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>> Information:
Die Architektur Heiligendamms und seine Baumeister.
>> Buch-Tipp:
Bäderarchitektur in Doberan-Heiligendamm.
1873: Heiligendamm wird verkauft und geht
pleite.
1873 wurde das Gebäude zusammen mit den anderen
an eine Aktiengesellschaft
unter dem Vorstand des Baron Otto von Kahlden
auf Iden verkauft, der 1885 alle
Aktien aufkaufte und praktisch Privateigentümer
Heiligendamms wurde.
1879 bekam Doberan das Stadtrecht.
Heiligendamm gehörte jedoch nicht dazu und wurde
somit als eigenständiger Ort behandelt.
1910 verkaufte Rudolf von Kahlden (der Sohn Otto
von Kahldens) das Ensemble an den
Schriftsteller Walter John-Marlitt, der sich
verspekulierte und das Unternehmen 1911 in den Ruin trieb.
Die Aktiengesellschaft meldete Konkurs an. Die
Gläubiger kauften das Bad für 1.510.000 Mark, um
wenigstens die Hypotheken zu retten und gründen
am 21.02.1911 die "Ostseebad Heiligendamm GmbH".
Die vier Gesellschafter sind der Leipziger
Großhändler Joachim Hermann Felix Wolf, die Hamburger
Großhändler Julius Lachmann und Hermann Sanders
und der Hamburger Rentier Adolf Glüenstein.
Die gezeichneten Aktien hatten eine Stammeinlage
von 38,5% und einen Wert von 800.000 Mark,
von denen 350.000 Mark auf Lachmann und je 150.000 Mark auf
die anderen Anteilseigener gingen.
1919: Die Revolution streift Heiligendamm.
Am 14.11.1918 dankte der Großherzog Friedrich
Franz IV von Mecklenburg-Schwerin ab.
Die Arbeiter- und Soldatenräte besetzten die
Gebäude und ließen sie von den gerade zuvor
abgezogenen Soldaten bewachen. Es entbrannte ein
Streit zwischen den
verschiedenen
Ämtern über die Finanzierung der Gebäude,
welcher letztlich darin endete, dass der
Großherzog seine Gebäude wieder in Besitz nehmen
durfte. Die Besetzung wurde
aufgelöst und die großherzogliche Familie bezog
die Gebäude wieder.
Ein Hauch der Revolution hatte das Seebad gestreift.
1920: Ein Baron rettet Heiligendamm.
1920 war die Louis Wolff KG aus Lübeck
Hauptaktionär der Aktiengesellschaft.
1922 meldete diese Insolvenz an.
1923 zeichnete Oskar von Rosenberg für eine
Treuhandvereinbarung Berlin 225.000 Goldmark,
Kurt Kramer in Vertretung für die Berlinsche
Bodengesellschaft 150.000 und der Doberaner
Rechtsanwalt Fritz Knaack für die
Grunderwerbsgesellschaft Berlin mit 225.000 Goldmark.
Mit 600.000 Goldmark werteten die drei neuen
Gesellschafter die GmbH an.
Fritz Knaack übernahm 1925 die Geschäftsleitung
für die GmbH und bekam eine Schlüsselstellung.
Hinter den Kulissen kontrollierte Baron
Rosenberg mit seiner O.A. Rosenberg Zürich alle Anteile
und verschiedene Gesellschaften und
vorgeschobene Gesellschaften. Ihm ist es letztlich zu verdanken,
dass das Seebad den Verfall durch Inflation und
Krieg entkommt. Es wurde ein Aufsichtsrat gebildet,
in dem auch Herzog Adolf Friedrich zu
Mecklenburg saß, der später auch Vorsitzender des Rennvereins
und des Golfvereins wurde. Der Herzog hatte
großen Anteil an der Entwicklung, während der Geldgeber
Baron Rosenberg nie in Erscheinung trat und über
ihn geschwiegen wurde. Dennoch wurde schnell klar,
dass Heiligendamm durch einen sehr reichen
jüdischen Österreicher gerettet wurde.
