2004: Neues Jahr...
Neue Wege?
Das vierte - oder
eigentlich ja schon siebte - Jahr in Heiligendamm.
Die Probleme sind
die alten. Nur größer.
Die Lösungen sind
auch die alten.
Nur werden sie jetzt
durchgeboxt:
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OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 11. Februar
2004 | Mecklenburg-Vorpommern
Grand
Hotel Heiligendamm sucht neue Wege
Das Grand Hotel
Heiligendamm fordert eine andere Wegeplanung im Seebad. Nicht mehr
quer durchs Hotel. Sonst seien Arbeitsplätze und weitere Investitionen
gefährdet.
Heiligendamm (OZ) Am Strand spazieren? Ja! An der Straße
entlang? Durchaus. Zu Fuß westlich und östlich des historischen
Ensembles der weißen Stadt an den Strand? Gern. Aber bitte nicht mehr
mitten durch. Das ist das Fazit, das ein Expertenkolloquium der ECH
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm gestern bekannt gab. Also exakt
einen Tag, bevor das Expertenkolloquium der Stadt Bad Doberan ihr
Ergebnis über die Bauplanung bekannt gibt.
Nicht so neu. Nun aber stellt ECH-Geschäftsführer
Heiner Zimmermann klar, dass die Existenz der Anlage gefährdet ist,
wenn die Bauplanung nicht in die Richtung geht, die ECH sich
vorstellt. Denn: Dem Grand Hotel bleiben die hochkarätigen Gäste fern,
da die sich von Besuchermassen–5000 Menschen am Tag–belästigt fühlen.
„Begafft wie im Zoo“, wie Zimmermann sagt. „Kein Resort-Hotel der Welt
ist durchlässig wie ein Schweizer Käse. Nur Heiligendamm.“ So hätte
das Grand Hotel keine Wettbewerbschance.
Zaun drum, fertig–das geht nun mal nicht. Erstens,
weil das nicht der feinen englischen Art entspricht, die das Grand
Hotel pflegt. Und zweitens, weil während der Verhandlungen mit der
Fundus-Gruppe, die das Ensemble gekauft hat, festgelegt wurde: Die
weiße Stadt bleibt öffentlich. Die Wege quer durch den Hotelkomplex
sind städtisch.
Nun ist das Dilemma da. Zimmermann sagte deutlich,
dass mit der jetzigen Lösung das Hotel in seiner Existenz gefährdet
sei. Ohne andere Bauleitplanung werden weitere 250 Millionen Euro für
Thalassoanlage, Ayurveda-Zentrum, Klinik für plastische Chirurgie und
Ensemble-Palais nicht investiert. Damit würden die bis zu 700
Arbeitsplätze, die langfristig entstehen sollen und die 15
Ausbildungsplätze, die für 2004 geplant sind, ebenfalls wegfallen.
Johannes Beermann, Sprecher der Fundus-Gruppe, sagt.
„Die Stadt muss abwägen, was wichtiger ist: Erhalt des Hotels und der
Arbeitsplätze oder die Gewohnheiten von ein paar Einwohnern.“ Und zwar
bald. Denn Fundus will schon für diese Saison eine andere Lösung. Die
Planung solle bis Mai abgeschlossen sein, damit bis zum Sommer die
neue Wegeführung realisiert werden kann, fordert ECH. Dann könnten
auch weitere Bauprojekte angeschoben werden. Vorher nicht.
Ziel von Fundus ist es, neben der Beruhigung des
Spaziergänger-Verkehrs auch eine Beruhigung des fahrenden Verkehrs zu
erzielen, da im vergangenen Sommer Massen von Autos auf
Sightseeing-Tour direkt am Hotel vorbeifuhren. Sehr zum Ärger der
Gäste, die dort Ruhe und Erholung suchen.
Daher sollen drei neue
Parkplätze westlich und östlich des Seebades und im Zentrum südlich
vom Molli-Bahnhof ein unterirdisches Parkhaus gebaut werden. 800
Stellplätze insgesamt. Außerdem ist ein Shuttle-Service vom
Rennbahn-Parkplatz angedacht. Knapp einen Kilometer westlich der
jetzigen Seebrücke soll eine zweite gebaut werden. Für Tagesgäste und
Einwohner.
Im Gegenzug erwarten die Hotelbetreiber, die Wege
über ihre Anlage den Hotelgästen vorbehalten zu dürfen und das mit
„weichen“ Lenkungselementen wie Hecken, Mäuerchen und Stufen zu
steuern.
MICHAEL MEYER
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Es werden immer mehr
Arbeitsplätze, die da gefährdet sind. FUNDUS erpresst im Prinzip die
Stadt:
Entweder nach unserer
Pfeife oder es passiert hier nichts mehr.
Die Entscheidung
fällt schwer: Will FUNDUS investieren und kann nicht oder kann FUNDUS
investieren aber will nicht?
Lesen Sie noch
einmal:
"Johannes Beermann, Sprecher der Fundus-Gruppe, sagt.
„Die Stadt muss abwägen, was wichtiger ist: Erhalt des Hotels und der
Arbeitsplätze oder die Gewohnheiten von ein paar Einwohnern.“
Und zwar
bald. Denn Fundus will schon für diese Saison eine andere Lösung.
Die
Planung solle bis Mai abgeschlossen sein, damit bis zum Sommer die
neue Wegeführung realisiert werden kann, fordert ECH.
Dann
könnten auch weitere Bauprojekte angeschoben werden. Vorher nicht."
Lässt die Stadt sich
erpressen?
Es stimmt aber, dass
viele Autofahrer nur zum Gucken durch Heiligendamm fuhren. Da könnte man
aber verkehrstechnisch reagieren, indem man die Ortsdurchfahrt einfach
sperrt und an die Enden Parkplätze errichtet, die aber weit genug vom
Ensemble entfernt sind oder von denen aus man auf Grund eines
Sichtschutzes nicht auf das Ensemble blicken kann. Durch die touristische
Erschließungsstraße wäre Heiligendamm trotzdem von Osten und Süden aus
erreichbar und auch die Verbindung nach Börgerende wäre problemlos
möglich. Wobei man die ja gar nicht durch Heiligendamm führen muss,
sondern den Durchgangsverkehr auch auf den Kreisel der Dammchaussee ziehen
könnte. Wie man aber sieht,
geht es gar nicht darum, die Tagestouristen zu integrieren, sondern darum,
sie auszusperren. Das ist für die ECH der einfachste Weg - zumal die Stadt
mit den Alternativen nicht voran kommt.
Kurz darauf passiert
etwas ganz Bedeutendes:
Planer, Investoren,
Stadtverwalter, Träger öffentlicher Belange und Anwohner treffen sich zum
Expertenkolloquim:
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OSTSEE-ZEITUNG |
Donnerstag, 12. Februar
2004 | Titelseite Bad Doberan
Alle friedlich an einem Tisch
Expertenkolloquium geht in die
zweite Runde
Planer, Investoren, Stadtverwalter, Träger öffentlicher Belange,
Anwohner – sie alle kamen in der neuen Sporthalle zusammen und
diskutierten, wie die Konflikte in Heiligendamm zu lösen sind.
Bad Doberan „Heute ging es vor allem für die Moderatoren darum
zu fühlen, wie die Lage bei allen Beteiligten ist. Ich glaube, diese
Veranstaltung bringt uns weiter“, urteilt Mathias Goldberg aus Bad
Doberan. Fünfeinhalb Stunden stellten gestern Vertreter von vier
Planungsbüros ihre ersten Entwürfe zur Lösung der Konflikte in
Heiligendamm vor und hörten sich danach Anregungen aller betroffenen
Parteien an.
Sehr ähnlich waren die Vorstellungen der zwei Büros, die die die
Heiligendammer Investoren beauftragt hatten: Sie sehen den Bau einer
zweiten Seebrücke nördlich des Golfteichs vor, an deren Fuß ein
Zentrum für Tagesbesucher mit Café, Imbiss, Touristinformation steht.
Um die „Weiße Stadt“ soll ein öffentlicher Rundweg führen. Das Areal
innerhalb dieses Wegs soll den Hotelgästen vorbehalten bleiben. „Es
kann nicht offen bleiben. Unsere Gäste akzeptieren das nicht“,
appellierte Hoteldirektor Thomas Klippstein. Er versprach jedem
Heiligendammer eine Chipkarte, die ihm und seinen Gästen ein Tor durch
die Hotelanlage öffnet. „Aber dort können nicht ganze Busladungen
durch.“
Auch der Entwurf des einen von der Stadt beauftragten Büros
ähnelte stark den bisherigen Bebauungsplan-Vorentwürfen, ließ aber
mehr öffentliche Wege zu. Ganz neue Ansätze brachte das zweite im
Stadtauftrag arbeitende Büro ein:
„Die Perlenkette ist ein stimmiges
Kunstwerk, das im Haus Bischofsstab einen Endpunkt hat“, sagte
Architekt Klaus Petersen. Er will das historische Ensemble allein
stehen lassen, ohne neue Bauten und getrennt von dem Ort, der sich
dahinter entwickelt hat. Als Übergangszone könnten parkähnlich in
Bäume eingebettet, eine zweite Reihe von Neubauten für die
Hotelversorgung eingefügt und dahinter Kleiner und Großer Wohld zu
einem Waldgürtel verbunden werden. Thalasso- und Ayurvedazentrum sieht
Petersen nah am Golfteich. Die Hauptstraße sollte ein Stück verlegt
werden, weg von der „Weißen Stadt“ dicht an den Bahnhof. Wege- und
Straßensperrungen durch Schilder wollen die Lübecker vermeiden: „Man
kann es durch bauliche Gestaltung so hinbekommen, dass jemand weiß, wo
er lang gehen kann und wo er Privatgelände betritt.“ Viel Lob erhielt
der Entwurf, aber auch Kritik fürs Fehlen konkreter Details und
Zweifel an seiner Machbarkeit. „Wir brauchen schnelle Lösungen. Die
Saison geht in zwei Monaten los“, forderten Bürgermeister Hartmut Polzin und Klippstein. Nun müssen die Büros das gestern Gehörte in
ihre Entwürfe einarbeiten, vor allem die Lübecker konkreter werden.
Moderator Volker Zahn sparte am Ende nicht mit Lob und
Optimismus: „Im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen waren sie
erstaunlich diszipliniert. Das lässt hoffen, dass wir zu einer
vernünftigen Lösung kommen.“ OZ informiert Sie über die nächsten
Termine im Rahmen des Expertenkolloquiums.
RENATE SCHUMANN
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Was die Ostsee-Zeitung
nicht weiß:
Dieses
Expertenkolloquim wurde von der Stadt gewünscht und nicht von der ECH.
Die
Stadt möchte alternative Konzepte sehen, weil sie FUNDUS nicht glaubt,
dass das Hotel nur wegen der öffentlichen Wege nicht läuft.
Zumal die
letzte Meldung aus dem Hause Kempinski ja auch positiv war.
Niemand glaubt, dass wenn jemand
ein Projekt so perfekt plant, er diesen wichtigen Aspekt übersehen oder
falsch eingeschätzt hat.
Im Klartext:
Niemand glaubt FUNDUS, die
Tagestouristen im Hotelkonzept einfach vergessen oder unterschätzt zu
haben. Viel mehr glaubt man, dass FUNDUS' Konzept nicht ausgereift ist.
Das Expertenkolloquim soll FUNDUS helfen, ein Konzept zu finden, bei dem
sich Öffentlichkeit und Hotelbetrieb vereinbaren lassen.
Ob das klappt,
weiß die Stadt auch noch nicht. Sie hat zwei unterschiedliche
Planungsbüros beautragt und die ECH beauftragt ihrerseits zwei
Planungsbüros. In der Expertenrunde soll es nicht darum gehen, sich
gegenseitig zu beharken, sondern gemeinsam zusammen mit den vier
Expertengruppen und den Einwohnern und Trägern öffentlicher Belange ein
Konzept für Heiligendamm zu finden. Man will nachholen, was in der
Euphorie versäumt wurde. Ein einmaliges Unterfangen.
Friede, Freude
Eierkuchen?
FUNDUS versteht das
Vorgehen der Stadt nicht als Angebot gemeinschaftlicher Arbeit, sondern
als lästiges Unterfangen. Vielleicht fühlt man sich bei FUNDUS
hintergangen oder man sieht im Vorstoß der Stadt ein Misstrauensvotum oder
ein Zweifel an den Kompetenzen der FUNDUS-Planer oder vielleicht ist man
bei FUNDUS einfach so stur, einmal gemachte Pläne (die ja auch Zeit und
Geld gekostet haben) niemals verwerfen oder auch nur überdenken zu wollen.
Mit der Vorlage der
Pläne am 11. Februar - also schon vor dem Expertenkolloquim - leitete
FUNDUS jedenfalls den Bruch zwischen Stadt und Investor ein:
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 12. Februar
2004 | Mecklenburg-Vorpommern
Heiligendamm im Visier der Gestalter
Heiligendamm sucht
Wege, um Interessen von Grand Hotel und Anwohnern unter einen Hut zu
bringen. Gestern wurden vier Pläne vorgelegt.
Heiligendamm (OZ) Gestern stellten vier Büros die Pläne für die
zukünftige Gestaltung des Seeheilbades Heiligendamm vor mehr als 200
Gästen in Bad Doberan vor. Die Atmosphäre war von gespannter
Aufmerksamkeit geprägt.
Zwei der Architekturteams waren von der
Fundus-Gruppe, dem Kölner Investor in Heiligendamm, beauftragt worden.
Zwei weitere von der Kommune. Während sich der Bürgermeister von Bad
Doberan, Harmut Polzin (SPD), und der Geschäftsführer der ECH
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm, Heiner Zimmermann, zufrieden
zeigten, gingen die Meinungen der Anwohner und Mitglieder der
Bürgerinitiative auseinander.
Polzin sagte:
„Es geht darum, dass ein Ort
funktionieren muss und ein Gewerbebetrieb funktionieren muss.“ Seine
Frage sei, wo das öffentliche Interesse liege. Und der Kern
konzentriere sich auf die Benutzung der öffentlichen Wege durch den
Hotelkomplex. ECH hatte gestern darauf hingewiesen, dass hier klare
Forderungen vorliegen, wenn das Fünfsternehotel erhalten bleiben soll.
