Zeit am Meer


Bad Doberan und Heiligendamm - Geschichte, Werdegang und Zukunft. Chronik, Foto-Rundgaenge, Gebaeudedatenbank, Oeffentliche Diskussion.
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Die Legende vom Heiligen Damm

Geschichte und Chronik des ersten deutschen Seebades.

Vom Großherzog zum Großinvestor. Chronik der Weißen Stadt am Meer.

 

 

Ludwig Bechstein schrieb im Deutschen Sagenbuch (Leipzig 1853) folgende Zeilen über die Entstehung des Namens "Heiligendamm":

 

An der Ostsee in der Nähe von Doberan war ein Ort in großer Bedrängnis von der Flut,

und die Einwohner sahen ihr gewisses Verderben vor Augen. Mit jedem Tage entführte die Flut

ein Stück vom Lande, schon drohte den nächst am Ufer gelegenen Häusern der Untergang.

Da wurden im ganzen Mecklenburger Lande Betstunden angeordnet, und das Flehen und

Schreien eines ganzen Landes fand Gnade vor dem Herrn. Zum letzten Male hatten sich

mit Furcht und Zagen die Bewohner zum Schlummer niedergelegt, und viele fanden ihn nicht,

denn die See rauschte gewaltig und ging hohl, und der Boden erzitterte, und es zuckten Blitze

über die Meereswogen. Dann wurde es stiller, und der Mond trat hinter Wolken hervor,

und da schauten manche vom Strande ängstlich hinaus, da lag etwas Großes, Dunkles im Wasser,

und manche meinten, es sei der Kraken, der seinen inselgleichen Rücken aus der Flut hebe,

und als der Tag kam, siehe, so verlief sich das Wasser mehr und mehr vom Strande, 

und vor den Blicken der erstaunten Bewohner lag eine hohe Düne wie ein Wall und fester Damm.

Der war auf das Gebet des Landes in einer Nacht entstanden durch die göttliche Hilfe,

und alles Volk lobte Gott, und sie nannten den Damm den heiligen Damm

und konnten ihn nicht ohne Dank und Verehrung erblicken.

 

Eine andere Legende erzählt von einem Schäfer, der seine Schafe immer um den ganzen Conventer See treiben musste, weil der See damals zur Ostsee gehörte. Er war darüber verärgert und schimpfte vor sich hin, als ein fein gekleideter Herr daher kam und sich die Sorgen anhörte. Er versprach dem Schäfer, einen Damm aus Steinen zu bauen aber der Schäfer müsse dafür seine Seele hergeben. Dieser erkannte, mit wem er es zu tun hat und bat um eine Bedingung. Beim Bau sollten drei Hähne zugegen sein - ein weißer, ein roter und ein schwarzer. Sie würden bei Sonnenaufgang nacheinander krähen und wenn der letzte Schrei verhallt ist, müsse der Damm fertig sein, sonst bleibt die Seele verschont. Der Herr willigte ein und machte sich unter lautem Poltern und Getöse in der Nacht daran, Steine aufzutürmen und einen Damm zu bauen. Morgens krähte dann zuerst der erste Hahn. Der Bocksbeinige dachte "Dat is der Hahn witt, dat is so väl, as de Hund schitt." Er arbeitete weiter und schon krähte auch der zweite Hahn. Er sagte "Dat is Hahn rod, dat het keen Nod." Als er den letzten Stein einsetzen wollte, krähte der dritte Hahn. Mit einem grässlichen Fluch und entsetzlichen Gestank von Pech und Schwefel brüllte der Satan: "Dat is Hahn swart, da geiht mi dörch't Hart!" und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Der Schäfer hatte nun einen bequemen Weg zur Weide und da die Hähne den Gehörnten vertrieben hatten, nannte man den Damm fortan "Heiliger Damm".

Dieselbe Legende gibt es so ähnlich auch noch einmal für den Gespensterwald westlich von Heiligendamm, wo es ein Bauer ist, der den Teufel überlistet, um einen Weg an der Steilküste hinunter zur Ostsee zu bekommen und wo seine Frau dem Teufel vortäuscht, ein Hahn zu sein. Es gibt viele Legenden im heidnischen Mecklenburg.

 

Auffällig ist, dass Heiligendamm in einer Bucht liegt. Die Steilküste westlich von Heiligendamm und östlich von Börgerende lässt vermuten, dass - vielleicht durch einen westlichen Arm des Warnow-Delta - hier ein gewaltiges Stück Land abgebrochen ist und eine Flachküste geschaffen hat. Vielleicht ist das wirklich an einem Tag geschehen und gab so den Anlass zu dieser Sage.

Sicher ist nur, dass sich unter dem Meeresgrund ein Streifen aus Flintsteinen befindet. Möglicherweise kam der einmal zum Vorschein. Zum Beispiel im 13. Jahrhundert, als eine Sturmflut wütete und das Wasser bis an den Standort der heutigen Pferderennbahn trieb. Heute ist es nicht einmal mehr vorstellbar, dass das Wasser bis zu den Molli-Schienen heran reichen könnte.

 

Der Ort Heiligendamm war eigentlich nicht viel mehr als eine Lichtung im Wald, in der ein paar Menschen lebten. Jäger, Bauern Waldarbeiter und Handwerker. Vielleicht auch Fischer und ganz bestimmt auch Frauen. Reich war Heiligendamm nur an Wasser, Sand und Bäumen. Der Forstinspektor Heinrich Friedrich Becker aus Rövershagen fand diese Lichtung immerhin interessant genug, um 1792 eine "Topographische Beschreibung des Heiligen Dammes bey Dobberan" darüber zu schreiben. Für den einen war es nach seiner Ansicht ein Haufen loser Steine und für den anderen ein Wunderwerk Gottes. Die Niederung zwischen den Steilküsten wurde jedenfalls schon vor der Gründung des Seebades gern besucht.

 

Die Herzöge, welche seit 1552 ihre Verstorbenen im Doberaner Münster beisetzen ließen, kannten diese Lichtung im Wald und besuchten sie oft. Auch Familien aus Rostock pilgerten dort hin und die Gelehrten der Universität führten ihren weit gereisten Kollegen die Laune der Natur vor. Bereits 1766 schwärmte ein englischer Gast von Prof. Aepinus von diesem Ort, den er sich als Ruhestätte im Greisenalter wünschte.
 

Im Landesinneren hatte Deutschland bereits einige Badeorte vorzuweisen. Da gab es Pyrmont, Aachen und natürlich Baden Baden.

An der See jedoch war kein einziges Bad vorhanden. Im alten Griechenland waren Seebäder bekannt und Hippokrates (460-370 v.Chr.) pries die Heilkraft des Seewassers und den Nutzen von Trink- und Badekuren an. Galenos tat es ihm 200 Jahre später gleich und das alte Rom konnte Badeorte wie eine Perlenkette entlang der Mittelmeerküste vorweisen. Mit dem Römischen Reich verschwand auch das Wissen um die Heilkraft des Wassers und erst die Zeit der Aufklärung zum Ende des 17. Jahrhunderts brachte es wieder.

 

Der englische Arzt John Locke (1632-1704) und der französische Philosoph Jean-Jacques Rosseau (1702-1778) definierten das

Verhältnis zwischen Mensch und Natur neu und empfahlen das Baden und Schwimmen im Seewasser. Bald folgte in England

die industrielle Revolution und mit ihr zogen die Automatisierung und damit auch die Arbeitslosigkeit und das Elend ein.

Aus Krankheiten wurden schnell Epidemien und die herkömmliche Medizin gelangte langsam an ihre Grenzen.

 

Mitte des 18. Jahrhunderts dann baute Russell die erste Badeeinrichtung Europas im Fischerdorf Brighthelmstone, dem heutigen Brighton. Bald folgten Harwich, Margate, Deal, Southampton, Weymouth, Plymouth, Hastings, Ramsgate und Yarmouth. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war fast jeder Küstenort Englands zum Seebad umfunktioniert worden.

 

   
   
   
   

 

Reiseberichte, Übersetzungen und Erfahrungen der Ärzte erreichten um 1770 auch Deutschland und der ostfriesische Pastor Gerhard Otto Christoph Janus forderte den König Friedrich II (1712-1786) auf, eine Seebadeanstalt zu bauen. Er schlug die Insel Juist vor. Weil er aber die den Badegast bei der Überfahrt ereilende Seekrankheit ansprach, lehnte der König letztlich ab.

Inzwischen hatte auch der deutsche Philosoph Georg Christoph Lichtenberg sich in Margate und Deal von den Vorzügen des Badens im Meer überzeugt und schrieb einen Aufsatz, in dem er Cuxhaven als Seebadeort vorschlug. Dieser Aufsatz erregte die Diskussion und rief auch den Königsberger Arzt Daniel Metzger und den Berliner Arzt Christoph Willhelm Hufeland auf den Plan, die sich ebenfalls für einen Seebadeort in Deutschland aussprachen. Georg Christoph Lichtenberg brachte es in seinem Aufsatz anno 1793 auf den Punkt:

 

Warum hat Deutschland noch kein öffentliches großes Seebad?

 

Damit beginnt die Geschichte des ersten deutschen Seebades.

1873 - in Frankreich tobt die Revolution und am 21.01. werden Ludwig XVI und Marie Antoinette hingerichtet.

Preußen und Russland teilen sich Polen und in den USA wird mit der Gründung von Washington D.C. der Grundstein für das Capitol gelegt. Fernab vom Weltgeschehen sorgt sich ein Rostocker Professor um das Wohl der Menschen und verfasst am 25. August einen Brief an seinen Herzog, in dem er die Errichtung eines Badeortes vorschlägt.

 

Durch die außer Zweifel gesetzte heilvolle Wirkung des Badens in Seewasser können sehr viele Schwachheiten und Kränklichkeiten des Körpers behoben werden. Jedoch wären hierfür besondere Einrichtungen wie die in England gebräuchlichen Badekarren und ein Badehaus erforderlich. (...) Dass das Baden in der See unfruchtbare Weiber fruchtbar mache, kann zwar dadurch nicht bewiesen werden, dass manches Frauenzimmer dieser Art von Seebadeorten geschwängert zurückkommt, wovon es in Engelland Beyspiele genug geben soll, indessen ist gar nicht zu bezweifeln, dass es Ursachen der weiblichen, so wie in der männlichen Impotenz gibt, welche durch das Baden in der See gehoben werden. (...)

 

Und er spricht sogleich eine Empfehlung aus: Doberan.

Es empfehle sich nicht nur durch seine vortreffliche und anmutige Lage, sondern auch durch seine gute Gesellschaft und "mancherley Bequemlichkeit". Es habe "auch schon seit einigen Jahren im Sommer eine ansehnliche Gesellschaft aus Rostock, Schwerin und Güstrow und sogar aus Hamburg hier aufgehalten, um Brunnen zu trinken und in der See zu baden oder sonst der Gesundheit zu pflegen".

 

Der Herzog lässt seinen Leibarzt nicht lange warten und antwortet am 09. September seinerseits per Brief:

 

Mir sind bey meiner Anwesenheit ihre von ihnen schriftlich aufgesetzten Gedanken, über Anlegung eines Seebades, übergeben worden, ich wünsche daher daß der Herr Hofrath mir darüber mögen, einen Plan aufsetzen, welchen ich nicht verfehlen werde, aufs genaueste zu prüfen, um als dann so viel als möglich zur Ausführung desselben beytragen zu können. Besonders, da es mir nicht gleichviel sein kann, manchen kranken Menschen dadurch glücklich zu machen, nicht zu gedenken, daß Geld im Lande

verzehrt wird, was auswärtige Bäder demselben entziehen. Ich erwarte daher mit Vergnügen Ihre Vorschläge, in Betreff dieser heilsamen Anstalt (...).

 

Er stimmt dem Standort Doberan zu. Mit seinen 85 strohgedeckten Häusern und 900 Einwohnern ist es vielleicht nicht gerade repräsentativ aber es gehört zum Domanium und ist damit herzoglicher Besitz und die mecklenburgischen Herzöge nutzten das kleine Dorf oft als Sommerresidenz und die Klosterkirche in Doberan (Münster) ist auch die Grablege der mecklenburgischen Herzöge. Immerhin hatte Karl von Stein anno 1791 für ein paar Monate auf dem Kammerhof Urlaub gewohnt, weil er in Mecklenburg

Landwirtschaft studierte. Er sandte eine Packung Steine vom Strand am Heiligen Damm zu seiner Mutter nach Weimar geschickt. Das klingt wenig spektakulär aber vielleicht hilft es Ihnen auf die Sprünge zu wissen, dass die Mutter von Karl mit Johann Wolfgang von Goethe liiert war. Die Steine liegen heute noch in Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar und auf dem Kasten prangt der Schriftzug "Mecklenburg".

Doberan oder "Dobberan", wie es lautsprachlich korrekt (mit langem A) damals oft geschrieben wurde, ist nicht nur ein kleines Dorf, sondern überdies auch ein nach dem Niedergang des Klosters verarmtes. Doberan hat 1793 eine Geburtenrate von gerade einmal 24-30 Kindern im Jahr. Das spricht zu dieser Zeit nicht gerade für einen perspektivenreichen Ort.

 

Aber Doberan soll zum Badeort werden. Als problematisch erweist es sich jedoch, das Wasser von der niedrig gelegenen Ostsee über den höher gelegenen Hügelring um Doberan in den Ort zu befördern. Ein bestehendes Haus soll zum Badehaus umfunktioniert werden aber eine Rohrverlegung erweist sich als unmöglich. Professor Vogel weiß Abhilfe und schlägt dem Herzog vor, das Badehaus direkt am Heiligen Damm zu errichten und dorthin mit Kutschen zu fahren und die frische Waldluft gleich zum Wellnessprogramm dazu gehören zu lassen.

 

Als besonders praktisch erweist es sich, dass der beliebte Flecken im Wald nördlich von Doberan völlig unbebaut ist.

Und der Heilige Damm gehört auch zum Domanium und damit zum herzoglichen Besitz. Der Herzog stimmt zu und schickt seinen Hofmedicus Vogel und seinen Bauconducteur Johann Christoph Heinrich von Seydewitz in die nobelsten deutschen Binnenlandbäder, um dort zu studieren.

 

Professor Vogel trifft in Göttingen auf eben jenen Lichtenberg und der ist begeistert von der Idee und erzählt dem Professor von seinen Erlebnissen in Margate und Deal. Zurück in Mecklenburg geht es gleich an die Planungen und der Herzog schart den Hofmedicus und seinem Amtssekretär Heuckendorf und den Amtshauptmann Wachenhusen um sich, um die Einzelheiten zu planen. Fest steht: Alle Gelder werden der herzoglichen Schatulle entnommen und es werden keine anderen Kassen

molestiert. Der Herzog verdient gut aus den Arbeiten seiner Leibeigenen und sehr gut durch den Verkauf von eintausend mecklenburgischen Soldaten an den König von Oranien.

 

Ein Jahr später trifft der Herzog mit seinem Gefolge in Heiligendamm ein und eröffnet die erste Badesaison.

300 Gäste finden sich ein und machen den Auftakt zu einem vollen Erfolg.

 

Und zu einer enormen Herausforderung für das kleine Dorf an der Ostsee...

 

 

Chronik des ersten deutschen Seebades.

 

Diese lückenloseste Chronik Bad Doberans und Heiligendamms seit 1793 kommt als Zeittafel daher.
Fast jedes Jahr ist dokumentiert und in regelmäßigen Abschnitten gibt es eine Zusammenfassung mit ein paar Bildern.
Die Zeittafel soll schnell geladen, schnell gelesen und bei Bedarf in Teilen kopiert werden können. (Quellangabe nicht vergessen!)
Sie soll kein Geschichtsbuch sein. Aber auch dieses gibt es: Im Architekturführer erfahren Sie Bauwerk für Bauwerk, wie sich die Stadt mit ihrem Bade entwickelte und welche Bedürfnisse, Ideen und Baumeister dahinter stehen bzw. standen.  Zum besseren Verständnis dieser Chronik empfiehlt es sich daher, auch den Architekturführer zu lesen. Wenn Sie dann im neuen Jahrtausend angekommen sind, sollten Sie vom Architekturführer übergehen zum Diskussionsarchiv, um die aktuelle Entwicklung zu verstehen.
Wirklich empfehlenswert sind auch - einen DSL-Zugang vorausgesetzt - die Foto-Rundgänge, welche seit 2003 das aktuelle Geschehen jährlich - mitunter sogar monatlich - begleiten. Die Rundgänge sind wie ein gemütlicher Plausch mit dem Autor - ich zeige Ihnen nicht nur Bilder, die ich geschossen habe, sondern Sie gehen quasi neben mir und begleiten mich auf meiner Tour.
Zu den Foto-Rundgängen geht es hier entlang.
Und nun viel Spaß bei Ihrer Zeitreise!

 

1793

 

Herzog Friedrich Franz I von Mecklenburg-Schwerin erlässt am 22.07.1973 ein Dekret.
Dem Herzog war wohl zu Ohren gekommen, dass Seebäder gefragt sind und so beschließt er, dass sein Herzogtum ein Seebad haben muss. Was genau das ist und wie man das am Besten anstellt, weiß der Herzog auch nicht. Per Dekret kann er aber von seinem Hofstaat verlangen, sich darum zu kümmern.

Prompt meldet sich auch sein Hof- und Leibarzt Samuel Gottlieb Vogel zu Wort und empfiehlt in seinem Brief vom 25.08. dem Herzog die Errichtung eines Bades. Vogel hat sehr genaue Vorstellungen davon, wie so ein Bad auszusehen hat und welche Ziele sich mit ihm erreichen lassen. Das erklärt er dem Herzog und empfiehlt die Einrichtung eines solchen Bades an der Ostsee.
Der Arzt Willhelm Hufeland und der Physiker und Mathematiker Georg Christoph Lichtenberg schließen sich der Empfehlung an.


Der Herzog stimmt am 09.09. der Errichtung eines Seebades in Doberan zu.
Prof. Vogel und Bauconducteur Johann Christoph Heinrich von Seydewitz gehen auf Studienreise zu den vornehmsten deutschen Bädern. In Göttingen trifft Vogel auf Lichtenberg und tauscht sich mit ihm aus.

 

Herzog Friedrich Franz I verkauft 1000 mecklenburgische Söldner an den König Wilhelm V von Oranien (Niederlande) und bekommt dafür 37.000 Silberdukaten pro Jahr plus Sonderzahlungen für Tote, Verwundete und Vermisste. Der Herzog ordnet an, alle Ausgaben für Heiligendamm der herzoglichen Schatulle zu entnehmen und keine andere Kasse zu molestieren.

Es fließen die ersten 4.250 Taler in das Projekt am Heiligen Damm.

 

Doberan hat 900 Einwohner und 85 meist strohgedeckte Häuser. Jährlich werden nur 24-30 Kinder geboren.

Professor Vogel schlägt vor, eines dieser Häuser zum Badehaus umzubauen und das Wasser über ein Rohrsystem von der Ostsee nach Doberan zu befördern. Der Herzog stimmt zu und Bauconducteur von Seydewitz nimmt seine Planungen auf. Das Projekt scheitert aber wegen der Höhenunterschiede zwischen Doberan und der Ostsee.

 

Vogel schlägt daraufhin die Errichtung von Holzhütten in Heiligendamm vor und preist den gesundheitlichen Nutzen der Fahrten zum Heiligen Damm in der offenen Kutsche an. Die Fahrt führt direkt durch Wald und Flur hin zur Lichtung am Ostseestrand.

 

Bauconducteur von Seydewitz errichtet das Amtshaus an Stelle eines Vorgängerhauses am südlichen Rand des Klosterhofes.
(Heute: Fachwerkhaus gegenüber dem Gefallenendenkmal)

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

 

1794

 

Herzog Friedrich Franz I stiftet 12.700 Taler für den Aufbau des Seebades und gründet am 18.07. die Herzogliche Badedirection, bestehend aus dem Hofmedicus Prof. Vogel, Amtssekretär Heuckendorf, dem Amtshauptmann Wachenhusen und dem Kammerpräsidenten Von Dorne, der später Intendant des Seebades wird.

 

Ein Zelt, eine Wagenremise für Wannenbäder und zwei Badeschaluppen treffen am Heiligen Damm ein.

Das sind Badeschiffe, mit denen man zum Baden ein Stück auf das Meer fährt.

 

Die Herzogliche Familie trifft in Heiligendamm ein und der Herzog eröffnet im Oktober die erste Saison und nimmt selbst ein Bad in der Ostsee. Seine Präsenz zieht Gäste aus Dänemark, Schweden, England, Frankreich, Italien, Polen,Ungarn, Russland und den Niederlanden an.

 

Heiligendamm zählt 308 Gäste, die im einzigen Gasthof Doberans, dem Lindenhof und in Privathaushalten untergebracht werden. 

Ein kleiner Brückenanleger wird gebaut. Professor Vogel spricht im Dezember an, dass ein Logierhaus in Doberan nötig sein wird.

 

 

1795

 

Die Herzogliche Badedirection wertet die erste Saison aus und stellt fest, dass die 308 Gäste alle Kapazitäten Doberans sprengten.

Vogel schlägt ein Logierhaus vor. Der Herzog fordert Risse (Zeichnungen) von von Seydewitz an und stimmt den Planungen zu.

 

Am Kamp entsteht ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem Seitenflügel für die Wagenremise und Stallungen im Parterre und Logierzimmern im Obergeschoss. Das Logierhaus selbst beherbergt ein Speisezimmer, einen Tanzsaal, eine Spielbank für die Spiele Pharao und Roulette und im Obergeschoss Logierzimmer. (Heute: Hotel "Friedrich Franz Palais".)

 

Im selben Jahr wird auch ein Plan für den Bau eines Badehauses am Heiligen Damm vorgelegt.

12.718 Taler fließen in das Projekt.

 

Carl Theodor Severin wird als Nachfolger des Bauconducteurs von Seydewitz bestimmt und durch diesen eingearbeitet.

Severin wurde 1763 in Meringhausen im hessischen Fürstentum Waldeck geboren und 1789 an den Hof nach Schwerin.

Er arbeitet zunächst von Juni bis November als Kammer-Ingenieur ohne Gehalt, überzeugt den Herzog aber durch seine Leistungen und wird im November zum Bauconducteur mit einem Gehalt von 100 Reichstalern und 6 Faden Ellernholz (6x 4,4519 mm Brennholz). Severins Ideen fließen bereits in die Bauten des von Seydewitz mit ein. Dieser soll Ostern 1796 in Pension gehen.

 

Am Münster entsteht ein Lustgarten nach dem Prinzip eines Englischen Gartens (Heute: Bachgarten). Der Kamp bekommt eine ihn umgebende Lindenpromenade und wird mit Wegen und Pflanzen umgestaltet. Bisher diente er als innerörtliche Weidefläche.

 

 

1796

 

Im September erteilt der Herzog den Befehl zum Bau eines Badehauses am Heiligen Damm.

Es wird schnell fertig gestellt. Es handelt sich um ein eingeschossiges Badehaus an der Stelle des "Haus Mecklenburg".

Vogels Vorschlag, es im rechten Winkel zur Ostsee und damit sturmsicher zu bauen, wird berücksichtigt.

 

Das Gebäude ist ein Backsteinbau mit 11 Fenster- und Türachsen, Dachzone, vier pilastergerahmten zweigeschossigen Mittelrisaliten und einer zweiläufigen geschwungenen Freitreppe, die in das unterkellerte Hochparterre führt.

Das Haus beherbergt 7 Badezimmer für Warm- und Kaltbäder, 2 Ruhekabinette, 2 Konversationszimmer, die Wohnung des Bademeisters und ein paar Logierzimmer für Leute, denen die Kutschfahrten zu beschwerlich sind.

Sechs Pumpen befördern das Meerwasser 35 Fuß hoch in das Badehaus.
(Das Badehaus existiert in der Form nicht mehr, ist aber in der Fassade des Hauses "Mecklenburg" noch angedeutet.
Siehe Architekturführer)

 

Von Seydewitz überlegt es sich anders und geht nicht in Pension.

Severin darf aber an seiner Seite weiter arbeiten.

 

Zugleich wird auch das Logierhaus am Kamp fertig.

Die ersten Bauten kosten schon 9.620 Reichstaler.

Im Lindenhof (Heute: Rathaus) wird eine Spielbank wird eröffnet und bringt jährlich 30.000 Taler an Pacht ein.


1797


Karl Georg Schumacher wird in Doberan geboren.

 

 

1798

 

Der Bericht "Zur Nachricht und Belehrung der Badegäste" wird von Prof. Vogel verfasst. (besser bekannt als "Vogels Baderegeln")

 

Christoph Willhelm Hufeland verweilt am Heiligen Damm.

 

 

1799

 

In den Jahren 1798 und 1799 kann der Herzog einen Geldumlauf von 100.000 Talern verzeichnen.

Das tut auch der Bevölkerung gut.

 


Sommerfrische in Doberan steht für eine neue Art des Umgangs miteinander.


Der Herzog besteht auf das freundschaftliche "Du" und beansprucht an der Tafel kein Platz für sich, sondern setzt sich heute hier und morgen dort hin.

