Zeit am Meer


Bad Doberan und Heiligendamm - Geschichte, Werdegang und Zukunft. Chronik, Foto-Rundgaenge, Gebaeudedatenbank, Oeffentliche Diskussion.
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10 Jahre nach dem Deal: FUNDUS hat schon wieder ein Problem.

 

Meistens beginnt das Jahr mit Negativschlagzeilen zum Thema "Heiligendamm".
2006 betrifft es direkt die FUNDUS-Gruppe. Diese hat nämlich wieder einmal die Gerichte am Hals.
Das alles macht es nicht einfacher, das angeschlagene Vertrauen zu kitten.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 28. Januar 2006  |  Titelseite

Ex-Manager von Fundus angeklagt

Im Zusammenhang mit den Hotelplanungen in Heiligendamm deckten Ermittler Fälle von Betrug, Geldwäsche und Bestechlichkeit auf.

Rostock (OZ) Gegen zwei ehemalige Geschäftsführer der Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) hat die Rostocker Staatsanwaltschaft nach mehrjährigen Ermittlungen Anklage erhoben. Dem Hauptbeschuldigten Claus W. wird im Zusammenhang mit der Bauplanung des Grand Hotel Heiligendamm bandenmäßiger Betrug, Steuerhinterziehung, Bestechlichkeit, Urkundenfälschung und Geldwäsche vorgeworfen.

Der zur Kölner Fundus-Gruppe gehörenden Gesellschaft soll dadurch ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von damals 17,5 Millionen Mark entstanden sein, bestätigte gestern der Rostocker Staatsanwalt Peter Lückemann. Durch Finanzmanipulationen wurden auch Anleger des Fundus-Fonds 34 geschädigt.

Die beiden Manager Claus W. und Volker D. sollen in der Zeit von Februar 1996 bis Juni 1998 ohne Wissen von Fundus-Chef Anno August Jagdfeld Verträge mit dem früheren Generalplaner der Fundus-Gruppe, dem Architekturbüro KSH Düsseldorf, abgeschlossen haben. KSH und Claus W. hätten damit einen unrechtmäßigen Gewinn erzielt. Der ECH-Manager habe auch Schmiergeldzahlungen von etwa fünf Prozent des jeweiligen Auftragsvolumens von KSH erhalten.

In der über 700 Seiten umfassenden Anklage wird Mitarbeitern des Architekturbüros außerdem vorgeworfen, weit überhöhte Zahlungen für Leistungen angenommen zu haben. In Folge inkompetenter Planungen mussten nicht fachgerechte Arbeiten in Heiligendamm mit erheblichem finanziellen Aufwand erneuert werden.

Die ECH hatte bereits 2001 gegen einen der beiden Ex-Geschäftsführer geklagt und die Herausgabe von 343 000 Euro verlangt, die der Mann als Schmiergeld von der KSH erhalten habe. Um den wirtschaftlichen Schaden durch die Manipulationen zu begrenzen, hatte das Landeskriminalamt MV bereits im November 2002 in Düsseldorf Gemälde und Grafiken in großer Anzahl bei KSH beschlagnahmt.

Die Fundus-Gruppe hatte 1996 in Heiligendamm insgesamt 26 baufällige Häuser und Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 40 000 Quadratmeter für rund 7,5 Millionen Euro erworben. Mit dem Fonds 34 ist der Aufbau des aus sechs Gebäuden bestehenden Hotelensembles finanziert worden. Bislang sammelte der Fonds von privaten Anlegern rund 191 Millionen Euro ein. Land, Bund und EU gaben Investitionszuschüsse von über 63 Millionen Euro.

MANUELA PFOHL

 

 

Zwischendurch müssen ein paar positive Nachrichten her und für die sorgte dann wieder der Bürgermeister persönlich:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 07. Februar 2006  |  Stadt und Land

Vor dem G 8-Gipfel wird kräftig gebaut

Bad Doberan Aus Sicht von Bürgermeister Hartmut Polzin gibt es in Sachen Vorbereitung des Weltwirtschaftsgipfels im kommenden Jahr in Heiligendamm keine Neuigkeiten. Den aktuellen Stand der Vorbereitungen bei der Bundesregierung kenne er nicht. Während der jüngsten Sitzung der Stadtvertreter wurde während der Bürgerfragestunde die Befürchtung geäußert, Heiligendamm müsse evakuiert werden. Bemängelt wurde zudem ein zu geringer Informationsfluss. Private Gastgeber wüssten nicht, ob sie ihre Quartiere während des G 8-Gipfels vermieten könnten. Das Stadtoberhaupt betonte: „Die Bewohner von Heiligendamm werden während des Gipfels in Heiligendamm sein.“

Mit einer kurzen Auflistung skizzierte Hartmut Polzin die Bautätigkeiten im Zusammenhang mit dem Treffen der Politiker. So solle der Ausbau der Kühlungborner Straße in Heiligendamm bis Mitte Mai dieses Jahren vollendet werden. Der zweite Bauabschnitt für die Kühlungsborner Straße befinde sich zurzeit im Genehmigungsverfahren. Dort wird mit einer Bauzeit vom September an gerechnet, die bis ins kommende Jahr hineinreicht.

Von April bis zum Ende dieses Jahres wird nach Auskunft Hartmut Polzins die Bauzeit für zwei Bauabschnitte des Ausbaus der Seedeichstraße dauern. Zu diesem Projekt zählen auch Leitungsverlegungen für das geplante Thalasso-Zentrum. Norbert Sass, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, betonte, dass der Zuwendungsbescheid für Fördermittel noch nicht vorliege. Haushaltsrechtlich seien noch einige Hürden zu nehmen. Der Waldparkplatz für Heiligendamm im Großen Wohld werde noch in diesem Jahr entstehen, sagte der Bürgermeister. Noch bis ins nächste Jahr werde dagegen die Errichtung eines neuen Abganges zum Kinderstrand dauern. Beginn der Arbeiten werde im September, das Ende im Februar 2007 sein.

TRI
 

 

Heiligendamm soll auf dem Rücken des G8-Gipfels eine Menge Investitionen erfahren. Zugleich sollen dann Maßnahmen für die späteren Erschließungsarbeiten für das Thalasso-Zentrum erfolgen. Das also steht schon einmal fest. Auch der Waldparkplatz steht fest. Die Straßen sollen neu gemacht und am Strand einiges saniert werden.


 

Es ist noch nicht vorbei.

 

Nach den positiven Nachrichten durch den Bürgermeister erinnert der Bürgerbund prompt an die eigentliche - noch nicht ausgesessene - Diskussion:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 08. März 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Aus für offenes Kurgebiet befürchtet

Mit der vorgesehenen Trennung zweier B-Pläne in Heiligendamm fürchtet der Bürgerbund das Aus für die öffentliche Zugänglichkeit.

Bad Doberan Dass der Beschluss der Doberaner Stadtvertreter für ein „offenes Kurgebiet“ in Heiligendamm während der nächsten Sitzung des Gremiums gekippt werden könne, fürchtet Heike Ohde, Fraktionsvorsitzende des Bürgerbundes und in der Bürgerinitiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“ aktiv. Was die Stadtvertreterin wurmt, wird unter Tagesordnungspunkt 15 abgehandelt. Zum Beschluss steht eine Verwaltungsvorlage zur „Modifizierung des Beschlusses der Stadtvertreterversammlung vom 5. Dezember 2005“.

Demnach sollen die damals zusammengeschlossenen Bebauungspläne 25 und 26 wieder als eigenständige Pläne im jeweiligen Geltungsbereich Bestand haben. Für den Bereich westlich des Plangebietes Hotel, Thalasso-Zentrum und öffentlicher Service-Bereich – das ist B-Plan 25 – soll nach Vorschlag der Verwaltung ein neuer B-Plan aufgestellt werden.

Begründet wird das Vorhaben damit, dass der Zusammenschluss der beiden B-Pläne und der gleichzeitigen Ausweitung des Geltungsbereiches auf die Gebiete des Grand-Hotels und der Klinik „schwerwiegende Nachteile mit sich bringt“. Die abgeschlossen Planverfahren müssten vollkommen neu aufgerollt werden. Zudem sei aufgrund zwischenzeitlich neu in Kraft getretener Regelungen für die Bereiche der B-Pläne 25 und 26 ein aufwändiger Umweltbericht zu erstellen. „Den damit verbundenen zeitlichen und finanziellen Verlusten stehen keinerlei Vorteile gegenüber“, begründet Bürgermeister Hartmut Polzin das Ansinnen. Die Planungsziele der Stadt seien auch mit den einzelnen in Verbindung mit dem neu aufzustellenden B-Plan erreicht werden.

Heike Ohde wertet den im Dezember des Vorjahres als einmalige Chance, einen Interessenausgleich zu finden. Dass der Beschluss 1:1 umgesetzt worden würde, habe sie sowieso nicht erwartet. Doch jetzt sehe es anders aus. „Geht es nach Vorstellungen von ECH (Entwicklungscompagnie Heiligendamm) und Bürgermeister Hartmut Polzin ist der Beschluss Schnee von gestern.“

Unbeeindruckt vom Votum der Stadtvertretung gehe Polzin sogar noch einen Schritt weiter, indem er nun die „Entwidmung aller Wege im historischen Ensemble Heiligendamms einschließlich eines Teils der Promenade“ anstrebe, so Heike Ohde. Durch die Entwidmung des Promenadenabschnitts werde eine Unterbrechung des Küstenwanderweges besiegelt. Ob „eine Konfliktlösung mit der Brechstange“ wieder Fröhlichkeit und Toleranz nach Heiligendamm bringe, sei fraglich.

Während der Sitzung erhofft sich Hartmut Polzin die Zustimmung für die Einziehung von gut 1000 Quadratmetern Verkehrsfläche der Prof. Dr. Vogel-Straße. Im Gegenzug werde die ECH den Stichweg zwischen dem Severin-Palais und den Kolonaden bis zum Saisonbeginn herstellen und für den Fußgängerverkehr öffnen. Das habe die ECH verbindlich zugesagt, so Polzin in der Begründung der Vorlage .

TIMO RICHTER

 

 

Nun ist es ja nicht nachvollziehbar, ob Heike Ohde zur Ostsee-Zeitung läuft oder Timo Richter sie um ein Interview bittet.
Es kann also auch sein, dass die Ostsee-Zeitung selbst den Diskussionsfaden wieder aufgenommen hat. Wichtig ist der Inhalt.
Die Bebauungspläne 25 und 26 (man kann grob sagen: B-Plan 25 regelt alles westlich der Seedeichstraße und 26 alles östlich davon) sollen - nachdem sie ein paar Monate zuvor zu einem Plan zusammen gelegt wurden - wieder auseinander genommen werden.
 

Die letzten Änderungen betrafen den Gesamtplan (B25+B26) und mit dem Zerteilen in zwei Pläne könnte genau das zur Schnittmenge werden. Auf jeden Fall will die ECH nach der Einziehung der Professor-Dr.-Vogel-Straße den Stichweg bauen.


 

Die Befürchtungen des Bürgerbundes bewahrheiteten sich nicht:

 

Zwei Jahre nach dem Beschluss werden die B-Pläne rechtskräftig.
Nun kann es los gehen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 09. März 2006  |  Titelseite Bad Doberan

B-Pläne für Heiligendamm wurden rechtskräftig

Bad Doberan Nägel mit Köpfen hat jetzt Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin gemacht. Gestern wurden die Bebauungspläne 25 (Sondergebiete Hotel, Thalasso-Zentrum und öffentlicher Service-Bereich in Heiligendamm) und 26 (Sondergebiete Ayurveda-Zentrum und Klinik für Plastische Chirurgie in Heiligendamm) öffentlich bekannt gemacht. Damit sind die beiden B-Pläne jeder für sich rechtskräftig geworden.

Im Juni des vergangenen Jahres hatten die Mitglieder der Stadtvertreterversammlung die beiden Vorhabenpläne beschlossen. Im Dezember erfolgte dann eine Zusammenlegung beider B-Pläne mit gleichzeitiger Erweiterung des Geltungsbereiches (OZ berichtete). Damit wurde für die Gäste des Grand-Hotels und der Median-Klinik ein Kurgebiet geschaffen. Das seitens der Stadt verfolgte Planungsziel, nämlich einen Bereich nur für Hotelgäste zu schaffen, wurde damit nicht erreicht, da es in dem Plangebiet keine Abstufung des Zuganges gab. Genau die wäre aber mit dem öffentlich nutzbaren Stichweg zu erzielen. Der wird, wenn die Stadtvertreter zustimmen, bis zum Saisonbeginn gebaut, wenn im Gegenzug ein Teil der Prof. Dr. Vogel-Straße entwidmet wird. Um zu erreichen, dass ein für Hotelgäste reservierter Bereich vorhanden ist, könnten die B-Pläne 25 und 26 jeder für sich Bestand haben, so der Bürgermeister.

Er sei mit der öffentlichen Bekanntmachung letztendlich dem Beschluss der Stadtvertretung gefolgt. Zwischen Beschluss und Bekanntmachung, erläuterte Hartmut Polzin, dürfe eine nicht zu große Zeitspanne liegen. Ansonsten könne unterstellt werden, dass das beabsichtigte Planungsziel möglicherweise doch nicht so wichtig gewesen sei.

TRI

 

 

Laut Ostsee-Zeitung hat der Bürgermeister allein über die Bebauungspläne entschieden.
Das ist natürlich Unsinn und zum Glück erklärt das Lokalmedium den Vorgang gleich darauf noch einmal.
Die Stadt will nun versuchen, die Schließung der Professor-Vogel-Straße an einen Stichweg zu knüpfen.

 

Bemerkenswert ist der letzte Absatz. Warum sagt man so etwas? Daraus kann man dem Bürgermeister einen Strick drehen: Vielleicht hat er ausgesprochen, was alle planen.

 

Oder auch nicht.

 

Die Pläne sind durch und der Stichweg ist amtlich. Die ECH hat momentan keine Einwände.

Alles scheint gut zu sein. Da meldet sich erstmals Bad Doberans Handwerker- und Gewerbeverein zu Wort:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 11. März 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Verständnis für Absperrung

Die Entwicklung Heiligendamms sei Voraussetzung für die Entwicklung Bad Doberans, sagt der Handwerker- und Gewerbeverein.

Heiligendamm Als klugen Schritt bezeichnete Herbert Baor die öffentliche Bekanntmachung der Bebauungspläne 25 und 26 durch Bürgermeister Hartmut Polzin. Baor, der den Handwerker- und Gewerbeverein (HGV) in der Stadtvertretung vertritt, sagte, dass eine Entwicklung von Heiligendamm die Voraussetzung für eine Entwicklung Bad Doberans sei. Gemeinsam mit HGV-Geschäftsführerin Waltraud Freiberg und Siegfried Eckhard Paap von der Initiative „Pro Heiligendamm“ hofft er, dass sich die Mitglieder der Stadtvertretung während ihres Treffens am Montag von Störmanövern des Bürgerbundes nicht beeinflussen lassen. Dessen Fraktionsvorsitzende Heike Ohde hatte bei Trennung von früher zusammengefassten Bebauungsplänen die Befürchtung geäußert, Heiligendamm könne öffentlich nicht mehr zugänglich sein (OZ berichtete).

Wichtiger sei allerdings ein abgeschlossener Bereich für die Hotelgäste, urteilte Herbert Baor. Nur dann könne die von der Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) anvisierte Entwicklung erfolgen. Schon jetzt hätten viele junge Menschen eine Arbeit in Heiligendamm gefunden, sagte Waltraud Freiberg. Zustimmung erntete sie mit der Aussage, es gebe keinen Handwerksbetrieb oder Gewerbetreibenden, der für seine Arbeit nicht bezahlt worden sei. Es gebe andere Beispiele, wo Handwerksbetriebe in die Pleite gerieten, weil sie für ihre Arbeit von den Investoren nicht bezahlt worden wären.

Mehr noch, so Siegfried Eckhard Paap, erst die ECH habe durch ihr Sponsoring ein Überleben der Rennbahn gesichert. Inzwischen habe die Investorin mehr als eine halbe Million Euro in Sport und soziale Projekte in der Region gesteckt. Der Landkreis habe rund 55 Kilometer Küstenlinie, da könne er das Geschrei um einen 200 Meter langen Stichweg nicht verstehen.

Der neuerliche Vorstoß des Bürgerbundes habe jedenfall viele in Heiligendamm verunsichert. Von einer Entwicklung – gemeint ist damit die Fertigstellung der kompletten „Perlenkette“ – hätten nun auch die Förderer der Sanierung der beiden Kirchen in dem Doberaner Stadtteil ihr weiteres Engagement abhängig gemacht. Siegfried Eckhard Paap hoffte, dass die geplante Entwicklung endlich in Gang komme, denn davon profitiere in erster Linie Handwerk und Gewerbe dieser Region. Das Grand-Hotel leiste als „größter Ausbilder im Land“ schon jetzt Wesentliches in diesem Zusammenhang.

TIMO RICHTER

 

 

Jedem seine Meinung aber die hier kommt zu einem Zeitpunkt, der ungünstiger nicht sein könnte.

Die Stadt hat das Kartenhaus gerade wieder aufgebaut, da reißen die Vereinsmitglieder die Fenster auf und lassen den Wind herein.

Der erste Abschnitt ist schon makaber: Heike Ohde ist ja nicht nur Vorsitzende des Bürgerbundes, sondern auch Gründungsmitglied der Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm". Bis auf Axel Thiessenhusen sind komplett alle Führungspersönlichkeiten der Bürgerinitiative 2004 für den Bürgerbund als dessen Mitglieder in den Wahlkampf gezogen.

Das heißt, dass es sich bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative um genau dieselben Menschen handelt, wie bei den Mitgliedern des Bürgerbundes. Nur, dass letzterer eben noch mehr Mitglieder hat. Wenn man nun mit der Bürgerinitiative zusammen arbeitet, kann man das schlecht aus einer Position heraus tun, die sich gegen den Bürgerbund richtet. Genau das tut der HGV aber, indem er hofft, dass sich die Stadtvertreter nicht durch Störmanöver des Bürgerbundes beeinflussen lassen möge. Eckhard Paap greift den Bürgerbund im letzten Absatz an und meint damit eigentlich Heike Ohde und Hannes Meyer - die Gründungsmitglieder eben jener Bürgerinitiative, in der er selbst organisiert ist. Das spricht nicht gerade für die Bürgerinitiative.

 

Vergessen wir aber auch nicht den Text zwischen dem ersten und dem letzten Absatz.

Da wird moniert, dass es ein Geschrei um 200 Meter Stichweg gibt, obgleich doch 55 Kilometer Küstenlinie als Alternative bereit stehen. Der Stichweg aber hat rein gar nichts mit dem Wegfall eines Stückes Küstenlinie zu tun. Es gibt einen gesperrten Kurwald und der bleibt auch gesperrt, wenn der Stichweg kommt. Denn dieser soll ja nur die Kühlungsborner Straße mit dem Seebrückenplatz verbinden und nicht die Promenade mit dem Kinderstrand.

 

Außerdem ist es ein bemerkenswert dummes Argument, die Tagesgäste auf die restlichen 55 Kilometer Küstenlinie verteilen zu wollen: Bad Doberan hat nur diese nicht einmal 2 Kilometer Küstenlinie und nur daran kann die Stadt verdienen.

Nur auf diesem kleinen Abschnitt kann die Stadt die Tagesgästen und Urlaubern animieren, ihr Geld in der Stadt zu lassen.
 

 An keinem der anderen 55.000 Meter verdient Bad Doberan auch nur einen Cent.

Entweder nutzt Bad Doberan die nicht einmal 2 Kilometer Küstenlinie optimal aus und erzielt Einnahmen aus Hotelgästen und Tagestouristen und Urlaubern und Kurgästen und Einheimischen oder sie verliert drei Einnahmequellen auf einmal.
Kann das Hotel jemals mit seiner einen Klientel das ersetzen, was Bad Doberan bei optimaler Ausnutzung (die freilich noch nicht gegeben ist) mit vier Klientel zusammen erreichen könnte? Kann ein einziges Hotel den gesamten Tourismus einer Stadt ersetzen?

