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Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?
Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Warum sind alte Wege verschwunden?
Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?
Schwerpunkt Heiligendamm.
Thema Nummer drei:
Warum sind in Heiligendamm Wege durch Zäune versperrt?
Touristen stehen vor dem Problem, das Meer schon sehen zu können
aber einen Umweg laufen zu müssen. Halten sie sich nicht an die
Wege, endet ihr Spaziergang an Zäunen. Nicht jeder Weg ist in einem
sich verändernden Heiligendamm auf Anhieb zu finden und nicht jeder
Wegweiser leuchtet gleich ein.
Warum muss ich nach rechts zur Seebrücke, wenn ich sie links doch
schon sehe?
Warum kann ich nicht einfach dort zwischen den Häusern hindurch?
Warum ist der Weg hier zu Ende und wie komme ich durch dieses Tor?
Warum können die Leute dort hinein und ich nicht? Darf ich hier
hindurch?
Wie komme ich zum Kurhaus? Wie sind die dort auf die
Aussichtsplattform gelangt?
Ist das hier der kürzeste Weg? Wie komme ich mit dem Fahrrad nach
Kühlungsborn?
Das sind Fragen, die mir bei meinen Rundgängen vor Ort gestellt
wurden aber auch Fragen von Besuchern und Fragen, die mir per E-Mail
oder Brief gestellt wurden. Das Thema ist komplex und wer es
wirklich verstehen will, sollte die ganze Seite durchlesen. Wem eine
kurze Erklärung reicht, der liest sich nur die kurze Antwort durch
und am Besten noch die Zusammenfassung mit den Bildern der einzelnen
"Problemzonen". Sie werden sehen, dass "böser Jagdfeld" oder "böse
Stadtvertreter" keine Antworten sind. So viele verschiedene Zäune es
in Heiligendamm gibt, so viele verschiedene Gründe gibt es dafür.
Inhalt (anklickbar):
- Die kurze Antwort: Die Gründe für die Zäune in ein paar Worten.
- Die lange Antwort: Eine ausgiebige Analyse der Entwicklung in
Bildern, Worten und Zitaten.
- Heiligendamm unter den Großherzögen
von Mecklenburg-Schwerin.
-
Heiligendamm zwischen zwei Weltkriegen.
-
Heiligendamm zu DDR-Zeiten.
- Heiligendamm während der Wendezeit.
- Das Wegenetz Heiligendamms bis zur
Jahrtausendwende.
- Das Wegenetz Heiligendamms im neuen
Jahrtausend.
- Die Vision von einem Luxus-Resort
mitten in der mecklenburgischen Landschaft.
- Heiligendamm versinkt im Meer aus
Tagesgästen.
- Ein paar Impressionen von März 2004:
Heiligendamm Zaun-arm aber Besucher-reich.
- Heiligendamms Infrastruktur auf dem
Prüfstand - Das Expertenkolloquim.
- Wahlversprechen vs.
Wirtschaftsinteressen.
- Kompromisse gegen die Hotel-Pleite.
-
Zäune gegen Ignoranten.
- Die Gegenwart: Kompromisse nur der
Ruhe wegen.
-Zusammenfassung: Weg für Weg und Zaun für Zaun in
Bildern erklärt.
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Die kurze Antwort:
Das Grand Hotel wurde wie vom Sanatorium übernommen
größtenteils ohne Zäune eröffnet.
Nach der Eröffnung war der Ansturm an Tagesgästen wegen der
weltweit beworbenen Schönheit über lange Zeit so groß, dass
sich zuerst die zahlenden Gäste des Grand Hotels gestört und
schließlich das Personal des über sechs Häuser verteilten
Hotels behindert fühlte. Die veralterte Infrastruktur
Heiligendamms war d
en neuen Gegebenheiten nicht mehr gewachsen und alles nördlich
der Mollischienen musste darunter leiden. Investor, Stadt,
Behörden, Institute, Land und Bürger handelten in einem
Expertenkolloquim 2004 Kompromisse aus, die einen einzigen
Stichweg durch das Hotelgelände vorsahen.
Nach der Median-Klinik schloss also auch das Grand Hotel Teile
seines Grundstücks durch eine Einfriedung in Form von Hecken.
Da diese Hecken und schließlich auch kleine Zäune ignoriert
wurden und da der einzige Stichweg unglücklicherweise genau
zwischen zwei Hauptgebäuden des Hotels hindurch verlief
(Haupthaus und Severin-Palais) gingen die Gästezahlen des
Hotels zurück. Die Gäste nahmen es nicht hin, in Bademantel
einen öffentlichen Weg quer zur Laufrichtung überqueren und
sich dabei durch Touristenbahnen drängen zu müssen. Prof.
Behnkenstein von der Universität Rostock schlug bald darauf
Alarm und verdeutlichte, dass nur ein Verzicht auf die
öffentlichen Durchgänge den Niedergang des gerade eröffneten
Hotels verhindern kann. In Folge dessen wurden niedrige Zäune
und einfache Tore errichtet, die aber wegen Missachtung
einerseits und technischen Ansprüchen (Automatik, Chipkarten
für Gäste) andererseits erhöht oder befestigt werden mussten.
In der Folgezeit entbrannte ein regelrechter Kampf um Zäune
bis hin zu durch Medien mit verursachten zivilem Widerstand.
Jeder Widerstand hatte weitere Zäune zur Folge, da Eigentum
vor Vandalen geschützt werden musste. Vorgesehen war, das
Hotel ohne Zäune auf der grünen Wiese zu betreiben.
Die jetzigen Zäune sind nur das Resultat des Scheitern dieses
Versuches von Luxus in der Öffentlichkeit. Langfristig werden
die Zäune weichen und das Hotel wird als Ganzes mit nur einem
Zaun eingefriedet, wie es allgemein üblich ist. Grundsätzlich
möchte der Investor aber auf Zäune verzichten können. Das
Hotel einfrieden zu wollen steht vor dem Hintergrund, dass
nach dem G8-Gipfel auch weitere Personen im Grand Hotel
einkehren werden, deren Sicherheit mitunter gefährdet sein
kann. Statt also jedes Mal Zäune auf- und abbauen zu müssen,
würde ein fester Zaun das Grand Hotel einfrieden und nur zu
solchen Anlässen auch tatsächlich geschlossen werden.
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Die lange Antwort:
Heiligendamm unter den Großherzögen von
Mecklenburg-Schwerin.
Wir beginnen mit einer Rückschau in die Geschichte Heiligendamms.
Herzog Friedrich Franz I ließ auf Anraten seines Hofmedicus
Professor Vogel nach der ersten Badesaison mit Wagenremisen ein
Badehaus am Heiligen Damm errichten. Nach und nach entwickelte sich
der Flecken an der Ostseeküste zu einem Badeort: Dem Badehaus folgte
ein Gesellschafts- und Speisehaus (Kurhaus), schließlich wurde das
Badehaus aufgestockt und mit Logierzimmern versehen, Bad Doberan
wuchs in gleichen Maße mit und in Heiligendamm entstanden auch
Cottages - Landhäuser im Bäderstil.
Das alles war für jeden
zugänglich, der es sich leisten konnte.
Ein Dampfbad kostete ein
vielfaches von dem, was ein einfacher Mecklenburger verdiente.
Heiligendamm war also nur etwas für wohlhabende bis reiche Menschen.
Lediglich ein Armenkrankenhaus, welches beim Bau der Burg nach Süden
verlegt wurde, sicherte auch die Kurversorgung Mittelloser, wie es
z.B. Lehrer zur damaligen Zeit waren. Die Zustände in diesem
Armenkrankenhaus waren selbst in den Augen der damaligen Menschen
katastrophal. Damit war zwar Dank Professor Vogel, der dieses
Armenkrankenhaus gegen das Gutheißen des Herzogs baute, der Gedanke
an ein Bad für alle da aber praktisch wurde er eher schlecht als
recht umgesetzt.
Das Wichtigste aber ist: Heiligendamm hatte keine
Zäune.
Es gab Hecken, die aber eher der Zierde und dem Schutz des
Rasens dienten und keine Barrieren darstellen sollten. Als Ganzes
aber war Heiligendamm offen und jeder konnte überall hin. Es gab die
Promenade, auf der auch wirklich zwischen Golfteich und
Alexandrinen-Cottage Prominente in teuren Kleidern entlang
flanierten und das war Grund genug für den Pöbel, sich dort nicht
"in Lumpen" blicken zu lassen.
Der Adel war unter sich und der Pöbel
war es - abseits Heiligendamms - auch.
Anders in Bad Doberan: Da spielte der Herzog zusammen
mit Handwerkern und Unternehmern und war auf Grund eines von ihm
angeordneten Erlasses über die Aufhebung der Stände während der
Saison per du. Das wäre in Heiligendamm auch zur Geltung gekommen
aber wie gesagt: Dahin verirrte sich kaum jemand, der es sich nicht
leisten konnte oder nicht wenigstens dort arbeitete - und sei es als
Schuhputzer.
Das Heiligendamm des 18. Jahrhunderts präsentierte sich daher so:
BILD FOLGT
Heiligendamm zwischen zwei Weltkriegen.
Das änderte sich erst, als die späteren Großherzöge das Bad aus
Geldmangel nicht mehr halten konnten.
Das Bad ging an
eine Aktiengesellschaft, wechselte mehrmals die Besitzer und es
entwickelten sich Einzelgrundstücke, die dann auch mal mehr und mal
weniger eingefriedet waren.
Im Dritten Reich wurde der Badeort als Erholungsheim für
KdF-Mitglieder (und das war die Mehrzahl der Deutschen). Hier
tauchten dann die ersten richtigen Einfriedungen auf: Zäune, Mauern,
Hecken. So wie hier um 1900:
BILD FOLGT
Heiligendamm zu DDR-Zeiten.
1932 ging der Ort an die Reichsmarine und 1945 an die Rote Armee und
schließlich wurde der Ort ab 1948 als Sanatorium für Werktätige
wieder aufgebaut und bis 1957 vom Kultusministerium der DDR und seit
1957 von der Sozialversicherung der DDR getragen.
Zu DDR-Zeiten
wurden funktionelle Gebäude und Anlagen grundsätzlich eingezäunt,
sodass es bis 1990 so aussah:
BILD FOLGT
Heiligendamm während der Wendezeit.
Im Jahre 1990 nun stellte das Sanatorium für Werktätige seinen
Betrieb ein, ein großer Teil Heiligendamms ging an den Bund und
schließlich an die Treuhand Liegenschaften Gesellschaft (TLG),
verwaltet durch die Oberfinanzdirektion Rostock (Ofin Rostock), die
es dann ausschrieb. Zunächst meldeten sich Interessenten für
einzelne Gebäude aber die sechs wichtigsten Häuser blieben
unbeachtet. Der Einzelverkauf hätte auch mit sich gebracht, dass
jeder sein Grundstück einzäunt und die Stadt wegen jeder Kleinigkeit
- Carports, Stellplätze, Um- und Anbauten - mit jedem einzelnen
Investor hätte verhandeln müssen. Unter diesen Voraussetzungen würde
die Sanierung zu lange dauern und so schrieb man Heiligendamm noch
einmal neu als Gesamtobjekt aus. Aus den ca. 200 Interessenten
gelangte die Asklepios-Gruppe in die engere Auswahl, bekam aber
nicht genug Hoteliers zusammen und musste aufgeben.
Auch die Dr.-Marx-Gruppe kam in die engere Auswahl aber fehlende rechtliche
Voraussetzungen, für welche die Stadt verantwortlich gewesen wäre
und der Widerstand aus der Bevölkerung zwangen den Interessenten zum
Rückzug. Ein kanadischer Investor wollte Heiligendamm nur unter der
Bedingung kaufen, dass er den Strand (und wohl auch die Promenade)
sperren dürfte, was das deutsche Recht nicht erlaubt. Übrig blieb
also neben nach wie vor vorhandenen Einzelinteressenten für einzelne
Gebäude die FUNDUS-Gruppe, welche das Objekt mit den 26 Gebäuden wie
ausgeschrieben als Gesamtobjekt kaufen und entwickeln wollte. Die
einzige nennenswerte Bedingung war die Erlaubnis, 500 ha Land dazu
kaufen und in Bauland für 150 Villen verwandeln zu dürfen, um die
Rentabilität des geplanten Hotels zu steigern. Heiligendamm
präsentierte sich bei der Übereignung an die FUNDUS-Gruppe wie
folgt:
BILD FOLGT
Das Wegenetz Heiligendamms bis zur
Jahrtausendwende.
Von Osten hier bildete die Kühlungsborner Straße den Hauptweg durch
Heiligendamm.
Jeglicher Verkehr nach Wittenbeck, Kühlungsborn und
Rerik musste hier hindurch.
Die Straße verfügte über einen teilweise
einseitigen und teilweise beidseitigen Fußweg.
Radfahrer fuhren auf
der Fahrbahn.
Parallel zur Kühlungsborner Straße führte - in Höhe
Seedeichstraße beginnend und in Höhe Fürstenhof endend die
Gartenstraße als Fahrbahn ohne Fuß- und Radweg entlang. Wie die Kortüm-Straße an den beiden Wohnblöcken handelt es sich hier um eine
Wohngebietstraße.
Die zweite Parallele zur Hauptstraße bildete die
Professor-Vogel-Straße, welche am Alexandrinencottage begann und
sich nach Norden und Süden gabelte, im Süden vorbei an den Häusern "Mariencottage"
und "Kronencottage" und der Orangerie verlief und auf die
Kühlungsborner Straße mündete.
Im Norden nahm sie in etwa den
heutigen Promenadenverlauf bis zum Haus Mecklenburg, wo sie dann
nach Süden abknickte, südlich um das Ensemble herum führte und dann
zur Perlenkette abbog, die sie bis zur Seedeichstraße hin
flankierte.
Sowohl das Alexandrinencottage im Westen, wie auch die
Burg, die Häuser "Mecklenburg", "Berlin" und das Kurhaus, sowie alle
Perlen und die Kolonnaden hatten also die Professor-Vogel-Straße als
Anschrift.
Die Professor-Vogel-Straße stellte also alle Verbindungen
zwischen Westen (Kleiner Wohld) und Osten (Großer Wohld) nördlich
der Kühlungsborner Straße dar, sowie außerdem einige
Nord-Süd-Verbindungen. Jedoch handelte es sich bei der
Professor-Vogel-Straße um einen Betriebsweg, wie dieses Bild
deutlich zeigt:
BILD FOLGT
Der öffentliche Straßenverkehr verlief zwischen Nord und Süd
ausschließlich über die Seedeichstraße.
Hier befanden sich auch die
Parkplätze, Parkstreifen und Strandversorgung. Fußgänger nutzten
meistens die Professor-Vogel-Straße oder einen Weg durch den Wald,
um zur Promenade zu gelangen und von der Gartenstraße oder Bad
Doberan aus kommend nutzten sie die Seedeichstraße, um zum Strand
und zur Promenade zu gelangen. Weiterhin existierte eine Straße nach
Westen in den Kleinen Wohld, die am Kinderstrand auf einem Parkplatz
endete. Die Promenade war von Ost nach West bis zum Waldanfang
befestigt und ging dann in einen Sandweg über, der ab dem
Alexandrinencottage immer schmaler und holpriger werdend an der
Küstenkante entlang zum Kinderstrand und dann darüber hinaus wieder
breiter und befestigter bis nach Wittenbeck und Fulgen
(Kühlungsborn) führte. Dieser Waldweg war getrampelt und wurde nie
befestigt. Einige Küstenabbrüche verlegten ihn immer weiter nach
Süden.
Als sich nun 1997 die Eigentumsverhältnisse änderten, änderte sich
auch die Nutzung und mit ihr änderten sich die Ansprüche. Das
einstige Sanatorium wurde zum Luxushotel und dieses brauchte eine
ansprechende Umgebung.
Das Wegenetz Heiligendamms im neuen
Jahrtausend.
Heiligendamm wurde zwischen 2000 und 2003 zu
einer Großbaustelle und die Rasenflächen wurden durch schweres Gerät zerfahren, wie wir hier eindrucksvoll sehen können.
Was an Wegen je
da war, existierte nicht mehr.
Hiernach würde es nötig werden, alle
Wege neu anzulegen.
Das tat die ECH und orientierte sich dabei nicht an den Wegen aus
DDR-Zeiten, sondern an den Wegen aus der Zeit vor 1932.
Nutzungsbedingt wurden einige Wege auch weggelassen oder neue
eingefügt. Ein ansprechendes Äußeres musste her und der Rasen musste
vor Seesand geschützt sein. Das realisierte man seit je her mit
Hecken und genau das tat auch die ECH. Wobei sie die Hecken noch
einmal mit einer grünen Matte schützte, damit niemand die Wurzeln
beschädigte, wenn er sich zu nahe an der Hecke aufhielt und damit
der feine Seesand das Wurzelwerk nicht schon in der Wachstumsphase
mit Salz schädigte. Diese Konstruktionen sind nicht für die Ewigkeit
gedacht und auch nicht dafür gebaut, sodass sie inzwischen
dementsprechend aussehen.
Nach der Eröffnung des Hotels nun sah die Wegesituation so aus, dass
man von Süden nach Norden zwischen dem Kurhaus und dem Haus "Grand
Hotel hindurch laufen konnte, außerdem zwischen dem Grand Hotel und
dem neu errichteten Severin-Palais, sowie zwischen Haus
"Mecklenburg" und der Burg. Außerdem gelangte man weiterhin im
umrandeten Teil des Großen Wohld (heute Kurwald) zwischen dem
Prinzessin-von-Reuß-Palais und der Post und etwas weiter östlich
über die Seedeichstraße von Nord nach Süd und umgekehrt.
Zäune gab es wenige. Das Forstamt hatte einen Holzzaun entlang des
Waldrandes und entlang wichtiger Waldwege errichtet, um den Wald zu
schonen.
Es war vorgesehen, den Kleinen Wohld im Westen als Kurwald
für die Öffentlichkeit zu deklarieren und das umrandete Waldstück des
Großen Wohldes zwischen Kühlungsborner Straße, Seedeichstraße und
Professor-Vogel-Straße als Hotelpark einzuzäunen. Allerdings
befürchtete man den Zorn der Bevölkerung auf sich zu ziehen, wenn
man ihnen dieses Waldstück wegnehmen würde. Also tauschten Stadt und ECH und erklärten den Abschnitt im Kleinen Wohld zum
Hotelpark und ließen dafür den umrandeten Wald öffentlich.
Allerdings waren beide Vertragspartner da etwas kurzsichtig, wie wir
später sehen werden.
Weiterhin waren die beiden Parkplätze östlich
des Ensembles mit solchen Holzzäunen versehen, sowie in kleinerer
Ausführung der Hauptweg vom Bahnhof zur Perlenkette und das
Grundstück an der Kühlungsborner Straße. Man wollte damit in erster
Linie das Befahren verhindern - ein Übersteigen war bei 30 cm Höhe
ja kein Problem. Darum sollte man das auch nicht als Zäune, sondern
Leitplanken sehen. Eingezäunt war nur die Perlenkette. An der
Seeseite hatte sie schon vor dem Jahr 2000 eine Hecke, die durch
einen Zaun mit einem grünen Textilband vor Versandung geschützt
wurde und an der Südseite gab es die bestehenden Hecken, die mit
Zäunen verbunden wurden.
Die Vision von einem Luxus-Resort mitten in
der mecklenburgischen Landschaft.
Heiligendamm hatte als Luxushotel schon vor 1938 auf einer grünen
Wiese und weitgehend ohne Zäune bestanden und FUNDUS-Chef Anno
August Jagdfeld hatte keinen Anlass zu glauben, dass das jetzt
anders sein sollte. Er war sich sicher, dass das Hotel weitestgehend
zaunlos existieren kann und so waren die wenigen vorhandenen Zäune
in 2003 überwiegend von Stadt und Forstamt errichtet worden.
Jagdfelds Vision von Heiligendamm sah hingegen so aus:

Jedoch sollte Heiligendamm mehr werden, als nur der Bereich zwischen
Ostsee und Mollischienen. Vorgesehen war ein großes Resort auf
insgesamt etwa 500 Hektar mit Gestüt, Biohof, Golfplätzen, Villen,
Apartments, Ayurveda, Konferenzzentrum, Biergarten, Gastronomie und
jeglichen Einrichtungen für Erholung, Sport und Wellness. Insgesamt
stellte sich Star-Architekt Robert A. M. Stern
das Heiligendamm der Zukunft so vor:

Das Ganze ist so groß, dass sich die Touristen gut verteilen würden.
Ausgelegt ist dieser Masterplan auf keine bestimmte Zeit. Im
Dotcom-Rausch von 1995 konnte man noch hoffen, innerhalb kurzer Zeit
Milliarden im Fondsgeschäft zu verdienen. Heiligendamm hätte sich
unter Beibehaltung der damaligen Bedingungen innerhalb von 50 Jahren
zu solch einer urbanisierten Siedlung mausern können. Freilich lässt
sich darüber streiten, ob man das will. Nur ein halbes Jahrzehnt
später holte die Wirklichkeit die Vision von Heiligendamm ein: Der
Dotcom-Rausch war zu Ende, der Saat wollte an den verbliebenen
Sparten mitverdienen und sehr bald wurden aus riesigen Geldflüssen
schmale Rinnsale. Dennoch schaffte es FUNDUS, genug Geld zu sammeln,
um das zu erfüllen, was Stadt, Land und Bund von ihr erwarteten. So
viel zur Vorgeschichte.
Heiligendamm versinkt im Meer aus
Tagesgästen.

