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Die Architektur Heiligendamms und seine
Baumeister.
Auf dieser Seite geht es um die Architektur
Heiligendamms und um die Baumeister.
Die Seite ergänzt die Informationen der
Gebäudedatenbank. Es wird erklärt, was sich die Baumeister bei Ihren
Planungen gedacht haben,
warum einige Dinge im Nachhinein verändert
wurden und wie es zum Stilbruch beim Bau der Villen der Perlenkette kam.
Das Kommen und
Gehen der Baumeister und Architekten wird
Thema sein und es werden Assoziationen zu den Lehrern der Baumeister und
ihren Bauwerken
vorgenommen. Auch die politische Lage zum
jeweiligen Bauzeitpunkt wird Thema dieser Internetseite sein.
Als Textquellen dienen insbesondere die Bücher von Judith Groschang, Wolf Karge,
Frank Mohr,
Joachim Skerl und Thomas Grundner, sowie
Museen, Ausstellungen und die freie Wissensdatenbank Wikipedia.
Unsere
architektonische Reise beginnt im Jahre 1793 in Doberan.
Der kleine Ort lag eingebettet in die Hügel
einer Endmoränenlandschaft sechs Kilometer vor der Ostsee.
Doberan war ein Dorf mit einer großen
gotischen Klosterkirche, dem Münster.
Um das Klostergelände legte sich
westlich die Ansiedlung mit 85 reetgedeckten Häusern herum, in denen 900 Einwohner Platz fanden.
Doberan, 1186 erstmals erwähnt, war Teil des Domanium und damit
herzoglicher Besitz. Das Münster war die Grablege der Herzöge
Mecklenburg-Schwerins und im Sommer zog es
die Familie oft nach Doberan. Im Klostergarten und nach Althof ließ es
sich gut wandern.
Der Heilige Damm war nur eine Lichtung im
Wald, ein flaches Tal mit Seezugang zwischen zwei Steilküsten.
Den eigentlichen Damm - die Aufschüttung von
dunklen Flintsteinen - gab es längst nicht mehr. Das Erstaunen der
Besucher war eher
von der Steilküste abzuleiten, den sie für
den Heiligen Damm hielten. Und die sonnengespeiste Lichtung im dunklen
Buchenwald mit dem
saftigen Gras und davor dem hellen Sand und
den dunklen Steinen in der Brandung zusammen mit der glänzenden See
dürften dem Eindruck
ihren Ausdruck gegeben haben.
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Die ersten Gebäude entstanden dann auch
nicht an diesem Ort, sondern in Doberan.
Professor Vogel hatte Doberan als Badeort
vorgeschlagen und wollte ein bestehendes Haus zum
Badehaus umbauen und das Wasser vom Heiligen
Damm mit Rohrleitungen nach Doberan pumpen lassen.
Aber Doberan liegt höher als der Heilige
Damm und über eine Länge von sechs Kilometer ließ sich das Wasser
1793 noch nicht bergauf transportieren.
Also reiste die herzogliche Familie mit
Wagen an und baute am Heiligen Damm eine Wagenremise mit
Zelten auf, in denen Badewannen aufgestellt
wurden und in denen sich umgekleidet wurde. Nur wenige
wagten sich direkt in das Wasser der Ostsee
und andere ließen sich ihr Badewasser lieber erhitzen.
Später baute man eine Reihe von Holzhütten
an das Wasser, wo man sich umziehen konnte.
Es folgten einige größere Hütten für die
kurzfristige Unterstellung der Logistik und als Unterschlupf, wenn es
mal zu regnen begann. Das konnte nämlich damals genauso
überraschend geschehen, wie es heute der Fall ist.
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Während die herzogliche Familie am Heiligen
Damm badete, wohnte sie im Amtshaus, das von
Seydewitz 1793 auf dem Klosterhof errichtet
hatte. Das eingeschossige Fachwerktraufenhaus
mit elf Achsen und Krüppelwalm- Mansarddach
steht im Angesicht zum Klostergarten.
Besonders auffällig ist das zweiachsige
Zwerchhaus mit Dreiecksgiebel und Ochsenauge,
unter dem sich die drei mittleren Achsen
befinden. Der Rest der Badegesellschaft residierte
in Doberans einziger Wirtschaft, dem
Lindenhof und andere Mitglieder des Hofes kamen in
den Privathaushalten Doberans und in einer
kleinen unansehnlichen Kneipe am Stadtrand unter.
Zum Baden fuhr man vormittags und Mittags
war man wieder in Doberan.
Die erste Saison begann im Oktober 1794 und
brachte 308 Badegäste mit sich. Das war mehr,
als Doberan aufnehmen konnte. Ein Logierhaus
musste her. Also wurde eine "Herzogliche
Badedirection"
gegründet und beschlossen, dass ein "Logirhauß" gebaut werden müsse.
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Herzog Friedrich Franz I beauftragte seinen
Bauconducteur
Johann Christoff Heinrich von Seydewitz mit dem Bau eines
Logierhauses.
Damit kommen wir zum ersten Baumeister:
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Johann Christoff Heinrich von Seydewitz.
Über den ersten Bauconducteur ist wenig
bekannt. Sicher ist, dass er 1748 geboren wurde. Er baute mehrere
Gutshöfe, Schlösser, wie das Jagdschloss in
Friedrichsmoor und Kirchen, wie z.B. 18106
St. Helena in Ludwigslust. Im Jahre 1796 sollte von Seydewitz eigentlich
in den Ruhestand gehen und nach dem
Osterfest sollte sein Gehilfe Carl Theodor
Severin ihn ersetzen. Von Seydewitz blieb jedoch bis 1808 im Amt und
fiel dafür 1806 beim Herzog in Ungnade.
1824 starb Johann Christoff von Seydewitz.
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Seydewitz erbaute
1795 an der Ostseite des Kamp das Logierhaus im Zopfstil mit
Fachwerk. Es hatte 2 Geschosse mit 19
Achsen, ein ausgebautes Dachgeschoss
mit Mansardwalmdach und ein dreiachsiges Zwerchhaus. Damit gehörte
das Gebäude
zum Barock. Es beherbergte einen Tanzsaal,
ein Speisezimmer und eine Spielbank
für Pharao und Roulette.
Im Obergeschoss gab es ausschließlich
Logierzimmer und
im Flügel waren im Parterre die Wagenremise
und Stallungen und darüber Logierzimmer
untergebracht. Das Logierhaus wurde 1796
fertig gestellt und dem Herzog übergeben.
Zur gleichen Zeit entstand unter Leitung von
Seydewitz auch das barocke Badehaus
am Heiligen Damm. Es war eingeschossig,
hatte elf Fenster- und Türachsen, eine
Dachzone, vier pilastergerahmte
zweigeschossige Mittelrisaliten und eine
geschwungene zweiläufige Freitreppe, die
direkt in das unterkellerte Hochparterre
führte.
Prof. Vogel hatte vorgeschlagen, das Haus
mit einem Giebel zur Seeseite zu
stellen, um dem Wind wenig Angriffsfläche zu
geben.
Das
passte zu von Seydewitz' barocken Verständnis, sodass er das Haus im 90°-
Winkel zur See und auf die Allee nach
Doberan ausrichtete, die nur den Zweck hatte,
vor dem Badehaus auf einem Platz zu enden.
Es verfügte über 7 Zimmer für Kalt- und
Warmwasserbäder, 2 Ruhekabinette, 2
Konversationszimmer, die Bademeister-Wohnung
und einige Zimmer für Schwache, denen die
tägliche Kutschfahrt zu beschwerlich waren.
Aristokratische Schwache wohlgemerkt. Neben
den Holzhütten gab es profane Fachwerk-
bauten, für Warm- und Kaltbäder und 11
schilderhausartige Umkleidekabinen am Strand.
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Empfehlung:
Das einstige Logierhaus beherbergt heute
das Hotel "Friedrich-Franz-Palais", in dem es sich wunderbar speisen
und wohnen lässt. Der Betreiber versteigert Arrangements bei eBay,
womit Sie zum Bruchteil des eigentlichen Preises in das
Vier-Sterne-Hotel einchecken können. Bieten Sie einfach mit!
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Das Logierhaus heute (oben).
Der Kamp vor dem Logierhaus um 1840. (unten)
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Logierhäuser
waren am Heiligen Damm nicht geplant, da Prof. Vogel vom Nutzen der
Kutschfahrten überzeugt war.
Die aerosolhaltige und ionenreiche Mischung
aus salzhaltiger Ostsee- und sauerstoffreicher Waldluft ist sehr gesund.
Für das Gesellschaftsleben sollte Doberan
hergerichtet werden. Die Spielbank brachte pro Jahr 12.700 Taler Pacht
ein
und durch den Verkauf von 1000
mecklenburgischen Söldnern nach Oranien flossen pro Jahr 30.000 Taler in
die Kasse
des Herzogs. Mittel standen genug zur
Verfügung und der Herzog wies explizit an, alles aus der Herzoglichen
Schatulle
zu bezahlen und nicht die öffentlichen
Kassen zu molestieren.
Ein reichhaltiges Kulturprogramm (auf der
Startseite genauer beschrieben) sorgte für einen Zustrom an Gästen
aus dem deutschen und europäischen Adel,
Offizieren, Kaufleuten, Gutsbesitzern, Beamten, Ärzten, Künstlern,
Wissenschaftlern, Musikern und
Schauspielern.
Der Herzog war beliebt und seine Anwesenheit
in Doberan zog unweigerlich die Massen an. Die Rangordnung hatte
er aufheben lassen und so war jeder per Sie
(ansonsten hätte man den Herzog "Eure Durchlaucht, der Herzog Friedrich
Franz I von Mecklenburg-Schwerin" nennen
müssen) und jeder gleich viel Wert. Die einfache Bevölkerung wurde zwar
nicht ausgeschlossen, blieb aber von selbst
wegen der hohen Preise fern. In den Jahren 1798/99 verzeichnete der
Herzog einen Geldumlauf von 100.000 Talern.
Das tat auch der einfachen Bevölkerung gut.
Der
Kamp - vorher eine Weide mit allen riechbaren Nebenwirkungen und
inzwischen eine Mehrzweck-Nutzfläche -
wurde zur einem Park
umfunktioniert. Der Herzog verbot den Bau von stroh- und reetgedeckten
Häusern und
unterstützte finanziell die Umrüstung auf
Ziegeldächer. Durch die stetige Zunahme des Gästestroms nach Doberan
und von dort aus zum Heiligen Damm wurde es
aber auch bald im Logierhaus zu eng. Inzwischen vermietete jeder,
der nur irgendwo ein Zimmer frei hatte dieses an
die Gäste. Aber auch diese Kapazitäten nahmen immer weiter ab.
So beauftragte der Herzog anno 1801 seinen
Bauconducteur-Duo von Seydewitz und Severin mit dem Bau eines
Salongebäudes. Der Salon sollte einen
weiteren Speisesaal, Logierzimmer und sechs Läden für Kaufleute
enthalten.
Von Seydewitz hatte zu der Zeit mit den
Planungen für Ludwigslust zu tun und der Herzog wollte auch von Severin
einmal etwas eigenes sehen und so ließ er
Severin eigenständiger als bisher arbeiten.
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Das Badehaus am Heiligen Damm um 1800 (oben)
Der Kamp in seiner vollendeten Form nach
1830. (unten)
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Damit wären wir dann beim zweiten Baumeister.
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Carl Theodor Severin.
Mehr als über von Seydewitz ist über Severin
überliefert.
Er wurde am 13.09.1763 in Mengeringshausen
im hessischen Waldeck geboren. Wo er gelernt hat, ist nicht
herauszufinden aber
seine Werke tragen die Handschriften von Karl Friedrich
Schinkel, Carl Gotthard Langhans, David und Friedrich Gilly und Heinrich
Gentz.
Hier müssen wir uns erst einmal einen Überblick
verschaffen:
Carl Gotthard Langhans war Baumeister in Berlin und
erbaute u. a. das Brandenburger Tor, das Deutsche Nationaltheater,
das Schauspielhaus in Breslau und das
Belvedere im Schlosspark Charlottenburg. Er lernte nicht durch einen
Lehrer,
sondern durch Studienreisen, u. a durch
Italien und durch Bücher, die sich mit antiker Architektur befassten.
Auf dieselbe Weise bildete sich Friedrich Willhelm von
Erdmannsdorf. Er orientierte sich an Palladio, einem antiken
Architekten.
Von Erdmannsdorf baute u. a. das Pantheon, das Schloss
und das Rathaus in Wörlitz und das Schloss und Schlosstheater in Dessau.
Friedrich Gilly lernte unter anderem bei seinem Vater
David Gilly, bei Carl Gotthard Langhans und Friedrich Willhelm von
Erdmannsdorf
und erbaute in seinen 28 Lebensjahren das Denkmal
Friedrich des Großen und plante viele der Bauwerke, die Schinkel zu Ende
brachte.
Heinrich Gentz wurde von Carl von Gontard ausgebildet und
erbaute u. a. das Theater in Bad Lauchstädt und das Mausoleum für
Königin
Luise im Schlosspark in Charlottenburg.
Schinkel lernte bei Friedrich Gilly und erbaute u. a. das
Schauspielhaus, die Neue Wache, die Bauakademie und das Alte Museum in
Berlin.
Carl Theodor Severin nun lernte bei irgend einem dieser
Architekten, nahm aber von allen etwas mit, da ja irgendwie jeder bei
jedem lernte.
Aus Severins Studienzeit ist wenig bekannt und auch
damals war dem Hof wenig über Severin bekannt. Er war recht plötzlich
einfach da.
Die Aufzeichnungen am Hofe zu Mecklenburg-Schwerin
beginnen erst um 1789 mit dem Erscheinen Severins in Mecklenburg.
Am 20.02.1836 siedelte er nach Doberan um. In den 80er
Jahren des 18. Jahrhunderts arbeitete er in Schwerin als Bauaufseher und
Berechner der Schiffbauerei. Nach seiner Ernennung zum
Baumeister war er in Doberan tätig und leitete ab 1809 das Landbauwesen
der Ämter Buckow, Doberan, Ribnitz, Rühn, Toitenwinkel
und Schwaan.
Carl Theodor Severin wurde 1819 zum
Oberlandbaumeister ernannt. Zu seinen Arbeiten in Doberan und
Heiligendamm gehören
das Großherzogliche Palais (1806 - 1809),
das Herzogliche Salongebäude (1801 - 1802), das Kleine Palais (1810 - 1813) und
das Kurhaus (1814 - 1816). 1835 trat er in den Ruhestand und verstarb 1836
in Doberan, wo er zwei Tage später an unbekannter
Stelle beigesetzt wurde. Als Severin starb,
war er völlig verarmt und hatte nur noch 50 RT Vermögen.
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Dieses Relief war
am Palais in Bad Doberan angebracht und wurde vor der Sanierung des
Hauses entfernt.
Seitdem ist
es verschollen.
Zur Erinnerung
an den
bedeutendsten der
Baumeister in Bad
Doberan
tragen heute
verschiedene
Dinge seinen
Namen:
Die Severinstraße
am Kamp,
die Galerie
Severina in der
Beethovenstraße
und das
zum Grand Hotel
gehörende
Severin-Palais.
Auch auf vielen
Speisekarten
findet sich der
Name des doch
nicht so sehr
vergessenen
Baumeisters
wieder.
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Severin stellte das Salongebäude 1802 fertig
und der Herzog war begeistert.
Der zweigeschossige Flachbau gliedert sich
in 17 Achsen und hat einen fünfachsigen Mittelrisaliten,
der auch den Mittelpunkt der umlaufenden
Attika bildet. Hinter der Attika befindet sich ein flaches Walmdach.
Der Saal im Inneren ist im Stil des Empire
gehalten und weist daher reiche Verzierungen auf.
Im Salongebäude wurde nun neben dem
Speisesaal und vielen Logierzimmern zur Entlastung des
Logierhauses auch eine Spielbank eröffnet.
Da es im Lindenhof schon eine Spielbank gab, wurde
diese zur Silberbank und die im Salon wurde
zur Goldbank.
1803 beauftragte der Herzog Severin mit dem
Bau des Herrenbades und 1804 mit einer Konversationsrotunde
am Heiligen Damm. Beides befand sich dort,
wo später die Villen der Perlenkette gebaut wurden und beides
fiel später der Sturmflut zum Opfer.
1805 bekam Severin dann allein den Auftrag
zum Bau eines Theaters.
Er errichtete dieses rechts neben dem
Logierhaus. Auch dieses Gebäude war im Stil des Klassizismus gebaut,
hatte aber ein Mansardwalmdach, was wiederum
darauf schließen lässt, dass der Einfluss von Seydewitz noch
vorhanden war. Die beiden Seitenrisaliten
wiesen eine große Ähnlichkeit zum später entstandenen Palais auf und
auch der Mittelrisalit findet sich in
späteren Bauten Severins, wie dem Prinzenpalais, dem Moorbad und dem
Haus
"Gottesfrieden" wieder. Ebenso
Severin-typisch ist die Dreiergruppierung der Fenster. Das Theater bot
Platz für 500
Gäste und wurde am 02.07.1806 mit einer
Festaufführung eingeweiht. Heute sucht man dieses Haus in Bad Doberan
vergebens, weil es abgerissen und später
überbaut wurde. An seiner Stelle befinden sich heute der Rosenwinkel und
das Gymnasium "Friderico-Franciseum".
Noch während Severin am Theater baute,
wollte der Herzog auch im neuen Zentrum wohnen und beauftragte
ihn mit dem Bau eines Palais. Severin plante
dieses 1805 und 1806 konnte mit dem Bau begonnen werden.
Ein Jahr später konnte der Herzog vom
Amtshaus in das noch nicht vollendete Palais umziehen. Dort brachte
der Herzog aber nur ein paar Tage zu, weil
er am 08.01.1807 mit seiner Familie vor Napoleon ins Exil in das
dänische Altona fliehen musste. Dank der
Intervention des befreundeten russischen Zaren, Alexander Romanow,
konnte die Familie am 10. August 1807 wieder
zurückkehren. Sie kehrte nicht in die Hauptstadt zurück, sondern
nach Doberan, wo sie mit einem
beeindruckenden Volksfest empfangen wurde. Endlich konnte der Herzog
sein
Palais in Doberan beziehen. Die Arbeiten im
Inneren dauerten zwar noch gute zehn Jahre an aber das tat der
Freude des Herzogs keinen Abbruch. Das
Palais ist ebenfalls ein im Stil des Klassizismus erbautes Gebäude.
Es passte sich farblich und stilistisch dem
Salon, dem Logierhaus und dem Theater an.
Wie schon der Salon hatte auch das Palais 2
Stockwerke, die von einer umlaufenden Attika gekrönt waren,
hinter der sich ein flaches Walmdach
verbirgt. Im Gegensatz zum Salon arbeitete Severin beim Palais aber
nicht mit einem Mittelrisaliten, sondern mit
zwei seitlichen Risaliten, die jeweils einachsig waren und jeweils
ein Rundbogenfenster im Untergeschoss und je
ein dreiteiliges Fenster im Obergeschoss hatten. An Stelle
des Mittelrisaliten schuf Severin einen
Portikus mit vier eingestellten, mit Plinthen verzierten dorischen
Säulen.
Die Säulen waren freistehend, was den
Portikus zu einer echten Vorhalle werden ließ. In der Mitte der vier
Säulen
befand sich die Tür. Ausgehend vom Portikus
hatte das Palais jeweils vier Achsen mit vier Fenstern pro Geschoss
bis zu den beiden Risaliten.
