehen.

OZ: Der Pferdefuß?

Arenz: Den gibt es für mich nicht. Wer A sagt, muss auch B sagen. Damit sich der Ortsteil Heiligendamm weiter entwickelt, muss man dem Hotel die Chance geben, dass es schwarze Zahlen schreiben kann. Das bedeutet, das Parkgelände zwischen Alexandrinen-Cottage, Burg Hohenzollern und Steilufer würde dann nur dem Gast des Grand Hotels vorbehalten bleiben.
Über den eigens errichteten Steg am Meer gibt es den bekannten Ersatzweg am Strand, der das durchgängige Wandern entlang der See erlaubt.

OZ: Das heißt, ein Teil des Kleinen Wohlds hinter der Median Klinik ist Hotelpark und damit nicht öffentlich?

Arenz: Das würde dann festgeschrieben. Ein solch großes Hotel braucht ein beruhigtes Areal für den Gast. Im Urlaub wünschen wir uns doch auch geschützte Ressorts zum Erholen. Oder? Wichtig: Der Weg zum Kinderstrand und der Parkplatz stehen allen offen.

OZ: Das Grundlagen-Papier sagt doch noch mehr aus?

Arenz: Entscheidend mehr. Beispielsweise, dass die Villen Perle, Schwan und Möwe nach historischem Vorbild neu errichtet werden. Die Silhouette der weißen Stadt soll neu erstrahlen.
Dazu braucht ECH Geld, denn sie will das Ganze auch aus den Einnahmen des Hotels realisieren.

OZ: Welche Pläne gibt es noch?

Arenz: Das Angebot für den Gast will der Investor durch weitere Vorhaben erweitern, wie den Bau eines öffentlich zugänglichen Thalasso-Zentrums östlich vom Haus Bischofsstab. Oder: die Errichtung des Ayurveda-Zentrums und einer Klinik für Plastische Chirurgie, die Sanierung der Villen Sporn und Adler. Oder der Bau des Demmler-Palais' mit Wohnungen, Läden und Restaurants, um einiges zu nennen.

OZ: Was muss im Gegenzug passieren?

Arenz: Wir bereiten dem Investor ein gutes Bett. Ich erwarte, dass die 250 Arbeitsplätze im Hotel gesichert bleiben und dass die ECH den Kurwald sowie öffentliche Einrichtungen laut Papier gestaltet. – Und wie vereinbart auch die Villen saniert. Ein Millionen-Projekt.

Interview: ANETT JONUSCHAT
 

 

Berthold Brecht hat einmal gesagt: Wer A sagt, muss nicht auch B sagen. Er kann erkennen, dass A falsch war.
Während Jochen Arenz also meint, dass wer A sagt, auch B sagen muss, tut er selbst das, was Brecht schon wusste:
Jochen Arenz brachte sich bis hier her aktiv für Heiligendamm ein. Dabei bezog er Positionen, die der ECH entgegen standen.
Nun vertritt er plötzlich eine Meinung die - wenn die Ostsee-Zeitung ihn bisher richtig wiedergegeben hat - von seiner bisherigen stark abweicht. Das ist wohl auch der Grund für den Boykott: Ein Stadtvertreter mehr schließt sich der Pro-Investor-Fraktion in der Stadtvertreterversammlung an.


 


Kurpark? Kurwald? Hotelpark? Küstenwald?
Kleiner Wohld? Großer Wohld? Eine kleine Ortskunde.


Obwohl Heiligendamm eigentlich gar nicht so viele Bäume hat, reichen die paar Hektar Wald aus, um Verwirrung zu stiften. Da ist vom Kleinen Wohld die Rede, der da auch Küstenwald ist aber Kurwald werden soll oder auch Hotelpark oder Kurpark wird oder doch gar nichts von alledem. Und dann ist da noch der Große Wohld, der irgendwie auch Kurwald werden soll aber dann wieder nicht und im nächsten Moment dann Kurpark. Man kann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Bringen wir mal Klarheit in das sonst eigentlich spärliche Heiligendammer Dickicht .



Also zuerst: "Wohld" bedeutet nichts anderes, als "Wald". Es gibt einen Kleinen Wohld und einen Großen Wohld.

Der Kleine Wohld reicht von der Linie Burg - Median-Klinik - Kortüm-Straße Richtung Westen bis an die Mollischienen.
In ihm befinden sich die drei Cottages, sowie ein großer Parkplatz und der Zugang zum Kinderstrand.

Der Kleine Wohld befindet sich direkt auf der Steilküste und ist daher ein Küstenwald.
Da er nicht nur auf der Steilküste steht, sondern sie auch vor Erosion schützt, ist er auch ein Küstenschutzwald.
Weiterhin gibt es im Kleinen Wohld einen Abschnitt zwischen Küstenkante und derzeitiger Straße, der zum Hotelpark werden soll.

Nämlich dieser:



Im Osten kann die Form etwas variieren. Noch ist nicht klar, ob der Hotelpark die Cottages einschließt oder sie nur tangiert.
Auch der Status des Alexandrinen-Cottages innerhalb dieses Parks ist noch nicht klar. Anzunehmen wäre aber, dass die jetzigen Reisigwälle auch die zukünftige Grundstücksgrenze des Alexandrinen-Cottages sein werden und dass das Cottage innerhalb des Hotelparks auch für die Hotelgäste nicht zugänglich sein wird. Unklar ist auch noch, ob Jagdfeld den Weg von den beiden anderen Cottages zum Alexandrinen-Cottage als Zufahrt nutzen wird und ob dieser dann Teil des Hotelparks oder auch nur von ihm tangiert wird.

Was ich auch noch nicht genau weiß ist, ob das Wirtschaftsgebäude sich im oder neben dem Hotelpark befinden wird und ob das Hotelgelände um die Burg herum an sich auch schon ein Hotelpark ist. Darum mag es im Osten eine ganz andere Linie geben.
Im Westen jedoch ändert sich an den Plänen nichts: Der Hotelpark soll genau zwischen Steilküstenkante und der derzeitigen Straße zum Kinderstrand entlang verlaufen und im Westen genau am Bach enden. Damit geht der Öffentlichkeit natürlich ein gewaltiges Stück Küstenlinie von oben verloren. Unten darf jeder entlang, oben hingegen nur, wer im Hotel Gast ist - und sei es nur auf eine Tasse Kaffee. Der Rest des Kleinen Wohldes bleibt der Öffentlichkeit zugänglich - ohne Zäune und Barrieren.