Kaum hatte das Grand Hotel eröffnet, ging die Wiedergeburt des
ersten deutschen Seebades wie ein Lauffeuer durch die Medien.
Nie
wurden bisher so viele private Fotos von Heiligendamm geschossen, als im
Jahre 2003. Findige Busunternehmer arrangierten Tagesfahrten nach
Heiligendamm.
Das hat es bisher so nicht gegeben. Heiligendamm war
das Ziel der Werktätigen, welche mit einer Überweisung hier her
kamen und sich auskurieren wollten und der Ort war Ziel für
Mitglieder des FDGB oder für Urlauber, die über das Reisebüro der
DDR in das einzige Hotel des Reisebüros kamen. Auch in Pensionen und
Genossenschaftsheimen machten die Leute Urlaub aber Tagestourismus
gab es nur in gesunden Mengen in Form von Tagesausflügen von
Kollektiven (Belegschaften) oder Organisationen, wie der
Volkssolidarität und auch nur in unregelmäßigen Abständen.
Heiligendamm war überhaupt nicht für Massentourismus ausgelegt und
das war beabsichtigt.
Man errichtete z.B. die Seebrücke so, dass an
ihr nur kleine Schiffe anlegen konnten.
Fahrgastschiffe sollten
Heiligendamm auslassen, denn wenn sich jede Stunde 100 Passagiere in
den Ort ergießen würden, würde die Versorgung nicht mehr
gewährleistet sein. Genau dies passierte nun anno 2003 aber: Ab
morgens um 10 Uhr kamen die Busse und entließen ihre Fahrgäste in
die Weiße Stadt am Meer. Pro Bus 30-50 Menschen, jede Stunde, Tag
für Tag. In den Medien war von bis zu 5.000 Besuchern pro Tag die
Rede. Kritiker argumentieren, dass dazu pro Tag 100-170 Busse in
Heiligendamm hätten ankommen müssen. Das ist korrekt, kann aber
relativiert werden: Der Molli fasst jeweils bis zu 28 Personen in
seinen bis zu 11 Waggons, also insgesamt etwa 308 Personen. In
beiden Richtungen wird 12 Mal in Heiligendamm gehalten, macht 24
Einfahrten am Tag, mal 200 Personen (Die Wagen sind ja selten ganz
voll), ergibt 4800 Leute. Hinzu kommt der ÖPNV-Bus mit ca. 5 Personen pro
Stunde, also etwa 60 Personen und dann haben wir ja auch noch die im
Sommer immer prall gefüllten Parkplätze mit damals etwa 200
Stellmöglichkeiten, die im 2-Stunden-Takt neu aufgefüllt werden,
sodass 5000 Tagesgäste durchaus realistisch sind.
Diese 5000 Leute
wollten nun von Heiligendamm etwas sehen und das beste, was es zu
der Zeit zu sehen gab, war nun einmal das Grand Hotel. Das Gelände
war öffentlich und so liefen die Massen über die Wege und
Rasenflächen.
Natürlich wusste Jagdfeld schon 1997, dass "sein"
Hotel auf einer grünen Wiese stehen wird. Er glaubte nach eigenen
Aussagen, dass das funktionieren würde. Unter den Herzögen
funktionierte es ja auch.Den Faktor "Mensch" konnte
keiner der Verantwortlichen damals voraus berechnen.
Und so strömten
diese Menschen nun von Süden nach Norden und wieder zurück.
Vorbei
am Eingang des Grand Hotel, über den Parkplatz, vorbei an der
Kurhausterrasse, am Findling, der Nelson-Bar, der Perle... vorbei an
der Bar im Kurhaus, am SPA-Bereich, an der Burg, den Cottages, dem
Kinderclub, durch das Gelände der Median-Klinik. Der Zustand war
unhaltbar.
Die Median-Klinik stellte Schilder auf, die darauf
hinwiesen, dass das Betreten des Median-Kurparks nur für Klinikgäste
gestattet ist. Das Grand Hotel hätte solche Schilder auch aufstellen
können (und tat es teilweise auch) aber es war nutzlos.
Während die
Touristenströme für die Median-Klinik bestenfalls ein Ärgernis
waren, stellten sie für das Grand Hotel ein echtes Problem dar: Die
gesamte Logistik mit den Elektromobilen verläuft vom
Wirtschaftsgebäude an der Straße zum Kinderstrand aus zu den
einzelnen Gebäuden. Die Elektroautos mussten also durch diese Ströme
hindurch, was zum einen sehr riskant war und zum anderen auch nicht
sehr effizient - für den Zeitplan, wie für die Akkuladung.
Die Ostsee-Zeitung berichtete am 04.07.2003 erstmals über das
Problem:
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OSTSEE-ZEITUNG | Freitag, 4. Juli 2003 | Titelseite Bad
Doberan
Touristenströme nerven
Hotelgäste im Kempinski
Hecken und Tore sorgen für mehr Ruhe im Luxusresort
Das Grand Hotel
Kempinski hat einen tollen Start hingelegt. Doch manchem Gast
ist es zu unruhig im Luxusresort Heiligendamm . Darum werden
jetzt die Touristenströme umgelenkt.
Heiligendamm (OZ) Das Kempinski Grand Hotel in
Heiligendamm gehört nicht nur zu den elegantesten Hotelanlagen
in Deutschland, ohne Frage ist es eine der schönsten. Viele
haben lange gezweifelt, ob denn das Wunder von Heiligendamm,
die Wiedergeburt der Weißen Stadt am Meer, gelingen würde.
„Wir haben zurzeit eine
Auslastung von etwa 60 Prozent und die Nachfrage ist
ungebrochen“, ist Direktor Thomas Klippstein mit dem Start
zufrieden. Die Sorgen drücken an anderer Stelle, wie Heiner
Zimmermann, Geschäftsführer der Entwicklungs Compagnie
Heiligendamm und Anno August Jagdfeld, Geschäftsführer der
Fundus-Gruppe, die Investor im gesamten Areal ist, gestern an
Beispielen belegten. Die Flut von Tagesgästen, die nicht nur
aus Mecklenburg-Vorpommern nach Heiligendamm kommen, um dort
das Luxusareal zu bestaunen, stört die Ruhe der Hotelgäste und
Restaurantbesucher. Busunternehmen werben deutschlandweit mit
Tagesausflügen nach Heiligendamm. Die Schaulustigen bringen
Unruhe.
„Ein Hotel ist eine Oase
der Ruhe und kein Museum. So wie wir ursprünglich den Betrieb
vorgesehen hatten, funktioniert er nicht“, fasst Heiner
Zimmermann zusammen. Die Konsequenz:
Mit Hecken, Absperrungen und kleinen Toren sollen die
Touristenströme um das Herz der Anlage herum geführt werden.
Dies geschieht in Absprache mit der Doberaner Stadtverwaltung,
denn Bürgermeister Hartmut Polzin betont, dass die Stadt
prinzipiell daran interessiert sei, in der ganzen Ortslage,
speziell aber auf der Promenade, den öffentlichen Wegen und im
Strandbereich mehr Ordnung durchzusetzen.
„Es werden viele Regeln
missachtet“, weiß Hartmut Polzin, nennt Radler und Kradfahrer
auf der Promenade, Hunde am Strand, das Baden von der
Seebrücke aus, illegale Feuerstellen. Da die Stadt keinen
privaten Sicherheitsdienst beauftragen wird, stellt sie zwei
zusätzliche Mitarbeiter im Ordnungsamt ein, die am Strand und
auf der Promenade aktiv sein werden. Polzin bestätigt, dass es
natürlich ein Radfahrverbot im Bereich der Hotelanlage und auf
der Promenade gibt. Einschränkungen auf öffentlich gewidmeten
Wegen, wie zurzeit noch per Schild eingangs der
Prof.-Vogel-Straße angezeigt, aber nicht vorgesehen sind.
THOMAS STERNBERG |
Zäune waren nur begrenzt möglich: Die Wege waren öffentlich in dem
Sinne, dass sie zum großen Teil der Stadt gehörten.
Der Kleine Wohld
wurde durch das Forstamt verwaltet und dieses sah anno 2003 den Wald
in Gefahr und umzäunte ihn mit einem einfachen Holzzaun.
Die Ostsee-Zeitung gab die Situation anno 2003 völlig richtig
wieder:
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OSTSEE-ZEITUNG | Donnerstag, 14. August 2003 | Titelseite
Bad Doberan
Kleiner Wohld in Heiligendamm bleibt öffentlich
Verkauf ist noch
nicht entschieden
Der eventuelle
Verkauf von Randflächen in der Ortslage Heiligendamm des
Kleinen Wohldes sorgt für Diskussionen über den öffentlichen
Charakter dieses Waldbereiches.
Heiligendamm „Ja, es gibt Anfragen über den Verkauf von
Waldflächen bei Heiligendamm“, bestätigte gestern Iris
Uellendahl, Pressesprecherin im Landwirtschaftministerium.
Noch gibt es keine Ergebnisse. „Die Gespräche laufen noch.“
Nicht
nur diese Flächen sondern den gesamten Landeswald „Kleiner
Wohld“ in Heiligendamm verwaltet das Forstamt Bad Doberan.
Dort ist man sich der komplizierten Aufgabe bewusst, den Wald
zu pflegen, ihn für die Öffentlichkeit zugänglich zu lassen
und gleichzeitig den veränderten Verhältnissen in und um
Heiligendamm anzupassen. Dieser Wald grenzt eben an ein
Privatgrundstück.
„Vom Wald
aus gibt es keinen Zugang mehr nach Heiligendamm“, stellt
Forstamtsleiter Harald Runze klar. Um dort keine umherirrenden
Leute zu haben, wird versucht, den Publikumsverkehr zu lenken,
ihn erst gar nicht in eine Sackgasse laufen zu lassen. „Wir
wollen verhindern, dass unnötig Wald zertreten wird“, sagt
Harald Runze. Er betont, dass es in diesem Bereich auch nie
offiziell gewidmete Wege gegeben hat. „Es sind alles getretene
Wege, die auch von Radfahrern benutzt wurden, doch es gibt
keinen offiziellen Rad- oder Wanderweg im Wald östlich der
Strandoase“, so Runze. Der führt nämlich über die Straße vom
Kinderstrand nach Heiligendamm.
Grundlage aller Veränderungen regelt der Städtebauliche
Vertrag zwischen Investor und Stadt. Maßnahmen der Forst
werden mit der Stadt abgestimmt. So wurden eingangs des
früheren getretenen Weges in Richtung Heiligendamm Heckenrosen
und Sanddorn gepflanzt, um die Besucher „rechtzeitig auf
nutzbare Wege hinzuweisen“, sie so nicht in eine Sackgasse zu
schicken. Harald Runze stellt klar, dass der Wald natürlich
nach wie vor öffentlich ist:
„Jeder, der
will, kann dort seine Pilze sammeln. Das öffentliche
Betretungsrecht bleibt.“
Das sei im
Waldgesetz des Landes klar geregelt, unterstreicht auch Iris
Uellendahl. Auch ein eventueller Verkauf würde daran nichts
ändern.
Harald Runze ist klar,
dass in Heiligendamm für die Waldnutzung, die Wegeführung neue
Strategien gefragt sind. Dabei werde man aber stets das
öffentliche Interesse berücksichtigen.
THOMAS STERNBERG
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Da nun die Menschen nach Westen in eine Sackgasse liefen, stellte
das Grand Hotel (bzw. die ECH) ein weißes Holztor auf den Weg zum Kleinen
Wohld. Kritiker behaupteten, dass dieses Tor rechtswidrig sei aber
weder klagte jemand dagegen, noch sah die Stadt eine Notwendigkeit,
das Tor zu untersagen. Bis kurz hinter das Alexandrinencottage
gehörte das Grundstück der ECH und die öffentliche Promenade endete
am Waldanfang. Damit hatte die ECH auch das Recht, auf ihrem
Grundstück ein Tor aufzustellen, welches am Zugang hinderte.
Lediglich hatte die ECH dafür einen Steg über das Packwerk unterhalb
des Alexandrinencottages zu errichten, um einen Ausgleich für den
einst öffentlich nutzbaren Weg durch den Kleinen Wohld zu schaffen.
Außerdem wurden der Strandabgang "Liegnitzsteg" im Westen und die
Straße zum Kinderstrand im Süden als Grenzen für die ECH gesteckt.
Innerhalb dieses Bereiches würde man die ECH einen Hotelpark
einrichten lassen, wenn die ECH dafür den umrandeten Wald als
Kurwald auf eigene Kosten herrichten und der Stadt die Wegflächen
übereignen würde. Mit dem Bau des Steges in 2003 erfüllte
die ECH die erste Forderung des Grundlagenvertrages und mit der
Übergabe des Kurwaldes in 2009 die zweite.
Bleiben wir aber im Jahre 2003. Außer Tagesgästen
kamen auch Hotelgäste.
Das Grand Hotel legte einen guten Start hin,
war bestens ausgebucht und die Gäste waren begeistert vom Hotel und
von Heiligendamm. Der einzige Kritikpunkt, den immer mehr Gäste
hervor brachten, waren die vielen guckenden (es wurde "gaffenden"
gesagt) Touristen. In der Tat wurden aus Menschenschlangen
Menschentrauben, die ihre Fotoapparate zückten und drauf hielten. Da
man wusste, dass hier möglicherweise der eine oder andere Star
Urlaub machen könnte, achteten einige Touristen auch ganz gezielt
auf die Hotelgäste, die sich nun einmal mehr begafft fühlten.
Kritiker versuchen, diese Geschehnisse zu verschweigen, zu
umschiffen oder notfalls zu verleugnen.
Man muss es selbst erlebt
haben. Die Foto-Rundgänge geben das Ganze aus verschiedenen Gründen
nicht wieder:
Erstens, weil es aus rechtlichen Gründen vermieden
wird, Menschen mit auf dem Bild zu haben und zweitens, weil die
Fotos erst 2004 gemacht worden sind und da die ersten Zäune bereits
standen.
Im Jahre 2003 hatten wir die Situation, dass die Menschen
nach Westen liefen, die Burg sahen, im Westen nicht weiter bis in
den Wald kamen und also Richtung Burg liefen. Wer nicht wusste, dass
im Wald noch ein Cottage steht, es übersehen hatte oder sich für den
Wald nicht interessierte, lief wieder Richtung Kühlungsborner Straße
und wer in den Kleinen Wohld wollte, lief am Wirtschaftsgebäude
vorbei. Da sich in diesem auch hochwertige Waren und Güter befinden,
wurde das Wirtschaftsgebäude bald hermetisch abgeriegelt, sodass
viele Touristen nun den Versorgungsweg bis kurz vor das
Wirtschaftsgebäude entlang liefen und dort schließlich auf den
Median-Kurpark auswichen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis
entweder die ECH oder die Median-Klinik diesem Treiben ein Ende
setzen würde.
Ein paar Impressionen von März 2004: Heiligendamm Zaun-arm
aber Besucher-reich.



