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Die Legende vom
Heiligen Damm
Geschichte und Chronik des ersten deutschen Seebades.
Vom
Großherzog zum Großinvestor. Chronik der Weißen Stadt am Meer.
Ludwig Bechstein schrieb im
Deutschen Sagenbuch
(Leipzig 1853) folgende Zeilen über die Entstehung des Namens
"Heiligendamm":
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An der Ostsee
in der Nähe von Doberan war ein Ort in großer Bedrängnis von der Flut,
und die
Einwohner sahen ihr gewisses
Verderben vor Augen. Mit jedem Tage entführte die Flut
ein Stück vom
Lande, schon drohte den nächst am Ufer gelegenen Häusern der Untergang.
Da wurden im
ganzen Mecklenburger Lande Betstunden angeordnet, und das Flehen und
Schreien
eines ganzen Landes fand Gnade vor dem Herrn. Zum letzten Male hatten sich
mit Furcht und
Zagen die Bewohner zum
Schlummer niedergelegt, und viele fanden ihn nicht,
denn die See
rauschte gewaltig und ging hohl, und der Boden erzitterte, und es
zuckten Blitze
über die
Meereswogen. Dann wurde es stiller, und der Mond trat hinter Wolken
hervor,
und da schauten
manche vom Strande ängstlich hinaus, da lag etwas Großes, Dunkles im Wasser,
und manche meinten, es sei der Kraken, der
seinen inselgleichen Rücken aus der Flut hebe,
und als der Tag kam, siehe, so verlief sich das Wasser mehr und mehr vom
Strande,
und vor den
Blicken der erstaunten Bewohner lag eine hohe Düne wie ein Wall und
fester Damm.
Der war auf das
Gebet des Landes in einer Nacht entstanden durch die göttliche Hilfe,
und alles Volk
lobte Gott, und sie nannten den Damm den heiligen Damm
und konnten ihn
nicht ohne Dank und Verehrung erblicken. |
Eine andere
Legende erzählt von einem Schäfer, der seine Schafe immer um den ganzen
Conventer See
treiben musste, weil der See damals zur
Ostsee
gehörte. Er war darüber verärgert und schimpfte vor sich hin, als ein fein
gekleideter Herr daher kam und sich die Sorgen
anhörte. Er versprach dem Schäfer, einen Damm aus Steinen zu bauen aber der
Schäfer müsse dafür seine Seele hergeben. Dieser
erkannte, mit wem er es zu tun hat und bat um eine Bedingung. Beim Bau
sollten drei Hähne zugegen sein - ein weißer, ein roter und ein
schwarzer. Sie würden bei Sonnenaufgang nacheinander krähen und wenn der
letzte Schrei verhallt ist, müsse der Damm fertig sein, sonst bleibt
die Seele verschont. Der Herr willigte ein und machte sich unter lautem
Poltern und Getöse in der Nacht daran, Steine aufzutürmen und einen
Damm zu bauen. Morgens krähte dann zuerst der erste Hahn. Der Bocksbeinige dachte "Dat is der Hahn
witt, dat is so väl, as de Hund schitt."
Er arbeitete weiter und schon krähte auch der zweite Hahn. Er sagte "Dat is Hahn rod, dat het keen
Nod." Als er den letzten Stein
einsetzen wollte, krähte der dritte Hahn. Mit einem grässlichen Fluch und
entsetzlichen Gestank von Pech und Schwefel brüllte der Satan: "Dat is Hahn swart, da geiht mi dörch't
Hart!" und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Der Schäfer hatte nun einen
bequemen Weg zur
Weide und da die Hähne den Gehörnten vertrieben hatten, nannte man den Damm
fortan "Heiliger Damm".
Dieselbe Legende gibt es so ähnlich auch noch einmal für den Gespensterwald
westlich von Heiligendamm, wo es ein Bauer ist, der den Teufel überlistet,
um einen Weg an der Steilküste hinunter zur Ostsee zu bekommen und wo seine
Frau dem Teufel vortäuscht, ein Hahn zu sein. Es gibt viele Legenden im
heidnischen Mecklenburg.
Auffällig ist, dass Heiligendamm in einer Bucht
liegt. Die Steilküste westlich von Heiligendamm und östlich von Börgerende lässt vermuten,
dass - vielleicht durch einen westlichen Arm des Warnow-Delta
- hier ein gewaltiges Stück Land abgebrochen ist und eine Flachküste geschaffen hat. Vielleicht ist das wirklich an einem
Tag geschehen und gab so den Anlass zu dieser Sage.
Sicher ist nur, dass sich unter dem Meeresgrund ein Streifen aus Flintsteinen
befindet. Möglicherweise kam der einmal zum Vorschein.
Zum Beispiel im 13.
Jahrhundert, als eine Sturmflut
wütete und das Wasser bis an den Standort der heutigen Pferderennbahn trieb.
Heute ist es nicht einmal mehr vorstellbar, dass das Wasser bis zu den Molli-Schienen
heran reichen könnte.
Der Ort Heiligendamm war eigentlich nicht viel mehr als eine Lichtung im
Wald, in der ein paar Menschen lebten. Jäger, Bauern Waldarbeiter
und Handwerker. Vielleicht auch Fischer und ganz bestimmt auch Frauen.
Reich war Heiligendamm nur an Wasser, Sand und Bäumen.
Der Forstinspektor Heinrich Friedrich Becker aus Rövershagen fand diese
Lichtung immerhin interessant genug, um 1792 eine "Topographische
Beschreibung des Heiligen Dammes bey Dobberan" darüber zu schreiben. Für den
einen war es nach seiner Ansicht ein Haufen loser Steine und für den anderen
ein Wunderwerk Gottes. Die Niederung zwischen den Steilküsten wurde
jedenfalls schon vor der Gründung des
Seebades gern besucht.
Die Herzöge, welche seit 1552 ihre Verstorbenen im Doberaner Münster
beisetzen ließen, kannten diese Lichtung im Wald und besuchten sie oft. Auch
Familien aus Rostock pilgerten dort hin und die Gelehrten der Universität
führten ihren weit gereisten Kollegen die Laune der Natur vor. Bereits 1766
schwärmte ein englischer Gast von Prof. Aepinus
von diesem Ort, den er
sich als Ruhestätte im Greisenalter wünschte.
Im
Landesinneren hatte Deutschland bereits einige Badeorte vorzuweisen. Da gab
es Pyrmont, Aachen und natürlich Baden Baden.
An der See
jedoch war kein einziges Bad vorhanden. Im alten Griechenland waren Seebäder
bekannt und Hippokrates (460-370 v.Chr.) pries die
Heilkraft des Seewassers und den Nutzen von Trink- und Badekuren an. Galenos
tat es ihm 200 Jahre später gleich und das alte Rom
konnte Badeorte wie eine Perlenkette entlang der Mittelmeerküste vorweisen.
Mit dem Römischen Reich verschwand auch das Wissen
um die Heilkraft des Wassers und erst die Zeit der Aufklärung zum Ende des
17. Jahrhunderts brachte es wieder.
Der
englische Arzt John Locke (1632-1704) und der französische Philosoph Jean-Jacques Rosseau (1702-1778) definierten das
Verhältnis
zwischen Mensch und Natur neu und empfahlen das Baden und Schwimmen im
Seewasser. Bald folgte in England
die industrielle Revolution und mit ihr zogen die Automatisierung und damit auch
die Arbeitslosigkeit und das Elend ein.
Aus
Krankheiten wurden schnell Epidemien und die herkömmliche Medizin gelangte
langsam an ihre Grenzen.
Mitte
des 18. Jahrhunderts dann baute Russell die erste Badeeinrichtung Europas im
Fischerdorf Brighthelmstone, dem heutigen Brighton. Bald folgten Harwich, Margate, Deal, Southampton, Weymouth, Plymouth,
Hastings, Ramsgate und Yarmouth. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war fast
jeder Küstenort
Englands zum Seebad umfunktioniert worden.
Reiseberichte, Übersetzungen und
Erfahrungen der Ärzte erreichten um 1770 auch Deutschland und der
ostfriesische Pastor Gerhard Otto Christoph Janus forderte den König
Friedrich II (1712-1786) auf, eine Seebadeanstalt zu bauen. Er schlug die
Insel Juist vor. Weil er aber die den Badegast bei der Überfahrt ereilende
Seekrankheit ansprach, lehnte der König letztlich ab.
Inzwischen
hatte auch der deutsche Philosoph Georg
Christoph Lichtenberg sich in Margate und Deal von den Vorzügen des Badens
im Meer überzeugt und schrieb einen Aufsatz, in dem er Cuxhaven als Seebadeort
vorschlug. Dieser Aufsatz erregte die Diskussion und rief auch den
Königsberger Arzt Daniel Metzger und den Berliner Arzt Christoph Willhelm
Hufeland auf den
Plan, die sich ebenfalls für einen Seebadeort in Deutschland aussprachen. Georg
Christoph Lichtenberg brachte es in seinem Aufsatz anno 1793 auf den Punkt:
Warum hat
Deutschland noch kein öffentliches großes Seebad?
Damit
beginnt die Geschichte des ersten deutschen Seebades.
1873 - in
Frankreich tobt die Revolution und am 21.01. werden Ludwig XVI und Marie
Antoinette hingerichtet.
Preußen und
Russland teilen sich Polen und in den USA wird mit der Gründung von
Washington D.C. der Grundstein für das Capitol gelegt. Fernab vom
Weltgeschehen sorgt sich ein Rostocker Professor um das Wohl der Menschen
und verfasst am 25. August einen Brief an seinen Herzog, in dem er
die Errichtung eines Badeortes vorschlägt.
Durch die
außer Zweifel gesetzte heilvolle Wirkung des Badens in Seewasser können sehr
viele Schwachheiten und Kränklichkeiten des Körpers behoben werden. Jedoch
wären hierfür besondere Einrichtungen wie die in England gebräuchlichen
Badekarren und ein Badehaus erforderlich. (...) Dass das Baden in der See
unfruchtbare Weiber
fruchtbar mache, kann zwar dadurch nicht bewiesen werden, dass manches
Frauenzimmer dieser Art von Seebadeorten geschwängert zurückkommt,
wovon es in Engelland Beyspiele genug geben soll,
indessen ist gar nicht zu bezweifeln, dass es Ursachen der weiblichen, so
wie in der männlichen Impotenz gibt, welche durch das Baden in der
See gehoben werden. (...)
Und er
spricht sogleich eine Empfehlung aus: Doberan.
Es
empfehle sich nicht nur durch seine vortreffliche und anmutige Lage, sondern
auch durch seine gute Gesellschaft und "mancherley Bequemlichkeit". Es habe "auch
schon seit einigen Jahren im Sommer eine ansehnliche Gesellschaft aus
Rostock, Schwerin und Güstrow und sogar aus Hamburg hier
aufgehalten, um Brunnen zu trinken und in der
See zu baden oder sonst der Gesundheit zu pflegen".
Der Herzog
lässt seinen Leibarzt nicht lange warten und antwortet am 09. September
seinerseits per Brief:
Mir sind
bey meiner Anwesenheit ihre von ihnen schriftlich aufgesetzten Gedanken,
über Anlegung eines Seebades, übergeben worden, ich
wünsche daher daß der Herr Hofrath
mir darüber mögen, einen Plan aufsetzen, welchen ich nicht verfehlen werde,
aufs genaueste zu prüfen,
um als dann so viel als möglich zur Ausführung desselben beytragen zu
können. Besonders, da es mir nicht gleichviel sein kann, manchen
kranken Menschen dadurch glücklich zu machen, nicht zu gedenken, daß Geld im
Lande
verzehrt
wird, was auswärtige Bäder demselben
entziehen. Ich erwarte daher mit Vergnügen Ihre Vorschläge, in Betreff
dieser heilsamen Anstalt (...).
Er
stimmt dem Standort Doberan zu. Mit seinen 85 strohgedeckten Häusern und 900
Einwohnern ist es vielleicht nicht gerade
repräsentativ aber es gehört zum Domanium und ist damit herzoglicher Besitz
und die mecklenburgischen Herzöge nutzten das kleine Dorf
oft als Sommerresidenz und die Klosterkirche in Doberan (Münster) ist auch die Grablege der mecklenburgischen Herzöge.
Immerhin hatte Karl von Stein anno 1791 für ein paar Monate auf dem
Kammerhof Urlaub gewohnt, weil er in Mecklenburg
Landwirtschaft studierte.
Er sandte eine Packung Steine vom Strand am Heiligen Damm zu seiner Mutter
nach Weimar geschickt. Das klingt wenig spektakulär aber vielleicht
hilft es Ihnen auf die Sprünge zu wissen, dass die Mutter von Karl mit
Johann Wolfgang von Goethe liiert war. Die Steine
liegen heute noch in Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar und auf dem
Kasten prangt der Schriftzug "Mecklenburg".
Doberan oder "Dobberan", wie es lautsprachlich korrekt (mit langem A) damals
oft geschrieben wurde, ist nicht nur ein kleines Dorf, sondern überdies auch
ein nach dem Niedergang des Klosters verarmtes. Doberan hat 1793 eine
Geburtenrate von gerade einmal 24-30 Kindern im Jahr. Das spricht zu dieser
Zeit nicht gerade für einen perspektivenreichen Ort.
Aber Doberan soll
zum Badeort werden. Als problematisch erweist es sich jedoch, das Wasser von
der niedrig gelegenen Ostsee über den höher gelegenen Hügelring um Doberan
in den Ort zu befördern. Ein bestehendes Haus soll zum Badehaus
umfunktioniert werden aber eine Rohrverlegung erweist sich als unmöglich. Professor
Vogel weiß Abhilfe und schlägt dem Herzog vor, das Badehaus direkt am
Heiligen Damm zu
errichten und dorthin mit Kutschen zu fahren und die frische Waldluft gleich
zum Wellnessprogramm dazu gehören zu lassen.
Als
besonders praktisch erweist es sich, dass der beliebte Flecken im Wald
nördlich von Doberan völlig unbebaut ist.
Und der
Heilige Damm gehört
auch zum Domanium und damit zum herzoglichen Besitz. Der Herzog stimmt zu
und schickt seinen Hofmedicus Vogel und seinen Bauconducteur Johann Christoph Heinrich von Seydewitz in die nobelsten
deutschen Binnenlandbäder, um dort zu studieren.
Professor
Vogel trifft in Göttingen auf eben jenen Lichtenberg und der ist begeistert
von der Idee und erzählt dem Professor von seinen Erlebnissen
in Margate und Deal. Zurück in Mecklenburg geht es gleich an die Planungen
und der Herzog schart den Hofmedicus und seinem
Amtssekretär Heuckendorf und den Amtshauptmann Wachenhusen um sich, um die
Einzelheiten zu planen. Fest steht: Alle Gelder
werden der herzoglichen Schatulle entnommen und es werden keine anderen
Kassen
molestiert. Der Herzog verdient gut aus
den Arbeiten seiner Leibeigenen und sehr gut durch den Verkauf von
eintausend mecklenburgischen Soldaten an den König von Oranien.
Ein Jahr
später trifft der Herzog mit seinem Gefolge in Heiligendamm ein und eröffnet
die erste Badesaison.
300 Gäste finden sich ein und machen den
Auftakt zu einem vollen Erfolg.
Und zu
einer enormen Herausforderung für das kleine Dorf an der Ostsee...
Chronik
des ersten deutschen Seebades.
Diese
lückenloseste Chronik Bad Doberans und Heiligendamms seit 1793 kommt als Zeittafel
daher.
Fast jedes Jahr ist dokumentiert und in regelmäßigen Abschnitten gibt es
eine Zusammenfassung mit ein paar Bildern.
Die Zeittafel soll schnell geladen, schnell gelesen und bei Bedarf in Teilen
kopiert werden können. (Quellangabe nicht vergessen!)
Sie soll kein Geschichtsbuch sein. Aber auch dieses gibt es: Im
Architekturführer erfahren Sie Bauwerk für Bauwerk, wie sich die Stadt
mit ihrem Bade entwickelte und welche Bedürfnisse, Ideen und Baumeister
dahinter stehen bzw. standen. Zum besseren Verständnis dieser Chronik
empfiehlt es sich daher, auch den Architekturführer zu lesen. Wenn Sie dann
im neuen Jahrtausend angekommen sind, sollten Sie vom Architekturführer
übergehen zum
Diskussionsarchiv, um die aktuelle Entwicklung zu verstehen.
Wirklich empfehlenswert sind auch - einen DSL-Zugang vorausgesetzt - die
Foto-Rundgänge, welche seit 2003 das aktuelle Geschehen jährlich - mitunter
sogar monatlich - begleiten. Die Rundgänge sind wie ein gemütlicher Plausch
mit dem Autor - ich zeige Ihnen nicht nur Bilder, die ich geschossen habe,
sondern Sie gehen quasi neben mir und begleiten mich auf meiner Tour.
Zu den Foto-Rundgängen geht es hier entlang.
Und nun viel Spaß bei Ihrer Zeitreise!
1793
Herzog
Friedrich Franz I von Mecklenburg-Schwerin erlässt am 22.07.1973 ein Dekret.
Dem Herzog war wohl zu Ohren gekommen, dass Seebäder gefragt sind und so
beschließt er, dass sein Herzogtum ein Seebad haben muss. Was genau das ist
und wie man das am Besten anstellt, weiß der Herzog auch nicht. Per Dekret
kann er aber von seinem Hofstaat verlangen, sich darum zu kümmern.
Prompt meldet sich auch sein Hof- und Leibarzt Samuel Gottlieb Vogel zu Wort
und empfiehlt in seinem Brief vom 25.08. dem
Herzog die Errichtung eines Bades. Vogel hat sehr genaue Vorstellungen
davon, wie so ein Bad auszusehen hat und welche Ziele sich mit ihm erreichen
lassen. Das erklärt er dem Herzog und empfiehlt die Einrichtung eines
solchen Bades an der Ostsee.
Der Arzt Willhelm Hufeland und der Physiker und Mathematiker Georg Christoph
Lichtenberg schließen sich der Empfehlung an.
Der Herzog stimmt am 09.09. der Errichtung eines Seebades in Doberan zu.
Prof. Vogel und Bauconducteur Johann Christoph
Heinrich von Seydewitz gehen auf Studienreise zu den vornehmsten deutschen
Bädern. In Göttingen trifft Vogel auf Lichtenberg und tauscht sich mit ihm
aus.
Herzog
Friedrich Franz I verkauft 1000 mecklenburgische Söldner an den König
Wilhelm V von Oranien (Niederlande) und bekommt dafür 37.000 Silberdukaten
pro Jahr plus Sonderzahlungen für Tote, Verwundete und Vermisste. Der Herzog
ordnet an, alle Ausgaben für Heiligendamm der herzoglichen Schatulle zu
entnehmen und keine andere Kasse zu molestieren.
Es fließen
die ersten 4.250 Taler in das Projekt am Heiligen Damm.
Doberan hat
900 Einwohner und 85 meist strohgedeckte Häuser. Jährlich werden nur 24-30
Kinder geboren.
Professor Vogel schlägt
vor, eines dieser Häuser zum Badehaus umzubauen und das Wasser über
ein Rohrsystem von der Ostsee nach Doberan zu befördern. Der Herzog stimmt
zu und Bauconducteur von Seydewitz nimmt seine Planungen auf. Das Projekt
scheitert aber wegen der Höhenunterschiede zwischen Doberan und der Ostsee.
Vogel
schlägt daraufhin die Errichtung von Holzhütten in Heiligendamm vor und
preist den gesundheitlichen Nutzen der Fahrten zum Heiligen Damm in der
offenen Kutsche an. Die Fahrt führt direkt durch Wald und Flur hin zur
Lichtung am Ostseestrand.
Bauconducteur von Seydewitz errichtet das Amtshaus an Stelle eines
Vorgängerhauses am südlichen Rand des Klosterhofes.
(Heute: Fachwerkhaus gegenüber dem Gefallenendenkmal)
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden
Sie hier.
1794
Herzog
Friedrich Franz I stiftet 12.700 Taler für den Aufbau des Seebades und
gründet am 18.07. die Herzogliche Badedirection,
bestehend aus dem Hofmedicus Prof. Vogel, Amtssekretär Heuckendorf, dem
Amtshauptmann Wachenhusen und dem Kammerpräsidenten Von Dorne, der später
Intendant des Seebades wird.
Ein Zelt,
eine Wagenremise für Wannenbäder und zwei Badeschaluppen treffen am Heiligen
Damm ein.
Das sind
Badeschiffe, mit denen man zum Baden ein Stück auf das Meer fährt.
Die
Herzogliche Familie trifft in Heiligendamm ein und der Herzog eröffnet im
Oktober die erste Saison und nimmt selbst ein Bad in der Ostsee. Seine Präsenz zieht Gäste aus
Dänemark, Schweden, England, Frankreich, Italien, Polen,Ungarn, Russland und
den Niederlanden an.
Heiligendamm
zählt 308 Gäste, die im einzigen Gasthof Doberans, dem Lindenhof und in
Privathaushalten untergebracht werden.
Ein
kleiner Brückenanleger wird gebaut. Professor Vogel spricht im
Dezember an, dass ein Logierhaus in Doberan nötig sein wird.
1795
Die
Herzogliche Badedirection wertet die erste Saison aus und stellt fest, dass
die 308 Gäste alle Kapazitäten Doberans sprengten.
Vogel schlägt ein Logierhaus vor. Der Herzog fordert Risse
(Zeichnungen) von von Seydewitz an und stimmt den Planungen zu.
Am Kamp
entsteht ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem Seitenflügel für die
Wagenremise und Stallungen im Parterre und Logierzimmern im Obergeschoss.
Das Logierhaus selbst beherbergt ein Speisezimmer, einen Tanzsaal, eine
Spielbank für die Spiele Pharao und Roulette und im Obergeschoss
Logierzimmer. (Heute: Hotel "Friedrich Franz
Palais".)
Im selben
Jahr wird auch ein Plan für den Bau eines Badehauses am Heiligen Damm
vorgelegt.
12.718
Taler fließen in das Projekt.
Carl Theodor Severin wird als Nachfolger des Bauconducteurs von Seydewitz
bestimmt und durch diesen eingearbeitet.
Severin
wurde 1763 in Meringhausen im hessischen Fürstentum Waldeck
geboren und 1789 an den Hof nach Schwerin.
Er arbeitet zunächst von
Juni
bis November als Kammer-Ingenieur ohne Gehalt, überzeugt den Herzog aber
durch seine Leistungen und wird im November zum Bauconducteur mit einem Gehalt von 100 Reichstalern und 6 Faden Ellernholz
(6x 4,4519 mm Brennholz). Severins
Ideen fließen bereits in
die Bauten des von Seydewitz mit ein. Dieser soll Ostern 1796 in Pension
gehen.
Am Münster entsteht ein Lustgarten nach
dem Prinzip eines Englischen Gartens (Heute: Bachgarten). Der Kamp
bekommt eine ihn umgebende Lindenpromenade und wird mit Wegen und Pflanzen
umgestaltet. Bisher
diente er als innerörtliche Weidefläche.
1796
Im
September erteilt der Herzog den Befehl zum Bau eines Badehauses am Heiligen
Damm.
Es wird
schnell fertig gestellt. Es handelt sich um ein eingeschossiges Badehaus an der Stelle des "Haus
Mecklenburg".
Vogels Vorschlag, es im rechten Winkel zur Ostsee und
damit sturmsicher zu bauen, wird berücksichtigt.
Das Gebäude ist ein
Backsteinbau mit 11 Fenster- und Türachsen,
Dachzone, vier pilastergerahmten zweigeschossigen Mittelrisaliten und einer
zweiläufigen geschwungenen Freitreppe, die in das unterkellerte Hochparterre
führt.
Das Haus
beherbergt 7 Badezimmer für Warm- und Kaltbäder, 2 Ruhekabinette, 2
Konversationszimmer, die Wohnung des Bademeisters und ein paar Logierzimmer
für Leute, denen die Kutschfahrten zu beschwerlich sind.
Sechs
Pumpen befördern das Meerwasser 35 Fuß hoch in das Badehaus.
(Das Badehaus existiert in der Form nicht mehr, ist aber in der Fassade des
Hauses "Mecklenburg" noch angedeutet.
Siehe
Architekturführer)
Von Seydewitz
überlegt es sich anders und geht nicht in Pension.
Severin
darf aber an seiner Seite weiter arbeiten.
Zugleich
wird auch das Logierhaus am Kamp fertig.
Die ersten
Bauten kosten schon 9.620 Reichstaler.
Im Lindenhof
(Heute: Rathaus)
wird eine Spielbank wird eröffnet und bringt jährlich 30.000 Taler an Pacht
ein.
1797
Karl Georg Schumacher wird in Doberan geboren.
1798
Der Bericht
"Zur Nachricht und Belehrung der Badegäste" wird von Prof. Vogel verfasst.
(besser bekannt als "Vogels Baderegeln")
Christoph
Willhelm Hufeland verweilt am Heiligen Damm.
1799
In den
Jahren 1798 und 1799 kann der Herzog einen Geldumlauf von 100.000 Talern
verzeichnen.
Das tut
auch der Bevölkerung gut.
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Sommerfrische in Doberan steht für eine neue Art des Umgangs
miteinander.