Und selbst wenn die Antwort "ja" lauten sollte: Macht man sich damit nicht von der ECH abhängig? Als einzige Einnahmequelle und Beansprucherin der ganzen Bad Doberaner Küstenlinie gäbe es keine Alternativen zu dem und schon gar keine Argumente mehr gegen das, was die ECH in Zukunft fordert. Was auch immer es ist und wie auch immer es sich auf Bad Doberan auswirkt.
Macht man sich von der ECH abhängig, ist Heiligendamm wieder Privatdorf mit allen seinen Konsequenzen - nur diesmal zum Leidwesen der Bevölkerung und all jener, die von den drei anderen Klienteln leben.

 

Was auch immer der HGV mit seinem Vorstoß sagen wollte - durch unfundierte Äußerungen ist das nicht durch gekommen. Eher noch trat er in ein Fettnäpfchen, wie zuvor schon der Bürgermeister. Auch hier lassen sich Stricke drehen.

 

Inzwischen hatte auch die Ostsee-Zeitung mit dem Strick-Drehen zu kämpfen:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 11. März 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Meinungsstreit ist lebendige Demokratie

Den Bürgerbund totschweigen – das wäre vielen Befürwortern der geplanten Entwicklung in Heiligendamm am liebsten. Das jedenfalls legen viele Leserzuschriften nahe.
Teilweise beleidigend wird in diesem Zusammenhang auch gleich die OZ mit angegriffen.
Fakt ist: Die Lokalredaktion bezieht dadurch, dass sie eine demokratisch gewählte Gruppierung der Stadtvertretung zu Wort kommen lässt, nicht deren Position. Zumal im selben Artikel auch die „Gegenseite“ zu Wort kam. Journalistische Aufgabe ist es, die unterschiedlichen Ansichten widerzuspiegeln. Politik machen andere.

TRI

 

 

Dieser Beitrag zeigt, wie unsachlich die Diskussion inzwischen geworden ist.

Und zum anderen, dass das Ansehen des Bürgerbundes in der Öffentlichkeit schwindet.


 

Kurz darauf kam es im Rathaus zum Stillstand:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 14. März 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Heiligendamm weiter in der Warteschleife

Keine Einigkeit bei Beschlüssen zu Heiligendamm. Die Stadtvertretung kam nach vierstündiger Diskussion nicht einen Schritt weiter.

Bad Doberan Keinen Schritt weiter kamen die Stadtvertreter gestern Abend in Sachen Heiligendamm. Den Wunsch, dass die beiden wesentlichen Bebauungspläne jetzt jeder für sich behandelt werden sollen – und nicht wie im Dezember mehrheitlich beschlossen als ein Ganzes – verwiesen die Mitglieder des Gremiums zurück in die Ausschüsse.
Ein Teilerschließungsvertrag zur Herstellung des so genannten Stichweges lehnte das Gremium nach länger Diskussion über zahlreiche Änderungsanträge letztendlich ab. Über die Einziehung eines Teils der Prof. -Dr.-Vogel-Straße zur Beruhigung des An- und Abreiseverkehrs zum Grand-Hotel soll bis Anfang April dieses Jahres während einer Sondersitzung zu einem anderen Themenkomplex entschieden werden.

Vor allem der Teilerschließungsvertrag für den Stichweg erwies sich als unüberwindliche Hürde. Obwohl ein Geschäftsführer der Entwicklungscompagnie Heiligendamm konstatierte mit dem Vorschlag Horst Gühlers (CDU) mitgehen zu können, Anfang April zu einer Entscheidung zu kommen, rang das Gremium um ein Votum noch gestern Abend. Vor allem Heike Ohde (Bürgerbund) wollte Details zur Anbindung oder Sicherheitsleistungen in dem Kontrakt festgeschrieben wissen. Nach quälend langer Diskussion, Einzelabstimmungen zu Detailfragen lehnten die Stadtvertreter das Gesamtpaket ab.

In der Folge wurde die Verwaltungsvorlage zur Einziehung einer Teilfläche der Hotelzufahrt in die Sondersitzung verwiesen. Für einen Beschluss, so Bürgermeister Hartmut Polzin nach der unterbrochenen Sitzung, sei allerdings der zuvor abgelehnte Teilerschließungsvertrag notwendig.

Kritik von den Stadtvertretern, Applaus von den zahlreich gekommenen Beobachtern erntete der Bürgermeister für die Trennung der B-Pläne 25 und 26 (Sondergebiete Hotel sowie Ayurveda- und Klinik-Zentrum). Nur so, sagte Polzin, sei eine „Störanfälligkeit des Gesamtbereiches zu vermindern“. Anke Bitter (PDS.Die Linke) beklagte dagegen unfairen Umgang mit dem Gremium. Einzelkandidat Jochen Arenz fürchtete eine Änderung des Mehrheitsbeschlusses vom 5. Dezember durch die Hintertür. Zustimmung erhielt Horst Gühler für seinen Vorschlag, im Zweifelsfall den Grundlagenvertrag zu Rate zu ziehen. Da seien alle wesentlichen Auflagen und Zugeständnisse geregelt. Joachim Morawietz (CDU) warnte davor, wieder alles zu zerreden, um am Ende vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

Nach vierstündiger Auseinandersetzung beendete Heinz Paape (PDS. Die Linke), dem die Übersicht mehrfach verloren ging, die Zusammenkunft. Weiter geht es am Montag um 18.15 Uhr.

TIMO RICHTER
 

 

Die Trennung der B-Pläne erwies sich als Problem, da Heiligendamm nun einmal als Ganzes entwickelt und daher auch als Ganzes zu betrachten ist.

Die Stadtvertreter verloren den Durchblick, verzettelten sich in den Details und konnten zuletzt zu keiner einvernehmlichen Position finden. Das Paket wurde abgelehnt.


 

Die Ostsee-Zeitung sieht es schon kommen: Mit maroden Villen zum Gipfel.

 

Der G8-Gipfel ist schon fast in Vergessenheit geraten.
Die Ostsee-Zeitung kramt ihn wieder hervor.
Der Artikel wirkt wie eine Mahnung:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 18. März 2006  |  Titelseite Grimmen

Mit maroden Villen zum Gipfel

Deutschlands ältestes Seebad Heiligendamm wird sich zum G 8-Gipfel im Mai 2007 nicht als vollständig saniertes Ensemble präsentieren.

Berlin/Rostock (OZ) Die als Perlenkette bekannten sieben denkmalgeschützten Strandvillen in Heiligendamm bleiben bis zum Treffen der Regierungsschefs der acht größten Industrienationen der Welt in einem baufälligen Zustand. Für den Wiederaufbau der Häuser wären rund 70,5 Millionen Euro nötig, die der Besitzer der Immobilien, die Kölner Fundus-Gruppe, derzeit offenbar nicht aufbringen kann. Außerdem denkt Fundus in seinen Planungen in viel größeren Zeiträumen. Fundus-Sprecher Johannes Beermann: „Wir wollen die Villen herrichten und bis 2011 als Eigentumsvillen verkaufen. Was zum G 8-Gipfel geschieht, ist Sache der Bundesrepublik Deutschland. Die ist Gastgeber.“

Gerüchte, dass Fundus mit Landesbürgschaften bei der Sanierung unterstützt werden soll, werden von allen Beteiligten zurückgewiesen. Beermann: „Wir haben keine Bürgschaft beantragt, weil wir wissen, dass wir keine erhalten können.“ Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums bestätigt: „Immobilienfinanzierungen können nicht mit Landesbürgschaften abgesichert werden.“

In Schweriner Regierungskreisen war die Stuttgarter Aareal-Bank als möglicher Finanzier für das Sanierungsprojekt genannt worden. Aareal-Sprecherin Anke Thomas meint nur: „Jeder Kredit wird nach internen und externen Risikoklassen geprüft.“

Ein Kernbereich Heiligendamms, der aus sechs großen Häusern bestehende Komplex Grand Hotel, war 2003 nach umfassender Sanierung wiedereröffnet worden. Die benachbarten Strandvillen aus dem 19. Jahrhundert blieben unangetastet und befinden sich nach vielen Jahren des Verfalls in einem sehr schlechten baulichen Zustand.

Mit dem beeinträchtigten Gesamtbild will sich der Bund offenbar doch nicht abfinden. „Wir arbeiten an einem Konzept zur Gestaltung des Umfelds des Grand Hotels“, sagt ein Berliner Regierungssprecher. Es gehe um alternative Konzepte für die Perlenkette, die noch unklar seien. Auch die Frage, wer dabei was finanziert, sei noch offen. Alle Beteiligten seien miteinander im Gespräch.

Was unter alternativen Konzepten zu verstehen ist, darüber kursieren in Schwerin vage Gerüchte: teilweise Verkleidung der Villen oder Teilrestaurierungen, die „einen plastischen Eindruck des Aufbaus als Prozess“ vermitteln.
 

 

Der Gipfel treibt seltsame Blüten. Da die ECH ihr Versprechen, die Villen vor dem Gipfel saniert zu haben, nicht einhalten kann, denkt man in Berlin darüber nach, die Villen zu verkleiden. Berlin schämt sich für Heiligendamm. Denkbar schlechte Voraussetzungen für den G8-Gipfel. Die Bürger werden sich bedanken. Und da FUNDUS es versäumt hat zu sagen, dass die Stadtvertreter Schuld sind, bleibt es an der ECH selbst hängen.

 

Übrigens: Bundeskanzlerin Merkel war es letztlich, die veranlasste, dass die Villen nicht geschminkt werden.
Ihre Meinung: "Dann sieht man wenigstens, dass der Aufbau Ost noch etwas länger als gedacht dauert."

Vielleicht bedurfte es dieser Erinnerung durch die Ostsee-Zeitung, sich zu besinnen.

Jedenfalls mussten die Stadtvertreter nun etwas beschließen und so beschlossen sie:


 

Die Wege werden gesperrt und ein Stichweg gebaut.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 04. April 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Stadtvertreter ebnen Weg für Heiligendamm

Für die Sperrung von bislang öffentlich zugänglichen Wegen in Heiligendamm stimmten gestern Abend die Doberaner Stadtvertreter.

Bad Doberan Mit großer Mehrheit beschlossen die Mitglieder der Doberaner Stadtvertretung gestern Abend die Einziehung von zurzeit öffentlichen Verkehrsflächen in Heiligendamm. Der Bürgerbund scheiterte mit seinen Anträgen, ein Teilstück der Promenade als einzigen Zugang für das geplante Bebauungsgebiet westlich des Hotelbereiches ebenso wie mit der Forderung, die Professor Dr. Vogel-Straße erst dann für die Öffentlichkeit zu sperren, wenn die Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) die Villen saniert habe, so Heike Ohde.

Bevor sich erneut eine langwierige Diskussion pro und contra der Vorlage entspann, drängte Anke Bitter (Linke.PDS) auf Abstimmung. Ohne längere Debatten entschieden die Stadtvertreter zudem eine Aktualisierung des Grundlagenvertrages und einen Erschließungsvertrag für den so genannten Stichweg. Sichtliche Erleichterung herrschte nach den Abstimmungen bei vielen Stadtvertretern, dass dieser Themenkomplex gestern so reibungslos über die Bühne ging.

Während einer Unterbrechung freute sich Heiner Zimmermann, Geschäftsführer der ECH, dass nun ein Schlusspunkt erreicht worden sei. Die Beschlüsse, so Bürgermeister Hartmut Polzin, eröffneten der Investorin die Möglichkeit, ihre Vorhaben in Angriff zu nehmen. Noch während der Sitzung hatte das Stadtoberhaupt die Vorlage über die Einziehung von Verkehrsflächen als „Paketvorschlag“ bezeichnet, den die ECH als Richtungsbeschluss anerkenne.

Weitgehend allein auf weiter Flur argumentierte Heike Ohde, die die Vogel-Straße bis kurz vor Fertigstellung der geplanten Hotelanlagen für die Öffentlichkeit geöffnet wissen wollte. Schließlich gebe es dort ein Café und öffentliche Toiletten.

Vehement kritisierte Gebhard Zeug (SPD) diese Sichtweise. „Die Änderungsanträge des Bürgerbundes schaden der Stadt und der Entwicklung Heiligendamms.“
Frank Pieplow (SPD) meinte, es sei für Diskussionen Zeit genug gewesen.

Die Befürchtung, die Strandvillen seien mit den zuvor gefassten Beschlüssen dem Verfall preisgegeben, wurde in der Bürgerfragestunde geäußert. Der Bürgermeister stellte klar, dass drei der Villen abgerissen werden dürften, da sie nicht mehr erhaltenswert seien. Die restlichen Gebäude sollen nach denkmalpflegerischen Aspekten saniert werden.

TIMO RICHTER

 

 

Inzwischen vermied man lange Diskussionen, wie sie durch die Einwürfe des Bürgerbundes immer wieder entstanden.

So blieb auch die eigentlich sinnvolle Idee Heike Ohdes ungehört, den Zugang zum Imbiss und den öffentlichen Toiletten nicht sinnlos vorher zu versperren, solange noch nicht gebaut wird. Sie hätte vielleicht mit dran hängen sollen "und es keine Alternative gibt." damit es nicht wieder wie ein Verhinderungsversuch aussieht.
 

Bemerkenswert ist wohl auch der letzte Abschnitt:
Seitens der Stadt und der Denkmalpflege steht einer Sanierung der Perlenkette nichts im Wege.

 

Der folgende Artikel soll zeigen, dass in Heiligendamm mit zweierlei Messlatte gemessen wird.

 

Die Gegner von 1992 kämpften gegen die Dr.-Marx-Gruppe um jeden Baum, der gefällt werden sollte.
Dasselbe versuchten sie bei FUNDUS. Wenn aber die Stadt Bäume fällt - und das nur zu Gunsten einer Straße - also des Umweltschützers schlimmsten Feindes - gibt es keinen Protest.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 12. April 2006  |  Titelseite Bad Doberan
 

Bäume wichen Leitungen


Um Ver- und Entsorgungsleitungen in Verbindung mit der Sanierung der Seedeichstraße verlegen zu können, wurde in Heiligendamm eine rund 1500 Quadratmeter große Fläche gerodet.


Heiligendamm Für einen Bypass mussten jetzt in Heiligendamm Bäume und Sträucher weichen. Rund 1500 Quadratmeter wurden gerodet, um Baufreiheit zu schaffen für die Sanierung der Seedeichstraße sowie die Verlegung von unterirdisch verlaufenden Ver- und Entsorgungsleitungen, eben dem Bypass.

Die von der Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) durchgeführten Arbeiten seien Teil des rechtskräftigen Bebauungsplanes 25, sagt Norbert Sass. Der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung im Doberaner Rathaus sieht diese Maßnahme als Teil der Sanierung der öffentlichen Seedeichstraße. Die alten Leitungen unter der Prof.-Dr.-Vogel-Straße müssen verlegt werden, da die Straße teilweise mit dem neuen Thalasso-Zentrum überbaut würde.

Die gerodete Fläche entspreche in etwa dem Vorplatz vor dem Haupteingang des Thalasso-Zentrums. Entlang des Waldrandes, ergänzt der technische Geschäftsführer der ECH, Hans Schlag, werde später die Zufahrt für das noch zu bauende Residenz-Hotel entstehen. Da die neuen Leitungen im Zusammenhang mit der Straßensanierung an die unter der Seedeichstraße angeschlossen würden, sei mit der Rodung Baufreiheit hergestellt worden.

Ob dies auch der Startschuss für den Bau von Residenz-Hotel und Thalasso-Zentrum sei, wollte Hans Schlag nicht bestätigen, „das entscheiden andere“. Fundus-Chef Anno August Jagdfeld: „Diese Arbeiten betreffen nur die Verlegung der Leitungen.“ Aussagen über den Baubeginn von Residenz-Hotel und Thalasso-zentrum mochte Jagdfeld noch nicht treffen.

Das Thalasso-Zentrum soll den Gästen später einen beheizbaren Meerwasser-Außenpool bieten. Zusätzlich sehen die Planungen weitere Schwimmbecken im Inneren vor. Die sollen gezielt um medizinisch-therapeutische Angebote ergänzt werden. Die Angebote werden mit denen des Grand-Hotels kombinierbar sein.

TRI

 

 

Vielleicht haben die Gegner aber auch nur übersehen oder nicht gewusst, was die Ostsee-Zeitung weiß: Mit der Rodung der Fläche wird Baufreiheit für das Thalasso-Zentrum und die Zufahrt zum Ensemble-Palais geschaffen. Sie dient also nicht einmal nur der Straßenführung, sondern auch dem Investor. Hier haben die Gegner also einmal eine Chance ausgelassen, mit dem Argument des Umweltschutzes dem Investor zu schaden. Vielleicht nur ein Versäumnis - vielleicht aber auch ein Indiz, dass es doch gar nicht wie oft vorgeworfen darum geht, dem Investor zu schaden.


 

Schlag auf Schlag: Küstenwald entwidmet. Prof.-Dr.-Vogel-Straße gesperrt.

 

Nachdem die Stadtvertreter nun also gewagt haben, den Weg für die ECH zu ebnen und damit kaum auf Widerstand gestoßen sind, werden sie mutig und schieben die nächste unangenehme Entscheidung hinterher. Auch wenn die Überschrift und die Einleitung des nachfolgenden Artikels es nicht erahnen lassen aber:

 

Schlag auf Schlag, die erste: Die Sperrung des Küstenwaldes wird amtlich.

 

Die Gäste, von denen die Ostsee-Zeitung da schreibt, sind natürlich nicht Tages- oder Kurgäste.
Der Park wird den Hotelgästen vorenthalten. Zu denen natürlich auch Tagesgäste zählen können - sie müssen dazu nur in eines der Restaurants oder Cafés einkehren. Wenn sie denn hinein kommen. Das gerade beschlossene Kurgebiet - welches ja unter anderem den Küstenwald beinhalten sollte - ist damit wieder vom Tisch.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 24. Juni 2006  |  Titelseite Bad Doberan


Kleiner Wohld soll Hotelpark werden


Ein Waldstück westlich des Grand-Hotels soll als Park für die Gäste dienen. Die Stadtvertreter stimmen am Montag darüber ab.


Bad Doberan Der Kleine Wohld in Heiligendamm soll Hotelpark werden. Dabei handelt es sich um Flächen westlich der Villa Alexandrine. Dieses Haus steht bereits auf dem Gelände der Entwicklungscompagnie Heiligendamm. Mit der Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes, der das Gebiet westlich des Grandhotels bis zum Abgang zum Hundestrand umfasst, soll der Investorin die Möglichkeit gegeben werden, für die Hotelgäste eine Ruhezone zu schaffen. Über die Aufstellung des vollkommen neuen Plans wird während der Sitzung der Stadtvertretung am kommenden Montag abgestimmt.

Was genau geplant ist, erfuhren die Stadtvertreter bereits im Vorfeld der Sitzung während eines internen Informationstreffens Anfang der Woche. Das rund 13 Hektar große Waldstück zwischen Villa Alexandrine und dem Strandabgang West befindet sich noch im Besitz des Landes.

Mit der Entwicklungscompagnie gebe es einen unterschriftsreifen Tauschvertrag, sagte ECH-Geschäftsführer Heiner Zimmermann. Erhalte die ECH das Waldstück, erhalte das Land im Gegenzug eine bereits aufgeforstete Fläche aus den Beständen der Entwicklungscompagnie. Diese befindet sich an der Heiligendammer Umgehungsstraße. Seitens der Stadtverwaltung wird eingeschätzt, dass die Investorin das Waldstück erst dann erhalte, wenn sich die Stadtvertreter für die geplante Entwicklung positionieren, also der Aufstellung des neuen Bebauungsplanes zustimmen. Der Zugang zu Kinderstrand und Hundestrand bleibt gewährleistet.

Im Zusammenhang mit diesem Vorhaben steht auch eine Änderung des Flächennutzungsplanes. Der bisherige Erholungswald wird demnach in eine Grünfläche mit der Zweckbestimmung „private Parkanlage“ umgewandelt. Die betroffene Fläche verbleibt im Landschaftsschutzgebiet Kühlung.