(C) 2004 Familie Affinass
Zum Jahresbeginn 2004 konnte das Grand Hotel die erste Bilanz ziehen
und die Meinungen der Gäste auswerten.
Das Fazit war eindeutig:
Viele werden nicht wieder kommen, weil sie sich von den
Touristenmassen gestört fühlten, keine Rückzugsmöglichkeiten fanden
und sich überall beobachtet fühlten.
Diese Meinungen hat das Grand
Hotel sich nicht ausgedacht - sie lassen sich verifizieren. Die
Ostsee-Zeitung zitiert am 11.03.2004 den damals 29jährigen
Heiligendammer Nils Jeske: "Der Gaffer-Tourismus ist uns auch
peinlich".
Weiterhin zitiert sie am 24.07.2003:
|
„Die Flut von Tagesgästen stört die Ruhe der Hotelgäste
und Restaurantbesucher.“ Fast wie im Zoo gehe es zu, schrieb
Urlaubsgast Marcus Terbach aus Bochum in einem Leserbrief an
die OSTSEE-ZEITUNG.
„Es stimmt, man fühlt
sich beglotzt“, urteilt ein Chirurg aus Berlin, der sich mit
seiner Frau für drei Tage in Heiligendamm erholen will. „Im
Moment ist das hier wohl eine Attraktion“, meint Hotelgast
Silke Hofmann (34), Steuerberaterin aus Erlangen,
achselzuckend.
Viele Einheimische sind noch aus anderem Grund sauer.
„Wanderer mit Hunden, Schulklassen, Radfahrer und viele
andere“, vergällen Kurt Schwarz aus Heiligendamm das
Badevergnügen an der Brücke. „Mit Ruhe und Erholung ist es
vorbei.“
|
Auf holidaycheck.de fanden folgende zwei Aussagen in den
Hotelbewertungen - wenn auch erst aus
2004:
|
"Direkt am Strand, aber leider keinen privaten Abschnitt. Sehr
viele Leute, die nicht im Hotel wohnen, rennen ständig durch
die Anlage als Tourist. Es gibt sogar Führungen durch das
Hotel, dass man als Gast lange mit dem Aufzug nicht mitkommt.
Bei einem Preis von mind. 240 Euro pro Nacht für das kleinste
Zimmer nicht zumutbar. "
"Sehr schönes Hotel, tolle Optik. Gästestruktur schwierig -
viele Glotzer. Sehen und gesehen werden."
|
Das sind nur zwei Meinungen. Man muss das natürlich hochrechnen:
Wie
viele Gäste geben schließlich ausgerechnet ihre Bewertungen im
Internet bei Holidaycheck ab?
Fakt ist, dass das Problem genannt
wurde und das Hotel handeln musste, denn viele Gäste gaben an, nicht
wieder zu kommen und in der Folgezeit stornierten nach Angaben
Jagdfelds 10% der Gäste ihre Buchungen. Jagdfeld drückte es so aus,
als ob sie es nur wegen des Wandertourismus täten. Sagen wir "Sie
taten es auch deswegen". Viel schlimmer war für das Hotel, dass sich
diese Erfahrungen herum sprachen. In den Zeitungen stand von einem
furzenden Angler zu lesen, von Touristen in Badehose und Latschen,
viel Nacktheit und eben jenen Gaffern. Wer das las, wollte nicht
mehr nach Heiligendamm.
Für das Grand Hotel eine Katastrophe, für den Investor ein Hindernis
und für die Anleger ein Ärgernis.
Der Ausbau Heiligendamms hing und
hängt davon ab, wie gut das Hotel ausgelastet und wie hoch seine
Einnahmen und vor allem Gewinne sind. Wollte man also die anderen
Sanierungs- und Bauvorhaben umsetzen, musste man schnell reagieren.
So forderten dann im Frühjahr 2004 nacheinander FUNDUS-Chef Jagdfeld
und Hotelchef Klippstein die Einfriedung des Hotels. Den ersten
Schritt machte das Hotel selbst, indem es weiße Holzzäune halb über
die Wege stellte. Man durfte die Wege nicht versperren und so
versuchte man es mit Hindernissen.
Natürlich brachte das nicht den gewünschten Erfolg und darum wurden
dem Grand Hotel seitens der Stadt Zäune und Tore genehmigt. Dazu
wurden Wege überschrieben und viele Verträge gemacht.
Nichts geschah
gegen das Gesetz und nichts geschah ohne das Wissen der
Stadtvertreter.
Das Jahr 2004 war aber auch das Wahljahr und vor der
Tür standen neue Parteien, wie die Doberaner Mitte oder auch der von
Mitgliedern der Bürgerinitiative "Öffentlichkeit in Heiligendamm"
(Pro-Heiligendamm), der Bürgerinitiative "Für Erlebbarkeit in
Heiligendamm" und dem Bürgerrat gegründete Bürgerbund, dem sich
viele Architekten, Dienstleister und Heiligendamm-Liebhaber
anschlossen.
Der Bürgerbund sprach sich gegen eine Abschottung
Heiligendamms aus und damit den Bürgern 2004 aus dem Herzen. Er
gewann drei Sitze in der Stadtvertreterversammlung und schickte die
drei größten Widersacher (Stand 2009) des Projekts in das Rathaus.
In der Folgezeit wurde versucht, bereits gefasste Beschlüsse wieder
rückgängig zu machen und neue Beschlüsse zu Gunsten der ECH zu
blockieren, dem Projekt also zu schaden. Schnell erkannten viele
Bürger die Absichten, die hinter dem Wahlversprechen des
Bürgerbundes standen und bezogen öffentlich Stellung gegen die neue
Partei und ihre Mitglieder. Das war der Beginn das
Schwarz-Weiß-Denkens in Bad Doberan und Heiligendamm. Aus Kritikern
wurden Gegner und aus Befürwortern Verfechter - egal, in welche
Richtung man es dreht.
Dennoch konnte der Bürgerbund allein mit seinen drei Sitzen keine
Mehrheitsentscheidungen erreichen.
Er versuchte daher fortan, andere Stadtvertreter von seinem
Standpunkt zu überzeugen. Anno 2009 geht das sogar so weit, dass
Bürgerbund-Stadtvertreter andere Stadtvertreter in öffentlichen
Versammlungen unsachlich angreifen und als Stadtvertretervorsteher
die geforderte Neutralität nicht oder nicht richtig anwenden. Aber
das ist Politik der Zukunft, denn wir sind ja noch immer im Jahre
2004.
In diesem Jahr nun wurde ein Zaun mit Tor entlang der
Kühlungsborner Straße zwischen Kurhaus und Orangerie errichtet, um
den wichtigsten Versorgungsweg von Nicht-Hotelgästen freizuhalten.
Außerdem wurde ein Tor neben dem Kurhaus errichtet. Vorgesehen war,
dass die Besucherströme nur noch an einem Punkt durch das
Hotelgelände gelangten: Über die Professor-Vogel-Straße. Alternativ
gab es ja den Weg durch das Waldstück und die Seedeichstraße.
Das
Tor am Kurhaus erwies sich allerdings als Eigentor, denn es
behinderte die eigene Logistik. Zwar ging es offenbar über
Fernbedienungen automatisch auf und zu aber das Ganze war gleich
zweimal hintereinander nötig, denn die Elektromobile mussten an der
Südfront des Kurhauses raus und an der Ostfront wieder hinein. Dabei
passierten sie ein paar Meter Bürgersteig, der an dieser Stelle sehr
schmal war und sich direkt in der scharfen Kurve der Kühlungsborner
Straße befand. Wer ausweichen musste, tat dies mit einem Schritt auf
die Straße. Ein Fahrfehler hätte zudem gereicht, ein Elektromobil
seitwärts mitten in der Kurve auf die Straße zu legen.
Das war keine
Lösung und da Stadt und Straßenverkehrsamt sowieso vor hatten, bei
der nächsten Straßensanierung den Bürgersteig zwischen
Severin-Palais und Orangerie rechtsseitig zu entfernen, wurde das
Tor direkt am die Straße gesetzt, sodass die Logistik bequem
dahinter verlaufen konnte - ohne Fußgänger und ohne Tore. Zugleich
konnten auch die Hotelgäste zwischen Orangerie, Burg und Kinderclub
auf der einen und Kurhaus, Grand Hotel und Severin-Palais auf der
anderen Seite gelangen, ohne jedes Mal an Toren mit Chipkarte aus-
und wieder einchecken oder die Arkaden zwischen Haus "Mecklenburg"
und dem Kurhaus durchlaufen zu müssen. Immerhin liegt der SPA-Bereich im Severin-Palais und das hieß für die Hotelgäste
bisher, sich am Strandabgang Nr. 2 (Waldrand Kleiner Wohld)
auszuchecken und am Findling wieder einzuchecken.
Ein Hotel muss an
seine Gäste denken.
Vom Eigentum her gehörte der Stadt die Promenade in der ganzen Länge
und Breite.
Außerdem gehört ihr der
Weg bis zum Tor am Findling - der Findling selbst befindet sich aber
auf Hotelgrund.
Alles was zwischen Rasen-Nordkante Grand Hotel und
Rasen-Nordkante Haus "Mecklenburg" liegt, gehörte beim Kauf der ECH.
Nicht weil sie es unbedingt haben wollte, sondern weil es ihr so
verkauft werden musste, da es zum Grundstück dazu gehörte.
Die Stadt
wollte aber den Seebrückenvorplatz gern erhalten und darum wurde im
Grundlagenvertrag festgelegt, dass sie den Platz bekommt und die ECH
dafür den westlichen Promenadenteil zwischen
Seebrückenplatz-Westkante und Waldrand bekommt.
Schon deshalb hat
die Stadt nie etwas gegen das geschlossene Tor am Kleinen Wohld
getan:
Der Promenadenteil war eh für die ECH vorgesehen.
Zu klären
war nur, was mit dem vom StAUN mit Fördermitteln gebauten
Strandzugang Nr. 2 geschehen würde und darum blieb dieser Teil der
Promenade zunächst für alle offen. Den Teil des Seebrückenvorplatzes jedoch
überließ die ECH im Vertrauen auf die Vereinbarung dennoch der Stadt
und setzte seinen Grenzstein am Zugang am Findling in Höhe der Ecke
des Rasens vor dem Haus "Mecklenburg".
Zunächst standen alle Tore
recht einsam auf freiem Felde, denn zwischen ihnen gab es Hecken
aber keine Zäune. Genau diese forderte aber das Grand Hotel, da die
Hecken vornehmlich ignoriert - also überstiegen wurden. Und da es
genügend Lücken gab, wo man keine Hecken pflanzen konnte oder
wollte.
Heiligendamms Infrastruktur auf dem
Prüfstand - Das Expertenkolloquim.
Heiligendamm stand in der Saison 2003 vor dem Kollaps und das sollte
sich 2004 nicht wiederholen.
Darum mussten Investor und Stadt
handeln - und zwar sofort. Die ECH - mit der Materie vertraut -
beantragte einige bedeutsame Änderungen in den Bebauungsplänen. Die
Stadt hätte damit viel aus der Hand geben müssen. 2004 war jedoch
auch das Superwahljahr und die bestehende Stadtvertreterversammlung
wollte nicht so aussehen, als wenn sie Zugeständnisse machen würde.
Hinzu kam selbstverständlich der fachliche Aspekt: Stadtvertreter
sind Menschen aus verschiedensten Berufsgruppen, von denen niemand
irgendwelche fachlichen Voraussetzungen erwartet. Das bedingt aber
auch, dass sie manchmal über Dinge abstimmen müssen, von denen sie
keine Ahnung haben. Darum gibt es ein so genanntes
"Werkstattverfahren", in dem die Stadt Experten und Planer
einberuft, die den Stadtvertretern zum Beispiel die Bebauungspläne
und die beantragten Änderungen erklären. So ein Verfahren kostet
mehrere tausend Euro und die Stadtvertreter beschlossen, wenigstens
den B-Plan B25 in dieses Werkstattverfahren zu schicken.
Nachdem das Werkstattverfahren abgeschlossen war, wussten die
Stadtvertreter Bescheid und mussten über die Änderungen abstimmen.
Den meisten Stadtvertreten war klar, dass die beabsichtigten
Einschränkungen für die Bürger nicht vermittelbar sind. Andere
wollten diese schwere Last der Verantwortung schlichtweg nicht auf
sich nehmen, ohne die Wähler hinter sich zu wissen. Viele
Stadtvertreter und auch Bürger brachten eigene Anregungen ein und
die Diskussion drohte sich lange hinzuziehen. Man brauchte aber
Taten und Ergebnisse bis zur Saison.
Also wurde ein Experten-Kolloquim organisiert. Die Stadt beauftragte
die Planungsbüros ACM Architekten Kontor Magdeburg und PPP Petersen-
Pörksen Partner / TGP Trüper Gondesen Partner aus Lübeck und die ECH
beauftragte die zwo4 Bürogemeinschaft von Architekten und ARGE amj
design GmbH / ISH Beratende Ingeneure GbR aus Rostock. Damit hatte
jede Partei gleich viele Planungsbüros. Zahlreiche gelandene Gäste
aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft waren geladen,
Bürgerinitiativen, Vertreter verschiedenster Organisationen und
interessierte Bürger waren anwesend und es wurde mehrere Tage lang
präsentiert, diskutiert, nachgebessert, wieder präsentiert, und
wieder diskutiert
Die Kernpunkte der Diskussion gibt die Ostsee-Zeitung am 11.03.2004
sehr treffend wieder:
|
In Heiligendamm badet ein Investor, der Edel-Hotellerie
will, das aus, wovon M-V so gern lebt: Massentourismus. Nils
Jeske (29) aus dem Ort sagt: „Der Gaffer-Tourismus ist uns
auch peinlich.“ Für das Hotel hat das massive wirtschaftliche
Folgen, sagt Jagdfeld. 30 Prozent Umsatzeinbußen. Gut betuchte
Gäste bleiben weg, weil ihnen Neugierige ins Schlafzimmer
gucken. Deshalb will Jagdfeld den Hotel-Komplex abschirmen.
Anwohner protestieren. „Das Seebad lebt von einer Vielzahl von
Spaziermöglichkeiten. Das ist dann nicht mehr gegeben“, sagt
Angela Schulze (44) aus Bad Doberan.
Jagdfeld dazu:
„Außerhalb von Bad Doberan versteht man nicht, warum hier so
kleinmütig gedacht wird. Eine Blamage für die Region.“ Der
Grandseigneur der Immobilienbranche kann nicht verstehen, dass
„jeder Meter Strand, Wald, Weg“ öffentlich sein muss.
Fundus will neue
Lösungen. Sonst seien die nächsten Bauschritte mit
Gesundheitskomplex, Hotel „Adlon am Meer“ und Demmler-Palais
im Ortskern gefährdet. 200 Millionen Investitionen und weitere
250 Arbeitsplätze ebenso.
Aber es gibt Hoffnung.
Eine Expertenkommission hat einen Kompromiss vorgelegt: Vom
Ortskern zum Strand soll nur noch ein Weg durch den
Hotelbereich führen. Von außen soll das Ensemble durch
Rundwege erlebbar, aber innen nicht mehr begehbar sein.
Reisebusse sollen vor dem Ort gestoppt, ein Shuttle-Verkehr
eingerichtet werden.
Die Anwohner, von denen
viele Verständnis für den Investor aufbringen, müssen einige
Kröten schlucken. Angela Schulze spricht aus, was viele
denken: „Es wird enormer Schaden für Bad Doberan entstehen,
wenn die Wegerechte an den Investor abgegeben werden.“ Die
Menschen befürchten, dass sie Stück für Stück aus dem Ort
gedrängt werden.
Diese Ängste – nicht
jeder teilt sie. Heinz Kopp (53), Chef des
Einzelhandelsverbandes M-V, hat dafür gar kein Verständnis:
„Sie sollten sich schämen, Ihre Kinder in den Westen zum
Arbeiten zu schicken, während sich eine derartige Chance
ergibt. Zugleich fliegen Sie nach Ägypten und fordern dort,
was Sie hier den Gästen nicht gönnen. Ruhe!“ |
Am Ende musste die 13-köpfige Empfehlungskommission aus
Stadtvertretern, Planern, Moderatoren, Verwaltungsangestellten und
dem Bürgermeister eine Empfehlung aussprechen.
|
Empfehlungen der Empfehlungskommission des
Expertenkolloquims zur städtebaulichen Entwicklung
Heiligendamms
Strandversorgung / neues Zentrum Ost
• Verzieh! auf Parkplatz mit ca. 200
Parkplätzen am Sedimentteich; dafür Schaffung einer neuen
Parkplatzanlage mit höherer Kapazität am
Schießplatz und Unterbringung von öffentlichen Parkplätzen im
Thalasso-Zentrum
• Öffentlicher Parkplatz zwischen
Seedeichstraße und Golfteich mit der Zweckbestimmung für
Behindertenparkplätze und Fahrradabstellflächen
• Verlagerung der Baufläche für
Strandversorgung nach Osten
• Ausbildung der Baufläche In
Dreiecks^ form in Anlehnung an Uferkante Golfteich
• Falls eine Fußgänger- /
Radfahrerbrücke über die Seedeichstraße zwischen
Strandversorgung und Düne technisch und finanziell darstellbar
sein sollte, könnten die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür im
Rahmen einer späteren B-Plan Änderung geschaffen werden.
Parkplätze am Schießstand / Wegeverbindung zum Strand
• Aufstellung eines B-Planes für einen
öffentlichen Parkplatz mit ausreichender Kapazität für PKW-
und Busstellplätze am Standort des
Schießstandes, einschließlich der erforderlichen Infrastruktur (z. B.
WC-Anlagen)
• Planung und Bau einer direkten Fuß- /
Radwegeverbindung zwischen Parkplatz und Strandversorgung
• Prüfung, ob die Wegeführung und
technische Ausbildung im Bereich des Golfteiches auch am Ufer
oder / und z. B. durch Stege im Bereich
der Wasserflächen erfolgen könnte
Öffentliche Wegeführung Molli-Bahnhof Strand / Seebrücke /
Gedenkstein
• Ausweisung eines öffentlich
gewidmeten Fußweges zwischen Kempinski Grand Hotel /
Severinpalais und den Kolonnaden (geplantes Hotel
Adlon am Meer) mit direkter Anbindung an die vorhandenen Wege im Kurwald
und Weiterführung an den Molli-Bahnhof
• Sicherstellung eines öffentlich
gewidmeten Zugangs zwischen dem Kempinski Grand Hotel und Haus
Perle bis zum Gedenkstein in
Fortsetzung des vorgenannten Fußweges von Süden bis zur Seepromenade
- Hotelbereichsberuhigung (Kempinski
Grand Hotel und Adlon) durch Einziehung der Widmung der
Prof.-Dr. -Vogel-Straße und
entsprechende Gestaltung des Kreuzungspunktes des neuen Weges zwischen
den Hotelanlagen und dem Kfz-Verkehr auf der Trasse der
Prof.-Dr.-Vogel-Straße
Neubauten Ressort-Hotel entlang Prof-Dr.-Vogel-Str.
• keine Vornahme von Änderungen am
B-Planvorentwurf Nr. 25
Standort und LageThaLasso-Zentrum
• Verschwenkung der Seedeichstraße auf
das technisch größtmögliche Maß nach Osten einschließlich
einer geänderten Kurvenausbildung der
Straße
■ Damit verbunden Verlegung des
Sedimentteiches nach Osten unter Verzicht der Parkfläche P3
- Verschiebung des Thalasso-Zentrums um
das größtmögliche Maß nach Osten an die verlegte
Seedeichstraße, um einen deutlicheren
Abstand zwischen der denkmalgeschützten Bebauung und der
Thaiasso-Bebauung herzustellen
■ Überprüfung einer Drehung des
Thalasso-Zentrums von 18" auf 15" um zusätzlichen Absland zur
historischen Bebauung zu gewinnen.
• Unterbringung von öffentlichen
Parkplätzen in der Tiefgarage desThalasso-Zenlrums als
Teilersatz für wegfallende Parkplätze am
Sedimentteich wird empfohlen
Standorte Ayurveda-Zentrum und Klinik
für plastische Chirurgie
• keine Vornahme von Änderungen am
B-Planvorentwurf Nr. 26
|
Nachdem nun das Expertenkolloquim beendet war, flachte die
Diskussion ab. Das Grand Hotel durfte sich einfrieden und begann
prompt damit. Zusätzlich zur bereits eingezäunten Perlenkette kam
nun ein Zaun hinzu, der vom Tor am Findling zum Grenzstein und
weiter zum Tor am Haus "Mecklenburg" verlief.
Ein weiterer Zaun
wurde vom Tor am Findling bis zur Höhe des Grenzsteines und Richtung
Osten bis zur Nordost-Ecke des Grand Hotel (Haupthaus) errichtet.
Das Severin-Palais inklusive Liegewiese wurde ganz umzäunt und die
Kolonnaden dabei ausgespart.
Im Westen wurde ein Zaun vom Haus
"Mecklenburg" bis an das Tor am Waldrand errichtet. Die
Bungalowsiedlung im Großen Wohld wich wie geplant dem Großparkplatz
und dieser wurde mit einem Weg nach Norden und drei Westen an die
Seedeichstraße und mit zwei Wegen nach Süden an die Kühlungsborner
Straße für Fußgänger und Radfahrer angebunden. Autos kommen und
verlassen den Parkplatz über die Kühlungsborner Straße.
Im Kleinen
Wohld wurde das Alexandrinencottage mit einem Reisigwall umgeben.
Kritiker empfanden dies als weitere Aussperrung. Jedoch verhindert
dieser Wall auch das Eindringen von Wild, welches nun einmal auch im
Kleinen Wohld lebt, in das Hotelgelände. Der Wall hinderte wie auch
die Holzzäune Neugierige nicht daran, zu klettern.
Nun gab es also nur noch die Professor-Dr.-Vogel-Straße als
Nord-Süd-Verbindung durch das Ensemble, sowie den Weg durch den
umrandeten Wald (heute Kurwald) und entlang der Seedeichstraße. Das
war eine Lösung, die das Grand Hotel resp. der Investor hinnehmen
musste, die aber alles andere als tauglich war.
Denn es wurden nicht
weniger Gäste und nun strömten diese Massen eben auf der ganzen
Breite über die Straße, die zugleich Einfahrt und Eingang für das
Grand Hotel darstellte, Lieferstraße für das Severin-Palais war und
das Severin-Palais mit dem Rest des Grand Hotels verband. Im
Severin-Palais befinden sich in erster Linie Zimmer.
Das bedeutet,
dass wer dort wohnt, zum Essen ins Kurhaus und in der Freizeit in
die Bars des Ensembles geht. Dazu muss er die Prof.-Dr.-Vogel-Straße
überqueren. Anders herum beherbergt das Severin-Palais auch den SPA-Bereich mit Schwimmbad, Saunen, Bädern, Anwendungsräumen,
Ruhekabinetten, dem Fitnessbereich und der Dachterrasse. Damit ist
das Severin-Palais natürlich Ziel von allen Gästen aller Häuser und
das mitunter mehrmals am Tag durch dieselben Gäste.
Diese Gäste nun
mussten durch die Touristenströme, die Hotellogistik und den An- und
Abreiseverkehr hindurch zu ihrem Ziel, um dann - sehr oft im
Bademantel - auf dem Rückweg dieselbe Tortur noch einmal
durchzumachen. Immer begutachtet von teils erstaunt und teils
neugierig blickenden Nicht-Hotelgästen.
Man kann es den Leuten nicht
verdenken, dass sie erstaunt über wohlhabende Leute im Bademantel
waren, dass sie einen Blick wagen, ob diese Leute denn nun eine
schönere Haut und einen besser geformten Körper haben oder ob da
Prominente bei sind. Während die Investoren die "gaffenden"
Touristen monierten, wiesen Kritiker darauf hin, dass dies eine
Beleidigung für die Tagesgäste sei. Auch heute noch (2009) glauben
einige Leute, dass der "Gaffer-Tourismus" nur künstlich hoch
gespielt wurde. Meistens sind das keine Einheimischen. Die
Einheimnischen übrigens stellten für Jagdfeld kein Problem dar:
|
Jagdfeld: Sicher macht man bei einer so einzigartigen
Projektentwicklung auch Fehler. Aber die Unzufriedenheit der
Gäste ist davon unabhängig. Ich hatte geglaubt, dass man die
Hotelanlage mit einem völlig offenen Gastbereich erfolgreich
führen könnte. Aber im Sommer haben täglich bis zu 5000
Besucher – davon übrigens höchstens zwei Prozent aus Doberan
und Umgebung–im Ort Station gemacht. 5000 Ausflügler täglich
hinterlassen Spuren, die nicht zu verkraften sind.
OZ: Sie wollen
also doch ein geschlossenes Areal, wie es von Kritikern
befürchtet wird?
Jagdfeld: Das
Gesamtensemble Heiligendamm soll für jedermann künftig
erlebbar bleiben–von der Promenade aus, von der Hauptstraße
aus. Aber eben nicht jedes einzelne Haus der Hotel-Anlage.
Nicht jedes Gästezimmer muss durch die Scheibe von Neugierigen
besichtigt werden können. Da muss sich etwas ändern. Wir
brauchen Einfriedungen.
|
Die Stadt stellte Wegweiser auf, welche die Seebrücke und den Strand
nach Osten hin ausschilderten. Ortsunkundige Touristen liefen daher
vom Molli-Bahnhof kommend durch den heutigen Kurwald zur
Seedeichstraße und von dort über die Promenade zur Seebrücke. Ein
Wegweiser stand an der Wegkreuzung im heutigen Kurwald und ein
weiterer an der Südwand des Hauses "Schwan".
Da die Seebrücke von
hier aus nicht zu sehen war, liefen viele Leute tatsächlich den
Umweg nach Osten.
Die Stadt hatte aber noch eine andere Überlegung:
Im Osten standen die beiden einzigen Kurtaxenautomaten, weil sich
dort auch die beiden Strandzugänge befinden. Bei der Aufstellung
schon wissend, dass sowieso bald alles von Osten her auf die
Promenade und zum Strand muss, wurden westlich des Strandzugangs gar
keine Automaten aufgestellt.
Die Umleitung war also kein Gefallen an
die ECH, sondern eine wirtschaftliche Überlegung: Die Leute sollten
am Kurtaxenautomat vorbei. Die Stadt hätte auch von sich aus die
Professor-Vogel-Straße sperren können aber dazu bedurfte es einer
Entwidmung und da die Straße sowieso an die ECH gehen sollte, musste
man sie ja nicht zweimal umwidmen.
Nach der Wahl hatten sich die Machtverhältnisse in der
Stadtvertreterversammlung geädert. Der Bürgerbund zog mit drei
Kandidaten ein und als erste Handlung versuchten Bürgerbund und
FDP-Fraktion (hier besonders Harry Klink), den Weg durch den
Küstenwald wieder freizukämpfen. Dafür wollten sie zunächst bereits
gemachte Beschlüsse zurück nehmen lassen, erkannten aber, dass ihnen
dafür die Mehrheit fehlte. Das Thema tauchte jedoch immer wieder auf
und wurde durch Äußerungen von Bürgerbund-Vertretern, Mitgliedern
der Bürgerinitiative (Pro-Heiligendamm) und Harry Klink ständig am
Leben erhalten.
Nach der Stadtvertreterversammlung wurde auch der Bürgermeister neu
gewählt.
Hartmut Polzin gewann die Wahl ein zweites Mal und blieb im
Amt.
Kurz darauf kam es zu Verkäufen städtischer Grundstücke an das
Hotel. 875 Quadratmeter Grundstück, darunter auch der Rest der
vorhin angesprochenen westlichen Promenade, gingen per Erbpacht über
99 Jahre mit 8% Erbbauzins an die Hotelgesellschaft. Weiterhin
sollten 600 Quadratmeter Grundstück entlang der Südseite der
Professor-Vogel-Straße an die ECH gehen. Das war alles schon seit
1997 so beschlossen worden, wurde aber erst Ende 2004 umgesetzt.
Kritiker brachten jedoch Polzins Wiederwahl damit in Verbindung, was
natürlich jeglicher Grundlage entbehrte.
Für die Wegführungen waren
diese beiden Veräußerungen von größter Bedeutung: Im Westen wird die
Promenade an der Ecke des Hauses "Mecklenburg" enden und der Weg vom
Bahnhof zur Perlenkette wird am Grundstück der ECH in eine Sackgasse
führen. Darum wurde ein Stichweg in Erwägung gezogen, der aber stets
nur diskutiert und nie beschlossen wurde. Dieser Stichweg würde das
Hotelgelände zerschneiden, denn die beiden Neubauten "Ensemble
Palais" und "Ensemble Villa" hinter der Perlenkette gehören zur
damals als "Adlon am Meer" geplanten Residenz des Hotels. Die
Perlenkette sollte anno 2004 noch als Hotel betrieben werden. Wenn
das Hotel sich einfrieden darf, rechnete man sich eine bessere
Auslastung und erste Gewinne aus.
Das Jahr 2004 endet mit der
Meldung, dass der G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm stattfinden wird.
Wahlversprechen vs. Wirtschaftsinteressen.
Im Jahre 2005 wurde die Bungalowsiedlung im Großen Wohld abgerissen
und ein Parkplatz errichtet.
Bürgerbund-Mitglied Heike Ohde forderte
die Anlegung weiterer Wege Richtung Westen mit Anbindung an den
heutigen Kurwald, was einerseits den Wald zerschnitten hätte und
andererseits die Besucher wieder nach Westen gelotst hätte.
Die
Stadt wollte jedoch, dass die Gäste nach Norden laufen und von dort
aus auf die Promenade. Die Stadt verdient an Gästen, die an den
Strand gehen, denn dafür müssen sie Kurtaxe bezahlen. Darum hatte
die Stadt kein großes Interesse daran, die Touristen nach Westen
oder gar Süden zu lenken, sondern bot ihnen konsequent Wege nach
Norden an.
Im Mai 2005 versuchte dann FDP-Mann Harry Klink im Alleingang, was
ihm ein Jahr zuvor auf Grund fehlender Mehrheiten verwehrt blieb. Er
reichte Klage für eine Öffnung des Wanderweges durch den Kleinen
Wohld ein. Die Stadtvertreter hatten am 10.06.2004 per Beschluss die
Schließung des Zugangs von Westen aus legimitiert, da der einst
öffentlich nutzbare Pfad über das Grundstück der ECH verläuft. Nach
Klinks Auffassung war dieser Weg seit Menschengedenken öffentlich
und wurde nie entwidmet.
Bürgermeister Polzin widersprach mit der
Aussage, dass es sich um einen betriebsinternen Weg des Sanatoriums
handelte, der lediglich der Öffentlichkeit zugänglich war.
Forstamtsleiter Runze wies darauf hin, dass das, was hinter dem
Alexandrinencottage als Weg genutzt wurde, kein offizieller Weg,
sondern ein Trampelpfad ist. Dieser Pfad findet sich in keiner Karte
und sei sie noch so alt.
Die ECH hatte Pläne, den Steg über das
Packwerk auf 800 Meter zu verlängern und ihn behindertengerecht an
den Strandabgang anzubinden. Der Streit innerhalb der
Stadtvertretung um diesen Weg sorgte aber
für Planungsunsicherheiten, sodass die ECH die Pläne nicht umsetzen
konnte.
Im Juni 2005 wurde dann auch der 2004 beschlossene B-Plan 25
öffentlich, sodass die Sanierung der Perlenkette vorbereitet werden
konnte. Zum B25 gehören auch Thalassozentrum, Ensemble-Palais,
Ensemble-Villa und die öffentliche Strandversorgung. Nun war der Weg
frei für eine Bündelung der Angebote für die Touristen
Heiligendamms. Bestandteil des nun gültigen B-Planes ist auch eine
Planstraße, welche von der Einfahrt zum Golfteich zwischen Café am
Golfhaus und Villa "Eikboom bis zum Haus "Bischofsstab" reicht, wo
sie eine Wendeschleife bildet. An dieser Straße ist ein öffentlicher
Fußweg geplant, der auf die Promenade führt. Damit würde die
Professor-Vogel-Straße für den öffentlichen Fußgängerverkehr
möglicherweise wegfallen.
Nun hatten wir in 2005 also die Situation, dass es Zäune gab, von
denen die meisten eher Provisorien waren, weil die Stadtväter sie
billigten aber nicht genehmigt hatten. Das Hotel brauchte aber
Planungssicherheit und erinnerte daher erneut an die Situation.
Ein
Artikel der Ostsee-Zeitung gibt die Sache gut wieder:
|
OSTSEE-ZEITUNG.DE | Mittwoch, 16. November 2005 | Titelseite
Zäune in weißer Stadt
sollen bleiben
Eineinhalb Jahre ruhte der Streit um das Wegerecht in
Heiligendamm. Jetzt will die Stadt die Durchgänge endgültig
sperren.
Bad Doberan Es ist eine brisante Beschlussvorlage, die Bad
Doberans Bürgermeister Hartmut Polzin und Amtsleiter Norbert
Sass in der nächsten Stadtvertreter-Versammlung am 5. Dezember
verabschieden lassen wollen. Der Inhalt weckt einen Streit,
der nach außen hin eineinhalb Jahre ruhte – den um die
Öffentlichkeit der Wege in Heiligendamm.
Inhalt des Papiers: Es sollen Straßen, Wege, Plätze in der
weißen Stadt eingezogen oder gewidmet werden. Damit blieben
die bereits im Frühjahr 2004 mit Zäunen versehenen Wege rund
um das Kempinski Grand Hotel endgültig gesperrt. Zudem wäre
die Prof.-Dr.-Vogel-Straße künftig für die Allgemeinheit tabu.
Die Bürgerinitiative »Für Öffentlichkeit in Heiligendamm«
sieht darin eine Bestätigung dessen, was sie »von Anfang an«
vermutete: »Heiligendamm soll dicht gemacht werden«, sagt
Heike Ohde, die sowohl in der Bürgerinitiative mitwirkt als
auch Fraktionsvorsitzende des Bürgerbunds in der
Stadtvertretung ist. In der Beschlussvorlage sehen sie und ihr
Mitstreiter Hannes Meyer ein Eingeständnis der Verwaltung. »Im
Prinzip gibt der Bürgermeister zu, dass die Wege öffentlich
sind«, sagt Ohde. Diese hätten damit niemals gesperrt werden
dürfen und müssten sofort wieder geöffnet werden. »Der
Bürgermeister beugt das Recht«, meint Hannes Meyer.
Verwaltungschef Hartmut Polzin sieht das anders. Die
gesperrten Wege seien ursprünglich Wirtschaftswege für das
ehemalige Sanatorium in Heiligendamm gewesen, die entweder
nicht öffentlich oder betrieblich-öffentlich waren. Ob
Bürgerinitiative oder Polzin Recht haben, prüft derzeit nach
einer Klage von fünf Bad Doberanern das Verwaltungsgericht
Schwerin.
Mit einer Verabschiedung der jetzt vorliegenden
Beschlussvorlage könnte sich der Fall jedoch von selbst lösen.
Polzin sagt, ihm gehe es darum, »abschließende Klarheit zu
schaffen« und die Rechtsunsicherheit zu beenden. Eine weitere
Beschlussvorlage geht indes noch ein Stück weiter. Mit ihr
sollen die so genannten Flächen der Bebauungspläne 25 und 26
zu einem Kurgebiet zusammengefasst werden. Wird dies von den
Stadtvertretern beschlossen, wäre das gesamte klassizistische
Ensemble nur noch für Kurgäste, Patienten der Median-Klinik
sowie Hotel- und Restaurantgäste zugänglich.
Laut einem Sprecher der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm,
der an der Ausarbeitung der neuen Pläne beteiligt war, gehe es
im Ganzen darum, Ruhe in die weiße Stadt zu bekommen. »So wie
Heiligendamm heute ist, geht es unter«, meint er. Ob die
Sperrung der Wege dem Hotel genutzt hat, ließ er offen. Dass
das Kempinski Heiligendamm derzeit rote Zahlen schreibe,
bezeichnete er als offenes Geheimnis.
THOMAS PULT
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Im nächsten Schritt sollte also ein Kurgebiet errichtet werden,
welches vom Baus "Bischofsstab" zum Strandabgang "Liegnitzsteg" und
von der Kühlungsborner Straße bis an die Promenadensüdkanten
reichen, die Median-Klinik einschließen und den geplanten Kurwald
aussparen sollte. Das war kein Entgegenkommen für das Grand Hotel
oder den Investor, sondern eine praktische Überlegung: Kurgebiet
kann auch Kurtaxengebiet sein und man hätte mit nur einen Beschluss eine
Gesamtlösung, die Tagesgäste von Hotelgästen und Kurpatienten
trennt. Dem Hotel kam das auf keinen Fall entgegen: Es müsste dann
Kurpatienten auf das Hotelgelände lassen, was bisher nur für
Patienten mit außergewöhnlich schweren Einschränkungen galt.
Im November 2005 war dann ein Höhepunkt erreicht, an dem die
Bürgerinitiative (Pro Heiligendamm) eine Protestaktion plante. Dass
Bürger gegen Kraftwerke, Mastanlagen und Biogasanlagen protestieren,
ist nicht ungewöhnlich. Hier aber protestierten sie gegen die
Einfriedung eines Hotels und das war allemal ungewöhnlich.
Bürgermeister Polzin musste die Pläne zum Kurgebiet den Bürgern
erklären.
Er verwies auf den Status als Seeheilbad, der bis 2009
läuft und den es unbedingt zu erhalten gilt.
Ein Wegfall dieses
Status würde einen enormen Imageverlust aber auch geldwerte
Verluste, denn von Seeheilbadstatus sind auch die Nachfragen der
Kureinrichtungen abhängig - hier besonders die der Median-Klinik und
des Moorbades. Die Ausschüsse stimmten für das geschlossene
Kurgebiet aber die Stadtvertreter votierten für ein Kurgebiet mit
offenen Wegen.
Klar war jedoch nicht, ob das Hotelgelände mit in das
Kurgebiet einbezogen werden würde. Festgelegt wurde lediglich ein
Stichweg durch das Hotelgelände zwischen Molli-Bahnhof und
Seebrücke. Jedoch wurde dieser Stichweg in keinem Vertrag und in
keinem Bebauungsplan festgeschrieben, sodass er nur ein
Gedankenkonstrukt blieb, der vielleicht dazu dienen sollte, die
Gemüter zu beruhigen. Der Bürgerbund regte einen Bürgerentscheid an
aber da das Ergebnis vorhersehbar war und das Problem nicht löste,
sondern die Investitionen gefährden würde, lehnten die
Stadtvertreter dies ab.
Man kann solche Probleme nicht durch
Meinungsmehrheiten lösen, sondern nur durch gut ausgearbeitete
Konzepte. Dazu hätte es eigentlich wieder der Mithilfe von Profis
bedurft. Das letzte Wort zum Kurgebiet hatten die Stadtvertreter und
diese lehnten es ab. FUNDUS kündigte darauf hin an, die Lage
analysieren zu wollen. Damit schloss das Jahr. Praktisch änderte
sich 2005 nichts in Heiligendamm: Offene Wege blieben offen und
geschlossene Wege blieben geschlossen.
Kompromisse gegen die Hotel-Pleite.
Das Jahr 2006 begann mit Beschlüssen, die eine Veränderung der
Wegesituation mit sich bringen konnten.
Die ein Jahr zuvor zusammen
gelegten Bebauungspläne 25 und 26 wurden aus praktischen und
finanziellen Gründen wieder auseinander genommen, wobei es
Schnittmengen bei Fragen geben könnte, die beide Pläne betreffen.
Wege sind solche Dinge, die es ja in beiden Plänen gibt und wo Pläne
wieder verworfen werden könnten. Noch im März erlangten die beiden
Pläne nebeneinander Rechtskraft und der Handwerker- und
Gewerbeverein (HGV) stellte sich mit Hinblick auf die
Wirtschaftlichkeit hinter die Pläne und den Verzicht auf einige
Wege. Als Unternehmer wissen die Mitglieder dieses in der
Stadtvertretung sitzenden Vereins um die wirtschaftlichen Aspekte
und verstehen die Probleme des Grand Hotels. Damit war der Verein
auch einer der ersten Befürworter der "Sperrungen" genannten
Infrastruktur-Neuordnung.
Ebenfalls in 2006 wurden die Beschlüsse, die beiden B-Pläne getrennt
voneinander zu behandeln, zurück in die Ausschüsse verwiesen.
Dadurch konnte auch 2006 zunächst nichts an den Wegen und Zäunen
geändert werden.
Dafür kamen für ein paar Tage ganz andere Zäune nach Heiligendamm.
Vom 11. bis 14. Juli 2006 verweilte US-Präsident George W. Bush in
Heiligendamm und sorgte für einen Vorgeschmack auf den G8-Gipfel im
Folgejahr. Für Heiligendamm bedeutete dies eine wahre Flut an Zäunen
und eine totale Sperrung. Das Kempinski Grand Hotel wurde hermetisch
abgeriegelt. Entlang der Kühlungsborner Straße verlief ein Zaun, der
den heutigen Kurwald, die Median-Klinik, die Cottages und die
Promenade einzäunte und auch auf dem Strand bis zum Haus
"Bischofsstab" reichte. Der Durchfahrtsverkehr wurde gesperrt und
die Anlieger wurden kontrolliert. Die Zäune verschwanden aber alle
noch im Juli wieder.
Im Frühjahr 2006 beschlossen die Stadtvertreter schließlich die
Einziehung von öffentlichen Wegeflächen.
Heike Ohde vom Bürgerbund versuchte zu erreichen, dass die
Prof.-Dr.-Vogel-Straße erst mit Beginn der Sanierung der Villen
gesperrt wird und dass der westliche Teil Zugang zum Kleinen Wohld
werden sollte. Da die Sperrung aber Sache des neuen Eigentümers und
der Zugang zum Kleinen Wohld über ein Privatgrundstück nicht
erzwingbar ist, lehnten die Stadtvertreter dies ab. Lediglich einen
Stichweg vom Bahnhof durch den geplanten Kurwald zur
Professor-Vogel-Straße wurde eingeplant. Die Befürchtungen des
Bürgerbundes bewahrheiteten sich hier zunächst nicht: Der Stichweg
sollte sogar einen Platz im Grundlagenvertrag finden.
Die ersten infrastrukturellen Veränderungen zeigten sich bis Sommer
2006. Mit der Hilfe von Bund und Land konnte die Stadt die
Straßensanierung für den G8-Gipfel voran treiben. 1.500 qm Waldrand
des Großen Wohld wichen dem Neubau der Seedeichstraße. Die
Professor-Vogel-Straße erhielt eine Baustraße, die am Café im
Golfhaus beginnt und neben dem Prinzessin-von-Reuß-Palais auf der
bisherigen Vogel-Straße endet. Diese Baustraße zeichnet die neue
Form der Professor-Vogel-Straße, ist aber bis zum Bau durch
Schranken versperrt. Zugleich wurde auch mit der Sanierung der
Kühlungsborner Straße, sowie vieler Straßen im ganzen Kreisgebiet
begonnen. Der Autobahnzubringer und die Verbindungen nach Rostock
und Warnemünde wurden neu asphaltiert und innerstädtische Straßen
wurden neu gepflastert. Ein regelrechter Sanierungsboom setzte ein
und sicherte Lohn und Brot für tausende Menschen in
Mecklenburg-Vorpommern.
Im Juni 2006 wurde dann ein Verfahren beschlossen, um einen Teil des
östlichen Kleinen Wohld zu entwidmen und in eine private Grünfläche
mit der Bestimmung "Hotelpark" umzuwandeln. Damit besiegelten die
Stadtvertreter die Schließung dieses Bereiches für die
Öffentlichkeit.
Info: Der Hotelpark ist zwar nicht öffentlich aber wenn Sie eine
Tasse Kaffee im Grand Hotel trinken, sind Sie Gast des Hotels und
dürfen auch durch den Hotelpark spazieren. Sie können zu jeder Zeit
am Haupteingang in der Kühlungsborner Straße klingeln und wenn Sie
hinaus wollen, reicht oft ein Wink zum Personal. In der Hauptsaison
zu den Restaurant- und Café-Öffnungszeiten gewährt Ihnen ein
Angestellter am Findling Einlass.
Mit dem Hotelpark verhält es sich also ähnlich, wie mit dem IGA-Park
in Rostock: Dieser ist auch umzäunt und Sie können dort nur
spazieren, wenn Sie Eintritt bezahlen. Mit dem Unterschied, dass das
Grand Hotel keinen Eintritt verlangt und auch nicht prüfen kann, ob
Sie wirklich einen Kaffee trinken oder nur über das Gelände laufen
möchten. Als Abkürzung über das Hotelgelände zu laufen, ist jedoch
nicht möglich. Sie kommen ohne Hotel-Chipkarte nicht wieder hinaus.
Dem Votum für den Hotelpark ging ein von der Verwaltung angestrebter
Verzicht auf das zuvor beschlossene Kurgebiet voraus.
Die Verwaltung
hatte die Schwierigkeiten eines solchen Gebietes rechtzeitig
erkannt.
Im Juli 2006 durfte dann das Grand Hotel die Professor-Vogel-Straße
zwischen dem Grand Hotel und dem Severin-Palais offiziell sperren.
Um zu verhindern, dass die Leute von Süden her die Kühlungsborner
Straße überqueren und dann in einer Sackgasse stehen, stellte die
ECH einen mobilen Zaun entlang der Kurve der Kühlungsborner Straße
auf. Den musste sie jedoch gleich wieder entfernen, da er sich auf
öffentlichem Grund befand. Im Sommer 2006 wurde zudem die Promenade
neu gemacht und mit Lampen versehen und die Strandabgänge
modernisiert.
Am 19. Juli 2006 sprach Anno August Jagdfeld Überlegungen zu einem
dauerhaften Zaun um das Grand Hotel aus. Die Zaunkonstruktion aus
Bauzäunen, Natodrahtrollen, Textilfasermatten und Stacheldrahtzäunen
zum Bush-Besuch war nicht schön, nicht praktisch und müsste für
jeden Staatsgast neu errichtet werden. Jagdfeld favorisierte einem
festen Zaun wie bei den englischen Palästen, der Tore und Durchlässe
hat, die nur bei hohen Besuchen geschlossen werden.
Das brachte die Diskussion natürlich wieder zum Kochen und diesmal
war es der Norddeutsche Einzelhandelsverband, der dem Hotel den
Rücken stärkte und sich enttäuscht zeigt, dass nicht alles getan
wird, um der Entwicklung Heiligendamms die nötigen Rahmenbedingungen
zu schaffen.
Das Problem war jedoch, dass kaum ein Entscheidungsträger glaubte,
dass die Tagestouristen dem Hotel schaden.
Die ECH, FUNDUS und das
Grand Hotel betonten und versicherten dies stets, belegten es aber
nie mit handfesten Beweisen. Als sich die ECH dessen bewusst wurde,
beauftragte sie den Bad Doberaner Professor und Direktor des
Instituts für Marketing und Dienstleistungsforschung an der
Universität Rostock, Prof. Dr. Martin Behnkenstein, mit der
Anfertigung eines Gutachtens zu diesem Thema. Sein Fazit:
|
OSTSEE-ZEITUNG | Wochenendausgabe, 04. November
2006 | Titelseite Bad Doberan
Gutachter fordert Aus für Publikumsverkehr
Um die Hotelanlagen
in Heiligendamm erfolgreich entwickeln zu können, wird in
einem Gutachten u. a. die Sperrung von Wegen gefordert.
Heiligendamm Das Gelände des Grand Hotels in Heiligendamm
darf nicht länger öffentlich zugänglich sein. Das Hotel erhält
einen eigenen Strandabschnitt westlich der Seebrücke.
Auch für den Besuch der Promenade wird künftig die Kurtaxe
fällig. Genauer wird hingeguckt, ob auch bezahlt wurde.
Diese Voraussetzungen werden in einem Gutachten der
Universität Rostock für eine erfolgreiche Fortführung des
Hotels sowie der Umsetzung der zahlreichen weiteren Vorhaben
wie Thalasso- und Ayurvedazentren genannt.
Professor
Dr. Martin Benkenstein, Direktor des Instituts für Marketing
und Dienstleistungsforschung schlussfolgert, dass bei
Umsetzung dieser Maßnahmen ein Anstieg der Gästezahlen im
Grand Hotel zu erwarten sei. Dies werde in der Folge dazu
führen, dass weitere Investitionen erfolgten, so der Autor der
von der Entwicklungscompagnie Heiligendamm (ECH) in Auftrag
gegebenen Studie. Dies wiederum führe zu weiter steigenden
Gästezahlen, sodass dann auch die Investitionen ins Gut Vorder
Bollhagen, das Golfodrom sowie in die Gartenstadt tatsächlich
realisiert werden könnten.
Beim
Beibehalten der aktuellen Entwicklungen, so das zweite
entworfene Szenario, sei mit sinkenden Gästezahlen zu rechnen,
so der Gutachter. „Ohne wirtschaftlichen Erfolg des Grand
Hotels wird die ECH keine Banken oder Investoren finden, die
in Folgeprojekte investieren“, heißt es in dem Gutachten.
Stagnierende oder rückläufige Gästezahlen würden die jetzt
schon negative wirtschaftliche Situation des Hotels weiter
verschlechtern. So sehr, dass die Betreibergesellschaft das
Haus schließen werde – mit dramatischen Folgen für die gesamte
Region: Arbeitsplatzverlust, geringere Steuereinnahmen und
Imageverlust, ausbleibende Entwicklung des Doberaner
Stadtzentrums, um nur einige zu nennen.
Besondere Bedeutung
misst der Autor der Geschlossenheit der Anlage zu.
Öffentliche
Wege durch die Anlage müssen geschlossen oder gar nicht erst
gebaut werden. „Weder darf der geplante Stichweg tatsächlich
gebaut werden noch darf die Prof.-Dr.-Vogel-Straße für die
Öffentlichkeit zugänglich sein. Die „klare und
uneingeschränkte Schließung der Hotelanlagen betrifft sowohl
den Tagestouristen als auch die Bewohner Bad Doberans und die
Patienten der Median-Klinik“. Lediglich für bestimmte
Patienten, etwa mit Gehbehinderung, solle eine
Ausnahmeregelung für einen direkten Strandzugang getroffen
werden.
In
zahlreichen Gesprächsprotokollen im Anhang wird immer wieder
auf mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der ECH
verwiesen, die letztendlich die Stadt für Probleme beim
Betrieb des Hotels verantwortlich machen würde.
TIMO RICHTER
|
Der letzte Satz muss kurz kommentiert werden: Die ECH bat förmlich
und legitim um Genehmigungen und Verfahren zur Entwidmung von
öffentlichen Wegen und zum Errichten von Zäunen. Wenn jemand einen
Antrag stellt und ein anderer ihn bearbeitet, kann man nicht von
"Kooperation" sprechen. Das Verhältnis zwischen Erwerbslosen und
Arbeitsagenturen betrachtet man ja auch nicht als "Kooperation" oder
gar "Partnerschaft". Die Stadt kann dem Antrag zustimmen oder ihn
ablehnen aber sie kann nicht mit der ECH verhandeln. Wenn die Stadt
also ablehnt, tut sie das wovon die ECH überzeugt ist, dass es dem
Betrieb des Hotels schadet, was sie mit dem Gutachten beweisen
möchte. Hier auch noch einmal das Interview der "Zukunft
Heiligendamm" mit Prof. Dr. Behnkenstein:
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Die ganze Region
profitiert
VON THOMAS BOLTE
➔ INTERVIEW Prof. Dr. Martin Benkenstein über die
wirtschaftliche Bedeutung des Grand Hotels – und was die
weiteren ECH-Projekte der Region bringen.
Zukunft Heiligendamm:
Herr Professor Benkenstein, Sie haben die wirtschaftliche
Bedeutung des Grand Hotels Heiligendamm (GHH) unter die Lupe
genommen. Welche handfesten Vorteile ergeben sich durch das
Resort für Heiligendamm, Bad Doberan und die ganze Region?
Benkenstein:
Der wirtschaftliche Nutzen ist groß. An erster Stelle bietet das
GHH mehr als 300 Angestellten einen Arbeitsplatz.
Über 90 Prozent der Angestellten kommen aus dem näheren Umland,
also dem Landkreis Bad Doberan und aus der Hansestadt Rostock.
Somit ist das GHH einer der größten touristischen Arbeitgeber in
der Region. Neben diesen Arbeitsplatzeffekten sind aber auch
Steuereffekte zu beachten. Die durch das Hotel erwirtschafteten
Umsatz- und Lohnsteueraufkommen kommen zunächst dem Land
Mecklenburg-Vorpommern zugute, fließen aber – zumindest
teilweise – über Verteilungsschlüssel wieder zurück in die
Gemeindekassen.
Von der zu zahlenden Grundsteuer und der erhobenen Kurabgabe
profitiert die Stadt Bad Doberan hingegen direkt.
Zukunft
Heiligendamm:
Seit einigen Jahren stockt der Ausbau in Heiligendamm. Welche
Folgen hätte eine Schließung der Hotelanlage?
Benkenstein:
Ein Scheitern des Projekts hätte schwerwiegende Folgen für die
Region und das gesamte Land Mecklenburg-Vorpommern.
Die von mir angesprochenen Arbeitsplätze würden wegfallen, nicht
unerhebliche Steuereinnahmen würden fehlen.
Und schließlich würden natürlich auch Aufträge des Hotels an
Unternehmen und Handwerkern in der Region wegbrechen.
Mindestens genauso schädlich wäre der Imageschaden. Denn die
Hotelschließung wäre ein Signal, dass der Fünf-Sterne-Tourismus
in Mecklenburg-Vorpommern keine Zukunft hat. Mit fatalen Folgen:
Weitere Investitionen von Wettbewerbern würden ausbleiben und
zahlungskräftige Touristen woanders urlauben.
„In der
Spitze sind bis zu 1000 Beschäftigungsverhältnisse in
Heiligendamm möglich.“
Zukunft Heiligendamm:
Umgekehrt gefragt: Welche Vorteile ergeben sich für die Region,
wenn die ECH ihre geplanten Projekte realisiert?
Benkenstein:
Vom Erfolg des gesamten Projekts würden die Region und
Mecklenburg-Vorpommern als Tourismusland profitieren. Durch die
Positionierung als Thalasso- und Ayurveda-Zentrum könnte
Heiligendamm den Anspruch Mecklenburg-Vorpommerns als künftiges
Gesundheitsland Nummer eins mit Leben füllen. Mit den weiteren
Investitionsvorhaben wie etwa dem Demmler-Palais, dem
Demmler-Park, der Klinik für plastische Chirurgie oder dem
Konferenzzentrum entstünden – über Jahre – rund 300
Arbeitsplätze im Bau- und Bauausbaugewerbe. Nach Fertigstellung
des Gesamtprojekts wären in der Spitze bis zu 1000
Beschäftigungsverhältnisse in Heiligendamm möglich.
Zukunft Heiligendamm:
Was bedeutet das konkret für die Stadt Bad Doberan?
Benkenstein:
Neben den direkt in den verschiedenen Einrichtungen
geschaffenen Arbeits- und Ausbildungsplätzen
würden
durch die wachsenden Gästezahlen auch bei den Zulieferern sowie
im Gastronomie- und Gewerbebereich neue Arbeitsplätze entstehen.
Durch all diese Entwicklungen würden sich positive Effekte bei
allen Steuerarten, bei den Pachteinnahmen und den
Kurabgabezahlungen für die Stadt Bad Doberan
ergeben.
Langfristig würden auf diese Weise nicht nur die Touristen und
die im Tourismus beschäftigten Arbeitskräfte,sondern ein
Großteil der ortsansässigen Bevölkerung von den Entwicklungen in
Heiligendamm profitieren.
Zukunft
Heiligendamm:
Welche Wirkung hätte eine erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens
auf das allgemeine Wirtschaftsklima in der Region?
Benkenstein:
Eine erfolgreiche Realisierung des Gesamtprojekts würde das
Investitionsklima in der Region insgesamt positiv beeinflussen.
Und dies betrifft nicht nur direkt mit dem Projekt verbundene
Folgeinvestitionen. Darüber hinaus dürfte sicherlich auch an
anderen neuen Vorhaben in der Region ein erhöhtes Interesse
bestehen, so dass eine Vielzahl weiterer Arbeitsplätze entstehen
würde. So könnten das Thalasso- und das Ayurveda-Zentrum
beispielsweise als Leuchtturmprojekte dazu beitragen, die
Entwicklung der Region zu einem beliebten Ziel für
Gesundheitssuchende voranzutreiben.
Zukunft Heiligendamm:
Liegt die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns im Tourismus?
Benkenstein: Die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns
liegt in mehreren Branchen. Aber unter diesen Branchen ist der
Tourismus ein ganz wesentlicher Sektor, den wir in unserem Lande
in sämtlichen Spielarten und Marktsegmenten entwickeln müssen.
Und dazu zählt neben dem Campingplatz und der Ferienwohnung auch
die Vier- und Fünf-Stern-Hotellerie.
Prof. Dr. Martin
Benkenstein ist Direktor des Instituts für Marketing &
Dienstleistungsforschung an der Universität Rostock.
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der
Redaktion "Zukunft Heiligendamm" der EntwicklungsCompagnie
Heiligendamm GmbH & Co. KG (3. Ausgabe Juli 2009)
|
Als nächstes musste nun der B-Plan warten, weil die Stadt die Kosten nicht
tragen konnte.
Kurz darauf entschied man sich, über einen Verzicht
des Stichweges nachzudenken, was die Heiligendammer Vermieter
(überwiegend jene, die in 2009 die IHG gründeten) auf den Plan rief.
Sie forderten, alle Sperrungen wieder rückgängig zu machen.
Dennoch entschieden die Stadtvertreter sich im Dezember 2006 knapp
für den Verzicht auf den Stichweg und für die Einziehung der
Professor-Vogel-Straße. Keiner wollte Schuld sein, wenn das Hotel
pleite geht.
Im Oktober 2007 wurde dann der Hotelpark mittels
Bebauungsplanänderung beschlossen,
sodass einer Umwandlung nichts
mehr im Wege steht.
Bevor die ECH aber den Wald umwandeln lassen
durfte, musste sie Ausgleichflächen über 35,7 ha für den 4,3 ha
kleinen Hotelpark zur Verfügung stellen und aufforsten. Außerdem
musste sie auf Wunsch der Stadt mit Hinblick auf die Begehung der
Kommission, welche über den Seeheilbadstatus entscheidet, schon 2008 mit der Umgestaltung des heutigen Kurwaldes
beginnen, der erst durch die ECH zu dem wurde, was er seit 2009 ist.
Ebenfalls im Jahr 2007 wurde der erste Teil des Flächentausches
Promenade-West gegen Seebrückenvorplatz in die Tat umgesetzt: Der
Zaun vor dem Kurhaus wurde um einige Meter nach vorn versetzt und
der zu der Zeit noch unbefestigte Seebrückenplatz dadurch etwas
verkleinert.
Zugleich wurde der nun endgültige Platz mit
Granitplatten gepflastert. Die Promenade ab Seebrückenplatz Richtung
Westen blieb unbefestigt, was ein Hinweis darauf war, dass hier
Änderungen bevor stehen. Die ECH wird diesen Bereich später
umgestalten.
Auch östlich des Seebrückenplatzes blieb die Promenade
unbefestigt. Die ECH will hier ja den Tunnelparkplatz bauen, wodurch
die Promenade weggenommen und neu errichtet werden muss. Dadurch
erhält sie dann auch die derzeit nicht gegebene horizontale Waage.
Ebenfalls in 2007 sperrte die ECH die Zufahrt des Grand Hotels
straßenseitig mit einer Schranke und fußwegseitig mit einem Tor,
welches sich nur mit Chipkarte öffnen ließ. Im Norden zwischen dem
Grand Hotel und dem Grundstück des Severin-Palais schloss die ECH
die nun ihr gehörende Straße mit einem Zaun mit Tor. Während der
Fertigstellung der neuen Kühlungsborner Straße errichtete die ECH
auf eigene Kosten aber mit Genehmigung der Stadt einen Zaun entlang
der Südseite der Kühlungsborner Straße, der ein Überqueren der
Straße in der Kurve verhindern sollte. Was sie dabei übersah, war
der Umstand, dass nun zwar niemand mehr versuchen würde, vom Fußweg
zum Grand Hotel zu gelangen aber dafür die am Grand Hotel in eine
Sackgasse geratenen Menschen versuchen, über die Straße zum Fußweg
zu gelangen. Da sich hier auch noch die Hotelein- und Ausfahrt
befindet, war das zu gefährlich. Die ECH errichtete einen weiteren
Zaun entlang des nördlichen Fußweges und stellte ein Hinweisschild
"Zugang für Gäste des Grand Hotels" auf. Außerdem versetzte sie den
Zaun am Kurhaus so, dass er am Straßenrand endete. Dadurch war
gewährleistet, dass die Hotellogistik innerhalb des umzäunten
Hotelgeländes bleiben konnte und das vorher angesprochene Problem
des Aus- und Eincheckens erübrigte sich.
Zäune gegen Ignoranten.
Im Winter 2008 begann die ECH mit den Gestaltungsarbeiten im
Kurwald, womit sie die erste Bedingung für den Hotelpark schaffen
musste.
Im Frühjahr 2008 setzte die ECH die Vereinbarung zwischen Stadt
und ECH in die Tat um und trug ab der Ecke des Hauses "Mecklenburg"
Richtung Westen 60 Längenmeter der Promenade ab, um dann eine neue
Wegführung und neue Begrünung zu realisieren.
Eine etwa 1,50 Meter
hohe dichte Ligusterhecke vor einem Metallzaun stellte nun die neue
Grenze dar.
Damit liefen die Leute nicht mehr in die westliche
Sackgasse und brauchten sich auch nicht mehr fragen,
warum man nicht
hier und wo denn dann in den Wald kommt.
Die Gestaltung macht klar,
dass es hier geradeaus nicht weiter geht und wer es nicht weiß muss
denken, dass diese Hecke schon immer hier stand. Das
Alternativangebot ist offensichtlich: Vor der Hecke befindet sich
rechts und links der Seebrücke ein Strandabgang und die Wegweiser
zeigen nach Westen zum Strand.
Die Alternative ist die von der ECH
im Auftrag der Stadt und auf eigene Kosten geschaffene und von der
Stadt so akzeptierte Brücke über das Packwerk. Nutzbar ist diese
Brücke oft genug nicht aber die Stadt hätte dies vor der Abnahme
erkennen müssen. Es gibt Pläne für einen Umbau der Brücke aber so
lange Stadtvertreter und Bürgerinitiativen gegen die Umwandlung
eines Teil des Kleinen Wohld und für die Öffnung eines Wanderweges
streiten, können diese Pläne nicht umgesetzt werden.
Im Winter 2008 wurden die Arbeiten im Kurwald zu Ende geführt. Der
einst geradeaus verlaufende Weg vom Bahnhof zur Perlenkette wurde
wie von Stadt und ECH geplant nach Osten umgeleitet. Der Rest des
alten Weges wurde umgepflügt und bepflanzt.
Schon am Tag der
Übergabe stellte sich heraus, dass diese neue Wegeführung vereitelt
wird. Radfahrer ignorierten die Bitte des anwesenden Bürgermeisters,
die neuen Wege zu benutzen. Schon nach wenigen Tagen waren die
Anpflanzungen verwüstet oder entfernt.
Die ECH sah nicht nur ihre
Arbeit, sondern auch das der Stadt übergebene Eigentum in Gefahr und
setzte daher einen Zaun an die Professor-Vogel-Straße, der nun
zusammen mit der Hecke des Prinzessin-von-Reuß-Palais und dem
Holzzaun zum Schutz des Rasens auf der Fläche des ehemaligen
Postgebäudes eine Barriere bildete.
Die Stadt hatte der ECH einen 30
Meter tiefen Streifen ab der Professor-Vogel-Straße nach Süden
verkauft, auf dem das Ensemble-Palais und die Ensemble-Villa
entstehen sollen. Darüber hinaus vererbpachtete die Stadt der ECH
die Professor-Vogel-Straße. Die ECH durfte also diesen Zaun
aufstellen und hätte auch die Professor-Vogel-Straße komplett
mitsamt den Perlen einzäunen dürfen.
Der Zaun an der Professor-Vogel-Straße hinderte Ortsunkundige daran,
von Norden nach Süden durch die Schneise zu laufen. Von Süden nach
Norden sah die Schneise jedoch wie ein Durchgang aus, sodass immer
noch Touristenmassen in die Schneise liefen und die Anpflanzungen
damit zerstörten. Sie wichen auf den frischen Rasen an den
Kolonnaden aus und überkletterten den Zaun. Das war auch keine
Lösung und darum errichtete die ECH einen kleineren Zaun hinter den
Bänken am Sitzrondell, der nun auch optisch klar machte, dass es
hier nicht weiter geht.
Nur Ortskundige - Einheimische und
Dauergäste - umgingen den Zaun und trampelten weiterhin durch die
Schneise.
Die Lage eskalierte, als ein Börgerender in der
Ostsee-Zeitung zum zivilen Ungehorsam aufrief. Kurz darauf wurde
eine Bank mitsamt ihrer zentnerschweren Betonverankerung aus dem
Boden gerissen. Das war das werk mehrerer Straftäter zugleich.
Bevor
eine Deeskalation möglich war ergriff der Bürgerbund die Gelegenheit
und beantragte das Entfernen des kleinen Zaunes. Da er sich auf
städtischem Grund befindet und die ECH dafür keine Genehmigung
hatte, musste sie die Zaunfelder abbauen.
Sie versetzte die beiden
kleineren Felder an die Professor-Vogel-Straße und entfernte dafür
die höheren Zaunfelder, um eine einheitliche Höhe zu erhalten. Die
Stadtvertreter gaben dem Bürgermeister den Auftrag, eine Lösung zu
finden, damit die Menschen nicht in eine Sackgasse laufen. Gleich
nach Entfernung der Zaunfelder jedoch war wieder ein festgetretener
Weg vorhanden.
Massenhaft Menschen laufen nun schnurstracks in die
Schneise und landen in einer Sackgasse. Ein großer Teil kommt
schimpfend wieder heraus, der Rest jedoch überwindet illegal den
Zaun und zertrampelt den Rasen. Pro 10 Minuten in der Hauptsaison
laufen zwischen 5 und 15 Menschen - teilweise in Gruppen und mit
Fahrrädern - in die Schneise. Nur etwa die Hälfte von ihnen kommt
zurück - der Rest überwindet also den Zaun.
Der Bürgermeister sieht
keine andere Möglichkeit, als die Fläche dichter aufzuforsten und
auf die Einfriedung der Perlenkette durch die ECH zu warten. Bis
heute ist jedoch nichts geschehen und so laufen die Menschen
weiterhin in eine Sackgasse und schimpfen auf den Investor, der
genau genommen gar nichts dafür kann.
Die Gegenwart: Kompromisse
nur der Ruhe wegen.
Damit sind wir im Jahre 2009 angekommen.
Der nächste Zaun wird den
Hotelpark im Kleinen Wohld umgeben und dann ist noch mit einem Zaun
um die Perlenkette zu rechnen. Grundsätzlich errichtet die ECH diese
Zäune aber erst, wenn alle anderen Maßnahmen - Schilder, Hecken,
Reisigwälle - gescheitert sind. Das ist verifizierbar, das sehen Sie
hier anhand der Bilder und das bedeutet, dass die Ursache für die
Zäune bei denen zu suchen sind, die sich gegen die Zäune wehren.
Der
ursprüngliche Plan war ein Hotel auf einer grünen Wiese und als das
nicht gelang, wurden Hecken gepflanzt und erst als auch diese ihre
Wirkung verfehlten, wurde zu Zäunen gegriffen. An einigen Stellen
kann man halt keine Hecken pflanzen und hat darum Zäune gesetzt.
Nachtrag Dezember 2009: Da nun ohnehin alle Setzlinge
zerstört, der Rasen zertreten und Büsche und Hecken beschädigt
wurden, öffnete die ECH auf Drängen der Stadt den Zaun und lässt bis
zum Baubeginn an der Perlenkette im Sommer 2010 die Fußgänger über
ihr Grundstück laufen. Danach wird für die Baustelleneinrichtung ein
Zaun gezogen, dem später eine Einfriedung und schließlich Überbauung
folgen. Damit investiert die ECH nicht mehr in Zäune, an die sich
sowieso keiner hält und die ohnehin dort nicht stehen bleiben
sollen. Mit der Einfriedung irgendwann ist entgültig Schluss mit der
Verletzung privaten Eigentums durch Ignoranten. Wer dann Zäune
überklettert, begeht Hausfriedensbruch.
Zusammenfassung:
Man kann die Situation nicht in Worten zusammen fassen. Wohl aber in
Bildern. Gehen wir "Zaun für Zaun" vor:
Zuerst betrachten wir die Gesamtsituation Heiligendamms.
Da hätten
wir zuerst das Heiligendamm der ersten Jahre.
Die Straße endet vor dem Ensemble und wurde extra für diesen
Gebäudekomplex angelegt.
Wer nach Heiligendamm wollte, der wollte in
diese Gebäude und nirgendwo anders hin.
Es sei denn, er konnte es
sich nicht leisten und begnügte sich mit einem Strand- und
Waldspaziergang.
Das herzogliche Bad brachte vielen Leuten Arbeit
und Auskommen.
Es war bis zur Umgestaltung des Kamp in Bad Doberan
der eigentliche pulsierende Punkt der Gemeinde.
Kutschen kamen und fuhren in fast hektischer Regelmäßigkeit,
Menschen stiegen aus und verteilten sich schnell.
Das Bad wuchs mit seinen Anforderungen und aus kleinen wurden große
Häuser.
Zäune gab es keine - Heiligendamm lag nach allen Richtungen
mindestens 5 Kilometer vom nächsten Ort entfernt und wer den Weg auf
sich nahm, der wollte genau dasselbe, wie der Herzog und war dem
damit ein willkommener Gast. Interessenkonflikte kannte Heiligendamm
nicht.
Lediglich einen Konflikt gab es: Professor Vogel wollte ein
Krankenhaus für Mittellose errichten, zu denen damals Leute
gehörten, deren Einkommen kein Auskommen sicherte (Lehrer, Ärzte
etc.). Der Herzog war dagegen, verhinderte jedoch nicht den Bau,
sondern sorgte mit einem Zeitplan dafür, dass die Armen zu anderen
Zeiten badeten, als die Herrschaften. Mit dem Bau der Burg wurde das
Armenkrankenhaus abgerissen und entstand in Form der heutigen
Seehospiz neu. Erst im Dritten Reich wurde das Haus durch eine
Grundbuchänderung zu Wohnzwecken umgenutzt. Die Mittellosen kamen in
der Telegrafenanstalt unter, bevor der Dienst dann eingestellt
wurde.
Proteste gab es auch, als Alte und Gebrechliche in den insolventen
Fürstenhof einquartiert werden sollten.
Die Gesellschafter des Ostseebades wollten diese Leute nicht in der
Nähe der Hotelgäste haben.
Genützt hat der Protest jedoch nichts:
Das Altenheim kam und blieb viele Jahrzehnte bestehen.
Bis 1919 war Heiligendamm das Bad des mecklenburgischen Hochadels
und seiner Gäste.
Nach dem Ende der Monarchie konnte der Großherzog
sein Bad nicht mehr halten und trat bis auf die drei Cottages im
Kleinen Wohld alles an eine GmbH ab, die später zur
Aktiengesellschaft wurde. Aus dem Gästehaus wurde ein Luxushotel,
das auch damals schon "Grand Hotel" hieß und auch damals schon nach
den Interessen der Aktionäre verwaltet wurde.
 