Eine Anekdote erzählt, dass eines Tages ein Student am Tische des Herzogs saß
und als es an das Abkassieren ging, der Herzog die Bedienstete neckte "Für mich zahlt der Herr dort drüben".

Der Jüngling zückte prompt seinen Geldbeutel und zahlte für den Herzog und für sich.
Als Revanche lud er kurz darauf seine befreundeten Studenten in den Salon ein und als
die Bedienstete nun die trinkfesten Burschen abkassieren wollte, zeigte jener Student
auf den Herzog und meinte "Er bezahlt für mich".

Unter Zuhilfenahme einiger Kraftausdrücke und einem verschmitzten Lächeln übernahm der Herzog die Zeche.

Eine andere Geschichte erzählt von einem Spielabend, an dem der Herzog und sein Tischnachbar
das ganze Bargeld verspielt und verloren hatten.

Der Herzog stand auf und sagte zu seinem Tischnachbarn: "Dat Geld is heidi, Pötter. Un wat makt wi nu?" 

Der Töpfer erwiderte schlagfertig: "Ich gah na hus, Pötte drehn und hei könn ja ne niege stüer utschriewn".

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg schrieb nach seinen Besuch im August 1799 über die Table d'hôte,
dass sie das ungezogenste Diner war, das er je sah. Er verließ das gesellschaftliche Diner auf der Stelle
und ließ sich das Essen in seine Unterkunft bringen. Für einige feine Leute war die "Lockerheit" also zu derb.

Der Schauspieler Albert Ellenreich ersann für den Sinnspruch am Heiligendammer Kurhaus eine ganz eigene Interpretation:
"Hierher invitiert dich Lätitia per Post zum Ball mit Tee und Sahne."

Mehr über die Sommerfrische und das gesellschaftliche Leben in Doberan und Heiligendamm gibt es hier.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.
 

 

Der Herzog verbietet den Bau von strohgedeckten Häusern in Doberan.

Er vergibt Bauhilfsgelder für die Umrüstung auf Ziegeldächer.

 

Professor Vogel beginnt mit der Niederschrift seiner "Annalen des Seebades Doberan vom Sommer 1799".

Auf dem Kamp findet ein "Carossel-Ritt" statt - Rundreiten als Vorgänger des Pferderennsports.
Auf dem Jungfernberg (heute Tempelberg) entsteht ein Ausflugspavillon mit fantastischer Aussicht.

 

 

1800

 

Heiligendamm hat 714 Gäste, darunter auch Generalchirurgus Goercke.

 

Vogel zählt in seinen Annalen die vielseitigen Vergnügungsmöglichkeiten in Doberan und am Heiligen Damm auf:

Wasserpartien mit der Jagt (Yacht) des Herzogs, die 30 Minuten vor dem Heiligen Damm vor Anker liegt und für jeden nutzbar ist.

Reisen nach Warnemünde, Bademühle, Diedrichshagen, Mönkweden und Rostock, sowie zu Fuß in die Waldungen nach der Dober und Althof, zum Jungfernberg (verm. Tempelberg oder Fuchsberg) und zum Buchenberg. Weiterhin gibt es Feuerwerke, Illuminationen, Spiele, Comoedien, Assemblees, Thees im Badehaus, Ballonschlagen, Concerte, Tanztees, Bälle, und die legendäre Table d'hôte, das gemeinsame Mal der Gäste mit der herzoglichen Familie. Auf dem Kamp bewirtet der Leibkoch Caetano Medini aus Mailand in einem Zelt die Gäste und ein weiteres Zelt dient für Konzerte. Handwerker und Händler haben ihre Holzbuden auf dem Kamp errichtet, der abends beleuchtet wird und jeden Sonntag gibt es ein Feuerwerk.

 

(Die Table d'hôte, die Kamp-Illumination und das Kamp-Fest gehören noch heute zu den Traditionen.

Nach dem Leibkoch Medini wurde 2003 das Restaurant im Haus Bischoffstab in Heiligendamm benannt.

Es bietet eine reichhaltige gehobene mediterrane Küche an.)

 

Zu den Gästen Doberans anno 1800 gehört nicht nur der europäische und deutsche Adel, sondern auch die Oberschicht und Mittelschicht aus Gutsbesitzern, Kaufleuten, Offizieren, Beamten, Künstlern, Ärzten, Wissenschaftlern, Musikern und Schauspielern. Der Herzog hat für Doberan und den Heiligen Damm die Rangordnung aufgehoben und damit einen zwanglosen Umgang miteinander beschert. Er spielt auch gern mit Handwerksmeistern Pharao und Roulette. Das Preisniveau sorgt für das Fernbleiben der Unterschicht. Der Herzog als Primus inter pares ist zugleich Förderer und Ideengeber für das Theater, die Glücksspiele, Feuerwerke, Bälle und Feste.

 

 

1801

 

Severin und von Seydewitz planen gemeinsam das Salongebäude, nachdem von Seydewitz 1796 auf die Pensionierung verzichtete.

Der Auftrag wird an von Seydewitz erteilt aber es ist unschwer zu erkennen, dass Severin großen gestalterischen Einfluss ausübte.

 

Mussa Effende aus Konstantinopel verweilt am Heiligen Damm.

Prof. Vogel beginnt die "Fortgesetzten Annalen des Seebades Doberan".

 

Am Heiligen Damm entsteht im westlichen Bereich  ein eigener Strandanschnitt für die Damen: Das Damenbad.

 

 

1802

 

In Doberan eröffnet die Goldbank als Spielbank.

Die Spielbank im Lindenhof (heute Rathaus), betrieben seit 1794, wird zur Silberbank.

 

1803

 

Zu den Schaluppen gesellen sich Badekarren.

Nun wird sich in den Karren umgekleidet und sie werden ein Stück ins Wasser gefahren.

Severin errichtet als kleines Gebäude die Herrenbadeanstalt am Heiligen Damm.

 

Heiligendamm hat 1.304 Badegäste, darunter auch der russische Admiral Sarizchev. Prof.

Vogel beginnt die "Neuen Annalen des Seebades Doberan".

 

1804

 

Severin errichtet am Heiligen Damm eine Konversationsrotunde, ein rundes Gebäude ähnlich einem kleinen Konferenzzentrum.

 

Auf freiem Felde findet am 28.07.1804 ein erstes Pferderennen am Heiligen Damm statt.

 

Am Münster wird ein Münsterschatz gehoben.

 

 

1805

 

Das Badehaus bekommt eine lateinische Inschrift aus kantoninischen Bädern:

CURAE.VACUS.HUNC.LOCUM.ADEAS.UT.MORBORUM.VACUUS.ABIRE.POSSIS.NAM.HIC.NON.CURATUR.QUI.CURAT.

Sorgenfrei komm her, damit du krankheitsfrei von hier gehen mögest: denn wer sorget, der wird hier nicht gesund.

 

Rechts neben dem Logierhaus entsteht unter Federführung Severins und von Seydewitzs das Schauspielhaus.

Links neben dem Palais entsteht ein Wohnhaus für den Herzog, der Herzogliche Salon.

(heute das nördlichste Gebäude an der Kamp-Ostseite)

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

Am 22.12.1805 feiert das Schauspielhaus vor 300 Gästen seine erste Premiere.

 

 

1806

 

Frankreich unter Napoleon Bonaparte besetzt u.a. Mecklenburg.

Der Salon wird noch fertig gestellt, ansonsten erfolgt keine weitere Bautätigkeit aber der Badebetrieb geht weiter.

 

908 Gäste zählt das Seebad während der Franzosenzeit im Jahre 1806, darunter auch Prinz Christian von Dänemark.

 

Der Innenausbau des Herzoglichen Salon dauert noch bis in die 1820er Jahre hinein. Das Haus ist aber schon bewohnbar.

Der Salon hat eine leichte Schrägstellung, wodurch die Kutschen vor ihm langsamer fahren müssen und die Gäste einen Blick auf das Wohnhaus des Herzogs richten können. Die Straße führt von hier aus direkt zum Damm.

 

 

1807

 

Severin errichtet am Heiligen Damm einen Aussichtsturm.

Die herzogliche Familie zieht vom Amtshaus Fachwerkhaus zwischen Möckel-Haus und Kornhaus) in das Palais um.

Kurz darauf muss sie aber am 08.01.1807 vor Napoleon  ins dänische Exil nach Altona fliehen.

Der Herzog wird beschuldigt, Blüchers Armee Durchlass gewährt zu haben,

 

Nach Intervention des russischen Zaren Alexander kommt sie frei und kehrt am 10.08. zurück.
Die Domänenpächter voran und dahinter die Bauern reiten dem Herzog zum Empfang entgegen.

Der Herzog wird mit einem Volksfest, Bauerntanz und Pferderennen empfangen.

Dazu gehört auch die erste Kamp-Illumination, die Beleuchtung des Kamp und der Häuser.
Der Herzog stiftet als Dank für diesen herzlichem Empfang ein jährliches volksfestähnliches Pferderennen - immer am 10. August.

 

Doberan hat nun schon 1349 Einwohner und 127 Häuser.
Die Geburtenrate hat sich fast verdoppelt: 50 Kinder werden im Jahre 1807 in Doberan geboren.

Professor Vogel veröffentlicht seine Baderegeln, die zum Teil noch nach über 200 Jahren Gültigkeit haben werden.

 

 

Severin gibt Doberan ein Gesicht.

 

 

1808

 

Bauconducteur Johann Christoph Heinrich von Seydewitz geht 12 Jahre später als geplant endlich in Pension.

 

Severin plant im Auftrag des Herzogs die Bebauung des Kamp und lässt einen kleinen roten Pavillon als Erfrischungssalon errichten.

Dieser Pavillon wurde im Volksmund "Trichter" genannt. Professor Vogel beauftragt Severin mit der Planung eines Schatten spendenden Raumes am Heiligen Damm. Severin und Severin jun. planen ein Portal mit Aussichtsplattform in überragender Höhe und mit den Pforten zum Meer und zum Festplatz hin ausgerichtet.

Wahrscheinlich fällt in diese Zeit auch der Bau der ersten Seebrücke.
Einerseits benötigt man ja einen Steg, an dem die Schaluppen anlegen können und andererseits ist überliefert, dass Badearzt Professor Vogel eine Verlängerung der Promenade auf den Wasserbereich fordert. Ganz richtig vermutet er hier eine höhere Wirkung der Meeresluft. Das merkt man auch heute noch, wenn man im Hochsommer von der Promenade auf die Seebrücke geht.

 

In einer ersten Publikation wird der Heilige Damm als "das erste - wenngleich nach Norderney und Travemünde nicht das einzige, doch das bei weitem vorzüglichste Seebad im nördlichen Deutschland" gepriesen. Die ganze Anstalt sei "durch die fortgesetzte großmüthige Fürsorge und Freigiebigkeit des Durchlauchtigen Herzog schon jetzt von einer Vollkommenheit gediehen, die wenig mehr zu wünschen übrig lässt".

 

Der Chronist Röper beschreibt die Schönheit der Fahrten zum Heiligen Damm.

 

 

1809

 

Der ehemalige Matrose Johann Both wird Schaluppenmeister begleitet mit seinem Rettungsboot fortan die Schaluppen.

Severin wird im April zum Landbaumeister ernannt und bekommt ein Jahresgehalt von 500 Reichstalern plus Spesen.

Durch diese Beförderung ist Severin nun auch für Doberan und die Ämter Buckow, Ribnitz, Rühn, Schwaan, Toitenwinkel und Rostock zuständig.

 

Fürst von Putbus weilt am Heiligen Damm.

Ein Sturm richtet wieder einmal schwere Schäden in Heiligendamm an.

 

 

1810

 

Prof. Vogel lässt Severin ein Logierhaus mit 12 Betten für mittellose Kranke errichten.

Das Gebäude wird von der Rostocker Freimaurerloge "'Zum Tempel der Wahrheit" gestiftet, welcher auch Vogel angehört und entsteht an der Stelle der heutigen Burg. Pro Saison werden im karreeartig angelegten Gebäudekomplex 40 Kranke kostenlos behandelt. Der Herzog ist davon nicht angetan und sorgt mit Zeitplänen dafür, dass sich Arme und zahlende Gäste nicht begegnen.

 

Französische Dragoner quartieren sich im Badehaus ein, um Ausschau nach möglichen englischen Schiffen zu halten.

 

Severin siedelt nach Doberan über und heiratet Marie Eleonore Magdalena Bollow.

Er errichtet ein Haus südlich des Kamps.

 

Auf dem Kamp entsteht unter Federführung Severins der geplante große Pavillon im chinesischen Stil.

Der Pavillon dient als Musiksaal.

 

Der Erzbischof von Breslau weilt am Heiligen Damm.

 

 

1812

 

Severin zieht in das Prinzenpalais (gelbes Haus am Alexandrinenplatz) ein. Inzwischen hat er eine Tochter.

 

 

1813

 

Ende der französischen Besatzung durch die Befreiungskriege (z.B. Völkerschlacht bei Leipzig).

 

Der Kamp wird umgebaut und erhält einen weiteren Pavillon als Musiksaal.

Seitlich werden Boutiquen angebaut.

Für die Bebauung um den Kamp gibt es strenge Auflagen.

Die Gebäude müssen zweistöckig, mit Steinfassade und ziegelgedeckt sein.

 

 

1814

 

Wieder richtet ein Sturm schwere Schäden in Heiligendamm an.

Der Herzog erteilt Severin den Auftrag, ein Empfangs-, Gesellschafts-, Tanz- und Speisehaus am Heiligen Damm zu errichten.

Im selben Jahr wird mit dem Bau begonnen. (heute: Kurhaus)

 

 

1815

 

Herzog Friedrich Franz I erhält am 17. Juni, dem 30. Jahrestag der Thronbesteigung die Großherzogwürde, welche 1814 beim Wiener Kongress eingeführt wurde. Prinzessin Sanguszko von Polen kommt zu Besuch an den Heiligen Damm

 


Arbeitsleute anno 1815

am Heiligen Damm:

 

1 Apotheker, 1 Brauer, 1 Chirurgus, 1 Konditor, 1 Maler, 1 Müller, 1 Drechsler, 1 Stuhlmacher, 1 Tapezierer,
1 Musikant, 1 Nagelschmied, 1 Pfeifenmacher, 1 Pantoffelmacher, 1 Glaser, 2 Mauer, 2 Rademacher,
2 Perückenmacher, 2 Raschmacher, 2 Böttcher, 3 Schmiede, 3 Schlachter, 3 Töpfer, 3 Riemer und Sattler,
4 Zimmermeister, 4 Gastwirte, 6 Fuhrleute, 8 Tischler, 8 Krämer, 12 Schneider, 19 Weber, 20 Schuster,

 

später kamen dann hinzu:

 

Friseure, Juweliere, Zahnärzte, und Kupferstichhändler.

 

 

 

1816

 

Fürst Blücher und Staatskanzler Hardenberg verweilen am Heiligen Damm.

Der Herzog teilt im Herbst sein Befremden und Missfallen über das langsame Fortschreiten des Baues mit und befürchtet, dass der Bau nicht pünktlich zur Saison fertig wird. Wie schon beim Bau des Pavillons ist Materialmangel die Ursache für die lange Bauzeit. Dennoch schafft Severin, das Gebäude zur Saison 1816 fertig zu stellen. Nur der Lübecker Maler Johannes Hauthmann bleibt noch bis in die Saison hinein mit der Dekoration des Saals beschäftigt. Die Halle am Meer trägt die Inschrift Immanuel Gottlieb Huschkes:

 

HEIC TE LAETITIA INVITAT POST SANEA BALNUM

Hier empfängt dich Freude, entsteigst du gesundet dem Bade.


Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

1817

 

Prof. Vogel führt die Baderegeln für Badelustige ein, die heute noch teilweise Gültigkeit haben. (sh. Buchempfehlung)

 

Das Salongebäude (Kurhaus) am Heiligen Damm wird fertig gestellt. Der Herzog ist zufrieden und erhöht Severins Jahresgehalt um 50 Reichstaler, 4 Faden Deputat-Holz und 20.000 Soden Torf. Severin beaufsichtigt von nun an auch den Bau von Wohnhäusern durch Privatpersonen in Doberan und bekommt alle Baupläne zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt.

 

Auf der Insel Rügen entsteht mit Putbus das zweite deutsche Seebad, ebenfalls im Stil des Klassizismus.

 

 

1818

 

Am 01.07.1818 wird ein "Reglement für die Wasserfahrten auf den Booten" erlassen.

 

 

1819

 

Die Saison beginnt diesmal schon am 03. Juni.

Prinz Friedrich Willhelm von Preußen, Fürst von Schaumburg-Lippe mitsamt seiner Familie,

Professor Reichard und seine Frau verweilen am Heiligen Damm.

 

Severin wird im März zum Oberlandbaumeister mit einem Jahresgehalt von 800 RT befördert.

Er ist inzwischen mit seiner Schwägerin, der Witwe Nipperdey verheiratet.

Er beginnt mit dem Anbau eines Saales an das Salongebäude.

 

Angelica Catalani tritt in Doberan auf und Willhelmine Reichhard startet in Doberan mit dem Heißluftballon.

Ab sofort stehen Wagenquadrillen mit zweispännigen Wägen zur Verfügung.

Auf dem Jungfernberg in Doberan errichtet ein unbekannter Industrieller eine Einrichtung zum Scheibenschießen.

 

Mit 1819 Besuchern ist das Jahr 1819 das Rekordjahr seit Bestehen des Seebades.

720 Gäste nutzen die Badegelegenheiten und an einem Tag werden 150 Bäder im Badewagen genommen.

Und mit 78°F Luft- und 65°F Wassertemperatur am 06.07.1819 um 16:00 UHR (Luft) und 07:00 Uhr (Wasser) auch die heißeste Saison des Jahrhunderts. Doberan hat nun schon 165 Häuser.

 

 

1820

 

Die Prinzessin von Thurn und Taxis verweilt in Heiligendamm. Welche genau, ließ sich nicht herausfinden.

Hinter dem Badehaus entsteht ein Anbau für Spezialbäder mit chemischen Zusätzen für besondere Genesungskuren.

 

Severin bekommt eine Gehaltszulage von 50 Talern und eine Renumeration von 100 Talern, sodass sein Gehalt auf 950 RT steigt.

Er errichtet hinter der Apotheke das Haus "Nizze" gegenüber seines Wohnhauses (heute links neben dem Haus "Gottesfrieden").

 

Der Kamp wird weiter ausgestaltet und der Springbrunnenplatz erhält ein neues Gesicht.

Der Neue Markt wird unter Federführung Severins angelegt.

Mit dem Neuen Markt entstehen auch die Baumstraße und die Kastanienstraße nordwestlich des Marktplatzes.

 

In den Moorwiesen südlich Doberans wird eine Eisenquelle entdeckt.

Schnell wird ein Haus mit vier Wannen für Stahlbäder errichtet.

 

 

1821

 

Severin vollendet den Anbau an das Salongebäude (heute Ratskeller).

 

 

1822

 

Der Herzog kauft Severin das Prinzenpalais ab, um seinen Sohn dort einzuquartieren.

Daher stammt erst der Name "Prinzenpalais".

 

Severin bekommt ein Grundstück im Neubaugebiet Doberans zugewiesen, bittet aber um ein Grundstück gegenüber seines alten Wohnhauses, weil er seine Familie (immerhin 5 Kinder) nur durch zusätzliche Einnahmen aus der Zimmervermietung ernähren kann. Der Herzog stimmt zu und überlässt ihm ein Grundstück, auf dem Severin sein Haus bauen konnte. (heute "Haus Gottesfrieden").

 

Am Salongebäude wird unterdessen der Ovale Saal als Verlängerung des Festsaals zum Garten (Rosengarten) hin fertig gestellt.

 

Der Herzog stellt sein privates Segelschiff und seine private Yacht zur Miete für Rundfahrten zur Verfügung.

 

Am 10. August 1822 findet das erste Pferderennen auf der ersten Galopprennbahn auf dem europäischen Kontinent zwischen

Doberan und dem Heiligen Damm statt. Drei Tage später, am 13. August 1822, gründet sich der Doberaner Rennverein.

 

 

1823

 

Willhelm von Preußen verweilt in Heiligendamm.

Severin beginnt mit dem Bau eines neuen Wohnhauses und dem Bau des Stahlbades.

Das Stahlbad (Altes Moorbad) wird noch im selben Jahr fertig gestellt. Es handelt sich um einen eingeschossigen Flachbau.
Der Herzog bestätigt am 10.02. das Gesetz für mecklenburgische Pferderennen und majorisiert damit Rennbahn und Rennverein.

 

 

1824

 

Der König von Preußen und Felix Mendelsohn Bartholdy verweilen in Heiligendamm.

Felix Mendelsohn Bartholdy schreibt als 15jähriger in diesen Tagen die "Doberaner Ouvertüre".

Außerdem sind Friedrich Willhelm III, der König von Preußen, Nikolaus (Zarewitsch) und der Herzog von Cambridge (Adolphus Frederik) zu Besuch in Heiligendamm.

 

Severins Wohnhaus (Haus Gottesfrieden) ist fertig.

 

Eine Dampferverbindung nach Lübeck-Travemünde und nach Kopenhagen wird vom Heiligen Damm aus eingerichtet.

 

 

1825

 

Das Stahlbad in Doberan wird aufgestockt (heute das alte Moorbad).

Severin errichtet an der Nordseite des Kamp ein dreistöckiges Wohnhaus mit ornamentaler Verzierung für den Gastronomen Medini, sowie ein einstöckiges Wohnhaus mit zweigeschossigem Mittelrisalit und neben seinem Wohnhaus ein zweigeschossiges Bürgerhaus. Das alles im klassizistischen Baustil.

Die Doberaner Rennbahn gewinnt Gestüte aus den Fürstentümern Württemberg, Hannover und Preußen für sich.
Zukünftig werden also auch Pferde aus diesen Fürstentümern die Doberaner Rennbahn als Prüfstätte nutzen.

 

 

1826

 

Großherzog Friedrich Franz I stiftet den Wanderpokal "Goldene Peitsche" für die Gewinner der Galopprennen.

 

 

1827

 

Die Sängerin Angelica Catalani verweilt erneut in Bad Doberan und Heiligendamm.

 

 

1828

 

C.J. Apperley und Richard Tattersall verweilen in Heiligendamm.

 

Georg Adolf Demmler errichtet eine Tribüne auf der Pferderennbahn.

 

 

1829

 

C. T. Severin beginnt mit dem Bau des Belvedere, eines großen, Schatten spendenden Portals nordöstlich des Badehauses.

 

Adolphus Frederik, der Herzog von Cambridge, verweilt erneut in Heiligendamm.

 

 

1830

 

Durch die Gründung weiterer Seebäder entsteht eine Konkurrenz zum Heiligen Damm.

Diese kann Kost und Logis direkt am Meer vorweisen.

Der Großherzog plant, diese Bequemlichkeiten auch am Heiligen Damm einzuführen.

 

Die Bauarbeiten am Belvedere sind abgeschlossen und das Portal lädt nun zum Ruhen im Schatten und zur Aussicht vom Dach ein.

 

In Doberan wird die Kastanienstraße weiter ausgebaut.

Es entstehen die Friedhofstraße und die Jungernstraße, die Waldstraße und die Straße am Töpferberg.

Der Friedhof wird angelegt und erhält eine Kapelle.

Doberan hat 2210 Einwohner.

 

 

1831

 

Ludwig I, König von Bayern und der Kronprinz Maximilian von Bayern verweilen in Heiligendamm.

 

 

1832

 

Die Besucherzahl Heiligendamms sinkt erstmals unter 1000. Das ist der Cholera-Epidemie geschuldet.

 

 

1833

 

Johann Gottfried Schadow und wieder einmal der Herzog von Cambridge verweilen in Heiligendamm.

 

Johann Herrmann Becker wird zweiter Badearzt am Heiligen Damm.

 

 

1834

 

Severin soll zum Jahreswechsel 1834/35 wegen Altersschwäche und Krankheit mit jährlich 525 Reichstalern pensioniert werden.

Seine wirtschaftliche Lage ist aber so schlecht, dass der 71jährige trotz seiner Gicht darum bittet, im Amt belassen zu werden.

Der Großherzog stimmt zu und gibt dem Hofbaumeister eine jährliche Gehaltszulage von 150 Reichstalern.

 

Dennoch wird auch ein gewisser Herr Wünsch Oberlandesbaumeister in Schwerin.

Sein unbezahlter Gehilfe wird auf Schinkels Empfehlung Georg Adolf Demmler, welcher 1832 seinen Baumeistertitel bekam und Kunstreisen vom geerbten Geld seiner kurz nacheinander verstorbenen Eltern unternahm. Er war auch Lehrer an einer von Freimaurern gestifteten Schweriner Sonntagsschule, wo er kostenlos Handwerker unterrichtete und ausbildete. Das Vermögen seiner verstorbenen Eltern war beträchtlich, sodass er das alles unentgeltlich tun konnte.

 

 

1835

 

Schaluppenmeister Johann Both stirbt und damit endet auch die Zeit der Schaluppen.

 

 

1836

 

Hofbaumeister Severin verstirbt am 20.02. verarmt mit einem Vermögen von nur 50 Reichstalern im Alter von 73 Jahren.

Er wird am 24.02. an heute unbekannter Stelle beigesetzt. Nachfolger wird der in Berlin geborene Georg Adolf Demmler.
 

