Zeit am Meer

Die Architektur Heiligendamms und seine Baumeister.

 

Auf dieser Seite geht es um die Architektur Heiligendamms und um die Baumeister.

Die Seite ergänzt die Informationen der Gebäudedatenbank. Es wird erklärt, was sich die Baumeister bei Ihren Planungen gedacht haben,

warum einige Dinge im Nachhinein verändert wurden und wie es zum Stilbruch beim Bau der Villen der Perlenkette kam. Das Kommen und

Gehen der Baumeister und Architekten wird Thema sein und es werden Assoziationen zu den Lehrern der Baumeister und ihren Bauwerken

vorgenommen. Auch die politische Lage zum jeweiligen Bauzeitpunkt wird Thema dieser Internetseite sein.

Als Textquellen dienen insbesondere die Bücher von Judith Groschang, Wolf Karge, Frank Mohr,

Joachim Skerl und Thomas Grundner, sowie Museen, Ausstellungen und die freie Wissensdatenbank Wikipedia.

 

Unsere architektonische Reise beginnt im Jahre 1793 in Doberan.

Der kleine Ort lag eingebettet in die Hügel einer Endmoränenlandschaft sechs Kilometer vor der Ostsee.

Doberan war ein Dorf mit einer großen gotischen Klosterkirche, dem Münster.

Um das Klostergelände legte sich westlich die Ansiedlung mit 85 reetgedeckten Häusern herum, in denen 900 Einwohner Platz fanden.

Doberan, 1186 erstmals erwähnt, war Teil des Domanium und damit herzoglicher Besitz. Das Münster war die Grablege der Herzöge

Mecklenburg-Schwerins und im Sommer zog es die Familie oft nach Doberan. Im Klostergarten und nach Althof ließ es sich gut wandern.

 

Der Heilige Damm war nur eine Lichtung im Wald, ein flaches Tal mit Seezugang zwischen zwei Steilküsten.

Den eigentlichen Damm - die Aufschüttung von dunklen Flintsteinen - gab es längst nicht mehr. Das Erstaunen der Besucher war eher

von der Steilküste abzuleiten, den sie für den Heiligen Damm hielten. Und die sonnengespeiste Lichtung im dunklen Buchenwald mit dem

saftigen Gras und davor dem hellen Sand und den dunklen Steinen in der Brandung zusammen mit der glänzenden See dürften dem Eindruck

ihren Ausdruck gegeben haben.

 

Die ersten Gebäude entstanden dann auch nicht an diesem Ort, sondern in Doberan.

Professor Vogel hatte Doberan als Badeort vorgeschlagen und wollte ein bestehendes Haus zum

Badehaus umbauen und das Wasser vom Heiligen Damm mit Rohrleitungen nach Doberan pumpen lassen.

Aber Doberan liegt höher als der Heilige Damm und über eine Länge von sechs Kilometer ließ sich das Wasser

1793 noch nicht bergauf transportieren.

 

Also reiste die herzogliche Familie mit Wagen an und baute am Heiligen Damm eine Wagenremise mit

Zelten auf, in denen Badewannen aufgestellt wurden und in denen sich umgekleidet wurde. Nur wenige

wagten sich direkt in das Wasser der Ostsee und andere ließen sich ihr Badewasser lieber erhitzen.

 

Später baute man eine Reihe von Holzhütten an das Wasser, wo man sich umziehen konnte.

Es folgten einige größere Hütten für die kurzfristige Unterstellung der Logistik und als Unterschlupf, wenn es

mal zu regnen begann. Das konnte nämlich damals genauso überraschend geschehen, wie es heute der Fall ist.

 

Während die herzogliche Familie am Heiligen Damm badete, wohnte sie im Amtshaus, das von

Seydewitz 1793 auf dem Klosterhof errichtet hatte. Das eingeschossige Fachwerktraufenhaus

mit elf Achsen und Krüppelwalm- Mansarddach steht im Angesicht zum Klostergarten.

 

Besonders auffällig ist das zweiachsige Zwerchhaus mit Dreiecksgiebel und Ochsenauge,

unter dem sich die drei mittleren Achsen befinden. Der Rest der Badegesellschaft residierte

in Doberans einziger Wirtschaft, dem Lindenhof und andere Mitglieder des Hofes kamen in

den Privathaushalten Doberans und in einer kleinen unansehnlichen Kneipe am Stadtrand unter.

Zum Baden fuhr man vormittags und Mittags war man wieder in Doberan.

 

Die erste Saison begann im Oktober 1794 und brachte 308 Badegäste mit sich. Das war mehr,

als Doberan aufnehmen konnte. Ein Logierhaus musste her. Also wurde eine "Herzogliche

Badedirection" gegründet und beschlossen, dass ein "Logirhauß" gebaut werden müsse.

Herzog Friedrich Franz I beauftragte seinen Bauconducteur

Johann Christoff Heinrich von Seydewitz mit dem Bau eines Logierhauses.

 

Damit kommen wir zum ersten Baumeister:

 

Johann Christoff Heinrich von Seydewitz.

Über den ersten Bauconducteur ist wenig bekannt. Sicher ist, dass er 1748 geboren wurde. Er baute mehrere Gutshöfe, Schlösser, wie das Jagdschloss in

Friedrichsmoor und Kirchen, wie z.B. 18106 St. Helena in Ludwigslust. Im Jahre 1796 sollte von Seydewitz eigentlich in den Ruhestand gehen und nach dem

Osterfest sollte sein Gehilfe Carl Theodor Severin ihn ersetzen. Von Seydewitz blieb jedoch bis 1808 im Amt und fiel dafür 1806 beim Herzog in Ungnade.

1824 starb Johann Christoff von Seydewitz.

 

Seydewitz erbaute 1795 an der Ostseite des Kamp das Logierhaus im Zopfstil mit

Fachwerk. Es hatte 2 Geschosse mit 19 Achsen, ein ausgebautes Dachgeschoss

mit Mansardwalmdach und ein dreiachsiges Zwerchhaus. Damit gehörte das Gebäude

zum Barock. Es beherbergte einen Tanzsaal, ein Speisezimmer und eine Spielbank

für Pharao und Roulette.

 

Im Obergeschoss gab es ausschließlich Logierzimmer und

im Flügel waren im Parterre die Wagenremise und Stallungen und darüber Logierzimmer

untergebracht. Das Logierhaus wurde 1796 fertig gestellt und dem Herzog übergeben.

 

Zur gleichen Zeit entstand unter Leitung von Seydewitz auch das barocke Badehaus

am Heiligen Damm. Es war eingeschossig, hatte elf Fenster- und Türachsen, eine

Dachzone, vier pilastergerahmte zweigeschossige Mittelrisaliten und eine

geschwungene zweiläufige Freitreppe, die direkt in das unterkellerte Hochparterre

führte.

 

Prof. Vogel hatte vorgeschlagen, das Haus mit einem Giebel zur Seeseite zu

stellen, um dem Wind wenig Angriffsfläche zu geben.

 

Das passte zu von Seydewitz' barocken Verständnis, sodass er das Haus im 90°-

Winkel zur See und auf die Allee nach Doberan ausrichtete, die nur den Zweck hatte,

vor dem Badehaus auf einem Platz zu enden. Es verfügte über 7 Zimmer für Kalt- und

Warmwasserbäder, 2 Ruhekabinette, 2 Konversationszimmer, die Bademeister-Wohnung

und einige Zimmer für Schwache, denen die tägliche Kutschfahrt zu beschwerlich waren.

 

Aristokratische Schwache wohlgemerkt. Neben den Holzhütten gab es profane Fachwerk-

bauten, für Warm- und Kaltbäder und 11 schilderhausartige Umkleidekabinen am Strand.

Empfehlung:

 

Das einstige Logierhaus beherbergt heute das Hotel "Friedrich-Franz-Palais", in dem es sich wunderbar speisen und wohnen lässt. Der Betreiber versteigert Arrangements bei eBay, womit Sie zum Bruchteil des eigentlichen Preises in das Vier-Sterne-Hotel einchecken können. Bieten Sie einfach mit!

 

 

Das Logierhaus heute (oben).

Der Kamp vor dem Logierhaus um 1840. (unten)

 

Logierhäuser waren am Heiligen Damm nicht geplant, da Prof. Vogel vom Nutzen der Kutschfahrten überzeugt war.

Die aerosolhaltige und ionenreiche Mischung aus salzhaltiger Ostsee- und sauerstoffreicher Waldluft ist sehr gesund.

Für das Gesellschaftsleben sollte Doberan hergerichtet werden. Die Spielbank brachte pro Jahr 12.700 Taler Pacht ein

und durch den Verkauf von 1000 mecklenburgischen Söldnern nach Oranien flossen pro Jahr 30.000 Taler in die Kasse

des Herzogs. Mittel standen genug zur Verfügung und der Herzog wies explizit an, alles aus der Herzoglichen Schatulle

zu bezahlen und nicht die öffentlichen Kassen zu molestieren.

 

Ein reichhaltiges Kulturprogramm (auf der Startseite genauer beschrieben) sorgte für einen Zustrom an Gästen

aus dem deutschen und europäischen Adel, Offizieren, Kaufleuten, Gutsbesitzern, Beamten, Ärzten, Künstlern,

Wissenschaftlern, Musikern und Schauspielern.

 

Der Herzog war beliebt und seine Anwesenheit in Doberan zog unweigerlich die Massen an. Die Rangordnung hatte

er aufheben lassen und so war jeder per Sie (ansonsten hätte man den Herzog "Eure Durchlaucht, der Herzog Friedrich

Franz I von Mecklenburg-Schwerin" nennen müssen) und jeder gleich viel Wert. Die einfache Bevölkerung wurde zwar

nicht ausgeschlossen, blieb aber von selbst wegen der hohen Preise fern. In den Jahren 1798/99 verzeichnete der

Herzog einen Geldumlauf von 100.000 Talern. Das tat auch der einfachen Bevölkerung gut.

 

Der Kamp - vorher eine Weide mit allen riechbaren Nebenwirkungen und inzwischen eine Mehrzweck-Nutzfläche -

wurde zur einem Park umfunktioniert. Der Herzog verbot den Bau von stroh- und reetgedeckten Häusern und

unterstützte finanziell die Umrüstung auf Ziegeldächer. Durch die stetige Zunahme des Gästestroms nach Doberan

und von dort aus zum Heiligen Damm wurde es aber auch bald im Logierhaus zu eng. Inzwischen vermietete jeder,

der nur irgendwo ein Zimmer frei hatte dieses an die Gäste. Aber auch diese Kapazitäten nahmen immer weiter ab.

 

So beauftragte der Herzog anno 1801 seinen Bauconducteur-Duo von Seydewitz und Severin mit dem Bau eines

Salongebäudes. Der Salon sollte einen weiteren Speisesaal, Logierzimmer und sechs Läden für Kaufleute enthalten.

Von Seydewitz hatte zu der Zeit mit den Planungen für Ludwigslust zu tun und der Herzog wollte auch von Severin

einmal etwas eigenes sehen und so ließ er Severin eigenständiger als bisher arbeiten.

Das Badehaus am Heiligen Damm um 1800 (oben)

Der Kamp in seiner vollendeten Form nach 1830. (unten)

 

Damit wären wir dann beim zweiten Baumeister.

 

Carl Theodor Severin.

Mehr als über von Seydewitz ist über Severin überliefert.

Er wurde am 13.09.1763 in Mengeringshausen im hessischen Waldeck geboren. Wo er gelernt hat, ist nicht herauszufinden aber

seine Werke tragen die Handschriften von Karl Friedrich Schinkel, Carl Gotthard Langhans, David und Friedrich Gilly und Heinrich Gentz.

 

Hier müssen wir uns erst einmal einen Überblick verschaffen:

 

Carl Gotthard Langhans war Baumeister in Berlin und erbaute u. a. das Brandenburger Tor, das Deutsche Nationaltheater,

das Schauspielhaus in Breslau und das Belvedere im Schlosspark Charlottenburg. Er lernte nicht durch einen Lehrer,

sondern durch Studienreisen, u. a durch Italien und durch Bücher, die sich mit antiker Architektur befassten.

 

Auf dieselbe Weise bildete sich Friedrich Willhelm von Erdmannsdorf. Er orientierte sich an Palladio, einem antiken Architekten.

Von Erdmannsdorf baute u. a. das Pantheon, das Schloss und das Rathaus in Wörlitz und das Schloss und Schlosstheater in Dessau.

 

Friedrich Gilly lernte unter anderem bei seinem Vater David Gilly, bei Carl Gotthard Langhans und Friedrich Willhelm von Erdmannsdorf

und erbaute in seinen 28 Lebensjahren das Denkmal Friedrich des Großen und plante viele der Bauwerke, die Schinkel zu Ende brachte.

 

Heinrich Gentz wurde von Carl von Gontard ausgebildet und erbaute u. a. das Theater in Bad Lauchstädt und das Mausoleum für Königin

Luise im Schlosspark in Charlottenburg.

 

Schinkel lernte bei Friedrich Gilly und erbaute u. a. das Schauspielhaus, die Neue Wache, die Bauakademie und das Alte Museum in Berlin.

 

Carl Theodor Severin nun lernte bei irgend einem dieser Architekten, nahm aber von allen etwas mit, da ja irgendwie jeder bei jedem lernte.

Aus Severins Studienzeit ist wenig bekannt und auch damals war dem Hof wenig über Severin bekannt. Er war recht plötzlich einfach da.

 

Die Aufzeichnungen am Hofe zu Mecklenburg-Schwerin beginnen erst um 1789 mit dem Erscheinen Severins in Mecklenburg.

Am 20.02.1836 siedelte er nach Doberan um. In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts arbeitete er in Schwerin als Bauaufseher und

Berechner der Schiffbauerei. Nach seiner Ernennung zum Baumeister war er in Doberan tätig und leitete ab 1809 das Landbauwesen

der Ämter Buckow, Doberan, Ribnitz, Rühn, Toitenwinkel und Schwaan.

 

Carl Theodor Severin wurde 1819 zum Oberlandbaumeister ernannt. Zu seinen Arbeiten in Doberan und Heiligendamm gehören

das Großherzogliche Palais (1806 - 1809), das Herzogliche Salongebäude (1801 - 1802), das Kleine Palais (1810 - 1813) und

das Kurhaus (1814 - 1816). 1835 trat er in den Ruhestand und verstarb 1836 in Doberan, wo er zwei Tage später an unbekannter

Stelle beigesetzt wurde. Als Severin starb, war er völlig verarmt und hatte nur noch 50 RT Vermögen.

Dieses Relief war am Palais in Bad Doberan angebracht und wurde vor der Sanierung des

Hauses entfernt. Seitdem ist

es verschollen. Zur Erinnerung

an den bedeutendsten der

Baumeister in Bad Doberan

tragen heute verschiedene

Dinge seinen Namen:

Die Severinstraße am Kamp,

die Galerie Severina in der

Beethovenstraße und das

zum Grand Hotel gehörende

Severin-Palais. Auch auf vielen

Speisekarten findet sich der

Name des doch nicht so sehr

vergessenen Baumeisters

wieder.

 

 

 

Severin stellte das Salongebäude 1802 fertig und der Herzog war begeistert.

Der zweigeschossige Flachbau gliedert sich in 17 Achsen und hat einen fünfachsigen Mittelrisaliten,

der auch den Mittelpunkt der umlaufenden Attika bildet. Hinter der Attika befindet sich ein flaches Walmdach.

 

Der Saal im Inneren ist im Stil des Empire gehalten und weist daher reiche Verzierungen auf.

Im Salongebäude wurde nun neben dem Speisesaal und vielen Logierzimmern zur Entlastung des

Logierhauses auch eine Spielbank eröffnet. Da es im Lindenhof schon eine Spielbank gab, wurde

diese zur Silberbank und die im Salon wurde zur Goldbank.

 

1803 beauftragte der Herzog Severin mit dem Bau des Herrenbades und 1804 mit einer Konversationsrotunde

am Heiligen Damm. Beides befand sich dort, wo später die Villen der Perlenkette gebaut wurden und beides

fiel später der Sturmflut zum Opfer.

 

1805 bekam Severin dann allein den Auftrag zum Bau eines Theaters.

Er errichtete dieses rechts neben dem Logierhaus. Auch dieses Gebäude war im Stil des Klassizismus gebaut,

hatte aber ein Mansardwalmdach, was wiederum darauf schließen lässt, dass der Einfluss von Seydewitz noch

vorhanden war. Die beiden Seitenrisaliten wiesen eine große Ähnlichkeit zum später entstandenen Palais auf und

auch der Mittelrisalit findet sich in späteren Bauten Severins, wie dem Prinzenpalais, dem Moorbad und dem Haus

"Gottesfrieden" wieder. Ebenso Severin-typisch ist die Dreiergruppierung der Fenster. Das Theater bot Platz für 500

Gäste und wurde am 02.07.1806 mit einer Festaufführung eingeweiht. Heute sucht man dieses Haus in Bad Doberan

vergebens, weil es abgerissen und später überbaut wurde. An seiner Stelle befinden sich heute der Rosenwinkel und

das Gymnasium "Friderico-Franciseum".

 

Noch während Severin am Theater baute, wollte der Herzog auch im neuen Zentrum wohnen und beauftragte

ihn mit dem Bau eines Palais. Severin plante dieses 1805 und 1806 konnte mit dem Bau begonnen werden.

Ein Jahr später konnte der Herzog vom Amtshaus in das noch nicht vollendete Palais umziehen. Dort brachte

der Herzog aber nur ein paar Tage zu, weil er am 08.01.1807 mit seiner Familie vor Napoleon ins Exil in das

dänische Altona fliehen musste. Dank der Intervention des befreundeten russischen Zaren, Alexander Romanow,

konnte die Familie am 10. August 1807 wieder zurückkehren. Sie kehrte nicht in die Hauptstadt zurück, sondern

nach Doberan, wo sie mit einem beeindruckenden Volksfest empfangen wurde. Endlich konnte der Herzog sein

Palais in Doberan beziehen. Die Arbeiten im Inneren dauerten zwar noch gute zehn Jahre an aber das tat der

Freude des Herzogs keinen Abbruch. Das Palais ist ebenfalls ein im Stil des Klassizismus erbautes Gebäude.

 

Es passte sich farblich und stilistisch dem Salon, dem Logierhaus und dem Theater an.

 

Wie schon der Salon hatte auch das Palais 2 Stockwerke, die von einer umlaufenden Attika gekrönt waren,

hinter der sich ein flaches Walmdach verbirgt. Im Gegensatz zum Salon arbeitete Severin beim Palais aber

nicht mit einem Mittelrisaliten, sondern mit zwei seitlichen Risaliten, die jeweils einachsig waren und jeweils

ein Rundbogenfenster im Untergeschoss und je ein dreiteiliges Fenster im Obergeschoss hatten. An Stelle

des Mittelrisaliten schuf Severin einen Portikus mit vier eingestellten, mit Plinthen verzierten dorischen Säulen.

