Zeit am Meer


Bad Doberan und Heiligendamm - Geschichte, Werdegang und Zukunft. Chronik, Foto-Rundgaenge, Gebaeudedatenbank, Oeffentliche Diskussion.
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2001: In Heiligendamm wird fleißig gebaut.

 

Die Ostsee-Zeitung versorgt die Leser Woche für Woche mit dem Neuesten live von der Jahrhundertbaustelle.

Enthusiastisch wird vom Wiederaufbau der Weißen Stadt am Meer berichtet. Alle sind zufrieden - selbst die Denkmalschützer.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 6./7. Januar 2001  |  

Baulärm in der Weißen Stadt

Kölner Fundus-Gruppe hat in Heiligendamm mit dem Umbau begonnen
 

Heiligendamm, Deutschlands ältestes Seebad, wird groß umgebaut. Die Fundus-Gruppe aus Köln macht mit vielen Millionen alles neu in der Weißen Stadt am Meer. Die klassizistischen Villen werden entkernt. Alte Bausubstanz bleibt auf der Strecke – bis auf die Fassaden.

Heiligendamm (OZ) Baulärm in der Weißen Stadt am Meer. Abrissarbeiten. Gewühlt wird mitten in den Häusern: Wo früher die Kronleuchter von den Stuckdecken hingen, klafft jetzt das Nichts. Die meisten Innenwände und Zwischendecken sind schon herausgerissen. Am schlimmsten sieht das ehemalige Haus „Berlin“ aus. Die nackten Außenwände umschließen nur noch matschigen Erdboden.

Für Peter Sähn (63) von der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm Grund zur Freude. „Wer das künftige Grand Hotel vorher gesehen hat, wird sagen: Was für ein Glück“, ist der Betriebswirt überzeugt. Sein Argument: „In dieses Haus wurde noch zu DDR-Zeiten ein Beton-Fahrstuhl eingebaut, an dem alle Stockwerke aufgehängt waren. Da gab es nichts zu retten.“

Kein Stuck, keine Wandvertäfelungen, keine Dielenfußböden mehr. Genau wie in den anderen Häusern, die nun zum Luxus-Hotel-Ensemble hergerichtet werden: Dem Haus Mecklenburg, der Burg Hohenzollern, der Orangerie. Überall drehen sich die Kräne, fahren Arbeiter Schubkarren voll Bauschutt aus den sich lichtenden Etagen. Einzig der Saal im Kurhaus soll erhalten bleiben, als letzte Referenz an anno dazumal. Ansonsten steht allen fünf Häusern das gleiche Schicksal bevor: Totale Entkernung.

Die Denkmalschützer ballen die Faust in der Tasche. „Natürlich haben wir ein Problem damit. Für uns ist das eine extreme Zerstörung der Substanz“, bedauert Kreis-Denkmalschützer Andreas Baumann. Deshalb habe die Landesdenkmalpflege die Entkernung auch abgelehnt. Aber das Landesbauministerium gab trotzdem grünes Licht. Viel sei ja auch wirklich nicht mehr vorhanden gewesen von der alten Pracht, meint Baumann. „Das meiste haben schon die Russen nach dem Krieg entfernt.“ Und was Statik, Schall- und Brandschutz angehe, sei Stahlbeton natürlich besser...

Das findet Bauherr Anno August Jagdfeld (52) auch. Er ist der Boss der Kölner Fundus-Gruppe, die Alt-Heiligendamm 1996 erworben hat. Das Adlon in Berlin, den Quellenhof in Aachen, zahlreiche Büro- und Einkaufszentren nennt er sein eigen. Und nach anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten scheint nun auch das Heiligendammer 300-Millionen-Mark-Projekt endlich realisiert zu werden. Noch werden über das Internet zwar Fonds-Anleger gesucht (Mindesteinlage 50 000 Mark). Doch mehr als zwei Drittel des Immobilienfonds sind eingezahlt, für den Rest gebe es Bankbürgschaften. „Ende 2002“, verspricht Sähn, „zieht Kempinski in die Häuser ein und eröffnet ein Fünf-Sterne-Hotel mit 220 Zimmern und Suiten.“ Für Bad Doberan und Umgebung entstünden damit rund 150 neue Arbeitsplätze.

Heiligendamm wäre dann wieder Urlaubsort der Reichen und der Schönen. Golfer, Tennisspieler, Pferdefreunde, Ballonfahrer, Segler, Surfer werden erwartet. So steht es in den Internet-Seiten der Fundus-Gruppe (www. fundus.de). „Die Gäste werden kommen“, ist Sähn überzeugt. Wegen des historischen Ambientes, wegen der guten Luft.

Am Strand aber müssen sich die vornehmen Hotelgäste unters Volk mischen. Denn der Strand wird öffentlich bleiben, das ist in Deutschland so.
Nicht nur deshalb hegen Tourismus-Fachleute Zweifel am Erfolg des Projekts. Die erhoffte Auslastung von 60 Prozent im ersten Jahr, unkt Torsten Renzow vom Hotel- und Gaststättenverband, erscheine fragwürdig. Zumal bei Zimmerpreisen von 323 Mark aufwärts. Sähn teilt diese Bedenken nicht. „Die Zahl ist sicher nicht zu hoch gegriffen. Kempinski jedenfalls ist sehr, sehr optimistisch“.