 

1837

 

Hofmedicus Prof. Vogel stirbt am 19.01. im Altern von 87 Jahren. Becker wird erster und Dr. Adolf Kortüm zweiter Badearzt.

 

Großherzog Friedrich Franz I stirbt am 01.02. im Alter von 81 Jahren. Sein Enkel Paul Friedrich tritt seine Nachfolge an.

Er nutzt das Palais in Doberan als Sommerresidenz, plant aber anknüpfend an die Absichten seines Vaters eine eigenständige Logistik am Heiligen Damm.

 

Demmler wird mit dem Ausbau Schwerins betraut und zum Hofbaumeister befördert.

 

Prinz Heinrich von Preußen und sein Adjutant von Moltke, Kaiser Willhelm I, Otto von Bismarck, der Kronprinz Oskar von Schweden und andere gekrönte Häupter Europas und Größen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft weilen anlässlich der Feierlichkeiten zur Bestattung und zur Krönung in Heiligendamm.

 

 

1838

 

Am Badehaus wird mit der Aufstockung begonnen. Die Grünanlagen werden umgestaltet.

Die Arbeiten für den Bau zum Marien-Cottage werden aufgenommen.

Die befestigten Straßen nach Heiligendamm, Althof und Rostock werden gebaut.

 

Die Tänzerin Maria Tageliani (andere Quellen: Marie Taglioni) aus St. Petersburg tritt in Doberan auf.
Sie schafft es, das Theater drei Tage lang bis auf den letzten Platz zu füllen.
Berühmte Schauspieler wie Carl Seydemann, Ludewig Devrient und Albert Gern bleiben hinter dieser Leistung zurück.
Die Leute kommen nach Doberan, um sich zu vergnügen und sich zu unterhalten. Wahre Künstler interessieren sie nicht.

Nur nebenbei: Das Theater trug über dem Eingang die Inschrift "Erkenne dich selbst" und darüber befand sich ein Bild, auf dem gerade ein Ochse zur Opferschale getrieben wird.

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

 

Heiligendamm muss wachsen.

 

 

1839

 

Demmler stockt das Badehaus auf drei (nach heutigem Verständnis vier) Stockwerke auf.

Die Wirtschaftsräume des Saalbaues werden vergrößert.

Das Badehaus verfügt über 2 Geschosse mit je 28 Gästezimmern und einem Obergeschoss mit 22 Personalzimmern.

Die Arbeiten für den Bau zum Alexandrinen-Cottage und dem Haus "Krone" (heute "Magdeburg") werden aufgenommen.

 

Heiligendamm hat 1400 Gäste. Auf einer Karte wird erstmals der Heilige Damm erwähnt.

Allerdings genau dort, wo er sich nicht befindet, nämlich westlich von Fulgen und östlich von Börgerende, wo es nur Steilküsten (Kliffküsten) gibt.

 

 

1840

 

Die Bauarbeiten an den Cottages und dem Haus "Krone" werden abgeschlossen.

Alexandrines Stiefmutter, die 2. Gemahlin Friedrich Willhelm III, Auguste Liegnitz, richtet sich ein Cottage am Heiligen Damm ein.

 

 

1841

 

Herzog Paul Friedrich ernennt Demmler zum Hofbaurat und stirbt am 07.03. in Schwerin.

Nachfolger wird sein Sohn Friedrich Franz II.

 

In Doberan werden in der Maschinenbaufabrik und Eisengießerei Kähler erstmals Landmaschinen produziert.
Kähler präsentiert auf der Versammlung der deutschen Land- und Forstwirte vor 900 Gästen aus aller Welt seine
sechs handgefertigten Maschinen, darunter eine Dresch-Maschine (Dreschkasten), eine Korn-Säh-Maschine (Drillmaschine)
und eine Häckerlingmaschine (Hächsler). Der russische Schriftsteller Nikolai Leskow berichtet später über einen Ingenieur Hugo Pektoralis aus Doberan, der in Russland wirkte. Da Kähler auch nach Russland exportierte ist es denkbar, dass mit den Maschinen aus Doberan auch ein Ingenieur nach Russland geschickt wurde. Später zieht die Haliflor Company in die Betriebsstätten Kählers in der Kröpeliner Straße und stellt dort Chemikalien und Parfümerie her.

 

 

1842

 

Die Bäche am Markt und am Alexandrinenplatz werden kanalisiert und mit Straßen und Plätzen überbaut.

 

 

1843

 

Herzog Friedrich Franz II, der junge Nachfahre des Gründers, erinnert an diesen durch die Aufstellung eines 220-Tonnen-Findlings.

Dieser "Denkstein" wird von Kammerdirektor von Flotow im April nahe Elmenhorst auf der Feldmark ausgesucht und von Hofbaurat Demmler innerhalb von 98 Tagen den 12 km weiten Weg transportiert und am 19.10.1843 am Waldrand aufgestellt. Demmler nutzte dabei dasselbe Verfahren, wie die Erbauer des Denkmals Peter des Großen beim Transport des Sockels desselben.

(Mehr Infos in der Gebäudedatenbank: Denkstein)
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.
 

 

Prinz Willhelm von Preußen und Helmut von Moltke verweilen in Heiligendamm.

 

 

1846

 

Das Armenkrankenhaus wird abgerissen und an seiner Stelle wird mit dem Bau der Burg "Hohenzollern" begonnen.

Auftraggeber war Herzog Paul Friedrich aber der starb ja inzwischen.

 

Das Armenkrankenhaus wird südlich des Ensembles in Form eines kleinen Gebäudes mit Veranda neu errichtet.

(heute: Haus mit der Inschrift "Seehospiz", in der Kurve der Kühlungsborner Straße)

 

Durch die Erfindung der Dampfpumpe durch den Mecklenburger Ernst Alban ersetzt man stetig die Ochsen durch Maschinen.

Dr. Döbereiners "Kaltwasseranstalt" eröffnet im Haus "Waldhof" in der Neuen Reihe. Die Neue Reihe wird weiter ausgebaut.

 

 

1848

 

Europa ist von Revolutionen ergriffen.

Hofbaurat Demmler kämpft an der Seite der Sozialdemokraten für das Bürgertum.

Adolf Kortüm wird am 19.02. neuer Badearzt in Heiligendamm.

Der bisherige Leibarzt des Großherzogs und Heiligendammer Badearzt, Joachim David Willhelm Sachse veröffentlicht das 100 Seiten starke Buch "Ueber die neu eingerichtete Milch- und Molkenanstalt in Verbindung mit Seebädern und dem innern Gebrauch des Meerwassers am Strand zu Doberan."

 

„Es ist kaum ein neues Seebad in diesem halben Jahrhundert errichtet, welchem die Einrichtungen in Doberan nicht zum Muster dienen mussten.“ heißt es darin unter anderem.

 

Als besondere Errungenschaft bezeichnete der Chef der Badeintendantur, dass in seiner Amtszeit ein neues Logierhaus mit 35 Zimmern, weitere Wohnungen für Kurgäste und ein Krankenhaus für Arme in Heiligendamm gebaut wurden.

 

Die Burg "Hohenzollern" ist baulich fertig gestellt und ergänzt damit das fehlende romantische Element des Ensemble.

 

 

1849

 

Die "Burg Hohenzollern" ist bezugsfertig eingerichtet.
Sie bietet 10 Familien- und 15 Einzelzimmer.

Oscar von Belitz veröffentlicht sein Buch "Das Seebad Dobberan".

Während der Renntage tobt ein schwerer Sturm über Doberan.
Die Pappeln entlang der Allee zum Heiligen Damm knicken reihenweise um.

 

1850

 

Die Bereinigung der Allee zum Heiligen Damm wird abgeschlossen. Alle Pappeln werden entfernt.
Man will nicht erneut während der Saison einen Zusammenbruch der Infrastruktur zwischen Doberan und seinem Bad riskieren und bereitet Neuanpflanzungen vor. Außerdem bekommt die ruinierte Fahrbahn ein Kiesbett - heute würde man "Schotter" sagen.

 

Im selben Jahr wird auch das "Prinzessin-Reuß-Palais" fertig gestellt.

In der Nähe des Palais entsteht das "Waldhaus" als Wohnhaus von Generalmajor Hopfgarten
(daher auch: Hopfgartensches Haus, heute Café am Golfteich).

 

Badearzt Sachse stirbt im Alter von 78 Jahren.

Die Anzahl der verordneten Bäder stieg in seiner Zeit als Badearzt von 1815 bis 1846 von 6715 auf fast 22 000.

 

 

1851

 

Hofbaumeister Georg Adolf Demmler wird nach Unstimmigkeiten und der Beteiligung an der Revolution aus dem Amt entlassen.

Nachfolger wird sein Assistent Friedrich August Stüler, der dann auch in Schwerin das von Demmler geplante Schloss errichtet.

 

 

1852

 

Freiherr von Drais fährt mit seiner gerade erfundenen Draisine (Laufrad) um den Kamp und zieht ehrfürchtige Bewunderung auf sich.

Großfürst Konstantin von Russland - Sohn des Zaren Nikolaus I - verweilt in Heiligendamm.

 

 

1853

 

Die Arbeiten für den Bau der Villen "Neues Logierhaus" (später "Großfürstin Marie", dann "Perle") und "Greif" werden aufgenommen.

 

 

1854

 

Die Bauarbeiten an den Villen "Neues Logierhaus" und "Greif" werden abgeschlossen.
Aus Frankreich treffen hunderte Setzlinge der großblättrigen Holländischen Linde ein.
Die Allee zwischen Doberan und dem Heiligen Damm wird damit bepflanzt.
Man erhofft sich durch diese besondere Baumart eine höhere Standfestigkeit, als bei den Pappeln.
Damit liegt man offenbar ganz richtig, denn die längste Allee Europas zieren heute noch dieselben Linden.

 

 

1855

 

Die Arbeiten für den Bau der Villen "Möwe" und "Seestern" werden aufgenommen.

 

Erstmals wird der Taubenschießstand erwähnt.

 

 

1856

 

Die Bauarbeiten an der Villa "Möwe" werden abgeschlossen.

 

An der Westseite des Badehauses wird ein neuer Saal und eine Flucht von 4 Gesellschaftsräumen und im Osten ein kleiner flach eingedeckter Säulenbau angebaut. Wer der Baumeister dieses Vorhabens war, ist nicht mehr herauszufinden. Im neuen Westflügel wird die Wohnung des Bademeisters eingerichtet. Die Vorhalle des Badehauses (Kurhaus) bekommt ein Relief aus blauem Jasper. Durch diese Bauarbeiten geht der arkadengesäumte Innenhof zum Wandeln bei schlechtem Wetter verloren.

 

Das Belvedere (das Schatten spendende Portal zur Seebrücke hin) wird abgerissen.

 

 

1857

 

Die Bauarbeiten an der Villa "Seestern" werden abgeschlossen.

 

Die Arbeiten für den Bau der Villa "Anker" werden aufgenommen.

 

 

1858

 

Die Bauarbeiten an der Villa "Anker werden abgeschlossen.

 

Die Arbeiten für den Bau des Hauses "Bischofstab" werden aufgenommen.

 

 

1860

 

Die Bauarbeiten am Haus "Bischofstab" werden abgeschlossen.

In Doberan werden die Boutiquen am Weißen Pavillon abgerissen.

 

Statt der eigentlich geplanten zweiten Restauration plant man an der Stelle die Villen "Hirsch" und "Schwan".

Die Arbeiten für den Bau der Villa "Schwan" werden aufgenommen und die Kaffeehalle/Kaufhallen/"Läden" (Kolonnaden) errichtet.

 

 

1861

 

Die Arbeiten für den Bau der Villa "Hirsch" werden aufgenommen.

 

Der Herzog gibt den Häusern Namen, um sie besser unterscheiden zu können.

 

 

1862

 

Die Bauarbeiten an der Villa "Schwan" werden abgeschlossen.

 

Die erste Ehefrau Friedrich Franz II, Anna von Hessen-Darmstadt, stirbt.

Sie hinterlässt vier Kinder: Marie, Johann Albrecht, Paul Friedrich und Friedrich Franz III, den späteren Thronfolger.

 

 

1863

 

Die Bauarbeiten an der Villa "Hirsch" werden abgeschlossen.

 

Der Doberaner Sportverein wird gegründet.

 

1865

 

Zur Verbesserung des Transports wird eine Dampfkalesche eingesetzt. Das ist eine Art Omnibus. Bei der ersten Probefahrt bleibt

sie bei der Rennbahn stecken und muss zum Gespött der Leute mit 6 Pferden nach Doberan zurück geschleppt werden.

 

1867

 

Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz treten dem Deutschen Bund bei. In diesem ist das Glücksspiel verboten.

In Doberan wird am 01.10.1867 die Spielbank gegen des Herzogs Willen durch die Stände geschlossen.
Jährlich entfallen 30.000 Taler.

Der Fotograf Benjamin Beckmann eröffnet neben den Kolonnaden ein Fotoatelier.

 

1870

 

Das Logierhaus (Mecklenburg) bekommt seeseitig einen Anbau. Theodor Fontane verweilt in Heiligendamm.

 

 

1871

 

In einer Karte taucht Heiligendamm letztmalig als "Seebad Doberan" auf.
Doberan beantragt das Stadtrecht.

 

 

1872

 

Die Arbeiten für den Bau des Hauses "Neues Logierhaus" werden aufgenommen.

 

Benjamin Beckmann wird Hoffotograph.

 

Eine Sturmflut verkleinert den Abstand der Gebäude zum Wasser. Das Damenbad, Herrenbad und Waschhaus werden zerstört.

Die Stallung des Schleusenwärters wird stark beschädigt und die Promenaden versanden. Etliche Bäume knicken ab.

 

Nach der Sturmflut wird überlegt, das Bad auszubauen. Dazu legt die Berliner Architekturfirma Kayser & Großheim einen Entwurf vor, der den Ausbau zu einem Schloss mit drei Flügeln vorsieht, wobei das Kurhaus verschwinden würde. Hinter diesem Ensemble soll ein weiterer dreiflügeliger Bau entstehen, dessen Mitte ein Turm darstellt. Die Burg und die Cottages sollen integriert werden, was darauf hindeutet, dass der Großherzog sie behalten will. Die Verwendung der östlichen Villen wird nicht deutlich.

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

 

Heiligendamm wird verkauft.

 

 

1873

 

Mecklenburg ist dem Deutschen Bund beigetreten.

In diesem ist das Glücksspiel verboten, sodass die Spielbanken in Doberan schließen müssen.

Nach dem Wegfall der Pachteinnahmen durch die Spielbank kann der Herzog sich den Wiederaufbau nicht mehr leisten.

Auch die 1872 geplanten Umbauten sind finanziell nicht tragbar, auch wenn sie langfristig hohe Einnahmen versprechen.

 

Das Ambiente bis auf die drei fürstlichen Cottages geht am 02. April 1873 für 500.000 Taler an eine Aktiengesellschaft, der der Rittermeister a. D. Baron Otto von Kahlden auf Iden als Direktor vorsteht. Es folgen kräftige Investitionen, die aber nur einen Teil des Planes von 1872 umsetzen. Adolf Lange wird neuer Badearzt.

 

Der Anbau an der Seeseite des Badehauses ist fertig und dieses wird mit dem Kurhaus durch Arkaden verbunden.

Das Badehaus heißt nun "Haus Mecklenburg" Neben dem Kurhaus wird vierstöckiges reines Logierhaus gebaut, welches zunächst "Neuer Flügel" und  später "Grand Hotel" genannt wird.

 

Die Villa "Sporn" (heute "Eikboom") wird errichtet.

Gegenüber wird eine Fläche für einen Kapellenbau ausgespart.

 

Es erfolgen Bereinigungen. So verschwindet der oktogonale Wasserspeicher neben dem Badehaus.

Nach dem Verkauf taucht Heiligendamm nun auf der ersten Karte als "Seebad am Heiligen Damm" auf.

 

 

1874

 

Marie Alexandrine Elisabeth Eleonore von Mecklenburg Schwerin und der russische Großfürst Wladimir Alexandrowitsch heiraten am 28.08.1874. Die russische Flotte erscheint vor Heiligendamm, um die vermählten an Bord auf die Reise nach Russland zu nehmen.

 

Das "Neue Logierhaus" bekommt einen Anbau "Villa Großfürstin Marie"  und wird später in "Villa Perle" umbenannt.

 

 

1875

 

Kaiser Wilhelm I verweilt während eines Manövers in Heiligendamm zu Besuch bei seiner Schwester, der Großherzogin Alexandrine.

 

 

1878

 

Die Orangerie wird errichtet.

 

Die Aktien der AG sind auf ein Drittel des Nennwertes gesunken. Das Geschäft läuft nach dem Rückzug der Aristokraten schlecht.

Die mecklenburgische Hypotheken- und Wechselbank kauft Aktien im Wert von 48.000 Mark für nur 15.000 Mark auf.

 

 

1879

 

In Vorbereitung auf die Verleihung des Stadtrechts wird am 21.04. im "Puppenhaus" ein Progymnasium eröffnet, um der zukünftigen Stadt zu mehr Ansehen zu verhelfen. (Das Puppenhaus trägt seinen Namen auf Grund der allegorischen Figuren zwischen den Fenstern des Obergeschosses. Heute stehen an dieser Stelle - Beethovenstraße 10 und 13 - gegenüber dem ZOB - zwei den Vorgängern nachempfundene Gebäude.) Erster Schuldirektor des Progymnasiums wird Wilhelm Kraner.
 
Doberan erhält am 01.07.1879 das Stadtrecht. Heiligendamm gehört nicht dazu und ist faktisch Privatdorf von Otto von Kahlden.

 

Die Geschichte, dass dieser in einer Nacht das Seebad in einer Nacht verspielt habe (in Monte Carlo) ist eine Legende.

Tatsache ist aber, dass durch die Autarkie Heiligendamms Doberan an Bedeutung verliert. Inzwischen hat Heiligendamm in den Bereichen der Gastronomie, Hotellerie und Handel alles selbst zu bieten, sodass Doberan nicht mehr der Ausgangspunkt zum Heiligen Damm ist, sondern nur noch Durchfahrtsort. Die Verleihung des Stadtrechtes soll dem entgegenwirken, was nicht gelingt.

 

Das Salon-Gebäude am Kamp wird zum Rathaus umfunktioniert, da die frisch ernannte Stadt ein repräsentatives Rathaus braucht.


Die Modeschriftstellerin Fanny Lehwald wohnt zufällig der feierlichen Stadtrechtverleihung bei und hinterlässt uns damit den wohl einzigen Augenzeugenbericht der Feierlichkeiten.

 

 

1880

 

Die Severinstraße und die Neue Reihe werden mit Häusern voll ausgebaut, die Dammchaussee, die Bismarckstraße (Goethestraße) und der Parkentiner Weg entstehen.

 

Der Schriftsteller Herrmann Sudermann besucht Heiligendamm

 

 

1881

 

Es wird noch ein Versuch mit einer Dampfkalesche gestartet.

Nach drei Wochen kommt es zu einem schweren Unfall. Es wird über eine Pferde-Eisenbahn nachgedacht.

Die Doberaner Fuhrleute verhinderten dies und auch einen weiteren Versuch mit einer Dampfkalesche und sicherten so ihre Einkommen durch den Transport der Badegäste.

Dr. Wilhelm Kühne übernimmt die Direktorenstelle Wilhelm Kraners am Progymnasium.

 

 

1882

 

Der Betrieb einer Dampfkalesche mitten durch die Stadt zieht den Entschluss nach sich, eine Feuerwehr zu gründen.

 

Die Doberaner Feuerwehr nimmt am 22. April 1882 feierlich ihren Dienst auf.

 

 

1883

 

Nun wird doch mit dem Bau einer Eisenbahnverbindung von Rostock nach Wismar begonnen, wobei Doberan Zwischenstation wird.

 

Großherzog Friedrich Franz II stirbt am 15. April 1883 im Alter von 60 Jahren.

Seine 41jährige Amtszeit wird von seinen Untertanen huldigend gefeiert.

Nach seinem Großvater ist er der bedeutendste Regent Mecklenburgs.

Sein Nachfolger wird sein Sohn Friedrich Franz III, der auch gleich am 15. April 1883 die Amtsgeschäfte übernimmt.

Am 01.09.1883 wird das Progymnasium im Puppenhaus vom neuen Großherzog zu Ehren seines Vaters und des Gründers der Schule in "Friedrich-Franz-Gymnasium" also "Friderico Francisceum" getauft.

 

 

1884

 

Die Eisenbahnverbindungen nach Rostock und Wismar werden freigegeben und feierlich eingeweiht.

 

Badearzt Dr. Kortüm stirbt im Alter von 74 Jahren. Damit endet die Ära des alleinigen Badearztes.

 

Auf einer Karte aus dem Jahre 1884 wird erstmals der Taubenschießstand eingezeichnet.

 

 

1885

 

Baron von Kahlden kauft alle Aktien für 787.599,31 Mark auf und wird alleiniger Besitzer ganz Heiligendamms.

 

Möckel beginnt auf Anweisung des Großherzogs mit der Generalrestaurierung des Münsters.
Durch ihn kommt das Münster zu seinem überdimensionalen großen Dachreiter.
Die Zisterzienser bauten nie derartige Dachreiter, sondern sahen ihr Kloster als Halle und nicht als Kirche,
sodass ein kleiner Turm für die Glocke seinen Zweck voll und ganz erfüllte. Jedoch: "Vermöckelt" ist es eben etwas besonders.

 

 

1886

 

Das Transportproblem wird nun doch noch gelöst.

In einem "Allerhöchsten Decret" vom 05.04.1886 drängt der Großherzog darauf,

die Pläne für eine Schmalspur-Dampfeisenbahn bis zum Beginn der Badesaison in die Tat umzusetzen.

 

Neben der Straße wird am 09.07.1886 die Bahntrasse für den Verkehr mit der Dampflok freigegeben.

Die Bauzeit betrug nur 6 Wochen. Die Spurbreite ist mit 900 mm einmalig.

Die Konzession dazu erteilte Herzog Friedrich Franz III am 19.06.1886 persönlich.

 

Um alle Bedenken aus der Bevölkerung gegen die Bahn zu zerstreuen, veröffentlichte die Zeitung einige Besonderheiten
dieser innerstädtischen Kleinbahn. So fährt sie mit einem dauerhaften Bimmeln durch die Stadt und ist darüber hinaus in der Lage, einen Warnton (Pfiff) abzugeben. Sie fährt im sehr langsamen Tempo und ihre sich bewegenden Elemente sind verkleidet, um die Pferde nicht wild zu machen. Außerdem verfügt die Lok über einen Rauchverzehrer und gibt Dampf nur nach unten hin ab. 

Zunächst betreibt das private Unternehmen Lenz die Bahn, welche zwischen 15. Mai und 30. September fährt.

Die Preise sind moderat und die Bahn hält direkt neben dem Ensemble, ein paar Schritte vom Salon (Kurhaus) entfernt.
Die Konzession sieht Betriebsrechte für Lenz für die nächsten 15 Jahre vor.

Mehr Informationen: Internetseite des Molli
 

Im gleichen Jahr wird auch das heutige Grand Hotel fertig gestellt.

 

 

1887

 

In einem Prospekt werden die Vorzüge Heiligendamms gegenüber den Bädern mit Fischereibetrieb angepriesen.

Bäder mit Fischereibetrieb galten als unhygienisch und stinkend, wobei letztes sicherlich nicht gelogen war.

Dennoch hat Heiligendamm einen entscheidenden Nachteil: Die Anbindung.
Die Molli fährt nur zwischen 15. Mai und 30. September. Dadurch wirfst sie auch nur 40% Rendite ab.
Das größere Problem ist aber, dass Heiligendamm außerhalb der Saison somit nur per Kutsche oder zu Fuß erreichbar ist. 


Man entscheidet sich darum, Heiligendamm nach Süden und Osten hin durch Pensionen zu vergrößern.
Der Bollhäger Weg (heute Kühlungsborner Straße) wird nach Süden ausgebaut.

Der Großherzog sieht die Exklusivität des Fürstenbades in Gefahr und führt einige Beschränkungen ein.
Es wird ein Statut herausgegeben das besagt, dass die Bebauung längs des Weges nur mit Villen und nicht höher als zweigeschossig erfolgen darf und Toiletten und Dunghaufen von der Straße aus nicht sichtbar sein dürfen und wie Abwasser und Abfall zu entsorgen wäre.

 

Es entstehen nur am südlichen und östlichen Ortsrand Pensionen. Sie tragen die Namen der Besitzer.

Diese Art des Hotels ohne Restaurant nennt man zu dieser Zeit "Hotels garni".

Es entstehen die Pensionen "Mellendorf" (Waldfrieden), "Peters" (Altersheim), und "Scherpeltz" (Tabea und linker Flügel der FAK).

Am Ortseingang von Doberan aus entstehen "Krieg's Hotel" und die Villen in der unmittelbaren Nachbarschaft.