Eine Besonderheit am Palais ist die Schrägstellung. Dadurch verengte
sich die Straße zum Heiligen Damm,
sodass die Kutschen langsamer fahren mussten
und die Fahrgäste einen längeren Blick auf das Wohnhaus des
Herzogs werfen konnten. Ebenso besonders ist
einmal, dass sich das Palais einfach und ohne Hervorhebung an
die Gebäudereihe anschließt und dass auf das
Souterrain verzichtet wurde. Damit verdeutlichte Severin noch
einmal architektonisch die in Doberan
aufgehobene Rangordnung. Der in den Garten gezogene Ovale Saal des
Palais zeigt deutlich, dass Severin die
Berliner Schule von Langhans und Schinkel genossen hatte.
Die Decke des Ovalen Gartensaals ist
besonders kostbar, denn sie ist tapeziert und bemalt mit der
Darstellung zur
Amor-und-Psyche-Sage
des
Apuleius (nach Entwürfen von Lois Lafitte und Mary Blonder
1820 in Paris gedruckt).
Severin konnte sich der absoluten
Aufmerksamkeit des Herzogs sicher sein.
Dieser beauftragte ihn nämlich sogleich mit
dem Bau eines Aussichtsturmes am Heiligen Damm und
danach mit der Gestaltung des Kamps, der
noch immer einen Park mit Holzbuden und Zelten darstellte
und neben den herrschaftlichen Bauten wenig
repräsentativ war.
1808 war das Todesjahr von Langhans und von
David Gilly und es war das Jahr, in dem Beethoven seine vierte
Sinfonie uraufführte. So frei und
überschwänglich wie diese war auch der Baustil dieses Jahres.
Chinesische Baukunst wurde modern und auch wenn Mecklenburg sonst immer
eher hinter der Entwicklung
der anderen Länder hinterher hinkte,
erreichte auch den kleinen Ort Doberan die chinesische Baukunst. Severin
baute nämlich auf dem Kamp einen kleinen
Pavillon im chinesischen Stil, der der Erfrischung dienen sollte.
Er gestaltete ihn farblich in gelb, weiß,
rot, braun, schwarz und einigen Mischtönen. Bauconducteur von Seydewitz
ging endlich in Pension und Severin wurde
1809 Landbaumeister und konnte endlich sein eigenes Geld verdienen.
Er war zuständig für ein großes
Einzugsgebiet und hatte Einfluss auf die Gestaltungen der Häuser in
diesem Gebiet.
Direkt von ihm stammen das Mausoleum in
Buchholz, das Kurhaus in Sülze, das Schul- und Küsterhaus und die
Post in Wulfshagen und die Hauptwache in
Rostock. Severin hatte das letzte Wort bei den Bauplänen, die alle ihm
vorzulegen waren. Die Bauherren mussten sich
in Doberan - zumindest rund um den Kamp an klare Auflagen halten:
Steinfassung, Ziegeldach und mindestens zwei
Etagen. Severin sorgte dann für den letzten Schliff und damit für ein
einheitliches aber doch individuelles
Aussehen. Sein wohl größtes Werk stand ihm jedoch noch bevor.
Erst einmal zog er 1810 nach Doberan um,
heiratete Marie Eleonore Magdalena Bollow, begann mit dem Bau
eines weiteren Pavillons auf dem Kamp und am
Heiligen Damm des Damenbades und im Auftrag Prof. Vogels
das Armenkrankenhaus. Letzteres wurde von
der Rostocker Freimaurerloge gestiftet, welcher Vogel angehörte.
Der Herzog war nicht angetan davon, dass nun
in jeder Saison 80 mittellose Kranke durch sein Bad wandern
sollten und sorgte mit einem Zeitplan dafür,
dass sich Arme und Aristokraten nicht über den Weg laufen konnten.
Severin vollbrachte auch privat ein kleines
Werk, indem er 1811 mit der Geburt der ersten Tochter eine kleine
Familie gründen konnte. Er entschloss sich,
nun in Doberan zu bleiben und baute ein Stück rechts vom Theater
sein Wohnhaus. Der neue Pavillon darf
eigentlich erst diesen Namen tragen, denn er ersetzte das Zelt, in dem
bisher die Philharmonie für musikalische
Unterhaltung sorgte. Chefkoch Medini bewirtete seine Gäste schon in
einem Zelt und der Kamp war voller Buden, da
wollte der Herzog gern etwas Ordnung hinein bringen. Severin griff
beim Pavillon auch eine Vorlage zurück, die
er abänderte. Der achteckige Baukörper wurde z.B. mit dorischen
Säulen versehen, die eher zum Klassizismus
gehören, als zum Chinastil. Der Pavillon diente als Musiksalon
und Severin bauten an der Nordseite
Boutiquen an, damit die Buden auf dem Kamp verschwinden. Während die
Arbeiten am Pavillon sich aus Mangel an
Materialien dahin zog, erweitere Severin das Badehaus am Heiligen Damm
mit einem Anbau. Dieser fasste vier weitere
Badezimmer, ein Restaurant, Räume für Regen- Tropf- und Spritzduschen.
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Von oben nach unten: Der Salon heute. Das
Theater um 1840. Palais, Salon, Logierhaus und Theater um 1840.
Der Rosengarten um 1840.
Das Herzogliche Palais von vorn und von
hinten im Jahre 2007. Blick vom Roten zum Weißen Pavillon.
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Am Strand entstanden Stege, Badekabinen,
zwei Wasserreservoirs für 900 Tonnen Wasser, ein Gebäude für das
Trittrad, eines für das Pumpenwerk, ein großer Schauer für das Einziehen
der Pferde, zum Aufenthalt der Dienerschaft bei Regenwetter und zum
Unterstellen der Schaluppe und das Haus des Schaluppenmeisters Johann
Both nebst Stall. Die Zahl der Schaluppen war bereits von zwei auf eine
gesunken und nachdem nun die ersten Badekarren aufgestellt wurden, war
auch diese Schaluppe nicht mehr so oft benutzt, da die Gäste immer
seekrank wurden. Kaum hatte Severin diese Gebäude fertig und die
Arbeiten am Pavillon 1813 endlich abgeschlossen, mussten die Bauten am
Heiligen Damm die erste Bewährungsprobe bestehen. Eine schwere Sturmflut
riss alles nieder, was nicht weit genug auf dem Land stand und nicht
niet- und nagelfest war.
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Entwurf des Kurhauses von C. T. Severin.
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Der Herzog erkannte den
Unsinn von Holzhäusern am Strand und beauftragte Severin mit dem Bau
eines Gesellschaftshauses zum Tanzen, Speisen, Ruhen und Feiern. Neben
den Zerstörungen durch die Sturmflut
war auch der Drang der
Gesellschaft, sich vor Ort zu vergnügen, einer der Gründe für diesen
Auftrag. Bisher
reiste die Badegesellschaft vormittags von Doberan zum
Heiligen Damm und fuhr dann zum Mittag zurück
nach Doberan, um im Salon
an der Table de hôte - dem Essen mit dem Herzog - teilzunehmen. Der Rest
des Tages spielte sich dann in Doberan ab. Severin
plante nun also ein Gesellschaftshaus und legte dem
Amtmann Schuhmacher
zwei Entwürfe vor. Einer stellte ein Gebäude dar, dass in
gleicher Größe parallel
aber versetzt zum Badehaus stehen würde und der
andere zeigte eine Halle, die im rechten Winkel zum
Badehaus und auf das Meer ausgerichtet
stehen würde.
Die Entscheidung fiel für die zweite
Variante und 1814 begann Severin mit dem Bau des Hauses.
Das
Salongebäude am Heiligen Damm nun wurde 120 Fuß lang und 28 Fuß breit
und hatte eine 8 Fuß
breite Vorhalle. Hier griff Severin auf die
Lehren seiner Meister zurück. Schinkel hatte bereits 1802 eine Zeichnung
angefertigt, die einen Raum einer Halle
darstellte, durch dessen Fenster man zwischen Säulen hindurch zum Meer
sah. Er selbst hatte eine solche Halle nur
in einer meerlosen Form am Ufer der Havel in Gliencke in Form des
dortigen
Kasinos verwirklichen können. Sein Schüler
Severin nun hatte die Chance, Schinkels Idee - wissend oder nicht -
zu verwirklichen. Dazu baute er einen Kubus
mit einem Innenhof, der an die Peristylhöfe antiker Villen erinnerte.
Die umgebenen Kolonnaden sollten zum
Verweilen im Freien auch bei schlechtem Wetter einladen und der Innenhof
sollte zur Entspannung dienen. An der
Seeseite schuf Severin eine Vorhalle mit acht geschossübergreifenden
Säulen.
Im Gegensatz zum Palais in Doberan waren
diese Säulen nicht nur eingestellt, sondern tragend und sie hatten keine
Basis mehr, wie es Palladio lehrte, sondern
orientierten sich an den toskanischen Säulen des Dorismus, wie sie von
Erdmannsdorf bereits verwendet hatte. Diese
sprießen wie Bäume direkt aus der Sockelplatte des Hauses.
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Salon und Badehaus von der Allee und
von der Seeseite aus. |
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Andrea Palladio hatte seinerzeit noch gemäß
dem "Quattro Libri dell' Architettura" von 1570
Säulen mit flachem Enchius, einem Kapitell
mit quadratischem Abakus und einem durch einen
Stab abgesetzten Hals verwendet. Und auch
die Zahl der glatten Säulen kommt nicht von ungefähr,
sondern von der Akropolis in Athen. Severin
setzte der Halle ein Walmdach auf, das sich hinter
einer Attika mit Fenster verbarg aber er
schnitt das Walmdach und die Attika ein, was der Halle
das Aussehen eines Tempels verlieh. Statt
einer Vorhalle realisierte Severin den Eingang über
das Vestibül und schuf damit einen Portikus.
Um den klassizistischen Stil zu halten, setzte
Severin auf der schon doppelten Attika noch
ein Tympanon auf. Heute befindet sich darin eine
Uhr. Ursprünglich war dieser Freudentempel
zum Meer hin zweigeschossig und nach Süden hin
eingeschossig. Im Vorderteil waren im
Erdgeschoss der Saal, drei Gesellschaftszimmer, Wohn-
und Wirtschaftsräume untergebracht. Im
Westflügel bekam der Bademeister eine neue Wohnung
und die alte Wohnung im Badehaus wurde zu
Logierzimmern umgestaltet.
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Portikus des Kurhauses mit
Inschrift und Relief aus Jasper.
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Wieder
einmal war das Material knapp und das Jahr 1815 verstrich, das Jahr 1816
und die Saison 1817 rückte
näher. Der Herzog - seit 1815 nun Großherzog - drückte im Herbst 1816
sein Befremden und sein Missfallen über
das langsame Fortschreiten aus und befürchtete, zur Saison 1817 nicht
fertig zu werden. Das musste auch bald
Severin selbst befürchten aber er schaffte es gerade rechtzeitig zur
Saison, das Gebäude fertig zu stellen.
Im Inneren war nur noch der Maler Johannes Hauthmann aus Lübeck die
Saison über beschäftigt. Die Halle
am Meer war nun also endlich fertig. Sie war sandsteinfarben und hob
sich somit von den anderen Gebäuden ab.
Aber eigentlich tat sie das schon durch ihre Größe. Über dem Eingang
wurde ein halbrundes Relief angebracht,
das die Göttin Hygieia mit Schale und Schlange zeigt und links daneben wurde über jedes Fenster
ein Relief mit
Abbildungen von Nereiden und rechts über jedes Fenster
eines mit Tritonen angebracht. Dieses Relief stellt die
Hochzeit des Poseidon dar und ist nicht etwa mit Farbe gemalt, sondern
als blauen Jasper und weißem Sandstein
angefertigt worden. An der Attika brachte man einen Spruch von Immanuel
Gottlieb Huschke (1761-1828) an, auf
dem da zu lesen steht: HEIC TE LAETITIA INVITAT POST SANEA BALNUM.
Sinnlich übersetzt (da es wörtlich
keinen Sinn ergibt) bedeutet dies: Hier empfängt dich Freude, entsteigst
du gesundet dem Bade. Heute dreht man
das zu: Freunde empfängt dich, entsteigst du gesundet dem Bade.
Und
in der Tat: Die Zeit der Aufklärung hatte begonnen und statt Puder,
Parfum, Korsetts und Beinkleider hielt
Hygiene Einzug in die Paläste und Domizile der europäischen Bevölkerung.
Dafür steht in Heiligendamm Hygieia
über der Tür des Kurhauses. Damit endet Severins Arbeit am Heiligen
Damm. 1819 wird er Oberlandbaumeister
und erweitert bis 1821den Salon durch einen Anbau.
1822
kauft ihm der Großherzog sein Wohnhaus ab und schenkt es seinem Sohn,
dem Erbherzog Friedrich Ludwig.
Durch den Wiener Kongress 1815 wurden die
Herzöge zu Großherzögen und nur in Mecklenburg wurden auch die
Prinzen zu Herzögen und die Prinzessinnen zu
Herzoginnen. Erbherzog Friedrich Ludwig wäre also - wenn er nicht
in Mecklenburg gelebt hätte - kein
Erbherzog, sondern ein Erbprinz und darum trägt Severins erstes Wohnhaus
heute den Namen "Prinzenpalais". Nun
jedenfalls wohnten der Vater am nördlichen und der Sohn am südlichen
Ende von Doberans Hauptstraße.
Severin sollte sich ein Haus in einem
Neubaugebiet am Rande des damaligen
Doberaner Ortskerns bauen, bat aber um ein
Grundstück gegenüber dem vorherigen Wohnhaus und versprach,
dieses Haus so repräsentativ und schön zu
gestalten, wie die anderen Gebäude um den Kamp. Hintergrund war,
dass Severin inzwischen 5 Kinder hatte,
Doberan ein teueres Pflaster war, er zwar gut verdiente aber das Geld
nie wirklich reichte und er in seinem Haus
Zimmer vermietete und das natürlich am Besten in innerstädtischer
Lage
möglich war. Friedrich Franz I stimmte
zu und so erbaute sich Severin 1823-1824 sein Haus in Angesicht
mit dem Prinzenpalais. 1825 beauftragte ihn
der Leibkoch des Herzogs und Starkoch aus Mailand, Caetano
Medini,
mit dem Bau eines Wohnhauses an der Nordseite des Kamp. Severin
errichtete einen zweigeschossigen
Putzbau mit reicher ornamentaler Verzierung
und kaum war er fertig, bekam er auch noch Aufträge für ein Bürgerhaus
und eine Apotheke direkt neben seinem
Wohnhaus. Im selben Jahr folge dann der Bau des Stahlbades am
südlichsten
Zipfel der Münsterstadt, wo man gerade eine
Stahlquelle entdeckt hatte und 1829 kehrt Severin noch einmal an den
Heiligen Damm zurück, um das Belvedere - ein
Schatten spendendes Portal mit Aussichtsplattform - zu errichten.
1834 sollte Severin in Pension gehen, bat
jedoch um Aufschub, weil er seine Familie sonst nicht ernähren konnte.
Er durfte bis an das Ende seiner Tage
bleiben, die aber schon zwei Jahre später gezählt waren.
Von seiner Gehaltszulage über 150 RT blieben
nur 50 RT übrig, als er am 20.02.1836 in seinem Haus starb.
Vier Tage später wurde er an unbekannter
Stelle beigesetzt.
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Bild oben: Das Prinzenpalais, Severins
erstes Wohnhaus.
Nach der Nutzung als Schule wurde es
2007/2008 zum
Konferenzhotel umgebaut. Bild Mitte: Haus "Gottesfrieden", das zweite
Wohnhaus Severins. Es wird heute von einer kirchlichen Institution für
religiöse Zwecke genutzt. Bild unten: Das Haus des Chefkochs Caetano
Medini. Heute beherbergt das Gebäude eine Bank, Büros und Wohnungen.
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In Ludwigslust hatte längst ein anderer
Baumeister den Stift in der Hand. Der Großherzog war für damalige
Verhältnisse schon recht alt und nicht mehr so baulustig
und an das Baden war auch nicht mehr so oft
zu denken und so ging es an der Ostsee nicht so richtig weiter.
Oberbaumeister in Schwerin wurde ein Herr Wünsch
aber sein unbezahlter Gehilfe überholte ihn
bald und wurde zum neuen Architekten. Der neue Architekt in Schwerin
hatte einen Namen:
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Georg Adolf Demmler
Demmler wurde als uneheliches Kind des
45-jährigen Güstrower Schornsteinfegermeisters Johann Gottfried Demmler
und der sechs Jahre
jüngeren, verwitweten Tochter des
Brauereibesitzers Mau geboren. Aus diesem Grund siedelte seine Mutter
vor der Entbindung nach Berlin
um, wo Demmler bis zu einem Alter von neun
Jahren bei einer Pflegefamilie lebte. 1813 trennte sich Georg Adolfs
Vater von seiner Frau und
lebte von diesem Zeitpunkt an mit der Mutter
seines Sohnes zusammen. Der Junge wurde nach Güstrow geholt, wo er bis
1819 das
Gymnasium besuchte und zusätzlich
Privatunterricht bekam. Früh entwickelte er Interesse an der Bautechnik,
das von seinem Vater
gefördert wurde. Mit 14 Jahren zeichnete er
seinen ersten Bauplan für ein Haus. Anschließend studierte er an der
Bauakademie in Berlin,
wo er Schüler Karl Friedrich Schinkels und
Friedrich Gottlieb Schadows war. Wegen seiner Mitgliedschaft in der
geheimen Burschenschaft
Arminia wurde er 1823 von der Hochschule
verwiesen und fand eine Anstellung als Feldmesser in Potsdam. Nicht
zuletzt wegen der
Fürsprache Schinkels wurde Demmler 1824 in
den mecklenburgischen Staatsdienst aufgenommen, zunächst ohne festes
Gehalt und
als Gehilfe des Oberlandesbaumeisters
Wünsch. 1825 entging er der Einberufung zum Militär mit Hilfe eines
Stellvertreters.
In mecklenburgischen Diensten wirkte Demmler
vor allem in der Landeshauptstadt Schwerin. Ab 1830 war Demmler zudem
Lehrer an einer
von Freimaurern betriebenen Schweriner
Sonntagsschule und unterrichtete dort unentgeltlich Handwerkerlehrlinge.
1832 erfolgte die Ernennung
zum Baumeister. Da seine Eltern im gleichen
Jahr kurz nacheinander starben und ihm ein großes Vermögen hinterließen,
unternahm Demmler
in diesem und dem folgenden Jahr mehrere
Kunstreisen durch deutsche Städte, unter anderem Frankfurt am Main,
Heidelberg und München.
1833 heiratete er Henriette Zickermann, die
Tochter eines Schweriner Kriegsrats. Die Ehe blieb nach zwei
Fehlgeburten kinderlos.
1835 wurde Demmler zum Landesbaumeister.
1837 trat Großherzog Paul Friedrich die Regierung an. Er förderte den
Architekten, der seine
ambitionierten Ausbaupläne für Schwerin
umsetzen sollte, und ernannte ihn noch im gleichen Jahr zum
Hofbaumeister und 1841, im letzten
Jahr seiner nur fünfjährigen Herrschaft, zum
Hofbaurat. Unter den Hofbeamten stieß der aus einfachen Verhältnissen
stammende Demmler
auf Missgunst, zumal der Baumeister direkten
Zugang zum Fürsten und dessen persönliches Vertrauen hatte.