1926 wurde das Hotel in ein vereinseigenen
Kaufmannserholungsheim mit einer
Filiale neben dem Kinderheim umgestaltet.
1930: Pächter kommen und gehen.
1930 wurde gegen
den Pächter, Bruno Pagel (Besitzer des Sporthotel Oberwiesenthal)
das Konkursverfahren eingeleitet. Neuer Pächter wurde die Baugenossenschaft des
Deutschen evangelischen Volksbundes eGmbH aus
Mühlheim an der Ruhr.
1931 meldete auch diese Konkurs an und Günter Siegert
übernahm
die Leitung des Badebetriebes mit 400 Zimmern
mit 500 Betten.
Am 01.04.1936 wurde Heiligendamm wieder mit Bad
Doberan vereinigt.
1939 Heiligendamm wird beschlagnahmt.
1938 weilten Adolf Hitler und Benito Mussolini
in Heiligendamm.
Bad Doberan ernannte Adolf Hitler als erste
deutsche Stadt zum Ehrenbürger.
1939 wurde auch das Heim von den
Nationalsozialisten beschlagnahmt und
1942 an die Reichsmarine verkauft.
Es erhielt einen dunklen Tarnanstrich und nahm
bald die ersten Flüchtlinge auf.
Nach 1945 diente es zunächst als Wohnhaus für
Heimatvertriebene aus Pommern
und Schlesien, die von den Pensionen
"Waldfriede", "Mellendorf" und "Scherpeltz"
in das Gebäude umzogen. Nach der Gründung des
Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes
der DDR (FDGB) zogen auch diese Bewohner aus und
das Hotel wurde wieder zu einem
Klub-Ferienheim.
1942: Die weiße Stadt am Meer wird grün und
voll.
1942 erhielt das Gebäude einen dunklen
Tarnanstrich.
1943 zogen Kadetten in das Gebäude ein.
Durch die schweren Bombardements in Rostock
folgten bei ständiger Engerbelegung der Kadetten auch Flüchtlinge.
Am 26.07.1943 gingen bei einem Bombenabwurf im
Wald die Fensterscheiben zu Bruch.
1944 folgten weitere Flüchtlinge aus Pommern und
Schlesien. Das Gebäude wurde voll ausgefüllt.
Die Kadetten und Flüchtlinge kamen in den Genuss
der herzoglichen Möbel, auf die sie allerdings gern verzichtet hätten.
1945: Heiligendamm soll gesprengt werden.
1945 besetzte die Rote Armee das Gebäude. Nach
dem Abkommen der Alliierten mussten alle militärischen
Einrichtungen in Deutschland gesprengt werden.
Nur mit Mühe ließ sich die Sowjetarmee davon überzeugen,
dass es sich nicht um eine militärische
Einrichtung handelt. Statt der Sprengung folgte der Abbau der
Versorgungsleitungen, Heizungen, Sanitär und Elektrik im Auftrag der SMAD
durch eine Berliner Firma.
Das Innenleben wurde als Reparation
abtransportiert und vieles wurde auch durch Anwohner gestohlen.
Ende 1945 standen die großen Häuser des
Ensembles fensterlos und leer inmitten einer Wüste aus
Bauschutt und Grasbüscheln und hallten jeden
Schritt geisterhaft wider.
1946: Der Herzog will sein Bad zurück.
1946 erhob Herzog Christian Ludwig
Restitutionsanspruch. Die aufkeimenden kommunistischen
Kräfte in der Ostzone nutzten dies für eine
Kampagne gegen den Herzog und natürlich auch
gegen die Aristokratie und für ihren im Aufbau
befindlichen Sozialismus.
Der Herzog musste den Anspruch aufgeben und auf
sein Bad verzichten.
1947: Heiligendamm wird Volkseigentum.
1947 erhielt die Sozialversicherung
Mecklenburg-Vorpommern die Gebäude und baute sie zu einem Kurbad aus.
