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Die
Badegesellschaft reist aus Heiligendamm ein. Dort hat sie angebadet und
damit die Badesaison offiziell eröffnet. Das geschah 1825 erst im
Spätsommer, weil das Wasser dort wärmer war aber 2010 sind die Menschen
etwas härter im Nehmen. Wer ein Kostüm hat, darf kostenlos mit dem Molli
mitfahren. Und hier kommt die alte Dame angeschnauft. Nächster Halt.
Stadtmitte. Hier warten wir schon.
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Die Lok hält, Musik erklingt und als erstes
steigen Freiherr Julius von Maltzahn, der Brandmeister und Amtshauptmann
Hundt aus dem Wagen der Dampflok. Gespielt wird der Amtshauptmann von
Bürgermeister Hartmut Polzin. Freiherr von Matzahn wird von Siegbert
Bathke aus Stülow/Glashagen verkörpert.
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Schließlich steigen auch Großherzog Friedrich Franz I, gespielt vom Bad
Doberaner Schauspieler und Kabarettisten Hans-Peter Hahn und
Oberlandesforstmeister Eggers, gespielt von Karsten Allwardt aus dem Zug.
Und ja: Der Bart ist echt.
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Die Badegesellschaft wird mit Musik und Jubel vom Volke begrüßt. Ganz
Bad Doberan scheint auf den Beinen zu sein, um "seine" Durchlaucht
huldigend zu feiern. Aber es wird nicht lange verweilt am Brunnen auf
dem Springbrunnenplatz.
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Der Zug formiert sich, die Molli fährt
wieder ab und nun geht es zum Kamp.
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Anno 1825 existierte beides noch nicht: Das Gymnasium wurde erst 1887
fertig gestellt und das Kaufhaus "Magnet" - heute Büro- und
Geschäftshaus - entstand erst zu DDR-Zeiten. Nur das Fachwerkhaus kann
1825 schon existiert haben.
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Das Gefolge bleibt hinter der Badegesellschaft, wie es sich gehört.
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Auf dem Kamp wird der Großherzog musikalisch
vom Bad Doberaner Blasorchester begrüßt. Der Kamp existierte 1825 schon
in voller Ausstattung.
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Auf dem Balkon des Weißen Pavillons spielen
die Hohenfelder und Ivendorfer Jagdhornbläser, welche gerade eine Woche
zuvor das Jagdhornbläsertreffen "Hörner erschallt im Glashäger
Quellental" in Hohenfelde ausrichteten.
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Musikalisch geht es weiter: Die
Badegesellschaft singt die Hymne auf den Großherzog "Heil dir im
Siegerkranz" nach der Melodie von Haydn (gleich dem Deutschlandlied).
Der Landesforstmeister zaubert den Text aus seinem Hut.
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Nun erst kommt auch seine Durchlaucht, die
Königliche Hoheit zu Wort.
Gemeinsam mit seinem Amtshauptmann spricht der Großherzog große Worte.
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Nach der Vorstellung der wichtigsten
Persönlichkeiten wird dem Großherzog von der Floristin Bade ein
Blumenstrauß mecklenburgischer Blumen überreicht.
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Damit beginnt jedoch erst die Reihe der
Gaben.
Bäckermeister Braun überreicht Brot für die Tafel. Die Bäckerei und
Konditorei kann auf eine lange Geschichte zurück blicken. Zwar
existierte sie 1825 noch nicht aber ihre Wurzeln sprossen ein
Jahrhundert später - 1935 eröffnete Herbert Seyfferth in Rostock eine
Bäckerei, bevor er dann nach Bad Doberan kam und zusammen mit seiner
Frau Christa am 1. Juni 1941 in der Mollistraße die Bäckerei eröffnete.