Während seiner Dienstzeit entwarf Demmler
die Pläne für sämtliche öffentliche und herrschaftliche Gebäude in
Schwerin. Das erste größere
Projekt in mecklenburgischen Diensten war
1824 das Kollegienhaus, das als Sitz der Regierung des Fürstentums
diente. Glanzpunkte seines Wirken sind der 1845 begonnene Umbau des
Schlosses und das Arsenal am Pfaffenteich, der Marstall (1838 bis 1843),
das 1882 zerstörte
Theater (1836), die Rathausfassade im
Tudorstil (1834/35), das Hotel du Nord, den Stadtwall mit den
klassizistischen Torhäusern und sein
eigenes Wohnhaus, das Demmlers Vorliebe für
Rundbögen und Turmaufbauten deutlich zeigt. Auf dem Gelände rund um den
Pfaffenteich
betätigte er sich in seiner zweiten
Schaffensphase in den 1860er Jahren auch als Landschaftsplaner und schuf
eine Parkanlage. Um das
Arsenal am Westufer des Teichs wurde die
Paulsstadt als neuer Stadtteil angelegt. Das Wirken beschränkte sich
nicht allein auf repräsentative
Bauten, sondern umfasste auch die Schweriner
Infrastruktur. So sorgte Georg Adolf Demmler für eine bessere Anbindung
der ungeplant
entstandenen Vorstadt an den alten
Stadtkern. Dieses Bauprogramm fügte sich in die Pläne Paul Friedrichs
ein, der die Residenz von
Ludwigslust zurück nach Schwerin verlegte.
Auch Bauwerke in anderen Städten Mecklenburgs beruhen auf Demmlers
Plänen, beispielsweise
das Ernst Barlach-Theater in Güstrow. Beim
Umbau des Schlosses galt es für Demmler vor allem, das auf einer Insel
gelegene
Gebäudeensemble, das bis zur Verlegung der
Residenz 80 Jahre lang keine dauerhafte Fürstenwohnung mehr gewesen war,
entsprechend
den Erfordernissen und Vorstellungen seiner
Zeit umzugestalten. Vor allem musste er die nach und nach entstandene
Ansammlung
verschiedener Stilrichtungen zu einem
einheitlichen Ganzen umformen. Nach einer Studienreise entschied er sich
für das französische
Loire-Schloss Chambord als Vorbild.
Gemeinsam mit seinem Gehilfen Hermann Willebrand, der auch die
unmittelbare Bauleitung übernahm
und bis zur Fertigstellung 1857 inne hatte,
zeichnete er die Entwürfe. Ältere Gebäudeteile wurden abgerissen. Die
vorhandenen Elemente aus
dem 16. und 17. Jahrhundert bezog Demmler
aber bewusst in sein neues Werk ein. 1843 begannen die Arbeiten, an der
zeitweilig bis zu 800
Menschen beteiligt waren. 1847 war mit dem
Hauptturm an der Seeseite der erste größere Bauabschnitt vollendet.
1826 war Demmler in die Schweriner
Freimaurerloge Harpokrates zur Morgenröthe eingetreten, die
liberales Gedankengut pflegte.
Bereits vor der Revolution von 1848
engagierte er sich sozial. Er setzte sich vor allem für gerechte Löhne
und die soziale Krankheits- und
Unfall-Absicherung für Arbeiter und
Handwerker ein und begann, obwohl selbst eher ein Liberaler, mit der
Arbeiterbewegung zu sympathisieren.
Für "seine" Schlossarbeiter richtete er
einen Fonds für Kranken- und Unfallgeld ein. Außerdem entwarf er Systeme
für sozial gestaffelte
Lohnzuzahlungen. 1864 wurde auf seine
Initiative eine Baugewerkeschule gegründet. Demmler war einer der
Autoren des fünfbändigen
Werks "Mecklenburg. Ein Jahrbuch für alle
Stände", das von 1844 bis 1848 erschien und mehrfach von der Zensur
verboten wurde.
1845 wurde Demmler in den Schweriner
Bürgerausschuss gewählt. Ab diesem Zeitpunkt gehörte er außerdem bis
1849 dem Reformverein
der Stadt an. Er setzte sich vor allem für
die Pressefreiheit, eine Reform der Kommunalgesetze und für eine
Verfassungsreform für ganz
Mecklenburg ein. 1849 trat er sich massiv
gegen den Freienwalder Schiedsspruch ein, der die neue Verfassung von
1849 aufheben und das
alte ständische Grundgesetz wieder einführen
sollte. Er forderte als bürgerlichen Gremien und Vertretungen auf, dem
Schiedsspruch nicht
zuzustimmen. Insbesondere aus diesem Grund
wurde er 1851 von der neuen, vom Fürst eingesetzten Regierung wegen
angeblicher Illoyalität
unter Druck gesetzt. Er reichte darauf seine
Kündigung ein, wurde ohne Pension entlassen und musste auch den
Bürgerausschuss verlassen.
Demmlers persönliches Verhältnis zur
Fürstenfamilie um den neuen Großherzog Friedrich Franz II. blieb aber
gut. Auf die Pension war er
dank des elterlichen Erbes nicht angewiesen.
Der Schlossbau wurden von Friedrich August Stüler vollendet, der jedoch
zahlreiche Änderungen
einbaute. Demmler wurde in den folgenden
Jahren deutschland- und europaweit politisch aktiv und nahm an
zahlreichen Kongressen der sich
formierenden Arbeiter- und
Gewerkschaftsbewegung teil. Nach längeren Reisen durch Europa, unter
anderem nach England, Schottland,
Frankreich, Italien und in die Schweiz,
kehrte er 1857 nach Schwerin zurück, wo er wieder Mitglied des
Bürgerausschusses wurde.
1859 war er einer der Gründer des Deutschen
Nationalvereins in Frankfurt. Zwei Jahre später wählte ihn der
Mecklenburgische Gewerbeverein
zum Vorsitzenden. Allerdings blieb er auch
als Architekt aktiv: Er brachte die Anlegung des Neuen Friedhofs (heute
Alter Friedhof) voran,
der 1864 eröffnet wurde und legte 1863 dem
Magistrat der Stadt einen "Erweiterungs- und Verschönerungsplan der
Residenzstadt Schwerin"
vor, der eine Ausweitung der Stadt nach
Süden und Osten und vor allem die Veränderungen rund um den Pfaffenteich
vorsah. Darüber hinaus
gehörte Demmler zu den Gründern der
Friedens- und Freiheitsliga in Genf und der Deutschen Volkspartei
(Stuttgart, 1868). Gegen die
Gründung des Norddeutschen Bundes opponierte
Demmler zunächst, weil Mecklenburg einen Teil seiner Souveränität
abgeben musste.
Nach der Reichsgründung wurde er jedoch in
den neuen Strukturen politisch aktiv: Für die Deutsche Volkspartei
kandidierte er 1873 und
1874 bei der Wahl zum Reichstag, 1876 und
1877 erneut für die Sozialistische Arbeiterpartei. Die letzte Kandidatur
war erfolgreich.
Demmler wurde für die Sozialdemokraten im
Leipziger Landkreis in den Reichstag gewählt, verzichtete aber
angesichts der
Sozialistengesetze 1878 auf eine Wiederwahl
und zog sich ins Privatleben zurück. 1880 unternahm er einen
Italienreise mit seiner Nichte
Elisabeth Mau. Auf dem Alten Friedhof
in Schwerin wurde Demmler in seiner Grabkapelle beigesetzt, in der auch
seine 1862 verstorbene
Frau beerdigt worden war. In der Grabkapelle
verewigte Demmler wichtige freimaurerische Symbole und
Architektur-Stile. Der Eingang zur
Kapelle wird in Anlehnung an den Tempel
Salomons von zwei Säulen eingefasst, was durch die darüber liegende
Namensgebung
hervorgehoben wird. In seinem Testament war
verfügt worden, dass in jedem Jahr jeweils 1000 Mark aus seiner
Familienstiftung an alte und
kranke Schweriner Maurer und Zimmerleute
ausgezahlt werden sollten. Wegen Rechtsstreitigkeiten wurde dieser
Wunsch jedoch nie erfüllt.
(Quelle:
www.wikipedia.de)
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Die neuen
Architekten
am
mecklenburgischen
Hofe in Schwerin:

Georg Adolf
Demmler

Hermann
Willebrand
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Regent, Regierungssitz, Badearzt,
Baumeister und Baustil - der Wechsel ergreift Mecklenburg und erreicht
Heiligendamm.
Bis 1830 hatten viele weitere Bäder direkt
am Meer eröffnet und fast überall konnte man auch direkt am Meer Logis
finden. Am Heiligen Damm war das noch nicht der
Fall und der Großherzog beauftragte Severin,
sich deshalb etwas einfallen zu lassen. Bisher hatte er gern selbst sehr
genaue Vorstellungen vorgetragen oder Professor
Vogel trug den Baumeistern seine
Vorstellungen vor. Inzwischen vergreiste diese Generation und so kam es
nicht von heute auf morgen zum Baubeginn. Ob und was
Severin überhaupt am Heiligen Damm nach 1830
plante, ist nicht bekannt. Er starb jedenfalls 1836, ohne am Heiligen
Damm noch einmal etwas selbst errichtet zu
haben. Ihm folgten der Hofmedicus Professor
Vogel am 19.01. 1837 und der Großherzog Friedrich Franz I am
01.02.1837. Die Gründergeneration war innerhalb
eines Jahres ausgelöscht.
Und das waren ihre Nachfolger:
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Paul Friedrich,
37 Jahre alt, Großherzog von Mecklenburg-Schwerin in der Eigenschaft
als Regent und
Bauherr. |
Georg Adolf Demmler, 33
Jahre alt, Architekt und Hofbaumeister mit gutem Verhältnis zum
Großherzog und sein Assistent, Herrmann Willebrand, 21 Jahre alt. |
Adolf Kortüm, 27 Jahre,
Badearzt.
Leider gibt es
kein Bild von ihm,
weshalb Sie hier
die Baderegeln sehen. |
Um es vorweg zu nehmen: Der Badearzt hatte nicht das
Charisma eines Gottlieb Samuel Vogel und mischte sich daher nicht in die
Planungen des Baumeisters
und des Großherzogs ein. Großherzog Paul
Friedrich war der Enkel von Friedrich Franz I. Sein Vater war Friedrich
Ludwig von Mecklenburg - Sie erinnern sich:
der im Erbprinz. Friedrich Ludwig starb
schon 1819 und so wurde rechtmäßig sein Sohn der Thronfolger. Dieser
Paul Friedrich nun war voller Tatendrang. Er war
mit der lebensfrohen blühenden Friederike
Wilhelmine Alexandrine Marie Helene Prinzessin von Preußen (bekannt als
Alexandrine von Preußen) verheiratet und
hegte durch das frühe Ableben seines Vaters
die Geschichte seiner Ahnen. Seit 70 Jahren war Ludwigslust die
Residenzstaat des Großherzogtums und nun
wollte er diese wieder nach Schwerin
verlegen. Das Schloss war ihm zu klein und auch nicht mehr repräsentativ
genug und so beauftragte er Demmler mit dem
Bau eines neuen Schlosses in Schwerin.
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Aber auch am Heiligen Damm tat sich wieder etwas.
Doberan interessierte Paul Friedrich nicht weiter. Er nutzte die
vorhandenen Gebäude seines Großvaters
aber er wollte die Logis direkt an den Heiligen Damm verlegen.
Er beauftragte Demmler damit, das Badehaus
zu einem Logierhaus zu machen und trug ihm seine Vorstellungen vor.
Diese passten natürlich nicht in den kleinen Backsteinbau. Den aber
abzureißen und völlig neu zu bauen, war teuer.
Also entfernte Demmler das Dach und entkernte das Gebäude und ließ um
das entkernte Badehaus herum einen
dreistöckigen Neubau errichten. Man kann also eigentlich nicht von einer
Aufstockung reden. Was blieb, waren
das Parterre und die geschwungene Flügeltreppe.
Das Badehaus hatte nun drei Achsen von je 4
Fensterachsen Breite und je drei Fensterachsen Höhe.
Die Fenster waren alle gleich groß. Zur
Seeseite und zur Parkseite hin hatte das Haus drei Fensterachsen, von
denen
die Mittelachse breiter war, als die beiden
Außenachsen. Das Gebäude verfügte über ein Flachdach, das mit einem
grazilen Eisengestell gerahmt
war und in der Mitte des Daches setzte Demmler zur Betonung der
Symmetrie des
Hauses einen einstöckigen Turm mit je drei
Fenstern pro Wand auf.
Dieser Aufbau diente zugleich als Zugang
zum Dach und das Eisengeflecht hatte die Funktion eines Absturzschutzes.
Demmler passte das Logierhaus - wie es sich nun nannte - farblich dem Kurhaus an und hielt es
sandsteinfarben.
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Das Ensemble um 1820.
Dieselbe Ansicht 20 Jahre später.
Die Schornsteine sind ein Irrtum des
Zeichners. |
Der Großherzog ließ zwar dieses Logierhaus bauen aber das
sollte weniger für den Hof selbst sein, als eigentlich für die Gäste des
Hofes. Er wusste nur zu gut,
dass die fröhliche Alexandrine sich in einem
kleineren Rahmen mit tieferen Beziehungen wohler fühlte als in einem
großen und oberflächlichen Beziehungskreis.
Darum beauftragte er Demmler mit dem Bau
einer kleinen Villa extra für die Großherzogin. Es sollte ein Geschenk
sein. Demmler und Willebrand konstruierten
eine Villa, welche sich auf dem Damm (also
auf der Steilküste) befinden und streng auf das Meer ausgerichtet sein
sollte. Den beiden Architekten ist bewusst,
dass für Heiligendamm eine neue Zeit beginnt und mit dieser neuen Zeit kommt es auch zu einem
neuen Stil.
Stilbruch in Heiligendamm - Vom Klassizismus zum
Historismus.
Wie kam es nun zum Stilbruch ab 1839? Nun, das Zeitalter
der Romantik hatte Mecklenburg erreich. Wie immer fast 50 Jahre später
aber immerhin überhaupt.
Mit der Aufklärung kam die Abkehr vom
Absolutismus, von strengen Normen und von monumentaler Architektur.
Haydn komponierte seine "Vier Jahreszeiten",
Milton schrieb vom verlorenen Paradies und
aus England kam die Idee der Englischen Gärten mit ihren gewundenen Wegen, Rondellen, Sichtachsen und
Baumgruppen nach Mecklenburg. Peter Joseph Lenné war
Landschaftsarchitekt des Großherzogs und mit ihm kamen in Mecklenburg
die großen Gartenanlagen,
in denen der Adel auch gern das eine oder
andere Haus errichten ließ. Das erste Anzeichen dieses Stilbruchs kam in
Heiligendamm durch den Bau des Cottages
für die Großherzogin zu Tage.
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Ein
zum Meer gerichtetes Haus mit einem achteckigen Turm mit geschweiften
Helmen, den Rundbogenfenstern
und einer harmonischen Asymmetrie stellt das Alexandrinencottage dar. Statt auf symmetrische Perfektion setzte
Demmler auf rhythmische Gliederung und
dennoch bewies er mit dem Cottage ein barockes Verständnis, indem er
es und fast jedes Zimmer in ihm auf das Meer
ausrichtete.
Das Haus mit seiner geschwungenen und
verspielten Form spiegelte exakt den Lebensstil der
Großherzogin
Alexandrine wieder und das war die entscheidende Wende
im Stil Heiligendamms. Statt monumentaler Bauwerke
nach antiken und klassizistischen Vorbild
kamen nun Häuser, die den Stil ihrer Bewohner betonten.
Nach der Großherzogin bekam auch die Gattin
des Großherzogs, Marie von Schwarzburg-Rudolstadt (1850-1922)
ihr eigenes Cottage. Dieses entstand etwas
südöstlich des herzoglich-mütterlichen Cottages und sollte zunächst
nach den Plänen Willebrands auch zwei Türme
haben. Damit wäre das Haus aber zu gewaltig
geworden.
Also entschied sich Demmler, statt zweier Türme einen
rhythmisch gegliederten hochgezogenen Erker mit Rundbogenfenstern zu
verwenden. Diese ungleiche Gliederung der beiden Cottages lassen sie
größer erscheinen,
als sie es tatsächlich sind.
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Alexandrinen-Cottage |
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Neben diesem Cottage baute er ein weiteres
Cottage, das Kronen-Cottage.
Hierbei handelte es sich um ein
zweistöckiges Haus mit zwei Trakten, die eine mittige Terrasse mit Veranda
gegrenzten. Das Kronen-Cottage wurde
als Gästehaus für Besucher der Herzoglichen Familie errichtet und
blieb den höheren Kreisen des Adels
vorbehalten. Die wichtigsten Gäste dürften hier die Familienmitglieder
der preußischen königlichen Familie, der ja
Alexandrine von Preußen entstammt, gewesen sein.
Hier kommt z.B. der preußische Kronprinz
Friedrich Willhelm IV in Frage, der 1840 König von Preußen wurde.
Er hatte gute Kontakte zum mecklenburgischen
Hof und bediente sich auch des Baumeisters Stüler und des
Landschaftsarchitekten Lenné,
die ja bekanntlich beide im Dienste Paul Friedrichs arbeiteten.
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Kronen-Cottage |
Stüler baute im Auftrag des Königs auch die
Orangerie in Potsdam und wenn man den Stil dieser und anderer vom
König beauftragten und von Stüler geplanten
Bauten mit dem des Kronen-Cottages
vergleicht, spricht doch sehr viel dafür, dass Paul Friedrich hier für
seinen Schwiegervater ein Sommerhaus errichten ließ.
Er war durchaus angetan von seinem
Schwiegervater. Friedrich Willheim IV - auch der "Romantiker
auf dem Thron" genannt - gehörte übrigens zum Hause der Hohenzollern.
Womit wir beim nächsten Bau wären, den Paul
Friedrich in Auftrag gab.
Wer hat sich diese Frage noch nicht gestellt:
Was macht eine Burg am Ostseestrand?
Interessant ist, dass ich noch kein Buch gefunden habe,
das mir diese Frage beantwortet. Also habe ich in der Wikipedia
recherchiert und als ich gerade nach
dem möglichen Bewohner des Kronen-Cottages suchte, fand ich eine Antwort, die ich nicht nur als
möglich, sondern als zu 99% richtig ansehen würde. Warum?
Schauen Sie selbst:
Großherzog Paul Friedrich verstand sich gut mit seinem
Schwiegervater und Großherzogin Alexandrine mochte ihren Vater sehr,
sodass es zu einem regen
Besuchsverkehr zwischen den beiden Familien
kam. Der Großherzog lud den König in seine Sommerresidenz an die Ostsee
ein und der König tat es ihm gleich
und lud ihn in seine Sommerresidenz in den
Bergen ein. Diese steht in den Bergen von Koblenz und heißt "Schloss
Stolzenfels". Das Schloss wurde schon im
16. Jahrhundert von den Hohenzollern gebaut
und als letzter um 1840 werkelte Stüler an ihr herum. Und nun treten wir
den Vergleich an:
Links das Schloss Stolzenfels und rechts die
Burg Hohenzollern in Heiligendamm:
Die Ähnlichkeit dieser beiden Bauwerke ist frappierend.