Die Säulen waren freistehend, was den Portikus zu einer echten Vorhalle werden ließ. In der Mitte der vier Säulen

befand sich die Tür. Ausgehend vom Portikus hatte das Palais jeweils vier Achsen mit vier Fenstern pro Geschoss

bis zu den beiden Risaliten.

 

Eine Besonderheit am Palais ist die Schrägstellung. Dadurch verengte sich die Straße zum Heiligen Damm,

sodass die Kutschen langsamer fahren mussten und die Fahrgäste einen längeren Blick auf das Wohnhaus des

Herzogs werfen konnten. Ebenso besonders ist einmal, dass sich das Palais einfach und ohne Hervorhebung an

die Gebäudereihe anschließt und dass auf das Souterrain verzichtet wurde. Damit verdeutlichte Severin noch

einmal architektonisch die in Doberan aufgehobene Rangordnung. Der in den Garten gezogene Ovale Saal des

Palais zeigt deutlich, dass Severin die Berliner Schule von Langhans und Schinkel genossen hatte.

Die Decke des Ovalen Gartensaals ist besonders kostbar, denn sie ist tapeziert und bemalt mit der

Darstellung zur Amor-und-Psyche-Sage des Apuleius (nach Entwürfen von Lois Lafitte und Mary Blonder

1820 in Paris gedruckt).

 

Severin konnte sich der absoluten Aufmerksamkeit des Herzogs sicher sein.

Dieser beauftragte ihn nämlich sogleich mit dem Bau eines Aussichtsturmes am Heiligen Damm und

danach mit der Gestaltung des Kamps, der noch immer einen Park mit Holzbuden und Zelten darstellte

und neben den herrschaftlichen Bauten wenig repräsentativ war.

1808 war das Todesjahr von Langhans und von David Gilly und es war das Jahr, in dem Beethoven seine vierte

Sinfonie uraufführte. So frei und überschwänglich wie diese war auch der Baustil dieses Jahres.

 

Chinesische Baukunst wurde modern und auch wenn Mecklenburg sonst immer eher hinter der Entwicklung

der anderen Länder hinterher hinkte, erreichte auch den kleinen Ort Doberan die chinesische Baukunst. Severin

baute nämlich auf dem Kamp einen kleinen Pavillon im chinesischen Stil, der der Erfrischung dienen sollte.

Er gestaltete ihn farblich in gelb, weiß, rot, braun, schwarz und einigen Mischtönen. Bauconducteur von Seydewitz

ging endlich in Pension und Severin wurde 1809 Landbaumeister und konnte endlich sein eigenes Geld verdienen.

 

Er war zuständig für ein großes Einzugsgebiet und hatte Einfluss auf die Gestaltungen der Häuser in diesem Gebiet.

Direkt von ihm stammen das Mausoleum in Buchholz, das Kurhaus in Sülze, das Schul- und Küsterhaus und die

Post in Wulfshagen und die Hauptwache in Rostock. Severin hatte das letzte Wort bei den Bauplänen, die alle ihm

vorzulegen waren. Die Bauherren mussten sich in Doberan - zumindest rund um den Kamp an klare Auflagen halten:

Steinfassung, Ziegeldach und mindestens zwei Etagen. Severin sorgte dann für den letzten Schliff und damit für ein

einheitliches aber doch individuelles Aussehen. Sein wohl größtes Werk stand ihm jedoch noch bevor.

Erst einmal zog er 1810 nach Doberan um, heiratete Marie Eleonore Magdalena Bollow, begann mit dem Bau

eines weiteren Pavillons auf dem Kamp und am Heiligen Damm des Damenbades und im Auftrag Prof. Vogels

das Armenkrankenhaus. Letzteres wurde von der Rostocker Freimaurerloge gestiftet, welcher Vogel angehörte.

 

Der Herzog war nicht angetan davon, dass nun in jeder Saison 80 mittellose Kranke durch sein Bad wandern

sollten und sorgte mit einem Zeitplan dafür, dass sich Arme und Aristokraten nicht über den Weg laufen konnten.

Severin vollbrachte auch privat ein kleines Werk, indem er 1811 mit der Geburt der ersten Tochter eine kleine

Familie gründen konnte. Er entschloss sich, nun in Doberan zu bleiben und baute ein Stück rechts vom Theater

sein Wohnhaus. Der neue Pavillon darf eigentlich erst diesen Namen tragen, denn er ersetzte das Zelt, in dem

bisher die Philharmonie für musikalische Unterhaltung sorgte. Chefkoch Medini bewirtete seine Gäste schon in

einem Zelt und der Kamp war voller Buden, da wollte der Herzog gern etwas Ordnung hinein bringen. Severin griff

beim Pavillon auch eine Vorlage zurück, die er abänderte. Der achteckige Baukörper wurde z.B. mit dorischen

Säulen versehen, die eher zum Klassizismus gehören, als zum Chinastil. Der Pavillon diente als Musiksalon

und Severin bauten an der Nordseite Boutiquen an, damit die Buden auf dem Kamp verschwinden. Während die

Arbeiten am Pavillon sich aus Mangel an Materialien dahin zog, erweitere Severin das Badehaus am Heiligen Damm

mit einem Anbau. Dieser fasste vier weitere Badezimmer, ein Restaurant, Räume für Regen- Tropf- und Spritzduschen.

Von oben nach unten: Der Salon heute. Das Theater um 1840. Palais, Salon, Logierhaus und Theater um 1840.

Der Rosengarten um 1840.

Das Herzogliche Palais von vorn und von hinten im Jahre 2007. Blick vom Roten zum Weißen Pavillon.

 

Am Strand entstanden Stege, Badekabinen, zwei Wasserreservoirs für 900 Tonnen Wasser, ein Gebäude für das Trittrad, eines für das Pumpenwerk, ein großer Schauer für das Einziehen der Pferde, zum Aufenthalt der Dienerschaft bei Regenwetter und zum Unterstellen der Schaluppe und das Haus des Schaluppenmeisters Johann Both nebst Stall. Die Zahl der Schaluppen war bereits von zwei auf eine gesunken und nachdem nun die ersten Badekarren aufgestellt wurden, war auch diese Schaluppe nicht mehr so oft benutzt, da die Gäste immer seekrank wurden. Kaum hatte Severin diese Gebäude fertig und die Arbeiten am Pavillon 1813 endlich abgeschlossen, mussten die Bauten am Heiligen Damm die erste Bewährungsprobe bestehen. Eine schwere Sturmflut riss alles nieder, was nicht weit genug auf dem Land stand und nicht niet- und nagelfest war.

         Entwurf des Kurhauses von C. T. Severin.

 

Der Herzog erkannte den Unsinn von Holzhäusern am Strand und beauftragte Severin mit dem Bau eines Gesellschaftshauses zum Tanzen, Speisen, Ruhen und Feiern. Neben den Zerstörungen durch die Sturmflut

war auch der Drang der Gesellschaft, sich vor Ort zu vergnügen, einer der Gründe für diesen Auftrag. Bisher

reiste die Badegesellschaft vormittags von Doberan zum Heiligen Damm und fuhr dann zum Mittag zurück

nach Doberan, um im Salon an der Table de hôte - dem Essen mit dem Herzog - teilzunehmen. Der Rest

des Tages spielte sich dann in Doberan ab. Severin plante nun also ein Gesellschaftshaus und legte dem

Amtmann Schuhmacher zwei Entwürfe vor. Einer stellte ein Gebäude dar, dass in gleicher Größe parallel

aber versetzt zum Badehaus stehen würde und der andere zeigte eine Halle, die im rechten Winkel zum

Badehaus und auf das Meer ausgerichtet stehen würde.

Die Entscheidung fiel für die zweite Variante und 1814 begann Severin mit dem Bau des Hauses.

 

Das Salongebäude am Heiligen Damm nun wurde 120 Fuß lang und 28 Fuß breit und hatte eine 8 Fuß

breite Vorhalle. Hier griff Severin auf die Lehren seiner Meister zurück. Schinkel hatte bereits 1802 eine Zeichnung

angefertigt, die einen Raum einer Halle darstellte, durch dessen Fenster man zwischen Säulen hindurch zum Meer

sah. Er selbst hatte eine solche Halle nur in einer meerlosen Form am Ufer der Havel in Gliencke in Form des dortigen

Kasinos verwirklichen können. Sein Schüler Severin nun hatte die Chance, Schinkels Idee - wissend oder nicht -

zu verwirklichen. Dazu baute er einen Kubus mit einem Innenhof, der an die Peristylhöfe antiker Villen erinnerte.

Die umgebenen Kolonnaden sollten zum Verweilen im Freien auch bei schlechtem Wetter einladen und der Innenhof

sollte zur Entspannung dienen. An der Seeseite schuf Severin eine Vorhalle mit acht geschossübergreifenden Säulen.

Im Gegensatz zum Palais in Doberan waren diese Säulen nicht nur eingestellt, sondern tragend und sie hatten keine

Basis mehr, wie es Palladio lehrte, sondern orientierten sich an den toskanischen Säulen des Dorismus, wie sie von

Erdmannsdorf bereits verwendet hatte. Diese sprießen wie Bäume direkt aus der Sockelplatte des Hauses.

 Salon und Badehaus von der Allee und von der Seeseite aus.

 

Andrea Palladio hatte seinerzeit noch gemäß dem "Quattro Libri dell' Architettura" von 1570

Säulen mit flachem Enchius, einem Kapitell mit quadratischem Abakus und einem durch einen

Stab abgesetzten Hals verwendet. Und auch die Zahl der glatten Säulen kommt nicht von ungefähr,

sondern von der Akropolis in Athen. Severin setzte der Halle ein Walmdach auf, das sich hinter

einer Attika mit Fenster verbarg aber er schnitt das Walmdach und die Attika ein, was der Halle

das Aussehen eines Tempels verlieh. Statt einer Vorhalle realisierte Severin den Eingang über

das Vestibül und schuf damit einen Portikus. Um den klassizistischen Stil zu halten, setzte

Severin auf der schon doppelten Attika noch ein Tympanon auf. Heute befindet sich darin eine

Uhr. Ursprünglich war dieser Freudentempel zum Meer hin zweigeschossig und nach Süden hin

eingeschossig. Im Vorderteil waren im Erdgeschoss der Saal, drei Gesellschaftszimmer, Wohn-

und Wirtschaftsräume untergebracht. Im Westflügel bekam der Bademeister eine neue Wohnung

und die alte Wohnung im Badehaus wurde zu Logierzimmern umgestaltet.

Portikus des Kurhauses mit Inschrift und Relief aus Jasper.

 

Wieder einmal war das Material knapp und das Jahr 1815 verstrich, das Jahr 1816 und die Saison 1817 rückte

näher. Der Herzog - seit 1815 nun Großherzog - drückte im Herbst 1816 sein Befremden und sein Missfallen über

das langsame Fortschreiten aus und befürchtete, zur Saison 1817 nicht fertig zu werden. Das musste auch bald

Severin selbst befürchten aber er schaffte es gerade rechtzeitig zur Saison, das Gebäude fertig zu stellen.

Im Inneren war nur noch der Maler Johannes Hauthmann aus Lübeck die Saison über beschäftigt. Die Halle

am Meer war nun also endlich fertig. Sie war sandsteinfarben und hob sich somit von den anderen Gebäuden ab.

 

Aber eigentlich tat sie das schon durch ihre Größe. Über dem Eingang wurde ein halbrundes Relief angebracht,

das die Göttin Hygieia mit Schale und Schlange zeigt und links daneben wurde über jedes Fenster ein Relief mit

Abbildungen von Nereiden und rechts über jedes Fenster eines mit Tritonen angebracht. Dieses Relief stellt die

Hochzeit des Poseidon dar und ist nicht etwa mit Farbe gemalt, sondern als blauen Jasper und weißem Sandstein

angefertigt worden. An der Attika brachte man einen Spruch von Immanuel Gottlieb Huschke (1761-1828) an, auf

dem da zu lesen steht: HEIC TE LAETITIA INVITAT POST SANEA BALNUM. Sinnlich übersetzt (da es wörtlich

keinen Sinn ergibt) bedeutet dies: Hier empfängt dich Freude, entsteigst du gesundet dem Bade. Heute dreht man

das zu: Freunde empfängt dich, entsteigst du gesundet dem Bade.

 

Und in der Tat: Die Zeit der Aufklärung hatte begonnen und statt Puder, Parfum, Korsetts und Beinkleider hielt

Hygiene Einzug in die Paläste und Domizile der europäischen Bevölkerung. Dafür steht in Heiligendamm Hygieia

über der Tür des Kurhauses. Damit endet Severins Arbeit am Heiligen Damm. 1819 wird er Oberlandbaumeister

und erweitert bis 1821den Salon durch einen Anbau.

1822 kauft ihm der Großherzog sein Wohnhaus ab und schenkt es seinem Sohn, dem Erbherzog Friedrich Ludwig.

 

Durch den Wiener Kongress 1815 wurden die Herzöge zu Großherzögen und nur in Mecklenburg wurden auch die

Prinzen zu Herzögen und die Prinzessinnen zu Herzoginnen. Erbherzog Friedrich Ludwig wäre also - wenn er nicht

in Mecklenburg gelebt hätte - kein Erbherzog, sondern ein Erbprinz und darum trägt Severins erstes Wohnhaus

heute den Namen "Prinzenpalais". Nun jedenfalls wohnten der Vater am nördlichen und der Sohn am südlichen

Ende von Doberans Hauptstraße.

 

Severin sollte sich ein Haus in einem Neubaugebiet am Rande des damaligen

Doberaner Ortskerns bauen, bat aber um ein Grundstück gegenüber dem vorherigen Wohnhaus und versprach,

dieses Haus so repräsentativ und schön zu gestalten, wie die anderen Gebäude um den Kamp. Hintergrund war,

dass Severin inzwischen 5 Kinder hatte, Doberan ein teueres Pflaster war, er zwar gut verdiente aber das Geld

nie wirklich reichte und er in seinem Haus Zimmer vermietete und das natürlich am Besten in innerstädtischer

 

Lage möglich war. Friedrich Franz I stimmte zu und so erbaute sich Severin 1823-1824 sein Haus in Angesicht

mit dem Prinzenpalais. 1825 beauftragte ihn der Leibkoch des Herzogs und Starkoch aus Mailand,  Caetano

Medini, mit dem Bau eines Wohnhauses an der Nordseite des Kamp. Severin errichtete einen zweigeschossigen

Putzbau mit reicher ornamentaler Verzierung und kaum war er fertig, bekam er auch noch Aufträge für ein Bürgerhaus

und eine Apotheke direkt neben seinem Wohnhaus. Im selben Jahr folge dann der Bau des Stahlbades am südlichsten

Zipfel der Münsterstadt, wo man gerade eine Stahlquelle entdeckt hatte und 1829 kehrt Severin noch einmal an den

Heiligen Damm zurück, um das Belvedere - ein Schatten spendendes Portal mit Aussichtsplattform - zu errichten.

 

1834 sollte Severin in Pension gehen, bat jedoch um Aufschub, weil er seine Familie sonst nicht ernähren konnte.

Er durfte bis an das Ende seiner Tage bleiben, die aber schon zwei Jahre später gezählt waren.

Von seiner Gehaltszulage über 150 RT blieben nur 50 RT übrig,  als er am 20.02.1836 in seinem Haus starb.

Vier Tage später wurde er an unbekannter Stelle beigesetzt.

 

Bild oben: Das Prinzenpalais, Severins erstes Wohnhaus.

Nach der Nutzung als Schule wurde es 2007/2008 zum

Konferenzhotel umgebaut. Bild Mitte: Haus "Gottesfrieden", das zweite Wohnhaus Severins. Es wird heute von einer kirchlichen Institution für religiöse Zwecke genutzt. Bild unten: Das Haus des Chefkochs Caetano Medini. Heute beherbergt das Gebäude eine Bank, Büros und Wohnungen.

 

In Ludwigslust hatte längst ein anderer Baumeister den Stift in der Hand. Der Großherzog war für damalige Verhältnisse schon recht alt und nicht mehr so baulustig

und an das Baden war auch nicht mehr so oft zu denken und so ging es an der Ostsee nicht so richtig weiter. Oberbaumeister in Schwerin wurde ein Herr Wünsch

aber sein unbezahlter Gehilfe überholte ihn bald und wurde zum neuen Architekten. Der neue Architekt in Schwerin hatte einen Namen:

 

Georg Adolf Demmler

 

Demmler wurde als uneheliches Kind des 45-jährigen Güstrower Schornsteinfegermeisters Johann Gottfried Demmler und der sechs Jahre

jüngeren, verwitweten Tochter des Brauereibesitzers Mau geboren. Aus diesem Grund siedelte seine Mutter vor der Entbindung nach Berlin

um, wo Demmler bis zu einem Alter von neun Jahren bei einer Pflegefamilie lebte. 1813 trennte sich Georg Adolfs Vater von seiner Frau und

lebte von diesem Zeitpunkt an mit der Mutter seines Sohnes zusammen. Der Junge wurde nach Güstrow geholt, wo er bis 1819 das

Gymnasium besuchte und zusätzlich Privatunterricht bekam. Früh entwickelte er Interesse an der Bautechnik, das von seinem Vater

gefördert wurde. Mit 14 Jahren zeichnete er seinen ersten Bauplan für ein Haus. Anschließend studierte er an der Bauakademie in Berlin,

wo er Schüler Karl Friedrich Schinkels und Friedrich Gottlieb Schadows war. Wegen seiner Mitgliedschaft in der geheimen Burschenschaft

Arminia wurde er 1823 von der Hochschule verwiesen und fand eine Anstellung als Feldmesser in Potsdam. Nicht zuletzt wegen der

Fürsprache Schinkels wurde Demmler 1824 in den mecklenburgischen Staatsdienst aufgenommen, zunächst ohne festes Gehalt und

als Gehilfe des Oberlandesbaumeisters Wünsch. 1825 entging er der Einberufung zum Militär mit Hilfe eines Stellvertreters.

In mecklenburgischen Diensten wirkte Demmler vor allem in der Landeshauptstadt Schwerin. Ab 1830 war Demmler zudem Lehrer an einer

von Freimaurern betriebenen Schweriner Sonntagsschule und unterrichtete dort unentgeltlich Handwerkerlehrlinge. 1832 erfolgte die Ernennung

zum Baumeister. Da seine Eltern im gleichen Jahr kurz nacheinander starben und ihm ein großes Vermögen hinterließen, unternahm Demmler

in diesem und dem folgenden Jahr mehrere Kunstreisen durch deutsche Städte, unter anderem Frankfurt am Main, Heidelberg und München.

1833 heiratete er Henriette Zickermann, die Tochter eines Schweriner Kriegsrats. Die Ehe blieb nach zwei Fehlgeburten kinderlos.

 

1835 wurde Demmler zum Landesbaumeister. 1837 trat Großherzog Paul Friedrich die Regierung an. Er förderte den Architekten, der seine

ambitionierten Ausbaupläne für Schwerin umsetzen sollte, und ernannte ihn noch im gleichen Jahr zum Hofbaumeister und 1841, im letzten

Jahr seiner nur fünfjährigen Herrschaft, zum Hofbaurat. Unter den Hofbeamten stieß der aus einfachen Verhältnissen stammende Demmler

auf Missgunst, zumal der Baumeister direkten Zugang zum Fürsten und dessen persönliches Vertrauen hatte.