Die gemeinsame Tochter Brigitte übernahm die Konditorei 30 Jahre später
und heiratete den Bäckermeister Herbert Braun, der dem Unternehmen erst
seinen Namen gab. Inzwischen wird der Traditionsbetrieb an alter Stelle
in der Mollistraße 14 in dritter Generation seit 1996 vom hier
abgebildeten Sohn Thomas Braun und seiner Frau Uta geführt. Die beiden
haben eine Tochter, sodass die Handwerkskunst der Brauns auch weiterhin
gesichert sein kann. Bad Doberan hat eine Vielzahl von Bäckereien, von
denen viele erst nach der Wende entstanden sind aber mit Braun, Kleinow
und Felsky auch Unternehmen auf eine lange Geschichte zurück blicken
können.
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Zum Brot gehört auch ein anständiger Belag.
Für diesen sorgt Fleischermeister Hermann Timm. Alle Fleischermeister
der Traditionsschlachterei heißen so. Der erste Hermann Timm lernte in
der Schlachterei in der Mollistraße 7 und kaufte seinem Chef 1907 das
Unternehmen ab. Zusammen mit einem Mitarbeiter führte er den Betreib 50
Jahre lang. 1957 übergab er die Fleischerei dem Sohn Hermann Timm. Das
ist wohl der Hermann, den wir hier sehen. Zu der Zeit gab es noch 8 oder
9 Fleischer in Bad Doberan. Hermann und Dorit Timm führten das Unternehmen bis 1981 mit 10 Mitarbeitern. Sie
modernisierten den Betrieb und verlegten die Produktion eine Etage nach
oben. Die Schlachterei verarbeitete täglich 40 Schweine-Hälften und
etliche Rinder-Hälften, belieferte Hotels und hatte den Auftrag, die
Bevölkerung zu versorgen. Bis 1986 arbeitete Hermann Timm weiter im
Betrieb, übergab aber 1981 das Unternehmen seinem Sohn - natürlich auch
ein Hermann. Zum hundertjährigen Jubiläum 2007 wurde Tochter Christine
die erste Frau, die das Unternehmen führte. Christine Timm heiratete
Detlef Graf und heißt seitdem Christine Graf-Timm.
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Auch Fischerin Friedrich war gekommen.
Fischgeschäfte gab es in Bad Doberan schon früh aber nicht viele. Das
Fischgeschäft im Einkaufszentrum in der Innenstadt ist erst dieses Jahr
eröffnet worden. Umso schöner ist die Beteiligung an der Feier. Als
nächstes kamen Reddelicher Bürger, die insofern ja eine wichtige Rolle
spielten, das sie 1807 dem Großherzog zur Begrüßung entgegen ritten.
Diese hier kamen zu Fuß mit einem Handwagen voller Schmalz-Stullen zu 50
Cent - wie man 150 Jahre später sagen würde - das Stück. Da durfte auch
das Volk rein greifen. Die Aristokraten verteilten aber auch von der
Tafel.
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Hier sehen wir den ehrenwerten Professor Dr. Samuel Gottlieb Vogel beim
Konfiszieren einer Flasche Schnaps. Erst nach der Genehmigung des
Leibarztes darf der Großherzog davon einen Schluck nehmen, denn mit
seinen 69 Jahren ist seine Durchlaucht nicht mehr der Gesündeste. Eine
Arthrose quält ihn und auch wenn sein Leibmedicus es scherzhaft "Arthröschen"
nennt, ist der Klare aus Mecklenburg nur in Maßen zu genießen. Professor
Vogel war es, der dem Großherzog ein Bad in der Ostsee vorschlug und
letztlich für den Heiligen Damm plädierte. Ihm verdanken wir die
Geschichte des ersten Seebades und die Wiederentdeckung des Thalasso.
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Damit ist die Table d'hôte komplett. Bisher
fand der Festschmaus im Salongebäude statt und kostete 80 Euro Eintritt
pro Teilnehmer. Um für alle Leute etwas bieten zu können, wurde die
Table d' hôte dieses Jahr nicht aufgeführt und die Tafel symbolisch nach
draußen verlegt. Die Gabenüberbringer dürfen mit an die Festtafel.