Ein Rundweg, der es Besuchern, Tagesgästen und Anwohnern ermöglicht,
zum Strand zu gelangen, aber nicht durch den Hotelkomplex zu gehen.
Werde das nicht realisiert, sei die Existenz des Grand Hotels
gefährdet.
Polzin zeigte sich überrascht, dass Fundus und ECH
einen Tag vor dem Kolloquium an die Öffentlichkeit gegangen sind und
kurzfristige Lösungen forderten. „Alle Lösungen sind Investitionen von
mehreren hundert Millionen Euro. Die sind nicht in drei Tagen und
nicht bis zum Sommer zu machen“, sagte der Bürgermeister.
Von den Plänen sind die der ECH-Büros identisch:
Abseitige Parkplätze, Verkehrsberuhigung, Lenkung der Besucherströme
außerhalb des Hotels und Neubau einer weiteren Seebrücke östlich in
Richtung Börgerende.
Der Vorschlag eines Lübecker Büros favorisiert die
Einmaligkeit des historischen Ensembles, seinen Erhalt und Integration
in die Natur. Eine Ansicht, die in Bad Doberan Zustimmung fand, da sie
im Kern eine These hat: „Wenn der Raum stimmt, regeln sich die
öffentlichen und private Wege von allein.“ Anke Bitter,
PDS-Fraktionsvorsitzende, sagte: „Ausschlaggebend ist, welche
öffentlichen Wege der historische Kern vertragen kann.“ Dafür müsse
der Ort, so wie es das Lübecker Büro vorsieht, entrümpelt und zugleich
ein Kompromiss gefunden werden, der die verständlichen Interessen des
Investors berücksichtigt. Vollständige Ausgrenzung der Anwohner
scheide jedoch aus.
Für Frank Pieplow (SPD) werde der Ort zu sehr nach
„funktionalen Interessen des Investors strukturiert“. Der Neubau eines
Thalassozentrums am Ende „Perlenkette“ scheide aus. „Das Gebäude
gehört dort nicht hin.“
Zugleich gründete sich eine „Interessengruppe pro
Seebad Heiligendamm“ mit 250 Unterschriften.
Ziel: Bebauung und
Sanierung auf den Weg bringen, Investor unterstützen und Arbeitsplätze
sichern.
Ein Kompromiss ist nicht in Sicht. Am 18. Februar
wollen die Experten sich zu einem weiteren Workshop treffen.
RENATE SCHUMANN und MICHAEL MEYER
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Beginnen wir mit dem
zweiten Artikel: "Zeigte sich überrascht" ist Medien-Jargon und bedeutet
so viel wie "war enttäuscht" oder "war sauer". Und er hat allen Grund
dazu, denn FUNDUS und die ECH hatten versucht, die Pläne der teuer
bezahlten Experten, die die Stadt beauftragt hatte durch die eigenen Pläne
vorweg zu nehmen.
Hier dürfte der
Bruch zwischen Stadt und ECH zu suchen sein.
Das Vertrauen in den
Investor ist tief erschüttert und eine Bürgerinitiative gründet sich, um
ihm Einhalt zu gebieten.
Kommen wir aber noch
einmal zu den Inhalten zurück, denn darum geht es ja, wenn man ein Konzept
entwickelt:
Gut verpackt wie in den
Artikeln klingt es
natürlich viel schöner aber die Fakten sind knallhart:
- Das FUNDUS-Areal soll vom
Golfteich bis zum Kinderstrand und von der Promenade bis zur
Umgehungsstraße reichen.
- Der normale Tourismus
soll nach Osten verlagert und mit einer Seebrücke und
Strandversorgung befriedigt werden.
- Die Bewohner bekommen
Karten, damit sie das Hotelgelände benutzen können.
Dem liegt die Idee von
Robert A. M. Stern zu Grunde, der Heiligendamm als geschlossenes Resort
versteht. Sein Vorschlag:

Nach seiner Vorstellung
soll Heiligendamm eine in sich geschlossene Anlage werden. Wir sehen am
rechten unteren Bildrand den Kreisel, von dem nach links die
Umgehungsstraße nach Kühlungsborn führt. Das neue Heiligendamm soll nicht
nur aus dem Ensemble im Norden bestehen - dort, wo die Punkte sind, die
entweder Vögel oder Schiffe darstellen sollen - sondern auch aus allerhand
Neubauten. Dabei würde die von der ECH geplante Bebauung nördlich
der Mollischienen auch so umgesetzt werden. Südlich der Bahntrasse würden
dann ganze Wohnparks entstehen, die sich um einen großen Golfplatz und
Parkanlagen legen. Einige dieser Komplexe sollen nach Sterns Vorstellungen
Höfe innerhalb der Parkanlagen bilden. Generell ist vorgesehen, das Areal
an den vorhandenen Golfplatz in Wittenbeck und das Gestüt anzuschließen -
zumindest durch zum Hotelgelände gehörende Landwirtschaftsflächen. Die
Versorgung soll nämlich auch innerhalb des Resorts durch das Gut Vorder
Bollhagen erfolgen.
Die Gartenstraße, der Mollibahnhof und die Median-Klinik wären natürlich mitten drin in diesem
nach außen abgeschlossenen Gelände.
Darum musste man
Lösungen finden, um die Gartenstraße zu integrieren. Die Median-Klinik zu
integrieren, wäre kein Problem, da die Kurpatienten in etwa dieselben
Ansprüche an Heiligendamm hätten, wie die Hotelgäste. Eher noch wäre das
dann der nobelste Kurort weit und breit. Eine Kur in einem Hotel ist
schließlich auch einmalig und sowie die Patienten vor die Tür treten,
würden sie sich auf dem Gelände eines 5-Sterne-Hotels befinden. Gegen Geld
würden sie auch alle Angebote des Hotels beliebig nutzen können. Die Einwohner jedoch
haben andere Interessen und können sich gar nicht vorstellen, mitten in
einem Hotelgelände zu wohnen. Genau das bietet aber die ECH ihnen an.
Wobei "Hotelgelände" auch das falsche Wort ist: "Resort-Areal" wäre
passender.
Die Bürger haben dies
entweder nicht verstanden oder sie wollen kein Leben mitten in einem
5-Sterne-Luxusparadies.
Auch das wäre einmalig
in ganz Deutschland.
PS: Bitte nicht
verwechseln: Die Gartenstraße ist die Straße, welche parallel zur
Kühlungsborner Straße verlaüft und am Fürstenhof endet - die mit den
Eigenheimen und Gartenanlagen aus DDR-Zeiten. Die Gartenstadt hingegen ist
das neu geplante Villenquartier südlich Heiligendamms zwischen
Heizkraftwerk und Umgehungsstraßenkreisel.
Und die Bebauungspläne "Thalasso-Zentrum" und "Ayurveda-Tempel" -
Zerstören Sie das Aussehen Heiligendamms?
Die Perlenkette ist in der Tat ein
stimmiges Gesamtkunstwerk.
Aber dieses Kunstwerk endet nicht
an den Häusern "Bischofsstab" und "Prinzessin-von-Reuß-Palais", sondern es
beginnt dort.
Das Haus "Bischofsstab"
war die erste Perle und die Villa "Perle" - genau gesagt: ihr Anbau
"Großfürstin Marie" war die letzte Perle, die gebaut wurde.
Erst dieses letzte Bauwerk verlieh
der Perlenkette ihren Namen.
Das bedeutet auch, dass
das Gesamtkunstwerk stimmig bleibt, wenn man im Osten eine völlig andere
Bebauung beginnt. Hauptsache ist, dass man im Westen nichts dazu
addiert oder verändert. Natürlich ist ein Wasserwerk im Osten keine gute
Idee und die wurde ja auch aufgegeben.
Das Thalasso-Zentrum hat zwar
keinen rein klassizistischen Baustil aber den hat die Burg auch nicht.
Selbst die Perlen der
Perlenkette sind nur dem Stil des Klassizismus angepasst worden. Die Stile
sind jedoch sehr unterschiedlich. Die "Möwe" zum Beispiel würden Sie im
Original eher in den Alpen vermuten, als an der Ostsee.
Eine Baumreihe zwischen
Perlenkette und Neubebauung würde das optische Problem schon vollkommen
lösen.
Das Ayurveda-Zentrum hingegen
steht so weit entfernt, dass es nicht wichtig ist, dass es einen völlig
abweichenden Baustil hat.
Das seeseitig vorgelagerte Gebäude
wird klassizistisch aussehen und straßenseitig überdecken die Villen
"Sporn" und "Seeadler" samt Vegetation viel vom indischen Palast.
Die Philosophie des Ayur Veda sieht ohnehin vor, solche Zentren in Parks
und umgeben von Bäumen zu errichten. Ich frage mich eher, wie die Planer
das Mückenschwarmproblem zwischen Golfteich und Großer Wohld lösen wollen.
Ansonsten sind die Neubauten reine Geschmackssache.
Außerdem sollte man
sich nicht an einzelnen Gebäuden aufhalten,
sondern zusehen, dass
Heiligendamm als gesamtes ein Kunstwerk bleibt.
Statt Heiligendamm
als Ganzes zu begreifen, konzentriert man sich also auf Kleinigkeiten:
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 27. Februar
2004 | Titelseite Bad Doberan
Vieles
muss und kann schnell gelöst werden.
Bürgerinitiative besprach auch Saisonvorbereitung
Darüber reden, wie sie das Grand Hotel unterstützen können, wollte
die Bürgerinitiative „Pro Heiligendamm“.
Zur Sprache kamen auch
Probleme für die anstehende Saison.
Wittenbeck „Eine Perle in einem Schweinestall“ beschrieb eine
Kunsthandwerkerin aus Hinter Bollhagen bildlich ihren Eindruck von
Heiligendamm. Neben allen Diskussionen um die mittel- und langfristige
Zukunft der „Weißen Stadt“ müsse daran gedacht werden, dass die Saison
vor der Tür stehe.
„Man kann doch Gehwege fegen und ausbessern, kaputte
Schilder reparieren, Mülleimer aufstellen statt der Container mit
blauen Säcken, eine blaue Heizleitung unauffälliger streichen,
Graffiti entfernen“, unterstützte sie ein anderer Besucher, der am
Mittwochabend der Einladung der Initiative „Pro Heiligendamm“ zu einem
Treffen in Wittenbeck gefolgt war.
Ziel des Treffens: Handwerker und Kaufleute, die die
Heiligendammer Investoren unterstützen möchten, wollten sich auf einen
Standpunkt einigen, den sie bei der Präsentation des
Expertenkolloquiums am 3. März vertreten. Sehr schnell waren sie sich
einig, dass die Firmen der Region von der Ansiedlung des Grand Hotels
profitieren und sie alle Steine aus dem Weg räumen wollen, die es
gefährden könnten. Die Frage, welche Wege im Interesse des Hotels
gesperrt werden müssten, beanwortete dessen Direktor Thomas
Klippstein: „Ich brauche eine Hecke ums Hotel. Alle Wege zwischen den
sechs Häusern müssten unseren Gästen und Angestellten vorbehalten
sein.“ Wer im Kurhaus einen Kaffee trinken wolle, könne sie
selbstverständlich nutzen. Auf die Frage „Warum hat man sich nicht
gleich im Grundlagenvertrag darauf geeinigt?“ sagte er: „Wir hatten
die imaginäre Vorstellung, dass Tagesbesucher die Hotelwege
akzeptieren.“
Zu den Neubauten, die der Investor ECH plant, sagte
Hans-Joachim Meier aus Heiligendamm: „Man muss dem Investor vertrauen,
dass er nichts baut, was seine Gäste abschrecken könnte.“ Meier zeigte
auch Unverständnis darüber, dass niemand auf Klippsteins Vorschlag
einging, dass alle Doberaner auch die Hotelwege nutzen dürften. Die
Initiative beschloss, am 3. März und bei allen Fraktionen der
Stadtvertreter für die Interessen des Hotels zu sprechen.
Bauamtsleiter Norbert Sass–eingeladen, um die
Planungen zu erklären–ging auf die Kritik an den Missständen ein:
„Stadt und ECH sind deshalb im Kontakt. Wir arbeiten einen
Maßnahmekatalog ab, damit es zur Saison klappt mit Strandbewachung,
Begehbarkeit von Wegen, Promenadenbeleuchtung.“ Sass erzählte auch von
Überlegungen, wie tobende Jugendliche vom Strand vorm Hotel weggelockt
werden könnten: „Nach dem Buhnenbau ist der Strand in Richtung
Börgerende viel besser geworden. Wir wollen dort eventuell eine
Sportfläche mit Volleyballnetz einrichten, Fahrradständer, vielleicht
einen Ponton wie in Kühlungsborn, von dem aus die Jugendlichen ins
Wasser springen können.“ Das Hotel möchte laut Klippstein vor seinen
Gebäuden Tafeln anbringen, die Passanten in Wort und Bild über die
Geschichte des Gebäudes sowie seine heutige Nutzung informieren.
Im Juni will sich die Initiative wieder treffen.
RENATE SCHUMANN
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Kann man den
Entwicklern und Kempinski einen Vorwurf machen, weil sie nicht schon im
Grundlagenvertrag Hecken und Zäune berücksichtigt haben? Eigentlich nicht,
denn das Konzept "Resort mit Öffentlichkeit" ist in Deutschland einmalig.
Das gibt es nämlich nur
in Heiligendamm. Allerdings ist das Konzept nicht weltweit einmalig und
die Entwickler hätten andere Resorts unter die Lupe nehmen können.
Wahrscheinlich wäre dann Heiligendamm aber immer noch einmalig und für
"hätte" und "könnte" ist es ohnehin zu spät.
Dafür gibt es gute
Ideen: Sport und Freizeit im Osten, Infotafeln am Hotel - eine Hecke um
das Hotel.
Aber es stellt sich
wirklich die Frage: Klippstein bot Hotel-Chipkarten für alle
Heiligendammer an (woraus hier auch die Bad Doberaner gemacht wurden) - Warum geht niemand
darauf ein? Natürlich spricht einiges dagegen aber wenn es der
Hoteldirektor sagt, hat er sich das wohl überlegt.