Während der Großherzog das Bad für sein persönliches
Vergnügen nutzte und darauf bedacht war, dass es zumindest solide
finanziert ist, wollten die Aktionäre mit dem Bad natürlich Geld
verdienen. Dazu mussten einige Dinge geändert werden, denn das Bad
lief zwar unter den Herzögen streckenweise selbstfinanzierend aber
wirklich rentabel war es nicht. Wie man auf dem folgenden Bild
sieht, trennten nun Zäune und Hecken den Privatbereich der Adligen
vom Hotelbereich, in dem zwar auch nicht gerade arme Leute Urlaub
machten aber immerhin keine Leute des hohen Standes - auch wenn es
Stände eigentlich nicht mehr gab. Hier zeichnet sich die heutige
Entwicklung erstmals ab. Auch die Perlenkette war vom Grand Hotel
getrennt. Man kann heute natürlich nicht mehr genau sagen, warum
damals Zäune errichtet wurden. Tatsache ist aber, dass es sie gab
und dass sie etwas voneinander trennen sollten und die Situation
dadurch heute dieselbe ist, wie damals.
Kritiker der Zäune führen immer wieder Friedrich Franz als Argument
an. Wer mit Feudalisten argumentiert, muss auch feudale Verhältnisse
hinnehmen. Friedrich Franz - egal welcher - konnte mit Heiligendamm
machen, was immer er wollte, wie es ihm beliebte und vergnügt. Will
man diese Verhältnisse wieder haben, muss man dem neuen Eigentümer
diese Rechte auch zugestehen. Darum sollte man das
"Friedrich-Franz-Argument" nicht hochspielen.
 