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Hier stehen die drei Tafel-Sponsoren noch
einmal zusammen:
Bäckermeister Braun, Fischgeschäftsinhaberin Friedrich und
Fleischermeister Timm. Das Fest selbst hatte noch mehr Sponsoren, wurde
aber auch von der Stadt Bad Doberan mitfinanziert. Dafür fällt das
Kamp-Fest dieses Jahr aus.
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Kommen wir zu den weiteren Persönlichkeiten
an der Table d'hôte. Hier sehen wir Erbgroßherzogin Alexandrine von
Preußen. Diese Rolle muss eine Frau von Schönheit und Natürlichkeit
spielen und niemand eignete sich bisher besser, als Ieva Pleban, Das
Original - die großartige Alexandrine von Preußen - wurde am 23.02.1803
als Tochter von König Wilhelm III und Königin Luise in Berlin geboren.
Ihren Rufnamen erhielt Friederike Wilhelmine Alexandrine Marie Helene
vom Patenonkel, Zar Alexander I von Russland. 1822 heiratete Alexandrine
den Erbgroßherzog Paul Friedrich von Mecklenburg (-Schwerin), Enkel von
Friedrich Franz I. Dieser wird gespielt von Falk Heinrich, im echten
Leben Sportler des DSV. Sein Vorbild wurde am 15.09.1800 in Ludwigslust
geboren und war der Sohn von Friedrich Ludwig von Mecklenburg und der
russischen Fürstin Helena Pawlowna Romanova. Erbgroßherzog wurde er,
weil sein Vater 1819 starb und Friedrich Franz I noch Großherzog war. Nach
dem Tod des glorreichen Friedrich Franz I wurde auch Paul Friedrich
Großherzog und Alexandrine wurde Großherzogin. Gemeinsam hatten sie drei
Kinder: Den späteren Großherzog Friedrich Franz II, Luise Marie Helene
und Wilhelm. Paul Friedrich war der Auftraggeber der Burg
"Hohenzollern" starb aber vor ihrer Fertigstellung am 7. März 1842 in
Schwerin. Alexandrine wurde fast doppelt so alt, wie ihr Gatte und
verbrachte viel Zeit in Heiligendamm im nach ihr benannten Alexandrinencottage. Sie wurde oft in Doberan mit ihrem Esel-Fuhrwerk
gesehen. Am 23.02.1893 starb sie im hohen Alter von 89 Jahren in
Schwerin, wo man sie neben ihrem Gemahl beisetzte.
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Links im Bilde haben wir den Hofmedicus
Professor Dr. Samuel Gottlieb Vogel, der auch durch einen richtigen
Doktor gespielt wird. Dr. Peter Kupatz spielt die Rolle des Leibarztes,
der gelehrt und umsichtig ist und seine Arbeit sehr ernst nimmt. Von
Professor Vogel steht geschrieben, dass er im Salon zwischen Haus
"Mecklenburg" und dem Kurhaus in einer Ecke am Tisch saß, ein Buch las
und die Badegäste beobachtete. Immer wieder setzte sich jemand zu ihm
und redete mit ihm, worauf hin er sein Buch niederlegte, geduldig
zuhörte und antwortete. Der Hofmedicus war es auch, der die "Allgemeinen
Regeln zum Gebrauche für Badelustige überhaupt und diejenigen
insbesondere, welche sich des Seebades in Doberan bedienen" schrieb.
Besser bekannt als "Vogels Baderegeln" (Kauflink gibt es unten auf der
Seite). Professor Vogel wurde 1750 in Erfurt geboren, studierte und
habilitierte sich in Göttingen, wo er 1776 bis 1789 praktizierte, bevor
er dann Professor an der Universität Rostock wurde, die Heilkraft des
Wassers wiederentdeckte und damit die Entwicklung Bad Doberans und
Heiligendamms ursächlich beeinflusste. Vogel war es, der das erste
Badehaus initiierte und zahlreiche Erweiterungen und Ergänzungen anregte.