Die Gebäude der Perlenkette wurden zu
Gästehäusern für Kurgäste. Das Grand Hotel wurde zum Hauptgebäude
des Kurbades und enthielt klinische
Einrichtungen, die Kantine, Logistik, Verwaltung und Mehrbettzimmer.
Die Kolonnaden wurden im Obergeschoss zu
Wohnungen und im Erdgeschoss zu Geschäften und einem
Café ausgebaut, das Prinzessin-Reuß-Palais
(Residenz-Hotel) und das Haus "Bischofsstab" wurden vom
Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB)
übernommen und zu Ferienheimen umfunktioniert.
Die drei westlichen Cottages (Krone, Mariencottage, Alexandrinencottage)
wurden zu Spezialkliniken
für Hautkrankheiten, TBC und
Atemwegserkrankungen, die Burg wurde zum Erholungsheim für Bergleute.
Die Häuser an der Seedeichstraße wurden
Wohnhäuser und an der Kühlungsborner Straße wurden die
Häuser "Tabea" und "Waldfriede" zu Wohnhäusern
und ein weiteres Haus daneben wurde mit dem
Kinderheim baulich vereint und diente nun als
Fachschule für angewandte Kunst (FaK) mit Wohnheim.
In der Gartenstraße wurde aus der Villa der
Familie von Witzleben ein Kindergarten und das gegenüber
liegende Ferienheim wurde wieder zum Ferienheim.
Die Orangerie und das Fachwerkhaus gegenüber
wurden zu Gewerbeflächen.
Die Gebäude des Ensembles erhielten alle 2 Jahre
einen weißen Anstrich. Eine Brigade von 8 Mann kümmerte
sich täglich um die Gebäude und die
Einrichtungen und besserte aus, verputzte neu, überweißte oder ersetzte.
Der Putz war wegen des Alters sehr anfällig und
Verputzungen des Stucks waren sehr aufwändig. So wurde
oftmals der Stuck einfach entfernt. Baulich
wurden viele Vereinfachungen vorgenommen und für die Nutzung
unnötige oder störende Elemente, wie Türme,
Erker, Zwerchhäuser oder Gauben wurden entfernt,
die Dachgeschosse teilweise ausgebaut und mit
Gauben erweitert und marode Fenster wurden durch
Massenartikel ersetzt, was auch einige
Anpassungen des Mauerwerkes nötig machte. Balkone und besonders
Zierrat wurden entfernt und Terrassen angebaut.
Die Villa "Greif" erhielt eine Dachgaube, während man die Türme
an den Villen "Möwe", "Schwan" und "Perle"
entfernte und die Grundrisse änderte.
Heiligendamm wuchs durch die Erschließung des
Gebietes südlich der Kühlungsborner Straße.
Dort entstanden Eigenheime und eine
Gartenanlage. Jeder Hausbauer baute so, dass er irgendwo
noch ein paar Zimmer zusätzlich hatte, in denen
er gegen gute Bezahlung Kurgäste unterbringen konnte.
Jede Möglichkeit wurde für die Unterbringung von
Kurgästen genutzt aber auch die Anzahl der Mitarbeiter
wuchs ständig an, sodass Wohnungsbau nötig
wurde. Zwischen dem Fürstenhof (Altersheim) und dem
Forsthaus wurde ein Wohngebiet mit zwei
Wohnblöcken in industrieller Bauweise angelegt. Die Straße
wurde nach dem Badearzt Professor Adolf Kortüm, Prof. Vogels
Nachfolger, benannt. Die Fachschule
wurde während der Sommerferien als Unterkunft für Ferienkinder, vornehmlich aus Berlin, Sachsen,
Sorben und der
Tschechoslowakei genutzt.
1990 wurde der FDGB aufgelöst und das Gebäude
wurde zunächst zu einem Reha-Zentrum mit
Therapieeinrichtungen umfunktioniert, musste
aber nach Eröffnung der MEDIAN-Klinik dann auch
aufgeben und steht seitdem ungenutzt.
1992: (K)einer will Heiligendamm.