Paul Friedrich war begeistert von der schwiegerväterlichen
Sommerresidenz und er beauftragte seinen
Baumeister Demmler mit dem Bau einer Burg im
neogotischen Stil am Heiligen Damm. Dabei mag er eher an einen Bau in
die Steilküste hinein gedacht haben
aber das wäre zu schwierig gewesen. Demmler
hatte in Schwerin alle Hände voll damit zu tun, dem Großherzog erst
einmal seinen Wunsch nach einem neuen
Schloss zu erfüllen. 1841 begann er in
Schwerin mit dem Bau dieses Schlosses und so musste die Burg am Heiligen
Damm erst einmal warten.
Dennoch skizzierte sein Assistent Hermann
Willebrand schon einmal ein paar Ansichten der Burg.
1842 geschah jedoch das Unerwartete:
Großherzog Paul Friedrich starb im Alter von 42 Jahren.
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Sein Nachfolger wurde planmäßig sein Sohn Friedrich Franz
II im zarten Alter von 19 Jahren.
Auf dem Bild sieht er nicht mehr so zart aus
aber in der Ausstellung von Frank Mohr findet sich noch ein Bild aus
jungen Jahren.
Friedrich Franz II ließ zuerst den begonnenen
Schlossneubau in Schwerin beenden und die vorhandenen Mauern wieder
abbrechen.
Er wollte das vorhandene Schloss auf der Schlossinsel
einfach wieder repräsentativ machen und beauftragte deshalb Demmler mit
der
Planung. Nun hatte Demmler sich aber nicht umsonst zuvor
für einen Neubau eingesetzt, denn das Schloss auf der Schlossinsel war
schlecht umzubauen. Ein Abriss mit Neubau wäre einfacher
gewesen. Doch der junge Herzog war zielstrebig und forderte Pläne an.
Demmler legte mehrere Pläne vor, die er zusammen mit
Willebrand ausgearbeitet hatte aber nichts davon konnte den Großherzog
begeistern. Dieser ließ sich darauf hin von Stüler und
sogar von Semper Entwürfe vorlegen aber auch diese gefielen ihm nicht.
Wieder
musste Demmler an die Arbeit und dieser ließ die Pläne
Stülers und Sempers in einen neuen Entwurf einfließen, der prompt wieder
abgelehnt wurde. Ganz nebenbei sollte sich Demmler auch
noch um den Bau der Burg am Heiligen Damm kümmern, denn wenigstens
die fand die Zustimmung des Großherzogs. Dafür hatte
Demmler aber kaum Zeit, denn nach den vielen Ablehnungen nahm er sich
seinen Assistenten Hillebrand, fuhr nach Frankreich und
zeichnete dort gemeinsam mit ihm Entwürfe unter dem Eindruck der Loire-
Schlösser. Zurück in Schwerin hatten die
beiden nun endlich einen Entwurf, der dem Großherzog gefiel. Und den
Auftrag, sogleich
mit der Arbeit zu beginnen. 1843 ging es
dann mit dem Abbruch der nicht mehr benötigten Teile des Schlosses los
und bis zu 800
Arbeiter mussten schwere Bedingungen beim Umbau des
Schlosses hinnehmen. Demmler setzte sich für eine gerechte Belohnung
der Arbeiter und für die Gründung von Unfall- und
Krankenkassen ein. 1845 fand er dann endlich Zeit für die Burg am
Heiligen Damm
und ließ die Arbeitsleute mit dem Bau beginnen. Dazu
musste zunächst das Armenkrankenhaus weichen. Drei Jahre später stand
die Burg und ein Jahr danach war sie
bezugsfertig. 10 Familien und 15 Einzelpersonen fanden in ihr Platz und
der Großherzog hatte
den Traum seines Vaters wahr gemacht. Das macht ihn in einigen Büchern
irrtümlicherweise zum Auftraggeber des Burgen-Baus.
Demmlers Traum allerdings neigte sich dem Ende entgegen.
Er engagierte sich 1848/49 in der bürgerlich-demokratischen Bewegung
und setzte damit seine Karriere auf das
Spiel. Sein letzter Auftrag am Heiligen Damm kam vom Großherzog
Friedrich Franz II und
beinhaltete den Bau eines Sommerhauses für
die Prinzessin von Reuß, eine Verwandte seiner 28jährigen Freundin
Auguste Reuß
zu Schleiz-Köstritz. Dieses Bauwerk entstand
unter Beteiligung seines Assistenten Willebrand und unter Einfluss von
Stüler und hatte
deshalb nicht den üblichen klassizistischen
Stil, sondern wurde im Stil der Neorenaissance gebaut. Hier scheiden
sich die Geister,
denn eigentlich entspricht das Haus eher dem
Nachjugendstil. Der aber setzte in Deutschland erst nach 1890 ein und
Mecklenburg
ist nicht gerade dafür bekannt, der Welt
irgendwo voraus zu sein. Von einigen Erfindungen und Geistesblitzen mal abgesehen.
Demmlers Arbeit endet mit der Fertigstellung des
Prinzessin-Reuß-Palais. Er wurde 1851 aus dem Staatsdienst entlassen.
Damit erhielt er dann auch keine
öffentlichen Aufträge mehr. Private Aufträge führte er weiterhin aus und
er beteiligte sich auch an
Planungen. Vieles wurde aber nicht mehr zu
seinen Lebzeiten umgesetzt. Sein Nachfolger am Hofe wird nun der schon
bekannte
Friedrich August Stüler. Der hatte gerade
ein Jahr zuvor im Auftrag Friedrich Willhelm IV mit Umbauten an der Burg
Hohenzollern
in Bissingen begonnen. In Schwerin vollendete er den von Demmler geplanten
Schlossumbau.
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Großherzog Friedrich Franz II
Friedrich August Stüler
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Zwei Herrscher - ein
Stil. Wie es zur Perlenkette kam.
Am Heiligen Damm wurde mit der
Hohenzollernburg das fehlende romantische Element eingefügt.
Wenngleich es sicherlich nicht das Ziel der
Baumeister war, möglichst alle Baustile in einem Ort zu vereinigen.
Heiligendamm ist viel mehr lebendige Architekturgeschichte. Vom Barock
ging es zum Klassizismus, von dort zur Neorenaissance, zur Romantik und
nun im vorerst
letzten Bauabschnitt ging man parallel mit der Geschichte zum
Historismus über. In Berlin baute Martin Carl Philipp Gropius
(1828-1880) im Auftrag des Königs
Universitäten, Konzerthäuser, Kliniken und andere
repräsentative Bauten und im ganzen Reich wuchsen die Städte im Stil eben dieses Historismus.
Stüler hatte zwar bei Schinkel gelernt aber seine
Aufträge bestanden bisher mehr aus Großssb/archn. Schlösser, Burgen,
Kirchen und Repräsentationsbauten
gehörten zu seinem Repertoire und diese
orientierten sich an der Romantik und um genau zu sein an der
Neo-Renaissance.
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Hinzu kommt der Auftrag selbst:
Hier sollte es nicht mehr um Logierhäuser
für jeweils eine Familie gehen aber es
sollte auch kein Hotel sein. Der Großherzog
hatte ein klares Ziel und das bestand
darin, das Bad konkurrenzfähig und
profitabel zu machen. Ein Villenviertel war
wegen des beschränkten zur Verfügung
stehenden Raumes nicht realisierbar und
ein Hotel hatte das Ensemble schon in Form
der Hohenzollernburg. Also entschied
sich der Großherzog für Mietshäuser mit je
vier Wohnungen. Fünf solcher Häuser
ergeben 20 Wohnungen und zwischen dieser
Villenreihe sollte eine zweite Restauration entstehen. Die Häuser
dienten nun nicht mehr fürstlichen Zwecken und
daher sollten sie möglichst preisgünstig und
mit einfacheren Mitteln errichtet werden.
Der Unterschied wird heute beim Vergleich
mit den westlichen Cottages deutlich.
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Perlenkette um 1880. |
Der dritte Aspekt ist der Herzog selbst: Friedrich Franz
II galt als moderner Mann, der nicht umsonst bei seinen Untertanen sehr
beliebt war. Er war jung und
dynamisch und begeisterte sich für alles
Neue. Auch wenn es alt aussah, wie der neue Baustil, der aus kahlen
Kästen schmucke Bauwerke mit historischem
Aussehen machte. Wie schon sein Vater
pflegte Friedrich Franz II den Kontakt zum preußischen König Friedrich
Willhelm IV, der auch der "Künstler auf dem Thron"
genannt wurde. Der Einfluss Friedrich
Willhelm IV auf die ssb/arch seines Neffen ist unübersehbar, denn mit
der Perlenkette ist ein Stück Berliner Architektur an den
Heiligen Damm gekommen. So verwundert es nicht, dass der Stüler - ein Schüler von
Schinkel nun statt klassizistischer Bauwerke historistische Bauwerke aus
dem
Boden stampfte. Das erste davon am Heiligen
Damm war das Neue Logierhaus. Er baute dieses Haus gegenüber des
Logierhauses (Mecklenburg) und richtete die
Westfront so aus, dass man am Logierhaus
vorbei schauen konnte und die Südfront so, dass man am Badehaus
(Kurhaus) vorbei sehen konnte.
Das Gebäude war das erste im Stil des
Historismus am Heiligen Damm.
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Es
war ein einfacher Kubus von zwei Geschossen Höhe. In der Mitte befand
sich seeseitig ein dreigeschossiger
Turm mit drei Fensterfronten und von ihm
gingen zwei Fensterachsen nach links und vier nach rechts aus. Die
beiden
linken und die beiden linken der vier
rechten Fenster waren auf beiden Etagen mit Balkonen versehen und das
Haus
war mit einem flachen Walmdach eingedeckt.
Die oberen drei Fenster des Turmes waren mit Rundbögen versehen,
während die anderen eckig waren. Das Haus
war im Prinzip ein Kubus mit Aufbau und Verzierungen.
Und genau das macht den Stil des Historismus
aus. Zeitgleich entstand auch östlich neben dem Neuen Logierhaus
ein weiteres Logierhaus. Dieses war ebenfalls ein Kubus
mit Anbauten. Hier wurde ein einachsiger Mittelrisalit mit
Dreiecksgiebel verwendet, der zweigeschossig und mit
Rundbogenfenstern versehen war und über die von Demmler
so gemochten vier schlitzartigen Rundbogenfensterchen im
Giebel verfügte. Vom Risaliten gingen jeweils zwei
Fensterachsen nach links und rechts aus, die auf
beiden Etagen Rundbogenfenster- und türen und angebaute Balkone
hatten. Auf der rechten Seite wurde das Haus mit einem Seitenrisaliten gegliedert, der wiederum seeseitig über zwei
Fensterachsen mit je einem Rundbogenfenster pro Geschoss verfügte und an
dem westseitig ein zweigeschossiger
Erker mit drei Achsen zu je zwei Rundbogenfenstern angebaut war. Auch hier war Stüler
der Architekt, wenngleich
sich ein gewisser Herr Stern daran
beteiligte. Nach Abschluss der Bauarbeiten 1855 an den Häusern 1 und 2,
wie sie damals hießen, wurde mit dem Bau an den Häusern 4 und 5 - heute Möwe und Seestern - begonnen.
Bei der Möwe griff der Architekt - Stüler arbeitete mit Willebrand, Ratshagg
und Stern zusammen, sodass man
nicht sagen kann, wer was einfließen ließ -
auf einen in den Alpen typischen Stil zurück.
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Die Villen "Greif" und "Perle" um 1880.
Die Perlenkette um 1890. |
Das kam nicht von ungefähr. Am 20.10.1849
hatte nämlich die Tochter der Großherzogin Alexandrine, also die
Schwester von Friedrich Franz II - Luise Marie Helene -
geheiratet. Und zwar den Fürsten Hugo Fürst zu Windisch-Graetz.
Windisch-Graetz lag in Böhmen im Alpenland und so bekam die "Möwe" auch
ein alpenländisches
Antlitz. Typisch für die Alpen ist ein
verbundenes Doppelhaus mit aufwändiger Schnitzerei, Fachwerk und
filigranen Balkonen. Genau das bekam die Möwe und dazu
zwei Türme zur Park-Seite hin. Da man den Gesamteindruck der
Villenreihe nicht durch einen Fachwerkbau unterbrechen wollte,
beschränkte man sich beim Fachwerk
auf die Oberteile der
beiden Türme und gestaltete das Doppelhaus im historistischen Stil. Die
Häuser waren beide zweigeschossig mit jeweils drei balkonverzierten
Mittelachsen und jeweils einer Fensterachse
rechts und links neben der zweigeschossigen Balkonkonstruktion. Im Osten
und Westen hatte das Doppelhaus je
eine Achse in der Mitte der Wand zwischen
Turmansatz und Wandecke, in der unten eine Tür und oben ein Fenster
verbaut wurden. Der durch die Turmvorsprünge
entstandene Freiraum wurde nach Osten und
Westen durch Balkone ausgefüllt. Nach Süden hatte das Haus seinen
repräsentativen Eingang mit großer Rundbogentür.
Die Türme waren dreigeschossig und mit einem
Walmdach in flacher Pyramidenform eingedeckt und mit jeweils zwei
Fenstern nach Osten, Süden und Westen.
Die Verbindung der beiden Häuser hatte zwei
Fenster nach Norden und ein kleines nach Süden. Das Obergeschoss des
Verbindungsteils hatte ein Ziegeldach. und die beiden Hausteile waren
mit einem Spitzdach eingedeckt.
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Nun folgte zunächst der Umbau des Kurhauses,
der den gestiegenen Platzbedürfnissen
geschuldet war. Das Kurhaus wurde im Südteil
aufgestockt und erhielt im Westteil einen Anbau.
Der Innenhof verschwand zu Gunsten von neuen
Gesellschafts- und Wirtschaftsräumen und die Wohnung
des Bademeisters wurde vom Logierhaus in das
Kurhaus verlegt. Die frei gewordenen Räume im Logierhaus
wurden umfunktioniert.
Die Seefront des Kurhauses wurde optisch
aufgewertet und als Resultat war das Kurhaus nach dem
Bauende ein Kubus in jetzt durchgehend
gleicher Höhe, der nur im Süden durch zwei Flügel unterbrochen wird.
Im Inneren gab es nun zwei Säle, von denen
einer größer war und es gab neue Räume zum Wohnen,
Amüsieren und Wirtschaften. Um das Kurhaus
von der Seeseite sichtbar zu machen, wurde das
Belvedere abgerissen. Auch die Schornsteine
und die Wirtschaftsgebäude wurden teilweise abgerissen.
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Das Kurhaus um 1820 |
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Zeitgleich mit dem Kurhausumbau wurde auch
daneben mit dem Bau des "Seestern" begonnen. Diese Villa war
etwas einfacher in seiner Ausführung und
bestand aus einem hervor stehenden nach Norden und Süden ausgerichteten
eingedeckten Haupttrakt mit drei Geschossen
und nach rechts und links zweigeschossigen und einachsigen Anbauten.
Der Hauptteil hatte zwei Fensterachsen, in
denen im Erdgeschoss ein Rundbogenfenster und eine Tür mit Rundbogen,
im Obergeschoss zwei Rundbogenfenster und im
Dachgeschoss drei eckige Fenster verbaut waren. Die Fenster in
den beiden Nebenbereichen größer und auch
mit Rundbögen versehen. An der Westseite hatte das Gebäude einen
abgesetzten zweigeschossigen Anbau mit je
drei Fensterachsen und einem großen Balkon. An der Westseite hatte
das Haus im Erdgeschoss links zwei
Rundbogenfenster, im Obergeschoss vier Rundbogenfenster und im
Spitzboden
zwei kleinere Rundbogenfenster. Im Süden war
das Haus vierfach nach Osten hin abgestuft und hatte in den beiden
westlichen Stufen jeweils eine Fensterachse
mit Rundbogenfenstern in beiden Etagen, bzw. im Erdgeschoss einer
Rundbogentür im Mittelteil und drei schmalen Rundbogenfenstern im Dachgeschoss. Im
dritten Teil hatte das Haus
beidgeschossig drei Fensterachsen und im
rechten und letzten abgestuften Teil keine Südfenster, da das Haus nach
Osten hin etwas in die Südrichtung
ausgerichtet wurde. Die tatsächliche Anzahl der Fenster kann abweichen,
da einige
Fenster nur Zierde gewesen sind.
Das nächste Gebäude in der Kette sollte ein
eingeschossiger Kubus mit aufgesetzten Halbrondell und Terrasse werden.
Dieses Gebäude sollte als zweite Restauration dienen und die erste
Restauration im Böllhäger Weg ergänzen.
Dr. Kortüm zeichnete die Restauration im
geplanten Maßstab ein. Das Gebäude wäre in etwa so groß geworden,
wie das Prinzessin-Reuß-Palais. Vor dem Bau
der Restauration sollte aber zuerst der Bau der restlichen Pensionen
abgeschlossen werden. So ging es dann weiter
mit dem Bau des Hauses "Anker".
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Die Villen "Bischofsstab" und "Anker" um
1860.
Die Villen "Hirsch" und "Schwan" um 1860. |
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1862
war die Villa "Schwan" fertig. Das zweigeschossige Gebäude war seeseitig
mit einer einheitlichen und parkseitig
mit einer abgesetzten Fassade versehen. Ein
Erker schmückte die Ostseite und ein weiterer die Nordwestecke.
Zur Seeseite hin hatte das Haus von links
nach rechts eine Fensterachse, drei Türachsen mit vorgebauter
Veranden-Balkon-Konstruktion, zwei zusammen
hängende und eine einzelne Fensterachse, neben der sich dann der
Erker eröffnete. Das flache Walmdach wurde
über dem Balkon mit einer Attika verziert. Das mit Rundbogenfenstern
versehene Haus wurde durch die Veranda an
der Seeseite und den Erker an der Nordwestseite über Treppen betreten.
Während die Villa "Schwan" den Stil
Martin Gropius deutlich in sich trug, fiel die Villa "Hirsch" aus der Reihe.
Dieses 1863 fertig gestellte Haus hatte einen dreiachsigen Mittelrisaliten,
der allein einen Drittel des Hauses ausmachte.
Im Erdgeschoss befand sich eine Veranda mit
zwei großen Rundbogentüren, im ersten Geschoss gab es einen reich
verzieren Balkon mit vier Rundbogenfenstern
und zwei Rundbogentüren hinter sechs Rundbögen. Die drei Achsen des
Dachgeschosses waren unterteilt und
beherbergten im linken und rechten Teil je ein eckiges und in der Mitte
zwei
Rundbogenfenster. Das flache Walmdach befand
sich hinter einer umlaufenden niedrigen Attika, an deren Eckpunkten
sich kleine Türmchen befanden.
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Das Ensemble von
der Seeseite aus um 1870 |
Obwohl alle Villen so heißen, trägt dieses
zusammen mit der "Möwe" die Bezeichnung "Schweizer Haus" zu Recht.
Damit war nun die Perlenkette - wie sie erst
sehr viel später benannt wurde - komplett. Die Villen hatten keine
Privatgrundstücke und waren rundum zu Fuß erreichbar.
Sie standen quasi mitten auf der Promenade
und bildeten damit den für die Bäderarchitektur typischen Flair.
