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Wir haben uns
spontan entschlossen, den Dienstag für einen Spaziergang durch das
verschneite Heiligendamm zu nutzen. Wir sind neugierig auf die Ostsee
und uns fiel auf, dass wir noch keine Winterbilder von Heiligendamm
haben. Das soll sich heute ändern. Wir parken vis á vis des
Prinzessin-von-Reuß-Palais, das die ECH nutzt.
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Das Sommerhaus der mecklenburgischen
Herzogin - geboren zu Reuß - war später ein Ferienheim des FDGB und
schließlich zweimal ein Hotel - "Residenz-Hotel" und "Akzent Residenz
Hotel". Heute nutzen es Mitarbeiter des Hotels und der ECH. Gegenüber
strahlen das Haus "Bischofstab" und der blaue Himmel um die Wette.
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Wie immer geht es zuerst auf die Promenade.
Winterdienst gibt es hier wohl nicht.
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Zugefroren ist die Ostsee leider nicht. Aber
dennoch sehr interessant.
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Was weiß ist, strahlt heute und der Himmel
tut es auch.
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Die See hat eine Sandbank aufgetürmt, die
prompt eingefroren ist. |
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Normalerweise würden wir hier schon bis zum
Bauch im Wasser stehen.
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Die tiefen Temperaturen (ca. -10°C) haben
das Wasser in der Bewegung gefroren.
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Die Buhnen sind vereist und auch wir stehen
auf blankem Eis.
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Hier ist eine Eisscholle abgebrochen.
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Die Ostsee selbst ist weitgehend eisfrei.
Die Strömung ist zu warm.
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Die grauen Perlen wirken mit weißen Dächern
gleich gar nicht mehr so grau.
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Wenn das Grand Hotel nicht so einen Kontrast
setzen würde.
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Perlenkette, Grand Hotel, Kurhaus, Burg,
Haus Mecklenburg - alles im Bilde.
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Um dort hin zu kommen heißt es aber:
Unterhaken und vorsichtig Schritt für Schritt.
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Wie im Märchen erhebt sich die Kulisse der
Weißen Stadt am Meer vor uns.
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Blick zurück: Der Strand ist versandet und
vereist.
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Rote Algen werden später für Blutflecken
gehalten. Die Ostsee-Zeitung klärt auf.
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Die Perlenkette steht symbolisch im Schatten
der Weißen Stadt am Meer.
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Schnee bedeckt das einst saftige grün.
Stille. Nachdenken. Gedenken.
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Hier reichten wohl Lust, Zeit oder
Fähigkeiten nicht für einen Schneemann.
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Die Werbung des Grand Hotels (Winter-Träume)
passt zum Märchenschloss.
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Auf dem Weg zurück stellen wir in der
Professor-Vogel-Straße fest, dass die Zaunkletterer es sich inzwischen
bequemer gemacht und randaliert haben.
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Aber offenbar nicht nur da. Das hier
passiert auch nicht durch Frost und Kälte, sondern bedarf eines Steines
und einer Hand, die ihn aufhebt und wirft.
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Zurück geht es zum Palais der Prinzessin von
Reuß.
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Der frühe Vogel lässt hoffen: Es wird
Frühling in Heiligendamm. Ein zweiter.
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11.03.2010
- Leiser Aufschwung.
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Eine Regisseurin einer Berliner Filmagentur
wünschte ein Treffen mit mir und darum bin ich heute allein unterwegs
nach Heiligendamm. Weil sich der Termin um eine halbe Stunde verzögert,
nutze ich die freien Minuten für ein paar Bilder.
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Während ich an der Median-Klinik vorbei
latsche stelle ich kurz dahinter fest, dass da irgend etwas anders war.
