|
Rundgang Januar 2007. Im Zeichen der G8
Das Jahr 2007 soll etwas Besonderes werden für
Heiligendamm.
8 Staatschefs, Tausende Journalisten, Polizisten und Ter... -
nein - Demonstranten werden erwartet.
Manche Dinge sind so gefährlich, dass sie hinter
Gitter müssen.
So ziert ein 13 Kilometer langer und 2,50 Meter
hoher Eisenzaun mit NATO-Draht und Betonwall für ein halbes Jahr das mondäne
Ostseebad.
Zu Zeiten des Großherzogs war so ein Zaun noch
nicht nötig. Nun gut, entweder gab es keine Demonstrationen oder es gab danach keine Demonstranten mehr.
Inzwischen
leben wir ja in einer Demokratie, in der alles gesagt und getan werden darf
und wenn jemand unerwünscht ist, wird er eben eingesperrt. Hm - oder ausgesperrt. Oder
ein- und ausgesperrt. In Heiligendamm beruht die Unerwünschtheit wohl auf
Gegenseitigkeit.
Große Ereignisse bescherte schon der Januar.
Die
Villa "Perle" musste einer Pressetribüne weichen und auch die Möwe und der
Schwan stehen auf der Abschussliste.
Mit der sinnlosen Ermordung eines Schwanes
begann die Geschichte Doberans und über 820 Jahre später holt diese
Geschichte die mondäne Tochter der Münsterstadt ein. Der Abriss der Villa Perle - irrtümlich als
einstiges Quartier des russischen Zaren tituliert aber fast Sommerresidenz
Wladimir Putins geworden - erfolgte unter enormen öffentlichen Interesse.
Angeblich durch
die Behörden abgesegnet fiel die Perle den Kränen zum Opfer und als sie weg
war, meldeten sich zuständige Denkmalschützer zu Wort und zeigten an,
übergangen worden zu sein. Der Abriss der Perle war die schlechteste
Werbung, die Heiligendamm erfahren konnte. Zeitungen aus aller Welt beschäftigten sich
kritisch mit dem Thema.
Zuletzt steht Jagdfeld als Zerstörer deutschen
Kulturguts dar und hat sich selbst zum bösen Finanzhai aus dem Westen gemacht.
Dabei
wollte er doch nur Heiligendamm retten. Relativ unbeachtet von der
Vernichtung der Villa Perle fielen im Hinterland auch "Tabea" und der linke Flügel
der Fachhochschule den Kränen zum Opfer. Heiligendamm versank zuerst im Meer
aus Baufahrzeugen und ein paar Tage nach Jahresbeginn auch noch in einem
Meer aus Polizeiautos.
In den drei ersten Monaten des Jahres 2007 gab
es mehr zu fotografieren, als in den drei Jahren davor zusammen.
Ausgerüstet mit einer neuen Kamera machten wir uns jeden Monat bis zu
dreimal auf den Weg nach Heiligendamm.
Unser erster Rundgang beginnt in der
Seedeichstraße und führt uns auf die Promenade und von dort aus in die
Professor-Vogel-Straße und wieder zurück zur Seedeichstraße. Es ist eine
kurze Route aber schon diese bringt mehr Bilder als die lange 2004-Route.
Wir planen noch vier weitere Rundgänge in jeweils anderen Routen, die
jeweils monatlich stattfinden sollen. Eine davon soll während des Gipfels
vor das abgeriegelte Heiligendamm führen. Wir ahnen noch nicht, was uns
erwartet... Aber beginnen Sie trotzdem im Januar!
Damit die Bilder für Sie
erkennbar bleiben, ist diese Seite und sind die Rundgang-Seiten breiter,
als die anderen.
Wenn Ihr Monitor weniger
als 1024 Pixel in der Breite darstellt, finden Sie die Navigation, indem
Sie den unteren
Scrollbalken nach rechts schieben. Bei Breitbild-Monitoren ab 1024 Pixel
Breite passt alles auf den Bildschirm.
|
|
30.01.2007 -
Die Prinzessin ist aufgewacht.
|
|
 |
 |
|
Neues Jahr, neues Glück. Wir haben in der Zeitung gelesen,
dass die Villa "Perle"
abgerissen wird und wollen dabei sein. Zuerst fiel uns auf,
dass die Seedeichstraße
fertig gestellt ist. Unser Ziel ist der große kostenpflichtige
Sandparkplatz direkt
neben dem Golfteich. Den gibt es aber nicht mehr. Statt
dessen gibt es nun eine
bedeutend kleinere Zahl befestigter Parklücken, in die man
vor- oder rückwärts
einparkt und beim Ein- und Ausparken den Verkehr auf der
Seedeichstraße behindert
und auf der Straße umher irrende Radfahrer und Fußgänger
beachten muss.