Überhaupt floss sehr viel von der frühen Bäderarchitektur in
die Villen ein und Ähnlichkeiten finden sich
auch in den Kaiserbädern und in Kühlungsborn, Warnemünde, Graal Müritz
und Bad Doberan. Die Architektur war also nicht
so sehr die Besonderheit. Diese lag eher in
der Anordnung der Gebäude, denn statt der typischen Aneinanderreihung
entschied man sich am Heiligen Damm für eine
Bogenanordnung.
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Bis
1872 konzentrierte sich die Entwicklung am Heiligen Damm und in Doberan
auf die logistische Anbindung des
Seebades an den Ort Doberan als
Umschlagplatz. Man versuchte die infrastrukturelle Erschließung mittels einer
Dampfkalesche, was aber kläglich
scheiterte. 1867 traten Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz
dem
Deutschen Bund bei. Die politische Lage
veränderte sich und mit ihr auch die wirtschaftliche Lage.
Da im Deutschen Bund das Glücksspiel verboten war,
mussten die beiden Spielbanken in Doberan gegen
den Willen des Großherzogs schließen. Die
Folge war ein jährlicher Ausfall von 30.000 Taler. Jetzt musste
man handeln, denn nun galt es, die fehlenden
Mittel durch eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit und vor allem
der Besucherzahlen selbst aufzubringen. Der
Herzog bezahlte das Bad noch immer aus eigener Tasche und mit
der Umlage der Pachteinnahmen für die
Spielbanken war das für ihn auch kein Problem. Nun aber würde er auf
kurz
oder lang einen Geldrückgang in seiner
Schatulle verzeichnen, wenn er die 30.000 Taler nicht an anderer Stelle
wieder
erwirtschaftet kriegt. Und beliebig Steuern
erheben konnte er - zumal nun Mitglied des Deutschen Bundes - auch
nicht.
Es half also nur eine Erweiterung des Bades
für noch mehr Besucher. Und das musste auf kleinsten Raum
geschehen.
1870
kam dann erst einmal alles ganz anders. Eine schwere Sturmflut
überflutete die Promenade und zerstörte
das Herrenbad, das Damenbad, und das
Waschhaus und beschädigte das Haus des Schleusenwärters und große
Teile der Technik hinter dem Badehaus. Große
Sandmengen wurden bis an die Villen heran gespült und sehr viele
Bäume knickten ab. Alles was nicht massiv
errichtet worden war, fiel der Macht des Wassers zum Opfer.
Bei den Aufräumarbeiten verschwand dann der
Rest der Pumpenhäuser, Wasserspeicher, Heizhäuser und
Technikgebäude und das Badehaus (Mecklenburg) erhielt an
der Seeseite einen Anbau.
An Stelle der abgerissenen Gebäude entstand
ein Park nach englischen Vorbild mit Aussichtsplattform.
Allerdings fehlten die Mittel für einen
Wiederaufbau des Herren- und Frauenbades und somit büßte das
Bad an Attraktivität ein.
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Die Landungsbrücke vor und nach der
Sturmflut von 1870.
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Schlossbaupläne und zerplatzte Luftschlösser -
Heiligendamm wird verkauft.
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1872
legte das Berliner Architekturbüro Kayser & Großheim einen Entwurf vor,
der das Bad retten und profitabel machen
sollte. Dazu sollte es unter Verwendung
der bestehenden Gebäude - außer dem Salon -
zu einem schlossartigen Ensemble
mit drei Flügeln erweitert werden, hinter
das weitere Logierhäuser gelagert werden
sollten. Das Projekt war gigantisch und
hätte sicherlich zu einem enormen
Aufschwung beigetragen. Der Großherzog wurde
in die Planungen mit einbezogen
und sorgte dafür, dass die Cottages im
Westen bestehen und in den Plan integriert
werden. Die östlichen Villen liegen
außerhalb des Bildrandes und ihre Verwendung
im Dunkeln. Der Großherzog jedoch konnte
sich den Umbau nicht mehr leisten und
hatte auch nicht die Mittel, das Bad
wiederaufzubauen. Ihm blieb nur die
Privatisierung und die Hoffnung, dass
finanzstarke Investoren die Pläne umsetzen
würden. So verkaufte er das Bad für 500.000 Taler an eine
Aktiengesellschaft,
der der
Rittermeister a. D., Baron Otto von Kahlden auf Iden vorstand.
Die AG übernahm den Umbauentwurf nicht in
der ganzen Form, sondern errichtete
nur den im Entwurf geplanten Ostflügel neben
dem Salon. Dabei orientierten sich die
Planer am Haus "Mecklenburg", wie das
Badehaus inzwischen hieß.
Das neu errichtete Logierhaus hieß zunächst
"Neuer Flügel" und diente
wie die Burg als Hotel, weshalb es später den Namen "Grand
Hotel" bekam.
Die großherzogliche Familie behielt ihre
Cottages.
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Umbaupläne des Berliner Architekturbüros
Kayser & Großheim von 1872.
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Durch die Privatisierung erfolgten nun alle weiteren Bauten einem
weniger noblen Stil, da sie nicht mehr fürstlichen Zwecken dienten.
Eines dieser Gebäude ist die kleine Villa "Sporn", welche vermutlich von
einem General in Auftrag gegeben wurde. Wie alle Erstbebauungen entstand
dieses Haus am Waldrand. Die Seedeichstraße existierte noch nicht.
Diese Villa ist ein zweistöckiger klassizistischer Kubus ohne großartige
Verzierungen und erinnert eher an ein
Ferienhaus. Als dieses diente die Villa dann auch und leicht versetzt
entstand rechts daneben ein weiterer Kubus,
der aber durch einen Mittelrisaliten mit Dreieckgaube weniger merkwürdig
aussah. 1850 hatte General Hopfgarten
bereits am Waldrand beim Golfteich ein Wohnhaus im schweizerischen Stil
errichten lassen. Die beiden Häuser
wurden also daneben gesetzt und nicht wahllos in den Wald gebaut. Der
Wald sollte auch nicht bebaut werden,
sondern als Park erhalten bleiben. Lediglich eine Baufläche blieb
reserviert.
Auf dieser sollte später eine Kapelle errichtet werden.
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Hopfgartensches Haus um 1850.
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Wie die "Perle" zu ihrem Anbau kam.
Nun gab es also den englischen Garten mit den
großherzoglichen Villen im Westen, das Wohn- und Geschäftsviertel im
Osten und den gesellschaftlichen Mittelpunkt
in der Mitte des Ensembles. Östlich neben
dem Ensemble befanden sich die Sportstätten und westlich der Buchenwald
mit der Steilküste. Seeseitig waren alle
Bauflächen ausgeschöpft. Der Mittelpunkt
allerdings war architektonisch etwas misslungen. Die Westseite des Neuen
Logierhauses wies nur eine kahle Wand
auf und gerade auf diese Wand sah man von Westen, Nordwesten, Südwesten und Norden
her.
1874 heiratete die Tochter des Großherzogs, Marie
Alexandrine Elisabeth Eleonore von Mecklenburg-Schwerin den russischen Fürsten und Sohn des Zaren Wladimir
Alexandowitsch
Romanowa. Vermählungen des mecklenburgischen Hochadels mit der
russischen Zarenfamilie waren nicht so ungewöhnlich, wie es heute
scheint.
Insgesamt sind fünf Mitglieder der
schwerinschen Linie Mecklenburgs mit dem russischen Hochadel
verheiratet. Auch die Häuser Thüringen, Reuß, Dänemark,
Norwegen, Niederlande, Vereinigtes Königreich, Montenegro,
Österreich-Ungarn, Anhalt, Hessen-Kassel, Preußen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Hildburghausen,
Hessen-Darmstadt, Chartrés,
Cambridge, Oldenburg, Sachsen-Gotha-Altenburg, Sachsen-Gotha-Roda, Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Coburg-Saalfeld,
Hessen-Homburg, Hessen-Kassel, Württemberg-Oels, Sachsen-Weißenfels, Schleswig-Holstein-Gottorf, Braunschweig,
Lüneburg, Sachsen und Hannover sind
mit dem Mecklenburgischen verwandtschaftlich verbunden. Der Großvater des (Prügel-) Prinzen Ernst
August V war Friedrich Franz IV, der letzte Regent Mecklenburgs.
Heute leben noch die Töchter des 1996 verstorbenen
Christian Ludwig, des Sohnes des letzten Herzogs, Donata und Edwina. Die Mecklenburg-Strelitzer
Linie hat 1994
noch einen männlichen Spross hervorgebracht.
Soviel zur Stammtafel Mecklenburgs und damit
zurück zur Architektur in Heiligendamm.
Dort nämlich wurde geheiratet und dazu fuhr
die russische Schwarzmeerflotte vor Heiligendamm auf und nahm das Paar an
Bord. Vorher aber wohnte das junge Paar
im Neuen Logierhaus,
dem westlichen Glied der Villenreihe. Miechen, wie die Herzogstochter
liebevoll genannt wurde, konnte sich nämlich nicht für die Konfession
ihres
Freundes begeistern und so lebten die beiden
zuerst einige Jahre unehelich zusammen, bevor der Zar dann der Hochzeit
auch ohne Konversion zustimmte.
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Da aber eine wilde Ehe damals
undenkbar war, mussten getrennte Schlafzimmer her.
Und getrennte Bäder, Ruheräume usw. So kam
das Logierhaus zu seinem Anbau.
Dieser bestand aus einem Würfel mit je drei
Achsen, an dem im Norden ein Turm angebaut wurde.
Diesen entlieh man dem "Neuen Flügel", der
seine Türme seinerseits dem Badehaus entliehen hatte.
Der Turm hatte die üblichen 12 Großfenster
und war flach eingedeckt. Im Norden und Süden erhielt der
Anbau je 2 Fenster auf der östlichen
Fassadenseite und jeweils einen halbrunden einstöckigen Anbau
nach Westen hin. Weiterhin erhielt der Anbau
an die dreistöckige Westfront mit ihren zwölf Fenstern
einen säulengelagerten Doppelbalkon. Damit
passte der Anbau perfekt zum Kurhaus mit seinen acht
großen Säulen.
Das Haus bekam nun die umständliche
Bezeichnung "Villa Perle mit Anbau Großfürstin Marie".
Dieser Abschluss hatte einen optimalen Bezug
zum Hauptplatz des Ensembles. Trotzdem war man
bei der Planung sehr
zurückhaltend und verzichtete auf einem pompösen Abschluss. Um es mit
Prof.
Joachim Skerls Worten zu sagen: "Der Abschluss war nicht Zutat, sondern
Vollendung."
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Villa "Perle" mit dem Anbau "Großfürstin
Marie" um 1900.
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Auch die Kaufhallen wurden der
Einheitlichkeit halber mit 19 dorischen Säulen versehen. Kaum
vorstellbar, das da vorher keine
waren. Den Abschluss der Bauten am Ensemble
macht der Bau Bau der Orangerie, eines Zweckbaus, der ursprünglich zur
Überwinterung der tropischen Pflanzen diente
und inzwischen einfach zu einem Park gehörte. Die Orangerie wurde als
Salon
zur Erholung und zum Ausruhen verwendet und
ein Teil diente tatsächlich wirtschaftlicher Nutzung.
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Inzwischen waren die Aktien aber auf ein
Drittel des Nennwertes gesunken und das Geschäft lief schlecht, weil die
Aristokraten
nicht mehr so oft anwesend waren und dadurch
auch weniger Gäste anzogen. Der Großherzog war schon in die Jahre
gekommen
und auch die Generation um ihn genoss lieber
die Ruhe als den Trubel. Doberan stagnierte völlig und drohte zu
verkommen.
Damit das nicht geschieht, verlieh der
Großherzog dem Ort 1879 das Stadtrecht.
Das Salon-Gebäude wurde zum Rathaus
umfunktioniert und 1881 versuchte man noch einmal die Verbindung des
Bades
mit der Stadt durch eine Dampfkalesche. Auch
über eine Pferde-Eisenbahn nach Rostock und Wismar wurde nachgedacht.
Die Dampfkalesche verunglückte jedoch nach
drei Wochen und die Doberaner Fuhrleute verstanden es durch Ängstigung
und
Gespött, die Verbindung zu verhindern.
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Der
Alexandrinenplatz in frühen Doberaner Jahren. |
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Friedrich Franz II verstarb nach 41jähriger Amtszeit am
15.04.1883 im Alter von 60 Jahren.
Sein 32jähriger Sohn Friedrich Franz III
wurde sein Nachfolger.
Ein Jahr danach starb (wohl eine
mecklenburgische Tradition) auch Badearzt Kortüm.
1886 entstanden dann auf ein "Allerhöchstes Decret"
des Großherzogs doch die
Bahnverbindungen zwischen Doberan und dem
Heiligen Damm und Doberan, Rostock und Wismar.
Die Dampfkalesche hielt direkt hinter dem
Ensemble und da die Preise nicht hoch waren, wurde sie gut genutzt.
1887 wird der Badeort noch einmal ordentlich in Prospekten beworben.
Inzwischen gehörte er Baron von Kahlden nach seinem Aktienaufkauf quasi privat.
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Großherzog Friedrich Franz III von
Mecklenburg-Schwerin.
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Heiligendamm muss wachsen.
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Nachdem mit der Orangerie und dem Bahngleis
nun die letzten Baugrundstücke
genutzt worden waren, musste man über eine
neue Raumordnung nachdenken.
Südlich des Ensembles befanden sich der
Marstall, der Ökohof, das Kaiserliche
Post- und Telegrafenamt, die Kegelbahnen,
die Schießhalle, die Waldrestauration,
der Stall und einige Wirtschaftsgebäude. Der
Landweg führte an ihnen vorbei und
hinaus nach Bollhagen. Dieses Gebiet galt es
nun zu erschließen.
Dazu wurde eine Verordnung herausgegeben,
die festlegte, dass die Gebäude zwei
(nach heutigem Verständnis drei) Geschosse
haben sollten, Villen sein sollten und
die Dunghaufen und Toiletten nicht von der
Straße aus sichtbar sein durften und wie
die Entsorgung von Abfall und Abwasser zu
regeln war.
Es entstanden die Pensionen "Mellendorf" und "Scherpeltz"
im typischen Bäderstil
mit dreitraktigen Häusern und gegenüber entstand
die Pension "Peters" im Stil eines
englischen Cottages. Das Haus wurde
von Möckel erbaut und ist dem ein Jahr zuvor
erbauten Jagdschloss in Gelbensande sehr
ähnlich. Dieses wurde auch von Friedrich
Franz III in Auftrag gegeben. Dieser war mit
der russischen Großfürstin und Enkelin
des Zaren, Anastasia Michailnowa,
verheiratet.
Alle vier Gebäude am Bollhäger Weg dienten als "Hotel
garni", also Pensionen ohne
Restaurantbetrieb. Das brachte dem Seebad
neue zahlende Gäste aus den mittleren Schichten.
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Doberan allerdings brachte das alles gar
nichts.
Das Theater wurde mangels Interesse
geschlossen und abgerissen und Möckel errichtete an
dieser Stelle ein Gymnasium, mit dem man
sich einen Zulauf an Bildungsinteressierten erhoffte.
Dieser blieb aus und die
Bahnverbindung samt Bahn gingen an die Mecklenburgische Regierung über.
In Heiligendamm entstand auf dem
reservierten Platz hinter der Perlenkette eine katholische Kapelle,
mit der man im protestantischen Mecklenburg
den konfessionellen Bedürfnissen der katholischen
Badegäste gerecht werden wollte. Ein
evangelisches Pendant wurde angekündigt, ließ aber zehn
Jahre auf sich warten. Dafür fiel sie dann
auch größer aus. Die Kosten für die Kapellen trug der
Großherzog zusammen mit einem Verein und die Aufträge gingen beide an Möckel,
der auch in
Doberan das Stadtbild zwischen Gymnasium und
Prinzenpalais und am Klosterhof bestimmte.
An der Allee nach Doberan entstand eine
Vorstadt. Diese bestand zunächst nur aus einem Klub-
Ferienheim für Kaufleute in Form eines lang gestreckten dreistöckigen Gebäudes mit einem Turm
mit Portal in der Mitte. Es folgten zweistöckige Villen im
Historismus-Stil, u.a. durch die Familie
von Witzleben, eine der ältesten Familien
Europas. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine kleine
Satellitenstadt am Ortseingang. Dem
Großherzog gefiel das nicht, da es sich um Klubferienheime
handelte und er zum einen die Abschottung
der Klientel dort nicht mochte und zum anderen
sicherlich, weil er keinen Einfluss nehmen
konnte. 1897 wurde in Mecklenburg das Tauben-Schießverbot
umgesetzt und der Schießstand mit
Schießhalle abgerissen.
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Im selben Jahr starb dann auch dieser bedeutende Großherzog und
sein 15jähriger in Palermo geborener Sohn Friedrich Franz IV übernahm
unter Vormundschaft seines
Onkels Johann Albrecht das Amt. Ein neuer
Schießstand für Tontauben entstand und die jährlichen Internationalen
Tontauben-Schießturniere gingen nach Heiligendamm.
1900 fand das Internationale Tennisturnier
im Bad statt und zwei Jahre später wurde der Tennisbund gegründet. 1910
wurde die Bahntrasse bis nach Ahrendsee verlängert
und der Bahnhof um 500 Meter zurück verlegt
und durch ein Bahnhofsgebäude im für Kleinbahnhöfe typischen
Fachwerkstil erweitert. Das Bad ging an Walter John, dem
Neffen von Eugenie John (bekannt unter dem Pseudonym "E. Marlitt"), der es in den Ruin
trieb. Von nun an wechselte das Bad jährlich seine Besitzer und Pächter
und
verlor zusehends an Attraktivität.
Bautätigkeiten gab es keine mehr und letztlich ging sogar die Pension
"Peters" pleite und wurde zwangsversteigert.
Mellendorf rettete das Haus und betrieb es weiter als Pension, wenn auch mit mäßigem
Erfolg.
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Man
versuchte 1912 noch einmal eine Aufwertung Heiligendamms.
Die Seebrücke wurde verlängert, damit auch
Dampfer anlegen konnten,
es wurde eine Seeverbindung nach Kopenhagen
und Travemünde
eingerichtet, ein Restaurant auf dem
Brückenkopf gebaut und der
Kurhausvorplatz und die Grünanlagen wurden
erneuert. Buhnen wurden
in die Ostsee gerammt und die Häuser mit
Elektrizität ausgestattet.
Der Hamburger Hotelbesitzer Heinrich Böckenheuer
erwarb die Anteile
des Leipziger Großhändlers und ließ sich am
Heiligen Damm nieder,
um seine Arbeit als Direktor des Bades und
Ortsvorsteher zu beginnen.
Am 31.12. 1913 tobte ein schwerer Sturm und
zerstörte das Herrenbad,
das Damenbad, die Seebrücke und den Strand.
Der Gesamtschaden
belief sich auf 30.000 Mark und die
Reparaturkosten betrugen 400.000
Mark. Die beiden Bäder wurden nicht wieder
aufgebaut, statt dessen
führte man auch in Mecklenburg die neue
Badekultur mit Strandkorb
und Geschlechtermischung ein.
Lange währte die Freude aber nicht, denn
schon ein Jahr später begann
der erste Weltkrieg und der Badebetrieb kam
schlagartig zum Erliegen.
Bald wurde der Badebetrieb im kleinen Rahmen
wieder aufgenommen
und eine Kriegsbesetzung für den Ort
organisiert. Die Sportstätten jedoch
verfielen und bis auf einige Veränderungen
an den Veranden der Cottages
und Änderungen der Grünflächen wurde von
Bautätigkeiten abgesehen.