In den 1930er Jahren präsentiert sich
das Ensemble dann wieder offen und zaunlos. Wie man sieht, auch
offen für Autos.
Aus dem Adelsbad wurde im Dritten Reich schließlich ein Ferienbad
für jedermann mit bis zu 10.000 Übernachtungen.
Hitler kam hier her, Mussolini kam zu Besuch, Gauleiter Hildebrandt
und Rüstungspionier Heinkel richteten Sommerhäuser ein und deutsche
Prominenz aus Wirtschaft, Sport, Film und Politik erholten sich am
Heiligen Damm.

1939 ging das Bas dann an die Reichsmarine, wurde zum
Lazarett und stellte den Badebetrieb ein. Bis 1945 nahm es Kadetten
und ab 1942 auch Flüchtlinge aus Rostock und Pommern auf, bis es
dann von der Roten Armee besetzt und demontiert wurde. Übrig blieben
fenster- und türlose leer geräumte Ruinen, in denen nichts mehr
funktionierte.
Christian Ludwig zu Mecklenburg stellte Restitutionsanspruch, bekam
aber weder das Bad, noch die Cottages zurück und musste fliehen. Das
Ministerium der Kultur (MdK) übernahm das Ensemble, sanierte es und
eröffnete darin ein Sanatorium für Werktätige.
Dieses Sanatorium war eine Errungenschaft des Volkes und daher auch
für das Volk öffentlich zugänglich. Jedoch nicht ausnahmslos: Die
Gebäude des Sanatoriums konnten nicht einfach durchlaufen werden.
Hier ging es nur hinein, wenn man eine Überweisung vom Arzt oder
einen Arbeitsvertrag mit dem Sanatorium hatte. Die Cottages im
Westen waren Behandlungshäuser für spezielle Erkrankungen und die
Villen im Osten waren Wohnungen für Mitarbeiter und teilweise auch
Unterbringungen für Kurpatienten.
Lediglich die beiden Kopfbauten -
Fritz-Reuter-Haus (Bischofsstab) und Max-Planck-Haus
(Prinzessin-von-Reuß-Palais) waren vom Sanatorium unabhängige
Ferienheime. In der Seedeichstraße wohnten leitende Ärzte in den
Villen und die beiden Villen waren von einem Zaun umgeben.
Ansonsten
war das Gelände von Wegen überzogen und öffentlich zugänglich:

Wenn wir uns jedoch die speziellen Gegebenheiten anschauen werden
wir erkennen, dass diese Offenheit nicht so hundertprozentig ist. Es
gab durchaus Einfriedungen, nur waren diese zu DDR-Zeiten anders.
Man nutzte Hecken und Blumenrabatten, um das Verlassen der Wege zu
unterbinden.
Oft wurden auch kleine 30 cm hohe Zäune um die
Blumenbeete gezogen oder man nutzte Blumenkästen mit
Steineinfassung, auf der oft sogar Bänke aufgeschraubt waren.
In
Heiligendamm gab es einen bunten Mix aus all diesen Möglichkeiten.
Ziel war immer, die Leute auf den Wegen zu halten und sie vom
Betreten der Grünflächen abzuhalten.
Neugierige Fenstergucker waren
damals nicht so sehr ein Problem und damals waren ohnehin Gardinen
beliebter als heute. Außerdem befanden sich im Erdgeschoss stets
Funktionsräume und die waren oft mit Milchglasscheiben vor
neugierigen Blicken geschützt. Nun war allerdings eine zwar
architektonisch ungewöhnliche aber doch triste Kurklinik auch nicht
gerade so interessant.

An anderen Stellen gab es durchaus Zäune.
Was nicht betreten werden
sollte, war eingezäunt.
Wie hier die Wetterstation vor den Häusern
"Möwe" und "Schwan", wenngleich dieses Bild erst nach 1990 entstand.

Schauen wir uns nun die speziellen Wege an.
Es ist schwer, sich an
Hand meiner Schilderungen zu orientieren, wenn man sich in
Heiligendamm nicht auskennt.
Darum müssen uns Satellitenbilder aus
dem Hause MAP24 helfen, sich in der Infrastruktur Heiligendamms
zurecht zu finden.
Hier habe ich nun eine Übersichtskarte
angefertigt:

Da es hauptsächlich um Wege des Hotels geht, vergrößere ich noch
einmal einen Ausschnitt:

Zuerst die Zeichenerklärung:
Weiß sind alle Wege, die es bis 1990 gab und die es noch immer gibt.
Hellrot sind alle Wege, die es bis 1990 gab und anno 2009 nicht mehr
gibt.
Dunkelrot sind alle Wege, die es bis 1990 gab und die jetzt oder in
Zukunft nicht mehr öffentlich sein werden.
Hellblau sind alle Wege, die es 1990 so noch nicht gab und die es in
2009 gibt und die öffentlich sind und bleiben.
Dunkelblau sind alle Wege, die es 1990 so noch nicht gab und die es
in 2009 gibt und die privat sind und bleiben.
Neu sind also der Weg über das Packwerk oben links, der Weg um den
Golfteich oben rechts, der Weg vom Mollibahnhof zur Bushaltestelle
und der geschwungene Weg von der Professor-Vogel-Straße zum
Seebrückenplatz.
Neu - aber nicht öffentlich - sind auch die beiden Zufahrten zum
Wirtschaftsgebäude, der Median-Park und zwei Wege innerhalb des
Hotelgeländes.
Nicht irritieren lassen: Dort hat sich noch ein alter
weißer Weg eingeschlichen, der nicht mehr existiert und m. W. auch
so nie existiert hat. Zu berücksichtigen ist, dass es eine ganze
Menge Trampelpfade und Waldwege gibt, die nicht eingezeichnet sind
und dass es Trampelpfade gab, die heute Wege sind und damit als neu
gelten.
Weggefallen sind zwei Wege im Kurwald, die rechts und links vom
Sportplatz in die Professor-Vogel-Straße mündeten.
Dort steht jetzt
das Severin-Palais drauf. Auch weggefallen ist ein sowieso nicht
wirklich genutzter Weg hinter der "Palette" entlang vom Bahnhof zum
Ensemble. Ebenfalls überbaut wurde ein Weg parallel zur Orangerie.
Auch weggefallen ist ein Weg parallel zum Haus "Mecklenburg" an
dessen Westseite. Schon beim Bau des Hotels fielen die Wege vor und
zwischen den Villen der Perlenkette weg und mit dem Bau des
Kurwaldes fielen zwei Verbindungen vom Kurwald zur
Professor-Vogel-Straße weg.
Für die Öffentlichkeit nicht zugänglich - da Hoteleigentum - sind
alle Wege zwischen Haus "Mecklenburg" und dem Alexandrinencottage,
sowie zwischen Wirtschaftsgebäude und Küstenkante. Durch einen
Tausch für die Öffentlichkeit weggefallen ist der westliche Teil der
Promenade bis zum Rand des Seebrückenvorplatzes, sowie der ganze Weg
an der Ostseite des Hauses "Mecklenburg", der ganze Weg an der
Nordseite des Kurhauses und der halbe Weg an der Westseite des Grand
Hotels bis kurz hinter dem Findling. Ebenfalls dem Hotel zugeordnet
ist der Eingangsbereich des Grand Hotels und damit der dort
theoretisch vorhandene Durchgang, sowie die Professor-Vogel-Straße
physisch (also unzugänglich) bis an die Nordseite des Grand Hotels.
Der Rest wird auch der ECH zugeordnet, sodass er schon einmal
dunkelrot ist.
Jetzt kennen wir die Veränderungen. Schauen wir uns nun die Gründe
an:
Die
Hauptverbindung verlief nicht - wie viele denken - zwischen Grand
Hotel (Haus Berlin) und Kurhaus hindurch,
sondern über die
Professor-Dr.-Vogel-Straße. Wie man auf diesem Foto aus tiefsten
DDR-Zeiten sieht, war der Eingangsbereich des Sanatoriums durch
Hecken, Blumentöpfe, Lampen und Fahnenmasten von der
Professor-Vogel-Straße getrennt.
Wer hier zur Promenade wollte, der
ging ganz selbstverständlich rechts am Haus "Berlin" vorbei.
Das war
damals kein Problem für die Logistik, denn erstens wurden Waren
direkt an das Haus Berlin geliefert und wurden zu Fuß verteilt und
zweitens befand sich rechts vom Haus "Berlin" nur ein Sportplatz, wo
heute das Severin-Palais steht.