Denn die müssen ja auch hier her, um ihre Fahrräder
abzustellen.
Zudem sollte man nicht zu schnell sein, sonst landet man im
Golfteich.
|
Genug gemeckert. Dafür haben wir ja Geld gespart. Wir gehen
zur Seedeichstraße
und lesen erst einmal dieses Schild. Das informiert uns
darüber, dass entlang der
Straße die Kanalisation neu gemacht wurde und dies hier ein
Auffangbecken für
eben diese ist. Also für die Regenwasserkanalisation, um
Missverständnisse im
Vorfeld auszuräumen. Dieses Becken existierte auch schon
vorher, war aber mehr
ein Teich als ein Becken und war reichlich verwuchert und
verschlammt und hatte
nur einen kleinen Holzzaun. Der Kinder wegen ist die Idee mit
dem Zaun gut aber
vermutlich waren es ohnehin eher gesetzliche Vorgaben als
weitsichtige Beamte,
die den Zaun zu verantworten haben. Daneben steht auch gleich
eine Messstation.
|
|
 |
 |
|
Hier konnten stets etwa 100 Pkw kostenlos und legal auf dem
Seitenstreifen
parken. Allerdings konnten die Autos nicht weit an den Rand
abgestellt werden,
weil dieser zum einen steil war und zum anderen oft mal etwas
zu weich. Der
Beifahrer hätte also Probleme gehabt. Nun standen die Autos
auch nicht immer
gerade, sodass Radfahrer dem einen oder anderen Kotflügel
ausweichen mussten.
In Stoßzeiten mussten sich entgegen kommende Autos, Radfahrer
und Fußgänger
die enge Straße teilen. Lampen gab es auch nicht. Der
beleuchtete Gehweg ist
also lobenswert aber im Sommer wird hier die Hölle los sein,
wenn plötzlich über
100 Parkplätze weniger zur Verfügung stehen. Es wurde kein
Ausgleich geschaffen.
|
Ja, auch dieses Bild wurde Anfang Januar gemacht. Man sollte
beim G8-Gipfel
unbedingt einmal das Klima ansprechen. Das ist nämlich so
mild, dass sogar
die Rosenhecken schon blühen. Wenn Ernst Heinkel diese auch
schon auf
seinem Grundstück hatte, war es hier sicherlich ein schöner
Ort zum Leben.
Doch das ist über 60 Jahre her, denn der Inhaber der
Rüstungswerke in Rostock
und anderen Städten und Luftfahrtpionier musste die Villa
alsbald wieder abgeben.
Zu DDR-Zeiten war dies ein Wohnhaus und trug die Nummer 16. Wo
auch immer die
anderen 13 Gebäude sich befanden. Vermutlich wurden die
Häuser im Wald auch
mit zur Straße gezählt. Jedenfalls stellen wir fest, dass
Eikboom noch immer verfällt.
|
|
 |
 |
|
Gleich daneben steht nach wie vor mehr schlecht als recht das
Haus "Seeadler"
mit der Hausnummer 17 und fleckiger Fassade. Auch dieses war
ein Wohnhaus,
nachdem die Wehrmacht es wieder abgeben musste.
|
Zum "Seeadler" gehört auch ein kleiner nachträglich gebauter
Schuppen aus Stein
und Holz. Eigentlich führt da nicht einmal ein Weg hin und
man mag auch gar nicht
durch das hohe Gras waten. Schon gar nicht an einem nassen
Januartag.
|
|
 |
 |
|
Zwischen Eikboom und Golfhaus geht es in den Wald. Die Villen
"Eikboom" und
"Seeadler" sollen Bestandteil der Plastischen Chirurgie sein
und sich am Rande
des Ayurveda-Zentrum um dieses herum legen. Das
Ayurveda-Zentrum soll in
einer Lichtung im Wald entstehen. Und zwar in genau dieser
"Lichtung".
|
Nachdem wir nun die "Lichtung" verlassen und uns wieder an
das Licht gewöhnt
haben, gelangen wir hier zum Parkplatz an der Seedeichstraße.