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Die Revolution erreichte Heiligendamm, der Großherzog
dankte als letzter deutscher Monarch ab und flüchtete nach Dänemark
und erst nach langem Hin und Her bekam die
herzogliche Familie ihre Cottages wieder. Die Revolutionäre hatten
begriffen, dass
sie das Bad nicht selbst halten können und
gaben es zurück in der Hoffnung, dass die Eigentümer es erhalten mögen.
Das Bad war allerdings nicht mehr zu halten
und brauchte dringend die Unterstützung Doberans.
Die Stadt aber hatte eigene Probleme und
versuchte, dem Abschwung mit der Eröffnung eines Kinos und der Anlegung
eines
Wohngebietes für Einfamilienhäuser
entgegenzusteuern. Die Stadt war stets das Zentrum des fürstlichen
Vergnügens im
Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin.
Rauschende Bälle, großartige Feuerwerke und stimmungsgeladene Volksfeste
zeichneten die Residenzstadt aus. Mit dem
Abdanken der Großherzöge verloren diese ihre Macht und ihre Einnahmen
und konnten sich das private Vergnügen nicht
mehr leisten. Doberan litt unter dieser Entwicklung und man kann sagen,
dass der Ruhm der Münsterstadt zu diesem
Zeitpunkt für immer fiel. Sie konnte nie wieder so sein, wie unter dem
Großherzog.
1920 versuchte Heiligendamm den Anschluss an
Doberan aber die Stadt lehnte eine Wiedervereinigung ab.
Ein Jahr später bekam Doberan den
Namenszusatz "Bad".
Ab 1922 wurden wieder Pferderennen
ausgetragen aber Heiligendamm rutschte in die Inflation und konnte seine
Gläubiger nicht
mehr bedienen. 1923 war das Schlimmste
überstanden und Heiligendamm wechselt den Besitzer. 1924 sollte dann der
leer
stehende Fürstenhof abgerissen werden. Damit
wäre dann das erste nicht-technische Gebäude abgetragen worden.
Dazu kam es jedoch nicht, weil man das Haus
mit Alten und Schwachsinnigen füllen wollte. Die Betreiber des Bades
waren
dagegen und wehrten sich aber die Alten
kamen dennoch. Das ist sehr bezeichnend, denn immerhin war das Bad von
einem
Herzog errichtet worden und ging nun über
die Mittelschicht und den Altenstand sogar schon auf Minderheiten zu.
Professor Vogel hätte sich sicherlich
gefreut.
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Hitlers große Pläne für Heiligendamm.
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Nach dem Ende der Weimarer Republik florierte das Bad
wieder, weil es durch die nationalsozialistische
Freizeitorganisation KdF
(Kraft durch Freude) regelrecht voll gestopft wurde. Fasste das Bad
bisher bis zu 2.300 Gäste
pro Saison, waren es nun bis zu 15.000. Baumäßig tat sich
nichts mehr in Heiligendamm.
Die Gebäude wurden erhalten,
wechselten ihre Namen, manchmal auch die Besitzer aber nie das Aussehen
und schon
gar nicht den Standort. Adolf Hitler weilte
in Heiligendamm und die Allee wurde nach ihm benannt, er wurde
Ehrenbürger
Bad Doberans, die ihm als erste deutsche
Stadt diese seltene Würde verlieh und er ließ es sich nicht nehmen, vor
dem
Duce Benito Mussolini mit dem Prachtstück
anzugeben. Er war sogar so angetan, dass er Heiligendamm als eine von
nur zehn deutschen Gauen dazu auserkor, eine
Adolf-Hitler-Schule zu bekommen.
Diese Eliteschulen waren dazu gedacht, die
nationalsozialistische Ideologie zu festigen. In ihr sollten
"reinrassige"
Deutsche zu Führern, Generälen und
Topmanagern ausgebildet werden. Die Ausbildung erfolgte einerseits mit
Drill
und Härte und zum anderen mit Kulten, die auf die
germanische Herkunft und das, was man "Herrenrasse" nennt,
abzielten. Die Planung dieser Schulen oblag
oft dem Führer selbst und so wie auf den Bildern unten stellte er sich
die Eliteschule in Heiligendamm vor.
Der
Grundstein für die Schule wurde am 15.01.1938 - genau ein Jahr nach der
Verfügung Hitlers - durch den Gauleiter
und die Architekten und Bauausführenden
gelegt. Es war eisig, es regnete in Strömen und ein eiskalter
schneidender
Nordostwind pfiff den Anwesenden um die
Ohren. Der Gauleiter hielt eine nicht enden wollende Rede und die
Stiefel
im lehmigen Schlamm vermeldeten erste
undichte Stellen.
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Der Bau begann kurze Zeit später. Zuerst mussten Bäume gefällt
und eine befestigte Straße gebaut werden.
Im Kleinen Wohld wurde ein großes Rechteck
gerodet und ein gerader Weg dorthin wurde angelegt und befestigt.
Dann mussten die Männer ihre Spaten und
Hammer ablegen, sich Gewehr und Rucksack umschnallen und in den
Krieg ziehen. Dieser fiel bekanntlich zu
Ungunsten des Reiches aus, was des Reiches Führer zur Einnahme
einer
Zyankalikapsel und der Benutzung einer auf
seinen Kopf gerichteten Schusswaffe veranlasste.
Durch den Wegfall des Führers erübrigte sich
dann auch eine Pflanzstätte für neue Führer und so blieb es bei
einer Straße zu einer großen Lichtung im
Wald, in deren Erdboden sich irgendwo ein Grundstein befinden müsste.
Erwähnenswert ist aber, dass der
"Führergarten" das
Ensemble nicht beeinträchtigt hätte. Der Koloss passte
zwar optisch nicht zum klassizistischen
Ensemble, sollte aber auch in sicherer Entfernung zu diesem entstehen.
Das ist beachtlich, denn Hitler hätte wie
zuvor seinen Heimatort genauso gut die Cottages abreißen lassen und den
Komplex dort errichten können oder er hätte
im Osten des Ensembles die Häuser abtragen und den Komplex dort
erbauen können. Immerhin waren die
Bahnschienen dort ganz in der Nähe.
Wenn man also den Baumeistern eine gewisse
Zurückhaltung bescheinigt, dann sollte man dies hier auch tun.
In Kühlungsborn war man in der DDR nicht so
vorsichtig und setzte den Rieden direkt an den Westrand der Stadt,
womit man ihr die Möglichkeit nahm,
westwärts zu wachsen.
Interessant ist die Ähnlichkeit des
NVA-Objektes "Rieden" mit dem Modell von Hitlers Eliteschule in
Heiligendamm.
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Heiligendamm nach dem Krieg.
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Heiligendamm blieb vom Krieg weitgehend
verschont. Die Alliierten bombardierten Rostock und
Wismar und warfen ihre Bomben auf der Flucht
vor den wendigen deutschen Heinkel-Jägern auf
ländliche Gebiete und in Wälder ab. Ein
solcher Abwurf erfolgte im Gespensterwald bei Nienhagen.
Die Detonation war so heftig, dass selbst in
Heiligendamm noch die Fensterscheiben zu Bruch
gingen. Auch die Dächer nahmen Schaden und
die Hohenzollernburg ging in Flammen auf.
Die Häuser waren voll gestopft mit Kadetten,
die Polizeigewerkschaft hatte sich im Haus
"Bischofsstab" und der
Kommandeur der Kadettenschule im Alexandrinencottage niedergelassen.
Flüchtlinge aus dem zerbombten Rostock
wurden in Heiligendamm untergebracht und nach dem
Zusammenbruch der Ostfront kamen auch
Flüchtlinge und Vertriebene aus Pommern und Schlesien
dazu. Zum Schluss marschierte dann die Rote
Armee ein und beschloss die Sprengung des
Seebades, welches wegen seines grünen
Anstrichs und der Besetzung mit Kadetten für eine
militärische Einrichtung gehalten wurde und
damit laut Abkommen zu sprengen war.
Die Rotarmisten ließen sich überzeugen, dass
es sich nur um ein Seebad handelte und begnügten
sich mit allem, was nicht niet- und
nagelfest war. Und was denn doch noch angenietet, geschraubt
und genagelt war, musste eine Berliner Firma
sbbauen und den Sowjets als Reparation übergeben.
Nach dem Weiterzug der Russen bestand
Heiligendamm nur noch aus teilweise fensterlosen
leeren Bauwerken, die inmitten einer Wüste
aus Schutt und Wildwuchs stand und die Schritte
des Beobachters widerhallte. Die Burg war
stark beschädigt und hatte ihr Dach verloren und die
Türme waren rußgeschwärzt und ramponiert.
Heiligendamm war so gut wie tot und in diesem
Zustand hätte eine Sprengung auch nichts
ausgemacht. Was nun noch zu gebrauchen war,
nahmen die Einheimischen an sich, um es zu verbauen
oder zu verheizen.
Zwei Jahre musste das Bad als
Flüchtlingslager herhalten. Die Gebäude wurden bewohnbar gehalten,
was zu dieser Zeit nichts anderes bedeutete,
als dass man defekte Fenster durch Planen oder andere
Fensterteile ersetzte oder zunagelte und den
Rauch aus den Öfen durch ein Loch in der Wand nach
außen leitete. Als Toiletten dienten oft
Eimer mit Deckel, die dann in eine Grube im Hof entleert
wurden. Heiligendamm hatte sich auf Grund
des Mangels zurück entwickelt und bot einen traurigen
Anblick. An Badebetrieb war nicht zu denken.
Ein paar Leute dachten dennoch daran. Zum
einen Christian Ludwig, der Sohn und rechtmäßige
Nachfolger Friedrich Franz IV, der sein
enteignetes Bad wiederhaben wollte und Restitution beantragte.
Zum anderen die neu entstandenen
Verwaltungsorgane der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ),
die ein staatliches Seebad daraus machen
wollten. Diese saßen dann auch am längeren Hebel
und starteten eine Kampagne gegen Christian
Ludwig, in der sie alles hineinwarfen, was die Bürger
so bewegte. Vom bösen Gutsbesitzer mit
seinen unfreien Leibeigenen über die Konterrevolution der
Aristokraten, die wieder regieren und die
Bürger unterdrücken wollten. Das zog und der Herzog sich
zurück, wie es Heinz Erhard formuliert
hätte. Damit war der Weg frei für ein Kurbad der Werktätigen.
Zunächst aber musste das Bad wieder
aufgebaut werden. Die Häuser erhielten ihre Fenster wieder,
außerdem Putz und Dächer und letztlich auch
ihre Leitungen, die Kanalisation und die Einrichtung.
Die Raumaufteilungen wurden gar nicht
großartig verändert. Es mussten kaum Wände entfernt werden.
Eher wurden welche eingezogen, um die
riesigen Räume zu verkleinern und so mehr Kapazitäten zu
schaffen. Vieles vom Zierrat war inzwischen
geklaut worden und der Rest hing ziemlich locker herum
und wurde entfernt. Eine Restauration wäre
viel zu teuer gewesen, weshalb man auf den Zierrat verzichtete. Die
Stuckatur an den Gebäuden jedoch stellte man weitgehend wieder her.
Für die beschädigte Burg hatte Architekt Kegebein
einen Entwurf vorgelegt, der ein Abtragen der
Türme auf Wandhöhe und ein Aufsetzen eines
Walmdaches vorsah. Burgen passten ohnehin nicht
in den Kram der Sozialisten und Kommunisten
und so wurde der Plan umgesetzt.
Im Laufe der Zeit nun bediente sich
Heiligendamm als materielle Manifestation der Ideologie der DDR.
Soll heißen, es bröckelte vor sich hin und
musste immer wieder ausgebessert und gestopft werden. Lehmputz fiel ab und
wurde durch Zementputz ersetzt, Farbe blätterte ab und wurde wieder
aufgetragen und Fenster fielen heraus und
wurden durch Massenartikel ersetzt.
Und da die selten passten, wurden eben die Häuser passend gemacht.
Die neuen Zuschnitte der Zimmer machten einige Fenster überflüssig, weshalb
man sie einfach
zumauerte. Die Balkone wurden nicht alle benötigt
und zum Teil darum abgetragen und wo welche
benötigt wurden aber keine vorhanden waren,
setzte man einfach welche an. Dachrinnen wurden so
gezogen, dass sie funktionierten und gingen
dadurch mitunter auch einmal vor dem Fenster oder
quer an der Wand entlang. Beim Haus "Möwe"
ist diese interessante Dachrinnenkonstruktion gut
zu beobachten und beim "Seestern" hat man
einfach einmal einen Doppelbalkon benötigt und ihn
dann eingebaut. Beim "Greif" wurde das Dach
ausgebaut und bei der Gelegenheit auch eine
Dachgaube mit Fenstern in völlig anderer
Form und Farbe aufgesetzt. Die "Möwe" verlor ihre Türme,
der "Anker" seinen Anbau, die "Perle" seine
Rundungen und den Turm und der "Schwan" seine
schöne Fassade.
Alles war in der DDR dem Zweck geschuldet, denn der Sozialismus hatte
sich der Ökonomie
verschrieben. Türme und kleine Räume, Erker und Wintergärten waren nicht
immernützlich und
darum wurden sie entfernt. Der "Bischofsstab" und das
"Prinzessin-Reuß-Palais" - inzwischen
"Fritz-Reuter-Haus" und "Max-Planck-Haus" getauft - gehörten nicht der
Sozialversicherung der
DDR, sondern dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB). Das Alexandrinen-Cottage
wurde zum Ärztehaus und weil man die Patienten nicht auf der offenen
Veranda frieren lassen
wollte, wurden die Veranden kurzerhand mit einer Konstruktion aus einer
Holzwand mit Fenstern
geschlossen. Dasselbe widerfuhr dem Marien-Cottage, das eine Spezialklinik beherbergte.
Auch das Kronen-Cottage war als Spezialklinik
umfunktioniert worden. In den Häusern
wurden speziell Haut- und Atemwegserkrankungen behandelt.
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Die
Burg nach dem Umbau. (1 und 2)
Das Haus
"Bischofsstab" nach der Sanierung.
Das Kronen-Cottage und das Marien-Cottage
vor und nach den
Vereinfachungen. Inzwischen heißt das Kronen-Cottage
"Magdeburg" und das Marien-Cottage
"Dresden". Beides sind Spezialkliniken für Haut- und
Atemwegserkrankungen.
Die Perlenkette um 1970. Auffällig sind die
Öffentlichkeit der Perlenkette und die schützende Hecke an der
Promenade.
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Im Laufe der Jahre gewann Heiligendamm wieder an
Bedeutung. Außenstellen von Forschungsinstituten ließen sich nieder und
der Bedarf an Betten stieg stetig.
In Bad Doberan entstanden zwei Neubaugebiete
und viele Eigenheimgebiete. Die Stadt avancierte wieder zum Kurort und war als Kreisstadt auch Umschlagspunkt
und
Einkaufszentrum. Der Getränkehersteller "Glashäger" wuchs und neben ihm
die Kohlehandlung und die Stadt wurde Verteilungspunkt für den
landwirtschaftlichen
Bedarf. Später kam auch noch eine
Schuhfabrik hinzu. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich rasch und mit dem
Bau von mehreren Schulkomplexen und der Auflösung
der Dorfschulen wurde die Stadt Bad Doberan
zum Bildungszentrum des Kreises. In Heiligendamm wurde die
Freifläche zwischen dem Bollhäger Weg, der inzwischen
"Kühlungsborner Straße" hieß und der Satellitenstadt am Ortseingang zur Bebauung
freigegeben. Es entstand eine Eigenheimsiedlung und jeder Bauherr war so
klug,
gleich ein paar Zimmer mehr einzuplanen. Das Bad zahlte
nämlich Geld für die Unterbringung seiner Gäste in diese Außenwohnungen.
Die Arkaden, welche das Kurhaus
mit dem Logierhaus verbinden, wurden zu
einer Bühne mit Dachterrasse umgestaltet, sodass auch so genannte "Kurhaus-Konzerte" stattfinden konnten.
Heiligendamm
bekam darüber hinaus einen Konsum in der ehemaligen Orangerie, eine
Drogerie und einen Friseur im ehemaligen Stall, eine Post in der
Professor-Vogel-Straße, ein Café und Geschäfte in die Kolonnaden,
einen Kiosk an der Kühlungsborner Straße, ein Kinderheim in das Haus
gegenüber vom Forsthof und
eine Feuerwehr, eine Gaststätte und eine Wohnung in den Marstall. 1954 wurde
das Kinderheim aufgelöst und das Gebäude mit dem neben stehenden
verbunden und zur
Fachschule für angewandte Kunst umfunktioniert. Während der Semesterferien wurden Kinder aus Berlin, der
Tschechoslowakei und dem Sorbenland in die Schule und
das Wohnheim einquartiert. Die "Kunststudenten", wie die FaK'ler genannt wurden, sorgten mit Festen,
Fasching und Drachenbootrennen für Stimmung im Ostseebad.
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Heiligendamm platzt aus allen Nähten.
In den 80er Jahren war in Heiligendamm jeder Hohlraum zu
einem Zimmer für Kurgäste umfunktioniert worden. Der Mitarbeiterstab war
gewachsen und mehrere hundert
Mitarbeiter pendelten täglich zwischen ihrer
Wohnung und der Arbeitsstelle. Heiligendamm hatte einen Kindergarten in
der Villa der Familie von Witzleben bekommen und
der Kinderstrand wurde zum beliebten
Familienausflugsziel.
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Hier
sollte vielleicht erklärt werden, dass Hitlers Schulen-Lichtung zu einem
Parkplatz umgebaut wurde und
hinter ihm ein Bach die Steilküste herunter
fließt, neben dem eine Treppe zum Strand geht, an welcher sich ein
Imbiss befindet. Der Bach bringt kühles
Süßwasser in die Ostsee und durchfließt den Strand. Da er nicht schnell
fließt, lässt er sich problemlos ein paar
Stunden lang mit feuchtem Seesand und Steinen zu einem beträchtlichen
kleinen See aufstauen. Der Stand ist steinig
und das Wasser in der Bachmündung durch die Einschwemmungen
sehr flach und ja auch sehr sauber,
sauerstoffreich und angenehm kühl. Der aufgestaute See ist ebenfalls
flach und
die Erhaltung des Staudammes ist für Kinder
sehr interessant und bietet ihnen eine lange Beschäftigung.
Übrigens nicht nur ihnen, sondern auch den
Bierflaschen im See einlagernden Vätern und großen Brüdern,
die gemeinsam der Macht des Wassers zu
widerstehen versuchen. Wenn der Damm bricht, muss er nur erneuert
werden. Wasser fließt ja immer nach. Der Bachlauf
kommt übrigens einige Kilometer weit aus dem Binnenland und
entspringt irgendwo bei Kröpelin. Das also
macht den Kinderstrand so attraktiv und macht ihn erst zum Kinderstrand.
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Kinderstrand um 1900
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Heiligendamm wurde 1976 zur Chefsache des IX. Parteitages
der SED und erhielt von nun an eine achtköpfige Brigade, die sich
ausschließlich der baulichen Erhaltung
und Instandsetzung des Bades widmete. Alle
zwei Jahre wurden alle Gebäude neu geweißt und bis dahin mussten dann
immer alle Instandsetzungen abgeschlossen sein.