Natürlich war es nicht verboten, sich im Eingangsbereich aufzuhalten
oder das Haus
links herum zu umlaufen aber die Gestaltung ließ nicht
den Schluss zu, dort entlang zu müssen.

Der Platz vor dem Kurhaus war öffentlich und bestand aus einer
Rasenfläche, welche mit einer Hecke umrahmt und von einem Weg
umgeben war. Hin und wieder wurde auch auf die Rasenfläche
verzichtet - wir sehen da recht unterschiedliche Bilder. Gleich
bleibend war jedoch diese Terrassenmauer mit Bepflanzung. Sie wurde
erst zu DDR-Zeiten errichtet und sollte erstens die Speisen vor
Seesand-Attacken und zweitens die Gäste vor allzu neugierigen
Blicken schützen.
Sie finden auf alten Bildern Außenbereiche von
Gaststätten in der DDR meistens mit Blumen, Hecken, Zäunen oder
kleinen Mauern umrandet vor. Das passte durchaus zu einem Staat,
indem man bedingt durch eine bauliche Abschottung unter sich sein
musste. Zudem wollte man dies meistens auch, denn im Urlaub wollte
der sonst sehr kollektive sozialistische Mensch auch mal für sich
sein.
Was neue Kontakte nicht ausschloss. Diese Mauer dort
jedenfalls verschandelte das ganze Kurhaus und ließ wichtige
architektonische Elemente hinter sich verschwinden. Darum - um es
vorweg zu nehmen - hat die ECH auf die Mauer verzichtet und das
Seesand-Problem mit einer Glaswand gelöst. Zur Lösung des
Neugierigen-Problems werden wir später etwas lesen.

Zunächst gehen wir noch ein paar Jahre weiter. Mit dem Ende der DDR
schien auch das Ende des Sanatoriums eingeläutet.
Der Kurbetrieb
wurde eingestellt, die Konten eingefroren und das Sanatorium der
werktätigen musste schließen. Wenige Monate später eröffnete es
allerdings neu. Nun eine GmbH mit dem Namen "Ostseeklinik" mit nur
noch 250 Betten. Die passten auch in die großen Gebäude, sodass es
zu einer Umstrukturierung kam, in Folge derer viele der
Einzelgebäude sich teilweise bis ganz leerten.
Die Mitarbeiterzahl
wurde drastisch reduziert und so leerten sich auch die Wohnhäuser in
Heiligendamm.
An der Wegesituation änderte sich nichts. Lediglich
war nun der Eingangsbereich etwas durchlässiger und wurde auch mit
einem Wegweiser versehen. Weniger Patienten bedeutete auch weniger
Betriebsamkeit und damit weniger Empfindlichkeit gegenüber
Touristenströmen. Wobei diese nicht durch die Wende zunahmen. Im
Gegenteil: Heiligendamm lag im Sterben. Die neue Währung, die neue
Marktwirtschaft und bisher unbekannte Situationen, wie
Arbeitslosigkeit, hohe Versicherungsbeiträge und Kosten
verunsicherten viele Menschen. Das Wegbrechen der Kuraufenthalte,
der Wegzug und die neue Situation fügten dem Gewerbe in Heiligendamm
einen enormen Schaden zu.

Zwischen 1990 und 1996 versuchten die Treuhand Liegenschaften
Gesellschaft (TLG) im Auftrag des Bundes und die Oberfinanzdirektion
Rostock (Ofin) im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die
historischen Gebäude Heiligendamms zu verkaufen. Die Ostsee-Klinik
konnte nur mit Betriebsmittelzuschüssen von 150.000 DM pro Jahr
kostendeckend wirtschaften und hatte dann noch nicht einmal Geld für
die dringend nötige Sanierung der Gebäude.
Heiligendamm drohte im
laufenden Betrieb zu verfallen. Es wurde eine Ausschreibung
gestartet,
auf diese sich viele Interessenten für die einzelnen
Cottages und Villen aber niemand für die großen Gebäude meldete.
Darum wurde später ein neuer Versuch gestartet, der den Erwerb des
kompletten "Paketes" mit 26 Gebäuden vorschrieb. Bedingung war ein
schlüssiges Konzept, sowie eine Garantie für die Sanierung und
Erhaltung.
Nun meldeten sich Interessenten aus dem medizinischen
Bereich aber der eine wollte nur kaufen, wenn er daneben neu bauen
durfte, der andere wollte nur kaufen, wenn er den Strand davor
absperren darf und der dritte fand nicht genug Mitstreiter für sein
Projekt.
Damit war der Versuch, das Ensemble für medizinische Zwecke
weiter zu nutzen, gescheitert. Die Option eines Staatsbades schied
ebenfalls aus und bevor man die Option einer Renaturierung - das
hätte den kompletten Abriss des Ensembles und aller Villen bedeutet
- in Betracht zog, entschied man sich, das längst vorliegende aber
wegen der Fokussierung auf eine medizinische Fortführung bisher
beiseite geschobene Konzept der FUNDUS-Gruppe zu prüfen und
schließlich anzunehmen.
Im Folgejahr wurde ein Grundlagenvertrag
erarbeitet und unterzeichnet und damit FUNDUS sich nicht mit den
verbliebenen Mietern herum schlagen und durch die Kündigungen als
böser westdeutscher Investor da stehen musste, kündigte die Stadt
die verbliebenen Mietverträge bis zum Jahresende 1997 und übergab
FUNDUS ein leeres Objekt. Viele Mieter waren Studenten der
Fachhochschule, welche 2000 schloss und nach Wismar zurück ging.
Bereits 1993 wurde die Ostsee-Klinik aufgelöst und in die neu
gebaute Median-Klinik integriert. Von 1997 bis 2000 änderte sich
wenig an der Wegesituation.
Zunächst wurde zwischen 2000 und 2003 in Heiligendamm an allen
Bauten des Grand Hotel gearbeitet, zugleich wurde auch die Promenade
und der Hochwasserschutz erneuert, Buhnen gerammt und der Strand neu
aufgespült. Alles musste mit Bauzäunen umgeben werden und
Heiligendamm war dadurch praktisch dicht.
Im Jahre 2003 eröffnete das Grand Hotel und
präsentierte sich im Bereich des Ensembles so:
Der Rundweg um den Rasen des Kurhaus-Vorplatzes wurde westseitig
durch ein Tor verschlossen. Ostseitig blieb er offen und gewährte
somit den Durchgang von der Kühlungsborner Straße zur Seebrücke. Da
nun der Eingangsbereich des Hotels nicht mehr versteckt, sondern im
Gegenteil hervor gehoben war, liefen die Gäste nicht mehr
automatisch durch die Professor-Vogel-Straße, sondern am Kurhaus
vorbei. Der Bereich musste aber offen sein, da dort genug Platz sein
musste, um zwei Reihen Autos abzustellen und damit auch rangieren zu
können. Der Parkplatz des Hotels befindet sich am Bahnhof und es ist
üblich, dass ein Page das Auto von dort holt und dem Gast dann
bereit stellt. Dazu musste aber die Möglichkeit bestehen, die heran
geholten Autos kurz vor dem Hotel zu parken, da man ja nicht erst
das Auto holen konnte, wenn sein Besitzer schon vor der Türe steht.

Auf der Seite des Grand Hotels wurde ein 360°-Rundgang zur Verfügung
gestellt. Die Bilder stammten aus dem Jahre 2003 und zeigen ein recht
zaunloses Heiligendamm. Schauen wir uns diese Perspektiven einmal
genau an:
Zuerst haben wir da die Perlenkette, welche von einem Drahtzaun
umgeben ist.
Bisher führte ein Weg vor der Perlenkette entlang, wie
wir auf diesem Bild aus den 1970er Jahren sehen:

Der Weg und die Verbindungswege wurden entfernt und es wurde Rasen
angesät.
Der Drahtzaun dient dem Schutz dieses Rasens und zur
Einhaltung der neuen Wegführung hinter der Perlenkette entlang.
Zu
mehr wurde er nicht errichtet.
Die Wege vor und zwischen den
Perlen waren übrigens auch nicht immer dort. Mal gab es dort Wege,
mal wieder nicht - wie die Villen gerade genutzt wurden. Diesmal
sollten sie als Hotelwohnungen dienen und da waren die Wege nicht
zuträglich, weil man direkt unter den Fenstern und vor den Terrassen
und Veranden der Hotelgäste entlang laufen würde. Die Promenade
sollte zum promenieren reichen.
 
Auf dem zweiten Bild sehen wir, dass das Grand Hotel ohne Zäune
daher kam. Weder der Platz vor dem Kurhaus ist eingezäunt,
noch steht der Findling hinter einem Zaun. Der Weg ist durchgängig
und nur die Perlenkette ist mit einem Zaun versehen.
Der Weg, der
zur Professor-Vogel-Straße führt, ist auch neu angelegt und daher
wird rechts und links der neue Rasen geschützt.
 
Der rechte Weg ist mit einem Tor versehen, das verhindern soll, dass
die Touristen an den Fenstern und der Terrasse entlang laufen.
Der linke Weg hingegen ist öffentlich. Das rechte Bild zeigt den
Blick von der Terrasse der Nelson-Bar auf den Seebrückenplatz.
 
Auf diesen Bildern sehen wir denselben Wegabschnitt noch einmal von
der Kurhausterrasse aus. An diesem frühen Herbstmorgen sind noch
nicht viele Touristen unterwegs. Allerdings ist der Fotograf auch
darauf bedacht, möglichst keine erkennbaren Leute zu fotografieren. Wir sehen, dass sich vor der Terrasse ein Sandstreifen befindet. Der
stellt eine Außenterrasse dar und bei guter Belegung wird auch der
linke Weg als Terrasse mitbenutzt. Darum auch das Tor auf den
vorherigen Bildern. Die erwähnte Glaswand ist versenkbar und wird
nur bei Bedarf ausgefahren - nämlich immer wenn der Wind aus
nördlicher und östlicher Richtung kommt.
 
Auf diesen Bildern sehen wir nun die Problematik, die dieser
öffentliche Weg mit sich bringt. Die Besucher durchqueren den
Eingangsbereich und müssen über den Parkplatz. Damals befand sich
neben dem Kurhaus noch eine Ausfahrt des Parkplatzes.
 
Dieser Bereich war nun frequentiert durch ankommende und abfahrende
Gäste, durch Transfer-Fahrzeuge und Pferdekutschen. Er wurde außerdem zum Bereitstellen von
Autos benötigt und wurde zudem noch von den Elektromobilen des
Hotels durchkreuzt.
 
Nicht genug dessen ist dies auch der Haupteingang und Hauptausgang
für die Hotelgäste. Wer im Grand Hotel wohnt und das Haus verlässt,
kann dies nur über den Haupteingang tun. Ob er nun spazieren, zum
Molli oder Bus, zur Promenade, zum Strand, in den SPA-Bereich, in
ein Restaurant, in ein Café, in eine Bar, zum Friseur, zur Boutique,
auf die Dachterrasse oder zum Auto will - der Gast muss durch diesen
Eingang heraus und muss durch die parkenden, ankommenden und
abfahrenden Autos und die Elektromobile hindurch. Zudem war dieser
Bereich auch noch öffentlich und wurde durch Tagesgäste und
Einheimische durchlaufen.
So entschied man sich zunächst für eine Hecke und schließlich durfte
man auch zwei Tore errichten.
Ein festes an Stelle des vorhandenen weißen Tores hier:

Und ein weiteres Tor hier:

Das Problem des Durchgangs durch den Eingangsbereich war damit
jedoch nicht gelöst.
Die Lösung kam erst später.
Die Stadt entwidmete einen Teil der Professor-Vogel-Straße
(den von
der Kühlungsborner Straße bis zur Hausecke des Grand Hotels) und
übereignete ihn der ECH.
Die ECH stellte darauf hin ein Tor an der
Hausecke auf und ein weiteres, sowie eine Schranke an die
Hoteleinfahrt.
Nur eine Seite einzuzäunen, macht schließlich keinen
Sinn, da es eine Sackgasse verursachen würde.


Logischerweise musste nun aber auch der Durchgang vor dem Kurhaus am
Findling geschlossen werden, da er in eine Sackgasse führte. Die ECH
verfuhr anders herum und baute zuerst das Tor am Findling und dann
die auf der Professor-Vogel-Straße.
Nur zum besseren Verständnis
drehe ich das um. Nun war also der Weg am Haus "Mecklenburg" dicht,
der am Findling und der am Grand Hotel. Wie auch schon gesagt: Das
ist hier nicht chronologisch, sondern zweckmäßig wiedergegeben.
Westlich des Hauses "Mecklenburg" waren zu diesem Zeitpunkt (2007)
bereits alle anderen Wege über das Hotelgelände privatisiert worden.
Wir bleiben aber beim Eingansbereich. Hier entstanden nun durch die
Sperrung der Professor-Vogel-Straße in 'Verbindung mit dem Neubau
der Kühlungsborner Straße weitere Probleme. Bisher sah die
Kühlungsborner Straße nach Süden hin so aus:

Der Bürgersteig war beidseitig vorhanden und die Straße war dadurch
nicht besonders breit.
Dafür durften Radfahrer auf dem Bürgersteig fahren. Zumindest taten
sie es und wurden dafür nicht bestraft.

Vor dem Grand Hotel war nun die Situation so, dass man die Ein- und
Ausfahrt des Hotels überqueren musste.
Wer von Süden (Molli-Bahnhof,
Parkplätze) kam, überquerte die Straße vor, hinter oder in der
Kurve.
Bei einer fast-90°-Kurve sowieso egal - es war in jedem Fall
gefährlich.

Also ließen Stadt und Straßenverkehrsamt den nördlichen Bürgersteig
zwischen der Einfahrt des Grand Hotels und der Orangerie abtragen
und dafür den nördlichen Bürgersteig verbreitern. Das Ergebnis sah
während der Vorbereitungen für den Bush-Besuch so aus:

Hier wird einmal mehr deutlich, dass man keineswegs den Investor für
alle Veränderungen in Heiligendamm verantwortlich machen kann. Die
neue Wegführung war nämlich für das Grand Hotel alles andere, als
gut. Die Leute kamen vom Bahnhof oder vom Kurwald und liefen in
Richtung Grand Hotel, da sie dort ja schon das Wasser sehen konnten.
Es ging also hier entlang:

Vor dem Hotel angekommen, standen die Tagesgäste vor einem
verschlossenen Tor, das nur mit einer Chipkarte zu öffnen ging, bzw.
vor einer Schranke, auf die Hotelangestellte ein Auge hatten, sodass
ein Unterklettern nicht in Frage kam (und ja auch in eine Sackgasse
geführt hätte). Der Weg jedoch war hier zu Ende, da der Gehweg ja
abgetragen worden war:

Also wechselten die Leute einfach die Seite, denn sie vermuteten
einen Durchgang am Kurhaus.
Damit war dann die Problematik überhaupt
nicht gelöst: Die Leute liefen wieder in der Kurve über die Straße.
Das folgende Bild nimmt leider etwas vorweg. Denken Sie sich den
Zaun weg und Sie haben die Situation von 2006/2007.
Was wird
passieren? Sie erraten es: Die Leute überqueren nach ein paar Metern
noch einmal in der Kurve die Straße, um dann drüben angekommen
festzustellen, dass es dort auch nicht hindurch geht. Was werden sie
also tun? Zurück gehen - noch einmal in der Kurve die Straße
überqueren und dann irgendwann einen Weg finden, der durch den
Kurwald zur Professor-Vogel-Straße führt.

Und jetzt denken Sie sich an Stelle des Eisenzaunes einen Bauzaun.
Den stellte die ECH auf, um genau das eben beschriebene zu
verhindern.
Nicht einmal zwei Wochen stand der Zaun, bis die Stadt
die ECH aufforderte, ihn zu beseitigen.
Kurz darauf flossen
Fördermittel wegen des anstehenden G8-Gipfels und Stadt und
Straßenverkehrsamt berücksichtigten das Problem, auf das sie die ECH
aufmerksam gemacht hatte und erlaubten der ECH offiziell die
Errichtung eines Zaunes auf dem öffentlichen Grund, wenn die ECH die
gesamten Kosten dafür selbst trägt.
In einer klammen Stadt eine
gängige Praxis: "Wir erlauben dir das, wenn du es bezahlst".
In
Heiligendamm ist das Grundlage vieler Sachen, die der Öffentlichkeit
zu Gute kommen und die von der ECH bezahlt wurden.
Nun also sah es
an der besagten Ecke so aus:

Der Zaun geht bis an die Orangerie heran, wo dann der Bürgersteig
wieder beidseitig ansetzt.

Die Straße wurde zur 30-Zone und damit war nun ein sicheres
Überqueren möglich.

Der nächste Übergang ist ab hier Richtung Norden erst in Höhe des
Severin-Palais wieder möglich.
Nämlich hier: Wobei in 30 Metern eine Fußgängerampel hinter uns
steht.

Sie ahnen vielleicht, was nun passierte:

Die Leute liefen auf der rechten Seite auf dem Bürgersteig entlang,
gelangten an die Hoteleinfahrt und stellten fest, dass sie in einer
Sackgasse gelandet sind. Sie vermuteten nach wie vor, dass sie am
Kurhaus hindurch könnten, konnten aber die Straße nicht mehr
überqueren und liefen trotz Verbot an der Straße entlang und
natürlich auch wieder zurück, da am Kurhaus kein Durchgang für sie
existiert. Die ECH war es wieder, die eine Lösung finden musste.
Diese kam dann so daher:

Das war auch gleich praktisch gedacht: Nun mussten die Fahrer der
Elektromobile nicht mehr auschecken und
wieder einchecken, sondern
konnten bequem zwischen dem Wirtschaftsgebäude und den Hotelgebäuden
verkehren.
Der Mitarbeiterausgang fiel damit zwar auch weg aber die
Angestellten konnten auch am Wirtschaftsgebäude
das Hotelgelände
verlassen.
Aber die Lösung des Problems war es trotzdem nicht: Wenn
man sich in die Hoteleinfahrt verirrt hatte,
konnte man den Zaun
nicht sehen.
Also liefen immer noch Leute an der Straße entlang und scheiterten
hier am Zaun.
Was ich noch gar nicht erwähnt habe: Wer den Weg nicht
zurück laufen wollte, überquerte einfach die Straße
und
überkletterte den Zaun. Das war 2007 so und das ist auch 2009 noch
so - egal, wie alt, egal, welchen Geschlechts,
egal ob Gast oder
Einheimischer, egal wo und egal, ob es jemand sieht oder nicht. Der
Zaun, der ein Problem lösen sollte,
schuf also gleich ein neues.
Wieder war die ECH gefragt, wieder stimmten Stadt und
Straßenverkehrsamt zu und wieder
musste die ECH aus eigener Tasche
die Lösung des Problems bezahlen. Die sah dann so aus:
Rechts wurde auch ein Zaun errichtet. Ortsunkundige - und das ist
die breite Masse - liefen nun also
in diesen eingefriedeten Weg
hinein und landete am verschlossenen Tor, das noch bis März 2009
nur
mittels Hotelkarte oder energischen Zuwinken zum Personal geöffnet
wurde.
Nun wollten die Tagesgäste ja überwiegend gar nicht in das
Hotel, sondern einfach nur durch das Gelände hindurch.

Wenn sie nun also von Osten her kamen, gelangten sie an den Anfang
des Zaunes.

Ein vom Straßenverkehrsamt aufgestelltes Schild fordert Fußgänger
auf, die andere Straßenseite zu benutzen-
Finden Sie es? Würde jemand dieses Schild sehen, wenn er es nicht
erwartet? Wohl eher nicht und da es
nun einmal in der StVO kein
anderes Schild gibt, löst dieses kleine hier das Problem nicht.

Wieder war es die ECH, die mit einer eigenen Idee das Problem zu
lösen versuchte.
Sie stellte ein Schild auf:

Nun ist dieses Schild aber offenbar nicht deutlich genug.
Es laufen
- ja fahren sogar - noch immer genug Leute in diese Sackgasse.
Das
Tor nach oben zu versetzen, ist eine Idee aber erstens nicht
erlaubt,
da öffentlicher Grund (nur der Zaun wurde genehmigt) und
zweitens ungünstig,
da das Tor dann nicht mehr im Blickfeld des
Personals ist, falls es mal Probleme
gibt oder jemand seine Karte
vergessen hat. Das Schild muss also reichen.
Man könnte es lediglich
umformulieren, z.B. ein "nur" zwischen "Zugang" und "Gäste" einfügen
oder ergänzen "Kein Durchgang zur Promenade".
Gast ist jeder, der im Hotel einkehrt.
Ob er nun ein Zimmer bucht
oder nur eine Anwendung oder ob er nur einen Kaffee trinken will.
Das ist dann auch schon wieder ein Problem gewesen: Hinein konnten
nur die, die eine Hotelkarte hatten.
Und das waren eben nur jene,
die ein Zimmer buchten oder sich im SPA erholten.
Problem Nummer eins: Wie soll jemand vor Ort eine SPA-Anwendung
buchen, wenn er nicht zur Rezeption kommt?
Problem Nummer zwei: Wie soll jemand vor Ort ein Zimmer buchen, wenn
er nicht zur Rezeption kommt?
Problem Nummer drei: Wie soll der Tagesgast zu den Cafés, Bars und
Restaurants gelangen?
Man konnte warten, bis jemand von innen heraus kam oder ein Gast mit
Karte von draußen hinein wollte und
dann mit hinein gehen.
Dann aber stand man vor dem Problem, das auf dem Rückweg ebenfalls
tun zu müssen.
Wenn keiner hinein oder heraus wollte und das
Personal gerade kein Auge drauf hatte, blieb nur ein Unterklettern
der Schranke und der Gang auf der Straße entlang. Die OZ-Redakteurin
Annett Jonuschat bemängelte dies öffentlich
und auch ich habe es
zweimal selbst erlebt:

Kempinski war sich dessen offenbar gar nicht bewusst oder aber es
war den Verantwortlichen egal,
denn erst nach dem Ausstieg der
Kempinski-Gruppe wurde dieses Problem gelöst. Nämlich so:

Wenn man wieder hinaus will und gerade keiner ein Auge drauf hat,
muss man halt über das Tor langen und klingeln.
Ende der Geschichte.
Kommen wir nun zu dem Teil, von dem ich schon
schrieb, dass er schon vor diesem hier geschlossen war.
Wie wir hier sehen, existierte eine Promenade bis in den Kleinen
Wohld hinein.

Diese gab es etwas versetzt auch 2003 noch. Man ging am Haus "Mecklenburg" vorbei
und gelangte an eine Weggabelung.
Geradeaus ging es nicht weiter aber dazu später mehr. Es ging nach
links Richtung Burg.
Zu DDR-Zeiten gab es diesen Weg nicht aber dafür führte ein Weg
geradewegs parallel zum Haus "Mecklenburg" an dessen Westseite
entlang zur Orangerie. Die ECH verlegte den Weg vom Haus weg, damit
man nicht an den Fenstern entlang läuft.
 
So verlief der Weg dann geschwungen Richtung Kurhaus, wo er am
Treppenhaus auf die umlaufende Terrasse mündete. Die Touristenströme
liefen also direkt zwischen der Außenterrasse eines Cafés im Kurhaus
und der Außenterrasse einer Bar in der Burg hindurch. Die Bilder
sind im Frühjahr 2003 an einem Werktag morgens entstanden und die
Leute dort sind keine Hotelgäste.
 
Die Anwesenheit der Touristen war nicht das eigentliche Problem. Das
Problem war viel mehr, dass sie genau dort hin wollten, wo sie
massiv störten. Sie witterten nämlich einen Ausgang genau dort, wo
sich die Ladezone der Großküche befindet.