Genau hier endete
vor einigen Monaten die Schleife der Professor-Vogel-Straße
und bildete die Zufahrt
zum Parkplatz, zum Haus "Bischofsstab" und dem
Residenz-Hotel.
|
|
 |
 |
|
Das ist nicht einmal der Rest dieser Straße. Die befand sich
weiter rechts. Das hier
ist auch gar keine Straße, sondern nur eine Zufahrt für die
Baufahrzeuge, die in der
Professor-Vogel-Straße den Bauschutt der Villa "Perle"
abfahren.
|
Wo wir ja hin wollen. Also rauf auf die Promenade und ein
Blick zur Villa "Anker"
riskiert. Die steht noch, wird aber langsam blind. Vielleicht
hätte man wenigstens
ein graues Holzbrett nehmen sollen, damit es farblich nicht
so hervor sticht.
|
|
 |
 |
|
Der "Hürsch" (wir erinnern uns - 2004) steht auch noch, setzt
aber langsam Grün an.
Das sind keine Algen aus der Ostsee - die gibt es im Januar
noch nicht und die
kämen Dank der Hochwasserschutzwand auch nicht da hin. Es gab
tatsächlich
eine Sturmwarnung für die Ostseeküste und darum wurde die
Wand ausgefahren.
|
Trostlos und gardinenverhangen begrüßt uns das Doberaner
Wappentier "Schwan".
Nicht mehr lange, denn nach Borwin schießt nun Jagdfeld den
Schwan ab.
Im Klartext: Villa "Schwan" wird abgerissen und dem Erdboden
gleich gemacht
und was immer dort - wenn überhaupt - errichtet wird, ist
nicht mehr Villa "Schwan"
|
|
 |
 |
|
Villa "Seestern" schaut noch immer so trostlos drein, wie all
die Jahre davor.
Der graue Januarhimmel und der trübe Nachmittag dramatisieren
das noch etwas.
|
Villa "Möwe" bröckelt immer heftiger. Aber auch hier hat
Jagdfeld eine "Endlösung"
gefunden. Auch die "Möwe" wird abgerissen, obwohl
Denkmalschützer protestieren.
|
|
 |
 |
|
Dieses Bild wird ohne die Villa "Möwe" bald nicht mehr
möglich sein. Darum
schauen wir auch hier noch einmal zwischen "Möwe" und "Greif"
hindurch zu
den Kolonnaden. Die kahlen Birken geben dieses Mal einen
besseren Blick
auf die Kolonnaden frei.
|
Wenigstens Villa "Greif" darf bleiben. Ihr Zustand ist noch
recht gut.
Nebenbei bemerkt: Die Villa "Greif" ist eine der wenigen
unterkellerten Villen in der
Perlenkette. Vermutlich hat gerade dies ihr das Leben
gerettet, denn abgerissen
werden nur kellerlose Perlen.
|
|
 |
 |
|
Hier wird es dann auch gleich etwas lauter. Der Trümmerhaufen
der "Perle" ist
schon auszumachen. Lärm und Staub liegen in der Ostseeluft.
|
Nur ein Haufen Schutt ist übrig von der stolzen Villa. Von
hier aus wurde sie
oft gemalt und fotografiert und war das Motiv Nummer 3 in
Heiligendamm.
|
|
 |
 |
|
Wir gehen noch einmal zum Haus "Mecklenburg" und wiederholen
auch hier unser
Motiv aus den Vorjahren. Die das Wachstum verweigernde Hecke
hat man entfernt
und statt dessen ein formschönes Kunstwerk aus schiefen
Stangen und rot-weißen
Bändern errichtet. So ist das teuere Tor wenigstens nicht
völlig überflüssig.
|
Ja, der Seebrückenplatz ist gepflastert. Mit spiegelglatten
Platten in Mamor-Optik.
Aber irgend etwas stimmt hier nicht. Hier war doch immer eine
gerade Kante mit
einer geraden Hecke und einer Bank mit Blick auf die Ostsee
und dem Kurhaus
im Rücken. Das sehen wir uns doch gleich einmal näher an.
|
|
 |
 |
|
Dieser Stein dort war mal ein Eckstein. 2005 habe ich von
dort aus die Zaunecke
fotografiert. Heimlich still und leise wurde ein schönes
Stück der Promenade
eingezogen, damit die Herrschaften ihre Ruhe genießen können.