Diesen Abstimmungen geht die Aufhebung des Beschlusses zur Bildung des Kurgebietes Heiligendamm voraus. Der während einer überaus turbulenten Sitzung Anfang Dezember des Vorjahres gefasste Beschluss soll nach Vorstellungen der Verwaltung gekippt werden. Die seinerzeit zusammengeführten Pläne werden einzeln weiterverfolgt.

Von der Initiative „Öffentlichkeit für Heiligendamm“ wird die Umwandlung des Waldstückes in einen Hotelpark als „sehr ungewöhnlich“ bezeichnet. In Rerik habe die Gemeinde den Küstenrandstreifen selbst erworben.

TIMO RICHTER

 

 

Da nützen auch Tausch-Begehren der FDP nichts: Der Küstenwald bleibt zu.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 27. Juni 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Stadtvertreter votieren für Hotelpark

Mehrheitlich positionierten sich die Doberaner Stadtvertreter gestern Abend für die Einrichtung eines Hotelparks.

Bad Doberan Wenig Diskussionsbedarf hatten die Stadtvertreter gestern Abend zu einem ganzen Paket von BeschluSVVorlagen rund um Heiligendamm. Der Ende vergangenen Jahres gefasste Beschluss zur Zusammenlegung zweier Bebauungspläne wurde ebenso aufgehoben wie denen zur Aufstellung dieser Vorhaben als Einzelpläne zugestimmt wurde. Auch die Neuaufstellung eines Bebauungsplanes zur Umwidmung eines Waldstückes zwischen der Villa Alexandrine und dem Kinderstrand (OZ berichtete) wurde mehrheitlich beschlossen. Bürgerbund und FDP scheiterten mit Anträgen in dem betroffenen Bereich den Küstenwanderweg öffentlich zu belassen.

Mit klarer Mehrheit lehnten die Stadtvertreter zudem einen Antrag von Harry Klink ab, der zugunsten einer Öffnung der westlichen Promenade einen Wegfall des so genannten Stichweges befürwortete. So sollten die „Gaffer-Touristen“ vom Grand-Hotel fern gehalten werden. Dies sei während eines Info-Treffens der Stadtvertreter mit der Stadtverwaltung so verabredet worden. Bürgermeister Polzin bemühte den Grundlagenvertrag mit der Entwicklungscompagnie, wonach die Investorin den darin festgehaltenen Forderungen nach einer Wandermöglichkeit mit dem Bau des Steges auf der Steinpackung in vollkommen ausreichender Weise nachgekommen sei.

Ohne langwierige Diskussion kamen die Stadtvertreter dennoch nicht aus. Beim Widerspruch des Bürgermeisters gegen das Bauprogramm für die Dammchaussee in Bad Doberan taten sich für einen Teil des Gremiums erhebliche Verständnisschwierigkeiten auf. Selbst Verwaltungsrechtsexperten kamen bei der Erläuterung des Abstimmungsprozederes nicht auf den Punkt, was zusätzliche Verwirrung stiftete. Ohne die CDU-Fraktion hoben die Stadtvertreter schließlich einen früher gefassten Beschluss auf, um gleich danach ein neues, deutlich abgespecktes Programm zu beschließen. Dieses solle, so der Wunsch des Bürgerbundes, mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz – der Verband hatte gegen das erste Programm geklagt – abgestimmt werden.

TIMO RICHTER

 


 

Schlag auf Schlag, die zweite: Die Professor-Dr.-Vogel-Straße wird gesperrt.

 

Per Sondernutzungsregelung wird die Professor-Dr.-Vogel-Straße zwischen den Hotelbauten für 2 Monate gesperrt.
Es ist zu befürchten, dass es dabei bleibt. Denn "wegnehmen können" heißt nicht "wegnehmen müssen".

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 18. Juli 2006  |  Titelseite Bad Doberan
 

Hotel darf Straßenteil sperren


Zwischen der Einfahrt des Grand Hotels und dem so genannten Stichweg zum Seebrückenvorplatz kann die Prof.-Dr.-Vogel-Straße befristet bis zum 15. September gesperrt werden.


Heiligendamm Einen – wenn auch kleinen – Schritt in Richtung Beruhigung des Hotelbereichs des Kempinskis in Heiligendamm konnten die Betreiber nun hinter sich bringen.
Der erste Teil der Professor-Dr.-Vogel-Straße kann für den Besucherverkehr gesperrt werden. Möglich macht das eine Sondernutzungsregelung, die seitens des Hotels beantragt wurde.
Nach intensiver Prüfung innerhalb der Stadtverwaltung, sagt Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin, sei dem Antrag stattgegeben worden – befristet bis zum 15. September.

Damit kann der erste Teil der Prof.-Dr.-Vogel-Straße, das ist der Abschnitt zwischen der Hoteleinfahrt bis zum so genannten öffentlichen Stichweg zum Seebrückenvorplatz, dichtgemacht werden. Begründet wurde der Antrag unter anderem mit Außenveranstaltungen des Hotels, die durch den Besucherverkehr von Nichthotelgästen gestört würden, so das Stadtoberhaupt. Seitens des Hotels könne der Wegabschnitt gesperrt werden. Auflage sei, dass die Sperren nach Ablauf der Frist wieder wegenommen werden können.

Mit einer durch die Besucherströme ausgelösten Unruhe auf dem Hotelareal wird die nicht ausreichende Auslastung des Grand Hotels begründet.
Gemeinsam mit der Uni Rostock soll ein Konzept erarbeitet werden, wie das Hotel rentabel betrieben werden könne, so Polzin.

Der Besucherverkehr wird nun auf den Weg durch den Kurpark gelenkt. Von dort können die Nichthotelgäste über den bestehenden Teil des Stichweges zum Seebrückenvorplatz oder am Parkplatz Seedeichstraße zur Promenade gelangen.

TRI

 


 

Zwei Entscheidungen sind nicht genug. Jagdfeld möchte einen Zaun um das Ganze.

 

Die Stadtvertreterversammlung hat die Beschlüsse gefasst und der erwartete Widerstand der Bürger blieb aus.

Womit sie nicht gerechnet hat: Jagdfeld baut wieder "Luftschlösser":

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 19. Juli 2006  |  Titelseite Bad Doberan
 

Fundus-Chef will Hotel einzäunen


Weil in Heiligendamm noch viele gefährdete Gäste nächtigen werden, wünscht sich der Fundus-Chef einen dauerhaften Zaun.


Heiligendamm Anno August Jagdfeld ist kein Freund übertriebener Aktivitäten. Dass für den amerikanischen Präsidenten während des Besuchs im Grand Hotel in Heiligendamm eigens ein Sicherheitszaun gezogen und gleich nach der Abreise wieder abgebaut wurde, ist dem Chef der Fundus-Gruppe ein Dorn im Auge. Auch sei der stacheldrahtbewehrte BauZaun nicht gerade eine Augenweide gewesen. „Das gibt ein schlechtes Bild ab.“

Anno August Jagdfeld möchte einen dauerhaften Zaun, um die Sicherheit der staatstragenden Hotelgäste gewährleisten zu können.
Heute Bush, morgen die Teilnehmer des G-8-Gipfels und dann jährlich mindestens einmal ein Besucher, der ähnlich aufwändig geschützt werden müsse, so die Prognose Jagdfelds.
Denn in ganz Deutschland gebe es keinen anderen Platz von der Klasse Heiligendamms.

„Warum also soll jedes Mal so ein hässlicher Zaun errichtet werden“, fragt der Fonds-Initiator.
Ein fester Zaun, vergleichbar mit denen rund um den Hyde-Park oder den Buckingham-Palace in London, sorge für ausreichende Sicherheit bei besonderen Besuchen. So ein Zaun sehe nicht nur viel schöner aus, sondern spare auch noch jede Menge Geld. Auf- und Abbau entfielen, auch werde in der Folge weniger Personal benötigt, um beispielsweise Staatsgäste zu schützen.

Dass Anno August Jagdfeld mit solchen Vorstellungen die Kritiker einer weiteren Beruhigung des Hotelareals auf den Plan ruft, sieht der Fundus-Chef nicht.
Der feste Zaun werde selbstverständlich Tore und Durchlässe besitzen. Geschlossen würden die nur während der Anwesenheit von solchen Hotelgästen, die solch einen Schutz benötigten.

Überhaupt versteht er die Aufregung um das Hotel nicht. Mit einer weiteren Beruhigung des Areals sollen „nicht die 100 Doberaner getroffen werden, die zum Baden kommen“. Wohl aber möchte Anno August Jagdfeld die 4900 Radler und Busgäste ausgesperrt wissen, die die nötige Ruhe der Hotelgäste so empfindlich stören – und damit den Erfolg des Hotels insgesamt beeinträchtigten. Die aktuelle Wegesituation werde auch nach Aufbau eines Dauerzauns rund um das Hotel genauso aussehen wie davor.

Die Frage eines permanenten dastehenden Zaun müsse nun von Politik und Sicherheitsbehörden aktiv angegangen werden. Die Vor- und Nachteile müssten sachlich gegeneinander abgewogen werden. Überzeugt zeigt sich Anno August Jagdfeld, dass diese Frage nach dem Besuch von George W. Bush entspannter beantwortet werden könne als vor dem Ereignis. Im Klartext: Befürworter und Gegner werden sich nicht gleich zerfleischen.

Außerdem: So ein fester Zaun gebe doch gleich ein ganz anderes, vor allem besseres Bild ab. Jetzt seien die Bilder einer Baustellenabsperrung durch die Medien gegangen. Dabei könne von Heiligendamm ein völlig anderes Bild dargestellt werden. Mehr noch: Diese guten Bilder seien dann auch noch unbezahlbare Werbung nicht nur für Bad Doberan, sondern gleich für ganz Mecklenburg-Vorpommern.

TIMO RICHTER
 

 

Hintergrund ist der Besuch von George W. Bush jr. in Heiligendamm. Zu seiner Sicherheit wird ein dreifacher Zaun vom Wasser aus auf die Promenade gezogen, der am Imbiss auf die Seedeichstraße, von dort auf die Kühlungsborner Straße und durch den Küstenwald wieder zum Strand gezogen wird. Die Gäste der Median-Klinik dürfen nicht ans Fenster treten. Der Zaun ist wirklich keine Lösung aber jeder andere Zaun wäre durchdringbar. Was Jagdfeld plant, würde auf einen Hochsicherheitszaun hinaus laufen, der den Hotel-Gästen eher Insassen-Gefühl, als Urlaubsfeeling verspricht. Die von ihm genannten Beispiel-Zäune sind freilich recht normale Zaunkonstruktionen aber sie geben auch keinerlei Sicherheit. Die Sicherheit der Palastbewohner kommt erst durch die Kombination Zaun-Überwachungskamera-Wachmannschaft zu Stande. Dort sitzen aber auch königliche Häupter, die geschützt werden wollen und nicht Hotelgäste, die sich entspannen wollen. Urlaub hinter Gittern? Merkwürdige Vorstellung.
Natürlich: Der Zaun soll Tore haben und die Wachmänner sind nur da, wenn Staatsgäste einchecken.
Aber der Zaun bleibt nun einmal allgegenwärtig. Es muss auch andere Lösungen geben, als Zäune.

 

Der Sicherheitszaun von Juli 2006 verlief vom Kinderstrand an der MEDIAN-Klinik und dem Bahnhof vorbei zur Promenade und von dort aus in die Ostsee. Wir sprechen also nicht vom 13-Kilometer-Zaun des Jahres 2007. Allerdings stellt sich die Frage, inwiefern man den Versprechen eines Herrn Jagdfeld trauen kann, der noch im Jahr 2000 gegenüber der Zeit eine ganz andere Aussage abgab:

 

 

Sieben Villen reihen sich als weiße Perlenkette neben dem künftigen Grand Hotel am Strand. Sie werden als Ferienwohnungen verkauft, 15 000 Mark der Quadratmeter.

»Wir haben noch nicht mal einen Prospekt gedruckt und haben schon 300 Interessenten für die 40 Wohnungen.
« Das solle aber kein abgeschottetes Luxusghetto werden. Jagdfeld steht auf dem Rasen vor Haus Schwan, bückt sich ein wenig und hält seine linke Hand auf Kniehöhe. »So hoch wird der weiße Zaun, der hier hinkommt.

Die Promenade davor bleibt öffentlich, und der Strand gehört der Bundesrepublik Deutschland.« (Quelle: Die Zeit 42/2000).

 

 

Zur Information: Drei Jahre später wurde eine Reihe Holzstäbe in den Boden gerammt, die mit einem grünen Drahtgeflecht verbunden wurden und es wurde eine Hecke gepflanzt. Das Provisorium macht den Eindruck, nach dem Anwachsen der Hecke weggenommen werden zu sollen aber die Hecke macht nicht den Eindruck, aus baumschulischen Gründen angepflanzt geworden zu sein. Wenngleich eine kleine Hecke nicht nur schöner als ein Zaun aussieht, sondern auch das Überklettern besser verhindert und dem Rasen einen gewissen Schutz vor aufgewehten Seesand und Austrocknung durch direkte Sonneneinstrahlung bietet. Dennoch hinterlässt der Beitrag einen schalen Nachgeschmack. Die Medien erinnern sarkastisch an "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten".

Aber auch das sei erwähnt: Im Jahre 2000 interessierten sich weniger Tagesgäste für Heiligendamm, als es schon drei, besonders aber sieben Jahre später der Fall war. Jagdfeld hat im Jahr 2000 wirklich geglaubt, er könne ein Hotel auf die grüne Wiese setzen und einen kniehohen Lattenzaun darum ziehen und die Leute würden sich daran halten.
Jagdfeld glaubt immer, was er sagt. Nur bewahrheitet es sich nicht immer...


 

Auch der Einzelhandel steht hinter den Abschottungs-Plänen.

 

Wie schon zuvor der HGV Bad Doberan verspricht sich auch der Einzelhandelsverband Nord-Ost ein großes Stück vom Heiligendamm-Kuchen. Natürlich sind es rein wirtschaftliche Interessen, die ihn dazu bewegen, der ECH den Rücken zu stärken aber dazu ist er ja ein Wirtschaftsverband.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 25. Juli 2006  |  Stadt und Land

Einzelhandel: Umdenken für Heiligendamm
 

Heiligendamm Unternehmen des Einzelhandelsverbandes Nord-Ost haben sich an Geschäftsführer Heinz Kopp gewandt, um auf die Situation des Grand Hotels in Heiligendamm aufmerksam zu machen. Es gehe um den Erhalt und die Entwicklung des kleinen Ortes, um das Nachfragepotenzial für den Einzelhandel. Der Verband hat sich nicht nur vor Ort umgesehen, sondern auch auf der Basis eines Einzelhandelsgutachtens für Bad Doberan vom Dezember 2005 Berechnungen vorgenommen.

„Derzeit beträgt das einzelhandelsrelevante Volumen trotz der noch unbefriedigenden Auslastung bereits 1,4 Millionen Euro, bezogen auf Beschäftigte, Gäste und Eigenbedarf. Nach Abschluss des Gesamtvorhabens wird sich das Nachfragevolumen für den Einzelhandel auf etwa 4,18 Millionen Euro erhöhen“, macht Heinz Kopp deutlich. Theoretisch könne damit allein Heiligendamm gegenwärtig 8,5 Beschäftigte im Einzelhandel Bad Doberan „ernähren“, rechnet er vor. In der Praxis verteile sich das Potenzial auf viele Einzelhandelsunternehmen und sichere damit deren Existenz und Arbeitsplätze, so Kopp. Beachtet man alle Branchen, die mit oder von Heiligendamm leben, so dürfte das Volumen ganz andere Größenordnungen erreichen. Kopp rechnet mit 700 Arbeitsplätzen künftig (derzeit 250), einer Million Euro Gewerbesteuer, 100 000 Euro Kurtaxe. Dazu kämen ein beachtliches Bauvolumen, Handwerkerleistungen und Dienstleistungen. Neben den Zahlen kommt der Imagegewinn für die Region und die Stadt Bad Doberan hinzu.

Angesichts der angesprochenen Dimensionen zeigt sich der Einzelhandelsverband enttäuscht, dass nicht alles getan wird, für die Entwicklung Heiligendamms die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. „Die derzeitige Wegediskussion um den Stichweg mag durchaus historisch vereinbarte Hintergründe haben. Angesichts verheerender Folgen muss endlich umgedacht werden“, fordert Geschäftsführer Kopp. Es sollte abgewogen werden: entweder Öffentlichkeit und erneuter Verfall oder marktwirtschaftlich geprägte Entwicklung mit Synergien für die Menschen.

R. P.
 

 

Was die Einzelhändler in ihrem Gutachten übersehen haben ist, dass das Grand Hotel nur im Moment den Eigenbedarf außerhalb Heiligendamms einkauft. Langfristig will sich das Hotel selbst versorgen und dazu hat FUNDUS ja das Gut Vorder Bollhagen erworben und ausgebaut. Es gibt wohl Verträge mit Autohäusern, Waschanlagen und Dienstleistern aber langfristig will FUNDUS in Heiligendamm alles anbieten, wofür jetzt noch Leute von außerhalb kommen oder zu ihnen gefahren werden muss.

FUNDUS selbst kann sich aussuchen, wer in Heiligendamm wo was bietet und wird natürlich erst einmal einen bestehenden Kontaktekreis bedienen, bevor dann Lücken durch hiesige Unternehmen gefüllt werden. Aber auch diese müssen dort Miete zahlen und die Preise in Heiligendamm unterscheiden sich erheblich von denen in Bad Doberan. Zudem wird der Händler in Heiligendamm fast ausschließlich von den Hotelgästen leben müssen, da Tagestouristen und Einheimische quasi verlagert werden. Die Händler müssen also dauerhaft Ansprüche auf höchstem Niveau erfüllen. Das alles können die Gutachter noch nicht erkennen.

 

Man muss bei der Kritik an den Stadtvertretern bedenken, dass bis jetzt nicht bewiesen werden konnte, dass Tagestouristen die Hauptursache für die schlechten Zahlen sind.

Die Stadtvertreter gehen davon aus, dass auch das Fehlen eines ansprechenden Umfeldes - eben wegen der verfallenen Villen und den noch nicht entstandenen Freizeiteinrichtungen - einer der wichtigsten Gründe für die schlechte Belegung ist.
Bevor sie die Bürger und die benötigten Tagesgäste aussperren, wollen sie erst die anderen Hauptgründe beseitigt sehen.

 


OZ vom 09.08.2006 00:00
 

Platz vor Seebrücke Heiligendamm wird umgestaltet


Heiligendamm (OZ/JO) - Die Finanzierung der neuen Strandabgänge, der Gestaltung des Brückenvorplatzes und der Promenade im Seeheilbad Heiligendamm ist gesichert. Nach der Förderzusage aus dem Wirtschaftsministerium sind die restlichen zehn Prozent jetzt über eine Sonderbedarfszuweisung aus dem Innenministerium avisiert, teilte das Doberaner Bauamt mit. In siebenmonatiger Bauzeit könnte ab Mitte September der 830 Quadratmeter große Vorplatz vor der 200 Meter langen Seebrücke mit hochwertigen Granitplatten aufgewertet werden. Die Promenade Börgerende erhält Beleuchtung und Bänke.

 


 

Und er bekommt dafür Rückendeckung von der Universität Rostock, die sogar den Stichweg ablehnt.

 

Freilich hat er sich diese Rückendeckung selbst bestellt. Aber Professor Benkenstein ist auch Bad Doberaner und wenn es ihm darum gegangen wäre, irgend etwas zu verhindern, hätte er jetzt die Chance gehabt. Er analysiert aber und kommt zu einem Ergebnis, das die Hotelgäste abgeschirmt werden müssen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 04. November 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Gutachter fordert Aus für Publikumsverkehr
 

Um die Hotelanlagen in Heiligendamm erfolgreich entwickeln zu können, wird in einem Gutachten u. a. die Sperrung von Wegen gefordert.