Der Herzog besteht auf das freundschaftliche "Du" und beansprucht an
der Tafel kein Platz für sich, sondern setzt sich heute hier und
morgen dort hin.
Eine Anekdote erzählt, dass eines Tages ein Student am Tische des
Herzogs saß
und als es an das Abkassieren ging, der Herzog die Bedienstete neckte
"Für mich zahlt der Herr dort drüben".
Der Jüngling zückte prompt seinen Geldbeutel und zahlte für den Herzog
und für sich.
Als Revanche lud er kurz darauf seine befreundeten Studenten in den
Salon ein und als
die Bedienstete nun die trinkfesten Burschen abkassieren wollte,
zeigte jener Student
auf den Herzog und meinte "Er bezahlt für mich".
Unter Zuhilfenahme einiger Kraftausdrücke und einem verschmitzten
Lächeln übernahm der Herzog die Zeche.
Eine andere Geschichte erzählt von einem Spielabend, an dem der Herzog
und sein Tischnachbar
das ganze Bargeld verspielt und verloren hatten.
Der Herzog stand auf und sagte zu seinem Tischnachbarn: "Dat Geld is
heidi, Pötter. Un wat makt wi nu?"
Der Töpfer erwiderte schlagfertig: "Ich gah na hus, Pötte drehn und
hei könn ja ne niege stüer utschriewn".
Friedrich Leopold Graf zu Stolberg schrieb nach seinen Besuch im
August 1799 über die Table d'hôte,
dass sie das ungezogenste Diner war, das er je sah. Er verließ das
gesellschaftliche Diner auf der Stelle
und ließ sich das Essen in seine Unterkunft bringen. Für einige feine
Leute war die "Lockerheit" also zu derb.
Der Schauspieler Albert Ellenreich ersann für den Sinnspruch am
Heiligendammer Kurhaus eine ganz eigene Interpretation:
"Hierher invitiert dich Lätitia per Post zum Ball mit Tee und Sahne."
Mehr über die Sommerfrische und das
gesellschaftliche Leben in Doberan und Heiligendamm gibt es hier.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad
Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.
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Der Herzog verbietet den Bau von strohgedeckten Häusern in Doberan.
Er
vergibt Bauhilfsgelder für die Umrüstung auf Ziegeldächer.
Professor
Vogel beginnt mit der Niederschrift seiner "Annalen des Seebades Doberan vom
Sommer 1799".
Auf dem Kamp findet ein "Carossel-Ritt" statt - Rundreiten als Vorgänger des
Pferderennsports.
Auf dem Jungfernberg (heute Tempelberg) entsteht ein Ausflugspavillon mit
fantastischer Aussicht.
1800
Heiligendamm hat 714 Gäste, darunter auch Generalchirurgus Goercke.
Vogel zählt
in seinen Annalen die vielseitigen Vergnügungsmöglichkeiten in Doberan und
am Heiligen Damm auf:
Wasserpartien mit der Jagt (Yacht) des Herzogs, die 30 Minuten vor dem
Heiligen Damm vor Anker liegt und für jeden nutzbar ist.
Reisen nach
Warnemünde, Bademühle, Diedrichshagen, Mönkweden
und Rostock, sowie zu Fuß in die Waldungen nach der Dober und Althof, zum
Jungfernberg (verm. Tempelberg oder Fuchsberg) und
zum Buchenberg. Weiterhin gibt es Feuerwerke, Illuminationen, Spiele, Comoedien, Assemblees, Thees im Badehaus, Ballonschlagen, Concerte, Tanztees, Bälle, und die legendäre Table d'hôte, das gemeinsame
Mal der Gäste mit der herzoglichen Familie. Auf dem
Kamp bewirtet der Leibkoch Caetano Medini aus Mailand in einem Zelt die
Gäste und ein weiteres Zelt dient für Konzerte. Handwerker
und Händler haben ihre Holzbuden auf dem Kamp errichtet, der abends
beleuchtet wird und jeden Sonntag gibt es ein Feuerwerk.
(Die Table d'hôte, die Kamp-Illumination und das Kamp-Fest gehören noch
heute zu den Traditionen.
Nach dem Leibkoch Medini wurde
2003 das Restaurant im Haus Bischoffstab in Heiligendamm benannt.
Es bietet
eine reichhaltige gehobene mediterrane Küche an.)
Zu den Gästen Doberans anno 1800 gehört nicht nur der europäische und
deutsche Adel, sondern auch die Oberschicht und
Mittelschicht aus Gutsbesitzern, Kaufleuten, Offizieren, Beamten, Künstlern,
Ärzten, Wissenschaftlern, Musikern und Schauspielern.
Der Herzog hat für Doberan und den Heiligen Damm die Rangordnung aufgehoben
und damit einen zwanglosen Umgang miteinander
beschert. Er spielt auch gern mit Handwerksmeistern Pharao und Roulette. Das
Preisniveau sorgt für das Fernbleiben der Unterschicht. Der Herzog als Primus inter pares ist zugleich Förderer und Ideengeber für
das Theater, die Glücksspiele, Feuerwerke, Bälle und Feste.
1801
Severin und von Seydewitz planen gemeinsam
das Salongebäude, nachdem von Seydewitz 1796 auf die Pensionierung
verzichtete.
Der
Auftrag wird an von Seydewitz erteilt aber es ist unschwer zu erkennen, dass
Severin großen gestalterischen Einfluss ausübte.
Mussa Effende
aus Konstantinopel verweilt am Heiligen Damm.
Prof.
Vogel beginnt die "Fortgesetzten Annalen des Seebades Doberan".
Am Heiligen
Damm entsteht im westlichen Bereich ein eigener Strandanschnitt für
die Damen: Das Damenbad.
1802
In Doberan
eröffnet die Goldbank als Spielbank.
Die
Spielbank im Lindenhof (heute Rathaus), betrieben seit 1794, wird zur Silberbank.
1803
Zu den
Schaluppen gesellen sich Badekarren.
Nun wird
sich in den Karren umgekleidet und sie werden ein Stück ins Wasser
gefahren.
Severin errichtet als kleines Gebäude die
Herrenbadeanstalt am Heiligen Damm.
Heiligendamm hat 1.304 Badegäste,
darunter auch der russische Admiral Sarizchev. Prof.
Vogel
beginnt die "Neuen Annalen des Seebades Doberan".
1804
Severin errichtet am Heiligen Damm eine
Konversationsrotunde, ein rundes Gebäude ähnlich einem kleinen
Konferenzzentrum.
Auf freiem
Felde findet am 28.07.1804 ein erstes Pferderennen am Heiligen Damm statt.
Am Münster
wird ein Münsterschatz gehoben.
1805
Das
Badehaus bekommt eine lateinische Inschrift aus kantoninischen Bädern:
CURAE.VACUS.HUNC.LOCUM.ADEAS.UT.MORBORUM.VACUUS.ABIRE.POSSIS.NAM.HIC.NON.CURATUR.QUI.CURAT.
Sorgenfrei komm her, damit du krankheitsfrei von hier gehen mögest: denn wer
sorget, der wird hier nicht gesund.
Rechts neben dem Logierhaus entsteht unter Federführung
Severins und von Seydewitzs das Schauspielhaus.
Links neben dem
Palais entsteht ein Wohnhaus für den Herzog, der
Herzogliche Salon.
(heute das nördlichste Gebäude an der
Kamp-Ostseite)
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden
Sie hier.
Am
22.12.1805 feiert das Schauspielhaus vor 300 Gästen seine erste Premiere.
1806
Frankreich
unter Napoleon Bonaparte besetzt u.a. Mecklenburg.
Der Salon
wird noch fertig gestellt, ansonsten erfolgt keine weitere Bautätigkeit aber
der Badebetrieb geht weiter.
908 Gäste
zählt das Seebad während der Franzosenzeit im Jahre 1806, darunter auch
Prinz Christian von Dänemark.
Der
Innenausbau des Herzoglichen Salon dauert noch bis in die 1820er Jahre
hinein. Das Haus ist aber schon bewohnbar.
Der Salon
hat eine leichte Schrägstellung, wodurch die Kutschen vor ihm langsamer
fahren müssen und die Gäste einen Blick auf das Wohnhaus des Herzogs richten
können. Die Straße führt von hier aus direkt zum Damm.
1807
Severin errichtet am Heiligen Damm einen Aussichtsturm.
Die
herzogliche Familie zieht vom Amtshaus Fachwerkhaus zwischen Möckel-Haus und
Kornhaus) in das Palais um.
Kurz
darauf muss sie aber am 08.01.1807 vor Napoleon ins dänische Exil nach Altona fliehen.
Der Herzog
wird beschuldigt, Blüchers Armee Durchlass gewährt zu haben,
Nach
Intervention des russischen Zaren Alexander kommt sie frei und kehrt am
10.08. zurück.
Die Domänenpächter voran und dahinter die Bauern reiten dem Herzog zum
Empfang entgegen.
Der Herzog wird mit einem
Volksfest, Bauerntanz und Pferderennen empfangen.
Dazu gehört auch die erste Kamp-Illumination,
die Beleuchtung des Kamp und der Häuser.
Der Herzog stiftet als Dank für diesen herzlichem Empfang ein jährliches
volksfestähnliches Pferderennen - immer am 10. August.
Doberan hat
nun schon 1349 Einwohner und 127 Häuser.
Die Geburtenrate hat sich fast verdoppelt: 50 Kinder werden im Jahre 1807 in
Doberan geboren.
Professor
Vogel veröffentlicht seine Baderegeln, die zum Teil noch nach über 200
Jahren Gültigkeit haben werden.
Severin gibt
Doberan ein Gesicht.
1808
Bauconducteur Johann Christoph Heinrich von Seydewitz geht 12 Jahre später
als geplant endlich in Pension.
Severin plant im Auftrag des Herzogs die Bebauung des Kamp und lässt einen
kleinen roten Pavillon als Erfrischungssalon errichten.
Dieser
Pavillon wurde im Volksmund "Trichter" genannt. Professor Vogel beauftragt
Severin mit der Planung eines Schatten spendenden Raumes am Heiligen Damm.
Severin und Severin jun. planen ein Portal mit Aussichtsplattform in
überragender Höhe und mit den Pforten zum Meer und zum Festplatz hin ausgerichtet.
Wahrscheinlich fällt in diese Zeit auch der Bau der ersten Seebrücke.
Einerseits benötigt man ja einen Steg, an dem die Schaluppen anlegen können
und andererseits ist überliefert, dass Badearzt Professor Vogel eine
Verlängerung der Promenade auf den Wasserbereich fordert. Ganz richtig
vermutet er hier eine höhere Wirkung der Meeresluft. Das merkt man auch
heute noch, wenn man im Hochsommer von der Promenade auf die Seebrücke geht.
In einer ersten Publikation wird der Heilige Damm als "das erste -
wenngleich nach
Norderney und Travemünde nicht das einzige, doch das bei weitem
vorzüglichste Seebad im nördlichen Deutschland" gepriesen. Die ganze
Anstalt sei "durch die fortgesetzte großmüthige Fürsorge und Freigiebigkeit
des Durchlauchtigen Herzog schon jetzt von einer Vollkommenheit gediehen, die wenig mehr zu wünschen übrig lässt".
Der Chronist Röper beschreibt die
Schönheit der Fahrten zum Heiligen Damm.
1809
Der
ehemalige Matrose Johann Both wird Schaluppenmeister begleitet mit seinem
Rettungsboot fortan die Schaluppen.
Severin wird im April zum Landbaumeister ernannt
und bekommt ein Jahresgehalt von 500 Reichstalern plus Spesen.
Durch diese
Beförderung ist Severin nun auch für Doberan und die Ämter Buckow, Ribnitz, Rühn, Schwaan, Toitenwinkel und Rostock zuständig.
Fürst von
Putbus weilt am Heiligen Damm.
Ein Sturm
richtet wieder einmal schwere Schäden in Heiligendamm an.
1810
Prof.
Vogel lässt Severin ein Logierhaus mit 12 Betten für mittellose Kranke
errichten.
Das Gebäude wird von der Rostocker
Freimaurerloge "'Zum Tempel der Wahrheit"
gestiftet, welcher auch Vogel angehört und
entsteht an der Stelle der heutigen Burg.
Pro Saison werden im karreeartig angelegten Gebäudekomplex 40 Kranke
kostenlos behandelt.
Der Herzog ist davon nicht angetan und sorgt mit Zeitplänen dafür, dass sich Arme
und zahlende Gäste nicht begegnen.
Französische
Dragoner quartieren sich im Badehaus ein, um Ausschau nach
möglichen englischen Schiffen zu halten.
Severin siedelt nach Doberan über und heiratet Marie Eleonore Magdalena Bollow.
Er errichtet ein Haus südlich des Kamps.
Auf dem Kamp entsteht unter Federführung
Severins der geplante große Pavillon im chinesischen Stil.
Der Pavillon
dient als Musiksaal.
Der Erzbischof von Breslau weilt am Heiligen
Damm.
1812
Severin zieht in das Prinzenpalais (gelbes Haus am
Alexandrinenplatz) ein. Inzwischen hat er eine Tochter.
1813
Ende der
französischen Besatzung durch die Befreiungskriege (z.B. Völkerschlacht bei
Leipzig).
Der Kamp
wird umgebaut und erhält einen weiteren Pavillon als Musiksaal.
Seitlich
werden Boutiquen angebaut.
Für die
Bebauung um den Kamp gibt es strenge Auflagen.
Die
Gebäude müssen zweistöckig, mit Steinfassade und ziegelgedeckt sein.
1814
Wieder
richtet ein Sturm schwere Schäden in Heiligendamm an.
Der
Herzog erteilt Severin den Auftrag, ein Empfangs-, Gesellschafts-,
Tanz- und Speisehaus am Heiligen Damm zu
errichten.
Im selben Jahr wird mit dem Bau begonnen.
(heute: Kurhaus)
1815
Herzog
Friedrich Franz I erhält am 17. Juni, dem 30. Jahrestag der Thronbesteigung
die Großherzogwürde, welche 1814 beim
Wiener Kongress eingeführt wurde. Prinzessin Sanguszko von Polen kommt zu
Besuch an den Heiligen Damm
|
Arbeitsleute anno 1815
am Heiligen Damm:
1
Apotheker, 1
Brauer,
1 Chirurgus, 1
Konditor, 1
Maler, 1
Müller, 1
Drechsler, 1
Stuhlmacher, 1
Tapezierer,
1
Musikant, 1
Nagelschmied, 1
Pfeifenmacher, 1
Pantoffelmacher, 1
Glaser, 2
Mauer, 2
Rademacher,
2
Perückenmacher, 2
Raschmacher, 2
Böttcher, 3
Schmiede, 3
Schlachter, 3
Töpfer, 3
Riemer und Sattler,
4
Zimmermeister, 4
Gastwirte, 6
Fuhrleute, 8
Tischler, 8
Krämer,
12 Schneider,
19 Weber,
20 Schuster,
später kamen dann hinzu:
Friseure, Juweliere,
Zahnärzte,
und Kupferstichhändler.
|
1816
Fürst
Blücher und Staatskanzler Hardenberg verweilen am Heiligen Damm.
Der Herzog
teilt im Herbst sein Befremden und Missfallen über das langsame
Fortschreiten des Baues mit und befürchtet, dass
der Bau nicht pünktlich zur Saison fertig wird. Wie schon beim Bau des
Pavillons ist Materialmangel die Ursache für die lange Bauzeit. Dennoch schafft Severin, das Gebäude zur Saison 1816 fertig zu stellen. Nur
der Lübecker Maler Johannes Hauthmann bleibt noch bis
in die Saison hinein mit der Dekoration des Saals beschäftigt. Die Halle am
Meer trägt die Inschrift Immanuel Gottlieb Huschkes:
HEIC TE LAETITIA INVITAT POST SANEA BALNUM
Hier empfängt dich Freude, entsteigst du gesundet dem Bade.
Übrigens: Einen
Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.
1817
Prof.
Vogel führt die Baderegeln für Badelustige ein, die heute noch teilweise
Gültigkeit haben. (sh. Buchempfehlung)
Das Salongebäude (Kurhaus) am Heiligen Damm wird
fertig gestellt. Der Herzog ist zufrieden und erhöht Severins Jahresgehalt
um 50 Reichstaler, 4 Faden Deputat-Holz und 20.000 Soden Torf. Severin
beaufsichtigt von nun an auch den Bau von Wohnhäusern durch
Privatpersonen in Doberan und bekommt alle Baupläne zur Prüfung und
Genehmigung vorgelegt.
Auf der
Insel Rügen entsteht mit Putbus das zweite deutsche Seebad, ebenfalls im
Stil des Klassizismus.
1818
Am
01.07.1818 wird ein "Reglement für die Wasserfahrten auf den Booten"
erlassen.
1819
Die Saison
beginnt diesmal schon am 03. Juni.
Prinz
Friedrich Willhelm von Preußen, Fürst von Schaumburg-Lippe mitsamt seiner
Familie,
Professor
Reichard und seine Frau verweilen am Heiligen Damm.
Severin wird im März zum Oberlandbaumeister mit
einem Jahresgehalt von 800 RT befördert.
Er ist inzwischen mit seiner Schwägerin, der
Witwe Nipperdey verheiratet.
Er beginnt mit dem Anbau eines Saales an das
Salongebäude.
Angelica Catalani tritt in Doberan auf und Willhelmine Reichhard startet in
Doberan mit dem Heißluftballon.
Ab sofort stehen Wagenquadrillen mit
zweispännigen Wägen zur Verfügung.
Auf dem Jungfernberg in Doberan
errichtet ein unbekannter Industrieller eine Einrichtung zum
Scheibenschießen.
Mit 1819 Besuchern ist das Jahr 1819 das
Rekordjahr
seit Bestehen des Seebades.
720 Gäste nutzen die Badegelegenheiten und an
einem Tag werden 150 Bäder im Badewagen genommen.
Und mit 78°F Luft- und 65°F Wassertemperatur am 06.07.1819 um
16:00 UHR (Luft) und 07:00 Uhr (Wasser) auch die heißeste Saison des
Jahrhunderts. Doberan hat nun schon 165 Häuser.
1820
Die
Prinzessin von Thurn und Taxis verweilt in Heiligendamm. Welche genau, ließ
sich nicht herausfinden.
Hinter dem
Badehaus entsteht ein Anbau für Spezialbäder mit chemischen Zusätzen für
besondere Genesungskuren.
Severin bekommt eine Gehaltszulage von 50 Talern und eine Renumeration von
100 Talern, sodass sein Gehalt auf 950 RT steigt.
Er errichtet
hinter der Apotheke das Haus "Nizze"
gegenüber seines Wohnhauses (heute links neben dem Haus "Gottesfrieden").
Der Kamp
wird weiter ausgestaltet und der Springbrunnenplatz erhält ein neues
Gesicht.
Der Neue
Markt wird unter Federführung Severins angelegt.
Mit dem
Neuen Markt entstehen auch die Baumstraße und die Kastanienstraße
nordwestlich des Marktplatzes.
In den
Moorwiesen südlich Doberans wird eine Eisenquelle entdeckt.
Schnell
wird ein Haus mit vier Wannen für Stahlbäder errichtet.
1821
Severin vollendet den Anbau an das Salongebäude
(heute Ratskeller).
1822
Der Herzog
kauft Severin das Prinzenpalais ab, um seinen Sohn dort einzuquartieren.
Daher
stammt erst der Name "Prinzenpalais".
Severin
bekommt ein Grundstück im Neubaugebiet Doberans zugewiesen, bittet aber um
ein Grundstück gegenüber seines alten
Wohnhauses, weil er seine Familie (immerhin 5 Kinder) nur durch zusätzliche
Einnahmen aus der Zimmervermietung ernähren kann.
Der Herzog stimmt zu und überlässt ihm ein Grundstück, auf dem Severin sein
Haus bauen konnte. (heute "Haus Gottesfrieden").
Am Salongebäude wird unterdessen der Ovale Saal als Verlängerung des
Festsaals zum Garten (Rosengarten) hin fertig gestellt.
Der Herzog
stellt sein privates Segelschiff und seine private Yacht zur Miete für
Rundfahrten zur Verfügung.
Am 10.
August 1822 findet das erste Pferderennen auf der ersten Galopprennbahn auf
dem europäischen Kontinent zwischen
Doberan und
dem Heiligen Damm statt. Drei Tage später, am 13. August 1822, gründet sich
der Doberaner Rennverein.
1823
Willhelm von Preußen verweilt in Heiligendamm.
Severin
beginnt mit dem Bau eines neuen Wohnhauses und dem Bau des Stahlbades.
Das Stahlbad
(Altes Moorbad) wird noch im selben Jahr fertig gestellt. Es handelt sich um
einen eingeschossigen Flachbau.
Der Herzog bestätigt am 10.02. das Gesetz für mecklenburgische Pferderennen
und majorisiert damit Rennbahn und Rennverein.
1824
Der
König von Preußen und Felix Mendelsohn Bartholdy verweilen in Heiligendamm.
Felix
Mendelsohn Bartholdy schreibt als 15jähriger in diesen Tagen die "Doberaner
Ouvertüre".
Außerdem
sind Friedrich Willhelm III, der König von Preußen, Nikolaus (Zarewitsch)
und der Herzog von Cambridge (Adolphus Frederik) zu Besuch in Heiligendamm.
Severins Wohnhaus (Haus Gottesfrieden) ist fertig.
Eine
Dampferverbindung nach Lübeck-Travemünde und nach Kopenhagen wird vom
Heiligen Damm aus eingerichtet.
1825
Das Stahlbad in Doberan wird aufgestockt (heute
das alte Moorbad).
Severin errichtet an der Nordseite des Kamp ein
dreistöckiges Wohnhaus mit ornamentaler Verzierung für den Gastronomen
Medini, sowie ein einstöckiges Wohnhaus mit zweigeschossigem Mittelrisalit
und neben seinem Wohnhaus ein zweigeschossiges Bürgerhaus. Das alles im
klassizistischen Baustil.
Die Doberaner Rennbahn gewinnt Gestüte aus den Fürstentümern Württemberg,
Hannover und Preußen für sich.
Zukünftig werden also auch Pferde aus diesen Fürstentümern die Doberaner
Rennbahn als Prüfstätte nutzen.
1826
Großherzog
Friedrich Franz I stiftet den Wanderpokal "Goldene Peitsche" für die
Gewinner der Galopprennen.
1827
Die
Sängerin Angelica Catalani verweilt erneut in Bad Doberan und Heiligendamm.
1828
C.J.
Apperley und Richard Tattersall verweilen in Heiligendamm.
Georg Adolf Demmler errichtet eine
Tribüne auf der Pferderennbahn.
1829
C. T.
Severin beginnt mit dem Bau des Belvedere, eines großen, Schatten spendenden
Portals nordöstlich des Badehauses.
Adolphus Frederik, der Herzog von Cambridge, verweilt erneut in
Heiligendamm.
1830
Durch die Gründung weiterer Seebäder entsteht eine
Konkurrenz zum Heiligen Damm.
Diese kann Kost und Logis direkt am Meer vorweisen.
Der Großherzog plant, diese Bequemlichkeiten
auch am Heiligen Damm einzuführen.
Die
Bauarbeiten am Belvedere sind abgeschlossen und das Portal lädt nun zum
Ruhen im Schatten und zur Aussicht vom Dach ein.
In Doberan
wird die Kastanienstraße weiter ausgebaut.
Es
entstehen die Friedhofstraße und die Jungernstraße, die Waldstraße und die
Straße am Töpferberg.
Der
Friedhof wird angelegt und erhält eine Kapelle.
Doberan hat 2210 Einwohner.
1831
Ludwig I,
König von Bayern und der Kronprinz Maximilian von Bayern verweilen in
Heiligendamm.
1832
Die
Besucherzahl Heiligendamms sinkt erstmals unter 1000. Das ist der
Cholera-Epidemie geschuldet.
1833
Johann
Gottfried Schadow und wieder einmal der Herzog von Cambridge verweilen in
Heiligendamm.
Johann
Herrmann Becker wird zweiter Badearzt am Heiligen Damm.
1834
Severin soll zum Jahreswechsel 1834/35 wegen
Altersschwäche und Krankheit mit jährlich 525 Reichstalern pensioniert
werden.
Seine wirtschaftliche Lage ist aber so schlecht,
dass der 71jährige trotz seiner Gicht darum bittet, im Amt belassen zu
werden.
Der Großherzog stimmt zu und gibt dem
Hofbaumeister eine jährliche Gehaltszulage von 150 Reichstalern.
Dennoch wird auch ein gewisser Herr Wünsch
Oberlandesbaumeister in Schwerin.
Sein unbezahlter Gehilfe wird auf Schinkels
Empfehlung Georg Adolf Demmler, welcher 1832 seinen Baumeistertitel bekam und Kunstreisen vom geerbten Geld seiner kurz nacheinander verstorbenen
Eltern unternahm. Er war auch Lehrer an einer von Freimaurern gestifteten
Schweriner Sonntagsschule, wo er kostenlos Handwerker
unterrichtete und ausbildete. Das Vermögen seiner verstorbenen Eltern war
beträchtlich, sodass er das alles unentgeltlich tun konnte.
1835
Schaluppenmeister Johann Both stirbt und damit endet auch die Zeit der
Schaluppen.