Man kann auch "Nein"
sagen. Aber man schweigt.
...und entfernt sich
so voneinander:
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 4. März 2004 | Titelseite Bad Doberan
Zweimal neue Ideen für
Heiligendamm
Expertenkommission gibt heute
Empfehlung bekannt
Ihre endgültigen Ergebnisse haben gestern die vier Planungsbüros
vorgestellt, die am Expertenkolloquium zur weiteren Entwicklung
Heiligendamms beteiligt waren.
Bad Doberan Stadtvertreter Ulrich Ludwig platzte gestern der
Kragen: „Der Investor geht null Kompromisse ein. Seit fünf Jahren
lässt er das Alexandrinen-Cottage leer stehen und keiner darf daran
vorbei.“ Grund für die Klage: Alle vier Planungsbüros, die im
Expertenkolloquium Kompromisse und Alternativen für die Entwicklung
Heiligendamms finden sollten, hatten die Promenadenverlängerung nach
Westen unterhalb der Steilküste fortgeführt.
„Natürlich wäre der Weg oberhalb besser, wenn es rechtlich
machbar ist“, sagte der Lübecker Architekt Klaus Petersen. Offenbar
mussten die Planer davon ausgehen, dass der frühere Rad- und Wanderweg
hinterm Alexandrinen-Cottage privat sei. Weder Bürgermeister noch
Investor korrigierten oder bestätigten diese Annahme bei der zweiten
öffentlichen Vorstellung der Konzepte der Planungsbüros gestern in der
neuen Sporthalle.
Die zwei Büros, die der Investor fürs Kolloquium ausgewählt
hatte, haben an ihren früher vorgestellten Plänen nicht viel geändert.
Mit einem Rundweg um die Weiße Stadt, Thalassozentrum am Ende der
„Perlenkette“ und einem abgeschlossenen Hotelkomplex ähneln ihre
Vorschläge weiter den bisherigen Bebauungsplan-Entwürfen. Kritik
ernteten sie vor allem im Namen der Älteren und Gehbehinderten: Sie
können keinen langen Rundweg bewältigen, um vom Bahnhof zu Seebrücke
und Strand zu gelangen. „Aber auch wegen der Leute, die in der
Nebensaison nur eine kleine Runde drehen wollen, ist das illusorisch“,
so die Bad Doberanerin Monika Schneider.
Neue Vorschläge machten die Magdeburger Planer, die die Stadt
beauftragte hatte. Kompromisse wie die Versetzung des Findlings vorm
Grand Hotel dürften allerdings kaum Zustimmung finden. Auch der Bau
von Stadtvillen und Angebote für Nicht-Hotelgäste in der
Seedeichstraße fand gestern kein Echo. Ganz anders das Konzept der
Lübecker Planer, die ebenfalls im Stadtauftrag arbeiteten: Sie
beharren darauf, dass sich das Thalassozentrum nicht ans historische
Ensemble anfügen lässt. Sie versetzen es ans Nordwest-Ufer des
Golfteichs, wo es mit Ayurveda-Zentrum und Klinik für Plastische
Chirurgie ein „Gesund- und Schönheitszentrum“ bildet. Zwei Baumreihen
und ein Platz sollen die historischen Villen vom Thalassozentrum
trennen. Ein Weg zwischen Kempinski- und Adlon-Hotel ermöglicht den
Zugang vom Bahnhof zur Seebrücke. Ganz anders als ihre Kollegen gehen
die Lübecker mit dem Areal zwischen Bahnhof und Klinik um, das ihre
Kollegen mit dem Wohnviertel „Demmlerpark“ und „-palais“ beplant
haben: Sie wollen dort „lustgartenähnlich“ die Verbindung zwischen
Kleinem und Großem Wohld wiederherstellen. Die Wohnbauten versetzen
sie auf die Fläche südlich der Molli-Schienen.
Auf wie viele Kompromisse sich die Expertenkommission–sie
besteht aus den zwei Moderatoren des Kolloquiums sowie je einem
Vertreter aller Stadtvertreter-Fraktionen, des Investors und der
Stadtverwaltung–gestern Abend für ihre Empfehlung einigen konnte,
lesen Sie morgen in Ihrer OZ.
RENATE SCHUMANN
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Beide haben je zwei
Planungsbüros beauftragt und während die Planungsbüros im Auftrag der
Stadt immer neue Vorschläge ausarbeitet, um die Probleme zu lösen, halten
die beiden Büros, die für die ECH arbeiten an den Planungen der
Entwicklungs- Compagnie fest. Logisch, denn diese wissen ja, was die ECH
erreichen will, während die der Stadt nur wissen, was die Stadt erreichen
möchte.
Den Planern wurden von
beiden Seiten wichtige Informationen vorenthalten. Ihnen war nicht klar,
ob der Küstenwald öffentlich oder privat ist. Das Schweigen beider
Parteien kann so gedeutet werden, dass sie es beide nicht wissen, weil die
Entscheidung dafür in Schwerin gefällt werden muss oder dass beide eine
Vereinbarung getroffen und Stillschweigen vereinbart haben. Mit dem "Adlon-Hotel"
ist übrigens das Residenz-Hotel (Prinzessin-von-Reuß-Palais /
Max-Planck-Haus) gemeint. Den Namen "Adlon am Meer" durfte es nicht lange
tragen, weil das Berliner Adlon etwas dagegen einzuwenden hatte.
...und findet wieder
zusammen:
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 11. März 2004 | Blickpunkt
Die Wogen
glätten sich
„Weiße Stadt – wie
weiter?“, hieß es Dienstag Abend in Bad Doberan. 200 Gäste kamen zum
großen OZ-Leserforum und diskutierten die Zukunft von Heiligendamm.
Heiligendamm (OZ) Immer, wenn Welten aufeinander treffen, wird
es spannend. Es kann krachen oder neue Horizonte öffnen. Zum Beispiel
im altehrwürdigen Gymnasium Bad Doberan. Das Haus wurde mit einem
Architekturpreis geehrt. Für die glänzende Verbindung des
Gründerzeitgebäudes mit dem modernen in Glas gehaltenen Anbau.
Jahrhunderte geben sich die Hand.
Derartiges gelingt nicht immer reibungslos. Wie
das Leserforum der OSTSEE-ZEITUNG mit 200 Gästen zeigt. Es geht um das
älteste deutsche Seebad: Heiligendamm. Es geht um Ängste, Hoffnungen,
nostalgische Empfindungen. Manchmal um Neid, manchmal um Toleranz. Um
berechtigte Interessen des Bauherrn, der 232 Millionen Euro investiert
hat, sowie die Anforderungen eines in weltweiter Konkurrenz agierenden
Hotels mit 200 Mitarbeitern. Um berechtigte Interessen von Anwohnern,
die befürchten, sich nicht mehr frei bewegen zu dürfen. Um
Partikularinteressen von Imbissbuden-Besitzern und BMW-Autohändlern.
All das trifft im Gymnasium aufeinander. Man redet,
diskutiert, streitet–moderiert von Jan Emendörfer, stellvertretender
OZ-Chefredakteur. „Ich bin froh, dass der Prozess des miteinander
Sprechens in Gang gesetzt ist“, sagt Hannes Meyer von der
Bürgerinitiative „Öffentlichkeit in Heiligendamm“. Er sieht drei
Probleme: Die geplante Schließung der Wege durch den Hotelkomplex. Die
erfolgte Schließung des Rad- und Wanderweges, der westlich von
Heiligendamm auf das Seebad stößt. Den Neubau eines Ayurverdazentrums,
eines Thalassokomplexes und einer Klinik für plastische Chirurgie
östlich des klassizistischen Gebäudeensembles, für das 1793 der
Grundstein gelegt wurde.
Im Mai 2003 eröffnete die Nobel-Hotelkette
„Kempinski“ das Grand Hotel als deutsche Edeladresse mit sechs
Hotel-Bauten. Die Erfolgsstory begann. Die Probleme begannen auch.
Fast täglich wurden Busladungen von Tagesausflüglern
aus ganz Deutschland von findigen Reisebüros nach Heiligendamm
gekarrt. Motto: Reichtum gucken. Anno August Jagdfeld (57), Chef der
Kölner Fundus-Gruppe, die das Ensemble erworben und wieder aufgebaut
hat, spricht von 5000 Leuten täglich: „Die 100 Doberaner, die zu uns
kommen, sind doch kein Thema. Das sind zwei Prozent.“ Das Problem
seien die Massen von Auswärts.
In Heiligendamm badet ein Investor, der
Edel-Hotellerie will, das aus, wovon M-V so gern lebt:
Massentourismus. Nils Jeske (29) aus dem Ort sagt: „Der
Gaffer-Tourismus ist uns auch peinlich.“ Für das Hotel hat das massive
wirtschaftliche Folgen, sagt Jagdfeld. 30 Prozent Umsatzeinbußen. Gut
betuchte Gäste bleiben weg, weil ihnen Neugierige ins Schlafzimmer
gucken. Deshalb will Jagdfeld den Hotel-Komplex abschirmen. Anwohner
protestieren. „Das Seebad lebt von einer Vielzahl von
Spaziermöglichkeiten. Das ist dann nicht mehr gegeben“, sagt Angela
Schulze (44) aus Bad Doberan.
Jagdfeld dazu: „Außerhalb von Bad Doberan versteht
man nicht, warum hier so kleinmütig gedacht wird. Eine Blamage für die
Region.“ Der Grandseigneur der Immobilienbranche kann nicht verstehen,
dass „jeder Meter Strand, Wald, Weg“ öffentlich sein muss.
Fundus will neue Lösungen. Sonst seien die nächsten
Bauschritte mit Gesundheitskomplex, Hotel „Adlon am Meer“ und
Demmler-Palais im Ortskern gefährdet. 200 Millionen Investitionen und
weitere 250 Arbeitsplätze ebenso.
Aber es gibt Hoffnung. Eine Expertenkommission hat
einen Kompromiss vorgelegt: Vom Ortskern zum Strand soll nur noch ein
Weg durch den Hotelbereich führen. Von außen soll das Ensemble durch
Rundwege erlebbar, aber innen nicht mehr begehbar sein. Reisebusse
sollen vor dem Ort gestoppt, ein Shuttle-Verkehr eingerichtet werden.
Die Anwohner, von denen viele Verständnis für den
Investor aufbringen, müssen einige Kröten schlucken. Angela Schulze
spricht aus, was viele denken: „Es wird enormer Schaden für Bad
Doberan entstehen, wenn die Wegerechte an den Investor abgegeben
werden.“ Die Menschen befürchten, dass sie Stück für Stück aus dem Ort
gedrängt werden.
Diese Ängste–nicht jeder teilt sie. Heinz Kopp (53),
Chef des Einzelhandelsverbandes M-V, hat dafür gar kein Verständnis:
„Sie sollten sich schämen, Ihre Kinder in den Westen zum Arbeiten zu
schicken, während sich eine derartige Chance ergibt. Zugleich fliegen
Sie nach Ägypten und fordern dort, was Sie hier den Gästen nicht
gönnen. Ruhe!“
Die öffentliche Debatte läuft. Ein Kompromiss liegt
vor. Am 28. Mai sollen Doberans Stadtvertreter zwei Bebauungspläne zu
den neuen Vorhaben der Fundus-Gruppe beschließen. Der Lübecker
Stadtplaner Volker Zahn, der den Prozess als neutraler Beobachter
begleitet hat, sagt: „Ich wünsche mir, dass die Doberaner den
gefundenen, wenn auch ungeliebten Kompromiss akzeptieren. Sie sollten
das aufkeimende Pflänzchen an öffentlicher Diskussion pflegen.“
MICHAEL MEYER
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Was hier wirklich aufeinander
trifft, sind zwei verschiedene Glaubensvorstellungen,
die ihre Wurzeln in 50 Jahre
unterschiedlicher deutscher Geschichte haben.
Jagdfeld versteht
nicht, warum jeder Meter Strand, Wald, Weg öffentlich sein muss. Die
größte Errungenschaft der DDR war, dass sich alles in Volkes Hand befand.
Das brachte mit sich,
dass auch alles was nicht explizit eingezäunt war öffentlich zugänglich
war. Jagdfeld kann das nicht verstehen, denn da wo er her kommt ist es
normal, dass das Land irgend jemand gehört und er bestimmt, was damit
gemacht wird. Im Einvernehmen mit den Kommunen und Gesetzen natürlich. In
Heiligendamm trifft Jagdfeld auf ein Phänomen, das den Generationen der
bis mindestens 1990 geborenen anhaftet: Die Menschen glauben noch immer an
Volkseigentum. Das macht die Sache so schwierig. Die zweite Komponente ist
die Angst: Jagdfeld verkörpert in den Augen vieler Einheimischer und Gäste
aus dem Osten genau das, was nach 1990 zum Klischee des "dünkelhaften
Wessis" wurde: Er hat Geld und stellt Forderungen. Er ist schlechthin "der
Finanzhai aus dem Westen", der gekommen ist, um "uns" alles wegzunehmen.
Was er Heiligendamm bis
dato gebracht hat, wird außer Acht gelassen. Noch aber ist ja auch vieles
grau und trist und lässt darüber hinweg blicken, dass sich etwas getan
hat.
Unbewusste
Schützenhilfe aus Frankreich: Das Grand Hotel bekommt einen Oscar.
Natürlich weiß man
in Frankreich nichts von den Problemen in Heiligendamm.
Die Jury hat das
Hotel getestet und es als schönstes Hotel der Welt befunden.
Das sind Argumente, die
die ECH bzw. FUNDUS gern in ihren Bestand aufnehmen und zu Recht dürfen
sie sich diesen Erfolg selbst zuschreiben.
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 12. März 2004 | Titelseite Grevesmühlen
Oscar für Grand Hotel Heiligendamm
Cannes (OZ) Dem
Kempinski Grand Hotel Heiligendamm ist gestern Abend auf der
weltgrößten Immobilienmesse im französischen Cannes der begehrten
Mipim-Awards verliehen worden. Der Newcomer des Jahres setzte sich im
Rennen um den Immobilien-Oscar gegen das Intercontinental Le Grand
Hotel Paris und das Tokioter Grand Hyatt durch. „Ein großer Tag für
Heiligendamm und Bad Doberan. Wir haben das schönste Hotel der Welt,
schwärmte Johannes Beermann, Sprecher der Kölner Fundus-Gruppe, die
das Hotel wiedererrichtet hatte.