Heiligendamm Das Gelände des Grand Hotels in Heiligendamm darf nicht länger öffentlich zugänglich sein. Das Hotel erhält einen eigenen Strandabschnitt westlich der Seebrücke.
Auch für den Besuch der Promenade wird künftig die Kurtaxe fällig. Genauer wird hingeguckt, ob auch bezahlt wurde.
Diese Voraussetzungen werden in einem Gutachten der Universität Rostock für eine erfolgreiche Fortführung des Hotels sowie der Umsetzung der zahlreichen weiteren Vorhaben wie Thalasso- und Ayurvedazentren genannt.

Professor Dr. Martin Benkenstein, Direktor des Instituts für Marketing und Dienstleistungsforschung schlussfolgert, dass bei Umsetzung dieser Maßnahmen ein Anstieg der Gästezahlen im Grand Hotel zu erwarten sei. Dies werde in der Folge dazu führen, dass weitere Investitionen erfolgten, so der Autor der von der Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) in Auftrag gegebenen Studie. Dies wiederum führe zu weiter steigenden Gästezahlen, sodass dann auch die Investitionen ins Gut Vorder Bollhagen, das Golfodrom sowie in die Gartenstadt tatsächlich realisiert werden könnten.

Beim Beibehalten der aktuellen Entwicklungen, so das zweite entworfene Szenario, sei mit sinkenden Gästezahlen zu rechnen, so der Gutachter. „Ohne wirtschaftlichen Erfolg des Grand Hotels wird die ECH keine Banken oder Investoren finden, die in Folgeprojekte investieren“, heißt es in dem Gutachten. Stagnierende oder rückläufige Gästezahlen würden die jetzt schon negative wirtschaftliche Situation des Hotels weiter verschlechtern. So sehr, dass die Betreibergesellschaft das Haus schließen werde – mit dramatischen Folgen für die gesamte Region: Arbeitsplatzverlust, geringere Steuereinnahmen und Imageverlust, ausbleibende Entwicklung des Doberaner Stadtzentrums, um nur einige zu nennen.

Besondere Bedeutung misst der Autor der Geschlossenheit der Anlage zu. Öffentliche Wege durch die Anlage müssen geschlossen oder gar nicht erst gebaut werden. „Weder darf der geplante Stichweg tatsächlich gebaut werden noch darf die Prof.-Dr.-Vogel-Straße für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die „klare und uneingeschränkte Schließung der Hotelanlagen betrifft sowohl den Tagestouristen als auch die Bewohner Bad Doberans und die Patienten der Median-Klinik“. Lediglich für bestimmte Patienten, etwa mit Gehbehinderung, solle eine Ausnahmeregelung für einen direkten Strandzugang getroffen werden.

In zahlreichen Gesprächsprotokollen im Anhang wird immer wieder auf mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der ECH verwiesen, die letztendlich die Stadt für Probleme beim Betrieb des Hotels verantwortlich machen würde.

TIMO RICHTER

 

 

Sein Szenario hinkt ein wenig. Kempinski kann das Grand Hotel nicht schließen.
Es kann höchstens den Managementvertrag kündigen.

Dann hat das Hotel keinen Betreiber mehr. Aber in dem Moment würde die ECH selbst den Betrieb sichern.
(So ist es 2009 dann auch geschehen.)

Auch das Bad Doberaner Stadtzentrum hat nicht viel mit Heiligendamm zu tun.
Als Resort-Hotel will die ECH den Hotelgästen ja in Heiligendamm alles bieten, was sie begehren.
Sie werden also nicht so viele Gründe finden, ihr Geld in Bad Doberan zu lassen.
Gerade das spricht wieder eher dafür, dass Bad Doberan sich lieber auf die Tagesgäste konzentrieren sollte und nicht auf die Hotelgäste.


Wenngleich das natürlich auch realisierbar wäre, indem man die Hotelgäste in ihrem Bereich ungestört sein lässt und die Tagesgäste in einem anderen Bereich unterbringt.

Ein paar Statisten entlang der Promenade braucht aber auch FUNDUS-Heiligendamm, sonst wirkt es tot.
Die Hotelgäste allein können das bunte Treiben - die Lebendigkeit Heiligendamms - nicht kompensieren.

 

Was aber stimmt ist, dass eine weitere Stagnation zu weniger Arbeitsplätzen und vielleicht auch Stellenabbau führen würde und dass ein Rückzug der Betreibergesellschaft ein großer Imageschaden bedeuten würde. Ja und sein Gutachten selbst wird wohl auch stimmen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die ECH sich Gutachten erkauft. Sie hat es nur in Auftrag gegeben und bezahlt.


 

Die ersten Zäune kommen.

 

Die Meldung bezieht sich zwar auf den Bau eines Geh- und Radweges aber aus dem Text geht auch eine Sperrung hervor:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 17. Oktober 2006  |  Titelseite Bad Doberan
 

Rad- und Gehweg wird weiter gebaut


Heiligendamm
Ein Stück Gehweg in Heiligendamm – unmittelbar vor dem Grand Hotel – hat ein Geländer erhalten. Auf einer Länge von gut 150 Metern wurde es durch eine hiesige Fachfirma gesetzt. Die Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH) hat das Geländer bauen lassen und bezahlt. In Abstimmung mit der Stadt Bad Doberan. Das Geländer wurde nötig, damit die Leute in der Kurve nicht die Straße überqueren, erläutert Norbert Sass vom städtischen Bauamt. Im Juli hatte dieser Wegabschnitt für Ärger gesorgt, da die ECH dort einen Bauzaun ohne Genehmigung gesetzt hatte.

Vor der ehemaligen Fachschule mussten jetzt sieben Linden gefällt werden. „Die naturschutzrechtliche Genehmigung liegt vor“, betont Sass. Das Fällen der Bäume wurde nötig für den 2. Bauabschnitt der Kühlungsborner Straße in Heiligendamm. Der Fuß- und Radweg wird weiter gebaut bis zum Ortsausgang in Richtung Kühlungsborn – etwa 650 Meter. Gestern Abend wurde der Auftrag durch die Stadtvertretung an die Bietergemeinschaft Müsing/Dassel vergeben. Die von der Stadt zu tragenden Kosten, gedeckt durch Fördermittel, betragen gut 622 000 Euro. Kritisiert wurde, dass die Fällaktion vor dem Beschluss zum Bauprogramm erfolgt seien.

Ein Radweg wird sich bis zum geplanten Kreisverkehr anschließen. Dafür zuständig ist das Straßenbauamt Güstrow. Die Stadt Bad Doberan lässt diesen Weg gleich mitbauen. Innerhalb Heiligendamms wird auf der anderen Straßenseite noch ein straßenbegleitender Fußweg gebaut und es werden Straßenlampen aufgestellt.

RENATE PETER/TRI
 

 

Ich will nicht kleinlich sein: Ein Geländer ist kein Zaun. Aber dieses Geländer kann durch die Querstreben und die "Pickel" oben drauf nicht einfach überstiegen oder unterklettert werden und das ist ja auch nicht Sinn der Sache. Das Geländer beginnt in Höhe des Hauses "Severin-Palais" und endet an der Orangerie. Auf der anderen Seite beginnt es in gleicher Höhe und endet direkt am Tor zum Grand Hotel. Das nur mit Hotelkarte oder "Winken und Warten" geöffnet werden kann. Bisher ging der Bürgersteig rechts und links an der Straße entlang und das hat man mit dieser neuen Wegführung unterbunden. Was durchaus sinnvoll ist, denn zuletzt endete der Fußweg an der Einfahrt des Hotels und zwang die Fußgänger zum Überqueren der Straße in der uneinsehbaren Kurve. Die neue Wegführung jedoch dient nicht nur der Sicherheit, sondern eindeutig auch der Fernhaltung der Fußgänger und Radfahrer. Was gutes Recht der ECH und wie wir sehen auch durch die Stadt bewilligt ist. Aber es kommt eben auch einer Absperrung gleich.

 


Hintergrund: Warum der Zaun in der Kühlungsborner Straße sein musste.

Die ECH geriet in die Kritik, als sie eigenmächtig einen Bauzaun an den Rand des Bürgersteiges der Kühlungsborner Straße aufstellte. Da der Zaun nicht genehmigt war, musste er wieder abgebaut werden. 
Jedoch hatte die Stadt Verständnis für die Argumente der ECH, die diesen Zaun mit der Gefährdung des Straßenverkehrs durch Überquerungen in der Kurve begründete.
Die Stadt genehmigte einen dekorativen Zaun, der sich nicht so einfach überwinden lässt.
Die Kosten dafür trug die ECH selbst.

Schauen wir uns an, welche Probleme der Zaun lösen soll und welche er schafft:
 


Bis 2006 gab es in der Kühlungsborner Straße einen beidseitigen Fußweg.
Das Bild stammt von 2004 und zeigt von der MEDIAN-Klinik nach Norden.
 


Zunächst wurde in 2006 nur ein Zaun auf der linken Seite errichtet.
Rechts gab es keinen Zaun und auch keinen Hinweis auf folgendes Problem:
 


Der Weg endete vor den Schranken des Grand Hotels, dessen Gelände nicht betreten werden durfte.
Geradeaus ging es nicht weiter und links versperrte der Zaun den Weg.
Es ging also nur auf gleichem Wege wieder zurück und dann rüber über die Straße.
 


Im Jahre 2004 führte der Bürgersteig noch bis zur Orangerie, später noch bis zum Kurhaus.
Dort endete der Spaziergang aber wieder vor einem Tor.
Denn der Durchgang von der Kühlungsborner Straße zur Seebrücke wurde ja im Einvernehmen gesperrt.
 


Ein Jahr später hatte man die Torkonstruktion befestigt und den Bürgersteig entfernt.
Der hier abgebildete Bürgersteig ist keiner, sondern nur ein Rest des alten Bürgersteiges.
Die Hotel-Logistik benötigt diese schmale Ecke für die direkte und kurze Verbindung
Wirtschaftsgebäude - Hotel (Grand Hotel und Severin-Palais).
 


Ein Jahr später - also Ende 2006 - war auch diese Freifläche geschlossen, weil sich immer noch Menschen dort hin verirrten.
Die Logistik konnte so ungestört hinter dem Zaun verkehren.
Nur das Personal - auch nicht die Hotelgäste - können dieses Tor mit ihrer Chipkarte öffnen.
Auch Hotelgäste kommen nicht überall hin und durch.
 


Der linke Weg ist über eine lange Strecke eingezäunt.
 


Der Zaun endet erst an der Orangerie.
 


Rechts entstand ein weiterer Zaun und hier  wurde zur Lösung des Problems ein Schild aufgestellt.
Dieses ist allerdings nicht deutlich genug.
Es müsste noch erkennbar gemacht werden, dass der Nicht-Hotelgast hier in eine Sackgasse läuft.
 


Der Weg ist für ihn umsonst, denn er endet an diesem Tor, das nur mit Chipkarte zu öffnen geht.
Allerdings ist das auch der Zugang für Restaurantgäste, die ja keine Chipkarte haben.
Momentan erweist sich dies noch als Hürde beim Besuch.
 

Fazit: Ich kann natürlich nur für mich sprechen aber ich finde diesen Zaun sinnvoll.
Er nimmt keinem etwas weg und verhindert auch nicht den Blick auf das Ensemble von hinten.
Natürlich taucht er auf den Bildern mit auf aber das ist nun einmal das neue Heiligendamm.
Auch in der Vergangenheit gab es Zäune, die dann irgendwann wieder verschwanden, weil sie nicht mehr benötigt wurden.

Für mich macht die Zaunkonstruktion aber erst richtig Sinn, wenn dem Nicht-Hotelgast auch am Anfang des rechten Zaunes eindeutig zu verstehen gegeben wird, dass er sich in eine Sackgasse begibt, wenn er nicht tatsächlich in das Hotel möchte.

Wiederum ist dies aber auch der Eingang, wenn man zu den Restaurants möchte oder wenn man zu Fuß eincheckt.
Offenbar existiert eine Gegensprechanlage, die aber auch nur den Mindestanforderungen entspricht.

Hier wünscht man sich einfach eine komfortablere Lösung. Das Tor an den Anfang des Zaunes zu versetzen, halte ich aber auch nicht für eine gute Idee, da dann einige Perspektiven und damit ein wenig Erlebbarkeit verloren gehen/geht.

Ich hätte das ganze ohnehin anders gestaltet. Schauen Sie mal in den Menüpunkt "Selbstverständnis".
 

 

 

Der Stadt fehlt das Geld. B-Plan muss warten.

 

Auch wenn viel von Heiligendamm FUNDUS gehört: Für fast genauso viel ist die Stadt Bad Doberan zuständig.
Während also FUNDUS in Häuser und Einfriedungen investiert, muss die Stadt stets die Voraussetzungen dafür schaffen. Einerseits durch Beschlüsse, andererseits aber auch durch Investitionen. Fußwege, Straßen, Erschließungsarbeiten - das sind alles städtische Angelegenheiten. Auf dem Kammerhof hat Bad Doberan eine riesige Fläche mit Straßen, Fußwegen Ver- und Entsorgungsleitungen erschlossen und dafür viel Geld bezahlt. Es sollten ein Wohngebiet und ein Ferienpark entstehen. Die von der Stadt mit getragene Investitionsgesellschaft ging pleite, die Stadt blieb auf den Kosten sitzen und heute präsentiert sich der Kammerhof als mit Straßen und Fußwegen erschlossene Steppenlandschaft. Die Straßen führen ins Nichts. Wenn man die schwerfälligen Entscheidungen in Heiligendamm sieht, dann muss man sie unter genau dem Gesichtspunkt sehen:

 

Die Stadt will kein Risiko eingehen.

 


Freitag, 20. Oktober 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Kosten nicht geklärt: B-Plan muss warten

Bad Doberan Wegen der nicht eindeutigen Klärung der Kostenfrage zog Bürgermeister Hartmut Polzin während der jüngsten Sitzung der Stadtvertretung den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Heiligendamm-Südwest“ zurück. Rund 100 000 Euro werden für diesen B-Plan veranschlagt.

Auf dem rund 13 Hektar großen Areal sollten Parkplätze entstehen sowie Flächen für Wohnungen ausgewiesen werden. Außerdem sollte mit der Planung eine neue Verkehrsführung von der Kühlungborner Straße zum Kinderstrand ermöglicht werden. Ziel des Vorhabens ist die Verkehrsberuhigung an der Median-Klinik (OZ berichtete). Sollte dafür eine Straße durch den Kleinen Wohld gebaut werden müssen, steht ein teures Vorhaben ins Haus. Zahlreiche Auflagen sind zu beachten. Zudem müssen die Molli-Gleise gequert werden. Heißt: Ein moderner Bahnübergang muss her. Seitens des Bauamtes der Doberaner Stadtverwaltung werden allein dafür rund 200 000 Euro fällig.

Diskutiert wird zurzeit, auch die Rehabilitiationsklinik an den Kosten des neuen Bebauungsplanes zu beteiligen. Die Gespräche darüber sind aber noch nicht abgeschlossen, eine prozentuale Verteilung der Kosten auf die drei Partner noch nicht erfolgt. Mit der Rücknahme der BerschluSVVorlage ist nicht das Gesamtprojekt vom Tisch, sondern lediglich der Aufstellungsbeschluss.

TRI
 

 

Wenn die Stadt aber die ECH und die MEDIAN-Klinik beteiligen kann, hat sie mehr Sicherheit. Zum einen hat sie natürlich auch weniger Kosten aber zum anderen ist es so, dass auch die ECH nicht in die Erschließung eines Gebietes investieren und es dann nicht nutzen wird. Die MEDIAN-Klinik als dritter Investor ist eigentlich nur der hilflose Versuch, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Immerhin kommt der MEDIAN-Klinik ja zumindest die Straßenentflechtung zu Gute, sodass die Stadt argumentieren kann, dass sie sich beteiligen soll. Aber ganz nebenbei wird die MEDIAN-Klinik auch diejenige sein, die für ihre Investitionen Ergebnisse sehen will und der ECH schon den Marsch blasen wird, wenn sie sich zu viel Zeit lässt. So weit denken die Stadtvertreter natürlich bei solchen Abstimmungen nicht. Das, worüber sie abzustimmen haben, wurde von ganz anderen Leuten aus der Stadtverwaltung ausgearbeitet. Die klugen Köpfe agieren stets im Hintergrund. Die Stadtvertreter sichern nur die demokratischen Grundsätze bei den Entscheidungen. Schließlich arbeiten sie alle ehrenamtlich und haben gar nicht die Zeit, solche Pläne zu erarbeiten.
Und die Kenntnisse auch nicht. Und das ist auch gar nicht vorgesehen. Keiner verlangt das - nicht einmal ein Gesetz.


 

Der Stichweg steht auf der Kippe.

 

Mit dem Gutachten der Uni Rostock hatten die Stadtvertreter nun endlich den Beweis, den sie brauchten, um zumindest guten Gewissens handeln zu können. Sie wollten bisher nicht das Risiko eingehen, die Tagesgäste auszusperren und dann festzustellen, dass die Zahlen des Grand Hotels doch nicht besser werden.

Für die Stadtvertreter lag der Grund für die schlechte Auslastung eben nicht nur im Vorhandensein der Tagestouristen, sondern auch im schlechten Umfeld, das sich aus den maroden Villen und den fehlenden Freizeitangeboten ergibt. Bevor eine Entscheidung gefällt werden konnte, musste die ECH erst einmal beweisen, dass wirklich nur die Tagesgäste Schuld an der Misere sind. Das hat sie mit ihren Gutachten der Uni Rostock getan und nun konnten die Stadtvertreter auch zu Gunsten der ECH entscheiden:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 04. November 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Neue Vereinbarung befürwortet

Bad Doberan Eine Grundsatzdiskussion entbrannte am Donnerstagabend in Reihen der Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus. Einmal mehr wurde das Für und Wider des Stichweges ausgetauscht. Bürgermeister Hartmut Polzin begründete den vorgeschlagenen Verzicht des Wegebaus in den kommenden fünf Jahren mit der immer wieder geforderten Beruhigung des Hotelgeländes. In diesem Zeitraum könne das Hotel aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauskommen und durch Erfolg zur Sicherung der anstehenden Investitionen in Thalasso-Zentrum und zweiten Hotelkomplex beitragen. Das solle in einer jetzt zu beschließenden Vereinbarung mit der Hotelbetreiberin festgeschrieben werden.

So die Vorstellung des Stadtoberhaupts. Doch der hatte die Rechung ohne die Stadtvertreter gemacht. Der neue Ausschusschef Andreas Unterfranz (CDU) wollte vor einer Beschlussfassung den Grundlagenvertrag zwischen Stadt und Entwicklungscompagnie Heiligendamm überarbeitet und vor allem konkretisiert wissen. Zwei Entwürfe lägen schon vor, entgegnete Polzin. Dennoch werde der Ausschuss-Vorsitzende darin nicht lesen, wann beispielsweise das Versorgungs- und Service-Zentrum in Heiligendamm-Ost entstehe.

Überhaupt, kehrte Sachkundige Einwohnerin Inge Meyer zum Ausgang jeglicher Diskussionen über Heiligendamm zurück, seien die Wege auf dem Hotelgelände ja eigentlich noch öffentlich. Dem widersprach der Bürgermeister energisch. Die Öffentlichkeit der Wege sei erst mit Inbetriebnahme des Hotels ins Spiel gebracht worden. Da waren Flächen, die früher auch einmal Volkseigentum waren, aber schon verkauft.

Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung empfahlen die Mitglieder des Gremiums, der Vorlage während einer Sondersitzung der Stadtvertreter Anfang kommenden Monats zuzustimmen.

TRI
 


 

Damit beginnt die Diskussion wieder von vorn.

 

Natürlich würde dieser Beschluss nicht ohne Kritik und Widerstand bleiben. Doch erstaunlicherweise richtet sich die Kritik nicht gegen die Stadtvertreter, sondern gegen die ECH, der inzwischen die Schuld allen Übels - auch bei Objekten, die sie überhaupt nicht besitzt - zugeschoben wird. Wie sie selbst einsieht, ist es ihr nicht gelungen, die Bürger zu begeistern.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 09. November 2006  |  Titelseite Bad Doberan

ECH kam bei Menschen nicht an

Die Ergebnisse des Gutachtens versteht die Entwicklungs-Compagnie als Aufgabe. Bewohner kritisieren die Forderungen.