Fest steht: Die Dimensionen des Projekts sprengen die jedes anderen Seebades im Land. Neben dem Hotel-Neubau renoviert die Fundus-Gruppe auch die sieben herrschaftlichen Villen am Heiligendammer Strand. Darin entstehen 39 Luxus-Appartements, 90 bis 150 Quadratmeter groß. Auch sie sollen bis 2002 fertig sein. „Der Verkaufspreis orientiert sich an Sylt“, sagt Sähn. „Rund 15 000 Mark pro Quadratmeter.“

Und damit nicht genug. Fundus hat zusätzlich das Gut Vorder Bollhagen gekauft, mit 500 Hektar Land, 240 Rindern und 100 Schafen. „Zur Belieferung des Hotels und der Region mit ökologischen Nahrungsmitteln“, erläutert Sähn. 100 Pferdeboxen stehen bereit, auf den weitläufigen Weiden grasen 30 Mecklenburger Warmblutpferde. Der Anfangsbestand eines eigenen Fundus-Gestüts, das ab 2002 die Hotelgäste mit Reitpferden versorgen soll. Das Reit- und Pferdezentrum Vorder Bollhagen wird ab 2002 nur noch durch einen gigantischen Golfplatz von Heiligendamm getrennt. Eine Umgehungsstraße, die die Weiße Stadt von lästigem Alltagsverkehr befreien soll, ist schon im Bau.

Was hier entstehen soll, ist kein normales Hotelprojekt. Es ist ein enormes Tourismus-Imperium vor den Toren Bad Doberans, das in ganz Europa seinesgleichen sucht. Fundus-City sozusagen. Und das nächste Fundus-Projekt im Land ist in der Planung: Wustrow. Die Halbinsel bei Rerik hat der Konzern schon 1998 für 12,5 Millionen Mark erworben. Dort wird eine Feriensiedlung entstehen. Investitionsvolumen: Nochmal 300 Millionen Mark. Sähn lächelt zufrieden. „Sie dürfen gespannt sein.“

MARCUS STÖCKLIN
 

 

Wir sind gespannt.

 

Es dauert doch ein wenig länger, als geplant.

 

Was hinter den Fassaden und Putzschichten ist, weiß man vorher nicht.

Zusammen mit den Denkmalschützern tüftelt die ECH an Lösungen kleiner und großer Probleme:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 17./18. März 2001  |  

Alte Bausünden machen den Sanierern zu schaffen

Sicherung der Fassaden erfordert hohen Aufwand

Morsche Balken, Risse in fast allen Wänden sind Indizien dafür, dass vor 200 Jahren in Heiligendamm mit flinker Kelle gebaut wurde.
Mit viel Aufwand wird heute saniert.


Bad Doberan (OZ) Unseren Vorfahren wird häufig nachgesagt, dass sie solide Bauherren gewesen seien. Dafür gibt es auch in unserer Region viele gute Beispiele. Viel weniger bekannt ist, dass in grauer Vorzeit auch etliche Bausünden begangen wurden, die heute Sanierer und Denkmalschützer erheblich ins Schwitzen bringen.

So entdecken die Handwerker, die in Heiligendamm gegenwärtig damit beschäftigt sind, die Fassaden der klassizistischen Gebäude zu sichern, fast täglich neue Unzulänglichkeiten. Fast an jeder Mauer sind große Risse abzudichten. Dort, wo diese Arbeit mit moderner Verpresstechnik bereits erledigt wurde, ist der bisherige Verlauf der Risse deutlich zu erkennen. Der Technische Leiter der Entwicklungs-Companie Heiligendamm (ECH), Hans Schlag, erklärt, warum der Zahn der Zeit so unbehelligt sein zerstörendes Werk verrichten konnte: „Die Qualität der Substanz ist manchmal für uns erschreckend. Es wurde bei diesen Bauten nicht immer das beste Material verwandt. Auch handwerklich wurde an manchen Stellen wirklich gepfuscht“, weiß der Architekt und zeigt auf eine vom Putz freigelegte Wand, die an wichtiger Stelle nicht im Verbund gemauert ist.“ Außerdem hätten sich Umbauten nicht immer positiv ausgewirkt. So seien Luken zugemauert worden, die zuvor für die ständige Belüftung der Dachbalken gesorgt hatten.

Den dadurch erreichten schlechten Zustand des Gebälks bedauert der ECH-Mann und fügt hinzu: „Auch wurden Fenster an der einen Stelle zugemauert und an anderer Stelle neu errichtet. Dadurch veränderte sich die Stabilität der gesamten Wand.“ Bei der Sanierung des Hotel-Komplexes in Heiligendamm kommt es den neuen Bauherren heute darauf an, einerseits die Originalität der klassizistischen Bauten wenigstens nach außen zu wahren und andererseits solide Bauwerke zu schaffen, die einer stärkeren Belastung standhalten.

Daraus ergibt sich für die Sanierer nicht selten ein Spagat zwischen den Anforderungen der Denkmalpflege und der bautechnischen Realität. „Es macht keinen Sinn, einen Balken zu belassen, der zu 70 Prozent morsch und damit unbrauchbar ist, auch nicht, wenn es ein Originalstück ist“, meint Hans Schlag. Ständig stehen er und seine Fachkollegen mit den Denkmalschützern der Kreisverwaltung in Kontakt. Gemeinsam versuche man stets, die beste Lösung zu finden, beteuert der ECH-Architekt.

„Man darf nicht vergessen, dass die Häuser hier einst nur für den Aufenthalt im Sommer gedacht waren und für diesen Zweck gebaut wurden. Wir müssen bei der Sanierung gründlicher sein als unsere Vorfahren, weil die Hotels ganzjährig genutzt werden und noch sehr lange halten sollen“, begründet der Generalbevollmächtigte der Fundus GmbH, Professor Ottmar Braun, den hohen technischen Aufwand, mit dem die Fassaden- und Fundamentsicherung betrieben wird.

Ende des Monats sollen diese Arbeiten im wesentlichen abgeschlossen sein. Die Ausschreibung für die Hochbauarbeiten, die im April beginnen sollen, erfolgte Anfang des Jahres. Von 14 Bewerbern liegen laut Schlag noch vier Unternehmen im Rennen, darunter auch eine Firma aus der Region. Entscheiden will sich die ECH in den nächsten Tagen.