Während seiner Dienstzeit entwarf Demmler die Pläne für sämtliche öffentliche und herrschaftliche Gebäude in Schwerin. Das erste größere

Projekt in mecklenburgischen Diensten war 1824 das Kollegienhaus, das als Sitz der Regierung des Fürstentums diente. Glanzpunkte seines Wirken sind der 1845 begonnene Umbau des Schlosses und das Arsenal am Pfaffenteich, der Marstall (1838 bis 1843), das 1882 zerstörte

Theater (1836), die Rathausfassade im Tudorstil (1834/35), das Hotel du Nord, den Stadtwall mit den klassizistischen Torhäusern und sein

eigenes Wohnhaus, das Demmlers Vorliebe für Rundbögen und Turmaufbauten deutlich zeigt. Auf dem Gelände rund um den Pfaffenteich

betätigte er sich in seiner zweiten Schaffensphase in den 1860er Jahren auch als Landschaftsplaner und schuf eine Parkanlage. Um das

Arsenal am Westufer des Teichs wurde die Paulsstadt als neuer Stadtteil angelegt. Das Wirken beschränkte sich nicht allein auf repräsentative

Bauten, sondern umfasste auch die Schweriner Infrastruktur. So sorgte Georg Adolf Demmler für eine bessere Anbindung der ungeplant

entstandenen Vorstadt an den alten Stadtkern. Dieses Bauprogramm fügte sich in die Pläne Paul Friedrichs ein, der die Residenz von

Ludwigslust zurück nach Schwerin verlegte. Auch Bauwerke in anderen Städten Mecklenburgs beruhen auf Demmlers Plänen, beispielsweise

das Ernst Barlach-Theater in Güstrow. Beim Umbau des Schlosses galt es für Demmler vor allem, das auf einer Insel gelegene

Gebäudeensemble, das bis zur Verlegung der Residenz 80 Jahre lang keine dauerhafte Fürstenwohnung mehr gewesen war, entsprechend

den Erfordernissen und Vorstellungen seiner Zeit umzugestalten. Vor allem musste er die nach und nach entstandene Ansammlung

verschiedener Stilrichtungen zu einem einheitlichen Ganzen umformen. Nach einer Studienreise entschied er sich für das französische

Loire-Schloss Chambord als Vorbild. Gemeinsam mit seinem Gehilfen Hermann Willebrand, der auch die unmittelbare Bauleitung übernahm

und bis zur Fertigstellung 1857 inne hatte, zeichnete er die Entwürfe. Ältere Gebäudeteile wurden abgerissen. Die vorhandenen Elemente aus

dem 16. und 17. Jahrhundert bezog Demmler aber bewusst in sein neues Werk ein. 1843 begannen die Arbeiten, an der zeitweilig bis zu 800

Menschen beteiligt waren. 1847 war mit dem Hauptturm an der Seeseite der erste größere Bauabschnitt vollendet.

 

1826 war Demmler in die Schweriner Freimaurerloge Harpokrates zur Morgenröthe eingetreten, die liberales Gedankengut pflegte.

Bereits vor der Revolution von 1848 engagierte er sich sozial. Er setzte sich vor allem für gerechte Löhne und die soziale Krankheits- und

Unfall-Absicherung für Arbeiter und Handwerker ein und begann, obwohl selbst eher ein Liberaler, mit der Arbeiterbewegung zu sympathisieren.

Für "seine" Schlossarbeiter richtete er einen Fonds für Kranken- und Unfallgeld ein. Außerdem entwarf er Systeme für sozial gestaffelte

Lohnzuzahlungen. 1864 wurde auf seine Initiative eine Baugewerkeschule gegründet. Demmler war einer der Autoren des fünfbändigen

Werks "Mecklenburg. Ein Jahrbuch für alle Stände", das von 1844 bis 1848 erschien und mehrfach von der Zensur verboten wurde.

1845 wurde Demmler in den Schweriner Bürgerausschuss gewählt. Ab diesem Zeitpunkt gehörte er außerdem bis 1849 dem Reformverein

der Stadt an. Er setzte sich vor allem für die Pressefreiheit, eine Reform der Kommunalgesetze und für eine Verfassungsreform für ganz

Mecklenburg ein. 1849 trat er sich massiv gegen den Freienwalder Schiedsspruch ein, der die neue Verfassung von 1849 aufheben und das

alte ständische Grundgesetz wieder einführen sollte. Er forderte als bürgerlichen Gremien und Vertretungen auf, dem Schiedsspruch nicht

zuzustimmen. Insbesondere aus diesem Grund wurde er 1851 von der neuen, vom Fürst eingesetzten Regierung wegen angeblicher Illoyalität

unter Druck gesetzt. Er reichte darauf seine Kündigung ein, wurde ohne Pension entlassen und musste auch den Bürgerausschuss verlassen.

 

Demmlers persönliches Verhältnis zur Fürstenfamilie um den neuen Großherzog Friedrich Franz II. blieb aber gut. Auf die Pension war er

dank des elterlichen Erbes nicht angewiesen. Der Schlossbau wurden von Friedrich August Stüler vollendet, der jedoch zahlreiche Änderungen

einbaute. Demmler wurde in den folgenden Jahren deutschland- und europaweit politisch aktiv und nahm an zahlreichen Kongressen der sich

formierenden Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung teil. Nach längeren Reisen durch Europa, unter anderem nach England, Schottland,

Frankreich, Italien und in die Schweiz, kehrte er 1857 nach Schwerin zurück, wo er wieder Mitglied des Bürgerausschusses wurde.

 

1859 war er einer der Gründer des Deutschen Nationalvereins in Frankfurt. Zwei Jahre später wählte ihn der Mecklenburgische Gewerbeverein

zum Vorsitzenden. Allerdings blieb er auch als Architekt aktiv: Er brachte die Anlegung des Neuen Friedhofs (heute Alter Friedhof) voran,

der 1864 eröffnet wurde und legte 1863 dem Magistrat der Stadt einen "Erweiterungs- und Verschönerungsplan der Residenzstadt Schwerin"

vor, der eine Ausweitung der Stadt nach Süden und Osten und vor allem die Veränderungen rund um den Pfaffenteich vorsah. Darüber hinaus

gehörte Demmler zu den Gründern der Friedens- und Freiheitsliga in Genf und der Deutschen Volkspartei (Stuttgart, 1868). Gegen die

Gründung des Norddeutschen Bundes opponierte Demmler zunächst, weil Mecklenburg einen Teil seiner Souveränität abgeben musste.

Nach der Reichsgründung wurde er jedoch in den neuen Strukturen politisch aktiv: Für die Deutsche Volkspartei kandidierte er 1873 und

1874 bei der Wahl zum Reichstag, 1876 und 1877 erneut für die Sozialistische Arbeiterpartei. Die letzte Kandidatur war erfolgreich.

Demmler wurde für die Sozialdemokraten im Leipziger Landkreis in den Reichstag gewählt, verzichtete aber angesichts der

Sozialistengesetze 1878 auf eine Wiederwahl und zog sich ins Privatleben zurück. 1880 unternahm er einen Italienreise mit seiner Nichte

Elisabeth Mau. Auf dem Alten Friedhof in Schwerin wurde Demmler in seiner Grabkapelle beigesetzt, in der auch seine 1862 verstorbene

Frau beerdigt worden war. In der Grabkapelle verewigte Demmler wichtige freimaurerische Symbole und Architektur-Stile. Der Eingang zur

Kapelle wird in Anlehnung an den Tempel Salomons von zwei Säulen eingefasst, was durch die darüber liegende Namensgebung

hervorgehoben wird. In seinem Testament war verfügt worden, dass in jedem Jahr jeweils 1000 Mark aus seiner Familienstiftung an alte und

kranke Schweriner Maurer und Zimmerleute ausgezahlt werden sollten. Wegen Rechtsstreitigkeiten wurde dieser Wunsch jedoch nie erfüllt.

 

(Quelle: www.wikipedia.de)

 

Die neuen Architekten

am mecklenburgischen

Hofe in Schwerin:

 

 

 

 

Georg Adolf Demmler

 

 

 

 

Hermann Willebrand

 

 

 

Regent, Regierungssitz, Badearzt, Baumeister und Baustil - der Wechsel ergreift Mecklenburg und erreicht Heiligendamm.

 

Bis 1830 hatten viele weitere Bäder direkt am Meer eröffnet und fast überall konnte man auch direkt am Meer Logis finden. Am Heiligen Damm war das noch nicht der

Fall und der Großherzog beauftragte Severin, sich deshalb etwas einfallen zu lassen. Bisher hatte er gern selbst sehr genaue Vorstellungen vorgetragen oder Professor

Vogel trug den Baumeistern seine Vorstellungen vor. Inzwischen vergreiste diese Generation und so kam es nicht von heute auf morgen zum Baubeginn. Ob und was

Severin überhaupt am Heiligen Damm nach 1830 plante, ist nicht bekannt. Er starb jedenfalls 1836, ohne am Heiligen Damm noch einmal etwas selbst errichtet zu

haben. Ihm folgten der Hofmedicus Professor Vogel am 19.01. 1837 und  der Großherzog Friedrich Franz I am 01.02.1837. Die Gründergeneration war innerhalb

eines Jahres ausgelöscht.

 

Und das waren ihre Nachfolger:

 

 

 

Paul Friedrich, 37 Jahre alt, Großherzog von Mecklenburg-Schwerin in der Eigenschaft

als Regent und Bauherr.

Georg Adolf Demmler, 33 Jahre alt, Architekt und Hofbaumeister mit gutem Verhältnis zum Großherzog und sein Assistent, Herrmann Willebrand, 21 Jahre alt.

Adolf Kortüm, 27 Jahre, Badearzt.

Leider gibt es kein Bild von ihm,

weshalb Sie hier die Baderegeln sehen.

 

Um es vorweg zu nehmen: Der Badearzt hatte nicht das Charisma eines Gottlieb Samuel Vogel und mischte sich daher nicht in die Planungen des Baumeisters

und des Großherzogs ein. Großherzog Paul Friedrich war der Enkel von Friedrich Franz I. Sein Vater war Friedrich Ludwig von Mecklenburg - Sie erinnern sich:

der im Erbprinz. Friedrich Ludwig starb schon 1819 und so wurde rechtmäßig sein Sohn der Thronfolger. Dieser Paul Friedrich nun war voller Tatendrang. Er war

mit der lebensfrohen blühenden Friederike Wilhelmine Alexandrine Marie Helene Prinzessin von Preußen (bekannt als Alexandrine von Preußen) verheiratet und

hegte durch das frühe Ableben seines Vaters die Geschichte seiner Ahnen. Seit 70 Jahren war Ludwigslust die Residenzstaat des Großherzogtums und nun

wollte er diese wieder nach Schwerin verlegen. Das Schloss war ihm zu klein und auch nicht mehr repräsentativ genug und so beauftragte er Demmler mit dem

Bau eines neuen Schlosses in Schwerin.

 

Aber auch am Heiligen Damm tat sich wieder etwas.

 

Doberan interessierte Paul Friedrich nicht weiter. Er nutzte die vorhandenen Gebäude seines Großvaters

aber er wollte die Logis direkt an den Heiligen Damm verlegen. Er beauftragte Demmler damit, das Badehaus

zu einem Logierhaus zu machen und trug ihm seine Vorstellungen vor.

 

Diese passten natürlich nicht in den kleinen Backsteinbau. Den aber abzureißen und völlig neu zu bauen, war teuer.

Also entfernte Demmler das Dach und entkernte das Gebäude und ließ um das entkernte Badehaus herum einen

dreistöckigen Neubau errichten. Man kann also eigentlich nicht von einer Aufstockung reden. Was blieb, waren

das Parterre und die geschwungene Flügeltreppe.

 

Das Badehaus hatte nun drei Achsen von je 4 Fensterachsen Breite und je drei Fensterachsen Höhe.

Die Fenster waren alle gleich groß. Zur Seeseite und zur Parkseite hin hatte das Haus drei Fensterachsen, von denen

die Mittelachse breiter war, als die beiden Außenachsen. Das Gebäude verfügte über ein Flachdach, das mit einem

grazilen Eisengestell gerahmt war und in der Mitte des Daches setzte Demmler zur Betonung der Symmetrie des

Hauses einen einstöckigen Turm mit je drei Fenstern pro Wand auf.

 

Dieser Aufbau diente zugleich als Zugang zum Dach und das Eisengeflecht hatte die Funktion eines Absturzschutzes.

Demmler passte das Logierhaus - wie es sich nun nannte - farblich dem Kurhaus an und hielt es sandsteinfarben.

Das Ensemble um 1820.

Dieselbe Ansicht 20 Jahre später.

Die Schornsteine sind ein Irrtum des Zeichners.

 

Der Großherzog ließ zwar dieses Logierhaus bauen aber das sollte weniger für den Hof selbst sein, als eigentlich für die Gäste des Hofes. Er wusste nur zu gut,

dass die fröhliche Alexandrine sich in einem kleineren Rahmen mit tieferen Beziehungen wohler fühlte als in einem großen und oberflächlichen Beziehungskreis.

Darum beauftragte er Demmler mit dem Bau einer kleinen Villa extra für die Großherzogin. Es sollte ein Geschenk sein. Demmler und Willebrand konstruierten

eine Villa, welche sich auf dem Damm (also auf der Steilküste) befinden und streng auf das Meer ausgerichtet sein sollte. Den beiden Architekten ist bewusst,

dass für Heiligendamm eine neue Zeit beginnt und mit dieser neuen Zeit kommt es auch zu einem neuen Stil.

 

Stilbruch in Heiligendamm - Vom Klassizismus zum Historismus.

 

Wie kam es nun zum Stilbruch ab 1839? Nun, das Zeitalter der Romantik hatte Mecklenburg erreich. Wie immer fast 50 Jahre später aber immerhin überhaupt.

Mit der Aufklärung kam die Abkehr vom Absolutismus, von strengen Normen und von monumentaler Architektur. Haydn komponierte seine "Vier Jahreszeiten",

Milton schrieb vom verlorenen Paradies und aus England kam die Idee der Englischen Gärten mit ihren gewundenen Wegen, Rondellen, Sichtachsen und

Baumgruppen nach Mecklenburg. Peter Joseph Lenné war Landschaftsarchitekt des Großherzogs und mit ihm kamen in Mecklenburg die großen Gartenanlagen,

in denen der Adel auch gern das eine oder andere Haus errichten ließ. Das erste Anzeichen dieses Stilbruchs kam in Heiligendamm durch den Bau des Cottages

für die Großherzogin zu Tage.

 

Ein zum Meer gerichtetes Haus mit einem achteckigen Turm mit geschweiften Helmen, den Rundbogenfenstern

und einer harmonischen Asymmetrie stellt das Alexandrinencottage dar. Statt auf symmetrische Perfektion setzte

Demmler auf rhythmische Gliederung und dennoch bewies er mit dem Cottage ein barockes Verständnis, indem er

es und fast jedes Zimmer in ihm auf das Meer ausrichtete.

 

Das Haus mit seiner geschwungenen und verspielten Form spiegelte exakt den Lebensstil der Großherzogin

Alexandrine wieder und das war die entscheidende Wende im Stil Heiligendamms. Statt monumentaler Bauwerke

nach antiken und klassizistischen Vorbild kamen nun Häuser, die den Stil ihrer Bewohner betonten.

Nach der Großherzogin bekam auch die Gattin des Großherzogs, Marie von Schwarzburg-Rudolstadt (1850-1922)

ihr eigenes Cottage. Dieses entstand etwas südöstlich des herzoglich-mütterlichen Cottages und sollte zunächst

nach den Plänen Willebrands auch zwei Türme haben. Damit wäre das Haus aber zu gewaltig geworden.

Also entschied sich Demmler, statt zweier Türme einen rhythmisch gegliederten hochgezogenen Erker mit Rundbogenfenstern zu verwenden. Diese ungleiche Gliederung der beiden Cottages lassen sie größer erscheinen,

als sie es tatsächlich sind.

Alexandrinen-Cottage

 

Neben diesem Cottage baute er ein weiteres Cottage, das Kronen-Cottage.

Hierbei  handelte es sich um ein zweistöckiges Haus mit zwei Trakten, die eine mittige Terrasse mit Veranda

gegrenzten. Das Kronen-Cottage wurde als Gästehaus für Besucher der Herzoglichen Familie errichtet und

blieb den höheren Kreisen des Adels vorbehalten. Die wichtigsten Gäste dürften hier die Familienmitglieder

der preußischen königlichen Familie, der ja Alexandrine von Preußen entstammt, gewesen sein.

 

Hier kommt z.B. der preußische Kronprinz Friedrich Willhelm IV in Frage, der 1840 König von Preußen wurde.

Er hatte gute Kontakte zum mecklenburgischen Hof und bediente sich auch des Baumeisters Stüler und des

Landschaftsarchitekten Lenné, die ja bekanntlich beide im Dienste Paul Friedrichs arbeiteten.

Kronen-Cottage

 

Stüler baute im Auftrag des Königs auch die Orangerie in Potsdam und wenn man den Stil dieser und anderer vom König beauftragten und von Stüler geplanten

Bauten mit dem des Kronen-Cottages vergleicht, spricht doch sehr viel dafür, dass Paul Friedrich hier für seinen Schwiegervater ein Sommerhaus errichten ließ.

Er war durchaus angetan von seinem Schwiegervater. Friedrich Willheim IV - auch der "Romantiker auf dem Thron" genannt - gehörte übrigens zum Hause der Hohenzollern.

 

Womit wir beim nächsten Bau wären, den Paul Friedrich in Auftrag gab.

Wer hat sich diese Frage noch nicht gestellt:

 

Was macht eine Burg am Ostseestrand?

 

Interessant ist, dass ich noch kein Buch gefunden habe, das mir diese Frage beantwortet. Also habe ich in der Wikipedia recherchiert und als ich gerade nach

dem möglichen Bewohner des Kronen-Cottages suchte, fand ich eine Antwort, die ich nicht nur als möglich, sondern als zu 99% richtig ansehen würde. Warum?

Schauen Sie selbst:

 

Großherzog Paul Friedrich verstand sich gut mit seinem Schwiegervater und Großherzogin Alexandrine mochte ihren Vater sehr, sodass es zu einem regen

Besuchsverkehr zwischen den beiden Familien kam. Der Großherzog lud den König in seine Sommerresidenz an die Ostsee ein und der König tat es ihm gleich

und lud ihn in seine Sommerresidenz in den Bergen ein. Diese steht in den Bergen von Koblenz und heißt "Schloss Stolzenfels". Das Schloss wurde schon im

16. Jahrhundert von den Hohenzollern gebaut und als letzter um 1840 werkelte Stüler an ihr herum. Und nun treten wir den Vergleich an:

Links das Schloss Stolzenfels und rechts die Burg Hohenzollern in Heiligendamm:

 

Schloss Stolzenfels bei Koblenz.