Natürlich ist es den Einheimischen schwer zu vermitteln, nur durch dieses Stück Wal laufen zu dürfen, wenn man sich im Hotel eincheckt (Und sei es nur zum Kaffee). Etwas vergleichbares gibt es in der Region ja nicht: Durch die Yachthafenresidenz in Warnemünde kann man jederzeit hindurch laufen, der Kamp ist öffentlich und es gibt auch keinen Wald in Bad Doberan, in den man nicht ohne weiteres hinein gelangt. Das Seeland in Göldenitz ist ein etwas hinkendes Beispiel, weil es ja als Ausstellung angesehen wird und auch der IGA-Park in Rostock ist kein so guter Vergleich. Dennoch ist es nicht verboten, sich ein Stück Wald zu kaufen oder zu pachten und einen Zaun drum zu ziehen. Die Gesetzeslage dazu werden wir gleich kennen lernen.

Zunächst aber zum Großen Wohld.

Der Große Wohld hingegen beginnt hinter dem Severin-Palais und zieht sich die Kühlungsborner Straße und Dammchaussee entlang bis nach Bad Doberan. Im Großen Wohld befindet sich ebenfalls ein großer Parkplatz, außerdem das Jagdhaus und der Golfteich. Auch das Ayurveda-Zentrum soll im Großen Wohld entstehen. Ein Teil des Großen Wohldes ist ein Kurwald.

Das ist dieser Teil:



Der Kurwald - und nur der - gehört der ECH aber die Wegflächen gehören der Stadt Bad Doberan, die sie auch mitsamt der Waldausstattung zu pflegen hat. Für diesen Kurwald gibt es ein eigenes Gesetz, weil es eine Besonderheit ist, dass Wald und Waldwege verschiedene Eigentümer haben. Das Gesetz regelt nicht nur, wer wofür zuständig ist, sondern insbesondere auch, was betreten werden darf. Der Kurwald ist öffentlich und darf von allen genutzt werden. Nur die Wege dürfen nicht verlassen werden.
Da es sich um einen Kurwald handelt, ist dieser Bereich nicht kurtaxenpflichtig.

Ein Kurpark wäre etwas ganz anderes: Kurparks gehören meistens zu einer Kureinrichtung aber in einigen Gegenden auch der Stadt selbst. Entweder darf man diesen Kurpark also nur als Patient oder Besucher der Kureinrichtung nutzen (wie es beim Park der MEDIAN-Klinik der Fall ist) oder - wenn er der Stadt gehört und diese ein anerkannter Kurort ist - man muss Kurtaxe zahlen, um ihn nutzen zu dürfen.

In Heiligendamm kam es zu Missverständnissen diesbezüglich, sodass Sie abwechselnd vom "Kurwald" und "Kurpark" lesen. Gemeint ist immer der "Kurwald" - an der Kühlungsborner Straße. Auch hier gab es viele Verwechslungen.
Einige Medien verwechselten den Kurwald an der Kühlungsborner Straße mit dem Hotelpark an den Cottages.
Der Kleine Wohld ist jedoch kein Kurwald, sondern nur ein Küsten(schutz)wald.
Für ihn gilt also nicht das Kurwald-Gesetz, sondern das Landeswaldgesetz
.

Hier einmal die einzelnen Gesetze:
 

§

Waldgesetz
für das Land Mecklenburg-Vorpommern

(Landeswaldgesetz - LWaldG)

§

Verordnung
über den „Kur- und Erholungswald Heiligendamm

(noch nicht öffentlich)


 


 

Zieht sich Kempinski zurück?

 

Es gibt seit einiger Zeit Gerüchte, dass sich die Kempinski-Gruppe, die in Heiligendamm das Grand Hotel betreibt, aus Mecklenburg-Vorpommern zurück ziehen will. Das würde für Heiligendamm bedeuten, dass das Hotel ohne Betreiber da stehen würde und damit auch ohne das gute Image und die großen Strukturen einer internationalen Hotelkette.

Was ist dran an den Gerüchten vom Rückzug Kempinskis?
Die Ostsee-Zeitung will es wissen und fragt Kempinski-Chef Wittwer:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 26. September 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Nach dem Gipfel ging’s bergauf

Gute Nachrichten für Heiligendamm: Kempinski will das Grand Hotel mindestens bis 2023 führen.

Heiligendamm (OZ) Reto Wittwer ist Präsident und Chief Executive Officer der Kempinski Hotels, der ältesten Luxushotelkette Europas. Der Schweizer widerspricht Gerüchten, dass sich Kempinski aus MV zurückziehen wolle.

OZ: Trotz des erfolgreichen G8-Gipfels gibt es Gerüchte, dass sich Kempinski aus Heiligendamm zurückziehen will.

Wittwer: Wir sind eine Betriebsführungsgesellschaft. Die Verträge laufen 15 bis 20 Jahre. Das ist wie in einer Ehe.
Wir verbringen viel Zeit mit dem Besitzer und viel Zeit damit, herauszufinden, ob wir auf einer Wellenlänge sind. An den Gerüchten ist nichts dran.

OZ: Welche Laufzeit hat ihr Vertrag von 2003 in Heiligendamm?

Wittwer: 20 Jahre.

OZ: Haben Sie direkte Effekte durch den G8-Gipfel bemerkt?

Wittwer: Das Hotel kann seit Ende des Gipfels beachtliche Buchungsumsätze verzeichnen, die mehrheitlich auf die starke Medienpräsenz des Hotels zurückzuführen sind.
Für die zweite Jahreshälfte 2007 ergibt sich ein Buchungszuwachs von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

OZ: Sind weitere Einstellungen in Heiligendamm geplant?

Wittwer: Zwischen Juli und September hat das Hotel 66 neue Mitarbeiter eingestellt. Vor allem die Zahl der Auszubildenden hat sich erhöht. Insgesamt haben wir ein junges Team mit einem Altersdurchschnitt von 28,3 Jahren.

OZ: Die Azubis durften unlängst zwei Tage als Gäste im Hotel verbringen. Ist das Tradition?

Wittwer: Dass die Auszubildenden die ersten Nächte im Hotel schlafen, ist eine Kempinski-Tradition, die wir in Heiligendamm wiederbelebt haben.
Ein Azubi investiert drei Jahre bei uns in seine Zukunft. Dieser erste Tag ist wichtig und emotional. Wir wollen, dass die jungen Leute verstehen, für wen sie arbeiten.
Wenn einer unser Essen nie probiert hat, kann er es auch nicht servieren.

OZ: Sie hatten Probleme am Standort. Wie sieht der künftige Kurs des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm aus?
Sind weitere Investitionen der Fundus-Gruppe nötig, um die unternehmerischen Ziele realisieren zu können?

Wittwer: Wir gehen 2007 von einem ausgeglichenen Betriebsergebnis für die Eigentümer aus, und sind bezüglich des Geschäftsjahres 2008 zuversichtlich, dass wir sowohl Umsätze und Belegung sowie Betriebsergebnis für die Management Company und die Eigentümer steigern können.