Eine Alternative bot sich an der Orangerie, wo die Tagesgäste aber
genau vor den Terrassen der Schlafzimmer
der Maisonette-Suiten
entlang liefen. Eine weitere Alternative war der Weg zwischen
Kinderclub und Haus "Magdeburg"
hindurch zum Median-Park. Das wurde
wohl auch intensiv genutzt, sodass die Median-Klinik ihren Kurpark
einzäunte
und das Grand Hotel das Wirtschaftsgebäude umzäunte. Dort
wo die ganze Hotellogistik entlang fuhr, mussten
schließlich nicht
noch Fußgänger umher laufen. Sie konnten das Hotelgelände auch an
der Orangerie verlassen
und um die Median-Klinik herum laufen.

Allerdings kürzten viele ihren Weg über den Rasen ab, sodass schon
bald eine Hecke gepflanzt werden musste:

Nun kam es, dass Stadt und ECH bestehende Verträge erweiterten und
neue ausschrieben
und somit für die Tagesgäste einige Veränderungen
bevor standen. Zuerst wurden die öffentlichen
Wege über das
westliche Hotelgelände entwidmet und der ECH übereignet.
Damit
durfte die ECH dann das Hotelgelände in diesem Bereich für die
Öffentlichkeit sperren:


Wie man sieht, wurden hier unüblicherweise nur karge Büsche und
Drahtzäune verwendet.
Der Grund war ganz einfach: Es wird einen
zweiten Vertrag geben, welcher der ECH die bisherige Promenade vom
Westrand des Seebrückenvorplatzes bis an den Waldrand - wo wir das
weiße Tor vorhin gesehen haben - übereignete.
Alles dahinter bis
kurz hinter das Alexandrinencottage gehörte schon der ECH, sodass
man damit lediglich
eine unsägliche Sackgasse zu schließen gedachte.
Die Leute liefen nämlich am Haus "Mecklenburg" vorbei
und hatten
dann vor sich ein Tor, zu ihrer linken einen Zaun und zur rechten
eine Mauer mit Strandabgang.
Diese Sackgasse führte zur Verstimmung
und Bürgerinitiativen liefen Sturm dagegen.
Sie wollten allerdings
eine Öffnung des Waldweges, der sich aber auf ECH-Grundstück
befindet.
Dazu später mehr. Als nächstes sollte dieser Teil also für
die Öffentlichkeit weg fallen.
Zunächst aber hatte die ECH - bzw. das Grand Hotel - mit einem
anderen Problem zu kämpfen:
Die Hecken wurden ignoriert. Viele Leute
überstiegen einfach die kleinen Hecken und trampelten über den
Rasen.
Damals fotografierte ich solche Situationen nicht, weil ich
keine Persönlichkeitsrechte verletzen wollte.
Darum kann ich die
Aussage leider nicht beweisen, versichere aber, es mit eigenen Augen
gesehen zu haben
und auch mehr als einmal versucht gewesen zu sein,
für eine bessere Perspektive eine Hecke zu übersteigen.
Ich tat es
dennoch nie. Andere taten es und die Folgen sahen so aus:
Vorher:

Nachher:

Vorher:

Nachher:

Das sind nur zwei Beispiele. Auch vor dem Kurhaus wurden die Hecken
mit Zäunen ergänzt.
Die Zäune sind also eine Folge davon, dass es
Menschen gab, die die Hecken einfach ignorierten.
Das vergessen die
Kritiker oft bei ihrer Argumentation gegen die Zäune.
Man kann sagen, dass nicht die Willkür des Investors Schuld an den
Zäunen ist, sondern die Willkür der Tagesgäste.
Als nächstes schlossen die Stadt und die ECH dann Erbpachtverträge und Kaufverträge ab, die das komplettieren sollten,
was 1997 im Grundlagenvertrag beschlossen wurde. Das waren also
keine neuen Wünsche des Investors, sondern Bedingungen, die schon
1997 festgelegt wurden und erst Jahre später umgesetzt wurden. Sei
es, weil sie noch zu prüfen waren oder sei es, dass die städtischen
Mühlen nicht schnell genug mahlten oder sei es, dass die
Stadtvertreter einfach nicht schneller waren.
Da ab dem Tor am Ende der Promenade
und südlich von ihr sowieso ECH-Grundbesitz existierte und die
Promenade damit in einer Sackgasse endete und dies immer wieder zum
Streitthema wurde, setzte die Stadt gemeinsam mit der ECH dieser
unsäglichen Diskussion ein Ende.
Die Fläche wurde vererbpachtet und die ECH durfte sie zum Park umwandeln
und natürlich auch vom Seebrückenplatz abgrenzen.
Das Grand Hotel hatte damit eine Menge Vorteile erlangt: Die
Hotelgäste mussten nun nicht mehr aus- und wieder einchecken, wenn
sie zwischen Kurhaus / Grand Hotel /Severin-Palais und Burg /
Kinderclub / Orangerie verkehrten. Sie hätten zwar auch über die
Arkaden und das Treppenhaus hinten herum ihr Ziel erreicht aber so
mussten sie immer durch das Hotel hindurch - ob sie nun leger Strand
kamen, verschwitzt vom Joggen, im Bademantel vom SPA oder in
Sonntagskleidung vom Essen. Alles musste durch diesen Flur hindurch.
Da das Café im Kurhaus und die Terrasse neben den Arkaden liegt,
mussten auch die Kellner durch den Flur - praktisch war das nicht
gerade.
Nun ging es also um das Haus "Mecklenburg" herum und es war
sogar gerade so viel Platz, dass auch die Elektrofahrzeuge dort
entlang kamen. Auch die mussten bisher durch den Kleinen Wohld
fahren, dann auschecken, über die öffentliche Promenade fahren,
wieder einchecken und dann auf dem Hotelgelände ihr Ziel ansteuern -
das meistens im Kurhaus lag. Für die Angestellten war das ein Segen,
für die Hotelgäste sehr praktisch und für die Tagesgäste bedeutete
dies, nun an keiner Stelle mehr mit der Hotellogistik in Berührung
zu kommen und möglicherweise umgefahren zu werden. Elektromobile
sind fast lautlos.
Nachdem nun offiziell klar war, dass es keinen Weg mehr in den
Kleinen Wohld geben wird,
ersetzte die ECH das Tor zum Kleinen Wohld
durch ein ordentliches:

Dafür hatte sie ja gemäß den Vereinbarungen von 1997 auf eigene
Kosten einen Ausgleich geschaffen, damit die Leute weiterhin
zwischen Ost und West umher pendeln können.

Die Stadt nahm diese Alternative so von der ECH ab - die sich
verändernden Küstenlinien hatten beide nicht beachtet.
So ist die Alternative leider manchmal nicht nutzbar:

Ganz automatisch gelangen wir nun also von einem Weg zum anderen:
Hinter dem obigen Tor befindet sich ein Park. Der war nicht immer
dort.
Da war Wald und der wurde zum großen Teil gerodet, um drei
Sommerhäuser für die herzogliche Familie zu errichten:
Nummer eins
ist Villa "Krone", Nummer zwei Villa "Marie" und etwas abgelegen
Nummer drei Villa "Alexandrine".

Der Wald, in dem sich dieser Park befindet heißt "Kleiner Wohld",
also "Kleiner Wald".
Ein Wald war hier auch schon zu Zeiten des
Großherzogs aber der begann erst ein wenig hinter den Cottages, so
wie es ja auch bei der Perlenkette der Fall war. Die Cottages
standen also - wie die Villen der Perlenkette - am Waldrand. Ein Weg
führte auf der Küstenkante entlang bis hinter das
Alexandrinencottage. Dort senkt die Küste sich ein Stück und bot
Platz für einen Steg. Darum heißt der dortige Strandabgang heute
auch nach Alexandrines Mutter Auguste von Liegnitz "Liegnitzsteg".
Ob der Weg dann noch weiter nach Westen ging, weiß man heute nicht
mehr. Trampelpfade gab es auch damals schon und was weg und was Pfad
war, interessierte in einer Zeit von Pferdekutschen kaum jemand.
Zeitweise gab es wohl auch einen weg unterhalb der Küstenkante.
Allerdings war neben dem Alexandrinencottage früher auch viel mehr
Platz bis zum Wasser. Das Meer hat sehr viel Land verschlungen.

Zu Bäumen kam die Gegend zwischen Burg und Alexandrinencottage erst
mit dem Bau dieser Cottages, also seit 1840.
Landschaftsarchitekt Lenné war es, der nach dem Vorbild des
Schweriner Schlosses, des Potsdamer Sanssouci und anderer
Meisterwerke hier einen Landschaftspark anlegte. Aus den kleinen
Bäumchen wurden schnell große Bäume und so präsentiert sich das
Ganze heute als Wald. Dennoch ist der Parkcharakter bis zur Mitte
des letzten Jahrhunderts erkennbar gewesen.

In der ferneren Vergangenheit war der Bereich um das
Alexandrinencottage ein Anziehungspunkt.
Die lebensfrohe und
leutselige Großherzogin war eine gern gesehene Frau und so tummelten
sich
prominente Gäste Heiligendamms gern in ihrer Nähe auf der
Küstenkante.

Später zogen sich Mitglieder der großherzoglichen Familie nach
Heiligendamm zurück und es wurde ruhiger um sie.
Der Bereich der Großherzoglichen Familie wurde vom Hotelgelände
durch einen Zaun getrennt und so fand man ihn dann auch im Dritten
Reich noch vor. Kommandanten kamen, Kommandanten gingen und nach
1945 wurden dann in die drei Cottages Behandlungszentren für
spezifische Krankheiten untergebracht.
Wie auch der Rest des
Sanatoriums war dieser Bereich insofern öffentlich, dass jeder
hindurch laufen konnte. Der Hauptweg für die Fußgänger und Radfahrer
war jedoch der nördliche (rechts) der beiden Wege, während der
südliche (links) als Zufahrt für Autos diente. Der rechte Weg führte
auch auf die Aussichtsplattform und ging dann in Form eines
unbefestigten Sandweges durch den Wald bis zum Kinderstrand und von
dort aus weiter nach Kühlungsborn. Die Wege zwischen den beiden
Hauptwegen waren Parkwege und ein Teil der Bäume wurde gefällt, um
eine grüne Wiese vor dem Haus "Weimar" (Alexandrinencottage) zu
bilden.
 
Diese Bilder stammen aus der DDR-Zeit, als das Alexandrinencottage
im Kleinen Wohld noch "Haus Weimar" hieß und als
Spezialbehandlungshaus diente. Zwei Wege führten zum Cottage. Der
linke Weg führte als Straße von der Kühlungsborner Straße am Konsum
vorbei, zwischen der Burg und dem Verwaltungsgebäude (Haus Brahn)
hindurch, vorbei an den beiden anderen Cottages direkt auf den Hof
des Alexandrinencottages. Der rechte Weg hingegen war ein Fußweg und
führte vor das Alexandrinencottage auf die Aussichtsplattform, sowie
nach links auf die Straße. Dazwischen gab es einige
Querverbindungen. Das ganze gestaltete sich als Park und wurde schon
zu Zeiten des Großherzogs als solcher angelegt. Kein geringerer als
Lenné war dafür verantwortlich.
Nach Westen hin führte ein nicht von Lenné angelegter Weg die
Küstenkante entlang bis zum Kinderstrand.
Auf dem folgenden historischen Foto
zeigt sich, dass dieser Weg schon vor dem Umbau des
Alexandrinencottages vorhanden war.

Zu DDR-Zeiten war der Kleine Wohld ein beliebtes Ausflugsziel.
Hier
sind besonders die Aussichtsplattform vor dem Haus "Weimar"
(Alexandrinencottage) und der Kinderstrand hervor zu heben. Die
Promenade verjüngte sich in den Wald hinein. Zeitweise war die
Promenade auch geteilt, sodass Radfahrer und Fußgänger sich zwischen
Seedeichstraße und Waldanfang nicht in die Quere kamen.

Mit dem Verkauf des Gesamtpaketes "Heiligendamm" wechselte auch das
Land, auf dem die Cottages stehen seinen Besitzer.
In Rerik hat die Stadt vorsorglich einen Streifen auf der
Küstenkante gekauft, sodass ein Spaziergang auf der Steilküste dort
bis kurz vor der Seebrücke möglich ist. Bad Doberan kaufte keinen
Streifen der Küstenkante, sodass dort auch kein öffentlicher Weg
entlang gezogen werden kann. Der Investor konnte sich auch nicht
aussuchen, was er kaufen möchte und was nicht. Er erwarb automatisch
den ganzen Bereich bis zur Küstenkante mit. Dennoch hatte die Stadt
6 Jahre lang die Möglichkeit gehabt, den Küstenstreifen zu kaufen
und nach dem Kauf durch den Investor hätte die Stadt den Bereich
immer noch von ihm abkaufen können.
Die Stadt hatte aber aus ganz verschiedenen Gründen kein Interesse.
Ein Grund ist zum Beispiel, dass der Weg sehr nahe am
Alexandrinencottage vorbei geht und auch die Aussichtsplattform
dicht am Haus ist. Man hätte jegliche Nutzung des
Alexandrinencottages im Vorfeld erschwert. So schön es dort auch ist
- mit Touristen im Vorgarten würde auch keiner was zu tun haben
wollen. Hinzu kommt, dass die Küstenlinie keine feste Größe ist.
Küstenabbrüche gehören zum Alltag der Steilküste. Möglicherweise
wäre der Weg irgendwann ins Wasser gefallen. Wie viel Land ist vor
dem Wasser sicher? Wie viel hätte die Stadt also kaufen müssen?
Ein ganz anderer Grund ist, dass zunächst vorgesehen war, im Kleinen
Wohld einen Kurwald einzurichten und den heutigen Kurwald hinter der
Perlenkette zum Hotelpark zu machen. Damit wäre ein Weg durch den
Kleinen Wohld nicht so ein großes Problem gewesen. Man hatte aber
Angst vor den Reaktionen der Bürger auf die Einfriedung des
Waldstückes hinter der Perlenkette und tauschte daher sein Anliegen.
Allerdings war es da möglicherweise schon zu spät, um einen Streifen
Land zu kaufen.
Dennoch war die Stadt darauf bedacht, die Ost-West-Verbindung
gewährleisten zu können. Darum verpflichtete sie die ECH zum Bau
einer Verbindung über das Packwerk unterhalb des
Alexandrinencottages auf eigene Kosten. Das Ergebnis haben Sie
weiter oben schon gesehen. So war es dann auch legal, dass die ECH
auf ihrem Grundstück ein Tor aufstellte, welches den bisherigen Weg
in und durch den Wald versperrte.

Im nächsten Schritt wurde dann - wie weiter oben schon beschrieben -
die Promenade per Erbpacht auf diesem Abschnitt der ECH
überschrieben.

Der Park wurde mit einer Ligusterhecke vom Seebrückenplatz getrennt,
sodass unmissverständlich klar ist, dass es hier nicht weiter geht.
Wer das nicht weiß - wer noch nie in Heiligendamm war und
Heiligendamm nicht von Bildern kennt - wird glauben, dass hier schon
immer die Promenade in einem großen Platz mündete und sich auf die
Seebrücke und den Strand "ergießt".

Die Hotelgäste haben durch die Umgestaltung einen eigenen
Strandabgang.
Obenauf befindet sich die Strandbar, die auch über den Zaun hinweg
verkauft.

Aus der einst unnütz-unförmigen Ecke wurde ein Park der glauben
lässt, schon immer dort gewesen zu sein.

Doch wie kommt man überhaupt zur Promenade?
Um diese Frage zu beantworten, gehen wir zum letzten verschlossenen
Weg.
Google MAPS kennt noch die alte Wegführung, wie sie seit 1997
bereits nicht mehr praktiziert wird.
Abwechselnd gab es immer mal einen Weg vor der Perlenkette parallel
zur Professor-Vogel-Straße und eine bis drei Verbindungswege zur
Promenade. Mal fiel das eine weg und mal das andere - wie die
Gebäude gerade genutzt wurden.

Von "unten" sah das dann so aus:

Der letzte Stand war 1997, dass mit dem Kauf der Perlenkette und des
dazu gehörigen Grundstücks von der ECH alle Wege zwischen Promenade
und Professor-Vogel-Straße, sowie zwischen Seebrückenplatz und Haus
"Bischofsstab" entfernt wurden.
Der Grund ist einfach und simpel: Die Häuser haben ihre
Eingangstüren zur Professor-Vogel-Straße hinaus und ihre Terrassen,
Balkone, Loggien und Veranden zur Seeseite hin. Das war vorher
freilich nicht anders aber die Ansprüche haben sich geändert.
War
die Perlenkette zu DDR-Zeiten eine ganz normale Häuserreihe inmitten
eines ganz normalen Stadtteils, sollte es nun eine Hotel-Häuserkette
inmitten eines Hotelresorts sein. Sind bei städtischen Wohnhäusern
vor den Fenstern und Terrassen vorbei ziehende Touristen durchaus
üblich, ist dieser Umstand für Hotelgäste eines Resorts schwer
vermittelbar.
Die Wege mussten also weg.
Um einen Trampelpfad zuvor zu
kommen, legte die ECH lediglich einen Sandweg zwischen Villa "Perle"
und dem Grandhotel als Durchgang an. Die Professor-Dr.-Vogel-Straße
war zu der Zeit öffentlich und durchgängig begehbar. Die bestehenden
Hecken hinter den einzelnen Perlen in Verbindung mit Drahtzäunen und
Büschen bildeten fortan eine Sperre gegen Abkürzungen über den
Rasen.
Dies ist unsere Ausgangssituation im Jahre 2003, aus dem die
folgenden Bilder stammen.
Wir sehen den direkten Weg vom
Molli-Bahnhof über die Bushaltestellen in der Kühlungsborner Straße
hin zur Professor-Vogel-Straße, wo der Weg neben dem Post-Haus
endet.
Im Jahre 2003 war dieser Weg noch recht eben und von grün umsäumt.
Wir sehen hier von der Perlenkette aus kommend den Weg Richtung
Bahnhof.

Nachdem man die Kühlungsborner Straße überquerte, gelangte man in
das nächste Wäldchen
Das "Licht am Ende des Tunnels" ist eigentlich der schneeweiße
Molli-Bahnhof.

In den Jahren 2006 und 2007 wurde die Kühlungsborner Straße samt
Nebengelass neu errichtet.
Im Zuge dessen entstanden zwei Bushaltestellen, eine Ampelanlage mit
Verkehrsinsel, sowie Parkplätze.
Heiligendamm erhielt an den neuen öffentlichen Flächen eine helle
Pflasterung.
Vom Bahnhof aus kommend präsentierte sich der direkte Weg zur
Perlenkette im Abschnitt des jetzigen Kurwaldes - also in dem Teil,
der sich zwischen Kühlungsborner Straße und Professor-Vogel-Straße
befindet - zertrampelt und teilweise verwüstet:

Wie man sieht, weisen die Wegweiser zum Strand und zur Seebrücke
nach Osten, statt geradeaus.
Einer der Wegweiser stand an der ersten Wegkreuzung des Waldes.
Ortsunkundige liefen so nach Osten und gelangten über die
Seedeichstraße direkt zur Promenade. Diese Schilder hatte die Stadt
aufgestellt und sie mögen den Sinn gehabt haben, die Gäste direkt
auf die Kurtaxenautomaten zu verweisen, von denen es nämlich im
westlichen Promenadenbereich keinen gibt. Dafür spricht, dass diese
Schilder erst kurz nach Einführung der Kurtaxe aufgestellt wurden.
Da sie aber 2003 schon standen, vermuteten Kritiker, dass sie von
der ECH aufgestellt worden wären.
Diese aber darf gar keine Schilder
auf städtischen Grundstücken aufstellen, ohne wenigstens eine
Genehmigung zu haben.
Die Beschilderung spricht aber in der Art und
Ausführung eindeutig dafür, von der Stadt selbst aufgestellt worden
zu sein.
Diese Schilder finden sich auch an anderen Stellen
Heiligendamms, die nicht im geringsten mit dem Grand Hotel oder ECH-Grundstücken zu tun haben - am Bahnhof, dem Liegnitz-Steg und
Kinderstrand zum Beispiel.
Das folgende Bild zeigt das Ende des Weges. Genau hier mündete er in
die Professor-Vogel-Straße. Als die Villa "Perle" noch stand (also
vor 2007) konnte man die Seebrücke von hier aus nicht sehen und lief
als Ortsunkundiger nach rechts in Richtung Kurtaxenautomaten. Mit
dem Abriss der "Perle" wurde dann auch der westliche Bereich stärker
frequentiert, was auch ein Grund für die zuvor erklärte Sperrung des
südwestlichen Endstückes der Straße zwischen Grand Hotel und
Severin-Palais ist.


Im Frühjahr 2009 lief der Seeheilbad-Status Heiligendamms aus.
Voraussetzungen für eine Verlängerung dieses 2004 nur vorläufig
erteilten Status bzw. für eine nicht mehr nur vorläufige Erteilung
sind unter anderem das Vorhandensein einer Tourismusinformation und
eines Kurparks. Während Heiligendamm die Tourismusinformation zum
Besichtigungstermin vorweisen konnte, hatte der Ort keinen Kurpark
anzubieten. Dieser war allerdings schon seit Beginn der
Investitionen geplant gewesen und sollte in Großen Wohld zwischen
Professor-Vogel-Straße, Kühlungsborner Straße, Seedeichstraße und
Severin-Palais entstehen.
Das Problem dabei war, dass ein Kurpark
sich nicht realisieren lassen würde. Zum einen handelt es sich um
einen Wald und zum anderen gehört das Grundstück, auf dem sich
dieser Wald befindet der ECH. Würde man dort einen Kurpark
einrichten, wäre das ein Privatpark der ECH und damit müsste die ECH
ihn pflegen. Da es absolut unüblich ist, dass ein Gewerbebetrieb für
eine Stadt einen Park auf seinem Grundstück errichtet und auch noch
pflegt, nur damit die Stadt ihren Seeheilbadstatus halten kann,
musste eine Lösung gefunden werden.
Diese sah dann so aus, dass man keinen
Kurpark einrichtete, sondern einen Kurwald.
Der Wald befindet sich
auf dem Grundstück der ECH und die ECH richtet diesen Wald her, legt
Wege an, renaturiert die Waldflächen, fällt gefährdete und
gefährliche Bäume, stellt Bänke, Papierkörbe, Lampen, Tore, Zäune
usw auf, legt Rabatte, Beete und Rasenflächen an, pflanzt Büsche,
Bäume und Sträucher und übereignet die Wegflächen der Stadt. Damit
sind die Wegflächen öffentlich und alles was sich daneben befindet,
ist Privatgrundstück. Um nun ein Verlassen der Wege zu verbieten,
musste eine Kurwaldordnung her, die extra für Heiligendamm
geschaffen wurde und anno 2009 auf eine Genehmigung wartet. Diese
Ordnung regelt, dass bis auf Ausnahmen (Wiese vor der Kapelle) die
Wege nicht verlassen werden dürfen, dass nicht mit dem Fahrrad durch
den Kurwald gefahren werden darf und wie genau sich im Kurwald zu
verhalten ist. Ohne Kurwaldverordnung gäbe es keine rechtliche
Handhabe, um Verstöße zu ahnden.
Was aber am Kurwald das wichtigste ist, ist sein Wegenetz.
Das
Wegenetz ist öffentlich und gehört der Stadt und wird durch die
Stadt gepflegt.
Für alles außerhalb der Wege ist mehr oder weniger
die ECH verantwortlich, da es aber ein natürlicher Wald bleiben
soll, wird da nicht andauernd im Wald herum gewirtschaftet werden.
Es geht in erster Linie um Sauberkeit und Ordnung.
Der Plan zeigt aber bereits 2008 deutlich, wo der Kurwald entlang
verläuft (die schwarzen Punkte sind seine Grenze) und wie die Wege
verlaufen werden. Im nördlichen (oberen) Bereich erkennen wir
deutlich, dass ein ganzes Stück Wald- und Freifläche nicht mehr zum
Kurwald gehören, sondern von der ECH für Bebauungen vorgesehen (und
auch durch Stadt and Ämter genehmigt) sind.
Der bisher durchgehende Weg gabelt sich nach Osten in zwei sich
ebenfalls nach Osten gabelnde Wege.