(GNU-Lizenz, Quelle: wikipedia - Weitere Infos zum Schloss)

Burg Hohenzollern in Heiligendamm.

 

Die Ähnlichkeit dieser beiden Bauwerke ist frappierend. Paul Friedrich war begeistert von der schwiegerväterlichen Sommerresidenz und er beauftragte seinen

Baumeister Demmler mit dem Bau einer Burg im neogotischen Stil am Heiligen Damm. Dabei mag er eher an einen Bau in die Steilküste hinein gedacht haben

aber das wäre zu schwierig gewesen. Demmler hatte in Schwerin alle Hände voll damit zu tun, dem Großherzog erst einmal seinen Wunsch nach einem neuen

Schloss zu erfüllen. 1841 begann er in Schwerin mit dem Bau dieses Schlosses und so musste die Burg am Heiligen Damm erst einmal warten.

Dennoch skizzierte sein Assistent Hermann Willebrand schon einmal ein paar Ansichten der Burg.

1842 geschah jedoch das Unerwartete: Großherzog Paul Friedrich starb im Alter von 42 Jahren.

 

Sein Nachfolger wurde planmäßig sein Sohn Friedrich Franz II im zarten Alter von 19 Jahren.

Auf dem Bild sieht er nicht mehr so zart aus aber in der Ausstellung von Frank Mohr findet sich noch ein Bild aus jungen Jahren.

Friedrich Franz II ließ zuerst den begonnenen Schlossneubau in Schwerin beenden und die vorhandenen Mauern wieder abbrechen.

Er wollte das vorhandene Schloss auf der Schlossinsel einfach wieder repräsentativ machen und beauftragte deshalb Demmler mit der

Planung. Nun hatte Demmler sich aber nicht umsonst zuvor für einen Neubau eingesetzt, denn das Schloss auf der Schlossinsel war

schlecht umzubauen. Ein Abriss mit Neubau wäre einfacher gewesen. Doch der junge Herzog war zielstrebig und forderte Pläne an.

Demmler legte mehrere Pläne vor, die er zusammen mit Willebrand ausgearbeitet hatte aber nichts davon konnte den Großherzog

begeistern. Dieser ließ sich darauf hin von Stüler und sogar von Semper Entwürfe vorlegen aber auch diese gefielen ihm nicht. Wieder

musste Demmler an die Arbeit und dieser ließ die Pläne Stülers und Sempers in einen neuen Entwurf einfließen, der prompt wieder

abgelehnt wurde. Ganz nebenbei sollte sich Demmler auch noch um den Bau der Burg am Heiligen Damm kümmern, denn wenigstens

die fand die Zustimmung des Großherzogs. Dafür hatte Demmler aber kaum Zeit, denn nach den vielen Ablehnungen nahm er sich

seinen Assistenten Hillebrand, fuhr nach Frankreich und zeichnete dort gemeinsam mit ihm Entwürfe unter dem Eindruck der Loire-

Schlösser. Zurück in Schwerin hatten die beiden nun endlich einen Entwurf, der dem Großherzog gefiel. Und den Auftrag, sogleich

mit der Arbeit zu beginnen. 1843 ging es dann mit dem Abbruch der nicht mehr benötigten Teile des Schlosses los und bis zu 800

Arbeiter mussten schwere Bedingungen beim Umbau des Schlosses hinnehmen. Demmler setzte sich für eine gerechte Belohnung

der Arbeiter und für die Gründung von Unfall- und Krankenkassen ein. 1845 fand er dann endlich Zeit für die Burg am Heiligen Damm

und ließ die Arbeitsleute mit dem Bau beginnen. Dazu musste zunächst das Armenkrankenhaus weichen. Drei Jahre später stand

die Burg und ein Jahr danach war sie bezugsfertig. 10 Familien und 15 Einzelpersonen fanden in ihr Platz und der Großherzog hatte

den Traum seines Vaters wahr gemacht. Das macht ihn in einigen Büchern irrtümlicherweise zum Auftraggeber des Burgen-Baus.

 

Demmlers Traum allerdings neigte sich dem Ende entgegen. Er engagierte sich 1848/49 in der bürgerlich-demokratischen Bewegung

und setzte damit seine Karriere auf das Spiel. Sein letzter Auftrag am Heiligen Damm kam vom Großherzog Friedrich Franz II und

beinhaltete den Bau eines Sommerhauses für die Prinzessin von Reuß, eine Verwandte seiner 28jährigen Freundin Auguste Reuß

zu Schleiz-Köstritz. Dieses Bauwerk entstand unter Beteiligung seines Assistenten Willebrand und unter Einfluss von Stüler und hatte

deshalb nicht den üblichen klassizistischen Stil, sondern wurde im Stil der Neorenaissance gebaut. Hier scheiden sich die Geister,

denn eigentlich entspricht das Haus eher dem Nachjugendstil. Der aber setzte in Deutschland erst nach 1890 ein und Mecklenburg

ist nicht gerade dafür bekannt, der Welt irgendwo voraus zu sein. Von einigen Erfindungen und Geistesblitzen mal abgesehen.

 

Demmlers Arbeit endet mit der Fertigstellung des Prinzessin-Reuß-Palais. Er wurde 1851 aus dem Staatsdienst entlassen.

Damit erhielt er dann auch keine öffentlichen Aufträge mehr. Private Aufträge führte er weiterhin aus und er beteiligte sich auch an

Planungen. Vieles wurde aber nicht mehr zu seinen Lebzeiten umgesetzt. Sein Nachfolger am Hofe wird nun der schon bekannte

Friedrich August Stüler. Der hatte gerade ein Jahr zuvor im Auftrag Friedrich Willhelm IV mit Umbauten an der Burg Hohenzollern

in Bissingen begonnen. In Schwerin vollendete er den von Demmler geplanten Schlossumbau.

Großherzog Friedrich Franz II

Friedrich August Stüler

 

Zwei Herrscher - ein Stil. Wie es zur Perlenkette kam.

 

Am Heiligen Damm wurde mit der Hohenzollernburg das fehlende romantische Element eingefügt.

Wenngleich es sicherlich nicht das Ziel der Baumeister war, möglichst alle Baustile in einem Ort zu vereinigen.

Heiligendamm ist viel mehr lebendige Architekturgeschichte. Vom Barock ging es zum Klassizismus, von dort zur Neorenaissance, zur Romantik und nun im vorerst

letzten Bauabschnitt ging man parallel mit der Geschichte zum Historismus über. In Berlin baute Martin Carl Philipp Gropius (1828-1880) im Auftrag des Königs

Universitäten, Konzerthäuser, Kliniken und andere repräsentative Bauten und im ganzen Reich wuchsen die Städte im Stil eben dieses Historismus.

Stüler hatte zwar bei Schinkel gelernt aber seine Aufträge bestanden bisher mehr aus Großssb/archn. Schlösser, Burgen, Kirchen und Repräsentationsbauten

gehörten zu seinem Repertoire und diese orientierten sich an der Romantik und um genau zu sein an der Neo-Renaissance.

 

Hinzu kommt der Auftrag selbst:

Hier sollte es nicht mehr um Logierhäuser für jeweils eine Familie gehen aber es

sollte auch kein Hotel sein. Der Großherzog hatte ein klares Ziel und das bestand

darin, das Bad konkurrenzfähig und profitabel zu machen. Ein Villenviertel war

wegen des beschränkten zur Verfügung stehenden Raumes nicht realisierbar und

ein Hotel hatte das Ensemble schon in Form der Hohenzollernburg. Also entschied

sich der Großherzog für Mietshäuser mit je vier Wohnungen. Fünf solcher Häuser

ergeben 20 Wohnungen und zwischen dieser Villenreihe sollte eine zweite Restauration entstehen. Die Häuser dienten nun nicht mehr fürstlichen Zwecken und

daher sollten sie möglichst preisgünstig und mit einfacheren Mitteln errichtet werden.

Der Unterschied wird heute beim Vergleich mit den westlichen Cottages deutlich.

Perlenkette um 1880.

 

Der dritte Aspekt ist der Herzog selbst: Friedrich Franz II galt als moderner Mann, der nicht umsonst bei seinen Untertanen sehr beliebt war. Er war jung und

dynamisch und begeisterte sich für alles Neue. Auch wenn es alt aussah, wie der neue Baustil, der aus kahlen Kästen schmucke Bauwerke mit historischem

Aussehen machte. Wie schon sein Vater pflegte Friedrich Franz II den Kontakt zum preußischen König Friedrich Willhelm IV, der auch der "Künstler auf dem Thron"

genannt wurde. Der Einfluss Friedrich Willhelm IV auf die ssb/arch seines Neffen ist unübersehbar, denn mit der Perlenkette ist ein Stück Berliner Architektur an den

Heiligen Damm gekommen. So verwundert es nicht, dass der Stüler - ein Schüler von Schinkel nun statt klassizistischer Bauwerke historistische Bauwerke aus dem

Boden stampfte. Das erste davon am Heiligen Damm war das Neue Logierhaus. Er baute dieses Haus gegenüber des Logierhauses (Mecklenburg) und richtete die

Westfront so aus, dass man am Logierhaus vorbei schauen konnte und die Südfront so, dass man am Badehaus (Kurhaus) vorbei sehen konnte.

Das Gebäude war das erste im Stil des Historismus am Heiligen Damm.

 

Es war ein einfacher Kubus von zwei Geschossen Höhe. In der Mitte befand sich seeseitig ein dreigeschossiger

Turm mit drei Fensterfronten und von ihm gingen zwei Fensterachsen nach links und vier nach rechts aus. Die beiden

linken und die beiden linken der vier rechten Fenster waren auf beiden Etagen mit Balkonen versehen und das Haus

war mit einem flachen Walmdach eingedeckt. Die oberen drei Fenster des Turmes waren mit Rundbögen versehen,

während die anderen eckig waren. Das Haus war im Prinzip ein Kubus mit Aufbau und Verzierungen.

 

Und genau das macht den Stil des Historismus aus. Zeitgleich entstand auch östlich neben dem Neuen Logierhaus

ein weiteres Logierhaus. Dieses war ebenfalls ein Kubus mit Anbauten. Hier wurde ein einachsiger Mittelrisalit mit

Dreiecksgiebel verwendet, der zweigeschossig und mit Rundbogenfenstern versehen war und über die von Demmler

so gemochten vier schlitzartigen Rundbogenfensterchen im Giebel verfügte. Vom Risaliten gingen jeweils zwei

Fensterachsen nach links und rechts aus, die auf beiden Etagen Rundbogenfenster- und türen und angebaute Balkone

hatten. Auf der rechten Seite wurde das Haus mit einem Seitenrisaliten gegliedert, der wiederum seeseitig über zwei Fensterachsen mit je einem Rundbogenfenster pro Geschoss verfügte und an dem westseitig ein zweigeschossiger

Erker mit drei Achsen zu je zwei Rundbogenfenstern angebaut war. Auch hier war Stüler der Architekt, wenngleich

sich ein gewisser Herr Stern daran beteiligte. Nach Abschluss der Bauarbeiten 1855 an den Häusern 1 und 2,

wie sie damals hießen, wurde mit dem Bau an den Häusern 4 und 5 - heute Möwe und Seestern - begonnen.

Bei der Möwe griff der Architekt - Stüler arbeitete mit Willebrand, Ratshagg und Stern zusammen, sodass man

nicht sagen kann, wer was einfließen ließ - auf einen in den Alpen typischen Stil zurück.

Die Villen "Greif" und "Perle" um 1880.

Die Perlenkette um 1890.

 

Das kam nicht von ungefähr. Am 20.10.1849 hatte nämlich die Tochter der Großherzogin Alexandrine, also die Schwester von Friedrich Franz II - Luise Marie Helene -

geheiratet. Und zwar den Fürsten Hugo Fürst zu Windisch-Graetz. Windisch-Graetz lag in Böhmen im Alpenland und so bekam die "Möwe" auch ein alpenländisches

Antlitz. Typisch für die Alpen ist ein verbundenes Doppelhaus mit aufwändiger Schnitzerei, Fachwerk und filigranen Balkonen. Genau das bekam die Möwe und dazu

zwei Türme zur Park-Seite hin. Da man den Gesamteindruck der Villenreihe nicht durch einen Fachwerkbau unterbrechen wollte, beschränkte man sich beim Fachwerk

auf die Oberteile der beiden Türme und gestaltete das Doppelhaus im historistischen Stil. Die Häuser waren beide zweigeschossig mit jeweils drei balkonverzierten

Mittelachsen und jeweils einer Fensterachse rechts und links neben der zweigeschossigen Balkonkonstruktion. Im Osten und Westen hatte das Doppelhaus je

eine Achse in der Mitte der Wand zwischen Turmansatz und Wandecke, in der unten eine Tür und oben ein Fenster verbaut wurden. Der durch die Turmvorsprünge

entstandene Freiraum wurde nach Osten und Westen durch Balkone ausgefüllt. Nach Süden hatte das Haus seinen repräsentativen Eingang mit großer Rundbogentür.

Die Türme waren dreigeschossig und mit einem Walmdach in flacher Pyramidenform eingedeckt und mit jeweils zwei Fenstern nach Osten, Süden und Westen.

Die Verbindung der beiden Häuser hatte zwei Fenster nach Norden und ein kleines nach Süden. Das Obergeschoss des Verbindungsteils hatte ein Ziegeldach. und die beiden Hausteile waren mit einem Spitzdach eingedeckt.

 

Nun folgte zunächst der Umbau des Kurhauses, der den gestiegenen Platzbedürfnissen

geschuldet war. Das Kurhaus wurde im Südteil aufgestockt und erhielt im Westteil einen Anbau.

 

Der Innenhof verschwand zu Gunsten von neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsräumen und die Wohnung

des Bademeisters wurde vom Logierhaus in das Kurhaus verlegt. Die frei gewordenen Räume im Logierhaus

wurden umfunktioniert.

 

Die Seefront des Kurhauses wurde optisch aufgewertet und als Resultat war das Kurhaus nach dem

Bauende ein Kubus in jetzt durchgehend gleicher Höhe, der nur im Süden durch zwei Flügel unterbrochen wird.

 

Im Inneren gab es nun zwei Säle, von denen einer größer war und es gab neue Räume zum Wohnen,

Amüsieren und Wirtschaften. Um das Kurhaus von der Seeseite sichtbar zu machen, wurde das

Belvedere abgerissen. Auch die Schornsteine und die Wirtschaftsgebäude wurden teilweise abgerissen.

Das Kurhaus um 1820

 

 

Zeitgleich mit dem Kurhausumbau wurde auch daneben mit dem Bau des "Seestern" begonnen. Diese Villa war

etwas einfacher in seiner Ausführung und bestand aus einem hervor stehenden nach Norden und Süden ausgerichteten

eingedeckten Haupttrakt mit drei Geschossen und nach rechts und links zweigeschossigen und einachsigen Anbauten.

Der Hauptteil hatte zwei Fensterachsen, in denen im Erdgeschoss ein Rundbogenfenster und eine Tür mit Rundbogen,

im Obergeschoss zwei Rundbogenfenster und im Dachgeschoss drei eckige Fenster verbaut waren. Die Fenster in

den beiden Nebenbereichen größer und auch mit Rundbögen versehen. An der  Westseite hatte das Gebäude einen

abgesetzten zweigeschossigen Anbau mit je drei Fensterachsen und einem  großen Balkon. An der Westseite hatte

das Haus im Erdgeschoss links zwei Rundbogenfenster, im Obergeschoss vier Rundbogenfenster und im Spitzboden

zwei kleinere Rundbogenfenster. Im Süden war das Haus vierfach nach Osten hin abgestuft und hatte in den beiden

westlichen Stufen jeweils eine Fensterachse mit Rundbogenfenstern in beiden Etagen, bzw. im Erdgeschoss einer

Rundbogentür im Mittelteil und drei schmalen Rundbogenfenstern im Dachgeschoss. Im dritten Teil hatte das Haus

beidgeschossig drei Fensterachsen und im rechten und letzten abgestuften Teil keine Südfenster, da das Haus nach

Osten hin etwas in die Südrichtung ausgerichtet wurde. Die tatsächliche Anzahl der Fenster kann abweichen, da einige

Fenster nur Zierde gewesen sind.

Das nächste Gebäude in der Kette sollte ein eingeschossiger Kubus mit aufgesetzten Halbrondell und Terrasse werden.

Dieses Gebäude sollte als zweite Restauration dienen und die erste Restauration im Böllhäger Weg ergänzen.

Dr. Kortüm zeichnete die Restauration im geplanten Maßstab ein. Das Gebäude wäre in etwa so groß geworden,

wie das Prinzessin-Reuß-Palais. Vor dem Bau der Restauration sollte aber zuerst der Bau der restlichen Pensionen

abgeschlossen werden. So ging es dann weiter mit dem Bau des Hauses "Anker".

Die Villen "Bischofsstab" und "Anker" um 1860.

Die Villen "Hirsch" und "Schwan" um 1860.

 

1862 war die Villa "Schwan" fertig. Das zweigeschossige Gebäude war seeseitig mit einer einheitlichen und parkseitig

mit einer abgesetzten Fassade versehen. Ein Erker schmückte die Ostseite und ein weiterer die Nordwestecke.

Zur Seeseite hin hatte das Haus von links nach rechts eine Fensterachse, drei Türachsen mit vorgebauter

Veranden-Balkon-Konstruktion, zwei zusammen hängende und eine einzelne Fensterachse, neben der sich dann der

Erker eröffnete. Das flache Walmdach wurde über dem Balkon mit einer Attika verziert. Das mit Rundbogenfenstern

versehene Haus wurde durch die Veranda an der Seeseite und den Erker an der Nordwestseite über Treppen betreten.

 

Während die Villa "Schwan" den  Stil Martin Gropius deutlich in sich trug, fiel die Villa "Hirsch" aus der Reihe.

Dieses 1863 fertig gestellte Haus hatte einen dreiachsigen Mittelrisaliten, der allein einen Drittel des Hauses ausmachte.

Im Erdgeschoss befand sich eine Veranda mit zwei großen Rundbogentüren, im ersten Geschoss gab es einen reich

verzieren Balkon mit vier Rundbogenfenstern und zwei Rundbogentüren hinter sechs Rundbögen. Die drei Achsen des

Dachgeschosses waren unterteilt und beherbergten im linken und rechten Teil je ein eckiges und in der Mitte zwei

Rundbogenfenster. Das flache Walmdach befand sich hinter einer umlaufenden niedrigen Attika, an deren Eckpunkten

sich kleine Türmchen befanden.

Das Ensemble von der Seeseite aus um 1870

 

Obwohl alle Villen so heißen, trägt dieses zusammen mit der "Möwe" die Bezeichnung "Schweizer Haus" zu Recht.

Damit war nun die Perlenkette - wie sie erst sehr viel später benannt wurde - komplett. Die Villen hatten keine Privatgrundstücke und waren rundum zu Fuß erreichbar.