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Nun hatte Bad Doberan
das schönste Hotel der Welt vor der Haustür und die Stadtvertreter müssen
zumindest höflich bleiben und können trotz aller Bedenken nicht einfach
die B-Pläne abschmettern. Vielleicht bringt des Volkes Stimme hier mal
eine Lösung ohne Schwarzen Peter...
Pro der Contra? Eine
Entscheidung, die keiner fällen will.
Die Stadtvertreter
entschlossen sich, die Bebauungspläne auszulegen und den Betroffenen somit
die Möglichkeit zu geben, Einwände zu erheben:
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OSTSEE-ZEITUNG |
Donnerstag, 18. März
2004 | Titelseite Bad Doberan
Findling und Strandtreppe
künftig privat
Heiligendamm-Pläne werden
ausgelegt
Die Stadtvertreter haben die Auslegung der umstrittenen
Bebauungspläne für Heiligendamm beschlossen. Vor dem endgültigen
Beschluss können Betroffene Einwände erheben.
Bad Doberan Die Stadtvertreter haben bei ihrer Sondersitzung am
Dienstagabend die Auslegung des geänderten Flächennutzungsplans
(F-Plan) für Heiligendamm und der Bebauungspläne 25 und 26
beschlossen. Vom 5. April bis 6. Mai können die Doberaner den
geänderten F-Plan in der Stadtverwaltung ansehen und Anmerkungen
machen. Die beiden B-Pläne, die unter anderem Hotel Adlon am Meer,
Thalasso- und Ayurvedazentrum sowie Strandservice einschließen, werden
vom 1. April bis 3. Mai ausgelegt.
Vor der Sondersitzung wurde bei einer gemeinsamen Sitzung aller
Ausschüsse nochmals diskutiert.
Klar wurde dabei unter anderem, dass
der Findling vorm Grand-Hotel künftig nicht mehr einfach so zu
betrachten sein wird. Auf die Frage eines Abgeordneten, wie man
künftig von der Seebrücke zum Stein kommt–die Promenade endet nach
aktuellem Planungsstand an der Seebrücke, Besucher werden über den Weg
zwischen Kempinski- und Adlonhotel auf einem Rundweg zurück zum Großen
Wohld geführt–sagte der mit den Planungen beauftragte Architekt Dr.
Frank Mohr: „Am Strandservice und im Bahnhof beginnen künftig
Führungen durch die Hotelanlage und somit auch zum Findling.“ Auf
Nachfrage hieß es: „Es führt kein öffentlicher Weg zum Stein, nur
daran vorbei.“
Durch die Verkürzung der Promenade fällt auch die neue Treppe
zum Strand, die das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (Staun) vor
einem Jahr hat bauen lassen, in den Hotelbereich. „Seit wann
finanziert das Staun mit öffentlichen Geldern private
Strandaufgänge?“, fragte ein Ausschuss-Mitglied. Staun-Chef
Hans-Joachim Meier sagte zur OZ: „Wir haben vor längerer Zeit mit dem
Investor Fundus eine mündliche Vereinbarung getroffen, dass er in
diesem Fall die Kosten für die Treppe refinanziert.“ Wie hoch diese
waren und wie viel der Investor für die im Rahmen des von Land und
Bund finanzierten Küstenschutzes erfolgte Maßnahme erstatten muss,
solle der zuständige Mitarbeiter dem Staun-Chef bis Monatsende
vorlegen.
Auf die Frage, wie Gäste und Lieferanten zum Schwanen-, zum
Eiscafé und zum Imbiss kommen, wenn die Prof.-Dr.-Vogel-Straße entwidmet ist, antwortete Bürgermeister Hartmut Polzin: „
Die Straße
wird zunächst nur am Hotel Kempinski geschlossen. Der Rest bleibt
öffentlich, bis für die Gastronomen eine andere Lösung gefunden wird.“
Er informierte auch über Kosten, die im Zusammenhang mit den B-Plänen
für die Stadt anfallen: 4 bis 4,5 Millionen Euro dürfte der Ausbau der
Seedeichstraße mit Parkplätzen, die Herrichtung der Promenade
inklusive Lampen, Bänken und Papierkörben, neue Treppen rechts und
links der Seebrücke und ähnliche Maßnahmen kosten. 80 Prozent davon
seien förderfähig, die Anträge gestellt. Für den Eigenanteil der Stadt
von 800- bis 900 000 Euro habe das Innenministerium die Bereitschaft
zu einer Sonderbedarfszuwendung erklärt. Nun müssten die konkreten
Pläne eingereicht werden.
RENATE SCHUMANN
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In der Diskussion geht
es nun also um weitere Einschränkungen. Die Promenade soll vor der
Seebrücke enden.
Wenn man das von Osten her
betrachtet (Wer sich mit der Geschichte
auskennt, betrachtet Heiligendamm immer von Osten zur Mitte und dann nach Westen) , ist die Seebrücke
damit nicht mehr zugänglich. Das würde bedeuten, dass nicht nur der vom StAUN
finanzierte Strandaufgang dem Hotel zugeordnet wird, sondern auch die von
Bund, Land und Stadt finanzierte Seebrücke.
Von Westen aus
betrachtet würde die Grenze des Hotelgeländes so verlaufen, dass der
Seebrückenplatz samt Seebrücke öffentlich bleiben und ab dem Haus
"Mecklenburg" westwärts das Hotelgelände verläuft. Aber blättern Sie mal
nach 2009 vor, dann werden Sie sehen, was eingezogen wurde und dass der
Gedanke dahinter gar nicht so dumm war.
Die weitere Diskussion
bezieht sich auf den Gedenkstein. Diesen zu versetzen würde heißen, die
Geschichte Heiligendamms mit Füßen zu treten. Die Versetzung eines vor 100
Jahren zu Ehren des Gründers aufgestellten Gedenksteines würde nicht nur
negative Assoziationen zum willkürlichen Umgang mit Denkmälern in der DDR
(Sprengung des Berliner Schlosses, Sprengung der Katholischen Kirche in
Rostock etc.) hervor rufen, sondern auch ein schlechtes Omen für
Heiligendamm darstellen.
Wer philosophiert und
chinesische Medizin anbietet, sollte auch für solche Gedanken offen sein.
Der Stein ist in
Heiligendamm das einzige, das nie verrückt, verändert oder verunstaltet
wurde.
Darum ist der Stein
auch so wichtig und natürlich muss er irgendwie öffentlich sichtbar
bleiben. Durch einen Rundweg soll dies möglich gemacht werden. Wie genau
dieser verlaufen soll, steht dabei in den Sternen, denn die
Professor-Vogel-Straße kann er nicht nutzen. Bleibt höchstens, statt eines
Rundweges ein Rondell zu bauen und die Touristen auf dem Weg wieder zurück
zu führen, auf dem sie gekommen sind. Oder direkt vor den Perlen lang, was
dann aber etwas zu laut für die Bewohner werden dürfte.
Die
Professor-Vogel-Straße ist dann auch gleich der nächste Knackpunkt. Sie
soll verschwinden und teilweise überbaut werden durch das Ensemble-Palais,
einem Neubau zwischen dem Residenz-Hotel und den Kolonnaden. Der Rest wird
zur Verbindung des Ensembles mit den Neubauten im Osten genutzt: Sandwege
als Fußwege und für die Hotellogistik. Logisch, dass da nicht noch
Besucherströme hindurch passen. Zumal es ja eine Sackgasse werden soll.
Als Problem stellt sich hier die Gastronomie in der Professor-Vogel-Straße
heraus. Die besteht aus dem Schwanen-Café in den Kolonnaden und eigentlich
auch aus dem Imbiss an der Promenade. Die Gaststätten im Residenz-Hotel
und im Haus "Bischofsstab" würden zusammen mit dem Hotel beliefert werden.
Für die beiden anderen Gastronomen ist der Strandversorgungs-Pavillon im
Osten angedacht. Solange dieser aber nicht gebaut wird, müssen sie dort
bleiben. Und so lange sie dort bleiben können, gibt es keinen Grund,
umzuziehen. Das bedeutet, dass solange die Professor-Vogel-Straße
öffentlich ist kein Bedarf an einem Strandversorgungspavillon besteht.
Noch ist auch gar nicht sicher, wo genau der hin soll: Vor den Golfteich
oder dahinter. Also hieß es: Abwarten und erst einmal alles so lassen, wie
es ist.
Die Stadtvertreter
beschließen darum, die Pläne erst einmal auszulegen und abzuwarten, was
die Betroffenen dazu zu sagen haben. Das Ganze ist ein langwieriges
Verfahren, das Monate dauert. Bis nach der Sommerpause hat die Stadt damit
Ruhe.
Lediglich ein Leserbrief aus dem fernen Berlin flattert in diesen Tagen in
Bad Doberan ein:
Es ist erschütternd sehen zu müssen, dass Heiligendamm für
immer weniger Menschen vollständig zugänglich sein wird!
Die Nachricht von der bevorstehenden rein privaten Nutzung
der Strandtreppe sowie des Findlings macht mich wütend!
Ebenso ist die Verkürzung der Promenade ein großer
Verlust. Heiligendamm gehört insgesamt zum Kulturerbe
Deutschlands und sollte als solches auch allgemein und
kostenlos zugänglich sein. Als häufiger Gast und
ehemaliger Student in Heiligendamm werde ich gemeinsam mit
weiteren meiner Bekannten sowie Studienkollegen sämtliche
von der Fundusgruppe finanzierten Gebäude und
Einrichtungen boykottieren. Und dies nicht nur in
Heiligendamm sondern auch in Berlin.
Philippe Fontaine,
Berlin
|
Der Leser hat dabei offenbar übersehen, dass der Entscheidung ein
Expertenkolloquim voraus ging - Stadt und Investor also gemeinsam den
Tausch der beiden Promenadenflächen und den damit einher gehenden Wegfall
der letzten Strandtreppe vor dem Kleinen Wohld beschlossen. Ein Projekt
der FUNDUS-Gruppe befindet sich direkt in der Nähe Herrn Fontaines: Das
Park-Center in Pankow. Möglicherweise ist Heiligendamm also nur ein
vorgeschobenes Argument für Probleme, die es in Pankow gibt.
Zwischendurch gibt es auch positive Meldungen aus Heiligendamm.
Residenz-Hotel
Heiligendamm wieder geöffnet
Heiligendamm
Das Residenz-Hotel in Heiligendamm hat seit gestern wieder
geöffnet. Das zum Ensemble der Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH) gehördende Gebäude war vier Wochen lang
umgebaut worden. Die Kosten beliefen sich auf
„schätzungsweise 150 000 Euro“, so Betriebsleiter
Christian Bordzio.
Das Hotel hat 25
Zimmer mit 45 Betten und ein neu gestaltetes Restaurant,
dessen Küche laut Chefkoch Markus Schrage (32) „vom Stil
her ins Mediterrane geht.“ Über Leerstand kann sich das
direkt am Meer gelegene Hotel nicht beklagen. Die
Auslastung im vergangenen Sommer lag laut Christian
Bordzio bei mehr als 90 Prozent.
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Das Residenz-Hotel befindet sich im ehemaligen Prinzessin-von-Reuß-Palais,
das später Max-Planck-Haus hieß.
Heiligendamm ertrinkt im
Touristenstrom. FUNDUS will Wege sperren.
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 13. Mai
2004 | Titelseite Bad Doberan
Wege in
Heiligendamm bald gesperrt
Eigentümer will moderat vorgehen
Busladungen voller
Touristen kamen im vergangenen Sommer in die weiße Stadt. Hotelgäste
fühlten sich gestört. Die Stadt will die Menschen jetzt mit
Hinweisschildern lenken.
Heiligendamm Die Wege im unmittelbaren Bereich des Kempinski
Grand Hotels Heiligendamm werden voraussichtlich bald für Unbefugte
gesperrt. „Die Vorbereitungen laufen, wir sind noch dabei, alles
abzustimmen“, sagt Peter Sähn von der Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH). Eine Gewaltaktion werde es aber nicht geben, so
Sähn weiter. „Oder um es medizinisch auszudrücken: Wir gehen minimal
invasiv vor.“
Im Klartext heißt das: Nur die Wege, die unmittelbar
das Hotel betreffen, werden mit Zäunen, Bepflanzungen, Toren oder
Schranken unzugänglich gemacht.
Der größte Teil der weißen Stadt am
Meer bleibt dagegen für jeden offen.
Rechtlich verhält sich die Entwicklungs-Compagnie
dabei absolut korrekt. Die Stadt Bad Doberan hatte den renommierten
Verwaltungsjuristen Prof. Dr. Albert von Mutius von der Universität
Kiel damit beauftragt, die Rechtslage eingehend zu prüfen. Mutius kam
laut einem Schreiben der Stadtverwaltung zu folgendem Ergebnis: „Die
Wege zwischen dem Kurhaus und dem Grand Hotel sowie unmittelbar hinter
dem Haus Mecklenburg, das Rondell und der kurze Stichweg vom Rondell
in westliche Richtung sind für den uneingeschränkten Gemeingebrauch
nicht zugänglich.“ Es handele sich um so genannte
betrieblich-öffentliche Wege mit begrenzter Nutzbarkeit.
Wie Bürgermeister Hartmut Polzin erklärt, soll die
Öffentlichkeit durch entsprechende Hinweisschilder auf diese
rechtlichen Verhältnisse aufmerksam gemacht werden.
Wann die Schilder
aufgestellt werden, wisse er noch nicht. „Sie sind bestellt. Sobald
sie da sind, werden sie errichtet“, so Polzin.
Um auch eine Verkehrsberuhigung in der
Prof.-Dr.-Vogel-Straße zu erreichen, fordert die Stadt vom Investor
schnellstmöglich die bauliche Umsetzung des im Bebauungsplan 25
vorgesehenen Fußweges zwischen Kolonnaden und Severin-Palais. Wann
alles umgesetzt wird, konnte gestern niemand sagen.
THOMAS PULT
|
Die vermeintlich nette
Geste, moderat vorzugehen, ist alternativlos.