So rückt die
Hochzeit des Poseidon (eben dieses blaue Relief zwischen den
Säulen) noch
ein Stück in die Ferne. Das Kurhaus ist schlichtweg nicht
mehr erlebbar.
|
Hier sieht man den Landdiebstahl (der sicherlich behördlich
genehmigt und daher in
dem Sinne auch kein Diebstahl ist) noch einmal aus einer
anderen Perspektive.
Die Hecke ist nun schon geschlagene drei Jahre so niedrig und
hinter ihr schaut
noch immer der hässliche Bauzaun an Stelle eines weißen
kniehohen Zaunes
hervor. Scheinbar arbeitet nicht einmal die Flora mit der ECH
zusammen.
|
|
 |
 |
|
Der Stein des Anstoßes. Er steht in der Blicklinie der auf
die Bühne über dem
Grab der "Perle" verbannten Pressefotografen. Diese forderten
ernsthaft, dass dieser
vor 164 Jahren mit einfachsten Mitteln und spektakulären
Methoden von weit her
geholte Stein weichen solle. Und die Verantwortlichen
überlegten genauso ernsthaft,
diesen Blödsinn mitzumachen. Mit dem Stein wurden auch die
Menschen verrückt.
Beziehungsweise nur sie. Denn nun bleibt er da, wo er hingehört.
|
An diesen Anblick müssen wir uns erst einmal gewöhnen. Die
Perlenkette ohne
Perle. Die nüchterne Villa "Greif" muss nun das Antlitz der
Perlenkette kaschieren.
Zum Vorschein kommen nun auch die unansehnlichen Kolonnaden
mit ihrer grünen
Fassade. Wir sehen hier auch noch einmal die
Hochwasserschutzwand in ihrer
vollen Länge. Kurhaus, "Mecklenburg und Grand Hotel würden
durch Sandsäcke
geschützt werden, die zwischen die beiden Mauern gestapelt
werden können.
|
|
 |
 |
|
Da war doch noch was. Wir wollten ja noch zum
Alexandrinen-Cottage und zur Burg.
Zuerst also die Burg. Die setzt auch schon Grün an. Es ist
zum Verzweifeln mit
der weißen Farbe. Ob der Herzog auch schon damit zu kämpfen
hatte?
|
Sehen können wir das Lindenrondell. Erreichen nicht.
Nur zahlende Hotelgäste
kommen in den Genuss von blätternden Putz, hängenden
Fensterläden, kaputten
Scheiben und moderigem Geruch inmitten von Matsch und Modder.
|
|
 |
 |
|
Nehmen wir uns also die Professor-Vogel-Straße vor. Das Café
in den Kolonnaden
gibt es nicht mehr und prompt fehlen schon die ersten
Schieferplatten des Weges.
|
Der Besitzer hat lange durchgehalten aber nach der Schließung
der Vogel-Straße
fanden nicht mehr genug Gäste her, sodass er Ende 2006
schließen musste.
|
|
 |
 |
|
Trostlos verfallen die Garagen und die Post, während überall
Aufbruchstimmung
herrscht. Zumindest der Boden bricht hier auf, denn
Buddelflink schläft nicht mehr.
|
Möwe und Seestern werden wir so nie wieder sehen, denn die
Möwe kommt ja weg.
Dann wird uns die Villa "Seestern" bald noch mehr traurige
Dinge zu erzählen haben.
|
|
 |
 |
|
Nanu - wurde sogar der Blumentopf geklaut?
|
Nein, der Wind hat ihn verweht - auf die andere Straßenseite.
|
|
 |
 |
|
So viel zum Thema "Aufbruchstimmung". Und wenn es die
Briefkästen sind.
|
Weil es so schön ist. Wo doch überall Dachrinnen hingepasst
haben.
|
|
 |
 |
|
Auch ein Bild, dass es bald nicht mehr geben wird, denn der
"Schwan" kommt weg.
|
Beinahe malerisch, wenn da das viele Grün nicht wäre. Der
"Seestern" träumt.
|
|
 |
 |
|
Wir machen uns auf den Rückweg und halten noch einmal den
"Schwan" fest.
|
Und den blinden "Anker", der zum Glück stehen bleiben darf.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Alle Rundgänge:
|
|
Die Rundgänge durch Heiligendamm dienen der Veranschaulichung zur
Geschichte
|
|
| |
|
Alle Rundgänge:
|
|
Die Rundgänge durch Heiligendamm dienen der Veranschaulichung zur
Geschichte
|
|
|
| |
|