Heiligendamm Die Sperrung von Wegen in Heiligendamm werde immer zu Ärger mit den Einwohnern führen. Peter Michel steht Aussagen des von der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) in Auftrag gegebenen Gutachtens skeptisch gegenüber. „Wir haben immer mit Gästen gelebt.“ Und bei denen hätten die Bewohner nicht in die Fenster geguckt. Zustimmung gibt der Bewohner eines Einfamilienhauses in der Gartenstraße, dass Wege für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Nicht aber, dass die Heiligendammer nicht einen Weg mehr gehen dürften. Es sei ungezogen, wie die ECH mit den Bewohnern des ältesten deutschen Seebades umgehe, ergänzt Elke Michel.

Soche Einschätzungen offenbaren ein tiefes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Vorhaben der Entwicklungs-Compagnie. Dass es die ECH versäumt habe, ihre Vorhaben in besserem Licht erscheinen zu lassen, wird auch in dem Gutachten formuliert. „Wir sind bei den Menschen nicht angekommen“, gibt denn auch ECH-Geschäftsführer Heiner Zimmermann selbstkritisch zu. Aber: Unzählige Informationsveranstaltungen, Gespräche mit Bewohnern und Kommunalpolitikern können doch nicht umsonst gewesen sein. Die Wahrnehmung Heiligendamms sowohl in der Region als auch bundesweit bezeichnete Zimmermann als katastrophal. Beim Beschreiben der ökonomischen Bedeutung Heiligendamms sei offensichtlich nicht die richtige Sprache gesprochen worden. Die Ergebnisse des Gutachtens verstehe er als Aufgabe.

Von der ECH regelrecht verarscht fühlt sich beispielsweise Kira Goedeke. Die Investorin habe nicht mit offenen Karten gespielt. Nach und nach seien immer weiter Forderungen gemacht worden. Doch passiert sei nicht viel. In Heiligendamm „gibt's nichts“. Das Fehlen von Gewerbe und Gastronomie wird auch seitens des Gutachters moniert. Von der „toten Stadt am Meer“ spricht gar Traude Schwarz. Zäune und Geländer vermittelten das Gefühl, unerwünscht zu sein. Dabei sei sie erst sehr für das Hotelprojekt gewesen. Die Zuversicht von Traude Schwarz ist mittlerweile Resignation gewichen.

Beifall erhält das Gutachten dagegen von Andreas Kreschlok. Der Betreiber des „Hauses am Meer“ und der „Villa Rheingold“ in Kühlungsborn und Chef des dortigen Fremdenverkehrsvereins begrüßt „eine völlige Abschottung“. Gucker und Gaffer seien ein echtes Problem und müssten demnach vom Hotel ferngehalten werden. Die ECH sollte das so deutlich sagen, auch wenn es die Mehrheit nicht hören wolle.Sein Hotel wirke von außen stets so, als sei es geschlossen – zum Wohl der Gäste.

Ausgesperrt werde niemand, betont Heiner Zimmermann. Das Hotel sei zugänglich, aber eben nur durch den Haupteingang. Auch seien Hoteleinrichtungen öffentlich nutzbar.

TIMO RICHTER
 

 

Nun, diese Frage können Sie sich selbst beantworten:
Warum schauen die Gäste durch die Fenster des Grand Hotels und tun dies nicht bei den Michels in der Gartenstraße?


Die beiden anderen Befragten sagen aus, was hier viele denken.
So gab es auch viele Sympathien für das Hotelprojekt, die mit der Zeit verspielt wurden. Das ist wirklich so.
 

Und Andreas Kreschlok? Andreas Krechlok - wie er richtig heißt - musste 2008 aufgeben - Schulden und gesundheitliche Probleme. Lief wohl nicht so gut mit der Abschottung.


 

Wenigstens für die Patienten der MEDIAN-Klinik ist nun aber eine Lösung in Aussicht:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 14. November 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Kurzer Weg für Behinderte zum Strand

Bad Doberan „Wir sind uns im Großen und Ganzen einig. Zwar ist die Vereinbarung noch nicht unterzeichnet, aber die Parameter stehen fest“, betonte gestern Bürgermeister Hartmut Polzin. Und meint damit die Verhandlungen zwischen der Stadt, Median-Klinik und Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) über den Strandzugang für Patienten der am 7. April 1997 eröffneten Einrichtung. Ende dieser, spätestens Anfang nächster Woche wollen sie den Vertrag in „trockene Tücher bringen“. Laut Aussagen des Rathaus-Chefs soll für die gehbehinderten Patienten – sie machen zurzeit etwa zehn bis 15 Prozent der Klientel aus – weiter die Möglichkeit bestehen, auf direktem Wege zum Therapie-Strand zu gelangen. Dieser etwa 200 Meter breite Abschnitt zwischen Rettungsturm und Holzsteg am Packwerk werde kleiner ausfallen, konkrete Größenordnungen aber noch festgelegt. Für alle anderen Patienten soll ein Extra-Strandabschnitt neben der Hotelanlage in Richtung Börgerende entstehen. „Dieser Bereich ist vor allem für unsere Klientel mit Hautproblemen unabdingbar“, hob Hagen-Volker Bendig hervor. Wenn es nach den Wünschen des Verwaltungsleiters ginge, dürften alle Besucher des 241-Betten-Hauses ohne Umwege an den Strand gelangen. „Aber wir mussten einen Kompromiss finden, da die direkte Route übers Hotel-Gelände führt. Die Bedenken der Compagnie, dass zeitweise mehr Patienten als Hotelgäste über das Areal wandern, waren darum ernst zu nehmen.“ Eine andere Alternative: der Bau eines Tunnels von der Klinik zum Strand. „Aber diese Variante fiel aufgrund der hohen Kosten und des Küstenschutzes aus“, hob der Verwaltungschef hervor.

Für ihn und Chefärztin Dr. Kerstin Birke von besonderer Wichtigkeit: Menschen mit Atemwegsproblemen, mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dermatologischen und psychosomatischen Auffälligkeiten müssen weiterhin uneingeschränkt das Reizklima an der Ostsee genießen können. „Deshalb wählen sie unser Haus aus, das mit 80 bis 90 Prozent gut ausgelastet ist“, weiß Bendig.

ANETT JONUSCHAT

 

 

Machte Jagdfeld im Jahr 2000 noch abfällige Bemerkungen über die Kassenpatienten der Median-Klinik, kam die ECH diesen entgegen. Allerdings auch erst, nachdem alle anderen - teilweise sehr abenteuerlichen - Möglichkeiten scheiterten.

 


Nachtrag 2009:
Wie das jetzt praktisch läuft, entzieht sich meinen Vorstellungen: Werden die Patienten an der Burg oder den Cottages vorbei geschoben, endet die Fahrt an einer Treppe, die zum Strand herunter führt. Die Alternative wäre, sie direkt am Kurhaus vorbei zu schieben und dann die Rampen an der Seebrücke zu nutzen.

Ich habe am 26.08.2008 einmal nachgefragt und erhielt folgende Antwort von der Median-Klinik:

 


Die Klinik verfügt über zwei Strandabschnitte.
Der Oststrand ist für die Hautpatienten (Abschirmung, Strandkörbe der Klinik) Vorgesehen und im FKK-Bereich integriert.
Der Weststrand (Strandkörbe der Klinik) ist vom westlich gelegenen Kinderstrand her zu erreichen bzw. auf längerem Wege über den Strand von Osten.
Für die Patienten, die eine längere Strecke aus Krankheitsgründen nicht bewältigen können, verfügt die Klinik über ein Kontingent an Torkarten, die eine Querung des Hotelgeländes auf direktem Wege zum Strand ermöglichen.
 

 

Der Oststrand ist ein blickgeschützter Strandabschnitt gleich hinter dem Ortsausgangsschild nach Börgerende.
Der Weststrand mit Strandkörben - tja entweder ist der mit dem Hotelstrand vermischt oder er existiert nicht mehr.
Zwischen Rettungsturm und Kinderstrand gibt es weder Strandkörbe, noch irgendwelche Hinweise auf einen gesonderten Strandabschnitt. Mehr zum Thema gibt es weiter unten.
 


 

Was sagt eigentlich Schwerin zu den Absperrungen?

 

Das wollte eine Bad Doberanerin wissen und wandte sich - eigentlich an die Bürgerbeauftragte.

Da diese keine Antwort wusste, wandte sie sich an den Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus.

 


Mittwoch, 15. November 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Doberanerin verwundert über Minister-Meinung

Bad Doberan Die Doberanerin Gerda von Hof hat sich an die Bürgerbeauftragte des Landes, Heike Lorenz, gewandt. Anliegen: Sperrung des „Kleinen Wohlds“in Heiligendamm.
Das Büro der Bürgerbeauftragten hat Minister Backhaus, verantwortlich auch für Forste, darauf aufmerksam gemacht, dass „jeglicher Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes unabhängig vom Eigentum zum Zwecke der Erholung betreten werden darf“
. Über die Antwort des Ministers ist Gerda von Hof jedoch mehr als verwundert. Der bewerte die Einzäunung des Waldes als eine Maßnahme zur „Besucherlenkung“. Der geschaffene Zaun solle keine Sperre darstellen, sondern lediglich „den Zugang zum Wald erschweren“. Der Minister habe darauf verwiesen, dass die Beachtung der Zäune im rechtlichen Sinne auf Freiwilligkeit beruhe. Er habe dem Bürgerbüro mitgeteilt, dass „nicht ordnungswidrig handelt, wer über oder unter den Querstreben dieser Leiteinrichtung den Zaun passiert und den Wald betritt“. Gerda von Hof möchte diese Meinung eines Ministers der Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Sie nennt das eine sehr fragliche Meinung eines Ministers.

RENATE PETER

 

 

Der Minister ist der Meinung, dass es sich nur um besucherlenkende Maßnahmen handelt, die überstiegen und unterklettert werden dürfen.

 


Analyse: Darf der Kleine Wohld noch betreten werden?

 

 

Auszug aus dem Schreiben der Bürgerbeauftragten des Landes Mecklenburg-Vorpommern

an Frau Von Hof von der Bürgerinitiative "Öffentlichkeit in Heiligendamm e.V."  vom 08.11.2006:

...

Ich möchte Sie nunmehr schriftlich über die Antwort des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern zurThematik "Sperrung Kleiner Wohld" informieren.

 

In meinem Schreiben an den Minister habe ich darauf hingewiesen, dass jeglicher Wald im Sinne des Landeswaldgesetzes unabhängig vom Eigentum zum Zwecke der Erholung betreten werden darf (§28 Abs. 1 Landeswaldgesetz). Durch die Einzäunung des Waldes wird eine faktische Sperrung vollzogen, die nach meinem Dafürhalten gegen das Landeswaldgesetz verstößt.

 

Der Minister bewertet die Einzäunung des Waldes als eine Maßnahme zur "Besucherlenkung". Der beschaffene Zaun soll keine Sperre darstellen, sondern "lediglich den Zugang zum Wald erschweren". Der Minister verweist darauf, dass die Beachtung der Zäune im rechtlichen Sinne auf Freiwilligkeit beruht. Er teilt weiter mit, dass nicht ordnungswidrig handelt, wer über oder unter den Querstreben dieser Leiteinrichtung den Zaun passiert und den Wald betritt.

 

Trotz der erhobenen Forderung auf Gewährung eines Zugangs zum Wald wurde durch den Minister nicht in Aussicht gestellt, dass die Umzäunung beseitigt oder zumindest unterbrochen wird.

 

Zu weiteren aufgeworfenen Fragen kann ich Ihnen mitteilen, dass der "Kleine Wohld" kein festgesetzter Schutzwald im Sinne des Landeswaldgesetzes ist. Daher ist dieses Waldstück faktisch zu behandeln, wie jeder andere Wald auch. Einschränkungen im Verkauf von Waldflächen aufgrund einer Schutzwaldeigenschaft gibt es nicht.

...

 

 

Weiterhin zitiere ich den angesprochenen Paragraphen des Landeswaldgesetzes Mecklenburg-Vorpommern:

 

 

Waldgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern (Landeswaldgesetz - LWaldG) vom 8. Februar 1993

 

Abschnitt IV

Verhalten im Wald

§ 28

Betreten des Waldes

(1) Jedermann darf den Wald zum Zwecke der Erholung betreten. Für das Betreten des Waldes darf kein Entgelt erhoben werden.

(2) Nicht gestattet ist das Betreten von

  • Forstkulturen und Jungwüchsen bis zu einer Höhe von vier Metern,

  • Pflanzgärten und Wildäckern,

  • Waldflächen und Waldwegen, auf denen Holz eingeschlagen, bearbeitet oder bewegt wird oder auf denen sonstige Waldarbeiten durchgeführt werden,

  • sonstigen forstbetrieblichen, jagdlichen oder fischereiwirtschaftlichen Einrichtungen,

  • forstbehördlich gesperrten Waldflächen und Waldwegen.

(3) Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr. Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, daß die Lebensgemeinschaft Wald

     und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie die Erholung anderer nicht beeinträchtigt wird.

(4) Das Fahren mit Kraftfahrzeugen aller Art ist außerhalb der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen und Wege nur dem Waldbesitzer, seinen Beauftragten

     und den hierzu gesetzlich Befugten sowie den Jagdausübungsberechtigten und ihren Beauftragten gestattet. Die Forstbehörde kann Dritten auf Antrag das Befahren

     von Straßen und Wegen genehmigen. Dabei sind die schutzwürdigen Interessen des Waldbesitzers zu wahren.

(5) Das Fahren mit Krankenfahrstühlen und Fahrrädern ohne Motorantrieb ist nur auf Waldwegen und privaten Straßen im Wald auf eigene Gefahr gestattet,

     soweit sie nicht behördlich bzw. ordnungsgemäß gesperrt sind.

(6) Das Reiten und Kutschfahren im Wald ist auf besonders zur Verfügung gestellten und gekennzeichneten Wegen und Plätzen gestattet und erfolgt auf eigene Gefahr. 

     Dafür müssen die Landkreise und kreisfreien Städte im Einvernehmen mit der Forstbehörde geeignete Wege ausweisen, die mit den Reitwegen außerhalb des

     Waldes Verbindung haben. Die Interessen der Waldbesitzer und des Pferdesports sowie der Pferdezucht sind dabei angemessen zu berücksichtigen.

     Die Bewirtschaftung der Wälder und die Erholung anderer Waldbesucher dürfen durch das Reiten nicht erheblich beeinträchtigt werden.

     Wanderwege und Wanderpfade sowie Sport- und Lehrpfade dürfen nicht als Reitwege gekennzeichnet sein.

(7) Die individuelle Ausübung von Sportarten ist unter Beachtung des Absatzes 3 auf Waldwegen gestattet. Organisierte Sportveranstaltungen, auch reitsportliche

     Veranstaltungen, bedürfen der vorherigen Genehmigung durch die Forstbehörde im Einverständnis mit den Waldbesitzern. Motorsport ist im Wald nicht gestattet.

(8) Anlage und Kennzeichnung von besitzüberschreitenden Wanderwegen bedürfen der Genehmigung der Forstbehörde im Zusammenwirken mit den Waldbesitzern.

 

 

Im Klartext:
Es gibt keinen abgesperrten Küstenwald und wer es möchte, kann die Leiteinrichtungen über- oder unterklettern und den Wald betreten. Offenbar bezieht sich  diese Aussage aber nur auf die Holzkonstruktion und nicht auf den vom Hotel aufgestellten Zaun. Dieser wird mit keinem Wort erwähnt.

Es ist auch so, dass man beim Gang durch das Hotel-Tor im Westen der Promenade lediglich in einen Park gelangt, der aber auch wieder umzäunt ist und einen Ausgang nach Süden neben dem Haus "Brahn" (Kids Club) besitzt. Das Alexandrinencottage steht also nicht auf einem eingezäunten Hotelgelände und das Grundstück darf betreten werden. Allerdings empfiehlt es sich, einmal bei der Bürgerinitiative anzufragen, ob diese das Schreiben der Bürgerbeauftragten zur Verfügung stellen würde.
Der Sicherheitsdienst des Hotels läuft nämlich auch außerhalb des Geländes Streife.

 

Eine Bitte dennoch:
Steigen Sie nicht über Metallzäune und zerstören Sie die hölzernen Leitsysteme nicht.
Erstes wäre ein unbefugtes Betreten und das Zweite wäre Sachbeschädigung.
Und benutzen Sie bitte möglichst dennoch die festen Pfade im Wald, bzw. begeben Sie sich auf dem kürzesten Weg zu diesen Wegen. Werfen Sie keinen Müll in den Wald und betreten Sie nicht das Alexandrinen-Cottage oder ihre Terrasse und beschädigen Sie auch dort nichts. Bedenken Sie beim Betreten des Küstenrandes, dass sich möglicherweise unter Ihren Füßen eine Ausspülung befinden könnte. Halten Sie darum bitte Abstand von der Küstenkante.

 

Und Vorsicht:
Seien Sie sich auch bewusst, dass bei einer umfangreichen Missachtung der Leitsysteme rigorose Absperrungen drohen.

Das Land hat kein Interesse daran, dieses Waldstück wieder öffentlich zugänglich zu machen und es interessiert sich dabei nicht dafür, ob die Sperrung rechtmäßig war, sondern akzeptiert diese. Der Minister verweist weiterhin darauf, dass es sich nicht um einen Schutzwald handelt und dieses Waldstück keine besondere Behandlung erfährt. Es wäre einfach, den Wald aufgrund irgendwelcher forstamtlichen Beschlüsse zu sperren. Dazu könnte z.B. beschlossen werden, dass die Bäume sich erst einmal 20 Jahre erholen müssen und der Wald deshalb nicht betreten werden darf oder es könnte ein Pflanzgarten angelegt werden oder es bräuchte auch nur festgestellt werden, dass z.B. durch eine hohe Frequentierung des Waldes die Erholung nicht mehr gewährleistet ist und schon ist der Wald wirklich abgesperrt. Übertreiben Sie es also nicht!

 

Übrigens:
Da es sich nicht um einen Schutzwald handelt, darf dieser auch verkauft und eine Abholzung mit Ausgleichsanpflanzungen an anderer Stelle erlaubt werden. Auf der Hohen Düne in Rostock wurde auch für den Bau der Yachthafenresidenz Wald abgeholzt und als für den Bau der MEDIAN-Klinik Bäume fallen sollten, hätten die Behörden dem auch zugestimmt, wenn sich die Bürger nicht so erfolgreich dagegen gewehrt hätten.

Und noch etwas:
In dem Moment, wo ein Teil dieses Waldstückes rechtskräftig zum Hotelpark wird, dürfen Sie keine Zäune mehr über- oder unterklettern, sondern müssen sich wie jeder Hotelgast von Osten her über das Hotelgelände in den Park begeben.
 

 

Gerda von Hof ist übrigens nicht irgend eine Bad Doberanerin, sondern aktives Mitglied des Bürgerbundes und eine von 15 Kandidaten, die 2004 zur Kommunalwahl antraten.


 

Die Professor-Dr.-Vogel-Straße bleibt bis zum 30.06.2007 geschlossen.

 

Hintergrund sind die Vorbereitungen und dann die Durchführung des G8-Gipfels.

Allerdings befürchtet man, dass der Zaun stehen bleibt. Wenn man ihn so sieht, bekräftigt das die Befürchtung.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 17. November 2006  |  Stadt und Land

Straße bleibt gesperrt

Heiligendamm Sondernutzung? „Ich habe von einer gesonderten Nutzung noch nichts bemerkt“, äußert sich Rainer Friedemann aus Heiligendamm. Bisher nutzte er den Weg durch die Prof.-Vogel-Straße seines Wohnortes Heiligendamm, um seinen Vierbeiner auszuführen. Doch am Ende der „Perlenketten“-Ruine in dieser Straße ist Schluss. Dort zwingt ein Eisenzaun zum Umdrehen. Nichts Neues für Rainer Friedemann und bisher konnte er mit den Einschränkungen auch leben, denn der Wachdienst vor Ort ließ ihn meist durch. Doch mit dem Sommerende verschwanden auch die greifbaren Wachmänner, die ihm nun die Tore öffnen könnten. Dazu wurde die Sondernutzung, die Sperrung bis zum 30. 6. 2007 verlängert. Warum?, fragt sich Friedemann.