Allerdings hieß "Chefsache" nicht
zwangsläufig, mehr Material zur Verfügung zu haben. Es wurde weiterhin
mit Massenartikeln gearbeitet und das Haus "Schwan" hatte
inzwischen gar keine originalen Fenster und Türen mehr. Auch am "Bischofsstab"
verschwanden die Rundbogenfenster und wurden durch braun gerahmte
sprossenlose
Fenster ersetzt. Das sah nicht gut aus und
nahm den Häusern viel von ihrer Ausstrahlung aber was sollte man machen?
Okay - nicht fünf Jahre im Voraus planen,
weniger in die Rüstung stecken, effizienter arbeiten... Aber das ist
erst einmal Gesichte.
1978 war dann der Platz in Heiligendamm vollends
erschöpft. Sogar im Obergeschoss der Kolonnaden und des ehemaligen
Stalles wohnten schon Leute und die Zahl
der Kurpatienten wollte wegen der
kostenlosen Behandlungen nicht abreißen. Mit ihnen stieg auch die
Mitarbeiterzahl. Es wurde ein Plan erarbeitet, der den Bau von
zwei Wohnblöcken für Mitarbeiter zwischen
den Fürstenhof und dem Forsthaus vorsah, sowie den Bau einer Kaufhalle
hinter der "Palette", eines Kurmittelhauses,
einer Meereswasserschwimmhalle und eines
lang gezogenen Bettenhauses zwischen dem Haus "Mecklenburg" und dem
Alexandrinencottage. Weiterhin sollte
am Golfteich eine Fernheizzentrale entstehen.

Dieser Plan von 1955 von der Stadt- und
Dorfplanung Wismar wurde 1978 wieder hervorgeholt und zeigt die
Planungen der folgenden 23 Jahre.
Die Nummern sind folgendermaßen beschriftet:
1 Kulturhaus, 2 Kurmittelhaus, 3 Wirtschaftsgebäude, 4 Fernheizzentrale,
5 Kindererholungsheim, 6 Bettenhäuser,
7 Kaufhalle WTB, 8 Mehrgeschossiger
Wohnungsbau, 9 Eigenheime, 10 Garagenkomplex, P Parkplätze.
Weil die Karte altersbedingt beim Scan etwas
verschwommen ist, helfe ich etwas mit: Das Kulturhaus sollte dort
entstehen, wo heute das Severin-Palais steht,
das Kurmittelhaus sollte zwischen dem
Alexandrinencottage und dem Mariencottage entstehen, das Bettenhaus
direkt dahinter, wo heute auf kleinerer Fläche
das Wirtschaftsgebäude des Grand Hotel
steht. Die Fernheizzentrale sollte rechts auf der Karte am Golfteich
entstehen, wo FUNDUS das Ayurveda-Zentrum
geplant hat oder alternativ hinter der
Seehospiz. Das Kindererholungsheim sollte am westlichen Waldrand direkt
über dem Kinderstrand aber auf einer baumlosen
Flächeentstehen und die Kaufhalle sollte
zusammen mit dem Wirtschaftsgebäude die drei Häuser nördlich der
"Palette" ersetzen. Der geplante mehrgeschossige
Wohnungsbau sollte zwischen dem Forsthof und
dem Fürstenhof entstehen und der Garagenkomplex und die Eigenheime in
der Gartenstraße
Denkmalschützer liefen Sturm gegen diesen Plan und für
die Umsetzung fehlte zunächst auch das Geld. So fing man mit dem Bau
einzelner Komponenten aus
dem Gesamtplan an und errichtete zunächst
nur die beiden Wohnblöcke an der Kühlungsborner Straße, die Eigenheime
in der Gartenstraße und die Kleingartenanlage.
Gleich darauf erledigte sich der Rest des Planes, da alle
bisher noch nicht denkmalgeschützten Gebäude unter Denkmalschutz
gestellt wurden und auch das Ensemble
in seinem Äußeren denkmalgeschützt wurde.
Somit durften keine Bebauungen in das Ensemble hinein vorgenommen
werden. Weiterhin hatte diese Aktion den Vorteil,
dass nun endlich Mittel für die Restauration
und Sanierung flossen. Nicht ohne Grund, denn im darauf folgenden Jahr tagte die
Internationale Denkmalschutzorganisation
ICOMOS in Rostock und fuhr nach Heiligendamm, um das Ensemble zu inspizieren.
Ebenfalls 1984 wurde dann auch das Heizwerk gebaut. Dieses fand aber
eine neue
Baufläche am äußersten Rand des Ortes. Das
Heizwerk war übrigens eine Revanche des landwirtschaftlichen
Großbetriebes des Kreises Bad Doberan, der dringend
benötigte Düngemittel durch gute Kontakte
nach Bitterfeld erhielt. Diese Kontakte kamen im Kurbad zu Stande, weil
dort auch Patienten aus Bitterfeld behandelt wurden
und man mit ihnen ins Gespräch kam. Weitere
Bauvorhaben gab es nicht und bis auf
einen Umbau des Küchentraktes im Jahre 1989 blieben die Häuser
verschont.
Ein paar DDR-Impressionen
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Das Möckelhaus in
Bad Doberan. Man beachte
den skandalösen
Dachausbau auf der linken Seite. |
Die Bad Doberaner
Mollistraße. Obwohl es sich hier
um eine
Vorzeigestraße handelt, bröckelt der Putz. |
Die alte
Lessing-Schule in Bad Doberan.
Sie musste einem
Schulkomplex-Neubau weichen. |
Das Hotel
Waterkant in Börgerende wurde für alle
Werktätigen
gebaut und ergänzte Heiligendamm. |
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Das Gymnasium war
in der DDR eineErweiterte
Oberschule (EOS),
was dem Gymnasium ähnelt. |
Das Logierhaus
diente in der DDR als Kurhaus für
die Werktätigen.
1986 musste es saniert werden. |
Das Sanatorium
Moorbad war ein FDGB-Heim
zur Erholung und
Kuration der DDR-Bürger. |
Das Waterkant
stand direkt an der Ostseeküste und
blickte auf
Heiligendamm. 2008 erfolgte der Abriss. |
Bad Doberan entwickelte sich in der DDR
gemäß den Planungen des sozialistischen Staates. Es entstanden
Eigenheimsiedlungen, zwei Neubaugebiete, Lückenbebauungen
in industrieller Bauweise und ein
Schulkomplex. Auch Gartenanlagen, Bauhöfe, Kohlehandlungen, die
Glashäger Brunnen, eine Schuhfabrik, Getreidetrocknereien und Lager
gehörten zu den Errungenschaften der
Kreisstadt. Bad Doberan gehörte zum Bezirk Rostock und bildete das
Zentrum des Kreises Bad Doberan. Im Palais und im Salon
ließen sich Verwaltungen, wie der Rat des
Kreises nieder. Der Ratskeller wurde zur HO-Gaststätte, das Kino wurde
verstaatlicht und der Weiße Pavillon wurde zur Gaststätte.
Das Logierhaus wurde zum Kurhaus und musste
zur 800-Jahr-Feier gestützt werden, damit es nicht umfällt. Es erhielt
eine Veranda und beherbergte an der Nordseite einen
kleinen Intershop, in dem man mit "Westgeld"
(der D-Mark) oder Forumschecks Waren aus der BRD kaufen konnte. Das
Gymnasium behielt seine Funktion und nannte sich
nun "Erweiterte Oberschule (EOS). Die Post
wurde von der Deutschen Reichspost der DDR übernommen und das
Prinzen-Palais wurde zur Schule umfunktioniert.
Severins zweites Wohnhaus blieb Wohnhaus und
auch die Villa "Nizza" wurde zum Wohnhaus. Das Schwesternhaus ging an
die Evangelische Kirche, das Haus Medini
wurde Wohn- und Geschäftshaus und der Rote
Pavillon wurde zur Öffentlichen Toilette. Das Möckelhaus wurde zum
Museum, das Amtshaus zum Verwaltungsgebäude mit
der Stadtbibliothek, das Kornhaus zum
Freizeithaus für Kinder und die Scheune zur Vitakost. Hier wurden die
Schüler mit Mittag versorgt. Die Vitakost fiel einer Brandstiftung
zum Opfer, sodass direkt an den Schulen ein
neues Mehrzweckgebäude mit Speisesaal entstand. Ein Sportplatz und zwei
Sporthallen ergänzten den Schulkomplex und auf
der Anhöhe an der Dammchaussee wurde der
Komplex der Volkspolizei erweitert. Die Kämmerei blieb Verwaltung und
die Gebäude am Klosterhof blieben kirchlich.
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Dann
kam die Wende und mit ihr der Beitritt der DDR zur BRD
(die vertraglich korrekte Bezeichnung der
"Wiedervereinigung").
Der Staatsbetrieb wurde zur GmbH, musste
sich der Konkurrenz
stellen und scheiterte daran. Der Kurbetrieb
endete und mit ihm
auch die Nutzung und Pflege des Ensemble.
Dieses wurde 1992
ausgeschrieben und es meldeten sich mehrere
Interessenten, von
denen man die Dr.-Marx-Gruppe bevorzugte.
Diese wollte das Bad
übernehmen und auch in Stand halten und
nutzen.
Die einzige Bedingung war eine kostenlose
Baufläche
für eine moderne Kurklinik direkt neben dem
Ensemble.
Das rief Umweltschützer auf den Plan, weil es eine Rodung uralter
Buchen bedeutet hätte und so platzte das Geschäft und der Investor
zog sich zurück.
Nun blieb nur noch ein viel versprechendes
Entwicklungskonzept
einer Immobilien-Investmentfirma aus Köln,
die das Ensemble
wieder dem Hotelleriebetrieb zuführen wollte
und standesgemäß
ein Luxushotel einrichten wollte. Die
Landesregierung hielt
zunächst an den Plänen für eine Fortführung
als Kurstätte fest,
musste aber mangels Alternativangeboten den
Zuschlag doch an
die Kölner FUNDUS-Gruppe geben. Diese
gründete eine
eigenständige Entwicklungs- und
Betreibergesellschaft und
legte ihre Pläne und einen umfangreichen
Forderungskatalog vor.
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Heiligendamm um 1990 aus der Luft.
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Fluch und Segen - Heiligendamm verfällt im
Wiederaufbau.
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Damit
stand einem Aufschwung des Seebades nichts mehr
im Wege. Das Land finanzierte den
Wiederaufbau der Seebrücke,
welche 1993 dann auch gebaut wurde. Bei den
Planungen ignorierte
man die Hinweise verschiedener Leute, dass
die Landungsbrücke zu
kurz geplant ist und deshalb auf einer
Sandbank endet. Die Brücke
wurde plangemäß erbaut und kann daher nicht
für den Schiffsverkehr genutzt werden. Sie entwickelte sich zum Gespött
der Leute aber
sie wird gern von Fußgängern und Anglern
genutzt und gehört zu
Heiligendamm einfach dazu.
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Auch die Dr.-Marx-Gruppe fand sich bald
wieder in Heiligendamm ein und errichtete 1995 die geplante Kurklinik,
ohne den Wald abzuroden.
Heiligendamm hatte nun allerdings ein
Problem, denn seit 1990 zogen viele Einwohner des Ortes in andere
Gegenden und durch den geringen Mitarbeiterbedarf wurden
viele Wohnungen frei. Das Ensemble konnte
die Zahl der Kurgäste selbst aufnehmen und so standen viele einstige
Außenzimmer leer. Die Zahl der Gastronomiebetriebe
nahm ab und bald standen die Palette, das
Fachwerkhaus daneben und die Orangerie leer. Die beiden FDGB-Heime
wurden saniert und nahmen den Betrieb als Hotel
wieder auf. Da es 1997 mit der Sanierung des Ensembles
losgehen sollte, wurden alle Gebäude geräumt und die Mieter gekündigt.
Das Schwanen-Café in den Kolonnaden
und der Imbiss am Strand blieben bestehen, ein weiterer Gastronom eröffnete ein
Café im Hopfgartenschen Haus und der Bahnhof erfuhr eine Sanierung.
Die FaK jedoch wurde aufgelöst und wieder
zurück nach Wismar verlegt und das Altersheim und der Kindergarten
wurden auch aufgelöst. Die Häuser "Tabea"
und "Waldfriede" leerten sich und selbst in
den Neubaublöcken wurden Wohnungen frei. Diese gingen an die Deutsche
Kreditbank (DKB) als rechtmäßiger
Nachfolger der Staatsbank der DDR und wurden
nach umfangreicher Sanierung zum Kauf angeboten. Die Häuser des
Ensembles jedoch standen leer und
waren damit dem Verfall preisgegeben. FUNDUS
musste erst Geld sammeln und so wurde dann erst ab 1999 mit dem Bau begonnen.
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Der konzentrierte sich aber nur auf das
Ensemble selbst.
Das Kurhaus, das Logierhaus, das Grand
Hotel, die Burg und die Orangerie wurden
entkernt, die Fenster und Dächer
verschwanden und so standen pro Haus nur noch
vier Wände. Die Gebäude wurden unterkellert
und die Fundamente verstärkt.
Die Burg erhielt ihre Türme wieder und die
Arkaden wurden wieder in die alte
Form gebracht. Der Wiederaufbau war ein
enormes Unterfangen und die Denkmalschützer beäugten argwöhnisch jede
Planung. Sie waren nicht angetan
von der Verfahrensweise, die Gebäude
abzudecken und zu entkernen und wollten
wenigstens die alten Dächer erhalten. Das
gelang ihnen nicht und so entstanden
innerhalb der gestützten Mauern völlig neue
Gebäude mit neuen Zuschnitten.
Der FUNDUS-Gruppe gelang es, die Gebäude so
wieder aufzubauen, wie sie
vor dem Krieg waren und die wenigen
Veränderungen, die sich aus der Nutzung
des Geschosses unter den Walmdächern ergab,
wurden so gestaltet,
dass sie nur aus der Vogelperspektive
sichtbar sind.
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Die Sanierung des Ensembles um das Jahr 2000 |
Dennoch konnte sich der Investor grobe
Veränderungen erlauben. So wurde das Haus "Bischofsstab" nicht
originalgetreu wiederhergestellt, sondern nutzungsabhängig
mit einer modernen Dachgaube versehen. Die
Veranda blieb bestehen, obwohl sie nachträglich errichtet worden war.
Verzeihlich ist es dennoch, denn die Veranda ist
nötig und schon einige Jahrzehnte vorhanden.
Auch am Residenz-Hotel, dem einstigen Prinzessin-Reuß-Palais, wurden
Veränderungen vorgenommen.
So erhielt das Haus einen spiegelverglasten
Wintergarten. Bei der Farbgebung einigte man sich auf ein durchgehendes
Weiß und darauf, das Fachwerk nicht
hervorzuheben. Vor dem Kurhaus war eine
Terrassenbegrenzung nötig, um keinen Seesand auf den Tellern zu haben.
Zunächst wurde über eine Wiedererrichtung
der in der DDR gebauten Mauer nachgedacht
aber diese hätte die Optik des Kurhauses negativ beeinflusst. Also
entschied man sich für die teuere Variante einer
versenkbaren Kristallglaswand. Die Orangerie
erhielt im Osten einen Anbau, der vorher nicht vorhanden war. Zu der
Herzöge Zeiten gab es aber ein Gebäude, das
einen rechten Winkel zur Orangerie bildete und sie von
Osten her verdeckte. So ist der Anbau optisch keine große Veränderung
und fällt auch recht repräsentativ aus.
Das Haus "Brahn" wurde zum
Kinderclub und erhielt ein disneylandmäßiges Aussehen, das eigentlich
nur farblich zum Ensemble passt.
Zusammen fassend kann aber gesagt werden,
dass die Restauration außerordentlich genau und ordentlich erfolgte.
Nun gilt das aber nicht für die Häuser "Perle", "Greif",
"Seestern", "Möwe", "Schwan", "Hirsch", "Einkboom", "Seeadler",
"Waldfriede", "Tabea", die Kolonnaden,
den Fürstenhof, die FaK und die
Häuser in der Gartenstraße. Planmäßig sollten die Häuser "Waldfriede",
"Tabea", "Palette", das Fachwerkhaus, die Scheune und
die Fachschule weichen. Die Villa der
Familie von Witzleben sollte zu einem gehobenen Restaurant ausgebaut
werden und der Fürstenhof sollte 30 Zimmer und ein
Konferenzzentrum für 1000 Personen beinhalten. Aus dem Forsthaus sollte eine Festscheune mit
Biergarten werden und daneben sollten 200 Landhäuser entstehen.
An Stelle des 1978 geplanten Fernheizwerkes sollte ein
Ayurveda-Zentrum errichtet werden und an Stelle der damals geplanten
Kaufhalle ein Wohnpark mit
Apartmenthäusern im klassizistischen Stil.
An der Seedeichstraße sollte ein Thalasso-Zentrum gebaut werden und die
Villen "Eikboom" und "Seeadler" sollten
zu einer plastischen Chirurgie
umfunktioniert werden. Für die drei Cottages gab es verschiedene Ideen,
die aber nicht umgesetzt wurden. Es entstanden zwei
Neubauten. Ein weißes quaderförmiges
Wirtschaftsgebäude am der Straße zum Kinderstrand direkt neben der
MEDIAN-Klinik und ein dritter Flügel in der Höhe
und dem Design des Grand Hotels. Das hatte
bisher niemand gewagt. Allerdings versperrte die Perlenkette diesem
Neubaublock den Seeblick.
Das musste der Investor in Kauf nehmen. Was nun folgte, ist auf der
Startseite genau nachzulesen und gehört nicht in den Bereich der
Architektur.
2007 - Der Ist-Zustand.
Im Jahr 2007 wurde die Villa "Perle" abgerissen und es
wurde beschlossen, dass ihr die Villen "Schwan", "Möwe" und "Anker"
folgen sollten.
Auch der linke Flügel der FaK und das Haus
"Tabea" wurden abgerissen. Bereits zuvor mussten die beiden
Fachwerkhäuser in der Kühlungsborner Straße weichen.
Die Zahl der Anleger und damit der Einnahmen
verringerte sich, ein Kredit wurde gekündigt und dem Investor verboten,
sich das fehlende Geld bei den Anlegern zu leihen.
Die Pläne
für Ayurveda, Thalasso, Plastische Chirurgie, das Konferenzzentrum und
den Wohnpark wurden auf Eis gelegt und man konzentrierte sich darauf,
durch
Teileinziehungen, Sperrzäune, Leitsysteme,
Kurtaxe, Parkplatzgebühren und Wegesperrungen den unbeliebten Touristen
zu verdrängen und den zahlenden Hotelgast
zu umwerben.
Der Erfolg war mäßig und nicht zuletzt wegen der
Belästigungen durch die dauerhaften Bauarbeiten und durch die negative
Publicity nach der Zerstörung der Perlenkette
kam es zu hohen Stornierungsraten.