OZ: Haben Sie vertraglich die Möglichkeit, auf weitere Investitionen hinzuwirken?

Wittwer: Es ist die Absicht der Fundus-Gruppe, den Ausbau des Resorts Heiligendamm voran zu treiben. Das ist im Sinne des Betreibers Kempinski.
Auf eine Realisierung haben wir vertragsrechtlich keinen Anspruch.

OZ: Planen Sie neue Hotels in MV?

Wittwer: Kempinski ist an weiteren Projekten interessiert. Im Moment gibt es aber keine konkreten Angebote.

OZ: Ihr Engagement in Binz war kurz. Warum der Ausstieg?

Wittwer: Aufgrund der Insolvenz der Gesellschafter der Eigentümergesellschaft (Strandhotel Binz GbR) kam es im Juli 2006 zur Versteigerung der Immobilie Hotel Bel Air in Binz.
Die Kempinski AG war seit 2000 im Auftrag der Pächterin Betreiber des Hotels. Durch den Eigentümerwechsel wurde der Managementvertrag abgegeben.
Sollte sich ein Projekt ergeben, würde Kempinski wieder auf die Insel zurückkehren.

OZ: Weltweit agieren fast 60 Edelhotels unter Ihrem Logo. Gibt es Expansionspläne?

Wittwer: Bis 2010 werden wir auf 110 Hotels wachsen. Damit soll eine Grenze gesetzt werden. Luxus kann nicht unendlich kopiert werden.
Der Fokus der Expansion liegt auf Europa, dem Nahen Osten und China. Unser Ziel ist es, den Wert der Marke Kempinski weiter zu steigern.

OZ: Lässt sich Ihre Philosophie in einem Satz zusammenfassen?

Wittwer: Unser Ziel ist es, als Synonym für individuellen Luxus zu stehen.

ZUR PERSON
Reto Wittwer

Der Präsident und Chief Executive Officer der Kempinski-Gruppe, Reto Wittwer (58), wurde in St. Moritz in der Schweiz geboren.
Seine Ausbildung zum Hotelfachangestellten absolvierte er in Lausanne. Später arbeitete Wittwer in Madrid, Paris, Frankfurt, Genf und Teheran.
1976 wechselte er ins „Mandarin Oriental“ nach Singapur. Dann folgten Stationen in Hongkong, New York, Montreal, Acapulco, Surabaya (Ostjava) und Paris.
1982 wurde Wittwer Präsident Kempinski-Gruppe. Unter seiner Regie stieg die Zahl der Kempinski-Hotels von weltweit 19 auf 75.
Zwischenzeitlich trennte sich die Kette, die Hotels nur betreibt, nicht kauft, von 15 Häusern.
Mittelfristig strebt Wittwer jedoch die Zahl von 100 Hotels weltweit unter dem Kempinski-Logo an.
Ziel ist es, an jedem Standort die Top-Adresse zu sein.

MICHAEL MEYER
 


 

Konzepte für die Öffentlichkeit.

 

Das größte Manko an Bebauungsplänen und Entwicklungskonzepten ist, dass der Normalbürger sie nicht versteht.
Die Ostsee-Zeitung sah sich deshalb in der Pflicht, die aktuellen Pläne und Konzepte zu studieren und sie dem Bürger in seiner Sprache zu erklären. Zwei Ausgaben widmete sie diesem Unterfangen.

 


Donnerstag, 27. September 2007  |  Titelseite Bad Doberan
 

Bauboom steht noch bevor
 

Am Montag beraten Doberans Stadtvertreter über die Zukunft Heiligendamms. OZ stellt das Konzept vor.

Bad Doberan. In Heiligendamm wurde in den letzten Jahren umfassend restauriert, rekonstruiert, unter Aspekten des Denkmalschutzes. Der Grundlagenvertrag, um den es am Montag geht, nennt an erster Stelle dabei den Gebäudekomplex des Kempinski Grand Hotel, wozu das Haus des ehemaligen Grandhotels ebenso gehören wie das Kurhaus, das Haus Mecklenburg, die Burg Hohenzollern sowie die Orangerie. Ergänzend wurden das Severinpalais und das Wirtschaftsgebäude des Grand Hotels als Neubauten errichtet.

Der Vertrag beschreibt als Gegenstand die Schaffung eines weiteren zum Kempinski gehörenden Hotel-Komplexes, „Residenzen Heiligendamm“ genannt. Dieses Ensemble umfasst neben den östlichen Logierhäusern auch das Prinzessin-Reuss-Palais und die historischen Kolonaden sowie zwei ergänzende Neubauten – Ensemble Palais und Ensemble Villa. Weiter heißt es:
„Die Villen Perle, Schwan und Möwe dürfen aufgrund vorliegender Baugenehmigungen durch Neubauten ersetzt werden.“ Dieses Plangebiet 1 will der sogenannte Vorhabensträger, also die ECH, ergänzen durch: ein öffentlich zugängliches Thalasso-Zentrum östlich des Hauses Bischofstab, ein Ayur-Veda-Zentrum östlich der Seedeichstraße und durch eine Klinik für Plastische Chirurgie südwestlich des Golfteiches.

Saniert und rekonstruiert werden sollen die beiden Villen Adler und Sporn. Nördlich der Molli-Gleise soll das Demmler-Palais mit Wohnungen, Läden und Restaurants entstehen, zudem ein Demmler-Park südlich der Molli-Gleise – mit gleicher Nutzung. Unter beide Gebäudekomplexe kommt eine Tiefgarage. Weiter schreibt der Vertrag die „Schaffung eines Hotelparks in einem Teilbereich des Kleinen Wohldes als Rückzugsbereich für die Gäste der Hotels“ fest.

Im Plangebiet 2 will die ECH im Fürstenhof weitere Hotelzimmer schaffen. Westlich davon soll ein Konferenzzentrum entstehen – ausgelegt für 500 Teilnehmer. Für das Areal des ehemaligen Forsthauses ist eine Gartenwirtschaft mit Festscheune geplant, auch ein Abenteuerspielplatz, Tennisplätze, Stellplätze. Ostseitig der Kühlungsborner Straße will die ECH ihr Areal zu Wohngebieten entwickeln.

Im Plangebiet 3 zwischen Ortslage Heiligendamm und Erschließungsstraße sollen Wohngebäude in Form von Stadtvillen errichtet werden. Beide Parteien sehen hier die Basis für die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes.

Die Gebiete 4 und 5 – Vorder Bollhagen – werden touristische Zentren mit Golf, Clubhaus, Hotel, Reitsportanlagen, Markt für landwirtschaftliche Produkte. Morgen: Das Seeheilbad.