Bürgermeister Hartmut Polzin begründet: „Hauptgrund sind die Vorbereitungen zum G8-Treffen“. Die innere Sicherheit für den Hotelbereich bedarf besonderer Vorkehrungen, die keinen freien Zugang für Nichtnutzer der Hotelanlage zulassen. Zudem gäbe es in Folge verstärkt Veranstaltungen im Hotel, die einer gesonderten Zugangseinschränkung bedürfen.

Also werden sich die Besucher der weißen Stadt auch vorerst mit einem Blick aus der Ferne auf den historischen Friedrich-Franz-Stein begnügen müssen. Denn auch dieser Weg bleibt bis zum nächsten Sommer verwehrt.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Sondernutzung nicht als Dauernutzung entpuppt, denn, so Rainer Friedemann: „ Die Eisenzäune erwecken ja doch den Eindruck, als seien sie für die Ewigkeit gebaut worden.“ Bürgermeister Hartmut Polzin beruhigt allerdings: „Eine weitere Verlängerung der Sondernutzung in der Prof.-Vogel-Straße wird es nach dem Juni 2007 nicht geben“. Wie wird man dann die Hotelanlage vor neugierigen Blicken „schützen“? Denn selbst ein Gutachter der Hotelanlage riet kürzlich zur gänzlichen Sperrung der öffentlichen Wege um die Hotelanlage, als eine der Maßnahmen zum Anstieg der Gästezahlen im Hotel. Könnte es dann auch Sonderregelungen für Sondernutzungen geben?

DORIT WEHMEYER
 


 

Vorwürfe statt Lösungen.

 

Als ob die aufgebrachten Bürger nicht schon genug sind, beginnen sich anno 2006 auch Investor und Stadt gegenseitig zu beharken:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 25. November 2006  |  Heimat

Dunkle Wolken über der weißen Stadt

Das Grand Hotel Heiligendamm, eines der Prestigeobjekte in Mecklenburg-Vorpommern, fürchtet um seine Zukunft. Die Auslastung ist zu gering.

Heiligendamm (OZ) Es ist ein alarmierender Lagebericht. Heiligendamm, von der Kölner Immobiliengruppe Fundus als Hotel-Resort geplant und von der Hotelkette Kempinski betrieben, schreibt rote Zahlen. Mehr noch: Das Projekt könnte, bei weiterer negativer Entwicklung, in absehbarer Zeit vor dem Aus stehen. Das geht aus einem vom Investor selbst in Auftrag gegebenen Gutachten des Rostocker Betriebswirtes Professor Martin Benkenstein hervor.

„Die wirtschaftliche Situation des Kempinski Grand Hotels entwickelt sich seit der Eröffnung negativ“, heißt es gleich auf den ersten Seiten des Gutachtens. Im Juni 2003 war die Nobelherberge mit 225 Zimmern und Suiten eröffnet worden. „Auch nach der Anlaufphase und Problemen im Spa-Bereich 2004 hat sich die Auslastung des Hotels in den letzten Monaten nicht verbessert“, so der Wortlaut. Die höchste Belegung mit 80 Prozent erreichte das Hotel kurzzeitig im August 2004. Die niedrigste, mit 15 Prozent, im Dezember 2003. „Die Zahlen verdeutlichen die kritische Situation des Hotels“, schreibt der Gutachter. Erst mit 50 bis 60 Prozent Auslastung würde der Betrieb kostendeckend arbeiten. „Die schwierige Situation spiegelt sich auch in der aktuellen Ertragssituation wider, denn das Kempinski Grand Hotel arbeitet derzeit nicht kostendeckend. Es werden dauerhaft negative Ergebnisse erwirtschaftet.“

Benkenstein entwickelt im folgenden Lösungsansätze, um das Resort zu einer besseren Auslastung zu führen.

· Die Anlage soll künftig ausschließlich für Hotelgäste zugänglich sein.

· Das Kempinski Grand Hotel soll einen eigenen Strandabschnitt westlich der Seebrücke bewirtschaften, der allein von Hotelgästen genutzt wird.

· Die Kurtaxenpflicht soll auf die Promenade ausgeweitet und stärker überwacht werden, um auf diese Weise die große Zahl der Tagestouristen besser steuern zu können.

Bei erfolgreicher Umsetzung der Maßnahmen, so Benkenstein, sei ein Anstieg der Gästezahlen zu erwarten. Erst dies könne dazu führen, dass weitere Investitionen getätigt werden, die das Resort noch attraktiver machen. So ein Thalasso- und Ayurvedazentrum, eine Klinik für Schönheitschirurgie und der Bau eines „Golfodroms“. Die noch leer stehenden, teils stark verfallenen Villen der „Weißen Stadt am Meer“ würden endlich renoviert und in die Gesamtanlage einbezogen. Drei dürfen abgerissen und neu aufgebaut werden.

Die Gäste, das ergibt sich aus einer der Studie angefügten Befragung, finden das wichtig. An erster Stelle aber steht der Wunsch nach größerer Ungestörtheit. Was nicht heißt, das die gut zahlenden Besucher, die zum Großteil aus den alten Ländern stammen, eingesperrt sein wollen: „Der Strand und die Ostsee gehören wohl allen“, formulierte einer der Befragten.

Es muss also gehandelt werden. Bloß: „Bevor das Hotel nicht schwarze Zahlen schreibt, wird kein Euro fließen“, verdeutlicht Benkenstein. Und Hotelchef Torsten Dressler stellt klar:
Wenn nicht in den nächsten zwölf Monaten Maßnahmen ergriffen würden, sei „das Scheitern des Vorhabens“ zu befürchten.

„Letztlich werden die negativen Entwicklungen ökonomisch nicht mehr tragbar sein und die Betreibergesellschaft wird das Grand Hotel schließen“, orakelt auch der Professor in seinem „Negativszenario“. 207 Millionen Euro, die bisher in die Anlage investiert wurden, davon 24 Prozent Fördermittel, wären in den Sand gesetzt. 250 vorerst entstandene Arbeitsplätze futsch.

Ebenso dramatisch wären laut Gutachten die Folgen für die Region und das Land: „Dies umfasst den resultierenden Imageschaden und die Gefahr, dass Fünf-Sterne-Tourismus in MV als unmöglich eingestuft wird.“ Schlecht für das selbst ernannte Tourismus- und Gesundheitsland.

Das weiß auch das Schweriner Wirtschaftsministerium. „Wir unterstützen das Projekt mit aller Kraft“, versicherte Ministeriumssprecher Gerd Lange der OZ. „Wir können aber jetzt auch keinen Zehn-Punkte-Plan aus dem Ärmel schütteln.“ Dies betreffe insbesondere die Entwicklung des Umfelds, zu dem auch das bislang wenig attraktive Zentrum der benachbarten Kreisstadt Bad Doberan gehört. Das Gutachten fordert mehr saisonverlängernde Maßnahmen. Mehr Geschäfte, mehr Restaurants. „Das muss sich entwickeln“, mutmaßt Lange. „Das dauert.“

Hoffentlich nicht zu lange für Fundus und Kempinski. Immerhin sollte die Gesamtinvestition ursprünglich schon 2005 vollendet sein. Um die bisherige Entwicklung in eine positive umzukehren, wäre fraglos zunächst eins nötig: Dass alle Beteiligten, einschließlich der Kommune, an einem Strang ziehen. Die Fronten indes sind verhärtet.

So vermisst Fundus-Chef Anno August Jagdfeld, wie im Gutachten zitiert, bei den Doberaner Stadtvertretern die „Aufbruchstimmung“. Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) dagegen wirft Fundus vor, die Schuld für das bisherige Dilemma auf die Stadt zu schieben „und insbesondere auf ausgewählte Personen“. Die Stadt sei „positiv eingestellt“, beteuert er, die Situation jedoch „derzeit sehr verfahren“.

Seines Erachtens steht einer positiven Entwicklung nichts im Wege. Die Voraussetzungen für eine Beruhigung des Komplexes seien geschaffen, die Weichen gestellt: Die bislang öffentliche, durch die Hotelanlage führende Dr.-Vogel-Straße wird schrittweise eingezogen. Ein geplanter „Stichweg“, der vom Strand durch das Hotelgelände führen sollte, wird vorerst nicht gebaut. Das Versprechen gilt für fünf Jahre, so Polzin. „Falls sie in zwei bis drei Jahren in einen positiven Bereich kommen und weiter investieren, sehen wir von dem Stichweg ganz ab.“ Mehr Beruhigung könne die Stadt nicht bieten. Werde zusätzlich ein Zaun gewünscht, sei der Bau Sache des Grand Hotels.

Wird also mit mehr Ruhe und Exklusivität des Hotelkomplexes bald alles gut? Dann will die von Fundus zur Baubetreuung gegründete ECH (Entwicklungscompagnie Heiligendamm) in den nächsten zehn Jahren weitere 800 Millionen Euro verbauen, 700 weitere Stellen würden geschaffen.

Was aber, wenn die „Beruhigung“, sprich die Aussperrung der Schaulustigen, nicht den gewünschten Effekt bringt? Geht es den Investoren bei dem Gutachten am Ende nur darum, für den Fall eines denkbaren Scheiterns anderen die Schuld zuzuweisen? Der Bremer Wirtschaftsprofessor Dr. Rudolf Hickel, Mitglied der Denkwerkstatt MV 2020, hält das nicht für ausgeschlossen. „Wenn das Management es in drei Jahren nicht geschafft hat, für schwarze Zahlen zu sorgen, vielleicht sollte es sich dann ernsthaft beraten lassen, also ein Institut engagieren. Oder einen kompletten Führungswechsel vornehmen.“

Das aber wird mit Jagdfeld kaum zu machen sein. Er selbst wollte keinen weiteren Kommentar zum Thema abgeben. „Durch ein neues Management wäre das Problem nicht weg“, meint Fundus-Sprecher Johannes Beermann. „Das ist keine Frage des Verhandlungsgeschicks.“ Dennoch überlegt nicht nur Hickel, ob die mit dem öffentlichen Weg und den Schaulustigen zusammenhängenden Probleme nicht vorhersehbar waren. Und zwar bevor über 200 Millionen Euro investiert wurden. Beermann bestreitet das. Er ist optimistisch: „Das Gutachten zeigt ja sehr genau auf: Wenn dies passiert, passiert jenes.“

Das letzte Wort über die Zukunft von Heiligendamm, daran dürfte kein Zweifel bestehen, hat letztlich nur einer: der Gast.

MARCUS STÖCKLIN
 

 

Zwei Sätze bringen die Situation auf den Punkt:

 

"Seines Erachtens steht einer positiven Entwicklung nichts im Wege.
Die Voraussetzungen für eine Beruhigung des Komplexes seien geschaffen, die Weichen gestellt:

Die bislang öffentliche, durch die Hotelanlage führende Dr.-Vogel-Straße wird schrittweise eingezogen.
Ein geplanter „Stichweg“, der vom Strand durch das Hotelgelände führen sollte, wird vorerst nicht gebaut.

Das Versprechen gilt für fünf Jahre, so Polzin. „Falls sie in zwei bis drei Jahren in einen positiven Bereich kommen und weiter investieren, sehen wir von dem Stichweg ganz ab.“ Mehr Beruhigung könne die Stadt nicht bieten.
Werde zusätzlich ein Zaun gewünscht, sei der Bau Sache des Grand Hotels."

 

Damit hat der Bürgermeister alles gesagt.
Der noch nicht abgesegnete B-Plan allein kann nicht Schuld sein, denn er betrifft ja gar nicht das Ensemble, sondern das Gebiet südlich der Molli-Schienen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Stadt viele Zugeständnisse gemacht, viel Zorn auf sich gezogen.

 

Der zweite Absatz ist ebenso wichtig:

 

"Dennoch überlegt nicht nur Hickel, ob die mit dem öffentlichen Weg und den Schaulustigen zusammenhängenden Probleme nicht vorhersehbar waren. Und zwar bevor über 200 Millionen Euro investiert wurden. Beermann bestreitet das. Er ist optimistisch:
„Das Gutachten zeigt ja sehr genau auf: Wenn dies passiert, passiert jenes.“"

 

Der Überlegung gibt es nichts hinzu zu fügen.

Beermans Aussage bezüglich des Gutachtens ist nutzlos: Das Gutachten hat nichts damit zu tun, dass FUNDUS die Situation vor der ersten Investition hätte einschätzen müssen. Das Gutachten von 2006 - 10 Jahre nach Vertragsabschluss und 3 Jahre nach Hoteleröffnung - ist bestenfalls Schadensbegrenzung und schlechtenfalls Druckmittel.

Vielleicht war die Situation mit den Tagesgästen einfach 2000 noch nicht abzusehen.


 

Das Jahr geht und die Diskussion bleibt. Die Heiligendammer Vermieter schalten sich ein.

 

Auch wenn es immer wieder gern vergessen wird: Heiligendamm lebt nicht nur von den Hotelgästen.
Die Stadt selbst hat viel mehr Einnahmen aus den Tagesgästen und den Urlaubern. Diese zahlen Kurtaxe und lassen Geld in Heiligendamm und Bad Doberan, was den Umsätzen der Unternehmen zu Gute kommt und sich letztlich auch auf die Steuereinnahmen der Kommune auswirkt. Heiligendamms Einwohner lebten stets nicht nur von ihrer Arbeit, sondern auch von den Betten, die sie zur Verfügung stellen konnten. Zuerst nahm das Sanatorium dieses Angebot an und später waren es die Touristen, die in den Betten der Heiligendammer Eigenheime übernachteten. Mit den neuen Beschlüssen verliert Heiligendamm an Attraktivität für diese Klientel und die Vermieter müssen um die Urlauber fürchten. Also schalten sie sich in die Diskussion ein.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 05. Dezember 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Vermieter sind gegen weitere Absperrungen

Privatvermieter warnen vor weiteren Absperrungen in Heiligendamm. „Sonst wird eine ganze Region kaputt gemacht“.

Heiligendamm Private Vermieter in Heiligendamm fühlen sich seitens der Stadtvervaltung und der Mitglieder der Stadtvertretung nicht aureichend beachtet. Erstmals haben sich die Privatanbieter von Gästebetten dieser Tage zusammengefunden.

Mehr Beachtung entspreche der wirtschaftlichen Bedeutung der Privatvermieter, sagte Birgit Koch. Die Sprecherin der Gruppe legte dazu eine Statistik vor, wonach der Konsum durch privat untergebrachte Gäste um ein vielfaches höher sei als beispielsweise der der Gäste des Grand Hotels. Während die Gäste des Nobelhotels gerade einmal 20 Prozent des Gästeumsatzes ausmachten, entfielen auf die Gäste der Privatvermieter der Löwenanteil von rund 80 Prozent. In der selbst aufgemachten Rechnung seien neben Kennzahlen der Tourist-Information Bad Doberans auch Werte des Statistischen Landesamtes verarbeitet worden, sagte Birgit Koch. Selbst wenn das Kempinski Heiligendamm eine höhere als 25-prozentige Auslastung aufweise, verschiebe sich das Verhältnis nicht wesentlich, so die Pensionsbetreiberin.

An die Adresse der Stadtvertreter gerichtet, warnte Birgit Koch davor, das Kempinski Grand Hotel zu überschätzen. Weitere Absperrungen dürfe es nicht geben, „sonst wird eine ganze Region kaputt gemacht“. Und davon seien eben auch die Privatvermieter betroffen.

Schon jetzt erklärten nach Aussage von Birgit Koch immer mehr Gäste, nicht wiederkommen zu wollen. Grund: „Der furchtbar zerfallene Ort frustiert die Gäste und bietet keine Urlaubskulisse mehr.“ Außerdem würden die vorhandenen und geplanten Absperrungen den Erholungswert des Ortes nachhaltig einschränken.

Aus Sicht der Privatvermieter müsse die Prof.-Dr.-Vogel-Straße öffentlich bleiben, die bereits genehmigte Teilsperrung aufgehoben werden. „Die derzeitigen Umwege sind unmöglich und nicht zumutbar.“ Dem Hotel stehe es frei, sich einzuzäunen. Es dürften aber nicht gleich ganze Straßenabschnitte und Stadtteile abgesperrt werden.

Ausdrücklich verwiesen die Teilnehmer des Treffens auf Kommentare von Gästen, auch auf solche von Kempinski-Gästen, die sich eingesperrt fühlten.

Nach Ansicht der Privatvermieter sichere dem Kempinski nur ein gesundes Umfeld mit Menschen ein Überleben. Darum wollten die Vemieter ausdrücklich nicht gegen Hotel bezeihungsweise Betreibergesellschaft arbeiten, ließen sie wissen.

TIMO RICHTER
 

 

Das Gästehaus der Familie Koch ist eines der größten Heiligendamms und die Gäste dort erwartet ein hohes Niveau an Ausstattung und Komfort. Das Gästehaus steht quasi gegenüber der Seedeichstraße. Die Gäste gelangen von hier aus noch auf dem kürzesten Weg zum Strand. Alle anderen Gästehäuser und Pensionen liegen dagegen ungünstiger und wenn schon die Gäste der Kochs sich über zu lange beschweren, kann man sich die Reaktionen in den anderen Häusern ausmalen. Allerdings gibt es für die Gäste Kochs gar keinen kürzeren Weg zur Seebrücke, als über die Seedeichstraße. Auch ein Stichweg würde da keine Vorteile bringen.

 

Besonders interessant sind die Zahlen, die hier angeführt werden: 80% der Gäste sind normale Touristen.
Die Auslastung des Hotels liegt bei 20%. Prozent von was?

Wir reden hier ja von zwei völlig unterschiedlichen Klientel: Die Gäste der Kochs werden eher nicht ins Grand Hotel einkehren und die Gäste des Grand Hotel werden nicht das Gästehaus der Kochs aufsuchen. Wir müssen in Heiligendamm mit zwei verschiedenen Klienteln rechnen und wenn die Heiligendammer Vermieter 80% des Gesamtumsatzes machen, dann sind das 0% Kempinski-Gäste und wenn das Kempinski 20% Gesamtumsatzes macht, sind das 0% der Gäste der privaten Vermieter.

 

Ich drücke es mal in anderen Zahlen aus:

120 Touristen kommen nach Heiligendamm: 100 Standardtouristen und 20 Luxus-Touristen.

Von 100 Standard-Touristen entscheiden sich 100 für Heiligendamm.
Von 20 Luxus-Touristen entscheiden sich 20 für Heiligendamm.

 

Verstehen Sie? - Gemessen am Gesamtumsatz der Touristen haben beide Anbieter - private und Hotel - den vollen Anteil ihrer Klientel. Es darf gar keine Verschiebung geben. Ziel muss es sein, aus den 20 Luxus-Touristen auch 100 zu machen. Die Privatvermieter sollen 100% Gesamtumsatz an ihrer Klientel bekommen und das Hotel 100% Gesamtumsatz an seiner Klientel. Die Vermischung der Klientel ist so minimal, dass sie nicht der Rede wert ist.


 

Trotz Widerstand: Der Stichweg ist vom Tisch.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 07. Dezember 2006  |  Titelseite Bad Doberan

Verzicht auf Stichweg beschlossen

Die Bad Doberaner Stadtvertreter entschieden sich gestern, den Stichweg in Heiligendamm vorerst fünf Jahre nicht zu bauen.

Bad Doberan „Nun ist unser Heiligendamm vergeigt“, so ein Anwohner gestern Abend während der Stadtvertretersitzung. Das war seine Reaktion auf den Beschluss über das „Sondergebiet Hotel, Thalasso-Zentrum, öffentlicher Sonderbereich in Heiligendamm“. Danach kann der Bürgermeister bei der Straßenaufsichtsbehörde jetzt den Antrag auf Einziehung der Prof.-Dr.-Vogel-Straße stellen. Sie ist dann nicht mehr öffentlich.

Zum anderen kann zwischen der Stadt Bad Doberan und der Grand Hotel GmbH & Co. KG eine Vereinbarung geschlossen werden, auf den sogenannten Stichweg zunächst für fünf Jahre zu verzichten.