 

Doberan hat dermaßen an Bedeutung verloren, dass selbst das Theater nicht mehr finanzierbar blieb.
Es soll als Ersatz für das zu klein gewordene Puppenhaus ein Progymnasium in ihm eingerichtet werden, was aber Möckel zu umständlich ist. Er schlägt einen Neubau im Stil der Gotik vor. Großherzog und Stadtoberhäupter stimmen zu und so wird das Theater abgerissen und weicht dem gotischen Neubau des noch heute existierenden Gymnasiums

Vorab entsteht rechts vom geplanten Neubau schon einmal das Rektorenhaus für den Rektor der neuen Schule.

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

 

1888

 

Während Möckel am Münster werkelt, wird kurzerhand die Kapelle in Althof zum Gotteshaus geweiht.

 

 

1889

 

Das Progymnasium ist fertig gestellt und wird sogleich zum Gymnasium erhoben und wie schon sein Vorgänger im Puppenhaus "Fridericio Franciseum" (Friedrich-Franz-Gymnasium) getauft. Es ist übrigens nur Jungen vorbehalten, die Schulen Doberans zu besuchen. Der erste Durchgang startet zu Ostern 1889. Direktor bleibt Dr. Kühne.
 

Das neue und größere Gymnasium soll Doberan attraktiver machen und wieder mehr Leute in die Stadt bringen.

Doch die mondäne, weiß erstrahlende Tochter hat seine Mutter Doberan längst in den Schatten gestellt.


Der Rosenwinkel hinter dem neuen Gymnasium entsteht.
 

 

Möckel baut sich sein recht eigenwilliges Haus in Doberan direkt am Klosterhof.

 

 

1890

 

Die (Molli-)Bahnverbindung samt der Bahn geht entgegen der in der Konzession getroffenen Vereinbarung in den Besitz der Mecklenburgischen Regierung über und wird von ihr weiter betrieben. Sie erhält den Namen "Friedrich-Franz-Eisenbahn".

 

 

100 Jahre Heiligendamm

 

 

1893

 

Zum 100jährigen Jubiläum findet ein feierlicher Festakt statt.

Es wird verkündet, dass Heiligendamm eine katholische Kirche bekommt.

Der Bauplatz hierfür war bereits 1873 vorgegeben worden. Es wird ein Verein gegründet, der 10.000 Mark in 5 Jahresraten für den Bau spendet. Staatsminister von Bülow lobt dies und fordert einen evangelischen Pendant. Nach dem Festessen sollte es noch einen Ball geben, welcher aber mangels Beteiligung ausfiel, weil die Herrschaften nach dem Gelage erschöpft waren und sich ausruhen wollten.

 

Der Bau der Kapelle wurde nötig, da es im protestantischen Mecklenburg kaum katholische Kirchen gab und die Gäste und Einwohner nirgendwo ihren katholischen Gottesdienst abhalten konnten. Die Herz-Jesu-Kapelle ist nur 110 qm groß, bietet aber 50 Personen Platz und enthält auch einen Beichtstuhl. Sie wird von Möckel im Wald gebaut, um einen großen Kontrast mit den klassizistischen Bauten zu vermeiden.

 

Per Gesetz wird das Schießen lebender Tauben verboten. Es kommen Tontauben zum Einsatz.

Freiherr Julius von Maltzahn schließt seine "Erinnerungen und Gedanken eines alten Doberaner Badegastes" ab.


1896

Das Stahlbad wird aus dem herzoglichen Besitz an den Brauereibesitzer Zimmermann verkauft.
 

 

1897

 

Das Tauben-Schießverbot wird nun auch am Heiligen Damm durchgesetzt und der Schießstand mit Schießhalle werden abgerissen.

 

Großherzog Friedrich Franz III stirbt nach nur 14 Jahren Amtszeit im Alter von 56 Jahren im französischen Cannes.

Nachfolger wird sein 15jähriger Sohn, Friedrich Franz IV.

Dieser regiert zunächst unter der Vormundschaft Herzog Johann Albrechts, seines Onkels.

 

 

1898

 

Im Wald östlich des Ensembles entsteht ein Graben mit Schießstand, von dem aus nun eben auf Tontauben geschossen wird.

 

Von nun an gibt es jährlich ein Internationales Tontauben-Schieß-Turnier, das in Heiligendamm ausgetragen wird.

 

 

1900

 

Heiligendamm trägt das Internationale Tennisturnier aus.

Heiligendamm hat 1.740 Gäste. (Vergleich: Warnemünde hat 15.000)

 

Das Badehaus (Mecklenburg) erhält die Inschrift "Kurhaus".

Das Alexandrinen-Cottage wird vergrößert und bekommt noch einen Turm.

 

Das Stahlbad wird aufgestockt und erhält sein "heutiges" Gesicht (also das von 2006 - danach ist der Dachstuhl abgebrannt).

 

 

1901

 

Das Armenkrankenhaus wird nach behördlicher Anordnung nun "Seehospiz" genannt.

 

 

1902

 

Der Tennisbund wird gegründet.

Zwischen 1895 und 1902 erhalten die Läden eine Vorhalle mit 19 dorischen Säulen.

Das Stahlbad bietet nun zusätzlich zu den Eisenbädern (Stahlbäder) auch Moorbäder und Trinkkuren an.

 

 

1903

 

An der Bahntrasse am Waldrand des Kleinen Wohld wird eine evangelische Kapelle erbaut.

Die von Möckel erbaute Kapelle ist mit 140 qm (andere Quellen: 160 qm) größer als ihr katholisches Gegenstück,
besitzt einen Glockenturm mit Turmhelm und einen Chor an der Rückseite. Auch sie steht wegen des Kontrastes der unterschiedlichen Baustile im Wald.

 

In Doberan wird ein Gaswerk gebaut.

 

 

1904

 

Das Gaswerk wird in Betrieb genommen.


1905


Der Ausflugspavillon auf dem Jungfernberg - bisher nur ein Aussichtspunkt - wird zur Gaststätte.

 

 

1907

 

Die Straße nach Warnemünde (Nienhäger Chaussee) wird gebaut.

 

 

1908

 

Dr. Carl Lüth wird neuer Direktor des Friedrich-Franz-Gymnasiums.

Probebohrungen im Quellental von Glashagen ergeben eine reichhaltige Mineralquelle mit Kapazitäten, die weit über das durch das Oberflächenwasser vermutete Volumen hinaus geht und für viele Jahrzehnte reichen wird. Es werden Leitungen nach Doberan gelegt, wo neben dem Bahnhof eine Produktionsstätte für Mineralwasser und Erfrischungsgetränke entsteht.

 

Im Quellental wird dazu ein Tempel im klassizistischen Stil errichtet, welcher die Pumpen beherbergte.

Die Quelle und das Unternehmen wurden "Glashäger" getauft.

Mehr Informationen zur Glashäger gibt es auf www.glashaeger.de und zur Quelle unter www.hohenfelde.net.

 

 

1910

 

Die Bahntrasse wird auf 8,9 km bis nach Brunshaupten, dem heutigen Kühlungsborn-Ost ausgebaut, weil der ursprüngliche Plan, den Ort von Kröpelin aus anzubinden an Geländeschwierigkeiten scheiterte.

 

(Kühlungsborn ging erst am 01.04.1938 aus den Orten Arendsee, Fulgen und Brunshaupten hervor.)

 

In Heiligendamm wird der Bahnhof um 500 Meter zurückversetzt, da die Bahntrasse eine Kurve nehmen muss.

Es entsteht ein Bahnhofsgebäude im für mecklenburgische Kleinbahnhöfe typischen Fachwerkstil.

Auf der neuen Strecke kommt auch eine neue Lok zum Einsatz. Die Dampflok der Firma Henschel hat 125 PS
und bewältigt die Strecke Doberan-Heiligendamm in 22 Minuten. Auf der gesamten Strecke (also bis Brunshaupten)
kamen täglich 14 und sonntags 16 Züge (nicht Loks!) zum Einsatz. In jedem Waggon fanden 34 Personen Platz.

Theodor Punkstadt gab den ersten Fahrplan heraus.
Demnach gab es eine zweite Klasse mit Sitzen, die mit rotem Plüsch gepolstert waren und eine dritte Klasse mit gewienerten Holzbänken. Das Fehlen der ersten Klasse ließ später Leute ein Drei-Klassen-System vermuten. Die feinen Herrschaften jedoch zogen den Genuss von Tabak vor und da im Wageninneren nicht geraucht wurden durfte, hielten sie sich meistens draußen auf den Plattformen auf, die bis zu 16 Personen fassen konnten. So war die heimliche erste Klasse draußen vor der Tür.

Zugestiegen werden konnte in Doberan überall. Die Lok fuhr sehr langsam durch den Ort und bimmelte unentwegt, um rechtzeitig die Fußgänger und Kutscher zum Ausweichen zu ermahnen. Nur darum bimmelt diese besondere Dampflok überhaupt - auch heute noch. Als die Loks schneller wurden, richtete man feste Haltestellen in der Alexandrinenstraße beim Springbrunnen (Mollistraße) und am Soldatschen Haus in der Poststraße (Goethestraße) ein. Das Retourbillet in der zweiten Klasse kostete 80 Pfennige und in der dritten Klasse 50 Pfennige. Kinder zahlten 50 bzw. 30 Pfennige. Im Straßenbahnbetrieb zwischen Bahnhof und städtischen Haltepunkten kostete es 24 Pfennige in der zweiten und 20 Pfennige in der dritten Klasse, sowie 10 Pfennige klassenunabhängig für Kinder.

 

Heiligendamm hat 2.418 Gäste. (Vergleich: Warnemünde: 20.000, Brunshaupten: 14.000, Arendsee:9.000, Graal und Müritz: 5000)

 

Die anderen Bäder sind innerhalb von 20 Jahren nach Heiligendamm entstanden, werden aber von den Gästen 2. Ranges bevorzugt.

Heiligendamm wird aber zusammen mit Heringsdorf auf Usedom wegen seiner vorzüglichen Tennisanlagen hoch geschätzt.

 

Der Sohn Otto von Kahldens, Rudolf von Kahlden, verkauft Heiligendamm an Walter John, dem Neffen von Eugenie John (Künstlername: E. Marlitt). Dieser aber verspekuliert sich und belastet das Unternehmen mit hohen Hypotheken. (1)

 

 

1911

 

Die Aktiengesellschaft meldet Konkurs an.

Die Gläubiger kaufen das Bad für 1.510.000 Mark, um wenigstens die Hypotheken zu retten und gründen am 21.01.1911 die "Ostseebad Heiligendamm GmbH". Die vier Gesellschafter sind der Leipziger Großhändler Joachim Hermann Felix Wolf, die Hamburger Großhändler Julius Lachmann und Hermann Sanders und der Hamburger Rentier Adolf Glüenstein. Die gezeichneten Aktien haben eine Stammeinlage von 38,5% und einen Wert von 800.000 Mark, von denen 350.000 Mark auf Lachmann und je 150.000 Mark auf die anderen Anteilseigener gehen.

 

Das Linienschiff "Kaiser Wilhelm II" salutiert mit 21 Salutschüssen und geht 3 km vor Heiligendamm vor Anker.

Ein Teil der Mannschaft geht zum Urlaub an Land. Mit einer Pinasse wird zur Besichtigung zum Schiff übergesetzt, das den Abend mit den Scheinwerfern eine Illumination in den Nachthimmel und an die Gebäude zaubert.

 

Das Hotel Peters (Altersheim) wird zwangsversteigert und geht an den Hotelbesitzer Friedrich Mellendorf,

der es als "Fürstenhof" führt.

 

Heiligendamm wird aufgewertet. Buhnen werden in die Ostsee gerammt, das Kurhaus renoviert und der Vorplatz neu gestaltet.

Die Molli-Trasse wird von Brunshaupten erweitert nach Arendsee, dem heutigen Kühlungsborn-West.

 

 

1912

 

Die Seebrücke wird um 130 Meter verlängert und ist nun für Dampfer nutzbar.

Auf dem Brückenkopf entsteht eine Restaurationshalle.

 

Die Häuser werden mit elektrischen Licht ausgestattet.

Der "Erste deutsche Wasserflugzeugwettbewerb" zieht tausende Gäste an.

 

Der Hamburger Hotelbesitzer Heinrich Böckenheuer erwirbt die Anteile des Leipziger Großhändlers, lässt sich in Heiligendamm nieder und wird Direktor des Bades und Ortsvorsteher Heiligendamms. Das Lübecker Bankhaus Louis Wolff KG unter Alexander Carlebach beginnt, Aktien des Unternehmens zu kaufen.

 

 

1913

 

Eine Sturmflut beschädigt am 31.12.1913 weitere Teile des Strandes und die Seebrücke und zerstört das Damenbad.

Der Schaden wird auf 30.000 Mark beziffert. Der Gesamtschaden inklusive aller Reparaturkosten beläuft sich auf 400.000 Mark.

Das Damenbad wird nicht wieder aufgebaut und das beschädigte Herrenbad wird abgerissen.

 

Statt der Badekarren werden gemäß der aktuellen Mode Strandkörbe eingeführt, die eine neue Ära in der Badekultur einläuten.

Die Geschlechtertrennung entfällt.

 

Der Lyriker Rainer Maria Rilke ist zu Gast in Heiligendamm.

 

 


120 Jahre. Heiligendamm bis zum 1. Weltkrieg.


 

Auf dem linken Bild ist rechts das erste Badehaus gut zu erkennen.

Das Bild zeigt Heiligendamm um 1817.

Die Allee mündete direkt in das Ensemble.

 

Das Badehaus wurde nach der Planung des Hauses "Mecklenburg"

abgetragen und dieses in versetzter Lage errichtet.


 

 

Das rechte Bild zeigt das Ensemble um 1850.

Im Vordergrund befindet sich das Belvedere.

Die Hohenzollernburg ist bereits errichtet.

 

Auffällig sind die nicht nicht vorhandenen Arcaden

zwischen dem Kurhaus und dem Haus Mecklenburg.

 

Bei den Bildern handelt es sich um zeitgenössische Zeichnungen, die auf Post- und Ansichtskarten reproduziert wurden und von dort auch mit dem Scanner abkopiert sind.

 

Der Urheber und Rechteinhaber sind Hans-Jürgen Herbst und der Godewind-Verlag.

 

 

 

 

1914

 

Am 01.08.1914 beginnt der 1. Weltkrieg. Heiligendamm wird von den Badegästen verlassen und die Sportstätten verfallen.

Während des ersten Weltkrieges werden in den schlimmsten Zeiten auf dem Kamp Kartoffeln angebaut.

Der Badebetrieb geht im kleinen Rahmen weiter und der Ort erhält eine Kriegsbesatzung.

 

Im September wird eine angeschwemmte Matrosenleiche mit militärischen Ehren bestattet.

Ob es sich um ein Kriegsopfer oder Unfallopfer handelt, kann nicht geklärt werden.

 

Adolf Friedrich VI, Herzog von Mecklenburg-Strelitz, begeht Selbstmord.

Großherzog Friedrich Franz IV von Mecklenburg-Schwerin verwaltet als Verwandter

des letzten Herzogs der Strelitzer Linie nun auch den Landesteil Mecklenburg-Strelitz.

 

 

1915

 

An den westlichen Cottages werden Veränderungen an den Veranden vorgenommen und es erfolgen Begrünungen vor den Villen.

Im Hotel "Erbgroßherzog" in der Alexandrinenstraße (heute Mollistraße) wird ein Kino eingerichtet. 

Möckel geht in den Ruhestand und stirbt im selben Jahr im Alter von 77 Jahren. Seine Frau bewohnt das Haus weiterhin.

 

 

1918

 

Am 04.08.1918 wird das Hoflager samt der zeitweiligen sommerlichen Gendarmeriestation aufgelöst.

Der 1. Weltkrieg ist hier zu Ende. Am 11.11.1918 um 11 Uhr schweigen die Waffen auch in den restlichen Kriegsgebieten.

Das Gymnasium verzeichnet schwere Verluste: 6 Lehrer und 111 Schüler starben im ersten Weltkrieg.
Eine Gedenktafel wird eingeweiht und mit Horaz´ Worten versehen: "Dulce et decorum est pro patria mori".

 

Die Novemberrevolution hat auch Mecklenburg erreicht.

Großherzog Friedrich Franz IV dankt vier Tage nach dem Kaiser am 14.11.1918 als letzter deutscher Monarch ab.

Die Familie emigriert nach Dänemark. Vorher bestimmt der Großherzog aber noch seinen Sohn Christian Ludwig als Nachfolger, falls die Monarchie zurück kommt.

 

Der Arbeiter- und Soldatenrat besetzt die Häuser in Heiligendamm und zur Bewachung werden die vor drei Monaten abgezogenen Soldaten eingesetzt. Mehrere Wochen lang streiten sich verschiedene Ämter, wer die Kosten für die Mannschaft trägt.

Letztlich darf die herzogliche Familie ihre Sommerresidenz behalten und muss selbst dafür aufkommen.

 

 

1919

 

In Doberan wird mit der industriellen Förderung von Mineralwasser aus der Glashäger Quelle bei Hohenfelde begonnen.

 

Der Doberaner Rechtsanwalt Fritz Knaack befasst sich in verschiedenen Belangen mit der Ostseebad Heiligendamm GmbH und erkennt deren Dilemma. Heiligendamm kann ohne die Unterstützung Doberans nicht mehr leben aber andererseits kann Doberan sich sein Nobel-Anhängsel nicht mehr leisten und musste selbst genug unter der Autarkie Heiligendamms leiden.

 

Mit der Erschließung des Wohngebietes "Parkentiner Weg" will man Familien dazu bringen, Häuser zu bauen und sich niederzulassen. Es entsteht dort ein Wohngebiet mit 49 Häusern.

Gerhard Ringeling (1887-1951) wird Lehrer für Deutsch, Englisch und Geschichte am Friderico-Francisceum zu Bad Doberan.

 

 

1920

 

Die kleine Kommune Heiligendamm kann ihrem Verfall nicht mehr entgegenwirken, weshalb 31 Bürger des Bades einen Antrag auf  Wiedervereinigung mit Doberan stellten. Dieser wurde wegen der eigenen Schwierigkeiten kurzerhand abgelehnt.

 

Oberst Albert von Voss gründet den "Sportverein Heiligendamm".

Das Amtsgericht ist misstrauisch, muss aber den Eintrag vornehmen.

In der Nacht zum 25.07.1920 wird der Verein als Spielhölle enttarnt, die Spielbank aufgehoben und das Spielgeld beschlagnahmt.

 

Die Louis Wolff KG besitzt nun die Aktienmehrheit im Wert von 492.000 Mark, geht aber mit wechselnden Geschäftsführern in den Ruin. Auch das Stahlbad in Doberan wird verkauft. Es geht an die Berliner Ortskrankenkasse.

Nach dem Niedergang der Monarchie werden auch die Güter der Monarchen verstaatlicht oder verkauft.
Die Molli samt Fuhrpark und Bahnhöfe geht an die Deutsche Reichsbahn.

 

 

Doberan wird Bad.

 

 

1921

 

Doberan feiert das 750. Jubiläum und erhält den Namenszusatz "Bad".

Eine Straße wird nach Severin benannt und ein Gedenkzimmer im Palais mit großherzoglichen Leihgaben eingerichtet.

 

Mit der Anerkennung als Bad erhofft man sich einen neuen Aufschwung.

Um den Status noch zu unterstreichen, eröffnet mit der Sparkasse Bad Doberan die erst Bank dieser Art.

 

 

1922

 

Der Rennbetrieb der Pferderennbahn wird wieder aufgenommen.

Im Ortsteil Walkenhagen entsteht eine Chemiefabrik.

 

Die Bilanz der Louis Wolff KG beläuft sich zum 31.12.1922 auf Minus 4.031.019,81 Mark und Bankschulden in Lübeck zu 4.698.690,43 Mark. Dem gegenüber stehen 2,5 Mio. Mark aus dem Wert der Grundstücke, dem Inventar und den Aktienanteilen.

Im August wendet sich die Ostseebad Heiligendamm GmbH an die Regierung, um die Schulden wenigstens zu stunden.

 

 

1923

 

Die Inflation ist vorbei.

Baron Oskar von Rosenberg zeichnet für eine Treuhandvereinbarung Berlin 225.000 Goldmark, Kurt Kramer in Vertretung für die Berlinsche Bodengesellschaft 150.000 und der Doberaner Rechtsanwalt Fritz Knaack für die Grunderwerbsgesellschaft Berlin mit 225.000 Goldmark. Mit 600.000 Goldmark werten die drei neuen Gesellschafter die GmbH auf.

 

 

1924

 

Das Hotel "Fürstenhof war leer geräumt und sollte abgerissen werden aber man überlegte es sich und wollte Alte oder "Schwachsinnige" einquartieren. Die GmbH protestierte aus Furcht um Beeinträchtigungen für die Gäste, dennoch wird der Fürstenhof zum Altersheim.

 

Östlich des Ensemble entsteht auf 25 ha ein traumhafter 9-Loch-Golfplatz.

Dr. Carl Reuter tritt die Nachfolge Dr. Carl Lüths als Direktor des Friedrich-Franz-Gymnasiums an.

 

 

1925

 

Der bisherige Schießstand wird auch technisch durch einen Tontauben-Schießstand ersetzt.

Das Bad bekommt eine Hausfeuerwehr, Warmwasserleitungen, Elektrizität, Kanalisation und neue Bäder.

Die Sportstätten werden erneuert und Buhnen in die See gerammt. Ein Golfplatz wird angelegt.

 

Fritz Knaack übernimmt die Geschäftsleitung für die GmbH und bekommt eine Schlüsselstellung.

Hinter den Kulissen kontrolliert Baron Rosenberg mit seiner O.A. Rosenberg Zürich alle Anteile und verschiedene Gesellschaften und vorgeschobene Gesellschaften. Ihm ist es letztlich zu verdanken, dass das Seebad den Verfall durch Inflation und Krieg entkommt.

 

Es wird ein Aufsichtsrat gebildet, in dem auch Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg sitzt, der später auch Vorsitzender des Rennvereins und des Golfvereins wird. Der Herzog hat großen Anteil an der Entwicklung, während der Geldgeber Baron Rosenberg nie in Erscheinung tritt und über ihn geschwiegen wird. Dennoch wird schnell klar, dass Heiligendamm durch einen sehr reichen jüdischen Österreicher gerettet wurde.

 

 

1926

 

Der 25 ha große Golfplatz wird nach einjähriger Bauzeit eröffnet. Damit will man den gehobenen Ansprüchen gerecht werden.

Neben dem Golf können sich die Gäste beim Tennis, Tontaubenschießen, Segeln, Rudern oder mit dem Dampfer nach Warnemünde, Arendsee und Brunshaupten fahren. Auch Leihwagen und ein elegantes Motorboot stehen zur Verfügung.

 

Der nicht mehr benötigte Marstall (später "Palette" wird von Otto Kirchgeorg in ein Restaurant mit Logierzimmern umgebaut.

Krieg's Hotel wird zum vereinseigenen Kaufmannserholungsheim umgestaltet und eröffnet mit einer Filiale neben dem Kinderheim.

 

Die Seebad Heiligendamm GmbH hat eine Minusbilanz von 10.589 Mark und über 2 Mio. Mark Schulden, wovon 1,5 Mio. bei Rosenberg und der Rest bei der Dresdner Bank steht, wo Rosenberg eine Bürgschaft übernommen hatte.

 

In Bad Doberan wird das Wohngebiet am Althöfer Weg mit 28 Häusern angelegt.

Möckels Frau stirbt und die Stadt bekommt das Haus Möckels.

 

 

1927

 

Reichspräsident Paul von Hindenburg weilt auf Einladung von Herzog Adolf Friedrich in Heiligendamm.

Dieses Ereignis spült 56.000 Mark in die Kassen der GmbH.

 

In Bad Doberan lassen sich endlich mehr Leute nieder.

Das macht den Bau eines Wasserturms auf dem Tempelberg und einen Bau von Wasserleitungen in der ganzen Stadt nötig.

 

Erstmals werden auch vier Mädchen in das Gymnasium - bis dahin eine reine Jungendomäne - aufgenommen.
Inzwischen ist das Gymnasium im ganzen Land sehr angesehen. 216 Schüler besuchen es - davon 39 aus Mecklenburg und 6 außerhalb des Landes. Der Rest wohnt in Doberan. Untergebracht sind die Schüler von außerhalb in Fremdenzimmern der Villen Doberans.

 

 

1928

 

Herzog Adolf Friedrich organisiert ein Treffen der Ozean-Flieger Hauptmann Herrmann Köhl und Günther Freiherr von Hünefeld, die mit ihren Maschinen auf der Rennbahn landen und von Großherzog Friedrich Franz IV und seiner Gattin Alexandra unter Einbeziehung der Öffentlichkeit empfangen werden. Auch dieses Engagement Herzog Adolf Friedrichs füllt die Kassen des Bades.

 

 

1930

 

Gegen den Pächter des Bades, Bruno Pagel (Besitzer des Sporthotel Oberwiesenthal) wird das Konkursverfahren eingeleitet.

Neuer Pächter wird die Baugenossenschaft des Deutschen evangelischen Volksbundes eGmbH aus Mühlheim an der Ruhr.

 

Die vielen Umbaupläne veranlassen den Landesdenkmalpfleger Adolf Friedrich Loren, das Kurhaus mit den Villen und dem Umfeld unter Denkmalschutz zu stellen. Das geschieht mit dem Beschluss vom 28.04.1930.