PETER WEISSFLOG
 


Und der zweite Teil der Serie:
 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 28. September 2007  |  Titelseite Bad Doberan
 

Hotelpark für die Gäste
 

Am Montag geht es in der Stadtvertretersitzung um die Entwicklung Heiligendamms. Die OZ blätterte für die Leser im Konzept.

Bad Doberan. Seit 1998 schon gibt es einen Grundlagenvertrag zwischen der Stadt Doberan und der ECH Entwicklungs-Compagnie. In dem Werk geht es um die Zukunft Heiligendamms und Vorder Bollhagens. Es wurde im Laufe der Jahre immer wieder fortgeschrieben. Am Montag geht es in der Stadtvertretersitzung erneut darum, das Konzept veränderten Bedingungen anzugleichen. OZ blätterte schon mal im Grundlagenvertrag.

Ein Kapitel ist mit „Seeheilbad Heiligendamm“ überschrieben. Dieses Prädikat wurde dem Doberaner Ortsteil bis zum Frühjahr 2009 nur vorläufig zuerkannt. Im Vertragswerk heißt es dazu in unkonkreter Formulierung: „Die Stadt wird sich bemühen, bis zu diesem Termin sicherzustellen, dass die wesentlichen Voraussetzungen für die dauerhafte und abschließende Anerkennung als Seeheilbad geschaffen sind. Der Vorhabensträger wird die Stadt bei der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen unterstützen.“ Die ECH wird zudem in ihren Wellness- und Fitnessbereichen Angebote für Kurgäste schaffen. Auch die Etablierung von Badeärzten gehöre dazu.

Im Punkt 3 geht es um den Kurwald. Er werde bis 2009 auf dem Gelände des jetzigen Waldes zwischen Kühlungsborner Straße, Prof.-Dr.-Vogel-Straße und Seedeichstraße geschaffen. Und soll, so steht’s im Vertrag, öffentlich zugänglich sein. Neu scheint folgende Formulierung zu sein: „Die Schaffung des öffentlichen Kurwaldes steht im unmittelbaren städtebaulichen Zusammenhang mit der beabsichtigten Festsetzung eines Teilbereiches des Kleinen Wohldes als private Grünfläche mit der Zweckbestimmung Hotelpark im Bebauungsplan Nr. 30, mit der ein Rückzugsbereich für die Gäste der Hotels geschaffen werden soll. Die Parteien sind sich deshalb darüber einig, dass der Vorhabensträger die Herstellung des Kurwaldes auf eigene Kosten übernehmen und der Stadt Wegeflächen innerhalb des Kurwaldes kostenfrei übereignen wird.“ (Schluss)

PETER WEISSFLOG

 


 

Gut erklärt ist halb gewonnen:
Der Vertrag ist unter Dach und Fach und die ECH bekommt endlich ihren Hotel-Park.


Geschenkt haben sich die beiden Vertragspartner nichts: Die ECH darf zwischen Kinderstrand-Zufahrt und Küstenlinie, bzw. Kinderstrand-Abgang und Hotel einen privaten Hotelpark einrichten aber dafür muss sie auf eigene Kosten einen Ersatz zwischen Kühlungsborner Straße und Perlenkette, sowie Severin-Palais und Seedeichstraße schaffen. Die kompletten Kosten für den Bau (ca. 1 Mio. Euro) trägt die ECH ganz allein. Der Wald gehört zwar der ECH aber die Wege und die Waldeinrichtung (Bänke, Beleuchtung, Abfalleimer, Beete etc.) muss die ECH der Stadt kostenlos übertragen.
Diese verpflichtet sich im Gegenzug zur Pflege der Flächen und zur Einhaltung der Gesetze. Damit entsteht eine Ausgleichfläche, die eigentlich sogar größer ist, als die Waldfläche des Hotelparks. Grund genug, "Ja" zu sagen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 02. Oktober 2007  |  Titelseite Bad Doberan
 

Stadtparlament beschloss Heiligendamm-Vertrag
ECH bekommt Hotel-Park
 

Nach zwei Stunden heftiger Debatte war das Ergebnis da: Die Stadt setzt den eingeschlagenen Weg mit ECH fort.
Proteste dagegen verhallten.

Bad Doberan. 15 Ja-Stimmen, viermal nein, vier Enthaltungen – mit diesem Ergebnis, erzielt in namentlicher Abstimmung, beschloss die Doberaner Stadtvertretung gestern Abend die Aktualisierung des Grundlagenvertrages über die städtebauliche Entwicklung von Heiligendamm und Vorder Bollhagen. Die erste Fassung des Vertragswerkes geht auf das Jahr 1998 zurück. Seine neuerliche Fortschreibung wurde im Vorfeld der Sitzung und auch während ihres Verlaufs sehr kontrovers und emotional diskutiert.

Birgit Mersjann (SPD) warb in einer Grundsatzerklärung im Namen ihrer Fraktion, der CDU, der Linken und der Stadtvertreter Jochen Arenz, Frank Pieplow und Peter Husar eindringlich für den Vertrag mit der ECH, „der dem Investor Planungssicherheit für weitere Vorhaben gibt, ihn aber auch in die Pflicht nimmt. Wir sind heute hier, um die Zukunft von Bad Doberan und Heiligendamm zu sichern und brauchen dafür eine breite Mehrheit“, so Mersjann. Gemeint waren damit vor allem solche ECH-Vorhaben wie das Thalasso-Zentrum, die Klinik für plastische Chirurgie, das Ayurveda-Zentrum und die Villen-Bebauung.

Stadtvertretervorsteherin Anke Bitter (Linke) hatte zuvor bereits auf die positiven Auswirkungen der ECH-Vorhaben auf den Arbeitsmarkt und den ganzen Tourismus der Region hingewiesen und Konsequenz in der Beschlussfassung angemahnt: „Seit 1998 stimmte die Stadtvertretung dem Konzept des Investors mit immer wieder neuen Beschlüssen zu. Nach dem Expertenkolloquium 2004 war klar, dass es nur noch in diese Richtung gehen kann.“ Die Vorhaben im aktuellen Vertrag seien nicht neu, auch die Umwandlung eines vier Hektar großen Teilstücks des Kleinen Wohlds in einen geschlossenen Hotel-Park sei schon seit Juni 2006 in der Diskussion. Gegen diese Sicht der Dinge machten vor allem Hannes Meyer und Klaus-Peter Behrens vom Bürgerbund, Harry Klink (FDP) und Heinz Keuer (Grüne) energisch Front. Mit immer wieder neuen Änderungsanträgen versuchten sie, allerdings vergeblich, die Abstimmung über den Vertrag zu verhindern und ihn in die Ausschüsse der Stadtvertretung zu verweisen. Dabei kam es zu scharfen verbalen Auseinandersetzungen zwischen Anke Bitter und Harry Klink.

