Zeit am Meer

Rundgang 24. März 2007. Im Zeichen der G8

 

Das Jahr 2007 soll etwas Besonderes werden für Heiligendamm.

8 Staatschefs, Tausende Journalisten, Polizisten und Ter... - nein - Demonstranten werden erwartet.

Manche Dinge sind so gefährlich, dass sie hinter Gitter müssen.

 

So ziert ein 13 Kilometer langer und 2,50 Meter hoher Eisenzaun mit NATO-Draht und Betonwall für ein halbes Jahr das mondäne Ostseebad.

Zu Zeiten des Großherzogs war so ein Zaun noch nicht nötig. Nun gut, entweder gab es keine Demonstrationen oder es gab danach keine Demonstranten mehr.

 

Inzwischen leben wir ja in einer Demokratie, in der alles gesagt und getan werden darf und wenn jemand unerwünscht ist, wird er eben eingesperrt. Hm - oder ausgesperrt. Oder ein- und ausgesperrt. In Heiligendamm beruht die Unerwünschtheit wohl auf Gegenseitigkeit.

 

Große Ereignisse bescherte schon der Januar.

Die Villa "Perle" musste einer Pressetribüne weichen und auch die Möwe und der Schwan stehen auf der Abschussliste.

Mit der sinnlosen Ermordung eines Schwanes begann die Geschichte Doberans und über 820 Jahre später holt diese Geschichte die mondäne Tochter der Münsterstadt ein. Der Abriss der Villa Perle - irrtümlich als einstiges Quartier des russischen Zaren tituliert aber fast Sommerresidenz Wladimir Putins geworden - erfolgte unter enormen öffentlichen Interesse.

 

Angeblich durch die Behörden abgesegnet fiel die Perle den Kränen zum Opfer und als sie weg war, meldeten sich zuständige Denkmalschützer zu Wort und zeigten an, übergangen worden zu sein. Der Abriss der Perle war die schlechteste Werbung, die Heiligendamm erfahren konnte. Zeitungen aus aller Welt beschäftigten sich kritisch mit dem Thema.

 

Zuletzt steht Jagdfeld als Zerstörer deutschen Kulturguts dar und hat sich selbst zum bösen Finanzhai aus dem Westen gemacht.

Dabei wollte er doch nur Heiligendamm retten. Relativ unbeachtet von der Vernichtung der Villa Perle fielen im Hinterland auch "Tabea" und der linke Flügel der Fachhochschule den Kränen zum Opfer. Heiligendamm versank zuerst im Meer aus Baufahrzeugen und ein paar Tage nach Jahresbeginn auch noch in einem Meer aus Polizeiautos.

 

In den drei ersten Monaten des Jahres 2007 gab es mehr zu fotografieren, als in den drei Jahren davor zusammen. Ausgerüstet mit einer neuen Kamera machten wir uns jeden Monat bis zu dreimal auf den Weg nach Heiligendamm.

 

Dieser Rundgang sollte ganz speziell dem Alexandrinencottage gewidmet sein. Ich war mir nicht sicher, ob mir das gelingen würde.

Seriös gekleidet und ausgerüstet mit einem Schreiben des Bürgerbeauftragten, das mir die Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm" zur Verfügung stellte und aus dem hervorging, dass das Betreten des Küstenwaldes erlaubt ist, überwand (oder besser unterwand) ich einen Zaun und stiefelte geradezu auf das Alexandrinencottage zu. Ich war mir sicher, dass ich angehalten werden würde und tatsächlich stieß ich schon bald auf die ersten Leute. Doch die Überschrift heißt nicht umsonst: Zäune, Wälle und Wunder. Lesen sie selbst!

 

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 24.03.2007 - Zäune, Wälle und Wunder.

 

Es ist der 24.03.2007 und es ist ein sonnig-warmer aber stürmischer Samstag.

Unser Auto parkt auf dem Parkplatz an der Kühlungsborner Straße und heute

haben wir ein klares Ziel. Dazu begeben wir uns in Richtung Kinderstrand. Dieses

Stück asphaltierter Weg ist ein Relikt aus der Bauzeit der Adolf-Hitler-Schule.

Bis auf diesen Weg und der Lichtung im Wald ist zum Glück nichts von Adolfs

Visionen wahr geworden. Das romanische Monster hätte nicht gut ausgesehen.