Noch liegen die Heiligendammer im Zeitplan. Auch die Behörden haben ihre Hausaufgaben gemacht. So liegt auch die Baugenehmigung für das „Severin-Palais“, das neben dem „Grand-Hotel“ errichtet wird, bereits vor.

ROLF BARKHORN
 

 

 

Aber man ist optimistisch.

 

Die Bauarbeiten laufen ja und da muss man sich um deren Abschluss auch keine Gedanken machen.

Außer den selbst gesetzten Terminen drängt die ECH ja keiner. Man ist froh, dass sich überhaupt etwas tut.

Inzwischen sind auch die Experten frohen Mutes. Okay, das sind von der ECH bestellte Experten aber das muss nichts heißen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 9. März 2001  |  

Experten bewerten Projekt Heiligendamm positiv

Heiligendamm (dpa/OZ) Die Münchner Unternehmensberatung Treugast hat dem Investitionsprojekt der Kölner Fundus-Gruppe „Grand Hotel Heiligendamm“ in ihrem jüngsten Gutachten gute Aussichten auf Erfolg bescheinigt. Die 300-Millionen-Mark-Investition an der Ostsee biete „deutlich überdurchschnittliche Sicherheiten“, heißt es in der Investment-Beurteilung. Standort, Konzept und Betreiber seien positiv bewertet worden, teilte Fundus mit. Die Treugast stufte das Hotellerie-Projekt in so genannte „Blue Chips“ ein. So werden in der Fachsprache Unternehmen mit „deutlich überdurchschnittlicher Sicherheit“ bezeichnet. Für die Anleger sind laut Fundus Renditen von bis zu zehn Prozent jährlich möglich.
 

 

 

Jagdfeld zeigt, wo es lang geht.

 

Nun da die Masse das von FUNDUS geleistete nicht ohne Ehrfurcht erblicken kann, ist es für Jagdfeld Zeit, sich ein wenig in Szene zu setzen.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 12. April 2001  |  

Exklusive Hotelanlage soll 2002 öffnen

Start der Rohbauarbeiten in Heiligendamm

Heiligendamm (ddp) Im Hotelkomplex des Ostseebades Heiligendamm sollen bereits Ende 2002 die ersten Gäste übernachten können. Die Entkernungsarbeiten an den historischen Gebäuden in dem ältesten deutschen Seebad werden noch in dieser Woche abgeschlossen, sagte der Inhaber der Kölner Fundus-Gruppe, August Jagdfeld, gestern in Heiligendamm (Landkreis Bad Doberan). Die Gruppe hatte den in Deutschland einmaligen Komplex der „weißen Stadt am Meer“ 1996 von der Treuhand gekauft.

Bereits am Dienstag soll mit den Rohbauarbeiten begonnen werden, erläuterte Jagdfeld dem Ministerpräsidenten Harald Ringstorff (SPD) bei seinem Besuch. Die Gesamtkosten für den direkt am Wasser gelegenen Komplex belaufen sich auf 300 Millionen Mark. Die Fondplatzierung für Heiligendamm liegt schon jetzt bei 60 Prozent, betonte Jagdfeld.

Der Hotelkomplex der gehobenen Preislage wird über 500 Betten verfügen und von der Kempinski-Gruppe betrieben. Als saisonverlängernde Maßnahmen seien ein Wellness-Bereich und ein neuer Golfplatz vorgesehen. „Auf dem Gut Vorder Bollhagen in der Nähe wollen wir ein Reitsportzentrum mit 150 Pferden etablieren und an die Doberaner Rennwoche anknüpfen.“ Außerdem solle auf dem Gut, das einmal für 6000 Hektar zuständig war, Ökolandwirtschaft betrieben werden.

Als „zumindest etwas problematisch“ stufte der Fundus-Chef Bad Doberaner Pläne ein, am Rande der Kreisstadt in Richtung Heiligendamm den Ferienpark „Kammerhof“ zu bauen. Er soll 32 Hektar umfassen und eine Kapazität von 1700 Betten aufweisen. Derartige Massenunterkünfte passten nicht in die unmittelbare Nähe der „weißen Stadt am Meer“ mit ihrem Anspruch auf Exklusivität.
 

 

Einem Baubericht folgen Zukunftsvisionen und an dieser Stelle mischt Jagdfeld sich dann auch mal beiläufig in die Politik ein.

Ein mehr als 5 Kilometer entfernter Ferienpark passt nicht zu Heiligendamm. Da ist so viel Wald zwischen...

Besteht denn die Gefahr, dass die Grand-Hotel-Klientel Gefallen am Mittelklasse-Ferienpark Bad Doberans findet und das Feriendorf Konkurrenz für Kempinski wird? Oder sind 1.700 "normale" Gäste etwas, das man seiner eigenen Klientel nicht zumuten möchte?  Diese Fragen stellen sich in diesen Tagen und sorgen für Gespräche.

 

 

Gespräche, die dem Investor nicht gut tun:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 9. Mai 2001  |  

Küstenschutz erfolgt nicht nur für Fundus

StAUN-Amtsleiter informierte den Umweltausschuss

Bei einem Lokaltermin in Heiligendamm informierten sich gestern die Mitglieder des Ausschusses für Natur und Umwelt des Kreistages Bad Doberan über Maßnahmen zum Küstenschutz.

Heiligendamm (OZ) In Form einer Exkursion mit fachkundiger Erläuterung fand gestern Nachmittag im Seebad Heiligendamm die Sitzung des Kreisumweltausschusses statt.

Vor Ort informierten sich die Ausschussmitglieder über den Stand der bereits erfolgten Küstenschutzmaßnahmen und über weitere Vorhaben.