1836
Hofbaumeister Severin verstirbt am 20.02. verarmt mit einem
Vermögen von nur 50 Reichstalern im Alter von 73 Jahren.
Er wird am 24.02. an heute unbekannter Stelle beigesetzt. Nachfolger wird
der in Berlin geborene Georg Adolf Demmler.
1837
Hofmedicus Prof. Vogel stirbt am 19.01. im Altern von 87 Jahren. Becker wird
erster und Dr. Adolf Kortüm zweiter Badearzt.
Großherzog Friedrich Franz I stirbt am 01.02. im Alter von 81 Jahren.
Sein Enkel Paul Friedrich tritt seine Nachfolge an.
Er nutzt das
Palais in Doberan als Sommerresidenz, plant aber anknüpfend an die Absichten
seines Vaters eine eigenständige Logistik
am Heiligen Damm.
Demmler wird mit dem
Ausbau Schwerins betraut und zum Hofbaumeister
befördert.
Prinz Heinrich von Preußen und sein Adjutant von Moltke, Kaiser Willhelm I,
Otto von Bismarck, der Kronprinz Oskar von Schweden und andere gekrönte
Häupter Europas und Größen
aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft weilen anlässlich
der Feierlichkeiten zur Bestattung und zur Krönung in Heiligendamm.
1838
Am
Badehaus wird mit der Aufstockung begonnen. Die Grünanlagen werden
umgestaltet.
Die Arbeiten für den Bau zum Marien-Cottage werden aufgenommen.
Die befestigten Straßen nach Heiligendamm, Althof und Rostock werden gebaut.
Die
Tänzerin Maria Tageliani (andere Quellen: Marie Taglioni) aus St. Petersburg tritt in Doberan auf.
Sie schafft es, das Theater drei Tage lang bis auf den letzten Platz zu
füllen.
Berühmte Schauspieler wie Carl Seydemann, Ludewig Devrient und Albert Gern
bleiben hinter dieser Leistung zurück.
Die Leute kommen nach Doberan, um sich zu vergnügen und sich zu unterhalten.
Wahre Künstler interessieren sie nicht.
Nur nebenbei: Das Theater trug über dem Eingang die Inschrift "Erkenne dich
selbst" und darüber befand sich ein Bild, auf dem gerade ein Ochse zur
Opferschale getrieben wird.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan
und Heiligendamm finden Sie hier.
Heiligendamm
muss wachsen.
1839
Demmler
stockt das Badehaus auf drei (nach heutigem Verständnis vier) Stockwerke
auf.
Die
Wirtschaftsräume des Saalbaues werden vergrößert.
Das
Badehaus verfügt über 2 Geschosse mit je 28 Gästezimmern und einem
Obergeschoss mit 22 Personalzimmern.
Die Arbeiten für den Bau zum Alexandrinen-Cottage und dem Haus "Krone"
(heute "Magdeburg") werden aufgenommen.
Heiligendamm
hat 1400 Gäste. Auf einer Karte wird erstmals der Heilige Damm erwähnt.
Allerdings
genau dort, wo er sich nicht befindet, nämlich westlich von Fulgen und östlich von Börgerende,
wo es nur Steilküsten (Kliffküsten) gibt.
1840
Die
Bauarbeiten an den Cottages und dem Haus "Krone" werden abgeschlossen.
Alexandrines
Stiefmutter, die 2. Gemahlin Friedrich Willhelm III, Auguste Liegnitz,
richtet sich ein Cottage am Heiligen Damm ein.
1841
Herzog Paul Friedrich ernennt Demmler zum
Hofbaurat und stirbt am 07.03. in Schwerin.
Nachfolger wird sein Sohn Friedrich Franz II.
In Doberan werden in der Maschinenbaufabrik und Eisengießerei Kähler
erstmals Landmaschinen produziert.
Kähler präsentiert auf der Versammlung der deutschen Land- und Forstwirte
vor 900 Gästen aus aller Welt seine
sechs handgefertigten Maschinen, darunter eine Dresch-Maschine
(Dreschkasten), eine Korn-Säh-Maschine (Drillmaschine)
und eine Häckerlingmaschine (Hächsler). Der russische Schriftsteller Nikolai
Leskow berichtet später über einen Ingenieur Hugo Pektoralis aus Doberan,
der in Russland wirkte. Da Kähler auch nach Russland exportierte ist es
denkbar, dass mit den Maschinen aus Doberan auch ein Ingenieur nach Russland
geschickt wurde. Später zieht die Haliflor Company in die Betriebsstätten
Kählers in der Kröpeliner Straße und stellt dort Chemikalien und Parfümerie
her.
1842
Die
Bäche am Markt und am Alexandrinenplatz werden kanalisiert und mit Straßen
und Plätzen überbaut.
1843
Herzog
Friedrich Franz II, der junge Nachfahre des Gründers, erinnert an diesen
durch die Aufstellung eines 220-Tonnen-Findlings.
Dieser
"Denkstein" wird von Kammerdirektor von Flotow im April nahe
Elmenhorst auf der Feldmark ausgesucht und von Hofbaurat Demmler innerhalb von 98 Tagen den 12 km weiten Weg transportiert
und am 19.10.1843 am Waldrand aufgestellt. Demmler nutzte dabei dasselbe
Verfahren, wie die Erbauer des Denkmals Peter des Großen beim Transport des
Sockels desselben.
(Mehr Infos in der Gebäudedatenbank: Denkstein)
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan
und Heiligendamm finden Sie hier.
Prinz
Willhelm von Preußen und Helmut von Moltke verweilen in Heiligendamm.
1846
Das
Armenkrankenhaus wird abgerissen und an seiner Stelle wird mit dem Bau der
Burg "Hohenzollern" begonnen.
Auftraggeber war Herzog Paul Friedrich aber der starb ja inzwischen.
Das
Armenkrankenhaus wird südlich des Ensembles in Form eines kleinen Gebäudes
mit Veranda neu errichtet.
(heute:
Haus mit der Inschrift "Seehospiz", in der Kurve der Kühlungsborner Straße)
Durch die Erfindung der Dampfpumpe durch den Mecklenburger Ernst Alban
ersetzt man stetig die Ochsen durch Maschinen.
Dr. Döbereiners "Kaltwasseranstalt" eröffnet im Haus "Waldhof" in der Neuen
Reihe. Die Neue Reihe wird weiter ausgebaut.
1848
Europa ist
von Revolutionen ergriffen.
Hofbaurat
Demmler kämpft an der Seite der Sozialdemokraten für das Bürgertum.
Adolf Kortüm wird am 19.02. neuer Badearzt in Heiligendamm.
Der
bisherige Leibarzt des Großherzogs und Heiligendammer Badearzt, Joachim
David Willhelm Sachse veröffentlicht das 100 Seiten starke Buch "Ueber die
neu eingerichtete Milch- und Molkenanstalt in Verbindung mit Seebädern und
dem innern Gebrauch des Meerwassers am Strand zu Doberan."
„Es ist
kaum ein neues Seebad in diesem halben Jahrhundert errichtet, welchem die
Einrichtungen in Doberan nicht zum Muster dienen mussten.“ heißt es darin
unter anderem.
Als
besondere Errungenschaft bezeichnete der Chef der Badeintendantur, dass in
seiner Amtszeit ein neues Logierhaus mit 35 Zimmern, weitere Wohnungen für
Kurgäste und ein Krankenhaus für Arme in Heiligendamm gebaut wurden.
Die Burg
"Hohenzollern" ist baulich fertig gestellt und ergänzt damit das fehlende
romantische Element des Ensemble.
1849
Die "Burg
Hohenzollern" ist bezugsfertig eingerichtet.
Sie bietet 10 Familien- und 15
Einzelzimmer.
Oscar von Belitz veröffentlicht sein Buch "Das Seebad Dobberan".
Während der Renntage tobt ein schwerer Sturm über Doberan.
Die Pappeln entlang der Allee zum Heiligen Damm knicken reihenweise um.
1850
Die
Bereinigung der Allee zum Heiligen Damm wird abgeschlossen. Alle Pappeln
werden entfernt.
Man will nicht erneut während der Saison einen Zusammenbruch der
Infrastruktur zwischen Doberan und seinem Bad riskieren und bereitet
Neuanpflanzungen vor. Außerdem bekommt die ruinierte Fahrbahn ein Kiesbett -
heute würde man "Schotter" sagen.
Im selben Jahr wird auch das "Prinzessin-Reuß-Palais" fertig gestellt.
In der Nähe des Palais entsteht das
"Waldhaus" als Wohnhaus von Generalmajor Hopfgarten
(daher auch: Hopfgartensches
Haus, heute Café am Golfteich).
Badearzt
Sachse stirbt im Alter von 78 Jahren.
Die Anzahl
der verordneten Bäder stieg in seiner Zeit als Badearzt von 1815 bis 1846
von 6715 auf fast 22 000.
1851
Hofbaumeister Georg Adolf Demmler wird nach Unstimmigkeiten und der
Beteiligung an der Revolution aus dem Amt entlassen.
Nachfolger wird sein Assistent Friedrich August Stüler, der dann auch in
Schwerin das von Demmler geplante Schloss errichtet.
1852
Freiherr von
Drais fährt mit seiner gerade erfundenen Draisine (Laufrad) um den Kamp und
zieht ehrfürchtige Bewunderung auf sich.
Großfürst
Konstantin von Russland - Sohn des Zaren Nikolaus I - verweilt in
Heiligendamm.
1853
Die Arbeiten
für den Bau der Villen "Neues Logierhaus" (später "Großfürstin Marie", dann
"Perle") und "Greif" werden aufgenommen.
1854
Die
Bauarbeiten an den Villen "Neues Logierhaus" und "Greif" werden
abgeschlossen.
Aus Frankreich treffen hunderte Setzlinge der großblättrigen Holländischen
Linde ein.
Die Allee zwischen Doberan und dem Heiligen Damm wird damit bepflanzt.
Man erhofft sich durch diese besondere Baumart eine höhere Standfestigkeit,
als bei den Pappeln.
Damit liegt man offenbar ganz richtig, denn die längste Allee Europas zieren
heute noch dieselben Linden.
1855
Die
Arbeiten für den Bau der Villen "Möwe" und "Seestern" werden aufgenommen.
Erstmals
wird der Taubenschießstand erwähnt.
1856
Die
Bauarbeiten an der Villa "Möwe" werden abgeschlossen.
An der
Westseite des Badehauses wird ein neuer Saal und eine Flucht von 4
Gesellschaftsräumen und im Osten ein kleiner flach eingedeckter Säulenbau
angebaut. Wer der Baumeister dieses Vorhabens war, ist nicht mehr
herauszufinden. Im neuen Westflügel wird die Wohnung des Bademeisters
eingerichtet. Die Vorhalle des Badehauses (Kurhaus) bekommt ein Relief aus
blauem Jasper. Durch diese Bauarbeiten geht der arkadengesäumte Innenhof zum
Wandeln bei schlechtem Wetter verloren.
Das Belvedere (das Schatten spendende Portal zur Seebrücke hin) wird
abgerissen.
1857
Die
Bauarbeiten an der Villa "Seestern" werden abgeschlossen.
Die Arbeiten
für den Bau der Villa "Anker" werden aufgenommen.
1858
Die
Bauarbeiten an der Villa "Anker werden abgeschlossen.
Die Arbeiten
für den Bau des Hauses "Bischofstab" werden aufgenommen.
1860
Die
Bauarbeiten am Haus "Bischofstab" werden abgeschlossen.
In Doberan werden die Boutiquen am Weißen
Pavillon abgerissen.
Statt der
eigentlich geplanten zweiten Restauration plant man an der Stelle die Villen
"Hirsch" und "Schwan".
Die Arbeiten
für den Bau der Villa "Schwan" werden aufgenommen und die
Kaffeehalle/Kaufhallen/"Läden" (Kolonnaden) errichtet.
1861
Die Arbeiten
für den Bau der Villa "Hirsch" werden aufgenommen.
Der Herzog
gibt den Häusern Namen, um sie besser unterscheiden zu können.
1862
Die
Bauarbeiten an der Villa "Schwan" werden abgeschlossen.
Die erste
Ehefrau Friedrich Franz II, Anna von Hessen-Darmstadt, stirbt.
Sie
hinterlässt vier Kinder: Marie, Johann Albrecht, Paul Friedrich und
Friedrich Franz III, den späteren Thronfolger.
1863
Die
Bauarbeiten an der Villa "Hirsch" werden abgeschlossen.
Der
Doberaner Sportverein wird gegründet.
1865
Zur
Verbesserung des Transports wird eine Dampfkalesche eingesetzt. Das ist eine
Art Omnibus. Bei der ersten Probefahrt bleibt
sie bei der
Rennbahn stecken und muss zum Gespött der Leute mit 6 Pferden nach Doberan
zurück geschleppt werden.
1867
Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz treten dem Deutschen Bund bei.
In diesem ist das Glücksspiel verboten.
In Doberan
wird am 01.10.1867 die Spielbank gegen des Herzogs Willen durch die Stände
geschlossen.
Jährlich entfallen 30.000 Taler.
Der Fotograf
Benjamin Beckmann eröffnet neben den Kolonnaden ein Fotoatelier.
1870
Das
Logierhaus (Mecklenburg) bekommt seeseitig einen Anbau. Theodor Fontane
verweilt in Heiligendamm.
1871
In einer
Karte taucht Heiligendamm letztmalig als "Seebad Doberan" auf.
Doberan beantragt das Stadtrecht.
1872
Die
Arbeiten für den Bau des Hauses "Neues Logierhaus" werden aufgenommen.
Benjamin
Beckmann wird Hoffotograph.
Eine
Sturmflut verkleinert den Abstand der Gebäude zum Wasser. Das Damenbad,
Herrenbad und Waschhaus werden zerstört.
Die Stallung
des Schleusenwärters wird stark beschädigt und die Promenaden versanden.
Etliche Bäume knicken ab.
Nach der
Sturmflut wird überlegt, das Bad auszubauen. Dazu legt die Berliner
Architekturfirma Kayser & Großheim einen Entwurf vor, der den Ausbau zu
einem Schloss mit drei Flügeln vorsieht, wobei das Kurhaus verschwinden
würde. Hinter diesem Ensemble soll
ein weiterer dreiflügeliger Bau entstehen, dessen Mitte ein Turm darstellt.
Die Burg und die Cottages sollen integriert werden, was
darauf hindeutet, dass der Großherzog sie behalten will. Die Verwendung der
östlichen Villen wird nicht deutlich.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan
und Heiligendamm finden Sie hier.
Heiligendamm wird verkauft.
1873
Mecklenburg ist dem Deutschen Bund beigetreten.
In diesem
ist das Glücksspiel verboten, sodass die Spielbanken in Doberan schließen
müssen.
Nach dem
Wegfall der Pachteinnahmen durch die Spielbank kann der Herzog sich den
Wiederaufbau nicht mehr leisten.
Auch die
1872 geplanten Umbauten sind finanziell nicht tragbar, auch wenn sie
langfristig hohe Einnahmen versprechen.
Das Ambiente
bis auf die drei fürstlichen Cottages geht am 02. April 1873 für 500.000
Taler an eine Aktiengesellschaft, der der
Rittermeister a. D. Baron Otto von Kahlden auf Iden als Direktor vorsteht.
Es folgen kräftige Investitionen, die aber nur einen Teil des Planes von
1872 umsetzen. Adolf Lange wird neuer Badearzt.
Der Anbau an
der Seeseite des Badehauses ist fertig und dieses wird mit dem Kurhaus durch
Arkaden verbunden.
Das Badehaus
heißt nun "Haus Mecklenburg" Neben dem Kurhaus wird vierstöckiges reines
Logierhaus gebaut, welches zunächst "Neuer Flügel" und später "Grand
Hotel" genannt wird.
Die Villa "Sporn" (heute "Eikboom") wird errichtet.
Gegenüber wird eine Fläche für einen Kapellenbau ausgespart.
Es erfolgen Bereinigungen.
So verschwindet der oktogonale Wasserspeicher neben dem Badehaus.
Nach dem
Verkauf taucht Heiligendamm nun auf der ersten Karte als "Seebad am Heiligen
Damm" auf.
1874
Marie
Alexandrine Elisabeth Eleonore von Mecklenburg Schwerin und der russische
Großfürst Wladimir Alexandrowitsch heiraten am 28.08.1874. Die russische
Flotte erscheint vor Heiligendamm, um die vermählten an Bord auf die Reise
nach Russland zu nehmen.
Das "Neue
Logierhaus" bekommt einen Anbau "Villa Großfürstin Marie" und wird
später in "Villa Perle" umbenannt.
1875
Kaiser
Wilhelm I verweilt während eines Manövers in Heiligendamm zu Besuch bei
seiner Schwester, der Großherzogin Alexandrine.
1878
Die
Orangerie wird errichtet.
Die Aktien
der AG sind auf ein Drittel des Nennwertes gesunken. Das Geschäft läuft nach
dem Rückzug der Aristokraten schlecht.
Die
mecklenburgische Hypotheken- und Wechselbank kauft Aktien im Wert von 48.000
Mark für nur 15.000 Mark auf.
1879
In
Vorbereitung auf die Verleihung des Stadtrechts wird am 21.04. im
"Puppenhaus" ein Progymnasium eröffnet, um der zukünftigen Stadt zu mehr
Ansehen zu verhelfen. (Das
Puppenhaus trägt seinen Namen auf Grund der allegorischen Figuren zwischen
den Fenstern des Obergeschosses. Heute stehen an dieser Stelle -
Beethovenstraße 10 und 13 - gegenüber dem ZOB - zwei den Vorgängern
nachempfundene Gebäude.) Erster Schuldirektor des Progymnasiums wird Wilhelm
Kraner.
Doberan
erhält am 01.07.1879 das Stadtrecht. Heiligendamm gehört nicht dazu und ist
faktisch Privatdorf von Otto von Kahlden.
Die
Geschichte, dass dieser in einer Nacht das Seebad in einer Nacht verspielt
habe (in Monte Carlo) ist eine Legende.
Tatsache ist
aber, dass durch die Autarkie Heiligendamms Doberan an Bedeutung verliert.
Inzwischen hat Heiligendamm in den Bereichen der Gastronomie, Hotellerie und
Handel alles selbst zu bieten, sodass Doberan nicht mehr der Ausgangspunkt
zum
Heiligen Damm ist, sondern nur noch Durchfahrtsort. Die Verleihung des
Stadtrechtes soll dem entgegenwirken, was nicht gelingt.
Das
Salon-Gebäude am Kamp wird zum Rathaus umfunktioniert, da die frisch
ernannte Stadt ein repräsentatives Rathaus braucht.
Die Modeschriftstellerin Fanny Lehwald wohnt zufällig der feierlichen
Stadtrechtverleihung bei und hinterlässt uns damit den wohl einzigen
Augenzeugenbericht der Feierlichkeiten.
1880
Die
Severinstraße und die Neue Reihe werden mit Häusern voll ausgebaut, die
Dammchaussee, die Bismarckstraße (Goethestraße) und
der Parkentiner Weg entstehen.
Der
Schriftsteller Herrmann Sudermann besucht Heiligendamm
1881
Es wird
noch ein Versuch mit einer Dampfkalesche gestartet.
Nach drei
Wochen kommt es zu einem schweren Unfall. Es wird über eine Pferde-Eisenbahn
nachgedacht.
Die
Doberaner Fuhrleute verhinderten dies und auch einen weiteren Versuch mit
einer Dampfkalesche und sicherten so ihre Einkommen durch den Transport der
Badegäste.
Dr. Wilhelm Kühne übernimmt die Direktorenstelle Wilhelm Kraners am
Progymnasium.
1882
Der Betrieb
einer Dampfkalesche mitten durch die Stadt zieht den Entschluss nach sich,
eine Feuerwehr zu gründen.
Die
Doberaner Feuerwehr nimmt am 22. April 1882 feierlich ihren Dienst auf.
1883
Nun wird
doch mit dem Bau einer Eisenbahnverbindung von Rostock nach Wismar begonnen,
wobei Doberan Zwischenstation wird.
Großherzog
Friedrich Franz II stirbt am 15. April 1883 im Alter von 60 Jahren.
Seine
41jährige Amtszeit wird von seinen Untertanen huldigend gefeiert.
Nach seinem
Großvater ist er der bedeutendste Regent Mecklenburgs.
Sein
Nachfolger wird sein Sohn Friedrich
Franz III, der auch gleich am 15. April 1883 die Amtsgeschäfte übernimmt.
Am 01.09.1883 wird das Progymnasium im Puppenhaus vom neuen Großherzog zu
Ehren seines Vaters und des Gründers der Schule in
"Friedrich-Franz-Gymnasium" also "Friderico Francisceum" getauft.
1884
Die
Eisenbahnverbindungen nach Rostock und Wismar werden freigegeben und
feierlich eingeweiht.
Badearzt Dr. Kortüm stirbt im Alter von 74 Jahren. Damit endet die Ära des
alleinigen Badearztes.
Auf einer
Karte aus dem Jahre 1884 wird erstmals der Taubenschießstand eingezeichnet.
1885
Baron
von Kahlden kauft alle Aktien für 787.599,31 Mark auf und wird alleiniger
Besitzer ganz Heiligendamms.
Möckel beginnt auf Anweisung des Großherzogs mit der Generalrestaurierung
des Münsters.
Durch ihn kommt das Münster zu seinem überdimensionalen großen Dachreiter.
Die Zisterzienser bauten nie derartige Dachreiter, sondern sahen ihr Kloster
als Halle und nicht als Kirche,
sodass ein kleiner Turm für die Glocke seinen Zweck voll und ganz erfüllte.
Jedoch: "Vermöckelt" ist es eben etwas besonders.
1886
Das
Transportproblem wird nun doch noch gelöst.
In einem "Allerhöchsten Decret"
vom 05.04.1886 drängt der Großherzog darauf,
die Pläne
für eine Schmalspur-Dampfeisenbahn bis zum Beginn der Badesaison in die Tat
umzusetzen.
Neben der
Straße wird am 09.07.1886 die Bahntrasse für den Verkehr mit der Dampflok
freigegeben.
Die Bauzeit
betrug nur 6 Wochen. Die Spurbreite ist mit 900 mm einmalig.
Die
Konzession dazu erteilte Herzog Friedrich Franz III am 19.06.1886
persönlich.
Um alle
Bedenken aus der Bevölkerung gegen die Bahn zu zerstreuen, veröffentlichte
die Zeitung einige Besonderheiten
dieser innerstädtischen Kleinbahn. So fährt sie mit einem dauerhaften
Bimmeln durch die Stadt und ist darüber hinaus in der Lage, einen Warnton
(Pfiff) abzugeben. Sie fährt im sehr langsamen Tempo und ihre sich
bewegenden Elemente sind verkleidet, um die Pferde nicht wild zu machen.
Außerdem verfügt die Lok über einen Rauchverzehrer und gibt Dampf nur nach
unten hin ab.
Zunächst
betreibt das private Unternehmen Lenz die Bahn, welche zwischen 15. Mai und 30.
September fährt.
Die Preise
sind moderat und die Bahn hält direkt neben dem Ensemble, ein paar Schritte
vom Salon (Kurhaus) entfernt.
Die Konzession sieht Betriebsrechte für Lenz für die nächsten 15 Jahre vor.
Mehr Informationen:
Internetseite des Molli
Im gleichen
Jahr wird auch das heutige Grand Hotel fertig gestellt.
1887
In einem
Prospekt werden die Vorzüge Heiligendamms gegenüber den Bädern mit
Fischereibetrieb angepriesen.
Bäder mit
Fischereibetrieb galten als unhygienisch und stinkend, wobei letztes
sicherlich nicht gelogen war.
Dennoch hat Heiligendamm einen entscheidenden Nachteil: Die Anbindung.
Die Molli fährt nur zwischen 15. Mai und 30. September. Dadurch wirfst sie
auch nur 40% Rendite ab.
Das größere Problem ist aber, dass Heiligendamm außerhalb der Saison somit
nur per Kutsche oder zu Fuß erreichbar ist.
Man entscheidet sich darum, Heiligendamm nach
Süden und Osten hin durch Pensionen zu vergrößern.
Der Bollhäger Weg (heute Kühlungsborner Straße) wird nach Süden ausgebaut.
Der Großherzog sieht die Exklusivität des Fürstenbades in Gefahr und führt
einige Beschränkungen ein.
Es wird ein Statut herausgegeben das besagt, dass die Bebauung längs des
Weges nur mit Villen und nicht höher als zweigeschossig erfolgen darf und
Toiletten und Dunghaufen
von der Straße aus nicht sichtbar sein dürfen und wie Abwasser und Abfall zu
entsorgen wäre.
Es
entstehen nur am südlichen und östlichen Ortsrand Pensionen. Sie tragen die Namen der Besitzer.
Diese Art
des Hotels ohne Restaurant nennt man zu dieser Zeit "Hotels garni".
Es entstehen die Pensionen "Mellendorf" (Waldfrieden),
"Peters" (Altersheim), und "Scherpeltz" (Tabea und linker
Flügel der FAK).
Am Ortseingang von Doberan aus entstehen "Krieg's Hotel"
und die Villen in der unmittelbaren Nachbarschaft.
Doberan
hat dermaßen an Bedeutung verloren, dass selbst das Theater nicht mehr
finanzierbar blieb.