Ohne Zustimmung der
Stadtvertreter darf die ECH nämlich nichts absperren.
Von daher ist es gar
keine nette Geste, sondern eine gesetzliche Notwendigkeit.
Hier fallen wieder die
Bezeichnungen "betriebliche oder betrieblich-öffentliche Wege".
Inzwischen ist das
richtig, denn da das Hotel diese Wege logistisch nutzt und nutzen muss,
sind sie betrieblich bzw. betrieblich-öffentlich. Bezieht man dies aber
auf das Sanatorium, das sich vorher in den Gebäuden befand, stimmt das
nicht mehr.
Aber gerade darum soll
ja. z.B. nur ein Teil der Professor-Dr.-Vogel-Straße eingezogen werden und
nicht die ganze Straße:
Nur der Teil zwischen
den Hotelbauten ist betrieblich-öffentlich. Der Rest ist - da sich an ihm
Gastronomie befindet - öffentlich.
Dass die Stadt einen
Professor befragte zeigt, vor welchen Problemen man beim Übergang vom
DDR-Recht zum BRD-Recht steht. Es ist eben nicht alles geregelt worden.
Wir merken uns:
Zwischen Severin-Palais und Kolonnaden soll ein öffentlicher Fußweg
entstehen.
800 Unterschriften
für Heiligendamm. Ohne Positionen.
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OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 9. Juni 2004 | Titelseite
Bad Doberan
800
Unterschriften für Heiligendamm
Initiative übergab Mappe an Bürgermeister
Bad Doberan
Vertreter der Bürgerinitiative „Pro Seebad Heiligendamm“ haben
Bürgermeister Hartmut Polzin gestern einen Ordner mit knapp
800 Unterschriften überreicht. Darin bekunden die Unterzeichnenden
ihren Willen, die Initiative bei ihren Zielen zu unterstützen. Diese
sind neben der Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem
die Unterstützung des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm und der
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm.
„Wir mussten für die Unterschriften nicht von Haus
zu Haus gehen, sondern haben sie bei Händlern, Gewerbetreibenden und
Ärzten ausgelegt“, sagte Herbert Baor von der Bürgerinitiative.
95 Prozent der Unterzeichnenden seien Doberaner. Bürgermeister Polzin
nahm die Unterschriften entgegen und will morgen die Stadtvertretung
informieren.
THOMAS PULT
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Wohl gemerkt:
Die Bürgerinitiative
hat den Leuten ihre Arbeit vorgestellt und diese unterschrieben dann, dass
sie die Initiative unterstützen.
Es geht also nicht darum, dass 800
Bürger für oder gegen irgend etwas gestimmt haben,
sondern nur, dass sie die
Bürgerinitiative anerkennen.
Diese bekommt damit ein
gewisses Gewicht und nur darum geht es bei der Unterschriftensammlung
auch.
Es geht noch nicht um
Positionen. Es ist also zunächst nicht klar, wie sich die Initiative
verhalten wird und mit wem sie zusammen arbeiten will. Obgleich aus den
Gründungsumständen heraus erahnt werden kann, dass sie sich gegen die
Vorhaben der FUNDUS-Gruppe richten wird.
Sommerpause.
Heiligendamm glänzt und verfällt.
In der Sommerpause wird
keine Politik gemacht und vielleicht da Saison ist oder auch aus anderen
Gründen geht es baulich in Heiligendamm nicht weiter.
Zwischendurch sorgt die
Stadt mit ein paar positiven Meldungen für gute Laune:
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 15. Juli 2004 | Stadt
und Land
Arbeiten am
neuen Wanderweg abgeschlossen
Bad Doberan Fünf ABM-Kräfte vom Doberaner Verein Perspektive
ließen einen alten Trampelpfad vom Fischersteig im Großen Wohld
(Heiligendamm) zum Waldradweg wieder aufleben. Dieser Pfad ist nun als
offizieller Wanderweg nach intensiven Schönheitsreparaturen
freigegeben worden. Um den Spaziergang mit Rollstuhl oder Kinderwagen
zu erleichtern, wurde extra eine kleine Holzbrücke gebaut und die
neuen Bänke lassen erholsame Pausen im kühlen Schutz der Buchen zu.
„Geplant war eigentlich ein Weg parallel zur Dammchaussee “,
erklärt Ann-Christina Giering. Das fand die Försterin jedoch
unpassend. „Wer möchte schon an einer Landesstraße spazieren gehen.“
Sie fand Gehör bei Rita Lage, Projektleiterin des Vereins, die sich
von der Umleitung des 1,2 Kilometer langen Weges durch den Wald
überzeugen ließ. Dieser mit Holzschredder geebnete Erholungspfad führt
nun mitten durch Flora und Fauna, vorbei an unzähligen Hügelgräbern
aus der jüngeren Bronzezeit. Schilder geben Aufschluss über
Geschichtliches sowie verschiede Gehölze des Waldes. Dank Frank Vökler
vom Umweltamt konnten gestern endlich die großen Infotafeln im
Kellerswald aufgestellt werden, die sich die Försterin schon lange im
Revier gewünscht hat.
D. W.
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Die Rede ist hier wohl
gemerkt vom Großen Wohld - also dem Wald zwischen Bad Doberan und
Heiligendamm. Dieser Wald wurde mit Wanderwegen durchzogen.
Nur zwei von ihnen
enden auf der Seedeichstraße in Heiligendamm. Alle anderen führen schon
vorher auf die Dammchaussee, welche in Heiligendamm zur Kühlungsborner
Straße wird. Es gibt noch einen dritten Durchgang von der Seedeichstraße
zum ehemaligen Jagdhaus zwischen Golfhaus und "Sporn" (Eikboom) vorbei am
Golfteich aber dieser entfällt mit dem Bau des Ayurveda-Zentrums und der
Plastischen Chirurgie.
Sommer, Sonne und
Wirtschaftsgipfel...
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OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, den 21. August
2004 | Mecklenburg-Vorpommern
Heiligendamm wirbt um die großen Acht
Heiligendamm (OZ/kw) Mecklenburg-Vorpommern
hat mit seinem Ostseebad Heiligendamm beste Chancen, Austragungsort
des Gipfeltreffens der G8-Staaten im Juni 2007 zu werden.
Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) äußerte sich nach ersten
Gesprächen mit Vertretern der Bundesregierung optimistisch. „Wir haben
das beste Angebot“, sagte Ebnet.
Nicht nur, was die Qualität des Veranstaltungsortes
mit dem Kempinski-Hotel betreffe, sondern auch bezüglich der
Sicherheit und des Umfeldes. Heiligendamm sei ein geschlossenes
Ensemble, was dem Sicherheitsaspekt entgegenkomme, sagte Ebnet. Die zu
den jährlichen Gipfeltreffen erwarteten 2500 Delegierten,
Wirtschaftsexperten, Übersetzer und Journalisten könnten in Rostock,
Warnemünde und Kühlungsborn untergebracht werden und würden der
Hotelbranche während der Gipfeltage mindestens 10 000 Übernachtungen
bescheren. Als Pressezentrum sei die Messehalle auf dem IGA-Gelände in
Rostock vorgesehen.
Das letzte Treffen der führenden Industrienationen
und Russlands (G8) fand im Juni auf Sea Island im US-Bundesstaat
Georgia statt. Der letzte Gipfel in Deutschland führte die
Industrienationen 1999 nach Köln.
Bis zum nächsten Treffen in Deutschland 2007 könnten
nach Auskunft der Fundus-Gruppe, Eigentümer der Hotelanlagen, die noch
unsanierten Logierhäuser in Heiligendamm fertiggestellt sein. „Eine
Herausforderung, aber machbar“, sagt Fundussprecher Johannes Beermann.
Auch der Direktor des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm, Thomas
Klippstein, versichert: „Fallen die Würfel für unser Haus, werden wir
bestens vorbereitet sein.“ Bisherige politische Treffen, sei es das
der Verteidigungsminister Deutschlands, Frankreichs und Groß
Britanniens oder das der Finanzminister Deutschlands und Chinas hätten
die Eignung Heiligendamms bereits bestätigt.
Die G7/G8 Wirtschaftsgipfel waren 1975 vom
französischen Präsidenten Giscard d`Estaing und dem früheren
Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) ins Leben gerufen worden. Auf der
Veranstaltung sollten die führenden Wirtschaftsnationen der Welt
globale Probleme erörtern sowie globale Initiativen ins Leben rufen
können.
Das erste Offizielle Treffen begann mit fünf
Ländern. Heute gehören der Gruppe der G8 Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, die USA (G7-Staaten) und
Russland an, Teilnehmer ist seit 1977 auch der Präsident der
Europäischen Kommission.
Neben den 2500 Teilnehmern des Gipfels findet sich
zu den G8-Treffen regelmäßig eine große Zahl von Gipfel-Gegnern ein.
In Köln standen sich 1999 rund 10 000 Globalisierungsgegner und 12 000
Polizisten gegenüber. 2005 soll der Gipfel in Groß Britannien
stattfinden.
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Während die
Stadtvertreter für gute Stimmung sorgen, sorgt sich die Ostsee-Zeitung um
Heiligendamm und fragt den, der es wissen muss:
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OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, den 02. Oktober
2004 | Titelseite Bad Doberan
Aussicht
auf 500 Jobs
Wann und wie geht es weiter in der Weißen Stadt am Meer? OZ sprach
über diese Fragen mit Fundus-Chef Anno August Jagdfeld (57).
OZ: Die Weiße Stadt am Meer ist noch zu einem guten Teil grau.
Wann ändert sich das?
Jagdfeld: Die Wiedererstehung von
Heiligendamm ist mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 500
Millionen Euro eine riesige Aufgabe, die uns noch Jahre beschäftigen
wird. Damit es weitergeht, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein.
Zum einen gilt es, den Erwartungen der finanzierenden Banken und
Investoren gerecht zu werden und zum anderen müssen die
Baugenehmigungen vorliegen. Von der Erteilung bis zum Baubeginn
benötigen wir etwa zwölf Monate.
OZ: Was passiert als nächstes in
Heiligendamm?
Jagdfeld: Zunächst geht es um die Steigerung
der Attraktivität des Grand Hotels.
Mehr Sportangebote durch Golfplatz
und Tennisplätze gilt es zu erschließen. Der Fürstenhof soll
wiedererstehen, ein Konferenzangebot geschaffen werden. Daneben kommt
die große Aufgabe der Wiedererstellung der Häuser der Perlenkette und
die Nutzung als weitere Hotelanlage Adlon am Meer.
OZ: Die Fundus-Gruppe hat mehrere hundert
Millionen Euro in Heiligendamm investiert.
Lohnt sich der Kraftakt?
Jagdfeld: Er lohnt sich, wenn die Bedingungen
für die Urlaubsgäste optimal sind. Es tut uns weh, dass sich der
finanzielle Kraftakt 2004 noch nicht gelohnt hat.
Das Hotel wird sich
weiter positiv entwickeln, auch wenn Hotel-Gäste weggeblieben sind,
weil sie sich von Tagestouristen aus ganz Deutschland und Radfahrern
auf dem Hotelgelände und auf der Seepromenade gestört fühlten. Zu den
Anlaufschwierigkeiten gehörte sicher auch der Wasserschaden im Wellnessbereich des Severinpalais. Die Anleger sehen Heiligendamm aber
als langfristige Investition in eine solide Zukunft.
OZ: Wieviel Geld ist nötig, um Heiligendamm
so zu gestalten, wie es Ihrer Vision entspricht?
Jagdfeld: Die weitere Entwicklung
Alt-Heiligendamms wird noch 250 Millionen Euro kosten.
OZ: Welche Finanzquellen können Sie anzapfen,
um die Weiße Stadt weiter zu restaurieren? Wird es erneut einen Fonds
geben?
Jagdfeld: Für das Grand Hotel Heiligendamm
war die Auflage eines geschlossenen Immobilienfonds genau das richtige
Instrument und ohne Alternative. Für die weitere Entwicklung der
Weißen Stadt am Meer müssen auch andere Finanzquellen erschlossen
werden, zum Beispiel Bankfinanzierung. Wir denken an den Verkauf von
Ferienwohnungen an private Investoren. Sobald die Baugenehmigungen
vorliegen, wird das Finanzkonzept folgen. Alles hängt vom
wirtschaftlichen Erfolg des Grand Hotels Heiligendamm ab. Das ist die
Bezugsgröße für diejenigen, die in Heiligendamm investieren. Sie
wollen schließlich Geld verdienen.
OZ: Bei den Debatten um Heiligendamm fiel
immer wieder das Argument, dass durch den Hotelbetrieb Arbeitsplätze
geschaffen werden. Wieviele Jobs sind entstanden und wieviele können
noch entstehen?
Jagdfeld:
Im engeren Bereich sind bis heute
etwa 300 Arbeitsplätze entstanden. Während der nächsten Bauphase
werden weitere 300 Arbeitsplätze entstehen. Nach der Fertigstellung
wird es zusätzlich 500 Möglichkeiten für Menschen aus der Region
geben, dauerhaft sichere Arbeit zu finden. Saisonarbeitsplätze können
dann in Ganzjahresarbeitsplätze umgewandelt werden.
OZ: Werden diese neuen Arbeitsplätze mit
Menschen der Doberaner Region besetzt?
Jagdfeld: Dies ist bereits in der
Vergangenheit der Fall gewesen und wird so bleiben. Im
Dienstleistungsbereich, insbesondere im Hotel, gibt es Angebote für
junge Menschen aus der Region. Im Kempinski Grand Hotel Heiligendamm
werden derzeit 28 junge Leute ausgebildet. Weitere
15 Ausbildungsplätze kommen im nächsten Jahr dazu. Damit gehört das
Hotel schon jetzt zu den größten Ausbildungsbetrieben in
Mecklenburg-Vorpommern.
OZ: Nicht alle sind froh über die Entwicklung
in Heiligendamm. Vor allem gegen die Sperrung von Wegen wenden sich
viele.
Ist es wirklich notwendig, ehemals öffentliche Straßen mit
Toren zu versehen?
Jagdfeld:
Das ist leider der Fall. Ein
Urlaubshotel verspricht per se dem zahlenden Gast Ruhe und Erholung.