Sie standen quasi mitten auf der Promenade und bildeten damit den für die Bäderarchitektur typischen Flair. Überhaupt floss sehr viel von der frühen Bäderarchitektur in

die Villen ein und Ähnlichkeiten finden sich auch in den Kaiserbädern und in Kühlungsborn, Warnemünde, Graal Müritz und Bad Doberan. Die Architektur war also nicht

so sehr die Besonderheit. Diese lag eher in der Anordnung der Gebäude, denn statt der typischen Aneinanderreihung entschied man sich am Heiligen Damm für eine

Bogenanordnung.

 

Bis 1872 konzentrierte sich die Entwicklung am Heiligen Damm und in Doberan auf die logistische Anbindung des

Seebades an den Ort Doberan als Umschlagplatz. Man versuchte die infrastrukturelle Erschließung mittels einer

Dampfkalesche, was aber kläglich scheiterte. 1867 traten Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz dem

Deutschen Bund bei. Die politische Lage veränderte sich und mit ihr auch die wirtschaftliche Lage.

Da im Deutschen Bund das Glücksspiel verboten war, mussten die beiden Spielbanken in Doberan gegen

den Willen des Großherzogs schließen. Die Folge war ein jährlicher Ausfall von 30.000 Taler. Jetzt musste

man handeln, denn nun galt es, die fehlenden Mittel durch eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit und vor allem

der Besucherzahlen selbst aufzubringen. Der Herzog bezahlte das Bad noch immer aus eigener Tasche und mit

der Umlage der Pachteinnahmen für die Spielbanken war das für ihn auch kein Problem. Nun aber würde er auf kurz

oder lang einen Geldrückgang in seiner Schatulle verzeichnen, wenn er die 30.000 Taler nicht an anderer Stelle wieder

erwirtschaftet kriegt. Und beliebig Steuern erheben konnte er - zumal nun Mitglied des Deutschen Bundes - auch nicht.

Es half also nur eine Erweiterung des Bades für noch mehr Besucher. Und das musste auf kleinsten Raum geschehen.

 

1870 kam dann erst einmal alles ganz anders. Eine schwere Sturmflut überflutete die Promenade und zerstörte

das Herrenbad, das Damenbad, und das Waschhaus und beschädigte das Haus des Schleusenwärters und große

Teile der Technik hinter dem Badehaus. Große Sandmengen wurden bis an die Villen heran gespült und sehr viele

Bäume knickten ab. Alles was nicht massiv errichtet worden war, fiel der Macht des Wassers zum Opfer.

Bei den Aufräumarbeiten verschwand dann der Rest der Pumpenhäuser, Wasserspeicher, Heizhäuser und

Technikgebäude und das Badehaus (Mecklenburg) erhielt an der Seeseite einen Anbau.

An Stelle der abgerissenen Gebäude entstand ein Park nach englischen Vorbild mit Aussichtsplattform.

Allerdings fehlten die Mittel für einen Wiederaufbau des Herren- und Frauenbades und somit büßte das

Bad an Attraktivität ein.

Die Landungsbrücke vor und nach der Sturmflut von 1870.

 

 

Schlossbaupläne und zerplatzte Luftschlösser - Heiligendamm wird verkauft.

 

1872 legte das Berliner Architekturbüro Kayser & Großheim einen Entwurf vor,

der das Bad retten und profitabel machen sollte. Dazu sollte es unter Verwendung

der bestehenden Gebäude - außer dem Salon - zu einem schlossartigen Ensemble

mit drei Flügeln erweitert werden, hinter das weitere Logierhäuser gelagert werden

sollten. Das Projekt war gigantisch und hätte sicherlich zu einem enormen

Aufschwung beigetragen. Der Großherzog wurde in die Planungen mit einbezogen

und sorgte dafür, dass die Cottages im Westen bestehen und in den Plan integriert

werden. Die östlichen Villen liegen außerhalb des Bildrandes und ihre Verwendung

im Dunkeln. Der Großherzog jedoch konnte sich den Umbau nicht mehr leisten und

hatte auch nicht die Mittel, das Bad wiederaufzubauen. Ihm blieb nur die

Privatisierung und die Hoffnung, dass finanzstarke Investoren die Pläne umsetzen

würden. So verkaufte er das Bad für 500.000 Taler an eine Aktiengesellschaft,

der der Rittermeister a. D., Baron Otto von Kahlden auf Iden vorstand.

Die AG übernahm den Umbauentwurf nicht in der ganzen Form, sondern errichtete

nur den im Entwurf geplanten Ostflügel neben dem Salon. Dabei orientierten sich die

Planer am Haus "Mecklenburg", wie das Badehaus inzwischen hieß.

Das neu errichtete Logierhaus hieß zunächst "Neuer Flügel" und diente

wie die Burg als Hotel, weshalb es später den Namen "Grand Hotel" bekam.

Die großherzogliche Familie behielt ihre Cottages.

Umbaupläne des Berliner Architekturbüros Kayser & Großheim von 1872.

 

Durch die Privatisierung erfolgten nun alle weiteren Bauten einem weniger noblen Stil, da sie nicht mehr fürstlichen Zwecken dienten. Eines dieser Gebäude ist die kleine Villa "Sporn", welche vermutlich von einem General in Auftrag gegeben wurde. Wie alle Erstbebauungen entstand dieses Haus am Waldrand. Die Seedeichstraße existierte noch nicht.

 

Diese Villa ist ein zweistöckiger klassizistischer Kubus ohne großartige Verzierungen und erinnert eher an ein

Ferienhaus. Als dieses diente die Villa dann auch und leicht versetzt entstand rechts daneben ein weiterer Kubus,

der aber durch einen Mittelrisaliten mit Dreieckgaube weniger merkwürdig aussah. 1850 hatte General Hopfgarten

bereits am Waldrand beim Golfteich ein Wohnhaus im schweizerischen Stil errichten lassen. Die beiden Häuser

wurden also daneben gesetzt und nicht wahllos in den Wald gebaut. Der Wald sollte auch nicht bebaut werden,

sondern als Park erhalten bleiben. Lediglich eine Baufläche blieb reserviert.

Auf dieser sollte später eine Kapelle errichtet werden.

Hopfgartensches Haus um 1850.

 

Wie die "Perle" zu ihrem Anbau kam.

 

Nun gab es also den englischen Garten mit den großherzoglichen Villen im Westen, das Wohn- und Geschäftsviertel im Osten und den gesellschaftlichen Mittelpunkt

in der Mitte des Ensembles. Östlich neben dem Ensemble befanden sich die Sportstätten und westlich der Buchenwald mit der Steilküste. Seeseitig waren alle

Bauflächen ausgeschöpft. Der Mittelpunkt allerdings war architektonisch etwas misslungen. Die Westseite des Neuen Logierhauses wies nur eine kahle Wand

auf und gerade auf diese Wand sah man von Westen, Nordwesten, Südwesten und Norden her.

 

1874 heiratete die Tochter des Großherzogs, Marie Alexandrine Elisabeth Eleonore von Mecklenburg-Schwerin den russischen Fürsten und Sohn des Zaren Wladimir

Alexandowitsch Romanowa. Vermählungen des mecklenburgischen Hochadels mit der russischen Zarenfamilie waren nicht so ungewöhnlich, wie es heute scheint.

Insgesamt sind fünf Mitglieder der schwerinschen Linie Mecklenburgs mit dem russischen Hochadel verheiratet. Auch die Häuser Thüringen, Reuß, Dänemark,

Norwegen, Niederlande, Vereinigtes Königreich, Montenegro, Österreich-Ungarn, Anhalt, Hessen-Kassel, Preußen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Hildburghausen,

Hessen-Darmstadt, Chartrés, Cambridge, Oldenburg, Sachsen-Gotha-Altenburg, Sachsen-Gotha-Roda, Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Coburg-Saalfeld,

Hessen-Homburg, Hessen-Kassel, Württemberg-Oels, Sachsen-Weißenfels, Schleswig-Holstein-Gottorf, Braunschweig, Lüneburg, Sachsen und Hannover sind

mit dem Mecklenburgischen verwandtschaftlich verbunden. Der Großvater des (Prügel-) Prinzen Ernst August V war Friedrich Franz IV, der letzte Regent Mecklenburgs.

Heute leben noch die Töchter des 1996 verstorbenen Christian Ludwig, des Sohnes des letzten Herzogs, Donata und Edwina. Die Mecklenburg-Strelitzer Linie hat 1994

noch einen männlichen Spross hervorgebracht.

 

Soviel zur Stammtafel Mecklenburgs und damit zurück zur Architektur in Heiligendamm.

Dort nämlich wurde geheiratet und dazu fuhr die russische Schwarzmeerflotte vor Heiligendamm auf und nahm das Paar an Bord. Vorher aber wohnte das junge Paar

im Neuen Logierhaus, dem westlichen Glied der Villenreihe. Miechen, wie die Herzogstochter liebevoll genannt wurde, konnte sich nämlich nicht für die Konfession ihres

Freundes begeistern und so lebten die beiden zuerst einige Jahre unehelich zusammen, bevor der Zar dann der Hochzeit auch ohne Konversion zustimmte.

 

 Da aber eine wilde Ehe damals undenkbar war, mussten getrennte Schlafzimmer her.

Und getrennte Bäder, Ruheräume usw. So kam das Logierhaus zu seinem Anbau.

Dieser bestand aus einem Würfel mit je drei Achsen, an dem im Norden ein Turm angebaut wurde.

Diesen entlieh man dem "Neuen Flügel", der seine Türme seinerseits dem Badehaus entliehen hatte.

Der Turm hatte die üblichen 12 Großfenster und war flach eingedeckt. Im Norden und Süden erhielt der

Anbau je 2 Fenster auf der östlichen Fassadenseite und jeweils einen halbrunden einstöckigen Anbau

nach Westen hin. Weiterhin erhielt der Anbau an die dreistöckige Westfront mit ihren zwölf Fenstern

einen säulengelagerten Doppelbalkon. Damit passte der Anbau perfekt zum Kurhaus mit seinen acht

großen Säulen.

Das Haus bekam nun die umständliche Bezeichnung "Villa Perle mit Anbau Großfürstin Marie".

Dieser Abschluss hatte einen optimalen Bezug zum Hauptplatz des Ensembles. Trotzdem war man

bei der Planung sehr zurückhaltend und verzichtete auf einem pompösen Abschluss. Um es mit

Prof. Joachim Skerls Worten zu sagen: "Der Abschluss war nicht Zutat, sondern Vollendung."

Villa "Perle" mit dem Anbau "Großfürstin Marie" um 1900.

 

Auch die Kaufhallen wurden der Einheitlichkeit halber mit 19 dorischen Säulen versehen. Kaum vorstellbar, das da vorher keine

waren. Den Abschluss der Bauten am Ensemble macht der Bau Bau der Orangerie, eines Zweckbaus, der ursprünglich zur

Überwinterung der tropischen Pflanzen diente und inzwischen einfach zu einem Park gehörte. Die Orangerie wurde als Salon

zur Erholung und zum Ausruhen verwendet und ein Teil diente tatsächlich wirtschaftlicher Nutzung.

 

Inzwischen waren die Aktien aber auf ein Drittel des Nennwertes gesunken und das Geschäft lief schlecht, weil die Aristokraten

nicht mehr so oft anwesend waren und dadurch auch weniger Gäste anzogen. Der Großherzog war schon in die Jahre gekommen

und auch die Generation um ihn genoss lieber die Ruhe als den Trubel. Doberan stagnierte völlig und drohte zu verkommen.

 

Damit das nicht geschieht, verlieh der Großherzog dem Ort 1879 das Stadtrecht.

Das Salon-Gebäude wurde zum Rathaus umfunktioniert und 1881 versuchte man noch einmal die Verbindung des Bades

mit der Stadt durch eine Dampfkalesche. Auch über eine Pferde-Eisenbahn nach Rostock und Wismar wurde nachgedacht.

 

Die Dampfkalesche verunglückte jedoch nach drei Wochen und die Doberaner Fuhrleute verstanden es durch Ängstigung und

Gespött, die Verbindung zu verhindern.

Der Alexandrinenplatz in frühen Doberaner Jahren.

 

Friedrich Franz II verstarb nach 41jähriger Amtszeit am 15.04.1883 im Alter von 60 Jahren.

Sein 32jähriger Sohn Friedrich Franz III wurde sein Nachfolger.

Ein Jahr danach starb (wohl eine mecklenburgische Tradition) auch Badearzt Kortüm.

 

1886 entstanden dann auf ein "Allerhöchstes Decret" des Großherzogs doch die

Bahnverbindungen zwischen Doberan und dem Heiligen Damm und Doberan, Rostock und Wismar.

 

Die Dampfkalesche hielt direkt hinter dem Ensemble und da die Preise nicht hoch waren, wurde sie gut genutzt.

1887 wird der Badeort noch einmal ordentlich in Prospekten beworben.

Inzwischen gehörte er Baron von Kahlden nach seinem Aktienaufkauf quasi privat.

Großherzog Friedrich Franz III von Mecklenburg-Schwerin.

 

Heiligendamm muss wachsen.

 

Nachdem mit der Orangerie und dem Bahngleis nun die letzten Baugrundstücke

genutzt worden waren, musste man über eine neue Raumordnung nachdenken.

Südlich des Ensembles befanden sich der Marstall, der Ökohof, das Kaiserliche

Post- und Telegrafenamt, die Kegelbahnen, die Schießhalle, die Waldrestauration,

der Stall und einige Wirtschaftsgebäude. Der Landweg führte an ihnen vorbei und

hinaus nach Bollhagen. Dieses Gebiet galt es nun zu erschließen.

 

Dazu wurde eine Verordnung herausgegeben, die festlegte, dass die Gebäude zwei

(nach heutigem Verständnis drei) Geschosse haben sollten, Villen sein sollten und

die Dunghaufen und Toiletten nicht von der Straße aus sichtbar sein durften und wie

die Entsorgung von Abfall und Abwasser zu regeln war.

 

Es entstanden die Pensionen "Mellendorf" und "Scherpeltz" im typischen Bäderstil

mit dreitraktigen Häusern und gegenüber entstand die Pension "Peters" im Stil eines

englischen Cottages. Das Haus wurde von Möckel erbaut und ist dem ein Jahr zuvor

erbauten Jagdschloss in Gelbensande sehr ähnlich. Dieses wurde auch von Friedrich

Franz III in Auftrag gegeben. Dieser war mit der russischen Großfürstin und Enkelin

des Zaren, Anastasia Michailnowa, verheiratet.

 

Alle vier Gebäude am Bollhäger Weg dienten als "Hotel garni", also Pensionen ohne

Restaurantbetrieb. Das brachte dem Seebad neue zahlende Gäste aus den mittleren Schichten.

 

 

Doberan allerdings brachte das alles gar nichts.

Das Theater wurde mangels Interesse geschlossen und abgerissen und Möckel errichtete an

dieser Stelle ein Gymnasium, mit dem man sich einen Zulauf an Bildungsinteressierten erhoffte.

Dieser blieb aus und  die Bahnverbindung samt Bahn gingen an die Mecklenburgische Regierung über.

In Heiligendamm entstand auf dem reservierten Platz hinter der Perlenkette eine katholische Kapelle,

mit der man im protestantischen Mecklenburg den konfessionellen Bedürfnissen der katholischen

Badegäste gerecht werden wollte. Ein evangelisches Pendant wurde angekündigt, ließ aber zehn

Jahre auf sich warten. Dafür fiel sie dann auch größer aus. Die Kosten für die Kapellen trug der

Großherzog zusammen mit einem Verein und die Aufträge gingen beide an Möckel, der auch in

Doberan das Stadtbild zwischen Gymnasium und Prinzenpalais und am Klosterhof bestimmte.

 

An der Allee nach Doberan entstand eine Vorstadt. Diese bestand zunächst nur aus einem Klub-

Ferienheim für Kaufleute in Form eines lang gestreckten dreistöckigen Gebäudes mit einem Turm

mit Portal in der Mitte. Es folgten zweistöckige Villen im Historismus-Stil, u.a. durch die Familie

von Witzleben, eine der ältesten Familien Europas. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine kleine

Satellitenstadt am Ortseingang. Dem Großherzog gefiel das nicht, da es sich um Klubferienheime

handelte und er zum einen die Abschottung der Klientel dort nicht mochte und zum anderen

sicherlich, weil er keinen Einfluss nehmen konnte. 1897 wurde in Mecklenburg das Tauben-Schießverbot

umgesetzt und der Schießstand mit Schießhalle abgerissen.

 

 

Im selben Jahr starb dann auch dieser bedeutende Großherzog und sein 15jähriger in Palermo geborener Sohn Friedrich Franz IV übernahm unter Vormundschaft seines

Onkels Johann Albrecht das Amt. Ein neuer Schießstand für Tontauben entstand und die jährlichen Internationalen Tontauben-Schießturniere gingen nach Heiligendamm.

1900 fand das Internationale Tennisturnier im Bad statt und zwei Jahre später wurde der Tennisbund gegründet. 1910 wurde die Bahntrasse bis nach Ahrendsee verlängert

und der Bahnhof um 500 Meter zurück verlegt und durch ein Bahnhofsgebäude im für Kleinbahnhöfe typischen Fachwerkstil erweitert. Das Bad ging an Walter John, dem

Neffen von Eugenie John (bekannt unter dem Pseudonym "E. Marlitt"), der es in den Ruin trieb. Von nun an wechselte das Bad jährlich seine Besitzer und Pächter und

verlor zusehends an Attraktivität. Bautätigkeiten gab es keine mehr und letztlich ging sogar die Pension "Peters" pleite und wurde zwangsversteigert.

Mellendorf rettete das Haus und betrieb es weiter als Pension, wenn auch mit mäßigem Erfolg.

 

Man versuchte 1912 noch einmal eine Aufwertung Heiligendamms.

Die Seebrücke wurde verlängert, damit auch Dampfer anlegen konnten,

es wurde eine Seeverbindung nach Kopenhagen und Travemünde

eingerichtet, ein Restaurant auf dem Brückenkopf gebaut und der

Kurhausvorplatz und die Grünanlagen wurden erneuert. Buhnen wurden

in die Ostsee gerammt und die Häuser mit Elektrizität ausgestattet.

 

Der Hamburger Hotelbesitzer Heinrich Böckenheuer erwarb die Anteile

des Leipziger Großhändlers und ließ sich am Heiligen Damm nieder,

um seine Arbeit als Direktor des Bades und Ortsvorsteher zu beginnen.

 

Am 31.12. 1913 tobte ein schwerer Sturm und zerstörte das Herrenbad,

das Damenbad, die Seebrücke und den Strand. Der Gesamtschaden

belief sich auf 30.000 Mark und die Reparaturkosten betrugen 400.000

Mark. Die beiden Bäder wurden nicht wieder aufgebaut, statt dessen

führte man auch in Mecklenburg die neue Badekultur mit Strandkorb

und Geschlechtermischung ein.

 

Lange währte die Freude aber nicht, denn schon ein Jahr später begann

der erste Weltkrieg und der Badebetrieb kam schlagartig zum Erliegen.