Der Leiter des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StAUN), Hans-Joachim Meier, hob hervor, dass der Küstenschutz in diesem Abschnitt von großer Bedeutung sei.
Der Amtsleiter berichtete, dass in einer Podiumdiskussion in Rostock dem StAUN vorgeworfen wurde, die Küstenschutzmaßnahmen würden nur für die Fundus-Gruppe gemacht.

Diesen Vorwurf wies Meier ausdrücklich zurück. „Jeder der hier lebt, weiß, welcher Schaden an der Küste durch Hochwasser entstehen kann.
Unsere Maßnahmen sollen den ganzen Ort Heiligendamm schützen“, betonte der StAUN-Chef.
Dass bei der Planung die Sanierer des Seebades mit ins Boot geholt werden, sei für ihn normal, unterstrich der Amtsleiter.

Einen nicht unerheblichen Einfluß auf die Gestaltung des Küstenschutzes links und rechts der Seebrücke hat Meier zufolge auch das Landesamt für Denkmalpflege.

Um die Sicht auf die Villenstadt von der Seeseite aus und umgekehrt nicht zu versperren, soll hier an der Uferkante eine etwa drei Meter hohe Spundwand errichtet werden. Bereits in den nächsten Tagen werde die Planung hierfür abgeschlossen sein und die Ausschreibung erfolgen, so Meier.

Er wies darauf hin, dass beim Einbringen der Pfähle für die Spundwand besonders sensibel vorgegangen werden müsse, da von einigen Häusern zurzeit nur noch die äußeren Mauern stehen und die Gebäude bei starken Erschütterungen einstürzen könnten. Da mit der Spundwand die notwendige Höhe einer Schutzmauer noch nicht erreicht wird, will das StAUN die Grünfläche zwischen der Promenade und den Häusern erhöhen. Als besonders sensibel bezeichnete Meier den Abschnitt am „Haus Bischofstab“. „Dieses Gebäude steht so dicht am Ufer, dass der Küstenschutz bei der Sanierung berücksichtigt werden muss“, so der Amtsleiter.

Die Küstenschutzmaßnahmen, die das StAUN in diesem Jahr hier realisiert, werden etwa drei Millionen Mark kosten.

ROLF BARKHORN
 

 

 

Und das Abwandern eines beliebten Gewerbes macht die Sache nicht einfacher:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 18. Mai 2001  |  

Heiligendamm im Sommer ohne Strandkörbe

Furcht vor Baulärm: Vermieter zog nach Rerik

Baumaschinenlärm verträgt sich nicht mit dem Bedürfnis nach Ruhe, das Urlauber nun einmal haben, meint Gert Köber. Er kehrt mit seinen 80 Strandkörben dem Ostseebad Heiligendamm den Rücken.

Bad Doberan/Rerik (OZ) Wer sich in diesem Sommer im ältesten deutschen Seebad Heiligendamm als Einheimischer oder Tourist einen Strandkorb mieten möchte, wird enttäuscht sein, denn: Gert Köber, bis zum vergangenen Jahr Strandkorb-Anbieter im seewärts gelegenen Bad Doberaner Ortsteil, hat seine 80 maritimen Sitzmöbel abgezogen und seine Aktivitäten nach Rerik verlegt. In Heiligendamm selbst stehen somit keine Strandkörbe mehr zur Verfügung. Die Korbstühle des Residenz-Hotels, bestätigte Inhaber Klaus Metz, sind nur für die Gäste des Hauses bestimmt.

„Für mich birgt der Baulärm in Heiligendamm ein viel zu großes Risiko“, begründet Köber seinen Umzug in die rund 15 Kilometer westlich gelegene kleine Nachbarstadt. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass im Heiligendammer Uferbereich eine Schutzmauer rekonstruiert und lärmintensiv eine Spundwand gezogen werden soll. „Ich frage mich, ob dann überhaupt noch Gäste nach Heiligendamm kommen“, macht sich Köber so seine Gedanken. Da nütze auch die badefreundliche Aufspülung des Strandes nichts mehr.

Deutlich unterstreicht Köber jedoch, dass er mit seinen Strandkörben Heiligendamm nicht für alle Zeiten den Rücken kehren möchte. Deswegen habe er auch einen Brief an den Bad Doberaner Bürgermeister Hartmut Polzin geschrieben und ausdrücklich sein Interesse an einer Rückkehr zum ursprünglichen Standort bekundet.

Knackpunkt des Miteinanders zwischen dem Unternehmer und der Kommune ist jedoch, dass der Vertrag–der Köber die Aufstellung und Vermietung seiner Strandkörbe in Heiligendamm erlaubt–im kommenden Jahr ausläuft. Wer für ihn als Gesprächs- und Kontraktpartner dann zuständig sein wird, das Bad Doberaner Rathaus oder die in den Wiederaufbau Heiligendamms investierende Fundus-Gruppe, weiß Köber bis heute nicht. „Ich würde lieber direkt mit der Stadt zu tun haben“, unterstreicht er.

Eva Schürmann, Leiterin der Bad Doberaner Tourist-Information, machte auf Anfrage der OZ deutlich, dass sie bereits mehrere Gespräche mit Gert Köber über die Problematik geführt habe. „Bislang ist kein Ergebnis erzielt worden“, bekennt sie.

Für zwölf Mark pro Tag bietet Köber seine Strandkörbe an. Erfunden wurde das „Sofa am Meer“ ganz in der Nähe. Im Frühjahr 1882 baute der Rostocker Korbmacher Wilhelm Bartelmann das erste Exemplar für eine ältere Dame, die das rustikale Sitzmöbel am Strand von Warnemünde platzierte.