Für den Bau des Kurwaldes war kein Zeitpunkt festgelegt. Wenn die
ECH einen Teil des Kleinen Wohldes zum Hotelpark machen wollte, dann
sollte sie auch den Kurwald fertig stellen. Da die Sanierung der
Perlenkette für die ECH wichtiger war, als die Einrichtung eines
Hotelparks, hätte auch der Kurwald zunächst noch warten müssen. Nach
Abschluss der Bauarbeiten an der Perlenkette und Fertigstellung der
Neubauten neben den Kolonnaden wäre es ein guter Zeitpunkt gewesen,
den Kurwald in Angriff zu nehmen.
Die Stadt Bad Doberan aber
brauchte den Kurwald schon eher: Im Frühjahr 2009 würde die
Kommission kommen und über den Seeheilbadstatus entscheiden. Wenn
dann kein Kurpark oder Kurwald vorhanden ist, gibt es auch keinen
Seeheilbadstatus. Also bat die Stadt die ECH darum, bis Frühjahr
2009 den Kurwald fertig zu stellen. Die ECH erfüllte der Stadt
diesen Wunsch und errichtete über zwei Herbste und Winter den
Kurwald, um ihn dann im Frühjahr 2009 zu übergeben.
Nun ergab sich also folgende Situation:
Vom Bahnhof, dem Parkplatz oder den Bushaltestellen aus kommend ging
es auf geraden und nebenstreckenlosen Wege auf ein Rondell, das in
seiner natürlichen Form dazu bewog, nach rechts - also Osten -
weiter zu laufen. Die Ausschilderung ist klar und missverständlich:
Zum Strand geht es nach rechts. Die Seebrücke wurde vergessen
auszuschildern aber das soll nachgeholt werden.
Am Wegesrand stehen zwei Bänke und ein Mülleimer, sowie eine
Stablampe und der besagte Wegweiser. Dahinter befand sich eine
Blumenrabatte. Diese wurde innerhalb weniger Tage zertrampelt und
die Leute liefen einfach geradeaus weiter. Das war schon bei der
Übergabe des Kurwaldes zu beobachten und selbst die Bitte des
Bürgermeisters an einen Radfahrer, der durch die umgepflügte
Schneise radeln wollte, nach Umkehr, wurde ignoriert. Frische
Pflanzen nahmen Schaden und einige wurden ganz offensichtlich
ausgegraben und gestohlen. Darum stellte die ECH einen keinen grünen
Zaun hinter das Sitzrondell, um einen Durchgang zu verhindern.
Hier sieht man deutlich, dass der Zaun auf einen Trampelpfad gebaut
wurde:

Nun präsentierte sich der ehemalige Weg folgendermaßen:

Kein Mensch würde beim ersten Besuch auf die Idee kommen, hier einen
Weg geradeaus zu suchen.
Einheimische jedoch wussten, dass man am Zaun vorbei zur Perlenkette
gelangt und umgingen den Zaun einfach:

Der Zaun machte also nur noch Sinn, wenn man dasselbe auch am Ende der
Schneise tat.
Also wurde auch dort ein Zaun errichtet. Diesmal ein
schwarzer und höher.
Damit war die Schneise eingefriedet und hätte
zu wachsen können, wenn es noch Pflanzen darin gegeben hätte.
So sah
es von Süden nach Norden aus:

Im Norden hätte ein Unkundiger gar nicht vermutet, dass es dort
jemals hindurch ging.
Ein Zaun mit einer Hecke dahinter erweckten
den Eindruck, dass es dort schon länger keinen Durchgang mehr gibt:

Die Zäune wurden also letztendlich von
Ortskundigen - von Einheimischen - verursacht.
Mit diesem letzten Zaun sollte eigentlich alles geregelt sein. Was jedoch dann geschah, ist beinahe
unglaublich:
Die Ostsee-Zeitung veröffentlicht einen Leserbrief mit einem Aufruf
zum "zivilen Ungehorsam" - also Straftaten.
Zu „Heiligendamm: Letzter
Weg . . . “, OZ v. 8. Mai, schreibt Matthias Burkhardt,
Börgerende:
„Ein anderes Wort als
,Schikane‘ fällt mir zu der Beseitigung des ,Stichweges‘
nicht ein. Fußgänger müssen jetzt 500 Meter Umweg auf sich
nehmen. Das ist für alte oder behinderte Menschen, die vom
Molli-Bahnhof oder vom Parkplatz mal an die Seebrücke
wollen, sehr viel. Es fällt mir auch beim besten Willen kein
vernünftiger Grund zur Beseitigung des Weges ein, ist doch
die reichlich abgeschottete Jagdfeld-Trutzburg weit
entfernt.
Ich werde den gesperrten Weg so oft wie möglich benutzen.
Ziviler Ungehorsam ist ein bewährtes Mittel des Protestes.
Dass die Doberaner Stadtvertreter diese Schikane, wenn auch
mit knapper Mehrheit ,abgenickt‘ haben, erstaunt mich am
meisten. Vielleicht sollte die Bevölkerung bei den
bevorstehenden Kommunalwahlen darauf achten, dass einige
permanente ,Abnicker‘ mal abgelöst werden.“
|
Kurz darauf wurden dann auch weitere immer schwerwiegendere
Straftaten begangen. Die Krönung:
|
Zukunft Heiligendamm |
Ausgabe Juli 2009
Vandalismus im
Kurwald
Bereits wenige Tage nach seiner Wiedereröffnung muss die
Stadt im Kurwald Sachbeschädigungen verzeichnen.
Und dies leider nicht zum ersten Mal. Die Kosten trägt der
Steuerzahler.
Die Freude aller
Beteiligten war groß, als die Entwicklungs-Compagnie
Heiligendamm (ECH) am 4. Juni den neu gestalteten Kurwald in
einem feierlichen Festakt
der Öffentlichkeit
übergeben hat. Ob Stadtvertreter der verschiedenen Parteien
oder die Repräsentanten der Stadtverwaltung mit Bürgermeister
Hartmut Polzin (SPD) an der Spitze: Das Lob für das neue
Schmuckstück Heiligendamms war einhellig.
Es dauerte
jedoch nur wenige Tage, bis Vandalen die neue
Landschaftsarchitektur vorsätzlich beschädigten:
Im Schutz der Dunkelheit rissen sie eine Parkbank (s. Foto)
samt ihrer beiden Sockel aus dem Boden und versetzten sie.
„Da müssen mehrere am Werk gewesen sein. Denn dafür braucht
man viel Kraft“, zeigt sich ECH-Geschäftsführer Hans Schlag
entsetzt.
Den Schaden schätzt er auf 500 Euro, zu tragen von der Stadt
Bad Doberan.
Denn die ECH hat auf ihre Kosten den Kurwald neu errichtet;
für Pflege und Unterhalt ist vereinbarungsgemäß die
Münster-Stadt zuständig.
Auch von Seiten der Stadtverwaltung zeigt man sich enttäuscht
über die Zerstörungswut.
Ihr Hintergrund ist vielen Doberanern aber bekannt: Einige
Heiligendammer kündigten jüngst öffentlich Aktionen an, die
den Kurwald beschädigen.
Denn sie wollen auf einem Trampelpfad auf dem kürzesten Weg
zur Professor-Vogel-Straße gelangen – gleich was ihnen dort im
Weg steht, wie hier etwa die Parkbank.
„Ziviler Ungehorsam“ nennen einige diese Sachbeschädigung, die
übrigens auch ein Schlag ins Gesicht der Stadtvertreter ist.
Denn sie
hatten sich für die jetzige Gestaltung der Grünfläche
entschieden. Im Interesse des Erhalts des Kurwaldes für
Doberaner und auswärtige Gäste hat die ECH daher an der
entsprechenden Stelle einen kleinen Zaun angebracht, um
weiteren Vandalismus zu verhindern. Aber bereits im Frühjahr
waren dunkle Gestalten im Kurwald unterwegs. Und gruben nach
Einbruch der Dämmerung frisch gesetzte Pflanzen aus. Die Suche
nach den Tätern verlief, wie auch im Falle der Parkbank,
bislang leider ergebnislos. ECH-Geschäftsführer Schlag
schüttelt den Kopf: „Es ist sehr schade, dass dieser Wald, den
wir für die Allgemeinheit errichtet haben,
von einigen wenigen
mutwillig beschädigt wird.“
 |
Dieser Sockel
sicherte die Bank.
Vandalen haben ihn nachts aus der Verankerung im Boden
gerissen. |
Von Christian
Plöger
|
Darauf schockierte die Ostsee-Zeitung mit einer sensationsgierigen
Bildanzeige, für die Fotograf Söllner selbst eine Straftat beging:
Bildbeitrag in der Ostsee-Zeitung vom 19.06.2009 (Bildschirmfoto):

Die ECH reagierte entrüstet:
ECH sieht keine Alternative zum Zaun
Zum Foto vom Zaun am
gesperrten Weg zwischen dem Bahnhof Heiligendamm und der
Seebrücke (OZ vom 19. 6.) schreibt Kirsten Brasche-Salinger,
Pressesprecherin der Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH):
„In der heutigen
Ausgabe der Ostsee-Zeitung haben Sie einmal mehr einen
einseitigen Bericht zum Thema Kurwald mit einem
propagandistisch aufgemachten Foto abgedruckt, das wir so
nicht stehen lassen möchten.
In Ihrer Zeitung haben
Sie vor nur wenigen Wochen, nach Fertigstellung des
Kurwaldes, durch den Abdruck eines Leserbriefes indirekt zum
zivilen Ungehorsam durch Nichtbeachtung der neuen
Wegeführung im Kurwald aufgerufen. Diesem wurde stark Folge
geleistet. Täglich wurden Pflanzen zertreten und ausgerissen
und sogar eine neu aufgestellte Bank aus dem Fundament
gerissen, so dass ein beachtlicher Sachschaden entstanden
ist. Darüber haben Sie indes leider nicht berichtet.
Die
einzige Möglichkeit, diese Schäden in der Zukunft zu
vermeiden, war die Errichtung des Zaunes, über den Sie
berichten und dessen Aufstellung mit der Stadt sehr wohl
abgestimmt ist. Wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass
es sich hier nicht um eine willkürliche neue Wegeführung
unsererseits handelt, sondern Wege so geschaffen wurden, wie
sie durch die SVV von Bad Doberan festgelegt wurden.
Überdies gibt es die Verordnung über den „Kur- und
Erholungswald Heiligendamm“ des Landes MV, die in § 4 u. a.
gesetzlich regelt, dass es verboten ist, die
gekennzeichneten Wege zu verlassen.
Ihr
Fotograf, Herr Söllner, hat für diese Aufnahme
Landfriedensbruch begangen, wozu wir uns rechtliche Schritte
vorbehalten. Um eine solche Perspektive zu erzielen, muss
man sich schon sehr anstrengen, denn der Zaun ist nur wenige
Meter breit und keine zwei Meter hoch. Ein Tourist, der
durch die Prof-Vogel-Straße radelt, bemerkt den Zaun kaum,
da muss ihm schon genaue Anweisung gegeben werden, wo er
sich hinstellen soll. Dass jemand daran rüttelt oder wie im
Gefängnis durchschaut, ist auf schlimme Art von Ihrer Seite
konstruiert. Nach wie vor ist mir unverständlich, warum Sie
mit allen Mitteln diese Anti-ECH-Stimmung im Doberaner Teil
Ihrer Zeitung aufbauen. Warum berichten Sie nicht aus beiden
Sichtweisen und kontaktieren uns/mich vor einer solchen
Geschichte, damit auch unsere Sicht der Dinge in einem
Beitrag zur Sprache kommt?“
|
Dem Bürgerbund fiel auf, dass die ECH den kleinen Zaun am Wegrondell
auf öffentlichem Grund aufgestellt hatte.
Ungeachtet der Gründe für
dieses Handeln beantragte der Bürgerbund eine Entfernung des Zaunes,
den er
populistisch im Jargon der Stasi und DDR-Grenztruppen
"Personensperranlage" nannte.
Die erste Amtshandlung der neuen
Stadtvertretung im Juli 2009 war also die Verfügung an die ECH,
den
Zaun wieder zu entfernen. Die ECH kam der Aufforderung prompt nach,
erklärte aber auch den
Grund für den Zaun. Sie versetzte den
kleineren Zaun vom Wegrondell an die Stelle des größeren
Zaunes an
der Professor-Vogel-Straße.

Damit blieb Dank der Stadtväter die Schneise eine Sackgasse.
Von nun
an liefen die Leute in Scharen in diese Sackgasse, um dann teilweise
wieder umzukehren,
teilweise aber auch Zäune zu über- oder
unterkriechen. Zuerst sah es zwischen Kolonnaden und "Schwan" so
aus:

Das Bild entstand, als der Weg noch offen war.
Bald darauf entstand ein Trampelpfad über den frisch gesäten Rasen
hin zum kleinen Zaun an den Kolonnaden:

Also errichtete die ECH dort auch einen großen Zaun:

Die Leute stört das wenig. Munter laufen Anarchisten und Ahnungslose
zusammen in die Schneise
Schilder werden übersehen oder ignoriert, die kaputte Bank dient
nicht mehr als Sperre und wurde entfernt.

Die Leute laufen teilweise mit böser Absicht, größtenteils aber auch
völlig ahnungslos in die Sackgasse.

Aber sie lassen sich nicht beirren. Umdrehen?
Niemals!

Statt dessen bilden sie sich ihren eigenen Weg über
den frischen Rasen.

Anarchie kennt keine Grenzen. Ich habe hier junge
Leute gesehen, Eltern mit Kindern, Einzelpersonen, Paare, Mann und
Frau, jeden Alters, ja sogar zwei alte Leute mit Gehhilfen, die sich
zwischen den Zaunteilen hindurch quälten.
Nur Radfahrer kommen schimpfend zurück. Sie schimpfen auf den
Investor.
Wir erinnern uns: DER hatte hier den Weg dicht gemacht, damit
niemand in eine Sackgasse läuft.
Einige erkennen aber auch das wahre Übel und schimpfen auf die
Stadt. Und kommen nicht wieder her.

Ertappt: Zaunkletterer in Heiligendamm sind keine
Einbildung. Hier sind sie:





Das sind nur einige Bilder und diese von nur 15 Minuten eines
Montagvormittags im November 2009.
Wie man sieht, habe ich mich dafür nicht versteckt - die Leute sind
vor meiner Kamera geklettert.
Die ECH hat das Problem erkannt und auf Drängen der Stadt den
Zaun entfernt.
Die Schneise wird so lange frei bleiben, bis die Baumaschinen für
die Villa "Perle" anrücken.
Das wird im Sommer 2010 der Fall sein und ab da bleibt dieser
Durchgang dann für immer geschlossen.
Einfach, weil er über Privatgrund verläuft. Später wird der Bereich
wie geplant durch zwei Neubauten überbaut.
Dabei ist es absolut nicht so, dass man nicht mehr zum Strand, zur
Promenade oder zur Seebrücke gelangt.
Es gibt einen gut ausgebauten und beleuchteten Weg, auf dem jeder
Weg des Kurwaldes und des Großen Wohldes mündet und den man ganz
automatisch nimmt, wenn man keine Schilder ignoriert: Die
Seedeichstraße.

Sie führt direkt auf die Parkplätze, den Imbiss, das Café, die
künftige Strandversorgung und die Strandaufgänge zu.

Man kommt also nach wie vor von Süden nach Norden und von Norden
nach Süden. Ein weiterer Weg zwischen Kühlungsborner Straße und
Seedeichstraße existiert am Ortseingang im Wald und über die Straße
zum Kinderstrand erreicht man ebenfalls über zwei Strandabgänge
(Kinderstrand und Liegnitzsteg) den Strand. Um einen brauchbaren
Rundweg zu gewährleisten, verlängert die Stadt sogar auf Kosten der
ECH den vorhandenen Steg über das Packwerk und bindet ihn an die
Strandabgänge 2 und 3 an.
Lediglich hat sich die Länge des Weges vom Molli-Bahnhof zur
Seebrücke um etwa einen
halben Kilometer erhöht. Dennoch hat Heiligendamm vom Bahnhof bis
zum Strand kürzere Wege, als Kühlungsborn, Warnemünde, Graal-Müritz
und Ribnitz-Damgarten. Das Gros der Touristen fährt davon abgesehen mit dem Auto
oder Bus bis direkt an den Strand.
Es sind auch nicht so sehr die länger gewordenen Wege, die
kritisiert werden, sondern die Wegnahme einst öffentlicher oder
zumindest öffentlich nutzbarer Wege. Nur wenige eingefleischte
Gegner nutzen die Länge der Wege als eines ihrer vielen
flächendeckenden Argumente, wobei sie den Beweis stets schuldig
geblieben sind. Die Touristen würden vom Wegfall der Wege gar nichts
bemerken, wenn sie nicht wie im Falle der Schneise darauf stoßen
würden. Die geschlossene Schneise war kein Problem für die
Touristen. Ich habe nie einen Touristen gesehen, der den Zaun
umging. Nach der Öffnung des Zaunes jedoch liefen mehr als zwei
Drittel der Touristen in die Sackgasse und waren am Ende aufgebracht
wegen dieses Zustandes. Dennoch erinnern wir uns: Heiligendamm kam
zunächst ohne Zäune daher. Hinter jedem Zaun steht eine
Notwendigkeit. Zäune gibt es nicht kostenlos mitzunehmen - jeder
Zaun kostet dem Investor Geld. Bevor man dieses ausgibt, wird genau
überlegt. Hinzu kommt, dass alle Zäune von der Stadt Bad Doberan
genehmigt oder - wo es nichts zu genehmigen gibt - gebilligt wurden.
Fazit
Wir
sehen also: Die Zäune in Heiligendamm sind nicht Ursache aller
Probleme, sondern sie manifestieren die Probleme.
Die Zäune stehen für Veränderungen in der Struktur einer Landschaft,
wie auch in den Köpfen der Menschen.
Aus einem relativ zaunarmen
gemeinschaftlichen Besitz wurde ein Privatbesitz. Viele Leute
akzeptierten diese neuen Zustände nicht, andere erkannten sie
einfach nicht und wieder andere wollten sie abschaffen. Allen gemein
ist, dass sie den Privatbesitz so lange durchliefen, bis der
Besitzer ihn einzäunte.
Die Einzäunung war die logische Konsequenz
aus der Missachtung des Privatbesitzes.
Jeder Grundstückseigentümer,
der sein Grundstück, sein Haus, sich selbst oder seine Gäste
gefährdet sieht, friedet sein Grundstück ganz selbstverständlich
ein. Sei es durch hohe Hecken oder mittels wenigstens durchsichtiger
und nicht so hoher Zäune. Eingezäunte Grundstücke finden wir in der
Gartenstraße und an der Kühlungsborner Straße ebenso vor. Manche
mehr und manche weniger blickdicht. Aber hier musste der
Investor Auflagen erfüllen, denn die Häuser auf seinem Grundstück
mussten sichtbar bleiben.
Jedoch gibt es ganz offensichtlich eine Differenzierung zwischen den
selbstverständlichen Zäunen um die Privatgrundstücke der etwa 100
Heiligendammer Grundstückseigentümer und den Zäunen um das Grand
Hotel.
Diese Differenzierung - dieses Messen mit zweierlei Maß - lässt sich
möglicherweise nur soziologisch erklären.
Die Zäune sind nur Sinnbilder der Trennung. Sie trennen in erster
Linie Arm und Reich, ein wenig auch Ost und West, sicherlich auch
Macht und Ohnmacht. Sie trennen Gewinner und Verlierer, Einfluss und
Bedeutungsarmut, Bewegung und Stillstand, Größe und Kleinheit,
Selbstbewusstsein und Selbstzweifel, Mut und Unmut, Luxus
und Schlichtheit, Historie und Gegenwart.
Die Zäune können
erst weichen, wenn Arm und Reich ihre Gegensätze überwinden, wenn
Ost und West kein Thema mehr ist, wenn die Macht des einen nicht zur
Ohnmacht des anderen führt, wenn die Verlierer aufhören, sich selbst
zu bemitleiden, wenn Einfluss nicht mehr Bedeutungsarmut verursacht
und wenn Luxus das Aushängeschild des Ortes ist und die Bewohner
stolz macht.
Die Mauer fiel und mit dem Mauerfall trat genau das wieder ein, was
ihren Bau gewissermaßen notwendig machte: Massenflucht,
Ausbluten, Zusammenbruch soziologischer und schließlich sozialer
Strukturen, schleichender Zerfall. Genau wegen diesen Problemen wurde
die Berliner Mauer errichtet - genau deshalb mauerte sich die DDR
ein. Doch gerade diese Mauer schaffte neue Probleme. Und diese
Probleme ließen die Menschen die Mauer wieder nieder reißen. Mit dem
Fall der Mauer waren die Probleme wieder da. Was ist zu tun? Eine
neue Mauer bauen? Oder einig Vaterland werden?
Die Frage stellt sich auch in Heiligendamm: Löst das Wegnehmen der
Zäune die aktuellen Probleme
oder ruft es nur die alten Probleme -
die der Bau der Zäune verhindern sollte - wieder hervor?
So wie
Deutschland einig Vaterland werden muss, so müssen Heiligendamm und
Bad Doberan das Grand Hotel integrieren und mit ihm eins werden.
Erst wenn dieser Wirtschaftsbetrieb kein Fremdkörper mehr ist, ist
eine Lösung in Sicht.
Heiligendamm ist der Spiegel unserer Gesellschaft. Habe ich das
nicht schon 2004 geschrieben?
Übrigens: Aus immer denselben Mündern hört man immer wieder dasselbe
Argument, welches sinngemäß lautet: "1989 fiel in Berlin die
Mauer und 2003 wurde sie in Heiligendamm wieder aufgebaut."
Das ist nicht nur eine tiefe Beleidigung des Investors und der
Stadt, sondern besonders ein derber und harter Schlag ins Gesicht der Menschen
Berlins, die von ihren Familien und Freunden getrennt wurden, die
ihr Leben für eine Flucht auf das Spiel setzten, die verhaftet,
verurteilt und eingesperrt wurden, die an der Mauer erschossen
wurden, im Stacheldraht verbluteten oder beim Fluchtversuch durch
einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verstarben.
Nichts - aber auch absolut gar nichts - ist in unserem Lande mit der
Berliner Mauer vergleichbar.
Darum sollte kein denkender und vernünftiger Mensch je
einen Zaun, eine Mauer, einen Wall oder eine Hecke um ein Grundstück oder eine Sperrung
auf Grund veränderter Eigentumsverhältnisse mit diesem Todesbauwerk
vergleichen.
Alle Themen des Schwerpunkt-Komplexes:
Thema Nummer eins: Warum verfallen Häuser in Heiligendamm?
Thema Nummer zwei: Warum ist das Grand Hotel eingezäunt?
Thema Nummer drei: Warum sind alte Wege verschwunden?
Thema Nummer vier: Warum gehört alles Herrn Jagdfeld?
Zur ausführlichen öffentlichen Diskussion
mit Zeitungsarchiv, Leserbriefen, Kommentaren, Bildern und Analysen.
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