Wenn der Gast diese nicht findet, bleibt er weg. Dabei sind es nicht
die Bad Doberaner, die die Unruhe hervorrufen. Sie gehen mit ihrem
Kleinod Heiligendamm sorgsam und pfleglich um. Heiligendamm als Magnet
für Bustouristen aus ganz Deutschland – das führt zu einem
Zielkonflikt, weil auch diese die Schönheit des Gesamtensembles sehen
wollen. Dies ist von der Seebrücke, der Promenade und von der
Kühlungsborner Straße aus möglich.
OZ: Wie gehen Sie mit der Kritik um?
Jagdfeld: Wir nehmen die Kritik ernst und
haben sie immer ernst genommen. Wir waren keine Verfechter des
Kolloquiums, haben uns aber diesem Diskussionsprozess gestellt und
werden dies auch künftig tun. Nur: Die Realität ist so, wie sie ist.
Ohne Ruhe keine Gäste, ohne Gäste kein Hotel, ohne Hotel keine
Arbeitsplätze und keine weiteren Investoren.
OZ: Wo sehen Sie Heiligendamm in fünf Jahren?
Jagdfeld:
Wie sich die Stadt und wir uns das
vorgenommen und in einer Vereinbarung niedergelegt haben: Heiligendamm
wird zu einem exklusiven Seebad entwickelt.
Interview: THOMAS PULT
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Machen wir es wieder
wie oben:
Aussage 1: Die Stadtvertreter entscheiden, ob und wann es weiter
geht.
(Wir ändern unsere Ansichten nicht.)
Aussage 2: Bevor
das Hotel nicht so läuft, wie wir das wollen, geht es gar nicht weiter.
(Eigentlich fehlt uns Geld.)
Aussage 3: Wenn
die Genehmigung dann vorliegt, dauert es noch immer ein Jahr, bevor gebaut
wird.
(Das stimmt
wirklich: 12 Monate vergehen zwischen Genehmigung und Baubeginn bei
solchen großen Sachen.)
Aussage 4: Wir
konzentrieren uns erst einmal auf das Umfeld, bevor wir irgend etwas
sanieren.
(Macht euch keine Hoffnungen auf eine schnelle
Sanierung)
Aussage 5: Das
Hotel läuft nicht und es gibt genug Schuldige dafür.
(Natürlich sind die Gaffer Schuld aber Schuld
an den Gaffern sind die Stadtvertreter.)
Aussage 6: Wir
haben alles richtig gemacht. Der Rest hängt vom Erfolg des Hotels ab.
(Der ja wiederum von der Stadt
abhängt und davon, wie sie die Gaffer beseitigt.)
Aussage 7: Wir
mögen keine Kritik an unseren Konzepten und stellen uns der nur, weil es
nicht anders geht.
(Sonst könnte man uns daraus Stricke drehen.)
Aussage 8: Von
uns hängt alles ab. Ohne uns seid ihr verloren.
(Wobei sich wieder die Frage stellt: Will er
nun oder nicht?)
Der Rest der
Argumentation ist wiederum nachvollziehbar aber langsam wirkt es doch wie
Luftschlösser.
Inzwischen hat FUNDUS
übrigens damit begonnen, das Steigenberger Strandhotel in Zingst auf dem
Darß zu errichten.
Am 01. Oktober erfolgte
der erste Spatenstich. Auch hier wird mit
geschlossenen Fonds gearbeitet.
Der FUNDUS Fonds 36 finanziert das Projekt
auf dem Darß mit 36,5 Mio. Euro.
Eröffnung soll in 2006
erfolgen. Dann stehen 121 Zimmer und Suiten, ein Restaurant,
ein Café,
eine Bar und ein Wellnessbereich zur Verfügung.
Die Sommerpause ist
zu Ende und der Streit geht mit neuen Kandidaten von vorn los.
Inzwischen ist es
Oktober geworden und die inzwischen neu gewählte Stadtverwaltung kam
richtig in Fahrt.
Der Bürgerbund hatte es mit zwei Sitzen in die
Stadtvertretung geschafft und setzte die Vorsitzende und den
Pressesprecher auf die Rathausstühle. Beide sind auch in der
Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm" organisiert.
Nun wollte man die neue
Macht und die neuen Befugnisse nutzen, um demokratisch korrekt die Lage in
Heiligendamm neu zu definieren. Für die ECH war der Wechsel der
Mehrheitsverhältnisse in der Stadtverwaltung sicherlich schon so eine
Hiobsbotschaft und jetzt sollten die letzten Beschlüsse wieder gekippt
werden:
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, den 15. Oktober
2004 | Titelseite Bad Doberan
Brisante
Anträge geplant
FDP und Bürgerbund suchen Mehrheiten, um den gesperrten
Küstenwanderweg in Heiligendamm wieder zu öffnen. Der Versuch scheint
nicht chancenlos.
Heiligendamm Die Sache ist brisant: Seit Frühjahr 2003 ist der
Weg zwischen der Heiligendammer Promenade und dem Kleinen Wohld
gesperrt. „Zu Unrecht“, wie Heike Ohde findet.
Die Fraktionschefin des
Bürgerbunds feilte bis gestern mit FDP-Mann Harry Klink und den
Mitgliedern ihrer Wählergemeinschaft an zwei Anträgen. Sie sollen zum
einen dafür sorgen, die Sperrung des Durchgangs aufzuheben und zum
anderen die Promenade westlich der Seebrücke öffentlich zu lassen.
Behandeln sollen die Stadtvertreter die Anträge bereits in der
nächsten Sitzung am 25. Oktober. Bis dahin wollen Bürgerbund und FDP
eine Mehrheit organisiert haben. Chancenlos scheint ihr Vorhaben
nicht. Als das Stadtparlament am 10. Juni über den Bebauungsplan
(B-Plan) 25 in Heiligendamm befand, entschloss sich nur eine
hauchdünne Mehrheit dafür, die Promenade westlich der Seebrücke zu
sperren. Elf Ja-, neun Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen gab es.
Mittlerweile könnten sich die Mehrheitsverhältnisse – zu wessen
Gunsten auch immer – verändert haben; zumal drei Tage nach der
damaligen B-Plan-Entscheidung eine neue Stadtvertretung in anderer
Besetzung gewählt wurde.
Heike Ohde geht von einer knappen Entscheidung aus. „Unsere
Anträge sind eine große Chance, den Konflikt in Heiligendamm zu
entschärfen“, meint die 32-Jährige. Sie und die Mitglieder ihrer
Fraktion seien sehr dafür, dass sich Heiligendamm weiter entwickle und
das Kempinski-Hotel viele Gäste anlocke. Recht aber müsse Recht
bleiben. Ähnlich sieht es FDP-Stadtvertreter Harry Klink. „Für mich
ist die Unterbrechung des Europäischen Küstenwanderwegs nicht nur
unrecht, sondern auch kulturlos.“ Klink hat zum Thema einen
Briefwechsel mit der Landesregierung geführt.
In einem Antwortschreiben des Innenministeriums wird
festgestellt, dass es von Seiten der Stadt möglich ist, „gemeindliche
Straßen zu entwidmen“, dass ein entsprechender Antrag aber noch nicht
bei der Straßenaufsichtsbehörde eingegangen sei. „Laut Aussage der
Stadt wird diese beantragt werden, nachdem das B-Plan-Verfahren
abgeschlossen ist“, heißt es weiter.
Von der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH), gegen die
sich die von FDP und Bürgerbund geplanten Anträge richten, gab es
gestern keine offizielle Stellungnahme.
Wie aus ECH-Kreisen
verlautete, dürfte eine Veränderung der B-Pläne auch Konsequenzen für
andere Verträge haben. Dies könnte zu erheblichen Schäden führen.
THOMAS PULT
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Der Druck wächst:
Öffnet den Küstenwald!
Der Bürgerbund - oder
besser: Seine Akteure (den Bürgerbund gab es 1993 noch nicht) - setzte
sich schon 1993 dafür ein, dass Heiligendamm als Staatsbad betrieben wird. Das Land und der Bund
wollten dies aber nicht bezahlen und daher kam es zum Verkauf. Zunächst
versuchte man, die Häuser einzeln zu verkaufen aber als das misslang, weil
sich nur für die Villen, nicht aber für das Ensemble Interessenten fanden,
schrieb man das Objekt als Gesamtobjekt aus.
Es meldete sich u. a. die Dr.-Marx-Gruppe, die das Ensemble als Sanatorium weiter führen aber
zugleich auch einen Neubau errichten wollte. Für diesen Neubau mussten
Bäume weichen und die oben genannten Akteure wollten dies verhindern.
Letztlich platzte der Deal und die Dr.-Marx-Gruppe zog sich zurück. 1996
gelang es ihr dann mit Hilfe der Stadtvertreter ungeachtet des
Widerstandes der o. g. Akteure, die MEDIAN-Klinik zu errichten und dafür
Bäume zu fällen und ersatzweise aufzuforsten. Nun sind die Akteure wieder
da und einige von ihnen haben es bis in die Stadtverwaltung geschafft. Die
Frage dieser Tage ist, ob der Bürgerbund auch Bürgerinteressen vertritt
oder ob es rein patriotische Interessen sind. Die Ostsee-Zeitung wollte es
genau wissen:
Die
Ostsee-Zeitung befragte die Bürger nach ihrer Meinung und fasste zusammen:
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, den 19. Oktober
2004 | Titelseite Bad Doberan
Doberaner
für Öffnung der Wege in Heiligendamm
Heiligendamm Die Sperrung von Wegen in Heiligendamm erregt
wieder die Gemüter. Seitdem FDP und Bürgerbund ankündigten, in der
nächsten Stadtvertretersitzung am 25. Oktober einen Antrag zur Öffnung
des Wanderwegs zwischen Promenade und Kleinem Wohld sowie des
Wegestücks westlich der Promenade zu stellen, ist die Debatte neu
angefacht. Und wie bei jedem Streit sind die Meinungen geteilt.
Eine knappe Mehrheit der Stadtvertreter hatte sich im Juni
dieses Jahres dazu durchgerungen, das Stück westlich des
Seebrückenvorplatzes für die Öffentlichkeit unzugänglich zu machen.
Eine Umgehung über einen Holzsteg sorgt in Höhe des Hauses Weimar
dafür, dass Spaziergänger von A nach B kommen. Sehr müßig, wie viele
bei einer OZ-Umfrage meinen. Für Familien mit Kinderwagen sei bei
starkem Verkehr kaum ein Durchkommen, heißt es von Bürgern auf den
Straßen Bad Doberans und Heiligendamms.
R. K.
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"R.K." ist übrigens
Roland Kaiser. Aber nicht der ;-)
Es geht also in erster
Linie um einen Holzsteg. Die Frage ist, wie die Ostsee-Zeitung seine
Umfrage formuliert hat.
Nimmt man nämlich die
Zusammenfassung, kann man daraus schließen, dass die Bürger gar nicht auf
den Zugang zum Küstenwald bestehen, sondern lediglich mit dem Holzsteg
unzufrieden sind, während sie ihn aber als Alternative akzeptieren.
Dieses Ergebnis sagt
nichts aus, solange keiner weiß, was die Ostsee-Zeitung eigentlich gefragt
hat.
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Den Holzsteg schauen
wir uns jetzt einmal an:
Im Grundlagenvertrag
zwischen der Stadt und der ECH war festgelegt worden, dass die ECH auf
eigene Kosten
einen Steg über das Packwerk als Ausgleich für die Sperrung
des Küstenwaldes errichten muss.
Der Vertrag ist von 1997, wird aber bei
Bedarf fortgeschrieben.
Ab dem Tag, an dem die ersten Bauarbeiter zur
Errichtung dieses Steges angerückt sind,
sollte sich die Diskussion um
Öffentlichkeit im Kleinen Wohld eigentlich erledigt haben,
denn mit der
Genehmigung dieser Brücke über das Packwerk hat die Stadt
auch die
Sperrung des Kurwaldes zumindest akzeptiert.
Außerdem muss klar sein, dass
diese Brücke gebaut wurde, um die Sperrung zu bekräftigen.
Jegliche Diskussion um
Öffentlichkeit im Kurwald ist also durch Vorhandensein dieser Brücke
eigentlich sinnlos.

Die Stadt hat
allerdings versäumt, für den Steg Auflagen zu machen.
Er befindet sich
weit weg vom Strandabgang und zu ihm führt kein Weg, sondern eben nur der
Sandstrand.
Das an sich wäre kein
Problem, denn da auch der Strandabgang nicht behindertengerecht ist,
erübrigt sich der Bedarf nach einem behindertengerechten Weg zum Steg.
Da es sich bei den bisherigen Wegen oben auf der Küste auch nur um
Trampelpfade handelte,
die zwar mit Rollstühlen irgendwie befahrbar aber dafür nicht vorgesehen
waren,
musste auch kein adäquater Ersatz geschaffen werden.
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Allerdings ist
der Steg so wie er ist auch kein Ersatz zu einem Weg oberhalb der
Wasserlinie,
denn schon bei mäßigem Wind aus nördlicher Richtung versinkt
der Pfad zum Steg im Wasser.
Wanderer klettern dann über das Packwerk und
balancieren auf dem Sockel der Plattform entlang.
Zu der Plattform - von
der aus ich 2008 das erste Bild gemacht habe - stellt sich auch die Frage,
ob
sie in dieser Bauweise wirklich nur dem Küstenschutz dienen oder auch für
den Tourismus attraktiv sein sollte.
Im zweiten Fall wäre die Investition
umsonst gewesen angesichts dessen,
dass Jagdfeld die Plattform als
Aussichtsterrasse seines privaten Hauses nutzen wird.
Wenn man von der ECH
also verlangt, den Strandaufgang zu entschädigen,
müsste man das hier auch
von Jagdfeld selbst
fordern.
Der Steg wurde übrigens von der Stadt angenommen und zu der Zeit war das
Wasser weit genug von ihm entfernt.
Die Küstenlinie verändert sich jährlich und das hätte berücksichtigt
werden müssen.
In einem Plan ist darum auch gar nicht von einem Steg nur über das
Packwerk die Rede, sondern von einem begehbaren Küstenschutzweg, also
einer Mauer, auf der man entlang laufen kann und die die Promenade nach
Westen hin verlängert.