TORSTEN SCHULZE
 

 

 

Also versucht man sich in positiven Meldungen:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Dienstag, 5. Juni 2001  |  

Springparcours fertig gestellt

Neue Anlage entspricht internationalen Standards

Vorder Bollhagen (OZ) Im Pferdezucht- und Reitsportzentrum Gut Vorder Bollhagen ist in den letzten Wochen eine Menge geschehen, das den in die Zukunft weisenden Namen rechtfertigt. Jetzt wurden die letzten Arbeiten beim Neubau eines Springparcours ausgeführt. Insgesamt 16 Hindernisse hat eine Fachfirma errichtet. Sie wurden danach unter Leitung von Karen Schüssler durch Mitglieder des Reitvereins farblich nach modernsten internationalen Standards gestaltet. Finanziert wurde der rund 20 000 Mark teure Parcours durch die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH)–sie ist Eigentümerin von Gut Vorder Bollhagen. Der dort ansässige Reit- und Fahrverein brachte sich mit Sponsoring- und Arbeitsleistungen ein.

„Auf diesen Parcours sind wir sehr stolz. Er entspricht internationalen Turnier-Anforderungen, kann für S-Springen gebaut werden. Die zweite Ausbaustufe des Pferdezucht- und Reitsportzentrums steht kurz vor dem Abschluss“, sagt Reitsport-Experte Horst Schüssler. Er ist federführend bei der Entwicklung in Vorder Bollhagen.

Bereits im Herbst vergangenen Jahres entstand neben dem jetzigen Parcours-Gelände eine ausgedehnte Geländestrecke. Außerdem wurden mehrere Paddocks–eingezäunte Freiflächen für Pferde, die nicht auf die Koppel sollen–, ein Longierzirkel, ein großes Dressur-Viereck und in einer geräumigen Halle eine wetterunabhängig nutzbare Pferdeführanlage fertiggestellt. Das weitläufige Parcours-Gelände, auf dem in den nächsten Wochen eine zehn Zentimeter dicke Sandschicht aufgebracht wird, ist so angelegt, dass später am Rand Tribünen errichtet werden können. „Hervorragende Bedingungen für Turniere. Unser Reit- und Fahrverein wird mit großer Wahrscheinlichkeit bereits 2002 das erste eigene Turnier in Vorder Bollhagen ausrichten“, kündigt Schüssler an. Der Parcours und die Geländestrecke sind auch ein Angebot an alle Sportreiter aus der Region und gegen einen kleinen Obolus zu nutzen.

Mittelfristig ist der Bau einer modernen und komfortablen Reithalle in den Abmessungen 25x80 Meter geplant, die internationalen Turnier-Anforderungen entspricht. Davor wird es mehrere Dressur-Plätze geben, deren Unterbau und Deckschicht eine Spezialfirma ausführen wird. Nicht so spektakulär wie die weithin sichtbaren Baumaßnahmen, aber in die Zukunft weisend sind die Entwicklungen in der Zucht.

„Mit dem kürzlich erfolgten Kauf von zwei ausgezeichneten Holsteiner Zuchtstuten bzw. der Deckung unserer Mecklenburger Warmblutstuten durch sehr gute Holsteiner Spring- und Dressurvererber möchten wir der Zucht in M-V neue Impulse geben“ so Schüssler. „Es ist unser Ziel, im Zusammenhang mit der Entwicklung von Heiligendamm in Vorder Bollhagen eines der modernsten Reitsport- und Zuchtzentren in Norddeutschland aufzubauen. Erste Schritte wurden in den letzten Monaten realisiert“, resümiert Fundus-Chef Anno August Jagdfeld.
 

 

Horst Schüssler ist ein Cousin Anno August Jagdfelds.

Das Gut gehört der FUNDUS-Gruppe und beliefert das Hotel mit Bioprodukten nicht nur pflanzlicher Art.

Die Anlage ist ganz auf das Hotel fixiert.

 

OZ/LOKAL/DBR vom 13.07.2001 00:00
 

Neue Straße in Heiligendamm entsteht für die Stadt zum Nulltarif


Bad Doberan (OZ) - Im seewärts gelegenen Stadtteil Heiligendamm wird eine Straße entstehen, ohne dass die Kommune hierfür auch nur eine Mark zahlen muss. Wie gestern während der Stadtvertretersitzung bekannt wurde, sollen am Golfplatz eine Reihe touristischer Gewerbebetriebe etabliert werden, die durch eine Straße angebunden werden. Die stellt dann auch das Erreichen eines Unternehmens in Vorder Bollhagen sicher.

Die Landesregierung hat für den Bau eine Förderquote von 80 Prozent aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe“ in Aussicht gestellt. Den notwendigen Eigenanteil der Stadt in Höhe von 20 Prozent will die Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm tragen, hieß es aus dem Rathaus weiter.

Insgesamt werden in den Bau der „Erschließungsstraße Heiligendamm-Süd“ knapp 11,5 Millionen Mark investiert.

T. S.

 

 

Die aber untergehen:

 

"Lieber einmal von allen Seiten Lärm und schnell fertig werden, als monatelang Lärm" haben sich Planer und Genehmiger gedacht. Die Bürger und Urlauber sehen das anders und fühlen sich in ihrer Ruhe gestört. Die Sanierung muss aber weiter gehen und der Küstenschutz auch.

 


OSTSEE-ZEITUNG | Mittwoch, 8. August 2001  |  
 

Bauzäune am Strand verärgern Sonnenanbeter

StAUN-Chef Meier: Wir müssen die Küste schützen

Es gibt Ärger in Heiligendamm. Mitten im Sommer werden Bauzäune an Prome- nade und Strand gezogen. Doch die Arbeiten sind zum Schutz vor Sturmflut nötig, rechtfertigt sich das StAUN.

Heiligendamm (OZ) Nicht nur Fundus baut in Heiligendamm, auch das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN). Heute werden Zäune zwischen Residenzhotel und Seebrücke gesetzt, sichtbares Zeichen, dass es mit dem Bauen losgeht. „Strand und südliche Promenade werden teilweise gesperrt. Man wird jedoch weiter unter der Seebrücke hindurch und auch auf die Brücke können“, erklärt StAUN-Chef Hans-Joachim Meier auf OZ-Anfrage.