Inzwischen ist der Investor kleinlaut geworden und betont, dass das
Hotel zuerst in die Gewinnzone kommen müsse, bevor die
verfallenen Häuser saniert und neue
errichtet werden. So passiert im Jahre 2007 das, was auch schon während
der beiden Weltkriege passierte:
Heiligendamm verfiel. Einen gewissen Aufschwung erfuhr
der Ort im Jahre 2007 durch die Vorbereitungen und die Ausrichtung des
Gipfeltreffens der sieben führenden
Industrienationen und Russlands (G8) und den
damit verbundenen Ansturm an Besuchern und Demonstranten. Leider hatte
Heiligendamm zu diesem Zeitpunkt bis auf
vier kleine gastronomische Betriebe nichts
mehr zu bieten, wo die Bürger ihr Geld lassen konnten. Das Hotel selbst
wurde für die Gipfelteilnehmer reserviert und die
Einnahmen durch die Touristen fließen in das Umland. Fakt ist, dass ein Teil
Heiligendamms gerettet worden konnte, während der andere Teil eine
Entwicklung nimmt,
die eine Rettung in absehbarer Zeit unmöglich machen
werden. Die Zukunft Heiligendamms ist auf dem Papier rosig und in der
Realität völlig ungewiss.
Was sich die Baumeister gedacht haben.
Zuletzt wenden wir uns der Frage zu, um
Heiligendamm so ist, wie es ist.
Die Besonderheit Heiligendamms ist, dass es
kein Ort vom Reißbrett ist. Nichts ist vom Anfang bis zum Ende
durchgeplant und doch ist alles durchdacht.
Das macht Heiligendamm so einzigartig. Der
Herzog wollte baden und so nahm er seine Badeausrüstung und fuhr zum
Heiligen Damm. Dann wollte er es
bequem und ließ in der Sommer-Residenz Häuser bauen. Dann wollte er es schön und
ließ Doberan wachsen. Und dann wollte er es praktisch und ließ ein
einfaches Badehaus am Damm errichten. Mit
den Giebeln nach Norden und Süden, um einerseits dem Wind wenig
Angriffsfläche zu bieten und andererseits
auch ganz nach barockem Verständnis. Das
nämlich sah vor, dass das Haus am Ende der Straße liegen und die Straße
nur für dieses Haus da sein soll.
Im Barock zählt die Frontale, die
Repräsentation, der Herrschaftsanspruch. Und so barock ist auch der Kamp
angeordnet. Der Herzog hatte die Rangordnung
aufgehoben und sein Haus stand in einer
Reihe mit dem Salon, dem Logierhaus und dem Theater. Aber es stand
leicht angewinkelt, es war höher und größer
als die neben stehenden Gebäude. Hier wohnt
der Herzog - das war offensichtlich und so sollte es sein. In
Heiligendamm wagte Severin es dann, den Barock
zu verlassen und sich der Zeit des Sturm und
Drang, der Aufklärung, anzupassen. Im Einklang mit der Natur entstand
eine Säulenhalle, deren Säulen direkt
dem Boden zu entwachsen scheinen und die die Verbindung
zwischen dem Tempel und dem Meer herstellten. Haydn komponierte seine
Vier Jahreszeiten
und Severin erschuf ein Kunstwerk, das sich
in den Wald und und die Lichtung perfekt einfügte.
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Das
Ensemble ist so angelegt, dass es von keiner Stelle
aus nächster Nähe ganz zu sehen ist. Wenn
Sie das erste Mal
nach Heiligendamm kommen, dann werden Sie
den Ort Stück für
Stück erleben. zum Beispiel, wenn Sie von
Osten her kommen:
Sie sehen zuerst nur das Haus "Bischofsstab"
und die See.
Dann passieren Sie das Haus und vor Ihnen
eröffnet sich
die Perlenkette. Erst in der Mitte dieser
nehmen Sie das
Haus "Mecklenburg" wahr und erst nach dem
Passieren
des letzten Hauses der Perlenkette eröffnet
sich Ihnen
das Kurhaus. Sie müssen sich schon etwas
nach links
drehen und dann sehen Sie auch das Grand
Hotel.
Bis zum Abriss der "Perle" war diese
Sichteröffnung optimal.
Durch den Abriss hat die ECH die Pläne der
Baumeister
vereitelt und dem Seebad eine wichtige
Besonderheit genommen.
Es ist ungefähr so, als würde man einem
Menschen die Nase
abreißen. Plötzlich sind aus allen
Perspektiven beide Augen
sichtbar und man könnte sagen, das Gesicht
hat kein Profil
mehr. Und das hat Heiligendamms Gesicht in
der Tat nicht mehr.
Eine merkwürdige Art, ein Ensemble zu retten
aber damit setzen
wir uns an anderer Stelle auseinander. Gehen
Sie ruhig weiter in
Richtung Westen. Passieren Sie das Haus
"Mecklenburg" und
halten Sie die Luft an. Erst jetzt offenbart
sich Ihnen die Burg in
ihrer ganzen Pracht. Wenn überhaupt, haben
Sie vorher nur
einen Turm von ihr zwischen den Häusern
gesehen.
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Luftbild von Heiligendamm vor 01/2007 -
gefunden auf
www.attac.de.
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Wenn Sie jetzt weiter nach Westen gehen könnten, würde Ihnen nun der meditative
Park mit seinen Cottages und dem Lindenrondell eröffnet werden.
Aber die ECH hat Heiligendamm nicht nur die Nase, sondern
auch ein Ohr abgerissen. Das Mädel sieht wirklich schlimm aus.
Auf dem Rückweg nun würden Sie auch die
Kolonnaden hinter der Perlenkette entdecken.
Durch das Fehlen der "Perle" haben Sie diese jedoch natürlich längst bemerkt.
Oder Sie kommen von Westen her. Unwahrscheinlich, da dort
alles abgesperrt ist aber früher war es möglich und da eröffnete sich
dem Betrachter zuerst
der Park mit den Cottages, dann die Burg und
die Rückseite des Hauses "Mecklenburg" und nach dem Passieren dieses
dann die Perlenkette, das Grand Hotel
und das Kurhaus. Erst nach dem Passieren des
Hauses "Bischofsstab" eröffnet sich dann der Ostteil des Bades. Die dritte Möglichkeit erleben Sie, wenn Sie
mit
der MS "Baltica" zwischen Kühlungsborn und Warnemünde verkehren.
Hier sehen Sie von Westen aus zuerst das Alexandrinencottage, dann das
Haus "Mecklenburg",
die Burg und die Perlenkette, dann das
Grandhotel, das Kurhaus und dann den östlichen Teil des Ensemble. Diese
Sichtwinkel sind beabsichtigt und gut durchdacht.
Aber sie funktionieren eben nur mit einer
vollständigen Perlenkette und einem öffentlichen Park. Hingegen werden
die geplanten Neubauten im Osten nicht stören,
sondern die Idee fortsetzen. Nur, dass man bei der östlichen
Anlandung nicht zuerst mit kleinen und dann immer pompöseren Bauwerken
begrüßt wird, sondern
eben im Osten gleich zwei große Bauwerke
stehen, dann mehrere kleine und dann erst wieder große. Ich bin mir
sicher, dass die Baumeister Heiligendamms das
nicht so getan hätten aber die heutigen
Architekten haben eben ein anderes Verständnis als die Meister von
damals. Ein indischer Tempel ist noch immer besser,
als eine Fernheizzentrale. Wichtiger wäre
aber der Erhalt der Perlenkette.
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Dann
folgten die Cottages im Landhausstil. Das Leben auf dem Lande wurde
aufgewertet. Die stinkenden und engen
Städte waren wider der menschlichen Natur
und selbst der Adel zog sich auf das Land zurück. In England entstanden
Landgüter und in Heiligendamm Cottages. Auch
diese waren wieder im Einklang mit der Natur ausgerichtet.
Zwei von ihnen am Waldesrand und eines
parallel zum Küstenkliff. Die strenge Axialität verschwand und an ihre
Stelle rückte der Rhythmus. Wie das Rauschen des Meeres und
des Waldes ihren Takt hatten, so hatte auch der
Baustil seinen Takt. Türmchen, Veranden,
Erker und Balkone verzierten die Häuser.
Die Romantik hielt Einzug am Heiligen Damm und mit ihr
kam eine Burg. Nirgendwo an der Nord- und Ostsee findet
sich eine Burg aber in Heiligendamm wurde
sie Realität. Um sie herum entstand ein meditativer Park, der Ruhe und
Gelassenheit, Entspannung und Bedächtigkeit
ausstrahlte. Bald folgte ein neuer Stil, der weg wollte von Prunk und
Repräsentation und von Aristokratie und
Unterdrückung. Europa war von der Revolution erfasst und diese schlug
sich
auch auf die Architektur nieder. Eine Reihe
von Villen entstand. Man nannte sie "Schweizer Häuser" aber in
Wirklichkeit
lag ihre Wiege in England und Frankreich und
gelangte über den kunstsinnigen preußischen Regenten an die
Ostseeküste.
Wie Gropius in Berlin baute Stüler in Heiligendamm
Stadtvillen.
Vermischt mit der Bäderarchitektur, dem
Klassizismus und einigen stilistischen Eigenarten entstanden einmalige
Kunstwerke. Und sie entstanden wie alle
anderen Erstbebauungen direkt am Waldessaum. Vorn rauscht das Meer
und hinten der Wald. Das ist romantisch und
das ist Romantik. Auch dieser Stil wurde aufgebrochen, indem man hinter
den Villen eine Straßenszene schuf.
Plötzlich war nicht mehr der Einklang mit der Natur und die
wirkungsvolle Einbettung
der Gebäude in die Natur das Thema. Statt
dessen wurde die Natur zum Stilelement und man bediente sich ihrer für
die
Anlegung von Parks.
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Hohenzollernburg und Cottages im vorigen
Jahrhundert.
Perlenkette um 1910.
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Und nun war das Seebad dreigeteilt. In der Mitte spielte das
gesellschaftliche Leben. Hier promenierte man und wurde gesehen und
konnte selbst staunen.
Hier trug man seine Masken auf und war das feine Fräulein
oder der feine Herr. Wenn man sich zurückzog, dann tat man das im
Westen, wo man im Park Ruhe und
Entspannung fand. Und der Osten war die
Sonnenwiese, auf der man die legendäre Sommerfrische genießen und sich
am Rande des Buchenwaldes die Seeluft um die
Nase wehen lassen konnte. Hier gab es nur
Sport und dieser Sport war Erholung. Golf, Jagd und Schießen, später
auch Tennis waren die Erholungssportarten der Gäste.
Und stets waren es zahlungskräftige Gäste,
die da Sport trieben.
Diese Dreiteilung war jedoch erlebbar. Man kam von Osten
nach Westen und von Westen wieder nach Osten. Es ging von Norden nach
Süden und man konnte auch um
das Ensemble herum laufen. Heiligendamm war
keine Stadt mit Straßen und Plätzen. Heiligendamm war ein großer Park,
in dem sich die Gebäude befanden und durch
den lediglich eine einzige Straße hindurch
führte, die man wegen ihrer Verformungen und Breitenunterschiede gar
nicht als Straße ansehen konnte. Von der Seebrücke
bis zum Fürstenhof und vom
Alexandrinencottage bis zum Golfteich erstreckte sich das Ensemble. Kein
Zaun versperrte den Weg, keine Hecke die Sicht und kein
Sicherheitsdienst den Zugang. Das war die Idee, aus der Heiligendamm hervor ging, das
war ihr jahrzehntelanges Erfolgsrezept und das war die Bedingung für ein
funktionierendes Seebad. Das haben die Herzöge
verstanden, die das Fernbleiben der unteren Schichten mittels der Preise
regelten, das haben die Regierungen
der Weimarer Republik, des Deutschen Reiches
und der Deutschen Demokratischen Republik verstanden, die das Bad der
einfachen Bevölkerung zur Verfügung
stellten und damit jeglichen Neid von
vornherein verhinderten und das hat auch die Regierung
Mecklenburg-Vorpommerns verstanden, die das Bad unbedingt als
Kurbad betrieben sehen wollte aber letztlich
der Nutzung als Hotel zustimmen musste. Auch Jagdfeld selbst hat es
verstanden, als er kniehohe weiße Zäune
ankündigte. Aber die Menschen haben sich
geändert und nun leben wir in einer Zeit, in der hohe Preise die
Touristen nicht zurückschrecken und in der die
zahlenden Gäste unbedingt die Exklusivität
haben möchten. Doch der Herzog ließ zu, dass ein Armenkrankenhaus gebaut
wurde und die Aktiengesellschaft
ließ zu, dass Alte und Schwachsinnige in
Heiligendamm untergebracht wurden. Das ist der Unterschied zu heute:
Damals waren Zugeständnisse möglich
und man war darauf bedacht, die nicht
zahlenden Gäste nicht auszusperren. Im Gegenteil: Man bot ihnen
preiswerte Alternativen direkt hinter dem Ensemble an.
Heiligendamm funktionierte als ein Ort, am
dem die Gesellschaftsschichten aufeinander trafen, ohne zu kollidieren.
Der Ort funktionierte, weil das Spektrum an
Bedürfnissen aller Schichten an diesem einen Ort abgedeckt war.
Das ist heute nicht mehr der Fall und das
gehört auch nicht zu den Eigenschaften eines Ressorts, wie es der
Investor plant.
Und darum funktioniert Heiligendamm auch
nicht mehr.
Eine kleine
Architekturkunde - Architektonische Fachworte
einfach erklärt.
Wie für mich als
Laien beim Ausarbeiten der Informationen sind die Fachbegriffe der
Architektur für viele Leser böhmische Wälder.
Darum gebe ich hier
einen kurzen Überblick über die hier vorkommenden wichtigsten
Fachbegriffe.
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Souterrain
Das Wort
"Souterrain" kommt aus dem Französischen und bezeichnet ein
Gartengeschoss. Fälschlicherweise
haben sich die Schreibweisen
"Southterrain" und "Soutterain" und die Übersetzung
"Süd-Terrain" eingebürgert. Souterrainwohnungen befinden sich
meistens an einer Gartenseite
eines Hauses und
sind oft nach Süden und Westen ausgerichtet. Irrtümlich bezeichnet
man heute auch das Kellergeschoss als Souterrain.
Das Beispiel
zeigt das Souterrain des Palais. Hier ist das Souterrain vorn gar
nicht zu sehen, sondern erst auf der Hausrückseite.
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Zwerchhaus
Als Zwerchhaus
bezeichnet man den Mittelteil eines Gebäudes, wenn dieser als
eigenständige Einheit errichtet wurde.
Das Zwerchhaus
ist im Prinzip ein Haus im Haus und hat vier Wände und ein Dach.
Ist das nicht der
Fall, handelt es sich um einen Mittelrisalit.
Hier wird das
Friedrich-Franz-Palais als Beispiel genommen. |
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Seitenrisalit
Ein Seitenrisalit
ist dasselbe, wie ein Mittelrisalit.
Nur befindet sich
der Seitenrisalit stets an einer oder beiden Seiten eines Hauses und
wird als Gliederungselement benutzt.
Das Beispiel
zeigt den rechten Seitenrisaliten des Palais. |
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Dorische Säulen
Die Dorischen
Säulen entstammen mehr dem römischen (toskanischen) Stil und
sind kunstvoller
aber auch einfacher und vor allem nicht so wuchtig, wie es bei den
griechischen
Säulen der Fall war. Das Beispiel zeigt die Säulen des Kurhauses. |
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Portikus
Der Portikus ist
eine Eingangshalle eines Gebäudes. Bekannter ist der Begriff
"Portal", der aber architektonisch nicht dazu passt,
da ein Portal nur
ein Tor ist, während der Portikus eine ganze Vorhalle darstellt.
Hier ist der Portikus des Salon zu sehen. |
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Ochsenauge
Das Ochsenauge
ist ein für Mecklenburg typisches Stilelement.
Als Ochsenauge
wird das meistens als Abschlusselement benutzte halbrunde Fenster
bezeichnet.
Es befindet sich
meistens in einem Zwerchhaus oder Mittelrisalit.
Das Beispiel
zeigt das Ochsenauge des Kurhauses. |
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Mittelrisalit
Der Mittelrisalit
ist ein angedeutetes Zwerchhaus.
Er ist nur eine
Ausbuchtung der Fassade und stellt keinen eigenen Raum dar, wie es
beim Zwerchhaus der Fall ist.
Das Beispiel
zeigt den Salon mit dem großen Mittelrisalit. |
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Vestibül
Das Vestibül ist
eine repräsentative Vorhalle, die kleiner als ein Portikus ist.
Das Beispiel
zeigt das Vestibül des Palais. |
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Attika
Die Attika ist
eine Art Blende, hinter der das flache Dach optisch verschwindet.
Es gibt dem
Gebäude eine imposante Wirkung, die eine Dachschräge nicht geben
würde.
Das Beispiel
zeigt das Kurhaus in Heiligendamm. |
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Plinthen
Als Plinthen
bezeichnet man die Ringe um die Säulen.
Sie sind
Stilelement der griechischen klassizistischen Baukunst und wurden
durch den
Dorismus abgelöst. Das Beispiel zeigt die Plinthen des Palais. |
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Tympanon
Das Tympanon ist
eine Schmuckfläche, die gern über Portalen oder in Rundbögen
verwendet wird. Das Beispiel zeigt das Kurhaus in Heiligendamm.
Dieses Relief heißt "Die Hochzeit des
Poseidon" und besteht aus blauem Jasper, einem sehr hochwertigen und
teueren Material. |
Anmerkung
Bitte
nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich kein Architekt,
kein Chronist und auch kein Soziologe bin.
Es können also
chronologische Fehler oder Verwischungen
auftreten und es
kann sein, dass ich den einen oder anderen
Fachausdruck
falsch angewandt habe oder einige
Stilelemente umständlich
beschrieben habe, obwohl es dafür einen
Fachausdruck gibt.
Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie als
Architekt oder Chronist
oder Soziologie mit mir in den Dialog treten
und mir für die eine
oder andere Umschreibung den gebräuchlichen
Fachbegriff oder
Korrekturen oder Ergänzungen mitteilen.
Diese Seite erhebt
keinen Anspruch auf Professionalität,
sondern sie soll die
Architektur und den Zustand Heiligendamms
verständlich
machen. Auch auf Richtigkeit und
Vollständigkeit wird kein
Anspruch erhoben, wenngleich ich bemüht bin,
diese Aspekte
stetig zu optimieren und mich über jede
Hilfe freue.
Weiterhin weise ich darauf hin, dass meine
persönliche
Meinung hier nur spärlich vorkommt und im
Ganzen nur
auf der Seite zu finden ist, in der ich das Selbstverständnis
und die Beweggründe für
diese Internetpräsenz darlege.
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Luftbild von Heiligendamm vor 01/2007 -
gefunden auf
www.attac.de.
Abschließend möchte ich Ihnen das Buch
"Heiligendamm - Historische Bilder" von Frank Mohr und Gregor Stenzel
empfehlen. In diesem Buch stellt Mohr seine private
Sammlung mit Bildern, Fotos, Postkarten und
Souvenirs aus Heiligendamm vor, die seine Familie schon in der dritten
Generation sammelt. Mohr ist an der Entwicklung
Heiligendamms als Architekt zumindest an
Bürgerversammlungen beteiligt und hat im Buch auch viele Informationen
zur Geschichte und Architektur niedergeschrieben.
Zudem war es mit Hilfe seines Buches
möglich, viele der Bilder dieser Internetpräsenz über seine Quellangaben
ausfindig zu machen und zur Verfügung zu stellen.
Darum gibt es große Ähnlichkeiten,
wenngleich Mohr sehr viel mehr Bilder im Buch zur Verfügung stellen
kann. Andere Scans stammen von Postkarten, Fotos oder
von Leuten, die das Material zur Verfügung
stellten, ohne dabei einen Namen zu hinterlassen oder erwähnt werden zu
wollen. Dafür bedanke ich mich recht herzlich.
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