Ein Gerüst. Und nicht nur das: Ein Dachaufbau. Von Herrn Paap erfuhr ich
im Dezember, dass die Klinik aufgestockt wird. Nun geht es also los. |
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Zugleich wird in der Villa "Krone" fleißig
gewerkelt. Ein Mitglied der Hamburger Familie Otto des gleichnamigen
Versandhauses hat die Villa gekauft und lässt den Keller vertiefen und
die Villa zum Sommerhaus ausbauen. Eines von mehreren.
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Mein Ziel ist aber das Grand Hotel, wo ich
mich mit der Regisseurin treffen werde, um sie ein wenig durch den Ort
zu führen und ihre Fragen zu beantworten, die spontan sein werden. Zwei
große hauseigene Landrover stehen heute für die Gäste bereit.
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Es ist diesig und nicht gerade gemütlich
aber das hält die quirlige Berlinerin nicht auf, Fragen zu stellen, zu
fotografieren, telefonieren, zu notieren und ein Panorama anzufertigen.
Während ich ihrer Linse ausweiche, mache ich ein paar Fotos. |
Wobei ich wohl nicht der einzige bin. Gerade
die verfallenen Perlen reizen viele Besucher zu Fotomotiven. Vielleicht
ist es der Charme - ich hoffe es - vielleicht aber auch nur ein Motiv
zum Herumzeigen und darüber lachen - ich hoffe es nicht.
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Noch liegt Schnee aber das Weiß von den
Dächern ist inzwischen verschwunden.
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Das diesige Wetter dramatisiert das Bild
zusätzlich.
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Aber das ist auch eine gute Perspektive auf
die Villen - das werde ich mir merken.
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Am Ende dann noch eine sonst nicht so
sichtbare Impression.
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Vorbei geht es an der immer noch heraus
hängenden Lüftung.
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Inzwischen hat die ECH hochoffiziell das
Zaunfeld entfernt - bis zum Baubeginn.
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Ich zeige der Frau den Rest des Ortes und
bringe sie zu Herrn Paap.
Wieder am Grand Hotel angekommen trennen sich unsere Wege und ihr
"Wenn Sie sich noch ein wenig umsehen möchten..." nehme ich prompt an
und gehe in den Hotelpark, der zugegebenermaßen heute etwas öde
aussieht. |
Am Alexandrinen-Cottage stehen Autos?
Drinnen brennt Licht, gemütliche rote Farben dringen nach außen. Hans
Steinbichler dreht hier "Das Blaue vom Himmel" mit Hannelore Elsner,
Karoline Herfurth, Juliane Köhler, David Kross,
Niklas Kohrt, Rüdiger Vogler, Matthias Brandt und
Victoria Trauttmansdorff.
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Die Geschichte spielt
eigentlich in Riga aber da die Deutsche Filmförderung nur im Inland
gedreht Filme fördert, wurde ein Location Scout beauftragt, eine für
Lettland typische Räumlichkeit zu suchen. In Heiligendamm wurde er
fündig und nun drehen
Uli Aselmann mit der "die film gmbh", unter Beteiligung
von WDR, ARD Degeto, BR und Arte. Gefördert wird die Produktion vom DFFF,
der Filmstiftung NRW, dem FFF Bayern, Medienboard Berlin-Brandenburg
(MBB), FFA und der wirtschaftlichen Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern
den Kinofilm "Das Blaue vom Himmel.
Der Film soll 2011 in die Kinos kommen. Gerdreht wird auch in München,
Berlin, Wuppertal und Riga. Auch im Cottage selbst und im Buchenwald
wird gerdreht. |
Aus dem Pressetext: "Steinbichler geht dabei auf eine Zeitreise in die
1930er und 1990er Jahre und verwebt die Familiengeschichte von Marga -
gespielt von Hannelore Elsner sowie Karoline Herfurth. Marga ist gerade
dabei, ihr Gedächtnis und damit sich selbst zu verlieren – nur die
Erinnerungen an alte Zeiten blitzen hin und wieder klar und deutlich auf
und bringen eine Marga zum Vorschein, die ganz anders ist als die, die
sie ihr Leben lang zu sein schien. Der anderen, Sofia, ermöglicht gerade
erst dies, die Wahrheit über ihre eigene Vergangenheit und damit sich
selbst zu finden."