Es soll als Ersatz für das zu klein gewordene Puppenhaus ein Progymnasium in ihm eingerichtet werden, was aber Möckel zu
umständlich ist.
Er schlägt einen Neubau im Stil der Gotik vor. Großherzog und
Stadtoberhäupter stimmen zu und so wird das Theater abgerissen und weicht
dem gotischen Neubau des noch heute existierenden Gymnasiums
Vorab entsteht rechts vom geplanten Neubau schon einmal das Rektorenhaus für
den Rektor der neuen Schule.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan
und Heiligendamm finden Sie hier.
1888
Während Möckel am Münster werkelt, wird kurzerhand die Kapelle in Althof zum
Gotteshaus geweiht.
1889
Das
Progymnasium ist fertig gestellt und wird sogleich zum Gymnasium erhoben und
wie schon sein Vorgänger im Puppenhaus
"Fridericio Franciseum"
(Friedrich-Franz-Gymnasium) getauft. Es ist übrigens nur Jungen vorbehalten,
die Schulen Doberans zu besuchen. Der erste Durchgang startet zu Ostern
1889. Direktor bleibt Dr. Kühne.
Das neue und
größere Gymnasium soll Doberan attraktiver machen und wieder mehr Leute in
die Stadt bringen.
Doch die
mondäne, weiß erstrahlende Tochter hat seine Mutter Doberan längst in den
Schatten gestellt.
Der Rosenwinkel hinter dem neuen Gymnasium entsteht.
Möckel baut sich sein recht eigenwilliges Haus in Doberan direkt am
Klosterhof.
1890
Die
(Molli-)Bahnverbindung samt der Bahn geht entgegen der in der Konzession
getroffenen Vereinbarung in den Besitz der Mecklenburgischen
Regierung über und wird von ihr weiter betrieben. Sie erhält den Namen
"Friedrich-Franz-Eisenbahn".
100 Jahre Heiligendamm
1893
Zum
100jährigen Jubiläum findet ein feierlicher Festakt statt.
Es wird
verkündet, dass Heiligendamm eine katholische Kirche bekommt.
Der Bauplatz
hierfür war bereits 1873 vorgegeben worden. Es wird ein Verein gegründet,
der 10.000 Mark in 5 Jahresraten für den Bau spendet. Staatsminister von
Bülow lobt dies und fordert einen evangelischen Pendant. Nach dem Festessen
sollte es noch einen Ball
geben, welcher aber mangels Beteiligung ausfiel, weil die Herrschaften nach
dem Gelage erschöpft waren und sich ausruhen wollten.
Der Bau der
Kapelle wurde nötig, da es im protestantischen Mecklenburg kaum katholische
Kirchen gab und die Gäste und Einwohner
nirgendwo ihren katholischen Gottesdienst abhalten konnten. Die
Herz-Jesu-Kapelle ist nur 110 qm groß, bietet aber 50 Personen Platz und
enthält auch einen Beichtstuhl. Sie wird von Möckel im Wald gebaut, um einen
großen Kontrast mit den klassizistischen Bauten zu vermeiden.
Per Gesetz
wird das Schießen lebender Tauben verboten. Es kommen Tontauben zum Einsatz.
Freiherr
Julius von Maltzahn schließt seine "Erinnerungen und Gedanken eines alten
Doberaner Badegastes" ab.
1896
Das Stahlbad wird aus dem herzoglichen Besitz an den Brauereibesitzer
Zimmermann verkauft.
1897
Das
Tauben-Schießverbot wird nun auch am Heiligen Damm durchgesetzt und der
Schießstand mit Schießhalle werden abgerissen.
Großherzog
Friedrich Franz III stirbt nach nur 14 Jahren Amtszeit im Alter von 56
Jahren im französischen Cannes.
Nachfolger
wird sein 15jähriger Sohn, Friedrich Franz IV.
Dieser
regiert zunächst unter der Vormundschaft Herzog Johann Albrechts, seines
Onkels.
1898
Im Wald
östlich des Ensembles entsteht ein Graben mit Schießstand, von dem aus nun
eben auf Tontauben geschossen wird.
Von nun an
gibt es jährlich ein Internationales Tontauben-Schieß-Turnier, das in
Heiligendamm ausgetragen wird.
1900
Heiligendamm trägt das Internationale Tennisturnier aus.
Heiligendamm hat 1.740 Gäste. (Vergleich: Warnemünde hat 15.000)
Das
Badehaus (Mecklenburg) erhält die Inschrift "Kurhaus".
Das
Alexandrinen-Cottage wird vergrößert und bekommt noch einen Turm.
Das Stahlbad
wird aufgestockt und erhält sein "heutiges" Gesicht (also das von 2006 -
danach ist der Dachstuhl abgebrannt).
1901
Das
Armenkrankenhaus wird nach behördlicher Anordnung nun "Seehospiz" genannt.
1902
Der
Tennisbund wird gegründet.
Zwischen
1895 und 1902 erhalten die Läden eine Vorhalle mit 19 dorischen Säulen.
Das Stahlbad bietet nun zusätzlich zu den Eisenbädern (Stahlbäder) auch
Moorbäder und Trinkkuren an.
1903
An der
Bahntrasse am Waldrand des Kleinen Wohld wird eine evangelische Kapelle
erbaut.
Die von Möckel erbaute Kapelle ist mit
140 qm (andere Quellen: 160 qm) größer als ihr katholisches Gegenstück,
besitzt einen Glockenturm mit
Turmhelm und einen Chor an der Rückseite. Auch sie steht wegen des
Kontrastes der unterschiedlichen Baustile im Wald.
In Doberan
wird ein Gaswerk gebaut.
1904
Das Gaswerk
wird in Betrieb genommen.
1905
Der Ausflugspavillon auf dem Jungfernberg - bisher nur ein Aussichtspunkt -
wird zur Gaststätte.
1907
Die
Straße nach Warnemünde (Nienhäger Chaussee) wird gebaut.
1908
Dr. Carl Lüth wird neuer Direktor des Friedrich-Franz-Gymnasiums.
Probebohrungen im Quellental von Glashagen ergeben eine reichhaltige
Mineralquelle mit Kapazitäten, die weit über das durch das Oberflächenwasser
vermutete Volumen hinaus geht und für viele Jahrzehnte reichen wird. Es
werden Leitungen nach Doberan gelegt, wo neben dem Bahnhof eine
Produktionsstätte für Mineralwasser und Erfrischungsgetränke entsteht.
Im
Quellental wird dazu ein Tempel im klassizistischen Stil errichtet, welcher
die Pumpen beherbergte.
Die Quelle
und das Unternehmen wurden "Glashäger" getauft.
Mehr Informationen zur
Glashäger gibt es auf
www.glashaeger.de und
zur Quelle unter
www.hohenfelde.net.
1910
Die
Bahntrasse wird auf 8,9 km bis nach Brunshaupten, dem heutigen Kühlungsborn-Ost
ausgebaut, weil der ursprüngliche Plan, den Ort von Kröpelin aus anzubinden
an Geländeschwierigkeiten scheiterte.
(Kühlungsborn ging erst am 01.04.1938 aus den Orten
Arendsee, Fulgen und Brunshaupten hervor.)
In Heiligendamm wird der Bahnhof
um 500 Meter zurückversetzt, da die Bahntrasse eine Kurve nehmen muss.
Es entsteht
ein Bahnhofsgebäude im für mecklenburgische Kleinbahnhöfe typischen
Fachwerkstil.
Auf der neuen Strecke kommt auch eine neue Lok zum Einsatz. Die Dampflok der
Firma Henschel hat 125 PS
und bewältigt die Strecke Doberan-Heiligendamm in 22 Minuten. Auf der
gesamten Strecke (also bis Brunshaupten)
kamen täglich 14 und sonntags 16 Züge (nicht Loks!) zum Einsatz. In jedem
Waggon fanden 34 Personen Platz.
Theodor Punkstadt gab den ersten Fahrplan heraus.
Demnach gab es eine zweite Klasse mit Sitzen, die mit rotem Plüsch
gepolstert waren und eine dritte Klasse mit gewienerten Holzbänken. Das
Fehlen der ersten Klasse ließ später Leute ein Drei-Klassen-System vermuten.
Die feinen Herrschaften jedoch zogen den Genuss von Tabak vor und da im
Wageninneren nicht geraucht wurden durfte, hielten sie sich meistens draußen
auf den Plattformen auf, die bis zu 16 Personen fassen konnten. So war die
heimliche erste Klasse draußen vor der Tür.
Zugestiegen werden konnte in Doberan überall. Die Lok fuhr sehr langsam
durch den Ort und bimmelte unentwegt, um rechtzeitig die Fußgänger und
Kutscher zum Ausweichen zu ermahnen. Nur darum bimmelt diese besondere
Dampflok überhaupt - auch heute noch. Als die Loks schneller wurden,
richtete man feste Haltestellen in der Alexandrinenstraße beim Springbrunnen
(Mollistraße) und am Soldatschen Haus in der Poststraße (Goethestraße) ein.
Das Retourbillet in der zweiten Klasse kostete 80 Pfennige und in der
dritten Klasse 50 Pfennige. Kinder zahlten 50 bzw. 30 Pfennige. Im
Straßenbahnbetrieb zwischen Bahnhof und städtischen Haltepunkten kostete es
24 Pfennige in der zweiten und 20 Pfennige in der dritten Klasse, sowie 10
Pfennige klassenunabhängig für Kinder.
Heiligendamm hat 2.418 Gäste. (Vergleich: Warnemünde: 20.000, Brunshaupten:
14.000, Arendsee:9.000, Graal und Müritz: 5000)
Die anderen
Bäder sind innerhalb von 20 Jahren nach Heiligendamm entstanden, werden aber
von den Gästen 2. Ranges bevorzugt.
Heiligendamm
wird aber zusammen mit Heringsdorf auf Usedom wegen seiner vorzüglichen
Tennisanlagen hoch geschätzt.
Der Sohn Otto von Kahldens, Rudolf von Kahlden, verkauft Heiligendamm an
Walter John, dem Neffen von Eugenie John
(Künstlername: E. Marlitt). Dieser aber verspekuliert sich und belastet das
Unternehmen mit hohen Hypotheken.
(1)
1911
Die
Aktiengesellschaft meldet Konkurs an.
Die
Gläubiger kaufen das Bad für 1.510.000 Mark, um wenigstens die Hypotheken zu
retten und gründen am 21.01.1911 die "Ostseebad Heiligendamm GmbH". Die vier
Gesellschafter sind der Leipziger Großhändler Joachim Hermann Felix Wolf,
die Hamburger Großhändler Julius Lachmann und Hermann Sanders und der
Hamburger Rentier Adolf Glüenstein. Die gezeichneten Aktien haben eine
Stammeinlage von 38,5% und einen Wert von 800.000 Mark, von denen 350.000
Mark auf Lachmann und je 150.000 Mark auf die anderen Anteilseigener gehen.
Das
Linienschiff "Kaiser Wilhelm II" salutiert mit 21 Salutschüssen und geht 3
km vor Heiligendamm vor Anker.
Ein Teil der
Mannschaft geht zum Urlaub an Land. Mit einer Pinasse wird zur Besichtigung
zum Schiff übergesetzt, das den Abend mit den Scheinwerfern eine
Illumination in den Nachthimmel und an die Gebäude zaubert.
Das Hotel
Peters (Altersheim) wird zwangsversteigert und geht an den Hotelbesitzer
Friedrich Mellendorf,
der es als
"Fürstenhof" führt.
Heiligendamm
wird aufgewertet. Buhnen werden in die Ostsee gerammt, das Kurhaus renoviert
und der Vorplatz neu gestaltet.
Die Molli-Trasse wird von Brunshaupten erweitert nach Arendsee, dem heutigen
Kühlungsborn-West.
1912
Die
Seebrücke wird um 130 Meter verlängert und ist nun für Dampfer nutzbar.
Auf dem
Brückenkopf entsteht eine Restaurationshalle.
Die Häuser
werden mit elektrischen Licht ausgestattet.
Der "Erste
deutsche Wasserflugzeugwettbewerb" zieht tausende Gäste an.
Der Hamburger Hotelbesitzer Heinrich Böckenheuer erwirbt die Anteile des
Leipziger Großhändlers, lässt sich in Heiligendamm nieder
und wird Direktor des Bades und Ortsvorsteher Heiligendamms. Das Lübecker
Bankhaus Louis Wolff KG unter Alexander Carlebach
beginnt, Aktien des Unternehmens zu kaufen.
1913
Eine Sturmflut beschädigt am 31.12.1913 weitere
Teile des Strandes und die Seebrücke und zerstört das
Damenbad.
Der Schaden
wird auf 30.000 Mark beziffert. Der Gesamtschaden inklusive aller
Reparaturkosten beläuft sich auf 400.000 Mark.
Das
Damenbad wird nicht wieder aufgebaut und das beschädigte Herrenbad wird
abgerissen.
Statt der
Badekarren werden gemäß der aktuellen Mode Strandkörbe eingeführt, die eine
neue Ära in der Badekultur einläuten.
Die
Geschlechtertrennung entfällt.
Der Lyriker
Rainer Maria Rilke ist zu Gast in Heiligendamm.
|
120 Jahre. Heiligendamm bis zum 1. Weltkrieg.
Auf
dem linken Bild ist rechts das erste Badehaus gut zu erkennen.
Das Bild zeigt Heiligendamm um 1817.
Die Allee mündete direkt in das Ensemble.
Das Badehaus wurde nach der Planung des Hauses
"Mecklenburg"
abgetragen und dieses in versetzter Lage
errichtet.

Das rechte Bild zeigt das Ensemble um 1850.
Im Vordergrund befindet sich das Belvedere.
Die Hohenzollernburg ist bereits errichtet.
Auffällig sind die nicht nicht
vorhandenen Arcaden
zwischen dem Kurhaus und dem Haus Mecklenburg.
Bei den Bildern handelt es sich um
zeitgenössische Zeichnungen, die auf Post- und Ansichtskarten reproduziert
wurden und von dort auch mit dem Scanner abkopiert sind.
Der Urheber und Rechteinhaber sind Hans-Jürgen
Herbst und der Godewind-Verlag.
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1914
Am
01.08.1914 beginnt der 1. Weltkrieg. Heiligendamm wird von den Badegästen
verlassen und die Sportstätten verfallen.
Während
des ersten Weltkrieges werden in den schlimmsten Zeiten auf dem Kamp
Kartoffeln angebaut.
Der
Badebetrieb geht im kleinen Rahmen weiter und der Ort erhält eine
Kriegsbesatzung.
Im
September wird eine angeschwemmte Matrosenleiche mit militärischen Ehren
bestattet.
Ob es sich
um ein Kriegsopfer oder Unfallopfer handelt, kann nicht geklärt werden.
Adolf Friedrich VI, Herzog von Mecklenburg-Strelitz,
begeht Selbstmord.
Großherzog
Friedrich Franz IV von Mecklenburg-Schwerin verwaltet als Verwandter
des
letzten Herzogs der Strelitzer Linie nun auch den Landesteil
Mecklenburg-Strelitz.
1915
An den
westlichen Cottages werden Veränderungen an den Veranden vorgenommen und es
erfolgen Begrünungen vor den Villen.
Im Hotel "Erbgroßherzog" in der Alexandrinenstraße (heute Mollistraße) wird
ein Kino eingerichtet.
Möckel geht in den Ruhestand
und stirbt im selben Jahr im Alter von 77 Jahren. Seine Frau bewohnt das
Haus weiterhin.
1918
Am
04.08.1918 wird das Hoflager samt der zeitweiligen sommerlichen
Gendarmeriestation aufgelöst.
Der 1.
Weltkrieg ist hier zu Ende. Am 11.11.1918 um 11 Uhr schweigen die Waffen
auch in den restlichen Kriegsgebieten.
Das Gymnasium verzeichnet schwere Verluste: 6 Lehrer und 111 Schüler starben
im ersten Weltkrieg.
Eine Gedenktafel wird eingeweiht und mit Horaz´ Worten versehen: "Dulce et
decorum est pro patria mori".
Die Novemberrevolution hat auch Mecklenburg erreicht.
Großherzog
Friedrich Franz IV dankt vier Tage nach dem Kaiser am 14.11.1918 als letzter
deutscher Monarch ab.
Die
Familie emigriert nach Dänemark. Vorher bestimmt der Großherzog aber noch
seinen Sohn Christian Ludwig als Nachfolger, falls die Monarchie zurück
kommt.
Der
Arbeiter- und Soldatenrat besetzt die Häuser in Heiligendamm und zur
Bewachung werden die vor drei Monaten abgezogenen Soldaten eingesetzt.
Mehrere Wochen lang streiten sich verschiedene Ämter, wer die Kosten für die
Mannschaft trägt.
Letztlich
darf die herzogliche Familie ihre Sommerresidenz behalten und muss selbst
dafür aufkommen.
1919
In
Doberan wird mit der industriellen Förderung von Mineralwasser aus der Glashäger Quelle
bei Hohenfelde begonnen.
Der
Doberaner Rechtsanwalt Fritz Knaack befasst sich in verschiedenen Belangen
mit der Ostseebad Heiligendamm GmbH und erkennt deren Dilemma. Heiligendamm
kann ohne die Unterstützung Doberans nicht mehr leben aber andererseits kann
Doberan sich sein Nobel-Anhängsel nicht mehr leisten und musste selbst genug
unter der Autarkie Heiligendamms leiden.
Mit der Erschließung des Wohngebietes "Parkentiner Weg" will man Familien dazu
bringen, Häuser zu bauen und sich niederzulassen. Es entsteht
dort ein Wohngebiet mit 49 Häusern.
Gerhard Ringeling (1887-1951) wird Lehrer für Deutsch, Englisch und
Geschichte am Friderico-Francisceum zu Bad Doberan.
1920
Die kleine
Kommune Heiligendamm kann ihrem Verfall nicht mehr entgegenwirken, weshalb
31 Bürger des Bades einen Antrag auf Wiedervereinigung mit Doberan stellten. Dieser wurde wegen der eigenen Schwierigkeiten
kurzerhand abgelehnt.
Oberst
Albert von Voss gründet den "Sportverein Heiligendamm".
Das
Amtsgericht ist misstrauisch, muss aber den Eintrag vornehmen.
In der Nacht
zum 25.07.1920 wird der Verein als Spielhölle enttarnt, die Spielbank
aufgehoben und das Spielgeld beschlagnahmt.
Die Louis
Wolff KG besitzt nun die Aktienmehrheit im Wert von 492.000 Mark, geht aber
mit wechselnden Geschäftsführern in den Ruin. Auch das
Stahlbad in Doberan wird verkauft. Es geht an die Berliner Ortskrankenkasse.
Nach dem Niedergang der Monarchie werden auch die Güter der Monarchen
verstaatlicht oder verkauft.
Die Molli samt Fuhrpark und Bahnhöfe geht an die Deutsche Reichsbahn.
Doberan wird
Bad.
1921
Doberan
feiert das 750. Jubiläum und erhält den Namenszusatz "Bad".
Eine Straße
wird nach Severin benannt und ein Gedenkzimmer im Palais mit
großherzoglichen Leihgaben eingerichtet.
Mit der
Anerkennung als Bad erhofft man sich einen neuen Aufschwung.
Um den
Status noch zu unterstreichen, eröffnet mit der Sparkasse Bad Doberan die
erst Bank dieser Art.
1922
Der
Rennbetrieb der Pferderennbahn wird wieder aufgenommen.
Im
Ortsteil Walkenhagen entsteht eine Chemiefabrik.
Die Bilanz
der Louis Wolff KG beläuft sich zum 31.12.1922 auf Minus 4.031.019,81 Mark
und Bankschulden in Lübeck zu 4.698.690,43 Mark. Dem gegenüber stehen 2,5
Mio. Mark aus dem Wert der Grundstücke, dem Inventar und den Aktienanteilen.
Im August wendet sich die Ostseebad Heiligendamm GmbH an die Regierung, um die Schulden
wenigstens zu stunden.
1923
Die
Inflation ist vorbei.
Baron
Oskar von Rosenberg zeichnet für eine Treuhandvereinbarung Berlin 225.000
Goldmark, Kurt Kramer in Vertretung für die Berlinsche Bodengesellschaft
150.000 und der Doberaner Rechtsanwalt Fritz Knaack für die
Grunderwerbsgesellschaft Berlin mit 225.000 Goldmark. Mit 600.000 Goldmark
werten die drei neuen Gesellschafter die GmbH auf.
1924
Das
Hotel "Fürstenhof war leer geräumt und sollte abgerissen werden aber man
überlegte es sich und wollte Alte oder "Schwachsinnige" einquartieren. Die
GmbH protestierte aus Furcht um Beeinträchtigungen für die Gäste, dennoch
wird der Fürstenhof zum Altersheim.
Östlich des
Ensemble entsteht auf 25 ha ein traumhafter 9-Loch-Golfplatz.
Dr. Carl Reuter tritt die Nachfolge Dr. Carl Lüths als Direktor des
Friedrich-Franz-Gymnasiums an.
1925
Der
bisherige Schießstand wird auch technisch durch einen Tontauben-Schießstand
ersetzt.
Das Bad
bekommt eine Hausfeuerwehr, Warmwasserleitungen, Elektrizität, Kanalisation
und neue Bäder.
Die
Sportstätten werden erneuert und Buhnen in die See gerammt. Ein Golfplatz
wird angelegt.
Fritz Knaack
übernimmt die Geschäftsleitung für die GmbH und bekommt eine
Schlüsselstellung.
Hinter den
Kulissen kontrolliert
Baron Rosenberg mit seiner O.A. Rosenberg Zürich alle Anteile und verschiedene
Gesellschaften und vorgeschobene Gesellschaften.
Ihm ist es letztlich zu verdanken, dass das Seebad den Verfall durch
Inflation und Krieg entkommt.
Es wird ein
Aufsichtsrat gebildet, in dem auch Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg
sitzt, der später auch Vorsitzender des Rennvereins und des Golfvereins
wird.
Der Herzog hat großen Anteil an der Entwicklung, während der Geldgeber Baron
Rosenberg nie in Erscheinung tritt und über ihn
geschwiegen wird. Dennoch wird schnell klar, dass Heiligendamm durch einen
sehr reichen jüdischen Österreicher gerettet wurde.
1926
Der
25 ha große Golfplatz wird nach einjähriger Bauzeit eröffnet. Damit will man den
gehobenen Ansprüchen gerecht werden.
Neben dem
Golf können sich die Gäste beim Tennis, Tontaubenschießen, Segeln, Rudern
oder mit dem Dampfer nach Warnemünde,
Arendsee und Brunshaupten fahren. Auch Leihwagen und ein elegantes Motorboot
stehen zur Verfügung.
Der nicht mehr benötigte Marstall (später "Palette" wird von Otto Kirchgeorg
in ein Restaurant mit Logierzimmern umgebaut.
Krieg's Hotel wird zum vereinseigenen Kaufmannserholungsheim umgestaltet und
eröffnet mit einer Filiale neben dem Kinderheim.
Die Seebad
Heiligendamm GmbH hat eine Minusbilanz von 10.589 Mark und über 2 Mio. Mark
Schulden, wovon 1,5 Mio. bei Rosenberg und der Rest bei der Dresdner Bank
steht, wo Rosenberg eine Bürgschaft übernommen hatte.
In Bad Doberan wird das Wohngebiet am Althöfer Weg mit 28 Häusern angelegt.
Möckels Frau stirbt und die Stadt bekommt das Haus
Möckels.
1927
Reichspräsident Paul von Hindenburg weilt auf Einladung von Herzog Adolf
Friedrich in Heiligendamm.
Dieses Ereignis spült 56.000 Mark in die Kassen der GmbH.
In Bad Doberan lassen sich endlich mehr Leute nieder.
Das macht den Bau eines Wasserturms auf dem Tempelberg und einen Bau von
Wasserleitungen in der ganzen Stadt nötig.
Erstmals werden auch vier Mädchen in das Gymnasium - bis dahin eine reine
Jungendomäne - aufgenommen.
Inzwischen ist das Gymnasium im ganzen Land sehr angesehen. 216 Schüler
besuchen es - davon 39 aus Mecklenburg und 6 außerhalb des Landes. Der Rest
wohnt in Doberan. Untergebracht sind die Schüler von außerhalb in
Fremdenzimmern der Villen Doberans.
1928
Herzog
Adolf Friedrich organisiert ein Treffen der Ozean-Flieger Hauptmann Herrmann Köhl und Günther Freiherr von Hünefeld,
die mit ihren Maschinen auf der Rennbahn landen und von Großherzog Friedrich
Franz IV und seiner Gattin Alexandra unter
Einbeziehung der Öffentlichkeit empfangen werden. Auch dieses Engagement
Herzog Adolf Friedrichs füllt die Kassen des Bades.
1930
Gegen
den Pächter des Bades, Bruno Pagel (Besitzer des Sporthotel Oberwiesenthal)
wird das Konkursverfahren eingeleitet.
Neuer Pächter wird die Baugenossenschaft des Deutschen evangelischen
Volksbundes eGmbH aus Mühlheim an der Ruhr.
Die vielen
Umbaupläne veranlassen den Landesdenkmalpfleger Adolf Friedrich Loren, das
Kurhaus mit den Villen und dem Umfeld unter Denkmalschutz zu stellen. Das
geschieht mit dem Beschluss vom 28.04.1930.