 

 

Hier ist der Asphalt in einen dunklen matschigen Sandweg übergegangen.

Dort im Gehölz befindet sich das Alexandrinen-Cottage und da wollen wir - oder

besser: ich - hin. Mit einem Schreiben der Bürgerbeauftragten in der Tasche

übersteige ich völlig legal aber doch mit mulmigem Gefühl im Bauch den Zaun

und begebe mich schnurstracks auf einem verwachsenen ehemaligen Weg zum

Cottage. Das Meer tost laut und der Wald rauscht über mir. Wie eine Warnung.

 

 

Und da ist es - der Traum von Villa. Das Nonplusultra. Nach der Musikgruppe

"Rammstein" im Jahre 1997 hat sich hier niemand mehr drin aufgehalten.

Hinein will ich auch gar nicht. Ich will nur Bilder. Da sehe ich Leute und sie

sehen mich auch und verkriechen sich schnell. Sie stehen hinter einem Wall.

 

 

Und ich stehe davor. Anstandshalber nutze ich nicht die Lücke im Reisigwall,

sondern postiere mich außerhalb des Walles. Na gut, ich hatte gute Sachen

an und bin auch nicht besonders gelenkig und das war der eigentliche Grund.

Von vorn wäre ohnehin zu wenig Platz für ein Foto gewesen.

 

 

Ich war vor acht oder neun Jahren schon einmal hier und da war das Haus zwar

verstaubt und grau aber es war noch in einem guten Zustand. Nicht so wie jetzt.

 

 

Irgendwie möchte ich das Haus so gar nicht jemanden als Sommerhaus gönnen,

der es sich erst unter den Nagel gerissen und dann 10 Jahre verfallen lassen hat.

 

 

Jedenfalls wird dieser Jemand sich beeilen müssen, wenn er noch etwas retten will.

 

 

Im Osten des Cottages werden Wege gebaut. Ob es öffentliche Wege werden?

 

 

Da wollte ich eigentlich auch noch hin. Das ist das Marien-Cottage.

 

 

Also geht es zurück zur Straße und vorbei am Versorgungsgebäude.

 

 

Dann geht es die Kühlungsborner Straße entlang und leise durch den Median-Park.

Bitte machen Sie das nicht nach. Wenngleich vermutlich ohnehin ein Zaun den Weg versperren wird, wenn diese Seite fertig ist. In 30 Tagen kann noch viel passieren.

 

 

Und dort erwarte ich, wenigstens vom Zaun aus die Rückseite des Cottages vor die

Linse zu kriegen. Ich habe mir vorgenommen, den Wachdienst zu fragen, ob er mir

ein Bild von vorn machen könne. Ich knipse noch schnell die Burg und gehe weiter.

 

 

Kein Zaun? Na dann aber schnell ein Bild des Marien-Cottages von Süden.

 

 

Aha, das Alexandrinen-Cottage im Westen. Zoom an und ein Bild gemacht.

 

 

Ein Zimmermädchen hat Feierabend und kommt mir entgegen. Noch schnell ein

Bild vom Kronen-Cottage (Haus Magdeburg) und dann werden wir wohl gehen.

 

 

Die Seite des einstigen Haus "Dresden" soll es auch noch sein. Ein paar Schritte

zurück, damit sie auch auf das Bild passt und wieder klickt es und ich habe das Bild.

 

 

Ich drehe mich um und kriege einen Schreck. Die Orangerie? Kein Zaun?

 

 

Nein, kein Zaun. Kein Wachdienst. Und ein wunderbares Foto von der Burg.

 

 

Das Herz pocht und ich wage es. Ich stehe vor der Treppe der Burg und niemand

hält mich auf. Ich bin glücklich aber nicht übermütig und verlasse das Gelände,

denn von vorn sind die beiden Cottages ohnehin verwachsen.

 

 

Es geht vorbei am Kurhaus, wo heute auch die Tore offen sind.

Überhaupt habe ich bisher nur drei Polizeiautos gesehen und

keine einzige Person vom Sicherheitsdienst des Hotels.

 

 

Vorbei geht es auch an der teileingezogenen Professor-Vogel-Straße.

 

 

Und hier stand die Villa "Perle". Schon wieder ein Zaun. Jemand hier mag Zäune.