Nur: Warum sollte die
ECH diese Kosten auf sich nehmen, wenn niemand das ausdrücklich verlangt?
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Hier hört
der Spaß für die Bürger auf: Der Küstenwald.
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Bürger: Der Küstenwald wurde
widerrechtlich abgeriegelt.

Etwas in Deutschland
widerrechtlich abzuriegeln, ist so nicht möglich.
Wenn eine Abriegelung
erfolgt und dieser von den zuständigen Behörden nicht widersprochen wird,
ist es bestenfalls eine "nicht genehmigte Abriegelung", die in ihrer Art
zwar auch widerrechtlich bleibt aber nun eine gewisse Gewichtung bekommt,
weil keiner der von Amts wegen Verantwortlichen dagegen zu sein scheint.
Komische Rechtslage aber wenn jemand einen nicht genehmigten Zaun
beschädigt, muss er den Schaden ersetzen. Wenn man sich die Pläne der ECH
ansieht, gehört das Alexandrinencottage zum Kaufgegenstand. Damit ist es
dann der ECH auch erlaubt, ihr eigenes Grundstück einzufrieden. Wenn sich
dort also ein Weg auf diesem Grundstück befand und die Stadtverwaltung
diesen nicht als zu erhalten eingestuft hat, dann hat sie entweder
geschlafen oder kein Interesse mehr an diesem Weg.
Und tatsächlich wurde
argumentiert, dass es hier Unfälle gegeben habe und dass das Fahren am
Klippenrand küstenschutzmäßige Bedenken auslöst.
Durchaus nachvollziehbar,
denn es handelte sich um einen so genannten "Trampelpfad", der von
Vertiefungen, Erhöhungen und Baumwurzeln durchzogen war und den Bäumen
Schaden zufügte. Allerdings wäre eine Alternative ein Schwenker nach links
gewesen, um von der Küstenkante weg zu kommen und es hätte sich dort sogar
angeboten, den Weg auf die Zufahrt zum Parkplatz des Kinderstrandes
aufzuziehen und beides zusammen zu einer Straße mit kombinierten Rad-/Fußweg
auszubauen.
Bild:
Versperrter Zugang zum Küstenwald östlich des Alexandrinen-Cottages. (2007)
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Statt dessen entschied
man sich für die teuere Variante, eine Brücke über das Packwerk unterhalb
der Steilküste zu bauen, welche nicht für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer
passierbar ist und wo Radfahrer ihr Rad von der Promenade die Treppe
herunter tragen, es weit durch den Seesand schieben, die Treppe an der
Brücke wieder hinauf und am anderen Ende wieder hinunter tragen müssen.
Anschließend müssen sie das Fahrrad mehrere hundert Meter durch den Seesand
schieben, um es dann am Kinderstrand eine Treppe hoch zu tragen, weil erst
dort wieder ein Weg hoch zum Küstenwald und Küstenwaldweg führt. Dazu ist
die Brücke auch ziemlich eng, sodass entgegenkommende schiebende Radfahrer
Probleme bei der Passage kriegen dürften. Der Europäische Küstenwanderweg E9
jedenfalls führt nun nicht mehr an der Küste entlang, sondern wird vor
Heiligendamm am Kreisel abgezweigt und nach Süden und Westen um Heiligendamm
herum geleitet und hinter Heiligendamm wieder auf die alte Route geführt.
Heiligendamm liegt damit nicht mehr auf der Route des Europäischen
Küstenwanderweges, welcher noch gar nicht ganz fertig ist.
Das Bild zeigt das
Alexandrinen-Cottage (Haus Weimar) mit der Brücke über das Packwerk
unterhalb der Küstenschutzmauer.
Das Gebäude ist von Osten her nicht mehr zu
erreichen und von Westen und Süden her durch besucherlenkende zaunähnliche
Holzkonstruktionen nur noch durch Über- oder Unterklettern dieser
erreichbar.
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Wieder einmal bringt
es der Leserbrief-Schreiber Dieter Rotscheidt auf den Punkt:
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OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, den 23.
Oktober 2004 | Stadt und Land
Isolierstation für Luxustouristen
Zur wieder
aufflammenden Diskussion über das Ostseebad Heiligendamm:
Herr Jagdfeld schließt das Residenzhotel und setzt
nun auf den Erfolg des Grand Hotels. Angesichts eines gähnend leeren
Hotelstrandes (und offenbar auch Hotels) in bester Jahreszeit kommen
da erhebliche Beklemmungen auf. Hat Bad Doberan (wieder einmal) aufs
falsche Pferd gesetzt? Das Hotel wird sicherlich gut geführt, aber das
Umfeld dürfte weder für gut betuchte Snobs noch für
Tui-Pauschaltouristen attraktiv sein.
Als Isolierstation für
Luxustouristen ist Heiligendamm nicht zukunftsfähig. Und eine
abweisende Unkultur der Verbotschilder und Absperrungen erzeugt
Spannungen und schadet der Ausstrahlung und Anziehungskraft.
Dieter Rotscheidt, Bad Doberan
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Die Zeit ist noch
nicht reif. FDP und Bürgerbund auf geordnetem Rückzug.
Wenige Tage nach dem
Aufflammen der Diskussion treffen sich die Stadtvertreter zu ihrer
Sitzung.
In diese wollen
Bürgerbund und FDP ihren oben genannten Antrag einbringen. Dazu kam es
nicht:
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, den 26. Oktober
2004 | Titelseite Bad Doberan
Haushalt
nahm letzte Hürde
Wie erwartet wurde der Entwurf für 2004 von den Doberaner
Stadtvertretern abgesegnet. Andere Punkte flogen von der Tagesordnung.
Bad Doberan „Wir ziehen den Antrag für heute zurück“, sagte der
FDP-Abgeordnete Harry Klink und kantete damit zwei Punkte von der
Tagesordnung, wegen der so mancher Gast zur gestrigen
Stadtvertreter-Sitzung in den Sitzungssaal der Verwaltung gekommen
war. Es ging um ein brisantes Thema: Die Sperrung der Wege in
Heiligendamm.
FDP und Bürgerbund hatten zusammen zwei
BeschluSVVorschläge eingebracht – zum einen den Weg westlich der
Seebrücke und zum anderen den Pfad zwischen der Promenade und dem
Kleinen Wohld wieder für die Allgemeinheit zu öffnen.
Dann kam der
Rückzug: „Der Zeitpunkt ist einfach noch nicht reif“, sagte Harry
Klink am Rande der Sitzung. Es dürfte ein Stück weit darum gehen, Zeit
herauszuschlagen, um Mehrheiten zu organisieren und dann bei einem der
nächsten Termine zu punkten.
Beschlossen wurde auf der Sitzung gestern Abend
dafür ein Papier, das im Idealfall bereits ein knappes Jahr zuvor
hätte rechtskräftig sein sollen: der Haushalt für 2004. Schon im
Vorfeld hatte sich angedeutet, dass der Entwurf eine Mehrheit finden
würde. Mit 19 Ja-, vier Neinstimmen, einer Enthaltung und drei
Sperrvermerken wurde der Plan schließlich abgesegnet.
Die Sperrvermerke hatte die PDS-Fraktion um ihre Chefin Anke
Bitter eingebracht. Nach dem Willen der Stadtvertretung dürfen demnach
drei Positionen nicht ohne eine vorherige Prüfung und Genehmigung
angetastet werden. Zum einen betrifft dies 38 300 Euro für
Anwaltskosten der WIG aus dem Jahr 1993, zum anderen 10 000 Euro für
die Planungen eines Kita-Gebäudes auf dem Drümpel und 239 000 Euro,
die einen Flächentausch der Stadt mit der Kirche zum Inhalt haben.
Ebenfalls beschlossen wurde gestern Abend der so genannte
Haushalts-Sicherungsplan – dies allerdings erst nach stundenlanger
Diskussion. „Das Konzept ist nicht nur lückenhaft, sondern in seiner
inhaltlichen Ausgestaltung nicht nachvollziehbar“, meinte der
SPD-Abgeordnete Frank Pieplow. Große Teile des Vermögens-Haushalts
seien ausgeblendet. Wie die von der Verwaltung vorgeschlagenen
Einspar-Summen zu Stande kommen, sei nicht ersichtlich.
„Es gibt Positionen, die sind errechnet und welche, die pauschal
gekürzt worden sind“, antwortete Bürgermeister Hartmut Polzin.
Allerdings sei das vorliegende Konzept auch nicht das Ende der
Fahnenstange. „Es ist fortzuschreiben“, so Polzin.
„Zerreden Sie bitte das Konsolidierungskonzept
nicht“, mahnte SPD-Fraktionschef Christian Berner. Perspektivisch sei
es gemacht worden – „damit die 12 000 Einwohner und Gäste trotz
schwieriger Lage der Stadt einen Fortschritt in den nächsten Jahren
erkennen können.“
„Das Konzept hat sicherlich Schwächen. Aber es ist
konstruktiv an ihm gearbeitet worden und zum jetzigen Zeitpunkt die
beste Variante“, meinte Einzelkandidat Jochen Arenz. Mit 13 Ja-, zehn
Neinstimmen und einer Enthaltung passierte das Konzept schließlich
knapp die vorerst letzte Hürde.
Änderungsvorschläge des Bürgerbunds und der SPD-Frakktion sollen
in die Diskussionen um die Fortschreibungen des Konzepts einfließen.
Sie betreffen Positionen wie die Reduzierung von Mitteln in Schulen,
bei der Seniorenförderung, die Anhebung von Steuern sowie die Frage
von Entleihgebühren in der Stadt- und Kreisbibliothek (OZ berichtete).
THOMAS PULT
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Woher der plötzliche
Sinneswandel kommt, ist nicht klar.
Vielleicht haben die
beiden Parteien bemerkt, dass es keine Mehrheiten für ihren Antrag geben
wird.
Immerhin wird so aber ein
Zickzack-Kurs verhindert. Es spricht schließlich nicht für eine Stadt,
dass demokratisch gemachte Beschlüsse in der nächsten Legislaturperiode
einfach wieder rückgängig gemacht werden. Investoren brauchen auch eine
gewisse Planungssicherheit.
Wer soll es richten?
Eine Woche später
stehen die Bürgermeister Wahlen an. Die Ostsee-Zeitung befragt die
Kandidaten zum heiklen Thema "Heiligendamm":
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OSTSEE-ZEITUNG |
Donnerstag, den 04. November 2004 | Titelseite Bad Doberan
Semrau:
Begeistert von Heiligendamm
Am 7. November wählen die Bad Doberaner ihren neuen Bürgermeister.
Die OZ befragte die fünf Kandidaten vorab zu wichtigen Themen der
Gemeinde. Hier lesen Sie die Antworten der Bewerber.
OZ: Der Ausbau der Weißen Stadt am Meer durch die
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) wird in den kommenden Jahren
eine gewichtige Rolle in der Stadt spielen. Welche Beziehungen haben
Sie zur ECH, wie stehen Sie zu den Vorhaben und was halten Sie von der
Sperrung ehemals öffentlicher Wege?
Hartmut Polzin (SPD):
Ich arbeite seit fast sieben Jahren partnerschaftlich, konstruktiv und
kritisch mit der ECH zusammen. Grundsätzlich stehe ich positiv zu den
weiteren Vorhaben. An dieser Haltung wird sich auch nichts ändern. Was
wir brauchen, sind Arbeitsplätze, damit unsere Menschen selbstbestimmt
ihr Leben gestalten können. Zur Frage der Öffentlichkeit einiger Wege
in Heiligendamm gibt es unterschiedliche Auffassungen und mittlerweile
eine Klage. Hier werden Gerichte entscheiden. Ich selbst bin auch
Doberaner und kann eigentlich alles in Heiligendamm haben, was ich
will: Strand, Promenade, Natur, Gastronomie.
Thorsten Semrau (CDU):
Wenn ich durch Heiligendamm gehe, bin ich begeistert von der
Entwicklung. Eine Investition von solcher Dimension und Schönheit ist
ein Glücksfall für die Stadt. Die ECH plant durch Rekonstruktion der
Strandvillen und Neubauten für saisonverlängernde Maßnahmen weiter in
den Ortsteil zu investieren. Stadtvertreter und Verwaltung haben die
Aufgabe, nach bestem Wissen und Gewissen Lösungen zu finden, die für
beide Seiten akzeptabel sind. Ich favorisiere immer Gespräche
miteinander, nicht übereinander. Niemand hat Interesse, dem Projekt
Heiligendamm zu schaden.
Peter Husar (Doberaner
Mitte): Die ECH kennt meine Einschätzung zu Schmerzgrenzen der Stadt
und ich deren, also ist das Verhältnis unverkrampft.
Das Vorhaben
„Heiligendamm“ ist ein für das Wohl der Stadt Bad Doberan bedeutsames
Vorhaben, das meine Unterstützung hat. Die Stadt, die ECH und
mittlerweile auch das Grand Hotel haben naturgemäß verschiedene
Vorstellungen, die kontinuierlich über konstruktive Dialoge zu einem
Ziel vereinigt werden müssen. Die „öffentlichen Wege“ wurden mit dem
Expertenkolloquium tiefgreifend und in denkbar breitester Basis
erörtert, zudem im Nachgang rechtlich bewertet. Zum erreichten
Ergebnis stehe ich ohne Wenn und Aber.
Frank-Andreas Jütte
(Einzelkandidat): Der Chef der ECH hat eine tolle Vision für
Heiligendamm. Visionen brauchen Freiraum und viel Engagement, damit
sie verwirklicht werden können. Heiligendamm hat mit der ECH einen
Investor, den ich in der Vergangenheit unterstützt habe und das wird
auch so bleiben. Wir haben einen „guten Draht“ zueinander. Wenn es für
den Erfolg der ECH oder des Grand Hotels notwendig ist, sollte man der
Sperrung von öffentlichen Wegen nicht negativ gegenüberstehen, denn
ein leeres Kempinski sollten wir uns lieber nicht vorstellen.