1931
Der
Pächter meldet Konkurs an und Günter Siegert übernimmt die Leitung des
Badebetriebes mit 400 Zimmern mit 500 Betten.
Bis 1939
kamen hohe Gäste nach Heiligendamm:
Neben den bereits aufgezählten kamen
Rainer Maria Rilke,
Marcel Proust,
Königin Luise von Preußen, Wilhelm von Humboldt,
Lord Nelson, Joseph Goebbels, Hermann Göring, Adolf Hitler und Benito
Mussolini.
Zar
Nikolaus I war entgegen der Gerüchte nie in Heiligendamm.
Es liegt eine
Verwechslung mit Maria Alexandrowna Romanowa vor.
1932
In den Landtägen Mecklenburgs und
Thüringens entstehen bei den Landtagswahlen nationalsozialistische
Mehrheiten.
Bad Doberan verleiht als erste deutsche Stadt
Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde.
In
seiner Begleitung befindet sich Benito Mussolini, der italienische "Duce del Fascismo".
Durch eine Notverordnung werden ausländische
Konten gesperrt.
Herzog Adolf Friedrich wird von den Nazis
bedrängt, den Vorsitz im Aufsichtsrat niederzulegen, da es sich bei diesem
Unternehmen um eine "wenig arische Angelegenheit" handelt. Er lehnt dies ab.
Oberstudiendirektor Dr. Carl Reuter wird wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD an
eine andere Schule versetzt.
Trotz Demonstrationsverbot durch die SA zeigen Schüler des Gymnasiums auf
einer Protestveranstaltung Solidarität mit ihm.
Der Protest nützt nichs: Helmuth Gaedt neuer Direktor des
Friedrich-Fanz-Gymnasiums.
Die Landesregierung in
Mecklenburg-Schwerin richtet für Hermann Wirth das Forschungsinstitut für
Geistesurgeschichte ein.
1933
Die Gesellschafter der Ostseebad Heiligendamm
GmbH sehen sich massiv durch die neuen Machthaber bedrängt und warnen sie in
einem Schreiben vor den Konsequenzen eines Wegfalls der Unterstützung durch
Baron Oskar Adolf von Rosenberg:
„Die GmbH wird lediglich finanziert
von der O. A. Rosenberg & Co. Zürich.
Sie bedarf jährlich
erheblicher Zuschüsse, da die hereinkommende Pacht nicht einmal die Grund-
und Mietzinssteuer deckt. Wir sind also lediglich auf die Gutwilligkeit
eines ausländischen Geldgebers angewiesen.“
(Quelle: Wikipedia)
Ab 1933 besuchen Max Schmeling, Pola Negri
und Hans Albers oft Heiligendamm.
1934
Das Möckelhaus wird zum Bädermuseum.
1935
Die GmbH schreibt 220.000 Mark Verluste.
Baron Rosenberg tilgt aber trotz der Notverordnung weiterhin 34.000 Mark
jährlich.
Die Notverordnung sollte es eigentlich
Nicht-Deutschen unmöglich machen, über deutsche Konten zu verfügen.
Zwar wohnt Rosenberg in Österreich und damit im
Deutschen Reich aber er ist Jude und damit kein Deutscher.
Es ist nicht bekannt, wie er die Verordnung
umging.
Ein gewisser J. Lange eröffnet im Schützenhof (heute: Maxim-Gorki-Platz) ein
Lichtspieltheater mit 200 Plätzen.
1936
Das Bad zählt 12.780 Gäste, schreibt aber wieder
220.000 Mark Verluste.
Das alte flache Bahnhofsgebäude im
mecklenburgischen Fachwerk-Stil wird in ein modernes Gebäude im Stil des
Postklassizismus umgestaltet und somit an den in Heiligendamm
vorherrschenden Baustil angepasst. Es erhält eine blaue Inschrift
"Heiligendamm".
Am 01.04.1936 wird der Grundstein für ein
Verwaltungsgebäude gelegt.
Heiligendamm wird mit Bad Doberan
wiedervereinigt.
Das Bad wird zum KdF (Kraft durch Freude) Bad
und nimmt nun auch Normalverdiener auf.
Der Doberaner Gymnasial-Lehrer Gerhard Ringeling veröffentlicht die
Abhandlung "Doberan mit seinem Seebad Heiligendamm".
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Heiligendamm
im Dritten Reich.
Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wäre das Bad zunächst fast pleite gegangen.
Ausgerechnet ein Jude und ausgerechnet wohnhaft in Hitlers österreichischen
Heimat war es, der vorbei an Judenverfolgung, Notverordnung und gesperrten
Konten Geld nach Heiligendamm pumpte und die Gläubiger der desolaten
Aktiengesellschaft über Jahre befriedigte. Oskar Adolf Baron von Rosenberg
war der heimliche Retter hinter den Kulissen. Aber alles Bitten der
Gesellschafter half nichts: Die Nazis wollten Baron von Rosenberg enteignen
und als er dies erfuhr, nahm er sich in seiner Villa Rosin das Leben. Bis
dahin gaben sich die Großen des Deutschen Reiches die Klinke in die Hand:
Hans Albers, Max Schmeling und schließlich auch Nazi-Größen wie Hermann
Göring und schließlich der Führer persönlich. Rüstungspionier Heinkel und
Gauleiter Hildebrandt richteten sich häuslich in Heiligendamm ein und Hitler
prahlte vor dem Duce Benito Mussolini mit dem prominenten Badeort, dessen
Ehrenbürger er seit 1932 war und das er nur über eine der schönsten Alleen
Deutschlands erreichte, die überdies auch noch seinen Namen trug: Die
Adolf-Hitler-Chaussee.
Doch
ein Fürstenbad in einem Reich, in dem jeder gleichwertig sein sollte, passte
nicht in das Bild des Nationalsozialismus.
Das Bad ging an die KdF und wurde zum Ferienheim für das deutsche
Arbeitervolk, bis es dann die Deutsche Reichsmarine beschlagnahmte, um es für
den bevor stehenden Krieg als Reservelazarett für Seekadetten einzurichten.
Adolf Hitler persönlich wählte Heiligendamm als Standort
einer von zehn reichsweiten Adolf-Hitler-Schulen aus.
Für diese Eliteschule
wurden Bäume gerodet zwei Straßen gebaut, zwei riesige Baugruben
ausgehoben und schließlich auch ein Grundstein gelegt. Kurz darauf begann der Krieg
und die Bauarbeiten wurden mangels Arbeitern und Material wieder eingestellt.
Heute erinnern nur
noch das Stück Asphaltstraße zum Parkplatz am Kinderstrand, der Wall am Ende
der Straße, die Aushebungen und der Grundstein mitten im Wald an das ehrgeizige Vorhaben.
Heiligendamm blieb ein monströses Bauwerk im römischen Stil erspart.
Auch einen Bombenhagel auf das Ensemble gab es nicht aber dafür wurden die Gebäude dicht belegt zuerst mit
Kadetten und dann mit Flüchtlingen. 1941 verlor die Weiße Stadt am Meer ihr
Gesicht und verschwand im Grün des Waldes. Für den Rest an grüner Farbe sorgte dann die dichte Militärbelegung.
Am Tag des zweihundertsten Geburtstages ließ ein britisches Bombengeschwader
auf dem Rückzug aus Rostock ihren Ballast ab. Etwa 100 Bombenkrater im
Kleinen Wohld zeugen heute noch vom traurigsten Jubiläum des ersten
deutschen Seebades.
Aber auch positive Veränderungen erfuhr Bad Doberan im Dritten Reich. 1936
wurden Bad Doberan und Heiligendamm wiedervereinigt und der fast wie ein
Fremdkörper wirkende kleine mecklenburgische Bahnhof mit seinen roten
Klinkern und braunem Fachwerk wird an das Ensemble angepasst und erstrahlt
fortan in weiß und blau, wie das Kurhaus.
Bad Doberan selbst profitierte vom Wachstum der Rostocker Rüstungsindustrie.
Mit den Heinkel-Werken in Marienehe wuchs auch das Wohngebiet am Althöfer
Weg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes, der die direkte Verbindung der
Heinkel-Arbeiter nach Rostock darstellte. Doch blieb Bad Doberan auch von
den dunklen Seiten der Aufrüstung nicht verschont. Auch hier gab es Lager
für Zwangsarbeiter und Gefangene, sowie ein Forschungsinstitut für
Geistesurgeschichte, welches vom selbst unter Kollegen umstrittenen
nationalsozialistischen Pseudo-Wissenschaftler und Antisemiten Hermann Wirth
geleitet wurde.
Das Postkarten-Bild des Godewind-Verlages zeigt
das Ensemble anno 1925, hier schon mit einer dampfertauglichen Seebrücke. Allerdings hat man
in Sachen Küstenschutz auch nach 130 Jahren noch nichts dazu gelernt. Das Wasser kann hier
ungehindert schon bei leichten Sturmfluten bis auf die Promenade vordringen. Auffällig am Haus
"Mecklenburg" ist die später nicht mehr
vorhandene und heute nicht mehr rekonstruierte
fachwerkartige Holzverzierung der Erker. Sie sind nach wie vor vorhanden,
werden aber weiß übertüncht, wie es schon in Bad Doberan beim Logierhaus
(Friedrich-Franz-Palais) praktiziert wurde.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan
und Heiligendamm finden Sie hier.
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1937
Das Bad zählt über 15.000 Gäste aber auch in
diesem Jahr belaufen sich die Verluste nur noch auf 158.000 Mark.
Nun allerdings ist es Baron von Rosenberg nicht
mehr möglich, weitere Tilgungen vorzunehmen.
Am 15.01.1937 verfügt Adolf Hitler über den Bau
einer Adolf-Hitler-Schule im Kleinen Wohld.
Heiligendamm ist über Straßen, Schienen und
Seewege erreichbar und die Buchten des Waldes eignen sich zur Verbindung mit
den Kultstätten.
In Bad Doberan findet der erste Niederdeutsche
Dichtertag statt.
Dr. Willi Brandt wird neuer Direktor des Friedrich-Franz-Gymnasiums.
1938
Heiligendamm war als eine von zehn deutschen
Gauen auserkoren,
in denen "Adolf-Hitler-Schulen" als
"Pflanzstätten bester deutscher Führer" entstehen sollten.
Die Grundsteinlegung hierzu erfolgt am
15.01.1938 bei strömenden Regen, eisiger Kälte und schneidenden Nordostwind
mit durchgeweichten Stiefeln im schlammigen Lehm bei einer nicht enden
wollenden Rede des Gauleiters.
Zu den Bauarbeiten kommt es nicht und nur der
ein Kilometer kurze teilasphaltierte Weg zum Kinderstrand , sowie riesige
Aushebungen und der Grundstein im Wald erinnern heute an
das ehrgeizige Bauvorhaben.
In der Aula des Gymnasiums müssen sich die Schüler eine vierstündige
Radio-Rede Adolf Hitlers zur Angliederung Österreichs anhören. Ein Drittel
der Lehrer des Gymnasiums sind Mitglieder der NSDAP.
Der Badebetrieb kommt mit dem Kriegsbeginn wie
vor 25 Jahren schlagartig zum Erliegen.
Nur in Bad Doberan wird bis zum Kriegsbeginn
fleißig gebaut.
Die Wohngebiete am Parkentiner Weg und Althöfer
Weg werden vollendet.
Der Lichtspielbesitzer Johannes Lange kauft die
Büdnerei 58
mit der Adresse Am Kamp 4 (Severinstraße 4 -
Kino) in Bad Doberan.
Heiligendamm wird grün.
1939
Die Büdnerei 58 soll "niedergelegt" werden, um
einem Wohnhaus mit Lichtspieltheater zu weichen.
Statt dessen erfolgt durch Lutz Elbrecht ein
Umbau zu einem Kino mit 400 Plätzen.
Kurz darauf eröffnet das Hansa Lichtspieltheater Bad Doberan. (Heute:
Kamp-Theater)
Das Bad wird im August 1939 für Heereszwecke
beschlagnahmt und zum Reservelazarett erklärt.
Der Badebetrieb wird beendet.
Baron Oskar
Adolf von Rosenberg nimmt sich in seiner Villa "Rosin" im
niederösterreichischen Kaumberg das Leben.
Als Grund
wird Verzweiflung angeführt. Rosenberg war es nicht gelungen, sein Vermögen
in Heiligendamm vor der Beschlagnahmung abzuziehen. Die Villa
"Rosin" wird von der Dresdner Bank versteigert.
Ernst Heinkel, Besitzer der Rüstungswerke (u.a.
auch in Rostock) kauft die Villa "Sporn" und nennt sie zeitgemäß in
"Eikboom" um. Auch Gauleiter Friedrich Hildebrandt sichert
sich ein Sommerhäuschen.
Das Haus Bischoffstab wird im Herbst 1939 an den
"Kameradschaftsbund Deutscher Polizeibeamten e.V. verkauft.
Dem ist der Name wohl etwas suspekt. Jedenfalls
benennt er das Haus in "Haus Doberan" um.
In
Doberan entsteht am Althöfer Weg eine große Wohnanlage für Arbeiter der
Ernst-Heinkel-Flugzeugwerke in Rostock.
Althof wird am 01. April 1939 eingemeindet.
1941
Das Ensemble wird im August 1941 von der Ostseebad Heiligendamm GmbH für 1,7
Mio. Mark an die Reichsmarine verkauft und zur Reichskadettenschule
umfunktioniert. Das Geld erhält die Dresdener Bank, die damit die
Belastungen aus den Hypotheken
gerade so tilgen konnte. Formaljuristisch ist die Liquidation nie zum
Abschluss gekommen, weil sie Kriegsereignisse dieses
komplizierte Verfahren unmöglich machten.
1942
Günter Siegert ist nun nicht mehr Pächter
Heiligendamms und kauft in Prag das Hotel "Alcron".
Die Gebäude erhalten nach Beschluss vom
20.02.1942 einen Tarnanstrich in dunklen Farben.
Aus der Luft sind sie kaum vom sie umgebenden
Wald zu unterscheiden.
Die Alliierten Bomberverbände verschonen jedoch
die ländliche Gegend und konzentrierten sich
bei den Bombardements auf die durch Flüchtlinge
überbevölkerte Hansestadt Rostock mit der Rüstungsindustrie,
wie der Werft und den Flugzeugwerken Arado und
EHAG (Ernst Heinkel AG) und dem Flugplatz, welcher nach der Zerstörung des
Flughafens Berlin-Tempelhof bis zum 30.04.1945 noch als Verkehrsflugplatz
der Lufthansa nach Dänemark, Schweden und Norwegen dient.
Am Althöfer Weg in Doberan entstehen
Behelfsheime.
Der Rohbau des Kamp-Theaters ist fertig.
1943
Seekadetten ziehen in die Gästewohnungen ein.
Durch die schweren Bombardements haben viele
Rostocker ihre Wohnung verloren und werden in Heiligendamm einquartiert.
Auch der Marstall und Garagen werden benutzt,
sodass es sehr eng wird.
Die
Seehospiz wird gegen eine Abfindung von 26.000 Mark aufgelöst und die
Auflagen Vogels werden aus dem Grundbuch gestrichen.
Am 26.07.1943 fallen zum 150. Jubiläum 8 Bomben
auf den Gespensterwald.
Ein Soldat stirbt, eine Frau wird schwer
verletzt und in Heiligendamm bersten die Fensterscheiben.
Bombenabwürfe auf Wälder sind nicht ungewöhnlich
und werden vorgenommen, wenn ein Bomber von einem Abfangjäger angegriffen
wird und sich zurückziehen muss. Sie dienen der Gewichtsentlastung. Im
Kleinen Wohld finden sich etwa 150 Bombenkrater.
1944
Im Februar treffen 120 Flüchtlinge aus den
östlichen Gebieten ein und werden in durch Engerbelegung freiwerdende Villen
untergebracht. Die Engerbelegung betrifft die Kadetten. Der Kommandant haust
im Alexandrinencottage und verzichtet dort auf eine Engerbelegung.
Aus dieser Zeit gibt es einen Augenzeugenbericht
aus der eigenen Familie.
Meine Oma kam in der Nähe von Soldin, im
damaligen Pommern zur Welt und die Familie musste 1944 vor den russischen
Übergriffen flüchten. Sie wurde zunächst in den linken Flügel der späteren
FAK in der obersten Etage einquartiert.
Meine Oma erinnerte sich, dass es zwar Öfen aber
keine Schornsteine gab und die Rohre durch Löcher in der Wand nach draußen
geleitet wurden. Das Zimmer war stets verqualmt, was ihre Mutter einmal
ausnutzen wollte, um ihr Leben zu beenden.
Die Kinder entdeckten dies rechtzeitig und ein
Nachbar brach die Tür auf. Der Grund für diese Entscheidung und andere
erschütternde Ideen war der anhaltende Hunger. Gegessen wurden Suppen aus
Rübenblättern und Brennnesseln.
Wer beim Klauen erwischt worden wäre, hätte mit
harten Strafen rechnen müssen und da der Ort mit Militär voll gestopft war,
konnte man nicht einmal an Diebstahl denken.
Nach 1945 gab es dann Lebensmittelmarken und sie
lernte meinen Opa kennen, dessen Familie sich mit dem Hof soweit selbst
versorgen konnte, dass sie der künftigen Schwiegertochter Brotmarken abgeben
konnte. Zu der Zeit war ihre Familie in die Gartenstraße 38 umgezogen und
von dort aus zog das junge Ehepaar nach Neu-Hohenfelde und später nach
Ivendorf und nahm die Mutter mit, während sich die Geschwister in der
näheren Umgebung niederließen. Flüchtlinge aus Böhmen-Mähren und dem
Sudetenland kamen überwiegend in Viehwaggons und kamen daher eher in
Doberan, Rostock und Graal-Müritz unter.
Dies betraf z.B. meine Großeltern von der
väterlichen Seite.
1945
Am 02.05.1945 erreicht
die Rote Armee Bad Doberan.
Die Doberaner H. Grünberg, P. Schlünz und K.
Bartsch gehen angeführt durch den Direktor Brandt den Rotarmisten mit einer
weißen Fahne entgegen. Sieben Lehrer und 165 Schüler fielen dem zweiten
Weltkrieg zum Opfer.
Das mit der dreifachen Einwohnerzahl an Flüchtlingen voll gestopfte
Bad Doberan wird der Roten Armee kampflos übergeben und bleibt daher
zumindest von Zerstörungen verschont. Vor den üblichen - von Stalin
eigentlich verbotenen - Verbrechen der Roten Armee, wie Plünderungen,
Verschleppungen und Vergewaltigungen bleibt auch die mecklenburgische
Kleinstadt nicht verschont.
Ein paar Stunden später marschieren die
Rotarmisten auch in Heiligendamm ein und belegen die Gebäude.
Schon bald ziehen sie aber weiter.
Gemäß den Anordnungen müssen militärisch genutzte
Einrichtungen in Deutschland und Österreich vernichtet
werden, womit eine Berliner Firma nach dem Abzug der Rotarmisten begann.
Sämtliche Versorgungsleitungen in den Gebäuden, die
Zentralheizung und die Elektrik wurden herausgerissen und abtransportiert.
Mangelnde Dienstaufsicht der Stadt Bad Doberan, ungeeignete Wachposten u.a. sorgten
dafür, dass die Gebäude vollständig geplündert wurden. Die Dächer waren
allerdings bereits enorm beschädigt und die Kanalisation versagte. Das Dach
der Burg war abgebrannt. Eine Nutzung war dadurch ohnehin nicht richtig
möglich. Dennoch blieben Flüchtlinge im Ort, wo es nur möglich war.
Am 01.10.1945 eröffnen die Schulen in Bad
Doberan wieder. Zunächst wie gehabt als Gymnasium und Volksschulen.
Das Stahlbad nimmt die Eisenbäder und Trinkkuren aus dem Programm und heißt
von nun an "Sanatorium Moorbad".
Ein neuer Anfang.
1947
Im Juni 1947 beschließt die Landesregierung ,
alle Gebäude, die sich nicht in privater Hand befanden, der
Sozialversicherungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern zu Genesungszwecken zur
Verfügung zu stellen. Für das Kurhaus wird eine besondere Denkmalpflege
angeordnet.
Auch die großherzoglichen Villen gingen - da
enteignet - an die Anstalt.
Dagegen wehrte sich die Großherzogliche
Vermögensverwaltung im Namen Herzog Christan Ludwigs bereits 1946 mit einem
Restitutionsanspruch, was von den Medien zu einem Propagandafeldzug benutzt
wurde. Die SMAD hatte allerdings mit dem Befehl 124 das Gut als herrenloses
Gut deklariert.
Im
Dezember 1947 beginnen die Bauarbeiten unter Leitung von Lutz Elbrecht und
dem Stellvertreter Adolf Kegebein.
Ein Bauausschuss auf
Landesebene, zu dem auch Landtagspräsident Carl Moltmann gehörte, brachte
seine Möglichkeiten wirkungsvoll ein. Allerdings mangelte es an Material und Banditen
stahlen immer wieder Material und bereits verbaute Gegenstände.
Gerhard Ringeling verlässt das Doberaner Gymnasium und geht in den
Ruhestand.
Durch die Schulreform gibt es nun statt Volksschulen und Gymnasien nur noch
die Polytechnische Oberschule und die Erweiterte Oberschule. Auch die
Geschlechtertrennung entfällt. Die Klassen 1 bis 5 der Mädchenschule werden
in die Oberschule eingegliedert.
Das Friedrich-Franz-Gymnasium wird in "Goethe-EOS" umbenannt.
1948
Architekt Kegebein übernimmt die Wiedernutzbarmachung
der Burg. Ein Wiederaufbau kam finanziell nicht in Frage.
Die Kur- und Erholungsstätte für Werktätige"
empfängt im Herbst die ersten 40 "Aktivisten aus Mecklenburg".
Zum Anfang dient das Bad der Vorbeugung und
Genesung, später bietet es dann auch Heilkuren an und etabliert damit zum
Sanatorium.
Der
Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) wird gegründet
und nimmt das Sanatorium unter seine Obhut.
1949
Die Zahl der Bauarbeiter wird von 200 ab
300 erhöht. Im Februar 1949 wird Herr Böttge als Kur- und
Verwaltungsdirektor eingesetzt.
Im Mai werden die Großküchen in Betrieb genommen
und 140 Gäste verweilen in der Kurstätte.
Der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) werden
zwei Gebäude zur Verfügung gestellt.
Am 15.08.1949 wird ein Teil des
Kurhauswohnflügels mit 100 Betten übergeben.
Das Soll für dieses Jahr liegt bei weiteren 250
Betten.
Ein Säulengang soll Kurhaus und Grand Hotel
verbinden, bleibt aber unrealisiert.
Am 01.03.1949 zerstört eine Sturmflut östlich
des Fritz-Reuter-Hauses (Bischofsstab) auf 140 Meter den Dammweg und
überflutet durch einen Bruch im Steindamm den Platz bis zum Golfhaus und
Max-Planck-Haus. Telefonleitungen und die Hälfte der Seebrücke werden
weggerissen.
Am 02.03.1949 versucht man, den Dammbruch zu
beheben.
Steine liegen meterhoch auf der Seedeichstraße
und Trümmer der Seebrücke sind in der See bis zur Jemnitz-Schleuse gedrückt
worden. Am Nachmittag drückt der Sturm das Wasser wieder über den Damm und
schleudert Steine auf das ganze Gelände. Bäume knicken reihenweise ab und 26
starke Buchen fallen um.
Am
27.05.1949 wird das KWU (Kommunale Wirtschaftliche Unternehmen) in Bad
Doberan gegründet.
Am 15.06.1949 übergibt die SV das
"Max-Planck-Haus" (Residenz-Hotel) dem Förderausschuss für
Geisteswissenschaften.
Am 05.10.1949 wird die Jugendherberge auf dem
Bad Doberaner Tempelberg eröffnet-
Am 12.12.1949 tobt ein weiterer Sturm, zerstört
aber diesmal nur Montagebalken für den Buhnenbau und beschädigt die
Promenade. Die Seebrückenkonstruktion bricht unter der Last zusammen und
Heiligendamm verliert seine Seebrücke für die nächsten fünf Jahrzehnte.
Die Burg Hohenzollern ist inzwischen wieder
nutzbar. Kegebein hat ihr einfach ein Walmdach aufgesetzt.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden
Sie hier.
1950
Prof. Friedel Liebscher liefert den Entwurf
eines Reliefs, welches im Empfangsgebäude (Haus Berlin - Grand Hotel)
angebracht werden soll. In den 60er Jahren wird das Relief wegen
Umbauarbeiten wieder entfernt.
Der Golfplatz soll wieder aufgebaut werden aber
das Land ist bereits im Zuge der Bodenreform der landwirtschaftlichen
Nutzung zugeführt worden, was aus politischen Gründen nicht wieder
rückgängig gemacht werden kann.
Durch das Wirken des DWK gehen die Arbeiten in
Heiligendamm zügig voran.
Die Häuser werden wieder umbenannt.
Das Haus "Bischofstab", inzwischen "Doberan"
wird in "Fritz-Reuter-Haus" umbenannt, die "Perle" zum "Maxim-Gorki-Haus",
das Kurhaus "Haus Mecklenburg", das Demmler-Palais "Rosa Luxemburg, das
Alexandrinencottage "Weimar", das Kronen-Cottage "Magdeburg" und auch Karl
Liebknecht und Käthe Kollwitz wurden zu Namensgebern.