Dass dies mitten im Hochsommer geschieht, hat den Machern ausreichend Kritik eingebracht. „Wir haben das mit der Stadt abgesprochen. Die Stadtvertreter wissen Bescheid.
Es wäre unsinnig, in zwei Jahren den Küstenschutz einzubringen und Zäune zu setzen, wenn Fundus mit seiner Bautätigkeit fertig ist und seine Zäune entfernt hat“, begründet Meier.

Dass die Arbeiten erforderlich sind, braucht diese Begründung sicher nicht. 1995, als die See 1,60 Meter über Normal anstieg und über den Heiligen Damm tobte, war klar:
Der Damm muss gesichert werden, um Niederung und Stadt zu schützen. Inzwischen ist dies im östlichen Teil bis Börgerende geschehen. Jetzt ist der westliche dran.

„Wir können nicht im November anfangen, wenn es stürmt und möglicherweise schon friert“, sagt Meier. Und so wird jetzt damit begonnen, auf 430 Meter Länge eine Spundwand zu setzen.
Die wird gänzlich im Erdreich versinken und als Krone einen Betonholm erhalten, der die Promenade zum Strand und zum Wasser hin abgrenzt. Ob allerdings die lärmende Ramme eingesetzt wird oder ob die gewaltigen Stahlprofile hydraulisch verpresst werden, das müssen die Fachleute der Baufirma noch beantworten. Rammarbeiten nämlich könnten die entkernten Häuser vom alten Heiligendamm gefährden.

Bevor das Einbringen der Spundwand jedoch überhaupt aktuell wird, muss die alte Mauer, die Steinpackung zwischen Residenzhotel und Seebrücke, aufgenommen werden–sie wird später aus Granit und Beton wieder errichtet. Der Rückbau müsse jetzt geschehen, um den eigentlichen Baubeginn November überhaupt zu halten, sagt Meier. Auch dass der einzige kostenfreie Parkplatz für Baumaterial zur Hälfte gesperrt wird, müssten Einheimische und Urlauber ertragen. „Wir bitten um Verständnis“, sagt der StAUN-Chef, „doch wir müssen die Küste sichern. Noch besteht zwischen neuer Steinpackung Richtung Ost und der westlichen Seite ein gewaltiger Höhenunterschied. Die westliche Seite liegt drei Meter unter Normal. Das muss dringend ausgeglichen werden.“

Zudem, so Meier, wären sonst die 13 Millionen Mark, die in den letzten zwei Jahren in Börgerende für den Küstenschutz ausgegeben wurden, umsonst gewesen, würde nicht jetzt auch die westliche Seite geschützt.

INGELINDE SPILLER
 

 

Die Ostsee-Zeitung legt noch einen drauf:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 23. August 2001  |  

Strandurlaub in Heiligendamm hinterm Bauzaun

Der Badespaß am Strand von Heiligendamm wird durch Bauzäune getrübt. Grund für die Absperrung sind Küstenschutzarbeiten. Eine Spundwand soll dem Ort Schutz vor Sturmfluten bieten.

Heiligendamm (dpa) Der Strand des Seebades Heiligendamm präsentiert sich derzeit als große Baustelle. Firmen einer deutsch-dänischen Arbeitsgemeinschaft haben mit den Vorbereitungen für ein Küstenschutzprojekt begonnen: Auf einer Länge von rund 450 Metern wird ab 5. September direkt am Strand vor den Villen eine Stahlspundwand etwa fünf Meter tief in den Boden eingebracht. Das Vorhaben, für das rund 2,5 Millionen Mark veranschlagt werden, soll dem Ort künftig auch bei einer starken Sturmflut Schutz bieten.

„Wir haben mit diesen Arbeiten so spät wie möglich begonnen, um die Beeinträchtigungen für Feriengäste und Einheimische auf ein Minimum zu reduzieren“, sagte Hans-Joachim Meier vom Staatlichen Amt für Umwelt und Natur Rostock. „Doch wir mussten das Projekt im August starten, weil die Spundwand bis zum Beginn der Sturmperiode im November fertig sein soll.“

Diese technologischen Zwänge führten dazu, dass derzeit ein großer Teil des Strandes durch einen Bauzaun abgesperrt ist. Zwar gebe es zwischen Zaun und Wasser einen etwa 15 Meter breiten Streifen Strand, „der auch von vielen Urlaubern genutzt wird“, ergänzte ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Sturmflutschutz Heiligendamm. Die Promenade Heiligendamms sei ebenfalls zugänglich, auch die Seebrücke könne betreten werden. „Trotzdem ist der Bereich eine große Baustelle. Ruhe und Erholung am Strand findet man nur bedingt.“

Das aufwendige Projekt mit der langen Stahlspundwand war nötig geworden, weil auch der Denkmalschutz den Küstenschützern konkrete Auflagen gemacht hatte. „Beispielsweise wurde festgelegt, dass die Ortslage Heiligendamms nicht durch eine Ufermauer geschützt werden darf“, sagte Meier. „Der Blick auf das historische Bauensemble von Deutschlands ältestem Seebad soll wie früher auch von der Wasserseite aus ohne Einschränkungen möglich sein.“ Bis auf eine kurze Mauer werde nur ein optisch kleiner Wall entstehen, der durch die langen Stahlteile auch bei starken Stürmen den nötigen Halt bekomme.

Der Zeitraum für das Küstenschutzprogramm, das im nächsten Jahr noch durch das Rammen von 25 Buhnenreihen am Ostende des Seebades ergänzt werde, war nicht nur mit Kommunalpolitikern, Geschäftsleuten und der Kurklinik abgesprochen. „Auch mit der Fundus-Gruppe hatten wir uns auf diesen Terminrahmen geeinigt“, sagte Meier. Durch die Arbeiten von Fundus am künftigen Grandhotel Heiligendamm sei das Seebad jetzt ohnehin eine Baustelle.
 