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Ich werde beobachtet
und will nicht weiter stören, sodass ich umkehre und mich dem Ostteil
des Hotelparks zu wende. Alte Bilder zeigen genau dieses Motiv baumlos.
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Auch das hier ist ein
Postkartenmotiv. Freilich - dazu ist heute weder das Wetter, noch die
Landschaft geeignet. Aber in dem Zustand sehen wir sie bald nicht mehr.
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Mein eigentliches
Interesse gilt diesem kleinen pavillonähnlichen Häuschen.
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So sieht es von der
Nordseite aus. Drinnen surrt ein Gerät leise vor sich hin.
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Hier ist eigentlich
ein Wasserspiel. Ob immer weiß ich nicht aber zumindest heute ist es
ausgeschaltet. Der Pavillon taucht auch schon auf alten Bildern auf, ist
so aber vermutlich erst zu DDR-Zeiten entstanden. Oder aber er wurde
umfunktioniert.
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Ich setze mich
einfach mal auf den Beckenrand und sehe mich um. Der Pavillon steht
nämlich genau in den alten Sichtachsen, die Lenné beim Parkaufbau
anlegen ließ.
Zur rechten haben wir das Marien-Cottage und die Villa "Krone".
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Das hier ist das Marien-Cottage, Wohnhaus
der herzoglichen Familie und später Spezialklinik des Sanatoriums und
der Ostsee-Klinik. Die ECH will es sanieren aber noch nicht ausgestalten
und hofft durch den prominenten Nachbarn auf einen Käufer.
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Hier saniert jener prominente Nachbar gerade
das Kronen-Cottage. Ich sprach auf den Diskussions-Seiten vom
"Udo-Lindenberg-Effekt", den das Atlantic im Hamburg hat und den
Heiligendamm auch gebrauchen könnte. Das ist das, worauf man hier hofft.
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Wenn man geradeaus
schaut, sieht man Haus "Mecklenburg und die Anbauten des Kurhauses,
sowie die Verbindungsbauten der beiden klassizistischen Bauwerke.
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Ich gehe zurück. Nur
von hier kriege ich mit der Kamera das Ensemble von seiner Westseite
ganz auf das Bild. Wobei die Burg ja auch dazu gehören würde.
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Dieser Weg soll auch
neu gemacht werden. Der ganze Park wird unter Berücksichtigung der
bestehenden Flora und Gebäude neu angelegt.
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Nicht nur von vorn -
auch von der Seite ist das Ensemble imposant. Eines überragt das andere
und insgesamt überragt das Ensemble alles in Heiligendamm.
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Severins Kurhaus und
Demmlers Badehaus werden durch einen Arkadengang verbunden, der später
geschlossen wurde und heute die hellsten und sonnigsten Salons
beherbergt: Den Salon "Alexandrine" z.B. in dem wir gerade hinein
blicken.
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Von der
Parkseite sieht man erst, wie imposant die Burg "Hohenzollern"
eigentlich ist. Die quadratische Schauseite täuscht ungemein - die Burg
ist viel viel länger, als sie breit ist.
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Auch ist die
Gliederung hier viel reicher, als auf der Schauseite.
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Aber das hat Sinn und
Zweck: Die Schauseite ist die Wetterseite.
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Lange hat es sich
nicht ergeben. Hier ist der in den ersten Jahren oft geschossene Blick
von der ehemaligen Promenade an der Ecke des Hauses "Mecklenburg"
Richtung Perlenkette. Bald wird hier wieder die Perle die Nummer eins
sein.
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Doch bis dahin sind
es noch zwei Monate. Im Mai sollen die Bagger rollen und ein Jahr später
soll die Perle samt ihrem Anbau "Großfürstin Marie" fertig sein. Für
mich endet mein Rundgang heute. Im April schau ich noch einmal vorbei. |
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