 

 

1931

 

Der Pächter meldet Konkurs an und Günter Siegert übernimmt die Leitung des Badebetriebes mit 400 Zimmern mit 500 Betten.

 

Bis 1939 kamen hohe Gäste nach Heiligendamm:

Neben den bereits aufgezählten kamen Rainer Maria Rilke, Marcel Proust, Königin Luise von Preußen, Wilhelm von Humboldt,

Lord Nelson, Joseph Goebbels, Hermann Göring, Adolf Hitler und Benito Mussolini.   

 

Zar Nikolaus I war entgegen der Gerüchte nie in Heiligendamm.

Es liegt eine Verwechslung mit Maria Alexandrowna Romanowa vor.

 

 

1932

 

In den Landtägen Mecklenburgs und Thüringens entstehen bei den Landtagswahlen nationalsozialistische Mehrheiten.

Bad Doberan verleiht als erste deutsche Stadt Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde.

In seiner Begleitung befindet sich Benito Mussolini, der italienische "Duce del Fascismo".

Durch eine Notverordnung werden ausländische Konten gesperrt.

 

Herzog Adolf Friedrich wird von den Nazis bedrängt, den Vorsitz im Aufsichtsrat niederzulegen, da es sich bei diesem Unternehmen um eine "wenig arische Angelegenheit" handelt. Er lehnt dies ab.

Oberstudiendirektor Dr. Carl Reuter wird wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD an eine andere Schule versetzt.
Trotz Demonstrationsverbot durch die SA zeigen Schüler des Gymnasiums auf einer Protestveranstaltung Solidarität mit ihm.
Der Protest nützt nichs: Helmuth Gaedt neuer Direktor des Friedrich-Fanz-Gymnasiums.

Die Landesregierung in Mecklenburg-Schwerin richtet für Hermann Wirth das Forschungsinstitut für Geistesurgeschichte ein.

 

 

1933

 

Die Gesellschafter der Ostseebad Heiligendamm GmbH sehen sich massiv durch die neuen Machthaber bedrängt und warnen sie in einem Schreiben vor den Konsequenzen eines Wegfalls der Unterstützung durch Baron Oskar Adolf von Rosenberg:

 

„Die GmbH wird lediglich finanziert von der O. A. Rosenberg & Co. Zürich.

Sie bedarf jährlich erheblicher Zuschüsse, da die hereinkommende Pacht nicht einmal die Grund- und Mietzinssteuer deckt. Wir sind also lediglich auf die Gutwilligkeit eines ausländischen Geldgebers angewiesen.“

                                                                                                                                                                      (Quelle: Wikipedia)

 

Ab 1933 besuchen Max Schmeling, Pola Negri und Hans Albers oft Heiligendamm.

 

 

1934

 

Das Möckelhaus wird zum Bädermuseum.

 

 

1935

 

Die GmbH schreibt 220.000 Mark Verluste.

Baron Rosenberg tilgt aber trotz der Notverordnung weiterhin 34.000 Mark jährlich.

Die Notverordnung sollte es eigentlich Nicht-Deutschen unmöglich machen, über deutsche Konten zu verfügen.

Zwar wohnt Rosenberg in Österreich und damit im Deutschen Reich aber er ist Jude und damit kein Deutscher.

Es ist nicht bekannt, wie er die Verordnung umging.

Ein gewisser J. Lange eröffnet im Schützenhof (heute: Maxim-Gorki-Platz) ein Lichtspieltheater mit 200 Plätzen.

 

 

1936

 

Das Bad zählt 12.780 Gäste, schreibt aber wieder 220.000 Mark Verluste.

Das alte flache Bahnhofsgebäude im mecklenburgischen Fachwerk-Stil wird in ein modernes Gebäude im Stil des Postklassizismus umgestaltet und somit an den in Heiligendamm vorherrschenden Baustil angepasst. Es erhält eine blaue Inschrift "Heiligendamm".

 

Am 01.04.1936 wird der Grundstein für ein Verwaltungsgebäude gelegt.

Heiligendamm wird mit Bad Doberan wiedervereinigt.

Das Bad wird zum KdF (Kraft durch Freude) Bad und nimmt nun auch Normalverdiener auf.

Der Doberaner Gymnasial-Lehrer Gerhard Ringeling veröffentlicht die Abhandlung "Doberan mit seinem Seebad Heiligendamm".

 

 


Heiligendamm im Dritten Reich.

 

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wäre das Bad zunächst fast pleite gegangen. Ausgerechnet ein Jude und ausgerechnet wohnhaft in Hitlers österreichischen Heimat war es, der vorbei an Judenverfolgung, Notverordnung und gesperrten Konten Geld nach Heiligendamm pumpte und die Gläubiger der desolaten Aktiengesellschaft über Jahre befriedigte. Oskar Adolf Baron von Rosenberg war der heimliche Retter hinter den Kulissen. Aber alles Bitten der Gesellschafter half nichts: Die Nazis wollten Baron von Rosenberg enteignen und als er dies erfuhr, nahm er sich in seiner Villa Rosin das Leben. Bis dahin gaben sich die Großen des Deutschen Reiches die Klinke in die Hand: Hans Albers, Max Schmeling und schließlich auch Nazi-Größen wie Hermann Göring und schließlich der Führer persönlich. Rüstungspionier Heinkel und Gauleiter Hildebrandt richteten sich häuslich in Heiligendamm ein und Hitler prahlte vor dem Duce Benito Mussolini mit dem prominenten Badeort, dessen Ehrenbürger er seit 1932 war und das er nur über eine der schönsten Alleen Deutschlands erreichte, die überdies auch noch seinen Namen trug: Die Adolf-Hitler-Chaussee.

Doch ein Fürstenbad in einem Reich, in dem jeder gleichwertig sein sollte, passte nicht in das Bild des Nationalsozialismus.
Das Bad ging an die KdF und wurde zum Ferienheim für das deutsche Arbeitervolk, bis es dann die Deutsche Reichsmarine beschlagnahmte, um es für den bevor stehenden Krieg als Reservelazarett für Seekadetten einzurichten.
 

Adolf Hitler persönlich wählte Heiligendamm als Standort einer von zehn reichsweiten Adolf-Hitler-Schulen aus.
Für diese Eliteschule wurden Bäume gerodet zwei Straßen gebaut, zwei riesige Baugruben ausgehoben und schließlich auch ein Grundstein gelegt. Kurz darauf begann der Krieg und die Bauarbeiten wurden mangels Arbeitern und Material wieder eingestellt.

Heute erinnern nur noch das Stück Asphaltstraße zum Parkplatz am Kinderstrand, der Wall am Ende der Straße, die Aushebungen und der Grundstein mitten im Wald an das ehrgeizige Vorhaben. Heiligendamm blieb ein monströses Bauwerk im römischen Stil erspart. Auch einen Bombenhagel auf das Ensemble gab es nicht aber dafür wurden die Gebäude dicht belegt zuerst mit Kadetten und dann mit Flüchtlingen. 1941 verlor die Weiße Stadt am Meer ihr Gesicht und verschwand im Grün des Waldes. Für den Rest an grüner Farbe sorgte dann die dichte Militärbelegung. Am Tag des zweihundertsten Geburtstages ließ ein britisches Bombengeschwader auf dem Rückzug aus Rostock ihren Ballast ab. Etwa 100 Bombenkrater im Kleinen Wohld zeugen heute noch vom traurigsten Jubiläum des ersten deutschen Seebades.

Aber auch positive Veränderungen erfuhr Bad Doberan im Dritten Reich. 1936 wurden Bad Doberan und Heiligendamm wiedervereinigt und der fast wie ein Fremdkörper wirkende kleine mecklenburgische Bahnhof mit seinen roten Klinkern und braunem Fachwerk wird an das Ensemble angepasst und erstrahlt fortan in weiß und blau, wie das Kurhaus.

Bad Doberan selbst profitierte vom Wachstum der Rostocker Rüstungsindustrie. Mit den Heinkel-Werken in Marienehe wuchs auch das Wohngebiet am Althöfer Weg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes, der die direkte Verbindung der Heinkel-Arbeiter nach Rostock darstellte. Doch blieb Bad Doberan auch von den dunklen Seiten der Aufrüstung nicht verschont. Auch hier gab es Lager für Zwangsarbeiter und Gefangene, sowie ein Forschungsinstitut für Geistesurgeschichte, welches vom selbst unter Kollegen umstrittenen nationalsozialistischen Pseudo-Wissenschaftler und Antisemiten Hermann Wirth geleitet wurde.

 

 

Das Postkarten-Bild des Godewind-Verlages zeigt das Ensemble anno 1925, hier schon mit einer dampfertauglichen Seebrücke. Allerdings hat man in Sachen Küstenschutz auch nach 130 Jahren noch nichts dazu gelernt. Das Wasser kann hier ungehindert schon bei leichten Sturmfluten bis auf die Promenade vordringen. Auffällig am Haus "Mecklenburg" ist die später nicht mehr

vorhandene und heute nicht mehr rekonstruierte fachwerkartige Holzverzierung der Erker. Sie sind nach wie vor vorhanden, werden aber weiß übertüncht, wie es schon in Bad Doberan beim Logierhaus (Friedrich-Franz-Palais) praktiziert wurde.

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 


 

1937

 

Das Bad zählt über 15.000 Gäste aber auch in diesem Jahr belaufen sich die Verluste nur noch auf 158.000 Mark.

Nun allerdings ist es Baron von Rosenberg nicht mehr möglich, weitere Tilgungen vorzunehmen.

 

Am 15.01.1937 verfügt Adolf Hitler über den Bau einer Adolf-Hitler-Schule im Kleinen Wohld.

Heiligendamm ist über Straßen, Schienen und Seewege erreichbar und die Buchten des Waldes eignen sich zur Verbindung mit den Kultstätten.

 

In Bad Doberan findet der erste Niederdeutsche Dichtertag statt.

Dr. Willi Brandt wird neuer Direktor des Friedrich-Franz-Gymnasiums.

 

 

1938

 

Heiligendamm war als eine von zehn deutschen Gauen auserkoren,

in denen "Adolf-Hitler-Schulen" als "Pflanzstätten bester deutscher Führer" entstehen sollten.

Die Grundsteinlegung hierzu erfolgt am 15.01.1938 bei strömenden Regen, eisiger Kälte und schneidenden Nordostwind mit durchgeweichten Stiefeln im schlammigen Lehm bei einer nicht enden wollenden Rede des Gauleiters.

 

Zu den Bauarbeiten kommt es nicht und nur der ein Kilometer kurze teilasphaltierte Weg zum Kinderstrand , sowie riesige Aushebungen und der Grundstein im Wald erinnern heute an das ehrgeizige Bauvorhaben.

In der Aula des Gymnasiums müssen sich die Schüler eine vierstündige Radio-Rede Adolf Hitlers zur Angliederung Österreichs anhören. Ein Drittel der Lehrer des Gymnasiums sind Mitglieder der NSDAP.

 

 

Der Badebetrieb kommt mit dem Kriegsbeginn wie vor 25 Jahren schlagartig zum Erliegen.

Nur in Bad Doberan wird bis zum Kriegsbeginn fleißig gebaut.

Die Wohngebiete am Parkentiner Weg und Althöfer Weg werden vollendet.

 

Der Lichtspielbesitzer Johannes Lange kauft die Büdnerei 58

mit der Adresse Am Kamp 4 (Severinstraße 4 - Kino) in Bad Doberan.

 

 

Heiligendamm wird grün.

 

 

1939

 

Die Büdnerei 58 soll "niedergelegt" werden, um einem Wohnhaus mit Lichtspieltheater zu weichen.

Statt dessen erfolgt durch Lutz Elbrecht ein Umbau zu einem Kino mit 400 Plätzen.
Kurz darauf eröffnet das Hansa Lichtspieltheater Bad Doberan. (Heute: Kamp-Theater)

 

Das Bad wird im August 1939 für Heereszwecke beschlagnahmt und zum Reservelazarett erklärt.

Der Badebetrieb wird beendet.

 

Baron Oskar Adolf von Rosenberg nimmt sich in seiner Villa "Rosin" im niederösterreichischen Kaumberg das Leben.

Als Grund wird Verzweiflung angeführt. Rosenberg war es nicht gelungen, sein Vermögen in Heiligendamm vor der Beschlagnahmung abzuziehen. Die Villa "Rosin" wird von der Dresdner Bank versteigert.

       

Ernst Heinkel, Besitzer der Rüstungswerke (u.a. auch in Rostock) kauft die Villa "Sporn" und nennt sie zeitgemäß in "Eikboom" um. Auch Gauleiter Friedrich Hildebrandt sichert sich ein Sommerhäuschen.

 

Das Haus Bischoffstab wird im Herbst 1939 an den "Kameradschaftsbund Deutscher Polizeibeamten e.V. verkauft.

Dem ist der Name wohl etwas suspekt. Jedenfalls benennt er das Haus in "Haus Doberan" um.

 

In Doberan entsteht am Althöfer Weg eine große Wohnanlage für Arbeiter der Ernst-Heinkel-Flugzeugwerke in Rostock.

Althof wird am 01. April 1939 eingemeindet.

 

 

1941

 

Das Ensemble wird im August 1941 von der Ostseebad Heiligendamm GmbH für 1,7 Mio. Mark an die Reichsmarine verkauft und zur Reichskadettenschule umfunktioniert. Das Geld erhält die Dresdener Bank, die damit die Belastungen aus den Hypotheken gerade so tilgen konnte. Formaljuristisch ist die Liquidation nie zum Abschluss gekommen, weil sie Kriegsereignisse dieses komplizierte Verfahren unmöglich machten.

 

 

1942

 

Günter Siegert ist nun nicht mehr Pächter Heiligendamms und kauft in Prag das Hotel "Alcron".

 

Die Gebäude erhalten nach Beschluss vom 20.02.1942 einen Tarnanstrich in dunklen Farben.

Aus der Luft sind sie kaum vom sie umgebenden Wald zu unterscheiden.

 

Die Alliierten Bomberverbände verschonen jedoch die ländliche Gegend und konzentrierten sich

bei den Bombardements auf die durch Flüchtlinge überbevölkerte Hansestadt Rostock mit der Rüstungsindustrie,

wie der Werft und den Flugzeugwerken Arado und EHAG (Ernst Heinkel AG) und dem Flugplatz, welcher nach der Zerstörung des Flughafens Berlin-Tempelhof bis zum 30.04.1945 noch als Verkehrsflugplatz der Lufthansa nach Dänemark, Schweden und Norwegen dient.

 

Am Althöfer Weg in Doberan entstehen Behelfsheime.

Der Rohbau des Kamp-Theaters ist fertig.

 

 

1943

 

Seekadetten ziehen in die Gästewohnungen ein.

Durch die schweren Bombardements haben viele Rostocker ihre Wohnung verloren und werden in Heiligendamm einquartiert.

Auch der Marstall und Garagen werden benutzt, sodass es sehr eng wird.

 

Die Seehospiz wird gegen eine Abfindung von 26.000 Mark aufgelöst und die Auflagen Vogels werden aus dem Grundbuch gestrichen.

 

Am 26.07.1943 fallen zum 150. Jubiläum 8 Bomben auf den Gespensterwald.

Ein Soldat stirbt, eine Frau wird schwer verletzt und in Heiligendamm bersten die Fensterscheiben.

 

Bombenabwürfe auf Wälder sind nicht ungewöhnlich und werden vorgenommen, wenn ein Bomber von einem Abfangjäger angegriffen wird und sich zurückziehen muss. Sie dienen der Gewichtsentlastung. Im Kleinen Wohld finden sich etwa 150 Bombenkrater.

 

 

1944

 

Im Februar treffen 120 Flüchtlinge aus den östlichen Gebieten ein und werden in durch Engerbelegung freiwerdende Villen untergebracht. Die Engerbelegung betrifft die Kadetten. Der Kommandant haust im Alexandrinencottage und verzichtet dort auf eine Engerbelegung.

 

Aus dieser Zeit gibt es einen Augenzeugenbericht aus der eigenen Familie.

Meine Oma kam in der Nähe von Soldin, im damaligen Pommern zur Welt und die Familie musste 1944 vor den russischen Übergriffen flüchten. Sie wurde zunächst in den linken Flügel der späteren FAK in der obersten Etage einquartiert.

Meine Oma erinnerte sich, dass es zwar Öfen aber keine Schornsteine gab und die Rohre durch Löcher in der Wand nach draußen geleitet wurden. Das Zimmer war stets verqualmt, was ihre Mutter einmal ausnutzen wollte, um ihr Leben zu beenden.

Die Kinder entdeckten dies rechtzeitig und ein Nachbar brach die Tür auf. Der Grund für diese Entscheidung und andere erschütternde Ideen war der anhaltende Hunger. Gegessen wurden Suppen aus Rübenblättern und Brennnesseln.

Wer beim Klauen erwischt worden wäre, hätte mit harten Strafen rechnen müssen und da der Ort mit Militär voll gestopft war, konnte man nicht einmal an Diebstahl denken.

 

Nach 1945 gab es dann Lebensmittelmarken und sie lernte meinen Opa kennen, dessen Familie sich mit dem Hof soweit selbst versorgen konnte, dass sie der künftigen Schwiegertochter Brotmarken abgeben konnte. Zu der Zeit war ihre Familie in die Gartenstraße 38 umgezogen und von dort aus zog das junge Ehepaar nach Neu-Hohenfelde und später nach Ivendorf und nahm die Mutter mit, während sich die Geschwister in der näheren Umgebung niederließen. Flüchtlinge aus Böhmen-Mähren und dem Sudetenland kamen überwiegend in Viehwaggons und kamen daher eher in Doberan, Rostock und Graal-Müritz unter.

Dies betraf z.B. meine Großeltern von der väterlichen Seite.

 

 

1945

 

Am 02.05.1945 erreicht die Rote Armee Bad Doberan.

Die Doberaner H. Grünberg, P. Schlünz und K. Bartsch gehen angeführt durch den Direktor Brandt den Rotarmisten mit einer weißen Fahne entgegen. Sieben Lehrer und 165 Schüler fielen dem zweiten Weltkrieg zum Opfer.
 

Das mit der dreifachen Einwohnerzahl an Flüchtlingen voll gestopfte Bad Doberan wird der Roten Armee kampflos übergeben und bleibt daher zumindest von Zerstörungen verschont. Vor den üblichen - von Stalin eigentlich verbotenen - Verbrechen der Roten Armee, wie Plünderungen, Verschleppungen und Vergewaltigungen bleibt auch die mecklenburgische Kleinstadt nicht verschont.

Ein paar Stunden später marschieren die Rotarmisten auch in Heiligendamm ein und belegen die Gebäude.

Schon bald ziehen sie aber weiter.

 

Gemäß den Anordnungen müssen militärisch genutzte Einrichtungen in Deutschland und Österreich vernichtet werden, womit eine Berliner Firma nach dem Abzug der Rotarmisten begann. Sämtliche Versorgungsleitungen in den Gebäuden, die Zentralheizung und die Elektrik wurden herausgerissen und abtransportiert.

 

Mangelnde Dienstaufsicht der Stadt Bad Doberan, ungeeignete Wachposten u.a. sorgten dafür, dass die Gebäude vollständig geplündert wurden. Die Dächer waren allerdings bereits enorm beschädigt und die Kanalisation versagte. Das Dach der Burg war abgebrannt. Eine Nutzung war dadurch ohnehin nicht richtig möglich. Dennoch blieben Flüchtlinge im Ort, wo es nur möglich war.

 

Am 01.10.1945 eröffnen die Schulen in Bad Doberan wieder. Zunächst wie gehabt als Gymnasium und Volksschulen.


Das Stahlbad nimmt die Eisenbäder und Trinkkuren aus dem Programm und heißt von nun an "Sanatorium Moorbad".

 

 

Ein neuer Anfang.

 

 

1947

 

Im Juni 1947 beschließt die Landesregierung , alle Gebäude, die sich nicht in privater Hand befanden, der Sozialversicherungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern zu Genesungszwecken zur Verfügung zu stellen. Für das Kurhaus wird eine besondere Denkmalpflege angeordnet.

 

Auch die großherzoglichen Villen gingen - da enteignet - an die Anstalt.

Dagegen wehrte sich die Großherzogliche Vermögensverwaltung im Namen Herzog Christan Ludwigs bereits 1946 mit einem Restitutionsanspruch, was von den Medien zu einem Propagandafeldzug benutzt wurde. Die SMAD hatte allerdings mit dem Befehl 124 das Gut als herrenloses Gut deklariert.

 

Im Dezember 1947 beginnen die Bauarbeiten unter Leitung von Lutz Elbrecht und dem Stellvertreter Adolf Kegebein.

Ein Bauausschuss auf Landesebene, zu dem auch Landtagspräsident Carl Moltmann gehörte, brachte seine Möglichkeiten wirkungsvoll ein. Allerdings mangelte es an Material und Banditen stahlen immer wieder Material und bereits verbaute Gegenstände.

Gerhard Ringeling verlässt das Doberaner Gymnasium und geht in den Ruhestand.
Durch die Schulreform gibt es nun statt Volksschulen und Gymnasien nur noch die Polytechnische Oberschule und die Erweiterte Oberschule. Auch die Geschlechtertrennung entfällt. Die Klassen 1 bis 5 der Mädchenschule werden in die Oberschule eingegliedert.

Das Friedrich-Franz-Gymnasium wird in "Goethe-EOS" umbenannt.

 

 

1948

 

Architekt Kegebein übernimmt die Wiedernutzbarmachung der Burg. Ein Wiederaufbau kam finanziell nicht in Frage.

Die Kur- und Erholungsstätte für Werktätige" empfängt im Herbst die ersten 40 "Aktivisten aus Mecklenburg".

Zum Anfang dient das Bad der Vorbeugung und Genesung, später bietet es dann auch Heilkuren an und etabliert damit zum Sanatorium.

 

Der Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) wird gegründet und nimmt das Sanatorium unter seine Obhut.

 

 

1949

 

Die Zahl der Bauarbeiter wird von 200 ab 300 erhöht. Im Februar 1949 wird Herr Böttge als Kur- und Verwaltungsdirektor eingesetzt.

Im Mai werden die Großküchen in Betrieb genommen und 140 Gäste verweilen in der Kurstätte.

Der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) werden zwei Gebäude zur Verfügung gestellt.

 

Am 15.08.1949 wird ein Teil des Kurhauswohnflügels mit 100 Betten übergeben.

Das Soll für dieses Jahr liegt bei weiteren 250 Betten.

 

Ein Säulengang soll Kurhaus und Grand Hotel verbinden, bleibt aber unrealisiert.

 

Am 01.03.1949 zerstört eine Sturmflut östlich des Fritz-Reuter-Hauses (Bischofsstab) auf 140 Meter den Dammweg und überflutet durch einen Bruch im Steindamm den Platz bis zum Golfhaus und Max-Planck-Haus. Telefonleitungen und die Hälfte der Seebrücke werden weggerissen.

 

Am 02.03.1949 versucht man, den Dammbruch zu beheben.

Steine liegen meterhoch auf der Seedeichstraße und Trümmer der Seebrücke sind in der See bis zur Jemnitz-Schleuse gedrückt worden. Am Nachmittag drückt der Sturm das Wasser wieder über den Damm und schleudert Steine auf das ganze Gelände. Bäume knicken reihenweise ab und 26 starke Buchen fallen um.

 

Am 27.05.1949 wird das KWU (Kommunale Wirtschaftliche Unternehmen) in Bad Doberan gegründet.

Am 15.06.1949 übergibt die SV das "Max-Planck-Haus" (Residenz-Hotel) dem Förderausschuss für Geisteswissenschaften.

Am 05.10.1949 wird die Jugendherberge auf dem Bad Doberaner Tempelberg eröffnet-

 

Am 12.12.1949 tobt ein weiterer Sturm, zerstört aber diesmal nur Montagebalken für den Buhnenbau und beschädigt die Promenade. Die Seebrückenkonstruktion bricht unter der Last zusammen und Heiligendamm verliert seine Seebrücke für die nächsten fünf Jahrzehnte.

 

Die Burg Hohenzollern ist inzwischen wieder nutzbar. Kegebein hat ihr einfach ein Walmdach aufgesetzt.

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

 

1950

 

Prof. Friedel Liebscher liefert den Entwurf eines Reliefs, welches im Empfangsgebäude (Haus Berlin - Grand Hotel) angebracht werden soll. In den 60er Jahren wird das Relief wegen Umbauarbeiten wieder entfernt.

 

Der Golfplatz soll wieder aufgebaut werden aber das Land ist bereits im Zuge der Bodenreform der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt worden, was aus politischen Gründen nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.

Durch das Wirken des DWK gehen die Arbeiten in Heiligendamm zügig voran.

 

Die Häuser werden wieder umbenannt.

Das Haus "Bischofstab", inzwischen "Doberan" wird in "Fritz-Reuter-Haus" umbenannt, die "Perle" zum "Maxim-Gorki-Haus", das Kurhaus "Haus Mecklenburg", das Demmler-Palais "Rosa Luxemburg, das Alexandrinencottage "Weimar", das Kronen-Cottage "Magdeburg" und auch Karl Liebknecht und Käthe Kollwitz wurden zu Namensgebern.