Der Dichter und Schriftsteller Ehm Welk (Die
Heiden von Kummerow) wohnt seit 1950 bis 1966 in Bad Doberan.
Wilhelm Dethloff tritt die Nachfolge des legendären Schuldirektors an der
Goethe-EOS an.
Die "Burg Hohenzollern" ist wieder bezugsfertig.
Sie wurde nicht wieder aufgebaut, sondern nur wieder nutzbar gemacht.
Da allerdings der gesamte Dachstuhl vernichtet
war, kann man von einem Neubau sprechen. Er erhält den Namen "Glück auf" und
steht vornehmlich Bergleuten mit Lungenkrankheiten- oder Schäden zur
Verfügung.
1951
Ein mecklenburgisches Friedenskomitee lädt
Jugendliche und Frauen aus West-Berlin ein, die sich für die Ächtung der
Atombombe eingesetzt haben und dafür inhaftiert worden waren. Sie können
sich erholen und bleiben und erfahren später eine besondere Förderung.
Der langjährige Doberaner Gymnasial-Lehrer Gerhard Ringeling stirbt im Alter
von 64 Jahren.
1952
Die Verwaltungsreform in der DDR führt zur
Auflösung der Länder.
Mecklenburg wird in die Bezirke Rostock,
Schwerin und Neubrandenburg zerlegt.
Bad Doberan wird Kreisstadt des Kreises Bad
Doberan im Bezirk Rostock.
Arthur Bengelstorff wird neuer Direktor an der Goethe-EOS
1954
Lutz Elbrecht legt einen Entwurf zum
Wiederaufbau der Galopprennbahn vor. Dieser wird abgelehnt.
Heiligendamm hat fast 12.000 Kurgäste, die alle kostenlos versorgt werden.
Die Kosten dafür belaufen sich auf 2,5 Mio. Mark.
Die Erholungsstätte hat 230 Mitarbeiter und der
Wiederaufbau hat bis 1954 sieben Millionen Mark verschlungen.
Eröffnung der Fachhochschule für Angewandte
Kunst (FAK) in Heiligendamm. In den Sommer-Semesterferien dient sie als
Ferienlager für Berliner Schüler und Schüler aus der CSSR und vom Domowina
organisierte Ferienlager sorbischer Schüler.
Die vom Maler Prof. Werner Laux errichtete FAK
wird durch den Bildhauer Reinhard Schmidt geleitet und ist von Wismar hier
her gezogen, weil hier genug zusammenhängender Platz für Werkstätten,
Labore, Unterrichtsräume und Internate ist.
Als Standort der Fachschule dienen das Kinderheim und das ehemalige Hotel
Danker, welche miteinander verbunden werden.
(Heute: Bürogebäude der ECH, ECW und des Golf Ressorts Wittenbeck,
Kühlungsborner Str. 58)
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden
Sie hier.
1955
Neben den vorbeugenden und Genesungskuren werden
auch Heilkuren eingeführt.
Erweiterungsbauten werden geplant.
Die Fachabteilung für Hautkrankheiten entsteht
in drei Häusern mit zusammen 88 Betten.
Vorder Bollhagen wird eingemeindet.
Im Hof der Erweiterten Oberschule (ehem. und heutiges
Friedrich-Franz-Gymnasium) wird mit mit Hilfe von Lehrern und Schülern dem
Bau eines Institutsgebäudes begonnen.
1956
Eine Abteilung zur Heilung von unspezifischen,
nicht-tuberkolosen Krankheiten entsteht.
In Bad Doberan wird das Gymnasium erweitert.
1956
Es wird mit dem Bau der MTS-Siedlung am
südlichen Bad Doberaner Stadtrand begonnen.
1957
Das Kurbad wird von der Sozialversicherung der
DDR übernommen, dem Nachfolger der Sozialversicherung
Mecklenburg-Vorpommern. Dr.
Cuno Serowy übernimmt die Leitung der Abteilung für Hautkrankheiten.
In der FAK beraten die Angehörigen der
Intelligenz die besonders günstigen Ausbildungsmöglichkeiten der künftigen
Gestalter.
Die MTS-Siedlung ist fertig gestellt. Die erste Hälfte des Neubaugebietes
"Buchenberg" wird erschlossen und bebaut.
Die Arbeiter-Wohnungsgenossenschaft AWG wird am
12. September 1957 in Bad Doberan gegründet.
Sie verwaltet die
Neubauwohnungen.
Das Institutsgebäude im Hinterhof der Goethe-EOS ist fertig gestellt und
wird eingeweiht.
1958
Die Abteilung für Hautkrankheiten wird im Haus
"Mecklenburg" zusammengefasst und hat nun 130 und ein Jahr später 180
Betten.
Bis 1975 wird das Bad jährlich im Juli 3
Wochen als Unterkunft für Teilnehmer der Ostseewoche aus Norwegen und
Island genutzt.
Dr. Cuno Serowy wird Direktor und Chefarzt des Sanatoriums.
1960
In Bad Doberan wird mit dem Bau eines
industriell gefertigten Wohngebietes auf dem Buchenberg begonnen.
1961
Das letzte Pferderennen wird veranstaltet.
Bis dahin wurde der Platz für Motorradrennen und
Landeplatz für alte Doppeldecker gebraucht.
Danach wird der Platz umgepflügt und als
Lagerplatz für Steine, Erden und Bauabfälle benutzt.
1962
Die Abteilung zur Heilung von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen entsteht.
In Walkenhagen entsteht auf dem Gelände der
ehemaligen Chemischen Fabrik der VEB Metallverarbeitung Bad Doberan.
1964
Am 05. Juli 1964 wird das neu gebaute Jagdhaus
eröffnet.
Es dient als Gaststätte und Klubhaus.
1965
Die Jemnitz-Schleuse zwischen Heiligendamm
und Börgerende wird in dreijähriger Bauzeit erneuert.
Auf dem Buchenberg wird mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern begonnen.
1966
Auf dem Buchenberg wird die Dr.-Theodor-Neubauer-Oberschule eröffnet.
Ehm Welk stirbt am 19.12.1966 in seinem Haus in Bad Doberan und wird auf dem
Friedhof zu Bad Doberan beigesetzt.
Er stiftete vor seinem Tod ein Ehrenmal für die Opfer des Faschismus,
welches in der nach seinem Tod nach ihm benannten Ehm-Welk-Straße vor der
gerade frisch eingeweihten Dr.-Theodor-Neubauer-OS aufgestellt wird.
Bodo Michels wird neuer Direktor der Goethe-EOS am Karl-Marx-Platz.
1968
Die Sanierung der Jemnitzschleuse ist
abgeschlossen.
1970
Günter Boeldt wird neuer Direktor der Goethe-EOS.
Vor der Ernst-Schneller-Oberschule wird ein Gedenkstein zur Erinnerung an
den im KZ Sachsenhausen ermordeten kommunistischen Reichstagsabgeordneten
Ernst Schneller - dem Namensgeber der Schule - aufgestellt.
1972
Die Wurftaubenschießanlage in Heiligendamm wird
in einem Prospekt anlässlich der Ostseewoche beworben.
1974
Das Neubaugebiet auf dem Buchenberg ist fertig
gestellt.
(Die Häuser des südlichen Buchenberges mit ausgebauten Spitzdächern.)
Der Hasenberg in Bad Doberans Südosten erlebt
einen Bauboom durch zahlreiche sich neu ansiedelnde Eigenheimbauer.
Die Lessing-Schule in der Innenstadt wird abgerissen und ein
Schulkomplex mit
zwei zehnklassigen Oberschulen entsteht.
Die Schulen heißen Johannes-R.-Becher-Oberschule und Ernst-Schneller-Oberschule.
In Heiligendamm entsteht auf einer neu geschaffenen Lichtung eine
Bungalowsiedlung und ein Ferienheim für Forst- und Jagdangestellte. Der
Schießlatz entsteht unter Bezirksförster Helmut Mattke neu, große Flächen
werden dafür gerodet.
1976
Bis 1980 ist Heiligendamm Chefsache im IX.
Parteitag der SED.
Die Renovierungen und sogar Restaurierungen
werden festgeschrieben.
1978
Ein Erweiterungsplan sieht den Bau eines
Kurmittelhauses, eines lang gestreckten Bettenhauses und einer
Meeresschwimmhalle im Park bei den Cottages vor. Weiterhin sollen eine
Fernheizzentrale in der Nähe des Golfteiches und eine Kaufhalle neben der
Palette entstehen. Das wird aus Geldmangel vorerst nicht umgesetzt, stößt
aber auch auf Widerstand bei den Denkmalschützern.
In
Bad Doberan wird die Pestalozzi-Oberschule auf dem Klosterhof (Kornhaus) zum
Pionierhaus "Ehm Welk" umfunktioniert.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden
Sie hier.
1979
Am 08.03.1979 fällt das Schulspeisungsgebäude
"Vitakost" (Ruine auf dem Klosterhof) einer Brandstiftung zum Opfer.
Das
Gebäude brennt bis auf die Grundmauern nieder und kann nicht wieder
aufgebaut werden. Zwischen der Johannes-R.-Becher-
Oberschule und dem Heizhaus am Sportplatz
entsteht ein Mehrzweckgebäude, das nun zum Speisesaal für beide Schulen
wird.
Im Keller der Goethe-EOS wird ein Schulclub eingerichtet. Die Schule feiert
ihr 100jähriges Bestehen zusammen mit Ehemaligen.
Ehemalige aus Westdeutschland - viele verließen bis 1961 die DDR - sind
nicht eingeladen und feiern spontan in Göttingen.
Am 07.10.1979 - dem 30. Geburtstag der DDR -
wird der Weiße Pavillon nach einigen Um- und Anbauten als Café neu eröffnet.
Am Bollhäger Weg am nördlichen Stadtrand Bad Doberans entsteht eine Hilfsschule
(Sonderschule) mit Internat.
Das Wohnhaus Ehm Welks erfährt eine aufwändige Rekonstruierung und wird zum
Museum "Ehm-Welk-Haus" umgestaltet.
1980
Die Sonderschule (Hilfsschule) und das
angeschlossene Internat nehmen ihren Betrieb auf.
Klaus Krüger wird neuer Direktor an der Goethe-EOS.
Der Fuchsberg wird erschlossen und bebaut.
Auf dem Buchenberg werden nördlich der bestehenden Siedlung weitere
Mehrfamilienhäuser - diesmal in Plattenbauweise - errichtet.
1983
Das komplette Ensemble wird unter Denkmalschutz
gestellt und es fließen Mittel zur Denkmalpflege und Restauration.
Damit haben sich zumindest die Planungen im Park
und am Golfteich erledigt. Gebaut werden aber die Wohnblöcke im Südwesten.
Das Möckelhaus eröffnet wieder als Stadt- und Bädermuseum.
1984
Die internationale
Denkmalpflegeorganisation ICOMOS inspiziert Heiligendamm
während der Tagung in Rostock.
Dr. Christian Schütt wird neuer Leiter des
Sanatoriums.
Durch gute Kontakte von Patienten zum
Chemiekombinat Bitterfeld bekommt der Kreis Bad Doberan dringend benötigte
Chemikalien. Als Dank baut der landwirtschaftliche Baubetrieb ein Heizhaus
für 17 Mio. Mark.
Das Heizhaus entsteht nicht wie geplant am
Golfteich, sondern am Südwestrand des Ortes an der Bahntrasse.
Der Rote Pavillon wird zu einer Galerie
umfunktioniert.
Das Kurhaus ist baufällig und soll abgerissen
werden.
Stattdessen entscheidet man sich für eine
aufwändige Sanierung, die 1984 beginnt.
Die drei Dinge Möckelhaus, Roter Pavillon und
Kurhaus geschehen mit Hinblick auf die Bewertung durch die ICOMOS.
Ohne deren Inspektion hätte man nicht so
denkmalschützend verfahren.
Cuno Serowy geht nach der Einarbeitung seines Nachfolgers in Rente.
In seinen 27 Jahren als Direktor des Sanatoriums Heiligendamm konnte er eine
hohe Anerkennung und große Verdienste erarbeiten. Für das klassizistische
Ensemble war er der Retter schlechthin, denn seinem Protest ist es zu
verdanken, dass nach den rigorosen eigenwilligen "Restaurierungen" und
Umbauten der Villen "Schwan" und "Perle" keine weitere Zerstörung von
Baudenkmälern in der Weißen Stadt am Meer erfolgte. Serowy hat auch
Abhandlungen über das Kurwesen in Heiligendamm geschrieben. Er galt in
seiner Art und Arbeitsweise während seiner langen Wirkungszeit als so etwas
wie die Fortführung der Tradition des Badearztes.
1985
Mit dem Bau der Kaufhalle und weiterer Infrastruktur- und Versorgungsgebäude
wird die Bebauung des Buchenberges abgeschlossen. 1049 Wohnungen sind
zwischen 1965 und 1985 auf der Erhebung über dem historischen Stadtkern
entstanden.
1986
Das sanierte Kurhaus eröffnet seine Pforten.
Es beherbergt auch einen INTERSHOP, separat
erreichbar unten links im Erdgeschoss.
Karin Fourmont wechselt von der Johannes-R.-Becher-OS zur Goethe-EOS als
Schuldirektorin.
Am Münster im Bachgarten wird ein Denkmal für die Opfer des Faschismus vom
Bildhauer Reinhard Dietrich errichtet.
1987
Im Juni 1987 findet die Festwoche zum
800jährigen Jubiläum Bad Doberans mit Umzügen und bunten Programm statt.
In Bad Doberan wird mit dem Bau eines weiteren
Wohngebietes in Plattenbauweise auf dem Kammerhof begonnen.
Außerdem
entsteht im Gewerbegebiet zwischen F 105 (B 105) und Walkmüller Holz der
Neubau der bisher im Hinterhof der Straße "Im Hörn" ansässigen Schuhfabrik.
Der neue Komplex nennt sich "VEB Schuhfabrik "Lütt Matten".
1988
Am 11.11.1988 wird der Bad Doberaner
Karnevalsverein (DKK oder auch DKK'88) gegründet.
Hinter den ehemaligen herzoglichen Cottages in Heiligendamm entsteht am Weg
zum Kinderstrand ein Lagerplatz
für Container aus Stahl. (Heutiger Standort Wirtschaftsgebäude Grand Hotel).
Naturschützer laufen dagegen Sturm.
1989
Ab dem 25.10.1989 finden im Münster
Friedensgebete statt.
Die innerdeutsche Grenze wird geöffnet, die
Berliner Mauer fällt und die DDR bricht zusammen.
Wirtschaftliche Strukturen funktionieren nicht mehr und die Bauvorhaben der
Stadt geraten ins Stocken.
Der Kammerhof ist fast zur Hälfte fertig gestellt und verfügt über 589
Wohnungen, eine Kaufhalle, einen Kindergarten und eine Schule. Das
Neubaugebiet wird in Westen von einer Eigenheimsiedlung an der Seestraße und
im Süden von einer Eigenheimsiedlung an der Nienhäger Chaussee flankiert.
Die Nebenbauten der Schuhfabrik "Lütt Matten" am Walkmüller Holz kommen
zunächst zum Erliegen und auch auf dem Kammerhof werden fertige Baugründe
nicht mehr bebaut.
Durch die Wirtschafts- und Währungsunion werden
die Konten des Sanatoriums gesperrt.
Die Regionalverwaltung Rostock übernimmt die
Rechnungen. Nach der Freigabe der Konten war dort nichts belastet.
Dr. Schütt verwendet das Geld für den Erwerb
moderner Lungenfunktionsgeräte und Laboreinrichtungen, der Verbesserung der
Einrichtung und die Umgestaltung des Küchentraktes.
Bis zu diesem letzten Jahr fanden jährlich 8.000
Patienten Heilung und Pflege in Heiligendamm.
Die Forschungsinstitute für Balneologie und
Kurortwissenschaften Bad Elster und für Badeklimatologie in Berlin-Buch
betrieb Außenstellen in Heiligendamm.
Heiligendamm
während der DDR-Zeit (1949 bis 1990)
Die Erhaltung der Substanz ist über die DDR-Zeit
nur teilweise
gelungen.
Die Gebäude Heiligendamms wurden alle 2 Jahre neu geweißt. Was da bröckelte, war nicht die Farbe, sondern
der Putz.
Und da der nur an den betroffenen Stellen
ausgebessert und diese dann wieder geweißt wurden, entstand ein recht
fleckiges
aber immerhin weißes Muster. Die Gebäude bestanden
noch immer aus 200 Jahre altem Material. Lehm, Ton und Backstein
haben ihre Eigenarten, die in Verbindung mit neuen
Baustoffen oft zu Schäden führen. Alles verfiel ein wenig aber nicht
mehr,
als andere Gebäude in der DDR. Immerhin wurden die
Gebäude als Gaststätten, Cafés, Ferienhäuser,
Wohnungen, Büros und
Geschäfte benutzt und so war es auch nicht
denkbar, sie über dem in der DDR üblichen Maß verfallen zu lassen.
Bis 1975 hatte das Bad darüber hinaus repräsentative Funktion,
weil Gäste aus dem Ausland drei Wochen im Juli dort
Unterkunft
fanden.
In Bad Doberan selbst zeigte sich ein ganz anderes Bild. Die Stadt war grau
und trist und die repräsentativen Bauten um den Kamp und Markt stachen
regelrecht hervor. Wo immer es ging, entstanden Schuppen, Garagen, Anbauten,
Vorbauten, Aufbauten, Dachausbauten, Verbindungsbauten und sonstige meist
grau verputzte und mit Wellasbest überdachte Bausünden. Das historische rote
Klinkergebäude der Post erhielt einen gelb-silbernen Stahl- und Glasvorbau,
die Lessingschule wich einem Schulkomplex mit zwei Plattenbau-Schulen, auf
dem Wolfsberg hinter den Villen entstand hoch über den Dächern der Stadt ein
Plattenbau der Polizei, schräg gegenüber - ebenfalls hinter den Villen - ein
Plattenbau des Kreiswehrersatzamtes, in der Rostocker Straße zwischen Villen
und Palais ein Plattenbau des DLK Dienstleistungskombinates und als Krönung
wurde aus dem Roten Pavillon wurde ein Toilettenhaus. Selbst das Kurhaus
sollte abgerissen werden - und wer weiß - vielleicht lagen schon Pläne für
einen "repräsentativen" Plattenbau in den Schubladen. Dass es nicht so kam,
ist wohl der ICOMOS-Bewerbung zu verdanken.
Im Bereich der Architektur konnte man es sich
aber auch im bevorzugten Heiligendamm finanziell nicht leisten, defekte Elemente wiederherzustellen. So wurden z.B. defekte Türen und Fenster zum Schluss nicht mehr
restauriert, sondern einfach gegen die vorhandenen
Massenartikel getauscht. Das brachte auch mit sich, dass man die Rahmen
anpassen musste und Rundbögen entfernte. Verzierungen
wurden teilweise entfernt, da sie nicht in das Bild der
sozialistischen Architektur passten.
Die Erker und Balkone an den Hauptgebäuden
wurden teilweise entfernt. Die Burg brannte 1950 und
wurde nicht wieder
aufgebaut, sondern wieder hergestellt und mit
einem Walmdach versehen. Darum ist die Burg niemanden mehr so
in Erinnerung.
Der Höhepunkt der
Verfremdungen war in den 70ern erreicht. Erst der Protest des Klinik-Leiters
Cuno Serowy konnte verhindern,
dass nach den Villen "Schwan",
"Möwe" und "Perle" weitere Villen bis zur Unkenntlichkeit verfremdet und
entstellt wurden.
Die Raumaufteilung der Gebäude wurde den
jeweiligen Bedürfnissen angepasst.
Im Originalzustand waren die Zimmer selten
kleiner als 50 qm und damit nicht sinnvoll nutzbar.
Eine Wiederherstellung des Originalzustandes wäre aus
denselben Gründen auch heute noch sinnlos.
Auch im Umfeld des Sanatoriums gab es massive Veränderungen. An den
Buchenwäldern wurde Raubbau betrieben und viele hundert Festmeter Holz
wurden geschlagen und zuerst als Reparationsleistung in die Sowjetunion und
später gegen Valuta in die Nachbarländer verkauft. Die Aufforstung erfolgte
mehr schlecht als recht mit schnell nachwachsenden Gehölzen, wie Pappeln und
Nadelbäumen. Der 25 ha große Golfplatz wurde zur Landwirtschaftsfläche, der
Tennisplatz sollte als Sportplatz wiederhergerichtet werden, was am Protest
der in den Häusern "Eikboom" und "Seeadler" wohnenden Ärzte scheiterte. Der
bereits planierte Platz wurde der Natur überlassen und verwilderte. So
verschwanden zwei einst international angesehene Sportstätten. Die dritte
und in der ganzen Welt bekannteste Sportstätte - die Pferderennbahn - wurde
zum Lagerplatz für Baumaterialien umfunktioniert.
Umbaupläne sahen massive Baumaßnahmen vor: Eine Kaufhalle sollte zwischen
Molli-Schienen und Ensemble entstehen, eine Schwimmhalle vor der Burg, ein
Kurmittelhaus vor den Cottages, eine Plattenbausiedlung an der
Kühlungsborner Straße, ein Wasserwerk neben dem Golfteich und ein
Heizkraftwerk am Forsthof. Die Freifläche der Baustelle für die
Adolf-Hitler-Schule sollte zum Kinderferienlager werden, wovon man dann aber
absah und sie mit Pappeln aufforstete. Dahinter entstand am Ende der
Zufahrtsstraße zur geplanten Eliteschule eine große Lichtung als Lagerplatz
für Holz und später Parkplatz.
Vieles von den Plänen konnte aus Geldmangel nicht umgesetzt werden und die
Denkmalschützer erkannten die Gefahr und erklärten den ganzen Bereich
nördlich der Mollischienen als Denkmalschutzgebiet und stellten alle Häuser
unter Denkmalschutz.
Dadurch blieben Heiligendamm gewaltige Verunstaltungen erspart. Zwei
Plattenbauten kamen trotzdem und auch das Wasserwerk wurde - allerdings in
der Gartenstraße - umgesetzt. Das Blockheizkraftwerk wurde auch gebaut und
es entstanden eine Siedlung in der Gartenstraße, sowie drei Gartenanlagen in
diesem Bereich. Hier durfte aber nur ansiedeln, wer hier auch arbeitete.
In den Villen entstanden Wohnungen, über den Kolonnaden ebenso, im Marstall
auch und auch im Obergeschoss der Villa von Witzleben, die im Untergeschoss
einen Kindergarten beherbergte. Das mecklenburgische Haus - ehemals Krieg's
Hotel - wurde zum Wohnhaus und beherbergte eine Therapiesporthalle, die
Pensionen in der Kühlungsborner Straße wurden zu Wohnhäusern und die letzte
Pension (ehem. Danker's Hotel) wurde mit dem ehemaligen Kinderheim verbunden
und Sitz der Fachschule für angewandte Kunst (FaK), die von Wismar hier her
übersiedelte. Der Ort Heiligendamm war ganz auf das Sanatorium fixiert und
um auch dem Tourismus ein wenig gerecht zu werden, gab es ein paar
Imbissbetriebe, Cafés und Gaststätten.
Ansonsten hatte das Sanatorium alles was es brauchte direkt vor Ort:
Eine Schlosserei, Garagen, eine Poststelle, eine Tischlerei, eine Gärtnerei,
eine Försterei, eine Baubrigade,
ein eigenes Wasserwerk mit Wasserwirtschafts-Brigade, ein eigenes
Heizkraftwerk, eigene Pumpen, Kläranlagen
und Stromaggregate, eine eigene Feuerwehr, ein eigenes Orchester, eine
eigene Jagdtruppe und im großen Maße
auch eigene Fahrzeuge. Wer hier wohnte, arbeitete hier auch und schickte
seine Kinder in den örtlichen Kindergarten.
Die komplette Infrastruktur war nur auf das Sanatorium und seine Mitarbeiter
ausgelegt.
Tourismus gab es aber er spielte nicht die Hauptrolle.
Die Bettenburgen befanden sich rechts und links des Kurortes: In Börgerende
und Kühlungsborn.
Bad Doberan selbst avancierte vom ehemaligen "Pensionopolis" zur Wohn-Stadt.
Aus einigen Villen wurden Mehrfamilienhäuser, aus anderen Arztpraxen,
großzügig geschnittene Stadthaus-Wohnungen wurden in mehrere Wohnungen
aufgeteilt, Anbauten sorgten für eine Erweiterung der Häuser, Dachböden und
Keller wurden nutzbar gemacht und schließlich entstanden auch viele neue
Häuser. Der Parkentiner Weg wurde mit Eigenheimen bebaut, der Fuchsberg
ebenso, der Hasenberg und auch der Wolfsberg mit der Nienhäger Chaussee und
der Seestraße erfuhr Bebauungen mit so genannten "Eigenheimen".