Wichtige Argumente der Opponenten in der Stadtvertretung wie auch vieler Bürger in der Einwohnerfragestunde: Die Sperrung eines Teils des Kleinen Wohldes schotte Heiligendamm von der Öffentlichkeit noch mehr ab und bedrohe die Existenz der Median-Klinik. Und die gesamte Behandlung des Vertragsentwurfes im Vorfeld der Stadtvertreterversammlung war undemokratisch und habe jede Transparenz vermissen lassen. Die Ausschüsse der Stadtvertretung wurden dabei außen vor gelassen. Das wies Anke Bitter scharf zurück, verwies auf eine gemeinsame nichtöffentliche Sitzung der Stadtvertreter zu diesem Thema.

ANETT JONUSCHAT und LUTZ WERNER

 


 

Und freie Hand in Heiligendamm?

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 04. Oktober 2007  |  Titelseite Bad Doberan
 

Freie Hand für den Investor

Die Einwürfe der Kritiker verrauchten. Die auf den Grundlagenvertrag aufbauenden Pläne gingen durch, im Seeheilbad wird’s eng.
 

Bad Doberan. „Wir, die Stadtvertreter von Bad Doberan, bitten die ECH untertänigst um Entschuldigung für unseren dreisten Versuch, die Begehbarkeit unserer einmaligen Kulturlandschaft für das gemeine Volk zu erhalten. Schande soll über uns kommen, denn wir sind es nicht wert, im Glanze der Fundusgruppe zu wandeln“, formulierte Klaus-Peter Behrens (Bürgerbund) ironisch einen Einschub zum geänderten Flächennutzungsplan. Antrag: abgelehnt. Dem war Montag die Aktualisierung des Grundlagenvertrages vorangegangen. Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) sprach am Tage danach von einem klaren Votum der Stadtvertreter für die künftige Entwicklung in Heiligendamm, jetzt sei der Investor in der Pflicht. Anders die Haltung der Kritiker:
Das Vertragswerk zeuge von einer Selbstaufgabe der Stadt. Alte Positionen zum Kleinen Wohld, zu Wegebeziehungen in Heiligendamm, Termine zur Restaurierung der historischen Villen hätte die Stadt nach Ansicht von Bürgerbund und Grünen völlig aufgegeben. Der Investor habe freie Hand, die Interessen der Menschen bleiben unberücksichtigt, wie in der Frage des Stichweges, so Hannes Meyer (Bürgerbund). Mit der Absegnung des F-Planes sind vier Hektar vom Kleinen Wohld geschlossen, für Hotelgäste reserviert und 1,2 Kilometer Strandabschnitt de facto nicht mehr vom Wald aus zugänglich, so Abgeordneter Behrens.

Mit der Einfügung einer Änderung von Friedrich Keding (Linke) passierte der B-Plan 30 das Parlament. Seine Formulierungen, im Park Kleiner Wohld dürfen keine Bäume gefällt werden und an der Kliffkante ist ein mindestens zehn Meter breiter Streifen des Unterholzes stehen zu lassen, fanden eine Mehrheit. Bei der Änderung des B-Planes 25 zum Hotel, Thalasso-Zentrum und öffentlicher Servicebereich meldeten sich die selben Abgeordnete kritisch zu Wort wie zuvor, darunter Heinz Keuer (Grüne). Harry Klink (FDP) fragte nach dem Wegerecht für Anwohner und Eiscafé-Inhaber im künftig geschlossenen Bereich. Peter Husar (Doberaner Mitte): Das Wegerecht sei im Grundbuch fixiert. Mit 14 Ja-Stimmen, drei nein und sechs Enthaltungen ging die Vorlage durch. Ähnlich das Ergebnis zum B-Plan 26 (geplantes Ayurveda-Zentrum, Klinik für Plastische Chirurgie). In beiden Fällen versuchte Behrens einfügen zu lassen, dass die wirtschaftliche Durchführbarkeit vom Investor nachgewiesen wird. Einwurf: abgelehnt.

ANETT JONUSCHAT  und LUTZ WERNER

 

 

Die Frontlinien fallen anno 2007 auseinander.
Einst hatte Anke Bitter Anno August Jagdfeld schriftlich in die Mangel genommen und nun wirbt sie für die Vorhaben der ECH.

Die in der Tat keine anderen als damals sind. Jedoch ist nicht zu übersehen, dass im Bad Doberaner Rathaus bezüglich Heiligendamm nicht in Fraktionen gearbeitet wird, sondern jeder Stadtvertreter seine eigene und persönliche Position vertritt. Lediglich der Bürgerbund arbeitet als Fraktion. Außer ihm haben die Kandidaten der FDP, der Doberaner Mitte, der Grünen und der Linken Einwände formuliert. Von SPD und CDU und den Einzelkandidaten gibt es offenbar keine Einwürfe.

Die von de Ostsee-Zeitung genannte "Freie Hand" ist allerdings relativ:
Die ECH darf ein Stück momentan ohnehin nicht mühelos zugänglichen Wald einzäunen. In diesem Wald darf kein Baum gefällt werden und auf ca. 10 Quadratkilometern Fläche nicht einmal das Unterholz anrühren. Sie muss den Wald in diesem Bereich erst einmal herrichten, um ihn als Park nutzen zu können und muss einen viel größeren Wald, der nur aus Wildwuchs und Trampelpfaden besteht nach den Wünschen der Stadt voll auf eigene Kosten herrichten lassen.

Der Stichweg und die Sanierung der Perlenkette standen an diesem Tag gar nicht zur Debatte.
Dass es durch die Umwandlung zum Hotelpark keinen Zugang mehr vom Wald zum Strand gibt, ist nicht nachvollziehbar.
Der Zugang "Kinderstrand" bleibt und zwischen Seebrücke und Kinderstrand gibt es offiziell keinen Strandzugang.
Hingegen gibt es viele illegale und gefährliche Trampelpfade, die eigentlich eher noch ein Grund sind, die Küstenkante zu sperren.
   

 

So gestärkt und voller Selbstvertrauen verklagt FUNDUS seine Bank.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 17. Oktober 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Fundus-Gruppe will gegen ihre Bank klagen

Der Eigner des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm strebt einen Prozess gegen die HypoVereinsbank an. Die hatte der Fundus Fondsgesellschaft zur Jahresmitte die Verlängerung eines Kredits verwehrt.