 

Der Dichter und Schriftsteller Ehm Welk (Die Heiden von Kummerow) wohnt seit 1950 bis 1966 in Bad Doberan.
Wilhelm Dethloff tritt die Nachfolge des legendären Schuldirektors an der Goethe-EOS an.

 

Die "Burg Hohenzollern" ist wieder bezugsfertig. Sie wurde nicht wieder aufgebaut, sondern nur wieder nutzbar gemacht.

Da allerdings der gesamte Dachstuhl vernichtet war, kann man von einem Neubau sprechen. Er erhält den Namen "Glück auf" und steht vornehmlich Bergleuten mit Lungenkrankheiten- oder Schäden zur Verfügung.

 

 

1951

 

Ein mecklenburgisches Friedenskomitee lädt Jugendliche und Frauen aus West-Berlin ein, die sich für die Ächtung der Atombombe eingesetzt haben und dafür inhaftiert worden waren. Sie können sich erholen und bleiben und erfahren später eine besondere Förderung.

Der langjährige Doberaner Gymnasial-Lehrer Gerhard Ringeling stirbt im Alter von 64 Jahren.

 

1952

 

Die Verwaltungsreform in der DDR führt zur Auflösung der Länder.

Mecklenburg wird in die Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg zerlegt.

Bad Doberan wird Kreisstadt des Kreises Bad Doberan im Bezirk Rostock.

Arthur Bengelstorff wird neuer Direktor an der Goethe-EOS

 

 

1954

 

Lutz Elbrecht legt einen Entwurf zum Wiederaufbau der Galopprennbahn vor. Dieser wird abgelehnt.

Heiligendamm hat fast 12.000 Kurgäste, die alle kostenlos versorgt werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf 2,5 Mio. Mark.

Die Erholungsstätte hat 230 Mitarbeiter und der Wiederaufbau hat bis 1954 sieben Millionen Mark verschlungen.

 

Eröffnung der Fachhochschule für Angewandte Kunst (FAK) in Heiligendamm. In den Sommer-Semesterferien dient sie als Ferienlager für Berliner Schüler und Schüler aus der CSSR und vom Domowina organisierte Ferienlager sorbischer Schüler.

Die vom Maler Prof. Werner Laux errichtete FAK wird durch den Bildhauer Reinhard Schmidt geleitet und ist von Wismar hier her gezogen, weil hier genug zusammenhängender Platz für Werkstätten, Labore, Unterrichtsräume und Internate ist.
Als Standort der Fachschule dienen das Kinderheim und das ehemalige Hotel Danker, welche miteinander verbunden werden.
(Heute: Bürogebäude der ECH, ECW und des Golf Ressorts Wittenbeck, Kühlungsborner Str. 58)

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

 

1955

 

Neben den vorbeugenden und Genesungskuren werden auch Heilkuren eingeführt.

Erweiterungsbauten werden geplant.

Die Fachabteilung für Hautkrankheiten entsteht in drei Häusern mit zusammen 88 Betten.

Vorder Bollhagen wird eingemeindet.

Im Hof der Erweiterten Oberschule (ehem. und heutiges Friedrich-Franz-Gymnasium) wird mit mit Hilfe von Lehrern und Schülern dem Bau eines Institutsgebäudes begonnen.

 

 

1956

 

Eine Abteilung zur Heilung von unspezifischen, nicht-tuberkolosen Krankheiten entsteht.

 

In Bad Doberan wird das Gymnasium erweitert.

 

 

1956

 

Es wird mit dem Bau der MTS-Siedlung am südlichen Bad Doberaner Stadtrand begonnen.

 

 

1957

 

Das Kurbad wird von der Sozialversicherung der DDR übernommen, dem Nachfolger der Sozialversicherung Mecklenburg-Vorpommern. Dr. Cuno Serowy übernimmt die Leitung der Abteilung für Hautkrankheiten.

 

In der FAK beraten die Angehörigen der Intelligenz die besonders günstigen Ausbildungsmöglichkeiten der künftigen Gestalter.

 

Die MTS-Siedlung ist fertig gestellt. Die erste Hälfte des Neubaugebietes "Buchenberg" wird erschlossen und bebaut.

 

Die Arbeiter-Wohnungsgenossenschaft AWG wird am 12. September 1957 in Bad Doberan gegründet.

Sie verwaltet die Neubauwohnungen.

Das Institutsgebäude im Hinterhof der Goethe-EOS ist fertig gestellt und wird eingeweiht.

 

 

1958

 

Die Abteilung für Hautkrankheiten wird im Haus "Mecklenburg" zusammengefasst und hat nun 130 und ein Jahr später 180 Betten.

Bis 1975 wird das Bad jährlich im Juli 3 Wochen als Unterkunft für Teilnehmer der Ostseewoche aus Norwegen und Island genutzt.
Dr. Cuno Serowy wird Direktor und Chefarzt des Sanatoriums.

 

 

1960

 

In Bad Doberan wird mit dem Bau eines industriell gefertigten Wohngebietes auf dem Buchenberg begonnen.

 

 

1961

 

Das letzte Pferderennen wird veranstaltet.

 

Bis dahin wurde der Platz für Motorradrennen und Landeplatz für alte Doppeldecker gebraucht.

Danach wird der Platz umgepflügt und als Lagerplatz für Steine, Erden und Bauabfälle benutzt.

 

 

1962

 

Die Abteilung zur Heilung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entsteht.

 

In Walkenhagen entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik der VEB Metallverarbeitung Bad Doberan.

 

 

1964

 

Am 05. Juli 1964 wird das neu gebaute Jagdhaus eröffnet.

Es dient als Gaststätte und Klubhaus.

 

 

1965

 

 

Die Jemnitz-Schleuse zwischen Heiligendamm und Börgerende wird in dreijähriger Bauzeit erneuert.
Auf dem Buchenberg wird mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern begonnen.

 

 

1966

 

Auf dem Buchenberg wird die Dr.-Theodor-Neubauer-Oberschule eröffnet.

Ehm Welk stirbt am 19.12.1966 in seinem Haus in Bad Doberan und wird auf dem Friedhof zu Bad Doberan beigesetzt.
Er stiftete vor seinem Tod ein Ehrenmal für die Opfer des Faschismus, welches in der nach seinem Tod nach ihm benannten Ehm-Welk-Straße vor der gerade frisch eingeweihten Dr.-Theodor-Neubauer-OS aufgestellt wird.

Bodo Michels wird neuer Direktor der Goethe-EOS am Karl-Marx-Platz.

 

 

1968

 

Die Sanierung der Jemnitzschleuse ist abgeschlossen.


1970

Günter Boeldt wird neuer Direktor der Goethe-EOS.

Vor der Ernst-Schneller-Oberschule wird ein Gedenkstein zur Erinnerung an den im KZ Sachsenhausen ermordeten kommunistischen Reichstagsabgeordneten Ernst Schneller - dem Namensgeber der Schule - aufgestellt.

 

 

1972

 

Die Wurftaubenschießanlage in Heiligendamm wird in einem Prospekt anlässlich der Ostseewoche beworben.

 

 

1974

 

Das Neubaugebiet auf dem Buchenberg ist fertig gestellt.
(Die Häuser des südlichen Buchenberges mit ausgebauten Spitzdächern.)
 

Der Hasenberg in Bad Doberans Südosten erlebt einen Bauboom durch zahlreiche sich neu ansiedelnde Eigenheimbauer.

 

Die Lessing-Schule in der Innenstadt wird abgerissen und ein Schulkomplex mit zwei zehnklassigen Oberschulen entsteht.

Die Schulen heißen Johannes-R.-Becher-Oberschule und Ernst-Schneller-Oberschule.

In Heiligendamm entsteht auf einer neu geschaffenen Lichtung eine Bungalowsiedlung und ein Ferienheim für Forst- und Jagdangestellte. Der Schießlatz entsteht unter Bezirksförster Helmut Mattke neu, große Flächen werden dafür gerodet.
 

 

1976

 

Bis 1980 ist Heiligendamm Chefsache im IX. Parteitag der SED.

 

Die Renovierungen und sogar Restaurierungen werden festgeschrieben.

 

 

1978

 

Ein Erweiterungsplan sieht den Bau eines Kurmittelhauses, eines lang gestreckten Bettenhauses und einer Meeresschwimmhalle im Park bei den Cottages vor. Weiterhin sollen eine Fernheizzentrale in der Nähe des Golfteiches und eine Kaufhalle neben der Palette entstehen. Das wird aus Geldmangel vorerst nicht umgesetzt, stößt aber auch auf Widerstand bei den Denkmalschützern.

 

In Bad Doberan wird die Pestalozzi-Oberschule auf dem Klosterhof (Kornhaus) zum Pionierhaus "Ehm Welk" umfunktioniert.

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

 

1979

 

Am 08.03.1979 fällt das Schulspeisungsgebäude "Vitakost" (Ruine auf dem Klosterhof) einer Brandstiftung zum Opfer.

Das Gebäude brennt bis auf die Grundmauern nieder und kann nicht wieder aufgebaut werden. Zwischen der Johannes-R.-Becher-

Oberschule und dem Heizhaus am Sportplatz entsteht ein Mehrzweckgebäude, das nun zum Speisesaal für beide Schulen wird.

Im Keller der Goethe-EOS wird ein Schulclub eingerichtet. Die Schule feiert ihr 100jähriges Bestehen zusammen mit Ehemaligen.
Ehemalige aus Westdeutschland - viele verließen bis 1961 die DDR - sind nicht eingeladen und feiern spontan in Göttingen.

 

Am 07.10.1979 - dem 30. Geburtstag der DDR - wird der Weiße Pavillon nach einigen Um- und Anbauten als Café neu eröffnet.

Am Bollhäger Weg am nördlichen Stadtrand Bad Doberans entsteht eine Hilfsschule (Sonderschule) mit Internat.

Das Wohnhaus Ehm Welks erfährt eine aufwändige Rekonstruierung und wird zum Museum "Ehm-Welk-Haus" umgestaltet.

 

 

1980

 

Die Sonderschule (Hilfsschule) und das angeschlossene Internat nehmen ihren Betrieb auf.

Klaus Krüger wird neuer Direktor an der Goethe-EOS.

 

Der Fuchsberg wird erschlossen und bebaut.
Auf dem Buchenberg werden nördlich der bestehenden Siedlung  weitere Mehrfamilienhäuser - diesmal in Plattenbauweise - errichtet.

 

 

1983

 

Das komplette Ensemble wird unter Denkmalschutz gestellt und es fließen Mittel zur Denkmalpflege und Restauration.

Damit haben sich zumindest die Planungen im Park und am Golfteich erledigt. Gebaut werden aber die Wohnblöcke im Südwesten.

 

Das Möckelhaus eröffnet wieder als Stadt- und Bädermuseum.

 

 

1984

 

Die internationale Denkmalpflegeorganisation ICOMOS inspiziert Heiligendamm während der Tagung in Rostock.

 

Dr. Christian Schütt wird neuer Leiter des Sanatoriums.

 

Durch gute Kontakte von Patienten zum Chemiekombinat Bitterfeld bekommt der Kreis Bad Doberan dringend benötigte Chemikalien. Als Dank baut der landwirtschaftliche Baubetrieb ein Heizhaus für 17 Mio. Mark.

Das Heizhaus entsteht nicht wie geplant am Golfteich, sondern am Südwestrand des Ortes an der Bahntrasse.

 

Der Rote Pavillon wird zu einer Galerie umfunktioniert.

Das Kurhaus ist baufällig und soll abgerissen werden.

Stattdessen entscheidet man sich für eine aufwändige Sanierung, die 1984 beginnt.

 

Die drei Dinge Möckelhaus, Roter Pavillon und Kurhaus geschehen mit Hinblick auf die Bewertung durch die ICOMOS.

Ohne deren Inspektion hätte man nicht so denkmalschützend verfahren.

Cuno Serowy geht nach der Einarbeitung seines Nachfolgers in Rente.
In seinen 27 Jahren als Direktor des Sanatoriums Heiligendamm konnte er eine hohe Anerkennung und große Verdienste erarbeiten. Für das klassizistische Ensemble war er der Retter schlechthin, denn seinem Protest ist es zu verdanken, dass nach den rigorosen eigenwilligen "Restaurierungen" und Umbauten der Villen "Schwan" und "Perle" keine weitere Zerstörung von Baudenkmälern in der Weißen Stadt am Meer erfolgte. Serowy hat auch Abhandlungen über das Kurwesen in Heiligendamm geschrieben. Er galt in seiner Art und Arbeitsweise während seiner langen Wirkungszeit als so etwas wie die Fortführung der Tradition des Badearztes.


1985

Mit dem Bau der Kaufhalle und weiterer Infrastruktur- und Versorgungsgebäude wird die Bebauung des Buchenberges abgeschlossen. 1049 Wohnungen sind zwischen 1965 und 1985 auf der Erhebung über dem historischen Stadtkern entstanden.

 

 

1986

 

Das sanierte Kurhaus eröffnet seine Pforten.

Es beherbergt auch einen INTERSHOP, separat erreichbar unten links im Erdgeschoss.

Karin Fourmont wechselt von der Johannes-R.-Becher-OS zur Goethe-EOS als Schuldirektorin.

Am Münster im Bachgarten wird ein Denkmal für die Opfer des Faschismus vom Bildhauer Reinhard Dietrich errichtet.

 

 

1987

 

Im Juni 1987 findet die Festwoche zum 800jährigen Jubiläum Bad Doberans mit Umzügen und bunten Programm statt.

 

In Bad Doberan wird mit dem Bau eines weiteren Wohngebietes in Plattenbauweise auf dem Kammerhof begonnen.

Außerdem entsteht im Gewerbegebiet zwischen F 105 (B 105) und Walkmüller Holz der Neubau der bisher im Hinterhof der Straße "Im Hörn" ansässigen Schuhfabrik. Der neue Komplex nennt sich "VEB Schuhfabrik "Lütt Matten".

 

1988

 

Am 11.11.1988 wird der Bad Doberaner Karnevalsverein (DKK oder auch DKK'88) gegründet.
Hinter den ehemaligen herzoglichen Cottages in Heiligendamm entsteht am Weg zum Kinderstrand ein Lagerplatz
für Container aus Stahl. (Heutiger Standort Wirtschaftsgebäude Grand Hotel). Naturschützer laufen dagegen Sturm.

 

 

1989

 

Ab dem 25.10.1989 finden im Münster Friedensgebete statt.

Die innerdeutsche Grenze wird geöffnet, die Berliner Mauer fällt und die DDR bricht zusammen.

Wirtschaftliche Strukturen funktionieren nicht mehr und die Bauvorhaben der Stadt geraten ins Stocken.
Der Kammerhof ist fast zur Hälfte fertig gestellt und verfügt über 589 Wohnungen, eine Kaufhalle, einen Kindergarten und eine Schule. Das Neubaugebiet wird in Westen von einer Eigenheimsiedlung an der Seestraße und im Süden von einer Eigenheimsiedlung an der Nienhäger Chaussee flankiert.

Die Nebenbauten der Schuhfabrik "Lütt Matten" am Walkmüller Holz kommen zunächst zum Erliegen und auch auf dem Kammerhof werden fertige Baugründe nicht mehr bebaut.

 

Durch die Wirtschafts- und Währungsunion werden die Konten des Sanatoriums gesperrt.

Die Regionalverwaltung Rostock übernimmt die Rechnungen. Nach der Freigabe der Konten war dort nichts belastet.

Dr. Schütt verwendet das Geld für den Erwerb moderner Lungenfunktionsgeräte und Laboreinrichtungen, der Verbesserung der Einrichtung und die Umgestaltung des Küchentraktes.

 

Bis zu diesem letzten Jahr fanden jährlich 8.000 Patienten Heilung und Pflege in Heiligendamm.

Die Forschungsinstitute für Balneologie und Kurortwissenschaften Bad Elster und für Badeklimatologie in Berlin-Buch betrieb Außenstellen in Heiligendamm.

 


 

Heiligendamm während der DDR-Zeit (1949 bis 1990)

 

Die Erhaltung der Substanz ist über die DDR-Zeit nur teilweise gelungen.

Die Gebäude Heiligendamms wurden alle 2 Jahre neu geweißt. Was da bröckelte, war nicht die Farbe, sondern der Putz.

Und da der nur an den betroffenen Stellen ausgebessert und diese dann wieder geweißt wurden, entstand ein recht fleckiges

aber immerhin weißes Muster. Die Gebäude bestanden noch immer aus 200 Jahre altem Material. Lehm, Ton und Backstein

haben ihre Eigenarten, die in Verbindung mit neuen Baustoffen oft zu Schäden führen. Alles verfiel ein wenig  aber nicht mehr,

als andere Gebäude in der DDR. Immerhin wurden die Gebäude als  Gaststätten, Cafés, Ferienhäuser, Wohnungen, Büros und

Geschäfte benutzt und so war es auch nicht denkbar, sie über dem in der DDR üblichen Maß verfallen zu lassen.

Bis 1975 hatte das Bad darüber hinaus repräsentative Funktion, weil Gäste aus dem Ausland drei Wochen im Juli dort

Unterkunft fanden.

In Bad Doberan selbst zeigte sich ein ganz anderes Bild. Die Stadt war grau und trist und die repräsentativen Bauten um den Kamp und Markt stachen regelrecht hervor. Wo immer es ging, entstanden Schuppen, Garagen, Anbauten, Vorbauten, Aufbauten, Dachausbauten, Verbindungsbauten und sonstige meist grau verputzte und mit Wellasbest überdachte Bausünden. Das historische rote Klinkergebäude der Post erhielt einen gelb-silbernen Stahl- und Glasvorbau, die Lessingschule wich einem Schulkomplex mit zwei Plattenbau-Schulen, auf dem Wolfsberg hinter den Villen entstand hoch über den Dächern der Stadt ein Plattenbau der Polizei, schräg gegenüber - ebenfalls hinter den Villen - ein Plattenbau des Kreiswehrersatzamtes, in der Rostocker Straße zwischen Villen und Palais ein Plattenbau des DLK Dienstleistungskombinates und als Krönung wurde aus dem Roten Pavillon wurde ein Toilettenhaus. Selbst das Kurhaus sollte abgerissen werden - und wer weiß - vielleicht lagen schon Pläne für einen "repräsentativen" Plattenbau in den Schubladen. Dass es nicht so kam, ist wohl der ICOMOS-Bewerbung zu verdanken.

 

Im Bereich der Architektur konnte man es sich aber auch im bevorzugten Heiligendamm finanziell nicht leisten, defekte Elemente wiederherzustellen. So wurden z.B. defekte Türen und Fenster zum Schluss nicht mehr restauriert, sondern einfach gegen die vorhandenen Massenartikel getauscht. Das brachte auch mit sich, dass man die Rahmen anpassen musste und Rundbögen entfernte. Verzierungen wurden teilweise entfernt, da sie nicht in das Bild der sozialistischen Architektur passten.

Die Erker und Balkone an den Hauptgebäuden wurden teilweise entfernt. Die Burg brannte 1950 und wurde nicht wieder

aufgebaut, sondern wieder hergestellt und mit einem Walmdach versehen. Darum ist die Burg niemanden mehr so in Erinnerung.

 

Der Höhepunkt der Verfremdungen war in den 70ern erreicht. Erst der Protest des Klinik-Leiters Cuno Serowy konnte verhindern,

dass nach den Villen "Schwan", "Möwe" und "Perle" weitere Villen bis zur Unkenntlichkeit verfremdet und entstellt wurden.

 

Die Raumaufteilung der Gebäude wurde den jeweiligen Bedürfnissen angepasst.

Im Originalzustand waren die Zimmer selten kleiner als 50 qm und damit nicht sinnvoll nutzbar.

Eine Wiederherstellung des Originalzustandes wäre aus denselben Gründen auch heute noch sinnlos.

Auch im Umfeld des Sanatoriums gab es massive Veränderungen. An den Buchenwäldern wurde Raubbau betrieben und viele hundert Festmeter Holz wurden geschlagen und zuerst als Reparationsleistung in die Sowjetunion und später gegen Valuta in die Nachbarländer verkauft. Die Aufforstung erfolgte mehr schlecht als recht mit schnell nachwachsenden Gehölzen, wie Pappeln und Nadelbäumen. Der 25 ha große Golfplatz wurde zur Landwirtschaftsfläche, der Tennisplatz sollte als Sportplatz wiederhergerichtet werden, was am Protest der in den Häusern "Eikboom" und "Seeadler" wohnenden Ärzte scheiterte. Der bereits planierte Platz wurde der Natur überlassen und verwilderte. So verschwanden zwei einst international angesehene Sportstätten. Die dritte und in der ganzen Welt bekannteste Sportstätte - die Pferderennbahn - wurde zum Lagerplatz für Baumaterialien umfunktioniert.

Umbaupläne sahen massive Baumaßnahmen vor: Eine Kaufhalle sollte zwischen Molli-Schienen und Ensemble entstehen, eine Schwimmhalle vor der Burg, ein Kurmittelhaus vor den Cottages, eine Plattenbausiedlung an der Kühlungsborner Straße, ein Wasserwerk neben dem Golfteich und ein Heizkraftwerk am Forsthof. Die Freifläche der Baustelle für die Adolf-Hitler-Schule sollte zum Kinderferienlager werden, wovon man dann aber absah und sie mit Pappeln aufforstete. Dahinter entstand am Ende der Zufahrtsstraße zur geplanten Eliteschule eine große Lichtung als Lagerplatz für Holz und später Parkplatz.

Vieles von den Plänen konnte aus Geldmangel nicht umgesetzt werden und die Denkmalschützer erkannten die Gefahr und erklärten den ganzen Bereich nördlich der Mollischienen als Denkmalschutzgebiet und stellten alle Häuser unter Denkmalschutz.
Dadurch blieben Heiligendamm gewaltige Verunstaltungen erspart. Zwei Plattenbauten kamen trotzdem und auch das Wasserwerk wurde - allerdings in der Gartenstraße - umgesetzt. Das Blockheizkraftwerk wurde auch gebaut und es entstanden eine Siedlung in der Gartenstraße, sowie drei Gartenanlagen in diesem Bereich. Hier durfte aber nur ansiedeln, wer hier auch arbeitete.

In den Villen entstanden Wohnungen, über den Kolonnaden ebenso, im Marstall auch und auch im Obergeschoss der Villa von Witzleben, die im Untergeschoss einen Kindergarten beherbergte. Das mecklenburgische Haus - ehemals Krieg's Hotel - wurde zum Wohnhaus und beherbergte eine Therapiesporthalle, die Pensionen in der Kühlungsborner Straße wurden zu Wohnhäusern und die letzte Pension (ehem. Danker's Hotel) wurde mit dem ehemaligen Kinderheim verbunden und Sitz der Fachschule für angewandte Kunst (FaK), die von Wismar hier her übersiedelte. Der Ort Heiligendamm war ganz auf das Sanatorium fixiert und um auch dem Tourismus ein wenig gerecht zu werden, gab es ein paar Imbissbetriebe, Cafés und Gaststätten.

Ansonsten hatte das Sanatorium alles was es brauchte direkt vor Ort:
Eine Schlosserei, Garagen, eine Poststelle, eine Tischlerei, eine Gärtnerei, eine Försterei, eine Baubrigade,
ein eigenes Wasserwerk mit Wasserwirtschafts-Brigade, ein eigenes Heizkraftwerk, eigene Pumpen, Kläranlagen
und Stromaggregate, eine eigene Feuerwehr, ein eigenes Orchester, eine eigene Jagdtruppe und im großen Maße
auch eigene Fahrzeuge. Wer hier wohnte, arbeitete hier auch und schickte seine Kinder in den örtlichen Kindergarten.

Die komplette Infrastruktur war nur auf das Sanatorium und seine Mitarbeiter ausgelegt.

Tourismus gab es aber er spielte nicht die Hauptrolle.
Die Bettenburgen befanden sich rechts und links des Kurortes: In Börgerende und Kühlungsborn.

Bad Doberan selbst avancierte vom ehemaligen "Pensionopolis" zur Wohn-Stadt. Aus einigen Villen wurden Mehrfamilienhäuser, aus anderen Arztpraxen, großzügig geschnittene Stadthaus-Wohnungen wurden in mehrere Wohnungen aufgeteilt, Anbauten sorgten für eine Erweiterung der Häuser, Dachböden und Keller wurden nutzbar gemacht und schließlich entstanden auch viele neue Häuser. Der Parkentiner Weg wurde mit Eigenheimen bebaut, der Fuchsberg ebenso, der Hasenberg und auch der Wolfsberg mit der Nienhäger Chaussee und der Seestraße erfuhr Bebauungen mit so genannten "Eigenheimen".

Bad Doberan diente als Drehscheibe zwischen Rostock und Wismar und war Umschlagplatz für Agrargüter jeglicher Art, sowie Kohle und Holz. Auch produzierendes Gewerbe konnte Bad Doberan vorweisen: Allen voran die Glashäger als Tochter der Rostocker Brauerei. Eine Schuhfabrik nannte die Stadt ihr Eigen und auch in der Metall- und Holzverarbeitung, der Chemie und dem Fahrzeug- und Maschinenbau war Bad Doberan unter den führenden Betrieben der DDR vertreten.