 

 

Am Ende der Saison gibt es dann wieder positive Nachrichten:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 8./9. September 2001  |  

Heiligendammer Grand Hotel wird erweitert

Plus für Beauty, Wellness und Konferenzgeschäft

Köln/Heiligendamm (OZ) Das Grand Hotel Heiligendamm soll größer werden als bisher geplant. Wie gestern zu erfahren war, haben die Gesellschafter des FUNDUS FONDS 34 am Montag nahezu einstimmig beschlossen, das zurzeit im Bau befindliche Hotel um fast 5000 Quadratmeter zu erweitern. Damit entstehen jetzt fünfzehn Prozent zusätzliche Hotelflächen, heißt es.

Das Plus an Fläche soll dem Beauty- und Wellnessbereich zugute kommen, der um ein Drittel vergrößert wird. Mit dann 2400 Quadratmetern werde er so großzügig wie kaum in einem anderen Luxushotel in Deutschland. Hochwertige Konferenz- und Tagungsflächen werden jetzt im historischen Kurhaus des Hotelkomplexes hinzu kommen. Möglich werde dies durch die Errichtung eines separaten Wirtschaftsgebäudes.

Für die Hotelgäste werden jetzt 225 Zimmer entstehen, davon 101 Suiten; vier Suiten und ein Doppelzimmer mehr als bisher vorgesehen. Die durchschnittliche Zimmergröße werde von einst geplanten 46 auf dann 51 m² anwachsen. Durch eine neue Logistik der Anlieferung und Entsorgung für das Hotel werden die Hotelgäste völlig ungestört bleiben, heißt es. „Dieses wohl derzeit schönste Hotelvorhaben in Europa wird auch während der Bauphase ständig weiter optimiert“, erklärte FUNDUS-Chef Anno August Jagdfeld dazu. Dies geschehe in Abstimmung mit dem künftigen Betreiber Kempinski Hotels & Resorts sowie dem hotelfachlichen Berater Steigenberger Consulting.

„Damit schaffen wir die besten Voraussetzungen, unser Ziel zu erreichen, nach der Nummer eins unter den deutschen Stadthotels, dem Hotel ADLON Berlin, nunmehr auch die Nummer eins unter den deutschen Resort hotels zu realisieren“, blickt Jagdfeld voraus. Mit der Montagsentscheidung werde das Ganzjahresangebot des Grand Hotel Heiligendamm vor allem in den saisonverlängernden Bereichen Beauty und Wellness sowie für hochwertige Konferenzen verbessert.

I. SP.
 

 

 

Ein Jahr danach: Gut Ding will Weile haben. Richtfest in Heiligendamm.

 

Im Dezember 2001 ist es endlich geschafft: Richtfest. Ein Jahr später als gedacht und drei Jahre später als geplant. Der Ministerpräsident hat Verständnis dafür:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 1./2. Dezember 2001  |  

Die Wiedergeburt des Klassizismus
 

Richtfest für eine der feinsten Hotelanlagen Europas. In Heiligendamm wurde gestern gefeiert. Prominenz aus ganz Deutschland gab sich ein Stelldichein. Der Komplex Grand Hotel nimmt Gestalt an. 335 Millionen fließen in das Projekt.

Heiligendamm (OZ) Was für einen Wind so ein Bundespräsident machen kann! Johannes Rau hat es gestern in Heiligendamm vorgeführt. Als gegen Mittag sein Hubschrauber vor den klassizistischen Bade- und Logierhäusern niedergeht, fällt der Bauzaun am Strand um. Kein Problem. Deutschlands ältestes Seebad (1793 gegründet) ist in Feierlaune und Rau spricht mit Witz und Esprit: Alle Welt rede bloß noch von Heiligendamm. Sylt sei schon abgemeldet. Da frage er sich, warum er noch ein Ferienhaus an der Nordsee habe. Rau: „Mecklenburg-Vorpommern braucht Leuchttürme der Erneuerung, dieses kann einer werden.“

Rund 1000 Gäste aus ganz Deutschland sind um die 3,50 Meter hohe Richtkrone am Kurhaus versammelt. 750 Rosen, Nelken und Lilien, kunstvoll in verschiedene Koniferen eingeflochten. 75 Stunden Handarbeit in der Gärtnerei Klinkosch Kühlungsborn. Ein Prachtexemplar für den aus sechs Häusern bestehenden Komplex Grand Hotel Heiligendamm.

335 Millionen Mark steckt die Kölner Fundus-Gruppe in Sanierung, Um- und Neubau. Heiligendamm steht bei Fundus auf einer Ebene mit Berlins nobelstem Haus, dem Hotel „Adlon“. 435 Millionen Mark haben die Kölner Immobilienmanager dort verbaut. Das billigste Zimmer kostet um die 500 Mark und nur die Hautevolee steigt dort ab. So soll es in Heiligendamm auch werden.