Rostock (OZ) Trotz eines monatelangen Aufschubs der Kreditrückzahlung kann die Fundus-Gruppe noch immer nicht die 15 Millionen Euro aufbringen, die die HypoVereinsbank dem Eigner des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm vorgeschossen hat. Stattdessen will Fundus jetzt gegen die Bank gerichtlich vorgehen. In seinem jüngsten Brief an die Anleger des Fundus Fonds 34 (Heiligendamm) schreibt Anno August Jagdfeld, Geschäftsführer der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. Kommanditgesellschaft: „Wie Sie wissen, hat die HypoVereinsbank die bislang gewährten Finanzierungsdarlehen nicht über den 30.06. 2007 hinaus prolongiert. Die Geschäftsführung unserer Gesellschaft erachtet das Vorgehen der Bank als rechtlich zweifelhaft und hat die hierfür maßgeblichen Gründe gegenüber der Bank vorgetragen. Die Vertragsparteien haben sich deshalb entschlossen, die Rechtswirksamkeit der Kreditkündigung gerichtlich klären zu lassen. Dies wird nach Einschätzung der Anwälte nicht vor Frühjahr 2008 erfolgen.“ Fundus will derweil versuchen, die Fondsgesellschaft vorrangig mit zusätzlichem Eigenkapital der Gesellschafter zu finanzieren. Einen entsprechenden Beschluss soll die Gesellschafterversammlung fassen, die in der kommenden Woche in Heiligendamm tagt. Jagdfeld wirbt für das Finanzierungsprojekt mit einer so genannten „bevorrechtigten Ausschüttung“, die zugleich die Möglichkeit eröffne, wieder Kapitalanteile am Markt zu platzieren. Dazu bedürfe es allerdings einer Prospektergänzung, die eine breite Zustimmung auf der Gesellschafterversammlung erfordert. Aus Gesellschafterkreisen ist indes zu hören, dass es „kaum Interesse an einem solchen Projekt“ gibt.

Bereits Anfang 2007 hatte Fundus vergeblich versucht, Geld von den Anlegern zu bekommen, um besagten 15-Millionen-Kredit zurückzahlen zu können. Das Geld sollte mittels Gesellschafterdarlehen aufgebracht werden. Die Bundesbank untersagte das: Bei einer solchen Vereinbarung handele es sich um ein erlaubnispflichtiges Bankgeschäft, und die Fondsgesellschaft sei kein Kreditinstitut.

Auch der anschließende Versuch einer Fremdfinanzierung scheiterte. Jagdfeld schreibt: „Die Banken haben wegen der bekannten Turbulenzen auf dem Kreditmarkt die Fortführung der Kreditgespräche zurückgestellt, bis sich der Markt wieder beruhigt hat.“ Einige Gesellschafter wundert es nicht, dass sich keine Geldgeber für das Fundus-Prestigeobjekt finden. „Heiligendamm und das Hotel hatten alle Chancen der Welt. Jagdfeld hat die meisten verspielt“, heißt es in Insiderkreisen. So habe der Immobilienmogul die Einwohner des Ortes mit einer „restriktiven Ausschlusspolitik“ verprellt und auch verhindert, dass sich weitere Firmen ansiedeln und das Umfeld beleben.

Tatsächlich hatte ein Gutachten im vorigen Jahr bestätigt, dass die Nobelherberge seit Eröffnung im Juni 2003 rote Zahlen schreibt und die wirtschaftliche Situation sich negativ entwickelt habe. Investitionen in die Infrastruktur seien dringend notwendig. Bisher fehlte dafür offenbar das Geld.

Jagdfeld geht davon aus, dass mit dem G8-Gipfel im Juni eine Trendwende eingetreten ist und das Hotel „vor einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung“ stehe. Der aktuelle Buchungsvorlauf liege deutlich über dem des Vorjahres. Die Ergebnisvorschau der Kempinski AG bis 2012 sagt aus, dass die jetzigen Ergebnisse jährlich um etwa eine Million Euro gesteigert werden könnten.

MANUELA PFOHL

 

 

Wichtig ist hier wohl die Aussage der Gesellschafter:

“ Einige Gesellschafter wundert es nicht, dass sich keine Geldgeber für das Fundus-Prestigeobjekt finden.
„Heiligendamm und das Hotel hatten alle Chancen der Welt. Jagdfeld hat die meisten verspielt“, heißt es in Insiderkreisen.
So habe der Immobilienmogul die Einwohner des Ortes mit einer „restriktiven Ausschlusspolitik“ verprellt und auch verhindert, dass sich weitere Firmen ansiedeln und das Umfeld beleben.

Nun, das eine ergibt das andere: Mit der Eröffnung kamen viele Menschen nach Heiligendamm und Jagdfeld entschied sich, diese auszuschließen. Mit jedem Zaun entfernte man sich weiter voneinander. Letztlich verweigerten immer mehr Stadtvertreter die Zustimmung zu wichtigen Beschlüssen oder versuchten, die Entscheidungen an Bedingungen zu binden, die teilweise entgegen den Plänen Jagdfelds und manchmal auch entgegen dem Erfolg des Hotels standen. Letztlich rührt der Stillstand von der Unfähigkeit der beiden Vertragspartner zur konstruktiven und vor allem transparenten, sachlichen und ehrlichen Zusammenarbeit her.
Jagdfeld hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen - jedoch stets in bester Absicht für das Projekt - also für die Anleger.
Dass er dabei Chancen verspielt hat, ist schon richtig. Aber viele der Dinge, wo man denkt, dass es Chancen waren, waren eigentlich keine. Der Kompromiss "Stichweg" würde das Hotel zerschneiden, der Kompromiss "Radwanderweg" würde den Park - die Grundidee des Großherzogs war ein Park und nicht ein Wald - zerschneiden und auch noch andere Probleme mit sich bringen.
Beides waren Chancen, die Bürger zu besänftigen und auf seine Seite zu bringen aber diese Chancen hätten dem Hotel geschadet.


 

Stilblüten 2007: Misslungener Prozessauftakt gegen "Waldspione" und der Verkauf eines abgerissenen Hauses.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 17. Oktober 2007  |  Titelseite Bad Doberan
 

Prozess gegen „Waldspione“ verschoben
 

Bad Doberan. Gestern sollte am Amtsgericht Doberan der Prozess gegen fünf Personen stattfinden, die im März diesen Jahres in der näheren Umgebung des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm aufgegriffen worden waren und sich jetzt vor Gericht wegen Hausfriedensbruch hätten verantworten müssen.