Der Bebauungsplan Nr. 25 in Heiligendamm sieht zwei geschlossene Hotelkomplexe vor. Die Prof.-Dr.-Vogel-Straße fällt in diesen Bereich. Zwischen beiden Sondergebieten sollte ein öffentlicher Weg, der Stichweg, gebaut werden. ECH und Grand Hotel GmbH hatten aber deutlich gemacht, welche Auswirkungen der Bau des Weges für Investitionsvorhaben hätte.
Das Kempinski Areal soll beruhigt werden. Durch einen zeitlich befristeten Verzicht auf den öffentlichen Weg solle „Sicherheit für eine erfolgreiche Betreibung des Hotels und die damit in Verbindung stehende Sicherung der Finanzierung der Investitionsvorhaben“ gegeben werden. Noch vor Ablauf der Vereinbarung des Wege-Verzichts werden sich Stadt und Hotelgesellschaft verständigen, ob ein positiver Effekt für das Hotel eingetreten ist. Wenn ja, könnte der Verzicht auf den Weg dauerhaft sein.

Wir verzichten auf den letzten noch öffentlichen Weg, auf das historische Heiligendamm für die Bürger. Wir sind erbärmliche Verhandlungspartner“, äußerte sich Heike Ohde vom Bürgerbund enttäuscht. Sie hatte den Antrag gestellt, den BeschluSVVorschlag in die Ausschüsse zurückzugeben. Der Antrag wurde ebenso mehrheitlich abgelehnt wie ihre drei Änderungsanträge zum BeschluSVVorschlag.

Die namentliche Abstimmung dazu war sehr knapp: elf Ja- und zehn Nein-Stimmen, eine Enthaltung. Das heißt: Einziehung der Prof.-Vogel-Straße und vorläufiger Verzicht auf den Stichweg.

RENATE PETER

 

 

Mit nur einer Stimme Mehrheit entscheiden sich die Stadtvertreter für einen Verzicht auf den Stichweg.
Begünstigend dürfte die Festlegung auf fünf Jahre sein.

Polzin dürfte gewusst haben, dass sein Plan ohne diese Klausel nicht durch kommt.
So ist denn die Sperrung der Professor-Vogel-Straße zwischen dem Severin-Palais und dem Grand Hotel rechtskräftig.
Bis 2011 muss das Hotel beweisen, dass diese Sperrung ihm zum endgültigen Erfolg verhilft. Nur dann bleibt sie bestehen.

Es ist aber zu befürchten, dass das Hotel 2011 damit argumentieren wird, dass es bis 2009 noch einen öffentlichen Weg durch den Kurwald zur Professor-Dr.-Vogel-Straße gab (bzw. der Rest der Professor-Dr.-Vogel-Straße auch weiterhin öffentlich zugänglich bleibt). Es steht also zu befürchten, dass das Hotel die fünf Jahre erst ab frühestens 2009 - vielleicht aber auch erst nach dem Aufstellen weiterer Zäune, die den Durchgang zwischen Perlenkette und Grand Hotel verhindern, ansetzt. Damit verlängert sich dann die "Grund-Sperrung", also zwischen den beiden Hotelbauten, auf mindestens 8 Jahre und fällt damit in eine Legislaturperiode, in der kaum noch einer der jetzigen Stadtvertreter im Bad Doberaner Rathaus sitzt. Bis dahin dürfte das Hotel es auf Grund anderer Maßnahmen geschafft haben, erfolgreich zu laufen und das aber mit der Sperrung begründen. Nachvollziehen kann das letztlich niemand, außer Professor Benkenstein, den diesmal aber die Stadt beauftragen müsste, da sie ja die Straße wieder haben möchte.

 

Professor Benkenstein bekräftigt noch einmal vor den Stadtvertretern die Richtigkeit ihrer Entscheidung.
Falls sie es sich anders überlegen?

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 09. Dezember 2006  |  Stadt und Land

Doberaner fährt 39-mal im Jahr nach Heiligendamm

Bad Doberan Vor der Stadtvertretung stellte Prof. Dr. Martin Benkenstein sein Gutachten zur Entwicklung des Kempinski Grand Hotels vor. Die Auslastung sei unbefriedigend, 30 Monate in drei Jahren unter 50 Prozent. Das Fazit von 25 Gäste-Interviews, der Befragung von 300 Doberanern und Expertengesprächen: Schließung der Hotelanlage, attraktives Umfeld, Verkehrsberuhigung und vernünftige Strandbewirtschaftung. Für Tagesgäste soll Heiligendamm erlebbar werden. An besucherstarken Tagen sollen Führungen angeboten werden.

Interessant: Der Bad Doberaner fährt im Jahr durchschnittlich 39-mal nach Heiligendamm.

R. P.
 

 

Nun, ich Bad Doberaner fahre wahrscheinlich im Jahr öfters nach Heiligendamm. Darf ich jetzt auch Gutachten erstellen? ;-)

Die Zeitung hätte schon dazu schreiben müssen, was er da tut, damit es interessant wird: Baden, sich sonnen, spazieren gehen,

Rad fahren, Eis oder Kuchen essen, im Imbissgarten einkehren, Fotos machen? Oder ins Hotel gehen? Ach ja: Oder an seinem Gutachten arbeiten?

Überlassen wir das also der ECH. Hier das Interview der Zeitung "Zukunft Heiligendamm":
 

 

Die ganze Region profitiert

VON THOMAS BOLTE


➔ INTERVIEW Prof. Dr. Martin Benkenstein über die wirtschaftliche Bedeutung des Grand Hotels – und was die weiteren ECH-Projekte der Region bringen.
 

Zukunft Heiligendamm:
Herr Professor Benkenstein, Sie haben die wirtschaftliche Bedeutung des Grand Hotels Heiligendamm (GHH) unter die Lupe genommen. Welche handfesten Vorteile ergeben sich durch das Resort für Heiligendamm, Bad Doberan und die ganze Region?
 

Benkenstein:
Der wirtschaftliche Nutzen ist groß. An erster Stelle bietet das GHH mehr als 300 Angestellten einen Arbeitsplatz.
Über 90 Prozent der Angestellten kommen aus dem näheren Umland, also dem Landkreis Bad Doberan und aus der Hansestadt Rostock.
Somit ist das GHH einer der größten touristischen Arbeitgeber in der Region. Neben diesen Arbeitsplatzeffekten sind aber auch Steuereffekte zu beachten. Die durch das Hotel erwirtschafteten Umsatz- und Lohnsteueraufkommen kommen zunächst dem Land Mecklenburg-Vorpommern zugute, fließen aber – zumindest teilweise – über Verteilungsschlüssel wieder zurück in die Gemeindekassen.
Von der zu zahlenden Grundsteuer und der erhobenen Kurabgabe profitiert die Stadt Bad Doberan hingegen direkt.


Zukunft Heiligendamm:
Seit einigen Jahren stockt der Ausbau in Heiligendamm. Welche Folgen hätte eine Schließung der Hotelanlage?


Benkenstein:
Ein Scheitern des Projekts hätte schwerwiegende Folgen für die Region und das gesamte Land Mecklenburg-Vorpommern.
Die von mir angesprochenen Arbeitsplätze würden wegfallen, nicht unerhebliche Steuereinnahmen würden fehlen.
Und schließlich würden natürlich auch Aufträge des Hotels an Unternehmen und Handwerkern in der Region wegbrechen.
Mindestens genauso schädlich wäre der Imageschaden. Denn die Hotelschließung wäre ein Signal, dass der Fünf-Sterne-Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern keine Zukunft hat. Mit fatalen Folgen: Weitere Investitionen von Wettbewerbern würden ausbleiben und zahlungskräftige Touristen woanders urlauben.
 

„In der Spitze sind bis zu 1000 Beschäftigungsverhältnisse in Heiligendamm möglich.“


Zukunft Heiligendamm:

Umgekehrt gefragt: Welche Vorteile ergeben sich für die Region, wenn die ECH ihre geplanten Projekte realisiert?

Benkenstein:
Vom Erfolg des gesamten Projekts würden die Region und Mecklenburg-Vorpommern als Tourismusland profitieren. Durch die Positionierung als Thalasso- und Ayurveda-Zentrum könnte Heiligendamm den Anspruch Mecklenburg-Vorpommerns als künftiges Gesundheitsland Nummer eins mit Leben füllen. Mit den weiteren Investitionsvorhaben wie etwa dem Demmler-Palais, dem Demmler-Park, der Klinik für plastische Chirurgie oder dem Konferenzzentrum entstünden – über Jahre – rund 300 Arbeitsplätze im Bau- und Bauausbaugewerbe. Nach Fertigstellung des Gesamtprojekts wären in der Spitze bis zu 1000 Beschäftigungsverhältnisse in Heiligendamm möglich.
 

Zukunft Heiligendamm:
Was bedeutet das konkret für die Stadt Bad Doberan?


Benkenstein:
Neben den direkt in den verschiedenen Einrichtungen geschaffenen Arbeits- und Ausbildungsplätzen
würden durch die wachsenden Gästezahlen auch bei den Zulieferern sowie im Gastronomie- und Gewerbebereich neue Arbeitsplätze entstehen. Durch all diese Entwicklungen würden sich positive Effekte bei allen Steuerarten, bei den Pachteinnahmen und den Kurabgabezahlungen für die Stadt Bad Doberan

ergeben. Langfristig würden auf diese Weise nicht nur die Touristen und die im Tourismus beschäftigten Arbeitskräfte,sondern ein Großteil der ortsansässigen Bevölkerung von den Entwicklungen in Heiligendamm profitieren.


Zukunft Heiligendamm:
Welche Wirkung hätte eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens auf das allgemeine Wirtschaftsklima in der Region?


Benkenstein:
Eine erfolgreiche Realisierung des Gesamtprojekts würde das Investitionsklima in der Region insgesamt positiv beeinflussen. Und dies betrifft nicht nur direkt mit dem Projekt verbundene Folgeinvestitionen. Darüber hinaus dürfte sicherlich auch an anderen neuen Vorhaben in der Region ein erhöhtes Interesse bestehen, so dass eine Vielzahl weiterer Arbeitsplätze entstehen würde. So könnten das Thalasso- und das Ayurveda-Zentrum beispielsweise als Leuchtturmprojekte dazu beitragen, die Entwicklung der Region zu einem beliebten Ziel für Gesundheitssuchende voranzutreiben.


Zukunft Heiligendamm:

Liegt die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns im Tourismus?
 

Benkenstein: Die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns liegt in mehreren Branchen. Aber unter diesen Branchen ist der Tourismus ein ganz wesentlicher Sektor, den wir in unserem Lande in sämtlichen Spielarten und Marktsegmenten entwickeln müssen. Und dazu zählt neben dem Campingplatz und der Ferienwohnung auch die Vier- und Fünf-Stern-Hotellerie.

 

Prof. Dr. Martin Benkenstein ist Direktor des Instituts für Marketing & Dienstleistungsforschung an der Universität Rostock.


Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Redaktion "Zukunft Heiligendamm" der EntwicklungsCompagnie Heiligendamm GmbH & Co. KG (3. Ausgabe Juli 2009)
 

 

 

Verwirrung um den Stichweg

 

Scheinbar weiß man nur vor Ort, was eigentlich Sache ist. Die Ostsee-Zeitung meldet korrekt, was beschlossen wurde aber beim Norddeutschen Rundfunk herrscht Verwirrung. Hier die Meldungen des NDR zwischen 07. und 16.12.2006 zum Problem "Stichweg":

 

 

Meldung Nummer eins:

Deutschlands ältestes Seebad Heiligendamm wird nicht für Tagestouristen gesperrt. In Bad Doberan stimmte die zuständige Stadtvertreterversammlung gegen eine von der Kommune geplante Schließung des Stichwegs vom Bahnhof zum Kempinski Grand Hotel. Der historische Kern des Ortes wäre so nicht mehr frei zugänglich gewesen. Der Plan der Verwaltung sah vor, dass gesamte Gebiet um das Luxushotel, das Kurhaus und die angrenzende Klinik zum Kurgebiet zu erklären, das nur von Kur- und Hotelgästen betreten werden darf. Nach Angaben Polzins beginnt jetzt der Planungsprozess unter neuen Bedingungen. Dazu gehöre nach dem Beschluss auch, dass die Straßen am geplanten Thalasso-Zentrum offen gehalten werden sollen.

Bis Mitte 2006 müssten die Planungen abgeschlossen sein und Regelungen gefunden werden, die alle Beteiligten zufrieden stellten. Ein Antrag der Bürgerinitiative, einen Bürgerentscheid durchzuführen, wurde von den Stadtvertretern abgelehnt. Dass der Hotelbetreiber das Gelände nun durch noch mehr Exklusivität aufwerten will, liegt auch an der mangelnden Auslastung der Luxusanlage. Das Hotel arbeitet nach eigenen Angaben nicht Kosten deckend. Ein Gutachten im Auftrag des Investors fordert sogar noch mehr: Das Hotel soll einen exklusiven  Strandabschnitt bekommen, für einen Besuch der Promenade sollen Gäste Kurtaxe zahlen.

 

Meldung Nummer zwei:

 

 

Das Jahr geht zu Ende. Ohne Positiv-Schlagzeile.

 

Möglicherweise gibt es einfach nichts positives zu berichten. So versucht man sich in ein paar Stilblüten:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 12. Dezember 2006  |  Titelseite

Schweriner IHK-Chef verblüfft mit G8-Idee

Eine Villa für jedes Gastland

Hohe Kosten belasten das Land und den Investor Fundus in Heiligendamm. Jetzt lässt ein unkonventioneller Vorschlag aufhorchen.

Schwerin (OZ) Beschert der G8-Gipfel Heiligendamm doch noch eine rosige Zukunft? Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin, Klaus-Michael Rothe, sorgt mit einer spektakulären Idee zur Sanierung der „Weißen Stadt am Meer“ für Aufsehen.

Der Vorschlag: Die sieben als „Perlenkette“ bekannten, maroden klassizistischen Strandvillen in Heiligendamm sollen jeweils an einen der sieben ausländischen Gipfel-Staaten verkauft werden. „Das Weltwirtschaftstreffen bekäme tatsächlich eine nachhaltige, positive Wirkung für unser Land“, wirbt Rothe in einem Brief an die OZ für seinen unkonventionellen Vorstoß.

Der Besitzer der Villen, die Kölner Fundus-Gruppe von Anno August Jagdfeld, müsse einsehen, mit dem bisher umgesetzten Projekt im „Hinterhof“ des Kempinski Grand Hotels gescheitert zu sein, schreibt Rothe. Das historische Ensemble, „eine der schmerzlichsten architektonischen Wunden in Mecklenburg-Vorpommern“, sei für ausländische Investoren von ungeheurem Reiz.
Es sei nach einer Renovierung langfristig vielfältig nutzbar.

Diplomatische Vorauskommandos aller G8-Teilnehmer machten sich in den vergangenen Wochen bereits ein umfangreiches Bild von den Bauten im ältesten deutschen Ostseebad.

In Tokio zeigt man sich hellauf begeistert. Für den japanischen Botschafter in Berlin, Tshiyuki Takano, wäre der Kauf einer Immobilie in Heiligendamm „eine Überlegung wert“. Japan macht Verhandlungen jedoch von konkreten Angeboten abhängig. Bevor kein Exposé vorliege, könne seine Regierung keine Entscheidung treffen, betonte die Botschaft in Berlin-Tiergarten.

Auch London zeigt sich von den klassizistischen Bauten beeindruckt. Der britische Botschafter Sir Peter Tory verweist allerdings auf die leere Staatskasse des Vereinten Königreichs: „Gut gemeint, aber zurzeit nicht realisierbar. Für sanierungsbedürftige Villen fehlt uns einfach das Geld.“ Ähnlich äußerte sich der französische Botschafter Claude Martin. US-Konsul Greggory D. Crouch antwortete kurz und knapp: „Wir planen nicht, Grundeigentum in MV zu erwerben.“

Im Gegensatz zu zahlungskräftigen russischen Konzernen, die offensiv und medienwirksam in ganz Europa auf Einkaufstour gehen, verhält sich die russische Botschaft in Sachen Heiligendamm bedeckt. Botschafter Wladimir W. Kotenew schweigt hartnäckig – und nährt damit Gerüchte, nach denen Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich Interesse am Immobilienerwerb in Heiligendamm bekundet habe. Italien lobt höflich „den symbolischen Wert des Vorschlags“, so Botschafter Antonio Puri Purini diplomatisch.

Während sich Fundus-Sprecher Johannes Beermann auf OZ-Anfrage zu einem möglichen Verkauf nicht äußern wollte, erklärte eine Sprecherin von Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD): „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Interesse von Seiten des Investors gibt, die Strandvillen in Heiligendamm zu verkaufen.“

JÖRG KÖPKE

 

 

Herr Rothe wollte auch mal was sagen. Zumindest war es lustig. Wenn ausländische Investoren tatsächlich "ungeheuer gereizt" wären, hätten sie sicherlich schon bei der ECH angefragt und da diese eh noch kein endgültiges Konzept und inzwischen auch kein Geld für die Sanierung hat, würde sue sicherlich verhandlungsbereit sein. Letztlich läuft es 2009 ja auch auf einen Einzelverkauf hinaus. Wenn auch nicht Haus für Haus, sondern Wohnung für Wohnung.


 

Die ECH sagt Danke.

 

Gut, sagt sie nicht. Aber sie begrüßt die Entscheidung und ist erleichtert, nach diesem schweren Jahr.
Am Ende hat sie alles erreicht, was ihr unter den Nägeln brannte und wurde nicht zu Dingen gezwungen, die sie nicht wollte. Die Sanierung der Perlenkette erfolgte auch 2006 nicht - trotz einiger positiver Beschlüsse der SVV.
Aber das kommt noch - ein paar Beschlüsse fehlen noch. Verspricht die ECH und beruhigt auch die Vermieter und ihre Gäste, bevor sie sich in die Weihnachtsferien verabschiedet. Doch eine Positivschlagzeile?

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 15. Dezember 2006  |  Stadt und Land

ECH wertet Absage an Stichweg positiv

Heiligendamm Die Entwicklungscompagnie Heiligendamm begrüßt die Entscheidung der Doberaner Stadtvertreter, den Stichweg vorerst nicht zu bauen. „Der knappe Ausgang ist ehrlich, denn nicht jeder steht auch mit seinen Gefühlen dahinter, dass sich der Charakter des ältesten deutschen Seebades verändern wird. Die historischen Gebäude werden wie das Grand Hotel in den kommenden Jahren restauriert, es entstehen weitere Gastronomieangebote und Gewerbeflächen.

Davon profitieren dann auch die privaten und gewerblichen Vermieter und deren Gäste“, sagt ECH-Geschäftsführer Heiner Zimmermann. Planungssicherheit für die nächsten Abschnitte wirke sich positiv auf potenzielle Investoren aus.
 


 

Die Professor-Vogel-Straße ist gesperrt und der Stichweg ist vom Tisch.

 

Die ECH hat ihre wichtigsten Forderungen Dank eines Gutachtens durchgesetzt gekriegt: Der Küstenwald wird zum Hotelpark. Der Küstenweg wird verlegt. Die Professor-Dr.-Vogel-Straße ist gesperrt und wird Stück für Stück eingezogen und der Stichweg wird zumindest die nächsten 5 Jahre nicht gebaut. Was genau bedeutet das für den Tagesgast, den Standard-Touristen, den Kurgast oder den Einwohner? Wir sehen uns das einmal ganz genau an:


 


Wo geht's denn hier zum Wasser? Schauen wir uns mal vor Ort um:
 

Einer der Wege von der Kühlungsborner Straße zur Promenade führte am Kurhaus vorbei.
Dieser Weg wurde kurz nach Eröffnung des Grand Hotels geschlossen, weil er direkt an der Kurhausterrasse vorbei führt und die Touristenströme sich dadurch direkt durch das Hotelgelände ergossen. Nicht nachvollziehbar ist das Argument, welches angeblich erbracht worden sein soll, wonach die Hotelgäste sich durch die Touristen gestört fühlten. Es war die Rede von halb nackten Menschen, lauten Scharen und sogar von furzenden und rotzenden Anglern. Ob das so wahr ist, sei dahin gestellt.