„Eine Legende mit Zukunft“, nennt Fundus-Chef Anno August Jagdfeld die entlang des Strandes aufgereihte Perlenkette klassizistischer Baukunst. Und: Kultur und Kommerz seien kein Gegensatz, sagt Jagdfeld mit Blick auf anwesende Denkmalschützer und Kapitalanleger. Letztere wollen ihr Geld im Fundus-Fond 34 (Heiligendamm) vermehren. Mindesteinlage: 50 000 DM, im Osten 25 000 DM. Wer in Heiligendamm anlegt, der wird profitieren, wenn die Schönen und Reichen aus Deutschland hier Urlaub machen, versprechen die Fondsmanager von Fundus. Heiligendamm werde blühen, selbst wenn eine Rezession kommt, denn: „Das Publikum, das hierher kommt, ist konjunktur-resistent“, verrät Anlageprofi Jürgen Schünemann immer freitags in abendlichen intimen Gesprächskreisen gegenüber noch zaudernden Interessenten. Doch die sind heute in der Minderheit. Heute, zum Richtfest, sind die Damen und Herren in den maßgeschneiderten Kostümen und Anzügen da, die schon auf die Rendite warten. So muss es zumindest das Ordnungsamt des Landkreises verstanden haben. Sozusagen als Schmankerl waren auf dem Anreiseweg zum Richtfest gleich zwei Blitzer installiert worden, damit die vermögenden Fahrer der großen Autos auch ja vernünftige Erinnerungsfotos erhalten. Landrat Thomas Leuchert: „Bei uns wird Blitzergeld ausschließlich für soziale Zwecke verwendet. “ Dafür sei auch an einem solchen Tag ein Einsatz gerechtfertigt. Ob das die Gäste auch so sehen? Finstere Mienen gibt es zumindest nicht beim späteren Buffet mit Grünkohl, Braten und Rotwein.

Doch vor dem Schmaus kommt der Akt. Als Ersatz für eine nicht vorhandene Landeshymne lässt das Marinekorps Ostsee aus Kiel zunächst das Pommernlied erklingen. Dann das Deutschlandlied. Die Richtkrone schwebt am Kranhaken empor in luftige Höhe. „Ich bin gerührt“, sagt Ulrich Ludwig. Der Mann ist hier vor 59 Jahren im Haus „Seehospiz“ zur Welt gekommen, hat das Auf und Ab von Heiligendamm immer verfolgt. Heute lebt er in Bad Doberan, ist ein erfolgreicher Unternehmer. „Jetzt glaube ich, dass es aufwärts geht“, sagt Ludwig. Und spricht damit wohl aus, was viele Heiligendammer und Doberaner denken.

Oberpolier Willi Wojtenko (43) von Bilfinger & Berger (Mannheim) ist dran. In schwarzer Zimmermannskluft steht er auf der Baurüstung und bringt den Richtspruch aus: „Ein Richtfest ganz besonderer Art, mein Richtspruch gibt hierzu den Start. Grand Hotel Heiligendamm heißt der Komplex, der nun zum guten Ende wächst.“ Der Rohbau ist fertig. Halbzeit.
Über 11 000 Kubikmeter Beton, über 1000 Tonnen Stahl, 600 000 Steine sind verbaut. Bilfinger & Berger war seit dem ersten Spatenstich am 28. Mai 2000 mit rund 250 Bauleuten–viele auch von Subunternehmen–Tag für Tag im Einsatz.
Jetzt werden die vier großen Baukräne abgebaut. „Es war keine schlechte Zeit, eine Herausforderung“, sagt B & B-Projektleiter Michael Thelen. Bis Weihnachten ist er mit seinem Team verschwunden. Die Ausschreibungen für die nachfolgenden Gewerke laufen zum Teil noch, viele Aufträge sind aber auch schon vergeben.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff ist heute froh, dass Heiligendamm 1996 nicht „in Torschlusspanik verscherbelt“ wurde. Vor dem Hintergrund, dass Fundus von der Übernahme bis zum Baustart mehrere Jahre brauchte, sagt Ringstorff in seiner Ansprache: „Manchmal stimmt es eben doch: Gut Ding will Weile haben. Und die Entwicklung gibt uns Recht.“ Mit Fundus sei ein Investor am Werk, der nicht nur Kapital und Know-how, sondern auch viel Herz investiert.

JAN EMENDÖRFER
 

 

 

Kurbad und Luxus-Resort. Bleibt da Platz für die Gäste?

 

Stimmen werden laut, dass der Kleine Wohld vielleicht bald nicht mehr begehbar sein wird.

Die Bürger fürchten um den Verlust der Öffentlichkeit in Heiligendamm.

Was ist dran und was ist Gerücht? Jagdfeld klärt auf und gibt den Stimmen damit Recht:

 


OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 1./2. Dezember 2001  |  

„Das größte Stück des Weges ist geschafft“

Anno August Jagdfeld (52) ist Chef der Kölner Fundus-Gruppe. Heiligendamm sieht er als persönliche Herausforderung.

   OZ: Glückwunsch zum Richtfest. Was empfinden Sie heute?

   Jagdfeld: Ich bin sehr froh. Das größte Stück des Weges ist geschafft. Die allgemeine Stimmung gegenüber dem Projekt Heiligendamm hat sich zum Positiven gewandelt. Das ist sehr wichtig.

   OZ: Kritiker gibt es immer noch. Sie fragen, ob die Promenade frei begehbar bleiben wird.

   Jagdfeld: Vom Osten bis zur Seebrücke auf jeden Fall. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Fakt ist: Wir brauchen auch einen privaten Bereich für unsere Gäste.

   OZ: Wie sehen Sie die Zukunft der im Ort ansässigen Reha-Klinik?

   Jagdfeld: Sehr positiv. Ich denke, dass auch unsere Gäste das Know-how der Klinik in Anspruch nehmen werden. Vielleicht entsteht ein Bereich für Privatpatienten. . .

   OZ: Wann kommen die ersten Gäste, und wann wird die Umgehungsstraße fertig?

   Jagdfeld: Die Straße wird Ende nächsten Jahres fertig. Einweihung des Grand Hotels wollen wir zum Jahreswechsel 2002/2003 feiern.

Interview: J. EMENDÖRFER
 

 


Fazit 2001: Dauerbaustelle.

 

Über ein Jahr lang wird nun schon gewerkelt. Die Jahrhundertbaustelle hat nicht nur Freunde.


(gefunden mit Picsearch - Urheber unbekannt)


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 2002: Inzwischen steht auch die Finanzierung.