Bad Doberan diente als Drehscheibe zwischen Rostock und Wismar und war
Umschlagplatz für Agrargüter jeglicher Art, sowie Kohle und Holz. Auch
produzierendes Gewerbe konnte Bad Doberan vorweisen: Allen voran die
Glashäger als Tochter der Rostocker Brauerei. Eine Schuhfabrik nannte die
Stadt ihr Eigen und auch in der Metall- und Holzverarbeitung, der Chemie und
dem Fahrzeug- und Maschinenbau war Bad Doberan unter den führenden Betrieben
der DDR vertreten.
Landwirtschaft blieb ein wichtiger Faktor und damit die Dörfer nicht aus den
Nähten platzten, wurden die Stadtränder vergrößert. 1049 neue Wohnungen
entstanden auf dem Buchenberg - zuerst Stein auf Stein, dann in
Plattenbauweise. Dieselbe Menge weiterer Wohnungen sollte auf dem Kammerhof
entstehen. Nach der Hälfte kam dann die Wende. Bad Doberan war zu DDR-Zeiten
auch ein wichtiger Schulstandort. Die Dorfschulen wurden in zwei Etappen
aufgelöst und die Schüler in Bad Doberaner Schulen untergebracht. Der Name
"Lessingschule" ging reihum - fast jede Doberaner Schule hieß schon einmal
so. Das einstige Prinzenpalais wurde zur Schule, das Kornhaus ebenso, die
Lessing-Schule in der Lessing-Straße auch und die einstige Residenz im
Stülower Weg wurde zur Kreismusikschule. Am Ende der Neuen Reihe entstand
eine Hilfsschule, auf dem Buchenberg eine Oberschule, an Stelle der
Lessingschule in der Beethovenstraße ein Schulkomplex mit zwei Oberschulen,
auf dem Kammerhof entstand ebenfalls eine Oberschule und im Stülower Weg
eine Berufsschule. Aus dem Gymnasium wurde eine Erweiterte Oberschule, aus
der Schule in Kornhaus dann ein Pionierhaus und schließlich ging auch die "Johannes-R.-Becher-OS"
reihum.
Jede Schule brauchte einen Sportplatz, nach Möglichkeit auch eine Turnhalle
und einen Speisesaal und dementsprechend sah Bad Doberan sehr bald aus der
Luft aus: Eine grüne Stadt voller Sportplätze, umsäumt von dichten
Plattenbausiedlungen. Mittendrin das, was Bad Doberan noch immer ausmachte:
Molli, Münster und Moorbad. Dennoch: Der Verfall war nicht mehr aufzuhalten.

Heiligendamm vor 1993 (gefunden
mit der Google-Bildersuche bei
hotelmanagement-network.com)
Die Seebrücke existierte hier noch nicht
und auch die MEDIAN-Klinik war noch nicht im Bau.
Die Orangerie war eine Verkaufsstelle,
ein Teil der Gebäude waren Wohnungen und auch Büros,
Geschäfte, Cafés und Gaststätten fanden
sich. Die Promenade ist gegen Versandung begrünt.
Gut erkennbar sind die fehlenden Erker
und Balkone an den Hauptgebäuden und die mit dem
Walmdach versehene Burg "Hohenzollern".
Auffällig sind die vielen Sandwege und der große
Vorplatz. Deutlich wird auch, dass die
Promenade auf einen Durchgangsverkehr hin zum Küstenwald
ausgerichtet ist und alle Gebäude
relativ ungehindert zu erreichen sind.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad
Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.
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1990
Die DDR wird der BRD angegliedert und das
Sanatorium in die "Ostseeklinik GmbH" umgewandelt.
Die Bettenzahl wird auf 215 gesenkt.
Die Fachhochschule für Angewandte Kunst hat
Sommer 1990 die beiden letzten Durchgänge als Ferienlager.
Im Mai 1990 finden die ersten demokratischen
Kommunalwahlen in Bad Doberan statt.
Am
01.06.1990 wird die Glashäger an die Gerolsteiner Mineralquellen GmbH
verkauft.
Die Deutsche Reichsbahn der DDR wird von der Deutschen Bundesbahn
übernommen.
Es wird darüber nachgedacht, der Molli einen Dieselmotor einzubauen oder sie
stillzulegen.
Schließlich entschließt sich die Deutsche Bundesbahn - selbst in der
Umstrukturierung
und auf dem Weg zur gesamtdeutschen "Deutschen Bahn" befindlich - die Molli
zu verkaufen.
Im August 1990 treffen die ersten Kinder aus
Tschernobyl zur Erholung in Bad Doberan ein.
Sie werden bei Pflegefamilien untergebracht.
Am 03.10.1990 wird auf dem Kamp die Linde der
Einheit gepflanzt.
1991
Am 01. September 1991 wird der Kornhaus-Verein
gegründet.
Am gleichen Tag wird in Heiligendamm die Ostseeklinik
gegründet.
Am 03.09.1991 findet das erste Pferderennen
statt.
Das Pionierhaus wird aufgelöst (da es keine
Pioniere mehr gibt) und zum Familien-Freizeithaus umfunktioniert.
Die Goethe-EOS bekommt ihren alten Namen wieder: Friderico Francisceum.
Neuer Direktor ist Arno Lange.
53 Lehrer unterrichten die 792 Schüler, welche sich auf zwei viel zu kleine
Gebäude verteilen.
Die Sekundarstufe II wird im Hauptgebäude unterrichtet und die Sekundarstufe
I im Nebengebäude.
Aus Mitteln der Städtebauförderung werden das Klostergelände und der
historische Stadtkern saniert.
1992
In Bad Doberan wird die Versorgung mit Erdgas
als Stadtgas aufgenommen.
Die angrenzende gerade erst errichtete
Schuhfabrik "Lütt Matten" wird zum Kaufhaus "ALDO" und eine Kornhalle zum Multimediakaufhaus "MEDIkomm!".
Später nennt sich der Komplex "ALDOBERAN".
Das Gelände wird zu einem Gewerbegebiet zusammengefasst und auf 19,1 Hektar
Richtung Stadt vergrößert.
Auf dem Buchenberg wird ein Denkmal für Michail
Gorbatschow errichtet und am 22.11.1992 feierlich eingeweiht.
Am
Nikolaustag 1992 wird der erste Spatenstich für das Gewerbegebiet "Eikboom"
am Ortsausgang nach Rostock vorgenommen.
Das neue Gewerbegebiet umfasst 28,5 Hektar. Bei der Erschließung wird eine
alte Slawensiedlung entdeckt und dokumentiert.
Bad Doberan wird offiziell für 12 Jahre der Status "Seeheilbad" verliehen.
Maßgeblich trägt der Ortsteil Heiligendamm dazu bei.
Roland Levetzkow löst Arno Lange als Direktor des Friderico Francisceum ab.
1993
Am 27.06.1993 wird die Seebrücke anlässlich des
200jährigen Jubiläums Heiligendamms eröffnet.
Am 31.07.1993 feiert Heiligendamm seinen 200.
Geburtstag.
Am 07. August 1993 eröffnet auch die Bad
Doberaner Galopprennbahn offiziell.
1994
Am 12. Juni 1994 wird der Landkreis Bad Doberan
gegründet.
Bad Doberan ist nun Kreisstadt eines bedeutend
größeren Kreises.
1995
Die "Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH &
Co." übernimmt den Molli von der Deutschen Bahn.
Der Rote Pavillon wird vom Kunstverein
übernommen und als Galerie betrieben.
Eine schwere Sturmflut zeigt am 04./05.11.1996
dem Küstenschutz seine Grenzen auf.
1996
Die Kölner FUNDUS-Gruppe kauft für 18 Mio. DM große Teile
Heiligendamms.
Am 27. September 1996 wird der Neubau des
Kreistagsgebäudes hinter dem Salon in der August-Bebel-Straße eingeweiht.
Am
10. Oktober 1996 eröffnet die Dr. Ebel - Gruppe das neue Moorbad am
südlichen Ortsausgang Bad Doberans.
Am 16. Dezember eröffnet die Ostseesparkasse
(OSPA) ihre neue Filiale in der Mollistraße.
Hier saß zuvor die Kreissparkasse aber weil das
Gebäude den Ansprüchen nicht mehr genügte, wurde es umgebaut und die OSPA
residierte solange in einem Container am Markt.
Am
27. Dezember 1996 eröffnet das Kreiskrankenhaus Bad Doberan (KBD -
Krankenhaus Bad Doberan) in Hohenfelde als Ersatz für die geschlossene da zu
alte und nicht mehr modernisierbare Ostseeklinik Kühlungsborn.
Im Bahnhof Kühlungsborn-West eröffnet ein Molli-Museum.
1997
Die MEDIAN-Klinik eröffnet nach langem Gezerre
um den Standort und einem Rückzieher der Dr.-Marx-Gruppe
am 07. April
1997 doch noch in Heiligendamm mit ihrem
Angebot an Kuren und Heilbehandlungen.
Am 20. Juli 1997 findet eine Rennwoche - das
Ostseemeeting - zum 175. Jubiläum der Ostseerennbahn statt.
Die Mieter der Häuser der Perlenkette werden
gekündigt und die Gebäude werden teilweise überstürzt verlassen.
1999
Die Musik-Gruppe "Rammstein produziert im Haus
"Weimar" von September bis Dezember ihr Album "Mutter".
Der Grundstein für den Erweiterungsbau des Friderico Francisceums wird
gelegt. Ein moderner halbrunder Anbau mit Glasfassade soll den Schülern
endlich den benötigten Platz bieten. Die bisherigen Nebenbauten und ein Teil
vom Sportplatz weichen dem Bau.
Heiligendamm im neuen Jahrtausend.
2000
Der
erste Spatenstich für das Grand Hotel wird vollzogen.
Die Fachhochschule für Angewandte Kunst zieht nach Wismar um.
2001
FUNDUS und
Kempinski feiern zusammen mit dem Bundespräsidenten Johannes Rau das
Richtfest des Grand Hotels.
Fast zeitgleich feiert auch das Friedrich-Franz-Gymnasium die Einweihung
seines (übrigens später als architektonische Meisterleistung
ausgezeichneten) Erweiterungsbaus.
2002
Der Rotary Club Heiligendamm wird gegründet.
2003
Durch ein defektes
Fernsehgerät brennt das Jagdhaus am 27.11.2003 bis auf seine Grundmauern
nieder.
Im
Mai 2003 eröffnet das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm.
Thomas Klippstein ist Chef des Hotels.
Zu den Gästen zählen bis 2006 der ehemalige
Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Verteidigungsminister Peter Struck,
der französische Außenminister Dominique de Villepin, sein polnischer
Amtskollege Wlodzimierz Cimoszewicz, die Schauspielerin Hannelore Elsner,
der Designer Wolfgang Joop, die Schauspieler Til Schweiger und Otto Sander,
die Schauspielerin Alexandra Maria Lara, der Regisseur Helmut Dietl,
die Autorin Hera Lind und das Model Nadja Auermann.
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Heiligendamm im neuen
Jahrtausend
Für Bad Doberan war die Wende Fluch und
Segen zugleich. Der schleichende Verfall konnte gestoppt und mit
Fördermitteln der komplette historische Stadtkern saniert werden.
Straßen wurden neu gemacht, Schandflecken verschwanden,
Verunstaltungen wurden rückgängig gemacht und neue Betriebe ließen
sich in Bad Doberan nieder. Doch der Zusammenbruch alter Strukturen
sorgte für hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderung und schließlich zu
einem Kreislauf. Die Stadt erholte sich erst mit steigender
Attraktivität wieder. Mehr Leute blieben, mehr Kinder wurden
geboren, schließlich gab es auch wieder Zuzüge. Nun entwickelte sich
einiges in der Stadt in die entgegen gesetzte Richtung: Hohe Mieten,
hohe Lebenserhaltungskosten, Exklusivität.
Die Stadt entdeckte - wenn auch spät - den Tourismus als wichtige
Einnahmequelle und muss nun einem Kompromiss finden, die Bürger der
Stadt einerseits und die Touristen andererseits zufrieden zu
stellen. Große Projekte, wie die Urbanisierung des Kammerhofes und
der Bau eines Ferienparks scheiterten, kleine Projekte, wie die
Sanierung der Schulen, zogen sich lange hin. Während die
Infrastruktur sich erholt, Straßen mit Fördergeldern saniert und
Landschaftsflächen renaturiert werden, bleibt für die Sanierung der
Bausubstanz kein Geld übrig. Jugendherberge, Pavillon und Rathaus
werden verkauft und für alte Häuser gibt es keine neuen Konzepte.
Neue Häuser entstehen direkt neben leer stehenden, ahmen diese
architektonisch sogar noch nach.
Bad Doberan muss seinen Weg erst finden - so wie die vielen
Jahrzehnte zuvor.
Wieder Pensionopolis oder wieder Wohn-Stadt? Die Zukunft wird es
zeigen.
Ganz anders verlief die Geschichte in Heiligendamm. Eigentlich
Stadtteil Bad Doberans war dieser Ort inzwischen so autonom
geworden, dass selbst die Bad Doberaner Stadtverwaltung nicht mehr
so recht Fuß fassen konnte. Heiligendamm war wie eine Fremde im
eigenen Haus. Hinzu kam, dass die Stadt gar nicht so viel selbst
bestimmen konnte, da Heiligendamm in erster Linie das Ensemble mit
seinen fast 30 Häusern war und diese an die Treuhand fielen. Bad
Doberan konnte nur mitbestimmen.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern und der
Bund, vertreten durch die Treuhand, versuchten nach der Schließung
der Ostsee-Klinik den Verkauf der einzelnen Gebäude. Es fanden sich
Interessenten für die Villen und Cottages aber nicht für das
Ensemble selbst. Darum zog man die Ausschreibung zurück und schrieb
alle Gebäude des Ensembles in einem Gesamtpaket aus.
Die Fundus-Gruppe legte bereits 1992 ein
fertiges Konzept für die Nutzung Heiligendamms und den Ausbau zu
einem Hotelbetrieb
vor. Das Land bevorzugte zunächst eine
medizinische Nutzung und ließ das Hotelkonzept daher außen vor. Mit
der Asklepios-Gruppe fand das Land zunächst ein interessantes
Konzept der Gesundheitshotellerie. Die Gruppe fand jedoch nicht
genug Mitstreiter und musste aufgeben. Ein kanadischer Investor
wollte das Ensemble ebenfalls kaufen, wollte aber die Promenade und
den Strand dazu kaufen und sperren, was in Deutschland rechtlich
nicht möglich ist.
Zuletzt favorisierte das Land die Dr.-Marx-Gruppe als
Gesamtinvestor. Als bekannt wurde, dass die Gruppe den Neubau einer
Funktionsklinik hinter den herzoglichen Cottages plante, formierten
sich Bürger zu einer Initiative und starteten Kampagnen gegen die
Dr.-Marx-Gruppe, sowie Dr. Marx und den Klinikleiter Dr. Schütt
persönlich. Die Stadt fand keinen alternativen Standort für einen
Klinikneubau, da das mikrobiologische Heilklima nur 60 Meter vom
Wasser in den Wald hinein reicht und auf jeden Fall Bäume gefällt
werden mussten, wogegen sich der "Bürgerrat" aufrichtete. Die
Dr.-Marx-Gruppe zog sich aus Heiligendamm zurück und errichtete
statt dessen in Bad Sülze eine Median-Klinik.
So blieb nur das Hotelkonzept der geduldig wartenden FUNDUS-Gruppe
übrig. Ihr Gründer Anno August Jagdfeld war durch die gescheiterten
Veräußerungsversuche des Landes in einer guten Verhandlungslage und
konnte einige Bedingungen stellen, wie die Erlaubnis zum Kauf von
500 ha Ackerland für die Weiterveräußerung als Bauland für ein
Villenviertel. 1996 wurden die Verträge unterzeichnet. Etwa 15 Mio.
DM zahlte Fundus für etwa drei Viertel des Ortes aber dafür musste
sie alle 26 Gebäude kaufen und sich zu einer Menge verpflichten.
Bedingung war nämlich
ein (eigentlich nur zwischen sich annähernden verfehdeten Staaten
üblicher) Grundlagenvertrag zwischen der Stadt Bad Doberan und der EntwicklungsCompagie Heiligendamm, einer 100%igen Tochter der
Fundus-Gruppe. Betreiber des Hotels ist nicht die
Fundus-Gruppe und auch nicht die ECH, sondern sollte zunächst eine
Betreibergesellschaft sein. Dann zeigte aber die Kempinski Hotels &
Resorts AG aus Genf, die zu 85% dem Crown Property Bureau aus
Thailand gehört Interesse und schloss mit der FUNDUS-Gruppe einen
Betreibervertrag bis 2012 ab, den sie vorzeitig 2009 kündigte. Die Fundus-Gruppe unter Leitung ihres
Chefs und quasi auch Inhabers Anno August Jagdfeld sammelte
mit dem Fonds 34 Geld ein. 25.000 EUR + 5% Agio pro Anleger. 207
Mio. EUR Investitionen für das Ensemble selbst und 400 Mio. EUR
für den ganzen Ort versprach der Investor.
Im Jahr 2000 wurde der erste Spatenstich vollzogen und der
Bau ging sehr zügig und unter Zeitdruck voran.
Die Burg und die
Orangerie wurden entkernt und wieder im alten Stil hergerichtet,
wobei die Orangerie noch einen Anbau bekam. Das Grand Hotel und
Haus "Mecklenburg" wurden entkernt und von innen heraus
völlig neu wieder aufgebaut und das "Severin-Palais" ist ein Neubau.
Im Mai 2003 wurde das Hotel eröffnet und vor der Eröffnung
konnten tausende Besucher eine ausgewählte Route durch das Hotel
und über das Areal nehmen und sich umsehen. Einen Tag
später war dies nur noch nach erfolgter Zimmerbuchung möglich.
Das Hotel wurde zunächst gut angenommen aber sehr bald
stellte sich Unmut ein. Der vermeintliche Küstenwanderweg wurde versperrt und
um Heiligendamm herum verlegt und der Zugang
neben dem Kurhaus wurde abgeriegelt.
Was nach 2003 geschah und maßgeblich für den heutigen Zustand
Heiligendamms ist, erfahren Sie hier.

Heiligendamm im Jahre 2003 (gefunden im
PR-Bereich auf fundus.de.)
Dieses Bild wird von der Fundus-Gruppe
selbst und sogar zur Verwendung zur Verfügung gestellt.
Auffällig ist erst einmal das
Vorhandensein der Burg Hohenzollern, welche aufwändig rekonstruiert
wurde und ein etwas zu groß geratener
Koloss links neben dem Grand Hotel. Dieses Gebäude wurde
völlig neu an der Stelle des
Sportplatzes errichtet. Designerisch passt es zum Ensemble, hat dort
aber
streng genommen nichts verloren. Dennoch
hat man sich mehr Mühe gegeben, als bei der MEDIAN-
Klinik, welche hinter dem Ensemble
herausguckt. Die Seebrücke wurde bereits 1993 zum 200jährigen
Jubiläum des Bades errichtet. Sie ist
200 Meter lang und endet auf einer Sandbank, wodurch kein Schiff
dort anlegen kann. Gut erkennbar ist der
saubere und neu aufgespülte Sandstrand, der nun nicht mehr
durch ein Packwerk verkleinert ist. An
dessen Stelle ist eine versenkbare Wand direkt vor den Häusern
der Perlenkette getreten. Hier
allerdings fehlen nun die Wege von der Promenade zu den Perlen. Als
dieses Bild entstanden ist, war der
Küstenwanderweg noch passierbar und man konnte am Kurhaus
vorbei zum Bahnhof gelangen. Das ist nun
nicht mehr der Fall und sorgt für enorme Verstimmung.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad
Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.
|
2004
Heiligendamm erhält das Prädikat "Seeheilbad" und die Blaue Flagge.
Der Seeheilbad-Status wird jedoch nur vorläufig anerkannt. Bis zum Jahre
2009 muss Bad Doberan bestimmte Voraussetzungen schaffen und Bedingungen
erfüllen. Dann erst wird der Ort offiziell wieder für 12 Jahre als
Seeheilbad anerkannt.
Im Molli-Bahnhof eröffnet ein Restaurant, welches nach einer Umfrage zur
Namensgebung "Herzoglicher Wartesaal" getauft wird.
Auf dem Kammerhof eröffnet der Christliche Schulverein die erste private
Schule, die "Christliche Münster-Schule" im Schulgebäude.
2005
Hotelchef Thomas Klippstein legt wegen
Stasi-Vorwürfen seinen Posten nieder und wechselt ins Adlon.
Thorsten Dressler wird sein Nachfolger in
Heiligendamm.
Der Marstall (Palette), sowie die Fachwerkbauten und Nebengebäude in
Heiligendamm werden abgerissen und die Fläche begrünt.
2006
US-Präsident George W. Bush verweilt mit einer Delegation vom 12.07. bis
14.07. in Heiligendamm. (Link:
Bush-Special)
Außer
Bush sind Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, das Model Eva Padberg, die
US-Außenministerin Condoleezza Rice, die Bundeskanzlerin Angela Merkel,
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und schließlich das Deutsche
Fußball-Nationalteam in Heiligendamm zu Gast.
Die Seedeichstraße wird
neu errichtet.
Die Parkreihe wird
entfernt und dafür in Strandnähe in nicht ganz halber Kapazität wieder
errichtet.
Die
ehem. Drogerie und die ehemalige "Palette" (Marstall) werden abgerissen. Die Leerfläche wird zunächst begrünt.
In
Bad Doberan fällt das leer stehende Moorbad einer Brandstiftung zum Opfer
und verliert die Hälfte des Dachstuhles.
2007
Ab
Januar 2007 wird ein 2,50 m hoher und 13 km langer und 12,5 Mio. EUR teurer
Sicherheitszaun um Heiligendamm errichtet.
Polizeibeamte aus mehreren Bundesländern beziehen den rechten Flügel der
ehem. FAK und nehmen ihre Arbeit auf.
Sie
sollen zusammen mit der Bundespolizei den Ort vor Anschlägen militanter
G8-Gegner schützen.
Am
11.01.2007 wird mit dem Abriss der Villa "Perle" begonnen.
Es wird bekannt, dass auch "Möwe", "Hirsch", "Schwan", "Tabea", "Waldfriede"
und die FAK folgen.
Am 09.02.2007 wird mit
dem Abriss der Villa "Tabea" begonnen, nachdem im Januar die Fenster, Türen
und Innenverkleidungen entfernt worden sind. Diese sind zu diesem Zeitpunkt
auch schon im linken Flügel der ehem. FAK entfernt.
Die Scheune am Forsthaus
wird abgerissen.
Die Kühlungsborner
Straße wird neu errichtet.
Die Grünflächen werden
wiederhergerichtet und von Unrat befreit, der Bereich um die Seebrücke wird
gepflastert und die Steinpackungen werden erneuert.
Thorsten Dressler gibt seinen Posten als
Hotelchef in Heiligendamm auf.
Der Schweizer Martin Kolb wird im März
Hoteldirektor des Kempinski Grand Hotel Heiligendamm.
Am
02.04.2007 wird die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers amtlich revidiert.
Die Stadtverwaltung vertritt die Ansicht, dass einerseits durch den Tod
Hitlers und andererseits durch die Entnazifizierung in der DDR die
Ehrenbürgerschaft schon aufgehoben ist und bekräftigt dies nach der massiven
Kritik und den Belustigungen durch Medien und Öffentlichkeit durch einen
amtlichen Beschluss.
Am 18.04.2007 wird mit dem Wiederaufbau eines dritten Gleises am Bahnhof in
Heiligendamm begonnen.
Durch dieses zu DDR-Zeiten entfernte Gleis soll eine bessere Auslastung ohne
Gegenzug-Wartezeiten gewährleistet werden.
Am
25.04.2007 wird der Flächennutzungsplan für den Küstenwald gekippt.
Der
Bürgerbund setzte sich dafür ein, dass er nicht zum Hotelgelände gehört.
Der
Kleine Wohld bleibt damit Erholungswald. Auch der Entwurf zum Bebauungsplan
1 fällt damit.
Am 26.04.2007 wird in der Ostsee vor
Heiligendamm ein Torpedo gefunden und gesprengt.
Im Mai 2007 werden die Garagen und die Post
abgerissen.
Hinter dem Fürstenhof wird ein Parkplatz in Betrieb genommen und auf dem
Kempinski-Parkplatz und dem Gelände des einstigen Marstall
entstehen vorübergehend Leichtbauten für den G8-Gipfel.
Am
03.06.2007 wird bekannt, dass die Jewish Claim Conference Ansprüche aus dem
Erbe Baron von Rosenbergs prüft.
Zum
Erbe könnte auch das formaljuristisch nicht ordnungsgemäß verkaufte
Heiligendamm gehören, was Schadenersatzansprüche der
Erbengemeinschaft gegen die BRD bedeuten könnte, da der Ort nicht ordentlich
verkauft und dann auch noch enteignet wurde.
Die
Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm" wendet sich mit einer Petition zum
Erhalt Heiligendamms an den Bundestag.
SAT1
strahlt den 2007 in Heiligendamm gedrehten Film "Frühstück mit einer
Unbekannten" aus.
Vom
03.06. bis 10.06. 2007 findet das G8-Gipfeltreffen im Kempinski Grand Hotel
in Heiligendamm statt.
(Link:
G8-Special 8 Rundgänge).