Landwirtschaft blieb ein wichtiger Faktor und damit die Dörfer nicht aus den Nähten platzten, wurden die Stadtränder vergrößert. 1049 neue Wohnungen entstanden auf dem Buchenberg - zuerst Stein auf Stein, dann in Plattenbauweise. Dieselbe Menge weiterer Wohnungen sollte auf dem Kammerhof entstehen. Nach der Hälfte kam dann die Wende. Bad Doberan war zu DDR-Zeiten auch ein wichtiger Schulstandort. Die Dorfschulen wurden in zwei Etappen aufgelöst und die Schüler in Bad Doberaner Schulen untergebracht. Der Name "Lessingschule" ging reihum - fast jede Doberaner Schule hieß schon einmal so. Das einstige Prinzenpalais wurde zur Schule, das Kornhaus ebenso, die Lessing-Schule in der Lessing-Straße auch und die einstige Residenz im Stülower Weg wurde zur Kreismusikschule. Am Ende der Neuen Reihe entstand eine Hilfsschule, auf dem Buchenberg eine Oberschule, an Stelle der Lessingschule in der Beethovenstraße ein Schulkomplex mit zwei Oberschulen, auf dem Kammerhof entstand ebenfalls eine Oberschule und im Stülower Weg eine Berufsschule. Aus dem Gymnasium wurde eine Erweiterte Oberschule, aus der Schule in Kornhaus dann ein Pionierhaus und schließlich ging auch die "Johannes-R.-Becher-OS" reihum.

Jede Schule brauchte einen Sportplatz, nach Möglichkeit auch eine Turnhalle und einen Speisesaal und dementsprechend sah Bad Doberan sehr bald aus der Luft aus: Eine grüne Stadt voller Sportplätze, umsäumt von dichten Plattenbausiedlungen. Mittendrin das, was Bad Doberan noch immer ausmachte: Molli, Münster und Moorbad. Dennoch: Der Verfall war nicht mehr aufzuhalten.





 

Heiligendamm vor 1993 (gefunden mit der Google-Bildersuche bei hotelmanagement-network.com)

Die Seebrücke existierte hier noch nicht und auch die MEDIAN-Klinik war noch nicht im Bau.

Die Orangerie war eine Verkaufsstelle, ein Teil der Gebäude waren Wohnungen und auch Büros,

Geschäfte, Cafés und Gaststätten fanden sich. Die Promenade ist gegen Versandung begrünt.

Gut erkennbar sind die fehlenden Erker und Balkone an den Hauptgebäuden und die mit dem

Walmdach versehene Burg "Hohenzollern". Auffällig sind die vielen Sandwege und der große

Vorplatz. Deutlich wird auch, dass die Promenade auf einen Durchgangsverkehr hin zum Küstenwald

ausgerichtet ist und alle Gebäude relativ ungehindert zu erreichen sind.

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 


 

1990

 

Die DDR wird der BRD angegliedert und das Sanatorium in die "Ostseeklinik GmbH" umgewandelt.

Die Bettenzahl wird auf 215 gesenkt.

 

Die Fachhochschule für Angewandte Kunst hat Sommer 1990 die beiden letzten Durchgänge als Ferienlager.

Im Mai 1990 finden die ersten demokratischen Kommunalwahlen in Bad Doberan statt.

 

Am 01.06.1990 wird die Glashäger an die Gerolsteiner Mineralquellen GmbH verkauft.
Die Deutsche Reichsbahn der DDR wird von der Deutschen Bundesbahn übernommen.
Es wird darüber nachgedacht, der Molli einen Dieselmotor einzubauen oder sie stillzulegen.
Schließlich entschließt sich die Deutsche Bundesbahn - selbst in der Umstrukturierung
und auf dem Weg zur gesamtdeutschen "Deutschen Bahn" befindlich - die Molli zu verkaufen.
 

Im August 1990 treffen die ersten Kinder aus Tschernobyl zur Erholung in Bad Doberan ein.

Sie werden bei Pflegefamilien untergebracht.

 

Am 03.10.1990 wird auf dem Kamp die Linde der Einheit gepflanzt.

 

 

1991

 

Am 01. September 1991 wird der Kornhaus-Verein gegründet.

Am gleichen Tag wird in Heiligendamm die Ostseeklinik gegründet.

 

Am 03.09.1991 findet das erste Pferderennen statt.


Das Pionierhaus wird aufgelöst (da es keine Pioniere mehr gibt) und zum Familien-Freizeithaus umfunktioniert.
Die Goethe-EOS bekommt ihren alten Namen wieder: Friderico Francisceum. Neuer Direktor ist Arno Lange.
53 Lehrer unterrichten die 792 Schüler, welche sich auf zwei viel zu kleine Gebäude verteilen.
Die Sekundarstufe II wird im Hauptgebäude unterrichtet und die Sekundarstufe I im Nebengebäude. 

Aus Mitteln der Städtebauförderung werden das Klostergelände und der historische Stadtkern saniert.

 

 

1992

 

In Bad Doberan wird die Versorgung mit Erdgas als Stadtgas aufgenommen.

Die angrenzende gerade erst errichtete Schuhfabrik "Lütt Matten" wird zum Kaufhaus "ALDO" und eine Kornhalle zum Multimediakaufhaus "MEDIkomm!". Später nennt sich der Komplex "ALDOBERAN".
Das Gelände wird zu einem Gewerbegebiet zusammengefasst und auf 19,1 Hektar Richtung Stadt vergrößert.

 

Auf dem Buchenberg wird ein Denkmal für Michail Gorbatschow errichtet und am 22.11.1992 feierlich eingeweiht.

Am Nikolaustag 1992 wird der erste Spatenstich für das Gewerbegebiet "Eikboom" am Ortsausgang nach Rostock vorgenommen.
Das neue Gewerbegebiet umfasst 28,5 Hektar. Bei der Erschließung wird eine alte Slawensiedlung entdeckt und dokumentiert.

Bad Doberan wird offiziell für 12 Jahre der Status "Seeheilbad" verliehen. Maßgeblich trägt der Ortsteil Heiligendamm dazu bei.

Roland Levetzkow löst Arno Lange als Direktor des Friderico Francisceum ab.

 

 

1993

 

Am 27.06.1993 wird die Seebrücke anlässlich des 200jährigen Jubiläums Heiligendamms eröffnet.

 

Am 31.07.1993 feiert Heiligendamm seinen 200. Geburtstag.

 

Am 07. August 1993 eröffnet auch die Bad Doberaner Galopprennbahn offiziell.

 

 

1994

 

Am 12. Juni 1994 wird der Landkreis Bad Doberan gegründet.

 

Bad Doberan ist nun Kreisstadt eines bedeutend größeren Kreises.

 

 

1995

 

Die "Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH & Co." übernimmt den Molli von der Deutschen Bahn.

 

Der Rote Pavillon wird vom Kunstverein übernommen und als Galerie betrieben.

 

Eine schwere Sturmflut zeigt am 04./05.11.1996 dem Küstenschutz seine Grenzen auf.

 

 

1996

 

Die Kölner FUNDUS-Gruppe kauft für 18 Mio. DM große Teile Heiligendamms.

 

Am 27. September 1996 wird der Neubau des Kreistagsgebäudes hinter dem Salon in der August-Bebel-Straße eingeweiht.

Am 10. Oktober 1996 eröffnet die Dr. Ebel - Gruppe das neue Moorbad am südlichen Ortsausgang Bad Doberans.

 

Am 16. Dezember eröffnet die Ostseesparkasse (OSPA) ihre neue Filiale in der Mollistraße.

Hier saß zuvor die Kreissparkasse aber weil das Gebäude den Ansprüchen nicht mehr genügte, wurde es umgebaut und die OSPA residierte solange in einem Container am Markt.

 

Am 27. Dezember 1996 eröffnet das Kreiskrankenhaus Bad Doberan (KBD - Krankenhaus Bad Doberan) in Hohenfelde als Ersatz für die geschlossene da zu alte und nicht mehr modernisierbare Ostseeklinik Kühlungsborn.

Im Bahnhof Kühlungsborn-West eröffnet ein Molli-Museum.

 

 

1997

 

Die MEDIAN-Klinik eröffnet nach langem Gezerre um den Standort und einem Rückzieher der Dr.-Marx-Gruppe
am 07. April 1997 doch noch in Heiligendamm mit ihrem Angebot an Kuren und Heilbehandlungen.

 

Am 20. Juli 1997 findet eine Rennwoche - das Ostseemeeting - zum 175. Jubiläum der Ostseerennbahn statt.

 

Die Mieter der Häuser der Perlenkette werden gekündigt und die Gebäude werden teilweise überstürzt verlassen.

 

 

1999

 

Die Musik-Gruppe "Rammstein produziert im Haus "Weimar" von September bis Dezember ihr Album "Mutter".

Der Grundstein für den Erweiterungsbau des Friderico Francisceums wird gelegt. Ein moderner halbrunder Anbau mit Glasfassade soll den Schülern endlich den benötigten Platz bieten. Die bisherigen Nebenbauten und ein Teil vom Sportplatz weichen dem Bau.

 

 

Heiligendamm im neuen Jahrtausend.

 

 

2000

 

Der erste Spatenstich für das Grand Hotel wird vollzogen.


Die Fachhochschule für Angewandte Kunst zieht nach Wismar um.

 

 

2001

 

FUNDUS und Kempinski feiern zusammen mit dem Bundespräsidenten Johannes Rau das Richtfest des Grand Hotels.

Fast zeitgleich feiert auch das Friedrich-Franz-Gymnasium die Einweihung seines (übrigens später als architektonische Meisterleistung ausgezeichneten) Erweiterungsbaus.

 

 

2002

 

Der Rotary Club Heiligendamm wird gegründet.

 

 

2003

 

Durch ein defektes Fernsehgerät brennt das Jagdhaus am 27.11.2003 bis auf seine Grundmauern nieder.

Im Mai 2003 eröffnet das Kempinski Grand Hotel Heiligendamm.

Thomas Klippstein ist Chef des Hotels.

 

Zu den Gästen zählen bis 2006 der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Verteidigungsminister Peter Struck, der französische Außenminister Dominique de Villepin, sein polnischer Amtskollege Wlodzimierz Cimoszewicz, die Schauspielerin Hannelore Elsner, der Designer Wolfgang Joop, die Schauspieler Til Schweiger und Otto Sander, die Schauspielerin Alexandra Maria Lara, der Regisseur Helmut Dietl, die Autorin Hera Lind und das Model Nadja Auermann.

 

 


Heiligendamm im neuen Jahrtausend

 

Für Bad Doberan war die Wende Fluch und Segen zugleich. Der schleichende Verfall konnte gestoppt und mit Fördermitteln der komplette historische Stadtkern saniert werden. Straßen wurden neu gemacht, Schandflecken verschwanden, Verunstaltungen wurden rückgängig gemacht und neue Betriebe ließen sich in Bad Doberan nieder. Doch der Zusammenbruch alter Strukturen sorgte für hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderung und schließlich zu einem Kreislauf. Die Stadt erholte sich erst mit steigender Attraktivität wieder. Mehr Leute blieben, mehr Kinder wurden geboren, schließlich gab es auch wieder Zuzüge. Nun entwickelte sich einiges in der Stadt in die entgegen gesetzte Richtung: Hohe Mieten, hohe Lebenserhaltungskosten, Exklusivität.

Die Stadt entdeckte - wenn auch spät - den Tourismus als wichtige Einnahmequelle und muss nun einem Kompromiss finden, die Bürger der Stadt einerseits und die Touristen andererseits zufrieden zu stellen. Große Projekte, wie die Urbanisierung des Kammerhofes und der Bau eines Ferienparks scheiterten, kleine Projekte, wie die Sanierung der Schulen, zogen sich lange hin. Während die Infrastruktur sich erholt, Straßen mit Fördergeldern saniert und Landschaftsflächen renaturiert werden, bleibt für die Sanierung der Bausubstanz kein Geld übrig. Jugendherberge, Pavillon und Rathaus werden verkauft und für alte Häuser gibt es keine neuen Konzepte. Neue Häuser entstehen direkt neben leer stehenden, ahmen diese architektonisch sogar noch nach.

Bad Doberan muss seinen Weg erst finden - so wie die vielen Jahrzehnte zuvor.
Wieder Pensionopolis oder wieder Wohn-Stadt? Die Zukunft wird es zeigen.

Ganz anders verlief die Geschichte in Heiligendamm. Eigentlich Stadtteil Bad Doberans war dieser Ort inzwischen so autonom geworden, dass selbst die Bad Doberaner Stadtverwaltung nicht mehr so recht Fuß fassen konnte. Heiligendamm war wie eine Fremde im eigenen Haus. Hinzu kam, dass die Stadt gar nicht so viel selbst bestimmen konnte, da Heiligendamm in erster Linie das Ensemble mit seinen fast 30 Häusern war und diese an die Treuhand fielen. Bad Doberan konnte nur mitbestimmen.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern und der Bund, vertreten durch die Treuhand, versuchten nach der Schließung der Ostsee-Klinik den Verkauf der einzelnen Gebäude. Es fanden sich Interessenten für die Villen und Cottages aber nicht für das Ensemble selbst. Darum zog man die Ausschreibung zurück und schrieb alle Gebäude des Ensembles in einem Gesamtpaket aus.

 

Die Fundus-Gruppe legte bereits 1992 ein fertiges Konzept für die Nutzung Heiligendamms und den Ausbau zu einem Hotelbetrieb

vor. Das Land bevorzugte zunächst eine medizinische Nutzung und ließ das Hotelkonzept daher außen vor. Mit der Asklepios-Gruppe fand das Land zunächst ein interessantes Konzept der Gesundheitshotellerie. Die Gruppe fand jedoch nicht genug Mitstreiter und musste aufgeben. Ein kanadischer Investor wollte das Ensemble ebenfalls kaufen, wollte aber die Promenade und den Strand dazu kaufen und sperren, was in Deutschland rechtlich nicht möglich ist.

Zuletzt favorisierte das Land die Dr.-Marx-Gruppe als Gesamtinvestor. Als bekannt wurde, dass die Gruppe den Neubau einer Funktionsklinik hinter den herzoglichen Cottages plante, formierten sich Bürger zu einer Initiative und starteten Kampagnen gegen die Dr.-Marx-Gruppe, sowie Dr. Marx und den Klinikleiter Dr. Schütt persönlich. Die Stadt fand keinen alternativen Standort für einen Klinikneubau, da das mikrobiologische Heilklima nur 60 Meter vom Wasser in den Wald hinein reicht und auf jeden Fall Bäume gefällt werden mussten, wogegen sich der "Bürgerrat" aufrichtete. Die Dr.-Marx-Gruppe zog sich aus Heiligendamm zurück und errichtete statt dessen in Bad Sülze eine Median-Klinik.

So blieb nur das Hotelkonzept der geduldig wartenden FUNDUS-Gruppe übrig. Ihr Gründer Anno August Jagdfeld war durch die gescheiterten Veräußerungsversuche des Landes in einer guten Verhandlungslage und konnte einige Bedingungen stellen, wie die Erlaubnis zum Kauf von 500 ha Ackerland für die Weiterveräußerung als Bauland für ein Villenviertel. 1996 wurden die Verträge unterzeichnet. Etwa 15 Mio. DM zahlte Fundus für etwa drei Viertel des Ortes aber dafür musste sie alle 26 Gebäude kaufen und sich zu einer Menge verpflichten.

 

Bedingung war nämlich ein (eigentlich nur zwischen sich annähernden verfehdeten Staaten üblicher) Grundlagenvertrag zwischen der Stadt Bad Doberan und der EntwicklungsCompagie Heiligendamm, einer 100%igen Tochter der Fundus-Gruppe. Betreiber des Hotels ist nicht die Fundus-Gruppe und auch nicht die ECH, sondern sollte zunächst eine Betreibergesellschaft sein. Dann zeigte aber die Kempinski Hotels & Resorts AG aus Genf, die zu 85% dem Crown Property Bureau aus Thailand gehört Interesse und schloss mit der FUNDUS-Gruppe einen Betreibervertrag bis 2012 ab, den sie vorzeitig 2009 kündigte. Die Fundus-Gruppe unter Leitung ihres Chefs und quasi auch Inhabers Anno August Jagdfeld sammelte mit dem Fonds 34 Geld ein. 25.000 EUR + 5% Agio pro Anleger. 207 Mio. EUR Investitionen für das Ensemble selbst und 400 Mio. EUR für den ganzen Ort versprach der Investor.

 

Im Jahr 2000 wurde der erste Spatenstich vollzogen und der Bau ging sehr zügig und unter Zeitdruck voran.
Die Burg und die Orangerie wurden entkernt und wieder im alten Stil hergerichtet, wobei die Orangerie noch einen Anbau bekam. Das Grand Hotel und Haus "Mecklenburg" wurden entkernt und von innen heraus völlig neu wieder aufgebaut und das "Severin-Palais" ist ein Neubau. Im Mai 2003 wurde das Hotel eröffnet und vor der Eröffnung konnten tausende Besucher eine ausgewählte Route durch das Hotel und über das Areal nehmen und sich umsehen. Einen Tag später war dies nur noch nach erfolgter Zimmerbuchung möglich. Das Hotel wurde zunächst gut angenommen aber sehr bald stellte sich Unmut ein. Der vermeintliche Küstenwanderweg wurde versperrt und um Heiligendamm herum verlegt und der Zugang neben dem Kurhaus wurde abgeriegelt.

Was nach 2003 geschah und maßgeblich für den heutigen Zustand Heiligendamms ist, erfahren Sie hier.
 

 

Heiligendamm im Jahre 2003 (gefunden im PR-Bereich auf fundus.de.)

Dieses Bild wird von der Fundus-Gruppe selbst und sogar zur Verwendung zur Verfügung gestellt. 

Auffällig ist erst einmal das Vorhandensein der Burg Hohenzollern, welche aufwändig rekonstruiert

wurde und ein etwas zu groß geratener Koloss links neben dem Grand Hotel. Dieses Gebäude wurde

völlig neu an der Stelle des Sportplatzes errichtet. Designerisch passt es zum Ensemble, hat dort aber

streng genommen nichts verloren. Dennoch hat man sich mehr Mühe gegeben, als bei der MEDIAN-

 Klinik, welche hinter dem Ensemble herausguckt. Die Seebrücke wurde bereits 1993 zum 200jährigen

Jubiläum des Bades errichtet. Sie ist 200 Meter lang und endet auf einer Sandbank, wodurch kein Schiff

dort anlegen kann. Gut erkennbar ist der saubere und neu aufgespülte Sandstrand, der nun nicht mehr

durch ein Packwerk verkleinert ist. An dessen Stelle ist eine versenkbare Wand direkt vor den Häusern

der Perlenkette getreten. Hier allerdings fehlen nun die Wege von der Promenade zu den Perlen. Als

dieses Bild entstanden ist, war der Küstenwanderweg noch passierbar und man konnte am Kurhaus

vorbei zum Bahnhof gelangen. Das ist nun nicht mehr der Fall und sorgt für enorme Verstimmung.

Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 

 

 

 

2004

 

Heiligendamm erhält das Prädikat "Seeheilbad" und die Blaue Flagge.
Der Seeheilbad-Status wird jedoch nur vorläufig anerkannt. Bis zum Jahre 2009 muss Bad Doberan bestimmte Voraussetzungen schaffen und Bedingungen erfüllen. Dann erst wird der Ort offiziell wieder für 12 Jahre als Seeheilbad anerkannt.

Im Molli-Bahnhof eröffnet ein Restaurant, welches nach einer Umfrage zur Namensgebung "Herzoglicher Wartesaal" getauft wird.

Auf dem Kammerhof eröffnet der Christliche Schulverein die erste private Schule, die "Christliche Münster-Schule" im Schulgebäude.

 

 

2005
 

Hotelchef Thomas Klippstein legt wegen Stasi-Vorwürfen seinen Posten nieder und wechselt ins Adlon.

Thorsten Dressler wird sein Nachfolger in Heiligendamm.

Der Marstall (Palette), sowie die Fachwerkbauten und Nebengebäude in Heiligendamm werden abgerissen und die Fläche begrünt.

 


2006

 

US-Präsident George W. Bush verweilt mit einer Delegation vom 12.07. bis 14.07. in Heiligendamm. (Link: Bush-Special)

 

Außer Bush sind Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, das Model Eva Padberg, die US-Außenministerin Condoleezza Rice, die Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und schließlich das Deutsche Fußball-Nationalteam in Heiligendamm zu Gast.

 

Die Seedeichstraße wird neu errichtet.

Die Parkreihe wird entfernt und dafür in Strandnähe in nicht ganz halber Kapazität wieder errichtet.

Die ehem. Drogerie und die ehemalige "Palette" (Marstall) werden abgerissen. Die Leerfläche wird zunächst begrünt.

 

In Bad Doberan fällt das leer stehende Moorbad einer Brandstiftung zum Opfer und verliert die Hälfte des Dachstuhles.

 

 

2007

 

Ab Januar 2007 wird ein 2,50 m hoher und 13 km langer und 12,5 Mio. EUR teurer Sicherheitszaun um Heiligendamm errichtet.

Polizeibeamte aus mehreren Bundesländern beziehen den rechten Flügel der ehem. FAK und nehmen ihre Arbeit auf.

Sie sollen zusammen mit der Bundespolizei den Ort vor Anschlägen militanter G8-Gegner schützen.

 

Am 11.01.2007 wird mit dem Abriss der Villa "Perle" begonnen.
Es wird bekannt, dass auch "Möwe", "Hirsch", "Schwan", "Tabea", "Waldfriede" und die FAK folgen.

Am 09.02.2007 wird mit dem Abriss der Villa "Tabea" begonnen, nachdem im Januar die Fenster, Türen und Innenverkleidungen entfernt worden sind. Diese sind zu diesem Zeitpunkt auch schon im linken Flügel der ehem. FAK entfernt.

Die Scheune am Forsthaus wird abgerissen.

 

Die Kühlungsborner Straße wird neu errichtet.

Die Grünflächen werden wiederhergerichtet und von Unrat befreit, der Bereich um die Seebrücke wird gepflastert und die Steinpackungen werden erneuert.

 

Thorsten Dressler gibt seinen Posten als Hotelchef in Heiligendamm auf.

Der Schweizer Martin Kolb wird im März Hoteldirektor des Kempinski Grand Hotel Heiligendamm.

 

Am 02.04.2007 wird die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers amtlich revidiert.
Die Stadtverwaltung vertritt die Ansicht, dass einerseits durch den Tod Hitlers und andererseits durch die Entnazifizierung in der DDR die Ehrenbürgerschaft schon aufgehoben ist und bekräftigt dies nach der massiven Kritik und den Belustigungen durch Medien und Öffentlichkeit durch einen amtlichen Beschluss.


Am 18.04.2007 wird mit dem Wiederaufbau eines dritten Gleises am Bahnhof in Heiligendamm begonnen.
Durch dieses zu DDR-Zeiten entfernte Gleis soll eine bessere Auslastung ohne Gegenzug-Wartezeiten gewährleistet werden.

 

Am 25.04.2007 wird der Flächennutzungsplan für den Küstenwald gekippt.

Der Bürgerbund setzte sich dafür ein, dass er nicht zum Hotelgelände gehört.

Der Kleine Wohld bleibt damit Erholungswald. Auch der Entwurf zum Bebauungsplan 1 fällt damit.
 

Am 26.04.2007 wird in der Ostsee vor Heiligendamm ein Torpedo gefunden und gesprengt.
 

Im Mai 2007 werden die Garagen und die Post abgerissen.
Hinter dem Fürstenhof wird ein Parkplatz in Betrieb genommen und auf dem Kempinski-Parkplatz und dem Gelände des einstigen Marstall entstehen vorübergehend Leichtbauten für den G8-Gipfel.

 

Am 03.06.2007 wird bekannt, dass die Jewish Claim Conference Ansprüche aus dem Erbe Baron von Rosenbergs prüft.

Zum Erbe könnte auch das formaljuristisch nicht ordnungsgemäß verkaufte Heiligendamm gehören, was Schadenersatzansprüche der Erbengemeinschaft gegen die BRD bedeuten könnte, da der Ort nicht ordentlich verkauft und dann auch noch enteignet wurde.

 

Die Bürgerinitiative "Pro Heiligendamm" wendet sich mit einer Petition zum Erhalt Heiligendamms an den Bundestag.

 

SAT1 strahlt den 2007 in Heiligendamm gedrehten Film "Frühstück mit einer Unbekannten" aus.

 

Vom 03.06. bis 10.06. 2007 findet das G8-Gipfeltreffen im Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm statt.

(Link: G8-Special 8 Rundgänge).