Holger Tamm
(Einzelkandidat): Ich habe zur ECH und zu Kempinski eine kritische
Beziehung, denn sie agieren gegenüber den Bürgern undiplomatisch –
eben nach Gutsherrenart. Bei ihnen ist keine Bereitschaft zu erkennen,
auf die Empfindungen der Doberaner Rücksicht zu nehmen. Das Vorhaben
an sich verfolge ich mit Faszination. Es ist unbestritten ein
großartiges Projekt, das jedoch durch Sperranlagen und bedrohliche
Wachmänner die Bevölkerung von Bad Doberan gegen sich aufgebracht hat.
Hier haben die ECH und Kempinski einiges an zerschlagenem Porzellan zu
kitten.
Interviews: THOMAS PULT
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Polzin soll es
richten!
Das Votum in Bad
Doberan ist eindeutig: Hartmut Polzin bleibt Bürgermeister.
An das Votum war ja
nichts gebunden. Man folgt dem, was er erreicht hat und dem, was er
anstrebt.
Außerdem wird der
Bürgermeister zu der Zeit nicht direkt gewählt.
Die SPD ist stärkste
Kraft und stimmt natürlich geschlossen für ihren Kandidaten.
Und schon geht es
ans Eingemachte:
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OSTSEE-ZEITUNG |
Wochenendausgabe, den 13. November 2004 | Titelseite Bad Doberan
Fundus kauft ein Stück Promenade
Die Stadt will Grundstücke in Heiligendamm veräußern.
Über
Erbbaurechtsverträge. OZ liegen dazu interne Papiere vor.
Bad Doberan Die Stadt Bad Doberan will 875 Quadratmeter
Grundstück in Heiligendamm an die Fundus-Gruppe veräußern. Davon
betroffen wäre ein Stück Promenade bzw. Küstenwanderweg, kurz hinter
der Seebrücke in westliche Richtung. Dazu liegen der OZ Vorlagen vor,
die auf der Stadtvertreterversammlung einen Tag nach der
Bürgermeisterwahl, im nicht öffentlichen Teil beschlossen werden
sollen.
Das gewählte Gremium soll
danach beschließen, dass für eine Teilfläche aus dem Flurstück 11/22
und für das Flurstück 11/18 ein Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre
zwischen der Stadt und der Grand Hotel Gesellschaft abgeschlossen
wird. Der Erbbauzins solle für den Grund und Boden eine Höhe von 8
Prozent jährlich betragen. Beide Flurstücke befinden sich noch im
Eigentum der Stadt Bad Doberan.
„Die Angelegenheit wurde
ausführlich im Kolloquium, in Stadtvertretersitzungen und
Ausschusssitzungen öffentlich diskutiert“, so gestern dazu
Bürgermeister Hartmut Polzin. Doch auf Grundlage der Hauptsatzung und
der Kommunalverfassung wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, wenn es
sich um Grundstücksangelegenheiten handelt“, erklärte Polzin, dass die
Vorlagen im nicht öffentlichen Teil behandelt würden. Das sei üblich.
Alle vorbereitenden
Beschlussfassungen für den anstehenden Erbbaurechtsvertrag wären
öffentlich gewesen, machte Birgit Mersjann als
Stadtvertretervorsteherin klar. Sie verweist auf den Beschluss des
Bebauungsplanes 25 am 10. Juni.
„Die Vorlagen setzen
eigentlich nur die vorhandenen Beschlüsse um“, sagt Hans Schlag, einer
der Geschäftsführer der Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH). Und
auch ECH-Geschäftsführer Heiner Zimmermann unterstreicht: „Es soll nur
auf dem Verwaltungswege zu Ende gebracht werden, was die
Stadtvertretung bereits beschlossen hat.“ Beide Chefs machen keinen
Hehl daraus, dass sie enttäuscht sind, dass der Entwicklung
Heiligendamms immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, auch, weil
ein demokratischer Prozess immer wieder in Frage gestellt werde.
Die Beschlüsse seien gefasst.
Nur gehe es jetzt darum, zu welchen Konditionen, erklärt Birgit
Mersjann. Die zweite OZ vorliegende Sitzungsvorlage beschäftigt sich
mit 600 Quadratmetern Fläche, die für den Bau des Hotels „Adlon am
Meer“ veräußert werden soll, ebenfalls über Erbbaurecht. Die Wege, um
die es sich handelt, würden nach geplanter Bebauung in Sackgassen
münden. Doch das Wegenetz im Kurpark werde neu gestaltet. „Wir werden
uns auf Trassen beziehen, die vorhanden sind“, so Polzin.
Die Sitzungsvorlagen sind an
alle Stadtvertreter raus. „Sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Ein Weitergeben kann sogar strafbar sein“, macht Mersjann aber auch
deutlich.
RENATE PETER
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Eigentlich ist es mehr
ein Tausch, als ein Kauf aber da man nicht einfach Grundstücke
gegeneinander tauschen kann, wird gegenseitig gekauft. Ein Teil des
Seebrückenvorplatzes gehört der ECH und dieser Teil geht nun an die Stadt,
die dafür die Promenade bis zum Küstenwald abtritt. Mehr Infos finden Sie
vier Jahre nach dieser Info bei der Umsetzung - im März 2009.
Der Beschluss dazu
wurde schon am 10.06. gefasst. Die Sperrung des
Kleinen Wohld ist mit diesem Beschluss besiegelt. Allerdings sind nicht
alle Stadtvertreter davon angetan. Der neue alte Bürgermeister zeigt mehr
Elan, als den meisten lieb ist. Immerhin ist der Beschluss,
Erbpachtverträge statt Kaufverträge zu nehmen aber positiv zu werten, denn
er hält auf Jahre beiden Seiten neue Optionen offen. Auch das "Adlon am
Meer" und der Kurpark nehmen auf dem Papier Gestalt an. Von Sperrungen
redet man lieber nicht. Statt dessen sorgt man wieder für Stimmung:
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OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, den 30. November
2004 | Titelseite Bad Doberan
Sieben
Villen auf einen Streich
Die Logierhäuser am Heiligendammer Strand sind noch immer graue
Ruinen. Langsam kommt aber Schwung in den Wiederaufbau.
Heiligendamm Es wird ein wichtiger Termin für die
Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm. Mitte Dezember will das
Unternehmen der Fundus-Gruppe bei einer Vor-Ort-Begehung entscheidende
Weichen stellen für ein Projekt, das die Compagnie seit Jahren
vorantreibt: den Wiederaufbau der klassizistischen Villen am Strand
von Heiligendamm.
Die sieben kapriziösen Logierhäuser sollen – soweit
möglich – auf einen Streich restauriert werden. Fertigstellung:
frühestens 2007. „Wichtig ist, dass die Leute sehen, es geht weiter in
Heiligendamm“, sagt ECH-Geschäftsführer Hans Schlag. Es ist beileibe
keine leichte Aufgabe, die da auf ihn zukommt.
Mit am schwierigsten in dem Mammut-Vorhaben dürfte
der Vor-Ort-Termin in der weißen Stadt am Meer werden. Für die ECH
gilt es, an jenem Tag Leute zu überzeugen: Vertreter der Stadt, der
unteren Denkmalschutzbehörde und des Schweriner Bauministeriums.
Vermutlich kommen auch Gesandte des Landesamts für Denkmalpflege.
Was die ECH-Vertreter ihnen erzählen werden, dürfte
für die meisten nicht neu sein: dass die Entwicklungs-Compagnie nach
großherzoglichen Grundrissen 100 Zimmer mit Fünf-Sterne-Komfort
einrichten will, dass drei der Villen („Perle“, „Möwe“ und „Schwan“)
so marode sind, dass sie abgerissen und neu gebaut werden müssen.
Ferner, dass von den restlichen vier Häusern nur die Fassaden stehen
bleiben können.
Möglicher Reibungspunkt: die Entkernung der Villen
„Greif“, „Seestern“, „Hirsch“ und „Anker“, gegen die sich
Denkmalpfleger bereits aussprachen. Als die ECH unlängst die Entwürfe
der Bauanträge bei der zuständigen Behörde einreichte, kam drei Wochen
später die Antwort: Abriss mit anschließendem Wiederaufbau der Häuser
„Perle“, „Möwe“ und „Schwan“ ja, Entkernung der vier anderen Villen
nein. Zu befürchten steht, dass von der alten Bausubstanz nichts übrig
bleibt.
Die ECH will einen Kahlschlag
verhindern. Wird sie mit den Beteiligten einig, sollen die Bauanträge
im Januar eingereicht werden.
Wenn diese genehmigt werden, könnte ein knappes Jahr später der erste
Kran anrücken.
Die Arbeiten dürften dann etwa zwei Jahre dauern.
Sind die Häuser fertig, sollen die Luxus-Zimmer und Edel-Wohnungen
verkauft werden – zu einem Quadratmeterpreis im fünfstelligen Bereich.
Nach dem zwischen ECH und Bad Doberan abgeschlossenen städtebaulichen
Vertrag müssen sich die Käufer dabei verpflichten, die Villen
mindestens sieben Monate im Jahr zur Vermietung bereitzustellen.
Kauf-Interessenten gebe es trotz dieser Einschränkung bereits einige.
Wer die Villen betreiben wird, sei indes unklar.
Denkbar wären sowohl ein Hotel Adlon am Meer als auch eine Erweiterung
des Kempinski Grand Hotels.
THOMAS PULT
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Im Gegensatz zu
Jagdfeld nennt Schlag einen Termin. Zwar ist "frühestens 2007" auch ein
weit gefasster Termin aber ab 2007 wird man verstärkt darauf achten, dass
die ECH ihre Zusicherung einhält. Für die Villen selbst ist es alles
andere als gut, noch zwei Jahre leer zu stehen. Zumal auch nie davon die
Rede ist, sie zu sichern oder die undichten Stellen zu stopfen. Erstmals
ruft das Vorhaben auch die Denkmalschützer öffentlich auf den Plan. Sie
waren bei den anderen Bauten auch beteiligt aber das drang nicht so sehr
an die Öffentlichkeit. Dass es noch kein Betreiberkonzept gibt, ist
weniger zu beanstanden. Erstens müssen die Villen sowieso saniert werden
und zweitens entwickelt die ECH Heiligendamm nur. Kempinski stieß auch
erst später dazu.
Und wieder die
obligatorische OZ-Positivschlagzeile zum Jahresende:
Irgendwie passt es
immer wieder. Entweder befragt die
Ostsee-Zeitung Jagfdeld oder die ECH nach den Plänen und filtert sich das
Positive heraus oder es gibt einfach mal positive Meldungen. Wie hier die, dass der
G8-Gipfel nach Heiligendamm kommt. Zumindest 2004 ist das eine positive
Meldung, denn das verspricht Aufschwung für die ganze Region.
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OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, den 29. Dezember 2004 | Titelseite
Staatschefs zum Gipfel nach Heiligendamm
2007 ist das Ostseebad Gastgeber des
Weltwirtschaftstreffens der G8-Staaten. Schwerin fördert dafür neue
Millioneninvestitionen.
Heiligendamm (OZ) Die Entscheidung ist gefallen: Das Ostseebad
Heiligendamm wird 2007 Austragungsort des Treffens der Regierungschefs
der sieben führenden Wirtschaftsnationen und Russlands (G8) sein.
Damit hat sich Mecklenburg-Vorpommern mit seiner Weißen Stadt am Meer
und deren klassizistischer Hotelanlage aus der
Fünf-Sterne-Plus-Kategorie gegen starke Bewerber aus vier
Bundesländern durchgesetzt. Darunter sollen renommierte Tagungsstätten
wie Baden-Baden oder Schloss Gottorf (Schleswig-Holstein) gewesen
sein.
„Die Auswahl ist eine große Ehre und Herausforderung
zugleich“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef, Harald
Ringstorff (SPD). Die gesamte Wirtschaft, nicht nur der Tourismus,
würden von dem Treffen profitieren.
Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) sprach von der
„besten Botschaft des Jahres“, der Gipfel im ältesten deutschen Seebad
werde „Werbung für das Land auf Gipfelniveau“ sein. Jetzt gelte es,
fristgerecht die bis dahin nötigen Baumaßnahmen zu erledigen.
So
sollen die noch unsanierten Logierhäuser in Heiligendamm hergerichtet,
das bereits geplante Konferenzzentrum gebaut und die Landesstraße im
Ostseebad saniert werden. Den Bauaufwand bezifferte Ebnet auf 70 bis
100 Millionen Euro, wobei sich das Land mit der üblichen Förderung
beteiligen werde. Das hörte Johannes Beermann gern.
Der Sprecher des
Heiligendamm-Investors Fundus Gruppe, sagte, rund zwei Jahre Bauzeit
würden reichen, um alles so weit herzustellen, dass der Gipfel
stattfinden kann. „Wir schaffen das.“
Der Chef des Heiligendammer Kempinski-Hotels, Thomas
Klippstein, war hocherfreut: „Einfach großartig. Das macht uns
international bekannter.“ Zum Gipfel seien Tausende Gäste,
Staatschefs, Tagungsteilnehmer, Journalisten und Sicherheitskräfte zu
beherbergen. Davon würden auch die Hotels in der Nachbarschaft
profitieren.
Das sieht auch Uwe Barsewitz, Hauptgeschäftsführer
des Hotel- und Gaststättenverbandes M-V, so. Er sprach von 10 000
Übernachtungen, die nicht nur in Heiligendamm, sondern auch in
Kühlungsborn, Warnemünde und Rostock zu realisieren seien. Die Region
werde im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit stehen. Aber auch
internationales Niveau bieten müssen, so Barsewitz.
KLAUS WALTER
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Noch immer ist nicht
von den Wegen die Rede. Das Problem scheint totgeschwiegen zu werden.
Der Bürgerbund aber gibt
nicht nach und brachte nun eigene Konzepte ein. Zur Zeit des
Experten-Kolloquiums gab es den Bürgerbund ja noch nicht.
Fazit 2004:
Neue Hoffnungen.
Experten treffen sich, man redet mit den
Bürgern, einige von ihnen engagieren sich für Heiligendamm in einer
Bürgerinitiative und am Ende steht sogar das Versprechen, die
Perlenkette wieder aufzubauen.
Doch unvergessen sind auch die Absperr-
und Abrisspläne. Ein ruhiges Jahr. Die Ruhe vor dem Sturm?

Hier geht es weiter:
2005:Schon wieder neue Wege in Heiligendamm?
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