Hauptteilnehmer des G8-Gipfels sind neben vielen Delegierten die Staatschefs
Stephen Harper (Kanada) mit Ehefrau Laureen, Nicolas Sarkozy (Frankreich)
mit Ehefrau Cécilia, Angela Merkel (Deutschland) mit Ehemann Joachim Sauer,
Romano Prodi (Italien), Shinzō Abe (Japan) und Ehefrau Aki, Wladimir Putin
(Russland) und Ehefrau Ludmila Alexandrowna Putina, Tony Blair (Vereinigtes
Königreich) und Ehefrau Cherie,
George W. Bush (Vereinigte Staaten von Amerika) mit Ehefrau Laura, José
Manuel Durão Barroso (Europäische Union) und Ehefrau Margarida Sousa Uva,
Luiz Inácio Lula da Silva (Brasilien), Hu Jintao (Volksrepublik China),
Manmohan Singh (Indien), Felipe Calderón (Mexiko), Thabo Mbeki (Südafrika),
Muhammad Husni Mubarak (Ägypten), Abd al-Aziz Bouteflika (Algerien), Umaru
Yar'Adua (Nigeria), Abdoulaye Wade (Senegal), John Agyekum Kufuor (Ghana),
Meles Zenawi (Äthiopien), Alpha Oumar Konaré (Afrikanische Union), Ban
Ki-moon (Vereinte Nationen).
Die
Ehefrauen nehmen zusammen mit Angelas Merkels Mann Joachim Sauer am so genannten
"G8-Partnerprogramm" teil, wo er ihnen Mecklenburg-Vorpommern zeigt.
Die Molli verzeichnet mit 630.000 Fahrgästen ihr
Rekordjahr.
Auch Bad Doberan und Heiligendamm können mit
290.639 Gästen eine Steigerung von 7,8% gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.
2008
Die
Kempinski AG gibt im Januar bekannt, dass das Grand Hotel 350 Arbeitsplätze
vorweisen kann.
Am 12.01. wird bekannt, dass Heiligendamm einen
neuen Kurwald zwischen Kühlungsborner Straße und Perlenkette erhält.
Am 15.01. meldet der Doberaner Rennverein von
1822 e.V. Insolvenz an. Der Doberaner Rennclub gründet sich neu.
Am 16.01. und 19.01. steht in den Medien zu
lesen, dass die FUNDUS-Gruppe am Abriss der Villen "Hirsch" und "Schwan"
festhält und noch in diesem Jahr mit dem Abriss und dem Wiederaufbau dieser
Villen, dem Wiederaufbau der "Perle" und der Sanierung und Rekonstruktion
der anderen Villen in der Perlenkette und dem Bau der Tiefgarage beginnen
will. Baubeginn soll März bis Ostern 2008 und Bauende der Herbst 2009 sein.
Diese Informationen werden unabhängig auf einer CDU-Ortsgruppensitzung von
einem ECH-Vertreter und bei einer anderen Gelegenheit durch den
ECH-Geschäftsführer Hans Schlag gegeben.
Am 23. und 24. Februar 2008 findet der erste
deutsche Medicus-Kongress im Grand Hotel in Heiligendamm statt.
Die Schauspielerin Christina Plate und der
Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, verweilen in Heiligendamm.
Im März werden 60 Meter
der Promenade zum Bau eines Hotelparks eingezogen. Dies ermöglichte ein
Flächentausch mit der Stadt.
Das Haus "Waldfriede" wird abgerissen und die Baufläche für die
Residenz "von Flotow" der JHI Immobilien verwendet.
Kürzungen im städtischen Haushalt sorgen dafür,
dass der Doberaner Kunstverein vor dem Aus steht.
Mit ihm würde die Galerie im Roten Pavillon, das
Wasserfest AQUAnostra, das Anbaderitual und die Table d' hôte wegfallen.
Am 13.03. berichtet die Ostsee-Zeitung, dass der
Wiederaufbau der Villa "Perle" nunmehr im Mai beginnen solle.
Die Stadtverwaltung hebt die Parkplätze in der
Gartenstraße auf, weil sie von Hotel-Mitarbeitern als Dauerparkplätze
missbraucht werden.
Nachdem fast das komplette Management
ausgetauscht wurde, schreibt das Kempinski Grand Hotel erstmals wieder eine
schwarze Null. Kolb schaffte es, das Defizit von 1,7 Mio Euro
abzubauen und unterm Strich die Zahl der Arbeitsplätze von 300 auf 385 zu
erhöhen. Für die Art und Weise musste er Kritik
einstecken und Verfahren vor dem Arbeitsgericht Rostock hinnehmen.
In Branchenkreisen wurde vermutet, dass
Kempinski "einen Stern herunter" wolle, weil es nicht läuft.
Kolb dementierte dies gegenüber der
Ostsee-Zeitung.
Am 29. und 30.04. treffen sich über 200
Mineralwasser-Manager zum Frühjahresbrunnentag 2008 im Kempinski Grand Hotel
Heiligendamm.
Am 09.05. überträgt RTL den Wetterbericht von
"Punkt Zwölf" live aus Heiligendamm.
Moderator Roger Saha landet dazu mit dem
Fallschirmaus 4.000 Metern Höhe direkt vor dem Grand Hotel.
Im Juni sollen laut dem NDR 10 Meter des
G8-Sicherheitszaunes als Touristenattraktion wieder aufgebaut werden.
Die Ostsee-Zeitung sucht nach möglichen
Auftraggebern und vermutet letztlich einen PR-Gag der Zaunbaufirma.
Hollywood-Star Ralf Möller (Gladiator, Universal
Soldier) verweilt in Heiligendamm.
Am 29.06. wird der Business & Cigar Club in der
Davidoff-Lounge des Grand Hotel gegründet.
Prominente Gäste sind Rudi Assauer und César
Herrera.
Die Kurkonzerte, welche seit 2003 auf Grund der
schlechten Haushaltslage ausgesetzt wurden, werden wieder aufgenommen.
Zunächst wird dazu der Kamp benutzt. Andere
Örtlichkeiten, wie ein ständiger Wechsel oder eine Konzertmuschel sind im
Gespräch. Die Konzerte finden immer während der Saison an
jedem Samstag um 16 Uhr - zunächst auf der mobilen Bühne auf dem Kamp -
statt.
Am 06.08. legt die traditionelle Brigg
"Aphrodite" anlässlich der 18. Hanse Sail von Rostock kommend in
Heiligendamm an.
Neben 18 Kapitänen nimmt auch der deutsche
Sauspieler Christian Wolff am Captains-Lunch im Grand Hotel teil.
Am 09.08. macht dann die MS "Europa" vor
Heiligendamm fest und läst zum Charity-Weinevent "Big Europa" ein,
muss dann aber wegen starken Seegangs nach
Warnemünde umdispositioniert werden.
Mit an Bord ist das Schauspieler-Ehepaar Saskia Valencia und Helmut Zierl.
Sie verweilen in Heiligendamm.
Die Molli wird hundert und feiert mit Sonder-
und Abendfahrten, Ausstellungen und Vergnügungen.
Die Stadtvertreter fassen die notwendigen
Beschlüsse zur Realisierung des Kurwaldes, der 2009 fertig gestellt werden
soll.
Im August eröffnet in der Gartenstraße 4 ein
"Tante-Emma-Laden" und stellt die örtliche Versorgung in Heiligendamm nach
10 Jahren wieder her.
54 Oldtimer der 7. ADAC-Sunflower-Rallye machen
auf Einladung des Grand Hotels auf ihrer Tour Stopp in Heiligendamm.
Der Hollywood-Star Sir Christopher Lee (Graf
Dracula, Star Wars, Herr der Ringe) und seine Frau Gitte, sowie Schauspieler
und Regisseur Klaus Maria Brandauer (Mepisto, Hanussen,
Jenseits von Afrika) verweilen in Heiligendamm. Auch die mehrmalige
Europa- und Olympia-Weltmeisterin im Schwimmen, Franziska van Almsick, sowie
ihr Lebensgefährte Jürgen B. Harder machen einen dreitägigen
Heiligendamm-Kurzurlaub.
Im Oktober wird der Düsseldorfer Architekt im
Prozess um den Millionenbetrug bei der Sanierung des Grand Hotels zu drei
Jahren Haft verurteilt.
Die Kurtaxe wird erhöht.
Die Einnahmen belaufen sich nun auf ca. 242.000
Euro. Die Summe aller Kosten beläuft sich aber auf über 271.000 Euro.
Hotelchef Martin H. Kolb verlässt seinen Posten,
nachdem das Hotel nicht so gut läuft, wie er es noch Ende 2007 erwartet
hatte.
Er möchte sich nach eigenen Angaben neuen
Herausforderungen stellen. Andere Quellen berichten, dass er entlassen
wurde.
Im "Heiligendamm-Prozess" um den Millionenbetrug
bei der Sanierung fällt das letzte Urteil für einen Mitarbeiter des
Architektenbüros: 5 Jahre Haft.
Die Kirchgemeinde Bad Doberan kauft das Amtshaus
am Klostergarten und plant einen Ausbau zum Gemeindehaus.
2009
Das Bad Doberaner Rheumazentrum initiiert das 1.
Heiligendammer Gespräch im Grand Hotel.
Am 03.02. kündigt die Kempinski AG mit
sofortiger Wirkung den Managementvertrag mit dem Grand Hotel.
(Link:
Kempinski wirft das Handtuch und steigt in Heiligendamm aus.)
Oliver Sembill wird neuer Interims-Hotelchef.
Haus "Krone" wird an einen Privatmann verkauft.
Es handelt sich um ein Familienmitglied des
Hamburger Versandhändlers Otto (Otto-Versand).
FUNDUS will durch eine Kapitalerhöhung von 41
Millionen Euro in Heiligendamm 20 Millionen Euro investieren.
Nach Angaben von Jagdfeld soll der
Wellnessbereich doppelt so groß werden.
Zudem sollen zwei Außenschwimmbäder sowie ein
Sportzentrum, Tennisplätze, ein Fußball- und Bolzplatz sowie
ein Schaugarten entstehen. Zu den vier vorhandenen Restaurants sollen drei
weitere hinzukommen.
Die Kempinski-Gruppe zieht gegen FUNDUS vor
Gericht und will erreichen, dass der Name "Adlon" nur noch für das Adlon in
Berlin verwendet werden darf. Bisher hatte man in Heiligendamm
gern mit dem "Adlon am Meer" geworben. Daher hat sich auch Adlon-Erbe Percy
Adlon eingeschaltet.
Die jährliche Strauß-Gala in Heiligendamm soll
auch nach dem Ausstieg von Kempinski bestehen bleiben.
Im März wird bekannt, dass Heiligendamm gar kein
DSL hat.
Die Leitungen liegen vom G8-Gipfel aber der
Verteiler wurde nach dem Gipfel wieder entfernt.
Das Grand Hotel nutzte bisher Insellösungen. Das
Interesse ist jedoch in Heiligendamm und Vorder Bollhagen groß.
Die Stadtväter werden um Hilfe gebeten.
Die in Heiligendamm gedrehte und vom Hotel
handelnde Komödie "Pretty Mama" wird ausgestrahlt.
Der B-Plan 25 (Wohnen im Alexandrinen-Cottage
und Haus "Krone") und Nummer 30 (Tiefgarage, Anhebung der Promenade,
Sturmflutschutzmauer) stehen erneut zur Debatte. Beide Pläne werden am
30.03. gekippt.
Die Diskussion um Heiligendamm ist erneut
entfacht und wird von den Medien aufgenommen.
Im April wird Holger König neuer Hotelchef
Der traditionell am 01.05. statt findende
Molli-Lauf findet ab 2009 nicht mehr statt, da der Hauptsponsor MBB die
Unterstützung versagt. Der Verein kann ohne die Unterstützung der
Mecklenburgischen Bäderbahn den Molli-Lauf nicht ausrichten.
Bis hier her
gab es 13 Molli-Läufe.
Am 09.05. findet der Gourmet-Gipfel in
Heiligendamm statt.
Die ECH und das Grand Hotel bringen gemeinsam ab Mai monatlich eine Zeitung
heraus, die über die Pläne der ECH aufklärt.
Im Grundaufbau stellt diese Zeitung die Arbeit des Hotels und die einzelnen
Tätigkeiten vor, berichtet aus dem Gut Vorder Bollhagen oder vom Golfressort
Wittenbeck, stellt ein Rezept vor, stöbert im Gästebuch des Grand Hotels,
bringt Presseberichte, Leserbriefe und Blicke von außen, behandelt
Abschnitte der Geschichte und Literatur von und über Heiligendamm, stellt
der Reihe nach je ein Sanierungsobjekt vor und wenn es passt, wird ein
lokalpolitisches Thema oder eine bevorstehende Entscheidung besprochen.
Abgerundet ist die Lektüre durch persönliche Porträts, z.B. von Zulieferern
oder Investoren und eingeleitet wird die Zeitung durch ein Editorial,
welches abwechselnd von Anno August Jagdfeld oder Holger König geschrieben
wird.
Einige den Investitionen kritisch gegenüber stehende Gastgeber Heiligendamms
gründen die "Interessengemeinschaft Heiligendammer Gastgeber" (IHG), welche
etwa ein Drittel der kleinen Heiligendammer Gastgeber - quasi nur sich
selbst - vertritt und dessen Selbstverständnis es ist, "nicht gegen das
Hotel zu arbeiten, sondern den Stein wieder ins Rollen zu bringen".
Eine Mitgliedschaft des Grand Hotels und der größeren Heiligendammer
Beherbergungsbetriebe wird von vornherein per Größenbegrenzung in der
Satzung ausgeschlossen. In der Folgezeit nutzt die IHG die Lokalzeitung
"OSTSEE-ZEITUNG" für die Publikation ihrer Forderungen, die teilweise nicht
nachvollziehbar, teilweise nicht umsetzbar und teilweise entgegen der
zwischen Stadt und Investor getroffenen Entscheidungen stehen. Daraufhin
distanzieren sich nicht in der IHG vertretende Gastgeber von der IHG und
ihren Forderungen.
Im Spätsommer 2009 muss die Stadtvertreterversammlung über einen Antrag des
Bürgerbundes abstimmen, der mit einer Willenserklärung erreichen will, dass
der von der ECH als Hotelpark vorgesehene Teil des Kleinen Wohldes nicht in
eine Grünfläche mit der Zweckbestimmung "Hotelpark" umgewandelt werden darf,
sondern öffentliche Wald bleibt. Zusammen mit der Lokalredaktion der
OSTSEE-ZEITUNG wettern Bürgerinitiativen, Bürgerbund und IHG gegen die
angestrebte Umwandlung und belasten den Investor mit Falschaussagen und
groben Fehlern in der Berichterstattung. Am Ende erteilt die Mehrheit der
Stadtvertreter dem Antrag des Bürgerbundes eine Ansage und setzt dem Treiben
ein Ende. Der inszenierte Protest verstummt schlagartig und weitere
Entscheidungen zu Gunsten eines Fortschrittes in Heiligendamm führen zu
einem Rückzug der Hotelgegner.
Im Juni stirbt der langjährige Heiligendammer
Ärztliche Direktor Cuno Serowy im Alter von 88 Jahren in Kühlungsborn.
Die Legislaturperiode 2004-2009 endet mit den Kommunalwahlen im Juli 2009.
Die FDP kann einen Sitz zulegen, das Bündnis für Bad Doberan zieht mit einem
Kandidaten und die NPD mit zwei Kandidaten in das Rathaus ein. Die CDG
verliert zwei, der HGV ein Sitz und die restlichen Parteien behalten ihre
Sitze, tauschen teilweise aber die Besetzung aus. Bürgermeister bleibt
Hartmut Polzin, als Stadtvertretervorsteher löst Guido Lex (Bürgerbund)
Caroline Brandt (CDU) ab. Sein anmaßende Auftreten, sowie Beleidigungen und
mangelnde Neutralität sorgen kurz darauf für Empörung bei Stadtvertretern
und Bürgern.
Am 09.08. legt der niederländische
Traditionssegler "Aphrodite" anlässlich der 19. Hanse Sail in Heiligendamm
an.
Der zu DDR-Zeiten zugeschüttete Mühlenteich am Moorbad wird
wiederhergerichtet und das Flussbett renaturiert.
Der Schauspieler Fritz Wepper dreht in Heiligendamm den Krimi "Alles Böse
zum Hochzeitstag",
welche vom ZDF im Frühjahr 2010 ausgestrahlt wird. Zusammen mit seiner
Tochter Sophie nutze er die Kulisse Heiligendamms.
Im Winter wird bekannt, dass der Bürgermeister mit der ECH Kompromisse
ausgehandelt hat, welche eine Zustimmung der Stadtvertreter erleichtern
sollen. Die FDP nutzt diese Situation zu einer Nachverhandlung in einzelnen
Punkten und stellt ihre Zustimmung zu den Anträgen auf Grund der neuen
Kompromisse in Aussicht. Dennoch stellen FDP und Bürgerbund für die Sitzung
Anträge, die in ihrer Art an den Interessen den Investors vorbei gehen oder
direkt dazu geeignet sind, ihn zu behindern.
Am 14.12. genehmigt die Stadtvertreterversammlung die B-Pläne 25 und 30 und
erlaubt damit der ECH den Bau einer Tiefgarage und eines Hotelparks, sowie
die Sanierung der Perlenkette samt der geplanten Neubauten in der zweiten
Reihe und den zukünftigen Bewohnern der Perlenkette die ganzjährliche
Nutzung ihrer Wohnungen. Die ECH kündigt an, mit dem Wiederaufbau der Villa
"Perle" bereits im Juni 2010 zu beginnen. Die Bauzeit beträgt 15 Monate und
die anderen Villen werden nacheinander oder parallel saniert, sowie die
Mehrzahl der Wohnungen verkauft ist. Sämtliche Anträge des Bürgerbundes und
der FDP die dazu geeignet sind, den Investor oder das Grand Hotel zu
behindern, werden mehrheitlich abgelehnt. Damit zeichnet sich eine neue
Richtung ab.
2010
Die Chronik wird ständig aktualisiert. Schauen Sie wieder herein!
Weitere Termine, die in der Zukunft liegen, gibt
es
hier.
Hier geht es zur aktuellen öffentlichen
Diskussion speziell um Heiligendamm.
Übrigens: Einen
Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.
|
Söhne und Töchter der Stadt:
Karl Georg Schumacher (1797-1869),
Hofmaler in Schwerin
Eduard Heyck (1862-1941),
Kulturhistoriker, Herausgeber, Schriftsteller und Dichter
Paul Löwigt (1873-1934),
Lübecker Bürgermeister
Ernst Voß (1886-1936),
Theologe
Friedrich von Hohenzollern
(1891-1965),
Prinz von Hohenzollern-Sigmaringen, später Chef des Hauses
(in Heiligendamm geboren)
Joachim Schmettau (* 1937),
Bildhauer
Heike Müns (* 1943),
Volkskundlerin und Autorin
Peter Eichstädt (* 1950),
Politiker
Frank Paschek (* 1956),
Leichtathlet
Herbert Maronn (* 1959),
Fußballfunktionär sowie ehemaliger Fußballspieler und
Fußballtrainer
Frank-Michael Malchow (* 1961),
Politiker
Felix Drahotta (*1989),
Riemenruderer
|
-
Carl Theodor Severin (1763-1836),
Architekt (Neue Wache, Rostock)
schuf mehrere Bauwerke in Doberan und Heiligendamm
-
Johann Hermann Becker (1770–1848),
Leibarzt (Großherzogin Louise Friderike) Geheimer Medizinalrat
war als Badearzt in (Bad) Doberan tätig
-
Karl von Maltzahn (1797-1868),
Pferdezüchter, preußischer Oberlandstallmeister
Mitbegründer der Doberaner Rennbahn
-
Gotthilf Ludwig Möckel (1838-1915),
Architekt und Baumeister (u.a. Erlöserkirche Potsdam)
lebte und arbeitete in (Bad) Doberan
-
Ehm Welk (1884-1966),
Schriftsteller (Die Heiden von Kummerow)
lebte seit 1950 in Bad Doberan
-
Herman Wirth (1885-1981),
völkischer Pseudohistoriker (Der Aufgang der Menschheit)
leitete in Bad Doberan während der NS-Zeit ein „Forschungsinstitut
für Geistesurgeschichte“
-
Gerhard Ringeling (1887-1951),
Schriftsteller (Zwei auf einem Floß)
war als Lehrer am Friedrich-Franz-Gymnasium in Bad Doberan tätig
-
Kate Diehn-Bitt (1900-1978),
Malerin
besuchte in Bad Doberan die Höhere Töchterschule
-
Claus von Amsberg (1926-2002),
Prinzgemahl der niederländischen Königin,
besuchte kurzzeitig das Friedrich-Franz-Gymnasium in Bad Doberan
|
|
Infos zu den Personen, die Heiligendamm besucht haben:
|
|
Großherzog Friedrich Franz I,
Prof. Gottlieb Samuel Vogel,
Christoph Willhelm Hufeland,
Georg Christoph Lichtenberg,
J.C.H.
von Seydewitz,
Carl Theodor Severin,
Gustav Adolph Demmler,
Die herzoglichen Familien von
Mecklenburg-Schwerin,
Gebhard Leberecht v. Blücher, General von Hardenberg,
Friedrich von Preußen,
Willhelm von Preußen,
Felix Mendelssohn Bartholdy,
C.J. Apperley,
Maria A. Romanowa,
König Ludwig I von Bayern,
Kronprinz von Bayern,
Gottfried Schadow,
Helmut K. B. von Moltke,
Heinrich von Preußen,
Kaiser Wilhelm I,
Otto von Bismarck,
Karl XIV Johann v. Schweden,
Rainer Maria Rilke,
Louise von
Preußen,
Wilhelm von Humboldt,
Marcel Proust,
Lord
Nelson,
Joseph Goebbels,
Adolf Hitler,
Hermann Göring,
Benito Mussolini,
Marie von Meckl.-Schwerin,
Fürst von Putbus,
Prinz Christian von Dänemark,
Prinzessin Sanguszko von Polen,
Admiral Sarizchev,
Erzbischof von Breslau,
Generalchirurgus Goercke,
Madame Catalani,
Professor Reichard,
Friedrich Wilhelm III von Preußen,
Nikolaus
Zarewitsch,
Herzog von Cambridge,
Kronprinz
Oskar von Schweden
Großfürst
Constantin von Russland,
Theodor Fontane,
Hermann
Sudermann,
Köhl und
Hünefeld,
Max Schmeling,
Pola Negri,
Hans Albers,
|
Johannes Rau,
Hans-Dietrich Genscher,
Peter Struck,
Dominique
de Villepin,
Wlodzimierz Cimoszewicz,
Hannelore Elsner,
Wolfgang Joop,
Til Schweiger,
Helmut Dietl,
Alexandra
Maria Lara,
Hera Lind,
Otto Sander,
Nadja Auermann,
Wolfgang
Schäuble,
Eva Padberg,
Condoleezza Rice,
Frank-Walter Steinmeier,
Deutsches Fußball-Nationalteam,
Stephen Harper,
Nicolas Sarkozy,
Angela Merkel,
Romano Prodi,
Shinzō Abe,
Wladimir Putin,
Tony Blair,
George W. Bush,
José Manuel Durão Barroso,
Luiz Inácio Lula da Silva,
Hu Jintao,
Manmohan Singh,
Felipe Calderón,
Thabo Mbeki,
Muhammad Husni Mubarak,
Abd al-Aziz Bouteflika,
Umaru Yar'Adua,
Abdoulaye Wade,
John Agyekum Kufuor,
Meles Zenawi,
Alpha Oumar Konaré,
Ban Ki-moon,
Ralf Möller,
Rudi Assauer,
Christopher Lee,
Klaus Maria Brandauer,
Saskia Valencia,
Helmut Zierl,
Franziska van Almsick,
Fritz Wepper
|
Ehrenbürger hatte Bad Doberan offenbar nur
zwei: Ehm Welk und Adolf Hitler.
Im Frühjahr 1932 stimmte die Stadtvertretung Bad Doberans dem Vorschlag
der Ehrenbürgerschaft zu und erteilte sie im August 1932 offiziell. Auch
Walter Kempowski wusste von dieser Ehrenbürgerschaft. Da Ehrenbürgerschaften
nach dem Verständnis der Verantwortlichen mit dem Tod des Ehrenbürgers enden
und spätestens die Entnazifizierung die Ehrenbürgerschaft Hitlers beendet
hätte, wurde nichts weiter unternommen. Man ging davon aus, dass Hitler
nicht mehr Ehrenbürger Bad Doberans sei.
Im Rahmen der Vorbereitungen zum G8-Gipfel wurde von Gegnern der G8
versucht, den Austragungsort Heiligendamm durch das Hervorkramen dieser
Ehrenbürgerschafts-Geschichte zu denunzieren und die derzeitige Politik mit
dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen, woraufhin die
Stadtvertreterversammlung Bad Doberans am 02.04.2007 einstimmig die
Ehrenbürgerschaft offiziell und ohne nachträgliche Anerkennung derselben
entzog und erklärte, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod Hitlers als
beendet angesehen wurde. Darum ist auch Ehm Welk nicht mehr offiziell
Ehrenbürger der Stadt.
Weitere Informationen zur Geschichte,
Architektur und Kultur
Heiligendamms und Bad Doberans, sowie seiner
Bauwerke und Baumeister gibt es hier:
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