 

 

Tja, das eingezäunte Grab der "Perle".

 

 

Wie gesagt: Es ist stürmisch. Heute aber ist die Hochwasserschutzmauer weg.

 

 

Das ist der Ausgleich für die Impression der letzten Woche.

 

 

War da nicht etwas mit einem weißen Zaun? Da liegt er wohl.

 

 

Und wieder ein Kontrast zwischen Verfall und Wiederauferstehung.

 

 

Irgendwie erinnert dieser Zaun an ein Fußballnetz. Das wäre auch eine Möglichkeit.

 

 

Zum Schluss geht es dann mit dem Auto zur Jemnitz-Schleuse.

 

 

Der Blanke Hans tobt sich aus. Da habe ich als Kind auch gern gestanden.

 

 

Aber eigentlich sind wir deswegen hier. Die Leute kommen aus allen Teilen des

Landes, um diesen Zaun zu fotografieren und ich habe noch kein einziges Bild?

 

 

Nun habe ich welche. Eigentlich hatte ich gehofft, hier ein Werbegeschenk von

der Kavala (Polizei) zu bekommen aber heute war hier weit und breit kein Polizist.

Vielleicht beim nächsten Mal. Für heute ist Schluss und es geht nach Bad Doberan.

 

 

Alle Rundgänge:    

 

Die Rundgänge durch Heiligendamm dienen der Veranschaulichung zur Geschichte

 

Die Rundgänge durch Heiligendamm dienen der Veranschaulichung zur Geschichte, Architektur und zum Werdegang Heiligendamms ,

sowie zur öffentlichen Diskussion um Heiligendamm. Die Aussagen spiegeln nur die persönliche Meinung des Autors nach dem

Kenntnisstand vom Tag des jeweiligen Rundgangs wieder und sind ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.
Für weitere Informationen lesen Sie bitte das Selbstverständnis dieser Dokumentation.

Bitte beachten Sie auch das Special "Vier Touristen-Fragen", welches die Foto-Rundgänge mit wichtigen Fakten zum besseren Verständnis ergänzt.
Bitte informieren Sie sich auch hier: Die Zukunft Heiligendamms | Öffentliche Diskussion | Historie der Sommerfrische | Geschichte | Architektur | Gebäudedatenbank
 

 

2004 - Bestandsaufnahme. Teil 1.

Wenn Sie selbst kostenloses Bildmaterial von vor 2004 (auch von Bad Doberan) oder Informationen zur Verfügung stellen können, nehmen Sie bitte Kontakt zu mir auf.

2005 - Bestandsaufnahme. Teil 2. 

 

2006 - Das Jahr des Erwachens.

Überraschungen jenseits von Zäunen.

George W. Bush kommt!

Die MS Europa legt an.

 

2007 - Im Zeichen der G8.

30.01. Die Prinzessin ist aufgewacht!

04.02. Die Ruhe vor dem Sturm.

24.02. Die Abrissbagger sind da.

13.03. Irrwege, Umwege u. neue Wege.

24.03. Zäune, Wälle und Wunder.

16.05. Dann zeigen Sie uns doch bitte mal Ihre Ausweise...

09.06. Und sie kommen in Schar'n dorthin, wo die Promis war'n...

19.08. Kleine Stippvisite.

 

2008 - Das Baujahr.

18.03. Dem "Verbrechen" auf der Spur.

30.05. Ein Stück Berlin näher betrachtet.

07.06. Das herzogliche Anbaderitual.

11.08. Sommerfrische in Heiligendamm.

16.08. Test: Öffentlichkeit in Heiligendamm?

25.09. Das war das Baujahr? - Ein Fazit.

 

2009 - Neue Wege.

19.04. Was ist los in Heiligendamm?

22.06. Tuscheln oder Kuscheln?

26.08. Unerkannt durchs Märchenland - Die Hotelführung.

24.11. Der blanke Hans kommt!

 

 

 

2010 - Der zweite Frühling.

26.01. Die weiße Stadt am Meer.

11.03. Leiser Aufschwung.

17.04. Der Countdown läuft.

In Vorbereitung

12.06. Fest der Landleute in Bad Doberan.

03.07. Der erste Spatenstich für Villa Perle

 

2011 -

 

 

 

 

 

 

 

2012 -

 

 

 

 

 

 

 

Lesetipp

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