Bald wurde der Badebetrieb im kleinen Rahmen wieder aufgenommen

und eine Kriegsbesetzung für den Ort organisiert. Die Sportstätten jedoch

verfielen und bis auf einige Veränderungen an den Veranden der Cottages

und Änderungen der Grünflächen wurde von Bautätigkeiten abgesehen.

 

 

Die Revolution erreichte Heiligendamm, der Großherzog dankte als letzter deutscher Monarch ab und flüchtete nach Dänemark

und erst nach langem Hin und Her bekam die herzogliche Familie ihre Cottages wieder. Die Revolutionäre hatten begriffen, dass

sie das Bad nicht selbst halten können und gaben es zurück in der Hoffnung, dass die Eigentümer es erhalten mögen.

 

Das Bad war allerdings nicht mehr zu halten und brauchte dringend die Unterstützung Doberans.

Die Stadt aber hatte eigene Probleme und versuchte, dem Abschwung mit der Eröffnung eines Kinos und der Anlegung eines

Wohngebietes für Einfamilienhäuser entgegenzusteuern. Die Stadt war stets das Zentrum des fürstlichen Vergnügens im

Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Rauschende Bälle, großartige Feuerwerke und stimmungsgeladene Volksfeste

zeichneten die Residenzstadt aus. Mit dem Abdanken der Großherzöge verloren diese ihre Macht und ihre Einnahmen

und konnten sich das private Vergnügen nicht mehr leisten. Doberan litt unter dieser Entwicklung und man kann sagen,

dass der Ruhm der Münsterstadt zu diesem Zeitpunkt für immer fiel. Sie konnte nie wieder so sein, wie unter dem Großherzog.

 

1920 versuchte Heiligendamm den Anschluss an Doberan aber die Stadt lehnte eine Wiedervereinigung ab.

Ein Jahr später bekam Doberan den Namenszusatz "Bad".

 

Ab 1922 wurden wieder Pferderennen ausgetragen aber Heiligendamm rutschte in die Inflation und konnte seine Gläubiger nicht

mehr bedienen. 1923 war das Schlimmste überstanden und Heiligendamm wechselt den Besitzer. 1924 sollte dann der leer

stehende Fürstenhof abgerissen werden. Damit wäre dann das erste nicht-technische Gebäude abgetragen worden.

Dazu kam es jedoch nicht, weil man das Haus mit Alten und Schwachsinnigen füllen wollte. Die Betreiber des Bades waren

dagegen und wehrten sich aber die Alten kamen dennoch. Das ist sehr bezeichnend, denn immerhin war das Bad von einem

Herzog errichtet worden und ging nun über die Mittelschicht und den Altenstand sogar schon auf Minderheiten zu.

Professor Vogel hätte sich sicherlich gefreut.

 

 

Hitlers große Pläne für Heiligendamm.

 

Nach dem Ende der Weimarer Republik florierte das Bad wieder, weil es durch die nationalsozialistische

Freizeitorganisation KdF (Kraft durch Freude) regelrecht voll gestopft wurde. Fasste das Bad bisher bis zu 2.300 Gäste

pro Saison, waren es nun bis zu 15.000. Baumäßig tat sich nichts mehr in Heiligendamm.

Die Gebäude  wurden erhalten, wechselten ihre Namen, manchmal auch die Besitzer aber nie das Aussehen und schon

gar nicht den Standort. Adolf Hitler weilte in Heiligendamm und die Allee wurde nach ihm benannt, er wurde Ehrenbürger

Bad Doberans, die ihm als erste deutsche Stadt diese seltene Würde verlieh und er ließ es sich nicht nehmen, vor dem

Duce Benito Mussolini mit dem Prachtstück anzugeben. Er war sogar so angetan, dass er Heiligendamm als eine von

nur zehn deutschen Gauen dazu auserkor, eine Adolf-Hitler-Schule zu bekommen.

 

Diese Eliteschulen waren dazu gedacht, die nationalsozialistische Ideologie zu festigen. In ihr sollten "reinrassige"

Deutsche zu Führern, Generälen und Topmanagern ausgebildet werden. Die Ausbildung erfolgte einerseits mit Drill

und Härte und zum anderen mit Kulten, die auf die germanische Herkunft und das, was man "Herrenrasse" nennt,

abzielten. Die Planung dieser Schulen oblag oft dem Führer selbst und so wie auf den Bildern unten stellte er sich

die Eliteschule in Heiligendamm vor.

 

Der Grundstein für die Schule wurde am 15.01.1938 - genau ein Jahr nach der Verfügung Hitlers - durch den Gauleiter

und die Architekten und Bauausführenden gelegt. Es war eisig, es regnete in Strömen und ein eiskalter schneidender

Nordostwind pfiff den Anwesenden um die Ohren. Der Gauleiter hielt eine nicht enden wollende Rede und die Stiefel

im lehmigen Schlamm vermeldeten erste undichte Stellen.

 

 

Der Bau begann kurze Zeit später. Zuerst mussten Bäume gefällt und eine befestigte Straße gebaut werden.

Im Kleinen Wohld wurde ein großes Rechteck gerodet und ein gerader Weg dorthin wurde angelegt und befestigt.

 

Dann mussten die Männer ihre Spaten und Hammer ablegen, sich Gewehr und Rucksack umschnallen und in den

Krieg ziehen. Dieser fiel bekanntlich zu Ungunsten des Reiches aus, was des Reiches Führer zur Einnahme  einer

Zyankalikapsel und der Benutzung einer auf seinen Kopf gerichteten Schusswaffe veranlasste.

 

Durch den Wegfall des Führers erübrigte sich dann auch eine Pflanzstätte für neue Führer und so blieb es bei

einer Straße zu einer großen Lichtung im Wald, in deren Erdboden sich irgendwo ein Grundstein befinden müsste.

Erwähnenswert ist aber, dass der "Führergarten" das Ensemble nicht beeinträchtigt hätte. Der Koloss passte

zwar optisch nicht zum klassizistischen Ensemble, sollte aber auch in sicherer Entfernung zu diesem entstehen.

 

Das ist beachtlich, denn Hitler hätte wie zuvor seinen Heimatort genauso gut die Cottages abreißen lassen und den

Komplex dort errichten können oder er hätte im Osten des Ensembles die Häuser abtragen und den Komplex dort

erbauen können. Immerhin waren die Bahnschienen dort ganz in der Nähe.

 

Wenn man also den Baumeistern eine gewisse Zurückhaltung bescheinigt, dann sollte man dies hier auch tun.

In Kühlungsborn war man in der DDR nicht so vorsichtig und setzte den Rieden direkt an den Westrand der Stadt,

womit man ihr die Möglichkeit nahm, westwärts zu wachsen.

 

Interessant ist die Ähnlichkeit des NVA-Objektes "Rieden" mit dem Modell von Hitlers Eliteschule in Heiligendamm.

 

 

Heiligendamm nach dem Krieg.

 

Heiligendamm blieb vom Krieg weitgehend verschont. Die Alliierten bombardierten Rostock und

Wismar und warfen ihre Bomben auf der Flucht vor den wendigen deutschen Heinkel-Jägern auf

ländliche Gebiete und in Wälder ab. Ein solcher Abwurf erfolgte im Gespensterwald bei Nienhagen.

Die Detonation war so heftig, dass selbst in Heiligendamm noch die Fensterscheiben zu Bruch

gingen. Auch die Dächer nahmen Schaden und die Hohenzollernburg ging in Flammen auf.

 

Die Häuser waren voll gestopft mit Kadetten, die Polizeigewerkschaft  hatte sich im Haus

"Bischofsstab" und der Kommandeur der Kadettenschule im Alexandrinencottage niedergelassen.

Flüchtlinge aus dem zerbombten Rostock wurden in Heiligendamm untergebracht und nach dem

Zusammenbruch der Ostfront kamen auch Flüchtlinge und Vertriebene aus Pommern und Schlesien

dazu. Zum Schluss marschierte dann die Rote Armee ein und beschloss die Sprengung des

Seebades, welches wegen seines grünen Anstrichs und der Besetzung mit Kadetten für eine

militärische Einrichtung gehalten wurde und damit laut Abkommen zu sprengen war.

Die Rotarmisten ließen sich überzeugen, dass es sich nur um ein Seebad handelte und begnügten

sich mit allem, was nicht niet- und nagelfest war. Und was denn doch noch angenietet, geschraubt

und genagelt war, musste eine Berliner Firma sbbauen und den Sowjets als Reparation übergeben.

 

Nach dem Weiterzug der Russen bestand Heiligendamm nur noch aus teilweise fensterlosen

leeren Bauwerken, die inmitten einer Wüste aus Schutt und Wildwuchs stand und die Schritte

des Beobachters widerhallte. Die Burg war stark beschädigt und hatte ihr Dach verloren und die

Türme waren rußgeschwärzt und ramponiert. Heiligendamm war so gut wie tot und in diesem

Zustand hätte eine Sprengung auch nichts ausgemacht. Was nun noch zu gebrauchen war,

nahmen die Einheimischen an sich, um es zu verbauen oder zu verheizen.

 

Zwei Jahre musste das Bad als Flüchtlingslager herhalten. Die Gebäude wurden bewohnbar gehalten,

was zu dieser Zeit nichts anderes bedeutete, als dass man defekte Fenster durch Planen oder andere

Fensterteile ersetzte oder zunagelte und den Rauch aus den Öfen durch ein Loch in der Wand nach

außen leitete. Als Toiletten dienten oft Eimer mit Deckel, die dann in eine Grube im Hof entleert

wurden. Heiligendamm hatte sich auf Grund des Mangels zurück entwickelt und bot einen traurigen

Anblick. An Badebetrieb war nicht zu denken.

 

Ein paar Leute dachten dennoch daran. Zum einen Christian Ludwig, der Sohn und rechtmäßige

Nachfolger Friedrich Franz IV, der sein enteignetes Bad wiederhaben wollte und Restitution beantragte.

Zum anderen die neu entstandenen Verwaltungsorgane der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ),

die ein staatliches Seebad daraus machen wollten. Diese saßen dann auch am längeren Hebel

und starteten eine Kampagne gegen Christian Ludwig, in der sie alles hineinwarfen, was die Bürger

so bewegte. Vom bösen Gutsbesitzer mit seinen unfreien Leibeigenen über die Konterrevolution der

Aristokraten, die wieder regieren und die Bürger unterdrücken wollten. Das zog und der Herzog sich

zurück, wie es Heinz Erhard formuliert hätte. Damit war der Weg frei für ein Kurbad der Werktätigen.

 

Zunächst aber musste das Bad wieder aufgebaut werden. Die Häuser erhielten ihre Fenster wieder,

außerdem Putz und Dächer und letztlich auch ihre Leitungen, die Kanalisation und die Einrichtung.

Die Raumaufteilungen wurden gar nicht großartig verändert. Es mussten kaum Wände entfernt werden.

Eher wurden welche eingezogen, um die riesigen Räume zu verkleinern und so mehr Kapazitäten zu

schaffen. Vieles vom Zierrat war inzwischen geklaut worden und der Rest hing ziemlich locker herum

und wurde entfernt. Eine Restauration wäre viel zu teuer gewesen, weshalb man auf den Zierrat verzichtete. Die Stuckatur an den Gebäuden jedoch stellte man weitgehend wieder her.

Für die beschädigte Burg hatte Architekt Kegebein einen Entwurf vorgelegt, der ein Abtragen der

Türme auf Wandhöhe und ein Aufsetzen eines Walmdaches vorsah. Burgen passten ohnehin nicht

in den Kram der Sozialisten und Kommunisten und so wurde der Plan umgesetzt.

 

Im Laufe der Zeit nun bediente sich Heiligendamm als materielle Manifestation der Ideologie der DDR.

Soll heißen, es bröckelte vor sich hin und musste immer wieder ausgebessert und gestopft werden. Lehmputz fiel ab und wurde durch Zementputz ersetzt, Farbe blätterte ab und wurde wieder

aufgetragen und Fenster fielen heraus und wurden durch Massenartikel ersetzt.

Und da die selten passten, wurden eben die Häuser passend gemacht.

 

Die neuen Zuschnitte der Zimmer machten einige Fenster überflüssig, weshalb man sie einfach

zumauerte. Die Balkone wurden nicht alle benötigt und zum Teil darum abgetragen und wo welche

benötigt wurden aber keine vorhanden waren, setzte man einfach welche an. Dachrinnen wurden so

gezogen, dass sie funktionierten und gingen dadurch mitunter auch einmal vor dem  Fenster oder

quer an der Wand entlang. Beim Haus "Möwe" ist diese interessante Dachrinnenkonstruktion gut

zu beobachten und beim "Seestern" hat man einfach einmal einen Doppelbalkon benötigt und ihn

dann eingebaut. Beim "Greif" wurde das Dach ausgebaut und bei der Gelegenheit auch eine

Dachgaube mit Fenstern in völlig anderer Form und Farbe aufgesetzt. Die "Möwe" verlor ihre Türme,

der "Anker" seinen Anbau, die "Perle" seine Rundungen und den Turm und der "Schwan" seine

schöne Fassade.

 

Alles war in der DDR dem Zweck geschuldet, denn der Sozialismus hatte sich der Ökonomie

verschrieben. Türme und kleine Räume, Erker und Wintergärten waren nicht immernützlich und

darum wurden sie entfernt. Der "Bischofsstab" und das "Prinzessin-Reuß-Palais" - inzwischen

"Fritz-Reuter-Haus" und "Max-Planck-Haus" getauft - gehörten nicht der Sozialversicherung der

DDR, sondern dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB). Das Alexandrinen-Cottage

wurde zum Ärztehaus und weil man die Patienten nicht auf der offenen Veranda frieren lassen

wollte, wurden die Veranden kurzerhand mit einer Konstruktion aus einer Holzwand mit Fenstern

geschlossen. Dasselbe widerfuhr dem Marien-Cottage, das eine Spezialklinik beherbergte.

Auch das Kronen-Cottage war als Spezialklinik umfunktioniert worden. In den Häusern

wurden speziell Haut- und Atemwegserkrankungen behandelt.

Die Burg nach dem Umbau. (1 und 2)

Das Haus "Bischofsstab" nach der Sanierung.

Das Kronen-Cottage und das Marien-Cottage vor und nach den Vereinfachungen. Inzwischen heißt das Kronen-Cottage "Magdeburg" und das Marien-Cottage "Dresden". Beides sind Spezialkliniken für Haut- und Atemwegserkrankungen.

Die Perlenkette um 1970. Auffällig sind die Öffentlichkeit der Perlenkette und die schützende Hecke an der Promenade.

 

Im Laufe der Jahre gewann Heiligendamm wieder an Bedeutung. Außenstellen von Forschungsinstituten ließen sich nieder und der Bedarf an Betten stieg stetig.

In Bad Doberan entstanden zwei Neubaugebiete und viele Eigenheimgebiete. Die Stadt avancierte wieder zum Kurort und war als Kreisstadt auch Umschlagspunkt

und Einkaufszentrum. Der Getränkehersteller "Glashäger" wuchs und neben ihm die Kohlehandlung und die Stadt wurde Verteilungspunkt für den landwirtschaftlichen

Bedarf. Später kam auch noch eine Schuhfabrik hinzu. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich rasch und mit dem Bau von mehreren Schulkomplexen und der Auflösung

der Dorfschulen wurde die Stadt Bad Doberan zum Bildungszentrum des Kreises. In Heiligendamm wurde die Freifläche zwischen dem Bollhäger Weg, der inzwischen

"Kühlungsborner Straße" hieß und der Satellitenstadt am Ortseingang zur Bebauung freigegeben. Es entstand eine Eigenheimsiedlung und jeder Bauherr war so klug,

gleich ein paar Zimmer mehr einzuplanen. Das Bad zahlte nämlich Geld für die Unterbringung seiner Gäste in diese Außenwohnungen. Die Arkaden, welche das Kurhaus

mit dem Logierhaus verbinden, wurden zu einer Bühne mit Dachterrasse umgestaltet, sodass auch so genannte "Kurhaus-Konzerte" stattfinden konnten.

 

Heiligendamm bekam darüber hinaus einen Konsum in der ehemaligen Orangerie, eine Drogerie und einen Friseur im ehemaligen Stall, eine Post in der

Professor-Vogel-Straße, ein Café und Geschäfte in die Kolonnaden, einen Kiosk an der Kühlungsborner Straße, ein Kinderheim in das Haus gegenüber vom Forsthof und

eine Feuerwehr, eine Gaststätte und eine Wohnung in den Marstall. 1954 wurde das Kinderheim aufgelöst und das Gebäude mit dem neben stehenden verbunden und zur

Fachschule für angewandte Kunst umfunktioniert. Während der Semesterferien wurden Kinder aus Berlin, der Tschechoslowakei und dem Sorbenland in die Schule und

das Wohnheim einquartiert. Die "Kunststudenten", wie die FaK'ler genannt wurden, sorgten mit Festen, Fasching und Drachenbootrennen für Stimmung im Ostseebad.

 

Heiligendamm platzt aus allen Nähten.

 

In den 80er Jahren war in Heiligendamm jeder Hohlraum zu einem Zimmer für Kurgäste umfunktioniert worden. Der Mitarbeiterstab war gewachsen und mehrere hundert

Mitarbeiter pendelten täglich zwischen ihrer Wohnung und der Arbeitsstelle. Heiligendamm hatte einen Kindergarten in der Villa der Familie von Witzleben bekommen und

der Kinderstrand wurde zum beliebten Familienausflugsziel.

 

Hier sollte vielleicht erklärt werden, dass Hitlers Schulen-Lichtung zu einem Parkplatz umgebaut wurde und

hinter ihm ein Bach die Steilküste herunter fließt, neben dem eine Treppe zum Strand geht, an welcher sich ein

Imbiss befindet. Der Bach bringt kühles Süßwasser in die Ostsee und durchfließt den Strand. Da er nicht schnell

fließt, lässt er sich problemlos ein paar Stunden lang mit feuchtem Seesand und Steinen zu einem beträchtlichen

kleinen See aufstauen. Der Stand ist steinig und das Wasser in der Bachmündung durch die Einschwemmungen

sehr flach und ja auch sehr sauber, sauerstoffreich und angenehm kühl. Der aufgestaute See ist ebenfalls flach und

die Erhaltung des Staudammes ist für Kinder sehr interessant und bietet ihnen eine lange Beschäftigung.

 

Übrigens nicht nur ihnen, sondern auch den Bierflaschen im See einlagernden Vätern und großen Brüdern,

die gemeinsam der Macht des Wassers zu widerstehen versuchen. Wenn der Damm bricht, muss er nur erneuert

werden. Wasser fließt ja immer nach. Der Bachlauf kommt übrigens einige Kilometer weit aus dem Binnenland und

entspringt irgendwo bei Kröpelin. Das also macht den Kinderstrand so attraktiv und macht ihn erst zum Kinderstrand.

Kinderstrand um 1900

 

Heiligendamm wurde 1976 zur Chefsache des IX. Parteitages der SED und erhielt von nun an eine achtköpfige Brigade, die sich ausschließlich der baulichen Erhaltung

und Instandsetzung des Bades widmete. Alle zwei Jahre wurden alle Gebäude neu geweißt und bis dahin mussten dann immer alle Instandsetzungen abgeschlossen sein.