Nach einer Darstellung des Sprechers eines Aktionsbündnisses, das sich „Prozessgruppe Kempinski deprivatisieren“ nennt, sei die Gerichtsverhandlung in Bad Doberan plötzlich ohne Angabe von Gründen auf den 15. Januar 2008 vertagt worden. Kurios dabei: „Zudem wurde einem der fünf Angeklagten erst am Morgen des Samstages eine Ladung für den Prozess am 16. Oktober zugestellt; am Nachmittag des gleichen Tages jedoch schon wieder die Ladung zum neuen Termin.“ Bei diesen kurzen Fristen sei ein Urteil am gestrigen Tag sowieso niemals rechtskräftig geworden.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, im März diesen Jahres die sich angeblich im Besitz der Fundus-Gruppe befindlichen Wanderwege betreten zu haben. Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass man den dort aufgegriffenen Leuten vorwirft, das Tagungsgelände des G8-Gipfels auspioniert und deshalb Hausfriedensbruch begangen zu haben.

Diesen Vorwurf weisen die fünf Personen, die aus ihrer Gegnerschaft dem Gipfel gegenüber keinen Hehl machen, eindeutig zurück. Der Vorwurf des Hausfriedensbruchs sei juristisch äußerst streitbar, da „die streitbefindlichen Flächen im März noch der Öffentlichkeit gewidmet waren“.

Weiter heißt es: „Zurzeit kochen die Emotionen in Heiligendamm wegen dieses Themas sowieso sehr hoch, da am 2. Oktober der Rat von Bad Doberan die öffentliche Widmung aufgehoben und damit den historischen Kern von Heiligendamm für die Öffentlichkeit und die Bewohner gesperrt hat.“ Zumindest einer der angeklagten „Waldspione“ hatte in jenem Gebiet am 16. September an einer Demonstration für die Offenhaltung des Kleinen Wohldes teilgenommen. Die Polizei schritt erst ein, als man versuchte, Zäune zu überwinden.
 

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 19. Oktober 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Land verkauft Geister-Villa

In Heiligendamm soll „Haus Tabea“ verkauft werden.
Das aber wurde vor dem G8-Gipfel abgerissen. Ein peinlicher Irrtum.


Heiligendamm (OZ) Kleine Anzeige. Große Wirkung. In Heiligendamm (Landkreis Bad Doberan) sorgte die Offerte vom 6. Oktober im Immobilienteil der OZ für Verwirrung:
„Das Land Mecklenburg-Vorpommern verkauft gegen Gebot "Haus Tabea"", Wohngebäude in Heiligendamm, Kühlungsborner Straße 14, leer stehend, stark sanierungsbedürftig“.
 Ein Angebot des landeseigenen Betriebs für Bau und Liegenschaften MV (BBL) in Rostock.

Nur leider existiert „Haus Tabea“ in Heiligendamm gar nicht mehr. „Das ist doch längst abgerissen“, sagt eine Anwohnerin in der Kühlungsborner Straße. In der Tat: Die Bauaufsichtsbehörde im Kreis Bad Doberan teilte gestern mit, dass das von Zerfall bedrohte „Haus Tabea“ vom Eigentümer abgerissen worden sei. Im Besitz des Landes war das Haus auch nie.
Der frühere Eigentümer, die WIG Wohnungsbau und Investitionsgesellschaft mbH Bad Doberan hatte das Gebäude vor Jahren an die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), eine Tochter der Fundus Gruppe, verkauft. ECH hatte im Januar 2007 eine Abrissgenehmigung beim Kreis eingereicht.
Da das Haus nicht unter Denkmalschutz stand, konnte es laut Landesbauordnung ohne Genehmigung abgerissen werden. Das geschah noch vor dem G8-Gipfel. Dort, wo „Haus Tabea“einmal stand, wächst nun grüner Rasen. ECH-Sprecher Johannes Beermann wundert sich über die Anzeige: „Wie können die denn etwas verkaufen, das uns gehört und das es so gar nicht mehr gibt?“ Gute Frage! Was aber verkauft die BBL nun eigentlich? Die Einsicht des Verkaufsexposés gestaltet sich schwierig. Die zuständige Mitarbeiterin sei im Urlaub, und Unterlagen seien nur auf ihrem PC verfügbar, heißt es. Man solle sich mal drei Tage gedulden. Konkret darauf angesprochen, dass die Immobilie doch längst nicht mehr existiere, sagt eine Abteilungsleiterin: „Wenn wir das verkaufen, gibt es das. Das steht auch auf einem Schild am Haus.“ Leider falsch! Auf dem Schild am Haus steht zwar, dass die BBL die Immobilie anbiete. Aber daneben ist in verblichener Schrift zu lesen: „Haus Waldfrieden.“ Und exakt um dieses Haus geht es auch. Auf offizielle Presseanfrage der OZ lässt BBL-Sprecher Christian Hoffmann wissen: „Der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften hat am 6. Oktober das im Eigentum des Landes befindliche Flurstück 73, Flur 2 der Gemarkung Heiligendamm in der Kühlungsborner Straße 14 zum Verkauf gegen Höchstgebot ausgeschrieben. Dem Objekt ist – zu unserem Bedauern – in der Ausschreibung ein falscher Name verpasst worden. Das richtige ,Haus TabeaÂ’ war ein Gebäude, das unmittelbar neben der zu veräußernden Liegenschaft stand und inzwischen abgerissen worden ist.“ Auf exakt diesen Wortlaut legt Hoffmann großen Wert.

In Heiligendamm indes sind Zweifel genährt. Es geht das Gerücht, die Immobilie „Haus Waldfrieden“, die hier unter falschem Namen angeboten wird, sei unter der Hand längst verkauft. Und zwar an die ECH, die sich für die Fläche interessiere. Das geschlossene Bieterverfahren sei nur eine Farce. Von BBL-Sprecher Hoffmann heißt es dazu: „Die Frist zur Gebotsabgabe läuft bis 30. November. Angaben zu den Bietern können aus Gründen des Bieterschutzes nicht gemacht werden.“ Beermann konnte ein Interesse an der Immobilie gestern nicht bestätigen.

Ina-Maria Ulbrich, Sprecherin im Bauministerium, dem der BBL untersteht, sagt zu dem Vorgang:
„Wir lassen das prüfen, wie es dazu kommen konnte, dass wir ein Haus anbieten, das uns nicht gehört und nicht mal existiert.“ Peinlich sei das schon.


MICHAEL MEYER

 

 

Das Jahr geht. Die Hoffnung kommt. Euros für FUNDUS und Kronen für Kempinski.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 24. Oktober 2007  |  Mecklenburg-Vorpommern

Fundus will von Anlegern 30 Millionen Euro für Heiligendamm

Rostock (OZ) Neue Hoffnung für Fundus: Auf der Gesellschafterversammlung der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. Kommanditgesellschaft haben 91,86 Prozent der Anleger gestern dafür gestimmt, einen 15 Millionen- Euro-Kredit der Hypo Vereinsbank (HVB) mit frischem Eigenkapital zurückzuzahlen. Darüber hinaus sollen weitere 15 Millionen Euro für die Finanzierung des Fundus Fonds 34 (Heiligendamm) eingeworben werden.