1990 wurde die "Ostseeklinik GmbH" gegründet und
der Kurbetrieb weitergeführt. 1992 wurde das Gebäude
als Bestandteil des
Ensembles ausgeschrieben. Es meldeten sich einige Interessenten, von denen
aber nur
das Angebot das Angebot der Dr.-Marx-Gruppe für die Nutzung
einer Kurklinik mit Neubau neben dem Ensemble
in Frage kam. Dieser Investor sprang nach
hitzigen Diskussionen wegen des Neubaus ab und so wurde das
Ensemble nebst eines gewaltigen
Flächenpotenzials innerhalb des Ortes 1996 an die FUNDUS-Gruppe aus
Köln mit
ihrer Tochter "Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm GmbH" (ECH)
verkauft.
Die Sanierung sollte im Jahr 1997 beginnen aber
zuerst musste Geld gesammelt, geplant und genehmigt werden.
Der Klinik-Neubau der Dr.-Marx-Gruppe kam trotzdem: 1996 in Form der MEDIAN-Klinik.
1997: Alles muss raus.
1997 wurden die Mieter der verkauften Gebäude
gekündigt, da mit der Sanierung begonnen werden sollte.
Das Haus "Bischofsstab" und das Prinzessin-Reuß-Palais wurden saniert und zu Hotels umgebaut,
wobei das
"Bischofsstab" auch Gastronomie beherbergte. Das Prinzessin-Reuß-Palais wurde zunächst
in "Adlon am Meer" geführt, musste aber auf
Grund einer Intervention des Adlon in Berlin in "Residenz-Hotel"
umbenannt werden. Das Golfhaus wurde zum Café
und ein Sanitärhaus wurde an der Promenade errichtet.
Vier Jahre zuvor bekam Heiligendamm wieder eine
Seebrücke, die aber keine Landungsbrücke ist.
2003: Es kehrt Leben ein.
Nach drei Jahren Planungs- und Genehmigungsphase
- und dem Umstand, dass die FUNDUS-Gruppe seit
1997 erst Geld sammeln musste - wurde im Jahre
2000 mit der Entkernung der Häuser "Mecklenburg",
"Grand Hotel", "Hohenzollernburg", des Kurhauses
und der Orangerie begonnen. Das Haus "Brahn"
wurde zügig zu einem Kinderclub umgebaut und
neben dem Grand Hotel wurde ein Neubau
hochgezogen. Nach drei Jahren sahen die Häuser
"Mecklenburg", "Grand Hotel", "Orangerie",
"Kurhaus" und "Burg Hohenzollern" wieder fast so
aus, wie nach ihrer ersten Fertigstellung
und das "Severin-Palais", der "Kids Club" und
der Anbau an der Orangerie passten sich dem an.
Nicht saniert wurden die Häuser "Perle",
"Greif", "Seestern", "Möwe", "Schwan", "Hirsch", "Anker",
Eikboom", "Seeadler", "Krone", sowie die Kolonnaden, das Marien-Cottage und das
Alexandrinen-Cottage.
Unbenutzt und leer blieben der Fürstenhof, die
Villa der Familie von Witzleben, Krieg's Hotel, die Häuser
"Waldfriede", "Tabea" und die Fachschule, die im
Jahr 2000 geräumt wurde, die Palette, das Fachwerkhaus
und die Scheune dazwischen. Im Mai 2003 konnten
sich die Bürger und die Medien an einem Tag der offenen
Tür auf einer festgelegten Route Räume des Grand
Hotels, des Kurhauses und des Hauses "Mecklenburg"
ansehen. Die Hohenzollern-Burg, das
Severin-Palais und die Orangerie blieben geschlossen.
Am 1. Juni 2003 eröffnete das Kempinski Grand
Hotel Heiligendamm
und wurde prompt zum schönsten Hotel
Deutschlands gekürt.
2007: Das große Aber.
Im Jahr 2005 wurde mit Arbeiten im Gebäude begonnen, die bis dato keinen Abschluss
gefunden haben.
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