Ein nachvollziehbares Argument wäre es gewesen, wenn man gesagt hätte, dass der öffentliche Durchgang die Logistik des Hotels behindert und eine Gefahr auf Grund umherfahrender Elektromobile darstellt. Das erste Bild ist von 2005 und das zweite von 2008.
 


Die Vorverlegung des Zaunes erfolgte, damit die Hotellogistik besser zwischen den Hauptgebäuden und dem westlichen Areal (Burg, Orangerie) verkehren kann. Bisher musste sie neben dem Kurhaus auschecken um gleich darauf dahinter wieder einzuchecken. Durch die Vorverlegung des Zaunes bleibt auf der Breite des ehemaligen Bürgersteiges Platz für eine Verbindung vom Grand Hotel zum Westareal. So mussten die Elektroautos nicht mehr vor dem Kurhaus entlang fahren, wozu sie ja auch erst am Findling auschecken, im öffentlichen Bereich entlang fahren und dann am Kleinen Wohld wieder einchecken mussten.

Um zu vermeiden, dass Fußgänger versuchen, von der Kühlungsborner Straße zum Ensemble zu gelangen und dabei die Straße in der Kurve überqueren, wurde im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung ein durch die ECH bezahlter Zaun vom Parkplatz in der Kühlungsborner Straße bis hin zur Orangerie gezogen.

Der Zaun kann ist lückenlos und kann nicht so einfach unterkrochen oder überklettert werden.
 


Zwischen dem Grand Hotel und dem Severin-Palais verläuft die Professor-Vogel-Straße.
Wie wir oben gelesen haben, war diese zunächst öffentlich.
Da sie die einzige Straße durch das Ensemble hindurch und die offensichtlichste Verbindung darstellte,
 war sie stark frequentiert. Zunächst wurde mit Schildern versucht, wenigstens Unfälle durch Radfahrer zu verhindern.

Das blaue Schild im linken Bild ist eine Eigenkreation, die Radfahrer zum Absteigen auffordert.
Da das Schild nach StVO nicht existiert, konnte man nur mit freundlichen Bitten
des Wachdienstes die Radfahrer daran hindern, durch die Straße zu fahren. Der Erfolg war nur mäßig.

An dieser Stelle gab es grundlegende Probleme:

Die Hotelgäste verkehrten zwischen Grand Hotel und Severin Palais, überquerten also die Straße.
Die Touristen hingegen verkehrten in genau entgegen gesetzter Richtung und nutzten die Straße.

Ich rede hier nicht von ein paar Leuten, die sich irgendwann mal zufällig über den Weg laufen,
sondern von einer Frequentierung wie in Bad Doberaner Geschäftsstraßen.
Versuchen Sie einmal, werktags vormittags vom Markt kommend
geradewegs  ins Rossmann zu gehen, ohne dabei das Tempo zu verändern.
Dann wissen Sie, was ich meine.

Hier in Heiligendamm kam nun noch erschwerend hinzu,
dass nicht nur Fußgänger diesen Weg benutzten, sondern auch unbelehrbare Radfahrer.

Damit nicht genug: Auch die Elektrofahrzeuge, die zwischen dem Versorgungstrakt an der Median-Klinik
und dem Severin-Palais pendelten, nutzten diese Straße. Zu allem Überfluss stellte die Straße dann noch ziemlich
alternativlos den Haupteingang des Hotels dar, sodass auch noch Autos, Kutschen und Lieferanten das Stück Straße benutzten.
Das ging lange gut aber mit zunehmender Bekanntheit und abnehmender Qualität der Alternativ-Wege (die wir uns gleich ansehen) wurde der Zustand unhaltbar.
 


Die Stadt stimmte der Teileinziehung der Professor-Vogel-Straße zu.
Danach wurden dann Tore errichtet, sodass von der Perlenkette aus kein Zugang mehr möglich war.
Man konnte nur noch zurück oder nach rechts, wobei der Weg rechts zum Kurhaus-Eingang führt,
welcher wie wir oben gesehen haben auch gesperrt ist.
 


Zunächst ging der Zaun nur bis zum hellen Kubus,
welchen Sie auf dem unteren Bild hinter dem Zaun neben dem Weg sehen.
Später wurde ein Teil der Promenade abgetragen und die Grünfläche verlängert.

So bekam man einen Durchgang vom Kurhaus zum Westteil des Ensembles,
wofür man bisher durch das Gebäude hindurch oder aus- und wieder einchecken musste.
Das erfolgte alles zu Gunsten der Hotelgäste und Hotellogistik, ist aber (für mich) durchaus nachvollziehbar.
 


Nun ergibt sich allerdings seit 2008 ein neues Problem für alle Nicht-Hotelgäste:
Dieser Zaun - der wie gesagt durch die Stadt genehmigt und von der ECH bezahlt wurde -
beginnt dort, wo die (überflüssig gewordene) Zufahrt zum Severin-Palais aufhört und ist schwer einsehbar.
Ein Schild weist seit Ende 2008 darauf hin, dass es sich um einen Gästezugang handelt.

 


 Folgt man diesem Weg, gelangt man - bei unserem Besuch vorbei an Hundekot auf dem Weg - zu diesem Tor.
 


Das Problem: Das Tor kann nur mit einer Chipkarte geöffnet werden.

Und zwar von beiden Seiten.
Das bedeutet, dass Sie als Nicht-Hotelgast nicht nur nicht hinein kommen, sondern auch nicht heraus.

Man gelangt von hier aus nur hinein, wenn man eine Karte hat oder jemand mit Karte heraus kommt oder hinein geht.

Mit etwas Glück erwischt man auch einen Mitarbeiter - es werden i. d. R. keine Fragen gestellt, wenn man sagt,
dass man hinein oder heraus will.

 

 

Wir haben das selbst durch (siehe "16.08.2008 - Wir testen die Öffentlichkeit in Heiligendamm." - im neuen Fenster)
und daher kommt auch das Bild unten links. Es blieb uns nichts anderes übrig, als dass wir uns allesamt von außen
auf einer fußbreiten Kante am Zaun lang hangeln - den Straßenverkehr direkt neben uns.
 


Das Hauptproblem ist dabei aber, dass man nur eine Karte bekommt,
wenn man im Hotel irgend etwas bucht.
 

Sei es ein Zimmer oder auch nur eine SPA-Anwendung.
Als Gast der Bars, Cafés und Restaurants bekommt man so eine Karte nicht und wenn man -
wie die meisten Leute, die so etwas besuchen - das Hotelgelände von der Seeseite aus betritt
was auch hier nur mit Karte oder durch geduldiges Warten auf Ein- oder Auschecker möglich ist -
kommt man hier nicht problemlos wieder heraus.
 


Kommen wir nun zu den Alternativen.
Alternative Nummer eins ist die Seedeichstraße, welche sich in 517 Metern Entfernung ostwärts befindet.

Über diese Route ist man nach 1,05 km am Parkplatz und kommt von hier aus wieder in die Professor-Vogel-Straße.

Bis zum Zaun am Grand Hotel sind es insgesamt 1,48 Kilometer.
Das bedeutet, man geht 1,48 Kilometer, um sich in 30 Metern Entfernung wieder zu finden.

 

Es gab aber bislang eine kürzere Alternative:

 

147 Meter rechts neben dem - also östlich der - Professor-Vogel-Straße ging seit je her ein Weg
durch den Großen Wohld. Der Weg beginnt am Bahnhof, führt am Parkplatz in der Kühlungsborner Straße
und an der Bushaltestelle vorbei, überquerte die Kühlungsborner Straße zunächst durch einen Fußgängerüberweg
(Zebrastreifen) und später durch eine Lichtsignalanlage (Ampel) und führt dann durch den Großen Wohld.

Hier konnte man an zwei Kreuzungen jeweils einmal nach links und einmal nach rechts abbiegen.

Die beiden Wege nach links führten zum Sportplatz und entfielen mit dem Bau des Severin-Palais an dieser Stelle.
Die beiden Wege nach rechts - zur Seedeichstraße und zur Waldkapelle - blieben bestehen.
Geradeaus gelangte man neben dem Postgebäude zwischen den Kolonnaden und
dem Residenz-Hotel auf die Professor-Vogel-Straße in Höhe des Hauses "Schwan".
Von dort aus konnte man rechts zur Seedeichstraße und Strandversorgung gelangen oder links
zur Seebrücke und Promenade.

 


Da die meisten Leute die Seebrücke zum Ziel hatten und der Besucherstrom
sich direkt am Grand Hotel vorbei ergoss und zwischen der Villa "Perle"
und dem Grand Hotel auf den Seebrückenplatz mündete, erdachte man sich eine List:
Man stellte Schilder auf, welche die Seebrücke und den Strand nach rechts auswiesen.


Die Schilder standen weit vor der Perlenkette, sodass Ortsunkundige
den "Irrtum" nicht bemerkten und tatsächlich zur Seedeichstraße liefen.
Auch die Radfahrer erhoffte man sich so umzulenken. Zur Sicherheit stellte man dasselbe Schild
noch einmal direkt an der Einmündung in die Professor-Vogel-Straße an der Villa "Schwan" auf.

Bis zum Abriss der Villa "Perle" verdeckte diese den Blick zur Ostsee und Seebrücke,
sodass die Rechnung aufging und sich die Touristenströme ungefähr gleichmäßig
in beide Richtungen ergossen. Diese Schilder wurden wohl gemerkt von der Stadt Bad Doberan aufgestellt
und nicht von der ECH, die sie aber begrüßt haben dürfte, da sie die Touristenströme vom Hotel-Kerngelände fern hielten.
 


Dieser Weg war hart umkämpft und die Bürger und Bürgerinitiative wollten ihn unbedingt erhalten.

Immerhin gelangte man über diesen Weg schon nach 584 Metern an die Rückseite des eingezogenen
Teilstücks der Professor-Vogel-Straße und ersparte sich gegenüber der Seedeichstraße 464 Meter Fußweg.
Zumal die Seedeichstraße eine schmale Gasse mit Parkreihe darstellte, die sich Fußgänger, Radfahrer
und Autos teilen mussten. Sie wurde erst 2007 saniert und mit Rad- und Fußweg versehen.
 

Die Maße sind übrigens alle nur ungefähr - ich habe es mit einem Routenplaner ausgemessen.
2-4 Meter Unterschied sind da schon möglich.

 

Nun kommen wir zu unserer obigen Diskussion zurück.

 

Der Kurwald wird so gestaltet, dass der bisherige Weg vom Bahnhof zur Perlenkette verschwindet.
Auf dem folgenden Bild sehen wir den neuen Wegeplan.

 

 

Es entsteht ein meditativer Park mit einem Zentrum rund um die Waldkapelle.
Bachläufe und Zäune werden verhindern, dass man nach Norden in die Professor-Dr.-Vogel-Straße gelangt.
Vom Bahnhof aus kommend gelangt man auf ein Rondell, von wo aus es nur nach rechts in Richtung Osten geht.
Der Weg gabelt sich in einen linken Teil, der zur Seedeichstraße in Höhe der Villen "Eikboom" und "Seeadler"
führt und einen rechten Teil, der zur Seedeichstraße führt und ab dort an einen vorhandenen Weg nach Osten anknüpft.
Der rechte Weg verfügt außerdem über eine Abbiegung zur Waldkapelle, von wo aus man dann wieder zur Kühlungsborner
Straße oder auf den gerade verlassenen Weg gelangt.

 

Der kürzeste Weg von der Bushaltestelle Kühlungsborner Straße zur Seebrücke betrug bisher 456 Meter.
Durch den Wegfall der Direktverbindung verlängert sich der kürzeste Weg um 409 auf 865 Meter.

Das ist fast die doppelte Strecke. Ich gehe dabei davon aus, dass man nicht quer über den Parkplatz läuft,
sondern dem Bürgersteig der Seedeichstraße bis an die Einbiegung in die Professor-Dr.-Vogel-Straße folgt.
Weiterhin gehe ich davon aus, dass man ab dort nicht durch die Professor-Dr.-Vogel-Straße geht,
sondern die Promenade benutzt. In Zukunft wird es durch die Thalasso-Schwimmhalle und die Sperrung
der Professor-Dr.-Vogel-Straße gar keine andere Möglichkeit geben.

 

 

Womit wir an einem Punkt angelangt sind, wo wir uns die Entwicklung
der Wegesituation Heiligendamms noch einmal auf der Landkarte ansehen sollten.

 

Dazu habe ich mich der Karte des Masterplans der ECH bedient.
Zur Orientierung: Gebäude 1 ist das Grand Hotel, 2 das Severin-Palais, 3 das Kurhaus,
4 das Haus Mecklenburg, 5 die Burg, 6 die Orangerie, 7 Haus Brahn (Kids Club),
8 ein noch zu bauendes Konferenzzentrum und der noch zu sanierende Fürstenhof,
9 und 10 sind nicht mit drauf (Forsthof und FAK) und 11 ist das Versorgungsgebäude.
A ist das Ayurveda-Zentrum, B ist nicht mit drauf, C sind die Cottages,
D ist das Demmler-Palais, das an Stelle der Palette irgendwann gebaut wird,
E beherbergt heute den Hotel-Parkplatz und wird quasi für spätere Bebauung freigehalten,
F und G sind außerhalb der Karte, H steht für das Residenz-Hotel und Haus Bischofsstab,
I und J sind nicht mit drauf, K sind die Kolonnaden, L die Logierhäuser der Perlenkette,
M ist der Molli-Bahnhof, N und O gibt es nicht, P ist ein dem Ayurveda-Zentrum vorgelagerter Neubau, d
er plastische Chirurgie beherbergen soll  (wozu auch "Eikboom" und "Seeadler" gehören sollen).
Bleibt noch S und das ist die Median-Klinik.

Schwarz hervorgehoben habe ich hier das Hotelgelände, wie es 2003 eröffnet wurde.
Man sieht, dass es aus zwei Teilen besteht.

 

 

Seit 2006 war dann die Professor-Dr.-Vogel-Straße eingezogen. Zuvor wurde der Kleine Wohld (oben links) gesperrt.
Offiziell war da gar nichts gesperrt aber ich will hier nicht zeigen, was zum Hotel gehört und was nicht,
sondern was man betreten kann und was nicht. Durch Reisigwälle quer durch den Kurwald war dieser eben nicht zu betreten.


Inzwischen war auch die Schleuse zwischen Median-Park und den Cottages verschwunden.
Da hinderte bis dahin kein Zaun am Durchgang. Nach 2007 kam man dort nicht mehr hindurch.
Auffällig ist außerdem, dass vor dem Kurhaus die Rasenfläche komplett dem Hotel zugeordnet wurde.

 

 

Auf dem nächsten Bild muss man genau hinsehen, um die Veränderungen zu erkennen.
Heiligendamm 2008: Vor dem Haus "Mecklenburg wurden 60 Meter Promenade zum Hotelpark umgewandelt
und sind damit nicht mehr öffentlich zu betreten.

 

 

Genau genommen sind aber alle, die solche Karten zeichnen einem Irrtum aufgesessen.
Genau genommen gehört nämlich auch die Perlenkette selbst zum Hotel und darf nicht betreten werden.
Auch die Kolonnaden und das Residenz-Hotel sind eingezäunte Gebiete und ebenso der Streifen Brachland zwischen
dem Parkplatz und dem Wald an der Seedeichstraße / Professor-Vogel-Straße. Ich habe das hier mal eingezeichnet.

Selbst da habe ich aber noch Dinge außer Acht gelassen.
Auch die Villen Eikboom und Seeadler sind eingezäunt, der Fürstenhof samt Außenanlage
darf eigentlich nicht betreten werden, ja sogar die Grünfläche vor der Median-Klinik wäre eigentlich tabu.
Der Park der Median-Klinik ist den Patienten vorbehalten und auch die Grundstücke und Gärten der ganzen Gartenstraße
sind ja privat. Eigentlich bleiben nur Wald und Straßen und selbst hier darf oder kann man nicht überall hin.
Ich weise nur darauf hin, weil sonst die nächste Karte Sie erschreckt. Also Stand 2008 ist eigentlich diese Karte:

 

 

Hier kommt nämlich Stand 2009 oder 2010 oder 2011... - also wenn es denn was wird.
Fakt ist, dass es keinen Weg mehr durch den Großen Wohld zur Professor-Vogel-Straße gibt.

 

Mit der Sanierung derselben würde natürlich auch die Straße eingezogen werden,
sodass der Weg zur Seebrücke nur noch über die Seedeichstraße verlaufen würde.
 

Mit den Bauvorhaben T (Thalasso-Zentrum) und dem Ensemble-Palais (die beiden Neubauten zwischen
K (Kolonnaden) und H (Residenz-Hotel)) würde alles ab der Seedeichstraße westwärts eingezäunt werden.

Ausnahme bildet der Seebrückenvorplatz und natürlich bleiben auch die Promenade bis dorthin,
die Seebrücke und der Strand frei. Wobei das Hotel die Möglichkeit hätte, einen eigenen Strandabschnitt
zu definieren aber der Besucherverkehr muss davor oder dahinter hindurch kommen.

Wenn nun das Ayurveda-Zentrum und die Plastische Chirurgie irgendwann gebaut werden,
wird auch dieses Areal nicht öffentlich zugänglich sein. Pläne sehen vor, den Golfteich als natürliche Grenze zu nutzen,
um nicht alles einzäunen zu müssen. Nebenbei würde so die kleine Halbinsel auch zum Hotelgelände gehören.

Das Café und der Parkplatz bleiben ausgespart und hier würde ein Strandversorgungspavillon entstehen,
der die dann abgerissenen Öffentlichen Toiletten und die Gastronomie beinhalten soll.
Von hier erfolgt auch der Zugang zur Promenade und zum Strand.

Auf der Promenade kommen Sie dann nur nach Süden, wenn Sie ins Hotel einkehren möchten.
Wie genau, steht noch in den Sternen. Im Moment ist so etwas nur mit Hotelkarte möglich und die bekommen Sie nur,
wenn Sie ein Zimmer oder eine Anwendung (SPA, später Thalasso, Ayurveda, Schönheits-OP) buchen.
Oder eben durch Warten auf Gäste mit Hotelkarte, die hinein oder heraus wollen.

 

 

Auf kurz oder lang wird das Hotel, wenn es ein Resort sein will, das Gelände defragmentieren müssen.
Denkbar sind also weitere Sperrungen. Da die Priorität der Stadtverwaltung darin liegt,
Heiligendamm als Seeheilbad zu erhalten, muss genau genommen der Hotelbetrieb
nur mit dem Kurbetrieb abgestimmt werden.
 

Praktisch gibt es in der Bundesrepublik Deutschland Gesetze, die besagen, dass Strände öffentlich sind.
Genau genommen könnte man also einen Zaun um Heiligendamm bauen, der von den Dünen bis zu den Ortsschildern reicht.
Solange die Bürger den Strand noch benutzen und von wenigstens einer Seite aus (z.B. von Osten) erreichen können,
wäre eine Einzäunung und Absperrung Heiligendamms theoretisch möglich.

Lediglich müsste man die Gartenstraße aussparen oder eine gemeinsame Lösung finden.

Hauptsache ist, dass es eine Kurklinik, einen Kurpark und eine Promenade gibt, die für Kurgäste zugänglich sind.
All das ist gegeben und wäre auch dann gegeben, wenn man Heiligendamm einzäunt.

Alles außer Hotelgäste und Kurgäste könnte dann völlig legal zurück gewiesen werden.

Natürlich ist diese Vision reine Erfindung aber sie ist möglich, da rechtlich nichts dagegen spricht.
Immer die Zustimmung der Stadt und des Landes voraus gesetzt, könnte die ECH jeden Wald
und jede Straße entwidmen lassen und sperren.

Dann blieben dem Tagesgast nur der Strand, die Gartenstraße,
ein bisschen Wald und Wege und ein Blick von außen auf Heiligendamm. 

 

 

Das alles wird nicht passieren, wenn das Hotel läuft und die ECH Heiligendamm entwickeln kann.

 



Fazit 2006: Schott' dich nicht ab, Heiligendamm!



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 2006: Neues Jahr, neue Probleme und die ganze Welt schaut zu.