Allerdings hieß "Chefsache" nicht zwangsläufig, mehr Material zur Verfügung zu haben. Es wurde weiterhin mit Massenartikeln gearbeitet und das Haus "Schwan" hatte

inzwischen gar keine originalen Fenster und Türen mehr. Auch am "Bischofsstab" verschwanden die Rundbogenfenster und wurden durch braun gerahmte sprossenlose

Fenster ersetzt. Das sah nicht gut aus und nahm den Häusern viel von ihrer Ausstrahlung aber was sollte man machen?

 

Okay - nicht fünf Jahre im Voraus planen, weniger in die Rüstung stecken, effizienter arbeiten... Aber das ist erst einmal Gesichte.

 

1978 war dann der Platz in Heiligendamm vollends erschöpft. Sogar im Obergeschoss der Kolonnaden und des ehemaligen Stalles wohnten schon Leute und die Zahl

der Kurpatienten wollte wegen der kostenlosen Behandlungen nicht abreißen. Mit ihnen stieg auch die Mitarbeiterzahl. Es wurde ein Plan erarbeitet, der den Bau von

zwei Wohnblöcken für Mitarbeiter zwischen den Fürstenhof und dem Forsthaus vorsah, sowie den Bau einer Kaufhalle hinter der "Palette", eines Kurmittelhauses,

einer Meereswasserschwimmhalle und eines lang gezogenen Bettenhauses zwischen dem Haus "Mecklenburg" und dem Alexandrinencottage. Weiterhin sollte

am Golfteich eine Fernheizzentrale entstehen.

 

 

Dieser Plan von 1955 von der Stadt- und Dorfplanung Wismar wurde 1978 wieder hervorgeholt und zeigt die Planungen der folgenden 23 Jahre.

Die Nummern sind folgendermaßen beschriftet: 1 Kulturhaus, 2 Kurmittelhaus, 3 Wirtschaftsgebäude, 4 Fernheizzentrale, 5 Kindererholungsheim, 6 Bettenhäuser,

7 Kaufhalle WTB, 8 Mehrgeschossiger Wohnungsbau, 9 Eigenheime, 10 Garagenkomplex, P Parkplätze.

Weil die Karte altersbedingt beim Scan etwas verschwommen ist, helfe ich etwas mit: Das Kulturhaus sollte dort entstehen, wo heute das Severin-Palais steht,

das Kurmittelhaus sollte zwischen dem Alexandrinencottage und dem Mariencottage entstehen, das Bettenhaus direkt dahinter, wo heute auf kleinerer Fläche

das Wirtschaftsgebäude des Grand Hotel steht. Die Fernheizzentrale sollte rechts auf der Karte am Golfteich entstehen, wo FUNDUS das Ayurveda-Zentrum

geplant hat oder alternativ hinter der Seehospiz. Das Kindererholungsheim sollte am westlichen Waldrand direkt über dem Kinderstrand aber auf einer baumlosen

Flächeentstehen und die Kaufhalle sollte zusammen mit dem Wirtschaftsgebäude die drei Häuser nördlich der "Palette" ersetzen. Der geplante mehrgeschossige

Wohnungsbau sollte zwischen dem Forsthof und dem Fürstenhof entstehen und der Garagenkomplex und die Eigenheime in der Gartenstraße

 

Denkmalschützer liefen Sturm gegen diesen Plan und für die Umsetzung fehlte zunächst auch das Geld. So fing man mit dem Bau einzelner Komponenten aus

dem Gesamtplan an und errichtete zunächst nur die beiden Wohnblöcke an der Kühlungsborner Straße, die Eigenheime in der Gartenstraße und die Kleingartenanlage.

 

Gleich darauf erledigte sich der Rest des Planes, da alle bisher noch nicht denkmalgeschützten Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurden und auch das Ensemble

in seinem Äußeren denkmalgeschützt wurde. Somit durften keine Bebauungen in das Ensemble hinein vorgenommen werden. Weiterhin hatte diese Aktion den Vorteil,

dass nun endlich Mittel für die Restauration und Sanierung flossen. Nicht ohne Grund, denn im darauf folgenden Jahr tagte die Internationale Denkmalschutzorganisation

ICOMOS in Rostock und fuhr nach Heiligendamm, um das Ensemble zu inspizieren. Ebenfalls 1984 wurde dann auch das Heizwerk gebaut. Dieses fand aber eine neue

Baufläche am äußersten Rand des Ortes. Das Heizwerk war übrigens eine Revanche des landwirtschaftlichen Großbetriebes des Kreises Bad Doberan, der dringend

benötigte Düngemittel durch gute Kontakte nach Bitterfeld erhielt. Diese Kontakte kamen im Kurbad zu Stande, weil dort auch Patienten aus Bitterfeld behandelt wurden

und man mit ihnen ins Gespräch kam. Weitere Bauvorhaben gab es nicht und bis auf einen Umbau des Küchentraktes im Jahre 1989 blieben die Häuser verschont.

 

Ein paar DDR-Impressionen

 

Das Möckelhaus in Bad Doberan. Man beachte

den skandalösen Dachausbau auf der linken Seite.

Die Bad Doberaner Mollistraße. Obwohl es sich hier

um eine Vorzeigestraße handelt, bröckelt der Putz.

Die alte Lessing-Schule in Bad Doberan.

Sie musste einem Schulkomplex-Neubau weichen.

Das Hotel Waterkant in Börgerende wurde für alle

Werktätigen gebaut und ergänzte Heiligendamm.

Das Gymnasium war in der DDR eineErweiterte

Oberschule (EOS), was dem Gymnasium ähnelt.

Das Logierhaus diente in der DDR als Kurhaus für

die Werktätigen. 1986 musste es saniert werden.

Das Sanatorium Moorbad war ein FDGB-Heim

zur Erholung und Kuration der DDR-Bürger.

Das Waterkant stand direkt an der Ostseeküste und

blickte auf Heiligendamm. 2008 erfolgte der Abriss.

 

Bad Doberan entwickelte sich in der DDR gemäß den Planungen des sozialistischen Staates. Es entstanden Eigenheimsiedlungen, zwei Neubaugebiete, Lückenbebauungen

in industrieller Bauweise und ein Schulkomplex. Auch Gartenanlagen, Bauhöfe, Kohlehandlungen, die Glashäger Brunnen, eine Schuhfabrik, Getreidetrocknereien und Lager

gehörten zu den Errungenschaften der Kreisstadt. Bad Doberan gehörte zum Bezirk Rostock und bildete das Zentrum des Kreises Bad Doberan. Im Palais und im Salon

ließen sich Verwaltungen, wie der Rat des Kreises nieder. Der Ratskeller wurde zur HO-Gaststätte, das Kino wurde verstaatlicht und der Weiße Pavillon wurde zur Gaststätte.

Das Logierhaus wurde zum Kurhaus und musste zur 800-Jahr-Feier gestützt werden, damit es nicht umfällt. Es erhielt eine Veranda und beherbergte an der Nordseite einen

kleinen Intershop, in dem man mit "Westgeld" (der D-Mark) oder Forumschecks Waren aus der BRD kaufen konnte. Das Gymnasium behielt seine Funktion und nannte sich

nun "Erweiterte Oberschule (EOS). Die Post wurde von der Deutschen Reichspost der DDR übernommen und das Prinzen-Palais wurde zur Schule umfunktioniert.

Severins zweites Wohnhaus blieb Wohnhaus und auch die Villa "Nizza" wurde zum Wohnhaus. Das Schwesternhaus ging an die Evangelische Kirche, das Haus Medini

wurde Wohn- und Geschäftshaus und der Rote Pavillon wurde zur Öffentlichen Toilette. Das Möckelhaus wurde zum Museum, das Amtshaus zum Verwaltungsgebäude mit

der Stadtbibliothek, das Kornhaus zum Freizeithaus für Kinder und die Scheune zur Vitakost. Hier wurden die Schüler mit Mittag versorgt. Die Vitakost fiel einer Brandstiftung

zum Opfer, sodass direkt an den Schulen ein neues Mehrzweckgebäude mit Speisesaal entstand. Ein Sportplatz und zwei Sporthallen ergänzten den Schulkomplex und auf

der Anhöhe an der Dammchaussee wurde der Komplex der Volkspolizei erweitert. Die Kämmerei blieb Verwaltung und die Gebäude am Klosterhof blieben kirchlich.

 

Dann kam die Wende und mit ihr der Beitritt der DDR zur BRD

(die vertraglich korrekte Bezeichnung der "Wiedervereinigung").

 

Der Staatsbetrieb wurde zur GmbH, musste sich der Konkurrenz

stellen und scheiterte daran. Der Kurbetrieb endete und mit ihm

auch die Nutzung und Pflege des Ensemble. Dieses wurde 1992

ausgeschrieben und es meldeten sich mehrere Interessenten, von

denen man die Dr.-Marx-Gruppe bevorzugte. Diese wollte das Bad

übernehmen und auch in Stand halten und nutzen.

 

Die einzige Bedingung war eine kostenlose Baufläche

für eine moderne Kurklinik direkt neben dem Ensemble.

Das rief Umweltschützer auf den Plan, weil es eine Rodung uralter Buchen bedeutet hätte und so platzte das Geschäft und der Investor

zog sich zurück.

 

Nun blieb nur noch ein viel versprechendes Entwicklungskonzept

einer Immobilien-Investmentfirma aus Köln, die das Ensemble

wieder dem Hotelleriebetrieb zuführen wollte und standesgemäß

ein Luxushotel einrichten wollte. Die Landesregierung hielt

zunächst an den Plänen für eine Fortführung als Kurstätte fest,

musste aber mangels Alternativangeboten den Zuschlag doch an

die Kölner FUNDUS-Gruppe geben. Diese gründete eine

eigenständige Entwicklungs- und Betreibergesellschaft und

legte ihre Pläne und einen umfangreichen Forderungskatalog vor.

Heiligendamm um 1990 aus der Luft.

 

Fluch und Segen - Heiligendamm verfällt im Wiederaufbau.

 

Damit stand einem Aufschwung des Seebades nichts mehr

im Wege. Das Land finanzierte den Wiederaufbau der Seebrücke,

welche 1993 dann auch gebaut wurde. Bei den Planungen ignorierte

man die Hinweise verschiedener Leute, dass die Landungsbrücke zu

kurz geplant ist und deshalb auf einer Sandbank endet. Die Brücke

wurde plangemäß erbaut und kann daher nicht für den Schiffsverkehr genutzt werden. Sie entwickelte sich zum Gespött der Leute aber

sie wird gern von Fußgängern und Anglern genutzt und gehört zu

Heiligendamm einfach dazu.

 

Auch die Dr.-Marx-Gruppe fand sich bald wieder in Heiligendamm ein und errichtete 1995 die geplante Kurklinik, ohne den Wald abzuroden.

Heiligendamm hatte nun allerdings ein Problem, denn seit 1990 zogen viele Einwohner des Ortes in andere Gegenden und durch den geringen Mitarbeiterbedarf wurden

viele Wohnungen frei. Das Ensemble konnte die Zahl der Kurgäste selbst aufnehmen und so standen viele einstige Außenzimmer leer. Die Zahl der Gastronomiebetriebe

nahm ab und bald standen die Palette, das Fachwerkhaus daneben und die Orangerie leer. Die beiden FDGB-Heime wurden saniert und nahmen den Betrieb als Hotel

wieder auf. Da es 1997 mit der Sanierung des Ensembles losgehen sollte, wurden alle Gebäude geräumt und die Mieter gekündigt. Das Schwanen-Café in den Kolonnaden

und der Imbiss am Strand blieben bestehen, ein weiterer Gastronom eröffnete ein Café im Hopfgartenschen Haus und der Bahnhof erfuhr eine Sanierung.

 

Die FaK jedoch wurde aufgelöst und wieder zurück nach Wismar verlegt und das Altersheim und der Kindergarten wurden auch aufgelöst. Die Häuser "Tabea"

und "Waldfriede" leerten sich und selbst in den Neubaublöcken wurden Wohnungen frei. Diese gingen an die Deutsche Kreditbank (DKB) als rechtmäßiger

Nachfolger der Staatsbank der DDR und wurden nach umfangreicher Sanierung zum Kauf angeboten. Die Häuser des Ensembles jedoch standen leer und

waren damit dem Verfall preisgegeben. FUNDUS musste erst Geld sammeln und so wurde dann erst ab 1999 mit dem Bau begonnen.

 

Der konzentrierte sich aber nur auf das Ensemble selbst.

Das Kurhaus, das Logierhaus, das Grand Hotel, die Burg und die Orangerie wurden

entkernt, die Fenster und Dächer verschwanden und so standen pro Haus nur noch

vier Wände. Die Gebäude wurden unterkellert und die Fundamente verstärkt.

Die Burg erhielt ihre Türme wieder und die Arkaden wurden wieder in die alte

Form gebracht. Der Wiederaufbau war ein enormes Unterfangen und die Denkmalschützer beäugten argwöhnisch jede Planung. Sie waren nicht angetan

von der Verfahrensweise, die Gebäude abzudecken und zu entkernen und wollten

wenigstens die alten Dächer erhalten. Das gelang ihnen nicht und so entstanden

innerhalb der gestützten Mauern völlig neue Gebäude mit neuen Zuschnitten.

Der FUNDUS-Gruppe gelang es, die Gebäude so wieder aufzubauen, wie sie

vor dem Krieg waren und die wenigen Veränderungen, die sich aus der Nutzung

des Geschosses unter den Walmdächern ergab, wurden so gestaltet,

dass sie nur aus der Vogelperspektive sichtbar sind.

Die Sanierung des Ensembles um das Jahr 2000

 

Dennoch konnte sich der Investor grobe Veränderungen erlauben. So wurde das Haus "Bischofsstab" nicht originalgetreu wiederhergestellt, sondern nutzungsabhängig

mit einer modernen Dachgaube versehen. Die Veranda blieb bestehen, obwohl sie nachträglich errichtet worden war. Verzeihlich ist es dennoch, denn die Veranda ist

nötig und schon einige Jahrzehnte vorhanden. Auch am Residenz-Hotel, dem einstigen Prinzessin-Reuß-Palais, wurden Veränderungen vorgenommen.

So erhielt das Haus einen spiegelverglasten Wintergarten. Bei der Farbgebung einigte man sich auf ein durchgehendes Weiß und darauf, das Fachwerk nicht

hervorzuheben. Vor dem Kurhaus war eine Terrassenbegrenzung nötig, um keinen Seesand auf den Tellern zu haben. Zunächst wurde über eine Wiedererrichtung

der in der DDR gebauten Mauer nachgedacht aber diese hätte die Optik des Kurhauses negativ beeinflusst. Also entschied man sich für die teuere Variante einer

versenkbaren Kristallglaswand. Die Orangerie erhielt im Osten einen Anbau, der vorher nicht vorhanden war. Zu der Herzöge Zeiten gab es aber ein Gebäude, das

einen rechten Winkel zur Orangerie bildete und sie von Osten her verdeckte. So ist der Anbau optisch keine große Veränderung und fällt auch recht repräsentativ aus.

Das Haus "Brahn" wurde zum Kinderclub und erhielt ein disneylandmäßiges Aussehen, das eigentlich nur farblich zum Ensemble passt.

Zusammen fassend kann aber gesagt werden, dass die Restauration außerordentlich genau und ordentlich erfolgte.

 

Nun gilt das aber nicht für die Häuser "Perle", "Greif", "Seestern", "Möwe", "Schwan", "Hirsch", "Einkboom", "Seeadler", "Waldfriede", "Tabea", die Kolonnaden,

den Fürstenhof, die FaK und die Häuser in der Gartenstraße. Planmäßig sollten die Häuser "Waldfriede", "Tabea", "Palette", das Fachwerkhaus, die Scheune und

die Fachschule weichen. Die Villa der Familie von Witzleben sollte zu einem gehobenen Restaurant ausgebaut werden und der Fürstenhof sollte 30 Zimmer und ein

Konferenzzentrum für 1000 Personen beinhalten. Aus dem Forsthaus sollte eine Festscheune mit Biergarten werden und daneben sollten 200 Landhäuser entstehen.

An Stelle des 1978 geplanten Fernheizwerkes sollte ein Ayurveda-Zentrum errichtet werden und an Stelle der damals geplanten Kaufhalle ein Wohnpark mit

Apartmenthäusern im klassizistischen Stil. An der Seedeichstraße sollte ein Thalasso-Zentrum gebaut werden und die Villen "Eikboom" und "Seeadler" sollten

zu einer plastischen Chirurgie umfunktioniert werden. Für die drei Cottages gab es verschiedene Ideen, die aber nicht umgesetzt wurden. Es entstanden zwei

Neubauten. Ein weißes quaderförmiges Wirtschaftsgebäude am der Straße zum Kinderstrand direkt neben der MEDIAN-Klinik und ein dritter Flügel in der Höhe

und dem Design des Grand Hotels. Das hatte bisher niemand gewagt. Allerdings versperrte die Perlenkette diesem Neubaublock den Seeblick.

Das musste der Investor in Kauf nehmen. Was nun folgte, ist auf der Startseite genau nachzulesen und gehört nicht in den Bereich der Architektur.

 

2007 - Der Ist-Zustand.

 

Im Jahr 2007 wurde die Villa "Perle" abgerissen und es wurde beschlossen, dass ihr die Villen "Schwan", "Möwe" und "Anker" folgen sollten.

Auch der linke Flügel der FaK und das Haus "Tabea" wurden abgerissen. Bereits zuvor mussten die beiden Fachwerkhäuser in der Kühlungsborner Straße weichen.

 

Die Zahl der Anleger und damit der Einnahmen verringerte sich, ein Kredit wurde gekündigt und dem Investor verboten, sich das fehlende Geld bei den Anlegern zu leihen.

Die Pläne für Ayurveda, Thalasso, Plastische Chirurgie, das Konferenzzentrum und  den Wohnpark wurden auf Eis gelegt und man konzentrierte sich darauf, durch

Teileinziehungen, Sperrzäune, Leitsysteme, Kurtaxe, Parkplatzgebühren und Wegesperrungen den unbeliebten Touristen zu verdrängen und den zahlenden Hotelgast

zu umwerben.

 

Der Erfolg war mäßig und nicht zuletzt wegen der Belästigungen durch die dauerhaften Bauarbeiten und durch die negative Publicity nach der Zerstörung der Perlenkette

kam es zu hohen Stornierungsraten. Inzwischen ist der Investor kleinlaut geworden und betont, dass das Hotel zuerst in die Gewinnzone kommen müsse, bevor die

verfallenen Häuser saniert und neue errichtet werden. So passiert im Jahre 2007 das, was auch schon während der beiden Weltkriege passierte:

 

Heiligendamm verfiel. Einen gewissen Aufschwung erfuhr der Ort im Jahre 2007 durch die Vorbereitungen und die Ausrichtung des Gipfeltreffens der sieben führenden

Industrienationen und Russlands (G8) und den damit verbundenen Ansturm an Besuchern und Demonstranten. Leider hatte Heiligendamm zu diesem Zeitpunkt bis auf

vier kleine gastronomische Betriebe nichts mehr zu bieten, wo die Bürger ihr Geld lassen konnten. Das Hotel selbst wurde für die Gipfelteilnehmer reserviert und die

Einnahmen durch die Touristen fließen in das Umland. Fakt ist, dass ein Teil Heiligendamms gerettet worden konnte, während der andere Teil eine Entwicklung nimmt,

die eine Rettung in absehbarer Zeit unmöglich machen werden. Die Zukunft Heiligendamms ist auf dem Papier rosig und in der Realität völlig ungewiss.