Das neue Finanzierungsprojekt war nötig geworden, nachdem die HVB einen Aufschub der längst fälligen Kreditrückzahlung über den 30. Juni 2007 hinaus abgelehnt hatte. Fundus als Eigner des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm benötigt das Geld der Gesellschafter dringend, weil auch andere Banken wegen des „dauerhaft negativen Betriebsergebnisses“ des Hotels nicht bereit waren einzuspringen. Um die Investitionsbereitschaft der neuen Kapitalanleger zu fördern, hat Geschäftsführer Anno August Jagdfeld eine „bevorrechtigte Ausschüttung“ von sechs Prozent auf die jeweilige Einzahlungssumme in Aussicht gestellt. „Ohne Gewähr“, wie er gestern in Heiligendamm allerdings zugeben musste. Denn zunächst einmal muss überhaupt ein Überschuss erwirtschaftet werden. Das jedoch war in den vergangenen vier Jahren nicht der Fall.

Jagdfeld versprach, dass es bereits für 2007 ein „ausgeglichenes Hotelergebnis“ geben werde. Grund dafür sei unter anderem die „exzellente Werbung durch den G8-Gipfel“. Auch die Abschottung des Hotelareals vor neugierigen Tagestouristen habe ein Plus an Buchungen gebracht. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Belegung von 43,5 Prozent auf fast 52 Prozent gesteigert werden. Die Ergebnisvorschau der Kempinski AG gehe bis 2012 davon aus, dass die jetzigen Hotel-Ergebnisse jährlich um etwa eine Million gesteigert werden können. Vier unabhängige Consultingunternehmen hätten das bestätigt.

Offen blieb gestern die Frage, bis wann die Gesellschafter spätestens die 15 Millionen Euro für die HVB eingezahlt haben müssen und welche Konsequenzen es hat, wenn das benötigte Geld nicht zusammen kommt.

MANUELA PFOHL

 

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 02. November 2007  |  Titelseite Bad Doberan

Kronen für das Kempinski

Heiligendamm/Kühlungsborn. Vor allem Hotels in Heiligendamm und Kühlungsborn haben die Tester des jetzt erstmalig erschienenen Hotelführers „Der StilGuide Deutschland 2008 - Die 500 schönsten Hotels“ überzeugt. Die beste Prämierung in dieser Region vergaben sie für das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm (Kategorie Spa und Wellness), das auf viereinhalb von fünf möglichen Kronen kam. Wie der Verlag weiter mitteilte, erhielt kein anderes Hotel Deutschlands eine höhere Wertung.

Sehr gut schnitten bei der Prämierung der bundesweit 500 schönsten Hotels auch das Travel Charme Ostseehotel sowie das Vier Jahreszeiten in Kühlungsborn ab. Beide Häuser erhielten jeweils dreieinhalb von fünf möglichen Kronen – ebenfalls in der Kategorie Spa und Wellness.

Für den Hotelführer wurden bundesweit mehr als 2500 Hotels in Augenschein genommen. Die Tester gaben dabei vor allem in den Bereichen Umgebung und Lage, Ambiente, Spa und Wellness, Tagungsmöglichkeiten sowie Essen und Trinken ihr Urteil ab.

Unterdessen meldet das Kempinski eine personelle Veränderung. Pressesprecherin Frauke Müller verabschiedet sich aus Heiligendamm nach eineinhalb Jahren Öffentlichkeitsarbeit. Ab 1. Dezember stellt sie sich in Hamburg neuen beruflichen Herausforderungen, wie es in einer Mitteilung aus dem Hotel heißt.

Die Nachfolge tritt ab heute Kirsten Brasche-Salinger an, die bislang für die Fundus-Gruppe tätig war und im Hause Anteilseigner betreute.
 

 

Adieu 2007: Die Ostsee-Zeitung erlaubt sich einen Spaß

 


OSTSEE-ZEITUNG | Montag, 31. Dezember 2007  |  Titelseite Bad Doberan

Visionen in Blei: Was bringt 2008 ?

Bad Doberan Es ist schon Kult. An jedem letzten Tag des Jahres versammelt sich die Redaktion, zündelt vergnügt ein Feuerchen und hält ein Tiegelchen drüber. Drinnen Blei. Kann auch Zinn sein. Das auf jeden Fall dünn wird, flüssig. Schließlich in ein Schälchen Wassers plumpst und die seltsamsten Figuren produziert. Blei gießen – eine legitime Form der Recherche, wenn das Jahr sich neigt. Und nur dann. Was bringt 2008?

14. Januar: Zisch, brodel. Könnten die Umrisse von Heiligendamm sein. Tatsächlich. Sicherheitshalber kippen wir noch ein wenig Kaffeesatz dazu. Ein gutes Jahr für die weiße Stadt, ist da herauszulesen. Alle Wege sind nun offen, wie im Schengener Abkommen vorgesehen. Statt in Heiligendamm entsteht nun am Doberaner Walkmüller Holz ein Kurpark. Die Kosten für den Shuttle-Dienst dorthin übernimmt die Münsterstadt. Das Alexandrinen-Palais im Heiligendammer Wäldchen wird Erholungsheim für werdende Mütter aus der Fortswirtschaft. Auf der Seebrücke gibt es ein bewegendes Friedensfest. Fundus-Mitarbeiter, Hoteliers und Einwohner liegen sich in den Armen. Nicht in den Ohren. Polizisten, wieder in großer Zahl erschienen, weinen sich bewegt die Protektoren nass.
 


 

Fazit 2007: Viel Lärm um nichts..

 

Die Perle ging - der Ärger kam. Einige fühlten sich über- andere hintergangen und während alle heftig debattierten, verfiel die Perlenkette im Angesicht des Glanzes des herausgeputzten Heiligendamms weiter vor sich  hin.

Dann dieser Sommer: Heiligendamm war so richtig schön voll mit Menschen.
Hätten die alle ein Zimmer im Grand Hotel gebucht - alle Probleme wären auf Schlag aus der Welt.

Der Gipfel kam. Der Gipfel ging. Die Probleme blieben: Uneinigkeit, gegensätzliche Interessen, Blockade.
Beschlüsse wurden gefasst und teilweise wieder aufgehoben, neue Beschlüsse eingebracht und teilweise abgelehnt.

Am Ende sah man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und entschied sich, mit den Waldflächen aufzuräumen.
Es wurde viel geredet und wenig beschlossen. Zäune gehen - Zäune kommen. Und die Perlenkette verfällt weiter.



Hier geht es weiter:
 2008: Dieses Jahr wird alles anders. Oder auch nicht....