Ihm ist das Armenkrankenhaus (später Seehospiz) zu verdanken und die
nach ihm benannte Straße in Heiligendamm ehrt ihn gebührend. Vogel blieb
Heiligendamm und seinem Großherzog treu und starb wie seine Durchlaucht
erst im hohen Alter im Jahre 1837. Neben Vogel sitzen der Freiherr
Julius von Maltzan mit seiner Frau Baronin von Maltzan, der Freiherr von
Stein und der Dorfschulze von Reddelich.
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Julius von Maltzan (auch Maltzahn) gehörte
zu einem uralten mecklenburgischen Adelsgeschlecht und war ein großer
Fan Heiligendamms, der auch Bücher über das Seebad schrieb. Gespielt
wird das Paar von Siegbert und Angelika Bathke aus Stülow/Glashagen.
Freiherr von Stein war ebenfalls in Doberan. Er war der Vater der Frau
Johann Wolfgang von Goethes und wie dieser ein Geheimrat. Ein
Dorfschulze ist schlicht und einfach ein Bürgermeister und dieser wird
auch durch diesen verkörpert.
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Die Festtafel wird musikalisch und mit einer
Darbietung der Warnemünder Trachten-Tanzgruppe begleitet. Die bekannte
Tanzgruppe mit ihren traditionellen Warnemünder Trachten sind fester
Bestandteil vieler Warnemünder Veranstaltungen, wie dem "Ümgang" oder
auch "Niegen Ümgang" während der Warnemünder Woche, sowie der Hanse Sail.
Volkstänze und typische Seefahrer-Tänze gehören zum Repertoire der
beliebten Warnemünner Jungs un Deern.
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Die Kulisse des Roten Pavillon passt sehr
gut zu den Trachten der Tänzer.
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Jede Tracht wird erklärt und mit Anekdoten
verschönert.
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Anschließend sorgt der Hofmedicus für
Bewegung.
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Alle müssen mitmachen bei den Übungen.
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Auch der
arthröschengeplagte Großherzog.
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Doch eine Meldung des Brandmeisters unterbricht die Feier:
Die Kapelle in Althof ist abgebrannt. Es fehlt Geld zum Wiederaufbau.
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Schnell findet sich Rat. Die Allianz-Versicherung in der Goethestraße 2
ist zur Stelle und preist ein neues Produkt: Versicherungen. Man ist
begeistert.
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Denn alles was 1825
so passieren kann (oder auch nicht) ist bei der Allianz versichert.
Überschwemmung, Feuer, Blitzschlag! Und Graffiti? Sehr umsichtig. |
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Der Doberan-Hístoriker Helge Rehwald und die Leiterin des Stadt- und
Bädermuseums Sylvana Rieck haben sieben historische Spielszenen
niedergeschrieben und mit den Darstellern eingeübt.
Die Gaben für die Tafel waren einige davon.
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Eine weitere ist das Spiel zwischen Amtshauptmann Hundt und Freiherr von
Maltzahn, die eine Geschichte erzählen. Maltzahns Hose wurde von einem
Hund zerrissen und er fragt Hundt um Rat. Drei Taler Entschädigung hält
der für angemessen, bis er erfährt, dass es sein Hund war.
Zähneknirschend zahlt er.
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Doch die Freude des Freiherrn währt nicht lange: Hundt verlangt für
seine Mühe einen Tribut: 3 Taler und 60. Symbolträchtig sind beide
Bilder, denn Hundt ist ja eigentlich Bürgermeister Polzin und der wird
beschuldigt, auf Kosten der Stadt einen Vergleich zu Gunsten eines
Parteifreundes geschlossen zu haben. Hier zahlt er auf einem Bild aus
eigener Tasche und im nächsten Bild hält er die Hand auf.