 

Hauptteilnehmer des G8-Gipfels sind neben vielen Delegierten die Staatschefs Stephen Harper (Kanada) mit Ehefrau Laureen, Nicolas Sarkozy (Frankreich) mit Ehefrau Cécilia, Angela Merkel (Deutschland) mit Ehemann Joachim Sauer, Romano Prodi (Italien), Shinzō Abe (Japan) und Ehefrau Aki, Wladimir Putin (Russland) und Ehefrau Ludmila Alexandrowna Putina, Tony Blair (Vereinigtes Königreich) und Ehefrau Cherie, George W. Bush (Vereinigte Staaten von Amerika) mit Ehefrau Laura, José Manuel Durão Barroso (Europäische Union) und Ehefrau Margarida Sousa Uva, Luiz Inácio Lula da Silva (Brasilien), Hu Jintao (Volksrepublik China), Manmohan Singh (Indien), Felipe Calderón (Mexiko), Thabo Mbeki (Südafrika), Muhammad Husni Mubarak (Ägypten), Abd al-Aziz Bouteflika (Algerien), Umaru Yar'Adua (Nigeria), Abdoulaye Wade (Senegal), John Agyekum Kufuor (Ghana), Meles Zenawi (Äthiopien), Alpha Oumar Konaré (Afrikanische Union), Ban Ki-moon (Vereinte Nationen).

Die Ehefrauen nehmen zusammen mit Angelas Merkels Mann Joachim Sauer am so genannten "G8-Partnerprogramm" teil, wo er ihnen Mecklenburg-Vorpommern zeigt.

 

Die Molli verzeichnet mit 630.000 Fahrgästen ihr Rekordjahr.

Auch Bad Doberan und Heiligendamm  können mit 290.639 Gästen eine Steigerung von 7,8% gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.

 

 

2008

 

Die Kempinski AG gibt im Januar bekannt, dass das Grand Hotel 350 Arbeitsplätze vorweisen kann.

 

Am 12.01. wird bekannt, dass Heiligendamm einen neuen Kurwald zwischen Kühlungsborner Straße und Perlenkette erhält.

 

Am 15.01. meldet der Doberaner Rennverein von 1822 e.V. Insolvenz an. Der Doberaner Rennclub gründet sich neu.
 

Am 16.01. und 19.01. steht in den Medien zu lesen, dass die FUNDUS-Gruppe am Abriss der Villen "Hirsch" und "Schwan" festhält und noch in diesem Jahr mit dem Abriss und dem Wiederaufbau dieser Villen, dem Wiederaufbau der "Perle" und der Sanierung und Rekonstruktion der anderen Villen in der Perlenkette und dem Bau der Tiefgarage beginnen will. Baubeginn soll März bis Ostern 2008 und Bauende der Herbst 2009 sein. Diese Informationen werden unabhängig auf einer CDU-Ortsgruppensitzung von einem ECH-Vertreter und bei einer anderen Gelegenheit durch den ECH-Geschäftsführer Hans Schlag gegeben.

 

Am 23. und 24. Februar 2008 findet der erste deutsche Medicus-Kongress im Grand Hotel in Heiligendamm statt.

Die Schauspielerin Christina Plate und der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, verweilen in Heiligendamm.

 

Im März werden 60 Meter der Promenade zum Bau eines Hotelparks eingezogen. Dies ermöglichte ein Flächentausch mit der Stadt.

Das Haus "Waldfriede" wird abgerissen und die Baufläche für die Residenz "von Flotow" der JHI Immobilien verwendet.

 

Kürzungen im städtischen Haushalt sorgen dafür, dass der Doberaner Kunstverein vor dem Aus steht.

Mit ihm würde die Galerie im Roten Pavillon, das Wasserfest AQUAnostra, das Anbaderitual und die Table d' hôte wegfallen.

 

Am 13.03. berichtet die Ostsee-Zeitung, dass der Wiederaufbau der Villa "Perle" nunmehr im Mai beginnen solle.

Die Stadtverwaltung hebt die Parkplätze in der Gartenstraße auf, weil sie von Hotel-Mitarbeitern als Dauerparkplätze missbraucht werden.

 

Nachdem fast das komplette Management ausgetauscht wurde, schreibt das Kempinski Grand Hotel erstmals wieder eine schwarze Null. Kolb schaffte es, das Defizit von 1,7 Mio Euro abzubauen und unterm Strich die Zahl der Arbeitsplätze von 300 auf 385 zu erhöhen. Für die Art und Weise musste er Kritik einstecken und Verfahren vor dem Arbeitsgericht Rostock hinnehmen.

In Branchenkreisen wurde vermutet, dass Kempinski "einen Stern herunter" wolle, weil es nicht läuft.

Kolb dementierte dies gegenüber der Ostsee-Zeitung.

 

Am 29. und 30.04. treffen sich über 200 Mineralwasser-Manager zum Frühjahresbrunnentag 2008 im Kempinski Grand Hotel Heiligendamm.

 

Am 09.05. überträgt RTL den Wetterbericht von "Punkt Zwölf" live aus Heiligendamm.

Moderator Roger Saha landet dazu mit dem Fallschirmaus 4.000 Metern Höhe direkt vor dem Grand Hotel.

 

Im Juni sollen laut dem NDR 10 Meter des G8-Sicherheitszaunes als Touristenattraktion wieder aufgebaut werden.

Die Ostsee-Zeitung sucht nach möglichen Auftraggebern und vermutet letztlich einen PR-Gag der Zaunbaufirma.

 

Hollywood-Star Ralf Möller (Gladiator, Universal Soldier) verweilt in Heiligendamm.

 

Am 29.06. wird der Business & Cigar Club in der Davidoff-Lounge des Grand Hotel gegründet.

Prominente Gäste sind Rudi Assauer und César Herrera.

 

Die Kurkonzerte, welche seit 2003 auf Grund der schlechten Haushaltslage ausgesetzt wurden, werden wieder aufgenommen.

Zunächst wird dazu der Kamp benutzt. Andere Örtlichkeiten, wie ein ständiger Wechsel oder eine Konzertmuschel sind im Gespräch. Die Konzerte finden immer während der Saison an jedem Samstag um 16 Uhr - zunächst auf der mobilen Bühne auf dem Kamp - statt.

 

Am 06.08. legt die traditionelle Brigg "Aphrodite" anlässlich der 18. Hanse Sail von Rostock kommend in Heiligendamm an.

Neben 18 Kapitänen nimmt auch der deutsche Sauspieler Christian Wolff am Captains-Lunch im Grand Hotel teil.

 

Am 09.08. macht dann die MS "Europa" vor Heiligendamm fest und läst zum Charity-Weinevent "Big Europa" ein,

muss dann aber wegen starken Seegangs nach Warnemünde umdispositioniert werden.
Mit an Bord ist das Schauspieler-Ehepaar Saskia Valencia und Helmut Zierl. Sie verweilen in Heiligendamm.

 

Die Molli wird hundert und feiert mit Sonder- und Abendfahrten, Ausstellungen und Vergnügungen.

 

Die Stadtvertreter fassen die notwendigen Beschlüsse zur Realisierung des Kurwaldes, der 2009 fertig gestellt werden soll.

Im August eröffnet in der Gartenstraße 4 ein "Tante-Emma-Laden" und stellt die örtliche Versorgung in Heiligendamm nach 10 Jahren wieder her.

 

54 Oldtimer der 7. ADAC-Sunflower-Rallye machen auf Einladung des Grand Hotels auf ihrer Tour Stopp in Heiligendamm.

 

Der Hollywood-Star Sir Christopher Lee (Graf Dracula, Star Wars, Herr der Ringe) und seine Frau Gitte, sowie Schauspieler und Regisseur Klaus Maria Brandauer (Mepisto, Hanussen, Jenseits von Afrika)  verweilen in Heiligendamm. Auch die mehrmalige Europa- und Olympia-Weltmeisterin im Schwimmen, Franziska van Almsick, sowie ihr Lebensgefährte Jürgen B. Harder machen einen dreitägigen Heiligendamm-Kurzurlaub.

 

Im Oktober wird der Düsseldorfer Architekt im Prozess um den Millionenbetrug bei der Sanierung des Grand Hotels zu drei Jahren Haft verurteilt.

 

Die Kurtaxe wird erhöht.

Die Einnahmen belaufen sich nun auf ca. 242.000 Euro. Die Summe aller Kosten beläuft sich aber auf über 271.000 Euro.

 

Hotelchef Martin H. Kolb verlässt seinen Posten, nachdem das Hotel nicht so gut läuft, wie er es noch Ende 2007 erwartet hatte.

Er möchte sich nach eigenen Angaben neuen Herausforderungen stellen. Andere Quellen berichten, dass er entlassen wurde.

 

Im "Heiligendamm-Prozess" um den Millionenbetrug bei der Sanierung fällt das letzte Urteil für einen Mitarbeiter des Architektenbüros: 5 Jahre Haft.

 

Die Kirchgemeinde Bad Doberan kauft das Amtshaus am Klostergarten und plant einen Ausbau zum Gemeindehaus.
 

 

2009

 

Das Bad Doberaner Rheumazentrum initiiert das 1. Heiligendammer Gespräch im Grand Hotel.

 

Am 03.02. kündigt die Kempinski AG mit sofortiger Wirkung den Managementvertrag mit dem Grand Hotel.

(Link: Kempinski wirft das Handtuch und steigt in Heiligendamm aus.)

 

Oliver Sembill wird neuer Interims-Hotelchef.

 

Haus "Krone" wird an einen Privatmann verkauft.

Es handelt sich um ein Familienmitglied des Hamburger Versandhändlers Otto (Otto-Versand).

 

FUNDUS will durch eine Kapitalerhöhung von 41 Millionen Euro in Heiligendamm 20 Millionen Euro investieren.

Nach Angaben von Jagdfeld soll der Wellnessbereich doppelt so groß werden.

Zudem sollen zwei Außenschwimmbäder sowie ein Sportzentrum, Tennisplätze, ein Fußball- und Bolzplatz sowie ein Schaugarten entstehen. Zu den vier vorhandenen Restaurants sollen drei weitere hinzukommen.

 

Die Kempinski-Gruppe zieht gegen FUNDUS vor Gericht und will erreichen, dass der Name "Adlon" nur noch für das Adlon in Berlin verwendet werden darf. Bisher hatte man in Heiligendamm gern mit dem "Adlon am Meer" geworben. Daher hat sich auch Adlon-Erbe Percy Adlon eingeschaltet.

 

Die jährliche Strauß-Gala in Heiligendamm soll auch nach dem Ausstieg von Kempinski bestehen bleiben.

 

Im März wird bekannt, dass Heiligendamm gar kein DSL hat.

Die Leitungen liegen vom G8-Gipfel aber der Verteiler wurde nach dem Gipfel wieder entfernt.

Das Grand Hotel nutzte bisher Insellösungen. Das Interesse ist jedoch in Heiligendamm und Vorder Bollhagen groß.

Die Stadtväter werden um Hilfe gebeten.

 

Die in Heiligendamm gedrehte und vom Hotel handelnde Komödie "Pretty Mama" wird ausgestrahlt.

 

Der B-Plan 25 (Wohnen im Alexandrinen-Cottage und Haus "Krone") und Nummer 30 (Tiefgarage, Anhebung der Promenade, Sturmflutschutzmauer) stehen erneut zur Debatte. Beide Pläne werden am 30.03. gekippt.

 

Die Diskussion um Heiligendamm ist erneut entfacht und wird von den Medien aufgenommen.

 

Im April wird Holger König neuer Hotelchef

 

Der traditionell am 01.05. statt findende Molli-Lauf findet ab 2009 nicht mehr statt, da der Hauptsponsor MBB die Unterstützung versagt. Der Verein kann ohne die Unterstützung der Mecklenburgischen Bäderbahn den Molli-Lauf nicht ausrichten.

Bis hier her gab es 13 Molli-Läufe.

 

Am 09.05. findet der Gourmet-Gipfel in Heiligendamm statt.

Die ECH und das Grand Hotel bringen gemeinsam ab Mai monatlich eine Zeitung heraus, die über die Pläne der ECH aufklärt.
Im Grundaufbau stellt diese Zeitung die Arbeit des Hotels und die einzelnen Tätigkeiten vor, berichtet aus dem Gut Vorder Bollhagen oder vom Golfressort Wittenbeck, stellt ein Rezept vor, stöbert im Gästebuch des Grand Hotels, bringt Presseberichte, Leserbriefe und Blicke von außen, behandelt Abschnitte der Geschichte und Literatur von und über Heiligendamm, stellt der Reihe nach je ein Sanierungsobjekt vor und wenn es passt, wird ein lokalpolitisches Thema oder eine bevorstehende Entscheidung besprochen. Abgerundet ist die Lektüre durch persönliche Porträts, z.B. von Zulieferern oder Investoren und eingeleitet wird die Zeitung durch ein Editorial, welches abwechselnd von Anno August Jagdfeld oder Holger König geschrieben wird.

Einige den Investitionen kritisch gegenüber stehende Gastgeber Heiligendamms gründen die "Interessengemeinschaft Heiligendammer Gastgeber" (IHG), welche etwa ein Drittel der kleinen Heiligendammer Gastgeber - quasi nur sich selbst - vertritt und dessen Selbstverständnis es ist, "nicht gegen das Hotel zu arbeiten, sondern den Stein wieder ins Rollen zu bringen".
Eine Mitgliedschaft des Grand Hotels und der größeren Heiligendammer Beherbergungsbetriebe wird von vornherein per Größenbegrenzung in der Satzung ausgeschlossen. In der Folgezeit nutzt die IHG die Lokalzeitung "OSTSEE-ZEITUNG" für die Publikation ihrer Forderungen, die teilweise nicht nachvollziehbar, teilweise nicht umsetzbar und teilweise entgegen der zwischen Stadt und Investor getroffenen Entscheidungen stehen. Daraufhin distanzieren sich nicht in der IHG vertretende Gastgeber von der IHG und ihren Forderungen.

Im Spätsommer 2009 muss die Stadtvertreterversammlung über einen Antrag des Bürgerbundes abstimmen, der mit einer Willenserklärung erreichen will, dass der von der ECH als Hotelpark vorgesehene Teil des Kleinen Wohldes nicht in eine Grünfläche mit der Zweckbestimmung "Hotelpark" umgewandelt werden darf, sondern öffentliche Wald bleibt. Zusammen mit der Lokalredaktion der OSTSEE-ZEITUNG wettern Bürgerinitiativen, Bürgerbund und IHG gegen die angestrebte Umwandlung und belasten den Investor mit Falschaussagen und groben Fehlern in der Berichterstattung. Am Ende erteilt die Mehrheit der Stadtvertreter dem Antrag des Bürgerbundes eine Ansage und setzt dem Treiben ein Ende. Der inszenierte Protest verstummt schlagartig und weitere Entscheidungen zu Gunsten eines Fortschrittes in Heiligendamm führen zu einem Rückzug der Hotelgegner.

 

Im Juni stirbt der langjährige Heiligendammer Ärztliche Direktor Cuno Serowy im Alter von 88 Jahren in Kühlungsborn.

Die Legislaturperiode 2004-2009 endet mit den Kommunalwahlen im Juli 2009.
Die FDP kann einen Sitz zulegen, das Bündnis für Bad Doberan zieht mit einem Kandidaten und die NPD mit zwei Kandidaten in das Rathaus ein. Die CDG verliert zwei, der HGV ein Sitz und die restlichen Parteien behalten ihre Sitze, tauschen teilweise aber die Besetzung aus. Bürgermeister bleibt Hartmut Polzin, als Stadtvertretervorsteher löst Guido Lex (Bürgerbund) Caroline Brandt (CDU) ab. Sein anmaßende Auftreten, sowie Beleidigungen und mangelnde Neutralität sorgen kurz darauf für Empörung bei Stadtvertretern und Bürgern.  

 

Am 09.08. legt der niederländische Traditionssegler "Aphrodite" anlässlich der 19. Hanse Sail in Heiligendamm an.
Der zu DDR-Zeiten zugeschüttete Mühlenteich am Moorbad wird wiederhergerichtet und das Flussbett renaturiert.

Der Schauspieler Fritz Wepper dreht in Heiligendamm den Krimi "Alles Böse zum Hochzeitstag",
welche vom ZDF im Frühjahr 2010 ausgestrahlt wird. Zusammen mit seiner Tochter Sophie nutze er die Kulisse Heiligendamms.

Im Winter wird bekannt, dass der Bürgermeister mit der ECH Kompromisse ausgehandelt hat, welche eine Zustimmung der Stadtvertreter erleichtern sollen. Die FDP nutzt diese Situation zu einer Nachverhandlung in einzelnen Punkten und stellt ihre Zustimmung zu den Anträgen auf Grund der neuen Kompromisse in Aussicht. Dennoch stellen FDP und Bürgerbund für die Sitzung Anträge, die in ihrer Art an den Interessen den Investors vorbei gehen oder direkt dazu geeignet sind, ihn zu behindern.

Am 14.12. genehmigt die Stadtvertreterversammlung die B-Pläne 25 und 30 und erlaubt damit der ECH den Bau einer Tiefgarage und eines Hotelparks, sowie die Sanierung der Perlenkette samt der geplanten Neubauten in der zweiten Reihe und den zukünftigen Bewohnern der Perlenkette die ganzjährliche Nutzung ihrer Wohnungen. Die ECH kündigt an, mit dem Wiederaufbau der Villa "Perle" bereits im Juni 2010 zu beginnen. Die Bauzeit beträgt 15 Monate und die anderen Villen werden nacheinander oder parallel saniert, sowie die Mehrzahl der Wohnungen verkauft ist. Sämtliche Anträge des Bürgerbundes und der FDP die dazu geeignet sind, den Investor oder das Grand Hotel zu behindern, werden mehrheitlich abgelehnt. Damit zeichnet sich eine neue Richtung ab.


2010


Die Chronik wird ständig aktualisiert. Schauen Sie wieder herein!

 

 

 

Weitere Termine, die in der Zukunft liegen, gibt es hier.

Hier geht es zur aktuellen öffentlichen Diskussion speziell um Heiligendamm.
Übrigens: Einen Architekturführer für Bad Doberan und Heiligendamm finden Sie hier.

 


Söhne und Töchter der Stadt:
 

  • Karl Georg Schumacher (1797-1869),
        Hofmaler in Schwerin
     
  • Eduard Heyck (1862-1941),
        Kulturhistoriker, Herausgeber, Schriftsteller und Dichter
     
  • Paul Löwigt (1873-1934),
        Lübecker Bürgermeister

     
  • Ernst Voß (1886-1936),
        Theologe
     
  • Friedrich von Hohenzollern (1891-1965),
        Prinz von Hohenzollern-Sigmaringen, später Chef des Hauses (in Heiligendamm geboren)
     
  • Joachim Schmettau (* 1937),
        Bildhauer
     
  • Heike Müns (* 1943),
        Volkskundlerin und Autorin
     
  • Peter Eichstädt (* 1950),
        Politiker
     
  • Frank Paschek (* 1956),
        Leichtathlet
     
  • Herbert Maronn (* 1959),
        Fußballfunktionär sowie ehemaliger Fußballspieler und Fußballtrainer
     
  • Frank-Michael Malchow (* 1961),
        Politiker
     
  • Felix Drahotta (*1989),
        Riemenruderer

     

  •  


    Persönlichkeiten, die in Bad Doberan und Heiligendamm gewirkt haben
    :

    • Carl Theodor Severin (1763-1836),
      Architekt (Neue Wache, Rostock)
      schuf mehrere Bauwerke in Doberan und Heiligendamm
       
    • Johann Hermann Becker (1770–1848),
      Leibarzt (Großherzogin Louise Friderike) Geheimer Medizinalrat
      war als Badearzt in (Bad) Doberan tätig
       
    • Karl von Maltzahn (1797-1868),
      Pferdezüchter, preußischer Oberlandstallmeister
      Mitbegründer der Doberaner Rennbahn
       
    • Gotthilf Ludwig Möckel (1838-1915),
      Architekt und Baumeister (u.a. Erlöserkirche Potsdam)
      lebte und arbeitete in (Bad) Doberan
       
    • Ehm Welk (1884-1966),
      Schriftsteller (Die Heiden von Kummerow)
      lebte seit 1950 in Bad Doberan
       
    • Herman Wirth (1885-1981),
      völkischer Pseudohistoriker (Der Aufgang der Menschheit)
      leitete in Bad Doberan während der NS-Zeit ein „Forschungsinstitut für Geistesurgeschichte“
       
    • Gerhard Ringeling (1887-1951),
      Schriftsteller (Zwei auf einem Floß)
      war als Lehrer am Friedrich-Franz-Gymnasium in Bad Doberan tätig
       
    • Kate Diehn-Bitt (1900-1978),
      Malerin
      besuchte in Bad Doberan die Höhere Töchterschule
       
    • Claus von Amsberg (1926-2002),
      Prinzgemahl der niederländischen Königin,
      besuchte kurzzeitig das Friedrich-Franz-Gymnasium in Bad Doberan


     


    Infos zu den Personen, die Heiligendamm besucht haben:
     

    Großherzog Friedrich Franz I,
    Prof. Gottlieb Samuel Vogel,
    Christoph Willhelm Hufeland,
    Georg Christoph Lichtenberg,
    J.C.H. von Seydewitz
    ,
    Carl Theodor Severin,
    Gustav Adolph Demmler,
    Die herzoglichen Familien von Mecklenburg-Schwerin,
    Gebhard Leberecht v. Blücher, General von Hardenberg, Friedrich von Preußen,
    Willhelm von Preußen,
    Felix Mendelssohn Bartholdy,
    C.J. Apperley,
    Maria A. Romanowa,
    König Ludwig I von Bayern,
    Kronprinz von Bayern,
    Gottfried Schadow,
    Helmut K. B. von Moltke,
    Heinrich von Preußen,
    Kaiser Wilhelm I,
    Otto von Bismarck,
    Karl XIV Johann v. Schweden,
    Rainer Maria Rilke,
    Louise von Preußen
    ,
    Wilhelm von Humboldt,
    Marcel Proust,
    Lord Nelson,
    Joseph Goebbels,
    Adolf Hitler,
    Hermann Göring,
    Benito Mussolini,
    Marie von Meckl.-Schwerin,
    Fürst von Putbus,
    Prinz Christian von Dänemark,
    Prinzessin Sanguszko von Polen,
    Admiral Sarizchev,
    Erzbischof von Breslau,
    Generalchirurgus Goercke,
    Madame Catalani,
    Professor Reichard
    ,
    Friedrich Wilhelm III von Preußen,
    Nikolaus Zarewitsch,
    Herzog von Cambridge,
    Kronprinz Oskar von Schweden
    Großfürst Constantin von Russland,
    Theodor Fontane,
    Hermann Sudermann,
    Köhl und Hünefeld,
    Max Schmeling,
    Pola Negri,
    Hans Albers,


    Johannes Rau,
    Hans-Dietrich Genscher,
    Peter Struck,
    Dominique de Villepin,
    Wlodzimierz Cimoszewicz
    ,
    Hannelore Elsner,
    Wolfgang Joop,
    Til Schweiger,
    Helmut Dietl
    ,
    Alexandra Maria Lara,
    Hera Lind,
    Otto Sander,
    Nadja Auermann,
    Wolfgang Schäuble
    ,
    Eva Padberg
    ,
    Condoleezza Rice,
    Frank-Walter Steinmeier,
    Deutsches Fußball-Nationalteam
    ,
    Stephen Harper,
    Nicolas Sarkozy,
    Angela Merkel,
    Romano Prodi
    ,
    Shinzō Abe,
    Wladimir Putin,
    Tony Blair,
    George W. Bush,
    José Manuel Durão Barroso,
    Luiz Inácio Lula da Silva
    ,
    Hu Jintao,
    Manmohan Singh,
    Felipe Calderón,
    Thabo Mbeki,
    Muhammad Husni Mubarak,
    Abd al-Aziz Bouteflika,
    Umaru Yar'Adua,
    Abdoulaye Wade,
    John Agyekum Kufuor,

    Meles Zenawi,
    Alpha Oumar Konaré,
    Ban Ki-moon,
    Ralf Möller,
    Rudi Assauer,
    Christopher Lee,
    Klaus Maria Brandauer,
    Saskia Valencia,
    Helmut Zierl,
    Franziska van Almsick,
    Fritz Wepper

     

     


    Ehrenbürger hatte Bad Doberan offenbar nur zwei: Ehm Welk und Adolf Hitler.
    Im Frühjahr 1932 stimmte die Stadtvertretung Bad Doberans dem Vorschlag der Ehrenbürgerschaft zu und erteilte sie im August 1932 offiziell. Auch Walter Kempowski wusste von dieser Ehrenbürgerschaft. Da Ehrenbürgerschaften nach dem Verständnis der Verantwortlichen mit dem Tod des Ehrenbürgers enden und spätestens die Entnazifizierung die Ehrenbürgerschaft Hitlers beendet hätte, wurde nichts weiter unternommen. Man ging davon aus, dass Hitler nicht mehr Ehrenbürger Bad Doberans sei.

    Im Rahmen der Vorbereitungen zum G8-Gipfel wurde von Gegnern der G8 versucht, den Austragungsort Heiligendamm durch das Hervorkramen dieser Ehrenbürgerschafts-Geschichte zu denunzieren und die derzeitige Politik mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen, woraufhin die Stadtvertreterversammlung Bad Doberans am 02.04.2007 einstimmig die Ehrenbürgerschaft offiziell und ohne nachträgliche Anerkennung derselben entzog und erklärte, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod Hitlers als beendet angesehen wurde. Darum ist auch Ehm Welk nicht mehr offiziell Ehrenbürger der Stadt.
     

    Weitere Informationen zur Geschichte, Architektur und Kultur

    Heiligendamms und Bad Doberans, sowie seiner Bauwerke und Baumeister gibt es hier:

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