 

Was sich die Baumeister gedacht haben.

 

Zuletzt wenden wir uns der Frage zu, um Heiligendamm so ist, wie es ist.

Die Besonderheit Heiligendamms ist, dass es kein Ort vom Reißbrett ist. Nichts ist vom Anfang bis zum Ende durchgeplant und doch ist alles durchdacht.

Das macht Heiligendamm so einzigartig. Der Herzog wollte baden und so nahm er seine Badeausrüstung und fuhr zum Heiligen Damm. Dann wollte er es

bequem und ließ in der Sommer-Residenz Häuser bauen. Dann wollte er es schön und ließ Doberan wachsen. Und dann wollte er es praktisch und ließ ein

einfaches Badehaus am Damm errichten. Mit den Giebeln nach Norden und Süden, um einerseits dem Wind wenig Angriffsfläche zu bieten und andererseits

auch ganz nach barockem Verständnis. Das nämlich sah vor, dass das Haus am Ende der Straße liegen und die Straße nur für dieses Haus da sein soll.

 

Im Barock zählt die Frontale, die Repräsentation, der Herrschaftsanspruch. Und so barock ist auch der Kamp angeordnet. Der Herzog hatte die Rangordnung

aufgehoben und sein Haus stand in einer Reihe mit dem Salon, dem Logierhaus und dem Theater. Aber es stand leicht angewinkelt, es war höher und größer

als die neben stehenden Gebäude. Hier wohnt der Herzog - das war offensichtlich und so sollte es sein. In Heiligendamm wagte Severin es dann, den Barock

zu verlassen und sich der Zeit des Sturm und Drang, der Aufklärung, anzupassen. Im Einklang mit der Natur entstand eine Säulenhalle, deren Säulen direkt

dem Boden zu entwachsen scheinen und die die Verbindung zwischen dem Tempel und dem Meer herstellten. Haydn komponierte seine Vier Jahreszeiten

und Severin erschuf ein Kunstwerk, das sich in den Wald und und die Lichtung perfekt einfügte.

 

Das Ensemble ist so angelegt, dass es von keiner Stelle

aus nächster Nähe ganz zu sehen ist. Wenn Sie das erste Mal

nach Heiligendamm kommen, dann werden Sie den Ort Stück für

Stück erleben. zum Beispiel, wenn Sie von Osten her kommen:

Sie sehen zuerst nur das Haus "Bischofsstab" und die See.

Dann passieren Sie das Haus und vor Ihnen eröffnet sich

die Perlenkette. Erst in der Mitte dieser nehmen Sie das

Haus "Mecklenburg" wahr und erst nach dem Passieren

des letzten Hauses der Perlenkette eröffnet sich Ihnen

das Kurhaus. Sie müssen sich schon etwas nach links

drehen und dann sehen Sie auch das Grand Hotel.

 

Bis zum Abriss der "Perle" war diese Sichteröffnung optimal.

Durch den Abriss hat die ECH die Pläne der Baumeister

vereitelt und dem Seebad eine wichtige Besonderheit genommen.

Es ist ungefähr so, als würde man einem Menschen die Nase

abreißen. Plötzlich sind aus allen Perspektiven beide Augen

sichtbar und man könnte sagen, das Gesicht hat kein Profil

mehr. Und das hat Heiligendamms Gesicht in der Tat nicht mehr.

Eine merkwürdige Art, ein Ensemble zu retten aber damit setzen

wir uns an anderer Stelle auseinander. Gehen Sie ruhig weiter in

Richtung Westen. Passieren Sie das Haus "Mecklenburg" und

halten Sie die Luft an. Erst jetzt offenbart sich Ihnen die Burg in

ihrer ganzen Pracht. Wenn überhaupt, haben Sie vorher nur

einen Turm von ihr zwischen den Häusern gesehen.

Luftbild von Heiligendamm vor 01/2007 - gefunden auf www.attac.de.

 

Wenn Sie jetzt weiter nach Westen gehen könnten, würde Ihnen nun der meditative Park mit seinen Cottages und dem Lindenrondell eröffnet werden.

Aber die ECH hat Heiligendamm nicht nur die Nase, sondern auch ein Ohr abgerissen. Das Mädel sieht wirklich schlimm aus.

Auf dem Rückweg nun würden Sie auch die Kolonnaden hinter der Perlenkette entdecken.

Durch das Fehlen der "Perle" haben Sie diese jedoch natürlich längst bemerkt.

 

Oder Sie kommen von Westen her. Unwahrscheinlich, da dort alles abgesperrt ist aber früher war es möglich und da eröffnete sich dem Betrachter zuerst

der Park mit den Cottages, dann die Burg und die Rückseite des Hauses "Mecklenburg" und nach dem Passieren dieses dann die Perlenkette, das Grand Hotel

und das Kurhaus. Erst nach dem Passieren des Hauses "Bischofsstab" eröffnet sich dann der Ostteil des Bades. Die dritte Möglichkeit erleben Sie, wenn Sie mit

der MS "Baltica" zwischen Kühlungsborn und Warnemünde verkehren. Hier sehen Sie von Westen aus zuerst das Alexandrinencottage, dann das Haus "Mecklenburg",

die Burg und die Perlenkette, dann das Grandhotel, das Kurhaus und dann den östlichen Teil des Ensemble. Diese Sichtwinkel sind beabsichtigt und gut durchdacht.

Aber sie funktionieren eben nur mit einer vollständigen Perlenkette und einem öffentlichen Park. Hingegen werden die geplanten Neubauten im Osten nicht stören,

sondern die Idee fortsetzen. Nur, dass man bei der östlichen Anlandung nicht zuerst mit kleinen und dann immer pompöseren Bauwerken begrüßt wird, sondern

eben im Osten gleich zwei große Bauwerke stehen, dann mehrere kleine und dann erst wieder große. Ich bin mir sicher, dass die Baumeister Heiligendamms das

nicht so getan hätten aber die heutigen Architekten haben eben ein anderes Verständnis als die Meister von damals. Ein indischer Tempel ist noch immer besser,

als eine Fernheizzentrale. Wichtiger wäre aber der Erhalt der  Perlenkette.

 

Dann folgten die Cottages im Landhausstil. Das Leben auf dem Lande wurde aufgewertet. Die stinkenden und engen

Städte waren wider der menschlichen Natur und selbst der Adel zog sich auf das Land zurück. In England entstanden

Landgüter und in Heiligendamm Cottages. Auch diese waren wieder im Einklang mit der Natur ausgerichtet.

Zwei von ihnen am Waldesrand und eines parallel zum Küstenkliff. Die strenge Axialität verschwand und an ihre

Stelle rückte der Rhythmus. Wie das Rauschen des Meeres und des Waldes ihren Takt hatten, so hatte auch der

Baustil seinen Takt. Türmchen, Veranden, Erker und Balkone verzierten die Häuser.

 

Die Romantik hielt Einzug am Heiligen Damm und mit ihr kam eine Burg. Nirgendwo an der Nord- und Ostsee findet

sich eine Burg aber in Heiligendamm wurde sie Realität. Um sie herum entstand ein meditativer Park, der Ruhe und

Gelassenheit, Entspannung und Bedächtigkeit ausstrahlte. Bald folgte ein neuer Stil, der weg wollte von Prunk und

Repräsentation und von Aristokratie und Unterdrückung. Europa war von der Revolution erfasst und diese schlug sich

auch auf die Architektur nieder. Eine Reihe von Villen entstand. Man nannte sie "Schweizer Häuser" aber in Wirklichkeit

lag ihre Wiege in England und Frankreich und gelangte über den kunstsinnigen preußischen Regenten an die Ostseeküste.

 

Wie Gropius in Berlin baute Stüler in Heiligendamm Stadtvillen.

Vermischt mit der Bäderarchitektur, dem Klassizismus und einigen stilistischen Eigenarten entstanden einmalige

Kunstwerke. Und sie entstanden wie alle anderen Erstbebauungen direkt am Waldessaum. Vorn rauscht das Meer

und hinten der Wald. Das ist romantisch und das ist Romantik. Auch dieser Stil wurde aufgebrochen, indem man hinter

den Villen eine Straßenszene schuf. Plötzlich war nicht mehr der Einklang mit der Natur und die wirkungsvolle Einbettung

der Gebäude in die Natur das Thema. Statt dessen wurde die Natur zum Stilelement und man bediente sich ihrer für die

Anlegung von Parks.

Hohenzollernburg und Cottages im vorigen Jahrhundert.

Perlenkette um 1910.

 

Und nun war das Seebad dreigeteilt. In der Mitte spielte das gesellschaftliche Leben. Hier promenierte man und wurde gesehen und konnte selbst staunen.

Hier trug man seine Masken auf und war das feine Fräulein oder der feine Herr. Wenn man sich zurückzog, dann tat man das im Westen, wo man im Park Ruhe und

Entspannung fand. Und der Osten war die Sonnenwiese, auf der man die legendäre Sommerfrische genießen und sich am Rande des Buchenwaldes die Seeluft um die

Nase wehen lassen konnte. Hier gab es nur Sport und dieser Sport war Erholung. Golf, Jagd und Schießen, später auch Tennis waren die Erholungssportarten der Gäste.

Und stets waren es zahlungskräftige Gäste, die da Sport trieben.

 

Diese Dreiteilung war jedoch erlebbar. Man kam von Osten nach Westen und von Westen wieder nach Osten. Es ging von Norden nach Süden und man konnte auch um

das Ensemble herum laufen. Heiligendamm war keine Stadt mit Straßen und Plätzen. Heiligendamm war ein großer Park, in dem sich die Gebäude befanden und durch

den lediglich eine einzige Straße hindurch führte, die man wegen ihrer Verformungen und Breitenunterschiede gar nicht als Straße ansehen konnte. Von der Seebrücke

bis zum Fürstenhof und vom Alexandrinencottage bis zum Golfteich erstreckte sich das Ensemble. Kein Zaun versperrte den Weg, keine Hecke die Sicht und kein

Sicherheitsdienst den Zugang. Das war die Idee, aus der Heiligendamm hervor ging, das war ihr jahrzehntelanges Erfolgsrezept und das war die Bedingung für ein

funktionierendes Seebad. Das haben die Herzöge verstanden, die das Fernbleiben der unteren Schichten mittels der Preise regelten, das haben die Regierungen

der Weimarer Republik, des Deutschen Reiches und der Deutschen Demokratischen Republik verstanden, die das Bad der einfachen Bevölkerung zur Verfügung

stellten und damit jeglichen Neid von vornherein verhinderten und das hat auch die Regierung Mecklenburg-Vorpommerns verstanden, die das Bad unbedingt als

Kurbad betrieben sehen wollte aber letztlich der Nutzung als Hotel zustimmen musste. Auch Jagdfeld selbst hat es verstanden, als er kniehohe weiße Zäune

ankündigte. Aber die Menschen haben sich geändert und nun leben wir in einer Zeit, in der hohe Preise die Touristen nicht zurückschrecken und in der die

zahlenden Gäste unbedingt die Exklusivität haben möchten. Doch der Herzog ließ zu, dass ein Armenkrankenhaus gebaut wurde und die Aktiengesellschaft

ließ zu, dass Alte und Schwachsinnige in Heiligendamm untergebracht wurden. Das ist der Unterschied zu heute: Damals waren Zugeständnisse möglich

und man war darauf bedacht, die nicht zahlenden Gäste nicht auszusperren. Im Gegenteil: Man bot ihnen preiswerte Alternativen direkt hinter dem Ensemble an.

 

Heiligendamm funktionierte als ein Ort, am dem die Gesellschaftsschichten aufeinander trafen, ohne zu kollidieren.

Der Ort funktionierte, weil das Spektrum an Bedürfnissen aller Schichten an diesem einen Ort abgedeckt war.

Das ist heute nicht mehr der Fall und das gehört auch nicht zu den Eigenschaften eines Ressorts, wie es der Investor plant.

Und darum funktioniert Heiligendamm auch nicht mehr.

 

 

Eine kleine Architekturkunde - Architektonische Fachworte einfach erklärt.

 

Wie für mich als Laien beim Ausarbeiten der Informationen sind die Fachbegriffe der Architektur für viele Leser böhmische Wälder.

Darum gebe ich hier einen kurzen Überblick über die hier vorkommenden wichtigsten Fachbegriffe.

 

Souterrain

 

Das Wort "Souterrain" kommt aus dem Französischen und bezeichnet ein Gartengeschoss. Fälschlicherweise haben sich die Schreibweisen

"Southterrain" und "Soutterain" und die Übersetzung "Süd-Terrain" eingebürgert. Souterrainwohnungen befinden sich meistens an einer Gartenseite

eines Hauses und sind oft nach Süden und Westen ausgerichtet. Irrtümlich bezeichnet man heute auch das Kellergeschoss als Souterrain.

Das Beispiel zeigt das Souterrain des Palais. Hier ist das Souterrain vorn gar nicht zu sehen, sondern erst auf der Hausrückseite.

Zwerchhaus

 

Als Zwerchhaus bezeichnet man den Mittelteil eines Gebäudes, wenn dieser als eigenständige Einheit errichtet wurde.

Das Zwerchhaus ist im Prinzip ein Haus im Haus und hat vier Wände und ein Dach.

Ist das nicht der Fall, handelt es sich um einen Mittelrisalit.

Hier wird das Friedrich-Franz-Palais als Beispiel genommen.

Seitenrisalit

 

Ein Seitenrisalit ist dasselbe, wie ein Mittelrisalit.

Nur befindet sich der Seitenrisalit stets an einer oder beiden Seiten eines Hauses und wird als Gliederungselement benutzt.

Das Beispiel zeigt den rechten Seitenrisaliten des Palais.

Dorische Säulen

Die Dorischen Säulen entstammen mehr dem römischen (toskanischen) Stil und

sind kunstvoller aber auch einfacher und vor allem nicht so wuchtig, wie es bei den

griechischen Säulen der Fall war. Das Beispiel zeigt die Säulen des Kurhauses.

Portikus

Der Portikus ist eine Eingangshalle eines Gebäudes. Bekannter ist der Begriff "Portal", der aber architektonisch nicht dazu passt,

da ein Portal nur ein Tor ist, während der Portikus eine ganze Vorhalle darstellt. Hier ist der Portikus des Salon zu sehen.

Ochsenauge

Das Ochsenauge ist ein für Mecklenburg typisches Stilelement.

Als Ochsenauge wird das meistens als Abschlusselement benutzte halbrunde Fenster bezeichnet.

Es befindet sich meistens in einem Zwerchhaus oder Mittelrisalit.

Das Beispiel zeigt das Ochsenauge des Kurhauses.

Mittelrisalit

Der Mittelrisalit ist ein angedeutetes Zwerchhaus.

Er ist nur eine Ausbuchtung der Fassade und stellt keinen eigenen Raum dar, wie es beim Zwerchhaus der Fall ist.

Das Beispiel zeigt den Salon mit dem großen Mittelrisalit.

Vestibül

Das Vestibül ist eine repräsentative Vorhalle, die kleiner als ein Portikus ist.

Das Beispiel zeigt das Vestibül des Palais.

Attika

Die Attika ist eine Art Blende, hinter der das flache Dach optisch verschwindet.

Es gibt dem Gebäude eine imposante Wirkung, die eine Dachschräge nicht geben würde.

Das Beispiel zeigt das Kurhaus in Heiligendamm.

Plinthen

Als Plinthen bezeichnet man die Ringe um die Säulen.

Sie sind Stilelement der griechischen klassizistischen Baukunst und wurden

durch den Dorismus abgelöst. Das Beispiel zeigt die Plinthen des Palais.

Tympanon

Das Tympanon ist eine Schmuckfläche, die gern über Portalen oder in Rundbögen verwendet wird. Das Beispiel zeigt das Kurhaus in Heiligendamm.

Dieses Relief heißt "Die Hochzeit des Poseidon" und besteht aus blauem Jasper, einem sehr hochwertigen und teueren Material.

 

Anmerkung

 

Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich kein Architekt,

kein Chronist und auch kein Soziologe bin. Es können also

chronologische Fehler oder Verwischungen auftreten und es

kann sein, dass ich den einen oder anderen Fachausdruck

falsch angewandt habe oder einige Stilelemente umständlich

beschrieben habe, obwohl es dafür einen Fachausdruck gibt.

Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie als Architekt oder Chronist

oder Soziologie mit mir in den Dialog treten und mir für die eine

oder andere Umschreibung den gebräuchlichen Fachbegriff oder

Korrekturen oder Ergänzungen mitteilen. Diese Seite erhebt

keinen Anspruch auf Professionalität, sondern sie soll die

Architektur und den Zustand Heiligendamms verständlich

machen. Auch auf Richtigkeit und Vollständigkeit wird kein

Anspruch erhoben, wenngleich ich bemüht bin, diese Aspekte

stetig zu optimieren und mich über jede Hilfe freue.

 

Weiterhin weise ich darauf hin, dass meine persönliche

Meinung hier nur spärlich vorkommt und im Ganzen nur

auf der Seite zu finden ist, in der ich das Selbstverständnis

und die Beweggründe für diese Internetpräsenz darlege.

Klicken Sie bitte hier, um zu dieser Seite zu gelangen.

 

Luftbild von Heiligendamm vor 01/2007 - gefunden auf www.attac.de.

 

 

Abschließend möchte ich Ihnen das Buch "Heiligendamm - Historische Bilder" von Frank Mohr und Gregor Stenzel empfehlen. In diesem Buch stellt Mohr seine private

Sammlung mit Bildern, Fotos, Postkarten und Souvenirs aus Heiligendamm vor, die seine Familie schon in der dritten Generation sammelt. Mohr ist an der Entwicklung

Heiligendamms als Architekt zumindest an Bürgerversammlungen beteiligt und hat im Buch auch viele Informationen zur Geschichte und Architektur niedergeschrieben.

Zudem war es mit Hilfe seines Buches möglich, viele der Bilder dieser Internetpräsenz über seine Quellangaben ausfindig zu machen und zur Verfügung zu stellen.

Darum gibt es große Ähnlichkeiten, wenngleich Mohr sehr viel mehr Bilder im Buch zur Verfügung stellen kann. Andere Scans stammen von Postkarten, Fotos oder

von Leuten, die das Material zur Verfügung stellten, ohne dabei einen Namen zu hinterlassen oder erwähnt werden zu wollen. Dafür bedanke ich mich recht herzlich.