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Seine Durchlaucht jedenfalls ist angetan von der Darbietung. Apotheker
Schult von der Kamp-Apotheke hat gerade Medizin ausgeteilt und eben
diese will das gekrönte Oberhaupt nun probieren, denn sie verspricht, um
20 Jahre jünger zu werden. Angesichts des Arthröschens keine schlechte
Idee. Jedoch kostet es einigen Widerstand, denn der Leibmedicus hat die
Scharlatanie längst erkannt.
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Nach dieser Kehlen-Ölung stürmt der schon legendäre Herren-Chor die
Bühne. Angeführt von seiner Majestät persönlich singen die Herren der
Badegesellschaft Loblieder auf den Kamp und Bad Doberan.
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Anschließend darf auch das Volk tanzen. Apotheker Schult und seine Frau
schwingen das Tanzbein zu Johann Strauß' "An der schönen blauen Donau".
Und schon zieht es ein Paar nach dem anderen auf das Parkett zum Walzer.
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Der Volkstanz ward gehalten und jung und alt lieben ihn.
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Auch die Erfinder
kommen nicht zu kurz: Wir sehen Freiherr von Drais. |
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Karl Drais (1785-1851) erfand 1817 die Draisine. In dieser Zeit waren
viele Pferde durch die Tambora-Eruption gestorben und es herrschte
Hungersnot. Der geniale Erfinder wurde belächelt und verfolgt. Sein
Laufrad wird hier bestaunt aber auch belacht. Er soll beweisen, dass er
damit schneller als ein Läufer ist.
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So wird dann gewettet, was Amtshauptmann Hundt famos findet. Die Runde
um den Kamp entscheidet der Läufer für sich. Drais bleibt weit zurück
und verliert die Wette.
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Er buckelt das Laufrad und läuft in das Ziel. Da aber seine Durchlaucht
auf ihn gesetzt hat, hat es keiner so gesehen. Drais erhält seine Ehre
und eine Einladung an den Hof zu Schwerin zur Vorführung seines nun doch
genialen Gefährts.
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Hier sehen wir nun Bauamtsleiter Norbert Sass alias Carl Theodor
Severin, der als Bauconducteur und später Hofbaumeister des Großherzogs
dem Professor und dem Amtshauptmann seine Bauwerke erläutert und von
weiteren Bauwerken schwärmt. Auf dem Kamp soll nämlich wieder eine
überdachte Bühne entstehen.
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Gehört hat man sie schon vorher - nun sieht
man sie auch: Die Kameraden der Bad Doberaner Feuerwehr. Die Hünen
sollen ihre Stärke beim Tauziehen beweisen.
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Um nicht zu schwer zu sein, tun sie, was anno 1828 nicht ganz ohne war:
Sie legen ihre Uniformen ab und zeigen nackte Haut.
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Doch das ist noch nicht genug der Sittenlosigkeit: Eine Frau gehört zur
Truppe. Sogleich macht sich Unmut und Zweifel bei den Aristokraten
breit. Mit einer Frau ist das doch nicht zu schaffen. Doch es wird
erklärt, dass sie einen Mann vertritt, der beim Brand in Althof verletzt
wurde und dass sie seiner würdig ist.
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Die Herausforderer kommen aus Ivenack vom Gut des Freiherrn von
Maltzahn. Süddeutsch mögen sie anmuten doch es sind mecklenburgische
Bauernsöhne -
harte Arbeit gewöhnt und mutig genug, um es mit den Hünen auf sich zu
nehmen.
Sie treten an gegen die Kameraden der Feuerwehr.
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Top, die Wette gilt. Wer die Mittellinie übertritt, hat verloren.
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Die Hünen ziehen und der Schweiß fließt.
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Die Kameraden verlieren den Wettstreit. Die Frau ist Schuld!
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Während die Wettenden streiten, herrscht Fairness unter den
Wettstreitern.
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Man sieht es ihnen dann auch nach: Die Kameraden waren geschwächt vom
Brande in Althof. So rehabilitiert man dann das Weib in der Männerbande.
Gastronom Ott - seit 2010 Eigentümer des Weißen Pavillons - reicht
Freibier für die Wettstreiter.
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Den letzten Akt des Programms liefert Sven Lange vom Theater "Dramaukles",
das er seit 2004 als Alleinunterhalter in verschiedenen Rollen führt.
Der 1969 geborene Künstler spielt hier den humorvollen professionellen
Engländer Arthur Earthfarben.
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Arthur Earthfarben ist "very professional". Aber auch bei ihm geht
nichts über Sicherheit, wie sein Schutzhelm verrät. Zuerst braucht er
Assistenten. Da sich die Bauernsöhne aus Ivenack bewährt haben, wählt er
Hans und aus dem Publikum Jörg.
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Hans und Jörg müssen nichts weiter tun, als das Einrad festhalten, damit
er in einem Sprung aus der Ecke heraus auf den Sattel des Einrades
sprinten und springen und von dort aus seine Einrad-Fahrt über die Bühne
starten kann.
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Was sich allerdings als schwierig erweist...
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Doch Dank der starken
und hoch gewachsenen Assistenten... |
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...schafft Arthur das.
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Die beiden Assistenten reichen ihm Feuer...
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Aber bevor er jonglieren kann, muss er die guten Sachen ablegen.
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Was dann "very sexy" endet.
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Der Meister des Feuers bläst die Fackeln aus: Aus 3 mach 6.
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Nun kommt Assistentin Alexandrine an die Reihe: "sexy zeigen".
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Die Vorbereitungen laufen für das Englische Frühstück.
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Arthur macht das jeden Morgen zusammen mit der Queen.
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Nun ist es eben die Prinzessin, die die Eier in die Pfanne hauen muss.
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Treffer! English Breakfast is ready.
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Zuletzt muss die bezaubernde Prinzessin herhalten. Sie soll über dem
Boden schweben, von Arthur zersägt werden, die Hälften sollen einzeln
gezeigt und dann wieder zusammen gesetzt werden. Gute Chancen, doch
nicht 89 zu werden.
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Doch alle Versuche, die Energie aus dem Volke zur Kronprinzessin zu
transferieren scheitern. Wohl zu beliebt ist die schöne Alexandrine,
sodass es wie ein Fluch zu sein scheint, dass sie nicht abhebt und
schwebt.
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Auch Hilfe aus dem Volke nützt nichts: Alexandrine droht eher, sich tot zu
lachen, als dass ein Messer sie durchtrennen wird. Sie will einfach
nicht anfangen, zu schweben.
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Doch Meister Arthur hat noch einen Trick in petto: Der Strip-Trick, mit
dem er wohl jede Frau nicht nur zum Schweben, sondern zum Fliegen
bringt.
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Unfassbar: Ihre Hoheit bleibt standhaft. Zwar sieht diese Szene äußerst
komisch aus aber die Prinzessin soll dem Künstler nur die Hose abnehmen.
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Nun, da Messer und Säge da sind, müssen sie auch Verwendung finden.
Also wird die Krone durch einen Hut ersetzt und die Prinzessin muss
etwas halten
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Die Säge knattert, die Prinzessin zittert, es spritzt und ab ist... die
Gurke.
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Nein, es ist nicht die Rache der bösen Prinzessin, sondern die
Vorbereitung der nächsten Szene: Messer werfen.
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Sir Earthfarben
jongliert alles: Auch Messer und eine laufende Kettensäge. |
Deckchen zum Abschluss, Küsschen zum Abschied - Applaus zur Belohnung:
Das war eine gelungene Unterhaltung und ein schöner Nachmittag.
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Bilder vom Anbaden 2010 gibt es nicht - beides
nacheinander ist kaum zu schaffen. Aber dafür gab es ja 2008
Kaiserwetter-Anbade-Bilder.
Hier klicken.
Professor Vogels Baderegeln gibt es unter dem
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